Mit Konrad Adenauer & David Ben-Gurion in Cadenabbia

Für mich als Arbeiterkind hat es psychologisch sehr viel bedeutet, dass mich die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) damals nach Wehrdienst und Bankausbildung mit einem Stipendium der Begabtenförderung im Studium unterstützte. Zumal ich dort mit Andreas Püttmann einen mich bis heute politikwissenschaftlich beeindruckenden Mentor fand, fühle ich mich der Stiftung als Teil der bundesdeutschen Scientikative bis heute besonders verbunden.

Annegret Kramp-Karrenbauer und Dr. Michael Blume beim CDU-Bundesparteitag in Stuttgart, 2026.

Pro Wissenschaft, Christdemokratie & Gewaltenteilung. Beim CDU-Bundesparteitag im Frühjahr im Gespräch mit der auch gegen einen Kandidaten von Friedrich Merz gewählten KAS-Bundesvorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer. Foto: KAS Stuttgart

Zumal in diesem Jahr der 150. Geburtstag von Konrad Adenauer (1876 – 2026) begangen wird und eine Einladung durch die von mir sehr geschätzte Politikwissenschaftlerin Dr. Viola Neu erfolgte, sagte ich schließlich meine Beiträge für eine Wochenend-Veranstaltung mit der Deutschen Gesellschaft für Politikberatung zu. Denn Cadenabbia in Italien ist nicht nur die frühere Sommerresidenz des Altkanzlers gewesen, sondern inzwischen mit dem Elektroauto innerhalb von einem Tag aus Baden-Württemberg erreichbar!

Foto der Villa La Collina in Cadenabbia, die frühere Sommerresidenz des bundesdeutschen Altkanzlers Adenauer in Italien.

In der Villa La Collina in Cadenabbia, Italien, verbrachte der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer glückliche Sommerwochen und empfing auch immer wieder politische, auch internationale Gäste. Bis heute wird er vor Ort sehr geehrt. Foto: Michael Blume 

Und ich muss schon sagen, dass ich vom Interesse und der Qualität der Gespräche sehr beeindruckt war und bin. Mehrere der Anwesenden hatten Medien-, Kultur- oder Politikwissenschaft sowie psychologische Fächer studiert, einige bereits Bücher von mir gelesen – vor allem „Verschwörungsmythen“ und „Islam in der Krise“.

Entsprechend intensiv waren die Gespräche, aber auch Anfragen zu Themen wie Erkenntnistheorie & Algorithmen, Medien & Mimesis, das BW-Sonderkontingent und die Gerichtsverfahren gegen den sog. IS, Religion, Demokratie & Demografie, Antisemitismus & Dualismus, die Zeit-Philosophien bei Jeanne Hersch & Hans Blumenberg sowie mehrfach Ressourcenfluch & Friedensenergien. Umgekehrt interessierte mich auch, wie andere die „Nutznießer„-Äußerungen des Bundeskanzlers gegenüber der Ärztin Dr. Bea Merscher einschätzten – ich selbst halte sie für einen weiteren Schritt in die kommunikative Rechtsmimesis.

Insgesamt durfte ich also sehr viele fachlich starke und intensive Dialog-Erlebnisse machen, wie in guten Momenten ja auch hier auf dem Blog oder auf Mastodon.

Mastodon-Umfrage von Dr. Michael Blume zur Leugnung der Klimakrise durch den AfD-Vorsitzenden Tino Chrupalla. Nur neun Prozent der 474 Abstimmenden unterstellten ihm fehlendes Wissen und nur acht Prozent gaben keine Antwort. 77% votierten für "Ideologie, Verschwörungsmythen", 51% für "Reaktanz, Externalisierung von Verantwortung". Mehrfachantworten waren möglich.

Jeden Tag verstehen mehr Menschen, wie die erkenntnistheoretisch feige Leugnung von Wissenschaft und Klimakrise mit Reaktanz und Externalisierung von Verantwortung sowie mit fossiler Ideologie und Verschwörungsmythen zusammenhängt. Screenshot: Michael Blume

Für einen Vortrag hatte ich aber auch das mehr denn je lesenswerte Werk zur deutsch-israelischen Geschichte „Eine unmögliche Freundschaft. David Ben-Gurion und Konrad Adenauer“ von Dr. Michael Borchard mitgebracht.

Drei Bücher, von links nach rechts: Die Autobiografie "Freiheit" von Angela Merkel, der Bildband "Adenauer. Eine Geschichte in Bildern" und "Eine unmögliche Freundschaft. David Ben-Gurion und Konrad Adenauer" von Michael Borchard.

Ich lese gerne auch, aber niemals nur digital. „Freiheit“ von Angela Merkel, „Adenauer. Eine Geschichte in Bildern“ und Michael Borchards „Eine unmögliche Freundschaft“ je als Papierbuch. Foto: Michael Blume

In Cadenabbia hatten sich die beiden Freunde zwar nie getroffen, wohl aber in New York (daher auch das berühmte Titel-Foto) und in der Republik Israel. Auch war der Israeli David Ben-Gurion (1886 – 1973) zur Beerdigung seines deutschen Freundes in die Bundesrepublik Deutschland gereist.

Doch Borchard beschrieb keineswegs nur die schönen und dialogischen Aspekte der deutsch-israelischen Beziehungen, sondern auch die erbitterten und teilweise sogar gewalttätigen Widerstände dagegen aus beiden Ländern.

So hatte Adenauer für das sog. „Wiedergutmachungsabkommen“, das deutsch-israelische Luxemburger Abkommen zunächst eine große Mehrheit der Deutschen gegen sich. Und obwohl der herausragende Bundestagsabgeordnete Franz Böhm (1895 – 1977) die Verhandlungen erfolgreich geführt hatte, verweigerten große Teile der CSU um Franz-Josef Strauß (1915 – 1988), aber auch der CDU und FDP ihm im Bundestag die Unterstützung. Es waren die Abgeordneten der SPD, die dem Abkommen mit ihrer Unterstützung zur Mehrheit verhalfen – und damit zeigten, dass ein Bundestag ohne überzogene Fraktionsdisziplin ein echtes und zur Verantwortung fähiges Parlament ist.

Später stellte sich zwar Strauß auf die Seite der deutsch-israelischen Beziehungen, doch drohten arabische Staaten mit der diplomatischen Anerkennung der DDR. Diese hatte links-„antizionistisch“ jede Verantwortung für die deutsche NS-Geschichte von sich gewiesen und jede Beteiligung an Entschädigungsleistungen für jüdische und israelische Menschen strikt abgelehnt.

Auch Ben-Gurion erlebte bis in die eigene Partei hinein erbitterte Widerstände, die von rechts und links kamen. So tobte der spätere Ministerpräsident und Friedensnobelpreisträger Menachem Begin (1913 – 1992) gegen die deutsch-israelischen Verhandlungen, Zitat S. 136:

„Bevor Hitler an die Macht kam, haben die Deutschen für ihn gestimmt. Zwölf Millionen Deutsche haben in der Nazi-Armee gedient. Es gibt keinen Deutschen, der nicht unsere Väter ermordet hat. Jeder Deutsche ist ein Nazi. Jeder Deutsche ist ein Mörder. Adenauer ist ein Mörder. Alle seine Mitarbeiter sind Mörder. Aber denen da oben geht es bloß ums Geld. Für ein paar Millionen Dollar geht man hin und übt schändlichen Verrat.“

Sowohl in Israel wie auch in Deutschland wurden rechtsdualistische Anhänger Begins sogar gewalttätig und begingen gar drei Bombenattentate gegen Adenauer, Böhm & dessen Stellvertreter Otto Küster. Dabei wurde der deutsche Sprengmeister Karl Reichert am 27. März 1952 in München getötet.

Doch Ben-Gurion wusste, dass der christdemokratische Zentrum-Oberbürgermeister von Köln, Adenauer, ein erklärter Freund der jüdischen Gemeinde, ein Förderer des Zionismus und ein mutiger Hitler-Gegner gewesen war, den die Nazis gewaltsam gestürzt und später auch inhaftiert hatten. So stellte er sich auch am 20. Januar 1960 in der Knesset mutig gegen antideutschen Dualismus und sagte, S. 215:

„Wenn ich mich auf das gegenwärtige Deutschland beziehe, dann weise ich den Titel ‚Nation der Mörder‘ zurück. Ich betrachte dies als rassistisch.“

Aus meiner Sicht bestätigt die Lektüre von Borchard, dass sich demokratische Politik niemals von feindseligen Dualisten einschüchtern lassen darf, die es leider in jeder größeren Menschengruppe immer wieder geben wird. Stattdessen gilt es, mutig und sprachlich sensibel für Gewaltfreiheit und also Gewaltenteilung, für Dialog und Demokratie, für das Miteinander und also die Menschenwürde einzutreten.

Nach meiner festen Überzeugung lassen sich Antisemitismus, Antiziganismus, Rassismus, Sexismus, Ableismus und Queerfeindlichkeit nicht gegeneinander ausspielen, sondern nur gemeinsam überwinden, indem wir gemeinsam für Leben und Würde jedes Menschen einstehen.

Ich sagte es vor rund 600 Schülerinnen und Schülern in Bietigheim-Bissingen und blogge es auch hier: „Es gibt keine Menschenwürde erster und zweiter Klasse.“ Dieser Wert bildet die inhaltliche Mitte der Mitte.

Das glaube ich zivilreligiös & religiös, in dankbarem Respekt vor der wissenschaftlich-dialogischen Arbeit der KAS und den mutigen Freundschaften von Konrad Adenauer (Bundesrepublik Deutschland) mit Charles de Gaulle (Frankreich) und David Ben-Gurion (Israel).

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

30 Kommentare

  1. Guten Morgen, @Michael,

    danke dass Du Deine Gedanken zur Buchlektüre und historischen Italienreise teilst!

    Für mich ist es bis heute wie ein Wunder, dass ich in den 1990er-Jahren als Doktorand einige Wochen am Weizmann Institute of Science in Rehovot in Israel verbringen durfte. Das war, so erscheint es mir nach der Lektüre Deines Textes, vermutlich nur möglich, weil sich in Israel in den 1960ern der antideutsche Dualismus nicht durchgesetzt hatte.

    Kurz zuvor war ich in Deutschland in meinem persönlichen Umfeld mit einem Mann heftig aneinandergeraten, der den Holocaust relativierte und Hitler in Schutz nahm.

    Dass ich dann, wenige Wochen später, in Israel von meinen Gastgebern herzlich empfangen wurde und – als Nachkomme der Täter-Generation – eine wunderbare Gast-Freundschaft erleben durfte, hat mich tief bewegt.

    Umso mehr bin ich nun, heute, besorgt, dass seit einiger Zeit Rechtsradikalismus und Antisemitismus zunehmend normalisiert werden. In den 1990er-Jahren und in den Jahren danach hatte ich geglaubt, wir hätten das als Gesellschaft ein für alle Mal überwunden (der beschriebene persönliche Zwischenfall erschien mir als eine Ausnahme).

    Doch nein: Es ist mehr als nur Besorgnis. Es ist, als befände ich mich derzeit in einer Trauerphase, in der mir immer klarer wird, dass mir das Urvertrauen in eine Gesellschaft, die nach Zeiten der Grausamkeit wieder ihren Verstand zurückgewonnen zu haben schien, abhandengekommen ist.

    Ich habe den Eindruck, dass sich die Gesellschaften heute weltweit in einer mentalen Verfassung befinden, die Aussöhnungsprozesse, wie sie zwischen Deutschland und Israel oder zwischen Deutschland und Frankreich vor Jahrzehnten vollzogen wurden, heute schwierig bis unmöglich machen würde. Ja, ohne Not sind wir gerade dabei, historische Errungenschaften (Stichwort: Europäische Einheit) wieder zugrunde zu richten. Und das, obwohl es den meisten Menschen in diesen Gesellschaften heute besser geht als ihren Eltern oder Großeltern in den 1950ern oder 1960ern. Ohne Not lassen wir uns von Hetzern um unseren Verstand bringen. Liegt das vielleicht u.a. daran, dass uns die historische Erinnerung teilweise verloren gegangen ist?

    • Vielen herzlichen Dank für Deinen tiefen und bewegenden Kommentar, lieber @Peter – und Du hast historisch gesehen absolut Recht und als junger Wissenschaftler am Friedens- und Versöhnungswerk der damaligen Zeit teilgenommen.

      So beschreibt Michael Borchard auf den Seiten 259 – 261 das Weizmann-Institut als „eines der herausragenden Foren für die deutsch-israelische Zusammenarbeit im Wissenschaftsbereich“. Adenauer empfing dessen Europa-Repräsentanten Josef Cohn bereits im März 1959 und förderte den wissenschaftlichen Dialog beider Länder auch, weil er erkannte, „dass eine wissenschaftliche Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Antisemitismus hilfreich sein kann“.

      „1959 wird ein großer deutscher Wissenschaftler, der Nobelpreisträger Otto Hahn, in dieser Zeit Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, nach Israel eingeladen und besucht, sieben Jahre vor Adenauer, das Weizmann-Institut in Rechovot.“

      Dort erhielt der Altkanzler dann im Alter von 91 Jahren die Ehrendoktorwürde!

      Wissenschaftliche und auch rechtliche Zusammenarbeit – die Scientikative und Judikative – stärken das gemeinsame Entdecken und den Austausch, den dialogischen Monismus. Auch ich erinnere mich unglaublich gerne an Teilnahmen an deutsch-französischen, deutsch-US-amerikanischen und deutsch-israelischen Austauschprogrammen, in denen eine gemeinsame und bessere Zukunft der Menschheit aufschien. Auch deswegen engagierte (und engagiere) ich mich seit Jugend im interreligiösen und interkulturellen Dialog.

      Doch mit den medialen und fossilen Angriffen auf die Gewaltenteilung erklärt sich m.E. auch Deine Beobachtung, „dass sich die Gesellschaften heute weltweit in einer mentalen Verfassung befinden, die Aussöhnungsprozesse, wie sie zwischen Deutschland und Israel oder zwischen Deutschland und Frankreich vor Jahrzehnten vollzogen wurden, heute schwierig bis unmöglich machen würde.“

      Algorithmische Konzernmedien und der Karbonblasen-Fossilismus attackieren weltweit sowohl die Scientikative wie die Judikative – und damit auch gezielt das Miteinander der Völker, Staaten, Religionen und Weltanschauungen.

      So hatte ich bereits in meinen Büchern und dann 2019 in der Salonkolumne „Ölfluch und Antisemitismus“ ausdrücklich vor der fossilen Finanzierung der Ressourcenfluch-Regime Russland und Iran sowie den mit ihnen verbundenen Terrorgruppen wie Hamas und Hisbollah gewarnt.

      https://www.salonkolumnisten.com/oel_antisemitismus/

      Doch alleine schon das Plädoyer für Dialog, Frieden und erneuerbare Friedensenergien löst heute Hass aus, der schließlich auch die mutige, israelische Generalkonsulin für Süddeutschland, Carmela Shamir zur öffentlichen Solidarität bewog:

      https://www.stuttgarter-zeitung.de/lokales/baden-wuerttemberg/nach-troll-angriffen-israel-verteidigt-michael-blume-78889301.html

      Wir müssen uns klar machen, dass es heute in allen Nationen dualistische Kräfte und Bewegungen gibt, die die Anerkennung von Wissenschaft sowie das Miteinander der Völker und Religionen ablehnen und bekämpfen. Auch in der Bundesrepublik Deutschland dominiert derzeit die AfD die Umfragen, die etwa die Katastrophe der fossil befeuerten Klimakrise aggressiv leugnet!

      Gleichwohl sehen wir an den Beispielen wie den USA, Ungarn und auch Israel, dass das Verleugnen wissenschaftlicher Realitäten zugunsten von Hass, Hetze und Korruption auf mittlere und lange Sicht scheitert. So gehe ich auch aufgrund meiner Ortskenntnisse davon aus, dass der eurasische Gürtel (einschließlich dem Mittelmeerraum) in wenigen Jahrzehnten weitgehend unbewohnbar sein wird, wenn sich nicht endlich wieder vernünftige, also dialogische und wissenschaftlich denkende, Kräfte durchsetzen.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/nachgefragt-podcast-zum-zunehmenden-kampf-ums-wasser-im-21-jahrhundert/

      Bei den sehr guten Dialogen in Cadenabbia gab es großes Interesse an diesen schwierigen Themen, gerade auch an der Klimakrise, am Ressourcenfluch und der Demografie. Wenn wir Menschen überhaupt eine gute Zukunft der Staaten und Völker, Religionen und Weltanschauungen erreichen wollen, dann wird dies wieder mehr Mut zum dialogischen Monismus benötigen, wie ihn Adenauer & Ben-Gurion in ihrer Zeit vorgelebt haben.

  2. Die Deutschen sind das einzige Volk Europas, das nicht stolz darauf ist, eine Nation der Mörder zu sein. Die anderen Nationen der Mörder sehen das als Schwäche und gerade wegen der Reue reduzieren sie uns auf Nazis, greifen an der Achillesferse an.

    [Wegen Überlänge und Unsachlichkeit gekürzt, M.B.]

    • Schade, dass Sie offenbar wieder getextet haben, bevor Sie lasen und verstanden, @Paul S

      Denn das Gegenteil von Ihrer jammernden Geschichtsfälschung ist wahr: „Weil“ mutige Politiker wie Adenauer & Böhm auch zur deutschen Schuld standen, konnten mutige Politiker wie David Ben-Gurion (Israel) & Charles de Gaulle (Frankreich) differenzieren und die Völker zu Freundschaft, Frieden und sogar Zusammenarbeit finden.

      Frieden braucht Mut statt Geraune. Wäre das nicht auch einmal ein Ansatz zum Nachdenken, @Paul S?

  3. Den Einsatz von Konrad Adenauer für das Luxemburger Abkommen schmälert man nicht, wenn man auf die Beteiligung an der „Wiedergutmachung“ von Theodor Heuss hinweist.

    Als Bundespräsident stand er über der Politik. In den Anfangsjahren der BRD war er eine wichtige moralische Instanz. Er erwähnte in einer seiner ersten Reden als Bundespräsident (07.12.1949, Kurhaus Wiesbaden) das Schicksal der Juden im nationalsozialistischen Deutschland. Für den Begriff „Kollektivscham“ wurde er in zahlreichen Briefen an das Bundespräsidialamt massiv kritisiert.

    Karl-Josef Kuschel zeigt in seinem Buch „Theodor Heuss, die Schoah, das Judentum, Israel.“ auf den Seiten 309 bis 341, wie der Bundespräsident daran mitwirkte, dass es zu den Verhandlungen kam, die zum Luxemburger Abkommen führten.

    Adenauer und Heuss waren sich bewusst, dass ein solches Abkommen sowohl im Bundestag als auch in der Bevölkerung auf starken Widerstand stoßen werde.

    Der deutsch-jüdische SPD-Bundestagsabgeordnete Jakob Altmaier (1889-1963) bedankte sich bei Heuss für dessen „jahrelange, offene und noch mehr stille Arbeit“ für das Zustandekommen des Abkommens. (K.-J. Kuschel, S. 336).

    Die TU München (Scientikative) hat eine Studie veröffentlicht, die sich mit der Frage befasst, wie klimaneutral sind E-Autos wirklich. Das in den Medien behandelte Ergebnis ist eines der Beispiele, dass es in der politischen und medialen Aufarbeitung „nur“ zur politischen Einordnung reicht.

    Konrad Adenauer, Helmut Schmidt und Helmut Kohl werden bis heute von vielen Menschen als starke Führungspersönlichkeiten gesehen. Krisen hatten auch sie zu bewältigen. Deutliche Worte waren allen dreien nicht fremd.

    Wie die genannten Staatsmänner die heutigen Herausforderungen meistern würden, bleibt Spekulation. Sie hatten weitestgehend das Vertrauen der Bevölkerung, die Krise zu meistern.

    In der heutigen Zeit einen Regierungschef zu haben, der auf das Vertrauen seiner Mitmenschen keinen Wert legt und entsprechend sich verhält, lässt nur noch die unangenehme Frage offen, welche Bedrohung als erstes über uns hereinbricht.

    • Vielen Dank, @Marie H. – und ich freue mich, auch schon zusagen zu können, dass es auch zu Theodor Heuss eigene Podcast-Folgen und Blogposts geben wird.

      Wie auch Sie habe ich mich über die klare Stellungnahme von Thomas Strobl (CDU) gefreut und dazu gepostet:

      Finde ich als Christdemokrat gut! 👍️

      „Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt verschärft Thomas Strobl (CDU), früherer baden-württembergischer Innenminister und heutiger Landtagspräsident, die innerparteiliche Debatte: Er werde alles in seiner Macht Stehende tun, um eine Kooperation der CDU mit der AfD zu verhindern. Sollte die CDU aber doch mit der AfD kooperieren, werde er seine Partei verlassen, bestätigte Strobl gegenüber dem SWR. „Dann ist das nicht mehr meine CDU“, sagte der 66-Jährige. Zuvor hatte er sich gegenüber „Table.Briefings“ geäußert. Strobl fordert von der CDU-Spitze eine kompromisslose Abgrenzung zur AfD. Noch habe er die Hoffnung, dass dies gelinge.“

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117196605385745371

      Heute Abend erlebe ich aber auch wachsende Unzufriedenheit über die Bundespartei:

      Bin heute bei der Mitgliederversammlung der #CDA (Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft) im Kreis #Esslingen.

      Es handelt sich um den Sozialflügel der Union (liebevoll „Herz – Jesu – Marxisten“ genannt), der von Adenauer bis Merkel in jedem unionsgeführten Kabinett stark vertreten war & erst von Merz buchstäblich ausgebootet wurde.

      Der hier beliebte MdB Marc Biadacz stellt sich dialogisch massiver Kritik am derzeitigen Parteivorsitzenden & Bundeskanzler sowie der Unterwürfigkeit sogar der direkt gewählten Abgeordneten.

      „Nutznießer“-Beschimpfungen , Renten- & Zuckersteuer – Exekutive sorgen bei den (meist christlichen & familienorientierten) Mitgliedern für Verdruss.

      Marc zeigt hier nachdenklich & überzeugend, warum alle demokratischen Parteien wieder ein echtes Parlament mit selbstbewussten MdB statt einer zunehmend dysfunktionalen Parteivorsitzenden – Exekutive bräuchten. Dass Merz die #AfD halbieren wollte, aber die #Union halbiert hat, schmerzt & brodelt an der Basis.

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117197229488264454

      Gerade spricht die Kommunalpolitikerin Ilona Koch über die aktuellen Herausforderungen dort. Das Interesse ist groß, alle hören zu, viel Applaus.

    • Guten Tag @Marie H,

      ich folge mit Interesse Ihren Gedanken.

      „Die TU München (Scientikative) hat eine Studie veröffentlicht, die sich mit der Frage befasst, wie klimaneutral sind E-Autos wirklich. Das in den Medien behandelte Ergebnis ist eines der Beispiele, dass es in der politischen und medialen Aufarbeitung „nur“ zur politischen Einordnung reicht.“

      Ein weiteres Beispiel für das von Ihnen beobachtete Verhalten, dass politische Akteure, Wissenschaft und Medien bislang noch nicht optimal als kontrollierende Instanzen zusammenwirken, zeigt sich in der jüngsten Berichterstattung über das RCP8.5-Szenario des Weltklimarates. Dieses Szenario, dessen Neubewertung in der Wissenschaft bereits seit einigen Jahren diskutiert wird, wurde in einigen Medien aggressiv aufgegriffen und extrem verkürzt dargestellt (etwa im Sinne von „die Klimakrise fällt aus“). Springer-Medien und politische Akteure, von der ehemaligen Ministerin Kristina Schröder bis hin zu Donald Trump, haben diese Darstellung dankbar aufgegriffen.

      RCP-Szenarien (Repräsentative Konzentrationspfade) sind standardisierte Klimaszenarien, die mögliche Entwicklungen der Treibhausgaskonzentrationen und deren Folgen beschreiben. Vereinfacht gesagt, geben sie an, wie viel zusätzliche Energie der Erde bis zum Jahr 2100 zugeführt wird. Das RCP8.5-Szenario ist das Worst-Case-Szenario, das eintreten würde, wenn wir weiterhin Treibhausgase wie bisher emittieren. Durch den unaufhaltsamen Zuwachs an erneuerbaren Energien ist dieses Szenario jedoch, Trump zum Trotz, inzwischen unwahrscheinlicher geworden.

      Doch spätestens die vergangenen Hitzewellen sollten uns deutlich gemacht haben, dass es auf der Erde für uns Menschen selbst bei Eintreten der weniger extremen Szenarien sehr ungemütlich werden dürfte.

      Gottseidank gibt es noch Medien, die ihrer Verantwortung nachkommen und diese Entwicklung kritisch beobachten und begleiten–etwa der Standard mit seinem Artikel „RCP8.5: Ist die Klima-Apokalypse abgesagt? Leider noch lange nicht“.

      Ich bin überzeugt, dass es hier noch viel Bedarf an Aufklärung gibt, damit Menschen solchen verkürzten Darstellungen nicht auf den Leim gehen.

      • Vielen herzlichen Dank, @Peter Gutsche & @Marie H.

        Erkenntnistheoretisch stimme ich sehr zu – gerade auch bei der Klimakrise & dem fossilen Ressourcenfluch erleben wir eine weit verbreitete Realitätsverleugnung.

        Gleichwohl könnten Markus Söder (CSU) & die BILD-Redaktion für sich in Anspruch nehmen, doch nur auf die psychologischen und wirtschaftlichen Bedürfnisse (Reaktanz & Arbeitsplätze) der Bürgerschaft einzugehen. Wir haben ja auch beim Thema Atomkraftwerke (AKW) gesehen, wie Markus Söder wiederholt seine Meinung je nach Umfragen änderte. Er würde uns hier ggf. entgegnen, seine Aufgabe bestehe nicht darin, erwachsene Menschen zu erziehen, sondern ihnen zu dienen.

        Und leider sehen wir ähnliche, psychologische und mediale Muster der Verdrängung doch auch bei den Megathemen Demografie und Verschuldung. Auch hier ist doch völlig klar, dass eine rapide schrumpfende Bevölkerung massive Auswirkungen auf die Sozialsysteme, die Anleihezinsen, die wirtschaftliche und politische Entwicklung haben wird. Aber wer traut sich schon, das ehrlich anzusprechen? Will das die Mehrheit überhaupt?

        Aus meiner Sicht stellen politische und insbesondere demokratische und gewaltenteilige Systeme auch Antwortversuche auf erkenntnistheoretische Probleme dar: Wie können Menschen sowohl individuell wie auch gesellschaftlich unangenehme Erkenntnisse verarbeiten? Rechtspopulisten bieten dualistisch vereinfachte Externalisierungen bis hin zu Verschwörungsmythen. Aber auch sie können die emergenten Zusammenhänge zwar eine Zeit lang verleugnen, aber nicht wirklich aufheben, wie sich beispielhaft an der Klimakrise, der Demografie und auch den Kriegen um die Ukraine, den Nahen Osten und die Straße von Hormus zeigt.

        Habe dazu heute morgen etwas anspruchsvoller gepostet:

        Guten Morgen – Tässle Kaffee ☕️️?

        Worüber ich mich am meisten geirrt habe?

        Als junger Mensch glaubte ich, dass es für Wissenschaftler immer gut ist, wenn sich Thesen bestätigen.

        Doch in Wirklichkeit fühlt es sich oft mies an. Ob Klimakrise oder Ressourcenfluch – oft schmerzen schon die Prognosen, dann ihr Eintreten.

        Und: Menschen mögen keine Rechthaber. „Wir haben es Euch doch gesagt!“ löst neue Reaktanz aus & befeuert Verschwörungsmythen. Und auch umgekehrt: „There is no Glory in Prevention.“

        Heute weiß ich: Die Evolution hat die menschliche Psychologie nicht auf abstrakte Wahrheit, sondern auf Zugehörigkeit geprägt. Wenn Du mehr als nur Deine eigene Blase bespielen willst, so musst Du den schweren Weg wählen: Dialog. (Philosophisch: Dialogischer Monismus.)

        Und das mache ich jetzt seit Jahren auch im Fediverse. Allen, die sich ehrlich interessieren: Vielen Dank vom #Solarpunk 🙏🤔📚️🔋

        https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117199543187211999

        Dieser Dank gilt Euch beiden in besonderem Maße! 🙌🖖

      • @Peter Gutsche

        Danke für diesen wirklich interessanten Hinweis auf das vom Weltklimarat beschriebene Szenario.

        Sowohl in diesem Fall als auch bei der Studie der TU München liegt das Problem in der Aufmerksamkeitsökonomie.

        Wer zuerst darüber berichtet, dessen Darstellung wird bei den meisten Menschen hängenbleiben. Die Verkürzung eines Sachverhalts (bis zur Unkenntlichkeit) zu „verarbeiten“, ist natürlich wesentlich leichter für uns Medien-Konsumenten als einen z.B. zweiseitigen Zeitungsartikel mit der notwendigen Differenzierung.

        Bei der TUM-Studie kommt noch erschwerend hinzu, dass ein großer Account auf Social Media kurz und knapp („…kommt zu einem klaren Ergebnis…“) seine Follower der Notwendigkeit enthebt, sich selbst mit der Studie zu beschäftigen.

        Dennoch muss jeder Versuch unternommen werden, Menschen korrekt aufzuklären.

  4. Vielen Dank. Ich freue mich auf die Blogposts etc über Theodor Heuss.

    Marc Biadacz kenne ich persönlich. 2017 waren wir im Haustürwahlkampf unterwegs. Er hat damals zum ersten Mal kandidiert. Ich schätze ihn sehr. Dass er zuhört und die Teilnehmer ernst nimmt, spricht für ihn.

    • Vielen Dank für das Interesse an Theodor Heuss (1884 – 1963).

      Hier, bei Interesse, Folge 30 von Prof. Karl-Josef Kuschel genau schon dazu!

      https://verschwoerungsfragen.podigee.io/30-theodor-heuss-auseinandersetzung-mit-der-ns-zeit-und-der-schoah

      Auch als Blogpost:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-30-theodor-heuss-auseinandersetzung-mit-der-ns-zeit-und-der-schoah/

      Und, ja, Marc Biadacz ist ein Guter – die starke Kritik an der Regierungsführung gestern bei der CDA hat ihn sichtlich bewegt.

      Inzwischen konnte ich auch Ihrem folgenden Hinweis nachgehen:

      „Die TU München (Scientikative) hat eine Studie veröffentlicht, die sich mit der Frage befasst, wie klimaneutral sind E-Autos wirklich. Das in den Medien behandelte Ergebnis ist eines der Beispiele, dass es in der politischen und medialen Aufarbeitung „nur“ zur politischen Einordnung reicht.“

      Aus der Wissenschaft selbst – und direkt auch aus München – gibt es an dieser nicht Peer-Review-geprüften „Studie“ bereits Kritik. Womöglich handelt es sich bei ihr oder ihrer „Zusammenfassung“ sogar um eine weitere, fossile Auftragsarbeit.

      Eine Metastudie zum Vergleich des CO₂-Ausstoßes von Pkw mit verschiedenen Antriebsarten hat vorab für viel Aufregung gesorgt, weil sie angeblich grundsätzliche Kritik an der Klimapolitik der EU übt. Das sei aber gar nicht der Fall, hat der Fahrzeugtechnikexperte Markus Lienkamp von der TU München (TUM) dem Science Media Center (SMC) versichert. Zwar stimme es, dass die CO₂-Minderung beim Umstieg auf Elektroautos gegenwärtig nur bei 41 Prozent liegt, wenn man den gesamten Lebenszyklus eines Pkw betrachte. Das sei aber nicht neu und im Kern bestätige die Studie, „Elektroautos sind in Zukunft als einzige Antriebsart zielführend“. Noch seien Elektroautos aber unter anderem wegen der CO₂-Emissionen bei der Stromerzeugung eben nicht 100-prozentig klimaneutral.

      https://www.heise.de/news/Verbrenner-Aus-von-Wissenschaft-widerlegt-Harsche-Kritik-an-TUM-Studie-11436765.html

      Es ist ja auch wirklich bizarr und unredlich, die verschleppte, post-fossile Energiewende nun auch noch gegen Elektroautos anzuführen! Zumal wir Blumes bewusst schon seit 2017 ein französisches Elektroauto fahren und stets darauf geachtet haben, 100% Ökostrom zu laden. Es mag Fälle geben, wo Leute ihre E-Autos einfach an der Steckdose laden – viele tun dies jedoch sehr bewusst bei Ökostrom-Anbietenden, etwa am Arbeitsplatz oder zunehmend (wie wir) auch über die eigene Photovoltaik-Anlage auf dem Dach. Gerade auch an sonnigen Tagen entstehen ja längst Überschüsse, so dass sich Elektroautos auch als fahrende Batteriespeicher bewähren.

      Habe dazu gepostet:

      Hier übrigens auch fachliche Kritik an der dubiosen „Verbrenner – Aus – Aus – Studie“ aus der TU München, die die Treibhausgas-Wirkung von Elektroautos ungenügend & die Friedenswirkung von Erneuerbaren & Batterien überhaupt nicht erfasst hat.

      Für mich sieht das nicht nach erkenntnisorientierter, interdisziplinärer Forschung, sondern nach gezielter Desinformation aus dem fossilen Lobbyismus aus, die wir bald in allen fossilen Konzernmedien bejubelt finden.

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117197905470366920

      Hier ergibt sich für mich die klare Aufgabe sowohl der Publikative wie der Scientikative, Äußerungen selbst zu hinterfragen und einzuordnen. Denn leider können auch journalistische und wissenschaftliche Arbeiten irren oder gar gekauft werden, wie die Geschichte mehr als ausreichend zeigt…

      • Herzlichen Dank.

        Das „Bejubeln in fossilen Konzernmedien“ fand mW in der Sonntagsausgabe (30.08.2026) einer Boulevardzeitung mit 4 Großbuchstaben statt. Dort wird auch der bayerische MP zitiert.

        In einem Post auf X schreibt Markus Söder:

        „Die TU München ist die beste Uni Europas und kommt zu einem klaren Ergebnis.“ 30.08.2026, 15.35 Uhr.

  5. @Michael 01.09. 21:20

    „Dass Merz die #AfD halbieren wollte, aber die #Union halbiert hat, schmerzt & brodelt an der Basis.“

    Es sollen 1,4 Millionen Wohnungen in Deutschland fehlen. Zugleich haben wir Leerstände auf dem Land. Optimal ist das nicht, und es macht es auch jungen Familien nicht einfacher.

    Sicher liegt das nicht nur an Zuwanderung von Außerhalb der EU. Das meiste müsste Binnenzuwanderung innerhalb Deutschlands und innerhalb der EU sein, plus Ukrainer.

    Da kann man natürlich hoffen, dass dieser Krieg ein Ende nimmt, und viele Ukrainer wieder nach hause können.

    Man kann natürlich auch EU-weit gucken, für die nächsten paar Jahre möglichst wenige neue Zuwanderer von außerhalb aufzunehmen. Praktischerweise genau so viele, wie die konkreten Kommunen die gerne haben wollen.

    Das selbst meine Überlegung hier die Rechten bestätigt, kann ich dabei nicht ändern. Ich weiß da jetzt nicht weiter, ehrlich gesagt.

    Ich wünsch mir ja weniger Wohnungsnot, und weniger Zuzug würde da helfen. Natürlich nur solange, bis sich der Wohnungsmarkt entspannt hat. Wenn genug neu gebaut würde, würde das wiederum auch helfen. Und zugezogene Bauarbeiter könnten wir dafür dann sogar gebrauchen.

    Ich denk mal, das ist ein vor allem kommunales Problem, und entsprechend sollte jede Kommune möglichst selber entscheiden dürfen, wieviele neue Zuwanderer sie aufnehmen will. Die Einen haben Leerstände, die anderen ganz krasse Wohungsnot. Die einen haben genug Bauland, aber es fehlen Bauarbeiter, wieder andere haben kaum Platz für Neubauten.

    • Vielen Dank für Deine starken und auch beunruhigenden Gedanken zu Wohnungsbau und Demografie, lieber @Tobias 🙏📗👍

      Dazu @Bernd neulich einen hervorragenden, politikwissenschaftlichen ZEIT – Artikel gefunden, der auch den Zusammenhang zwischen Demografie & Rechtsdualismus, also zwischen säkularer Geburtenimplosion, nachlassenden Investitionen und Abwanderung politikpsychologisch erfasste:

      Die Soziologin Katja Salomo etwa wies bereits 2019 anhand einer Fallstudie über Thüringen darauf hin, dass die ostdeutsche Kombination aus vielen Alten, wenigen Frauen und wenigen Geburten weltweit einmalig negativ für die Lebensumstände in einer Region sei.

      Vom DIW wird dieser Faktor nun als entscheidend markiert: »Dort, wo besonders viele Menschen über 60 Jahre leben und junge, gut ausgebildete Leute wegziehen – wodurch auch die Abiturquote der Zurückbleibenden deutlich sinkt –, erzielt die AfD deutlich mehr Stimmen«, heißt es in der Auswertung vom Juli 2026.

      Der Zusammenhang zwischen Demografie und AfD-Zustimmung ist mehrschichtig und gut erforscht.

      Eine schrumpfende, alternde Bevölkerung lässt Regionen immer strukturschwächer werden.

      Es wird dem Bedarf entsprechend weniger investiert: in den Nahverkehr, in Kitas und Schulen, in Bibliotheken und Schwimmbäder.

      Die Folge ist das viel beschriebene Gefühl des Abgehängtseins, das empfänglich für Populismus und Extremismus macht.

      Aus dieser Dynamik entsteht ein Teufelskreis. Strukturschwäche und steigende AfD-Wahlergebnisse führen dazu, dass noch mehr Menschen abwandern, insbesondere die Jungen, Gebildeten – und die Frauen.

      Die Forschung zeigt, dass mittlerweile gerade in ländlichen ostdeutschen Gegenden ein Männerüberschuss vorherrscht, wobei die AfD auch diesen Aspekt mit Erzählungen über Migranten, die den Deutschen die Frauen wegnähmen, gezielt bespielt.

      Ein weiterer Effekt ist, dass weniger Zuzug stattfindet, auch und gerade von Migranten – in regionalen AfD-Hochburgen sind sie kaum vertreten.

      https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-08/waehlerschaft-afd-typen-forschung-merkmale

      Gerade auch Beispiel Japan, ebenso auch Südkorea, China, Polen usw. scheinen mir den engen und auch lange wirksamen Zusammenhang zwischen säkularer Geburtenimplosion, Reaktanz und Rechtsmimesis stark zu bestätigen, vgl.:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-51-arbeit-demografie-und-deindustrialisierung-am-beispiel-japan/

      Und ich finde das schade, es scheint mir aber auch im Hinblick auf die kommenden Wahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin & Mecklenburg-Vorpommern zu unterstreichen: Wir Menschen haben sowohl individuell wie auch gesellschaftlich immer eine Wahl und also auch eine Verantwortung. Die demografische & rechtsmimetische Traditionalismusfalle scheint mir ein Weg des politischen Scheiterns zu sein.

  6. @Demografie, Binnennachfrage, Bauwirtschaft, Zuwanderung, Energiewende

    Wenn wir mehr Kinder hätten, dann fördert das nicht nur die Binnennachfrage, die Eltern müssten auch weniger Arbeiten. Man braucht alleine schon eine größere Wohnung, und spätestens mit 3, 4 oder 5 Kindern muss irgendwer zuhause bleiben und muss dann weniger arbeiten. Soviel Förderung braucht das dann auch entsprechend, insbesondere wenn kein Elternteil Besserverdiener ist.

    Und das braucht dann auch mehr Wohnraum, da muss dann noch mehr neu gebaut werden, als sowieso schon. Da wäre es zunächst mal nötig, dass die Kommunen jede Menge Bauland ausweisen, aber auch zugewanderte Bauarbeiter kann man dann brauchen. Die dann allerdings selber wieder Wohnraum brauchen. Insbesondere wenn die dann dauerhaft hier bleiben, und eigene Familien gründen.

    So schnell wird das alles nicht gehen.

    Hilfreich sein könnte ein Sammeltaxisystem auf Basis von Selbstfahrenden E-Autos. Dann könnten viel mehr Leute auf dem Land wohnen, weil die Fahrt zur Arbeit dann billiger, schneller und entspannter wird, und insbesondere Kinder und Ältere ohne Führerschein voll mobil werden.

    Dann werden sehr viel mehr Leute auf dem Land wohnen können, die Leerstände würden da bezogen und in den überlaufenen Städten entspannt sich dann der Wohnungsmarkt.

    Das wäre dann spätestens eine Gelegenheit, in mehr Kinder zu investieren. Eigentlich haben wir uns doch so viel Wohlstand aufgebaut, dass es da dran gar nicht fehlen muss. Ein wenig weniger Verschwendung einerseits, und weniger Außenhandelsüberschuss andererseits, wäre doch bei entsprechender Binnennachfrage durch mehr Kinder passend.

    Mit einer erfolgreichen Energiewende klappt alles noch viel besser. Wir haben dann einmal in entsprechende Grüne Technik investiert, und müssen nicht mehr ständig Öl und Gas neu einkaufen. Und wenn die Preise für die Komponenten weiter sinken, macht das weitere Mittel frei. Auch für mehr Nachwuchs.

    • Vielen Dank für den durchdachten Druko, lieber @Tobias 🙏

      Und ich stimme weitgehend zu, sehe hier große Entsprechungen zu meiner These von den entstehenden Solarpunk-Arche-Regionen: Während immer größere Gebiete der Erde klimatisch unwirtlich werden und demografisch verebben, sammeln sich an einigen Orten der Erde ausreichend Menschen, um auf Basis von Dialog und Wissenschaft überlebensfähige Zukunftsregionen zu schaffen.

      So gehe ich von Begrünung & Schwammstädten mit unterirdischen Bereichen und klimatisierten Bibliotheken, erneuerbaren Friedens-, Heimat- und Wohlstandsenergien, solidarischen Gesundheits- und Sozialsystemen, dezentraler FOSS-KI, ÖPNV & KI-Taxen, föderaler Energiedemokratie, emanzipativer Integrations- und Familienförderung & Wasser-sensibler Kreislaufwirtschaft aus. Allerdings wird der Weg bis dahin nicht linear, sondern durch viele Krisen verlaufen – auch dürften technologische Überraschungen und Bedrohungen auf uns warten, die wir jetzt noch kaum absehen können.

      Die japanische KI-Anwendung Felo.ai vermag meine Beobachtungen dazu bereits präzise wiederzugeben:

      Im Deutungsrahmen von Michael Blume bilden säkulare Geburtenimplosion, Traditionalismusfalle und Rechtsmimesis einen sich gegenseitig verstärkenden Zusammenhang: Demografische Unsicherheit kann politische Abwehrreaktionen auslösen; autoritäre oder patriarchale Antworten verschärfen jedoch häufig gerade die Bedingungen, unter denen Menschen weniger Kinder bekommen. Rechte Bewegungen verbreiten und normalisieren diese Antworten zudem mimetisch, also durch Nachahmung von Sprache, Emotionen, Feindbildern und politischen Vorbildern.

      ## Säkulare Geburtenimplosion

      Mit **säkularer Geburtenimplosion** beschreibt Blume den starken, langfristigen Rückgang der Geburtenzahlen in säkularisierten und hochindividualisierten Gesellschaften. Seine These lautet nicht schlicht, dass Religiosität automatisch viele Kinder verursache. Entscheidend seien vielmehr **lebendige, tragfähige Gemeinschaften**, die Familien soziale Anerkennung, Beziehungen, Verlässlichkeit und Unterstützung ermöglichen. Sein entsprechender Leitsatz lautet:

      „Wenn Kinder ein Segen sind. Lebendige Religionsgemeinschaften ermöglichen Familien, Säkularisierung führt in die demografische Sackgasse.“[12]

      Blume verweist zugleich darauf, dass ein ausgeprägter Geburtenrückgang auch in mehrheitlich muslimischen Gesellschaften mit starker Säkularisierung zu beobachten sei.[1] Damit versteht er die Entwicklung nicht als spezifisch christliches, westliches oder ethnisches Problem, sondern als breiteren sozialen Prozess: Wo gemeinschaftliche Bindungen, Zukunftsvertrauen und familienfreundliche Lebensbedingungen brüchig werden, sinkt nach seiner Lesart die Bereitschaft oder Möglichkeit zur Elternschaft.

      ## Die demografische Traditionalismusfalle

      Die **Traditionalismusfalle** ist Blumes Bezeichnung für das paradoxe Scheitern einer Politik, die niedrige Geburtenraten mit der Wiederherstellung starrer Geschlechterrollen, moralischem Druck oder Einschränkungen reproduktiver Selbstbestimmung beantworten will.

      Seine Argumentation verläuft so:

      1. Sinkende Geburtenraten erzeugen Angst vor Überalterung, Schrumpfung und gesellschaftlichem Bedeutungsverlust.
      2. Rechte oder rechtslibertäre Akteure deuten dies als Folge von Feminismus, Liberalismus, Migration oder vermeintlichem moralischem Verfall.
      3. Sie propagieren eine Rückkehr zu traditionellen Rollen und greifen teils in die Rechte von Frauen und Familien ein.
      4. Dadurch verschlechtern sich Selbstbestimmung, wirtschaftliche Sicherheit und partnerschaftliche Gleichberechtigung.
      5. Diese Bedingungen senken die Wahrscheinlichkeit von Familiengründungen weiter.

      Blume nennt insbesondere die USA und Großbritannien als Beispiele: Dort sei „Pro-Life“ vielfach nicht zu verlässlicher Unterstützung von Müttern und Familien geworden, sondern mit Verboten und Abwertung verbunden. Die Geburtenraten seien dort im Einklang mit seiner Prognose der Traditionalismusfalle deutlich gefallen.[4]

      Die Kernaussage ist daher:

      **Familienpolitik, die Familien kontrollieren statt materiell, sozial und partnerschaftlich unterstützen will, kann demografisch kontraproduktiv sein.**

      Als Gegenmodelle benennt Blume einerseits stärker selbstorganisierte Gemeinschaften und andererseits staatliche Familienförderung, etwa wie sie Frankreich oder Schweden zugeschrieben wird.[4]

      ## Rechtsmimesis als politischer Verstärker

      **Rechtsmimesis** knüpft an Blumes weiter gefassten Begriff der Mimesis an: Menschen übernehmen nicht nur Meinungen, sondern auch die Wünsche, Gesten, Kränkungen und Feindbilder ihrer sozialen Vorbilder. Im rechten politischen Raum kann dies dazu führen, dass Akteure und Anhängerschaften über Medien und Netzwerke ähnliche Erzählungen reproduzieren: etwa die Vorstellung eines „Bevölkerungsaustauschs“, die Stilisierung der eigenen Gruppe als bedroht oder die Schuldzuweisung an Migranten, Feministinnen, Eliten und Minderheiten.

      Im Zusammenhang der demografischen Krise wird Migration so zur symbolischen Ersatz-Erklärung. Statt nach Wohnkosten, Betreuungsangeboten, partnerschaftlicher Arbeitsteilung, sozialer Sicherheit oder fehlenden Gemeinschaftsstrukturen zu fragen, wird demografischer Wandel als Angriff äußerer oder innerer Gegner gedeutet. Blume nennt ausdrücklich Verschwörungserzählungen über einen „Great Replacement“ als Reaktion auf Bevölkerungsschrumpfung und Zuwanderung.[4]

      Diese Narrative sind mimetisch wirksam, weil sie leicht weitergegeben werden können: Menschen teilen dieselben Schlagworte, Empörungsbilder und Bedrohungsdiagnosen; Politiker kopieren erfolgreiche Zuspitzungen anderer Politiker; Plattformmechanismen belohnen konfliktstarke Inhalte. Blume warnt generell davor, dass antisemitische Verschwörungsmythen durch digitale Medien erneut breite politische Wirksamkeit entfalten könnten.[8]

      ## Der Zusammenhang im Überblick

      | Begriff | Gemeinte Entwicklung bei Blume | Politische Gefahr |
      |—|—|—|
      | **Säkulare Geburtenimplosion** | Rückgang von Geburten in individualisierten, bindungsärmeren und säkularisierten Milieus | Zukunftsangst, Überalterungs- und Schrumpfungsnarrative |
      | **Traditionalismusfalle** | Autoritäre Rückkehr zu starren Rollen und Einschränkungen soll Geburten fördern, verschlechtert aber Bedingungen für Familien | Weitere Geburtenrückgänge sowie Konflikte um Frauen- und Familienrechte |
      | **Rechtsmimesis** | Nachahmende Verbreitung rechter Deutungs- und Empörungsmuster | Normalisierung von Feindbildern, Verschwörungsdenken und autoritärer Politik |

      Blumes zentrale Diagnose lautet somit:

      **Demografische Rückgänge können rechte Mobilisierung begünstigen, aber rechte traditionalistische Antworten lösen das Problem nach seiner Auffassung nicht.**

      Sie verlagern die Verantwortung auf angebliche Gegner, erzeugen gesellschaftliche Spaltung und können die praktischen Voraussetzungen für Familiengründungen weiter beschädigen.

      ## Blumes Gegenperspektive

      Als Alternative setzt Blume auf demokratisch-freiheitliche, pluralistische und gemeinschaftsfähige Gesellschaften. Er erwartet, dass sich in solchen „Arche-Regionen“ immer wieder kinderreichere religiöse oder anderweitig gemeinschaftlich orientierte Milieus bilden können, während Regionen ohne entsprechende soziale Dynamik stärker schrumpfen.[4]

      Daraus folgt keine Forderung nach religiösem Zwang oder einer Rückkehr zu überkommenen Rollenbildern. Vielmehr liegt der Akzent auf **freiwilliger Gemeinschaftsbildung**, Bildungs- und Begegnungsarbeit, Schutz vor Verschwörungsmythen sowie einer Familienpolitik, die Eltern und besonders Frauen real unterstützt. Gerade weil Blume Antisemitismus und Verschwörungsdenken als gesellschaftliche Risiken untersucht, versteht er die Abwehr von „Great-Replacement“-Narrativen als Teil einer demokratischen Antwort auf demografische Unsicherheit.[8]

      [1] https://www.deutschlandfunk.de/religion-und-demografie-lasst-uns-wegkommen-von-angst-und-100.html
      [2] https://fowid.de/meldung/konfessionsfreie-und-demografie
      [3] https://chrismon.de/personen/48664/michael-blume
      [4] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/minus-zweitausend-pro-tag-japans-traditionalismusfalle-und-bevoelkerungsimplosion/
      [5] https://www.herder.de/hk/autoren/michael-blume/
      [6] https://www.studienstiftung.de/portraets-interviews/michael-blume-wir-brauchen-wieder-einen-bildungsbegriff-der-sich-seiner-juedischen-christlichen-und-humanistischen-wurzeln-bewusst-ist
      [7] https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Blume
      [8] https://www.verlagsgruppe-patmos.de/lebe-gut/michael-blume-ueber-antisemitismus
      [9] https://www.boell-bw.de/de/2022/12/05/dr-michael-blume-gegenstrategien-von-seiten-der-politik-und-den-institutionen
      [10] https://www.praeventionstag.de/nano.cms/personen/id/4719
      [11] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-51-arbeit-demografie-und-deindustrialisierung-am-beispiel-japan/
      [12] https://www.zeit.de/autoren/B/Michael_Blume/index
      [13] https://www.uni-muenster.de/Religion-und-Politik/aktuelles/2018/jun/News_Vortrag_Michael_Blume_Islam_in_der_Krise.shtml

  7. @Michael 02.09. 19:47

    „Während immer größere Gebiete der Erde klimatisch unwirtlich werden und demografisch verebben, sammeln sich an einigen Orten der Erde ausreichend Menschen, um auf Basis von Dialog und Wissenschaft überlebensfähige Zukunftsregionen zu schaffen.“

    Lokal kann man den Klimawandel nicht aufhalten, beim besten Willen nicht. Man kann nur seine Beiträge leisten.

    Dass sich Vieles in urbanen Räumen sammelt, ist wohl ein eigenständiger Prozess, der schon seit Jahrhunderten stattfindet. In Deutschland könnten demnächst in den meisten ländlichen Regionen Landwirtschaft und wo möglich auch Tourismus als letzte Wirtschaftsgrundlage übrig bleiben. Wer da keine Arbeit findet, wird abwandern.

    Die Energiewende fördert wiederum die Urbanen Räume, wenn die den Großteil ihres Energiebedarfs lokal selber produzieren können. Aber auch bessere Mobilität kann einen Teil des Problems lösen, und ländliche Gegenden in der Nähe von florierenden Städten sehr fördern.

    Was macht eigentlich der inzwischen klimaneutrale Landkreis Wunsiedel? Zieht der junge Familien an, die da hinziehen möchten? Möglich wäre das. Aber Arbeit brauchen die auch.

    In den jetzt schon heißen Ländern wird man vermutlich auch selber klar kommen müssen. Wir können kaum 500 Millionen Menschen aus Afrika und dem Nahen Osten hier aufnehmen. Wir könnten die aber beim Aufbau einer grünen Stromversorgung unterstützen. Immerhin hat man da die besten Erträge an PV weit und breit. Das kann noch ein gewichtiger Faktor werden, scheint mir. Auch als Standort von energieintensiver Industrie und Rechenzentren.

    Mit genug Strom auch für Klimaanlagen und Meerwasserentsalzungsanlagen wird man insbesondere in Küstennähe eigentlich dennoch ganz gut leben können. Da kann man ganz neue Städte gründen, an Platz fehlt es nicht. Grundnahrungs- und Futtermittel kann man problemlos auch weite Strecken transportieren, wenn man wirtschaftlich ganz gut dabei ist, kann man die importieren. Die EU, die USA, Russland und auch Südamerika haben reichlich davon auf dem Weltmarkt anzubieten.

    Und in Afrika selbst gibt es noch sehr viel Potential für jede Menge mehr Eigenproduktion von landwirtschaftlichen Erzeugnissen aller Art.

    Ich sehe hier auch florierende Regionen, aber auch die verbliebenen ländlichen Regionen leben auf ihre Art weiter. Und beschränken sich auf die Dauer einfach auf Landwirtschaft und Tourismus. Zumindest die älteren Menschen dort, die da jetzt demokratische Probleme bereiten, werden nach und nach aussterben. Und die jungen Leute, wenn die in die Städte umgezogen sind und vernünftige Arbeit gefunden haben, könnten wieder demokratischer werden.

    • Vielen Dank auch für Deine mittelfristige Zuversicht, lieber @Tobias 😌

      Und – ich teile diese. Die fossile Rechtsmimesis ist nicht das Ende der Geschichte und scheitert ja bereits von den früher tonangebenden USA über Polen bis nach Ungarn und Japan an immer mehr Orten – übrigens auch demografisch. Digitaler Dauer-Thymos verträgt sich nicht wirklich mit einem Beziehungs- oder gar kinderreichen Familienleben.

      Selbstverständlich würde ich daher den Hass und die Hetze in der Selbstzerstörung des Fossilismus gerne abmildern und nehme auch deswegen viel digitale Gewalt auf mich.

      Doch wenn die Menschheit sich nicht durch Konzern-KIen selbst abschafft, wird sie auch das 21. Jahrhundert in urbanen und agrarisch-touristischen Solarpunk-Arche-Regionen überleben. Ver-Mut-e ich.

  8. Konrad Adenauer ist für mich gefühlsmässig einer, der immer für die Interessen der Nachkriegsdeutschen und die Interessen des Nachkriegs-Europas eintrat und der sehr wenig andere ideologische Grundsätze hatte. Adenauer war etwa für die Westbindung Deutschlands aus vielen Gründen, auch etwa, weil Adenauer anerkannte, dass die USA den Krieg im Westen beendete und dass Westeuropa auf die Unterstützung der USA angewiesen war. Adenauer war für eine europäische Verteidigungsgemeinschaft, weil er erkannte, dass Westeuropa sich selber verteidigen muss und dass die Zeit der nationalen Alleingänge vorbei sei. Leider lehnte dies die französische Nationalversammlung 1954 ab, weil sie die franz. Souveränität gefährdet sah. Im Nachhinein kann man sagen, dass die Franzosen ihre Autonomie überschätzten und sie wohl auch noch nicht erkannten, dass die franz. Kolonialära dem Ende entgegenging. Der Pragmatismus Adenauers und die klare Hinwendung zu den damaligen aktuellen Problemen scheint mir auch heute noch nachahmenswert für deutsche und europäische Politiker.
    Noch eine kurze Bemerkung zum oben erwähnten Leugnen des Klimawandels durch die AfD. Für mich ist das wirklich eine Leugnung der Realität, genau so wie die Haltung der AfD zum Ukraine-Krieg, wo sie nicht selten die Position Putins einnimmt. Für mich kann man Putin aber nicht verteidigen, allein schon weil er so viele Menschen sinnlos in den Tod schickt. Keine Idee und keine Politik kann den Tod von Millionen Menschen für ein fragwürdiges Ziel rechtfertigen. Wer es trotzdem tut, disqualifiziert sich für mich.

    • Vielen Dank und ja, @Martin Holzherr – die Kombination aus eisernen, christlich-demokratischen Überzeugungen einerseits und einem kompromissorientierten Pragmatismus andererseits hat Konrad Adenauer zur prägenden Figur der Bundesrepublik gemacht.

      So pflegte er – wie Borchard im obigen Buch eindrucksvoll aufzeigt – schon als Oberbürgermeister von Köln gute Beziehungen zu Kölner Jüdinnen und Juden und setzte sich als Mitwirkender in einem Verein auch für die Wiedergründung des Staates Israel ein. Die Nazis verachtete er und Hitler bot er noch als todesmutig die Stirn. Die Nazis bedrohten ihn daher antisemitisch als „Blutjuden“ und forderten „Adenauer an die Mauer“.

      Aber genau diese Haltung erlaubte es Adenauer dann nach dem Krieg, zu führenden Stimmen in Frankreich, den USA und Israel glaubwürdig die Hand auszustrecken und mit den Römischen Verträgen von 1957 zu den sechs Gründungsvätern der Europäischen Union zu gehören.

      Selbstverständlich war aber auch Adenauer nicht fehlerfrei – das hätte er auch selbst nicht von sich behauptet – und gerade auch seine letztlich erfolglosen Versuche, sich nach dem Berliner Mauerbau 1961 mit GG-widriger Fraktionsdisziplin, Koalitionsvertrag und Koalitionsausschuss an der Macht zu halten, verformte die politische Kultur unseres Landes, bis heute.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-bundes-koalitionsvertrag-von-1961-als-abweg-vom-grundgesetz/

      Dennoch bleibt ein überragendes, ja prägendes Vermächtnis für unsere Bundesrepublik, das es verdient, immer wieder fair und kritisch-konstruktiv durchdacht zu werden.

      Bei Putin bin ich selbstverständlich ganz bei Ihnen und habe ja bereits 2019 ausdrücklich vor der fossilen Ressourcenfluch-Finanzierung der russischen Tyrannei gewarnt:

      https://www.salonkolumnisten.com/oel_antisemitismus/

      Gerne erinnere ich mich auch daran, dass Sie schon vor elf Jahren – 2015 – einen überaus einsichtigen Kommentar zur Sache beigetragen hatten:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-kommentar-jahres2015-martin-holzherr/

      Sie schrieben damals:

      Dem Modell des Rentierstaats wird von erstaunlich vielen Sympathie entgegengebracht. Dass der Staat seine Bürger mit Renten beglückt, seien es üppig gepolsterte Rentenguthaben in Norwegen gespeist vom dortigen Ölfond oder Gratisbenzin in Saudiarabien und anderen Ölstaaten, was kann daran schlecht sein? Schlecht daran ist die mit dem Geld und den Renten verbundene Macht.

      Der Spruch „Geld regiert die Welt“ stimmt und hat schon immer gestimmt. Wer entscheiden kann was mit dem Geld, seien es Steuereinnahmen oder Rohstofferlöse, passiert, der hat letztlich die Macht.

      Wenn das Geld von allen Bürgern durch ihren eigenen Verdienst hereinkommt, dann haben diese Bürger auch ein implizites Recht darüber zu entscheiden was mit dem Geld geschieht.

      In demokratischen Staaten ist das so und in Staaten wie dem vorrevolutionären Frankreich war es zwar nicht so – dort wurde das Geld der Bürger vom König verprasst – aber auch nur bis zur Revolution. Die moderne Demokratie, die sich zuerst in England ausbildete und sich dann über ganz Europa verbreitete, begann in England mit der Magna Charta. Diese Magna Charta legte fest, dass der König nur Krieg führen und das dazu nötige Geld eintreiben konnte, wenn ihm das von den Adligen erlaubt wurde, denn letztlich kam das Geld von den Adligen (die es wiederum von ihren Untertanen hatten).

      Wer also das Geld hat, hat auch die natürliche Legitimation darüber zu verfügen. Mit dem Geld hat er die Macht.

      Bis heute erarbeiten in den meisten Staaten die Bürger des Staates das Vermögen des Staates. Doch es gibt eine Tendenz zur Verlagerung hin zum Staat, also mithin zu einer Form von Rentierstaat. Schon die Sozialdemokratie hatte zum Ziel Gelder von Wohlhabenden dem Staat zuzuführen, der das Geld dann unter die Bürger verteilt. In Zukunft wird der Staat als Quelle des Einkommens sogar an Bedeutung gewinnen. Die zunehmende Automatisierung und Roboterisierung wird vielen Menschen die Arbeit nehmen und der Staat wird dann wohl ein Grundeinkommen einrichten müssen. Das ist sicher gut und viel besser als wenn Automation zur Verarmung der nun Arbeitslosen führt. Doch ist auch die Gefahr damit verbunden, dass der Bürger machtlos wird, dass er zum reinen Empfänger von Transfervermögen wird und in der „Gnade“ des Staates steht. Für eine Demokratie sind das keine guten Voraussetzungen.

      Diese Einsicht Ihrerseits gegenüber dem Ressourcenfluch-Fossilismus und sogar der KI-„Automatisierung und Robotisierung“ hat auch nach elf Jahren nichts von ihrer Aktualität verloren.

      • Konrad Adenauer und seine Beziehungen zu Kölner Juden in seiner Zeit als Oberbürgermeister erwähnt Karl-Josef Kuschel in seinem Buch „Theodor Heuss, die Schoah, das Judentum, Israel.“

        „Ich hatte als Oberbürgermeister von Köln viele Freunde. Heineman und Prof. Kraus waren die einzigen, die mir nach meiner Absetzung ihre Hilfe anboten.“ (S. 340)

        Es handelt sich hier um ein wörtliches Zitat aus den Erinnerungen Konrad Adenauers (Band 2, 1966, 157f.). Die beiden Männer waren Juden.

        Zur Erklärung noch einmal ein Ausschnitt aus dem o.g. Buch:

        „In der Tat hatte Adenauer am 13. März 1933 Köln verlassen müssen. Für ein Jahr hatte er Zuflucht im Benediktinerkloster Maria Laach gefunden. Bezüge und Bankkonto? Auf einmal gesperrt…Da kommt ein >>guter Freund<< auf ihn zu. Er weiß um Adenauers finanzielle Sorgen…" (Kuschel, S. 339).

        Durch diese finanzielle Hilfe war die Familie Adenauer vorläufig gerettet.

        • Ja, @Marie H. – auch darüber schrieb Borchard, S. 43:

          „Ohne Zögern bietet Kraus dem rheinischen Politiker ebenfalls einen Teil seiner eigenen Ersparnisse an.

          ‚Mich hat diese Geste zutiefst gerührt‘, schreibt Adenauer. ‚Ich dankte ihm, nahm aber sein hochherziges Angebot nicht an.‘

          Dass ihm diese beiden Juden – Alois Kraus und Dannie Heineman – selbstlos gegenübergetreten sind, hat ihn auch zwei Jahrzehnte später bei der Arbeit an seinen Erinnerungen tief bewegt: ‚Ihre Handlungsweise mir gegenüber hat mich daran erinnert, dass ‚Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst‘ im Alten Testament steht.“

          Ich würde zwar heute nicht mehr vom „Alten Testament“, sondern von der hebräischen Bibel sprechen. Und auch einige andere Formulierungen von Konrad Adenauer wie auch von David Ben-Gurion klingen heute seltsam bis unangenehm. Aber wenn wir so fair sind, auch Politiker in ihrer Zeit so bewerten, dann ist hier tiefer Respekt geboten. Dialogischer Monismus war und ist selten, aber erreichbar.

  9. @Michael 03.09. 19:35 / Martin Holzherr 2015

    „Doch ist auch die Gefahr damit verbunden, dass der Bürger machtlos wird, dass er zum reinen Empfänger von Transfervermögen wird und in der „Gnade“ des Staates steht.“

    Ich sehe hier noch ein ganz anderes Problem: Was sollen denn die meisten Leute außer arbeiten gehen sonst machen? Die Arbeitszeit verkürzen und kurze Arbeitszeiten steuerlich bevorzugen könnte aber helfen.

    Dann hat man jedenfalls auch wieder mehr Zeit für mehr Kinder.

    Andererseits, bisher ist es eigentlich immer gelungen, jede weitere Automatisierung mit neuen Produkten und neuem Konsum wieder auszugleichen. Was in der Tat aber dennoch auch mal enden könnte, wenn es einfach nicht mehr geht.

    Dann gäbe es allerdings auch noch die ganzen armen Länder im globalen Süden, da ist noch jede Menge Wachstum äußerst sinnvoll. Praktischerweise zusammen mit einer wirklich vollständigen weltweiten Energiewende könnten wir da noch mal für 2 oder 3 Jahrzehnte uns gut mit beschäftigen.

    Und was danach kommt, das können wir uns dann ja noch mal überlegen. KI verbieten oder mit Sondersteuern belegen wären eine Option. Für dann, jetzt aber m.E. auf keinen Fall. Wir haben nebenbei gerade existenziellen Bedarf für jede Menge Aufrüstung, und ich fände es eine sehr gute Idee, da alle Ressourcen für zu nutzen, die gerade verfügbar sind.

    Wenn sich das Putinproblem dann irgendwann löst, haben wir dann eben den ganzen Elektroschrott ungenutzt da rumstehen. Das müsste sich recyceln lassen. Besser als ein heißer Krieg allemal, wenn eben die Abschreckung durch Stärke funktioniert, und Putin uns in Ruhe lässt.

    • Vielen Dank, lieber @Tobias – und ich bin da durchaus zuversichtlich. Griechenland wurde noch vor wenigen Jahren wegen seines „Mangels“ an fossilen Industrien verlacht, kann aber inzwischen durch eine stärkere Steuermoral, Investitionen in erneuerbare Wohlstandsenergien, Schiffbau und Tourismus seine Schulden in rekordverdächtigem Tempo tilgen!

      Seit 2020 hat Griechenland seinen Schuldenstand schneller gesenkt als jeder andere EU‑Staat, nämlich um 63 Prozentpunkte, von 209,4 auf 146,1 Prozent Ende 2025. Auch wenn Griechenland damit immer noch der unrühmliche Schulden-Champion der EU ist, zeigt die Tendenz deutliche Fortschritte.

      Möglich wurden sie vor allem, weil sich die öffentlichen Finanzen dank starken Wirtschaftswachstums und umsichtiger Haushaltspolitik deutlich besser entwickeln als erwartet. In den ersten sieben Monaten des Jahres erzielte Griechenland einen Primärüberschuss von 5,72 Milliarden Euro – 1,31 Milliarden Euro mehr als ursprünglich veranschlagt.

      https://www.morgenpost.de/politik/article413043884/griechenland-tilgt-seine-schulden-viel-schneller-als-gedacht.html

      Dagegen stehen nicht nur die USA, sondern ebenso Japan vor einer Schuldenkrise aufgrund von Fossilismus, Rechtsmimesis und säkularer Geburtenimplosion. Längst geht es nicht mehr um die Frage, ob diese – und weitere – Länder ihre „Schulden zurückzahlen“ können, sondern ob sie angesichts massiv steigender Anleihezinsen bei unterjüngender, schrumpfender Bevölkerung überhaupt noch ihren Schuldendienst leisten können.

      In Deutschland dürfen wir uns über fast 69.000 neu angemeldete Elektroautos alleine im August freuen – mehr als zweitausend pro Tag! Und jeder einzelne dieser fahrenden Batteriespeicher senkt den Bedarf an fossilen Importen aus oft feindseligen Ölfluch-Regimen und erhöht die Nachfrage nach einheimischen, erneuerbaren Wohlstandsenergien. Damit tragen sie – neben den schuldenfinanzierten Investitionen – zum deutschen Wirtschaftswachstum trotz bereits auch hier schrumpfender Bevölkerung bei.

      Habe zu den neuen Zahlen gepostet:

      Schon aus demografischen Gründen & wegen der bleibend hohen Ölpreise sinkt die Nachfrage nach Verbrenner-Autos weltweit, reales Wachstum gibt es nur noch bei Elektroautos.

      Und da soll der Lobbykampf gegen das Verbrenner-Aus „wirtschaftskompetent“ sein? Fossilisten sind nur gierige Nieten in Nadelstreifen, ob in Wirtschaft, Medien oder Politik.

      „Der Verband der Automobilindustrie (VDA), der Spitzenverband der zuletzt zunehmend unter Druck geratenen deutschen Autobauer, teilte mit, dass im August 229.900 Pkw in Deutschland produziert worden seien – vier Prozent weniger als im August des Jahres 2025.

      Während E-Autos immer stärker gefragt sind, brach die Nachfrage nach reinen Benzinern um fast 38 Prozent ein, Diesel-Pkw verzeichneten ein Minus von gut 17 Prozent.

      Insgesamt kamen im August rund 212.500 Autos neu auf Deutschlands Straßen – und damit 2,6 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. 40,5 Prozent davon entfielen auf private Neuzulassungen, 59,4 Prozent auf gewerbliche Halter.“

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117208866903068798

      Der Fossilismus zerstört sich gerade selbst, auch demografisch – und die post-fossilen Wirtschaftszweige wachsen bereits schnell.

  10. Cadenabbia am Comer See wurde zu einem besonderen Ort für die Begegnungen von Konrad Adenauer auch mit internationalen Politikern. Die Gespräche mit David Ben-Gurion in den USA und in Israel standen für die Entwicklung der deutsch-israelischen Beziehungen und für einen wichtigen politischen Austausch der Nachkriegszeit.

    Der historische Ort erinnert daran, wie persönliche Begegnungen und offene Gespräche politische Beziehungen prägen können. Danke für den schönen Blog.

  11. @Michael 04.09. 08:29 / felo.ai

    „Für eine friedensfördernde Wirkung wäre entscheidend, dass die Erträge tatsächlich der lokalen Bevölkerung zugutekommen: durch Zugang zu Energie, Arbeitsplätze, Beteiligung und faire Eigentumsverhältnisse.“

    Das Potential für fast weltweit günstigste Strompreise dürfte sehr förderlich sein. Das auch die komplette Bevölkerung erstmal überhaupt verlässlichen und billigen Strom hat. Und als nächstes offenbar auch Klimaanlagen und Meerwasserentsalzungsanlagen.

    Angesichts der derzeitigen Armut kann man ganz neue Städte bauen, praktischerweise in Küstennähe, da ist es meist auch ein wenig kühler als mitten in der Wüste. Und Platz dafür gibt es ohne Ende. Insbesondere in Libyen und Mauretanien hat man neben hohen Solarerträgen auch noch jede Menge Wind. Und die dortigen Küstenregionen sind derzeit praktisch unbewohnt. Da ist Platz für hunderte Millionen Menschen.

    Man kann den billigen grünen Strom auch nach Europa liefern, das geht aber nur über die Umwandlung in Wasserstoff. Was aber mit Riesenverlusten einhergeht. Auch wenn da die Primärerträge mehr als doppelt so hoch sind wie in Mitteleuropa, wird man das nur begrenzt tun.

    Entsprechend wird man den billigen Strom vor allem für sich selbst nutzen. Und für energieintensive Produktion aller Art wie auch für Rechenzentren.

    Ich denke mal, dass das schon deshalb funktionieren wird, weil die Privatverbraucher sich die eigenen PV-Anlagen inclusive kleinem Speicher direkt auf das eigenen Dach setzen werden, und die Stromnetze so nur recht klein und entsprechend kostengünstig dimensioniert werden können.

    • Herzlichen Dank, lieber @Tobias

      Ist es nicht faszinierend, dass wir beide in unseren Dialog mit der japanischen Felo.ai bereits wie selbstverständlich eine dritte KI-Stimme einbeziehen?

      Ich lehne ja aus grundsätzlichen Erwägungen den KI-Einsatz beim Bloggen ab und nutze sie nur in den Kommentarspalten und dort auch immer transparent. Dennoch und deswegen mischt KI in „Natur des Glaubens“ bereits konstruktiv mit.

      Das Anliegen von zuversichtlichen Solarpunk-Zukunftsentwürfen teile ich & halte es sogar für entscheidend für die Zukunft von Wissenschaften und Demokratien.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/wie-der-solarpunk-den-ruf-von-wissenschaft-und-demokratien-retten-kann-und-auch-wird/

      Gleichwohl sehe ich die Gefahr des Langzeitismus / Longtermism, wenn der Eindruck entstehen würde, es würde „von alleine schon alles gut“. Ich meine, unsere Zukunft hängt entscheidend von unseren eigenen Entscheidungen ab – gerade auch zu erneuerbaren Friedens- und Wohlstandsenergien, Wärmepumpen und Batteriespeichern.

      So zitiert die Stuttgarter Zeitung heute, am 4. September 2026, auf Seite 8 („Aus aller Welt“) unter anderem den „Crocodile Hunter“ Steve Irwin (1962 – 2006) mit den Worten:

      „Wenn wir die wilden Lebensräume unseres Planeten retten, retten wir am Ende auch uns selbst.“

      Weitere Schlagzeilen mit Zusammenhang zur fossilen Erhitzung auf der gleichen Seite (!) lauten Warnung: „El Nino mit Super-Ausmaßen“, Über 1270 Tote im Himalaya, Warnung vor Felsabsturz am Säntis in der Schweiz und Bis zu 80 Menschen nach Bootsüberfahrt vermisst (Flüchtlinge von Gambia zu den Kanaren).

      Aus meiner Sicht reicht es nicht, positive Zukunftsvisionen zu entwickeln, die nicht auch durch Handeln im Jetzt flankiert werden. Niemand kann alles, aber alle können etwas verändern. Meine ich.

  12. @Michael 04.09. 18:54

    „Ist es nicht faszinierend, dass wir beide in unseren Dialog mit der japanischen Felo.ai bereits wie selbstverständlich eine dritte KI-Stimme einbeziehen?“

    Neuronale Netze, die alle verfügbaren Inhalte zum Training nutzen, sind doch automatisierter dialogischer Monismus. Die Trainingsinhalte sind aus allen möglichen Perspektiven aus verfasst worden, und der KI-Prozess versucht von seiner Natur aus, diese sinnvoll zusammen zu fassen.

    Entsprechend wichtig bleiben eben aber auch eigene menschliche Anstrengungen, eben die Basis an Inhalten möglichst detailliert und intelligent zur Verfügung zu stellen. Soweit wie die eigenen Kenntnisse und Einsichten eben reichen.

    Insgesamt hoffe ich, dass der ganze KI- und Kulturprozess zur Vernunft konvergiert. Entsprechend wichtig wäre es eben, hier Europäische FOSS-KI zu etablieren, dass das nicht doch wieder von den US-Konzernen in gar nicht gute Richtungen verbogen wird.

    „Gleichwohl sehe ich die Gefahr des Langzeitismus / Longtermism, wenn der Eindruck entstehen würde, es würde „von alleine schon alles gut“.“

    Ist klar, wenn wir sehen, dass wir jetzt ganz viele Lithiumspeicher überall im Stromnetz verteilt nutzen können, aber die Genehmigungen einfach bürokratisch verschleppt werden, dann nützt das alles nichts. Und der weitere Zubau von Windrädern und PV wird so gleich mit schwieriger, wenn es eben weiterhin nicht möglich ist, die Überschüsse zwischenzuspeichern.

    Auch ist es vollkommen klar, dass wir jetzt auch in den Innenstädten PV mit integrierten Speichern auf allen Dächern brauchen, damit die Stromnetze auch mit Klimaanlagen und Ladestationen für E-Autos noch klar kommen, und auch hier günstiger Strom dann nutzbar wäre. Die Einsicht alleine hilft nichts, wenn man den Strom von den Dächern nicht zu vernünftigen Durchleitungsgebühren direkt an die nächsten Nachbarn verkaufen darf.

    „Aus meiner Sicht reicht es nicht, positive Zukunftsvisionen zu entwickeln, die nicht auch durch Handeln im Jetzt flankiert werden.“

    Irgendwann muss man auf der Handlungsebene ankommen, auch klar. Aber schon mal überlegen, was denn denkbar wäre, ist der erste Schritt. Manches geht sofort, anderes braucht Vorbereitung und wieder anderes braucht einen langwierigen Prozess, die eigenen Gewohnheiten abzulegen und durch Neue zu ersetzen. LEDs anschaffen geht an einem Nachmittag, vor dem Elektroauto kommen erstmal wirklich günstige Lademöglichkeiten und auch das Geld für einen Neuwagen, und wenn ich mit weniger Fleisch auskommen will, muss ich erst mal Alternativen finden und meine Kochkünste entsprechend erweitern.

    Ich will ja auch leben und gut essen und muss mit meinem Geld auskommen.

    • Guten Morgen, @Tobias 🙌

      Aus meiner Sicht sind KI-Anwendungen (noch) einfach Werkzeuge, die sowohl für relativistische Zwecke (z.B. Werbung), für die Verbreitung von DeepFakes, Dualismus und Verschwörungsmythen und, ja, auch für konstruktive Recherchen und dialogischen Monismus eingesetzt werden können.

      Dass dieser Wissenschaftsblog eine starke Wirkung sowohl auf Menschen wie auch auf KI-Crawler hat, ist mir als Verantwortung bewusst.

      Die Publikative ist die Schwachstelle jeder größeren, demokratischen Republik. Und Solarpunk – Arche – Regionen werden sehr viel bessere Publikativen brauchen, einschließlich – ja – auch spezialisierten, europäischen FOSS – KIen.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/journalismus-mit-brandstiftung-die-publikative-ist-die-schwachstelle-jeder-groesseren-demokratischen-republik/

      Und die demografische Schrumpfung hat auch in der Bundesrepublik Deutschland bereits deutlich eingesetzt, während die Urbanisierung weitergeht:

      Der Bevölkerungsrückgang fiel dabei in den östlichen Bundesländern mit 0,5 Prozent prozentual stärker aus als in den westdeutschen Bundesländern. Einen Bevölkerungszuwachs hatten nur die drei Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen zu verzeichnen. In den Flächenländern ging die Bevölkerungszahl hingegen zurück oder blieb annähernd stabil.

      https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/schrumpfende-bevoelkerung-100.html

      Insofern verstehe ich Deine starken Beiträge zum Solarpunk-Diskurs und Arche – Zukunftsentwürfen hier als wichtiges & hilfreiches Engagement & danke deswegen auch immer wieder dafür! 🙏✅🌈

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