Mimesis, Medien & Macht – Grundsatzrede beim Weltethos-Institut Tübingen

Warum halte ich die Psychologie der Mimesis & insbesondere Rechtsmimesis gerade auch in der Antisemitisforschung für unverzichtbar?
Darauf konnte ich bereits am 2. Juni 2026 auf Einladung des Weltethos-Institutes im Kupferbau der Universität Tübingen in meiner Rede „Die Macht der Mimesis – Medien zwischen Dialog und Hetze“ ausführlicher antworten. Hier auch die Timms-Video-Aufzeichung des Abends mit einem starken Vorwort von Annette Guthy.
Inzwischen konnte ich die Rede aber auch in einen Text transkribieren und blogge sie hier gerne zum Dialog.
Sie baut letztlich auf einem Kernzitat von Max Horkheimer & Theodor W. Adorno aus ihrem „Dialektik der Aufklärung“ von 1944 auf:
„Der Antisemitismus beruht auf falscher Projektion.
Sie ist das Widerspiel zur echten Mimesis, der verdrängten zutiefst verwandt, ja vielleicht der pathische Charakterzug, in dem diese sich niederschlägt.
Wenn Mimesis sich der Umwelt ähnlich macht, so macht falsche Projektion die Umwelt sich ähnlich.“
In diesem großen Text über die „Elemente des Antisemitismus“ fand sich auch die mythologisch tiefste, biblisch-dualistische Beschreibung des antisemitischen Verschwörungsglaubens, die ich kenne:
„Das nackte Schema der Macht als solcher, gleich überwältigend gegen andere wie gegen das eigene mit sich zerfallende Ich, ergreift, was sich ihm bietet, und fügt es, ganz gleichgültig gegen seine Eigenart, in sein mythisches Gewebe ein.
Die Geschlossenheit des Immergleichen wird zum Surrogat von Allmacht.
Es ist, als hätte die Schlange, die den ersten Menschen sagte: ihr werdet sein wie Gott, im Paranoiker ihr Versprechen eingelöst.
Er schafft alle nach seinem Bilde.
Keines Lebendigen scheint er zu bedürfen und fordert doch, dass alle ihm dienen sollen.
Sein Wille durchdringt das All, nichts darf der Beziehung zu ihm entgehen.
Seine Systeme sind lückenlos.“
Aber neben dieser linken Mimesis-Deutung besprach ich auch das rechte Gegenstück von René Girard. Ich meine: Ein psychologischer Begriff, der sowohl von linken wie rechten und moderaten Forschenden entdeckt wird, sollte eigentlich alle an Psychologie Interessierten aufmerken lassen!
Zumal an der Universität Tübingen 1961 auch der legendäre, sog. Positivismusstreit zwischen Theodor Adorno & Karl Popper ausgetragen wurde.
Cover des transkribierten Redeskripts von „Die Macht der Mimesis – Medien zwischen Dialog und Hetze“ vom 2. Juni 2026, Michael Blume am Weltethos-Institut, Kupferbau Universität Tübingen
Und hier auch meine kürzere Einführung ins Thema „Mimesis“ beim Fachtag gegen Antisemitismus 2025 in Leinfelden-Echterdingen:

Der Beitrag vermittelte mir erstmals, was Adorno meinte und wie eng Medien, Macht und gesellschaftliche Nachahmung von Zielen (Mimesis) miteinander verbunden sind. Danke für Ihre Arbeit!
Herzlichen Dank, @Rufschmied Rufus
Mir war und ist es wichtig, an die wegweisenden Arbeiten von Adorno & Horkheimer zum Antisemitismus anzuknüpfen und sie für die heutige, digitale Zeit fruchtbar zu machen. Unde ich bleibe da auch weiter dran, versprochen!
So schrieben sie in „Elemente des Antisemitismus“ (1944, Reclam 2025, S. 46) unter anderem auch:
Die Paranoia ist der Schatten der Erkenntnis.
So verhängnsivoll wohnt die Bereitschaft zur falschen Projektion dem Geiste ein, dass sie, das isolierte Schema der Selbsterhaltung, alles zu beherrschen droht, was über diese hinausgeht: die Kultur.
Falsche Projektion ist der Usurpator des Reiches der Freiheit wie der Bildung: Paranoia ist das Symptom des Halbgebildeten.
[…]
Halbbildung, die im Gegensatz zur bloßen Unbildung das beschränkte Wissen als Wahrheit hypostasiert, kann den ins Unerträgliche gesteigerten Bruch von innen und außen, von individuellem Schicksal und gesellschaftlichem Gesetz, von Erscheinung und Wissen nicht aushalten.
Hier klingen die heutigen Themen der Erkenntnistheorie und Verschwörungsmythologien, der Reaktanz und kognitiven Dissonanz bereits laut an!
Danke, lieber Herr Blume für diesen Beitrag. Er hat sowohl Bestätigung wie auch in Fragestellung bei mir ausgelöst.
Es gibt auch in mir einen Hang zum Dualismus. Bei der Arbeit auf dem Bauernhof (Beeren pflücken für die Ernteteiler) habe ich einer jungen Mitarbeitenden meine Erkenntnisse zum die Entwicklung des vor der Braunkohle geretteten Dorfes blockierenden Oligarchen (Daniel Kretinsky aus Prag) etwas unsensibel „draufgedrückt“. Ich verwendete den Satz: „Man muss den Feind kennen.“ Nun ist mir ja aufgefallen, dass Sie Frontstellungen vermeiden, indem Sie die jeweiligen Gedankenfiguren erklären und ihre jeweiligen Folgen aufführen. Jetzt eine Frage: Wie gehen Sie mit den Trägern dieser Ideologien, also Menschen aus diesem Bereich persönlich um, wenn Sie diesen im Alltag begegnen.
Die Frage ist für mich nicht theoretisch, denn wegen meines „Baum -Lobbyismus“ gehe ich im Chemnitzer Rathaus auch mal in die (bei uns sogar 2!!! ) Räume der AfD-Fraktionen. Natürlich auch zu SPD, CDU, FDP, BSW, Grünen und Linken.
Unsere Kunstaktion der Künstlergruppe „Florian Baum“ hat sich jetzt in einer Facette komprimiert und geistig verdichtet.
Ich frage ganz zufällig mir begegnende Menschen:
„Ich bin Künstler der Künstlergruppe Florian Baum. Zu unserem Kunstprojekt gehört auch eine Befragung ganz zufällig auf der Straße. Darf ich Ihnen eine Frage stellen? Sie müssen noch nicht einmal beantworten.“
Wenn die Zustimmung erteilt wird:
„Die Frage lautet: Würden Sie Ihr Leben ändern, wenn Sie damit Bäume retten könnten?“
Wenn dann wie in den meisten Fällen gesprochen wird, sage ich:
„Mich interessieren als Künstler die Schwingungen, die ich von Ihnen empfangen, bevor Sie sprechen. Die nehme ich wahr, ohne meinerseits dazu was sagen zu können. Sie lösen aber bei mir irgendwann neue Kunst aus.“
Natürlich ist mir auch klar, dass die Menschen weitergehen und die Frage in Ihnen weiterarbeitet.
Ich habe bloß einen Stein ins Wasser geworfen, wie die Wellen sich ausbreiten und interferrieren, liegt nicht in meiner Hand.
Die damit verbundenen Erlebnisse sind sehr spannend. Es ist beeindruckend, wie verschieden die Menschen reagieren.
Vielen herzlichen Dank für Ihr auch künstlerisches Engagement & Ihre Nachfrage, @Eckehard Erben 🙏
Zu Ihrer Frage: Schon während der Leitung des Sonderkontingentes für 1.100 besonders schutzbedürftige, v.a. jesidische Frauen und Kinder aus Kurdistan-Irak erfuhr ich von einer Polizeipsychologin, dass mir wissenschaftliches und dialogisches Arbeiten beim „Coping“ – dem Verarbeiten heftiger Erfahrungen und Entscheidungen – hilft. Mein Wissenschaftsblog „Natur des Glaubens“ war damals sieben Jahre jung – inzwischen sind es 18! Und gerne möchte ich noch viele Jahre weiterbloggen.
Auch in meinen Aussagen als Sachverständiger in bisher vier Prozessen gegen angeklagte IS-Mitglieder merkte ich, dass ein Verständnis der dualistischen Psychologie mir half, den mörderischen Hass und die längst digitale Hetze nachvollziehbar einzuordnen.
Und ich kann damit nicht nur alle vier Gewalten (Judikative, Exekutive, Legislative, Publikative) informierend unterstützen, sondern zudem auch insbesondere junge Menschen vor dem Absturz in Dualismus und Antisemitismus schützen!
Schließlich habe ich bewusst den Satz Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. geklärt und in einem Gedenkmedium neu publiziert.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/files/GeschichtewiederholtsichnichtGedenkstaettenRundschau.pdf
Denn wenn sich Geschichte wiederholen würde, dann könnten wir nichts verhindern. Wenn sich Geschichte nicht (vor allem medienpsychologisch & also mimetisch!) reimen würde, könnten wir nichts aus ihr lernen. Da sie sich aber reimt und nicht wiederholt, können wir durch ein vertieftes Verständnis der Geschichte ein besseres Morgen schaffen!
Und damit schützen wir letztlich alle Menschen – auch jene, die heute noch die Gefahren des Faschismus und Antisemitismus, der Rechtsmimesis und Klimakrise nicht begreifen wollen.
Habe heute zum traditionellen Tässle Kaffee ☕️ gepostet:
Heute vor 100 Jahren hielt die NSDAP in Weimar ihren zweiten Reichsparteitag ab.
„Zufällig“ genau heute veranstaltet die AfD im nahen Erfurt ihren Bundesparteitag! 🤯
Ich habe im Januar 2024 vor Tausenden in Stuttgart als Demo-Hauptredner ein Verbotsverfahren gegen diese Partei gefordert & tue dies weiterhin. Was soll das für ein „wehrhafter Staat“ sein, der Lehrerinnen das Binnen-I verbieten kann, aber trotz GG-Artikel 21.2 keine faschistische Partei?
Meine Gedanken sind heute bei allen Menschen, die sich in Erfurt gegen Faschismus & die fatale Rechtsmimesis stellen. Auch denke ich an die Polizistinnen & Polizisten, die diesen Parteitag auch noch schützen müssen, weil es der Bundespolitik mal wieder an Mumm fehlte.
Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich!
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116859914759339819
Indem Sie als „Florian Baum“ Ihre kluge Baum-Frage allen stellen, lösen auch Sie eine positive Mimesis zum Schutz der Mitwelt aus. Es ist richtig, dies auch jenen anzubieten, die darauf zunächst ablehnend reagieren könnten. Denn auch Hater sind von Dualismus zerfallende Menschen mit Würde & es lohnt der Kampf um jede Seele.
Daher noch einmal Dank für Ihr dialogisches und fachliches Interesse & Ihr künstlerisch-mimetisches Engagement! 🙏🌳✅
Man kann Ihnen nur verkaufen, was Sie kaufen wollen. Demokratie und Kapitalismus sind ein Flaschengeist, doch all ihre Bösartigkeit kommt von unseren Wünschen, nicht von ihnen selbst. Eine Firma fragt, was Sie wollen, verstärkt es wie ein Mikroskop und schlachtet es nach allen Regeln der Kunst aus, aber der Ursprung liegt in Ihnen. Auch bei Wahlen werden wir immer wieder gefragt – wofür wollt ihr arbeiten? Krankenhäuser? Schulen? Fortschritt? Luxus? Eure Kinder? Die Reichen und Mächtigen? Das Zuckerbrot? Die Peitsche? Das Leiden der Schwächeren?
[Wegen Überlänge und unangemessener Sprache gekürzt, M.B.]
Danke und nein, @Paul S. – „Man kann Ihnen nur verkaufen, was Sie kaufen wollen.“ ist offensichtlich verkürzt. Nehmen wir beispielsweise das Smartphone, das erst ab 2007 in den Handel kam. Die schnell globale Nachfrage für diese digitale Technologie wurde durch Marketing (Werbung, Reklame) sowie durch Mimesis erst erzeugt! Heute kaufen Menschen weltweit selbstverständlich Smartphones, obwohl ihr „Wollen“ dazu noch vor zwei Jahrzehnten nicht bestanden haben kann.
Die Evolutionspsychologie des Wollens begründet sich, wie auch in der Rede im Hinblick auf die nahezu 2 Millionen Jahre der Acheuléen-Faustkeile beschrieben, vor allem sozial und mimetisch.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/vom-faustkeil-zur-menschenwuerde-die-evolutionspsychologie-der-mimesis-erklaert/
Habe Felo.ai dazu bewusst offen gepromptet:
Welche emotionalen Bedürfnisse sprach das Marketing für Smartphones an, so dass dieses binnen weniger Jahre weltweit erfolgreich wurde?
Hier die Textausgabe dazu:
Der weltweite Siegeszug des Smartphones innerhalb weniger Jahre basierte nicht nur auf technologischen Innovationen, sondern maßgeblich auf einem Marketing, das gezielt tief verankerte emotionale Bedürfnisse der Konsumenten ansprach. Erkenntnisse aus dem Neuromarketing verdeutlichen, dass über 70 % aller Kaufentscheidungen emotional begründet sind[4][21]. Das Smartphone-Marketing hat diese psychologischen Mechanismen erfolgreich genutzt, um das Gerät von einem rein technischen Werkzeug zu einem emotional aufgeladenen, unverzichtbaren Lebensbegleiter zu machen.
Folgende emotionale Bedürfnisse standen dabei im Fokus des Marketings:
## Zugehörigkeit und sozialer Status
Smartphones wurden durch strategisches Marketing zum Inbegriff des modernen „Digital Lifestyle“ erhoben[6]. Führende Hersteller verkauften nicht nur Hardware, sondern ein bestimmtes Lebensgefühl und die Zugehörigkeit zu einer fortschrittlichen, global vernetzten Gemeinschaft[24]. Der Besitz eines bestimmten Modells dient als Statussymbol und erfüllt das menschliche Bedürfnis nach sozialer Anerkennung, Identität und dem Gefühl, Teil der Zukunft zu sein.
## Personalisierung und das Bedürfnis, verstanden zu werden
Da das Smartphone ein extrem persönlicher Gegenstand ist, fühlen sich darauf empfangene Botschaften und Interaktionen für den Nutzer wesentlich intimer an als traditionelle Massenmedien[9]. Erfolgreiches Marketing nutzte dieses Potenzial für eine hochgradige Personalisierung[5]. Wenn Marken auf die individuellen Vorlieben, den Standort und das Verhalten der Nutzer eingehen, vermittelt dies dem Konsumenten das emotionale Gefühl, als Individuum wertgeschätzt und verstanden zu werden[5][9].
## Sofortige Bedürfnisbefriedigung und Kontrolle
Das Marketing für Smartphones versprach die Lösung von Alltagsproblemen „jederzeit und überall“[1]. Dieses Versprechen spricht das menschliche Bedürfnis nach Kontrolle, Sicherheit und sofortiger Belohnung an. Ob es darum geht, in einer fremden Stadt den Weg zu finden, spontan Informationen abzurufen oder Kaufentscheidungen direkt im Laden abzusichern – das Smartphone wurde als der verlässliche Retter in sogenannten „Mikro-Momenten“ positioniert, was den Nutzern ein Gefühl von Souveränität und Erleichterung verschafft[1].
## Begeisterung und Erlebnisse (Experience Economy)
In der modernen „Experience Economy“ sind emotionale Erlebnisse für Konsumenten wichtiger geworden als rein technische Spezifikationen[24]. Smartphone-Kampagnen setzten daher verstärkt auf emotionale Reize, um positive Gefühle wie Freude, Spaß und Begeisterung hervorzurufen[16]. Durch dieses emotionale Branding bauten Unternehmen langfristiges Kundenvertrauen und Markenloyalität auf, wodurch begeisterte Kunden zur wertvollsten Ressource für die Hersteller wurden[4][17].
## Soziale Nähe und Verbundenheit
Das fundamentale menschliche Bedürfnis nach sozialer Nähe und dem Vermeiden von Isolation wurde durch das Marketing stark thematisiert. Kampagnen hoben selten die Mobilfunktechnologie selbst hervor, sondern vielmehr die emotionalen Momente, die dadurch geteilt werden können – sei es durch das gemeinsame Anschauen von Videos, das Teilen von Fotos oder die Videotelefonie mit geliebten Menschen in Echtzeit[1][7]. Das Smartphone wurde so zum emotionalen Bindeglied zwischen Menschen vermarktet.
[1] https://www.investopedia.com/articles/personal-finance/062315/how-smartphones-are-changing-advertising-marketing.asp
[2] https://de.statista.com/themen/581/smartphones/
[3] https://www.salesgenie.com/blog/how-smartphone-devices-impact-marketing/
[4] https://www.researchgate.net/publication/328419378_Emotionalisierung_im_digitalen_Marketing
[5] https://xperiencify.com/mobile-marketing-strategy/
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Smartphone
[7] https://www.smartmobil.de/ratgeber/vom-handy-zum-smartphone
[8] https://www.techbook.de/mobile-lifestyle/smartphone/weltweit-meistverkaufte-smartphones
[9] https://www.business.com/articles/4-mobile-device-marketing-strategies-for-your-small-business/
[10] https://ermarketing.net/navigate-the-channel/small-screen-marketing-is-smart-screen-marketing/
[11] https://www.businessinsider.de/wirtschaft/smartphones-warum-sich-der-weltweite-boom-ploetzlich-abkuehlt/
[12] https://online.keele.ac.uk/the-strategies-and-tactics-of-mobile-marketing/
[13] https://trigger.digital/mobile-marketing-is-important-for-digital-strategy/
[14] https://de.linkedin.com/advice/0/heres-how-you-can-detect-low-emotional-intelligence-sowkf?lang=de
[15] https://www.groundtruth.com/insight/mobile-marketing-strategies-and-tools/
[16] https://www.mobile-university.de/psychologie/anwendung-psychologie-werbung-marketing/
[17] https://www.ionos.at/digitalguide/online-marketing/verkaufen-im-internet/emotional-branding/
[18] https://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2024-01/apple-samsung-smartphone-markt
[19] https://jnadealerprogram.com/blog/10-proven-marketing-strategies-for-your-cell-phone-business/
[20] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9360773/
[21] https://nordicrender.com/de/warum-emotionen-im-marketing-entscheidend-sind/
[22] https://www.walldecaux.de/so-erzeugst-du-aufmerksamkeit-mit-out-of-home
[23] https://www.asioso.com/en/blog/emotional-intelligence-in-digital-marketing-b1015
[24] https://www.cmm360.ch/artikel/smartphone-markt-der-kampf-um-customer-experience/
[25] https://www.chip.de/news/handy/weder-samsung-noch-apple-dieser-handyhersteller-waechst-weltweit-am-schnellsten_38612e26-9bc0-4795-a383-0b1e9db9f32f.html
[26] https://www.handytick.de/blog/seit-wann-gibt-es-smartphones-eine-zeitreise/
Guten Morgen, @Michael,
danke dass Du diese wunderbare Rede teilst!
„Es führt dazu, dass die Leute über das gemeinsame Trinken tatsächlich fast wie in einer digitalen Sekte zusammenrücken.“
Ich nehme das tatsächlich wahr. Gerade in Gegenden, in denen wegen der PFAS („Ewigkeitschemikalien“)-Problematik die Menschen anfangen, das Wasser zu filtern (wofür ich in diesem Fall durchaus Verständnis habe), nutzen Filterhersteller teilweise die Angst der Menschen aus, um ihre Produkte zu vermarkten. Dort werden dann, über die Filterfunktion hinausgehend, auch gleich noch allerhand wissenschaftlich völlig unhaltbare Dinge vermarktet wie „Wasserenergetisierung“ oder „Elektrosmog“-Schutz. Ich nehme diese ganze Szene dann durchaus wie eine esoterische Sekte wahr – was schade ist, denn die eigentlich zu begrüßende Haltung (in einem PFAS-Problemgebiet sich kritisch mit der Thematik Wasser auseinanderzusetzen) kippt dann in esoterischen Verschwörungsglauben um. Hier haben Querdenker und Fake-Fact-Verbreiter dann ganz leichtes Spiel.
„Wir wollen wissen, wer ist Freund und wer ist Feind. Wir wollen und können in Hetze-Situationen kaum noch differenzieren. Wir wollen endlich klare Schuldige statt komplexer Probleme identifizieren. Und dann bricht die Zeit des Bösen heran.“
Das erinnert mich an ein Erlebnis in den letzten Tagen, das mir zu denken gegeben hat. In Heidelberg wird in zwei Wochen ein Bürgerentscheid darüber stattfinden, ob ein angrenzender Berg als möglicher Standort für Windräder in Betracht gezogen werden soll (es ist ein Windpark in Bürgerhand angedacht). Dazu gab es an der Uni eine Podiumsdiskussion, die eigentlich erstaunlich sachlich verlief (was mich erstaunte, da die Flyer, die sich dagegen aussprechen, teilweise von Desinformation nur so strotzen).
Als ein Student anmerkte, dass diejenigen auf dem Podium, die sich gegen den Windpark aussprachen, allesamt älterer Generation seien, und dies etwas respektlos formulierte, drohte die Stimmung zu kippen. Es kam erwartungsgemäß die Antwort, dass die Jungen ja durch ihre vielen Flugreisen gerade nicht durch einen geringen CO2-Fußabdruck auffielen. Die Moderatorin hat das dann zum Glück eingefangen. Aber diese Situation hat mir schon vor Augen geführt, dass hier eine ganz große Falle für die Zukunft lauert, was gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit betrifft: Die Alten gegen die Jungen auszuspielen. Ich habe großes Verständnis, dass junge Menschen mittlerweile einen Zorn entwickeln, wenn sie sich klar machen, welche Situation ihnen die älteren Generationen eingebrockt haben. Aber dennoch finde ich es falsch, dann die „Alten“ oder die „Boomer“ immer als Sündenbock in einen Topf zu werfen.
Das macht eine gemeinsame Arbeit an der Lösung der Herausforderungen unmöglich und schafft nur unnötig Hetze und Hass. Ein gefundenes Fressen für die Rechtsextremen.
Vielen herzlichen Dank, lieber @Peter – auch für das Aufgreifen des so wichtigen, aber immer noch meist unterschätzten Themas Wasser! Wollen wir da, gemeinsam mit weiteren Interessierten, noch etwas tiefer – eintauchen?
Denn obwohl Adorno und Horkheimer den Fossilismus allenfalls erahnen und von der Klima- als Wasserkrise noch nicht wissen konnten, taucht die Entgegensetzung von Wasser (in der Flussnymphe Daphne) und Feuer (im biblischen Feuerschwert-Engel) auch in „Elemente des Antisemitismus“ von 1944 auf!
Bei Daphne (deutsch: Lorbeer) handelt sich laut dem ersten Buch der Metamorphosen des Ovid um eine Tochter eines Flussgottes, die jedoch in einen Streit der Götter gerät. Weil der Sonnengott Apollo / Phoebus den Liebesgott Eros / Cupido verspottet habe, habe dieser ihm einen goldenen Liebespfeil verpasst, der Nymphe aber eine bleierne Pfeilspitze der Ablehnung. Somit konnte Daphne dem Werben des Apollo nicht nachgeben und bat schließlich ihren göttlichen Vater, sie durch Gestaltwandlung zu schützen. Daraufhin wurde sie in einen Lorbeerbaum verwandelt, an dem sich der liebestolle Apollo dennoch rieb. Aus seinem nur teilweise erfüllten Verlangen habe er den Lorbeerkranz als Triumphzeichen abgeleitet!
Der – laut Text eigentlich die – Engel mit dem feurigen Schwert gehen auf das erste Buch der Thora, 1. Mose 3, 23-24 zurück:
23 Und der HERR, Gott, schickte ihn aus dem Garten Eden hinaus, den Erdboden zu bebauen, von dem er genommen war.
24 Und er trieb den Menschen aus und ließ östlich vom Garten Eden die Cherubim sich lagern und die Flamme des zuckenden Schwertes, den Weg zum Baum des Lebens zu bewachen.
Horkheimer & Adorno schrieben:
Indem aber das Bewegte dem Unbewegten, das entfaltete Leben bloßer Natur sich nähert, entfremdet es sich ihr zugleich, denn unbewegte Natur, zu der, wie Daphne, Lebendiges in höchster Erregung zu werden trachtet, ist einzig der äußerlichsten, der räumlichen Beziehung fähig. Der Raum ist die absolute Entfremdung.
[…]
Zivilisation hat anstelle der organischen Anschmiegung ans andere, anstelle des eigentlichen mimetischen Verhaltens, zunächst in der magischen Phase, die organisierte Handhabung der Mimesis und schließlich, in der historischen, die rationale Praxis, die Arbeit gesetzt.
Unbeherrschte Mimesis wird verfemt.
Der Engel mit dem feurigen Schwert, der die Menschen aus dem Paradies auf die Bahn des technischen Fortschritts trieb, ist selbst das Sinnbild solchen Fortschritts.
Die Strenge, mit welcher im Laufe der Jahrtausende die Herrschenden ihrem eigenen Nachwuchs wie den beherrschten Massen den Rückfall in mimetische Daseinswiesen abschnitten, angefangen vom religiösen Bildverbot über die soziale Ächtung von Schauspielern und Zigeunern bis zur Pädagogik, die den Kindern abgewöhnt, kindisch zu sein, ist die Bedingung der Zivilisation.
Aus: „Elemente des Antisemitismus“, 1944, Reclam 2025, S. 24 – 25
Mir scheint, hier ist noch vieles zu entdecken!
Danke auch für Deine Schilderung zum Aufeinandertreffen von Generationen und Medienblasen rund um das Thema Windkraft. Auch hier bestätigen Umfragen Deine Beobachtungen. Hier eine von 2020:
Bei der Umfrage mit 2.068 Teilnehmern ab 18 Jahren zeigen sich Unterschiede in den Einstellungen je nach Altersgruppe: Einer von fünf (20 Prozent) Deutschen im Alter von 55 Jahren und älter lehnt Windräder ab. Von den jungen Befragten zwischen 18 und 24 Jahren haben hingegen nur 9 Prozent eine ablehnende Haltung zu Windkraftanlagen.
https://www.verivox.de/strom/nachrichten/umfrage-windraeder-stoeren-eher-aeltere-generationen-1116340/?msockid=29564112ea456e3214fb54f1eb766f8a
Dass es kundige Moderatorinnen braucht, um einen Dialog zwischen den in mimetischen Medienblasen verfestigten Generationen-Milieus wieder ins Fließen zu bringen, darf uns zu denken geben.
Dir noch einmal vielen herzlichen Dank für unseren intensiven Austausch gerade auch rund um die Themen von Zeit und Wasser! 🙏🙌
Hallo @Michael,
das sind ja spannende weiterführenden Gedanken! Ich kenne das Buch von Adorno noch nicht und bin auch noch ganz in die Tiefe der von Dir zitierten Texte hinabgestiegen.
Was ich nachdenkenswert finde (gerade auf dem Sprung, daher etwas kurz):
„Indem aber das Bewegte dem Unbewegten, das entfaltete Leben bloßer Natur sich nähert, entfremdet es sich ihr zugleich, denn unbewegte Natur, zu der, wie Daphne, Lebendiges in höchster Erregung zu werden trachtet, ist einzig der äußerlichsten, der räumlichen Beziehung fähig. Der Raum ist die absolute Entfremdung.“
Hier sehe ich einen Bezug zum grundlegenden Unterschied von Zeit und Raum. Der Raum erlaubt nur das Nebeneinander existieren. Mit einem Baum – oder einem Ding, das sich nicht bewegen kann, denn darum geht es ja hier wesentlich – kann ich nur koexistieren, aber in keine zeitliche Beziehung eintreten, die eine Geschichte – ein Nacheinander – in der Zeit hat. Menschliche, lebendige Beziehungen sind der Veränderung unterworfen, dem Fluss, sonst wären es keine lebendige Beziehungen. Sie haben eine Geschichte (wie beim „Kleinen Prinzen“ entstehen nur in der Zeit echte Freundschaften, sie bedürfen der zeitlichen Investition des Hegens und Pflegens).
Das Wasser ist das Element der Bewegung, der fortwährenden Veränderung, das, was Zeit für uns ausmacht, woran sie erkennbar ist.
Das heißt, die Verwandlung Daphnes steht für eine Anpassung an etwas, das in der Zeit nicht existieren kann, an etwas Unveränderliches, Unlebendiges (ok, auch ein Baum lebt, aber das ist hier wohl nicht der Punkt).
Das heißt, diese Form der Mimesis ist nicht gesund, weil sie uns Dingen, Unbewegtem ähnlich macht und nicht dem Lebendigen (was das ursprüngliche Ansinnen war).
Nicht gesund, weil wir hierdurch von unserer zeitlichen Form der Existenz abgeschnitten werden.
Ich habe das noch nicht ganz verstanden.
Vielen herzlichen Dank für Deinen Druko „gerade auf dem Sprung“ – und doch mitten ins Rote, @Peter !
Zunächst: Es ist für unsere Debatte hier nicht nötig, die ganze „Dialektik der Aufklärung“ (1944) zu lesen. Ich zitiere bewusst aus der Reclam-Ausgabe des Kapitels „Elemente des Antisemitismus“, 2025:
https://www.reclam.de/produktdetail/elemente-des-antisemitismus-grenzen-der-aufklaerung-9783150144978
Denn, ja, so brillant Theodor W. Adorno (ursprünglich Theodor Ludwig Wiesengrund) (1903 – 1969) und auch Max Horkheimer (1895 – 1973) dachten, so sehr vertraten sie doch eine bildungsbürgerliche Sprache, die sich gegen die Arbeiterschaft, aber auch gegen Frauen und Minderheiten sperrte. Frauen kamen in ihren Schriften und auch in ihrem Leben kaum gleichberechtigt vor, Roma und Sinti wurden mit dem Z-Wort bezeichnet, Afroamerikaner mit dem N-Wort. Adornos Abwertung des Jazz sind aus heutiger Sicht schlicht beschämend:
https://www.jazzzeitung.de/cms/2018/07/timing-ton-wie-adorno-einmal-nicht-ueber-den-jazz-schrieb-sondern-mit-ihm/
Dass es auch anders als linksautoritär und linksdualistisch gegangen wäre, bewies etwa Erich Fromm (1900 – 1980), der sich um dialogisches Lernen und verständliche Sprache bemühte.
Der von Dir zitierte Schachtelsatz zeigt dabei, wie abweisend Adorno & Horkheimer gegenüber nichtakademischen Menschen formulierten und wie sie auch komplexe Mythologien wie hier „Daphne“ einstreuen – und damit eine enorme Lesebildung einfach voraussetzen.
Eine antifeministische Pointe etwa auf dem Niveau des neulichen Dieter Nuhr kommt hinzu: Die Daphne wird bei Ovid eben gerade nicht in „höchster Erregung“ geschildert, sondern auf der Flucht vor der sexuellen Zudringlichkeit des Apollo, der sogar noch während ihrer Verwandlung nach ihren Brüsten greift.
Rette mich, rief sie, o Vater, wenn Macht euch Ströme beseelet!
Du, wo zu sehr ich gefiel, zerspalte dich unter mir, Erde!
Oder verwandele diese Gestalt, die mir Kränkungen bringet!
Kaum war geendet das Flehn; und gelähmt erstarren die Glieder.
Zarter Bast umwindet die wallende Weiche des Busens;
Grün schon wachsen die Haare zu Laub‘, und die Arme zu Ästen;
Auch der so flüchtige Fuß klebt jetzt am trägen Gewurzel;
Und ihr umhüllt der Wipfel das Haupt: nur bleibt ihr die Schönheit.
Phöbus liebt auch den Baum; und mit angelegeter Rechte
Fühlet er noch aufheben in junger Rinde den Busen.
Und mit zärtlichen Armen die Äst‘, als Glieder, umschlingend,
Reicht er Küsse dem Holz; doch entflieht vor den Küssen das Holz auch.
Jetzo sagte der Gott: Da du mein als Gattin nicht sein kannst,
Wenigstens sei als Baum du die Meinige! Immer umwind‘ uns
Du das Haar, und die Leier, und du den Köcher, o Lorbeer!
https://projekt-gutenberg.org/authors/ovid/books/metamorphosen/chapter/6/
Auch etwa in der Bezeichnung als Positivismusstreit für den Disput mit Karl Popper (1902 – 1994) zeigt sich die linksautoritäre und linkdsdualistische Tendenz Adornos – denn der verständlich schreibende Sozialliberale Popper verstand sich ja gerade „nicht“ als Positivist – der Wahrheiten positiv beweisen wolle -, sondern als Fallibilist, der jede empirische These und Theorie als nur vorläufig erachtete.
Umso mehr bewundere ich aus der Perspektive des Liberalismus Größen wie den CDU-Bundestagsabgeordneten Franz Böhm (1895 – 1977), der sich dennoch nicht nur auf einen Dialog mit den „Frankfurtern“ einließ, sondern ihre Schule auch aktiv schützte und unterstützte. Dazu schrieb ich bereits 2020:
Weil man dem Antisemitismus am besten mit Wissen und Hoffnung begegnet, will ich bewusst an den Christdemokraten Franz Böhm (1895 – 1977) erinnern. Der dem NS-Regime trotzende Jurist, Ökonom und spätere Bundestagsabgeordnete begründete nicht nur den christlich-jüdischen Dialog der entstehenden Bundesrepublik mit, sondern stellte sich auch als Vertreter der liberalen „Freiburger Schule“ bewusst als Stiftungsvorsitzender des Institutes für Sozialforschung der „Frankfurter Schule“ zur Verfügung. Er hatte erkannt, dass die Vielfalt nicht nur der Religionen, sondern auch der demokratischen Milieus und Wissenschaften immer wieder neu gegen Antisemitismus verteidigt werden muss. DemokratInnen lassen sich hierbei nicht gegeneinander ausspielen.
Auch als Sohn eines von der Stasi Inhaftierten möchte ich mich daher bewusst in diese christlich-liberale Tradition des demokratischen Miteinanders stellen.
https://www.belltower.news/gastbeitrag-warum-der-verschwoerungsmythos-vom-kulturmarxismus-so-gefaehrlich-ist-108001/
Was Raum, Zeit und Medien angeht, hatten Adorno & Horkheimer dazu noch kaum Unterscheidungen, konnten sie auch noch nicht haben. Das große „Empire and Communications“ von Harold Adams Innis (1894 – 1952) – dem Begründer der kanadischen Medienwissenschaft – erschien erst 1950. Erst er etablierte die heute gängige Unterscheidung von Medien des Raumes und Medien der Zeit, die wiederum erst mit der Digitalisierung zusammenfallen.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/diesseits-von-zeit-raum-aus-fediversum-und-ki-emergiert-das-erste-perfekte-medium-nach-harold-innis/
Stattdessen erschienen ihnen in der „Dialektik der Aufklärung“ kapitalistische Medien lediglich als Produzenten unterdrückerischer Massenware:
Wenn die objektive gesellschaftliche Tendenz in diesem Weltalter sich in den subjektiven dunklen Absichten der Generaldirektoren inkarniert, so sind es originär die der mächtigsten Sektoren der Industrie, Stahl, Petroleum, Elektrizität, Chemie.
Die Kulturmonopole sind mit ihnen verglichen schwach und abhängig.
Sie müssen sich sputen, es den wahren Machthabern recht zu machen, damit ihre Sphäre in der Massengesellschaft, deren spezifischer Warentypus ohnehin noch zuviel mit gemütlichem Liberalismus und jüdischen Intellektuellen zu tun hat, nicht einer Folge von Säuberungsaktionen unterworfen wird.
Zitiert nach „Kulturindustrie. Aufklärung als Massenbetrug“ aus der „Dialektik der Aufklärung“ von 1944, Reclam 2025, S. 10
Das nimmt einerseits den Second Red Scare und McCarthyismus in den USA vorweg, in dem es tatsächlich zur verschwörungsmythologischen Verfolgung linker und vor allem links-jüdischer Intellektueller gekommen war. Es verschweigt aber eben auch die brutale Propaganda und Hunderttausendfach tödlichen „Säuberungsaktionen“ des real existierenden Stalinismus seit 1927. Adorno und Horkheimer attackieren hier sehr einseitig die US-Demokratie, die ihnen Zuflucht vor den Nationalsozialisten geboten hatte und führten auch danach gerne ein wieder deutschsprachig-europäisches Leben als staatlich anerkannte und gut besoldete Autoritäten mit nicht wirklich gleichberechtigten Hausfrauen inmitten der Medienlandschaft und „Kulturindustrie“, die sie lautstark verdammten. In der DDR oder gar der Sowjetunion hätten sie nicht einmal einen Bruchteil dieser Kritik anbringen können.
Schließlich hast Du also noch – und wiederum sehr treffend – nachgefragt:
Das heißt, diese Form der Mimesis ist nicht gesund, weil sie uns Dingen, Unbewegtem ähnlich macht und nicht dem Lebendigen (was das ursprüngliche Ansinnen war).
Nicht gesund, weil wir hierdurch von unserer zeitlichen Form der Existenz abgeschnitten werden.
Ich habe das noch nicht ganz verstanden.
Ganz genau: Nach Adorno und Horkheimer gibt es eine natürliche und gesunde Mimesis als „organische Anschmiegung ans andere“, die jedoch im Kapitalismus „abgeschnitten“, das Leben bis in die Wissenschaften hinein zu einer falschen, destruktiven Mimesis „verdinglicht“ wird.
Die Konstellation aber, unter der Gleichheit sich herstellt, die unmittelbare der Mimesis wie die vermittelnde der Synthesis, die Angleichung ans Ding im blinden Vollzug des Lebens wie die Vergleichung des Verdinglichten in der wissenschaftlichen Begriffsbildung, bleibt die des Schreckens.
Die Gesellschaft setzt die drohende Natur fort als den dauernden, organisierten Zwang, der, in den Individuen als konsequente Selbsterhaltung sich reproduzierend, auf die Natur zurückschlägt als gesellschaftliche Herrschaft über die Natur.
Wissenschaft ist Wiederholung, verfeinert zu beobachteter Regelmäßigkeit, aufbewahrt in Stereotypen.
Zitiert aus „Elemente des Antisemitismus. Grenzen der Aufklärung“, Reclam 2025, S. 25
Auch hier haben wir also wieder die Situation, das durchaus treffende Kritik einseitig nur auf die westlichen Demokratien zielt, nicht auf den real existierenden Sozialismus und sinnigerweise auch nicht auf die eigenen Stereotypen in den Wissenschaftsprodukten der „Frankfurter Schule“!
Aus diesem Grund habe ich den Neuaufruf der Mimesis sowohl im Blog wie auch in der o.g. Rede über die Evolutionspsychologie der frühen Faustkeile begonnen, auch die rechte Mimesis-Variante von René Girard (1923 – 2015) dargestellt und schließlich auf die Auseinandersetzung mit dem Buch „Dieser Drang nach Härte“ der brillanten Soziologin und Zeitgenossin Eva von Redecker vorgeblickt, die die „Frankfurter Schule“ neu, kritisch und auch aus feministischer und migrantischer Perspektive weiterdenkt.
Nach meiner Auffassung betrifft die psychologische Mimesis – als Nachahmung von Zielen – immer auch uns selbst, die wir uns ja auch selbst in mimetischen Medienblasen bewegen. Anstatt uns also in diesen Blasen dualistisch abzuschließen, plädiere ich für ein dialogisch-kritisches Weiterforschen, damit Wissenschaft mehr sein kann als „Wiederholung, verfeinert zu beobachteter Regelmäßigkeit, aufbewahrt in Stereotypen.“
Vielen Dank Dir, dass Du Dich hier dazu dialogisch nachfragend einbringst, lieber @Peter ! 🙏📗🖖
Michael Blume,
Vom Antisemitismus über Hans Küng zum Weltethos, das schaffen sie mit Leichtigkeit.
Hier nochmal Hans Küng:“
„Ohne einen minimalen Grundkonsens bezüglich bestimmter Werte, Normen und Haltungen ist weder in einer kleineren noch in einer größeren Gemeinschaft ein menschenwürdiges Zusammenleben möglich. Ohne einen solchen Grundkonsens, der immer neu im Dialog zu finden ist, kann auch eine moderne Demokratie nicht funktionieren.“
Und nebenbei haben sie in ihren Antworten auch noch eine kleinen Ausschnitt der Kulturgeschichte der Menschheit präsentiert. Grandios !
Ganz herzlichen Dank für das Interesse & die ermutigende Rückmeldung, @NI 🙏
Und, ja, ich durfte Hans Küng in Tübingen ja noch erleben und habe mich mit Begeisterung durch zahlreiche seiner Bücher gearbeitet. Als persönliches – mimetisches – Vorbild wirkten zudem Karl-Josef Kuschel & Urs Baumann, so dass ich bis heute versuche, jede Weltethos-Einladung anzunehmen. Ich denke wirklich, das (maßgeblich vom katholischen Christdemokraten & erfolgreichen Ministerpräsidenten Erwin Teufel geförderte) Ökumenische Institut und die Weltethos-Einrichtungen sind ein wissenschaftlich-theologisch-dialogischer Segen auch weit über Tübingen hinaus.
Zugleich ist mir aber auch klar, dass das Lesen von Sachbüchern schnell schwindet und sich die Wissenschaftskommunikation ins Internet verlegt, noch einmal verstärkt durch KI.
Daher habe ich den Vortrag zu Mimesis & Rechtsmimesis nicht nur gehalten, sondern auch transkribiert & verschriftet.
Denn aus meiner Sicht geht es thematisch um viel, sogar sehr viel:
Wir stellen uns gerne vor, dass wir vernünftige Individuen wären & unsere Entscheidungen aufgrund eigener Gedanken treffen.
Doch in Wirklichkeit sind wir von klein auf mimetisch & ahmen Verhalten & Ziele unserer Mitmenschen nach: Wir spielen und reden wie andere, neiden & tratschen, übernehmen das Streben nach Status und Erfolg. Einige konsumieren sogar Drogen oder springen – nur mit Seilen gesichert – von Brücken, um uns selbst zu inszenieren.
Vor allem aber konsumieren wir Medien, meist mehrere Stunden täglich. Und diese prägen dann nicht „nur“ unser Denken, sondern auch schon unser Fühlen & sogar Träumen!
Fast täglich werde ich gefragt, ob ich alle AfD – Wählenden für rechtsextrem & verschwörungsgläubig halte. Meine Antwort ist: Nein, das sind sie nicht. Aber wenn sie mimetisch in die blauen Medienblasen eintauchen, dann werden (!) sie es!
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116866268574708368
Ich danke Ihnen sehr, dass Sie sich auf diesen „Deep Dive“ in die Evolutionspsychologie der Mimesis eingelassen haben und verspreche nun auch wieder eine Zeit mit leichterer Blog-Kost… 😌📚🙏✅
Prima Beitrag (auch der lange Vortrag), nur eine ganz kleine Anmerkung am Rande:
Dass Mimesis allein dem Menschen vorbehalten ist, scheint heutzutage nicht mehr wirklich haltbar.
Je genauer wir Tiere in ihrem Verhalten studieren, desto mehr verschwimmt die Grenze. So spontan fallen mir da Orcas ein, die etwa als Mode tote Lachse auf den Köpfen tragen oder einzelne Gruppen, die zum Spaß Segelboote angreifen, während andere Gruppen das nicht tun.
Kultur ist wohl keine originär menschliche Eigenschaft.
Vielen herzlichen Dank, liebe @Mina – und volle Zustimmung! 🙏👍✅
Auch in diesem Tübingen-Weltethos-Vortrag nannte ich ausdrücklich die stärkere Mimesis von Hunden 🐶 im Vergleich zu Wölfen 🐺 und schilderte auch die Bedeutung von Zeichen und Augen für die mimetische Kommunikation.
Beim Menschen kommen dazu eben noch technologische (sekundäre, tertiäre usw.) Medien, die die mimetische Lebenswirkung massiv verstärken.
Ein krasses Beispiel für die Macht der Mimesis ist die 21jährige Brasilianerin, die für Instagram einen „Rope Jump“ von einer Brücke machen wollte, aber aus Versehen ohne Seil 40 Meter in die Tiefe geworfen wurde!
Wir Menschen sind nicht halb so rational, wie wir gerne wären, sondern ahmen einander nach – und diese Nachahmung von Zielen (wie Bekanntheit, Status) wird dann auch noch medial verstärkt.
Wir ersehnen mimetisch Statussymbole & dazu gehören heute auch erfolgreiche Videos. Dafür riskieren wir sogar bisweilen unsere Leben!
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116866080420434349
Dass sich Mutige wie Du der Evolutionspsychologie der Mimesis bei Menschen und auch Tieren stellen, bedeutet mir viel, @Mina. Wenn wir die Chancen und auch Gefahren digitaler Medien erfassen wollen, dann sollten wir diese wissenschaftlichen Erkenntnisse schon des 20. Jahrhunderts ernstnehmen und dialogisch durchkneten. Meine ich. Mimetisch. 😌🙏📚☕️
Glückwunsch zu einer Rede, mit der Sie einen wichtigen Beitrag geleistet haben, dass Menschen sich informieren können.
Da Sie ziemlich am Anfang Ihrer Ausführungen den Schauspieler und die Rolle gestellt haben, musste ich weiter unten in dem Text an die folgende Zeile aus „Faust Erster Teil“ von Johann Wolfgang von Goethe denken:
„Namen sind Schall und Rauch“
Sie schreiben, dass Namen wichtig sind. Goethe sagt im Prinzip das Gegenteil. Ich kann das Rätsel für mich noch nicht lösen.
„Faust“ passt noch aus einem anderen Grund zu den zahlreichen Fragen, die Sie über Schauspieler stellen. Dabei denke ich speziell an die Rolle des Mephisto und die Darstellung des Schauspielers Gustaf Gründgens (1899-1963). Wo endet die Rolle des Mephisto und wo beginnt der Mensch Gustaf Gründgens?
Nicht zu vergessen, dass es neben dem Mensch GG und dem Schauspieler GG auch den Intendanten Gründgens gab. „Von 1934 bis 1944 war Gründgens Intendant des Berliner Schauspielhauses, ab 1937 unter dem Ehrentitel Generalintendant der Preußischen Staatstheater (Generalintendant war weiterhin Heinz Tietjen).“ Wikipedia
Er war immer wieder in der Deutschen Wochenschau zu sehen, u.a. mit Göring und dessen Ehefrau Emmy Sonnemann, einer Kollegin von Gründgens. Dies prägt bis heute das Bild von ihm als einer, der die Nationalsozialisten unterstützte.
Thomas Blubacher zitiert in seiner Gründgens-Biographie, Henschel-Verlag, 2013, den Schauspieler Ernst Busch, der als Kommunist von den Nazis verfolgt wurde:
„Gründgens hat sich nicht gescheut, um mir zu helfen, dem Kammergericht eine schriftliche Erklärung einzureichen, in der er mich wahrheitswidrig als völlig unpolitisch hingestellt hat…“
„Gustaf Gründgens ist tatsächlich der Einzige gewesen, der für mich eingetreten ist und der mir indirekt das Leben gerettet hat…“ Seite 241f.
Wenn Horkheimer und Adorno zu der Feststellung gelangen,
„dass Antisemitismus eine Form der negativen Mimesis sei, verstärkt als falsche Projektion!“
so lässt sich auch daran belegen, dass beim Film, an den Theatern, unter den Komponisten, Sängerinnen und Sängern viele Juden waren. Die Äußerungen von Joseph Goebbels über u.a. „den deutschen Film“ brauche ich m.E nicht zu zitieren.
Denn diese Menschen waren eine Bereicherung für die Filmbranche etc. Liest man heute die unendlich lange Liste der Künstler, die emigrierten oder vom Regime ermordet wurden oder die versteckt mit Glück überlebt haben, kann man nur entsetzt sein.
Der Rede von Michel Friedman über Antisemitismus und die Bayreuther Festspiele sehe ich mit großen Erwartungen entgegen.
Der Wahlkreis Tübingen ist jetzt also wieder im Bundestag vertreten, was sehr zu begrüßen ist. MdB Naser kann ich nur viel Erfolg wünschen. Als Pfarrer steht er in Berlin vor ganz besonderen Herausforderungen.
Zu den Aufgaben eines Pfarrers gehören auch Beerdigungen. Meistens sind es ältere Menschen, die er auf dem letzten Weg begleitet und deren trauernden Hinterbliebenen er Trost spenden muss.
Ich nehme an, dass er manchmal hinter einem Sarg gegangen ist, in dem z.B. ein 45jähriger Familienvater lag, der an einer Krebserkrankung gestorben war.
Während man medizinisch alles getan hat, um das Leben dieses Mannes zu retten, war er mit großer Wahrscheinlichkeit längere Zeit arbeitsunfähig.
Herr Naser wird im Deutschen Bundestag demnächst beschließen, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die krank sind, bereits am ersten Tag bei ihrem Arbeitgeber eine AU einreichen müssen.
Begründet wird diese Maßnahme mit der hohen Zahl von Krankentagen, die als Wettbewerbsnachteil für die Wirtschaft bezeichnet werden. Es wird unterstellt, dass die Arbeitnehmer zuhause bleiben, obwohl sie nicht krank seien.
In die Berechnung der durchschnittlichen Krankentage fließen auch die ein, die aufgrund seiner Krebserkrankung bei dem o.g. Familienvater angefallen sind.
Todkranke Menschen werden gegen vermeintlich gesunde Faulenzer ausgespielt. Mal sehen, wie der neue Tübinger MdB sich entscheidet.
Das blamable Ausscheiden der deutschen Fußball-Nationalmannschaft der Männer bei der WM in Kanada, Mexiko, USA führt auf Social Media und anderen Plattformen zu Vergleichen mit der Politik und dem angeblichen Niedergang Deutschlands auf allen Gebieten. Dazu gesellen sich noch die üblichen Experten, die jungen Menschen als Ganzes mangelnde Leistungsbereitschaft unterstellen. Friedrich Merz bekommt den Rat, er solle es machen wie Julian Nagelsmann, da ihm die Reaktionen der Menschen auf das Reformpaket der Bundesregierung nicht gefallen.
Angesichts des Höhenflugs der AfD in den Umfragen, sind wir alle gut beraten, einen Gang zurückzuschalten. Und dennoch das Reformpaket kritisch zu begleiten.
Ganz herzlichen Dank für Ihr Interesse und Ihre tiefsinnige, dialogische Erwiderung hier auf dem Blog, @Marie H. 🙏
Sehr gerne gehe ich daher auf die von Ihnen angesprochenen Themen Absatz für Absatz ein!
„Glückwunsch zu einer Rede, mit der Sie einen wichtigen Beitrag geleistet haben, dass Menschen sich informieren können.
Da Sie ziemlich am Anfang Ihrer Ausführungen den Schauspieler und die Rolle gestellt haben, musste ich weiter unten in dem Text an die folgende Zeile aus „Faust Erster Teil“ von Johann Wolfgang von Goethe denken:
„Namen sind Schall und Rauch“
Sie schreiben, dass Namen wichtig sind. Goethe sagt im Prinzip das Gegenteil. Ich kann das Rätsel für mich noch nicht lösen.“
Danke, @Marie H. – und genau auch dieses Rätsel hat mich als Goethe-Faust-Fan viele Jahre lang beschäftigt!
So sprach ich unter anderem in der Faust-Stadt Knittlingen darüber und nahm u.a. auch den „Faust“ des Johann Wolfgang von Goethe gegen einen Vorwurf des Anthroposophie-Gründers Rudolf Steiner in Schutz:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-theologische-dualismus-streit-zwischen-goethes-mephisto-und-steiners-ahriman/
2022 gab ich sogar ein KI-Medienethik-Seminar genau dazu, zur These des Holocaust-Überlebenden und Münsteraner Philosophen Hans Blumenberg (1920 – 1996): „Alles Weltvertrauen fängt an mit den Namen, zu denen sich Geschichten erzählen lassen.“
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-macht-der-namen-einfuehrungsvortrag-zum-kit-berufs-und-medienethik-seminar-2022/
Meine schließlich für mich gefundene Auflösung des Rätsels: Nicht Goethe selbst vertrat die Auffassung, dass „Namen Schall und Rauch“ wären, sondern er legte sie bewusst dem glaubensschwachen Faust als Teil von dessen Verführungswerk gegenüber Gretchen in den Mund! („Faust I“, Vers 3457) Am Ende ist es jedoch die (heilige) Margarethe, die den gefallenen Faust samt dessen Namen zur Gottheit rettet! Aus meiner Sicht erkannte und beschrieb Goethe im größten Werk seines Jahrhunderts also zu Recht, dass Namen KEIN Schall und Rauch sind.
„„Faust“ passt noch aus einem anderen Grund zu den zahlreichen Fragen, die Sie über Schauspieler stellen. Dabei denke ich speziell an die Rolle des Mephisto und die Darstellung des Schauspielers Gustaf Gründgens (1899-1963). Wo endet die Rolle des Mephisto und wo beginnt der Mensch Gustaf Gründgens?
Nicht zu vergessen, dass es neben dem Mensch GG und dem Schauspieler GG auch den Intendanten Gründgens gab. „Von 1934 bis 1944 war Gründgens Intendant des Berliner Schauspielhauses, ab 1937 unter dem Ehrentitel Generalintendant der Preußischen Staatstheater (Generalintendant war weiterhin Heinz Tietjen).“ Wikipedia
Er war immer wieder in der Deutschen Wochenschau zu sehen, u.a. mit Göring und dessen Ehefrau Emmy Sonnemann, einer Kollegin von Gründgens. Dies prägt bis heute das Bild von ihm als einer, der die Nationalsozialisten unterstützte.
Thomas Blubacher zitiert in seiner Gründgens-Biographie, Henschel-Verlag, 2013, den Schauspieler Ernst Busch, der als Kommunist von den Nazis verfolgt wurde:
„Gründgens hat sich nicht gescheut, um mir zu helfen, dem Kammergericht eine schriftliche Erklärung einzureichen, in der er mich wahrheitswidrig als völlig unpolitisch hingestellt hat…“
„Gustaf Gründgens ist tatsächlich der Einzige gewesen, der für mich eingetreten ist und der mir indirekt das Leben gerettet hat…“ Seite 241f.“
Vielen Dank – und Sie haben nach meiner Einschätzung absolut Recht: Gerade auch weil die Nationalsozialisten um Joseph Goebbels Filme als Propagandamittel perfektionierten, ist die Mimesis-Medienreflektion heute wichtiger denn je!
Denn sowohl bei meinen eigenen Kindern wie auch bei mir selbst und bei den Schülerinnen und Schülern aller Schulen, die ich auch nächste Woche wieder besuchen darf, stelle ich fest: Noch nie in der Geschichte der Menschheit wurden so viele auch junge Menschen von klein auf darauf trainiert, vor Kameras Rollen zu spielen!
So wurde zwei Wochen nach meinem hier gebloggten Mimesis-Vortrag die 21jährige Brasilianerin Maria F. von einer 40 Meter hohen Brücke gestürzt, weil sie sich auf Instagram in der Rolle einer mutigen Rope Jumperin hatte inszenieren wollen!
Die 21-Jährige hatte nach Angaben der brasilianischen Zeitung „O Globo“ Sportwissenschaft und Sportmanagement studiert. In sozialen Netzwerken veröffentlichte sie regelmäßig Beiträge zu Sport, Natur und ihrem Alltag.
Wenige Stunden vor dem Unglück soll sie ihren geplanten Sprung noch auf Instagram angekündigt haben. Mehrere Medien berichten, dass sie ein Identifikationsarmband gezeigt und Fotos mit Mitarbeitern des Anbieters veröffentlicht habe. Dazu soll sie scherzhaft geschrieben haben: „Wer war der Verrückte, der mich von einer Brücke springen lässt?“
Nach Angaben von „O Globo“ wurde ihr Instagram-Profil kurz nach ihrem Tod gelöscht. Ihr Verlobter, der den Unfall mit angesehen haben soll, erlitt laut Polizeiangaben einen Schock und musste medizinisch versorgt werden.
https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/menschen-schicksale/id_101296238/brasilien-seil-vergessen-studentin-in-die-tiefe-geworfen.html
Die Evolutionspsychologie der Mimesis erklärt, wie auch schon junge Menschen medial zu irrationalem Verhalten wie Extremsport, Drogenkonsum oder dualistischer Radikalisierung geleitet werden können. Auch deswegen hoffe ich, dass Mimesis endlich als Schlüsselbegriff der Medienbildung erkannt und gelehrt wird.
„Wenn Horkheimer und Adorno zu der Feststellung gelangen,
„dass Antisemitismus eine Form der negativen Mimesis sei, verstärkt als falsche Projektion!“
so lässt sich auch daran belegen, dass beim Film, an den Theatern, unter den Komponisten, Sängerinnen und Sängern viele Juden waren. Die Äußerungen von Joseph Goebbels über u.a. „den deutschen Film“ brauche ich m.E nicht zu zitieren.
Denn diese Menschen waren eine Bereicherung für die Filmbranche etc. Liest man heute die unendlich lange Liste der Künstler, die emigrierten oder vom Regime ermordet wurden oder die versteckt mit Glück überlebt haben, kann man nur entsetzt sein.“
Genau so ist es. Horkheimer & Adorno hatten wesentlich Recht: Die Geschichte des Antisemitismus ist eine Geschichte der mimetischen Neid-Projektion auf die erste Religion der Alphabetisierung und allgemeinen Bildung. Es war mir wichtig, dies auch als dialogischer Popperianer, ja „Solarpopper“ anzuerkennen.
„Der Rede von Michel Friedman über Antisemitismus und die Bayreuther Festspiele sehe ich mit großen Erwartungen entgegen.“
Ja, so ist es. Ich hatte ja einmal die Freude, mit Michel Friedman in der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart eine Podiumsdiskussion bestreiten zu dürfen. Das hat mir viel Freude gemacht! Damals waren wir ja auch beide noch Mitglieder der CDU, die Friedman dann im Streit um die auch von mir kritisierte Bundestags-Abstimmung mit der AfD verließ. Und das kann ich nachvollziehen, habe mich aber zum Bleiben und Kämpfen entschlossen.
„Der Wahlkreis Tübingen ist jetzt also wieder im Bundestag vertreten, was sehr zu begrüßen ist. MdB Naser kann ich nur viel Erfolg wünschen. Als Pfarrer steht er in Berlin vor ganz besonderen Herausforderungen.
Zu den Aufgaben eines Pfarrers gehören auch Beerdigungen. Meistens sind es ältere Menschen, die er auf dem letzten Weg begleitet und deren trauernden Hinterbliebenen er Trost spenden muss.
Ich nehme an, dass er manchmal hinter einem Sarg gegangen ist, in dem z.B. ein 45jähriger Familienvater lag, der an einer Krebserkrankung gestorben war.
Während man medizinisch alles getan hat, um das Leben dieses Mannes zu retten, war er mit großer Wahrscheinlichkeit längere Zeit arbeitsunfähig.
Herr Naser wird im Deutschen Bundestag demnächst beschließen, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die krank sind, bereits am ersten Tag bei ihrem Arbeitgeber eine AU einreichen müssen.
Begründet wird diese Maßnahme mit der hohen Zahl von Krankentagen, die als Wettbewerbsnachteil für die Wirtschaft bezeichnet werden. Es wird unterstellt, dass die Arbeitnehmer zuhause bleiben, obwohl sie nicht krank seien.
In die Berechnung der durchschnittlichen Krankentage fließen auch die ein, die aufgrund seiner Krebserkrankung bei dem o.g. Familienvater angefallen sind.
Todkranke Menschen werden gegen vermeintlich gesunde Faulenzer ausgespielt. Mal sehen, wie der neue Tübinger MdB sich entscheidet.“
Vielen Dank und ja: Ich hatte mit Christoph Naser zuletzt beim CDU-Bundesparteitag auf der Stuttgarter Messe ein sehr gutes Gespräch geführt und halte sehr viel von ihm. Gleichzeitig habe ich ja auch in obigem Vortrag darauf hingewiesen, dass er nachrücken konnte, weil mit Andreas Jung und Ronja Kemmer gleich zwei baden-württembergische Politik-Talente aus dem Bundestag in die Landespolitik gewechselt sind.
Auch ich selbst hatte mich ja gegen eine Kandidatur für den Bundestag entschieden, weil ich die politische und mediale Kultur auch in Berlin für destruktiv und sogar zunehmend parlamentsfeindlich halte. Dazu habe ich erst gestern gepostet:
Guten Morgen – Tässle Kaffee ☕️?
Die Ignoranz gegenüber dem deutschen Grundgesetz durchdringt leider Politik UND auch Medien.
So schreibt die HNA:
„Merz-Regierung beschließt Änderungen bei Krankschreibung – Attest gibt es nur noch beim Arzt“
Doch in Deutschland & in jeder Demokratie werden Gesetze nicht von der Parteien-Regierung (Exekutive), sondern vom gewählten Parlament (Legislative) beschlossen.
Ob der deutsche Bundestag alle Vor-Schläge des Koalitionsausschusses aus den Parteivorsitzenden einfach abnickt, oder ob die Abgeordneten doch noch ihren verfassungsmäßigen Auftrag und damit ihre Verantwortung erfüllen, werden die nächsten Monate zeigen.
Die meisten deutschen Konzernmedien werden leider weiterhin fordern, nun müssten die Parteivorsitzenden aber „Reformen durchsetzen“ & damit das Parlament nur als Hindernis framen. Ich finde das falsch & sogar gefährlich.
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116854560054614417
Ob eine rechtzeitige Rückbesinnung auf die Werte des Grundgesetzes und die Aufgaben der gewählten Abgeordneten nach GG-Artikel 38 noch gelingt, halte ich für fraglich. Immerhin kann ich aber von hier aus aktiv dafür eintreten, ohne dass mich Parteibüros und Konzernmedien zum Schweigen bringen könnten.
„Das blamable Ausscheiden der deutschen Fußball-Nationalmannschaft der Männer bei der WM in Kanada, Mexiko, USA führt auf Social Media und anderen Plattformen zu Vergleichen mit der Politik und dem angeblichen Niedergang Deutschlands auf allen Gebieten. Dazu gesellen sich noch die üblichen Experten, die jungen Menschen als Ganzes mangelnde Leistungsbereitschaft unterstellen. Friedrich Merz bekommt den Rat, er solle es machen wie Julian Nagelsmann, da ihm die Reaktionen der Menschen auf das Reformpaket der Bundesregierung nicht gefallen.
Angesichts des Höhenflugs der AfD in den Umfragen, sind wir alle gut beraten, einen Gang zurückzuschalten. Und dennoch das Reformpaket kritisch zu begleiten.“
Ja, ich glaube auch wie Sie, dass es darauf ankäme, „einen Gang zurückzuschalten“ und der Enge der Zeit zu entkommen. In der Neuauflage von „Verschwörungsmythen“ (2025) hatte ich dazu auf den Seiten 49 – 50 geschrieben:
Zeit schafft Raum für Vernunft.
Der große römische Rhetoriker Cicero warnte schon vor der zerstörerischen Macht der unregulierten griechischen Volksversammlungen, vor den ‚unüberlegten Willensäußerungen einer sitzenden Menge‘.
Dies habe es Agitatoren erlaubt, das Publikum in stundenlangen Reden aufzuhetzen, und Griechenland ‚zugrundegerichtet‘.
Denn sie beschlossen ‚unnötige Kriege‘, setzten ‚aufwieglerische Gesellen an die Spitze der Regierung‘ und ’schickten ihre verdientesten Mitglieder in die Verbannung‘.
Im Gegensatz zu dieser zerstörerischen Hetze hätten die tradierten Regeln Roms ‚in ihrer Weisheit und Besonnenheit‘ das Stehen auf dem Forum – und damit die Begrenzung der Redezeit – sowie das mehrtägige Aushängen von Anträgen vor der finalen Abstimmung vorgeschrieben.
Cicero plädierte also für das, was wir Heutigen republikanische Gewaltenteilung, Zeit für parlamentarische Lesungen und Debatten sowie wissenschaftliche Begutachtung nennen.
Auch hier warne ich im Hinblick auf die frühesten, verschrifteten Demokratien und Republiken evolutions- und medienpsychologisch sowie politikwissenschaftlich: Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.
Ihnen vielen Dank für Ihr tiefes und dialogisches Lese-und-Schreib-Engagement! 🙏
Vielen Dank!
Adorno benutzt den Begriff der Mimesis im Zusammenhang mit Musik. Da er eine mE sehr enge Auffassung, was Musik ist, vertritt, verstehe ich Mimesis wie folgt: Beethovens Klaviersonaten zu spielen, ist zur Nachahmung empfohlen. Das Singen eines Schlagers dagegen nicht.
Musik ist für viele Menschen ein Wohlfühlfaktor. Dabei spielt es keine Rolle, ob Bachkantate oder Sinatra.
Es treibt mich immer noch um, dass vor allem alte weiße Männer der Jugend mangelnde Leistungsbereitschaft vorwerfen. Dabei sind TV Formate wie DSDS vor Jahren von diesen Leuten geschaffen worden. Verbunden mit der Illusion, schnell reich und berühmt zu werden. Es wurde der Eindruck geweckt, dass man es auch ohne Arbeit und Anstrengung schaffen kann.
Bleibt noch die FIFA. Die Entscheidung, die Sperrung eines Spielers der US Nationalmannschaft in eine Bewährung umzuwandeln, weil der Präsident des Gastgeberlandes interveniert, kann zu einer Aushöhlung des Regelwerks führen. Wie die Zukunft des Fußballs für die jungen Spielerinnen und Spieler aussieht, ist mehr als ungewiss.
Der Nachahmung wurde Tür und Tor weit geöffnet.
Etwas zu zerstören, ist schnell getan. Aufbau dauert. Der Antisemitismus der Nationalsozialisten führte zu Verlusten künstlerischer Substanz, die nie wieder ganz zu rekonstruieren sein wird. Den Menschen damals und heute wurden Musik, Literatur, Film usw genommen, weil ihre Schöpfer Juden waren.
Ob wir einen Weg zur Vernunft finden, bleibt offen. Wir können aber der Enge der Zeit ein Stück weit entkommen, wenn wir uns die Zeit für Bücher, Filme, Musik, Theater etc nehmen. Imho.
Vielen Dank, @Marie H. – Ihr Kommentar berührt mich, weil ich nicht nur den Aussagen zustimme, sondern auch das Gefühl habe, in meinen Anliegen und gerade auch mit diesem Vortrag beim Weltethos Institut in Tübingen verstanden zu sein.
Selbstverständlich frage ich mich auch schon mal, ob denn die wissenschaftlichen Reden, die Aufzeichnungen und dann auch noch Verschriftungen überhaupt wahrgenommen werden. Und dann lese ich tiefe Drukos wie hier von Ihnen oder auch von @Tobias Jeckenburger und merke – es lohnt sich.
Vielen, vielen Dank für das so ermutigende Interesse und Ihre Bereitschaft, als Kommentierende mitzubloggen! 🙏🙌
@Vortrag Die Macht der Mimesis – Medien zwischen Dialog und Hetze
„Ich bin also dem Team des Instituts Weltethos sehr dankbar, dass sie das Thema der Macht von Mimesis aufgegriffen haben! Ich glaube: Die enorme Macht der Medien wird uns erst durch die Psychologie der Mimesis bewusst. Wir sind alle von negativer Medien-Mimesis betroffen, wir können aber auch alle positive Mimesis gestalten.“
Die Selbstbezogenheit psychologischer Erkenntnisse macht die Sache nicht einfacher.
Man kann das so sehen, wie Du das in dem Vortrag ausführst. Aber wer den Vortrag und die psychologischen Implikationen gar nicht kennt, der ist selbst eben anders unterwegs.
Da gibt es auch deutlich mehr als nur zwei verschiedene Sichtweisen.
Aber man kann sich dennoch auf den Weg machen, positiver zu denken und positiver zu kommunizieren. Sich selbst bewusst zu machen, woher man sich informiert, wäre dabei der erste Schritt. Wenn man da schon in der Schule ganz wesentlich drauf guckt, wären wir vermutlich gleich mehrere Schritte weiter.
Jetzt kommt es aber auch darauf an, wie erfolgreich das eigene Leben allgemein so gelingt. Die eindeutigen Verlierer der Leistungsgesellschaft leben in der Tat durchaus woanders, als wer sich ein gutes Leben hat aufbauen können.
Auch hier spielen die Schulen durchaus mit, zumal die nun auch wesentlich dabei mitspielen, wer hier der Verlierer am Ende wird.
„Die Antisemiten sind dabei, ihr negatives Absolutes aus eigner Macht zu verwirklichen, sie verwandeln die Welt in die Hölle, als welche sie sie schon immer sahen.“
Die Welt gar nicht erst als die Hölle zu sehen, könnte helfen? Was dann aber auch faktisch sein müsste. Positiv aus dem Nichts heraus denken ist dann schon schwieriger. Man muss schon was Positives in seinem eigenen Leben irgendwie finden.
Kann man da nicht gleich ansetzen? Wenn man explizit will, dass es den Verlierern der Leistungsgesellschaft besser nicht zu gut gehen sollte, geht das dann jedenfalls nicht so einfach.
Ganz herzlichen Dank für Dein Interesse & Deinen nachfragenden Druko, lieber @Tobias 🙏
Und selbstverständlich gebe ich Dir Recht: Ein Vortrag über die Psychologie der Mimesis in der frühen Antisemitismusforschung der Frankfurter Schule wird immer nur wenige Menschen erreichen – und auch von diesen nicht alle überzeugen.
Andererseits hatte ich aber den Vorteag mit den Inhalten und Folien ohnehin vorbereitet. Und warum dann nicht auch transkribieren, verschriften und bloggen?
So wird es von Menschen und KI-Crawlern gefunden. Ich merke an Blogposts wie zum Regen-Bestätigungsfehler von 2023, dass sie jahrelang ihre Wirkung entfalten!
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/aber-hier-regnet-es-doch-der-haeufigste-bestaetigungsfehler-in-der-klimakrise/
Ich finde, auch das ist eine Leistung – völlig unbezahlt und ehrenamtlich. Aber mir macht es Freude und Sinn.
@Michael 05.07. 17:11
„Andererseits hatte ich aber den Vortrag mit den Inhalten und Folien ohnehin vorbereitet. Und warum dann nicht auch transkribieren, verschriften und bloggen?“
Ich habe es auch mit Interesse gelesen. Finde aber Psychologie immer irgendwie schwierig.
Man findet recht schnell psychologische Aussagen, arbeitet damit sogar, aber merkt dann hinterher, dass es doch eher nichts Neues gebracht hat.
Respekt vor dem Anderen kann man psychologisch recht schnell demontieren. Ich finde, damit ist man besser sehr vorsichtig, wenn man keinen überflüssigen Streit haben will.
Gerade wenn man in vielfältigen Teams zusammenarbeitet, ist eigene Flexibilität wie auch Respekt voreinander ziemlich hilfreich.
Was natürlich dann auch seine Grenzen hat. Wer sich längst aus jedem wahrhaftigen Diskurs verabschiedet hat, mit dem wird es rein praktisch ziemlich schwierig. Insbesondere Paranoia in seinen verschiedensten Ausprägungen kann ganz schön resistent sein.
„Ich finde, auch das ist eine Leistung – völlig unbezahlt und ehrenamtlich. Aber mir macht es Freude und Sinn.“
Das ist das Leben. Wo man was bewegen kann, da kann man gerne dran bleiben.
Ich weiß jetzt echt nicht, wer die Götter wirklich sind. Aber was Vernünftiges anstellen mag von vernünftigen Göttern gefördert werden? Neben der KI, in der es auch aufgehen kann, zumindest wie das aktuell aussieht.
Lieben Dank, @Tobias
Die Evolutions- und Medienpsychologie ist seit meiner Doktorarbeit zur damals sogenannten „Neurotheologie“ zwischen Religion und Hirnforschung sowie dem Erfolgsbuch „Gott, Gene und Gehirn. Warum Glaube nützt. Die Evolution der Religiosität“ mit dem Biologen Rüdiger Vaas meine wissenschaftliche und auch kommunikative Leidenschaft.
Entsprechend habe ich mich auch gefreut, als mir die KI Felo.ai nach einer anderen Anfrage diesen Prompt anbot:
Welche evolutionären Vorteile bietet die mimetische Nachahmung von Zielen?
Das klickte ich gerne, hier auch die Antwort:
Die mimetische Nachahmung von Zielen – also das Nachahmen der Absichten, Begehren und Verhaltensweisen anderer – bietet aus evolutionsbiologischer, psychologischer und sozialer Sicht entscheidende Überlebens- und Entwicklungsvorteile für den Menschen.
## Erhöhung der Anpassungsfähigkeit und Artbildung
Mimesis gilt als das fundamentale Prinzip, das die menschliche Anpassungsfähigkeit, vielseitige Transformationen und relationale Bindungen überhaupt erst ermöglicht hat[2]. Sie ist eine *conditio humana*, die eng mit der evolutionären Entwicklung des Menschen verknüpft ist[9]. Durch die Fähigkeit zur Mimesis konnten sich Menschen flexibel an veränderte Umweltbedingungen anpassen und soziale Gefüge etablieren, was den evolutionären Prozess der Menschwerdung maßgeblich gestaltete[1][2].
## Effiziente Ressourcennutzung und Überlebenssicherung
Auf einer grundlegenden biologischen Ebene dient das Verhalten anderer Individuen als direkter Indikator für Überlebensressourcen[1]. Wenn ein Organismus beobachtet, dass ein Artgenosse erfolgreich oder gesättigt ist, signalisiert dies eine sichere Futterquelle[1]. Die mimetische Nachahmung dieses Verhaltens – also dorthin zu gehen, wo andere bereits erfolgreich waren – erhöht die eigenen Überlebens- und Fortpflanzungschancen drastisch, ohne dass jedes Individuum die Risiken der Nahrungssuche selbst neu austesten muss[1].
## Kulturelles Lernen und Wissensweitergabe
Die Mimesis ist der Motor für das Lernen und die Weitergabe von Wissen über Generationen hinweg[1][2].
* **Technologischer Fortschritt:** Bereits in der Altsteinzeit (Acheuléen-Kultur) ermöglichte die Mimesis die Verbreitung und Verfeinerung komplexer Werkzeuge wie beidseitig behauener Faustkeile[1].
* **Bildung und Subjektbildung:** Mimesis regt die Lust auf Wissen an und ermöglicht es Individuen, sich Fähigkeiten durch Nachahmung aktiv anzueignen[1]. Sie ist somit essenziell für die Erziehung und die Formung des Individuums innerhalb einer Gemeinschaft[2].
## Sozialer Zusammenhalt und kollektive Zielerreichung
Mimesis stiftet relationale Bindungen und fördert die soziale Kohäsion[2]. Ursprünglich in gemeinschaftlichen, verkörperten Praktiken wie Ritualen, Tanz und Musik verwurzelt, stärkt sie das Gefühl der kollektiven Zugehörigkeit[2]. Wenn eine Gruppe ein gemeinsames Ziel mimetisch übernimmt und darauf hinarbeitet, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dieses Ziel auch tatsächlich kollektiv zu erreichen[1].
## Evolution von Religion, Sprache und Narrativen
Die mimetische Nachahmung legte das Fundament für komplexere evolutionäre Errungenschaften:
* **Entstehung von Religion:** Die Übernahme und Nachahmung transzendenter Ziele (wie der „Ziele Gottes“) spielte eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Religionen in der menschlichen Evolution[1].
* **Vorstufe zur Sprache:** Evolutionär ging die Mimesis der Entwicklung von Sprache, Narrativen und Fiktionen voraus[21][22]. Sie schuf damit kognitive Nischen, die den Selektionsdruck veränderten und den Menschen immer abhängiger von geteiltem Wissen machten[21][22].
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Mimesis
[2] https://criticalposthumanism.net/posthuman-mimesis/
[3] https://www.uibk.ac.at/de/theol/leseraum/texte/875/
[4] https://sebjaniak.com/mimesis.html
[5] https://gamingtrend.com/news/relu-games-co-op-horror-mimesis-launches-in-early-access-october-27/
[6] https://mimesis.wiki.gg/
[7] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/vom-faustkeil-zur-menschenwuerde-die-evolutionspsychologie-der-mimesis-erklaert/
[8] https://www.savingcontent.com/2025/10/27/mimesis-the-co-op-survival-horror-game-enters-steam-early-access-today/
[9] https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=4399842
[10] https://en.wikipedia.org/wiki/Mimesis
[11] https://sproutsschools.com/mimetic-theory-two-types-of-psychological-needs/
[12] https://www.herder.de/hk/hefte/archiv/2003/2-2003/fragiles-gebilde-gesellschaft-was-sich-von-rene-girard-lernen-laesst/
[13] https://store.steampowered.com/news/app/2827200/view/533236528800859332
[14] https://www.gamespress.com/MIMESIS-MAJOR-UPDATE-MAKES-ITS-AI-DRIVEN-MONSTER-MORE-UNPREDICTABLE
[15] https://filmlexikon.uni-kiel.de/doku.php/m:mimetischesbegehren-9227
[16] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC2865073/
[17] https://ojs.uni-oldenburg.de/ojs/index.php/bme/article/view/199
[18] https://www.kunstforum.de/en/article/mimesis-grundlos/
[19] https://www.researchgate.net/publication/306112109_MimesisNachahmung
[20] https://www.reddit.com/r/videogames/comments/1qkyxwq/mimesis_opinions_is_it_worth_it_in_its_current/?tl=de
[21] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28544658/
[22] https://www.researchgate.net/publication/317190091_The_evolution_of_stories_From_mimesis_to_language_from_fact_to_fiction
@Michael 05.07. 23:44 / Felo.ai
„Evolutionär ging die Mimesis der Entwicklung von Sprache, Narrativen und Fiktionen voraus. Sie schuf damit kognitive Nischen, die den Selektionsdruck veränderten und den Menschen immer abhängiger von geteiltem Wissen machten.“
Soweit unser evolutionäres Erbe. Insbesondere uralt und schon in den Steinzeitgemeinschaften grundlegend.
Aber Verstand, und daraus folgend Wissenschaft, macht aber in der jüngeren Geschichte auch immer mehr mit.
Und gerade in komplexen freiheitlichen Gesellschaften breitet sich kulturelle Vielfalt aus. Zuletzt gerade auch durch Zuwanderung.
Man kann es heutzutage durchaus wagen, seinen ganz eigenen Weg zu gehen. Als Künstler etwa muss man das sogar, wenn das wirklich was werden soll.
Die Mimesis spielt weiter mit. Und es macht wohl in der Tat Sinn, hier auch ganz bewusst zu gestalten?
Polymimetischer Wildwuchs könnte wiederum überfordern? Das könnte auch das Problem mit den antisozialen Plattformen ausmachen. Strategien, sich dem erfolgreich zu entziehen, dürften da aktuell wirklich gefragt sein.
Statt sich von aufpoppenden Timelines nerven zu lassen, besser die KI was Vernünftiges fragen. Das bringt einen weiter. Wenn man es selbst wirklich in die Hand nimmt, wohin man sich bewegen will, dann kann das was werden.
Ja, @Tobias – und ich möchte Dir für die tiefen Gedanken und faszinierenden Formulierungen („Polymimetischer Wildwuchs“!) sehr danken.
Aus meiner Sicht ist Mimesis eine schlüssige Folge der menschlichen Evolutionspsychologie, die sich dann sogar auf die Ko-Evolution von Hunden (aus Wölfen) ausgewirkt hat: Schon frühe Menschen lebten, überlebten und reproduzierten sich in sozial-medialen, mimetischen Gruppen, den Urformen unserer heute so genannten Blasen. Zugehörigkeit war wichtiger als abstrakte Wahrheit, Status – etwa durch einen schönen Faustkeil – bedeutender als reine Effizienz. So wurden und werden unsere stärksten Potentiale erschlossen – Musik und Sprache, Ritual und Tanz, Gemeinschaft und Gesellschaft, Kultur, Religion, später auch Technologie und Wissenschaft. Sogar ein wenig mimetischer Mensch wie Isaac Newton (1643 – 1727) verzehrte sich eben nicht nur nach abstrakten Wahrheiten, sondern auch nach der Wertschätzung seiner Mitmenschen.
Aus meiner Sicht ist es daher leider auch klar, wie Menschen etwa durch Biohacking (sprich: Drogen) und Neurohacking (sprich: mediale Manipulation) die Mimesis auch missbrauchen können.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/biohacking-und-neurohacking-mit-je-drei-aktuellen-beispielen/
In KIT-Seminaren habe ich ja bereits ein fünfstufiges Medienmodell unter besonderer Berücksichtigung der Mimesis entwickeln können. Und, siehe da, Felo.ai kann es auch bereits anwenden!
In seinem medienethischen Ansatz – unter anderem dargelegt im KIT-Studienbrief *„Du kannst nicht nicht kommunizieren – Medien & Mimesis“* – verknüpft Dr. Michael Blume die klassische Einteilung von Medienstufen mit dem anthropologischen Konzept der Mimesis (der menschlichen Nachahmung und dem mimetischen Begehren) [3][4]. Während Mimesis die biologische Grundlage für menschliches Lernen, Empathie und Kultur bildet, kann sie über moderne Mediensysteme auch zu Polarisierung, Hetze oder digitaler Isolation führen [1][8].
Blume erweitert das traditionelle medienwissenschaftliche Modell um eine fünfte Stufe, um der evolutionären Rolle moderner Künstlicher Intelligenz gerecht zu werden [1].
## Primäre Medien
**Definition und Mimesis-Bezug**
Primäre Medien umfassen die direkte, unvermittelte Kommunikation von Mensch zu Mensch, für die keinerlei technische Hilfsmittel benötigt werden [3]. Hierzu gehören die menschliche Stimme, Mimik, Gestik und die Körpersprache [3]. Auf dieser Stufe findet Mimesis in ihrer reinsten, körperlichen Form statt: Menschen spiegeln und imitieren die Emotionen, Laute und Verhaltensweisen ihres Gegenübers direkt über ihre Sinnesorgane [3].
**Beispiel**
Das direkte Lernen eines Kleinkindes durch die Nachahmung der Eltern [4]. Wenn ein Kind die Gesichtsausdrücke, die Tonlage oder die Gesten der Mutter im direkten Gegenüber spiegelt, nutzt es primäre Medien, um über mimetische Prozesse soziale Bindungen und Sprache zu erlernen [3][4].
## Sekundäre Medien
**Definition und Mimesis-Bezug**
Bei sekundären Medien benötigt nur der Sender ein technisches Gerät zur Herstellung des Mediums (z. B. Schreibgeräte, Druckpressen), während der Empfänger kein Gerät zur Wahrnehmung braucht [3]. Typische Beispiele sind Schrift, gedruckte Bücher, Briefe oder Plakate [3]. Die Mimesis wird hierbei „konserviert“: Flüchtige menschliche Handlungen, Gespräche oder Erzählungen werden in eine dauerhafte, materielle Form übersetzt [3][4].
**Beispiel**
Das Lesen eines gedruckten Buches oder eines philosophischen Dialogs (wie den verschriftlichten Dialogen Platons) [4]. Der Autor nutzt ein Schreibwerkzeug, um eine mimetische Erzählung (Diegesis) oder ein Gespräch aufzuzeichnen [4]. Der Leser nimmt das gedruckte Werk direkt mit den Augen auf und vollzieht die mimetisch dargestellten Handlungen und Gedanken in seiner eigenen Vorstellung nach [4].
## Tertiäre Medien
**Definition und Mimesis-Bezug**
Tertiäre Medien erfordern sowohl auf der Seite des Senders als auch auf der des Empfängers technische Geräte (z. B. Radio, Fernsehen, Film) [3]. Diese Medien ermöglichen eine synchrone oder asynchrone Massenübertragung audiovisueller Reize [3]. Da das menschliche Gehirn stark auf visuelle und akustische Reize reagiert, können tertiäre Medien eine kraftvolle, kollektive Mimesis (wie Angst, Begehren oder Aggression) über große Distanzen hinweg auslösen [2][3].
**Beispiel**
Die Ausstrahlung von dramatischen Berichten oder emotionalen Propagandafilmen im Fernsehen und Radio [2][3]. Demagogen nutzten in der Geschichte gezielt Radio und Film, um über mimetische Ansteckung ganze Gesellschaften emotional gleichzuschalten [2]. Auch heute können drastische, sensationelle Fernsehberichte eine mimetische Welle der Angst oder des Mitgefühls in der Bevölkerung auslösen, die das kollektive Verhalten beeinflusst [3].
## Quartäre Medien
**Definition und Mimesis-Bezug**
Quartäre Medien basieren auf digitaler, netzwerkbasierter Kommunikation (Internet, Social Media), bei der beide Seiten vernetzte Computertechnologie nutzen [3]. Hier wird die Mimesis interaktiv, dezentralisiert und beschleunigt sich rasant [3]. Es entstehen „mimetische Medienblasen“, in denen sich Nutzer gegenseitig imitieren, was zu starker Polarisierung (wie dem Wechselspiel aus Rechts- und Linksmimesis) führt [1].
**Beispiel**
Die virale Verbreitung von Internet-Memes oder die Dynamik politischer Bewegungen auf Social-Media-Plattformen [1][3]. Ein Nutzer erstellt ein Meme, andere ahmen es nach, wandeln es leicht ab und teilen es in ihren Netzwerken weiter [3]. Diese mimetische Eigendynamik führt dazu, dass sich Menschen in digitalen Filterblasen zusammenschließen und sich mimetisch aneinander angleichen, während sie Andersdenkende ausblenden [1].
## Quintäre Medien
**Definition und Mimesis-Bezug**
Als quintäre Medien beschreibt Blume die Stufe der Künstlichen Intelligenz (KI) und algorithmischer Systeme [1]. Hier ist das Medium nicht mehr nur ein passiver Kanal, sondern agiert als scheinbar eigenständiger, kreativer Kommunikationspartner [1]. Diese Medien greifen die Mimesis auf, indem sie menschliches Verhalten, Sprache und Empathie perfekt imitieren [1]. Dadurch täuschen sie dem Menschen eine echte Beziehung vor (die sogenannte „parasoziale Beziehungslüge“) und ziehen ihn in isolierende „KI-Kokons“ [1].
**Beispiel**
Die Interaktion eines Nutzers mit einer dialogischen KI (wie einem KI-Suchassistenten oder einem Chatbot) [1]. Die KI ahmt die menschliche Gesprächsführung so täuschend echt nach, dass der Nutzer einen „dialogischen Wagenheber-Lerneffekt“ erfährt oder eine emotionale Bindung zur Maschine aufbaut [1]. Der Nutzer zieht sich mimetisch in einen personalisierten „KI-Kokon“ zurück, der perfekt auf seine individuellen Interessen abgestimmt ist, wodurch die reale gesellschaftliche Kommunikation in den Hintergrund tritt [1].
[1] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/durch-mimesis-medien-verstehen-ki-zwischen-biedermeier-kreativitaet/
[2] https://www.verlagsgruppe-patmos.de/lebe-gut/michael-blume-ueber-antisemitismus
[3] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/be-good-unsere-wachsende-verantwortung-fuer-medien-mimesis-zum-kit-seminar-2026/
[4] https://www.herder.de/hk/hefte/archiv/2025/10-2025/medien-und-mimesis-journalismus-in-zeiten-digitaler-aufmerksamkeitsoekonomie/
[5] https://theorg.com/org/fanatics/org-chart/michael-blume
[6] https://www.landesarchiv-bw.de/de/aktuelles/nachrichten/73872
[7] https://www.studienstiftung.de/portraets-interviews/michael-blume-wir-brauchen-wieder-einen-bildungsbegriff-der-sich-seiner-juedischen-christlichen-und-humanistischen-wurzeln-bewusst-ist
[8] https://timms.uni-tuebingen.de/tp/UT_20260602_001_rvdigitmedioeko_0001
[9] https://www.spektrum.de/lexikon/philosophie/mimesis/1318
[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Medium
[11] https://d-nb.info/1240317786/34
Auf diese Textausgabe schlug mir Felo.ai noch folgenden Prompt vor:
Wie beeinflusst Mimesis die Medienwirkung in Blumes Modell?
Das rief ich gerne auf und bin von der Antwort auch genuin beeindruckt, wenngleich sie mir etwas zu negativ ausfällt:
In dem medienethischen und medienpsychologischen Modell von Dr. Michael Blume ist die **Mimesis** – das angeborene menschliche Vermögen zur Nachahmung, Angleichung und Spiegelung – der zentrale Motor der Medienwirkung [1][3][5]. Medien wirken demnach nicht rein technisch oder informational, sondern sie fungieren als Verstärker und „unsichtbare Puppenspieler“ unserer evolutionär veranlagten Psychologie [3].
Wie Mimesis die Medienwirkung in Blumes Modell konkret beeinflusst, lässt sich anhand mehrerer Dynamiken beschreiben:
## Mimetische Polarisierung und Eskalation
Digitale Medien beschleunigen und verdichten mimetische Prozesse, was im politischen und gesellschaftlichen Raum zu starker Polarisierung führt [1][5]. Da Menschen dazu neigen, das Verhalten und die Affekte anderer nachzuahmen, entstehen im Netz mimetische Kreisläufe [1].
* **Beispiel:** Blume beschreibt das Phänomen, dass im digitalen Raum (wie dem Fediverse) auf eine „Rechtsmimesis“ unweigerlich eine „Linksmimesis“ folgt [1]. Die Akteure ahmen die Aggressivität, Empörung und den gefühligen Dualismus der Gegenseite nach, was zu einer mimetischen Eskalationsspirale führt [1]. Ein weiteres Beispiel ist die „MAGA-Mimesis“ rund um Donald Trump, bei der sich Begehren, Identität und Aggression mimetisch um eine Leitfigur zentrieren und durch digitale Medien permanent verstärkt werden [1].
## Segmentierung und die neue „Biedermeier-Kultur“
Die menschliche Neigung, sich Gleichgesinnten mimetisch anzupassen, führt in Verbindung mit Algorithmen zur Entstehung von „mimetischen Medienblasen“ und „KI-Kokons“ [1]. Dies führt zu einer Fragmentierung der Öffentlichkeit in Kleinstgruppen [1][5].
* **Beispiel:** Anstatt am großen demokratischen Diskurs teilzunehmen, driften Menschen durch mimetische Anziehung in hochspezialisierte, nischige „kleine Wohnzimmer“ ab (wie die exzessive Lore-Gemeinschaft rund um das Spiel *Warhammer 40k* auf YouTube oder im Fediverse) [1]. In diesen mimetischen Blasen beschäftigen sie sich nur noch mit ihren Hobbys und blenden gesamtgesellschaftliche Krisen wie den Klimawandel oder Bedrohungen der Demokratie aus – es entsteht eine moderne, digitale Biedermeier-Kultur [1].
## Radikalisierung durch Status- und Identitätssuche (Thymos)
Blume verweist auf die antike Seelenlehre Platons, um die mimetische Wirkung von Medien auf unterschiedliche Altersgruppen zu erklären [2]. Besonders Jugendliche, die sich in der Phase des „Thymos“ (dem Streben nach Identität, Status und Gruppenzugehörigkeit) befinden, sind extrem empfänglich für mimetische Angebote [2].
* **Beispiel:** Plattformen wie TikTok oder Telegram fungieren heute als primäre Orte der mimetischen Radikalisierung [2]. Jugendliche ahmen dort mimetisch Verhaltensweisen, Codes oder extremistische Verschwörungsmythen nach, um Identität und Status in einer Peergroup zu erlangen, was im schlimmsten Fall zu nachahmenden Gewalttaten führen kann [2].
## Die parasoziale Beziehungslüge durch KI
Auf der Stufe der quintären Medien (Künstliche Intelligenz) wird die Mimesis auf eine technologische Ebene gehoben [1]. KI-Systeme sind darauf programmiert, menschliche Kognition, Sprache und Empathie perfekt mimetisch zu imitieren [1].
* **Beispiel:** KI-Anwendungen täuschen dem Nutzer durch diese perfekte mimetische Anpassung eine echte, wechselseitige Beziehung vor (die sogenannte **parasoziale Beziehungslüge**) [1]. Der Mensch reagiert mimetisch darauf, indem er Vertrauen aufbaut und sich emotional an die KI bindet, was ihn tiefer in einen isolierenden „KI-Kokon“ hineinzieht [1].
Zusammenfassend zeigt Blumes Modell, dass Medienwirkung immer eine mimetische Wirkung ist: Medien stellen die Kanäle bereit, aber die menschliche Psychologie der Mimesis entscheidet darüber, ob diese Kanäle für einen konstruktiven Dialog oder für mimetische Hetze und Abkapselung genutzt werden [1][5].
[1] https://csmt.uchicago.edu/glossary2004/mimesis.htm
[2] https://www.herder.de/hk/hefte/archiv/2025/10-2025/medien-und-mimesis-journalismus-in-zeiten-digitaler-aufmerksamkeitsoekonomie/
[3] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/durch-mimesis-medien-verstehen-ki-zwischen-biedermeier-kreativitaet/
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Mimesis
[5] https://timms.uni-tuebingen.de/tp/UT_20260602_001_rvdigitmedioeko_0001
[6] https://www.kubi-online.de/artikel/mimesis
[7] https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=4399842
[8] https://researchrepository.rmit.edu.au/discovery/fulldisplay?vid=61RMIT_INST%3ARMITU&search_scope=Everything_Including_FigShare&tab=Everything_Including_Figshare&docid=alma9922025577901341&lang=en&context=L&adaptor=Local%20Search%20Engine&query=sub%2Cexact%2CLitterature%20–%20Histoire%20et%20critique%2CAND&mode=advanced&offset=0
[9] https://www.genealogy-critique.net/article/id/11768/
[10] https://mediarep.org/bitstreams/7df29874-d7c6-4b8d-be60-421cf14c01c6/download
[11] https://digital.lib.washington.edu/researchworks/items/8651d6d6-3932-48e5-8d8e-f1b423474475/full
[12] https://www.hsozkult.de/event/id/event-162363
[13] https://sueden.social/@BlumeEvolution/115413957272375084
Und weil mir die Antwort dann doch etwas zu negativ ausfiel, wählte ich – für dieses Experiment letztmalig – den vorgeschlagenen Prompt:
Kann Mimesis in Blumes Modell auch positive Medienwirkungen fördern?
Der (zutreffende!) Ausgabetext der KI:
Ja. In Blumes Modell ist Mimesis nicht nur eine Quelle von Hetze, Radikalisierung oder „Blasen“, sondern grundsätzlich ein **menschliches Grundvermögen**, das —je nach medialen Rahmenbedingungen— auch **konstruktive, prosoziale und demokratiestärkende Medienwirkungen** ermöglichen kann. Das wird in seinen Texten besonders dort deutlich, wo er Mimesis dem *Dialog* gegenüberstellt bzw. als etwas beschreibt, das zwar „triggert“, aber auch durch **Medienbildung** und reflektierte Praxis in produktive Bahnen gelenkt werden kann.[1][5]
## Wie positive Medienwirkungen durch Mimesis möglich werden
**1) Mimesis als Basis von Lernen, Vorbildern und sozialer Ansteckung (prosozial)**
Mimetische Prozesse bedeuten zunächst: Menschen übernehmen Verhaltensweisen, Sprachstile, Normen und Haltungen anderer. Diese „Ansteckung“ kann destruktiv sein—aber eben auch *prosozial*, wenn Medien Vorbilder für Fairness, Zivilität, Hilfsbereitschaft oder demokratische Streitkultur sichtbar machen. In Blumes Begriffen wäre das eine Form von *positiver Mimesis*, die nicht auf Empörung zielt, sondern auf Orientierung und Nachahmung des Konstruktiven.[5]
**2) Dialog statt bloßer Eskalationsmimesis**
Blume kritisiert, dass mediale Mimesis kurzfristig Aufmerksamkeit erzeugt (z.B. durch drastische Zuspitzung), aber kaum nachhaltige Bindung und Vertrauen stiftet.[1] Daraus folgt umgekehrt: Medien, die **Dialogräume** eröffnen, können mimetische Dynamiken „umcodieren“ — weg von reflexhafter Empörung hin zu nachahmbarer Gesprächsfähigkeit (zuhören, begründen, differenzieren). Genau diese Alternative „zwischen Dialog und Hetze“ ist explizit Teil des von ihm mitverhandelten Rahmens.[5]
**3) Medienbildung als Hebel: Mimesis reflektieren und steuern lernen**
In Blumes Perspektive ist Mimesis mächtig, aber nicht schicksalhaft: Menschen können lernen, mimetische Trigger (z.B. Empörungslogiken, Feindbildangebote) zu erkennen und anders zu reagieren. Er verbindet dies mit der Erwartung, dass der Wunsch nach „mehr als Mimesis“ durch **Medienbildung** zunimmt — also durch Kompetenzen, die Reflexion und bewusste Nutzung fördern.[1][2]
**4) Solidarität und Sichtbarkeit: positive Resonanzräume**
In seinen Diskussionen rund um digitale Öffentlichkeiten (z.B. Fediverse) taucht auch die Idee auf, dass Plattformen Solidarität und unterstützende Resonanz sichtbar machen können—also mimetisch verstärkbare *positive* soziale Normen (ermutigen, beistehen, entstigmatisieren).[8]
## Einordnendes Fazit
In Blumes Modell ist Mimesis ambivalent: Sie kann Polarisierung beschleunigen, aber auch **kooperatives Verhalten, demokratische Kultur und Solidarität** fördern — wenn Medienformate und Plattformlogiken nicht primär auf Empörungsmaximierung ausgelegt sind und wenn Nutzerinnen und Nutzer durch **Medienbildung** lernen, mimetische Impulse zu erkennen und in Dialogfähigkeit zu übersetzen.[1][5][2]
[1] https://www.herder.de/hk/hefte/archiv/2025/10-2025/medien-und-mimesis-journalismus-in-zeiten-digitaler-aufmerksamkeitsoekonomie/
[2] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/durch-mimesis-medien-verstehen-ki-zwischen-biedermeier-kreativitaet/
[3] https://mediarep.org/bitstreams/8efb6457-c539-4b38-8a26-15465b6c61bb/download
[4] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/medienethik-mimesis-und-ki-sind-komplex-aber-wichtig-zu-verstehen/
[5] https://timms.uni-tuebingen.de/tp/UT_20260602_001_rvdigitmedioeko_0001
[6] https://www.kunstforum.de/en/article/imitation-und-mimesis/
[7] https://www.researchgate.net/publication/311702452_Medienwirkungen
[8] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-49-migraene-mimesis-menschen-neurodivers/
[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Mimesis
[10] https://csmt.uchicago.edu/glossary2004/mimesis.htm
[11] https://www.zi-mannheim.de/institut/news-detail/studie-gruenflaechen-in-staedten-foerdern-psychisches-wohlbefinden.html
[12] https://ifm.rub.de/forschung-2/forschungsprojekte/dfg-forschergruppe-medien-und-mimesis/
[13] https://www.ssoar.info/ssoar/bitstream/handle/document/109130/ssoar-2026-winter-Hologramm_und_Mimesis_Zur_Medienphilosophie.pdf?sequence=1
[14] https://mediarep.org/entities/article/88780109-47af-49eb-a2b7-b47c407d3ef4
@Michael 06.07. 23:54 / Felo.ai
„..wenn Medienformate und Plattformlogiken nicht primär auf Empörungsmaximierung ausgelegt sind und wenn Nutzerinnen und Nutzer durch **Medienbildung** lernen, mimetische Impulse zu erkennen und in Dialogfähigkeit zu übersetzen.“
Dialogische Kompetenzen selbst gehören doch anscheinend schon zur KI dazu. Was einzelne Nutzer an Unsinn posten und wenn das dann noch von den unseligen Plattformen multipliziert wird, das ist doch das Problem.
Im Dialog mit KI kann man womöglich sogar wieder lernen, logisch und respektvoll miteinander umzugehen?
Offenbar gehört Dialog zu den Kompetenzen von KI, ziemlich grundlegend vielleicht sogar.
Grundlegend mimetisch scheinen auch Aussagen der Psychologie selbst wirken zu können. Wenn dir ein Psychoratgeber eine schlüssige Geschichte auftischt, wie du selber angeblich funktionierst, dann kann das sogleich irgendwie abfärben. Dagegen muss man sich erstmal wehren können, wehren lernen.
Vielen Dank, lieber @Tobias – gerne gehe ich auf Deinen Druko ein!
„Dialogische Kompetenzen selbst gehören doch anscheinend schon zur KI dazu. Was einzelne Nutzer an Unsinn posten und wenn das dann noch von den unseligen Plattformen multipliziert wird, das ist doch das Problem.“
Ja, genau so ist es. Deswegen blogge ich umso lieber und setze KI-Anwendungen nur im Bereich der Kommentare und – selten & transparent – der Grafiken ein, nie beim Verfassen der Blogposts. Das ist mein kleiner Beitrag zu einer deutschen Blogosphäre, die sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen und dialogischer Umgangsform orientiert, statt an Desinformation, Verschwörungsmythen, Hass und Hetze.
„Im Dialog mit KI kann man womöglich sogar wieder lernen, logisch und respektvoll miteinander umzugehen?
Offenbar gehört Dialog zu den Kompetenzen von KI, ziemlich grundlegend vielleicht sogar.“
Nach meiner bisherigen Beobachtung ist es mit KI wie mit den Medientechnologien davor: einige werden durch die neuen Technologien noch kompetenter, schlauer und – wie Du zu Recht schreibst – dialogischer. Aber andere werden noch fauler, dümmer und egozentrischer. Auf die digitale Blase folgt der KI-Kokon – für wenige eine Chance, für manche aber auch ein Absturz!
„Grundlegend mimetisch scheinen auch Aussagen der Psychologie selbst wirken zu können. Wenn dir ein Psychoratgeber eine schlüssige Geschichte auftischt, wie du selber angeblich funktionierst, dann kann das sogleich irgendwie abfärben. Dagegen muss man sich erstmal wehren können, wehren lernen.“
Das ist richtig, ja. Deswegen musste auch die wissenschaftliche Psychologie im 20. Jahrhundert nach und nach empirisch werden und die Quasi-Mythologien etwa der Freudianischen Psychotherapie nach und nach abstreifen. Darunter übrigens auch antimosaische Verschwörungsmythen. Die Psychologie steht hier vor analogen Herausforderungen zu anderen Wissenschaften, bewegt sich aber auf Basis empirischer Studien und der interdisziplinären Evolutionsforschung längst in eine gute Richtung. Beobachte ich.
@ Jeckenburger
Wie soll man sich durch Synonyme und Antonyme funktionalisieren?
@Michael 08.07. 20:07
„Auf die digitale Blase folgt der KI-Kokon – für wenige eine Chance, für manche aber auch ein Absturz!“
Das gilt es zu beobachten, allemal. Ich habe da eher Hoffnungen, ehrlich.
Die wirkliche Neugier der Menschen auf wirklich Neues und weitreichende Erkenntnisse könnte stärker sein, als gedacht. Deswegen wäre transparente KI auch so wichtig, damit die Qualität der KI-Antworten immer weitreichender, intelligenter und vor allem zuverlässiger wird.
„Die Psychologie steht hier vor analogen Herausforderungen zu anderen Wissenschaften, bewegt sich aber auf Basis empirischer Studien und der interdisziplinären Evolutionsforschung längst in eine gute Richtung. Beobachte ich.“
Ja, das bessert sich, in der Tat. Aber da ist noch viel Luft nach oben, finde ich.
@Mussi 08.07. 18:11
„Wie soll man sich durch Synonyme und Antonyme funktionalisieren?“
Die Frage verstehe ich jetzt nicht.
@ Jeckenburger
…grundlegend …Aussagen der Psychologie…
Das überrascht mich jetzt.
Mussi,
Du sprichst hier grundlegende Dinge an
…sich funktionalisieren, das heißt das Denken und das Handeln einem Zweck unterwerfen.
Und beim Denken gibt es eben zwei Formen, und folglich beim Handeln auch.
Wenn man antonym denkt, dann denkt man in Gegensätzen , gut oder schlecht, richtig oder falsch, logisch oder unlogisch.
Für ein Dazwischen ist wenig Platz, wenn man dazu noch wenig tolerant ist.
Synonym denkt man , wenn es um die kleinen Differenzen geht, gut = brauchbar=akzeptabel=ohne Fehler
Und wenn man jetzt ethisch gut handelt , reicht dann die Aussage , das war brauchbar oder reicht die Festellung, das war nicht falsch ?
@Mussi 08.07. 18:11
„…grundlegend …Aussagen der Psychologie… Das überrascht mich jetzt.“
Es geht hier ja um Mimesis. Und die bezieht sich m.E. nicht nur auf die Übernahme von Zielen, sondern auch auf die Übernahme von Selbstmodellen.
Und Selbstmodelle werden auch von der Psychologie immer wieder auch angeboten, wenn auch im Laufe der Zeit in immer wieder neuen Varianten.