Nachgefragt-Podcast zum zunehmenden Kampf ums Wasser im 21. Jahrhundert

Seitdem auch die Hauptstadt des Iran, Teheran, im Abgrund der Dürren zu scheitern droht, höre ich zu meinen langjährigen Warnungen vor der Wasserkrise kaum mehr Spott. Dennoch überwiegt oft noch die Auffassung, “Wasser” sei kein Thema, solange es in Europa noch genug davon gebe. Dem möchte ich auch hier – widersprechen.

Mastodon-Post mit dem Text: "Tausendmal gewarnt: Das fossile & also korrupte Ressourcenfluch - Regime des Iran beutet seit Jahrzehnten das einst wasserreiche Land für Erdöl aus & finanziert Antisemitismus, Krieg & Terror statt Mitweltschutz. Nach immer größeren Teilen des Landes taumelt nun auch die Hauptstadt Teheran in die Klima- als Wasserkrise, steht vor der "Schließung". Der Fossilismus tötet, auch Herz & Verstand...

Das iranische Regime verschleuderte die fossilen Einnahmen zur Unterdrückung der eigenen Bevölkerung durch die korrupte Revolutionsgarde, zur Finanzierung von Terror, antisemitischer Propaganda und Kriegen. Jetzt leidet das Land unter der Klima- als Wasserkrise, die Hauptstadt Teheran steht vor dem Dürre-Kollaps. Screenshot: Michael Blume

Knapp gesagt vertrete ich die These, dass die Geschichte des 19. Jahrhunderts von der Kohle (“Eisen und Blut”) dominiert wurde, jene des 20. Jahrhunderts von Erdöl & Erdgas (“Blut für Öl”) und jene des 21. Jahrhunderts zunehmend von Hitze & Wasser (“Karbonblase gegen Solarpunk”).

Warum ich über diese Themen auch immer wieder per Text & Podcast informiere? Die meisten werden den Begriff “Schriftreligionen” kennen. Doch ob Judentum, Christentum, Islam, Sikhismus oder Bahai – auch Religionen, die auf Texten basieren, setzen auf Menschen, die das geschriebene Wort wieder in gesprochene Sprache verwandeln.

“Schema Yisrael!” – “Höre Israel!” heißt der Glaubensruf im Judentum und seit Jahrtausenden wird die Alphabetschrift an Kinder vermittelt. Der Noahsohn Sem gilt gar als erster Begründer einer Alphabetschule. Rabbi Jehoschua, griechisch Jesus, arabisch Isa sprach laut den Evangelien viel, las auch aus dem Tanach. Doch hinterließ er keinen eigenen Text und wird in der Bibel (Joh. 8, 6) nur einmal als in den Sand schreibend – beschrieben. Der islamische Quran leitet sich aus arabisch iqra = Rezitieren – also dem lauten Textvortrag – ab und wurde erst nach dem Tod des Propheten komplett verschriftet und als Kodex kanonisiert. Die Heilige Schrift der Sikhs, der Guru Granth Sahib / Adi Granth, wird ebenfalls nicht nur gelesen und ausgelegt, sondern gilt auch als Verkörperung der Lehre, als “Guru”. Die achtzehn Jünger des persischen Bab (1819 – 1850) und er selbst galten als Ḥurúf-i-Ḥayy, “Buchstaben des Lebendigen” – die auch durch Predigten, Gedichte und Gesänge die Botschaften weitertrugen.

Mediengeschichtlich gesprochen: Sprache ist und bleibt das primäre Medium, Schrift das sekundäre Medium.

Weil ich das Hören so wichtig finde, bin ich ein großer Fan des wissenschaftlich informierenden “Nachgefragt”-Podcast von Michi “Melima” Voth. Entsprechend gerne war ich nun zum sechsten Mal bei ihr zu Gast, diesmal zum Thema “Krieg um Wasser? – Treiber oder Brandbeschleuniger im Konflikt Israel – Palästina”. Darin mache ich darauf aufmerksam, dass Wasser mehr denn je ein Mittel der Konkurrenz und Inflation, aber auch des Friedens und der Zusammenarbeit sein kann. Darüber hatte ich ja bereits in “Verschwörungsfragen” ein halbes Jahr vor dem Hamas-Terrormassaker des 7. Oktober 2023 warnend informiert.

Nachgefragt-Podcast 82 mit Dr. Michael Blume zum Thema "Krieg um Wasser?"

Nachgefragt Folge 82 (November 2025) “Krieg um Wasser? Treiber oder Brandbeschleuniger im eurasischen Gürtel?”. Screenshot: Michael Blume 

Hier auch unsere bisherigen Nachgefragt-Dialoge:

Gerade auch über die globale Wasserkrise werde ich also immer wieder schreiben, aber eben auch streamen und sprechen.

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

29 Kommentare

  1. Guten Morgen, @Michael,

    ich finde Deine These – nochmal in dieser Kurzform dargestellt – faszinierend. Sie inspiriert zu neuen Denkwegen.

    Ganz unmittelbar musste ich gestern an die Kardaschow-Skala denken, die extraterrestrische Zivilisationen nach ihrem Energiebedarf in drei hypothetische Stufen einteilt:
    Typ 1: Nutzung der gesamten auf einem Planeten verfügbaren Energie,
    Typ 2: Beherrschung der Energie ihres Zentralgestirns (z. B. durch Dyson-Sphären),
    Typ 3: Kontrolle der Energie einer ganzen Galaxie.

    Allerdings passt dieses Modell nicht direkt zu deinen vorgeschlagenen Entwicklungsstufen – Kohle, Öl und (im positiven Sinne) Solarpunk – denn die Kardaschow-Skala berücksichtigt nicht die Art der Energiegewinnung, sondern nur deren Quantität.

    Genau hier liegt der Hebel für eine spannende Weiterentwicklung: Was, wenn wir die Skala um qualitative Kriterien erweitern?

    Und zwar führe ich ein: Die „Blume-Kardaschow-Skala“ (ich nenne sie mal so, ich hoffe, das ist ok) zur Energiegewinnung als Spiegel zivilisatorischer Reife. 😊

    Dann könnte man Deinen Vorschlag, @Michael, abstrahieren und auf dessen Basis eine Skala entwerfen, die den Entwicklungsstand einer Zivilisation an der Qualität ihrer Energiegewinnung misst. Das ist aus meiner Sicht logisch und auch fruchtbar im Sinne des interdisziplinären Dialogs. Eine solche Skala könnte nicht nur historische Epochen abbilden, sondern auch kulturelle und künstlerische Reflexionen einbeziehen – von der Dampfmaschine in Jules Vernes Werken bis zu Fusionsantrieben in Filmen wie Passengers (zu dem du hier gebloggt hast):
    Stufe 0.25 (nach Blume): Fossile Brennstoffe (Kohle): Ressourcenfluch: Konflikte um Kohle, frühe Industrialisierung, lokale Umweltzerstörung; Kulturelle Bezüge: Steampunk
    Stufe 0.5 (nach Blume): Fossile Brennstoffe (Öl): Globale Abhängigkeit, Ressourcenkriege, Klimakrise; technisch fähig zu Kernkraft, aber ethisch überfordert; Kulturelle Bezüge: Frank Herberts „Dune“ (Spice-Ökonomie als Analogon zum Öl-Ressourcenfluch, wohingegen die „indigenen“ Fremen schon einen Schritt weiter sind)
    Stufe 1 (nach Blume und Kardaschov): Befreiung vom Ressourcenfluch; nachhaltige Nutzung planetarer Energie (Solar, Wind, Geothermie); kulturelle Bezüge: Solarpunk – möglicher Sprung zu …
    Stufe 2 (nach Kardaschov): Energie des Zentralgestirns: Dyson-Sphären oder vergleichbare Technologien; nachhaltige Sternennutzung möglich
    Stufe 3 (nach Kardaschov): Galaktische Energie: Kontrolle über die Energie einer Galaxie – ethische Implikationen unklar

    Besonders reizvoll wird der Ansatz durch die Verbindung zum Fermi-Paradoxon: Wenn es außerirdische Zivilisationen gibt, warum haben wir noch keine Spuren von ihnen gefunden? Eine mögliche Antwort: Die meisten scheitern an Stufe 0.5 – dem Übergang von fossilen zu nachhaltigen Energien. Stufe 0.5 ist daher m.E. der kritische Punkt, denn hier entscheidet sich, ob eine Zivilisation überlebt:
    Technisch kann sie bereits enorme Energien freisetzen (Atomkraft, Geoengineering), ethisch und sozial fehlen ihr aber oft die Mechanismen, um Konflikte friedlich zu lösen. Das Ergebnis: Selbstzerstörung durch Krieg, Klimakollaps oder ökologischen Zusammenbruch.

    Dies legt nahe, dass Stufe 1 – die Ära erneuerbarer Energien – der einzige Ausweg ist. Doch selbst dann bleibt die Frage: Kann eine Zivilisation Stufe 2 oder 3 erreichen, ohne andere Sternensysteme auszubeuten? Oder führt jede Expansion zwangsläufig zu neuen Formen des Ressourcenfluchs?

    Natürlich basiert dieser Entwurf notgedrungen auf irdischen Erfahrungen (Anthropozentrismus) – Kohle, Öl, Solarpunk sind menschliche Phänomene. Doch gerade das macht ihn wertvoll: Er bietet eine Denkstruktur, um über universelle Entwicklungsmuster zu spekulieren. Vielleicht gibt es Zivilisationen, die direkt zu Stufe 1 springen – oder an Stufe 0.25 scheitern.

    Ich denke, dieses Konzept eignet sich hervorragend als Grundlage für mehrere kreative Projekte – zum Beispiel:
    (1) Ein Science-Fiction-Projekt mit der Leitfrage: „Schreibt eine Kurzgeschichte über eine Zivilisation, die an Stufe 0.5 scheitert – oder sie überwindet.“ (Inspiration: Dune, zu dem ich vor einiger Zeit ja mal gebloggt habe und wo ich auch die Fermi-Frage auch diskutiert habe.)
    (2) Eine interdisziplinäre Debatte über Energieethik, Technologie und Kunst.
    (3) Ein Gedankenexperiment zur Zukunft der Menschheit: Wo stehen wir heute? Zwischen 0.5 und 1?
    (4) und so fort.

    Die „Blume-Kardaschow-Skala“ könnte nicht nur ein Werkzeug für SF-Autoren sein, sondern auch eine Metapher für unsere eigene energetische Zukunft.

    • Vielen herzlichen Dank, @Peter – sowohl für das gestrige Kommen und das Kennenlernen von Euch beiden, wie auch für diesen überaus starken Kommentar! „Blume-Kardaschow-Skala“ – was für eine Ehre! 🌞📗🙌

      Und tatsächlich vermute ich eine Wechselwirkung zwischen fossiler Industrialisierung und Mimesis: Als im 19. Jahrhundert Energie, Güter und Waffen aus Kohle gewonnen wurden, explodierten Bevölkerungen und Imperien von Großbritannien bis in die Türkei und Amerikas, nach Japan und China. Kein Volk konnte sich der Nachahmung der fossilen Industrialisierung entziehen, ohne wiederum überrannt zu werden. Im 20. Jahrhundert sehen wir dann weitere Wellen der Öl- und Gas-Industrialisierung – und die Menschen, die davon auch heute noch profitieren, wehren sich gegen jede Veränderung. Der Fossilismus erscheint so nicht als Wahl, sondern als Schicksal. Die Entfesselung des Feuers zerstört Menschen, Mitwelt und schließlich das planetare Ökosystem.

      Und ich stimme Dir ausdrücklich zu: Sollten andere Zivilisationen auf anderen Welten vergleichbaren Schockwellen der Energiegewinnung ausgesetzt sein, so würden es sicher nicht alle schaffen, diese zu überleben. Ob wir es vermögen steht noch nicht fest.

    • @Peter Gutsche

      Naturwissenschaft ist nicht meine starke Seite. Aber wenn ich sie richtig interpretiere, dann geht man in den Naturwissenschaften von einigen feststehenden Werten/Normen etc. aus. So sehe ich auch diesen Entwurf der “Blume-Kardaschow-Skala”.

      Die Fragen, die ich mir stelle, sind von einer gewissen Unsicherheit geprägt. Insbesondere “das Gedankenexperiment zur Zukunft der Menschheit: Wo stehen wir heute?…”

      Das Leben eines Menschen verläuft häufig nicht geradlinig. Sicher gibt es auch Leute, die in ihrem Leben keine größeren Herausforderungen vor sich haben, die von Krankheit oder Verlust weitgehend bewahrt bleiben, über ein ausgeglichenes Naturell verfügen etc.

      Ereignisse wie Kriege oder Pandemien, die in irgendeiner Form letztlich die ganze Welt betreffen, verändern die Menschen nicht nur als Individuum, sondern auch als Völker.

      Nehmen wir den 1. Weltkrieg, der mit so viel Hurra-Patriotismus begann, und an dessen Ende der Zusammenbruch zahlreicher europäischer Monarchien und mancher Zivilgesellschaft stand. Im Deutschen Reich war das “Volk” in seiner Ehre gekränkt beispielsweise durch die Versailler Verträge. Gebietsverluste, Allein-Schuld, Reparationen. Dies alles hatte Folgen für die Weimarer Republik.

      In Geschichtsbüchern lesen wir, wie solche Konsequenzen ausgesehen haben. Was wir nicht vor Augen haben, ist die Wirkung dieser Konsequenzen nicht nur auf den Einzelnen, sondern auf die Gemeinschaft. Ein Beispiel: Nicht selten litten die heimgekehrten Soldaten, die den Krieg “überlebt” hatten, an schweren psychischen Schäden. Bestimmt geschah es nicht nur in ein paar Familien – und auch nicht nur in Deutschland -, dass Männer, die an der Somme eingesetzt waren, schreiend und schweißgebadet aus dem Schlaf aufschreckten. Das blieb keinem in der Familie verborgen und belastete viele Kinder, aber auch die Ehefrauen . Das waren die Schicksale Einzelner – und doch prägten sie unterbewusst das Lebensgefühl der Menschen.

      Ein weiteres Beispiel ist die Corona-Pandemie, die weltweit tobte. Die für Kinder und Erwachsene ebenfalls schwerwiegende Folgen hatte. Viele unserer Mitmenschen ließen ihrem Egoismus freien Lauf. Andere sahen ihre Angehörigen sterben und wurden dadurch traumatisiert. Auch die Angst vor Long Covid ist für manchen bis heute ein Alptraum.

      Worauf solche Ereignisse hinauslaufen – nach meiner Interpretation – ist die Flucht der Menschen vor der Realität. Ich habe in den letzten Jahren sehr oft gelesen, dass viele glauben, dass es wieder so wird wie vor 2020. Irgendwann erkennt man, dass diese Zeit nie wieder kommt. Hieraus folgt Reaktanz – sprich die Weigerung, notwendige Veränderungen zu akzeptieren. Der vor allem in den Medien – TV, Presse, Social Media – ausgetragene Kampf gegen die Wärmepumpe, die Erklärung, dass Windräder die Landschaft verunstalten, das E-Auto deutsche Arbeitsplätze zerstört usw – sind für mich ein Zeichen dafür, dass die meisten von uns zwar um die Notwendigkeit der Veränderungen wissen, aber nur ein kleiner Teil von ihnen Solarpunks werden.

      Daher bin ich der Ansicht, dass man zwar eine solche Skala aufstellen kann, dass sie aber von scheinbar unveränderlichen Grundvoraussetzungen ausgeht, die in den Zeiten nach Kriegen oder Pandemien auf tönernen Füßen stehen.

      • Guten Abend, @Marie H.

        Vielen Dank für diese wichtigen Gedanken! Sie sprechen genau das aus, was mich bei der Beschäftigung mit solchen „langfristigen“ Gedankenexperimenten selbst bewegt: eine Mischung aus Faszination und Unbehagen.

        Tatsächlich handelt es sich bei Modellen wie der Kardaschow-Skala um genau das – um Gedankenexperimente. Sie bieten einen Rahmen, um mögliche künftige Szenarien zu durchdenken und zu strukturieren. Solche Modelle können uns helfen, uns mit der Zukunft auseinanderzusetzen – aber sie sind auch mit Vorsicht zu genießen.

        Denn wie Sie zu Recht anmerken: Die Geschichte lehrt uns, dass es immer wieder unerwartete Ereignisse gibt – die sogenannten „Schwarzen Schwäne“ –, die sich jeder Vorhersage entziehen. Und darüber hinaus – was Sie ja sehr schön beschreiben: Welche Auswirkungen haben solche Ereignisse auf einzelne Menschen und ganze Gesellschaften?

        Wer hätte etwa die gesellschaftlichen Verwerfungen durch die Corona-Pandemie in diesem Ausmaß antizipiert? Selbst in einer theoretisch vollkommen berechenbaren Welt stießen wir an Grenzen: Schon minimale Unsicherheiten in den Ausgangsbedingungen können zu völlig unerwarteten Entwicklungen führen (deterministisches Chaos). Doch selbst das ist noch zu optimistisch gedacht. Die moderne Physik zeigt uns, dass Zufälligkeit ein grundlegender Bestandteil der Realität ist – was langfristige Prognosen letztlich unmöglich macht.

        Ihre historische Perspektive unterstreicht dies perfekt: Wir mögen Trends erkennen, aber wir können nicht absehen, wie sich diese auf das Leben einzelner Menschen und ganzer Gesellschaften auswirken. Die Pandemie hat uns das auf dramatische Weise vor Augen geführt.

        Deshalb bleibt bei aller Faszination für Modelle wie die Kardaschow-Skala oder die langfristigen Visionen eines Max Roser auch mein Unbehagen. Besonders dann, wenn mächtige und charakterlich fragwürdige Akteure wie Elon Musk planen, diese konkret umzusetzen – etwa in Form der Mars-Besiedlung. @Michael hat auf seinem Blog bereits auf die Gefahren hingewiesen, die der Langzeitismus bergen kann, bis hin zu faschistoiden Tendenzen.

        Letztlich geht es also um Balance: um die Fähigkeit, uns von solchen Modellen inspirieren zu lassen, ohne uns von ihnen blenden zu lassen – und immer im Bewusstsein zu bleiben, dass die Zukunft offen ist.

  2. Nachtrag zu meinem Kommentar 25.11.2025, 11:06 Uhr:

    Typ 0.25 und 0.5 auf der Skala sind insofern vorläufig, weil eine Zivilisation, die sich dort befindet, die Energie ihres Planeten nicht nachhaltig nutzt. Bei uns auf der Erde geht das, erstens, mit einem Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre einher und damit mit einer planetaren Änderung, die die Existenz der Spezies selbst auf’s Spiel setzt (Erderwärmung). Und, zweitens, sind fossile Ressourcen nicht langfristig nutzbar – wenn wir nun wirklich langfristig in Jahrhunderten und Jahrtausenden denken. Dies gilt auch für das Uran, das selbst zu keinem Treibhauseffekt führt. Auf diesen Stufen Stufe bleibt eine Zivilisation dann – in unserem Science Fiction-angehauchten Bild – im wahrsten Sinne des Wortes stehen (es fehlt dann einfach die Zeit, um nachhaltig neue Technologien z.B. zur Erkundung des Sonnensystems oder der Galaxie zu entwickeln) oder vernichtet sich selbst (durch Ressourcenkonflikte und Klimawandel).

    • Sehr geehrter Herr @Peter Gutsche,

      das ist eine echt spannende Weiterentwicklung!
      Gerade weil ja unser ganzes Universum ja vor Energie eigentlich überquillt ist ja die Frage einfach, wie man es nutzbar machen kann.

      In Mad Max zum Beispiel ist man abhängig vom Bohren und ist im Primären Wirtschaftssektor (Bergbau) stecken geblieben. Sie haben zwar Sonne, Wind, Geothermie und Ebbe und Flut in Überfluss, können diese aber aus Mangel an Technologie nicht nutzen. Das geht erst in Kombination mit dem sekundären Sektor (Industrie) und mit dem tertiären (Dienstleistungen). Ich würde noch den Quatären Sektor dazufügen (Technologie Inovation).

      Wenn nur Primärer und sekundärer vorhanden sind, dann haben wir Länder die den Ressourcenfluch anheimfallen. Ressourcen werden ausgebeutet und Industriel verwertet, jeder anderer Sektor wird aber dadurch torpediert weswegen die zwei darauffolgenden sich nicht entwickeln können. Somit ist eine starke Abhängigkeit von einem Stoff vorhanden was auch das System instabil macht.

      Zum Fermi Paradox selbst, ich habe vor kurzen gelesen das der älteste Nachweis von leben auf der Erde um die drei Milliarden Jahre alt ist. Wenn man das bis zu uns rechnet und wir gerade bei 0,5 sind, dann müssten andere Zivilisationen vielleicht eine ähnlich lange Entwicklungsgeschichte haben. Gerade wenn man bedenkt was in drei Milliarden Jahren alles mit so einem kleinen Habitat passieren kann. 🙂

      • Guten Morgen, @Berthold Forster,

        vielen Dank für die spannenden Gedanken!

        Ich bin kein Wirtschaftswissenschaftler, aber wenn ich es richtig in Erinnerung habe, dann müsste Ihre folgende Aussage die Rentierstaats- (oder besser Ressourcenfluch-)Theorie im Kern wiedergeben und prägnant auf den Punkt bringen:

        “Wenn nur Primärer und sekundärer vorhanden sind, dann haben wir Länder die den Ressourcenfluch anheimfallen. Ressourcen werden ausgebeutet und Industriel verwertet, jeder anderer Sektor wird aber dadurch torpediert weswegen die zwei darauffolgenden sich nicht entwickeln können. Somit ist eine starke Abhängigkeit von einem Stoff vorhanden was auch das System instabil macht.”

        Ich denke, hier beschreiben Sie genau die Instabilität, die die sog. “holländische Krankheit” ausmacht. Aber das können Leute, die vertrauter mit Wirtschaftswissenschaften sind, besser beurteilen als ich.

        Zur Dauer, die es braucht, um komplexes Leben hervorzubringen, gibt es interessante Ansätze. Verschiedene Sternarten haben ja unterschiedliche Lebensdauern. So “leben” Blaue Riesensterne wohl zu kurz (nur wenige Zehn bis Hundert Millionen Jahre), als dass auf einem ihrer Begleiter eine komplexe Evolution in Gang kommen könnte. Das andere Extrem sind kühlere Rote Zwerge, die wohl mehrere hundert Milliarden Jahre brennen, so dass ein begleitender Planet in der habitablen Zone wohl genug Zeit hätte, komplexes Leben oder eine Zivilisation hervorzubringen. Vielleicht sogar mehrere Male nacheinander. Aber diese Sterne sind sehr instabil und zeigen regelmäßige Teilcheneruptionen/Flares, die so heftig sind, dass sie das Leben auf einem nahen Begleiter regelmäßig wieder zerstören und die Uhr der Evolution zurück auf Anfang stelken würden. Zumal die habitable Zone bei einem Roten Zwerg wegen seiner geringeren Temperatur näher am Stern wäre, was auch eine gebundene Rotation des Begleiters bedungen würde. D.h. immer dieselbe Seite würde dauernd von Stern angestrahlt. Ob sich unter diesen Bedingungen stabiles Leben überhaupt entwickeln könnte, ist fraglich.

        Unsere Sonne liegt dazwischen. Umso mehr sollten wir es schätzen, welche möglicherweise sehr seltenen Umstände zusammen getroffen sind, so dass sich auf der Erde Leben entwickelt hat.

    • Danke, @Peter – und wiederum Zustimmung! Du schriebst:

      Typ 0.25 und 0.5 auf der Skala sind insofern vorläufig, weil eine Zivilisation, die sich dort befindet, die Energie ihres Planeten nicht nachhaltig nutzt. Bei uns auf der Erde geht das, erstens, mit einem Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre einher und damit mit einer planetaren Änderung, die die Existenz der Spezies selbst auf’s Spiel setzt (Erderwärmung). Und, zweitens, sind fossile Ressourcen nicht langfristig nutzbar – wenn wir nun wirklich langfristig in Jahrhunderten und Jahrtausenden denken. Dies gilt auch für das Uran, das selbst zu keinem Treibhauseffekt führt.

      Aus meiner Sicht gibt es hier die starke Gefahr der Externalisierung: Während die Energie-Profite sofort anfallen, werden die Kosten auf andere Menschen, die Mitwelt und die Zukunft externalisiert. Das setzt eine Eskalation in Gang, der sich kaum eine Firma, Stadt, kein Volk, Staat, keine Weltanschauung und Religionsgemeinschaft entziehen kann. Sowohl in den Kapitalismus wie in den Marxismus schrieb sich dieses ein:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-fossilismus-kann-nicht-alleine-militaerisch-besiegt-werden-er-ist-staerker-als-kapitalismus-und-sozialismus/

      Sogar die Kardaschow-Skala selbst bildet diese Logik des exponentiellen Wachstums ab. Auch heute noch wird diese im Kern fossilistische Logik unter Floskeln wie “Wettbewerbsfähigkeit” versteckt, die selbst für bereits demografisch schrumpfende Populationen ein ewiges Wachstum verheißen. So kann und wird das nicht gut gehen.

  3. Ein kurzer und treffender Beitrag.
    Ergänzend dazu wäre ein Podcast zum Abwasser.
    Denn hier wird die Geringschätzung des Wassers und der Natur noch deutlicher.
    Bäche und Flüsse sind zu Abwasserkanälen geworden. Die Ostsee ist überlastet. Mittlerweile gibt es quadratkilometergroße Algenteppiche, verursacht durch die Überdüngung und die Zusätze bei den Waschmitteln.
    Die Umweltsünder gibt es also auch im “wissenschaftsgläubigen ” Europa.

  4. @Peter Gutsche 25.11. 11:06

    „Stufe 1 (nach Blume und Kardaschov): Befreiung vom Ressourcenfluch; nachhaltige Nutzung planetarer Energie (Solar, Wind, Geothermie); kulturelle Bezüge: Solarpunk – möglicher Sprung zu …“

    Den Anfang der Stufe 1 sind wir gerade am finden, weg von den fossilen Brennstoffen hin zu Windenergie und vor allem Solarenergie bei 10 Milliarden Menschen. Aber hier ließe sich auch noch eine weitere Entwicklung zu 100 Milliarden Menschen denken, bis dass wir dann die ganze Energie des Planeten nutzen, und den Platz zum Leben natürlich auch.

    Der Anfang ist schon hart genug, und ob der überhaupt gelingt, kann man nur hoffen. Neben Energie braucht es dann aber auch Wasser und Platz für Landwirtschaft.

    Es gibt erhebliche Unterschiede, wofür man wie viel Wasser braucht. Zum Trinken braucht man vielleicht 2 Liter am Tag, für den Haushalt in Deutschland 130 Liter, für Grün in Gärten und Städten bis zu 1000 Liter am Tag wenn es sehr lange nicht regnet und für Landwirtschaft zur Produktion von Grundnahrungs- und Futtermitteln 10.000 Liter am Tag.

    Diese Landwirtschaft muss man nicht in Wohnortnähe betreiben, die Erträge kann man problemlos lagern und transportieren. Wo man nicht genug Wasser hat, lohnt sich Bewässerung oft nicht, insbesondere ist Wasser aus Entsalzungsanlagen dafür zu teurer. Aber vielleicht klappt es schon bald, diese Erträge durch Bakterienkulturen, die direkt mit Grünem Wasserstoff gefüttert werden, herzustellen. Die PV hat über 20% Wirkungsgrad, die Photosynthese der Pflanzen unter 2 %.

    Man bräuchte also 10 mal weniger Fläche oder könnte eben 10 mal mehr Menschen ernähren, also dann bis zu 100 Milliarden Menschen.

    Wir könnten uns dann auf die Städte mit schön viel Grün konzentrieren, das darf dann gerne auch als Obst und Gemüse essbar sein. Und auch ohne diese Bakterienkulturen hätte man mit der Landwirtschaft nicht unbedingt so viel zu tun, als Stadtbewohner.

    Auch im Nahen Osten wäre man nicht schlecht beraten, statt sinnloser Ausgaben für Krieg, Terror und Unterdrückung sich mal vernünftig zum Leben einzurichten. Vielleicht klappt es dort ja dann mit der Einführung von Grüner Technik und einer entsprechend günstigen und verlässlichen Stromversorgung. Und eben auch genug Wasser aus Entsalzungsanlagen für Haushalte und schön viel städtisches auch essbares Grün.

    Grundnahrungs- und Futtermittel müsste man wohl importieren. Oder das klappt eben mit den Bakterienkulturen.

    Wenn das dann aber klappt, kann man überlegen, ob man mit 100 Milliarden Menschen auf dieser Erde leben will. Alles in einer Stadt, die sich über die gesamte Landfläche des Planeten erstreckt, ausgiebig durchzogen von Bändern mit recht wilder Natur als Refugium und zu Urlaubszwecken.

    Erst wenn uns das immer noch nicht genügt, macht es Sinn, sich auf eine Umlaufbahn um die Sonne zu begeben. Vermutlich ist hier aber der technische Aufwand so dermaßen groß, dass das nie Sinn machen würde. Derzeit dürfte 1 Tonne Material dort hin zu bringen 100 Millionen Euro kosten. Entsprechend muss man sich auch nicht wundern, keine Dysonsphäre zu finden. Wenn die einfach zu teuer ist, macht sowas keiner.

    Dann bliebe man eben hier auf hunderte Millionen Jahre mit um die 100 Milliarden Menschen. Genug Solarenergie hätten wir jedenfalls, dafür reichen die Dächer, Parkplätze und Straßen vermutlich aus, insbesondere wenn diese Städte nicht übermäßig eng gebaut werden.

    Deutschland hätte dann an die 800 Millionen Einwohner, und das ganze Land wäre eine einzige Stadt. Mit ganz viel auch essbarem Grün und durchzogen von Streifen recht wilder Natur als Refugium und zum Urlaub machen. Wenn man eben die Weide- und Ackerflächen nicht mehr braucht.

    Oder wir bleiben bei 10 Milliarden Weltbevölkerung und lassen der wilden Natur wieder den meisten Platz.

    • Guten Morgen, @Tobias Jeckenburger,

      Ich finde es faszinierend, wie Sie diese Vision einer zukünftigen Entwicklung unserer Energiewirtschaft und Lebensweise so detailliert und lebendig durchspielen.

      „Den Anfang der Stufe 1 sind wir gerade am finden, weg von den fossilen Brennstoffen hin zu Windenergie und vor allem Solarenergie bei 10 Milliarden Menschen. Aber hier ließe sich auch noch eine weitere Entwicklung zu 100 Milliarden Menschen denken, bis dass wir dann die ganze Energie des Planeten nutzen, und den Platz zum Leben natürlich auch.“

      Der Übergang von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energien – vor allem Solar- und Windenergie – ist tatsächlich eine Herausforderung, die wir gerade erst angehen, und zwar mit einer Weltbevölkerung von bereits 10 Milliarden Menschen. Dass Sie darüber hinaus auch eine Entwicklung hin zu 100 Milliarden Menschen hypothetisch durchdenken, zeigt Mut und Weitsicht.

      In diesem Zusammenhang empfehle ich gerne den Artikel von Max Roser, dem Gründer von Our World in Data: The Future is Vast. Ich fand es besonders anregend, diesen Text zu lesen, weil er Visionen wie eine Zukunft mit unermesslich vielen Menschen so anschaulich macht – etwa durch Mutmaßungen über die Gesamtzahl aller Menschen, die bisher auf der Erde gelebt haben und je nach Szenario noch nach uns kommen werden. Roser veranschaulicht dies gewissermaßen durch eine „mathematische Integration über die Zeitachse“, was mir half, die Dimensionen unserer Verantwortung und die möglichen Pfade der Menschheit besser zu begreifen.

      Allerdings löst diese Vorstellung bei mir, vor allem im Lichte des Stammbaums des Lebens, eher Skepsis aus. Wenn man sich die enorme Vielfalt und Biomasse der Archaeen und Bakterien vor Augen führt – und bedenkt, dass der Zweig der Sapiens darin nur ein winziger Ast ist (wie man etwa in diesen interaktiven Darstellungen nachvollziehen kann: iTOL oder OneZoom) – dann erscheint mir eine flächendeckende Besiedlung der Erde durch 100 Milliarden Menschen evolutionär betrachtet nicht sinnvoll.

      Denn auch wenn wir als Spezies durch unsere Großhirnrinde steuernd eingreifen können, entwickelt sich das Leben auch „von sich aus“ weiter – möglicherweise sogar auf anderen „Substraten“ als organischem Material, etwa in Form von Informations- und Kommunikationsnetzwerken. Die Frage ist, ob eine solche Vision nicht gerade dem evolutionären Prinzip widerspricht, das sich durch Vielfalt, Anpassung und nicht durch zentrale „Entscheidungen“ einer einzelnen Art auszeichnet.

      Ich finde es sehr inspirierend, über Ihre detaillierten Ideen nachzudenken, und – ja, es ist ermutigend, sich klarzumachen, dass wir den Sprung in eine nachhaltige Energiewirtschaft und Lebensweise (Stufe 1) schaffen.

      Gleichzeitig frage ich mich, ob nicht eine Vision mit weniger Menschen – und damit mehr Raum für wilde, unberührte Natur – demütiger und angemessener wäre. Alexander von Humboldts Vorstellung vom „Netz des Lebens“ erinnert uns daran, dass wir trotz aller Eingriffsmöglichkeiten Teil eines größeren Ganzen bleiben.

      Ich möchte auch noch den Gedanken beisteuern, dass gerade so faszinierende Ausführungen wie die oben zitierte von Max Roser dazu verleiten können, in Ideen eines unguten Langzeitismus abzudriften, in der man auf der unermesslich großen Zeitskalen (Jahrmillionen), in denen man denkt, die Verantwortung für die kommenden Jahrzehnte, Jahrhunderte und Jahrtausende unterschätzt.

      Ihre Gedanken haben mich jedenfalls sehr zum weiter Nachdenken angeregt.

  5. Ist die Zeit steigender Temperaturen generell und weltweit eine Zeit zunehmenden Wassermangels? Nein, generell und weltweit nicht, denn mit steigenden Temperaturen kann die Luft auch mehr Feuchtigkeit aufnehmen (7% mehr pro Grad Temperaturzunahme), was zu mehr und stärkerem Niederschlag vor allem in Form von Starkregen führt. Allerdings bedeuten höhere Temperaturen auch mehr Verdunstung, was bedeutet, dass sehr warme Landflächen auch schneller austrocknen. Regionen mit schon heute hohen Temperaturen und infolge des Klimawandels weiter zunehmenden Temperaturen werden also in Zukunft noch häufiger Probleme mit Dürren, fehlendem Niederschlag und mehr Verdunstung haben als heute schon, während es in ehemals kühleren Regionen mehr regnet, ohne dass die Verdunstung steigt. Dazu kommt noch, dass der Klimawandel auch Meeres- und Windströmungen ändert, was sich ebenfalls auf die Niederschläge auswirkt. In Kombination ergibt sich, dass sich in gewissen Regionen regelrechte langanhaltende Wasserkrisen entwickeln können während andere Regionen „grüner“ und feuchter werden. Im Rahmen des Klimawandels ist etwa ein spontanes „Sahara Regreening“ möglich, während andernorts ganze Landschaften verdorren.
    Kurzum: Der Klimawandel kann ganze Regionen austrocknen und andere ergrünen lassen. Damit wird der Klimawandel ein Treiber zukünftiger Migrationen sein.

    • Genau, @Martin Holzherr – die Klima- als Wasserkrise führt nicht einfach linear zu mehr Dürren, sondern zu mehr Extremwettern. Hier zum Blogpost schon vom Mai 2023 zum psychologischen Bestätigungsfehler rund um die Wasserkrise:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/aber-hier-regnet-es-doch-der-haeufigste-bestaetigungsfehler-in-der-klimakrise/

      Sie schrieben: Der Klimawandel kann ganze Regionen austrocknen und andere ergrünen lassen. Damit wird der Klimawandel ein Treiber zukünftiger Migrationen sein.

      Das stimmt und ist gleichzeitig doch verharmlosend: denn auch “ergrünende” Regionen werden meistens von heftigeren Extremwettern betroffen sein. Ein drastisches Beispiel ist der drohende Abriss des Golfstroms, konkreter der AMOC:

      Die Welt heizt sich auf – schneller als die meisten Experten es befürchtet hatten. Doch ein Kontinent könnte ausgerechnet in Zeiten der Erderwärmung eine herbe Kälteschelle abkriegen: Europa. Denn es ist ziemlich offensichtlich, dass die immer wärmer werdende Welt die Atlantische Meridionale Umwälzzirkulation (AMOC), im Volksmund meist Golfstrom genannt, abwürgt. Und wenn das passiert, müssen wir uns warm anziehen. Die Klimaforscher Stefan Rahmstorf und Frederik Schenk zeichneten auf dem Extremwetterkongress jüngst in Hamburg ein gespenstisches Szenario für uns Europäer.

      https://www.n-tv.de/wissen/Was-in-Deutschland-passiert-wenn-der-Golfstrom-versiegt-article26071511.html

      Hier auch eine kurze, historische Einordnung des von Ihnen verwendeten Begriffes “Klimawandel”:

      ## Wie und warum setzten US-Republikaner den Begriff “Klimawandel” durch?

      Die Verwendung des Begriffs “Klimawandel” (engl. *climate change*) anstelle von “globale Erwärmung” (*global warming*) wurde von US-Republikanern strategisch gefördert, um die Wahrnehmung der Öffentlichkeit zu beeinflussen. Dies geschah aus mehreren Gründen, die sowohl politisch als auch rhetorisch motiviert waren.

      ### **1. Ursprung und strategische Nutzung des Begriffs**
      – Der Begriff “Klimawandel” wurde nicht von Republikanern erfunden, sondern bereits in wissenschaftlichen Kontexten verwendet. Allerdings wurde er von dem republikanischen Strategen Frank Luntz in den frühen 2000er Jahren gezielt empfohlen. In einem Memo argumentierte Luntz, dass “Klimawandel” weniger bedrohlich und emotional aufgeladen klingt als “globale Erwärmung”. Er schrieb, dass “Klimawandel” eine kontrollierbarere und weniger katastrophale Herausforderung suggeriere, was die Akzeptanz konservativer Positionen erleichtern könnte[1][2].

      ### **2. Politische Motivation**
      – Republikaner haben traditionell eine skeptische Haltung gegenüber Klimaschutzmaßnahmen eingenommen, da diese oft als Bedrohung für wirtschaftliche Interessen, insbesondere der fossilen Industrie, wahrgenommen werden. Die Wahl eines weniger alarmierenden Begriffs wie “Klimawandel” half, die Dringlichkeit des Problems herunterzuspielen und Widerstand gegen strengere Umweltregulierungen zu fördern[5][7].
      – Die Förderung des Begriffs war Teil einer breiteren Strategie, die wissenschaftliche Debatte zu politisieren und die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Dies führte dazu, dass konservative Medien wie Fox News die Skepsis gegenüber Klimaforschung und -politik verstärkten[5].

      ### **3. Wirkung auf die öffentliche Wahrnehmung**
      – Studien zeigen, dass Begriffe wie “Klimakrise” oder “Klimanotstand” stärkere emotionale Reaktionen hervorrufen, während “Klimawandel” neutraler und weniger dringlich wirkt. Dies könnte erklären, warum Republikaner den Begriff bevorzugten, um die Diskussion zu entschärfen und die Unterstützung für Klimaschutzmaßnahmen zu verringern[9].
      – Zwischen 2008 und 2009 brach der Glaube an den Klimawandel unter konservativen Wählern massiv ein, was auf die erfolgreiche Verankerung dieser Rhetorik in der republikanischen Basis hinweist[5].

      ### **4. Langfristige Folgen**
      – Die bewusste Wahl von Begriffen wie “Klimawandel” hat dazu beigetragen, die Klimadebatte in den USA zu polarisieren. Während Demokraten zunehmend Begriffe wie “Klimakrise” verwenden, um die Dringlichkeit zu betonen, bleibt “Klimawandel” im konservativen Diskurs dominierend. Dies spiegelt die ideologische Spaltung wider, bei der wirtschaftliche Interessen oft über Umweltbelange gestellt werden[5][7][15].

      ### **Zusammenfassung**
      Die Republikaner setzten den Begriff “Klimawandel” durch, um die Diskussion über die globale Erwärmung zu entschärfen und die öffentliche Wahrnehmung zu beeinflussen. Dies war Teil einer strategischen Kommunikation, die darauf abzielte, die Dringlichkeit des Problems herunterzuspielen und Widerstand gegen Klimaschutzmaßnahmen zu fördern. Die Wahl der Sprache hat die politische und gesellschaftliche Debatte über den Klimawandel nachhaltig geprägt.

      [1] https://www.nationalobserver.com/2019/08/01/news/no-republican-strategist-didnt-invent-term-climate-change
      [2] https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0272494419307376
      [3] https://www.nd-aktuell.de/artikel/1174935.usa-die-republikaner-und-das-klima-hauptsache-kohlenstoff.html
      [4] https://greenly.earth/en-us/blog/ecology-news/what-is-the-republicans-position-on-global-warming
      [5] https://www.blaetter.de/ausgabe/2023/november/kulturkampf-und-klimakrise
      [6] https://grist.org/article/what-should-we-call-climate-change-its-political/
      [7] https://abcnews.go.com/Politics/gop-transitioned-climate-denial-climate-misrepresentation-experts/story?id=113056571
      [8] https://theclimatecenter.org/fossil-fuels/republicans-think-climate-change-maps/
      [9] https://schaeffer.usc.edu/research/if-you-want-americans-to-pay-attention-to-climate-change-just-call-it-climate-change/
      [10] https://www.pewresearch.org/short-reads/2024/03/01/how-republicans-view-climate-change-and-energy-issues/
      [11] https://www.dw.com/de/usa-erkennen-die-republikaner-den-klimawandel-endlich-an/a-59215565
      [12] https://www.fluter.de/warum-klimawandel-leugnen-in-den-usa-funktioniert
      [13] https://de.wikipedia.org/wiki/Klimawandelleugnung
      [14] https://climatecommunication.yale.edu/publications/republicans-worried-about-global-warming/
      [15] https://www.npr.org/2023/08/03/1191678009/climate-change-republicans-economy-natural-disasters-biden-trump-poll
      [16] https://www.welt.de/politik/ausland/article168546456/Hurrikane-in-den-USA-Warum-viele-Republikaner-ploetzlich-anders-ueber-den-Klimawandel-denken.html
      [17] https://www.americanprogress.org/article/climate-deniers-of-the-118th-congress/
      [18] https://www.wienerzeitung.at/a/trump-und-das-klima-verbannte-worte-sind-nur-der-anfang
      [19] https://www.forbes.com/sites/bobeccles/2023/12/31/what-ive-learned-from-conservatives-who-are-addressing-the-challenge-of-climate-change/
      [20] https://fivethirtyeight.com/features/the-political-rhetoric-around-climate-change-er-global-warming/
      [21] https://en.wikipedia.org/wiki/Climate_change_policy_of_the_United_States
      [22] https://leadthechange.bard.edu/blog/climate-change-and-the-end-of-the-us-environmental-consensus
      [23] https://www.rff.org/publications/reports/climate-insights-2024-partisan-views/
      [24] https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/warum-demokraten-den-begriff-klimawandel-meiden-wissenschafts-news-a-1167060.html
      [25] https://www.boell.de/de/2022/11/02/klimawandel-als-faktor-us-zwischenwahlen
      [26] https://taz.de/Trump-und-die-Klimakrise/!6063871/
      [27] https://www.reddit.com/r/Ask_Politics/comments/2xqate/what_is_the_republican_policy_background_for/?tl=de
      [28] http://democrats-appropriations.house.gov/news/press-releases/house-republicans-disarm-the-united-states-in-the-face-of-the-climate-crisis-and
      [29] https://www.scientificamerican.com/article/democrats-and-republicans-agree-on-climate-change/
      [30] https://ecoamerica.org/what-americans-agree-about-on-climate-change-blog/

      • @Michael Blume (Zitat): „ Das stimmt und ist gleichzeitig doch verharmlosend: denn auch “ergrünende” Regionen werden meistens von heftigeren Extremwettern betroffen sein. Ein drastisches Beispiel ist der drohende Abriss des Golfstroms, konkreter der AMOC:“
        Antwort:
        1) Nein verharmlosend ist meine Aussage, der Klimawandel werde die Lebensverhältnisse in bestimmten Regionen verschlechtern und damit zum Treiber von Migration werden, nicht. Diese Aussage stimmt auf alle Fälle. Die Zunahme von Extremwettern habe ich nicht erwähnt aber auch nicht ausgeschlossen. Bezüglich Extremwetter-Ereignissen gilt aber, dass die damit einhergehenden Zerstörungen wieder behoben werden können – allerdings nur dann, wenn überhaupt die finanziellen Mittel dazu da sind. In ärmeren Ländern fehlen diese Mittel zur Reparatur und vor allem fehlen dort die Mittel für einen resilienteren Wiederaubau. Wiederholte Extremwetter können darum in ärmeren Regionen, einen Wegzug quasi erzwingen.
        Was den immer wahrscheinlicher werdenden Zusammenbruch des AMOC angeht, so gebe ich ihnen recht, dass damit auch Regionen betroffen sind, die von einer Erwärmung nicht stark betroffen wären. Der AMOC-Zusammenbruch würde ganz Nordeuropa und sogar Grossbritannien sehr schwer treffen mit 20 Grad kälteren Wintern in Norwegen und einer starken Beeinträchtigung sogar der britischen Landwirtschaft. Der AMOC-Zusammenbruch wäre gegen Ende dieses Jahrhunderts zu erwarten. Er gehört zu den sogenannten Kipppunkt-Ereignissen und diese Kipppunktereignisse können Klimata in Grossregionen radikal ändern. Je stärker die Temperaturen steigen und je mehr Treibhausgase emittiert werden, desto wahrscheinlicher wird es, dass Kipppunkte überschritten werden.
        Wenn das passiert, wenn also Klimata sich in Grossregionen deutlich ändern, dann ist das tatsächlich eine globale Katastrophe, denn es wäre für die betroffenen Grossregionen sehr schwierig bis unmöglich sich genügend schnell anzupassen und Hilfe aus anderen Teilen der Welt wäre ebenfalls nicht im nötigen Ausmass möglich.
        2) um pingelig zu sein: (Zitat): „ der drohende Abriss des Golfstroms, konkreter der AMOC“ ist kein Extremwetter-Ereignis wie sie schreiben, sondern er ist eben ein Kipppunkt-Ereignis, ein Ereignis, das für die betroffenen Regionen zu einem langanhaltenden anderen Klima führt.

        Jetzt noch zu ihrem Glauben an die notwendige Emotionalisierung der Klimadebatte. Dazu zähle ich auch ihr Werben für die „richtige“ Klimasprache, für die Verwendung von Klimakatastrophe oder Klimanotstand anstatt Klimawandel, etc.
        Dazu lässt sich nur sagen: Personen wie Greta Thunberg, die die Klimadebatte emotionalisieren wollten, haben herzlich wenig bewirkt. Wie wenig, das lässt sich etwa an den letzten COPs, den letzten Klimakonferenzen ablesen, in denen immer mehr Öl-fördernde Länder an Einfluss gewannen. Selbst in der COP30 in Belem war es nicht möglich verbindlich einen Ausstieg aus den fossilen Energien zu beschliessen. Für mich ist es klar, dass die Klimakonferenzen sehr, sehr wenig bewirkten, was die Emissionen betrifft. Statt um Emissionen ging es in den Klimakonferenzen immer mehr um Gerechtigkeit, ging es immer mehr darum, wer die Klimamassnahmen bezahlt. Gemündet hat das in den Beschluss, die entwickelten Länder müssten jährlich 300 Milliarden Dollar pro Jahr an Klimageldern an die Entwicklungs- und Schwellenländer zahlen. Prognose: umgesetzt wird das nie werden, nur schon weil die USA und Europa immer stärker verschuldet sind. Wenn in naher Zukunft die Emissionen dennoch zurückgehen, dann nicht wegen politischer Beschlüsse, sondern weil inzwischen CO2-arme Energietechnologien so kostengünstig sind, dass sie sich von allein durchsetzen.

        Kurzum: Der grösste Fehler, der beim Klimaproblem begangen wurde, war es auf die Politik zu vertrauen, darauf zu setzen, dass man mit der Technologie des Jahres 2000 das Klimaproblem rein durch politische Massnahmen lösen könnte. Es zeigt sich nun, dass erst die Energietechnologie der 2020er Jahre die Chancen eröffnen, die Emissionen zu reduzieren. Grund: Fast alle Länder waren und sind nicht bereit weniger Energie zu verbrauchen. Wenn die Länder aber gleich viel oder sogar mehr klimaneutrale Energie zum Schleuderpreis erzeugen können, dann sind fast alle Länder bereit zum Klimaschutz, denn dann bekommen sie mit weniger Geld sogar mehr Energie.

        • Danke, @Martin Holzherr – in vielem kann ich Ihnen zustimmen, ausdrücklich auch in der Zurückweisung übertriebener Erwartungen an die internationale Politik. Gleichwohl muss ich schon daran erinnern, dass gerade auch große Teile der deutschen Wirtschaft an fossilen Technologien und fossilem Lobbyismus festhielten, als dies immer mehr schadete.

          Ganz aktuell zeigt sich das bei der Elektromobilität nicht mehr nur für Personenkraftwagen (PKW), sondern auch für Lastkraftwagen (LKW). Postete dazu gestern auf Mastodon:

          Während sich #Deutschland weiter in Richtung fossiles #Industriemuseum treiben lässt & die Regime etwa in #Russland und #Iran weiterhin fossil finanziert, steigt in #China der Anteil auch der #Elektrotrucks rasant:

          “Bis zur ersten Hälfte des Jahres 2025 machten batteriebetriebene Lkw 22 % der Neuzulassungen von schweren Lkw aus, gegenüber 9,2 % im gleichen Zeitraum des Jahres 2024.”

          https://sueden.social/@BlumeEvolution/115618046502027701

          Hier die Quelle im englischen Original:

          https://apnews.com/article/china-truck-lng-ev-diesel-transport-70f3d612de4b45b6f954a7f557f7f741

          Freilich muss ich die Täter-Opfer-Umkehr bei der Begriffsumdeutung von “globaler Erhitzung” zu “Klimawandel“ zurückweisen: Diese ging ja gerade nicht von wissenschaftlich Engagierten, sondern von US-Republikanern aus. Und bewirkte nachweislich ein Nachlassen (!) des politischen Engagements dieser Partei – bis hin zur Bekämpfung (!) von Wissenschaft und Mitweltschutz.

          Frank Luntz selbst hat die Ersetzung des Begriffes „globale Erhitzung“ durch „Klimawandel“ inzwischen übrigens als „falsch“ bedauert:

          https://www.politico.com/story/2019/08/21/frank-luntz-wrong-climate-change-1470653

          Den katastrophalen Antisemitismus von Greta Thunberg sprach ich bereits vor Jahren warnend an, sowohl in öffentlichen Medien wie auf dem Blog. Sie beharrt bisher leider auf diesem verhängnisvollen Kurs.

          https://www.juedische-allgemeine.de/politik/israel-hass-posts-von-fridays-for-future-weiter-in-der-kritik/

          Sprache ist das primäre Medium und desinformierende Begriffsarbeit wird von wissenschaftsfeindlichen Propagandisten mit großem Erfolg betrieben. Es ist falsch, dafür die Wissenschaft und die Wissenschaftskommunikation verantwortlich zu machen.

          • @Michael Blume zur Umbenennung von Klimerwärmung zu Klimandel: Ehrlich gesagt, hat es mich selber damals verwundert, dass plötzlich von Klimawandel gesprochen wurde anstatt von Klimaerwärmung. Ich habe diese Umbenennung erst mitgemacht als auch Klimawissenschaftler wie Stefan Rahmstorf nur noch von Klimawandel anstatt von Klimaerwärmung sprachen. Gerechtfertigt habe ich diese Umbenennung auch damit, dass das ein statistisches Konzept wie das Klima sich ja nicht erwärmen kann, aber ganz überzeugt war ich nie von der Umbenennung.

            Nun aber zu den Konsequenzen des Klimawandels. Vieles, was wir heute wissen, spricht dafür, dass die zunehmende Erwärmung die Klimata weltweit deutlich ändert wobei das Leben in ein paar grösseren Regionen schwierig bis unmöglich wird. Speziell gefährdet sind stark bevölkerte Küstengebiete und an grosse Flüsse grenzende Gebiete (steigende Meeresspiegel, Überschwemmungen) oder Gebiete, die heute schon unter Dürren leiden. Der Klimawandel wird zudem die Erde über hunderte von Jahren beherrschen und zu immer mehr Verlust bereits bewohnter und bevölkerter Gebiete führen. So gesehen eine Katastrophe, die wir unseren Kindern und Kindeskindern vererben und hinterlassen.

            Die Diskussion um den Klimawandel lief dabei in Vielem völlig falsch. Es gab sehr viel Trittbrettfahrer, die den Klimawandel für sich und ihre eigenen Ziele ausnutzen wollten. Das reicht von den Kapitalismuskritikern („Klima versus Kapitalismus“) bis zu Veganern, die im Veganismus die Lösung der Klimakrise sehen wollten. Sogar die Klimawissenschaftler selbst trugen zu „falschen“ Diskussionen bei, indem sie beispielsweise auf bestimmte Energieformen setzten und andere ablehnten und indem viele, viele Klimawissenschaftler behaupteten, die Beherrschung des Klimawandels sei allein eine Frage des politischen Willens. Dabei könnte nichts falscher sein als diese Behauptung. Denn bereits vor dem Jahr 2000 machten die Schwellen- und Entwicklungsländer klar, dass sie auf alle Fälle ihre Entwicklung fortsetzen würden und sie dazu mehr Energie einsetzen würden und dass das sogar fossile Energie sein werde, wenn die am günstigsten sei. Nur wenige Klimawissenschaftler haben daraus Konsequenzen gezogen.
            Und jetzt sind wir in der verrückten Lage, dass China, welches innerhalb von 20 Jahren (2000-2020) mehr als 1000 grosse Kohlekraftwerke gebaut hat, nun auch kostengünstig PV, Windkraft, EVs und neuerdings Grossbatterien anbietet und dass die Chinesen damit eine ganze Industrie geschaffen haben, die es allen Ländern ermöglicht zu tiefen Kosten klimaneutral zu werden.
            Kurzum: Technologien haben das Schicksal der Menschheit vom ersten Mensch bis heute weitgehend bestimmt und sie hat die Menschheit mächtiger, gesünder, langlebiger gemacht. Viele Westler haben das vergessen und im Westen hat sich sogar Wissenschafts- und Technologiefeindschaft ausgebreitet. Dabei wollen Entwicklungs- und Schwellenländer vor allem Teilhabe an der technisch-wissenschaftlichen Entwicklung, die der Westen meint, hinter sich zu haben (Postindustrialismus). Und tatsächlich kann man mit der richtigen, zudem kostengünstigen Technologie auch den Klimawandel stoppen und es gilt sogar: nur mit der richtigen und kostengünstigen Technologie und nicht mit Verzicht, kann der Mensch klimaneutral werden und zugleich Mensch bleiben.

          • Herzlichen Dank, @Martin Holzherr – ich freue mich sehr, dass wir uns zur Bedeutung und Macht der Sprache annähern. Nur durch Begriffe „begreifen“ wir ja die überkomplexe Wirklichkeit. Um etwas oder gar jemandem zu vertrauen, brauchen wir Namen.

            Deswegen habe ich unter anderem schon früh auf den enormen Unterschied zwischen den dem falschen Begriff von „Verschwörungstheorien“ und der sehr viel besseren Benennung als dualistische „Verschwörungsmythen“ hingewiesen.

            https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-folge-3-die-macht-der-sprache-und-verschwoerungsmythen-vs-verschwoerungstheorien/

            Noch problematischer als das verharmlosende „Klimawandel“ finde ich das anmaßende „Klimaschutz“. Ein Klima würde es auch ohne Menschheit geben, es braucht keinen herablassenden „Schutz“ durch Homo sapiens. Mit dieser Falschbenennung wurde auch die Umdeutung des notwendigen Mitweltschutzes in eine linksakdemische Ideologie eingeleitet, die immer mehr Menschen abstößt statt gewinnt.

            Habe dazu angesichts des Scheiterns von COP 30 auch gevloggt:

            https://youtube.com/shorts/7FImit1vRQM

            Mir scheint, hier stimmen wir doch in erfreulich vielen Punkten überein. Vielen Dank Ihnen für unseren intensiven Dialog!

  6. Der Podcast zeigt eindrücklich, wie politisch und ungleich Wasserverteilung heute schon ist und wie wichtig transparente Daten wären. Diese Mischung aus Fakten und Einschätzungen schätze ich sehr.

  7. @Martin Holzherr 26.11. 06:03

    „Kurzum: Der Klimawandel kann ganze Regionen austrocknen und andere ergrünen lassen. Damit wird der Klimawandel ein Treiber zukünftiger Migrationen sein.“

    Gut wohnen geht sehr viel eher, zumindest auf hochwassersicherem Terrain. Insbesondere halbwegs in Küstennähe, wo man Meerwasser entsalzen kann. Mit Grün zwischen den Häusern und etwas Obst und Gemüseertrag. Nur die meiste Landwirtschaft kann dann an manchen Orten nicht mehr funktionieren.

    Statt Migration wäre also auch Unterstützung vor Ort hinreichend. Die schlechte Wirtschaftslage und die daraus resultierende Armut wäre das eigentliche Problem.

    • @Tobias Jeckenburger & @Martin Holzherr

      Nach Monaten extremer Hitze und Dürre werden Israel und seine Nachbarstaaten gerade von neuem Extremwetter, von Sturzfluten und Hochwasser heimgesucht!

      “Nach Rekordtemperaturen im November folgten in Israel nach den ersten Winterregen Überschwemmungen in mehreren Teilen des Landes und Sturzfluten in der Wüste. Ein heftiger Sturm brachte Starkregen, Überschwemmungen und weitreichende Beeinträchtigungen, vor allem für Autofahrer, im ganzen Land. Die Winterfront traf über Nacht ein und beendete eine Phase ungewöhnlicher Hitze mit Donner, Blitz und heftigen Regenfällen.

      In Neve Tzuf im Westjordanland verzeichneten Meteorologen 128 mm Regen in nur vier Stunden – ein neuer lokaler Rekord für dieses Datum. In Ariel fielen im gleichen Zeitraum fast 100 mm Regen, was die Entwässerungsanlagen überlastete und zu zahlreichen Notrufen führte. Ein Teil der Trennmauer zwischen Israel und dem palästinensischen Westjordanland stürzte durch starke Stürme der Nacht zum Dienstag ein.”

      https://www.juedische-allgemeine.de/israel/sturzfluten-in-mehreren-teilen-israels/

      Dazu postete ich auf Mastodon:

      “So viele Menschen geben vor, sich sehr für das Schicksal der Völker der Region, deren #Sicherheit & #Frieden zu engagieren.

      Doch sowohl #Rechte wie auch #Linke und #Libertäre neigen dazu, die Bedeutung von #Wasser & #Zusammenarbeit für das Überleben aller (!) ehrlich in den Blick zu nehmen.”

      https://www.juedische-allgemeine.de/israel/sturzfluten-in-mehreren-teilen-israels/

      Danke für Euer Interesse zur Eskalation von der Klima- zur Wasserkrise, die gerade den gesamten, eurasischen Gürtel, Afrika, die Amerikas und auch wachsende Teile Europas erfasst.

    • @Tobias Jeckenburger & @Martin Holzherr

      Nach Monaten extremer Hitze und Dürre werden Israel und seine Nachbarstaaten gerade von neuem Extremwetter, von Sturzfluten und Hochwasser heimgesucht!

      “Nach Rekordtemperaturen im November folgten in Israel nach den ersten Winterregen Überschwemmungen in mehreren Teilen des Landes und Sturzfluten in der Wüste. Ein heftiger Sturm brachte Starkregen, Überschwemmungen und weitreichende Beeinträchtigungen, vor allem für Autofahrer, im ganzen Land. Die Winterfront traf über Nacht ein und beendete eine Phase ungewöhnlicher Hitze mit Donner, Blitz und heftigen Regenfällen.

      In Neve Tzuf im Westjordanland verzeichneten Meteorologen 128 mm Regen in nur vier Stunden – ein neuer lokaler Rekord für dieses Datum. In Ariel fielen im gleichen Zeitraum fast 100 mm Regen, was die Entwässerungsanlagen überlastete und zu zahlreichen Notrufen führte. Ein Teil der Trennmauer zwischen Israel und dem palästinensischen Westjordanland stürzte durch starke Stürme der Nacht zum Dienstag ein.”

      https://www.juedische-allgemeine.de/israel/sturzfluten-in-mehreren-teilen-israels/

      Dazu postete ich auf Mastodon:

      “So viele Menschen geben vor, sich sehr für das Schicksal der Völker der Region, deren #Sicherheit & #Frieden zu engagieren.

      Doch sowohl #Rechte wie auch #Linke und #Libertäre neigen dazu, die Bedeutung von #Wasser & #Zusammenarbeit für das Überleben aller (!) zu verdrängen.”

      https://www.juedische-allgemeine.de/israel/sturzfluten-in-mehreren-teilen-israels/

      Danke für Euer Interesse zur Eskalation von der Klima- zur Wasserkrise, die gerade den gesamten, eurasischen Gürtel, Afrika, die Amerikas und auch wachsende Teile Europas erfasst.

  8. @Peter Gutsche 26.11. 10:44

    „und bedenkt, dass der Zweig der Sapiens darin nur ein winziger Ast ist …. – dann erscheint mir eine flächendeckende Besiedlung der Erde durch 100 Milliarden Menschen evolutionär betrachtet nicht sinnvoll.“

    Der Mensch ist nun mal universal anpassungsfähig und kommt mit fast allen irdischen Lebensräumen klar. Wieso sollte sich das ändern? Die eigentlichen Wüsten verursacht doch unsere Landwirtschaft. Schön grüne Städte sind auch für ganz viele andere Lebensformen wirklich reichhaltige Lebensräume, insbesondere wenn man sich hier mehr Mühe gibt, dass sich dieses noch ausweitet.

    Die 100 Milliarden sind jetzt gedacht, wenn wir mittels mit grünem Wasserstoff gefütterten Bakterienkulturen alle Grundnahrungs- und Futtermittel herstellen können. Sollte das doch nicht möglich sein, wäre das Maximum dann doch eher 10 Milliarden Menschen.

    „Gleichzeitig frage ich mich, ob nicht eine Vision mit weniger Menschen – und damit mehr Raum für wilde, unberührte Natur – demütiger und angemessener wäre.“

    Genau, und deswegen wäre ich für die Hälfte des Nutzbaren, die andere Hälfte also für recht wilde Natur. Also dann 5 Milliarden Menschen mit Landwirtschaft oder 50 Milliarden Menschen mit Bakterienkulturen. Damit hier diese ganzen vielfältigen wilden Lebensräume weiter florieren können.

    „Die Frage ist, ob eine solche Vision nicht gerade dem evolutionären Prinzip widerspricht, das sich durch Vielfalt, Anpassung und nicht durch zentrale „Entscheidungen“ einer einzelnen Art auszeichnet.“

    Da bin ich aber ganz klar ein Menschenfan. Wir überlegen uns was wir machen, und was Besseres können wir nie tun. Wir müssen immer wieder mit neuen Pandemien klar kommen, das sollte uns genügen. Und wir können uns nach jeder Pandemie wieder vermehren, bis wir wieder die gewünschte Zahl erreicht haben.

    Und sonst kümmern wir uns einfach um unsere Stadtgärten, und machen Urlaub in der Natur, die wir Natur sein gelassen haben.

  9. Sprach heute an der Evangelischen Hochschule (EH) Ludwigsburg und ließ meine freie Rede KI-transkribieren. Hier gerne die daraus generierte Zusammenfassung:

    Im Folgenden finden Sie eine Zusammenfassung des Transkripts des Vortrags des Antisemitismusbeauftragten:

    Hauptthese: Der Vortrag hebt hervor, dass die Bekämpfung von Antisemitismus eng mit dem Kampf gegen alle Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (Rassismus, Sexismus, Queerfeindlichkeit, Antiziganismus) verbunden ist.

    Der Redner betont, dass eine Gesellschaft nur dann eine Zukunft hat, wenn sie Vielfalt zulässt und niemanden ausschließt oder angreift, da die Bedrohung einer Gruppe letztlich die Sicherheit aller gefährdet. Er warnt vor einem dramatischen Anstieg von Hass und Verschwörungsmythen, insbesondere im Kontext bevorstehender Wahlen, und ruft zur Verteidigung demokratischer Werte und des friedlichen Zusammenlebens auf.

    Schlüsselargumente und Ideen:

    1. Einleitung und Aufruf zur Einheit:

    * Das Zitat von Margot Friedländer„Es gibt kein jüdisches Blut, es gibt kein christliches Blut, es gibt kein muslimisches Blut, es gibt nur menschliches Blut“ – dient als Kernbotschaft für das gemeinsame Zusammenleben.

    * Die bevorstehende Landtagswahl in Baden-Württemberg wird bereits durch Angriffe auf die liberale Demokratie und das gleichberechtigte Zusammenleben bedroht, was eine erhöhte Wachsamkeit erfordert.

    * Die Angriffe richten sich gegen das Grundgesetz, die Landesverfassung und die Koexistenz der Menschen, wobei Antisemitismus eine zentrale Rolle spielt und mit anderen Formen von Gruppenhass zusammenhängt.

    2. Persönlicher Hintergrund des Antisemitismusbeauftragten:

    * Der Redner beschreibt seinen Weg von einer konfessionsfreien Kindheit in Filderstadt nach der Ausreise seiner Eltern aus der ehemaligen DDR (mit familiären Erfahrungen von Stasi-Haft und Folter) über eine Banklehre und kommunale Jugendarbeit (Mitbegründung einer christlich-islamischen Gesellschaft) bis hin zum Studium der Religions- und Politikwissenschaft.

    * Seine interreligiöse Ehe (christlich-muslimisch) mit drei Kindern wird als humorvoller und empirischer Beweis für die “Fruchtbarkeit des interreligiösen Dialogs” angeführt.

    * Er betont, dass Fortschritt nicht linear ist; Errungenschaften wie Gleichberechtigung, Forschungs- und Pressefreiheit müssen stets verteidigt werden und können jederzeit wieder unter Druck geraten.

    3. Die Natur des Hasses: Feindseliger Dualismus:

    * Grundlage: Der „feindselige Dualismus“ wird als psychologische Grundlage aller Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit erklärt – das Denken in „Wir“ und „Die Anderen“.

    * Analogie der Hand: Die Handfläche symbolisiert den Dualismus, während die Finger die spezifischen Formen von Hass darstellen: Antisemitismus, Antiziganismus, Rassismus, Queerfeindlichkeit, Ableismus (Hass gegen Menschen mit Behinderung).

    * Besonderheit des Antisemitismus: Im Gegensatz zu anderen Formen des Hasses, die auf Ideologien der Abwertung und Überlegenheit basieren (z.B. Rassisten halten sich für überlegen), glauben Antisemiten, Opfer einer jüdischen Verschwörung zu sein, in der jüdische Menschen als mächtig & kontrollierend wahrgenommen werden.

    4. Ursprung antisemitischer Verschwörungsmythen – Bildungsneid als Auslöser:

    * Alphabetisierung im Judentum: Das Judentum war die erste Religion der Alphabetisierung, in der jedes Kind lesen und schreiben lernte. Diese Betonung der Bildung (der Begriff „Bildung“ leitet sich vom biblischen „Im Bilde Gottes geschaffen“ ab) führte zu überproportionalen Erfolgen (z.B. 20% aller Nobelpreise an jüdische Preisträger bei 0,2% der Weltbevölkerung).

    * Fehlinterpretation: Diese Bildungsleistung wird von Antisemiten nicht als Erfolg, sondern als Beweis für eine heimliche Macht und Weltverschwörung missdeutet.

    * Funktion von Verschwörungsmythen: Sie bieten scheinbare Erklärungen für persönliche Misserfolge, komplexe globale Ereignisse (Kriege, Pandemien, Wirtschaftskrisen) und entlasten von Schuldgefühlen. Sie schaffen ein subjektives Gefühl des „Durchblicks“ und der Zugehörigkeit zu den „Erwachten“.

    5. Beispiele und Destruktivität des Antisemitismus:

    * Historisch und aktuell: Der Vortrag nennt den Hexenwahn und Verschwörungsmythos des “Hexensabbat” als Beispiel für die Ausweitung von Hass auf andere Gruppen (“Dieser Hass beginnt immer bei Juden, endet aber nie bei Ihnen”). Heute äußert sich dies in Mythen wie Adrenochrom (propagiert u.a. von Xavier Naidoo).

    * Politische Beispiele: Dr. Wolfgang Gedeon, ein ehemaliger Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg, verbreitete massive antisemitische Verschwörungsmythen (Zionistische Unterwanderung, Protokolle der Weisen von Zion).

    * Folgen: Antisemitismus zerstört Vertrauen in Institutionen (Ärzte, Journalisten) und kann zu Wahnvorstellungen und extremer Gewalt führen, wie dem Fall eines Familienvaters in Brandenburg, der seine Familie aus antisemitischen Motiven ermordete.

    6. Warum Antisemitismus bekämpfen?

    * Gemeinsames Interesse: Nicht aus Schuldgefühlen oder als Gefallen, sondern um eine Gesellschaft zu ermöglichen, in der Vielfalt gelebt werden kann und es in Ordnung ist, unterschiedliche religiöse oder nicht-religiöse Zugehörigkeiten zu haben.

    * Ablehnung der Opfer-Täter-Umkehr: Der Versuch, Gruppen gegeneinander auszuspielen (z.B. „Wenn es kein Judentum/Islam/Israel/Palästina gäbe, wäre Frieden“), ist destruktiv.

    * Regionale Konflikte: Die Situation im Nahen Osten, insbesondere die Wasserkrise, zeigt, dass nur gemeinsames Überleben möglich ist.

    Antizionismus, der die Existenz Israels in Frage stellt, ist eine Form des Antisemitismus und kontraproduktiv. Legitime Kritik an Regierungen (auch Israels) ist erlaubt, aber die Existenz eines Staates darf nicht in Frage gestellt werden.

    * Globale Perspektive: Hass und Gewalt im Sudan (Massaker an afrikanischer Bevölkerung, Machtkämpfe um Gold/Öl) unterstreichen die Notwendigkeit, alle Formen von Unrecht zu bekämpfen.

    * Die Bekämpfung von Antisemitismus ist essenziell, um in einer Zeit begrenzter Ressourcen ein friedliches Zusammenleben zu lernen.

    7. Die Rolle der Mimesis und Medien:

    * Mimesis: Menschen neigen dazu, nicht nur Verhaltensweisen, sondern auch Ziele anderer nachzuahmen (z.B. durch Werbung).

    * Rechtsmimesis: Der Redner warnt davor, rechtsextremen Tendenzen durch eine Annäherung an deren Rhetorik (z.B. mehr Abschiebungen, Diskriminierung) zu begegnen. Dies beruhigt die Lage nicht, sondern befeuert den Rechtsruck und führt zu einer weiteren Stärkung der Ränder und einer Schwächung der politischen Mitte (Beispiel Frankreich).

    * Medienmanipulation: Medien können Menschen manipulieren und gegeneinander ausspielen. Jugendliche sehen heute Propagandavideos von Extremistengruppen oder werden von „Finfluencern“ mit antisemitischen und verschwörungsmythologischen Inhalten beeinflusst (z.B. „Brunnenvergiftungs“-Mythen von “Hoss & Hopf”, bis vor Kurzem aus Stuttgart).

    Fazit und Ausblick: Die kommenden Jahre werden voraussichtlich schwierig sein, und jede demokratische Stimme ist entscheidend. Trotz der Herausforderungen ist es möglich, als Gesellschaft und Generation den Hass abzulehnen, konstruktive Kritik zu üben, aber keine Abwertung oder Angriffe auf Menschen zuzulassen.

    Das Ziel ist eine Gesellschaft, in der alle Identitäten – jüdisch, evangelisch, katholisch, jesidisch, nicht-religiös, palästinensisch, israelisch, französisch, etc. – akzeptiert und respektiert werden. Es ist entscheidend, sich nicht an die Abwertung anderer Menschen, an Verschwörungsmythen, Vernichtungsfantasien, Terror und Gewalttaten zu gewöhnen.

  10. Ich finde, Hören, ist vor allem für Konzentration wichtig, da man sich völlig auf das Tempo des Sprechers einlassen muss. Für meinen Schweizer Käse von Gedächtnis ist das nix, weil ich sofort Denkpausen einlegen muss, weil ich sonst am Ende des Vortrags das Meiste vergessen habe, allerdings nehme ich an, hätte ich als Kind mehr zugehört, könnte ich mich besser konzentrieren und das Gedächtnis wäre besser.

    Sprache ist ein Güterzug, Sie sammeln die Bedeutungen aus Ihrem Hirn, verpacken Sie in Worte wie in Waggons, dann schießen Sie das Ganze auf einer langen Schiene auf den Zuhörer ab, der muss zusehen, dass der die Worte entpackt und die Bedeutungen korrekt einordnet – das geht nur, weil Sie beide Klone sind, seit der Kindheit wurden Sie von der gleichen Sprache und Kultur geprägt und deswegen haben Sie mehr oder weniger das gleiche Hirn im Kopf, sodass sich die Regale aus Ihrem Schädel in meinem Schädel spiegeln und ich jedes Wort im Gegenstück des Regals einordnen kann, aus dem Sie es genommen haben.

    Ist nur so, dass meine Katastrophe von Hirn auch die Zugkatastrophe lieber hat, sodass ich zwar zur Kenntnis nehme, in welcher Reihenfolge die Waggons hätten einfahren sollen, die aber in beliebiger Reihenfolge entpacke und neu zusammensetze – ich bin also eher ein Bild-Mensch, der Texte analysiert wie Gemälde, indem er die Augen nach Lust und Laune hin- und her springen lässt. Geht schneller, als im Podcast vor und zurück zu spulen und die Stelle, die man hören wollte, stets um Sekunden zu verpassen, sodass die Suche ewig dauert.

    Beides ist wichtig – Informationsübertragung wie Informationsverarbeitung. Und beides ist Malen. Schöne Worte sind bei Pharisäern beliebt, die ihre Fäulnis gern hinter Marmor und Make-up verstecken, ich stehe rhetorisch eher auf das hässliche Entlein, das goldene Eier legt, auf das Schöne im Hässlichen und das Hässliche im Schönen, auf das Gute im Bösen und das Böse im Guten. So gewinnt jedes Gemälde die dritte Dimension – die verborgene Tiefe. Und wenn sich darin zehn eingewickelte Dimensionen verbergen, bin ich happy.

    Wasser – ist, wie alles andere, eine Frage der Wirtschaft. Da wir mit den Maschinen die mächtigsten Sklaven aller Zeiten haben, können wir uns auch das dümmste, ineffizienteste, faulste Wirtschaftssystem aller Zeiten leisten. Das hat uns bislang den Hintern gerettet, denn, hätten wir die volle Power der Industrialisierung ausgenützt statt nur eines Bruchteils, wären wir in Giften und CO2 ertrunken, noch bevor wir gemerkt hätten, dass sie zum Problem werden. Doch jetzt haben sich dann doch genug Probleme angesammelt, dass wir nur die Wahl haben: Wir töten einen Großteil der Menschheit, damit die Ressourcen für den Rest reichen und wir den Kapitalismus in seiner jetzigen, auf Kapitalzerstörung optimierten Form beibehalten können – oder wechseln wir zu einem hocheffizienten Wirtschaftssystem, sodass wir die Sauerei aufräumen können, ohne gleich eine noch schlimmere zu verursachen.

    Die Grundlage des Überlebens ist die Stärke, die Grundlage der Zivilisation, die Schwäche, denn die Schwachen sind nur gemeinsam stark, und müssen verflucht gut darin werden. Und wenn die Welt zum KZ mutiert, in dem die Insassen vergast und verbrannt werden, weil sie der Lagerleitung nichts mehr nützen – sind wir alle verflucht schwach.

    Also heißt es, Grillen und gegrillt werden, oder Zivilisationssprung. Ist nicht meine Entscheidung, sondern die der demokratischen Mehrheit, und dazu trägt mein Dafürhalten nicht mehr bei als Ihres. Ich würd’s aufteilen – wenn das Regime in Teheran oder Moskau oder Washington oder Berlin oder Beijing nur am Machterhalt und Beibehaltung des Status Quo interessiert sind, brauchen die Menschen, die keinen Bock auf Afghanistan oder Ukraine oder Gaza oder Sudan haben, einen Ort, wohin sie auswandern können, um was Neues zu probieren. Je mehr Macht die Zombies haben, Schaden anzurichten, desto besser muss die Zivilisation darin werden, ihn zu kompensieren.

    Die Zivilisation hat keinen Wassermangel. Die Zivilisation hat Entsalzungsanlagen und Klärwerke und Kanäle und Umweltschutz und Recycling. Die Zivilisation ist technologisch so weit, der Menschheit in der Sahara das Paradies zu bauen, auch auf dem Mars wäre es eigentlich schon möglich.

    Wir haben keinen Wassermangel, wir haben auch sonst keine gemeinschaftlichen Probleme, außer dem Mangel an Zivilisation. All die Krisen, die heute große Menschengruppen heimsuchen, sind mit der passenden wirtschaftlichen und politischen Organisation lösbar, und damit nicht mehr höhere Gewalt, die wir Gott, Teufel, Natur, in die Schuhe schieben könnten, sondern Folge einer Organisationskrise.

    Je mehr Macht Sie haben, desto mehr liegen Ihre Probleme nicht im Tun, sondern im Lassen. Bis Sie einer Macht begegnen, die Ihnen Probleme macht, gegen die Sie nichts tun können. Und so ist der Verzicht auf Macht die einfachste Methode, sich aus jeglicher Verantwortung zu stehlen. Während Machtstreben Probleme schafft, da sie dazu immer mehr Macht anzapfen, immer mehr Macht kumulieren müssen, sodass Sie übermächtige Dämonen beschwören, die Sie dann bändigen müssen.

    Es gibt kein Entkommen, außer immer neue Dämonen zu schaffen und zu bezwingen, bis mal einer stärker ist. Doch noch ist es nicht so weit. Weiter geht’s.

    • @Paul S.

      Sie schrieben (unter anderem):

      Schöne Worte sind bei Pharisäern beliebt, die ihre Fäulnis gern hinter Marmor und Make-up verstecken, […]

      Auch hier tun Sie den Pharisäern Unrecht. Diese gehören zu den ersten, alphabetisierten Laienbewegungen der Geschichte, die auch die Religion nicht mehr Priestern und Herrschern überlassen, sondern sie ins eigene Leben übersetzen wollten. Rabbi Jehoschua (hebr.), Isa (arab.), Jesus (griech.) stand den Pharisäern sehr nahe – die Evangelien berichten aus der Zeit der Entstehung des rabbinischen Judentums aus dem jüdischen Pharisäertum. Klar gingen einige Pharisäer in ihrer Alphabet-gestützten Selbstinszenierung zu weit. Aber sollte Ihnen das wirklich so fremd erscheinen, @Paul S.? 🤓🔠🤔

      Wasser – ist, wie alles andere, eine Frage der Wirtschaft. Da wir mit den Maschinen die mächtigsten Sklaven aller Zeiten haben, können wir uns auch das dümmste, ineffizienteste, faulste Wirtschaftssystem aller Zeiten leisten.

      Aus meiner Sicht ist Wasser auch, aber nicht nur „eine Frage der Wirtschaft“. Wasser ist die Quelle (!) allen planetaren und also auch menschlichen Lebens.

      Derzeit lese ich dazu das eindrucksvolle „The Three Ages of Water. Prehistoric Past, Imperiled Present, and a Hope for the Future“ von Peter Gleick. Angesichts der evolutionären Jahrmillionen erscheinen moderne Wirtschaftszyklen doch als furchtbar engzeitlich. Und vielleicht haben Sie das Blumenberg – Zitat hier auf dem Blog ja auch schon gelesen:

      „Enge der Zeit ist die Wurzel des Bösen.“

      Wasser steht eben auch für die Weite der Zeit.

      • Hallo Paul S, über das Tempo des Sprechers,
        Gedanken über die Nutzung von Informationen:
        Man kann entweder einen Film ansehen, oder man
        kann die Aufzeichnung eines Filmes ansehen.
        Beim Ansehen eines Filmes werden Assoziationen geweckt,
        und die daraus folgenden Überlegungen werden von den nächsten
        Assoziationen abgewürgt, was natürlich sehr störend ist.
        Beim Ansehen einer Aufzeichnung eines Filmes werden Assoziationen geweckt.
        Wenn man nun das Abspielen der Aufzeichnung unterbricht, dann
        kann man die daraus folgenden Überlegungen ungestört weiter verfolgen.
        Auf diese Weise hat man mehr Zeit, die Informationen zu nutzen.

  11. @Martin Holzherr 27.11. 10:24

    „…nur mit der richtigen und kostengünstigen Technologie und nicht mit Verzicht, kann der Mensch klimaneutral werden und zugleich Mensch bleiben.“

    Ich denke mal nicht ganz. Den Konsum überprüfen und einiges an Verschwendung weglassen kann schon ziemlich die Energiewende beschleunigen. Es spart direkt Treibhausgase ein, macht Mittel frei für einen schnelleren Umbau und senkt auch noch die Ausbauziele. Der Effekt ist also sogar dreifach.

    Und manche technisch mögliche Entwicklung betrifft dann auch den nötigen Konsum. Wenn wir ein Sammeltaxisystem auf Basis von selbstfahrenden E-Autos hinbekommen, spart das potentiell bis zu 90 % der Fahrzeuge und einen Großteil der Parkplätze ein, und macht auch noch die Straßen frei, dass wir keine Staus mehr haben.

    Das ist auch die richtige und kostengünstige Technologie, die mit der derzeitigen massiven Verschwendung von sehr teuren Fahrzeugen, die 23 Stunden am Tag ungenutzt herumstehen, Schluss macht. Man kann den Abbau von Verschwendung und die Einführung grüner Technik in diesem Fall gar nicht trennen.

    Was der Mensch wirklich nachfragt ist doch gute Mobilität. Das muss keine riesige herumstehende Blechlawine sein.

    Auch statt Flugreise und Hotel Campingurlaub per Fahrrad im eigenen Bundesland kann dann eine Menge sparen. Oder der schnellere Umzug in kleinere Wohnungen, wenn z.B. die Kinder aus dem Haus sind oder eine Partnerschaft endet, spart viel. Auch ganz viel eigenes Geld. Oder weniger Fleisch essen und überhaupt weniger Nahrungsmittel wegwerfen hat seine Wirkung.

    Jeder kann hier Einiges zu beitragen. In anderen Bereichen sieht das sicher anders aus, und da hilft dann auch tatsächlich nur die richtige und kostengünstige Technologie. Mit PV auf allen geeigneten Dächern und reichlich Kurzfristspeichern geht es aktuell wirklich vorwärts.

  12. @Michael 28.11. 07:37

    „Wasser steht eben auch für die Weite der Zeit.“

    Wer billigen PV-Strom hat, der hat auch Wasser aus Entsalzungsanlagen, zumindest wenn das nächste Meer nicht weiter als 50 Km entfernt ist. Entlang der Küsten von Nordafrika und des Nahen Ostens eine Menge Platz für neue grüne Städte.

    Praktischerweise komplett auf hochwassersicherem Terrain, und mit soviel auch essbarem Grün und hinreichend zentralen Kühlnetzen, dass es echt Spaß macht, da zu leben. Landwirtschaft geht da nicht, neben etwas Obst- und Gemüsenanbau. Muss aber auch nicht, Grundnahrungs- und Futtermittel muss man dann eben importieren.

    Oder mit Bakterienkulturen herstellen, auch mit lokalem billigem Strom betrieben, Die brauchen praktisch gar kein Wasser.

    Die möglichen Solarerträge dort sind wirklich interessant, da kann man sich echt was mit aufbauen.

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