Meine Wahlanalyse Sachsen-Anhalt: Demografie, Publikative & Rechtsmimesis

Nach Wehrdienst und Bankausbildung studierte ich Politik- und Religionswissenschaften an der Universität Tübingen in Baden-Württemberg. Doch meine Eltern stammen aus Sachsen-Anhalt und als Kind verbrachte ich viele (& glückliche) Zeiten auf dem Bauernhof meiner Großeltern in Jeggau, Kreis Gardelegen. Wie meine Ehefrau Zehra – deren Eltern aus der Türkei nach Baden-Württemberg einwanderten – hat auch meine Familie eine Migrationsgeschichte.

Ich blogge das, weil ich in den letzten Monaten wieder oft mit der unglaublichen Arroganz vieler nur westdeutscher Vermutender konfrontiert war, die erkennbar keine Ahnung vom Leben im real existierenden Sozialismus und Post-Sozialismus haben und auch nicht in der Lage sind, ihre immergleichen Thesen über „den Kapitalismus“ und „Neoliberalismus“ mal empirisch zu überprüfen. Besonders krass fand ich das auch politik-psychologische Versagen der Bundespolitik, die erkennbar kein Gespür und ehrliches Interesse für die verzweifelte Lage der demokratischen Parteien in Sachsen-Anhalt hatte.

Dabei wissen wir doch inzwischen seit Jahren empirisch gesichert, dass Wahlentscheidungen sehr viel weniger von der realen Situation als von der sozialen und medialen Wahrnehmung (!) von Situationen bestimmt werden. Schon vor neun Jahren war beispielsweise klar, dass nicht etwa Arbeitslosigkeit der entscheidende Faktor für die Wahl von politischen Dualismen war, sondern Zukunftsangst.

Datengrafik von Michael Blume von 2017, die die Parteipräferenzen der Deutschen nach der Zukunftserwartung aufschlüsselt. Demnach glaubten deutliche Mehrheiten der Anhängenden von CDU/CSU, SPD, Grünen und FDP "das alles gut wird", wogegen dies nur eine sehr knappe Mehrheit der Linken (51% zu 49%) und eine deutliche Minderheit von 29% der AfD-Anhängenden tat. Hier meinten 77%, sie hätten "häufig Angst vor dem, was kommen wird".

Bereits 2017 wurden ökonomisch-reduktionistische Thesen durch die Wahlergebnisse und Befragungen empirisch falsifiziert, die stattdessen die Bedeutung von Zukunftserwartungen aufzeigten. Grafik: Michael Blume 

Ich meine daher, dass sich die Wahlergebnisse auch in Sachsen-Anhalt (& weit darüber hinaus) sehr präzise über drei Faktoren erklären lassen.

1. Demografie – In schrumpfenden Gebieten erstarken Reaktanz, Verlustängste & Verschwörungsmythen

Nach meiner Beobachtung verdrängen viele Rechte noch immer die Klimakrise und viele Linke & Wirtschaftsliberale noch immer die Auswirkungen der säkularen Geburtenimplosion. Dabei sehen wir doch auch etwa in Japan, dass in schrumpfenden Bevölkerungen Verbitterung, Zukunftsängste und auch Rassismus zunehmen (Verschwörungsmythen vom „Great Replacement“), weil Schulen und Betriebe schließen, Immobilien verfallen, das eigene Leben als entwertet erscheint, Zukunftshoffnungen schwer fallen und weitere Menschen wegziehen.

Säkular vom lateinischen saeculum = Jahrhundert ist übrigens kein Religions-, sondern ein Zeitbegriff: Die Säkularisierung bezeichnete eine Umwidmung etwa von Gebäuden, Gegenständen oder Menschen von der geglaubten Ewigkeit auf die zeitliche Endlichkeit.

Es gibt weltweit eine psychologische Verbindung zwischen säkular ent-täuschendem Individualismus und eskalierendem Narzissmus (vgl. die Deutung d von Andreas Püttmann).

In Folge 51 von Blume & Ince wurde auch anhand der "Work-Life-Balance"-Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) diskutiert, inwiefern sich ein demografischer Niedergang durch Mehrarbeit aufhalten lasse.

Der BWL-Professor Dr. Inan Ince hat in Japan studiert. Wir diskutierten in Folge 51 unseres Pod- und Videocasts über den Zusammenhang von Demografie, Deindustrialisierung und Rechtsruck in Asien und Europa. Screenshot: Michael Blume

2. Publikative – Die Nutzung algorithmischer Konzernmedien korrespondiert mit stärkerer, politischer Polarisierung, vgl. Altersverteilung 

Eine meiner frühesten, politischen Erfahrungen schon als Kind war das Lesen von Zeitungen in West- und Ostdeutschland und der damit verbundene Verlust eines naiven Realismus. Von meinen Verwandten in der damaligen DDR erfuhr ich, dass Zeitungen von der SED kontrolliert würden und ihnen daher nicht zu trauen sei. Wer ernsthaft meint, über algorithmische Konzernmedien aus den USA oder gar China ließe sich dieses Medienvertrauen wieder aufbauen, hat nach meiner Einschätzung genau gar nichts verstanden. Die AfD oder auch z.B. Salafisten bieten Suchenden mediale Blasen von „Misstrauensgemeinschaften“ (Aladin al-Mafaalani) an.  

Auch die Wahlergebnisse bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt 2026 nach Altersgruppen zeigt, dass die politische Polarisierung in jenen Generationen zunimmt, umso stärker diese digital geprägt wurden.

Die Grafik zeigt die Stimmanteile für Parteien nach den Altersgruppen bei der Landtagswahl 2026 in Sachsen-Anhalt. Demnach schnitt die CDU bei den Über-70jährigen mit 30% noch am stärksten ab, erzielte in der jüngeren Generation von 18 bis 24 Jahren aber nur noch fünf Prozent. In den jüngeren Generationen waren aber auch linke Parteien am stärksten vertreten. Link führt zum Artikel und zur Datenquelle beim STERN.

Wer etwa aufgrund eines reduktionistischen Materialismus die Auswirkungen der digitalen Medienrevolution nicht ernstnimmt, versteht die Wahr-Nehmungen von Menschen nicht. Grafik: Stern/due 2026 nach Daten von Infratest Dimap für die ARD 

3. Rechtsmimesis – Die Nachahmung der Abwertung von Menschengruppen durch demokratische Parteien & die Bundesregierung stärkt immer wieder nur den Faschismus

In den vergangenen Monaten schwappte mal wieder eine Variante der „Issue Ownership“-These aus der englischsprachigen Politikwissenschaft durchs deutsche Netz, wonach sich Menschen an Parteien und „deren“ Themen orientieren würden. Wenn sich also die Union und FDP um Migration „sorgen“ würden, so würde davon die AfD profitieren. Und wenn sie also Klima- und Hitzeschutz ernst nehmen, dann die Grünen?

Die These verallgemeinert hoch spezialisiertes, parteipolitisches Denken auf die gesamte Menschheit – und ist damit schwach. Denn evolutionär ist die menschliche Psychologie selbstverständlich nicht auf „Parteien“ und „Diskurse“ geeicht, sondern auf beobachtbare Mitmenschen. Wir übernehmen voneinander äußerliches Verhalten (Imitation), vor allem aber Werte und Ziele (Mimesis). Sonst hätten Werbungen für Autos oder Wahlplakate mit lächelnden Gesichtern ja keinerlei Effekt.

Und umgekehrt: Wenn etwa ein Bundeskanzler über „Stadtbild“-Äußerungen gegen zugewanderte Menschen hetzt (Rechtsmimesis) oder Feuerwehrleuten für ihren Einsatz gegen die eskalierenden Brände dankt (Anerkennung, Menschenwürde), dann sind das nicht einfach unterschiedliche „Issues“, sondern psychologisch völlig unterschiedliche Signale!

Schon Adorno und Horkheimer erkannten in ihrer „Dialektik der Aufklärung“ von 1944 (!) die Menschen angeborene & medial („Kulturindustrie“) verzerrte Mimesis als Schlüssel zur Erklärung von Faschismus und Antisemitismus.

Oder in einfacher Sprache: Wenn ein Bundeskanzler mit Privatflugzeug eine Menschengruppe nach der anderen in Videoclips sprachlich abwertet – mal Migranten als „Pashas“ im „Stadtbild“, dann wieder Familien in der „Work – Life – Balance“ und eine alleinerziehende Kinderärztin als „Nutznießerin“ – dann besänftigt er damit Zukunftsängste und Wut der Menschen nicht, sondern feuert sie mimetisch an. Es geht hier nicht um abstrakte „Parteien-Issues“, sondern um menschliche Grunderfahrungen zwischen Angst und Vertrauen, Kälte und Gemeinschaft, Vertrag und Bund.

Wo die ostdeutsche Pfarrerstocher und Physikerin Angela Merkel (CDU) mit Ruhe und einer klaren Orientierung an der Menschenwürde also noch Vertrauen weit über ältere Stammwählerschaften hinaus stiften konnte, halbierte der westdeutsche Blackrock-Millionär Friedrich Merz (CDU) mit rechtslibertärer und fossiler Engführung nicht die AfD, sondern die CDU. Auch dazu hatten wir bereits im April 2025 im Trialog mit der CDU-CDA-Bundesvorständin Monica Wüllner gesprochen.

Der in Leipzig (!) lebende, für seinen Mut auch gegenüber rechter Ästhetik bekannte Kulturwissenschaftler Wolfgang Ullrich legte zur Wirkung von bildhaften Memes übrigens gerade das sehr lesenswerte Buch „Memokratie – Soziale Medien und autoritäre Bildpolitik“ (2026) vor. Den Solarpunk empfehle ich auch deswegen, weil Zukunftserzählungen (Sprach-)Bilder brauchen!

Ein Graffito mit dem Dreisatz „liberté – egalité – biodiversité“, gefunden und fotografiert in La Souterraine, Frankreich.

Menschliche Zukunftshoffnungen gehen über finanzielle Motive hinaus. Ein Graffito „liberté – egalité – biodiversité“, gefunden und fotografiert in La Souterraine, Frankreich: Michael Blume

Als seit Jugend aktiver Christdemokrat hatte ich schon bei den ersten Aussetzern von Merz & Lindner (FDP) im deutschen Bundestag 2025 vor der Rechtsmimesis gewarnt, entsprechend danach auch die politischen und medialen Kampagnen der Bundestagswahl analyisiert – und sehe den zugleich evolutions-, sozial- und medienpsychologischen Zugang der Mimesis inzwischen leider völlig bestätigt. Das politische Verhalten, die faktische Entmachtung & Dauer-Demütigung des deutschen Bundestages und die kalt und verächtlich wirkende Kommunikation aus der Bundesregierung wirken über Videoclips noch viel stärker, als es etwa in Zeitungsdemokratien der Fall war.

Beobachte ich.

Avatar-Foto

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

92 Kommentare

  1. Vielen Dank für diese korrekte, schmerzhafte Analyse. Das Wahlergebnis ist leider keine Überraschung. Aber allen demokratisch empfindenden Menschen stehen harte Zeiten bevor. Um in einem politisch ungerechten, wahrscheinlich menschenverachtenden System gemeinsam zu überleben, braucht es Solidarität. Mir geht schon seit gestern Mascha Kalekos Gedicht „Rezept“ durch den Kopf -keine Flucht vor dem Alltag, aber das Wissen, dass auch das Schwere nicht ewig dauert. Und ich denke an einen (Bild)Text von Marina Weisband, die sinngemäß schreibt, dass sie heute ihre Samen (der Hoffnung) so tief pflanzt, dass diese kommende Feuer unbeschadet überstehen. Sie denkt gewissermaßen in Kategorien von Futur 2: irgendwann werden wir überstanden haben und sind auf eine bessere Zukunft vorbereitet. Den entmutigten Menschen in meinem Umfeld in Sachsen, die für unser Bundesland ähnliches befürchten, möchte ich mit Zuversicht und Hoffnung antworten: unsere Kraftquelle , die im christlichen Glauben wurzelt, ist tragfähig. Noch wichtiger: sie ist für Populisten unantastbar und unerreichbar.

    • Vielen herzlichen Dank und sehr viel Zustimmung, @Ines Schauer – auch dafür, dass Sie mit in die Tiefe der Begriffe und Zukunftsgefühle gehen. 🙏

      So habe ich gerade auch gestern in Konstanz an der Fertigstellung einer neuen Thorarolle – gewidmet der Geburt einer anwesenden und goldigen Enkelin – teilnehmen dürfen:

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117224753252948037

      Und, ja, sehr bewusst hatte ich zum Aufstieg rechtsdualistischer Parteien in demografisch implodierenden Regionen (und zu treffenden Ansagen von Marina Weisband) verschiedentlich gebloggt:

      „Säkular vom lateinischen saeculum = Jahrhundert ist übrigens kein Religions-, sondern ein Zeitbegriff: Die Säkularisierung bezeichnete eine Umwidmung etwa von Gebäuden, Gegenständen oder Menschen von der geglaubten Ewigkeit auf die zeitliche Endlichkeit.“

      Während viele Linke und Liberale unter den Erschütterungen eines linearen Fortschritts- und Wachstumsglaubens leiden, fliehen viele Rechte in die Illusion einer nur angeblich „guten, alten Zeit“. Algorithmische und fossile Konzernmedien fachen diese Rechtsmimesis gezielt an und einige Bundespolitiker taumeln durch diese neue Medienlandschaft, als gebe es kein Morgen.

      In seinem bemerkenswerten Buch „The Politics of Hope“ formulierte Rabbi Jonathan Sacks (1948 – 2020), seligen Angedenkens, den Unterschied einer Vertragsgesellschaft und Bundesgemeinschaft, wie auch etwa zwischen Ehevertrag und Ehebund. Hier zitiert nach Random House 1997, Seite 63:

      „What constitutes society, on this view, is not a contract but a covenant (brit).

      One difference between them is that those bound by a covenant are ‚obligated to respond to one another beyond the letter of the law rather than to limit their obligations to the narrowest contractual requirements.“

      Another is that covenants have a moral component that renders them more binding and open-ended than could be accounted for in terms of interest.“

      Auf Deutsch:

      Was auf dieser Sichtweise die Gesellschaft ausmacht, ist kein Vertrag, sondern ein Bund (brit).

      Ein Unterschied zwischen ihnen ist, dass diejenigen, die an einen Bund gebunden sind, ‚verpflichtet sind, über das gesetzliche Minimum hinaus aufeinander zu reagieren, statt ihre Pflichten auf die engsten vertraglichen Anforderungen zu beschränken.‘

      Ein anderer ist, dass Bündnisse eine moralische Komponente haben, die sie bindender und offener macht, als man es nur durch Eigeninteresse erklären könnte.

      Auch deswegen versuche ich seit Langem, ein dialogisches Nachdenken darüber anzuregen, warum wir in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht in „Vertragsdemokratien“ leben, sondern in Bundes-Republiken. Es geht hier um existentielle, mythologische und mindestens zivilreligiöse Verhältnisse zur Zeit und Zukunft!

      Und schon der Holocaust-Überlebende und Philosoph zu Münster, Hans Blumenberg (1920 – 1996), seligen Angedenkens, wusste es doch bereits:

      „Enge der Zeit ist die Wurzel des Bösen“

      Deswegen kennen wir im Deutschen ja auch das Begriffspaar „Hass und Hetze“, die medial und digital befeuert werden. Weite der Zeit, bei spirituellen und religiösen Menschen auch gerne in eine Ewigkeit hinein, ist das, was immer mehr Menschen inzwischen fehlt.

      • Guten Morgen, @Michael,

        dass Du hier weiterhin, auch zu solchen Zeiten, präsent bist und zum Dialog einlädst, halte ich für immens wichtig.

        Deine Wahlanalyse ist sehr hilfreich. Ich habe dem heute nichts hinzuzufügen.

        Ich möchte aber gerne auch die hoffnungsvolle Perspektive von @Ines Schauer würdigen, dass es eine (hier im christlichen Glauben wurzelnde) Kraftquelle gibt, die

        „für Populisten unantastbar und unerreichbar“

        ist. Ich halte das für eine wunderbare und starke Botschaft.

        Auch lese ich in diesem Zusammenhang mit großem Interesse, wie Du von Deinem persönlichen Erlebnis mit der Thorarolle berichtest:

        „So habe ich gerade auch gestern in Konstanz an der Fertigstellung einer neuen Thorarolle – gewidmet der Geburt einer anwesenden und goldigen Enkelin – teilnehmen dürfen“

        … das mich an ein hinduistisches Ritual erinnert, von dem ein lieber Freund aus Kerala mir vor einiger Zeit Fotos geschickt hat:

        Beim Vidyarambham-Ritual (Sanskrit vidya bedeutet Wissen, und arambham bedeutet Anfang) schreiben Kinder ihre ersten Buchstaben des Alphabets mit dem Finger in ein mit Reis gefülltes Messingtablett. Diese Zeremonie führt das Kind in die Welt des Wissens und den Prozess des Lernens ein. Das Alphabet, wie Du es ja schon oft thematisiert hast, steht für diese Welt, öffnet den Zugang zu ihr.

        Vielleicht ist ja auch das – Bildung – etwas, das, um nochmal @Ines Schauer zu zitieren,

        „für Populisten unantastbar und unerreichbar“

        ist.

        Zumindest sollte das gelten in dem Sinne, in dem wir uns selbst, von den derzeitigen gesellschaftlichen Verwerfungen unbeirrt und stetig, weiter bilden und weiter entwickeln können, egal, was die Populisten tun.

        Wir müssen nur unsere Bildungsinstitutionen so gut wie möglich vor ihnen schützen, damit diese Kraftquelle auch für die nach uns Kommenden erreichbar bleibt.

        • Vielen herzlichen Dank für diesen wunderbaren und buchstäblich interreligiösen Beitrag zum Blog, lieber @Peter 🙏

          Und in der Tat sehe ich mit Sympathie den durchaus erfolgreichen Aufstand Studierender in der Bundesrepublik Indien gegen ein verkrustetes Parteien- und Politiksystem, wogegen die KP-diktatorische Volksrepublik China das Massaker an ihrer Studierendenbewegung von 1989 mit politischem, wirtschaftlichem und insbesondere demografischem Verfall bezahlt. Dass der direkt die Gesundheit und Mitwelt schädigende Anbau von Tabak enorme Suchtrenten für das KP-System erzeugt, unterstreicht nach meiner Auffassung die Menschenverachtung des dortigen Politik-, Wirtschafts- und auch Bildungssystems.

          Generell befasse ich mich derzeit viel mit dem Thema der toxischen Abhängigkeiten von Menschen – sei es durch Drogen, durch fossile Gewaltenergien, durch algorithmische Konzernmedien oder auch durch Desinformation als Lebenslügen. Ich vermute, dass wir die Entstehung eines neuen, interreligiösen und interdisziplinären Verständnisses von „Sünde“ erleben werden, das solche Abhängigkeiten erkennt, benennt und an vielen Stellen auch überwindet.

          Dir daher noch einmal herzlichen Dank für diesen starken Beitrag zum mir so zentralen Begriff der interkulturellen Herzens – Bildung! Es bedeutet mir viel, dass Du diesen wunderbaren Kommentar am Weltalphabetisierungstag eingestellt hast. 😌🔡🙏🌈

  2. Das alles ist stimmig und nachvollziehbar.

    Wahlentscheidungen, die auf emotionaler Basis getroffen werden.
    Sie schreiben von den Ängsten der Wählerinnen und Wähler, die bei vielen dazu führt, die AfD zu wählen. Ergebnisse wie gestern in Sachsen-Anhalt lösen nicht nur bei mir Angst und Sorgen aus. Wollen wir jetzt meine Angst gegen die Angst der AfD Wähler „aufrechnen“?

    Ich nenne das gesellschaftliche Spaltung. Darüber diskutieren wir ja schon länger. Bisher vertieft sich der Graben noch. Jürgen Klopp sagte bei der Pressekonferenz, auf der er als Bundestrainer der Nationalmannschaft der Männer vorgestellt wurde, dass er hoffe, dass man durch Erfolge der Nationalmannschaft den Nachbarn vielleicht etwas weniger blöd findet. „Nachbar“ nehme ich nicht im wörtlichen Sinne.

    Die Medien könnten zur Deeskalation innerhalb der Gesellschaft beitragen. Nur verkauft sich das eben nicht, bringt weder TV-Zuschauer noch Clicks im Internet.

    Worauf stelle ich mich ein? Ich bin realistisch. Weitere Wahlerfolge der AfD sind zu erwarten. Das politische Personal wird sich auf absehbare Zeit nicht ändern. Hass und Hetze werden zunehmen. Demokratinnen und Demokraten werden noch mehr auf einander losgehen.

    Ich habe MIT der AfD keine Zukunft. Andere meinen, sie hätten NUR MIT der AfD eine. Da gibt es keine Brücken.

    • Vielen herzlichen Dank für Ihren sehr tiefen und auch emotionalen Kommentar, @Marie H. 🙏

      Gerne möchte ich zwei Ihrer Schlüsselsätze aufgreifen.

      So schreiben Sie, erstens:

      Sie schreiben von den Ängsten der Wählerinnen und Wähler, die bei vielen dazu führt, die AfD zu wählen. Ergebnisse wie gestern in Sachsen-Anhalt lösen nicht nur bei mir Angst und Sorgen aus. Wollen wir jetzt meine Angst gegen die Angst der AfD Wähler „aufrechnen“?

      Genau das wäre dualistisch – und würde damit die Spaltungen nur immer weiter vertiefen. Denn die These der Rechtsmimesis besagt, dass sich gesellschaftliche Ängste politisch und medial gegenseitig befeuern.

      Konkret: Wenn zugewanderte Menschen, religiöse Minderheiten wie jüdische, jesidische, muslimische Menschen, Ärmere, Kranke, Alleinerziehende abgewertet werden – dann wird dies auch die Ängste beispielsweise von Rentnerinnen und Rentnern, von Hausbesitzenden oder Jugendlichen verstärken. Denn das Signal lautet: Es wird eng („Enge der Zeit“), also schaue jede Gruppe nur noch nach sich!

      Das Gegenstück dazu wäre, das Vertrauen ineinander durch eine konsequente Menschenwürde-Mimesis wiederherzustellen.

      Genau das habe ich beispielsweise bei meiner Rede vor Tausenden bei „Stuttgart hält zusammen“ (!) auch mit einiger Resonanz versucht, hier mit Video:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-rede-zu-stuttgart-haelt-zusammen-2024-dual-und-monistisch/

      Zweitens schreiben Sie:

      Ich habe MIT der AfD keine Zukunft. Andere meinen, sie hätten NUR MIT der AfD eine. Da gibt es keine Brücken.

      Ja, die Medien- und damit Zukunftsblasen sind extrem weit auseinander gefallen. Und genau das war auch in der Endzeit der Weimarer Republik geschehen – nicht zuletzt auch damals aufgrund eines tiefen Versagens der vor-digitalen Publikative!

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/journalismus-mit-brandstiftung-die-publikative-ist-die-schwachstelle-jeder-groesseren-demokratischen-republik/

      Gleichwohl zeigen die Beispiele Polen, Ukraine und insbesondere Ungarn, dass die Erfolge rechtsdualistischer Medienblasen nicht von Dauer sein müssen. Auch in den USA droht den US-Republikanern nach Verlusten in mehreren Städten und Kreisen landesweit eine massive Niederlage bei den nahenden Midterm-Wahlen.

      Ich möchte von Ihnen keine „Weite der Zeit“ einfordern, die Ihnen derzeit womöglich emotional nicht zugänglich erscheint. Aber ich kann nur davon abraten, den angsterfüllten Dualismus aus den Reihen der AfD in die eigene Weltdeutung zu übernehmen. Die Geschichte der Bundes-Republik ist noch nicht zu Ende, die entscheidenden Schlachten kommen erst noch. Auch etwa in Großbritannien hat der Wechsel vom „kalten“ Keir Starmer zum „föderalen“ Andrew „Andy“ Burnham der Psychologie des Landes eine merkbare (Zwischen-)Entlastung gebracht.

      • armes Deutschland…
        Aber puh. Vielleicht braucht es sogar dieses Schlimme, wie ein aubrechendes Geschwür… damit…

        Es lassen sich aus der letzten Zeit zwei lehren ziehen, na gut drei:
        die „sorgen der bürger ernstnehmen“ und Rechtsextreme nachahmen, funktioniert nicht. Nie.
        Der Rechtsextreme Ruck in der Welt geht auch zu Ende, siehe GB Ungarn Polen.
        Aber genau auch an denen u.a. hat man gesehen, dass es keine Entzauberung gibt, dass schlechtes Regieren der Rechtsextremen deren Wähler nicht groß umstimmt, weil alles Versagen auf die Feinde verschoben wird…
        (und natürlich beschädigt die polarisierende Aufeinander-Hetze und die faschistische Regierungsphase die gesellschaftliche Kultur und Diskussionspolitik nachhaltig und langwährend.)

        braucht es also in dem USA einen erneuten Bürgerkrieg?
        In Russland eine Revolution oder eine so starke Niederlage mit Besatzung und De-Putinisierung?
        In zb Sachsen-Anhalt mit einer afd-regierung solche Zustände* dass Bundeszwang nötig wird und – natürlich – endlich einen afd-verbotsantrag?

        o je.

        mut zur Utopie.
        positive zukunftserzählung
        Jetzt-erst-recht-Optimismus.

        *die zustände:
        Verfassungsbrüche. Widerstände.
        cdu-ler, die sich beim ambiedern an afd verbrennen und sogar übertreten, zusammenbrechende Koalitionen, beginnen mit kleinen Verfassungsbrüchen, die cduler ohne Gewissensbisse mitragen weil sie nicht nur rechtsmimesis betreiben sondern in Gegenteil insgeheim schon immer auch so dachten, Auswanderungen, bürgerkriegsähnliches wie in Weimar? Ach ne: eher nagend, zersetzendes, Biedermann und Höhnisches.. .

        ey ich versuche trotzdem optimistisch zu sein!

        Sachsen-Anhalt ist nicht Deutschland…

        • Vielen Dank, @Cornelia Gliem – Sie haben es auch emotional so gut verstanden wie bisher wenige! 🙏👍

          Als positiven Ausblick möchte ich Ihnen Griechenland anbieten: Gerade „weil“ die demokratische Republik keine riesige, fossile Industrie aufzuweisen hatte, konnte sie sich nach der Schuldenkrise auf Basis von erneuerbaren Wohlstandsenergien, Tourismus und Schiffbau / Handel wieder sehr schnell erholen. Und zahlt heute – unter einer christdemokratisch / bürgerlichen Regierung – im Rekordtempo Schulden ab, was wiederum zu niedrigeren Anleihezinsen führt.

          Ich stimme Ihnen also insofern zu, dass wir auch hier gerade die Selbstzerstörung des globalen Fossilismus miterleben. Aber ich bin mir sicher, dass dies nicht das Ende der Geschichte ist, sondern dynamische, energiedemokratische und lebenswerte Solarpunk – Arche – Regionen auch das 21. Jahrhundert bestehen werden.

      • Herzlichen Dank.

        Kein Mensch weiß, was noch vor uns liegt. Die Entwicklung in Ungarn und Polen ist sicher ein Lichtblick. Die waren aber nicht 40 Jahre geteilt in der jüngsten Vergangenheit.

        Noch regiert die AfD nicht. Wenn es soweit ist, wird sie vermutlich großen Schaden anrichten.

        Mir ist klar, dass viel davon abhängen wird, wie sich die demokratischen Parteien jetzt verhalten. Auch hier ist derzeit noch alles Spekulation.

        Besteht überhaupt noch die Chance auf ein Prüfverfahren?

        „Die Weite der Zeit“ sehe ich durchaus. Bezogen auf die hinter uns liegenden Jahrtausende ist ein Menschenalter nur ein Sandkorn. Aber ohne Sandkörner keine Sanddünen. Dünen erfüllen auch Schutzfunktionen. Im übertragenen Sinne schützen zahllose gleichgesinnte Menschen die Demokratie. Ich hoffe es.

        Beim Gedanken an AfD Wähler bin ich wütend. Aber im Gegensatz zu diesen achte ich deren Menschenwürde.

        Nichts ist vorprogrammiert. Die vor uns liegenden Herausforderungen ähneln manchen, die wir in der Vergangenheit hatten.

        Die militärischen Drohungen aus Moskau in der letzten Woche waren vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kein Zufall.

        Die nächsten Tage und Wochen werden uns noch oft an historische Kreuzungen führen. Ich wage keine Prognose.

        • Ja, @Marie H. – die Verunsicherung der unterjüngenden, deutschen Öffentlichkeit ist ein fossil finanziertes Medienspiel für Anfänger und wird inzwischen vor jeder Wahl durch Terror- und Drohnenattacken sowie ein paar wüste Drohungen durch Putin, Trump oder beide zelebriert. Das Thema Energiewende zu erneuerbaren Friedensenergien, die auch Heimat- und Wohlstandsenergien sind wird gezielt sabotiert.

          Beim YouTube-„Puppet Regime“ gibt es inzwischen sogar einen eigenen Clip dazu, der sich über das wirkungslose „Schließen von Kulturzentren“ durch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gegenüber Wladimir Putin lustig macht:

          https://www.youtube.com/shorts/0JVZx56-sf4

          Ich finde es ja nett, dass die Welt inzwischen über die deutsche Feigheit scherzen kann, aber ein wenig bitter ist es ja schon: Auch im fünften Kriegsjahr gegen die Ukraine darf mit der Gaslobbyistin Katherina Reiche (CDU) eine Fossilistin den Ausbau erneuerbarer Friedensenergien blockieren & auch die Publikative ignoriert die fossile Finanzierung der Demokratiefeinde Russland, Iran, Katar & Co. komplett:

          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/medien-2025-live-wird-eine-pm-ueber-erneuerbare-friedensenergien-aufgegriffen/

          Von dieser Kritik möchte ich ausdrücklich Bundes-Umweltminister Carsten Schneider (SPD) ausnehmen, der im Januar 2026 immerhin schon – und zu Recht – von erneuerbaren Sicherheitsenergien gesprochen hat:

          https://www.bundesumweltministerium.de/rede/carsten-schneider-die-erneuerbaren-energien-sind-sicherheitsenergien

          Inzwischen hat ja sogar der Putin-Verehrer @Realo hier auf dem Blog die Problematik des „Rohstoff – Fluches“ (der politikwissenschaftlichen Rentierstaatstheorie) erfasst, so dass ich Felo.ai um eine Zusammenfassung gepromptet habe:

          Blume sieht im Import fossiler Gewaltenergien eine doppelte Gefahr: Fossile Rohstoffrenten stärken autoritäre Machtapparate, während demokratische Abnehmerstaaten diese Apparate durch Öl-, Gas- und Kohlekäufe mitfinanzieren. So entstehen wirtschaftliche Abhängigkeiten, die außenpolitische Handlungsfähigkeit, Sicherheit und das Vertrauen in demokratische Institutionen untergraben können.

          ## Der Ressourcenfluch: Einnahmen ohne demokratische Rechenschaft

          Mit **Ressourcenfluch** ist die Beobachtung gemeint, dass großer Reichtum an leicht exportierbaren Rohstoffen wie Öl und Gas Staaten nicht automatisch demokratischer oder wohlhabender macht. Nach Blumes Perspektive können solche Einnahmen vielmehr Regierungen erlauben, sich weniger auf Steuern, produktive Wirtschaft und die Zustimmung ihrer Bevölkerung zu stützen.

          Wenn ein Regime seine Einnahmen vor allem aus Rohstoffexporten erzielt, kann es Sicherheitsapparate, Propaganda, Patronagenetzwerke und militärische Fähigkeiten finanzieren, ohne den politischen Ausgleich mit einer steuerzahlenden, politisch anspruchsvollen Bevölkerung in gleicher Weise suchen zu müssen. Blume hat diese Zusammenhänge in seinem Buch *„Öl- und Glaubenskriege. Wie das schwarze Gold Politik, Wirtschaft und Religionen vergiftet“* behandelt; seine Arbeit befasst sich ausdrücklich mit der Neigung rohstoffreicher Länder zu Diktatur und Krieg.[2]

          ## Fossile Importe als Finanzierung feindseliger Politik

          Blumes Argument zielt nicht allein auf die Förderländer, sondern ebenso auf die Käufer demokratischer Staaten. Bezahlen Demokratien dauerhaft für fossile Energieimporte aus autoritären Staaten, fließt ein Teil dieser Gelder in deren Staatshaushalte und damit mittelbar in Macht- und Repressionsstrukturen.

          Für Russland bedeutet das in dieser Logik: Einnahmen aus Öl und Gas erhöhen den finanziellen Spielraum für militärische Aufrüstung, Kriegführung, Einflussoperationen und autoritäre Herrschaft. Blume fasst dies zugespitzt so: In Öl- und Gasstaaten gebe es häufig autoritäre, teils antisemitische Regime; die Abnehmer finanzierten durch fossile Käufe letztlich auch deren Raketen.[10] Er warnt zudem vor einer fossilen Finanzierung antisemitischer Regime und terroristischer Gruppen.[1]

          ## Wie dadurch demokratische Republiken destabilisiert werden können

          Die Gefahr für demokratische Republiken entsteht nach dieser Sicht über mehrere miteinander verbundene Wege:

          – **Erpressbarkeit:** Wer bei Energie auf autoritäre Lieferanten angewiesen ist, kann bei Lieferstopps, Preisschocks oder politischen Drohungen unter Druck geraten. Das begrenzt die Fähigkeit, Menschenrechtsverletzungen oder Angriffskriege wirksam zu beantworten.
          – **Finanzierung äußerer Gegner:** Fossile Exporterlöse können Regimen Ressourcen für militärische Gewalt und Einflussnahme gegen demokratische Staaten verschaffen.
          – **Gesellschaftliche Polarisierung:** Hohe Energiepreise und Versorgungsängste können soziale Konflikte verschärfen. Solche Krisenlagen bieten Nährboden für populistische, verschwörungsideologische und demokratiefeindliche Mobilisierung.
          – **Stärkung autoritärer und antisemitischer Netzwerke:** Blume betont, dass Verschwörungsglaube nicht bei Jüdinnen und Juden stehen bleibe, sondern auch Medien, demokratische Politikerinnen und Politiker, Wissenschaft, Justiz und andere Andersdenkende zu angeblichen Mitverschwörern erkläre.[7] Wenn autoritäre Regime oder ihre Unterstützer solche Narrative verbreiten oder davon profitieren, trifft dies den demokratischen Pluralismus insgesamt.

          ## Energiedemokratie als Gegenmodell

          Daraus folgt bei Blume eine politische Begründung für erneuerbare, dezentral erzeugte Energie: Sie soll nicht nur Emissionen senken, sondern Abhängigkeiten von autokratischen Rohstoffexporteuren verringern. Er verbindet **Energiedemokratie** daher mit ökologischen, wirtschaftlichen und ausdrücklich demokratischen Vorteilen.[3]

          Die Kernaussage lautet: Eine Republik bleibt stabiler, wenn ihre Energieversorgung weniger Geld, Macht und geopolitischen Einfluss bei feindseligen autoritären Regimen konzentriert. Der Ausbau erneuerbarer Energien erscheint in dieser Argumentation deshalb auch als Sicherheits- und Demokratiepolitik – nicht nur als Klimapolitik.

          [1] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/meine-sorgen-2024-fossile-kriege-propaganda-wahlen-globale-wasserkrise/
          [2] https://chrismon.de/personen/48664/michael-blume
          [3] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/ki-experiment-kann-deep-ai-die-ressourcenfluch-und-rentierstaatstheorie-unterscheiden/
          [4] https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Blume
          [5] https://www.iclrs.org/blurb/michael-blume/
          [6] https://www.boell-bw.de/de/2022/12/05/dr-michael-blume-gegenstrategien-von-seiten-der-politik-und-den-institutionen
          [7] https://www.verlagsgruppe-patmos.de/lebe-gut/michael-blume-ueber-antisemitismus
          [8] https://www.studienstiftung.de/portraets-interviews/michael-blume-wir-brauchen-wieder-einen-bildungsbegriff-der-sich-seiner-juedischen-christlichen-und-humanistischen-wurzeln-bewusst-ist
          [9] https://www.praeventionstag.de/nano.cms/personen/id/4719
          [10] https://energiewinde.orsted.de/koepfe-der-energiewende/michael-blume-antisemitismus-ressourcenfluch-oel-gas-konflikte-interview
          [11] https://www.zeit.de/autoren/B/Michael_Blume/index
          [12] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-53-gefahr-von-parteiblasen-irankrieg-statt-friedensenergien/
          [13] https://www.deutschlandfunk.de/religionswissenschaftler-michael-blume-antisemitismus-102.html
          [14] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/videocast-blume-ince-22-zu-ki-quellcode-und-technologieoffenheit/
          [15] https://www.facebook.com/BrennanCenter/posts/the-future-of-american-democracy-is-not-defined-by-what-were-against-but-what-we/1508913957933730/
          [16] https://www.facebook.com/RepBenCline/posts/socialism-has-never-worked-why-are-democrats-embracing-itrejecting-this-destruct/1438323131440624/
          [17] https://www.cnas.org/publications/reports/rising-to-the-china-challenge
          [18] https://www.ussc.edu.au/state-of-the-united-states-an-evolving-alliance-agenda
          [19] https://www.researchgate.net/publication/272303846_Political_Economy_of_Climate_Change_Policy

          • Bestandsaufnahme:

            Die PK des CDU Vorsitzenden, Bundeskanzler Friedrich Merz, hat mich zu Beginn überrascht. Ich habe den Eindruck, dass er – allen Vorhersagen zum Trotz – vom Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kalt erwischt wurde. Über die Gründe für diese Fehleinschätzung der Lage will ich nicht spekulieren.

            Ich wage aber zu bezweifeln, dass bessere „Erzählungen“ die Lage verändern. Stimmige, positive Erklärungen könnten zwar helfen. Ich kann nur für mich sprechen: Nach der Vielzahl von Beschimpfungen und dem durchgehend negativen Bild, das der Bundeskanzler von der eigenen Bevölkerung zu haben scheint, sehe ich ein großes Glaubwürdigkeitsproblem.

            Während er die Linke und das BSW gemeinsam mit der AfD in einen Topf wirft (die Aussage war, dass ca. 60 % der Wähler für Parteien gestimmt hätten, die die „demokratischen Spielregeln unseres Landes grundlegend in Frage stellen“), dann ist dies mE kein Beitrag zu seiner Glaubwürdigkeit.

            Über das Demokratieverständnis der AfD kann ich nur sagen, dass bereits jetzt nach Neuwahlen gerufen wird. Wählen bis das Ergebnis passt. Diejenigen, die AfD gewählt haben, scheinen den aus meiner Sicht menschenverachtenden Plänen dieser Partei zuzustimmen. Aus Protestwählern werden Überzeugungswähler? Das ist erschreckend. So lange die Überprüfung der AfD vor dem BVerfg in Karlsruhe nicht angestossen wird, besteht nach einigem, das ich gelesen habe, keine Chance, dass in Sachsen-Anhalt die Wählerinnen und Wähler in Scharen die anderen Parteien wählen würden.

            Am übernächsten Wochenende wird ua in Mecklenburg-Vorpommern gewählt, wo es zuletzt für die SPD gar nicht so schlecht aussieht, während die CDU in den Umfragen bei 8 % liegt.

            Ich warte dieses Ergebnis und das in Berlin noch ab, bevor ich ein Fazit ziehe.

          • Ganz herzlichen Dank für Ihre Einschätzung, @Marie H.

            Auch ich habe mir die Pressekonferenz des CDU-Bundesvorsitzenden Friedrich Merz (CDU) angesehen und kann Ihren Beobachtungen nicht widersprechen. In meiner Familie kam nicht gut an, dass er zwar durchaus angefasst wirkte, aber dann doch wieder von Menschen sprach, die ihm „nicht folgen können“. Und dass er seine „Reformen“ nicht ändern, aber „emotional erklären“ wolle.

            Offensichtlich ist also noch immer nicht geplant, die gewählten Abgeordneten des Bundestages entsprechend dem deutschen Grundgesetz (u.a. Artikel 38 GG) frei beraten und beschließen zu lassen. Und ich halte nichts von weiteren TikTok-PR-Kampagnen auf Kosten der Steuerzahlenden, wie sie ja auch die Bundestagspräsidentin gerne zelebriert. Aus meiner Sicht verstehen die meisten Menschen in Deutschland durchaus, welche Demokratinnen & Demokraten in unserer Republik ernsthaft dialogisch-monistisch sind und welche das nur inszenieren.

            Im Übrigen stimme ich der Einschätzung von Manuel Hagel zu, dass jetzt nicht die Zeit für bundespolitische Personaldebatten, Rücktrittsforderungen o.ä. ist. Jetzt haben die Wählerinnen und Wähler in Berlin & Mecklenburg-Vorpommern das Wort. Und danach erwarte ich von der Bundespartei und vor allem vom direkt vom Volk gewählten Bundestag überzeugende Anrworten.

            Zu Recht haben Sie auch die laut Umfragen erfreulich große Popularität der Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD) angesprochen.

            Auch dies spricht doch m.E. sehr klar dafür, dass eine auch sozial orientierte Menschenwürde – Mimesis die Menschen zusammenbringt, wogegen eine Konzern-Rechtsmimesis die Demokratien zerspaltet.

            Wer die Bundesrepublik Deutschland als fossile Konzern-AG mit einem „wirtschaftsliberalen“ CEO an der Spitze will, hätte ja auch die FDP um Christian Lindner wählen können. Ich frage mich schon, wie viele demokratische Politiker und Parteien noch scheitern müssen, bis die Berliner Hauptstadtblase die politische Psychologie der allermeisten Menschen im Lande begreift.

            Ihnen Dank für unsere manchmal auch streitbaren, aber immer wieder weiterführenden Dialoge, @Marie H.! 😌🙏🇪🇺🇩🇪✅

  3. „…die kalt und verächtlich wirkende Kommunikation aus der Bundesregierung wirken über Videoclips noch viel stärker, als es etwa in Zeitungsdemokratien der Fall war.“

    The medium is the message.

    Es sind m.E. nicht die Tonfilmsequenzen, die diese stärkere Wirkung erzeugen. Es sind die algorithmisch kuratierten Konzernmedien, die Videoclips, Bilder, Audiobeiträge, Likes, Kommentare und Teilen zu einem auf Menschen sehr glaubwürdig wirkenden Newsfeed zusammenstellen.

    Es ist m.E. ein Fehler, zu denken, dass ein auf das Gemeinwohl ausgerichteter Videoclip auf einer algorithmisch kuratierten kommerziellen Social-Media-Plattform eine Wirkung im Sinne des Beitragsautors entfalten wird.

    Das Aufmerksamkeitsmanagement der Konzernmedien führt inhärent dazu, dass Beiträge in einen Kontext gestellt werden, in dem Widersprüche verstärkt werden oder Beiträge aussortiert werden, wenn sie zu einer Reduzierung von Aufmerksamkeit führen.

    Es erschüttert mich zutiefst, dass die Nutzung von Konzernmedien für „Reichweite“ sogar Bestandteil unseres Medienstaatsvertrags geworden ist.

    • Vielen Dank, @Erwin – und, ja, hier bin ich, etwa im Hinblick auf TikTok, ganz bei Ihnen:

      „Es sind die algorithmisch kuratierten Konzernmedien, die Videoclips, Bilder, Audiobeiträge, Likes, Kommentare und Teilen zu einem auf Menschen sehr glaubwürdig wirkenden Newsfeed zusammenstellen.“

      Zugleich müssen wir uns aber auch der – ja, unangenehmen – Erkenntnis stellen, dass Menschen nicht nur passiv „algorithmisch kuratierte Konzernmedien“ konsumieren, sondern auch aktiv Desinformation, Hass und Hetze etwa via E-Mails und WhatsApp verbreiten.

      Deswegen plädiere ich dafür, in Analysen der Publikative stets auch den real genutzten Medienmix im Blick zu behalten.

  4. Gute Analyse.
    Die Ängste der Bürger in Sachsen Anhalt versus die Arroganz des „freien Marktwirtschaft“.

    Und der Hauptvertreter für die freie Marktwirtschaft ist die CDU.
    Herr Merz hat die Gefahr der gegenwärtigen Situation noch nicht erkannt.
    Es könnte soweit kommen , wie es die Democracia Cristiana in Italien vorgemacht hat, Sie hatte 50 Jahre lang Italien maßgeblich regiert und ist dann an innerer Korruption zerbrochen.
    Heute 2026 gibt es die Democracia Cristiana nicht mehr. Die FDP ist schon auf dem Wege dahin.

    Nur als krasses Beispiel, die Ankündigung von Herrn Merz das Rentensystem zu verändern.
    Die Ankündigung von VW (das Land Niedersachen hält einen Anteil von 20 % an VW) den Standort Zwickau eventuell zu schließen.
    Solche Ankündigungen sind politisch gesehen unüberlegt. Die Neuen Bundesländer brauchen wirtschaftliche Unterstützung und keine Drohungen.

    Jetzt zur AfD , das ist eine Protestpartei. Wenn man die inneren Widersprüche zwischen den alten Bundesländern und den neuen Bundesländern mal auf die Tagesordnung setzen würde, und den Protestwählern klar macht, dass man sie ernst nimmt, dann würde der Einfluss der AfD geschmälert.

    • Ja, @NI – dass Friedrich Merz die überschaubaren Forderungen aus Sachsen-Anhalt und anderer neuer Bundesländer in der „Rente mit 63“-Debatte vom Tisch gefegt und damit im Übrigen auch die CDU-Bundestagsabgeordneten aus diesen Ländern erneut gedemütigt hat, halte ich auch als „Wossi“ für einen brutalen Fehler. Die rechtslibertäre Engführung der Exekutive samt der Verachtung des Föderalismus und der weiteren Entmachtung der Legislative (des Bundestages) haben die Unionsparteien halbiert und könnten sie, bei ausbleibender Kurskorrektur, tatsächlich zum Einstürzen bringen.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/von-heizungsgesetz-bis-zuckersteuer-das-exekutive-publikative-desaster-der-bundesrepublik/

      Aber auch unter Progressiven erlebe ich leider teilweise ein bizarres und im Ergebnis herablassendes Beharren auf alten Ökonomie-Modellen des 20. Jahrhunderts, als ließe sich die AfD-Medienblase mit ein bissel mehr Sozialstaat wegbekommen. Für die Biografien und Gefühle der Menschen, die ja den Zusammenbruch des „real existierenden Sozialismus“ am eigenen Leib erlebt haben, sind auch solche westdeutschen Soziologien verletzend und abschreckend. Ich bin gespannt, ob wenigstens einige derjenigen, die sich selbst als „wissenschaftlich“ verstehen, auch mal ihre eigenen Begriffe und „Neoliberalismus“-Thesen kritisch überprüfen.

  5. Wenn ich mit meinem kleinen Handwagen das Wasser zu den Bäumen auf meiner Straße in Chemnitz bringe, halten jetzt immer öfter die Autos extra an, damit ich die Straßenseite wechseln kann.
    Auch die Frageaktion der Künstlergruppe „Florian Baum“ („Würden Sie Ihr Leben ändern, wenn Sie damit Bäume retten könnten?“) erbringt immer wieder spannende Situationen.
    Sonst habe ich den Ausführungen nichts hinzuzufügen.
    Heute Morgen schrieb ich an unseren Umweltminister: Was hat Euch die ganze Grünenfresserei und Bauernrevolte gebracht?
    Die BW-CDU und SH-CDU habens doch anders hingekriegt.

    • Vielen Dank, @Eckehard Erben – beide Teile Ihres Kommentars finde ich sehr klug. Menschen sehnen sich nach Blüte und Weite der Zeit. Wer Hass und Hetze via Rechtsmimesis und Freund – Feind – Dualismus weiter anfüttert, verliert immer mehr von ihnen.

  6. Dass Menschen aktiv soziale Wahrheiten für ihr Zusammenleben stiften müssen, macht m.E. den Erfolg von Social-Media aus.

    Wie wenige Konzernmedien inzwischen quasi den gesellschaftlichen Diskurs via Social-Media gestalten, zeigen die Untersuchungen von Martin Andree

    https://www.derstandard.de/story/3000000336942/62-prozent-der-digitalnutzung-junger-menschen-bei-youtube-insta-tiktok-und-co

    Die Strukturen, die sich die 2. deutsche Demokratie geschaffen hat, waren offensichtlich nicht geeignet, um eine erneute Monopolisierung der Publikative zu verhindern.

  7. „Die Strukturen, die sich die 2. deutsche Demokratie geschaffen hat, waren offensichtlich nicht geeignet, um eine erneute Monopolisierung der Publikative zu verhindern.“

    Es sollte „2. deutsche Republik“ heißen.

    • Danke, @Erwin, für die sehr wichtige Klarstellung – zwischen den griechischen Poleis-Demokratien und der römischen Republik (von lat. res publica = öffentliche Angelegenheiten) liegen ja sowohl unterschiedliche Medienwelten wie auch das Konzept der Ämter- und später Gewaltenteilung.

      Hier gerne ein neuer WDR-Podcast zu San Marino, der zugleich ältesten und kleinsten Republik der Menschheit:

      https://www1.wdr.de/mediathek/audio/zeitzeichen/audio-san-marino-standhaft-gegenueber-napoleon-frei-ueber-jahrhunderte-100.html

      Die erste, später „Weimarer“ genannte Republik in Deutschland ging noch ganz ohne digitale Algorithmen unter, sondern über analoge und später auch elektronische Medien:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/journalismus-mit-brandstiftung-die-publikative-ist-die-schwachstelle-jeder-groesseren-demokratischen-republik/

      Und auch noch 2025 hatte etwa die sehr klassische „Welt am Sonntag (WamS)“ einen Wahlaufruf von Elon Musk für die AfD abgedruckt – was ihr einen weiteren Schub verlieh:

      https://www.herder.de/hk/hefte/archiv/2025/10-2025/medien-und-mimesis-journalismus-in-zeiten-digitaler-aufmerksamkeitsoekonomie/

      Entsprechend störe ich mich etwas an der von Ihnen präsentierten These über eine „erneute Monopolisierung der Publikative“. Ich sehe etwa auch in der Auseinandersetzung zwischen Meta, X und TikTok selbst im Bereich der zwar starken, aber begrenzten, algorithmischen Konzernmedien allenfalls ein Oligopol. Und warum etwa sollte Musk Wikipedia durch seine sog. Grokipedia angreifen, wenn er diese nicht fürchtet?

      Auch hat doch gerade erst das Beispiel Ungarn gezeigt, dass selbst eine weitreichende Kontrolle von Staats- und Konzernmedien heute digital unterlaufen werden kann. So halte ich Podcasts und Videocasts für außerordentlich wirkungsvolle Innovationen im Sinne des „The Medium is the Message“.

      Klar würde auch ich am liebsten alle Konflikte auf nur noch einen Faktor reduzieren, aber jede Reduktion hat Grenzen: Die Publikative interagiert mit der Demografie und Rechtsmimesis und jedes dieser Begriffsfelder ist wiederum komplex. Erkenntnistheoretischer Mut bedeutet auch, anzuerkennen, dass es im Verhalten von Menschen kaum je nur einen einzigen Faktor gibt. Erlebe ich.

      • Die Zahlen von Herrn Andree stützen meine These der erneuten Monopolisierung der Publikative schon sehr. (btw. Alphabet mit YT vereinnahmt einen größeren Teil der Aufmerksamkeit als die von ihnen genannten Beispiele)

        Ungarn ist m.E. hinreichend klein um durch direkte Kommunikation die gesellschaftliche Willensbildung nennenswert beeinflussen zu können. Ähnlich funktioniert es auch in den baltischen Staaten.

        • Ja, @Erwin – zu:

          „Ungarn ist m.E. hinreichend klein um durch direkte Kommunikation die gesellschaftliche Willensbildung nennenswert beeinflussen zu können. Ähnlich funktioniert es auch in den baltischen Staaten.“

          Deswegen meine hartnäckigen Hinweise auf San Marino, Ungarn und die Schweiz versus USA, China und auch Bundesrepublik Deutschland: Die Größe von Staaten und Sprachgruppen hat m.E. enorme Rückwirkungen auf die Funktionen direkter Reden und verschiedener Publikativen einschließlich auch algorithmischer Konzernmedien – und selbst dort dann wieder von X bis YouTube.

          Vereinfachungen dienen der notwendigen Reduktion von Komplexität – aber schon die Größe von Staaten, Bundesstaaten, Ländern, Kantonen und Regionen lässt sich m.E. nicht mehr wirklich „herauskürzen“. Auch die enorme Bedeutung von Mails inklusive Newslettern, WhatsApp und Podcasts lässt sich m.E. nicht leugnen.

          Bitte sehen Sie mir daher nach, dass ich vor allzu groben Begriffen wie „Monopolisierung“ gerade auch im Hinblick auf kleinere Republiken zurückschrecke. In San Marino, der Schweiz und Baden-Württemberg gibt es starke, auch US-amerikanische und chinesische Konzerne, aber keine Medien-Monopole.

          • Meine These zur Monopolisierung der Publikative wie auch die Untersuchungen von Herrn Andree beziehen sich auf Deutschland.

            In meinem sehr dünn besiedelten Bundesland schätze ich den Anteil der Konzernmedien noch höher ein, als es die Untersuchungen von Herrn Andree zeigen.

            Der einzige Lokalzeitungsverlag hat seine Berichterstattung schon vor Längerem auf Reichweite in den Konzernmedien umgestellt.

          • Danke, @Erwin – zumal Sie von einem „dünn besiedelten Bundesland“ schreiben, würde mich Ihre Einschätzung zur Entwicklung und psychologischen Wirkung der konkreten Demografie interessieren. Wie wirkt sich das in Ihrer Region auf die Stimmungen, Narrative und „Zukunftsbilder“ (so gerade durchaus klug Lars Klingbeil (SPD)) aus? Gibt es da Unterschiede zwischen kleinen Gemeinden und Städten, auch zwischen den Generationen?

        • Noch ein Gedanke zur Abhängigkeit der gesellschaftlichen Willensbildungsfähigkeit einer Republik von ihrer Publikative.

          Ob in einer Republik die direkte Rede gegenüber der Publikative einen größeren Einfluss auf die gesellschaftlichen Willensbildung haben kann, ist m.E. nicht nur von ihrer Größe sondern auch von ihrem Verstädterungsgrad abhängig. In dicht besiedelten Gegenden dürfte die Reichweite von direkter Rede höher sein als in dünn besiedelten Gebieten.

          Ungarn, Estland und BW haben z.B. einen sehr hohen Verstädterungsgrad. Wohingegen die ostdeutschen Flächenländer einen geringen Verstädterungsgrad haben.

          Es würde mich nicht wundern, wenn der Anteil von Social-Media an der Mediennutzung in den dünn besiedelten Gebieten Deutschlands höher ist als in dicht besiedelten Gebieten. Offensichtlich ist zumindest der starke Rückgang klassischer Medien in dünn besiedelten Regionen.

  8. Es ist völlig egal, welchen Scharlatan Sie wählen, das Meer auszupeitschen. Dass er ein Scharlatan ist, folgt aus der Aufgabe, die Sie ihm stellen: Ernsthafte Leute mit Ahnung vom Meer kandidieren nicht für so einen Job.

    [Wegen Überlänge und unangemessener Sprache gekürzt, M.B.]

    • Danke, @Paul S. – wenig überraschend bringen Sie wieder (ohne jede Bereitschaft zum Dialog) die Position des egozentrischen Relativismus ein: Alle Menschen in der Politik seien gleichermaßen „Scharlatane“ und Sie der einzige Checker, der das erkennt.

      Und da sehe ich schon eine Verbindung zum Präventions- und Friedensparadox: Wenn es in Gesellschaften länger gut läuft, dann wächst der Anteil von Menschen, die sich einen „Free Ride“ gönnen und aufhören, sich wirklich zu informieren und begründete Entscheidungen zu treffen.

      Das ist schade, dass Sie gerade auch am Vorabend zum Weltalphabetisierungstag die Chancen des Alphabets nur zur Selbstinszenierung und nicht zum Dialog nutzen.

      Stellen Sie sich nur mal vor, Sie hätten etwas Kluges zum Beispiel zur Geschichte der FDP gepostet!

      Ich finde es übrigens sehr interessant, wie gering das Interesse an der FDP noch ist, die als liberale Partei unter Genscher & Co. auch in den post-sozialistischen Bundesländern einmal sehr populär war.

      Aber auch sie hat eben mit der Ignoranz gegenüber demografischen Realitäten und mit dem Scheitern der Rechtsmimesis wie dem gemeinsamen Abstimmen von Merz & Lindner mit der AfD im Bundestag völligen Schiffbruch in Bund und Ländern erlitten.

      Das ist politikwissenschaftlich & parteigeschichtlich höchst interessant, bietet aber kein „Drama“ mehr. Und wird daher politisch und medial weitgehend ignoriert, sogar hier auf Mastodon.

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117230409929401119

      Spannend wäre auch die Demografie gewesen: Die Kinderzahlen sinken, weil verlässliche Beziehungen, Familien, hoffnungsvolle Zukunftsbilder und eine verlässliche Familienförderung zu vielen als viel zu anstrengend erscheinen. Stattdessen verdrängen wir die enormen Folgen von dauerhaftem Geburtenmangel auch für unser Land.

      Derzeit weist derzeit nur noch Israel als einzige Republik außerhalb Afrikas Kinderreichtum auf – ansonsten sehen wir eine massive Bevölkerungsimplosion:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/religionen-wirken-demografisch-geburtenraten-aus-den-usa-turkiye-israel-thailand/

      Eine zweite Baustelle sind fossile Gewaltenergien versus erneuerbarer Friedensenergien – wir Deutschen befeuern derzeit nicht nur die globale Erhitzung, sondern auch feindselige und sogar gewalttätige Öl- und Gasregime. Positiv formuliert: Wer wirklich etwas für den Schutz der Mitwelt und Frieden zwischen den Menschen bewirken möchte, hat dazu hervorragende Möglichkeiten dazu.

      Insofern verstehe ich die weltanschauliche Haltung des egozentrischen Relativismus zwar, glaube aber nicht, dass sie uns weiterbringen wird. Wo alles das Gleiche sei, entsteht eben auch nichts mehr von Wert.

      Nein, Danke.

  9. @Michael 07.09. 19:12

    „Gibt es da Unterschiede zwischen kleinen Gemeinden und Städten, auch zwischen den Generationen?“

    Je kleiner der Laden, desto weniger gibt es für die Lobbyisten zu holen. Desto weniger lohnt sich der Aufwand. Desto eher kennt man sich, und ein Stadtrat mag dann auch recht schnell reagieren, wenn hier Korruption droht.

    So hat etwa Gerhard Schröder mit Harz4 die eigene SPD arg ramponiert, ja fast zerstört, und macht seit dem einfach in der Wirtschaft weiter, und verdient da mehr als 10, wenn nicht 100 mal so viel, als noch als Kanzler.

    Macht das Merz jetzt auch mit der CDU? Die Kombination von Rechtsmimesis und Ausbremsen der Energiewende, als gäbe es kein Morgen. Für die CDU womöglich nicht mehr. Merz ist wohl recht alt, und wird sich nach seinem Job als Bundeskanzler wohl so oder so zur Ruhe setzen. Ob es dann noch eine Volkspartei CDU gibt, könnte Merz egal sein.

    Alle Ziele erreicht, der Fossilismus läuft schön weiter. Die Erneuerbaren und vor allem die Kurzfristspeicher sind zu billig geworden, so war das nicht gedacht.

    • Vielen Dank für Deine Einschätzung, @Tobias – und im Grundsatz bin ich bei Dir: Der Vertrauensschaden auch für die Union durch die rechtslibertäre Engführung, den Fossilismus und die Rechtsmimesis unter Friedrich Merz ist enorm und möglicherweise fatal.

      Immerhin darf ich für mich in Anspruch nehmen, als einer der ersten Christdemokraten diesen Abweg von Menschenwürde, Mitweltschutz und dem großen Erbe unserer Partei erkannt und auch öffentlich benannt zu haben. Schon Anfang Februar 2025 sagte ich:

      Blume forderte seine Partei dazu auf, das Zusammenwirken mit der AfD im Bundestag nach der Wahl aufzuarbeiten. Es sei klar, dass man dem eigenen Spitzenkandidaten – dies ist Parteichef Friedrich Merz – im Wahlkampf nicht in den Rücken falle. Aber Blume sagte auch: „Die CDU sollte sich wieder darauf besinnen, ihre Flügel zu integrieren und nicht bedingungslose Gefolgschaft zu erwarten.“ Aus seiner Sicht hat Merz die CDU mit seinem Manöver im Bundestag gespalten. „Es gibt viele in der CDU, die leiden.“

      https://www.stuttgarter-zeitung.de/lokales/baden-wuerttemberg/michael-blume-antisemitismusbeauftragter-kritisiert-merz-viele-in-der-cdu-leiden-79121377.html

      Und wenn ich jetzt hören muss, dass Merz zwar seine Politik nicht ändern, aber auch „emotional erklären“ wolle, dann verstehe ich die Wut und Fassungslosigkeit der meisten Deutschen – längst auch bis in CDU und CSU hinein. Ich hoffe, dass die Partei und vor allem die gewählten Abgeordneten nach den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern endlich – wie zuvor ja auch etwa Labour in Großbritannien – den Konzernlobby-Niedergang unserer einstigen Volkspartei stoppen. Denn inzwischen sehen ja alle, welche Kräfte vom fatalen Kurs des Fossilismus und der Rechtsmimesis profitieren.

      Wie so oft titelte das Satire-Portal „Der Postillon“ treffend: “Putin gewinnt Landtagswahl in Sachsen-Anhalt“

      https://www.der-postillon.com/2026/09/putin-sachsen-anhalt.html

      Und obgleich ich sehe, dass die post-fossile Energiewende auch durch die “Selbstzerstörung des Fossilismus“ von Putin, Trump & Co. beschleunigt wird und nicht mehr aufzuhalten ist, sehe ich doch erhebliche, auch wirtschaftliche Schäden vor allem durch den besinnungslosen Gas-Lobbyismus von Katherina Reiche (CDU) – die es bereits „geschafft“ hat, alle (!) 16 Bundesländer in der Konferenz der Energieministerien gegen sich aufzubringen.

      Wie Du ja weißt, beklage ich insbesondere die Missachtung des deutschen Bundestages (Legislative) und damit der klugen Gewaltenteilung unseres Grundgesetzes durch die überholte, Exekutive Parteivorsitzenden – Vorherrschaft: Warum wählen wir als Volk 630 Abgeordnete des deutschen Bundestages, wenn diese dann weder die Gesetzgebung noch die Kontrolle der Regierung ausüben dürfen? Dass eine von den Parteivorsitzenden auch der SPD eingesetzte „Rentenkommission“ auch die gewählten Abgeordneten der post-sozialistischen Bundesländer öffentlich vorführte, gehört für mich zu den großen, politischen Fehlern des erkennbar überforderten CDU-Bundesvorsitzenden. Er hätte mit Zugeständnissen bei der sog. „Rente mit 63“ und einem Stop der fossilen Desinformation die demokratischen Parteien auch in Sachsen-Anhalt stabilisieren können – und hat nun die Mehrheiten verspielt, um diese sogenannten „Reformen“ noch umzusetzen.

      Die Ignoranz gegenüber der Gewaltenteilung des Grundgesetzes und gegenüber der wissenschaftlichen Erkenntnisse zum fossilen Ressourcenfluch (Rentierstaatstheorie), zur Demografie und politischen Psychologie sind schon jetzt ein Fall für die Geschichtsbücher. Ich blogge auch, damit künftige Demokratinnen und Demokraten daraus Lehren ziehen und dem fossilen Faschismus besser entgegenwirken können.

  10. Die CDU ist in den Fünfzigern noch unter dem Slogan „soziale Marktwirtschaft“ angetreten. Das soziale ist wohl irgendwann nach der „Wende“ abhanden gekommen. (Die SU kollabiert – freie Bahn für das Kapital)
    In Regierung und Partei haben Personen, die mal als Führungskräfte in der Wirtschaft tätig waren das Sagen. (Kaliber: Gierlappen – kriegt den Hals nicht voll)
    Folglich wird dann nur noch Politik für „Besserverdienende“ gemacht.
    Dummerweise wird das von den nicht Zugehörigen nicht mit Stimmen belohnt.
    Mittlerweile.
    Leider wurden die Proteststimmen falsch verteilt.
    Wer z.B. den diesjährigen Sommer wirklich registriert hat, sollte sein Kreuz an anderer Stelle machen…
    P.S. Die Union ist nichtmals mehr christlich – ich möchte an einen Satz aus der Bibel erinnern, in der u.a. die beiden Worte „Kamel“ und „Nadelöhr“ vorkommen!

    • Tja, @H.P.DU – ich halte sehr viel von Politikwissenschaft und sehr wenig davon, Wählerinnen und Wähler zu beschimpfen. Wenn auch linke und historizistische Parteien das Vertrauen der Menschen verloren haben, dann hat offensichtlich die Verheißung eines vermeintlich säkularen Sozialismus versagt.

      Die soziale Marktwirtschaft war eine kluge Entwicklung der frühen CDU / CSU und hätte, wie auch etwa im CDU-Grundsatzprogramm von 1994 vorgesehen, zu einer ökologisch-sozialen Marktwirtschaft weiterentwickelt werden sollen. Hierzu erinnerte ich auch an das Lebenswerk des christlich-ökologischen Klaus Töpfer (CDU):

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/soziale-und-oekologische-marktwirtschaft-in-erinnerung-an-klaus-toepfer-cdu/

      Doch leider haben sich nach der großen Bundeskanzlerin Angela Merkel auch durch fossile Kampagnen der Konzern-Publikative sowohl in den Unionsparteien wie auch in der FDP rechtslibertäre und fossilistische Karrieristen durchgesetzt, den Fossilismus verlängert und die Glaubwürdigkeit der Bundespolitik gründlich ruiniert.

      Der Schaden für das gesamte, demokratische Parteiensystem wie auch für die deutsche Wirtschaft, Gesellschaft und Demografie ist groß. Dies wird auch nicht dadurch besser, dass nahezu alle anderen, europäischen Demokratien ganz ähnliche Umwälzungen durchleben.

      Die beiden letzten Medienrevolutionen, die Klimakrise, die säkulare Geburtenimplosion und der auf kurzfristigen Profit schielende Karbonblasen-Fossilismus einschließlich der Rohstoff-Regime in Ost, West und Süd setzen die demokratischen Republiken und konstitutionellen Monarchien einem brutalen Druck aus. Es liegt auch an uns, wie viele Solarpunk – Arche – Regionen das 21. Jahrhundert energiedemokratisch und lebenswert bestehen werden. Auch deswegen und dafür leiste ich ehrenamtlich diesen Wissenschaftsblog.

      Und als mich drei Studentinnen zum Ende eines FOCUS – Interviews fragten:

      Eine letzte Frage: Was würden Sie als Bundeskanzler von Deutschland als Erstes machen?

      Antwortete ich spontan:

      Michael Blume: Ich würde die Rechte der Parlamente wieder stärken. Ich bin seit über 30 Jahren engagierter Christdemokrat. Aber dass Konrad Adenauer 1961 eine überzogene Fraktionsdisziplin eingeführt hat, die die Freiheit von Abgeordneten einschränkte, finde ich für das 21. Jahrhundert falsch. Wir brauchen wieder einen starken Bundestag und lebendige Landtage. Wir sollten wieder mehr Grundgesetz, Menschenwürde und Dialog wagen.

      https://www.focus.de/politik/deutschland/es-gibt-keine-gluecklichen-hater_75cc358c-7891-44c6-b34f-3bdb8ba83357.html

      Ihnen Dank für den anregenden Druko zu diesem Blog und einen schönen Weltalphabetisierungstag!

      • Wählerbeschimpfung?
        Das war meine Wahlanylyse (+Kommentar!)

        P.S.
        Ihre Antwort ist hier ist eher die eines Politikers denn eines Wissenschaftlers.

        • Danke, @H.P.D.U.

          Ich blogge als Politikwissenschaftler und Bürger, gehöre auch beruflich zur Scientikative. Meine Familie hat beide Diktaturen des 20. Jahrhunderts durchlitten, ich habe mich im Irak und vor deutschen Gerichten gegen die IS-Terrormiliz gestellt und werde weiterhin alles in meiner Macht stehende tun, um weitere Gewalt zu verhindern. Ich halte weder etwas davon, Wählende noch demokratische Politikerinnen und Politiker zu beschimpfen. Und falls Sie ernsthaft geglaubt haben, ein Politik- und Religionswissenschaftler dürfte keine Haltung zu Demokratie, Republik und Menschenwürde haben – dann freut es mich, noch ein Vorurteil mehr widerlegt zu haben. 😌🇩🇪🇪🇺🌍🌈

  11. @ Jeckenburger

    Hätten Sie es nicht erwähnt, hätte ich es angesprochen.
    Zieht die Koalition ihre Reformen durch, droht der CDU der gleiche Gang wie der SPD mit der Agenda 2010.
    Tragisch ist, dass geopolitisch keine andere Vorgehensweise möglich ist, D im Wettbewerb zu halten.
    Tragisch ist weiterhin, dass gerade in der mitte-links-Ära der 90′-2000’er diese es waren, den libertären Weg offen gemacht zu haben und es weltweit momentan zum Höhepunkt gekommen ist.
    Andererseits ist es auch eine Phase, in der der Wachstumszwang immer mehr angezweifelt wird.
    Niemand hat wirklich Lösungen, so dass auch von Apokalypse das Wort die Runde macht ( zu letzt Vance).

  12. @Mussi 08.09. 06:06

    „Tragisch ist, dass geopolitisch keine andere Vorgehensweise möglich ist, D im Wettbewerb zu halten.“

    Wo das denn? Wir haben immer noch einen Außenhandelsüberschuss von 200 Mrd Euro im Jahr. Wofür brauchen wir den denn? Wir setzten damit nebenbei noch unsere europäischen Partner sinnlos unter Druck.

    Statt sinnlos zu exportieren können wir doch die Binnennachfrage mit Familienförderung ankurbeln und jede Menge PV-Module und Lithiumakkus in China einkaufen und damit die Energiewende weiter voran bringen.

    „Andererseits ist es auch eine Phase, in der der Wachstumszwang immer mehr angezweifelt wird.“

    Wachstum mit wieder mehr Kinderreichtum und mit einer konsequente Energiewende wäre durchaus noch sinnvoll. Zugleich kann man manchen Überfluss und viel Verschwendung weglassen, und lieber mehr in die europäische Verteidigung investieren. Das brauchen wir jetzt.

    „Niemand hat wirklich Lösungen, so dass auch von Apokalypse das Wort die Runde macht ( zu letzt Vance).“

    Die Apokalypse der nicht mehr zu steigernden Verschwendung? Auch der Globale Süden hat riesengroßen Investitionsbedarf. Nur klar, das verträgt sich nun mal alles nicht mit einer weiteren Förderung von Öl- und Gasgeschäften.

  13. Und schon wieder mal: Vielen Dank für diese sehr stimmige Analyse und auch die dennoch hoffnungsvollen Antworten 🙂
    Ich komme aus einer anarchistischen Ecke mit der Vorstellung einer Demokratie ohne Herrschende und weiß, wie utopisch das ist. Deswegen denke ich demokratisch und vor allem kooperativ und das ist es, was mir fehlt, auch im Umgang mit der AFD. Bei so vielen WählerInnen können das nicht alles Ar****er sein, rein statistisch finde ich das unmöglich.
    Die aktuellen Probleme erfordern eine Lösung, manche Probleme sogar eine schnelle und das geht nicht ohne die AFD, so unvorstellbar es auch erscheinen mag. Ich suiche noch einen Weg, diese WählerInnen mit in das Boot zu holen und verstehe noch nicht, wie diese Menschen abgeholt werden können um auf Augenhöhe zu argumentieren.
    Ich glaube wir DemokratInnen haben keine andere Wahl.

    Und bitte nicht aufhören, ihr Beitrag ist zu wertvoll

    • Ganz herzlichen Dank, @Thorte – Ihre dialogischen Rückmeldungen sind mir sehr wichtig!

      Und, ja, Anarchismus halte ich als Utopie für nachvollziehbar, aber in der menschlichen Realität für undurchführbar. Und ich bin allen Anarchistinnen und Anarchisten dankbar, die sich auch ehrlich und selbstkritisch mit den antisemitischen Verschwörungsmythen von Michail Bakunin & Co. auseinandersetzen!

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/michail-bakunin-1814-1876-anarchismus-und-antisemitismus/

      Bei Ihnen sehe ich dieses Bemühen und möchte auch persönlich dafür danken.

      Auch die attische, direkte Demokratie war ja gescheitert, nicht zuletzt mit der katastrophalen Verurteilung und Todesstrafe gegen Sokrates durch eine sogenannte Volksversammlung (nur Männer, keine Frauen, keine Sklaven). Deswegen begründeten schon die Römer die im Ansatz ämter- und gewaltenteilige Republik aus lat. res publica = öffentliche Angelegenheit.

      Gerade auch für Sie als Anarchodemokraten 😉 könnte dieser neue Podcast über die älteste und kleinste Republik der Menschheit, San Marino, interessant sein!

      „San Marino: Standhaft gegenüber Napoleon, jahrhundertelang frei“

      https://www1.wdr.de/mediathek/audio/zeitzeichen/audio-san-marino-standhaft-gegenueber-napoleon-frei-ueber-jahrhunderte-100.html

      Die AfD ist nach meiner Auffassung nicht unbesiegbar, wenn sich die Demokratinnen und Demokraten wieder auf eine dialogische und glaubwürdige Menschenwürde-Mimesis besinnen, statt die Ängste, Hass und Hetze durch Rechtsmimesis weiter anzufeuern. Hier muss ich auch katastrophale Fehler „meiner“ Bundes-CDU einräumen, aus denen hoffentlich zeitnah und mit klaren Konsequenzen gelernt wird.

  14. [Zitat:]
    „Oder in einfacher Sprache: Wenn ein Bundeskanzler mit Privatflugzeug eine Menschengruppe nach der anderen in Videoclips sprachlich abwertet – mal Migranten als „Pashas“ im „Stadtbild“, dann wieder Familien in der „Work – Life – Balance“ und eine alleinerziehende Kinderärztin als „Nutznießerin“ – dann besänftigt er damit Zukunftsängste und Wut der Menschen nicht, sondern feuert sie mimetisch an. Es geht hier nicht um abstrakte „Parteien-Issues“, sondern um menschliche Grunderfahrungen zwischen Angst und Vertrauen, Kälte und Gemeinschaft, Vertrag und Bund.

    Wo die ostdeutsche Pfarrerstocher und Physikerin Angela Merkel (CDU) mit Ruhe und einer klaren Orientierung an der Menschenwürde also noch Vertrauen weit über ältere Stammwählerschaften hinaus stiften konnte, halbierte der westdeutsche Blackrock-Millionär Friedrich Merz (CDU) mit rechtslibertärer und fossiler Engführung nicht die AfD, sondern die CDU.“[Zitatende]

    Man kann so schön auf jemandem herumhacken, wenn es nicht so gut läuft. Wenn es überall nicht so gut läuft, gibt es überall Leute mit Partikularinteressen, die sich an so einem Shitstorm beteiligen. Dabei kann man sich besonders gut erregen, wenn man beim Erregungsgrund nicht so präzise ist:

    Thema Privatflugzeug: Hätte Merz ein Haus am Tegernsee statt im Sauerland (Bodenrichtwert ca. 170 €), wäre das teurer als ein Privatflugzeug.

    Als Merz gesagt hat, die Wirtschaft sei im freien Fall und mit Work-Life-Balance könne man unseren Wohlstand nicht halten, ist das erst mal eine wirtschaftsmathematische Aussage. Was macht das ZDF? Sie schicken ein Kamerateam morgens um ca. 6 Uhr zum Schichtwechsel an ein Fabriktor und fragen den Nachtschichtarbeiter, der Bundeskanzler habe gesagt, dass wir zu wenig arbeiten, was er davon halte. Der fand das natürlich gar nicht. Auf die tiefere Bedeutung der Kanzleraussage (statistischer Vergleich mit vergleichbaren Industrieländern) ging das ZDF nicht ein.

    Thema Migranten als Paschas:
    Er berichtete darüber, dass Söhne aus manchen orientalischen Familien ihren Lehrerinnen jede Autorität absprechen, weil sie weiblich sind und dass dieses Verhalten durch die Väter bisweilen unterstützt werde. Was machen Sie daraus: er bezeichne Migranten als Paschas.

    Thema Stadtbild:
    Hat sich Ihr Stadtbild nicht geändert? Dann gehen Sie doch mal auf die nächste Kirmes oder einen Weihnachtsmarkt und fragen einen der reichlich herumstehenden Polizisten nach dem Sinn der großen Betonkllötze, die da stehen.

    Frau Merkels Ruhe:
    Die hat dem Verkauf der Gasspeicher an Russland zugestimmt, obwohl sie eine klare Vorstellung von Putins Charakter hatte. Sie hat wegen des Tsunamis in Fukushima deutsche Kernkraftwerke abschalten lassen und damit für die heutigen Probleme bei energieintensiven Industrien gesorgt. Und sie hat mit ganz viel Ruhe den derzeitigen Reformstau zugelassen. Sie hat die absehbare Rentenproblematik nicht angepackt.

    Merz kriegt Feuer, weil er die Probleme der Dunkelflaute mit Gaskraftwerken lösen muss.
    Er kriegt Feuer, weil das die Strompreise treibt und die Steuereinnahmen senkt. Er kriegt Feuer, weil Firmen pleite gehen und Arbeitsplätze wegfallen.
    Er kriegt Feuer, weil den Sozialkassen die Einnahmen wegbrechen und die Kosten davon laufen. Weil das zum Sparen zwingt, wird er von einer Kinderärztin öffentlich des Bruches seines Amtseides bezichtigt, darf sich aber Ihrer Meinung nach nicht wehren.
    Er kriegt von allen Seiten Feuer, von grün von rot,von gelb, von schwarz von blau und von lila und was es sonst noch für politische Farben gibt für Probleme, die er geerbt(!) hat. Und er kriegt Feuer für Sachen, für die er gar nicht zuständig ist (Schulen, Krankenhäuser, Facharzttermine).
    Und immer geht es um Partikularinteressen, er muss aber das Große und Ganze wuppen. Dabei handelt es sich auch in der Politik um rückgekoppelte, dynamische Systeme. In der Astronomie sind das z.B. Mehrkörpersysteme. Man kann sie nicht direkt mathematisch lösen sondern nur näherungsweise und sie neigen zu chaotischem Verhalten.

    Darum kümmern sich aber die meisten Kritiker nicht. Nur die Populisten wissen, was zu tun ist: Milliadäre besteuern (Linkspartei) oder weniger Hitler und mehr Bismark im Geschichtsunterricht (AFD Wahlprogramm in Sachsen-Anhalt).
    Fundamentalkritik am Bundeskanzler (gleich ob Scholz, Merz oder sonstwer) hilft den Populisten: bei denen wird alles gut und es gibt Bratwurst.

    Bemerkung zum Schluss:
    Fachworte, die nicht im Duden oder bei Wikipedia stehen, stören die Leselust.

    • Danke, @Ludger – wenn wir auch offensichtlich bei manchen Themen unterschiedlicher Meinung sind. So halte ich den Traum von einem Eigenheim für etwas sehr Volksnahes und habe das auch beispielsweise bei Jens Spahn (CDU) niemals kritisiert. Aber in einem Privatflugzeug zur Hochzeit von Christian Lindner (FDP) nach Sylt zu jetten, während andererseits erklärt wird, die Treibhausgase und fossilen Importe aus Russland & Co. ließen sich nicht schneller verringern – das finde ich nach wie vor unglaubwürdig.

      Wir Menschen können nicht nicht kommunizieren. Und wer sich mit dem „C“ in „CDU“ und „CSU“ schmückt, sollte dann eben auch nicht wirken, als verstünde er unter „C“ vor allem „Capital“, „Conzerne“ oder „Carbonisierung“. Ich bin sehr bewusst und auch zivilreligiös wegen der Menschenwürde in eine christdemokratische Partei eingetreten und halte die Bewahrung der Schöpfung für ein unverzichtbares Anliegen. Wer dagegen nur Fossilismus und Wirtschaftsliberalismus im Blick hat, Menschen vor allem nach ihrem wirtschaftlichen Nutzen bewertet und sogar eine Kinderärztin als „Nutznießerin“ eines völlig unterfinanzierten Gesundheitssystems bezeichnet, hatte ja auch immer die FDP in Reichweite. Die im Übrigen von den Wählerinnen und Wählern nach der bizarren Bundestags-Abstimmung mit der AfD erst aus dem Bundestag und seitdem aus allen Landtagen gewählt wurde. Warum die große und Deutschland prägende Volkspartei von Konrad Adenauer bis Angela Merkel ausgerechnet diesem Abweg folgen sollte, hat mir noch niemand schlüssig erklären können.

      Kurz: Ich halte die Rechtsmimesis auf Kosten von Menschenwürde und Mitweltschutz für unchristlich, für inhaltlich falsch – und auch für politisch schädlich. Und das habe ich schon zu einer Zeit offen gesagt, als sich andere aus Angst vor Karrierefolgen noch versteckt hielten:

      https://www.stuttgarter-zeitung.de/lokales/baden-wuerttemberg/michael-blume-antisemitismusbeauftragter-kritisiert-merz-viele-in-der-cdu-leiden-79121377.html

      Und selbstverständlich habe ich nicht erst für Angela Merkel (CDU), sondern auch schon für Helmut Kohl (CDU) ehrenamtlich Wahlkampf gemacht. Es ist für mich völlig okay, dass es in einer christdemokratischen Volkspartei unterschiedliche Sachpositionen und auch menschliche Fehler gibt, solange die gemeinsame Grundhaltung – die Menschenwürde und die freiheitlich-demokratische Grundordnung – nicht in Frage gestellt werden. Ich erwarte keine unfehlbaren Heiligen, sondern Menschen, die sich ernsthaft und also glaub-würdig bemühen.

      So habe ich gemeinsam mit MdB Andreas Schockenhoff und später auch MdB Roderich Kiesewetter gegen eine fossile Abhängigkeit von Russland plädiert, auch wenn dies damals – und zum Teil bis heute – von vielen nicht gesehen wird.

      Das investigative Buch „Das Versagen“ von Katja Gloger & Georg Mascolo über die Niederungen deutscher Russlandpolitik kann ich wirklich sehr empfehlen.

      Und obwohl und weil ich auch Wikipedia finanziell unterstütze, habe ich doch den Anspruch, nicht nur das wiederzugeben, was dort schon steht. Zumal es dort auch einige Falsch-Lemma gibt:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/roehm-massaker-statt-roehm-putsch-zum-weiterleben-von-ns-jargon-sogar-auf-wikipedia/

      Derzeit habe ich auf Mastodon sogar eine Umfrage über die Sinnhaftigkeit oder gar Notwendigkeit eines neuen Begriffes laufen:

      Obwohl ich selbst seit 2017 europäisch-elektrisch fahre & damit auch meine Familie vor der fossilen Abzocke & Falle schütze, empfinde ich die absurd hohen Preise für Benzin und Diesel in Deutschland als ungerecht.

      Einige europäische Länder haben daher auch längst eine Übergewinnsteuer erlassen. Deutschland hat dagegen mit dem sog. „Tankrabatt“ von & für Reiche die Profite der Fossilkonzerne noch subventioniert.

      Frage: Sollten wir die abzockenden Mineralöl- und Gaskonzerne in Deutschland als „fossile Kriegsgewinnler“ bezeichnen, oder findest Du das zu hart?

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117234039156921804

      Das Ergebnis ist bei schon über 200 Abstimmenden bisher sehr klar.

      Ihnen Dank für das kritisch-konstruktive Interesse, gerne wieder!

    • Vielen Dank, der feine Michael Thaidigsmann bringt es wieder sehr gut auf den Punkt!

      Ich hatte mit ihm auch 2022 über “Die Desinformierer“ und die Krise der Publikative gesprochen:

      https://www.juedische-allgemeine.de/politik/die-desinformierer/

      Wie vielleicht schon bekannt, vertrete ich die These vom Präventions- und Friedensparadox: Gesellschaften, die sich langer Gesundheits- und Friedensphasen erfreuen, drohen sich im egozentrischen Relativismus bis hin zum feindseligen Dualismus zu verlieren. Die „Dummheit-Bosheit“-Unterscheidung nach Dietrich Bonhoeffer bleibt aktuell.

      Hierzu gibt es auch spannende, empirische Befunde durch Andreas Püttmann, sehr lesenswert!

      https://www.blaetter.de/ausgabe/2026/juni/rechtspopulismus-eine-bewegung-von-narzissten

      Aus meiner Sicht passt dies sehr gut zur Unterscheidung von Vertrag (contract) und Bund (covenant) bei Rabbi Jonathan Sacks, seligen Angedenkens.

      Ihnen herzlichen Dank – ich freue mich immer, Sie zu lesen! 🙌

    • Danke @RPGNo1, für den Hinweis auf den Artikel aus der JA!

      Dieser Artikel bringt die Verantwortung der Wahlberechtigten treffend auf den Punkt. Ich bin es leid, dass Wählerinnen und Wähler zunehmend wie Unmündige behandelt und für ihr teils irrationales Wahlverhalten noch Verständnis aufgebracht wird.

      Auf Mastodon hat Katrin Rönicke eine interessante persönliche Beobachtung geteilt:

      Der Erfolg der AfD könnte demnach (zu einem erheblichen Teil) nicht auf die (mangelnde) Qualität der öffentlich-rechtlichen Medien zurückzuführen sein, sondern offenbar darauf, dass viele Unterstützerinnen und Unterstützer dieser Partei in einem Informationsvakuum leben – und sich schlichtweg nicht informieren.

      Das wirft die Frage auf, wie man dieser Situation begegnen und Menschen dazu bewegen kann, weniger affektgesteuert (Thymos) und stärker rational, aufgeklärt und gut informiert zu wählen.

      Ein möglicher Ansatz ist mir dabei in den Sinn gekommen: In der Schweiz wird bei Volksabstimmungen lange vor dem Urnengang ein sogenanntes „Abstimmungsbüchlein“ (Erläuterungen des Bundesrates) zur Verfügung gestellt und dem Wahlzettel beigelegt. Die Stimmberechtigten haben so ausreichend Zeit, sich umfassend und ausgewogen zu informieren.

      Eine kurze Recherche mit Felo hat zwar keine stichhaltigen Belege dafür geliefert, dass dieses Format tatsächlich zu besser informierten Wahlentscheidungen führt. Immerhin genießt es jedoch in der Regel parteiübergreifendes Vertrauen – was immerhin ein beachtlicher Erfolg ist.

      Vielleicht kann hier jemand mehr dazu berichten – oder über andere Ansätze (aus anderen Ländern?), wie man dem infantilen Wahlverhalten erfolgreich entgegenwirken kann.

      • @Peter Gutsche

        Folgende Gedanken kamen mir beim Lesen:

        Jeder Wähler/jede Wählerin muss den Willen haben sich zu informieren. Manche haben weder Lust noch Interesse.

        Einige Parteien legen ihre Wahlprogramme in einfacher Sprache vor.

        Viele Menschen sind die oft eher nichtssagenden Wahlprogramme leid.

        „Infantiles Wahlverhalten“ lässt sich in Zukunft vielleicht durch Bildung verringern.

        Ich habe den Eindruck, dass immer mehr Menschen „Führung“ erwarten.

        Wir haben eine solche Vielzahl an Parteien, dass das manche Wähler abschreckt.

        Und wie Politiker miteinander umgehen, ist immer häufiger respektlos abwertend.

        Es müsste sich auf verschiedenen Ebenen ein Umdenken geben.

        Leider sehe ich im demokratischen Miteinander für die nächsten Jahre keine Besserung. Im Gegenteil.

        • Guten Tag, @Marie H.,

          danke für die guten Gedanken!

          Mich betrübt insbesondere diese Beobachtung (die ich auch mache):

          „Und wie Politiker miteinander umgehen, ist immer häufiger respektlos abwertend.“

          Eines der Probleme ist vermutlich, dass Politik
          er aus opponierenden Parteien eigentlich gar kein Interesse an einer erfolgreichen Transformation haben. Und dass daher genau dieses, eigentlich asoziale, Verhalten belohnt wird. Denn wenn die eine Seite Erfolg hat, ist das ein „Rückschlag“ für die andere Seite.

          Aus meiner beruflichen Erfahrung würde ich sagen, dass ein Projekt inhaltlich nur dann wirklich vorankommt, wenn die ganz unterschiedlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer (teils aus unterschiedlichen Kulturkreisen) „an einem Strang“ ziehen. D.h. wenn alle bereit sind, von ihren Egoismen etwas Abstand zu nehmen und das Projekt in den Mittelpunkt zu stellen.

          Interessant fand ich, dass es in der Firma immer dann, wenn einzelne Akteure versucht haben, die Projektarbeit weniger inhaltlich und mehr nach den Interessen ihres Teams oder ihrer Abteilung zu beeinflussen, es immer hieß, dass es jetzt „politisch“ werde. Also Politik wurde hier durchaus in einem abwertenden Sinne gebraucht.

          Leider sehe ich – wie vermutlich Sie auch – derzeit wenig Bereitschaft, dass mächtige politische Akteure sich dazu durchringen, im Sinne des Projekts „Bewahrung unserer freiheitlich-demoktratischen Grundordnung“ an einem Strang zu ziehen.

  15. @Ludger 08.09. 17:18

    „Sie hat wegen des Tsunamis in Fukushima deutsche Kernkraftwerke abschalten lassen und damit für die heutigen Probleme bei energieintensiven Industrien gesorgt.“

    Das war aber erst ärgerlich, nachdem wir kein billiges Russengas mehr hatten. Wer hat damit gerechnet, vermutlich keiner? Ich wäre beim Kriegsausbruch dann auch froh gewesen, noch nicht so teuren Atomstrom statt teuren LNG-Gas-Strom zu haben. Bis die Energiewende entsprechend fortgeschritten ist, und wir Beides kaum noch brauchen.

    „Merz kriegt Feuer, weil er die Probleme der Dunkelflaute mit Gaskraftwerken lösen muss.
    Er kriegt Feuer, weil das die Strompreise treibt und die Steuereinnahmen senkt.“

    Angesichts von immer mehr Kurzfristspeichern und zunehmender Primärproduktion von PV und Wind brauchen wir keine neuen Gaskraftwerke mehr. Ein saisonales Backup leisten noch einige Jahre die alten Kohlekraftwerke. Die zusätzlich den Vorteil haben, nicht auf die begrenzten Erdgasspeicher angewiesen zu sein. Kohle kann man einfach auf Halde lagern, bis man sie braucht.

    Wenn man mal nur noch wenig Erdgas braucht, kann man diese unterirdischen Erdgasspeicher dann seht gut für die Speicherung von Wasserstoff nutzen, sobald wir soviele Überschüsse haben, dass sich damit eine Wasserstoffproduktion lohnt.

    Bei Dunkelflauten helfen nicht nur die Kohlekraftwerke. Neben Wasserstoff kann das auch gespeichertes Biogas leisten, oder vermutlich sogar Müll, den man eigentlich auch lagern kann, bis man ihn bevorzugt verbrennt, wenn saisonaler Strommangel herrscht.

    Erdgas jedenfalls ist ein Auslaufmodell, fragt sich nur noch wie lange. Als letztes wird man das nicht zur Stromproduktion nutzen, sondern für alte Heizungen oder als stofflichen Bedarf in der Chemieindustrie. Für schnelles Backup müssten die derzeit vorhandenen Gaskraftwerke eigentlich reichen, und je mehr feste Kurzfristspeicher und die in E-Autos Verbauten dazu kommen, reicht uns immer mehr ein saisonales Backup.

    Diese Speicher reagieren in Millisekunden, was gut zu z.B. Kohle- oder Müllkraftwerken passt, die Stunden oder Tage brauchen, um hochzufahren, und dann praktischerweise einige Wochen durchlaufen können. Rund um die Dunkelflauten herum, bis die Kurzfristspeicher wieder voll sind. Und das dann hauptsächlich im Winter.

    Wenn Merz hier kein Feuer haben will, dann muss er nur aufhören, den Zubau von Speichern und von PV auch auf den Dächern der Innnenstädte zu behindern. Dann kann man sich teure Kraftwerksneubauten, die sowieso nur sporadisch laufen würden, auch sparen. Das ist einfach nur teuer, sonst nichts. Bis sie in spätestens 15 Jahren wirklich gar nicht mehr gebraucht werden, und dann eigentlich wieder abgerissen werden können.

    Teurer kann Backupstrom wohl kaum sein.

  16. Warum ich mich noch einmal zu Wort melde?

    Äußerungen des bayerischen Ministerpräsidenten vorgestern beim „Gillamoos“ (eine von den in Bayern so beliebten Bierzelt-Veranstaltungen) halte ich für bedeutsam für die Zukunft der Demokratie in Deutschland.

    Die AfD hat seiner Meinung nach den Auftrag, in Sachsen-Anhalt eine Regierung zu bilden („jetzt mal zeigen, was sie können.“). Der BR zitiert Herrn Söder u.a. mit folgenden Sätzen:

    Zum Vorschlag von Hendrik Wüst für ein Prüfverfahren beim BVerfg:

    Verbot wäre „verfassungsrechtlich kaum durchsetzbar“.

    Zu den Wählern der AfD: denen „zu erklären, sie seien quasi mit verfassungswidrig, glaube ich, ist ein schlechtes Signal“.

    Die Konzepte der AfD will er „auseinandernehmen“.

    Haben wir damit den Kampf um das Grundgesetz aufgegeben?

    Gerichte sind unabhängig. Ein Spitzenpolitiker einer demokratischen Partei ist sich sicher, die Entscheidung eines Gerichts jetzt schon zu kennen?

    Und wie stellt man als demokratische Partei – hier die CSU – eine Partei, für die die Menschenwürde offenbar nicht für alle Menschen gilt?

    Wie fühlen sich jüdische oder muslimische Menschen, Kranke, alte Leute, die Familien von Behinderten, Personen aus der queeren Community mit solchen Aussagen?

  17. @Tobias Jeckenburger
    Das mag ja alles sein, beschreibt aber nur die Interessen der Umweltseite. Sie schreiben, Merz behindere den Ausbau von Photovoltaik. Sie meinen wohl, dass die Regierung die finanzielle Unterstützung zurückfährt, weil das Geld knapp ist und deswegen umgeschichtet werden soll. Das beklagen auch alle anderen Gruppen, denen Geld gekürzt wird. Und schon kann das ZDF in den Hauptnachrichten wieder die neuesten Zahlen zu Merzens Unbeliebtheit veröffentlichen.
    Wenn die Unzufriedenheit überall ist, hilft das den Populisten.

  18. @Ludger 09.09. 08:40

    „Sie meinen wohl, dass die Regierung die finanzielle Unterstützung zurückfährt, weil das Geld knapp ist und deswegen umgeschichtet werden soll.“

    Weder PV noch Kurzfristspeicher brauchen noch finanzielle Förderungen. PV auf dem Eigenheim sowieso nicht, da kann man den eigenen Strom selbst verbrauchen, das ist konkurrenzlos auch ohne jede Förderung billig. Es fehlt an PV auf den Dächern in den Innenstädten, dazu müsste es möglich sein, dass man PV-Strom in der unmittelbaren Nachbarschaft zu vernünftigen Durchleitungsgebühren direkt verkaufen kann. Das kostet keinen Cent Steuergelder.

    Auch sollen umfangreiche Anträge auf fest installierte Kurzfristspeicher einfach nicht bearbeitet werden. Wenn man die alle genehmigen würde, wären neue Gaskraftwerke überflüssig. Das spart dann sogar Steuergelder. Ich denk mal nicht, das die neuen Gaskraftwerke sich selber tragen. Wenn die Laufzeit nur Monate im Jahr werden, dann braucht das dann vermutlich Subventionen.

    „Wenn die Unzufriedenheit überall ist, hilft das den Populisten.“

    Soll ich mir jetzt Zufriedenheit basteln? Das kann es doch auch nicht sein. Eigentlich ist mir Merz sogar sympathisch. Ich würde es in diesem Fall nur anders machen. Wir verpassen hier Gelegenheiten, die Energiewende schneller umzusetzen.

    Ich meine jedenfalls auch, dass die nächsten Jahre vor allem eine effektive europäische Aufrüstung Vorrang hat.

  19. @ Tobias Jeckenburger 09.09.2026, 12:13 Uhr

    Zitat: „Es fehlt an PV auf den Dächern in den Innenstädten, dazu müsste es möglich sein, dass man PV-Strom in der unmittelbaren Nachbarschaft zu vernünftigen Durchleitungsgebühren direkt verkaufen kann. Das kostet keinen Cent Steuergelder.“

    Dass es derzeit keinen Cent Steuergeld kosten würde, das stimmt.

    Allerdings würde es den traditionellen Stromversorgern Einbußen beim Umsatz und Mehrkosten für das teure Backup kosten. Dazu kommt noch die Haftung für die zu erwartenden hohen Schäden nach einem Blackout.

    Womöglich ergeben sich noch strafrechtliche Konsequenzen für Todesfälle….

    Wer soll das bezahlen und wer soll in den Knast gehen, das ist hier die Frage……?????

  20. @Realo 09.09. 15:56

    „Allerdings würde es den traditionellen Stromversorgern Einbußen beim Umsatz und Mehrkosten für das teure Backup kosten.“

    Einbußen beim Umsatz, klar. Aber das Backup ist doch längst installiert, nur die Laufzeiten gehen immer weiter zurück. Aber auch die aktuellen Kosten für die Brennstoffe fallen niedriger aus.

    Die Durchleitungsgebühren würden sich ändern. Weniger, wenn der Verkauf an Nachbarn günstiger wird, aber auch mehr sowieso, wenn E-Autos, Klimaanlagen und Wärmepumpen dazu kommen. So oder so, die Netze müssten nicht ausgebaut werden, die Netzkosten wären die selben.

    Insbesondere, wenn die PV-Anlagen einen integrierten Speicher haben, braucht es keinerlei Netzausbau. Nur den Anschluss der Dach-PV-Anlage an den Stromanschluss im Keller.

    „Dazu kommt noch die Haftung für die zu erwartenden hohen Schäden nach einem Blackout.“

    Blackouts in Deutschland gibt es praktisch keine. Und wenn viele schnelle Speicher angeschlossen sind, erst recht keine. Dazu tragen auch angeschlossene E-Autos maßgeblich zu bei.

    Bedarf für Netzausbau gibt es bei Fernstromleitungen und den Anschlüssen von Windrädern und PV-Freiflächenanlagen. Die Kommunalen Netze reichen aus, und müssen nicht ausgebaut werden. PV direkt am Verbraucher stabilisiert eher, und Speicher, ob nun fest installiert oder in E-Autos verbaut, stabilisieren noch mehr.

    Deswegen wäre es ja auch so sinnvoll, auch alle geeigneten Dächer in den Innenstädten für PV zu nutzen. Freiflächenanlagen im Grünen sind zwar deutlich billiger bei den konkreten Anlagenkosten, aber man muss den Strom erst noch zum Verbraucher transportieren. Bei Dachanlagen fällt genau das weg.

  21. Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026 lässt sich aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Michael Blume stellt in seiner Analyse drei Faktoren in den Mittelpunkt: Demografie, digitale Medien und Rechtsmimesis. Dabei geht es nicht nur um klassische wirtschaftliche Erklärungen, sondern auch um Zukunftserwartungen, gesellschaftliche Wahrnehmung und politische Kommunikation. 

    Besonders die demografische Entwicklung schrumpfender Regionen kann politische Einstellungen beeinflussen. Gleichzeitig schaffen algorithmisch geprägte Medien neue Informationsräume, in denen Polarisierung und Misstrauen verstärkt werden können. Blume verbindet diese Entwicklungen mit der Frage, wie politische Botschaften und gesellschaftliche Ängste gegenseitig wirken.

    Unter Rechtsmimesis versteht Blume die Nachahmung abwertender oder ausgrenzender politischer Signale durch demokratische Akteure. Seine zentrale These lautet, dass eine Analyse des Wahlergebnisses deshalb über wirtschaftliche Faktoren hinausgehen muss und auch psychologische, mediale und demografische Entwicklungen berücksichtigen sollte.

    Die Wahlanalyse bietet damit einen interessanten Ansatz, um den politischen Wandel in Sachsen-Anhalt nicht nur anhand von Parteiergebnissen, sondern auch anhand gesellschaftlicher Veränderungen zu betrachten.

    • Herzlichen Dank für die wertschätzende und wesentlich zutreffende Zusammenfassung, @Dex Ter 🙏

      Da Ihr Druko zustimmend gehalten war, habe ich mich auch zu konstruktiver Kritik ermutigt gefühlt und die japanische KI Felo.ai um eine kritisch-konstruktive Bewertung des Blogposts gebeten. Ich stimme dem Ergebnis sehr weitgehend zu – auch in seinen kritischen Teilen! So glaube ich in der Tat gar nicht, dass eine demografische Schrumpfung ein bestimmtes, politisches Klima determiniert – sondern plädiere ja bewusst auch für hoffnungsvolle Solarpunk-Ansätze. Auch dass die Rechtsmimesis die „Issue Ownership“-These eher evolutionspsychologisch schärft als ersetzt, würde ich so unterschreiben.

      Aber lassen wir die KI doch einfach mal „sprechen“:

      ## Kritisch-konstruktive Bewertung von Blumes Dreifaktoren-Analyse

      Dr. Michael Blume bietet eine **inhaltlich plausible und politisch relevante Deutung** des Wahlergebnisses: Demografische Schrumpfung, digitale Medienlogiken und die Übernahme abwertender Rhetorik durch demokratische Akteure können gemeinsam ein Klima verstärken, in dem rechtspopulistische Parteien profitieren. Sein Hauptverdienst liegt darin, Wahlerfolge nicht auf einen einzelnen Faktor – etwa Einkommen, Migration oder „Protest“ – zu reduzieren.[1]

      | Faktor | Plausibler Kern | Wissenschaftliche Einschränkung |
      |—|—|—|
      | **Demografie** | Schrumpfung, Abwanderung und regionale Entwertung können Zukunftsangst, politische Entfremdung und Verlustwahrnehmungen verstärken. | Demografie wirkt nicht automatisch. Ähnliche Alters- oder Schrumpfungsstrukturen führen nicht überall zu denselben politischen Ergebnissen. Sozialstruktur, lokale Institutionen, Kandidaten und politische Angebote müssen mitberücksichtigt werden. |
      | **Publikative** | Algorithmische Plattformen können Polarisierung, Empörung, Misstrauen und abgeschottete Deutungsmilieus verstärken. Blume verweist außerdem auf eine stärkere Polarisierung in digital geprägten Altersgruppen.[1] | Aus Altersunterschieden folgt noch keine Kausalität der Plattformnutzung. Jüngere Generationen unterscheiden sich zugleich bei Bildung, Wohnort, Beruf, Einkommen, Lebensphase und Parteibindung. Nötig wären Daten zu Mediennutzung, Inhalten, Netzwerken und Einstellungsveränderungen. |
      | **Rechtsmimesis** | Wenn Parteien oder Regierende abwertende, ausgrenzende Frames übernehmen, kann dies soziale Normen verschieben: Die Abwertung wird sagbarer und glaubwürdiger; radikale Akteure können davon profitieren. | Der Begriff ist originell, aber analytisch noch unscharf. Er müsste von etablierten Konzepten wie *Agenda-Setting*, *Framing*, *Normalisierung*, *Elite Cues*, *Issue Ownership* und dem „Mainstreaming“ radikaler Positionen abgegrenzt werden. |

      ## 1. Demografie: stark als Kontext, schwächer als direkte Ursache

      Blumes Argument, dass Schrumpfungsräume psychologisch und politisch belastet sein können, ist nachvollziehbar. Wenn Schulen, Arbeitsplätze, Verkehrsanbindungen, medizinische Versorgung oder soziale Treffpunkte verschwinden, entsteht nicht nur materieller Verlust. Es kann auch das Gefühl wachsen, dass die eigene Region, Biografie und Zukunft gesellschaftlich weniger zählen.

      Besonders überzeugend ist daher die Verbindung von Demografie mit **wahrgenommener Zukunftslosigkeit**. Der Beitrag betont zutreffend, dass Wahlentscheidungen nicht schlicht die objektive Lage abbilden, sondern die soziale und mediale Deutung dieser Lage.[1]

      Vorsicht ist allerdings bei weitreichenden psychologischen Generalisierungen geboten. Aussagen wie eine wachsende Bevölkerungsschrumpfung führe zu „Verbitterung“, „Rassismus“ oder Verschwörungsmythen beschreiben mögliche Risikodynamiken, aber keine Regel. Sonst würde man Menschen in schrumpfenden Regionen vorschnell pathologisieren. Methodisch wäre zu zeigen:

      – ob Schrumpfung auch dann mit AfD-Wahl verbunden bleibt, wenn Alter, Einkommen, Bildung, Arbeitslosigkeit und Urbanität kontrolliert werden;
      – welche konkreten Mechanismen vermitteln – etwa Versorgungsrückbau, Wegzug junger Menschen, Immobilienleerstand oder politische Nichtrepräsentation;
      – warum manche vergleichbaren Regionen demokratisch resilienter bleiben.

      ## 2. Publikative: wahrscheinlich wichtig, aber der Kausalnachweis fehlt im Beitrag

      Blumes Begriff **„Publikative“** zielt auf die politische Bedeutung des Mediensystems – insbesondere auf algorithmisch strukturierte Konzernplattformen. Das ist ein sinnvoller Fokus: Plattformen belohnen oft emotionalisierende, konfliktorientierte und identitätspolitisch aufgeladene Inhalte; sie erleichtern zudem die Bildung von Gegenöffentlichkeiten und Misstrauensgemeinschaften.[1]

      Sein Argument ist besonders stark, wenn es nicht lautet: „Digitale Medien machen Menschen rechts“, sondern:

      > Digitale Plattformlogiken können vorhandene Unsicherheit, Wut, Misstrauen und soziale Spaltung sichtbar machen, vernetzen, emotional verstärken und politisch mobilisierbar machen.

      Das wäre ein differenzierter und empirisch eher prüfbarer Mechanismus.

      Die Schwäche liegt in der Aussage, die Wahlresultate nach Altersgruppen zeigten bereits, dass Polarisierung mit zunehmender digitaler Prägung zunehme.[1] Altersgruppen sind kein sauberer Ersatz für Mediennutzung oder algorithmische Exposition. Auch ältere Menschen nutzen digitale Angebote intensiv; außerdem können sie über Messenger, YouTube, Fernsehen oder ihr soziales Umfeld an digitalen Deutungsmustern teilhaben. Um die These zu erhärten, bräuchte es etwa repräsentative Befragungen und Paneldaten dazu, welche Plattformen Menschen nutzen, welchen politischen Inhalten sie begegnen und wie sich dies auf Einstellungen und Wahlabsichten auswirkt.

      ## 3. Rechtsmimesis: ein wichtiger Warnhinweis, aber kein Gegenbeweis zu „Issue Ownership“

      Die These der **Rechtsmimesis** ist der originellste Teil des Textes. Blume meint damit, dass demokratische Parteien und Regierungsvertreter durch die sprachliche oder bildliche Nachahmung rechter Abwertungen nicht deren Wählerschaft zurückgewinnen, sondern die zugrunde liegenden Feindbilder normalisieren und radikale Akteure stärken.[1]

      Das ist politisch und psychologisch gut begründbar. Eliten setzen Signale darüber, was als legitim, anständig und sagbar gilt. Werden pauschalisierende oder entwürdigende Beschreibungen von Migrantinnen und Migranten, Erwerbslosen oder anderen Gruppen aus der politischen Mitte übernommen, kann dies zwei Effekte haben:

      1. **Verschiebung sozialer Normen:** Ausgrenzende Aussagen erscheinen akzeptabler.
      2. **Authentizitätsvorteil der Radikalen:** Wählerinnen und Wähler, die solche Positionen wollen, bevorzugen möglicherweise das „Original“ gegenüber einer abgeschwächten Kopie.

      Dabei wird Blumes Kritik an der „Issue Ownership“-These jedoch etwas zu pauschal. Die politikwissenschaftliche Forschung behauptet nicht unbedingt, Menschen seien ausschließlich auf abstrakte Parteithemen „geeicht“. Sie untersucht vielmehr, welchen Parteien Wähler Kompetenz und Glaubwürdigkeit für bestimmte Themen zuschreiben. Mimesis, Framing, Emotionen und nonverbale Signale widersprechen diesem Ansatz nicht unbedingt – sie können erklären, **wie** Themenbesitz und Glaubwürdigkeit entstehen oder verlorengehen.

      Treffender wäre daher: Rechtsmimesis ist keine vollständige Alternative zu *Issue Ownership*, sondern eine Hypothese darüber, warum die strategische Übernahme rechter Rhetorik häufig nicht zur Rückgewinnung von Stimmen führt, sondern Radikale legitimieren kann.

      ## Was am Beitrag besonders überzeugt

      – Er verbindet **materielle Struktur, psychologische Wahrnehmung und Medienumgebung** statt monokausaler Erklärungen.[1]
      – Er rückt **Zukunftserwartungen und Anerkennung** in den Mittelpunkt. Das ergänzt rein ökonomische Erklärungen sinnvoll.
      – Er warnt vor der politischen Illusion, man könne Extremismus durch sprachliche Annäherung folgenlos eindämmen.
      – Er bleibt handlungsorientiert: Vertrauen, Würde, glaubwürdige Zukunftsbilder und demokratische Kommunikation werden als Gegenmittel sichtbar.[1]

      ## Was verbessert werden sollte

      Für eine stärker wissenschaftliche und zugleich überzeugendere Fassung wären vier Änderungen sinnvoll:

      1. **Kausalität vorsichtiger formulieren**
      Statt, die drei Faktoren erklärten das Ergebnis „sehr präzise“, wäre angemessener: Sie seien miteinander verknüpfte, empirisch prüfbare Einflussfaktoren.

      2. **Begriffe operationalisieren**
      – Demografie: Geburtenrate, Alterung, Wanderungssaldo, Leerstand, Erreichbarkeit öffentlicher Dienste.
      – Publikative: Plattformnutzung, Empfehlungslogiken, Reichweiten, Netzwerkstrukturen, Exposition gegenüber Desinformation.
      – Rechtsmimesis: Häufigkeit und Kontext abwertender Frames, Übernahme radikaler Sprachbilder, Wirkung auf wahrgenommene soziale Normen.

      3. **Vergleichsfälle einbauen**
      Entscheidend wären Regionen mit ähnlicher Schrumpfung, aber unterschiedlich starkem Rechtspopulismus. Sie helfen zu klären, wann Demografie und Medienmilieus in politische Radikalisierung übersetzt werden – und wann nicht.

      4. **Gegenhypothesen ernsthaft testen**
      Etwa wirtschaftliche Lage, institutionelles Vertrauen, öffentliche Daseinsvorsorge, Migrationserfahrungen, Parteiorganisationen vor Ort, Kandidaten, Wahlkampf und bundespolitische Konflikte.

      ## Gesamturteil

      Blumes Beitrag ist als **diagnostischer und demokratiepolitischer Essay stark**: Er zeigt überzeugend, dass Wahlergebnisse aus dem Zusammenspiel von Lebenslagen, Zukunftsbildern, Kommunikationsräumen und politischer Sprache entstehen können. Seine Kritik an der Normalisierung abwertender Rhetorik ist besonders ernst zu nehmen.[1]

      Als abschließende politikwissenschaftliche Erklärung reicht die Evidenz im Blogbeitrag aber noch nicht aus. Die drei Faktoren sind am besten als **plausibles Forschungsprogramm** zu verstehen: Demografische Schrumpfung schafft Belastungslagen, eine polarisierende Publikative verstärkt und organisiert bestimmte Deutungen, und Rechtsmimesis kann sie gesellschaftlich normalisieren. Ob und wie stark daraus konkret AfD-Erfolge folgen, muss mit Vergleichsdaten und sauberer Kausalanalyse überprüft werden.

      [1] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/meine-wahlanalyse-sachsen-anhalt-demografie-publikative-rechtsmimesis/

  22. Bei Interviews nach der Wahl in Sachsen-Anhalt wurde von dortigen Bürgern als Grund für die Nichtwahl von Merz angeführt, er habe sein Wahlversprechen gebrochen, die Schuldenbremse einzuhalten. Dieses Narrativ wurde von den Medien kommentarlos weitergegeben. Stimmt es denn?
    Zur Erinnerung:

    Die zweite Amtseinführung von Trumps als 47. Präsident der Vereinigten Staaten fand am 20. Januar 2025 in Washington D.C. statt.

    [Zitat Wikipedia]

    Bei der Bundestagswahl 2025 am 23. Februar 2025 wurden CDU und CSU unter der Führung von Friedrich Merz mit 28,5 % der Stimmen die stärkste Kraft vor der Alternative für Deutschland (AfD), die mit 20,8 % der Stimmen ein historisches Ergebnis für eine rechtsextreme Partei erzielen konnte. Die SPD erreichte mit ihrem Spitzenkandidaten, Bundeskanzler Olaf Scholz, mit 16,4 % der Stimmen ihr bisher schlechtestes Ergebnis in der Nachkriegszeit, während die Grünen mit leichten Verlusten auf 11,6 % zurückfielen. Die Linke konnte ihr Wahlergebnis auf 8,8 % verbessern. Die Freie Demokratische Partei (4,3 %) und das im Jahr zuvor gegründete Bündnis Sahra Wagenknecht (4,98 %) scheiterten an der Fünf-Prozent-Hürde. […]Die schwarz-rote Koalition war die einzige rechnerische Konstellation, die vor der Wahl nicht ausgeschlossen wurde und eine Mehrheit im Bundestag erhielt.

    [Zitat Wikipedia]
    Zum Thema Änderung der Schuldenbremse:

    Für die Reform war eine Änderung des Grundgesetzes erforderlich, für die Zweidrittelmehrheiten in Bundestag und Bundesrat erforderlich waren. Um diese zu erreichen, wurde nach der erfolgten Bundestagswahl eine Sondersitzung des 20. Deutschen Bundestages einberufen. Der eingebrachte Gesetzesentwurf von SPD und CDU/CSU erreichte am 18. März 2025 gemeinsam mit den Stimmen der Grünen die nötige Zweidrittelmehrheit, eine Woche vor der konstituierenden Sitzung des 21. Deutschen Bundestages.

    [Zitat Wikipedia]
    Im alten Bundestag hatten Union, SPD und Grüne gut 70% der Sitze, im neuen Bundestag nur noch 65,6%, weniger als die erforderlichen 66,666%.

    Bei der Wahl zum Deutschen Bundeskanzler erreichte Merz am 6. Mai 2025 im ersten Wahlgang mit 310 Ja-Stimmen nicht die erforderliche Kanzlermehrheit von 316 Stimmen. Insgesamt verfügten die Abgeordneten von CDU, CSU und SPD über 328 Stimmen. Es war das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, dass ein Kanzlerkandidat im ersten Wahlgang scheiterte. Daraufhin beschloss der Bundestag mit den Stimmen aller Abgeordneten und Fraktionen, von der Geschäftsordnung abzuweichen und einen zweiten Wahlgang am selben Tag durchzuführen. In diesem wurde Merz mit 325 Stimmen zum Bundeskanzler gewählt und kurz darauf von Bundespräsident Steinmeier ernannt.

    [Zitat Wikipedia]
    Zusammenfassende Deutung:
    Die Präsidentschaft von Trump hat die Möglichkeiten und die Pflichten für die neue Bundesregierung drastisch verändert. Amerika übernahm nicht mehr die Kosten für den Ukrainekrieg, Amerika übernahm nicht mehr die Kosten für die konventionelle Verteidigung Europas, Amerika schützte die eigene Wirtschaft auf Kosten seiner Partner und auf Kosten der Weltwirtschaft mit erwartbaren Folgen für die deutsche Wirtschaft und den hiesigen Arbeitsmarkt. Das war direkt nach der Wahl so deutlich erkennbar, dass die Grünen bei der Verfassungsänderung mitgewirkt haben, ohne davon einen eigenen Nutzen zu haben, weil es später die AFD verhindert hätte.
    Merz mit Union, SPD und Grünen haben auf die neue Situation (Trump und Blockademöglichkeit der AFD) reagieren müssen. Das einen Bruch des Wahlversprechens zu nennen, ist tendenziös.
    Die AFD behauptet, dass ohne eine Unterstützung der Ukraine und ohne eine „Aufrüstung“ alles wunderbar wäre. Damit gehört das Narrativ, Merz habe sein Wahlversprechen gebrochen, zur putinfreundlichen Politik der AFD.

    • Mit der Trump-bezogenen Analyse bin ich durchaus einverstanden, @Ludger

      Allerdings waren all diese Faktoren bereits seit Jahren bekannt – entsprechend hätte Friedrich Merz gar nicht erst versprechen dürfen, ohne weiteres Geld auszukommen. Und wenn er dann noch den gewählten Bundestag durch eine von den Parteivorsitzenden eingesetzte „Rentenkommission“ vorführt und jede Absage an Steuersenkungen mit Belastungen für Familien und Rekord-Schulden auf Kosten der ohnehin schrumpfenden, jungen Generationen verbindet, dann bin ich raus. Was soll daran nachhaltig und fair gegenüber kommenden Generationen sein?

      Hinzu kommt dann eben noch der unerträgliche Gas-Lobbyismus von Katherina Reiche, womit die aktuelle und künftige Gewalt fossiler Diktaturen weiter finanziert und die globale Erhitzung weiter befeuert wird.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-fossile-wahnsinn-4-wir-finanzieren-weiterhin-russland-ruesten-dann-dagegen-auf/

      Nichts davon ist eine Erzählung, die emotionales Vertrauen stiftet. Es sind gebrochene Versprechen, die Preisgabe christlich-demokratischer Werte und enttäuschte Erwartungen auf eine bessere Zukunft.

      Übrigens sehe ich diese fossile Gier nicht nur in der Bundespolitik, sondern auch in der Konzernwirtschaft. Habe dazu heute gepostet:

      Wir Blumes – Ehepaar mit 3 Kindern – waren VW-Kunden, fuhren einen Touran. Und als nach meinen Beobachtungen im Irak zur Klimakrise & fossilen Finanzierung von Gewalt klar war, dass ich nie wieder einen Verbrennermotor kaufen werde – hatte VW nichts Erschwingliches im Angebot. Aber die Manager & Aktionäre strichen Rekord-Dividenden ein. Also wurden wir Blumes 2017 Kunden von Renault & sind es bis heute.

      Neun Jahre (!) später sollen Zigtausende VW-Mitarbeitende entlassen, ganze Werke geschlossen werden. Gleichzeitig aber werden neuere E-Modelle so nachgefragt, dass sie ausverkauft & nur mit langen Fristen lieferbar sind.

      Ich sehe da nicht „Fehler“, sondern Jahrzehnte der ShareholderValue-Abzocke statt Zukunftsinvestitionen. Und jetzt zahlen die vielen den Preis für die Profitgier der Wenigen. Fossile Konzerne zerstören sich sogar selbst. Boeing lässt grüßen.

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117246766625979517

      Abschließend möchte ich noch einmal bedauern, wie herablassend, empathielos und spaltend – in der Summe: rechtsmimetisch – Friedrich Merz kommuniziert hat. Ich denke, diese Verfehlung ist ihm inzwischen auch bewusst geworden.

      • […] fossile Gier […]

        Ich möchte nur daran erinnern, dass Merz in Sachsen-Anhalt nicht abgestraft worden ist, weil er zu wenig Klimaschutz betreibt.
        Im Gegenteil: AFDler bestreiten sogar die Existenz eines menschengemachten Klimawandels.
        Ich sehe bei Wirtschaftssystemen, die auf fossiler Energie beruhen, eine Analogie zur Alkoholsucht. Solange genug Stoff zur Verfügung ist, scheint alles gut zu sein, weil man die chronischen, lebensgefährlichen Wirkungen nicht wahrhaben will. Man muss also runter vom Suchtmittel. Auch der Schwerstabhängige muss runter. Wer aber zu langsam abstinent werden will, wird Opfer der Giftwirkung. Wer zu schnell absetzt, riskiert ein lebensgefährliches Alkoholentzugsdelir. Es gilt, die richtige Geschwindigkeit zur Abstinenz zu finden. Das ist nie nebenwirkungsfrei und es geht nur mit Versuch und Irrtum.

        • Vielen lieben Dank, @Ludger – da sind wir sogar in sehr vielem einer Meinung!

          Denn gerade erst gestern Abend habe ich, wie Sie gerade unter dem Stichwort „Alkoholsucht“, auf die Süchte und Abhängigkeiten im Bereich des Fossilismus, des Verschwörungsglaubens, algorithmischer „Social Media“-Konzernmedien und Drogen hingewiesen.

          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/mimetische-abhaengigkeiten-drogen-fossile-gewaltenergien-algorithmische-konzernmedien-verschwoerungsmythen/

          Und wir haben ja schon darüber diskutiert, wie der russische Angriffskrieg die fossile Wirtschaftspolitik von Friedrich Merz & insbesondere Katherina Reiche entgleisen lässt. Der „Forever War“ zwischen Trump und dem Iran um die Straße von Hormus kommt hinzu, treibt die Preise für Öl und Gas. Und ich muss Ihnen leider sagen – ganz aktuell wird es noch schlimmer.

          Die Selbstzerstörung des Fossilismus – Wie bedroht ist Saudi-Arabien?

          Als ich 2023 in einem Blogpost vor der Gefahr der fossil finanzierten Huthi im Jemen & weit darüber hinaus bloggte, hielt sich das Interesse leider in Grenzen. Auch ein 2. Versuch in 2025 fand wenig Resonanz.

          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/fossile-gewaltenergien-finanzieren-die-kriege-und-antisemitismus-im-jemen/

          Doch inzwischen spitzt sich die Lage zu: Die mit dem Iran fossil verbundenen Huthi haben die Hafenstadt Mokka eingenommen, angeblich auch die Insel Mayyun. Damit wäre nach der Straße von Hormus auch der Bab al-Mandab als Handelsweg für Schiffe gesperrt, mit massiven Folgen.

          Gemeldet wird, dass der saudische Kronprinz Salman 2 mal (!) bei US-Präsident Trump & dessen unfähigem „Kriegsminister“ Hegseth um militärische Hilfe ersucht habe, aber abgeblitzt sei. Immer mehr fragen sich: Wenn die US-Regierung schon das venezolanische Volk verriet, warum sollte es arabischen Völkern beistehen?

          In Saudi-Arabien gibt es unzufriedene Schiiten & immer mehr wütende Sunniten. Könnte wie 1979 nach Mokka auch Mekka fallen?

          https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117252485023600102

          Eine wirklich vorausschauende, also post-fossile Wirtschaftspolitik würde die deutschen und europäischen Abhängigkeiten von Erdöl und Erdgas so schnell wie irgend möglich reduzieren…

  23. @Ludger 10.09. 21:05

    „Merz mit Union, SPD und Grünen haben auf die neue Situation (Trump und Blockademöglichkeit der AFD) reagieren müssen. Das einen Bruch des Wahlversprechens zu nennen, ist tendenziös.“

    Was ich überaus begrüßt habe. Aktuell ist europäische Aufrüstung ein ganz wichtiges Zukunftsprojekt, auch für die jungen Generationen.

    „Die AFD behauptet, dass ohne eine Unterstützung der Ukraine und ohne eine „Aufrüstung“ alles wunderbar wäre. „

    Nicht nur der rechtsradikale Trump stellt die Unterstützung der europäischen Demokratien in Frage, unserer AfD offenbar auch. Beide halten anscheinend nur soviel Demokratie für sinnvoll, soweit sie denn selber gewählt werden. Wenn es stimmt, dass Putin vor allem das demokratische Vorbild Europas als Bedrohung der eigenen Macht betrachtet, dann wäre das mit einem Zusammenbruch der Europäischen Demokratien sogar vom Tisch.

    Ich will aber in einer Demokratie leben. Und wenn wir genug aufrüsten, dann kann uns Putin nichts.

    Und selbst wenn wir Putin die Ukraine überlassen, wird Putin ziemlich wahrscheinlich mit dem Baltikum weitermachen. Was unserer AfD aber offensichtlich auch egal wäre. Und eine EU-Mitgliedschaft Deutschlands könnte entsprechend von der AfD auch in Frage gestellt werden?

  24. @Michael 11.09. 15:48

    „Der „Forever War“ zwischen Trump und dem Iran um die Straße von Hormus kommt hinzu, treibt die Preise für Öl und Gas. Und ich muss Ihnen leider sagen – ganz aktuell wird es noch schlimmer.“

    Die USA selber importieren Öl, aber exportieren Erdgas. Unterm Strich sind die Selbstversorger. Entsprechend schaden auch exorbitante Preise gar nicht der eigenen Handelsbilanz. Nur für die amerikanischen Endverbraucher dürfte es dennoch teuer werden.

    Entsprechend mehr klingeln aber auch die Kassen der jeweiligen Konzerne. So opferbereit die US-Bürger allerdings sind, ist ihnen die gefühlte Großartigkeit des eigenen Landes wichtiger, als dass sie hier maßlos zahlen müssen.

    Derweil die fossilen Konzerne wie auch manche Förderländer wirklich blühende Geschäfte machen.

    Vor diesen Irankrieg habe ich mich schon gefreut, dass die Öl- und Gaspreise endlich nachhaltig verfallen, dass nicht mehr in neue Förderanlagen investiert wird, sondern in Grüne Technik. Und auch Putin das Geld bald ausgeht.

    Was so ein Krieg so alles bewegen kann…

    Nur China scheint auf einem nachhaltigen Weg zu sein? Die setzen voll auf Elektromobilität, und zur Stromerzeugung nutzen die die eigene Kohle und natürlich inzwischen immer mehr ausgebaute Windräder und Photovoltaik. Vermutlich haben die selber wenig Öl und Gas, und auch keine Konzerne, die woanders Fördern oder damit Handeln. Dafür aber die beste und günstigste Grüne Technik im Angebot.

    „Eine wirklich vorausschauende, also post-fossile Wirtschaftspolitik würde die deutschen und europäischen Abhängigkeiten von Erdöl und Erdgas so schnell wie irgend möglich reduzieren…“

    Irgendwie doof, das ausgerechnet das autokratische China die Komponenten dafür anbietet. Andererseits hat insbesondere Deutschland sowieso schon einen üppigen Außenhandelsüberschuss. Dem täte es eigentlich sehr gut, wenn wir umfangreiche Mengen an Grüner Technik in China einkaufen würden. Allerdings könnte es auch eine gute Idee sein, dass wir China motivieren, die Komponenten für den europäischen Markt auch in Osteuropa zu produzieren.

    • Danke, @Tobias – hier habe ich doch auch etwas andere Wahrnehmungen.

      Die USA wie auch das demografisch implodierende Japan sind bereits völlig überschuldet, was bereits zu einem Anstieg der Anleihenzinsen wie zuletzt in der Finanzkrise führte. Weitere Schocks und Niederlagen wie derzeit um die Huthi am Bab al-Mandab oder gar Gewalt im Kontext der Midterm-Wahlen könnten die Schuldenkrise zur Zahlungsunfähigkeit eskalieren lassen. So wackelt das Petrodollar-System – nachdem Öl und Gas in US-Dollar zu handeln sind, also alle diese Währung brauchen – bereits zunehmend.

      Schon gestern hatte ich diese Nachricht zu teilen:

      2026.

      Dies ist kein Witz & keine Übung.

      Betrug & Hölle mit erhobener, rechter Hand…

      „Trump betrat die Bühne nach Vizepräsident JD Vance und hob in seiner Rede immer wieder die Bedeutung der Stimmabgabe hervor. „Ihr müsst mir den größten Gefallen tun, den ihr mir je getan habt“, sagte Trump zu der Menge. „Ihr müsst das für mich tun.“ Trump forderte die Mitglieder des Publikums auf, ihre rechte Hand zu heben, bevor er sie durch das Versprechen führte. „Bitte hebt eure rechte Hand“, sagte Trump.

      „Ich gelobe dem größten Präsidenten in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Der uns so sehr liebt, dass er kaum atmen kann. Dass ich mit meiner Familie, meinen Freunden hinausgehen werde. Ich mache es auf jede Art – es ist mir egal, ob ich registriert bin oder nicht, ich werde versuchen, zu betrügen wie die Hölle, so wie sie es tun“, sagte Trump.“

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117253190355162685

      In China implodiert die Bevölkerung – und entsprechend die Binnen-Nachfrage. Mehrere Banken und Immobilienkonzerne werden nur noch durch staatliche Maßnahmen am Leben gehalten. Das Land exportiert auch deswegen aggressiv und nutzt seine Monopole auf seltene Rohstoffe (wie „Seltene Erden“) als Druckmittel, um Gegenmaßnahmen wie Zölle zu verhindern. Die massive Aufrüstung gegen Taiwan erzeugt ebenfalls künstliche Nachfrage, bindet jedoch Menschen und Ressourcen.

      Insofern schätze ich die Lage als außerordentlich instabil ein – denn die Weltwirtschaft ist noch immer so eng verflochten, dass der Zusammenbruch einer Großmacht auch alle anderen betreffen würde.

      So hat sich Europa für kurzfristige Spar – Effekte sowohl von Software aus den USA wie auch von Solartechnik aus China abhängig gemacht. Durch die nahezu unbeschränkte Erlaubnis von algorithmischem Neurohacking für Meta und X bis Tiktok hat zudem eine Thymotisierung, Verdummung und Abhängigkeit großer Teile auch der europäischen Völker eingesetzt, die insbesondere von russischen Akteuren auch zur politischen Manipulation eingesetzt wird.

      Und dann sind da auch noch Konzern-KIen, die mit riesigen Mengen an Geld und Ressourcen hochgezogen werden und sich zunehmend der menschlichen Kontrolle entziehen.

      Nach meiner Einschätzung befinden wir uns bereits im Zusammenbruch des globalen Fossilismus als Wirtschafts- und Lebensmodell.

  25. https://ichsagmal.com/das-c-verpflichtet-auch-die-maechtigen/

    Auf Bluesky (13.09.2026, 08.37 Uhr) teilte Andreas Püttmann diesen Link und postete:

    „Auf die Idee, meinen Buchbeitrag: „Abendlanddämmerung: Christdemokratische Volkspartei in immer weniger christlichem Volk?“ (2026) in den Kontext #SachsenAnhalt und von Ideen Heiner Geißlers und Savonarolas zu stellen, muss man erstmal kommen. 😳 Es ging glimpflich aus. 🙏“

    Lesenswert, wie ich finde

    • Herzlichen Dank für den großartigen Fund und Link, @Marie H. 🙏

      Sowohl Heiner Geißler wie auch Andreas Püttmann haben mich auch in persönlichen Gesprächen sehr geprägt. (Püttmann war mein Mentor bei der KAS, mit Geißler hatte ich als JUler ein Seminar im Kloster.)

      Und dass der neue Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) nach der verstörenden Entlassung seines Vorgängers nun sein Herz für Familien & konkret gemeinsame und vergünstigte Sitzplatz-Reservierungen in der Bahn entdeckt, deutet zumindest schon mal darauf hin, dass noch nicht alle Bundes-Christdemokraten in den rechtslibertären Abgrund gestürzt sind.

      Gerade in Krisenzeiten suchen die Menschen nicht nach Parteifarben, sondern nach sozialer Glaubwürdigkeit – und schenken also einer Manuela Schwesig (SPD) und einem Gregor Gysi (Linke) weit mehr Vertrauen als der fossilen & also Empathie-befreiten Trias aus Friedrich Merz, Katherina Reiche & Jens Spahn (CDU).

      Besonders gefreut hat mich die zitierte Kritik Geißlers an der Shareholder-Value-Abzocke, mit der von Boeing (USA) bis VW (Deutschland) immer wieder Konzerne ausgeschlachtet werden.

      Genau dazu hatte ich heute Morgen gepostet:

      Fahre seit 2017 elektrisch & beobachte bestürzt das Verbrenner – Desaster:

      Der neuerliche Ölpreis – Schock durch die US – saudische Niederlage am Bab al-Mandab lässt die Preise für Benzin & Diesel weiter explodieren.

      Doch leider haben die Vorstände & Aufsichtsräte deutscher Autokonzerne wie VW, Daimler etc. lieber über ShareholderValue Rekord – Dividenden & Boni ausgeschüttet, als in post-fossile Elektroautos zu investieren. Jetzt gibt es für geeignete Modelle absurd hohe Lieferfristen.

      Und das Bundes – Wirtschaftsministerium wird von einer Gaslobbyistin geführt.

      Auch in Deutschland haben die fossilen Eliten in Wirtschaft, Politik & Medien insgesamt versagt, dem Industriestandort Deutschland massive Schäden zugefügt & sich stattdessen an migrantischen, verarmten & erkrankten Menschen abgearbeitet.

      Auch meiner früher als wirtschaftskompetent geltenden Partei – der CDU, ebenso CSU & SPD – stehen schwere Klärungen & der Austausch erkennbar überforderten, fossilen Personals bevor.

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117262381159264612

      Vielen Dank nochmal für diesen Artikellink, @Marie H. 🙏

      Auch ich bin davon überzeugt, dass sich CDU und CSU schnellstmöglich personell, sozial und ökologisch neu aufstellen müssen, wenn sie nicht dem Absturz der FDP bis in die Selbstauflösung folgen wollen.

  26. @Michael 13.09. 13:20

    „Der neuerliche Ölpreis – Schock durch die US – saudische Niederlage am Bab al-Mandab lässt die Preise für Benzin & Diesel weiter explodieren.“

    Was mich recht irritiert, ist dass der Iran inclusive Huthimiliz mit einer Handvoll Billigdrohnen den Schiffsverkehr blockieren kann, und die hochgerüstete billionenteure US-Streitmacht da machtlos zugucken muss.

    Oder will Trump selber die Konsequenz entsprechend hoher Öl- und Gaspreise?

    • Danke für die Nachfrage, @Tobias

      Ich sehe in den aktuellen Kriegen sowohl um die Ukraine wie auch um die arabische Welt klar das drastische Potential von KI-gestützten Drohnen. Angesichts der peinlichen Einlassungen des dortigen CEOs spreche ich vom Rheinmetall – Altmetall – Problem:

      Millionenteure Panzer, Schiffe & Forts (ummauerte Stützpunkte) können inzwischen durch Drohnen & Drohnenschwärme für wenige Zehntausend Euro ausgeschaltet werden. Deren Verteidigung wird dadurch irrsinnig teuer.

      In einem Satz: Trump hat nicht nur ebenso wie Putin (s)einen Krieg verloren, beiden gehen auch die teuren Raketen aus.

      Während jedoch der fossile Tyrann Putin auf die Verluste seines Landes kaum noch Rücksicht nehmen muss, droht Trump auch aufgrund der Kosten & Niederlagen im Irankrieg eine vernichtende Wahlniederlage.

      Deswegen lässt er jetzt auch seine saudi-arabischen Verbündeten im Stich – was sogar deren Vorherrschaft über Medina & Mekka gefährden kann!

      Schon 1979 gab es nicht nur eine Revolution im Iran, sondern auch eine Terror-Besetzung von Mekka, die Saudi-Arabien erst mit französischer Unterstützung beenden konnte.

      Habe hier auf „Natur des Glaubens“ schon 2023 und 2025 über die Gefahr durch die fossil finanzierten Huthi im Jemen gebloggt, aber die Resonanz war bisher recht überschaubar.

      Der Fossilismus zerstört sich gerade auf Basis fossiler Gewaltenergien in atemberaubendem Tempo selbst…

  27. @Michael 13.09. 15:29

    „Millionenteure Panzer, Schiffe & Forts (ummauerte Stützpunkte) können inzwischen durch Drohnen & Drohnenschwärme für wenige Zehntausend Euro ausgeschaltet werden. Deren Verteidigung wird dadurch irrsinnig teuer.“

    Ich kann das dennoch kaum glauben, dass hier die immense Feuerkraft der US-Armee nichts hilft.

    Ein Punkt aber für uns in Europa: Gleich in den Drohnenkrieg investieren, wo wir sowieso dabei sind, umfangreich aufzurüsten. In Angriffspotentiale, aber vor allem um defensive Fähigkeiten, mit denen wir kostengünstig russische Angriffsdrohnen abschießen können.

    Ein überwiegend angriffsbetonter Krieg auf beiden Seiten, wie derzeit in der Ukraine, ist ziemlich unangenehm. Wenn man im Hinterland militärische und zivile Ziele angreift, anstatt sich erstmal vor Angriffen zu schützen, weil ersteres billiger ist.

    „Der Fossilismus zerstört sich gerade auf Basis fossiler Gewaltenergien in atemberaubendem Tempo selbst…“

    Die steigenden Preise machen freilich die Grüne Technik im Vergleich dazu konkurrenzfähiger. Die steigenden Preise können aber auch das Geld binden, das man sonst in Grüne Technik investieren könnte. Insbesondere, wo man wirklich wenig Geld hat.

    Ein Naher Osten ohne Öleinnahmen ist jetzt aber echt neu.

    • @Tobias schrieb:

      „Ich kann das dennoch kaum glauben, dass hier die immense Feuerkraft der US-Armee nichts hilft.“

      Das verstehe ich, gleichwohl zeigt auch bereits die Kohle – Industrialisierung des 19. Jahrhunderts die Bedeutung von Technologien für die Kriege:

      – Eisenbahnen erlaubten völlig neue Truppenverlegungen.

      – Leichter zu erlernende Gewehre und Pistolen mit ausreichend Munition sowie ebenfalls industriell gefertigte Uniformen ermöglichten den entscheidenden Kriegseinsatz von schnell ausgebildeten Wehrpflichtigen gegen die alten Söldnerarmeen in enormen, nie da gewesenen Zahlen.

      – Das preußische Zündnadel-Gewehr hatte eine höhere Schussfrequenz (Kadenz) als etwa die österreichischen Vorderlader in der Schlacht von Königgrätz (1866). Es konnte zudem als Hinterlader im Liegen geladen und abgefeuert werden, wogegen die österreichischen Truppen im Stehen nachladen mussten.

      – Mit Öl (Diesel, Kerosin) statt Kohle wurden dann im 20. Jahrhundert ganz neue Waffengattungen wie Panzer, U-Boote und Flugzeuge möglich.

      – Über Jahrhunderte hinweg waren berittene Truppen, später Kavallerie der Weg zu enormen Eroberungen. Gegenüber fossil produzierten Maschinengewehren und Panzern verloren sie innerhalb weniger Jahre ihre militärische Bedeutung.

      Im eBooklet über Berlin & Preußen hatte ich über den auch militärischen Innovationsdruck durch die fossile Industrialisierung bereits reflektierend geschrieben:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/b-wie-berlin-babylon-preussen-und-der-fossile-faschismus/

      Nun also erleben wir in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts mit post-fossilen Technologien und KI-gestützten Waffensystemen eine noch schnellere Umwälzung der Kriegsführung.

      Zu Recht verwies daher auch Bundes-Umweltminister Carsten Schneider (SPD) im Januar 2026 auf die Bedeutung erneuerbarer und dezentraler Energieproduktion als “Sicherheitsenergien“. Dazu führte er unter anderem aus:

      Die Erneuerbaren sind Sicherheitsenergien!

      Und das nicht nur, weil sie uns unabhängiger machen von Rohstoffimporten aus allen Teilen der Welt.

      Sie sind gleichzeitig mit ihrer dezentralen Struktur weniger anfällig gegenüber Angriffen von außen.

      Das sehen wir derzeit auch in der Ukraine.

      Erneuerbare steigern unsere nationale Sicherheit und machen uns krisenfest. Sicherheitsenergien eben!

      https://www.bundesumweltministerium.de/rede/carsten-schneider-die-erneuerbaren-energien-sind-sicherheitsenergien

      Zumindest Teile der aktuellen Bundesregierung haben also den post-fossilen Kairos, die Zeichen der Zeit auch im Hinblick auf erneuerbare Heimat- und Friedensenergien bereits erkannt. Zumal die fossile Treibhausgas-Erhitzung zu globalen Temperaturschüben & einer Zunahme von Extremwettern führt.

      Im Mai hatte ich einige bemerkenswerte Ansagen von Marcus Keupp im BR-Interview vom 12.05.2026 zur post-fossilen Kriegsführung per Mastodon zitiert.

      Keupp analysierte vor allem den beeindruckenden Verteidigungserfolg der Ukraine gegenüber dem fossilen Regime von Putin & Russland, aber auch etwa das Scheitern der USA im Krieg gegen den Iran.

      Dazu hatte ich einen Transkript-Auszug (ab Minute 20:12) gepostet:

      „Ich denke, der Krieg der Zukunft wird sehr viel undurchsichtiger, sehr viel diffuser sein, als wir heute uns Krieg vorstellen.

      Also quasi A kämpft gegen B, laute, mechanisierte Geräte rollen mit fossilen Treibstoffen über eine Landesgrenze.

      Ich denke so in dieser Ausschließlichkeit wird das nicht mehr stattfinden.

      Ich glaube, wir werden mehr Konflikte sehen, die sehr viel stärker geprägt sind von Wirtschaftskriegführung, von asymmetrischer Taktik, wo Cyberkriegführung und kritische Infrastrukturen gezielte Mittel sind.

      BR: Also eher ein stiller Krieg?

      Kneupp: Ja, ein stiller Krieg und damit auch ein völkerrechtswidriger Krieg.

      Das heißt also, dass ich bewusst kritische Infrastrukturen angreife, bewusst die zivile Versorgung angreife.“

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116572705630475957

      Auch postete ich eine Einschätzung des geschätzten Kriegsberichterstatters Konstantin Flemig aus Filderstadt in dessen Video ebenfalls vom 12.05.2026:

      „Ukraine GEWINNT gerade den Drohnenkrieg! Das ist ihr Geheimnis…

      […]

      Die Ukraine scheint gerade den Drohnenkrieg gegen das sehr viel größere Russland zu gewinnen.

      […]

      Nur mal kurz zum Vergleich: Im Jahr 2022, also im ersten Jahr des vollausgebrochenen Krieges, da waren Drohnen für etwa 10% aller Kampfverluste verantwortlich.

      Im Jahr 2025 stiegt dieser Anteil auf etwa 80% der Gesamtzahl der Verluste auf beiden Seiten.

      80% der Verluste gehen auf Drohnen, auf unbemannte Luftsysteme.

      Außerdem gehen wohl schätzungsweise auch noch 60 bis 70% der zerstörten russischen Fahrzeuge, also des russischen Equipments auf Drohnen.

      Wir sehen also: Diese Domäne ist entscheidend für einen Krieg, wie er im 21. Jahrhundert zwischen Staaten ausgetragen wird.“

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116573531120791882

      Danke, lieber @Tobias, für Dein Interesse auch an post-fossiler Militärtechnologie, die die fossilen Armeen und Imperien des 20. Jahrhunderts buchstäblich alt aussehen lässt. Auch deswegen führten die Fossilisten Putin & Trump ihre Staaten in katastrophale Niederlagen.

      Wer die post-fossile Energie- und Technologiewende verzögert, schwächt nicht nur die Wirtschaft des je eigenen Staates, sondern auch dessen Verteidigung.

  28. @ Tobias Jeckenburger 13.09.2026, 15:02 Uhr

    Zitat: „Was mich recht irritiert, ist dass der Iran inclusive Huthimiliz mit einer Handvoll Billigdrohnen den Schiffsverkehr blockieren kann, und die hochgerüstete billionenteure US-Streitmacht da machtlos zugucken muss.

    Oder will Trump selber die Konsequenz entsprechend hoher Öl- und Gaspreise?“

    Trump will offensichtlich ganz etwas anderes. Ihm ist es offensichtlich zu blöd geworden, z.B. allein die Iraner (auch militärisch) davon überzeugen zu müssen, dass sie es sich aus dem Kopf schlagen sollten, Israel zu vernichten. Und die Europäer stehen daneben, geben ihre Kommentare ab, statt das nötige Kanonenfutter zu „liefern“.

    Saudi Arabien hat die Amis aus ihren Ölgeschäften verdrängt, ein Scheich tritt sogar bei den Brics Zusammenkünften auf (mit dem Iran), die Europäer brauchen (noch) das Öl und die von den Saudis darum gebeten Amis sollen wieder einmal „kämpfen“.

    Das Ami Motto an Europa und die Saudis lautet offensichtlich: Macht Eure „Drecksarbeit“ selber und steht nicht als „klugscheißende“ Ratgeber herum……

    • Lieber @Realo,

      zwar verstehe ich Ihre kognitive Dissonanz – Sie haben über lange Zeit erneuerbare Friedensenergien verhöhnt, gegen demokratische Parteien gehetzt und stattdessen fossile Tyranneien einschließlich des Iran mitfinanziert. Nun zahlen Sie mit hohen Ölpreisen auch persönlich dafür.

      Das ist bitter, ja, doch ich möchte Sie dennoch bitten, hier Kraftausdrücke zu unterlassen.

      Sie haben sich nun mal geirrt, „Ihr“ Putin führt einen mörderischen Krieg und „Ihr“ Trump hat gerade auch Saudi-Arabien Atomtechnologie angeboten. Und auf Kosten der ohnehin schrumpfenden, jungen Generationen wird aufgerüstet.

      Es ist verständlich, dass Sie das vorbewusst ärgert und schmerzt. Durch unsachliche Rumbrüllerei wird es jedoch eher offensichtlicher und schlimmer.

      Also: Haben Sie den Mut zur (Selbst-)Erkenntnis oder trollen Sie sich. 🙂📚✅

      Herzliche Grüße, heute aus Berlin!

  29. Bisher wurde noch gar nicht thematisiert, in wie weit die (geringe) religiöse Bindung bei der Wahl in Sachsen-Anhalt eine Rolle gespielt hat.

    Über 85 % der Bürger Sachsen-Anhalts gehören keiner Kirche an und weitgehend auch keiner anderen Religion. In Sachsen-Anhalt gehörten Ende 2022 13,7 % der Einwohner einer der beiden großen christlichen Konfessionen an. Davon waren 10,6 % der Bevölkerung Mitglieder in den evangelischen Landeskirchen und 3,2 % der Sachsen-Anhalter waren römisch-katholisch. [https://de.wikipedia.org/wiki/Sachsen-Anhalt]

    • Ja, @Ludger – die Fragen von Säkularisierung, Hyper-Individualisierung und nachlassender Sozialbindungen hängt ja direkt mit der digitalen Thymotisierung zusammen und schlägt auch in der Demografie durch.

      Auch ein Teil der Rechtsmimesis gerade auch unter einigen jüngeren „Christ“-Demokratinnen und -Demokraten geht auf die rasante Säkularisierung zurück: Das Bewusstsein für die biblische Menschenwürde (oft „christliches Menschenbild“ genannt) schwindet bei vielen zugunsten eines besinnungslosen Karrierismus bis hin zur Anbiederung an die AfD. Eine Christdemokratie, die ihr „C“ verlöre, ginge zu den Weg vom Weimarer Zentrum zur DNVP & damit zu Recht unter.

      Die links-historizistische Vorstellung, dass die Religionen das letzte Hindernis vor humanistischem Fortschritt sei, stirbt langsam und schmerzhaft. In der empirischen Wirklichkeit lösen sich säkularisierte Populationen (nach wie vor ohne Ausnahme) demographisch, wirtschaftlich, politisch auf.

      Auf „Natur des Glaubens“ gibt es dazu zahlreiche Blogposts & Quellen, hier etwa auch aktuelle und internationale Daten:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/religionen-wirken-demografisch-geburtenraten-aus-den-usa-turkiye-israel-thailand/

      Mehr ehrlich interessierte Aufmerksamkeit für diese Aspekte würden mich freuen, daher dazu auch herzlichen Dank! 🙏🙌

  30. Weil mir die Formulierung

    „christliches Menschenbild“

    früher oft wie eine Sprachhülse vorkam, möchte ich kurz ergänzen, wie der Begriff entstanden und gemeint ist und dass er für Merz sicherlich keine Worthülse ist.
    In der Wikipedia steht dazu folgendes (https://de.wikipedia.org/wiki/Christlich_Demokratische_Union_Deutschlands)

    Seit ihrer Gründung beruft sich die CDU auf ein christliches Menschenbild. Nach dem Parteiprogramm von Neheim-Hüsten von 1946 sollte die „hohe Auffassung des Christentums von der Menschenwürde, vom Wert jedes einzelnen Menschen als Grundlage und Richtschnur (…) im politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben“ gelten, was sich unter anderem im „Recht auf politische und religiöse Freiheit“, in „Rechtssicherheit für jeden“, in freier Betätigung der Frauen und im Schutz von Minderheiten niederschlagen sollte.

    Das ist 1946 im Karolinen-Hospital in Hüsten (heute Arnsberg-Hüsten) formuliert worden, weil es dort einen Versammlungsort gab, der den Bombenkrieg überstanden hatte. Dieser Ort liegt in Merz‘ Wahlkreis ca. 4km von seinem privaten Zuhause entfernt.

    • Vielen Dank, @Ludger 🙏

      Ich kann dazu z.B. „Das hohe C. Politik aus dem Christlichen Menschenbild“ des legendären und langjährig erfolgreichen CDU/CSU-Bundestags-Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder sehr empfehlen.

      Auch im Interview mit der Stuttgarter Zeitung sprach er mir aus dem Herzen:

      Kauder: Die Partei kann sich kontroverse Debatten leisten. Die Fraktion muss handlungsfähig sein. Deshalb müssen sich ihre Mitglieder darauf besinnen, was der Wesenskern christdemokratischer Politik ist. Das ist für mich das christliche Menschenbild. […]

      Die CDU war nie eine konservative Partei. Aus der Erfahrung der Weimarer Zeit und der Nazidiktatur hat sie sich bewusst überkonfessionell unter dem Dach des „C“ versammelt und konservative, liberale und soziale Strömungen vereint.

      Jetzt einfach zu fordern, dass wir konservativer werden sollten, erfüllt diesen Anspruch nicht.

      Frage: Ist die Partei also dabei, ihr christliches Erbe zu verlieren?

      Kauder: Insgesamt ist der Eindruck wohl richtig, dass sich die Union konservativer aufstellen will. Auch wenn man aktuelle öffentliche Debatten verfolgt, kommt dieses konservative Profil stärker zum Ausdruck als das christliche Menschenbild. Ich frage mich da nur: Was heißt konservativ eigentlich?

      https://www.stuttgarter-zeitung.de/politik/volker-kauder-die-cdu-war-nie-eine-konservative-partei-78943055.html

      Genau das ist auch meine Haltung. Ich bin schon als Jugendlicher in eine christdemokratische, nicht in eine konservative oder rechte Partei eingetreten.

      Die Christdemokratie wurzelt im Weimarer Zentrum, nicht in der DNVP. Und Rechtsmimesis zerstört das Vertrauen der Menschen. Deswegen sind die Politikerinnen, Politiker und CDU-Landesverbände, die sich weiterhin am Christlichen Menschenbild bzw. der Menschenwürde orientieren, auch deutlich erfolgreicher. Deswegen war auch Angela Merkel (CDU) in vielen Wahlen erfolgreich, wogegen die CDU unter Friedrich Merz in der Fläche einbricht.

      Wer es post-christlich und rechtslibertär mag, darf gerne mit der FDP untergehen.

  31. @Realo 14.09. 07:18

    „Das Ami Motto an Europa und die Saudis lautet offensichtlich: Macht Eure „Drecksarbeit“ selber und steht nicht als „klugscheißende“ Ratgeber herum……“

    Auf Trump war auch schon vor dem Irankrieg kein Verlass mehr. Und was der da jetzt noch vorhat, ist mir ziemlich unklar. Rein militärisch hätten wir nebenbei nicht so viel beizutragen.

    Wir arbeiten ja hoffentlich intensiv an Kriegsdrohnen und vor allem deren kostengünstiger Abwehr. Wenn wir da mal was Einsatzfähiges hätten, könnten wir es freilich auch der US-Armee zur Verfügung stellen.

    Auch wir haben wohl keine Lust auf so hohe Öl- und Gaspreise.

  32. @Trump

    Was hat der denn da jetzt noch vor? War das klar, dass er da nicht vorwärts kommt, oder hat er sich das alles nur viel einfacher vorgestellt, und kommt jetzt aus der Nummer nicht mehr raus?

    Oder ist das jetzt ein Experiment für einen Nahen Osten ohne Öleinnahmen?

    • Lieben Dank, @Tobias – und Deine Verwunderung trifft es gut.

      Während Donald Trump viele Menschenleben und riesige Werte zerstört, durch seine auch militärischen Abenteuer absurd hohe Öl- und Gaspreise verschuldet und Panik vor US-Demokraten wie dem christlichen Demokraten James Talarico in Texas schiebt, reden ihn sich immer noch einige Tyrannophile schön – wie es auch Drogensüchtige mit ihrer Droge & ihrem Dealer tun.

      Dabei zeigen immer mehr Deutsche wie die Pensionärin @Elisabeth K., dass sich in jedem Alter etwas gegen die Abhängigkeit von fossilen Gewaltenergien tun lässt:

      Und mein kleines gebrauchtes E-Auto wird von der ganzen Familie im Moment viel gefahren. Mit klaren Absprachen wird es optimal genutzt.

      Vor drei Wochen war die Wärmepumpe fertig eingebaut. Die Familie ist erleichtert.

      https://mastodontech.de/@ElisabethK/117269955429062314

      Ich habe ihr für dieses vorbildliche (also mimetische!) Engagement von Herzen gedankt:

      Gerne möchte ich Dir für Deinen großen Solarpunk – Einsatz auch im „Ruhestand“ danken, @ElisabethK 🙏

      Durch post-fossile Technologien, Energie- & Medienbildung leistest Du enorm viel, um unser Land vom Fossilismus unabhängiger, damit auch wohlhabender, glücklicher, gerechter und demokratischer zu machen. 🙂✅️

      Andere schwurbeln vom Frieden durch Tyrannophilie, Du lebst ihn durch erneuerbare Friedensenergien & Medienbildung.

      Danke sehr, von Herzen! 🙌🇩🇪🇪🇺🖖

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117270289603950559

      Niemand kann alles, aber alle können etwas verändern. Und wir, die wir dem Fossilismus gedanklich & praktisch entkommen, werden jeden Tag mehr…

  33. @Drohnenschwärme

    Wenn eine Drohne 10.000 Euro kostet, hat man für 1 Mrd Euro 100.000 Drohnen. Und wer mehr Geld hat, kann auch mehr Drohnen haben. Bei 1000 Mrd Euro also 1000 Drohnenschwärme mit jeweils 100.000 Drohnen.

    Jetzt muss man die nur noch koordieren und bewaffnen. Möglichst mit einem Schwerpunkt auf Abwehr von gegnerischen Drohnen und Raketen.

    Wenn dann Drohnen im Schwarm agieren, reichen schwache nicht weitreichende Funkwellen aus, dass dann jede Drohne im Schwarm genau weiß, wo genau sich alle anderen gerade aufhalten. Alle anderen sichtbaren Drohnen müssen also Gegnerische sein.

    Die man dann vermutlich aus dem eigenen Schwarm heraus mit eingebauten Pistolen und einer guten Zielerfassung einfach auf einer Entfernung von um die 100 Metern abschießen kann.

    Derweil wird so die Bahn frei, die möglichen Ziele am Boden anzugreifen.

    Und alle Drohnen, die nicht beschädigt werden und noch genug Akkulaufzeit haben, können wieder landen, aufgeladen werden, aufmunitioniert werden und wieder starten. Insbesondere im defensiven Einsatz könnten die mehrmals täglich aufsteigen, und in Schwärmen alles abschießen, das in Reichweite kommt.

    Wenn dann jeweils 10 % von den 100 mio Stück ständig in der Luft sind, wären das dann 10 mio Stück. Verteilt auf eine Frontlinie von 5000 km wären das dann pro Frontkilometer 2000 Stück oder 2 Stück pro meter oder 200 Stück pro 100 meter Front. Wenn die gut schießen können, könnte das sehr schwierig werden, da durch zu kommen. Schätze ich mal so.

    Man kann auch Transportfugzeuge bauen, die die Drohen in Einsatznähe bringen. Wenn die 50 Tonnen Drohnen transportieren können, wären das 10.000 Stück, wenn eine 5 Kg wiegt. Und natürlich einfache Fahrzeuge. Bei 5 Tonnen Zuladung immerhin immer noch 1000 Drohnen pro Fuhre

    Die 1000 Mrd Euro dafür dürfte in etwa reichen, und das wäre dann auch genau das, was wir in den nächsten Jahren für Aufrüstung ausgeben wollen.

    Der aktuelle Stromverbrauch von 10 mio Drohnen wäre vielleicht 500 w pro Drohne, derweil sie wirklich in der Luft ist, insgesamt also 5 GW Leistung. Das sind um die 8 % der aktuellen Stromproduktion in Deutschland. Verteilt auf die 5000 km Frontlinie also durchaus auch machbar.

    • Ja, @Tobias – leider werden jedoch gerade auch in Deutschland Gelder für Panzer vergeudet, die militärisch gegenüber Drohnenschwärmen nicht mehr bestehen können.

      Eine schnelle Anschaffung von Abertausenden Drohnen verbietet sich aber auch, da die Teile schnell veralten – innerhalb weniger Monate können neue Modelle mit noch besseren Eigenschaften hinzukommen.

      Immerhin: Drohnen eignen sich besonders gut als Verteidigungswaffen, weil sich Angreifer in neues Terrain bewegen müssen. So soll das demografisch schrumpfende Russland (nach ukrainischen Angaben) bereits Verluste von über 1,5 Millionen Soldaten erlitten haben!

      https://youtube.com/shorts/0M3ZnsoZ9fg

      Künftige Angreifer werden also auch bei Angriffsplänen gegen vermeintlich kleinere Armeen enorme Verluste einkalkulieren müssen.

      Ich hoffe also, dass eine auch finanziell und vor allem technologisch kluge Aufrüstung der Bundeswehr und EU-Streitkräfte gelingt. Habe ja selbst meinen damaligen Wehrdienst freiwillig verlängert & auch einer unserer Söhne hat freiwillig gedient.

      Darüber hinaus reduzieren wir selbstverständlich mit erneuerbaren Friedens- und Sicherheitsenergien unsere Abhängigkeiten, die fossile Finanzierung feindseliger Regime wie Russland und Iran und auch die globale Erhitzung.

  34. @Michael 15.09. 00:12

    „Eine schnelle Anschaffung von Abertausenden Drohnen verbietet sich aber auch, da die Teile schnell veralten – innerhalb weniger Monate können neue Modelle mit noch besseren Eigenschaften hinzukommen.“

    Entwicklungsantrengungen und Produktionskapazitäten aufbauen, so auf maximal 10 Jahre geplant, dürften immer sinnvoll sein. Manche Komponenten werden länger aktuell sein, andere können einfach nachgerüstet werden, also Sensoren, Bewaffnung und vor allem Software.

    Und wir können gleich ziemlich viel an die Ukraine liefern, die dann da sofort zum Einsatz kommen können. Das verschleißt schon mal den Gegner, und zugleich lernt man, wie man die Geräte effektiv einsetzt und wo Updates und Weiterentwicklung hin gehen müssen.

    Hier kann man die eigene Aufrüstung und die Unterstützung der Ukraine effektiv gemeinsam angehen.

    Das sind doch Perspektiven, scheint mir.

    „Künftige Angreifer werden also auch bei Angriffsplänen gegen vermeintlich kleinere Armeen enorme Verluste einkalkulieren müssen.“

    Das braucht viel Geld, aber wenig Personal, scheint mir. Und ein guter Teil des Personals muss nicht direkt im Feld an der Front vor Ort sein, und kann komfortabler weiter im Hinterland stationiert bleiben. Womöglich sogar im Homeoffice?

    Kann ich da mit meinen 62 noch was beitragen?

  35. Was mich an allen Analysen bisher stört ist, es geht nie um die simple Tatsache der Versorung.
    Versorungung mit Arbeit, Geld und Sicherheit darum. Der Präferenz des Situierten.
    Versorgung aus Eigeninitiative oder Staatlicher Fürsorge.
    Es geht um Staatliche Fürsorge und dessen Verantwortung mit Würde.
    Es geht um gefühlte Gerechtigkeit von Heim und Heimat, die nicht mit Mitteln des Individualismus erreicht wird. Obwohl das gerade im Osten eingekehrt ist.
    Über Versorgung mit Mitteln streitet sich die Gesellschaft seit der Wende, der Agenda 2010 und nun auch wieder.
    Es ist der Widerstreit zwischen Staatlicher Fürsorge und Eigeninitiative.
    Selbst- oder Fremdversorgung.

    • Ja, @Mussi – wobei ich hierzu bewusst auf die Bedeutung der Demografie verwiesen habe: Ob jemand älter oder jünger, männlich oder weiblich, alleinlebend oder in Familien, kinderlos oder kinderreich ist, städtisch oder ländlich, in Miete oder Eigentum lebt – all das hat enorme Auswirkungen auf die Frage von „Selbst- oder Fremdversorgung“.

      Entsprechend führt der säkulare Hyperindividualismus auch nicht „nur“ zu einem Einbruch der Geburtenraten, sondern auch zu massiven Abhängigkeiten und Erwartungen an den Staat, die dieser immer weniger erfüllen kann. In der frühen Soziologie und im reflektierten Liberalismus wurde dieser Zustand von abhängigen Individuen gegenüber einem dann übermächtigen Staat oft als „Anomie“ bezeichnet – und gefürchtet.

      Hier eine Erläuterung der Zusammenhänge durch Felo.ai:

      Hyperindividualisierung und demografische Schrumpfung können gemeinsam eine **Anomie** hervorbringen: soziale Regeln, Rollen und Bindungen verlieren dann an Verbindlichkeit, während Erwartungen an den Staat steigen. Der Staat erscheint zugleich übermächtig, weil er immer mehr Lebensbereiche reguliert und absichern soll, und überfordert, weil ihm Personal, Geld, Zeit und gesellschaftliche Mitwirkung fehlen. Individuen erleben sich dabei paradoxerweise als autonom und zugleich abhängig – etwa von staatlichen Transfers, professionellen Dienstleistungen und digitalen Plattformen, die Aufmerksamkeit, soziale Anerkennung und politische Deutungen vermitteln.

      ## Die Begriffe und ihr Zusammenhang

      **Hyperindividualisierung** meint eine radikalisierte Form der Individualisierung. Lebensführung, Identität, Erwerbsbiografie, Familie, Werte und Weltanschauung werden zunehmend als persönliche Wahl und persönliche Leistung verstanden. Das kann Freiheiten erweitern. Zugleich werden dauerhafte Bindungen und gegenseitige Verpflichtungen schwächer: Familie, Nachbarschaft, Vereine, Religionsgemeinschaften, Gewerkschaften und lokale Öffentlichkeit verlieren unter Umständen Integrationskraft.

      **Demografische Schrumpfung** verschärft diese Entwicklung, wenn die Bevölkerung altert und die Zahl der Menschen im Erwerbsalter sinkt. In Deutschland wird die Zahl der Erwerbsfähigen bis 2035 demografisch deutlich abnehmen; damit verschärft sich der Arbeits- und Fachkräftemangel.[1] Weniger Erwerbstätige müssen dann tendenziell mehr Aufgaben finanzieren und leisten: Gesundheitsversorgung, Pflege, Bildung, Verwaltung, Infrastruktur und soziale Sicherung für eine alternde Bevölkerung.

      **Anomie** beschreibt – in Anschluss an Émile Durkheim – einen Zustand geschwächter gemeinsamer Normen und sozialer Einbindung. Sie bedeutet nicht Gesetzlosigkeit im engen Sinn, sondern Orientierungslosigkeit und ein Auseinanderfallen von Ansprüchen, Zugehörigkeiten und realen Handlungsmöglichkeiten.

      ## Wie der Staat zugleich übermächtig und überfordert wird

      Je weniger verlässliche soziale Netzwerke Aufgaben auffangen, desto mehr Erwartungen richten sich an staatliche Institutionen. Der Staat soll dann nicht nur Sicherheit und Recht garantieren, sondern auch Betreuungs-, Pflege-, Bildungs-, Integrations-, Krisen- und Konfliktlösungsfunktionen übernehmen.

      | Dynamik | Warum der Staat mächtiger wirkt | Warum er zugleich überfordert wird |
      | — | — | — |
      | Schwächere soziale Bindungen | Bürger erwarten individuelle Ansprüche rechtlich und administrativ abgesichert. | Mehr Einzelfälle müssen durch Regeln, Verfahren und Fachpersonal bearbeitet werden. |
      | Alterung und Schrumpfung | Sozialstaatliche Leistungen gewinnen für viele Menschen an existenzieller Bedeutung. | Weniger Arbeitskräfte, steigender Pflegebedarf und Finanzierungsdruck begrenzen die Leistungsfähigkeit.[1] |
      | Komplexe Lebenslagen | Staatliche Regulierung greift in mehr Bereiche ein, um Gleichbehandlung und Schutz zu sichern. | Standardisierte Verwaltung kann individuelle Erwartungen nicht vollständig erfüllen. |
      | Digitale Öffentlichkeit | Der Staat wird unmittelbar für jede Krise, Störung oder Ungleichheit verantwortlich gemacht. | Entscheidungen stehen unter permanentem Beschleunigungs-, Sichtbarkeits- und Empörungsdruck. |

      Der Eindruck staatlicher Allmacht entsteht insbesondere dort, wo der Staat als letzte Instanz für fast jedes Risiko adressiert wird. Seine tatsächliche Überforderung zeigt sich dagegen in langen Verfahren, Personalmangel, kommunalen Engpässen, Überlastung von Schulen, Pflege und Justiz oder widersprüchlichen Zielkonflikten. Beides kann gleichzeitig wahr sein: Der Staat hat große Eingriffsmöglichkeiten, kann aber nicht alle individuellen Erwartungen erfüllen.

      ## Abhängige Individuen trotz Autonomieanspruch

      Hyperindividualisierung bedeutet nicht notwendig materielle oder praktische Unabhängigkeit. Im Gegenteil: Wenn Menschen weniger auf dauerhafte Nahbeziehungen und lokale Solidarität zurückgreifen können oder wollen, wächst ihre Abhängigkeit von anonymen Großsystemen.

      Das betrifft etwa:

      – **den Sozialstaat** für Einkommen, Gesundheit, Pflege, Bildung und Absicherung von Lebensrisiken;
      – **Märkte und Unternehmen** für Wohnen, Mobilität, Kommunikation und Versorgung;
      – **digitale Plattformen** für Sichtbarkeit, Information, Zugehörigkeit und Anerkennung;
      – **professionelle Dienstleistungen**, die Tätigkeiten ersetzen, die früher teils in Familien, Nachbarschaften oder Vereinen organisiert wurden.

      Die Person bleibt rechtlich frei, wird praktisch jedoch stärker von Systemen abhängig, deren Regeln sie kaum beeinflussen kann. Wenn diese Systeme unpersönlich, intransparent oder fehleranfällig erscheinen, können Erfahrungen von Kontrollverlust, Kränkung und Misstrauen entstehen.

      ## Thymotisierung als affektive Verarbeitung des Kontrollverlusts

      Mit **Thymotisierung** ist hier die politische und mediale Aktivierung von Wut, Kränkung, Statusangst, Empörung und Freund-Feind-Denken gemeint. In einer digitalisierten Öffentlichkeit können Plattformlogiken und aufmerksamkeitsorientierte Medien diese Affekte verstärken, weil konfliktträchtige und personalisierte Inhalte häufig Sichtbarkeit erzeugen.

      Michael Blume verweist in diesem Zusammenhang auf „mimetische Abhängigkeiten“, zu denen er unter anderem algorithmische Konzernmedien und Verschwörungsmythen zählt.[4] Die These ist nicht, dass digitale Medien Menschen mechanisch steuern. Sie lautet vielmehr: In bereits verunsicherten und sozial weniger eingebundenen Lagen können digitale Systeme Abhängigkeit, Vergleichsdruck und affektive Mobilisierung fördern.

      Die affektive Reaktion richtet sich leicht gegen sichtbar gemachte Verantwortliche: „die Politik“, „die Eliten“, Behörden, Medien, Minderheiten oder angeblich geheime Mächte. Verschwörungsmythen bieten dafür eine scheinbar einfache Erklärung komplexer Probleme. Blume beschreibt sie als „umgedrehte Religion“.[10] Antisemitische Verschwörungsnarrative können dabei als besonders gefährliche Deutungsmuster dienen: Sie beginnen mit Feindbildern gegen Jüdinnen und Juden und können sich zu generalisiertem Misstrauen, Ablehnung anderer Menschen und Gewalt ausweiten.[6]

      ## Der sich selbst verstärkende Kreislauf

      Die problematische Entwicklung lässt sich als Rückkopplung verstehen:

      1. **Demografische Schrumpfung** erhöht Verteilungs-, Pflege-, Personal- und Finanzierungsdruck.
      2. **Hyperindividualisierung** verringert oder verändert informelle Bindungs- und Unterstützungsnetze.
      3. **Der Staat** übernimmt mehr Sicherungs- und Steuerungsaufgaben, kann sie aber angesichts knapper Ressourcen und komplexer Einzelfälle nicht vollständig erfüllen.
      4. **Enttäuschung und Kontrollverlust** machen vereinfachende, personalisierte und empörungsstarke Deutungen attraktiver.
      5. **Digitale Thymotisierung** verstärkt Feindbilder, Misstrauen und die Erwartung schneller, harter Lösungen.
      6. **Politischer Druck** führt zu noch mehr symbolischer Politik, Regulierung oder individualisierten Leistungsversprechen – was Erwartungen an den Staat weiter erhöht.

      So entsteht nicht zwangsläufig, aber plausibel, eine anomische Lage: Menschen erwarten gleichzeitig maximale persönliche Freiheit, umfassende individuelle Absicherung und sofortige politische Wirksamkeit. Staatliche Institutionen sollen all dies gewährleisten, ohne dass ausreichend Ressourcen, gesellschaftliche Kooperation und Akzeptanz für Kompromisse vorhanden sind.

      ## Demokratische Bedeutung

      Für eine parlamentarische Republik wird diese Konstellation riskant, wenn politische Gegner nicht mehr als legitime Mitbürger, sondern als Schuldige für die eigene Ohnmacht wahrgenommen werden. Dann können parlamentarische Verfahren als unnütze Verzögerung, Rechtsstaatlichkeit als Schutz „der Falschen“ und Kompromisse als Verrat erscheinen.

      Die Gegenrichtung besteht nicht in der Rücknahme individueller Rechte oder in einem noch umfassenderen Kontrollstaat. Nötig wären vielmehr belastbare soziale Infrastruktur, generationengerechte Arbeits- und Pflegepolitik, kommunale Begegnungsräume, transparente staatliche Verfahren, politische Bildung sowie Plattformregeln, die manipulative und menschenfeindliche Reichweitenlogiken begrenzen. Die demografisch erwartete Abnahme der Erwerbsbevölkerung macht dabei Maßnahmen zur Stabilisierung von Erwerbsarbeit und Arbeitsvolumen besonders relevant.[1]

      [1] https://iab-forum.de/wie-sich-eine-demografisch-bedingte-schrumpfung-des-arbeitsmarkts-noch-abwenden-laesst/
      [2] https://www.boell-bw.de/de/2022/12/05/dr-michael-blume-gegenstrategien-von-seiten-der-politik-und-den-institutionen
      [3] https://link-springer-com.ucsf.idm.oclc.org/article/10.1007/s40474-018-0133-6
      [4] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/
      [5] https://www.explorationpub.com/Journals/etat/Special_Issues/263
      [6] https://www.deutschlandfunkkultur.de/religionswissenschaftler-michael-blume-antisemitismus-100.html
      [7] https://link-springer-com.ezp-prod1.hul.harvard.edu/article/10.1007/s10584-018-2204-4
      [8] https://www.zeit.de/autoren/B/Michael_Blume/index
      [9] https://link-springer-com.ezp3.lib.umn.edu/article/10.1007/s10551-018-3906-2
      [10] https://www.domradio.de/artikel/eine-umgedrehte-religion-religionswissenschaftler-blume-analysiert-verschwoerungsmythen
      [11] https://link-springer-com.ezproxy-prd.bodleian.ox.ac.uk/article/10.1007/s10584-020-02673-x
      [12] https://www.deutschlandfunk.de/verschwoerungsmythen-das-boese-in-uns-selbst-100.html
      [13] https://link-springer-com.dewey.umhb.edu/article/10.1007/s10902-021-00463-5
      [14] https://www.researchgate.net/publication/363151712_Buchrezension_Michael_Blume_2020_Verschworungsmythen_Woher_sie_kommen_was_sie_anrichten_wie_wir_ihnen_begegnen_konnen
      [15] https://publikationen.bundesbank.de/publikationen-en/reports-studies/monthly-reports/commentary-972386
      [16] https://zeitschrift-info3.de/zeitschrift-info3/februar-2021/eine-anthroposophie-in-der-defensive-waere-ein-verlust/
      [17] https://link-springer-com.ezproxy.cul.columbia.edu/article/10.1007/s40753-016-0046-x

  36. @Michael 16.09. 21:36 / Felo.ai

    „Die demografisch erwartete Abnahme der Erwerbsbevölkerung macht dabei Maßnahmen zur Stabilisierung von Erwerbsarbeit und Arbeitsvolumen besonders relevant.“

    So eindeutig ist das doch gar nicht. Eine tatsächlich schrumpfende Bevölkerung führt nicht nur später zu Arbeitskräftemangel, sondern akut zunächst mal in eine Nachfragekrise. Das müsste sich doch eigentlich gegenseitig aufheben können?

    Nur wenn die speziellen Fähigkeiten der potentiellen Arbeitnehmer nicht zur Nachfrage passen, dann wird das zum Problem. Wenn etwa die Bauwirtschaft stark reduziert wird, aber die Bauarbeiter eben nicht für die Altenpflege erfolgreich umgeschult werden können.

    Ähnliches passiert, wenn man die geburtenbedingte Schrumpfung komplett mit Einwanderern ausgleicht. Auch die übernehmen gleichzeitig Arbeitsaufgaben und sorgen auch für aktuelle Nachfrage. Auch da kommt es darauf an, wieweit die speziellen Qualifikationen zur Nachfrage des aktuellen Arbeitsmarktes passt.

    Und gerade mit der 2. Generation der Einwanderer passiert öfter nichts gutes, und die erreichen eher gar nicht gute Bildungsabschlüsse. Das kann da durchaus auch zu einiges an Arbeitslosigkeit führen, während gleichzeitig woanders Leute fehlen.

    Das ist alles gar nicht so einfach. Wenn man hier guckt, dass die potentiellen Arbeitslosen viel früher und gezielter qualifiziert werden, kann das dann langfristig sehr hilfreich sein.

    Und wenn es „nur“ am Geld fehlt, aber gar nicht an den Menschen mangelt, dann empfehle ich immer gerne Kapitalertrags-, Vermögens- und Erbschaftssteuern. Das schafft gleich jede Menge neue Nachfrage. In Zeiten, wo die fehlt, kann das sehr hilfreich werden. Meine ich.

    Und auch eine beherzte Familienförderung schafft doch schon sofort Nachfrage, selbst wenn sie selbst noch gar nicht sofort zu mehr Kindern führt. Die Entscheidung für Kinder ist ein persönliches und eher langfristiges Projekt, das braucht in jedem Fall seine Zeit.

    Verschwendung weglassen kann aber auch generell immer Sinn machen. Ist das wirklich mal erfolgreich, kann man zur Not einfach die Arbeitszeiten reduzieren.

    • Herzlichen Dank, lieber @Tobias, für das Vertiefen des so wichtigen Zukunftsfaktors Demografie! 🙏👏

      Denn, ja, der volkswirtschaftliche Zusammenhang besteht klar: Mangels Kindern schrumpfende Gesellschaften erleiden unweigerlich eine Nachfrage-, Investitions- und Wachstumsschwäche – und also die Gefahren deutlich erhöhter Jugendarbeitslosigkeit.

      Drastische Beispiele dafür sind asiatische Länder wie Japan, China und Südkorea, aber auch immer mehr europäische Länder – einschließlich Deutschland – sind bereits immer stärker von der säkularen Geburtenimplosion betroffen.

      Der meinerseits sehr geschätzte Journalist und Autor Felix Lill (u.a. „Einsame Klasse“) schreibt dazu auf seiner Webseite:

      Eine engere Perspektive, aus der ich viele meiner Artikel angehe, ist Demografie. Mich faszinieren die diversen Eigenschaften, durch die sich Individuen und Gruppen einer Gesellschaft unterscheiden – zum Beispiel Einkommen, Geschlecht, Bildung, und vor allem Alter. So ein demografischer Blickwinkel ist in den meisten meiner Arbeiten zu finden. Und aus Japan, einem Vorreiter im Phänomen der alternden Gesellschaft, ist dieser Ansatz nicht bloß kurios, sondern lehrreich für alle Länder, die früher oder später selbst altern werden.

      Demografie ist auch mein wissenschaftliches Interessensgebiet. Neben meiner journalistischen Arbeit habe ich bis Sommer 2018 eine Doktorarbeit an der Hertie School of Governance in Berlin geschrieben. Es geht darin um Bestimmungsfaktoren eines Generationenkonflikts in alternden Gesellschaften, wofür ich Japan und Deutschland verglichen habe. Mit quantitativen Methoden habe ich den Arbeitsmarkt, den Wohlfahrtsstaat und die Institution Familie versucht um herauszufinden, ob und unter welchen Umständen in einer alternden Gesellschaft Reibungen zwischen Jung und Alt entstehen können. Diese Fragen sind auch in meiner journalistischen Arbeit von Bedeutung. Ich bin überzeugt, dass Wissenschaft und Journalismus zwei Welten sind, die sich befruchten sollten. Das zu zeigen, darum bemühe ich mich.

      http://felixlill.com/ueber-mich/?lang=de

      In der Stuttgarter Zeitung vom 14. September 2026 erschien von Lill auf Seite 3 ein absolut lesenswerter Artikel dazu:

      Mit alten Eisen in die Zukunft

      Japans Volkswirtschaft wächst seit mehr als 30 Jahren praktisch nicht mehr. Eine Branche aber boomt: das Geschäft mit Secondhand-Produkten. Ein Vorbild für andere Industriestaaten?

      Der Autor beschreibt, wie aufgrund des wachsenden Alters, entsprechender Sparsamkeit hoher Sterberaten und Haushaltsauflösungen, ein massiv wachsender Markt für Gebrauchtgüter entstanden sei.

      2024 wurden mit Gebrauchtwaren laut offiziellen Schätzungen rund 20 Milliarden US-Dollar (gut 17 Milliarden Euro) umgesetzt – eine Verdoppelung sei 2010 und rund 0,5 Prozent des Brutoinlandsprodukts.

      Von Büchern und Mangas über CDs, Videospiele und Handtaschen bis zu Sportgeräten und Konsumelektronik wird alles Mögliche nach der Erstnutzung noch einmal angeboten. […]

      Wie ausgereift das Geschäft mit Secondhand in Japan bereits ist, zeigt sich auch darin, dass das erste Unicorn des Landes – also Start-Ups, die mit mindestens einer Milliarde US-Dollar bewertet sind – Mitte des vergangenen Jahrzehnts eine Handelsplattform namens Mercari war.

      Lill zitiert hierzu auch Franz Waldenberger, Direktor des Deutschen Instituts für Japanstudien in Tokio:

      „In tendenziell schrumpfende Märkte investieren die Unternehmen weniger.“

      Und er fragt:

      Der Boom des Secondhand-Sektors als logische Folge ökonomischer Stagnation?

      Mehrere Ökonomen erwarten für die nächsten Jahre und Jahrzehnte ähnliche Trends in anderen Volkswirtschaften, für die weiteres Wachstum zusehends schwieriger wird: Da wären demografisch schrumpfende und von hohen Lebenshaltungskosten geplagte Länder wie Südkorea, Taiwan und China, aber auch die Länder der EU, die sich gegenüber Immigration zusehends verschließen, während die Bevölkerungen weiter altern.

      Der großartige Artikel schließt mit einem beeindruckenden Zitat des Gebrauchtwaren-Händlers und Ladengründers Ryota Masuyama:

      „Dieser Markt ist groß genug“, ruft er. „Je weniger Wachstum, umso mehr wachsen wir!“

      Aus meiner Sicht ergibt sich hier deutlich, dass in demografisch schrumpfenden Staaten eine bildungs- und integrationsfreundliche Kreislaufwirtschaft am Besten Arbeitsplätze und Wohlstand sichert.

      Die an Energie und Rohstoffen teure Produktion neuer Güter verliert relativ an Gewicht, die Bedeutung von Kindern, Bildung, Gesundheitsdienstleistungen und Handel wächst dagegem sehr.

      Auch deswegen habe auch ich mich so über die rechtsmimetische und damit respektlose sowie sachlich falsche „Nutznießer“-Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gegenüber der aktiven alleinerziehenden Kinderärztin Bea Merscher geärgert.

      Ärztinnen und Ärzte in Baden-Württemberg kritisieren Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) für seine Aussage, sie seien „Nutznießer“ des Gesundheitssystems.

      Die Landesärztekammer sieht „in der Wortwahl ein Affront“, wie ein Sprecher auf SWR-Anfrage mitteilte.

      Merz hatte sich am vergangenen Donnerstag in einer RTL-Sendung bei einer Diskussion unter anderem mit der auf Instagram populären Kinderärztin Bea Merscher entsprechend geäußert.

      Inhaltlich ging es dabei um die bereits vom Bundestag und Bundesrat beschlossenen Sparmaßnahmen am Gesundheitssystem.

      Weiter heißt es von der Landesärztekammer, die Sichtweise, die sich hinter der Aussage verberge, irritiere Ärztinnen und Ärzte.

      Das bestätigt auch die Göppinger Gynäkologin Esther Scherrenbacher.

      „Ich war schockiert. Ich fand es wirklich mehr als unangebracht“, sagte sie im Gespräch mit dem SWR.

      Das Wort „Nutznießer“ sei so negativ besetzt, sie habe nur schwer realisieren können, dass der Bundeskanzler es so verwendet hat.

      Auf Social Media spricht sie von einer „despektierlichen“ Wortwahl.

      In den Kommentaren stimmen ihr viele Nutzerinnen und Nutzer zu.

      Viele zeigen sich verärgert über Merz‘ Aussage.

      Einige bedanken sich bei der Ärztin dafür, dass sie sich dazu öffentlich äußert. Ein Nutzer fragt, ob die Feuerwehr dann Nutznießer von Bränden sei. „Der Ton wird rauer“, sagte Scherrenbacher.

      https://www.tagesschau.de/inland/regional/badenwuerttemberg/swr-merz-nennt-aerzte-nutzniesser-bw-aerzteschaft-spricht-von-affront-des-kanzlers-100.html

      Ein großes, volkswirtschaftliches Potential sehe ich zudem in erneuerbaren Heimat- und Wohlstandsenergien, zumal in Kombination mit Energiespeichern. Denn jede Einheit fossiler und sonstiger Rohstoffe, die nicht mehr von außerhalb in die Europäische Union eingeführt werden muss, entlastet unsere Handelsbilanz. Und jede Wertschöpfung im Inland – insbesondere auch durch erneuerbare Friedensenergien & durch Recycling – stärkt die europäischen Volkswirtschaften.

      Entsprechend habe ich mich gestern auch über das ebenso mutige wie kluge Angebot von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU / EVP) an den anwesenden und sichtlich erfreuten, kanadischen Premierminister Mark Carney (Liberal Party of Canada) gefreut. Und dazu gepostet:

      Hey, wisst Ihr noch, wie wir hier auf Mastodon halb-scherzhaft diskutiert haben, ob nicht Kanada ein Mitglied der Europäischen Union (EU) werden sollte?

      Genau eine solche „assoziierte Mitgliedschaft“ schlägt nun die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU / EVP) vor!

      Ich bin dafür, würde Kanada auch als Vollmitglied der EU begrüßen!

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117282144854332468

      Ein möglichst großer und sicherer EU-Binnenmarkt mit wertvollen Rohstoffen und Recycling kann ein Königsweg in eine post-fossile Kreislaufwirtschaft sein. Auf eine solche Solarpunk-Zukunft, die auch die globale Erhitzung abbremst und später schließlich überwindet schaue ich mit hoffnungsvoller Freude.

      • Herr Blume, Sie schreiben:

        Auch deswegen habe auch ich mich so über die rechtsmimetische und damit respektlose sowie sachlich falsche „Nutznießer“-Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gegenüber der aktiven alleinerziehenden Kinderärztin Bea Merscher geärgert.
        Ärztinnen und Ärzte in Baden-Württemberg kritisieren Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) für seine Aussage, sie seien „Nutznießer“ des Gesundheitssystems.

        Die Diskussion war etwas differenzierter: Die Nutznießer-Aussage von Merz im Wortlaut
        Wenn es ums Geld geht, verstehen Ärzte keinen Spaß.
        Herr Blume, bei aller Kritik an Merz haben Sie bisher nicht gesagt, welchen erfolgversprechenden Weg aus der Misere Sie sich so vorstellen.
        a) Konstruktives Misstrauensvotum ausgehend von der CDU gegen den eigenen Kanzler mit welchem Kandidaten? Die potentiellen Kandidaten werden bei den leeren Geldtöpfen nicht wollen.
        b) Rücktritt des Kanzlers und Neuwahlen? Viel Vergnügen!

        Empfehlung für alle derzeitigen und zukünftigen Kanzler und Kanzlerinnen: kein Disput mehr mit internetaffinen Gesprächspartnern. Da muss man nach für ein Kurzzitat geeigneten Worten immer mit einem Shitstorm rechnen.

        • Danke für Ihre Nachfragen und Empfehlungen, @Ludger

          Und, ja, auch schon die langjährige, erfolgreiche und mehrfach als CDU-Bundesvorsitzende und Bundeskanzlerin wiedergewählte Angela Merkel (CDU) erinnerte sich in ihrer Autobiografie „Freiheit“ mit Beate Baumann von 2024 an eine digitale Hasswelle nach einem TV-Dialog mit der jugendlichen Libanesin Reem Sawhil.

          In der Bürgerdialog-Sendung „Gut leben in Deutschland“ vom 15. Juli 2015 war die Jugendliche in Tränen ausgebrochen, nachdem ihr die Bundeskanzlerin keine Zusagen zum Aufenthaltsstatus von ihr und ihrer Familie gemacht hatte.

          In ihrer Autobiografie erinnerte sich Angela Merkel auf Seite 502:

          „Über mich brach nach der Veranstaltung ein Sturm der Entrüstung los, national wie international.

          Ich hätte mich ungelenk, eiskalt, empathielos verhalten, es folgte der Hashtag #merkelstreichelt.“

          Im Gegensatz zu manch anderen blieb die damalige Bundeskanzlerin jedoch besonnen, rechtsstaatlich und an Menschenwürde orientiert.

          Sie traf Sawhil 2016 noch einmal zu einem privaten Gespräch ohne Medien. Die inzwischen Erwachsene erreichte dann 2022 auch die deutsche Staatsbürgerschaft.

          Gerade auch weil ich im CDU-Bundesvorstand gut bekannt, seit Jahrzehnten loyales Mitglied und u.a. auch beratender Experte im Bundesnetzwerk Integration (BNI) bin, verzichte ich auf Internet-öffentliche Ratschläge. Ich bin ja jederzeit erreichbar und gehe davon aus, dass die CDU-Bundesspitze gemeinsam mit Friedrich Merz (CDU) schon nach den Wahlen in Berlin & Mecklenburg-Vorpommern die nötigen Schlüsse ziehen wird. An digitalen Mobs beteilige ich mich aus grundsätzlicher Haltung für die Menschenwürde aller nicht, vgl. auch meine klare Ablehnung der „Drachenlord“-Randale:

          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-psychologie-der-drachenlord-hater-feindseliger-dualismus-digitaler-thymos-mimesis/

          Ihnen Dank für Ihr engagiertes Interesse an unserer Demokratie und unserer Christdemokratie!

  37. @Michael 17.09. 00:37

    „Ein möglichst großer und sicherer EU-Binnenmarkt mit wertvollen Rohstoffen und Recycling kann ein Königsweg in eine post-fossile Kreislaufwirtschaft sein.“

    Überhaupt können die mit der Energiewende einhergehenden Investitionen die demografische Investitionskrise entschärfen helfen.

    Die Rolle von Investitionen für Wirtschaft und Arbeitsmarkt liegt letztlich auch darin, das die Kapitalwerte neue Anlagemöglichkeiten finden und so dieses angesammelte Geld in die Kreisläufe zurückfließt.

    Mehr Kinder schaffen genau das auch. Wie eben Investitionen in Grüne Technik. Aber auch Zuwanderung schafft auf jeden Fall Neubaubedarf, und regt entsprechende Investitionen an.

    Wenn es da überall hakt, wären höhere Kapitalertrags-, Vermögens- und Erbschaftssteuern aber durchaus eine Lösung des Problems von übermäßigem Kapital, das nicht mehr hinreichend Möglichkeiten findet, neu angelegt zu werden.

    Natürlich kann sich der Staat dieses überschüssige Geld einfach leihen. Und das macht er längst ausgiebig. Das funktioniert aber nur kurzfristig, schon nur noch in Maßen auch mittelfristig, aber keinesfalls langfristig. Die anfallenden Zinslasten verstärken schließlich über viele Jahre immer mehr das Problem.

    Aber entsprechende Kapitalsteuern kann man auch später immer noch einführen, das muss gar nicht jetzt passieren. Im Moment haben wir so viel sehr akuten Aufrüstungsbedarf, dass diese Aufwendungen ausreichen, das überschüssige Kapital zu binden.

    Und eben auch noch die Energiewende, die braucht auch Kapital, und wenn man es geschickt anstellt, überwiegend als nichtstaatliche Investitionen. Der Staat muss hier nur Fördern, und das nicht mal nur mit Geld, die richtigen Rahmenbedingungen wären schon sehr wirksam.

    Insbesondere Baugenehmigungen z.B. für Windräder oder angemessene Durchleitungsgebühren für einen ausgiebigen PV-Stromhandel innerhalb von Siedlungen. Und Anreize für Kurzfristspeicher direkt an den PV-Anlagen und Windrädern. Das kostet alles keine Steuergelder, das führt aber eben zu umfangreichen privaten Investitionen. Die uns dann immer unabhängiger machen.

    Und angesichts des üppigen deutschen Außenhandelsüberschuss macht es auch erstmal wenig, wenn wir viele Komponenten dafür zunächst noch in China einkaufen müssen. Im Gegenteil, wir hätten gar nicht die Arbeitskräfte, das alles selber herzustellen. Die Installation der Anlagen vor Ort ist schon ein wesentlicher Teil des Umsatzes damit.

    Europa hat freilich nicht diesen Außenhandelsüberschuss. Entsprechend macht es viel Sinn, die chinesischen Hersteller der Grünen Technik zu motivieren, für den europäischen Markt auch z.B. in Osteuropa zu produzieren.

    • Vielen Dank, lieber @Tobias

      Ich bin noch ganz unter dem ermutigenden Eindruck des gestrigen Neujahrsempfangs zu Rosch HaSchana der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden im Rosengarten Mannheim.

      Dabei hatte ich die Ehre, eine Podiumsdiskussion zu moderieren und unter anderem den Vize-Ministerpräsidenten & Innenminister von Baden-Württemberg, Manuel Hagel (CDU) zur fossilen Finanzierung von Antisemitismus & Terrorismus zu befragen. Die Antwort für die post-fossile Energiewende und erneuerbare Friedensenergien fiel so deutlich und klar aus, dass der volle Saal verblüfft und dann auch begeistert reagierte.

      Wieder mal wurde deutlich, dass jeden Tag mehr Menschen in Kommunen und Ländern den Solarpunk-Abschied aus dem Fossilismus wünschen – und zunehmend auch leben. Die Selbstzerstörung des Fossilismus unter Putin & Trump beschleunigt sich, auch über die katastrophalen Preise für Benzin, Diesel und Kerosin. Nur noch Teile der fossilen Rechts- und Konzernmedien und der Berliner Hauptstadtblase sind auf Fossilkurs.

      Um nur ein Beispiel im Kontext der Demografie zu nennen: In deutschen Wohnungs-Neubauten werden längst überwiegend post-fossile Wärmepumpen eingebaut, zugleich zieht der Wohnungsbau endlich wieder an:

      WIESBADEN – Im Juli 2026 wurde in Deutschland der Bau von 22 500 Wohnungen genehmigt. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, waren das 1,9 % oder 400 Baugenehmigungen mehr als im Juli 2025. Dabei stieg die Zahl der genehmigten Wohnungen im Neubau um 0,8 % oder 100 auf 18 400. Die Zahl genehmigter Wohnungen, die durch den Umbau bestehender Gebäude entstehen, stieg im Juli 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat um 7,0 % oder 300 auf 4 100.

      https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/09/PD26_330_3111.html

      Auch Elektroautos werden inzwischen so stark nachgefragt, dass viele deutsche Autokonzerne wegen verschleppter Investitionen inzwischen Lieferschwierigkeiten einräumen müssen. Postete dazu schon am 10. September 2026:

      Wir Blumes – Ehepaar mit 3 Kindern – waren VW-Kunden, fuhren einen Touran. Und als nach meinen Beobachtungen im Irak zur Klimakrise & fossilen Finanzierung von Gewalt klar war, dass ich nie wieder einen Verbrennermotor kaufen werde – hatte VW nichts Erschwingliches im Angebot. Aber die Manager & Aktionäre strichen Rekord-Dividenden ein. Also wurden wir Blumes 2017 Kunden von Renault & sind es bis heute.

      Neun Jahre (!) später sollen Zigtausende VW-Mitarbeitende entlassen, ganze Werke geschlossen werden. Gleichzeitig aber werden neuere E-Modelle so nachgefragt, dass sie ausverkauft & nur mit langen Fristen lieferbar sind.

      Ich sehe da nicht „Fehler“, sondern Jahrzehnte der ShareholderValue-Abzocke statt Zukunftsinvestitionen. Und jetzt zahlen die vielen den Preis für die Profitgier der Wenigen. Fossile Konzerne zerstören sich sogar selbst. Boeing lässt grüßen.

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117246766625979517

      Der Fossilismus richtet noch immer täglich furchtbare Schäden an Menschen und Mitwelt an. Die Zukunft gehört ihm jedoch nicht mehr.

  38. Wie es momentan aussieht, wird die CDU im nächsten Landtag in Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr vertreten sein. Das ist katastrophal! Im Sinne der Demokratie in Deutschland wäre mir ein besseres Wahlergebnis für die Union lieber gewesen.

    Überraschenderweise ist der CDU Parteivorsitzende sehr früh am Wahlabend mit einem Statement vor die Presse getreten. Ich habe den Eindruck, dass es in den letzten Tagen vorbereitet wurde.

    Friedrich Merz zeigte sich mE erleichtert darüber. dass das Wahljahr 2026 vorbei ist.

    Mit seinen sonstigen Worten konnte ich zunächst nicht viel anfangen. Was wollte er uns allen damit sagen?

    Mittlerweile bin ich mir sicher, dass nicht in erster Linie wir alle die wirklichen Adressaten seiner Botschaft sind.

    Der Hinweis auf die Reformen, die für ihn an oberster Stelle stehende Wirtschaft und die Erwähnung von Ludwig Erhard galt dem mächtigen Wirtschaftsrat der Union.

    Denn aus dieser Ecke kam vor kurzem die Forderung nach Entlassung von Bärbel Bas, SPD, als Ministerin. Der daraus vermutlich folgende Bruch der Koalition wird in Kauf genommen. Sogar eine CDU Minderheitsregierung unter Duldung durch die AfD scheint für prominente Vertreter des Wirtschaftflügels erstrebenswert zu sein.

    Herr Merz erwähnte mehrfach die junge Generation. Da geht es mE um ein Signal an die JU und die Junge Gruppe im Bundestag.

    Der Bundeskanzler hat mit erstaunlicher Festigkeit die Umsetzung der Reformen angekündigt. Vielleicht hofft er tatsächlich, dass bis zum Wahljahr 2027 Erfolge für die Wirtschaft errungen werden können. Ob er damit recht hat, wird die Zukunft zeigen.

    Was das alles für das Fortbestehen der CDU bedeutet, wird sich in den nächsten Monaten der Richtungskampf zwischen Christdemokraten und den Konservativen entscheiden müssen. Mit ungewissem Ausgang.

    Ich wünsche uns allen viel Kraft. Wir werden sie brauchen.

    • Herzlichen Dank, @Marie H.

      Wie Sie sich vorstellen können, gehen mir die überwiegend desaströsen Wahlergebnisse und die empathielose Nicht-Erklärung des CDU-Bundesvorsitzenden Friedrich Merz auch heute noch nahe. Habe dazu heute morgen gepostet:

      Es ist ein Alptraum, den Verfall von CDU & CSU in Echtzeit mitansehen zu müssen. „Ich mache einfach weiter!“-Merz und „Jetzt Syrer abschieben!“-Dobrindt verschärfen noch die Rechtsmimesis & damit die Entfernung von der Menschenwürde als dem eigentlichen Kern der Christdemokratie als vielfältiger Volkspartei.

      Und wir können an den Beispielen Frankreich, Italien, Chile usw. sehen, dass auf den Niedergang christdemokratischer Parteien nichts Besseres folgt.

      Traf mich gestern mit Prof. @Teh_Doc_Inan zu einer Wahlanalyse bei „Blume & Ince“, die ggf. heute noch online geht.

      Darin ging ich bereits davon aus, dass die CDU in Mecklenburg-Vorpommern zum ersten Mal in der Geschichte aus einem Landtag gewählt wurde – wie es sich ja leider auch bestätigte.

      Wenn sich die Bundespartei & vor allem die gewählten Mitglieder des Bundestages jetzt wieder nur zum Schweigen verdonnern lassen, dann wird dies ihre Glaubwürdigkeit weiter schwächen.

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117307372965851652

      Die Folge 61 von „Blume & Ince“ ist als Podcast, Videocast und als Blogpost inzwischen auch dialogisch online:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-61-die-cdu-csu-am-rechtsmimetischen-abgrund-die-fdp-schon-einen-schritt-weiter/

      Es fühlt sich noch immer sehr bedrückend an, dass sich Befürchtungen und die Mimesis-Medien-Theorie dann auch in der Realität bestätigt haben…

  39. Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt fand am 6. September 2026 statt. Für eine Analyse des Wahlergebnisses bieten sich verschiedene Perspektiven an – darunter die demografische Entwicklung, die Rolle publizistischer Kommunikation und die Frage, wie politische Akteure Begriffe, Themen oder Argumentationsmuster anderer Strömungen übernehmen.

    Die demografische Situation Sachsen-Anhalts bildet dabei einen wichtigen Hintergrund. Ende 2025 lebten rund 2,12 Millionen Menschen im Land. Gleichzeitig zeigt die amtliche Statistik eine alternde Bevölkerung: Der Anteil der Menschen ab 67 Jahren soll laut Bevölkerungsprognose von 24,7 Prozent im Jahr 2022 auf 30,4 Prozent im Jahr 2035 steigen. Auch die Zahl der unter 15-Jährigen ist langfristig zurückgegangen.

    Der Begriff „Publikative“ lenkt den Blick auf Medien und öffentliche Kommunikation als einen weiteren Faktor politischer Meinungsbildung. Dabei lohnt es sich, zwischen journalistischer Berichterstattung, Kommentaren, sozialen Netzwerken und parteipolitischer Kommunikation zu unterscheiden. Welche Themen besonders sichtbar werden und wie politische Positionen dargestellt werden, kann den öffentlichen Diskurs prägen, ohne dass daraus automatisch ein bestimmter Wahlausgang abgeleitet werden kann.

    Mit „Rechtsmimesis“ lässt sich schließlich die Frage verbinden, ob politische Akteure Argumentationsweisen, Begriffe oder Themen übernehmen, die ursprünglich mit anderen politischen Strömungen verbunden waren. Eine solche Beobachtung sollte anhand konkreter Reden, Programme und Kommunikationsbeispiele geprüft werden. Die amtliche Wahlstatistik ermöglicht zudem eine differenzierte Betrachtung des Wahlverhaltens nach Altersgruppen und Geschlecht.

    Eine Wahlanalyse gewinnt damit vor allem dann an Aussagekraft, wenn demografische Daten, Wahlergebnisse und politische Kommunikation getrennt betrachtet und anschließend miteinander in Beziehung gesetzt werden. So entsteht ein differenzierteres Bild der politischen Entwicklung in Sachsen-Anhalt, ohne einzelne Erklärungen vorschnell als alleinige Ursache zu betrachten.

Schreibe einen Kommentar