Mehr arbeiten? Fossilismus gegen Familien, Demografie & Deindustrialisierung

Da ich in den vergangenen Tagen sehr viel auf “mehr Arbeiten”, “höheres Renteneintrittsalter”, “Schulden”, “Lifestyle-Teilzeit” und selbstverständlich “wieder Wachstum?” angesprochen wurde, vermisse ich den schwedischen Statistiker und Demografie-Kollegen Hans Rosling (1948 – 2017) mehr denn je. Denn er machte bereits in den 2010er Jahren auf eine dramatische Entwicklung aufmerksam, die seit 2017 sogar von den notorisch überschießenden UN-Prognosen bestätigt wird: Wir Menschen haben bereits den Geburtengipfel – Peak Child – überschritten, die Zahl junger Menschen sinkt bereits weltweit und jeden Tag mehr.
Die Bevölkerungsprognosen der UN sind auf “offizielle” Daten aus Ländern wie China, Russland und den USA angewiesen und weichen also immer stärker von der Realität der säkularen Geburtenimplosion ab. Dennoch vermerken auch sie bereits ab 2017 den globalen Rückgang der Kinderzahlen. Grafik: Our World in Data 2025, CC BY
Und auch in Deutschland schrumpfte die Bevölkerung mangels Kindern und Migration bereits 2025 um 100.000 Köpfe – bald 300 Menschen pro Tag!
Im Statistik-Fachdeutsch klingt das dann so:
“Wie in allen Jahren seit der deutschen Vereinigung 1990 überstieg auch im Jahr 2025 die Zahl der Gestorbenen die Zahl der Geborenen. Im Unterschied zu den Vorjahren nahm allerdings die Differenz zwischen den Geburten und Sterbefällen (Geburtendefizit) zu, während der Saldo aus Zu- und Fortzügen (Nettozuwanderung) deutlich abnahm. Die Lücke zwischen den Geburten und Sterbefällen konnte erstmals seit 2020 durch die Wanderungsgewinne nicht geschlossen werden, sodass die Bevölkerungszahl sank.”
Die Folgen sehen wir auch z.B. in China und Japan: Wachstumsschwäche und Rechtsmimesis
Die Folgen von sinkenden Geburtenraten schlagen direkt in Wirtschaft und Politik durch: Wo es immer weniger jüngere Menschen gibt, wird auch immer weniger investiert und produziert. Ältere Menschen konsumieren, sparen und vererben häufiger.
Die Folgen sehen und erleben wir alle im Alltag: Das Wachstum der sog. Bruttosozialprodukte erlahmt, die politischen Diskurse werden rechtsmimetisch, also reaktant, rassistisch und sexistisch und auch Rechtslibertäre (früher “Neoliberale”) befürworten plötzlich erhöhte Schuldenaufnahmen und Zölle, um ihre fossilen Profite noch um ein paar Jahre zu verlängern.
Dabei könnten alle wissen: Schon seit Jahrzehnten versuchen demografisch schrumpfende Volkswirtschaften wie Japan und China vergeblich, durch Exporte und Schuldenaufnahmen ihr Wachstum anzukurbeln. Die aktuellen Diskussionen in Deutschland erlebe ich einfach als plumpe Neuauflage der längst gescheiterten, fossilen und schuldenfinanzierten “Abenomics” (2012 – 2020) in Japan.
Die Geburtenraten auch in den asiatischen Volkswirtschaften China, Japan, Südkorea, Taiwan usw. implodieren durch Fossilismus, Digitalisierung & Säkularisierung in historisch beispiellosem Maß. Screenshot: Michael Blume
In einfachen Worten gesagt: Autos kaufen keine Autos. Niedrige Demografie führt zu Deindustrialisierung.
Im schönstem Managerdeutsch formulierte dies auch mein (nicht verwandter) Namensvetter Oliver Blume als scheidender Porsche-Chef am 12.12.2025 in der Stuttgarter Zeitung:
“Der europäische Automobilmarkt ist heute um über zwei Millionen Einheiten kleiner als vor fünf Jahren. Hinzu kommt: wir haben viel mehr Wettbewerber im Markt und in einzelnen Segmenten dreimal so viele Produkte.
Diesen geballten Druck spüren wir. Und dafür müssen wir uns in Deutschland intelligent aufstellen.”
Aus meiner Sicht – übrigens auch als gelernter und lange “neoliberal” geprägter Banker – ist damit klar:
Wir werden unvermeidlich demografisch und wirtschaftlich nach den alten Kennzahlen schrumpfen und – wenn wir nicht sehr aufpassen – wie bereits die USA durch eine weitere Phase des fossilen Faschismus gehen.
Familien und Religionsgemeinschaften wurden durch Fossilismus & Medien zerblasen
Wie lässt sich diese dramatisch schnelle, säkulare Geburtenimplosion erklären?
Der Fossilismus – also fossil befeuerte Kapitalismus wie auch Kommunismus – machte die überwiegend von Frauen geleistete Familien- & Pflegearbeit (Care-Work) unsichtbar & entwertete sie als „Privatvergnügen“. Als „Arbeit“ gilt seitdem nur noch die Erwerbsarbeit außerhalb der Familie.
Wenn Du Dein Kind zuhause erziehst oder Deine Oma pflegst, geht dies bis heute nicht ins sog. “Bruttosozialprodukt” ein – es gilt nicht als “Arbeit”. Erziehst Du aber beruflich die Kinder anderer Leute oder pflegst Seniorinnen im Pflegeheim, dann – erst dann – hast Du nach herrschenden Kennzahlen wirklich “gearbeitet” und wirst dafür “entlohnt”.
Dein Engagement daheim zählt im Fossilismus nicht, wird nicht einmal erfasst. Für mich ist der höhnische Begriff der “Lifestyle-Teilzeit” daher das fossilistische Unwort des jungen Jahres.
Im Solarpunk werden bereits neue Familien- und Arbeitsverhältnisse utopisch entworfen. Doch es wird wohl noch Jahrzehnte brauchen, bis sich das herumspricht. Schade, eigentlich. Screenshot: Michael Blume, 2023
Die Folge des Fossilismus war und ist also eine Zunahme der Individualisierung und säkularer Geburtenrückgang, der sich medial schon mit der Ausbreitung des Fernsehens steigerte und seit der Einführung des Smartphone zur säkularen Geburtenimplosion eskaliert.
Eine der ersten Wirtschaftsbranchen, die sich durch KI-Anwendungen ökonomisch auflöst, ist nicht zufällig die Pornographie. Immer mehr Menschen erleben Soziales und auch Sexualität immer häufiger ohne andere Menschen. Auch heute, auch jetzt.
Religiosität verstärkt die Kooperation und damit potentiell auch Reproduktion innerhalb von Netzwerken und Gemeinschaften von Gläubigen. Deswegen evolvierte sie biokulturell – bis heute. Schaubild zum “Homo religiosus” von Michael Blume mit NotebookLM
Zumal ja auch noch fossil finanzierte Kriege, Massaker und Vertreibungen sowie Massentierhaltungs-Pandemien und die Klima- als Wasserkrise hinzukommen, rechne ich bereits für die 2030er Jahre mit einem globalen Bevölkerungsrückgang (Club of Rome: 2042). Die meisten Industrien und Exportmärkte werden bis dahin bereits erheblich geschrumpft sein.
Bitte verzeiht mir also, dass ich sowohl als Wissenschaftler, Christdemokrat (CDA) wie auch als dreifacher Familienvater der Tagesaufregung über völlig überzogene, rechtslibertäre “Ideen” nicht nachkommen möchte. Wir erleben derzeit hier die auch deutschsprachige Abwehrschlacht des niedergehenden Fossilismus, in dem rechtsmimetische und asiatische Wirtschaftsdiskurse sowie demografische Sackgassen einfach noch einmal schlecht wiederholt werden. Der fossile “Wirtschaftslobbyismus” ist einfach nur noch flach.
Wer Wertschöpfung im Inland erhalten möchte, sollte stattdessen erneuerbare Friedens- und Wohlstandsenergien sowie Energiespeicher so schnell wie irgend möglich ausbauen. Und wer sich wirklich wissenschaftlich und interdisziplinär interessiert, kann längst darüber hinaus nach vorne schauen – und “Arbeit” neu und umfassend verstehen.




Vermutlich wird für diese Debatte wieder eine grundlegende Begriffsklärung nötig.
Also, wie wollen / sollen wir den Begriff Arbeit verstehen?
Gerne schaue ich bei solchen Gelegenheit auf die Sicht, die in der Wikipedia öffentlich verfügbar ist. https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeit_(Philosophie)
Das die Orientierung an den, mit den Tätigkeiten verbundenen Geldflüssen, oft unzureichend ist, merken viele, die sich z.B. im Sport einbringen. Im Training müssen sie an sich arbeiten, um bestimmte Kompetenzen zu erlangen, die dann eine sie befriedigende Ausübung des Sportes ermöglichen.
Bezahlt werden für solche Arbeiten nur wenige und die teilweise dann mit Summen, die kaum nachvollziehbar sind.
Ähnliches gilt auch für die Arbeit der Trainer – zu größeren Teilen ist sie ehrenamtlich und hilft den Sporttreibenden dann persönlich besser zu werden – im Profibereich von Fußball o.ä. stehen dann auch weitere Themen im Vordergrund, so dass Trainer ausgewechselt werden, weil die Mannschaft nicht gewinnt (ein Bereich der unterschiedliche Interessen gut sichtbar werden lässt und auch eine fundamentale Verschiebung des leitenden Interesse)
D.h. für die Begriffsarbeit braucht es dann auch eine Vergewisserung zu diesem leitenden Interesse.
Ich bin gespannt, was sich in diesem Gesprächsfaden nun zeigen wird.
Herzlichen Dank für die tiefe & wichtige Nachfrage zum Begriff der Arbeit, @HG Unckell 🙏
Und tatsächlich finden wir genau diese Diskussion bereits beim nach Berlin gezogenen Stuttgarter Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 – 1831). Dieser verkündete bereits als Zeitgenosse von Adam Smith (1723 – 1790) und vor Karl Marx (1818 – 1883):
“Dies ist das unendliche Recht des Subjekts, dass es sich selbst in seiner Tätigkeit und Arbeit befriedigt findet.”
In: G. W. F. Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte, Theorie, Werkausgabe Band 12, Frankfurt am Main, Suhrkamp 1980, S. 36 f.
Auch über die “Arbeit am Begriff”, die ich als Begriffsarbeit bezeichne, findet sich bei ihm bereits viel!
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/begriffsarbeit-zur-macht-nach-max-weber-mit-eigener-arbeitsdefinition/
Meine persönliche Definition von “Arbeit” bezieht sich direkt auf die Physik:
Arbeit meint die Energie, die durch bewusste Entscheidungen zweckgerichtet aufgewendet und abgegeben wird.
Vgl. zum Arbeitsbegriff der Physik:
https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeit_(Physik)
Auf dieser grundlegenden Definition lässt sich dann aus meiner Perspektive sehr gut erkunden, warum auch Familien- und Medienarbeit wirkliche Arbeiten sind und warum die meisten Fußballspielenden kein Geld dafür erhalten, einige wenige jedoch Millionen von Dollar.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/fussball-soll-dem-frieden-dienen-meine-ansprache-zum-holocaust-gedenktag-2026-beim-vfb-stuttgart/
Falls das zu einfach erscheint, hier gerne einige Ausführungen von Felo.ai zum Arbeitsbegriff bei Hegel:
Der Arbeitsbegriff bei Georg Wilhelm Friedrich Hegel ist **mehrdeutig** und umfasst verschiedene Dimensionen menschlicher Tätigkeit. Er erstreckt sich sowohl auf den Bereich der **ökonomischen Arbeit** als auch auf die Arbeit, die den Geist der Menschheit in Geschichte, Kunst und Gesellschaft hervorbringt und entwickelt[1][2].
### Gemeinsame Merkmale der Arbeitsbegriffe
Die Gemeinsamkeit dieser unterschiedlichen Arbeitsbegriffe liegt nach Hegel darin, dass sie von der menschlichen Existenz nicht wegzudenken sind. Beide bestimmen den vernünftigen Zugriff der Menschen auf ihre Umwelt in gleicher Weise: Menschen formulieren **Zwecke**, die sie an ihre Umwelt herantragen und durch geeignete **Mittel** zu verwirklichen suchen – unabhängig davon, ob diese Zwecke ökonomisch, kulturell oder moralisch bestimmt sind[1][2].
### Arbeit als Ausdruck von Selbstbestimmung
Durch die zweckmäßige Bestimmung als Form der Gestaltung der Welt im Geist der Menschheit wird die ökonomische mit der moralischen Arbeit vermittelt. Arbeit wird bei Hegel dadurch insgesamt zum **Ausdruck von Selbstbestimmung**[1][2]. Hegel vertritt damit einen Arbeitsbegriff, der für die Moderne prototypisch ist und die Grundannahme enthält, dass Arbeit eine Form der Selbstverwirklichung und Freiheit darstellt[2].
### Arbeit und Selbstbewusstsein
Besonders bedeutsam ist Hegels Herausarbeitung des “anerkennenden Kampfes des Herrn und Knechts”, durch die die Bedeutung der Arbeit als intensivste und umfassendste Form der **gesellschaftlichen Praxis** erkannt wurde[4]. In diesem Zusammenhang tritt das Wesen und der Ursprung des Selbstbewusstseins im Unterschied zu Vernunft und Geist hervor[4].
## Begriffsarbeit bei Hegel
Der Begriff der **”Arbeit des Begriffs”** (auch “Begriffsarbeit”) bezeichnet bei Hegel die **dialektische Bewegung des Denkens** selbst. Während die praktische Arbeit sich auf die äußere Welt richtet, bezieht sich die Arbeit des Begriffs auf die innere, geistige Tätigkeit der philosophischen Erkenntnis.
### Charakteristika der Begriffsarbeit
Der Begriff steht bei Hegel für eine spezifische Methode eines philosophischen Erkennens[22]. Zum einen bedeutet Begriff für Hegel das Resultat des Reflektierens, zum anderen die **Bewegung des Reflektierens** selbst, welche den Begriff als Resultat hervorbringt[13]. Die Begriffsarbeit ist somit der Prozess, durch den der Geist sich selbst begreift und zur Wahrheit gelangt.
Diese geistige Arbeit vollzieht sich nach dem Prinzip der **Dialektik**, einem Entwicklungsprinzip, nach dem eine Gestalt aus der vorausgegangenen hervorgeht[23]. Die Begriffsarbeit ist damit die Anstrengung des Denkens, Widersprüche aufzulösen und zu höheren Einsichten zu gelangen – ein Prozess, den Hegel als notwendig für die Entwicklung des absoluten Geistes ansieht.
[1] https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1524/9783050060361/html?lang=en&srsltid=AfmBOornEv1RE61hssSEmNkqc3N-Tn8otDRThIEEsTNeJQ3VVSaLK8BK
[2] https://philpapers.org/rec/BERASU-2
[3] https://www.academia.edu/5574635/Der_Begriff_der_Arbeit_in_der_Philosophie_Hegels
[4] https://www.ebay.com/itm/405851325426
[5] https://www.amazon.de/Hegels-Begriff-Hegel-Forschungen-Hans-Christoph-Schmidt/dp/3050036265
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeit_(Philosophie)
[7] https://www.deutschlandfunk.de/leben-um-zu-arbeiten-arbeiten-um-zu-leben-100.html
[8] https://www.hugendubel.info/detail/ISBN-9783050036267/Schmidt-Am-Busch-Hans-Christoph/Hegels-Begriff-der-Arbeit
[9] https://backwaterbooks.com/book/9783050036267
[10] https://www.thur.de/philo/hegel/hegel7.htm
[11] https://www.amazon.com/Hegels-Begriff-Arbeit-Hegel-Forschungen-German/dp/3050036265
[12] https://www.jstor.org/stable/24361962
[13] https://www.juraforum.de/lexikon/begriff
[14] https://dasgoetheanum.com/begriff-und-anschauung-des-geistes/
[15] https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Wilhelm_Friedrich_Hegel
[16] https://www.philomag.de/lexikon/arbeit
[17] http://users.sussex.ac.uk/~sefd0/tx/phg.htm
[18] https://bibliographie.uni-tuebingen.de/xmlui/bitstream/handle/10900/121047/Sans_008.pdf?sequence=1
[19] https://d-nb.info/1185653937/34
[20] https://philarchive.org/archive/GIUSHH
[21] https://hegel-system.de/de/begriff.htm
[22] https://praefaktisch.de/hegel/was-ist-eigentlich-der-begriff-ein-plaedoyer-anlaesslich-des-hegel-jahres-2020/
[23] https://www.fritz.tips/dialektik-nach-hegel-einfach-erklaert
[24] https://www.projekt-gutenberg.org/hegel/logik2/N16269.html
@Hauptartikel
Dann funktioniert es aber nur, wenn man an den Gott wirklich glaubt. Wie kann man das fördern?
Ich denke, dass das gar nicht möglich ist. Auch mir nicht. Bei allen Geisteswelten schaffe ich es einfach nicht, an das Unmögliche einer personifizierten Gottheit zu glauben. Unmöglich.
Soweit dass dann eben nicht anders geht, also z.B. mit einer durchgreifenden Förderung der Care-Arbeit, dann bleibt nur eines übrig: Die Säkularen müssen aussterben, derweil die Religiösen dann übernehmen. Geht auch.
Und wenn der Wendepunkt eben erst kommt, wenn wir uns auf 4 Milliarden Menschen geschrumpft haben. Macht das denn was?
Vielen Dank, lieber @Tobias – und ich möchte ausdrücklich nicht so verstanden wissen, dass ich einer Funktionalisierung (“Verzweckung”) von Religiosität und Spiritualität das Wort reden würde. Vielmehr beobachte ich deren biokulturelle und wechselwirkende Evolution mit Wirkungen auch auf die Demografie – und halte das für völlig ausreichend!
https://www.youtube.com/watch?v=Iy9J9ddelVw
Ich respektiere jede persönliche Entscheidung für oder gegen Kinder, für oder gegen Religion. An der Diskussion über die sog. Anthropodizee beteilige ich mich philosophisch und konstruktiv, vgl. mein Beitrag zu “Quarks & Co.” schon 2014:
https://www.youtube.com/watch?v=Iy9J9ddelVw
Dass die Geburtenraten derzeit global schnell sinken, lässt sich vor dem Hintergrund der Klima- und Wasserkrise auch sehr positiv deuten. Und falls wir Menschen das 21. Jahrhundert überleben, so werden schon neue Formen von Religiosität und Spiritualität evolvieren und emergieren. So war es ja auch in den vergangenen Jahrzehntausenden.
Ein starker Blogtext- eigentlich eine Zusammenfassung von Jahren harter Arbeit!!
Danke, dass Sie sich nie unterkriegen lassen, Dr. Blume!
Und schicke neue Brille, übrigens.
Herzlichen Dank, @Kurt Schmid 🙏
Freut mich, dass auch Ihnen die neue Brille gefallen hat – und wahrscheinlich kamen Sie auch über diesen Link?
https://sueden.social/@BlumeEvolution/116007103672762685
Und, ja, in gewisser Weise fasst dieser Blogpost viele meiner Arbeiten zusammen. 🌞👍
Interessante Symbolik, nicht? Die Sonne geht auf, und die Gespensterwelten der fossilen Unterwelt zerfallen zu Staub. Pluto, der Herr der unterirdischen Reichtümer, der Geister und des Geldes, zieht sich mit seinen Schatten in das Reich des Todes zurück, und das Licht fällt auf eine Welt aus Asche: Gut gedüngt und reif für neues Leben. Und mit dem Ragnarök ihres Gottes werden auch seine Priester ziemlich wehleidig und nölen und pöbeln ohnmächtig herum, ob in Washington oder Moskau oder Teheran oder Berlin.
Die Fürsten der Erde gegen Gott, Tod und Teufel. Kein Wunder, dass die Welt wirkt wie eine zerquetschte Kakerlake. Zeitverschwendung.
Mehr arbeiten ist Unsinn, denn wir haben alle den falschen Job. Wir sind Pixelbauern, ackern vor Computern und produzieren in Massen Schulden und Inflation. Alles, was der Pixel-Midas anfasst, wird zu Geld – doch was wir oft als Kompliment für gewiefte Businessleute meinen, entpuppt sich als unser Fluch. Selbst wenn ganz Deutschland rund um die Uhr Pixel scheißt, pisst, kotzt, schwitzt, hext, dreht, wendet, drückt, würgt, beschwört, bekniet, verflucht, anbetet, Gassi führt, von einer Tasche in die andere verschiebt, für sie all seine Jungfrauen und Kinder in den Vulkan schmeißt und sich per Fleischwolf zu Pixeln zermahlen lässt – die Chinesen geben Ihnen kein Brötchen für Pixel, mit denen sie nach Europa fahren müssten, um sich hier ein Brötchen aus China zu kaufen. Es bleibt nur der Totalausverkauf des Tafelsilbers und den Gürtel enger zu schnallen, bis hin zum Abschlachten der Bevölkerung.
Deutschland entwickelt sich zum Rentierstaat der Aktienmärkte – die sind für uns das, was das Öl für Saudi-Arabien oder Russland ist: Durch sie nuckeln ein paar Eliten an vielen Profit-Quellen im Ausland, und dass sie mit dem Rest der Bevölkerung teilen müssen, geht ihnen gegen den Strich. Also wird die Bevölkerung angepeitscht, schneller all ihr Vermögen zu den Eliten zu pumpen, damit sie wirtschaftlich zu schwach und die Eliten zu stark sind, als dass man sie nicht im Slum einsperren oder gleich im Krieg entsorgen kann.
Nicht mit Absicht, das machen die Spielregeln der Wirtschaft ganz von alleine. Deutschland ist wirtschaftlich nutzlos, sogar für sich selbst, und muss das ändern oder verrecken. Ganz einfach.
Wenn die Massen nicht mehr konsumieren wollen oder können, entstehen künstliche Konsumenten, wie Krieg oder Privathobbys der Milliardäre. Dem Pharao gehört alles, also landet irgendwann alles Geld beim Pharao, also haben die Leute keins mehr und die Wirtschaft kommt zum Erliegen. Also schmeißt der Pharao eine Pyramide oder einen Kölner Dom oder einen New Deal, dadurch fließt das Geld von seiner Schatzkammer über die Baustelle an die Leute zurück.
Wenn er dabei Wälder roden oder Piratenschiffe bauen lässt, werden neue Futterquellen erschlossen, die Bevölkerung kann wachsen und Ägypten überlebt auch, wenn der Nil versiegt. Das verkompliziert aber die Gesellschaft, und es braucht einen Upgrade-Pharao, der komplexe Systeme managen kann – einen Demokraten, der auf Feedback reagiert, Aufgaben delegiert, vertraut und vertrauenswürdig ist, aber auch das nötige Minimum an Disziplin wahren kann.
Es geht um den Hunger, das Feuer auf dem Altar. Ob es in unseren Bäuchen brennt oder in den Fabriken oder auf den Schlachtfeldern, ist egal. Wir arbeiten aber nur, wenn wir keine andere Wahl haben, deswegen schuften wir nicht für Kinder, Krankenhäuser, Schulen, Fortschritt, Energiewende. Wir schuften für die Peitsche der eigenen Lust, die Peitsche der Börsen, die Peitsche der Schulden, die Peitsche des Krieges. Und auch da schuften wir so wenig wie möglich, sodass wir dabei die Welt zu halb verdautem Erdöl, Pixeln und CO2 verbrennen. Und deswegen müssen wir immer mehr und mehr schuften, denn halb verdautes Erdöl, Pixel und CO2 machen den Magen kaum voll.
Wir arbeiten immer für die Peitsche und tun das, was die Peitsche will. Und wenn wir keine Peitsche wollen, die Zuckerbrot für alle will, dienen wir halt einer, die nur Zuckerbrot für sich selber will.
Bevölkerungsschrumpfung an sich ist kein Drama – das Drama kommt daher, dass es so schnell geschieht, dass die Kids fehlen, die Alten beim Sterben durchzufüttern und zu pflegen, so wird das Sterben echt stressig und Stress führt dazu, dass wir es uns gegenseitig beschleunigen. Das Überleben der Menschheit ist keine Pflicht, aber keine Kinder zu haben hat Konsequenzen im Alter.
Die Alten haben die Optionen a) Adoption durch Migration, oder b) jämmerlich im eigenen Dreck verrecken. Weswegen sich Deutschland gerade in eine Region a und eine Region b aufteilt, und Probleme damit hat, dass Region b das ganze Land und all seine Arbeitskräfte für sich beansprucht. Hier helfen nur klare Grenzen – wer die Arbeitskraft von Migranten nicht will, soll auch nicht davon profitieren. Wer sie will, soll die Kosten der Integration und Ausbildung tragen. Wir bekommen ein Deutschland weniger Aktionärsvillen, die ihr Kapital aus dem Ausland beziehen und hungernden Rentner, die ihren Frust durch Aggression oder Depression auslassen und ein Deutschland, in dem die Rentner gepflegt werden und eine Erneuerung der Wirtschaft und Gesellschaft möglich wird.
Migration ist aber nur eine vorübergehende Lösung, falls man doch ans Überleben der Spezies denkt. Man muss mit der Zeit gehen.
Ein Affe ist wie ein Baby – der Dschungel ist seine Mami, er kann sich alles schnorren, was er braucht. Mit der Zeit übernimmt er Verantwortung – er lernt Ackerbau, er baut Städte, er erkauft sich einen höheren Lebensstandard, indem er einen künstlichen Dschungel zu bauen lernt.
Und jetzt ist es so weit, dass auch Kinder nicht mehr zu der Manna gehören, die einfach so vom nächsten Baum regnet. Wir können sie nicht mehr schnorren, wir müssen selbst anbauen. Aus einem Gratis-Dienst wird entweder Sklaverei oder gleich bezahlte Arbeit.
Die billigste Art, Leute zu bezahlen, ist der Glaube. Deswegen will der Faschismus, dass Sie für den Nationalstolz schuften und der Kapitalismus, dass Sie Pixel für Brot halten. Es hat seinen Sinn, die Äffchen zu verarschen, denn ein künstlicher Dschungel kostet ja mehr Arbeit, als sie es gewohnt sind. Das heißt, sie müssen wie die Eichhörnchen sein, die Nüsse in einen hohlen Baumstamm stecken – sie glauben, für jede Nuss irgendwann drei Nüsse zurück zu bekommen, während in Wirklichkeit die Nüsse unten herausfallen und all die Äffchen füttern, die die brummenden Fische auf den Asphaltflüssen weiden und die Betonbäume warten.
Das heißt, wir glauben zwar, fürs Jenseits zu arbeiten – kassieren aber die Profite schon jetzt. Natürlich sammeln sich die längst erfüllten Versprechen des Glaubens massiv in Inflationsblasen an, die ab und zu platzen müssen, um den Überschuss zu entsorgen und den Glaubensmarkt zu reseten, aber das ist nur ein Drama, weil wir wie Affen reagieren, denen jemand die Bananen geklaut hat, und nicht wie Leute, die erkannt haben, dass sie sich selbst verarscht haben und das eigentlich gar nicht so schlimm ist und sogar so sein muss.
Natürlich werden die Verwalter des hohlen Baumes die Nüsse lieber selbst verfressen, als sie wieder zu verteilen, und deswegen hilft es, wenn auch sie Lügen haben, an die sie glauben. Noch mehr hilft die Wahrheit, dass ihnen jemand auf die Finger schaut, die ist aber heute nicht gegeben, weil wir die Frage: Wer bewacht die Wächter? – nicht zufriedenstellend beantwortet haben.
Heute müssen aber zweifelhafte und anstrengende Kinderfreuden auf dem freien Markt mit den schnellen, leichten Freuden des Lotterlebens konkurrieren – der kurze Spaß beim Sex wird durch Verhütung entschärft, der Spaß an den Kindern durch die Kosten und billigere, bessere Konkurrenzbespaßung. Wenn wir Kinder haben, lieben wir sie, das ist dann Lohn genug, aber in die Falle geht keiner mehr freiwillig – außer, es ist keine Falle, in die man ihn führt, um ihn dann hineinzustoßen und darin allein zu lassen, für seinen naiven Glauben zu büßen. Heute sind Elternschicksale eher abschreckende Beispiele, und es wirkt, als würde man sie wegen Kindesmissbrauchs verknacken müssen, weil sie diese Welt ihren Kindern zumuten. Wenn sich eine solche Welt ihnen zumutet, ist das Elternmissbrauch.
Das heißt, der Lohn muss steigen. Die Währung Glaube, Versprechen, Spaß an der Sache, genügt nicht mehr, wir brauchen mehr. Kinder kriegen, Kinder aufziehen, muss sich für die Eltern so weit lohnen, dass es für sie die Mühen aufwiegt. Eltern werden gewissermaßen zu Beamten auf Lebenszeit und müssen vom Staat verhätschelt werden, um ausreichend Bewerber für den Dienst zu gewinnen. Und das bedeutet, wir werden nicht mehr für Pixel schuften, sondern wieder für die Kinder, als eine Art Papi-AG. Und trotzdem – ärmer müssen wir deswegen nicht werden. Nur weniger verschwenderisch und mehr stubenrein.
Die Welt des Pixel-Midas stirbt, und wir warten darauf, dass der Tod uns von ihr erlöst – er holt sie, wenn er genug von uns geholt hat, wenn seine scheinbar übermächtigen Strukturen und Tempel überlastet und zerbrochen sind, wenn der Glaube so verschlissen und erschöpft ist, der Schmerz so groß, dass wir von den alten Göttern ablassen. Doch währenddessen bereiten wir schon die Wiedergeburt fort – Energiewende, neue Gedanken, neue Technologien, neue Philosophien.
Eine neue Zeit gebiert eine neue Religion. Sie wächst parallel zum neuen Wirtschaftssystem, zur Technologie, zu neuen Gesellschaftsstrukturen. Sie kann im nicht-kontrollsüchtigen Sinne woke sein, tolerant, weltoffen, gleichberechtigt, demokratisch, sie kann Platz haben für Mischkulturen und Leute, die lieber unter Ihresgleichen bleiben – wie es erfolgreiche Religionen und Zivilisationen tendenziell schon immer waren.
Aber es kann auch eine Welt der Sklaventreiber werden, die sich mit Harems von Sklavinnen auf Epstein Island vermehren und jeden töten oder vertreiben, den sie nicht für ihr Glück brauchen, umso mehr, je mehr Maschinen die Oldschool-Sklaven verdrängen.
Die Peitsche des Todes, die Peitsche des Himmels, die Peitsche der Hölle. Suchen Sie’s sich aus. Die demokratische Mehrheit entscheidet.
Vielen Dank, @Paul S. – hier stimme ich Ihnen fast zu:
“Interessante Symbolik, nicht? Die Sonne geht auf, und die Gespensterwelten der fossilen Unterwelt zerfallen zu Staub.”
Freilich verstehe ich die Symbolik etwas anderes: Menschen – und insbesondere z.B. auch Preußen – haben sich an den unterirdischen, fossilen Schätzen über die Maßen bedient und damit die mörderische Gier gegenüber Mitwelt und Mitmenschen aus dem Noah-Mythos neu befeuert. Doch diesmal bringen wir eben die Sintflut selbst über uns…
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/b-wie-berlin-babylon-preussen-und-der-fossile-faschismus/
Felo.ai hat es schon begriffen:
## Michael Blumes Verbindung von Solarpunk und Noah-Arche-Mythologie
Michael Blume verknüpft den Solarpunk mit Aspekten der Noah-Arche-Mythen durch das Konzept der **”Solarpunk-Arche”**, das er insbesondere am Beispiel des Science-Fiction-Films “Passengers” (2016) entwickelt.
### Das Arche-Konzept in “Passengers”
In seiner Filmanalyse interpretiert Blume das Raumschiff “Avalon” als moderne Arche-Metapher[4]. Das Schiff transportiert Menschen zu einem neuen Planeten namens “Homestead II” – einem erdähnlichen, aber noch unbelebten Planeten, der mit irdischem Leben besiedelt werden soll[4]. Diese Konstellation erinnert an die biblische Noah-Arche: Ein geschlossenes Lebenserhaltungssystem, das Leben durch eine existenzielle Krise hindurch in eine neue Zukunft trägt.
### Lebenserhaltungssysteme und Verantwortung
Blume betont, dass die Protagonisten Jim und Aurora sich erst dann um die Lebenserhaltungssysteme der “Avalon” kümmern, als ihre eigene Existenz bedroht wird[4]. Diese Dynamik nutzt er als Parallele zu unserem heutigen Umgang mit dem “Raumschiff Erde”: Kleinere Störungen werden verdrängt, obwohl die KI im Film wiederholt warnt, dass diese nicht auftreten dürften[4].
### Nachhaltige Lebenswelten statt Flucht
Entscheidend ist Blumes Interpretation des Films nicht als Plädoyer für interstellare Flucht, sondern für **nachhaltige Solarpunk-Arche-Lebenswelten im Hier und Jetzt**[4]. Er schreibt: “Es geht hier also sehr klar um Zeitlichkeit und Sinn”[4]. Die Arche-Metapher dient ihm dazu, Verantwortung zu internalisieren statt zu externalisieren – ein zentrales Anliegen seiner Unterscheidung zwischen abstraktem “Klimaschutz” und konkretem “Mitweltschutz”[4].
### Technologie und Kreislaufwirtschaft
Blume verbindet diese mythologische Dimension mit konkreter Solarpunk-Technologie, etwa wenn er auf Recyclinganlagen für Solarmodule hinweist: “Der Solarpunk wird von der utopischen ScienceFiction-Zeitreise immer mehr greifbar”[4]. Die Arche wird so zum Symbol für geschlossene Kreislaufsysteme, die das Überleben sichern – nicht durch Flucht, sondern durch verantwortungsvolle Pflege der Lebensgrundlagen.
[1] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/gegen-wen-und-was-rebelliert-der-post-fossile-solarpunk/
[2] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-deutschsprachige-solarpunk-bewegung-im-mastodon-fediversum/
[3] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-fossilismus-kann-nicht-alleine-militaerisch-besiegt-werden-er-ist-staerker-als-kapitalismus-und-sozialismus/
[4] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/solarpunk-arche-filmtip-passengers-von-2016-von-morten-tyldum-jon-spaits/
[5] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/solarpunk-ist-mehr-als-utopie-schon-heute-gegen-reaktanz-und-arroganz-leben/
[6] https://cheshirelibraryblog.com/category/movies/page/2/
[7] https://www.facebook.com/groups/creatingandcobookclub/posts/1949510315601241/
[8] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/alle-koennen-etwas-tun-solarpunk-und-fleischverzicht/
[9] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/dualistische-superyacht-vs-monistische-arche-wie-ueberleben-menschen-die-mitweltkrise/
[10] https://www.researchgate.net/publication/397374024_No_91_2025_Ecowitches_Ecofeminism_and_Earth_Repair_Symbiotic_Posthuman_Narratives_in_the_Age_of_the_Symbiocene
[11] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-48-weihnachtsfolge-mit-dem-petrodollar-rentier-dem-weihnachtsmann/
[12] https://blogs.library.duke.edu/blog/author/aah39duke-edu/
[13] https://boardgamegeek.com/geeklist/283360/my-2021-2026-quick-brown-fox-challenge
[14] https://talksandlectures.aec.at/?id=480
[15] https://www.reddit.com/r/Fantasy/comments/864y3u/official_final_2017_rfantasy_bingo_thread_turn_in/
Ein bisher wenig aktiver und mir unbekannter Mastodon-Account ohne Profilbild stellte zu diesem Blogpost inhaltlich durchaus spannende Nachfragen.
https://mastodon.social/@KristianSteiffen/116007234398843639
Da jedoch Ruprecht Polenz und ich zuletzt dort – und sicher “zufällig” besonders am Holocaust – Gedenktag 2026 – von pseudonymen Schwärmen angegangen wurden, habe ich mir dort Zurückhaltung auferlegt.
https://sueden.social/@BlumeEvolution/116007103672762685
Stattdessen greife ich die Frage gerne hier auf:
Ich hätte zwei Nachfragen:
1. Welche konkreten Mechanismen führen nach Ihrer Auffassung von der ökonomischen und symbolischen Entwertung von Care-Arbeit im „Fossilismus“ zu individuell sinkenden Kinderwünschen bzw. Geburtenentscheidungen?
Ganz konventionell setze ich den Aufstieg der fossilen Industrialisierung mit der Verbesserung (nicht: Erfindung!) der Dampfmaschine durch James Watt (1736 – 1819).
In der Folge entstanden auf Basis der fossilen Gewaltenergien Kohle, später auch Erdöl und Erdgas, mehr und mehr Fabrik-Arbeitsplätze, während die älteren Manufakturen und Haus-Arbeitsplätze weltweit unter Druck gerieten. Ein historisch bekanntes Beispiel dafür waren die verzweifelten Familien-Aufstände der schlesischen Weberinnen und Weber, die bis dahin vor allem als Familienbetriebe funktioniert hatten.
In Peterswaldau verbündeten sich am 4. Juni 1844 zahlreiche Heimweber zu einem Protestmarsch. Sie wollten sich gegen die Lohnkürzungen ihrer Fabrikanten wehren. Nachdem Gespräche mit dem lokalen Landrat erfolglos blieben, plünderten und demolierten die Weber die Fabrik der Gebrüder Zwanziger. Anschließend griffen sie auch den Fabrikanten Dierig an. Einige gefangen genommene Fabrikanten sahen sich zu Geldzahlungen an die Weber gezwungen. Nach dem Einmarsch preußischer Militärs wurde der Aufstand am 6. Juni blutig niedergeschlagen.
https://www.geschichte-abitur.de/lexikon/uebersicht-restauration-vormaerz/schlesischer-weberaufstand
Gerne nehme ich auch Ihre zweite Frage auf:
2. Auf welcher empirischen oder theoretischen Grundlage bewerten Sie die Ausbreitung von Fernsehen und Smartphone nicht nur als Begleiterscheinung, sondern als kausalen Treiber der beschleunigten Geburtenimplosion?
Für das psychologische Schlüsselkonzept zum Verständnis auch von Medienwirkungen halte ich die Mimesis, über die ich u.a. mit Prof. Dr. Inan Ince hier gesprochen habe:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-49-migraene-mimesis-menschen-neurodivers/
Die grundlegenden, demografischen Befunde zur Wirkung von Medien auf menschliches Sozial- und Sexualverhalten dazu sind lange bekannt und empirisch unstrittig, zum Beispiel hier:
Der dramatische Rückgang der Geburtenrate in Brasilien ist zumindest teilweise mit der Begeisterung der Brasilianerinnen für Seifenopern zu erklären. Zu dieser Erkenntnis kamen Wissenschaftler des Zentrums für wirtschaftspolitische Studien (CEPR) in London. Die Produktionen des kommerziellen Fernsehsenders Globo hätten einen „messbaren“ Einfluss darauf, wieviele Kinder sich brasilianische Frauen wünschten, sagte die Mitautorin Eliana La Ferrara von der Bocconi-Universität in Italien der Nachrichtenagentur AFP.
Empirische Analysen von Volkszählungen und anderen Daten hätten gezeigt, dass der Rückgang der Geburtenrate von 6,3 Kindern pro Frau im Jahr 1960 auf nur 2,3 Kinder im Jahr 2000 auch auf den TV-Konsum und dabei vor allem auf den Konsum der Serien von Globo zurückzuführen sei.
In den beliebten Serien wird das Leben von Familien geschildert, die kleiner sind als die traditionelle brasilianische Familie. Nach dem Vorbild der Globo-Serien wünschten sich vor allem Frauen mit einer schlechteren Schulbildung weniger Kinder als früher. Der Untersuchung zufolge lassen sich die brasilianischen Mütter sogar bei der Namenswahl von den Telenovelas inspirieren.
https://www.focus.de/panorama/seifenoper-senkt-geburtenrate-in-brasilien-fernsehen_id_2333343.html
Über weiteres, gerne auch interdisziplinäres Interesse freue ich mich.
In Deutschland und umgebenden Ländern spürt man den Rückgang der jüngeren Jahrgänge und die zunehmende Dominanz der Ü50 an
1) der Besitzstandswahrungsmentalität
2) der Skepsis, gar Ablehnung von technischem Fortschritt: eben gehört, dass Deutsche im Gegensatz etwa zu Chinesen, Indern kein Bedürfnis nach mehr Software im Auto haben, sie wollen generell nicht Neues, sondern nur das Alte billiger
3) dem zunehmenden technologischen Rückstand Deutschlands, den fehlenden Innovationen, fehlenden Neugründungen. Beispiele: a) Der deutsche Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer sagt, Deutschland habe einen Rückstand von 20 Jahren auf China in der Batterieentwicklung.
b) In China gibt es 200 Firmen, die humanoide Roboter entwickeln, in Deutschland eine handvoll, von denen nur gerade 2 eine gewisse Grösse haben, nämlich Neura Robotics und Agile Robots
4) Trotz Deindustrialisierung und dem Wegzug, bezugsweise der Deinvestition in D und massiven Investition in China von mehreren Autofirmen und aktuell gerade Bosch, hat Ds Politik und Gesellschaft keine Antwort darauf. Die Politik will alles aussitzen, nur wird das absehbar diesmal nicht funktionieren (schon Merkel sass gerne etwas aus)
Kurzum: Während im schrumpfenden China noch eine Sieger-, jedenfalls eine Fortschrittsmentalität herrscht, sind Deutschland, Frankreich und einige andere westliche Länder bereits politisch und gesellschaftlich fest geprägt, ja in der Hand der Generation Ü50. Die gesamte Gesellschaft ist zunehmend verknöchert und es finden Scheindebatten und rückgewärtsgewandte Entwicklungen statt. Eine Scheindebatte ist beispielsweise die Notwendigkeit mehr zu arbeiten. Dabei muss D vor allem die Arbeitsproduktivität steigern, mit weniger Arbeitern also mehr schaffen. Das aber erfordert Automation und den Einsatz von (auch humanoiden) Robotern, also von Technologie, die erst gerade geschaffen wird und die die Ü50-Gesellschaft nicht auf dem Schirm hat. Rückwärtsgewandte Entwicklungen in D sind etwa das Festhalten an Wasserstoff als saisonalem Energiespeicher, der Glaube mit E-Fuels könnten die alten Verbrenner weiter betrieben werden und generell das Ausbleiben einer Auseinandersetzung mit einem zukünftigen Deutschland, das mehr sein könnte als ein Altersheim.
Prognose: Heute kommt ein Grossteil neuer, hochstehender Technologien aus den USA, in Zukunft werden unsere Wohnungen und Strassen jedoch von immer mehr chinesischen Produkten überstellt sein. D, ja ganz Europa könnte zum Freilichtmuseum werden, das die Lebensweise im späten 20. Jahrhundert konserviert.
Herzlichen Dank, @Martin Holzherr
Inhaltlich bin ich nicht ganz bei Ihnen, da die Solarindustrie überwiegend von deutschen Ingenieuren entwickelt und dann für kurzfristige, fossile Profite ab 2012 an China verschenkt wurde. Dass die entsprechenden Meldungen dazu am 11. September (!) 2012 durch den Äther gingen, empfinde ich als schmerzhaftes Hohnlachen der Geschichte des Fossilismus, vgl.:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/meine-rede-gegen-den-fossil-finanzierten-terror-antisemitismus-am-11-september-2025-in-freiburg-im-breisgau/
Auch heute noch könnte Deutschland mit einer klugen Politik für erneuerbare Friedens- und Wohlstandsenergien hohe Wertschöpfung im Inland erzeugen, wie es ja auch etwa der bayerische (!) Landkreis Wunsiedel seit Jahren vormacht!
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/solarpunk-und-solarpopper-wasserstoff-hoffnung-wunsiedel-bayern/
Für sehr gut halte ich auch die Freihandelsabkommen mit Mercosur (wobei mich das Abstimmungsverhalten einiger grüner und linker MdEP gemeinsam mit Rechtsdualisten und AfD tief verärgert hat) und mit Indien. Im Gegensatz zur sehr provinziellen Politik- und Parteidebatte in Deutschland schätze ich dabei auch das große und insgesamt erfolgreiche Solarenergie-Engagement der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU):
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/rede-der-eu-kommissionspraesidentin-ursula-von-der-leyen-cdu-evp-fuer-den-globalen-ausbau-erneuerbarer-friedensenergien/
Ich halte also nichts von rechtslibertärer Reaktanz und den falschen, fossilen Konzepten auch von Rechtslibertären in der Union. Ebenso sehe ich aber auch keinen Grund, dass wir Deutschen uns mal wieder gegenüber anderen runterjammern sollten. Stattdessen haben wir nach meiner Einschätzung noch immer das Potential für eine christlich-soziale und ökologische Zukunftspolitik, die unsere Heimat sicherer, besser, gesünder und auch wohlhabender macht. Wenn ich über Jahrzehnte hinweg nicht aufgegeben habe – dann brauchen Sie das doch auch nicht tun. Meine ich.
@Michael Blume(Zitat): “ Ebenso sehe ich aber auch keinen Grund, dass wir Deutschen uns mal wieder gegenüber anderen runterjammern sollten. Stattdessen haben wir nach meiner Einschätzung noch immer das Potential für eine christlich-soziale und ökologische Zukunftspolitik, die unsere Heimat sicherer, besser, gesünder und auch wohlhabender macht.“
Das Potenzial Deutschland wird durch die Bildung und durch die kulturell-politische Offenheit für neue Entwicklungen bestimmt. Beides aber tendiert nach unten.
1) Bildung: Die PISA-Studie von 2022 lieferte für 15-jährige in D die schlechtesten Ergebnisse seit Beginn von Pisa mit Mathematik und Lesen auf einem Allzeittief und Verschlechterung auch in der Naturwissenschaft. Gestern sah ich das Video Deutschland verlernt das Denken – Mathematikprofessor nennt die Schuldigen mit einem Mathematiklehrer, der diagnostizierte: das ganze Bildungssystem von der Grundschule an bis zur Universität hin liegt in Trümmern. Es ging halt nicht mehr um die Qualität. Ja, es geht halt einfach nur darum, Masse zu erzeugen.
2) Kulturell-politisch hat Technologie, Industrie und Wirtschaft in der öffentlichen Diskussion und im Selbstverständnis der Vordenker Deutschlands einen niedrigen bis sehr niedrigen Stellenwert. Tendenziell werden sie als Wohlstandslieferanten betrachtet, die man abmelken kann und um die man sich sonst nicht zu kümmern braucht.
Deutschland hat eine sehr breit gefächerte Industrie, von der jetzt gerade aber die Basisindustrien, also Auto, Chemie, Maschinen, Elektromechanik ihre Fabriken ins Ausland verlagern, was einen irreversiblen Bruch für den Standort Deutschland bedeutet.
Kurzum: Seit 2018 hat Deutschland kaum noch Wachstum, wohl aber steigende Gesundheits- und Sozialkosten, was bei einer alternden Gesellschaft zu erwarten ist. Die Deindustrialisierung und Umstrukturierung wird nach der Prognose vieler die Stagnation um mehrere Jahre fortsetzen, so dass Deutsche mit immer weniger frei verfügbarem Einkommen auskommen müssen. Es kann durchaus sein, dass gerade junge, gut ausgebildete Deutsche in Zukunft Deutschland verlassen, weil sie sich mehr Möglichkeiten im Ausland versprechen.
Ja, @Martin Holzherr – genau diesen Zusammenhang zwischen Alterung, Rechtsmimesis, sinkender Nachfrage und Deindustrialisierung hatte ich ja im Blogpost beschrieben. Ich stoße mich jedoch an Ihrer seltsamen Bewunderung für China: Das Land unterdrückt geistige Freiheit, schließt sich kulturell und demografisch immer weiter ab und verzeichnet trotz verzweifelter Exportsubventionen eine schnell wachsende Jugendarbeitslosigkeit!
Die Jugendarbeitslosenquote in China hat im Jahr 2023 geschätzt rund 15,8 Prozent betragen. Bei Frauen hat sie bei etwa 14,2 Prozent und bei Männern bei rund 16,9 Prozent gelegen. Die Statistik zeigt die Jugendarbeitslosenquote in China von 2012 bis 2026. Die Angaben beziehen sich auf die Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen.
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1409485/umfrage/jugendarbeitslosenquote-in-china/
Und dies sind ja nur die offiziellen Daten – denen ich gerade auch im Hinblick auf die chinesische KP längst nicht mehr trauen würde. Wie auch das ebenfalls autoritäre Russland erscheinen mir die demografischen Daten der sog. Volksrepublik als zunehmend verfälscht. Diese Diktaturen verdienen es nicht, als vermeintliche Vorbilder idealisiert zu werden. Das waren sie nicht und werden sie nicht sein.
Und auch etwa in den demokratischen Gesellschaften Japan und Südkorea haben Jahrzehnte der MINT-Bildung und Technomimesis keine glücklichen Generationen hervorgebracht, sondern im Gegenteil die demografische Traditionalismusfalle verschärft, vgl.:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-polarisierende-macht-der-saekularen-demografischen-traditionalismusfalle/
Zwar stimme ich mit Ihnen darin überein, dass wir von anderen Ländern und Kulturen auch immer etwas lernen können. Ich mag es aber nicht, wenn sich Deutsche immer wieder selbst schlecht jammern und (was Sie bisher nicht tun) Tyrannophilie beschwören, statt dankbar und fair auf dem Vorhandenen aufzubauen.
Übrigens gibt es vom Kanal “Dream Realm” einen recht eindrucksvollen Technofutur-Musikfilm zu einem imaginären China:
“Qin Dynasty: Rise of the Immortal Empire | SCI-FI AI Short Film | 4K”
https://www.youtube.com/watch?v=Sfsn_BPfhuU
Ihnen herzlichen Dank für unsere guten und engagierten Dialoge! 🤓🙌
@Michael Blume (Zitat): „Und auch etwa in den demokratischen Gesellschaften Japan und Südkorea haben Jahrzehnte der MINT-Bildung und Technomimesis keine glücklichen Generationen hervorgebracht, sondern im Gegenteil die demografische Traditionalismusfalle verschärft.“
Die Alternative zu MINT-Bildung und Technoaffinität, die sie, Michael Blume, womöglich in Deutschland zu sehen meinen, ist aber leider nicht eine nachdenklichere, reflektierendere, neue Werte suchende und glücklichere Jugend und Gesellschaft, sondern es ist schlicht und einfach eine auf den digitalen Technologien beruhende Konsum- und Kommunikationsgesellschaft mit 3.3 Stunden online pro Tag für 12-19-jährige und den Hauptaktivitäten Kommunikation, soziale Netzwerke, Videos schauen und Gaming (laut google-KI). Im gestern von mit gesehenen Video über die Entwicklung der Mathefähigkeiten in deutschen Schulen, wurde auch gesagt, dass Schüler inzwischen fast alle ChatGPT nutzen um Hausarbeiten zu erledigen und dass parallel dazu die Leistungen in Prüfungen offline im Klassenzimmer deutlich gesunken sind.
Kurzum: Digitale Medien dominieren inzwischen die Freizeitaktivitäten in allen Ländern, sowohl MINT-affinen wie auch IDEEN-affinen (D) und sie sind verantwortlich für die viel kürzer gewordenen Aufmerksamkeitsspannen, einen erhöhten alltäglichen Stresslevel und einem auf der unmittelbaren Reaktion auf Reizen beruhenden Geisteszustand wie er die U50 inzwischen charakterisiert. Viele Menschen operieren inzwischen geistig ähnlich wie unsere steinzeitlichen Vorfahren während der Jagd, nur fehlt das anschliessende Zusammensitzen am Lagerfeuer – denn Social Media sind ganz und gar nicht vergleichbar mit Zusammensitzen am Lagerfeuer.
Ja, @Martin Holzherr – die Probleme durch Smartphones für das menschliche Sozial- und sogar Sexualverhalten habe ich ja im Blogpost ebenso benannt. Und sie bestehen sowohl in Asien wie in den Amerikas und in Europa.
Strikte Verbote wie in China oder Australien sind ein Weg, auch die französische Justiz geht nun endlich gegen X vor. Ich hatte es ja via Frankfurt versucht:
https://hateaid.org/berufungsurteil-wirft-grundsatzfrage-nach-meldewegen-auf/
Ein zweiter, ebenso wichtiger Weg ist eine vielfältige Bildung & gerade auch Medienbildung. Und wir haben ja nun selbst drei Kinder, von denen zwei bereits ihr Abitur, ein soziales Freiwilligen- bzw. bundeswehrjahr absolviert haben und intensiv studieren. Und auch in den Schulen, die ich besuche, erlebe ich sehr viele interessierte, engagierte und wunderbare junge Menschen, die mit Nachsicht auf die ausgeplünderte Mitwelt, die Schuldenberge und das kaputte Mediensystem blicken, die unsere (!) Generationen hinterlassen.
Besteht Handlungsbedarf, vor allem wieder für mehr und echte Bildung und stärkere Unterstützung von Familien? Ich meine: Ja! Besteht Anlass, wie schon seit Platon noch jede junge Generation als die vermeintlich Schlimmste zu verdammen? Ich meine: Nein.
Familien und insbesondere junge Menschen verdienen endlich mehr Wertschätzung und Unterstützung statt Vorwürfe und Druck. Wenn wir auch in Deutschland endlich wieder mehr Kinder sehen wollen, dann werden wir das nicht durch das Abwerten von Familien erreichen.
Die Erklärung des Begriffs Arbeit von Hegel ist einleuchtend.
“…Befriedigung in der Arbeit findet.”
In der englischen Sprache gibt es die Begriffe “blue collar” und “white collar”, die im weitesten Sinne unserer Interpretation von “körperlicher” und “geistiger” Arbeit entsprechen.
Nun scheint es so zu sein, dass körperliche Arbeit häufig als geringer wertig als geistige Arbeit betrachtet wird. Dabei funktioniert meist nur die Kombination aus beiden. Der Architekt kann die schönsten Entwürfe und Pläne machen. Das mag auch als persönliches Erfolgserlebnis empfunden werden. Die wahre Befriedigung entsteht doch erst mit der Umsetzung also dem Bauen bis hin zur Fertigstellung des Objekts. Dazu sind viele Gewerke nötig, die aus körperlicher Arbeit bestehen. Baggerfahrer, Maurer, Installateure, Fliesenleger, Dachdecker uvm.
Notare, Rechtsanwälte etc gelten landläufig als Gutverdiener, was nur auf einen kleinen Teil zutrifft. Andererseits gibt es Handwerksmeister, die im Schnitt mehr verdienen.
Dies führt mich zum Ergebnis, dass der zur Zeit so oft gehörte Satz “Wir müssen wieder mehr arbeiten” komplett weltfremd ist. Ein Friseur kann nur so viel arbeiten wie er Kundschaft hat! Der Koch kann nur arbeiten, wenn Menschen bei ihm essen wollen. Auch jahreszeitlich betrachtet, ist der Umfang an Arbeit z.B. in einem Unternehmen unterschiedlich. Überstunden werden millionenfach geleistet!
Die Veränderungen der Arbeitswelt durch KI werden in den kommenden Jahren umwälzend sein. Dann sind Unternehmen auf gut ausgebildete JUNGE Menschen angewiesen. Darauf sollte der Fokus liegen und nicht auf Rentner in Vollzeit.
Hinter den aktuell öffentlich propagierten Ideen steckt also noch etwas anderes. CUI BONO? Versicherungen? Kreditinstitute? Bausparkassen? Lobbyismus?
Weil ich es gerade gelesen habe: Grüne Energie für Deutschland aus Saudi-Arabien?!? Dürfte unserem angespannten Arbeitsmarkt kaum helfen.
Vielen Dank, @Marie H. – ich sehe das sehr ähnlich! Die Erfahrungen von Japan, Taiwan, China und Südkorea zeigen doch bereits sehr eindrucksvoll, dass sich gegen eine demografische Schrumpfung nicht alleine durch mehr Produktion “anwachsen” lässt. Und von Tag zu Tag steigt die Zahl der produzierten Güter, während die Zahl der Kinder bereits global (!) sinkt.
Klar ist aber auch, dass diejenigen, die bereits reich sind, noch möglichst lange von den fossilen Zuständen profitieren wollen. Nicht zufällig finden sich neben den Trumps und europäischen Royals auch immer mehr Reiche und Superreiche wie Elon Musk auf widerliche Weise in den Epstein-Files:
Im Kampf gegen Antisemitismus & also auch feindselig externalisierenden Dualismus mache ich immer & immer wieder eine Beobachtung:
Was diese Leute anderen vorwerfen, das tun sie sehr regelmäßig selbst.
“Elon Musks Tochter Vivian Jenna Wilson hat in einem Post im sozialen Netzwerk Threads bestätigt, dass eine Mail, die Elon Musk an Jeffrey Epstein geschrieben haben soll, echt ist.”
https://sueden.social/@BlumeEvolution/116006587347756751
Noch im 20. Jahrhundert gab es eine rege, wirtschaftswissenschaftliche Diskussion über angebots- und nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik. Doch nach dem Zerfall der planwirtschaftlichen und zuletzt fast nur noch fossil finanzierten Sowjetunion setzten sich die angebotsorientierten Neoliberalen dominant durch und verrohten dabei immer öfter auch zu fossilen Rechtslibertären. Ich habe diese rechtsmimetische Entwicklung in der Hayek-Gesellschaft selbst miterlebt und mich schließlich dagegen gestellt!
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/das-gift-terrors-mein-artikel/
Und KI zertrümmert bereits einzelne Wirtschaftsbranchen wie etwa Übersetzungsbüros und zunehmend auch die Pornographie und wird in den kommenden Jahren und Jahrzehnten immer weiter um sich greifen. Ich habe ja dazu erst wieder ein KIT-Seminar abgeschlossen…
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/durch-mimesis-medien-verstehen-ki-zwischen-biedermeier-kreativitaet/
…und bin für nächste Woche auch zu einer KI-Rede geladen.
Auf die Fortsetzung unserer Dialoge freue ich mich, zumal wir uns ja beide sowohl demokratisch wie auch demografisch (also: familiengründend) engagiert haben. Das wird leider durch die digital und KI-befeuerte Hyperindividualisierung auch in Zukunft erst einmal seltener werden. Unsere ganzen Gesellschaften und Kulturen werden sich erst wieder auf die Wertschätzung von Leben umwandeln müssen, was eher Jahrzehnte als Jahre brauchen wird – wo es überhaupt gelingt.
“Klar ist aber auch, dass diejenigen, die bereits reich sind, noch möglichst lange von den fossilen Zuständen profitieren wollen.”
Ja leider. Wenn ich an ein paar Berichte in den Medien aus 2026 denke, so bestätigen diese genau das.
Ablenkungsmanöver z.B. Pandas für Markus Söder und den Münchner Zoo. Das kostet den Steuerzahler angeblich Millionen! Die Kinder, die den Zoo besuchen, wurden vielleicht als Sparmaßnahme einer finanziell unter Druck befindlichen Kommune (hier München) Zuschüsse zum Schulessen gestrichen etc, aber Vorrang haben ganz klar die Pandas. Mich erinnert das Gebaren des bayerischen MP an den Sonnenkönig, dem gelegentlich das folgende Zitat zugewiesen wird: “Après moi le déluge” (Nach mir die Sintflut).
Ein weiteres Zeichen dekadenter Oberflächlichkeit ist die Finanzierung eines Schriftzugs “Stuttgart” (470.000€) als Hintergrund für Social Media Posts von Touristen. An anderer Stelle wird die Finanzierung von Schulbegleitern eingestellt. Prioritäten, so wichtig. Ich befürchte, dass viele Stuttgarter und Stuttgarterinnen damit womöglich keine Probleme haben.
Gestern fand ich online beim ZDF einen Bericht, in dem eine der sog. Wirtschaftsweisen die Pläne des Wirtschaftsrates befürwortet. Dass diese Expertin ua auch Mitglied in der Ludwig Erhard Stiftung ist, wer weiß das schon? Wer kennt den Hintergrund? Wer interessiert sich überhaupt dafür? Und wer versteht die Zusammenhänge? Da das Thema nicht leicht zu verstehen ist, kann ich nachvollziehen, dass “Brot und Spiele”, zB die Münchner Pandas als Abwechslung willkommen sind.
Ganz wichtig: Ich mache daraus niemandem einen Vorwurf!
Eine Meldung der letzten Tage, die mE unmittelbar mit dem Fossilismus zusammenhängt, ist der Rücktritt des ADAC Präsidenten und vor allem die Umstände, die ihn zu diesem Schritt veranlasst haben. Ganz, ganz bitter!
Der ADAC geht unruhigen Zeiten entgegen. Denn auch jetzt wird er Mitglieder verlieren. Es kündigen viele von denen ihre Mitgliedschaft, die seine Meinung teilen. An diesem Beispiel zeigt sich wieder einmal die Spaltung in der Gesellschaft.
Noch mehr Brot und Spiele? Dennoch: Der Einsatz für die erneuerbaren Friedens- und Freiheitsenergien muss weitergehen. Ich wünsche uns allen viel Glück. Wir werden es brauchen.
Haben Sie ganz herzlichen Dank und bei aller Zustimmung, @Marie H. – ich weiß eben genau, dass etwa Befürwortende der Panda-Diplomatie auf die positiven Wirkungen nicht nur für Kinder, sondern auch für Tourismus, Gastronomie und Reputation des Freistaates hinweisen und wiederum etwa auf vermeintlich verschwenderische “Radwege in Peru” hinweisen könnten. Deswegen sehe ich einfach keine Lösung darin, dass wir uns in digitalen Blasen der vermeintlich Besseren gegeneinander abschotten, sondern dass wir immer und immer wieder auch den ehrlichen Dialog mit Demokratinnen und Demokraten anderer Milieus und Parteien suchen. Es hat nie eine Demokratie mit nur einer “rechtgläubigen” Partei gegeben und auch in Zukunft wird es an uns liegen, ob wir mit der Vielfalt an Meinungen und Personen wirklich klarkommen, oder ob wir uns doch in Blasen und Feindbilder verschanzen.
Auch aufgrund unserer guten, dialogischen Erfahrungen bin ich da voller Hoffnungen – wissend um Shitstörmle auch im Fediversum oder an die tatsächlich unrühmlichen Attacken auf den ADAC-Vizepräsidenten Gerhard Hillebrand. Wir alle sind nicht vor bitteren Rückschlägen und auch zeitlichen Niederlagen gefeit. Doch ich bin fest davon überzeugt, dass sich jeder auch noch so kleine Beitrag zum dialogischen Monismus in den emergenten Zeitstrahl einträgt und also nicht umsonst gewesen ist.
Daher auch an dieser Stelle meinen herzlichen Dank an Sie für Ihre immer wieder lesens- und bedenkenswerten Kommentare!
Ja, ich stimme Ihnen zu. Es gibt immer Pro und Contra. Wichtig ist, respektvoll und sachlich miteinander im Dialog zu bleiben.
Leider macht mir das, was ich derzeit an Nachrichten lese, große Sorgen. Ich weiß nicht, wessen Pläne den Menschen mit chronischen Erkrankungen und Pflegebedürftigen mehr schaden werden.
Darüber hinaus ist es vielleicht besser, schon in naher Zukunft, die eigene Meinung besser für sich zu behalten (nicht nur wegen der A..). Wenn es nur um mich gehen würde, wäre es für mich kein Problem, offen meine Meinung zu äußern. Aber ich habe Kinder, und ich möchte deren Zukunft nicht gefährden.
Dennoch versuche ich, nicht in den feindseligen Dualismus zu verfallen.
Herzlichen Dank, @Marie H. – und, ja, wir haben es doch in den letzten Wochen wieder gesehen: Viele Menschen trauen sich nur noch unter Pseudonymen ins Netz – dabei ist per KI auch schon fast jeder Account ermittelbar. Viele verstummen, die Lauten bleiben, Zerblasung und feindseliger Dualismus nehmen zu. Dialogischer Monismus – buchstäblich das verstehende Zusammenhalten der Lebenswelten – wird immer schwerer.
Aber ohne eine gemeinsame Öffentlichkeit kann es auch keine Demokratie geben – Republik kommt von Res Publica, öffentliche Sache. Ich respektiere daher pseudonyme Accounts, habe aber für mich entschieden, auch weiterhin nur unter Klarnamen aktiv zu sein. Wenn sich die Hater an mir abarbeiten, lassen sie in der Zeit schon andere in Ruhe.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-50-digitale-gewalt-die-kultur-japanischer-blutgruppen/
Und habe heute auf einen Soli-Post geantwortet:
Ganz herzlichen Dank, @dendroniker 🙏
Und, ja, zum & am #Holocaust – Gedenktag waren die (oft auch noch gleichzeitig gegen @rpolenz gerichteten) Übergriffe durch ganze Schwärme pseudonymer Accounts schon sehr schmerzhaft. Zumal es schnell so wurde, dass jede Äußerung und auch jede Nicht-Äußerung wiederum maximal negativ ausgelegt wurde, fühlte es sich an, als ob mensch von Maskierten umstellt & niedergebrüllt würde.
Aber die Solidarität war auch riesig & inzwischen denke ich, dass sich… (1/2)
…eine Dialog-Kultur zwischen Accounts mit & ohne Klarnamen, zwischen Linken & Moderaten erst entwickeln muss. Ich verstehe ja, dass sich einige über Politik empören & dann per Smartphone diejenigen attackieren, die „greifbar“ erscheinen. Einige werden diesen Dualismus auf Dauer überwinden, andere nicht.
Danke Dir, @silberspur , @AwetTesfaiesus u.v.m. für die freundliche Soli. Im Gegensatz zu Konzernmedien haben wir hier kein algorithmisches Neurohacking. Es wird gut! 😌🙌 (2/2)
https://sueden.social/@BlumeEvolution/116018375338637230
Ich freue mich, wenn und solange auch Sie Online-präsent bleiben – denn Ihre Stimme ist dialogisch und wichtig. Gleichzeitig werde ich weder Ihnen noch sonst jemandem vorhalten, wenn Sie sich für einen Rückzug aus der digitalen Öffentlichkeit entscheiden. Wir alle – auch ich – dürfen und sollen unsere emotionalen Grenzen achten und verteidigen. Das ist unser aller Recht und Selbstfürsorge auch Teil unserer Verantwortung.
Habe zu diesem Blogpost ein KI-Experiment gemacht und Perplexity.ai geprompet:
Erkläre den Zusammenhang zwischen Peak Child-Geburtenrückgang und Deindustrialisierung.
Die Antwort hier:
Peak Child bezeichnet den globalen Wendepunkt, an dem die Zahl der Geburten bzw. der Kinder unter 5 Jahren nicht mehr steigt, sondern dauerhaft stagniert oder fällt; Deindustrialisierung meint den langfristigen Rückgang von Industrieproduktion und -beschäftigung zugunsten von Dienstleistungen und anderen Sektoren. Beide Prozesse hängen nicht monokausal zusammen, stehen aber über Strukturwandel, Produktivität und politische Ökonomie in einem engen, wechselseitig verstärkenden Zusammenhang. [economics.brown](https://economics.brown.edu/sites/default/files/papers/2015-6_paper.pdf)
## Was „Peak Child“ demografisch bedeutet
– Unter „Peak Child“ wird der Zeitpunkt verstanden, an dem die absolute Zahl kleiner Kinder bzw. jährlicher Geburten ihren Höchststand überschreitet und anschließend über Jahrzehnte nicht mehr wächst. [dailycitizen.focusonthefamily](https://dailycitizen.focusonthefamily.com/global-population-has-passed-peak-child-an-ominous-milestone/)
– Schätzungen zufolge hat die Zahl der Kinder unter 5 Jahren global um 2017 ihr Maximum erreicht, die Zahl der Geburten bereits um 2012; seither flacht sie ab oder sinkt leicht. [populyst](https://populyst.net/2024/02/peak-child-the-number-of-children-aged-under-5/)
– Ursache ist ein weltweiter Fertilitätsrückgang: Inzwischen leben etwa zwei Drittel der Menschheit in Ländern unterhalb der Reproduktionsrate von 2,1 Kindern pro Frau. [dailycitizen.focusonthefamily](https://dailycitizen.focusonthefamily.com/global-population-has-passed-peak-child-an-ominous-milestone/)
## Industrialisierung, Fertilitätsrückgang und Vorbedingungen
– Historisch setzte der Übergang von hohen zu niedrigen Geburtenraten oft parallel zur Industrialisierung und zum Strukturwandel von Landwirtschaft zu Industrie ein. [cepr](https://cepr.org/voxeu/columns/farm-factory-floor-how-structural-transformation-triggered-fertility-transition)
– Empirische Studien zeigen, dass Regionen, die früher industrialisierten, tendenziell früher und stärker in den Fertilitätsrückgang eintraten, etwa in Europa und im US‑Süden. [mpra.ub.uni-muenchen](https://mpra.ub.uni-muenchen.de/92883/)
– Wichtige Mechanismen sind steigende Bildungsinvestitionen pro Kind, sinkende Kinderarbeit, veränderte Arbeitsorganisation (Fabrik statt Hof) sowie höhere Opportunitätskosten von Kindererziehung, vor allem für Frauen. [economics.brown](https://economics.brown.edu/sites/default/files/papers/2015-6_paper.pdf)
## Deindustrialisierung als nächste Phase des Strukturwandels
– Deindustrialisierung bezeichnet den rückläufigen Anteil der Industrieproduktion und -beschäftigung an Wirtschaft und Gesellschaft, oft bei gleichzeitig wachsendem Dienstleistungssektor. [academic.oup](https://academic.oup.com/cje/article/47/4/725/7216522)
– In klassischen Industrieländern setzte Deindustrialisierung meist erst ein, nachdem ein hohes Pro-Kopf-Einkommen und ein großer, ausgereifter Industriesektor erreicht waren („reife“ Deindustrialisierung). [mpg](https://www.mpg.de/18631468/deindustrialization-as-fact-and-fiction)
– In vielen Schwellen- und Entwicklungsländern beginnt Deindustrialisierung heute deutlich früher, also bei deutlich niedrigeren Einkommen und kleineren industriellen Sektoren („premature deindustrialisation“). [academic.oup](https://academic.oup.com/cje/article/47/4/725/7216522)
## Wie Peak Child und Deindustrialisierung zusammenhängen
– Der historische Fertilitätsrückgang ist eng mit Industrialisierung und strukturellem Wandel verknüpft; Peak Child ist sozusagen die globalisierte Endphase dieser Transformation. [populyst](https://populyst.net/2024/02/peak-child-the-number-of-children-aged-under-5/)
– In alternden Dienstleistungs‑ und Wissensökonomien verringert eine stagnierende oder schrumpfende Kohorte junger Menschen den Zustrom an Arbeitskräften in die Industrie, was Deindustrialisierung arbeitsangebotsseitig verstärken kann. [nber](https://www.nber.org/papers/w31948)
– Gleichzeitig untergräbt vorzeitige Deindustrialisierung die klassische Aufstiegsleiter über Massenbeschäftigung in der Industrie, was Ländern mit noch steigenden Jugendkohorten (z.B. Teilen Subsahara-Afrikas) die Chance erschwert, denselben Entwicklungspfad zu gehen wie frühere Industrieländer; dort hält Peak Child später an oder ist noch nicht erreicht. [cepr](https://cepr.org/voxeu/columns/farm-factory-floor-how-structural-transformation-triggered-fertility-transition)
### Mechanismen der Wechselwirkung
– Produktivitätsgewinne und Automatisierung in der Industrie verringern den Bedarf an Arbeitskräften, was Deindustrialisierung und den Übergang zu Dienstleistungen stützt, während gleichzeitig der Anreiz zu vielen Kindern sinkt, weil „Kinderarbeit“ ökonomisch kaum mehr trägt. [mpg](https://www.mpg.de/18631468/deindustrialization-as-fact-and-fiction)
– Mit zunehmender Deindustrialisierung verlagern sich Beschäftigung und Wertschöpfung in höher qualifizierte, urbane Dienstleistungsberufe, die hohe Bildungsinvestitionen und niedrige Fertilität begünstigen; das stabilisiert Peak Child und beschleunigt Bevölkerungsalterung. [economics.brown](https://economics.brown.edu/sites/default/files/papers/2015-6_paper.pdf)
– Fiskalisch erhöht eine alternde Bevölkerung in deindustrialisierten Volkswirtschaften die Sozialausgaben, während die Steuerbasis aus produktiver Industrie schrumpfen kann, was politischen Druck erzeugt, der sich u.a. in Deindustrialisierungs‑ und Migrationsdebatten entlädt. [nber](https://www.nber.org/papers/w31948)
## Politische und normative Implikationen
– Für klassische Industrieländer bedeutet die Kombination aus Peak Child und Deindustrialisierung, dass Wachstum stärker auf Produktivität, Innovation und Zuwanderung statt auf Bevölkerungs‑ und Industriewachstum setzen muss. [populyst](https://populyst.net/2024/02/peak-child-the-number-of-children-aged-under-5/)
– Für viele Länder des globalen Südens droht ein „Entwicklungskorridor“ zu schließen: Peak Child rückt näher, bevor eine breite industrielle Basis mit Massenbeschäftigung aufgebaut wurde, während Globalisierung und Technologie zu vorzeitiger Deindustrialisierung führen. [academic.oup](https://academic.oup.com/cje/article/47/4/725/7216522)
– Entwicklungspolitische Strategien müssen daher stärker auf humankapitalintensive Industrien, digitale und dezentrale Infrastrukturen sowie soziale Sicherungssysteme zielen, die mit niedrigerer Fertilität und weniger industriellen Arbeitsplätzen kompatibel sind. [mpg](https://www.mpg.de/18631468/deindustrialization-as-fact-and-fiction)
Wenn du möchtest, kann ich im nächsten Schritt konkrete Länderfälle (z.B. Deutschland, China, Brasilien oder Nigeria) durchgehen und zeigen, wie sich Peak Child und Deindustrialisierung jeweils konkret überlagern.
Da die KI-Anwendung dies selbst vorschlug, habe ich also dazu folgend gepromptet:
Was also sollte Deutschland konkret zum Thema Peak Child und Deindustrialisierung unternehmen?
Das Ergebnis ist sehr deutlich und leider überzeugender als das meiste, was in Konzernmedien zu lesen ist:
Deutschland sollte Peak Child und Deindustrialisierung als gemeinsame Strukturkrise denken und eine Strategie aus Demografie‑, Industrie‑ und Energiepolitik entwickeln. Zentral ist, dass weniger Kinder, alternde Belegschaften und industrieller Strukturwandel nicht gegeneinander, sondern zusammen geplant werden – mit Fokus auf Produktivität, Humankapital und resiliente Wertschöpfung. [frankfurter-hefte](https://www.frankfurter-hefte.de/en/article/kontaminierte-debatte-4225/)
## 1. Demografie- und Familienpolitik ernsthaft machen
– Deutschland hat eine anhaltend niedrige Fertilität (2023 ca. 1,36 Kinder je Frau) und wäre ohne Zuwanderung seit 1972 jedes Jahr geschrumpft. [miwi-institut](https://miwi-institut.de/archives/3280)
– Familienpolitik sollte langfristig und parteiübergreifend planbar werden: verlässliche Kindergrundsicherung, bessere Kitas und Ganztagsschulen, bezahlbarer Wohnraum für Familien, Entlastung zweiter Einkommen und Vereinbarkeit von Care, Beruf und Qualifikation. [miwi-institut](https://miwi-institut.de/archives/3280)
– Ausdrücklich nötig sind positive Leitbilder für Elternschaft jenseits von Retraditionalisierung: Kinder als Zukunftsinvestition in eine wissens‑ und klimaneutrale Industriegesellschaft, nicht als bloße „Lösung“ für Fachkräftemangel. [cleanenergywire](https://www.cleanenergywire.org/news/germanys-new-labour-strategy-sees-skilled-workers-crucial-energy-transition)
## 2. Zuwanderung und Qualifizierung strategisch verbinden
– Deutschland kompensiert seine demografische Schrumpfung seit Jahrzehnten im Wesentlichen durch Migration und wird das auch künftig müssen. [en.wikipedia](https://en.wikipedia.org/wiki/Demographics_of_Germany)
– Die bereits angestoßene Reform des Einwanderungsrechts und die Fachkräftestrategie sollten explizit auf die Energiewende, Industrie‑4.0‑Berufe und Pflegeberufe ausgerichtet und administrativ radikal vereinfacht werden (Visa, Anerkennung, Sprachkurse). [cleanenergywire](https://www.cleanenergywire.org/news/reform-german-immigration-law-aimed-filling-tens-thousands-vacant-energy-transition-jobs)
– Parallel braucht es massive Weiterbildung für die inländische Bevölkerung – auch ältere Beschäftigte –, damit sie in neue industrielle und energiebezogene Tätigkeiten wechseln können (z.B. Wärmepumpen‑, Netzausbau‑, Speicher‑, Effizienzberufe). [ifo](https://www.ifo.de/en/press-release/2024-09-26/german-economy-transition-weak-momentum-low-potential-growth)
## 3. Deindustrialisierung durch aktive Industrie- und Energiepolitik begrenzen
– Seit 2017 sieht man eine deutliche Schwäche der industriellen Wertschöpfung in Deutschland, Werksschließungsdrohungen und Offshoring‑Debatten nähren den Begriff der „Deindustrialisierung“. [iris-france](https://www.iris-france.org/en/deindustrialisation-and-the-rise-of-the-far-right-is-germany-on-the-brink-of-crisis/)
– Statt einer passiven „Standortklage“ braucht es eine aktive Industriepolitik: schnellere Genehmigungen, planbare Energie‑ und CO₂‑Preise, gezielte Unterstützung für Zukunftsbranchen (Batterien, Halbleiter, grüner Stahl, Wasserstoff, Netzinfrastruktur) und weniger Mitnahmeeffekte in breit gestreuten Subventionstöpfen. [frankfurter-hefte](https://www.frankfurter-hefte.de/en/article/kontaminierte-debatte-4225/)
– Die Energie- und Klimapolitik sollte explizit als Industrialisierungsstrategie des 21. Jahrhunderts verstanden werden: Ausbau erneuerbarer Energien, Netze und Speicherkapazitäten schafft tausende qualifizierte Industrie‑ und Handwerksjobs und kann so Deindustrialisierungsängste abfedern. [cleanenergywire](https://www.cleanenergywire.org/news/reform-german-immigration-law-aimed-filling-tens-thousands-vacant-energy-transition-jobs)
### Industrie, Demografie und Energiewende zusammendenken
## 4. Regionale Industrie- und Demografiepolitik verzahnen
– „Rust Belt“-Phänomene, also verödende Industrieregionen mit Arbeitsplatzverlust, begünstigen politischen Extremismus und verstärken die Wahrnehmung eines nationalen Abstiegs. [iris-france](https://www.iris-france.org/en/deindustrialisation-and-the-rise-of-the-far-right-is-germany-on-the-brink-of-crisis/)
– Strukturförderung sollte deshalb gezielt dort ansetzen, wo schrumpfende und alternde Bevölkerung auf industriellen Rückbau trifft, etwa in Teilen Ostdeutschlands und alter Automobil‑Cluster. [ifo](https://www.ifo.de/en/press-release/2024-09-26/german-economy-transition-weak-momentum-low-potential-growth)
– Instrumente wären Reallabore für Klimaneutralität, Ansiedlung von Zukunftsindustrien, Universitäten/Fachhochschulen vor Ort, bessere digitale Infrastruktur sowie eine Verkehrspolitik, die diese Regionen an Wachstumskorridore anbindet. [cleanenergywire](https://www.cleanenergywire.org/news/germanys-new-labour-strategy-sees-skilled-workers-crucial-energy-transition)
## 5. Politische Kommunikation und Kulturwandel
– Die aktuelle Debatte über Deindustrialisierung ist stark „kontaminiert“: Sie wird oft kulturkämpferisch geführt und überblendet die ökonomischen und demografischen Fakten. [iris-france](https://www.iris-france.org/en/deindustrialisation-and-the-rise-of-the-far-right-is-germany-on-the-brink-of-crisis/)
– Nötig ist eine Erzählung, die Peak Child, Zuwanderung, Klimaschutz und Industrieumbau nicht als Untergang, sondern als gestaltbare Transformation kommuniziert – verbunden mit sehr konkreten Sicherheiten für Beschäftigte (Weiterbildungsansprüche, Transformationskurzarbeitergeld, Mitbestimmung). [frankfurter-hefte](https://www.frankfurter-hefte.de/en/article/kontaminierte-debatte-4225/)
– Deutschland sollte damit aufhören, „die Vergangenheit zu konservieren“, und stattdessen offen sagen: Wir werden weniger, älter und klimaneutral – und genau deshalb brauchen wir eine produktive, hochinnovative, aber menschenfreundliche Industriegesellschaft. Diese Ehrlichkeit ist politische Demografie‑ und Deindustrialisierungsprävention zugleich. [ifo](https://www.ifo.de/en/press-release/2024-09-26/german-economy-transition-weak-momentum-low-potential-growth)
Bitte beachten Sie, dass ich hier überhaupt nichts von Energiepolitik gepromptet hatte – die KI hat die Verbindung zu erneuerbaren Friedens- und Wohlstandsenergien selbst hergestellt! M.B.
Spannendes und auch wichtiges Thema. Ich glaube es greift aber zu kurz, dies primär durch ökonomische Konzepte wie fossilen Kapitalismus verstehen zu wollen. Dass Care-Arbeit nicht im BIP auftaucht, kann kein Argument sein. BIP und Konsorten fanden erst nach Bretton-Woods weite Verbreitung, da war der demografische Übergang in vielen Ländern bereits weitgehend abgeschlossen.
Ich denke vielmehr, dass es dabei um die Einstellung der Betroffenen zu Care-Arbeit selbst geht. Wir haben ja auch parallel zur Industrialisierung eine starke Intellektualisierung der Gesellschaft gehabt. Wenn man viele Jahre studiert hat und auch eine intellektuell stimulierende Erwerbsarbeit hat, dann ist es vermutlich weniger attraktiv, den ganzen Tag Windeln zu wechseln. Das gilt natürlich um so mehr, je mehr Kinder zu versorgen sind. Wenn ich das richtig im Kopf habe, wird der Geburtenrückgang auch weniger durch die Zunahme von Kinderlosigkeit als mehr durch die Abnahme von Kinderreichtum getrieben.
Da kann ich schon nachvollziehen, dass es einer religiösen Verpflichtung bedarf, um dem entgegen zu wirken. Was mich dabei einmal interessieren würde: Gibt es diesen Zusammenhang zwischen Religiosität und Kinderzahl auch bei Religionen, die nicht explizit natalistisch sind? Das müsste doch ein gefundenes Fressen für einen Religionswissenschaftler sein!
Lieben Dank für Ihr Interesse, @Bernd – man(n) kann Ihnen beim Denken fast zuschauen! 🙂
Und wie es die Zeit möchte, speichere ich gerade meine seit Jahren ruhende Homepage mit sehr vielen, auch religionsdemografischen Artikeln. Greifen Sie gerne zu!
https://www.blume-religionswissenschaft.de/reli_demo.html
In ein paar Wochen wird die Page erlöschen.
Einen schon etwas älteren Artikel – den damals übrigens auch Thilo Sarrazin für sein Buch aufgriff, aber leider gezielt verzerrte – zu Ihrer Frage finden Sie hier:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/files/ReproductiveReligiosityBlume2009.pdf
Blume, Michael (2009): “The Reproductive Benefits of Religious Affiliation”, in: Voland, E.; Schiefenhövel, W.: “The Biological Evolution of Religious Mind and Behaviour”, Springer Frontier Collection 2009
Und also: Ja, verschiedene Untersuchungen zeigen auf, dass nicht-theistische Religionen wie der Buddhismus oder auch antinatalistische Religionsgemeinschaften wie die christlichen Shaker auch zu deutlich geringeren Geburtenraten führen.
Wichtig zu verstehen ist auch, dass Religionsgemeinschaften Religionsfreiheit brauchen, um ihr kooperatives und reproduktives Potential entfalten zu können. Deswegen konnten sich bislang etwa im Islam keine kinderreichen Religionsgemeinschaften wie die christlichen Old Order Amish oder jüdischen Haredim entfalten.
Habe zur Religionsdemografie auch einfach einmal die japanische KI Felo.ai gepromptet: “Warum haben Frauen im Buddhismus im Durchschnitt weniger Kinder als im Christentum?”
Die religionsdemografische Antwort vermag mich zu beeindrucken:
## Analyse der Fertilitätsunterschiede zwischen Buddhismus und Christentum
Die Frage nach den unterschiedlichen Kinderzahlen zwischen buddhistischen und christlichen Frauen lässt sich durch mehrere demografische und religiös-kulturelle Faktoren erklären.
### Unterschiedliche Fertilitätsraten
Buddhistische Frauen haben weltweit eine deutlich niedrigere Geburtenrate als christliche Frauen. Die durchschnittliche Fertilitätsrate (TFR) buddhistischer Frauen liegt bei nur 1,6 Kindern pro Frau, während christliche Frauen im Durchschnitt 2,6 Kinder bekommen[1]. Diese Rate liegt nicht nur unter der christlichen Fertilitätsrate, sondern auch deutlich unter der Ersatzrate von 2,1 Kindern pro Frau, die für eine stabile Bevölkerungsentwicklung notwendig wäre[1].
### Religiöse Lehren und Familienverständnis
Ein wesentlicher Unterschied liegt in den religiösen Lehren selbst. Der Buddhismus enthält keine dem biblischen Gebot “Seid fruchtbar und mehret euch” vergleichbare Aufforderung zur Fortpflanzung[28]. Buddhistische Lehren sind generell ambivalenter gegenüber Fortpflanzung und Empfängnisverhütung eingestellt[23]. Im Gegensatz dazu betonen christliche Traditionen häufig die Bedeutung von Familie und Kindern als Teil des göttlichen Plans.
### Einfluss religiöser Praxis
Bei christlichen Frauen zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen religiöser Praxis und Kinderzahl. Frauen, die regelmäßig Gottesdienste besuchen, bekommen signifikant mehr Kinder als weniger religiöse Frauen[2]. In Österreich beispielsweise haben praktizierende Christinnen im Durchschnitt fast doppelt so viele Kinder wie Frauen ohne religiöses Bekenntnis[8][10]. Dieser Effekt wird durch die Verinnerlichung christlicher Familienwerte und die Unterstützung durch kirchliche Gemeinschaften verstärkt[2].
### Geografische und demografische Faktoren
Etwa 99% der weltweiten Buddhisten leben in der asiatisch-pazifischen Region[1], wo viele Länder wie Japan, Thailand, Südkorea und China bereits niedrige Geburtenraten aufweisen. Die buddhistische Bevölkerung hat zudem ein höheres Durchschnittsalter (Median: 36 Jahre) im Vergleich zu Christen (Median: 30 Jahre)[1], was bedeutet, dass es weniger Menschen im gebärfähigen Alter gibt.
### Langfristige demografische Auswirkungen
Diese Unterschiede haben weitreichende Konsequenzen: Während die christliche Bevölkerung weltweit weiter wächst, wird für die buddhistische Bevölkerung ein Rückgang prognostiziert. Der Anteil der Buddhisten an der Weltbevölkerung soll von 7% im Jahr 2010 auf 5% im Jahr 2050 sinken[1]. Dies liegt nicht primär an religiösem Übertritt, sondern an den niedrigen Geburtenraten und der alternden Bevölkerungsstruktur.
[1] https://www.worldatlas.com/feature/5-facts-to-know-about-the-future-of-buddhism.html
[2] https://www.welt.de/politik/article1932392/Religion-Glaeubige-Frauen-bekommen-mehr-Kinder.html
[3] https://www.etgladium.de/blog/bibelstudium-wie-viele-kinder-hat-eine-frau-in-der-bibel/
[4] http://www.oeaw.ac.at/news/religioese-menschen-bekommen-mehr-kinder-1
[5] https://www.deutschlandfunk.de/gleichberechtigung-in-den-weltreligionen-das-untergeordnete-100.html
[6] https://www.reddit.com/r/Buddhism/comments/1le8f5c/why_is_it_that_buddhist_have_the_least_amount_of/
[7] https://www.jstor.org/stable/26350107
[8] https://www.katholisch.at/aktuelles/133542/christliche-frauen-bekommen-mehr-kinder-als-konfessionslose
[9] https://religionunplugged.com/news/2025/4/24/birthrates-not-beliefs-are-shaping-global-religions
[10] https://www.derstandard.de/story/2000124780218/praktizierende-christinnen-haben-mehr-kinder-als-konfessionslose
[11] https://www.gemeindenetzwerk.de/?p=1526
[12] https://www.demografische-forschung.org/artikel/2008/1/2
[13] https://en.wikipedia.org/wiki/Women_in_Buddhism
[14] https://religion.orf.at/stories/3231207/
[15] https://www.reddit.com/r/Buddhism/comments/xoxv4m/why_are_monks_not_allowed_to_have_partners_or/?tl=de
[16] https://www.pewresearch.org/religion/2025/02/26/religion-fertility-and-child-rearing/
[17] https://www.uni-wuerzburg.de/aktuelles/einblick/single/news/neuprof-brankaer/
[18] https://www.gotquestions.org/Deutsch/polygamie.html
[19] https://www.deutschlandfunkkultur.de/dalai-lama-setzt-sich-fuer-die-frauen-ein-100.html
[20] https://heiup.uni-heidelberg.de/journals/mial/article/view/24448/18299
[21] https://globalgedacht.org/buddha-und-die-frauen/
[22] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10876502/
[23] https://www.researchgate.net/publication/270507180_Is_Buddhism_the_low_fertility_religion_of_Asia
[24] https://www.deutschlandfunk.de/feministischer-buddhismus-buddhas-toechter-auf-augenhoehe-100.html
[25] https://www.religionen-entdecken.de/lexikon/f/frau-und-mann-im-buddhismus
[26] https://buddhaland.de/forum/thread/1313-frauen-im-buddhismus/
[27] https://thubtenchodron.org/de/2021/03/women-buddhism/
[28] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/buddhismus-und-religionsdemografie-an-den-beispielen-schweiz-suedkorea-und-thailand/
[29] https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/162388/zwischen-diskriminierung-und-geschlechtergleichheit-frauen-und-religionen/
[30] https://www.quora.com/Do-Buddhists-have-kids-If-not-why-do-they-choose-not-to-have-them-and-what-are-some-of-their-reasons-behind-this-decision
Weil es thematisch dazu passt, rufe ich hier noch
einmal meinen Artikel “Übergangszeit” in Erinnerung.
Auch 79 Jahre alte Menschen können fortschrittliche
Gedanken über eine post scarcity society haben.
Bei allem Respekt vor der Religionsdemografie,
gibt es neben der Religion und dem Kinderkriegen auch
noch andere technologische Wege in eine schöne Zukunft.
Hier ist die “Übergangszeit”:
http://s880616556.online.de/UBERGAN2.txt
Danke, @Karl Bednarik
Nun bin ich ja als Solarpunk ein großer Fan von neuen Technologien, habe nicht zufällig zum Beispiel bereits 2017 ein Elektroauto gekauft und mich auch immer wieder für einen verständigen Einsatz von KI eingesetzt.
Nach meiner Erfahrung sind es jedoch sehr häufig Ältere, die neue Technologien erst einmal ablehnen und bereits bestehende Ressourcen ungerne mit Jüngeren oder gar Zugewanderten teilen wollen. Darüber finde ich leider nichts in Ihrer “Übergangszeit”. Aber ist eine Weltanschauung, die nur um das eigene Leben und den eigenen Konsum kreist, wirklich progressiv?
Heute lesen wir im Wirtschaftsteil der Stuttgarter Zeitung, Seite 9:
Deutschland: Älteste Arbeitsbevölkerung
Deutschland hat die älteste Arbeitsbevölkerung in der Europäischen Union. In keinem anderen Land der Staatengemeinschaft sind anteilig mehr Erwerbstätige zwischen 55 und 64 Jahren, wie das Statistische Bundesamt auf der Grundlage von Eurostat-Daten mitteilte.
In Deutschland gehören knapp jede und jeder Vierte (24 Prozent) in diese Gruppe. Im EU-Schnitt sind es 20 Prozent und in einzelnen Ländern wie Malta sogar nur knapp 11 Prozent.”
Vielleicht möchten Sie und @Martin Holzherr doch auch einmal überlegen, ob das Fehlen junger Menschen nicht ein wesentlicher Grund sein kann, warum sich neue Technologien und Ideen in Deutschland so schwer tun? Technologie alleine hält keine Gesellschaft dynamisch, der es an Familien und Zuwanderern fehlt. Die Wertschätzung von jungen Menschen, Frauen und Migranten scheint mir mindestens so wichtig wie die Wertschätzung von Robotern zu sein. Meine ich.
Die Dynamik der Demografie ist in D seit 1966/67 absehbar. Weder hat man rational vernünftig darauf reagiert, noch die komplementären Begleiteffekte berücksichtigt.
zum Beispiel Wohnungen:
– 5 Single brauchen mehr Wohnraum als 1 Familie mit 3 Ki.
– 1 Paar ohne Kinder kann viel mehr für 3-4 Zi Wohnung zahlen als Eltern.
– mangelnder Wohnraum verschärft die Entscheidung gegen Kinder.
– Single Senioren brauchen viel früher professionelle Unterstützung als 1 Paar oder gar wenn Kinder zur Hand gehen.
– Arbeitskräfte in der Pflege brauchen bezahlbaren Wohnraum, wegen der Schichtarbeit in der Nähe zur Arbeit; auch für ihre Familien.
Ich sehe weit und breit – schon seit Jahrzehnten – kein Konzept.
Die haben keinen Plan!
Und dabei sind wir auch auf diesem Feld die letzte Generation, die noch in Güte Stellschrauben verändern könnte, bevor der Strudel der Ereignisse und einfach mit fort reißt.
Wo wir dann an Land kommen, wird man sehen.
Vielen Dank und ja, @PrinterAngel – als jemand, der ja nun wirklich seit Jahrzehnten für die Wahrnehmung von Demografie eintritt, kann ich die Beobachtungen voll unterschreiben!
In Deutschland verdrängten sowohl rechte wie linke und auch moderate Milieus das “unangenehme” Thema der Demografie gerne: Viele Rechte wollten nicht über Zuwanderung und neue Familienmodelle diskutieren, viele Moderate nicht über die Kosten für Bildung und Integration, viele Linke nicht über die Auswirkungen der Säkularisierung. Auf Mastodon habe ich dies heute morgen so kommentiert:
Im 20. Jahrhundert gab es in der westlichen Ökonomie je Argumente für die Stärkung von Angebot & Nachfrage.
Nach dem Untergang der Sowjetunion setzten sich die angebotsorientierten Neoliberalen durch, einige wurden rechtslibertär.
Doch Demografie & Wirtschaft evolvieren weiter: Autos kaufen keine Autos. Wo junge Menschen fehlen, schwächeln Nachfrage & Investitionen, folgt Deindustrialisierung. Auch in Europa.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/mehr-arbeiten-fossilismus-gegen-familien-demografie-deindustrialisierung/
Leider erfahren diejenigen von uns, die die enorme Bedeutung von Demografie auch für die Nachfrage und für Investitionen ansprechen, auch weiterhin Ablehnung und mitunter bizarre Vorwürfe. So müssen sich Befürworter von Migration seit Jahrzehnten den Verschwörungsvorwurf anhören, sie würden die eigene Bevölkerung “ersetzen” wollen:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/umvolkungsangst-und-hooton-plan-ein-rassistischer-verschwoerungsmythos-wird-digital-wiederbelebt/
Gleichzeitig lädt der fossil finanzierte Tyrann Putin inzwischen indische Männer nach Russland, nachdem er Hunderttausende russischer Männer in den Tod oder ins Ausland getrieben hat. Hier ein Bericht von Konstantin Flemig dazu:
https://youtu.be/My6IuvqyXwY
Ich verstehe, dass die empirische Wahrheit viele Menschen sehr schmerzt. Aber ich stimme zu, @PrinterAngel, dass wir sie schon viel zu lange verdrängt haben!
Hallo Herr Blume.
Mein Artikel “Übergangszeit” (siehe weiter oben)
empfiehlt doch gerade ausdrücklich die Freigiebigkeit.
Die dortigen praktischen Beispiele dafür waren
unter Anderem die Wikipedia und der RepRap.
Ich bin schon seit dem Jahre 1964 vorwiegend von
geistig wenig flexiblen Menschen umgeben, völlig
unabhängig von deren Vermehrungsrate oder Alter.
Die Menschen geben nicht gerne etwas her, aber
die Menschen nehmen gerne Geschenke an.
Selbstverständlich kann jeder Mensch den Grad
seiner Freigiebigkeit, die Art seines Glaubens,
und die Anzahl seiner Kinder frei auswählen.
Die Roboter dienen dazu, die Menschen zu beschenken,
und sie füllen alle verbleibenden Lücken des Bedarfs aus.
Die post scarcity society ist die logische Vorstufe
zum paradise engineering.
Mir war natürlich schon im Jahre 1964 völlig klar,
dass das nur mit erneuerbaren Energien und dem
konsequenten Schutz der Umwelt funktionieren kann.
Es ist erstaunlich wie lange die anderen Menschen
dafür benötigen, um so etwas Einfaches zu begreifen.
Bevor noch jemand schreibt, dass es diese Roboter
noch gar nicht gibt, schreibe ich, dass man sie
natürlich sofort bauen sollte.
Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.
Ihr Satz fasst prägnant einen zentralen Zielkonflikt in der deutschen (und europäischen) Politik zusammen. Hier eine kurze Entschlüsselung und Einordnung:
Was bedeutet Ihr Satz?
Sie stellen eine Kritik am „Fossilismus“ – also an veralteten, starren Wirtschafts- und Arbeitsstrukturen – in den Raum, die Ihrer Meinung nach folgende Probleme verschärfen:
„Gegen Familien“
Starre Vollzeit- und Präsenzkultur erschwert Vereinbarkeit von Beruf und Familie, bremst partnerschaftliche Aufteilung und setzt Eltern unter Druck.
„Gegen Demografie“
Weniger flexible Arbeitsmodelle und hoher Druck können die Entscheidung gegen Kinder begünstigen und verschärfen so den Fachkräftemangel langfristig.
„Gegen Deindustrialisierung“
Das Festhalten an alten Industriestrukturen und Arbeitsmodellen („immer mehr arbeiten“) kann Innovationsfähigkeit bremsen, während andere Länder in Zukunftstechnologien investieren.
Herzlichen Dank für Ihren reflektierenden Kommentar, @vizag – auf den ich daher auch gerne eingehe.
Was bedeutet Ihr Satz?
Da dieser “Satz” Ihrerseits nicht noch einmal wiedergegeben ist, wähle ich gerne meinen Hauptsatz aus:
“Zeit emergiert, aber wiederholt sich nicht.”
Das bedeutet, dass wir frühere, menschliche Entscheidungen in ihrer jeweiligen Situation bewerten sollten und uns zugleich bewusst werden dürfen, dass unsere heutigen Entscheidungen tatsächlich die Zukunft mitprägen.
Sie stellen eine Kritik am „Fossilismus“ – also an veralteten, starren Wirtschafts- und Arbeitsstrukturen – in den Raum, die Ihrer Meinung nach folgende Probleme verschärfen:
„Gegen Familien“
Starre Vollzeit- und Präsenzkultur erschwert Vereinbarkeit von Beruf und Familie, bremst partnerschaftliche Aufteilung und setzt Eltern unter Druck.
Ja – wobei ich es ausdrücklich begrüße, dass etwa Mütter und Kinder von früheren, gesundheits- und lebensgefährlichen Tätigkeiten freigestellt wurden. Auch heute lehne ich Kinderarbeit entschieden ab und betone den Wert von Bildung. Gleichzeitig bestehe ich darauf, dass alle Erwachsenen, die dies wollen, auch in der Lage sein sollten, einen Beruf zu ergreifen. Es geht mir hier also gerade nicht darum, bestimmte Familienmodelle zu verdammen, sondern um das ehrliche Streben nach Bildung, Würde und Freiheit in Familien.
„Gegen Demografie“
Weniger flexible Arbeitsmodelle und hoher Druck können die Entscheidung gegen Kinder begünstigen und verschärfen so den Fachkräftemangel langfristig.
Ja – wobei auch hier gilt: Eine Absenkung der globalen Geburtenraten und die Freiheit zu individuellen Entscheidungen für und auch gegen Kinder halte ich für sehr wertvoll. Es geht mir nicht darum, hier neue Vorschriften zu erlassen, sondern ein wissenschaftlich informiertes und gesellschaftliches Bewusstsein für den Wert jedes menschlichen Lebens zu schaffen. Beispielsweise halte ich es für falsch und sogar heuchlerisch, wenn Menschen zwar Abtreibungen verbieten und Frauen zum Austragen von Kindern zwingen, sich aber nicht für das Leben und die Bildung bereits geborener Kinder einsetzen. Aus meiner Sicht sollten Kinder und Familien nicht autoritär gefordert, sondern würdevoll und freiheitlich gefördert werden.
„Gegen Deindustrialisierung“
Das Festhalten an alten Industriestrukturen und Arbeitsmodellen („immer mehr arbeiten“) kann Innovationsfähigkeit bremsen, während andere Länder in Zukunftstechnologien investieren.
Ja, ich sehe auch in Deutschland keine Zukunft als fossiles Industriemuseum. Und wenn ich neue Technologien auch nicht für alleinseligmachend halte, so spielen sie in der von mir vertretenen Zukunftsvision eines demokratischen Solarpunk doch eine wichtige, ja unverzichtbare Rolle.
Ich danke Ihnen für Ihr Interesse und freue mich, einmal wieder von Ihnen zu lesen! 🙂
@Michael 03.02. 14:07
„Dass die Geburtenraten derzeit global schnell sinken, lässt sich vor dem Hintergrund der Klima- und Wasserkrise auch sehr positiv deuten.“
So kommen wir eher mit einer klimabedingten Reduktion der landwirtschaftlichen Erträge zurecht. Und wenn die Bevölkerungsschrumpfung dann Nachfrageeinbrüche und verfallende Immobilienpreise mit sich bringt, dann gibt es halt weniger Arbeit.
Die freie Zeit werden wir schon füllen, da bin ich zuversichtlich. Zumal KI und Roboter ja auch noch die Produktivitätszuwächse beschleunigen kann.
Vielleicht wird das dann sogar schon zur Entschärfung des Problem beitragen, und so manch einer sich wegen deutlich mehr Zeit mehr Kinder anschaffen. Das hilft auf jeden Fall auch gegen Langeweile.
Danke, lieber @Tobias – gerne gehe ich auf Deine klugen Anmerkungen dialogisch ein! 🙂
So kommen wir eher mit einer klimabedingten Reduktion der landwirtschaftlichen Erträge zurecht. Und wenn die Bevölkerungsschrumpfung dann Nachfrageeinbrüche und verfallende Immobilienpreise mit sich bringt, dann gibt es halt weniger Arbeit.
Eine landwirtschaftliche Knappheit sehe ich nicht – obwohl wir Menschen unfassbare Mengen an Energie, Wasser, Futtermitteln und Emissionen an die industrielle Massentierhaltung vergeuden, produzieren sowohl die südamerikanischen wie auch die europäischen Landwirtschaften weit mehr Nahrungsmittel, als überhaupt zu konsumieren sind. Daher ja auch der Widerstand von europäischen Agrarlobbyisten gegen das so wichtige Mercosur-Abkommen.
Ob wir freilich den demografischen und wirtschaftlichen Verfall von immer mehr Regionen einfach so wegstecken können? Daran habe ich auch im Hinblick auf die eskalierende Rechtsmimesis und die Wahlerfolge fossil-faschistischer Parteien in genau solchen Regionen weltweit doch erhebliche Zweifel. Es kann m.E. schon gelingen, aber einfach wird es nicht, denn die säkularen und fossilen Verheißungen vermeintlich ewigen Wachstums sind nicht einfach zu überwinden.
Die freie Zeit werden wir schon füllen, da bin ich zuversichtlich. Zumal KI und Roboter ja auch noch die Produktivitätszuwächse beschleunigen kann.
Ja, auch ich halte ein wohlhabendes, freiheitliches und sinnerfülltes Leben in Solarpunk-Arche-Regionen des 21. und 22. Jahrhunderts für sehr gut denkbar und schließe auch erfolgreiche Schritte der Menschheit in den Weltraum nicht aus. Die Freude von Dir und vielen anderen an Dialog, Wissenschaft und neuen Technologien empfinde ich als sehr ermutigend!
Vielleicht wird das dann sogar schon zur Entschärfung des Problem beitragen, und so manch einer sich wegen deutlich mehr Zeit mehr Kinder anschaffen. Das hilft auf jeden Fall auch gegen Langeweile.
Ja, Kinder stiften Aufregung, Anstrengung – und Sinn. Ich liebe all unsere Kinder und wünsche mir, eines (gerne noch etwas ferneren) Tages auch Großvater zu werden. Die biokulturelle Evolution des Lebens erlebe ich nicht nur als Beobachter, sondern auch als Mitwirkender als schön und sinnhaft.
Dir daher Dank für Deine dialogischen Kommentare, die ich immer wieder gerne lese und beantworte! 🙂
Technologie und Mindset für die Befreiung aus der Demografiefalle
Kinder werden privat und nicht vom Staat gezeugt
Übrigens, falls es niemandem aufgefallen ist: auch Michael Blume hat kein Rezept für die demografische Wende. Tatsache ist: Viele Regierungen haben familien- und kinderfreundliche Massnahmen eingeführt, keine einzige Regierung hat aber eine Trendumkehr geschafft. Untersuchungen ergeben immer wieder, dass eine finanzielle „Entschädigung“ für das bewusste Kinder haben, sehr, sehr gross ausfallen müsste, so gross, dass es nicht finanzierbar ist.
Arbeit und Demografie
Das aber bedeutet, dass man mit dem demografischen Trend leben muss und sich die Wirtschaft unabhängiger machen muss von der Kohorte der in den Arbeitsprozess Integrierten. Was Michael Blume schreibt (Zitat): “Die Folgen von sinkenden Geburtenraten schlagen direkt in Wirtschaft und Politik durch: Wo es immer weniger jüngere Menschen gibt, wird auch immer weniger investiert und produziert.“, die stimmt nur gerade in einer Wirtschaft, die vor allem von jungen arbeitsfähigen Erwachsenen getragen wird. Und genau das wird sich mit einer Kombination von Künstlicher Intelligenz und humanoiden Robotern ändern. Dieser technologische Umbruch aber braucht Bereitschaft, Lern- und Anpassungsfähigkeit, Investitionen, Innovationsbereitschaft und ganz allgemein eine lern- und anpassungsbereite Gesellschaft.
Das Zeitalter von KI&Robotik ist zugleich das asiatische Zeitalter
All das – Neugier, technologische Offenheit- ist im asiatischen Raum – ausser vielleicht in Japan – aber vorhanden. Vietnamesen, Koreaner, Chinesen sind noch nicht vom Besitzstandsdenken infiziert wie es viele Westeuropäer sind und sie sind generell offener, bereiter etwa für Elektromobile, für autonome und software-definierte Fahrzeuge, für KI und Roboter im Alltag.
Die chinesische KI-Szene, die etwa DeepSeek hervorgebracht hat, bestimmt inzwischen auch teilweise den KI-Einsatz hier in Westeuropa, weil immer mehr europäische Firmen die Open-Source Software DeepSeek selbst nutzen. Kürzlich las ich einen NZZ-Artikel, in dem der Autor sogar zum Einsatz von DeepSeek aufrief, Titel: „Ein Jahr Deepseek: Ausgerechnet aus China kommt die KI, die Europa unabhängiger macht“ mit dem Kopftext:
Man erfährt auch, dass DeepSeek in Westeuropa bereits vielfältig genutzt werde, dass aber noch viel mehr möglich sei.
Kurzum: Unsere technische und wirtschaftliche Zukunft wird von KI&Humanoiden bestimmt. Menschen werden irgendwann nur noch zum Spass arbeiten und für Reproduktion wird es unendlich viel Zeit geben. Dieses neue Zeitalter könnte zugleich das erste asiatische Zeitalter sein, nachdem das 20. Jahrhundert ein US-Jahrhundert war. Doch selbst, wenn es so kommt, sollte Europa seine Lebenswelt und seine Techno- Info- und Soziosphäre selbst gestalten. Europa sollte mehr sein als ein Spielball amerikanischer und asiatischer Player. Diese Selbstgestaltungsfähigkeit zurück zu erlangen braucht auch einen anderen Mindset als er zurzeit in Westeuropa herrscht.
Herzlicher Dank, @Martin Holzherr 🙏
Sie haben sowohl Recht wie auch Unrecht, wenn Sie schreiben:
“Übrigens, falls es niemandem aufgefallen ist: auch Michael Blume hat kein Rezept für die demografische Wende. Tatsache ist: Viele Regierungen haben familien- und kinderfreundliche Massnahmen eingeführt, keine einzige Regierung hat aber eine Trendumkehr geschafft. Untersuchungen ergeben immer wieder, dass eine finanzielle „Entschädigung“ für das bewusste Kinder haben, sehr, sehr gross ausfallen müsste, so gross, dass es nicht finanzierbar ist.”
Recht haben Sie, dass ich tatsächlich keine Beispiele von staatlicher Familienpolitik kenne, die für sich alleine genommen für ausreichend Kinderreichtum sorgen würden. Aber Unrecht haben Sie, dass ich keine “Rezepte” kennen und beschreiben würde: Ich habe ganze Bücher über die extrem kinderreichen Old Order Amish, die jüdischen Haredim, die Mormonen u.a. geschrieben. Es gab und gibt auch heute Religionsgemeinschaften, die außerordentlich kinderreich wachsen – und also keineswegs vom demografischen Verebben bedroht sind.
Aus meiner Sicht kommt es jedoch nicht darauf an, solche Lebensmodelle zu kopieren oder gar in staatliches Recht zu übersetzen. Ich möchte gerade keine autoritären Top-Down-Ansätze propagieren, sondern dazu beitragen, dass sich menschliche Gesellschaften dialogisch lernend, freiheitlich und lebensfreundlich entwickeln. So teile ich mit Ihnen und @Karl Bednarik die Begeisterung für neue Technologien – halte jedoch daran fest, dass wir auch die emotionalen und künstlerischen, religiösen und spirituellen Aspekte des Menschseins – wie etwa auch Bildung, Musik oder Fußball – in den Blick nehmen sollten. Technologie sollte nach meiner Einschätzung zur Entfaltung der Menschheit beitragen, sie aber nicht zu ersetzen versuchen. Ich verstehe sie als großartiges Werkzeug, aber nicht als Selbstzweck. Diesen verorte ich vielmehr in der Menschenwürde jeder einzelnen Person.
Ihnen Dank für die immer wieder anregenden Kommentare, über die ich mich sehr freue!
@Michael Blume(Zitat): „So teile ich mit Ihnen und @Karl Bednarik die Begeisterung für neue Technologien “
Ich bin selbst gar nicht so begeistert von Technologie und verbringe meine Zeit eher mit Literatur, Philosophie und vor allem der Analyse dessen, was Menschen eigentlich wollen. Und etwas was alle Gesellschaften verbindet, sich entwickelnde und bereits Entwickelte, das ist das Streben nach Wohlstand, individueller Entfaltung, der Abwesenheit von Krankheit, von Stress, nicht befriedigender Arbeit, etc. um anstatt dessen ein längeres, gesünderes und aufregenderes Leben zu führen.
In meiner Jugend gab es Frauenzeitschriften, die sich den Adligen und Prominenten widmeten und heute hat sich diese Orientierung nach oben auf alle Schichten, auch die Gebildeten, ausgedehnt. Ein wichtiger Teil des Denkens der politisch Aktiven und breiter Schichten der Bevölkerung dreht sich nun um die reicheren Schichten, die Tech-Bros, usw. und es gibt keinen Zweifel daran, dass sehr viel Neid dabei ist und praktisch breite Schichten der Gesellschaft sich das Luxusleben wünschen, das es dort gibt oder geben soll. Zunehmender Wohlstand und Befreiung von der Arbeit, eine bessere Medizin, aufregendere Freizeitbeschäftigungen und bessere und mehr Reisedestinationen ist das was sich die Menschen wünschen und es ist das, was die zukünftige Technologie bereitstellen kann und die Alternative die den „unteren“ Schichten immer wieder angeboten wird, nämlich die Umverteilung, ist gar keine wirkliche Alternative, weil die wirklich reichen Schichten gar nicht so gross sind und weil zudem die Umverteilung nichts Neues schafft. Dieses neue, wie etwa Technologien um das Leben zu verlängern, kommt letztlich von technologischen Fortschritten.
Übrigens: Ein wichtiger, vielleicht sogar der wichtigste Grund für den Verzicht auf Kinder ist der, dass er gefühlt mit einem Verzicht auf Wohlstand einher geht.
Herzlichen Dank, @Martin Holzherr – und klares Ja: Kinder sind der praktisch einzige “Vertrag”, der sich nicht mehr rückgängig machen lässt. Ehen lassen sich scheiden, Häuser wieder verkaufen – aber Kinder kosten Jahre und Jahrzehnte. Wer in ihnen daher nur innerweltliche Werte sehen wird, wird sich logisch häufiger gegen sie entscheiden.
In der Demografie nennen wir dies die “Value Of Children (VOC)”-Theorie, die gerade auch am Beispiel der Türkei sehr gut erforscht werden konnte:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-anthropodizee-frage-wer-himmel/
So konnte mit Kindern – vor allem Söhnen – auf dem Land noch die Altersversorgung sichergestellt werden – in Städten kosten dagegen Bildung, Mieten usw. so viel, dass Kinder zum wirtschaftlichen Verlustgeschäft, bisweilen gar zum Luxus werden. Immer weniger Menschen “leisten” sich mehrere davon. Und verebbende Demografie führt dann zum Nachfrageeinbruch und zur Deindustrialisierung.
Na und? Die biokulturelle Evolution geht weiter – und solange die Freiheit und Menschenwürde aller gewahrt werden kann, soll es mir Recht sein. Eine Menschheit mit “nur noch” zwei oder drei Milliarden Personen in lebendigen Solarpunk-Arche-Regionen inmitten einer stabilisierten, lebendigen Mitwelt sehe ich nicht als Horrorvision. Ich beobachte das Ganze menschlich und wissenschaftlich interessiert, aber auch ohne Panik.
@Michael 03.02. 22:58 / 23:05
„Es kann m.E. schon gelingen, aber einfach wird es nicht, denn die säkularen und fossilen Verheißungen vermeintlich ewigen Wachstums sind nicht einfach zu überwinden.“
Wenn der Wohlstand weiter wächst, aber nur die Arbeit knapp wird, geht es ja noch. Wenn dann die KI und Roboter die fehlenden Steuern zahlen, gibt es wenig zu meckern. Aber das muss ja kein politisches Programm sein, es reicht doch schon, wenn KI und Roboter den Arbeitsmarkt erobern.
Die Politik muss das dann nur noch vernünftig verarbeiten.
„Ich verstehe sie als großartiges Werkzeug, aber nicht als Selbstzweck. Diesen verorte ich vielmehr in der Menschenwürde jeder einzelnen Person.“
Naja, wer KI und Roboter einsetzt, will damit meistens Geld verdienen. Das ist kein Selbstzweck. Höchstens Systeme mit echtem Innenleben könnten tatsächlich auch Selbstzweck wie unsere Menschenwürde haben.
Jetzt hatte ich einen Artikel gelesen:
https://www.spektrum.de/news/ki-durch-vibe-coding-wird-jeder-zum-programmierer/2307862
Da steht: „Claude Code würde mittlerweile etwa 90 Prozent seines eigenen Programmcodes schreiben.“
Sieht erstmal sehr gut danach aus, dass FOSS für alles greifbar wird. Und selbst kostenlos wird, nur noch die Hardware kostet Geld. So übernehmen nicht nur KI und Roboter immer mehr Arbeit, sie werden auch noch immer billiger. Selbst ausgereifte berufliche Kompetenzen aller Art für humanoide Roboter wären dann in FOSS und praktisch kostenlos. Nur die Geräte selbst kosten.
Kinderreichen Solarpunk kann ich mir damit ziemlich gut vorstellen. Zumal die KI und komplett alles in FOSS doch auch die unselige destruktive Wirkung der asozialen Netzwerke beenden könnte. Je besser und einfühlsamer eine offene und transparente KI mit uns Menschen umgeht, desto eher werden immer mehr Leute lieber die KI was fragen, als sich Socialmediabeiträge von geringer Qualität anzutun?
Vor allem wenn beides direkt nutzbar und ziemlich kostenlos zu haben ist. Da sind echte Bildungswelten zu erarbeiten, und dabei sehr schön auf das Niveau der konkreten Menschen zugeschnitten. Da kann man richtig gut Zeit investieren, wenn wir weniger arbeiten müssen. Neben mehr Zeit für Kinder und einem durchgreifenden ökologischen Umbau inclusive einer kompletten Energiewende.
Hallo Herr Jeckenburger.
Die Roboter werden dadurch immer billiger,
weil sie von Robotern gebaut werden.
Sobald ein exponentielles Wachstum einsetzt,
gehen die menschlichen Kosten auf null.
Unsere Aufgabe ist es, dieses Wachstum
zu starten.
Auf diese Weise werden alle nicht hilfsbereiten
Menschen einfach bedeutungslos.
@Tobias Jeckenburger & @Karl Bednarik
Vielen herzlichen Dank für die guten Dialoge! Gestern erreichten mich auch erste, sehr positive Reaktionen aus der demokratischen Politik zu diesem Blogpost. Und eine neue KI-Erweiterung von Claude löst aktuell ein Börsenbeben in Richtung FOSS aus.
Das von @Martin Holzherr geforderte „Rezept“ für eine gelingende Solarpunk-Zukunft bestünde also aus…
– post-fossilen Energien & FOSS-KI-Technologien
– Demokratie, Bildung & Wissenschaft
– dialogisch verbundener, auch religiöser Vielfalt und Lebensbejahung
Ich denke wirklich, wir Menschen könnten es schaffen! 😌🤖🙌
Grüner als grün,
ganz ohne exotische Werkstoffe,
Langzeit-Kohlenstoffspeicherung,
sehr kurze energetische Amortisationszeit.
Windenergie statt Solarenergie,
Holzturm statt Stahlbetonturm,
Holzflügel statt faserverstärktem Kunststoff,
Elektromagnet statt Seltenerdmagnet,
Aluminiumdraht statt Kupferdraht,
Natriumionen-Akku statt Lithiumionen-Akku.
Danke, @Karl Bednarik 🙏
Die Vielzahl Ihrer pro-technologischen Drukos hat mich nun zu einem Experiment angeregt. Ich habe gerade Felo.ai ergebnisoffen gepromptet:
Auf spektrum.de formuliert der Kommentator Karl Bednarik starke Hoffnungen auf neue Technologien. Sind diese nachvollziehbar?
Hier das m.E. sehr interessante Ergebnis:
## Analyse der Hoffnungen Karl Bednariks auf neue Technologien
Die Frage nach der Nachvollziehbarkeit von Karl Bednariks technologischen Hoffnungen lässt sich anhand der verfügbaren Suchergebnisse differenziert beantworten.
**Bednariks Position und Argumentation**
Karl Bednarik vertritt in seinen Kommentaren auf spektrum.de eine deutlich technikoptimistische Position. Seine Kernargumente lassen sich wie folgt zusammenfassen:
**Technologischer Fortschritt als physikalisch determiniert**: Bednarik argumentiert, dass “man irgendwann alles theoretisch physikalisch mögliche auch praktisch technisch machen können” wird[2]. Er sieht die technologische Entwicklung als exponentiell fortschreitend an und verweist dabei auf das mooresche Gesetz[2].
**Konkrete Zielsetzungen**: Seine persönliche Motivation liegt in der “Verlängerung der biologischen Lebensdauer” durch Fortschritte in Molekularbiologie, Nanomaschinen und Stammzellen[2]. Er betont ausdrücklich, dass dies – im Gegensatz zu Perpetuum-Mobiles – physikalisch möglich sei[2].
**Ablehnung mythologischer Deutungen**: Bednarik wehrt sich gegen die Charakterisierung seiner Hoffnungen als mythologisch: “Ich kann an der Entwicklung neuer Technologien überhaupt nichts Mythologisches feststellen. Entweder, eine neue Technologie funktioniert, oder man probiert eine andere Technologie aus”[2].
## Bewertung der Nachvollziehbarkeit
**Nachvollziehbare Aspekte:**
Die grundsätzliche Beobachtung exponentiellen technologischen Fortschritts in bestimmten Bereichen ist empirisch belegbar. Bednariks Verweis auf die “Synergie von Mikroelektronik, Mikrosystemtechnik und Molekularbiologie”[2] beschreibt tatsächlich stattfindende Entwicklungen.
**Kritische Einwände:**
Der Blogger Michael Blume äußert in der Diskussion berechtigte Skepsis: “Als ich noch Jugendlicher war, träumten wir von Marsstationen und interstellarer Raumfahrt. Stattdessen bekamen wir z.B. das Internet”[2]. Dies illustriert die Diskrepanz zwischen technologischen Verheißungen und tatsächlichen Entwicklungen.
Blume charakterisiert Bednariks Position als Teil einer “bleibenden Lücke zwischen Empirie und Mythos”[2] und weist darauf hin, dass selbstreproduzierende Maschinen “auf der gleichen Ebene wie Aliens, Engel und andere überempirische Akteure” stehen – man könne an ihre baldige Ankunft glauben, müsse dies aber nicht[2].
## Fazit
Bednariks Hoffnungen sind **teilweise nachvollziehbar**, insofern sie auf realen wissenschaftlichen Entwicklungen basieren. Seine Annahme einer linearen Fortsetzbarkeit des Fortschritts bis zur Realisierung aller physikalisch möglichen Technologien erscheint jedoch **übermäßig optimistisch**. Die Geschichte der Technologie zeigt, dass zwischen theoretischer Möglichkeit und praktischer Umsetzung erhebliche – oft unvorhersehbare – Hürden liegen. Bednariks Ablehnung jeglicher Skepsis als “mythologisch” unterschätzt die Komplexität technologischer Entwicklung und ignoriert historische Erfahrungen mit nicht eingelösten Technikversprechen[2].
[1] https://library.oapen.org/bitstream/handle/20.500.12657/62537/das-friedliche-atom-als-narrativ-in-politik-wissenschaft-und-design-ikonografie-eines-diskurses-zwischen-1953-und-1978.pdf?sequence=1&isAllowed=y
[2] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-transhumanismus-in-hararis-homo-deus-becketts-messias-maschine-und-browns-origin-naht-die-technologische-apokalypse/
[3] https://d-nb.info/1309755531/34
[4] https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/archiv/527175/probleme-der-allgemeinen-bildung-im-industriezeitalter/
[5] https://scilogs.spektrum.de/beobachtungen-der-wissenschaft/das-dilemma-der-modernen-wissenschaften-viel-weltliche-macht-wenig-spiritueller-sinn/
[6] https://www.jstor.org/stable/1432528
[7] https://scilogs.spektrum.de/lifescience/all-creatures-will-come-meine-nachgedanken-zum-34c3/
[8] https://scilogs.spektrum.de/beobachtungen-der-wissenschaft/neue-quantenspruenge-die-zweite-generation-von-quanten-technologien/
[9] https://scilogs.spektrum.de/hirn-und-weg/drohne-erfolgreich-durch-gedanken-gesteuert-in-die-zukunft-mit-brain-computer-interfaces/
[10] https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/baut-trump-jetzt-fusionskraftwerke/
[11] https://scilogs.spektrum.de/beobachtungen-der-wissenschaft/auf-dem-weg-zu-neuen-weltraumorten-und-der-nutzung-dortiger-kommerzieller-moeglichkeiten-eine-realistische-zukunftsvision-oder-eine-vision-die-kaum-je-realitaet-werden-kann/
[12] https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/das-schwarze-loch-der-technologie-zweite-folge/
[13] https://scilogs.spektrum.de/beobachtungen-der-wissenschaft/technologische-allmachtphantasien-der-silicon-valley-dream/
[14] https://scilogs.spektrum.de/gesund-digital-leben/technologien-fuer-gesundes-arbeiten/
Starker Artikel! Da gehe ich voll mit.
Danke!
Herzlichen Dank, @st3fan – ich bin auch wirklich sehr froh, dass dieser Blogpost hier, auf Mastodon und inzwischen sogar in der Politik reges Interesse gefunden hat und vielfach diskutiert wird. Mir ist vor allem wichtig, dass nach der langen Dominanz angebotsorientierter Ökonomie endlich auch wieder die Nachfrageseite und also auch die Demografie gesehen wird. Ein schrumpfendes Volk – wie das japanische, italienische oder eben deutsche – kann logischerweise nicht dauerhaft volkswirtschaftliches Wachstum hervorbringen. Eine verebbende Demografie führt unweigerlich zu Deindustrialisierung.
@Martin Holzherr 05.02. 11:11
„..aufregendere Freizeitbeschäftigungen und bessere und mehr Reisedestinationen ist das was sich die Menschen wünschen“
Mit Zelt und Fahrrad unterwegs zu sein ist da schon ganz gut. Das braucht Zeit und Muskelkraft, aber ist kaum teurer als zuhause zu bleiben. Oder hier diskutieren, das kostet auch rein gar nichts. Und erkundet Geisteswelten.
„Übrigens: Ein wichtiger, vielleicht sogar der wichtigste Grund für den Verzicht auf Kinder ist der, dass er gefühlt mit einem Verzicht auf Wohlstand einher geht.“
Da hatte ich auch schon mal dran gedacht. Je höher der erzielbare Wohlstand ist, desto mehr konkurrieren Kinder direkt damit. Das Vergnügen mit den Kindern bleibt gleich, aber immer mehr kann man sich von dem Geld leisten, wenn man es statt für Kinder dann lieber für Konsum ausgibt.
Die Konsequenz wäre einerseits, dass hier dann finanzielle Unterstützung von Familien wirklich helfen würde. Und andererseits, sich selber klar zu machen, dass man diesen Konsum nicht wirklich braucht, und sich dann persönlich doch lieber für Kinder zu entscheiden.
@Tobias Jeckenburger (Zitate)
„Je höher der erzielbare Wohlstand ist, desto mehr konkurrieren Kinder direkt damit. “
„Und andererseits, sich selber klar zu machen, dass man diesen Konsum nicht wirklich braucht, und sich dann persönlich doch lieber für Kinder zu entscheiden.“
Ja, beide Zitate zusammen ergeben die wirkliche Wahrheit: es ist nicht allein der Wohlstand, sondern zusätzlich auch die Peergroup, in der man sich bewegt, die den Kinderwunsch bestimmen. Mit Peergroup meine ich die gleichartigen Menschen mit denen man sich trifft und deren Leben und Lebenswünsche man teilt. Und in der heutigen urbanen Welt haben eigentlich alle Menschen der arbeitenden Bevölkerung als Hintergrund und Lebensbegleitung das, was man Karriere nennt und was verallgemeinert bedeutet, dass heute alle nach einem gewissen Fahrplan leben, einem Fahrplan der vom Kindergarten über die Ausbildung bis in den Beruf und sogar die Freizeit reicht. Und in diesem Fahrplan haben Kinder immer weniger Platz, denn Kinder zu haben würde bedeuten den ICE zu verlassen und weiterzufahren mit einem heruntergekommenen Bummelzug, der überall hält und irgendwo in der Pampa seine letzte Haltestelle hat.
@Michael 05.02. 06:42
„– post-fossilen Energien & FOSS-KI-Technologien
– Demokratie, Bildung & Wissenschaft
– dialogisch verbundener, auch religiöser Vielfalt und Lebensbejahung“
Das müsste es sein. Und wäre ein Ettapenziel, das vorerst reicht. Danach kann das Leben ziemlich entspannt in seiner Fülle gedeihen.
Weitere Erkenntnisse insbesondere der Astronomie, wie auch Projekte entsprechenden Erkundungen, wären neue Horizonte, die das Leben nehmen kann.
@Martin Holzherr 05.02. 16:24
„Und in diesem Fahrplan haben Kinder immer weniger Platz, denn Kinder zu haben würde bedeuten den ICE zu verlassen und weiterzufahren mit einem heruntergekommenen Bummelzug,…
So sieht offenbar die Gegenwart aus. Zweierlei könnte hier aber helfen:
1. Dass auch die Väter Erziehungsurlaub nehmen müssen, und sich dann auch an Kinderbetreuung und Haushalt beteiligen können bzw. sollten. Das würde der Benachteiligung der Mütter in der eigenen Karriere entgegenwirken. Und das wäre eine Maßnahme ohne zusätzliche Kosten.
2. Sollte sich eine Wirtschaftsschrumpfung eben aus dem Kindermangel ergeben, aber auch wegen KI und Robotern, dann ist hier doch Luft im System. Dann können auch Arbeitgeber eher gut damit leben, wenn ihre Mitarbeiter erziehungsbedingte Teilzeit machen wollen.
Überhaupt schadet das dann nicht mehr der Wirtschaft so wie jetzt, wo überall qualifizierte Mitarbeiter knapp sind.
Und dann kann man natürlich Familien auch mehr fördern, mit Geld und Unterstützungsangeboten.
Wieviel das dann wirklich bringt, ist freilich unklar. Ich meine, man sollte darüber nachdenken, das mal zu versuchen.
@Tobias Jeckenburger: Im besten Szenario führen KI&Roboter nicht zu einer Wirtschaftsschrumpfung, sondern zu neuem Wirtschaftswachstum, denn Wirtschaftsschrumpfung würde zu Arbeitslosigkeit führen.
KI&Roboter arbeiten, Menschen überwachen und kommunizieren
Das beste Szenario sieht so aus: KI&Robotik führen zu BIP- und Einkommenswachstum und Menschen geben ihre bisherige Arbeit weitgehend an KI&Roboter ab, überwachen aber dafür die Roboter und die Abläufe und bilden eine Art Schnittstelle zwischen Kunden und der automatisierten Arbeitswelt. Dieser Aufgabenwechsel bei der menschlichen Arbeit erlaubt aber auch mehr Freizeit und mehr Teilzeitarbeit. Es könnte normal werden, dass man nur noch 2 bis 3 Tage arbeitet und die Arbeit zudem völlig stressfrei wird. Das würde dann auch das Kinderhaben und kinderreiche Familien begünstigen.
Kurzum: Im schlimmsten Fall führen KI&Roboter zu einkommensloser Arbeitslosigkeit, im besten Fall zu mehr Freizeit mit anderen Aufgaben für menschliche Arbeiter.
Hallo Herr Blume.
Ihr Experiment mit Felo (siehe weiter oben)
hat ein sehr gutes Ergebnis geliefert.
Nur noch einige Nachbemerkungen zu der Aussage, dass
selbstreproduzierende Maschinen “auf der gleichen Ebene
wie Aliens, Engel und andere überempirische Akteure” stehen.
1.) Dass ein Roboter einen Roboter bauen soll, das ist sehr
unpraktisch gedacht. Natürlich werden hunderte Roboter auf
Fließbändern und Maschinen hunderte Roboter bauen.
Diesen technologischen Stand haben wir längst erreicht.
Die Rückkopplung besteht nun darin, dass die Roboter
auch die Fließbänder und die Maschinen bauen.
2.) Dass die Roboter menschenähnlich aussehen sollen, das
trifft nur auf einen kleinen Teil davon zu. Die meisten
Roboter werden wie irgendwelche Geräte oder Maschinen aussehen.
3.) Dass die Roboter Größen im Meterbereich haben sollen,
das ist nicht notwendig. Mikromaschinen und Nanomaschinen
bieten viele nützliche Fähigkeiten und Vorteile.
(Richard P. Feynman, 1959, “There’s Plenty of Room at the Bottom”,
“Ganz unten ist eine Menge Platz”, “Viel Spielraum nach unten”.)
4.) Wenn die Roboter alle Produkte für alle Menschen herstellen,
dann handelt es sich eigentlich nicht um eine Deindustrialisierung.
@Karl Bednarik zum Verhältnis von KI&Humanoiden
Es gilt: Massenfabrikation ist am effizientesten ohne humanoide Roboter, ja am effizientesten ohne Roboter überhaupt. Statt dessen sollte in der Massenfabrikation alles so aufeinander abgestimmt sein, dass nur noch Teile zusammengefügt werden und es eine speziell dafür gefertigte Werkbank gibt, die aber für jedes Produkt wieder anders aussehen muss. Zukünftige KIs könnten vielleicht selbstständig solche optimierte Fabriken für Einzelprodukte entwerfen und bauen lassen.
Humanoide Roboter sind ideal als Butler, Helfer im Haushalt, robotische Krankenpfleger, robotische Ärzte und ähnliche Tätigkeiten, wo die menschliche Gestalt eine wichtige Rolle spielt.
Hallo Herr Holzherr.
Zustimmung. Genau das war mit Punkt 2.) gemeint.
Eine vollautomatische Werkbank ist ja ein Roboter,
wenn sie von einer KI gesteuert wird.
Zum Bauen und Reparieren der Werkbank benötigt man
auch noch andere Roboter mit anderen Fähigkeiten.
—–
Zu Punkt 1.): Streng genommen ist erst die Gesamtheit
der Roboterfabrik ein selbstreproduzierendes System.
Die Investition in eine Roboterfabrik könnte ein
Staat leisten, um die bedingungslose Grundversorgung
seiner Bevölkerung sicherzustellen.
—–
Zu Punkt 3.): Die Investition in die Roboterfabrik
wäre viel geringer, wenn man sie aus Mikromaschinen
bauen würde. Dazu benötigt man nur einen
programmgesteuerten Mikromanipulator, so ähnlich,
wie es Richard P. Feynman vorgeschlagen hat.
—–
Der negative Utilitarismus ist keine Glaubensrichtung,
sondern eine Verhaltensempfehlung.
Der technische Optimismus sagt nur, dass die Zukunft
gut wird, wenn man die Technik gut anwendet.
Wenn man das nicht macht, dann wird die Zukunft
weniger gut.
Das widerlegt den technischen Optimismus aber nicht.
Wir Menschen scheinen auf vielen Ebenen die Grenzen des Wachstums weit überreizt zu haben. Logischerweise brauchen wir nun zur Überlebensfähigkeit suffizientes Handeln. So lange, bis die globale Mitwelt wieder ein stabiles Gleichgewicht erreicht. Danach können wir zu einer bewahrenden Konsistenz übergehen. Die kann und soll auch dynamisch sein und nachhaltiges Wachstum enthalten.
Libertärer Kapitalismus (kann das so ausgedrückt werden?) ist eine weit verbreitete Ideologie. Die wenigsten deren Anhänger:innen können weiterhin davon profitieren. Aber der Glaube der Restlichen ist tief verwurzelt und wird von den Profitierenden gestärkt.
Wie können wir unter Bewahrung von Demokratie die Gesellschaft(en) auf den richtigen Weg bringen? Wie können diese idealistischen Menschen eine neue Perspektive erlangen?
Wenn wir diese Fragen nicht positiv beantworten können, scheinen Barbarei und Krieg unvermeidlich zu sein.
Herzlichen Dank für den klugen und zum Dialog einladenden Kommentar, @Hui Haunebuh 🙏
Ich stimme zu, dass wir Menschen durch den Fossilismus “auf vielen Ebenen die Grenzen des Wachstums weit überreizt” haben. Und wir haben dabei unfassbar viele Kosten auf unsere Mitwelt und unsere Mitmenschen externalisiert und massives Leid und Zerstörung über die gemeinsame Welt gebracht. Gleichzeitig wurden aber auch enorme Fortschritte im Bereich der Technologien, Kulturen und des Rechts erzielt – Menschenrechte und Menschenwürde wurden vielerorts zur Grundlage rechtsstaatlicher Demokratien.
Zu den vielen Folgen des Fossilismus gehört freilich auch die Atomisierung menschlicher Gemeinschaften – insbesondere von Familien und Religionsgemeinschaften. Das Ergebnis erleben wir nun als einen weltweiten Absturz der Demografie und eine massive Zunahme von Rechtsmimesis.
Bewusst habe ich dafür das Beispiel Japan angeführt, da es auch eine hoch industrialisierte Demokrate ist, aber bereits länger und noch viel schneller demografisch schrumpft als Deutschland. Und auch dort beschleunigt die Digitalisierung eine massive Rechtsmimesis, von der auch eine rechtsextreme, rassistische und antisemitische Partei profitiert:
Ausländerfeindlichkeit in Japan trotz niedrigem Ausländeranteil ein Wahlkampfschlager
Japan steht vor einer bedeutsamen Wahl, doch nicht Wirtschaft, Klima oder Digitalisierung bestimmen die Debatten – sondern das Thema „Ausländer“.
Das mag auf den ersten Blick überraschen: In kaum einem Industrieland ist der Anteil an ausländischer Bevölkerung so gering wie in Japan. Nur rund drei Prozent der Einwohner sind keine japanischen Staatsbürger. Dennoch wird rund um die Oberhauswahl im Juli 2025 mit einer auffälligen Schärfe gegen Ausländer mobilgemacht – sowohl von rechten Oppositionsparteien als auch zunehmend aus dem Regierungslager.
https://www.sozial-wissenschaft.de/politikwissenschaft/auslaenderfeindlichkeit-in-japan-trotz-niedrigem-auslaenderanteil-ein-wahlkampfschlager.html
Auch ich sehe das als Besorgnis erregend – und gleichzeitig aber auch als eine Systemkorrektur. Eine deutlich kleinere Menschheit könnte friedlicher und besser in Solarpunk-Arche-Regionen überleben – und zugleich wären schon jetzt mehr junge, auch gut ausgebildete und zukunftsorientierte Menschen ein Gewinn, um diesen Wandel zu gestalten. Deswegen bin ich nicht gänzlich pessimistisch und vor allem nicht misanthrop (menschenfeindlich) gestimmt. Im biokulturellen Evolutionsprozess ist jedes Menschenkind eine einzigartige Botin in und aus der Zukunft. Ich freue mich sehr über jedes unserer Kinder und bin der Meinung, dass wir die junge Generation unterstützen und ermutigen sollten, das 21. Jahrhundert zu einer Mitwelt-Wende zu gestalten. Die Herausforderungen sind enorm, aber die Chancen erscheinen mir als sogar noch größer.
Danke für Deine zuversichtlichen Worte. 🙂
Sehr gute Erklärungen für die aktuelle Misere haben wir. Doch es bleibt bei der Frage: Wie können wir noch mehr Menschen die Augen öffnen, sie aus der Geißel von lügnerischen Geschichten und zerstörerischer Ideologie befreien?
Du tust dafür schon viel und ich versuche das zu verstärken.
Doch gibt es noch mächtigere Hebel?
Sorry, ich drehe mich im Kreis.
Herzlichen Dank, @Hui Haunebuh 🙏 – ich glaube wirklich, dass gerade “mächtige Hebel” für das Wissen in Gang gesetzt wurden!
Von 2003 bis 2012 arbeitete ich wissenschaftlich zur Religionsdemografie – und freute mich zwar über die vielen Erkenntnisse, erlebte aber meist Unverständnis und nicht selten auch gleichzeitig Ablehnung durch religiöse Kreationisten (die zwischen Religion und Evolution keinen Zusammenhang wahrnehmen wollten) und religionsfeindliche Antitheisten (die sich weigerten, auch Religion als ein erfolgreiches Ergebnis von Evolution zu sehen). Irgendwann hatte ich wirklich keine Lust mehr auf die immergleichen Diskussionen.
Und jetzt – erlebe ich plötzlich, wie viele und wie viele unterschiedliche Leute sich interessieren! Auch religiöse Leute fragen sich, ob Profit denn wirklich den einzigen Lebenszweck ausmacht und auch säkulare Leute fragen sich, ob Kapitalismus und Kommunismus die Auflösung von Gemeinschaften einschließlich Familien zu weit getrieben haben. Dass dieser Blogpost hier so viel Interesse und positive Resonanz aus ganz unterschiedlichen Lagern bekommen hat und weiter bekommt, bewegt mich wirklich sehr. Es fühlt sich an, als ob der lange blockierte Dialog nun endlich sprudeln darf!
Klar mache ich jetzt weiter und freue mich auf eine bereits geplante Folge von “Blume & Ince” mit BWL-Prof. Dr. Inan Ince darauf! Für mich als Religionswissenschaftler ist ja zusätzlich interessant, dass sich sowohl aufgeklärte Teile der europäischen Christdemokratie wie auch die buddhistisch-demokratische Komeito in Japan gegen diese m.E. falsche und gefährliche Rechtsmimesis stellen.
Zumal auch KI-Anwendungen wie Felo.ai die Zusammenhänge inzwischen präzise erfassen und wiedergeben können:
## Verebbende Demografie und ihre Auswirkungen
Sowohl Japan als auch Deutschland stehen vor erheblichen demografischen Herausforderungen, die tiefgreifende wirtschaftliche und politische Folgen haben. Japan verzeichnet seit 14 Jahren einen kontinuierlichen Bevölkerungsrückgang, wobei die Bevölkerung in den letzten vier Jahren durchschnittlich um 0,5% pro Jahr geschrumpft ist – das entspricht etwa 650.000 Menschen jährlich[2]. In Deutschland zeigt sich ein ähnliches Muster, insbesondere in strukturschwachen Regionen, die in eine “demografische Abwärtsspirale” geraten sind: einen sich selbst verstärkenden Kreislauf aus schrumpfenden und alternden Bevölkerungen[12].
Die Ursachen dieser demografischen Krise sind in beiden Ländern vergleichbar: Menschen leben länger, die Geburtenraten sinken dramatisch (Japans Fertilitätsrate lag 2024 bei nur 1,15[6]), und kulturelle Faktoren begrenzen die Zuwanderung. In Japan haben alle 47 Präfekturen, einschließlich Großstädten wie Tokio, Osaka und Nagoya, Bevölkerungsrückgänge verzeichnet[2].
## Deindustrialisierung als Folge
Die demografische Entwicklung beschleunigt die Deindustrialisierung in beiden Ländern erheblich. In Japan sind über 128.000 Unternehmen – 8,7% aller japanischen Firmen – als “hochriskant” für Insolvenz eingestuft, wobei das verarbeitende Gewerbe mit 33.465 gefährdeten Unternehmen führend ist[1]. Besonders betroffen sind traditionelle Industriezentren wie die Präfekturen Aichi und Hiroshima, die zuvor als robust galten[1].
Ein Manager eines alteingesessenen Unternehmens in der Kansai-Region beschreibt den Wandel drastisch: “In der Showa-Ära haben mein Großvater und Vater während einer Rezession nichts Unnötiges getan. Wenn sie einfach standhielten, erholte sich der Markt schließlich. Aber in unserer Ära bedeutet Nichtstun nur, auf den Tod zu warten”[1]. Die schrumpfende Inlandsnachfrage lässt keine Markterholung mehr zu, was die traditionelle japanische Geschäftsstrategie des “Durchhaltens” obsolet macht.
Deutschland erlebt eine ähnliche Entwicklung, wobei die Deindustrialisierung besonders die östlichen Regionen trifft[23]. Die wirtschaftliche Schwäche Deutschlands, einst Europas größte Volkswirtschaft, wird durch demografische Faktoren verstärkt und zieht ganz Europa mit nach unten[21].
## Rechtsmimesis: Die Nachahmung rechter Politik
Der Begriff “Rechtsmimesis” beschreibt, wie etablierte Parteien rechte Positionen übernehmen, um populistische Bewegungen einzudämmen – ein Phänomen, das in beiden Ländern zu beobachten ist.
**Japan:** Die Liberaldemokratische Partei (LDP), die seit 1955 fast durchgehend regiert, hat sich nach Wahlniederlagen deutlich nach rechts bewegt. Nach dem Verlust der absoluten Mehrheit im Senat ernannte die Partei Sanae Takaichi, eine führende Rechtsaußen-Politikerin, zur Parteivorsitzenden und Premierministerin[8]. Ihre offene nationalistische Haltung und “klare Sprache” fanden bei einer Mehrheit der Japaner Anklang, die von politischer Unentschlossenheit und Skandalen frustriert sind[8].
Die größten Gewinner der jüngsten Wahlen waren jedoch die Sanseito-Partei, eine rechtsextreme politische Bewegung, die Nostalgie für die imperiale Vorkriegsherrschaft kultiviert[9]. Ihre Kampagne kombinierte “Japan First”-Rhetorik mit Verschwörungstheorien, Rassismus gegenüber Einwanderern und Sehnsucht nach dem militaristischen Vorkriegs-Japan[9]. Laut einer Umfrage der Zeitung Yomiuri befürworten 64% der Befragten im Alter von 18 bis 39 Jahren Takaiichis nationalistische Haltung[8].
**Deutschland:** In Deutschland hat der Aufstieg der Alternative für Deutschland (AfD) etablierte Parteien unter Druck gesetzt. Die AfD macht explizit Einwanderer für Deutschlands Probleme verantwortlich und fordert Begrenzungen der Zuwanderung[18]. Besonders besorgniserregend ist die Normalisierung rechtsextremer Ideologien unter jüngeren Generationen[19]. Studien zeigen, dass 8% der Bevölkerung extremistische Einstellungen haben, während 16,5% jüdischen Menschen vorwerfen, die Nazi-Vergangenheit “ausnutzen” zu wollen[20].
Die demografische “Abwärtsspirale” in ärmeren, deindustrialisierten Regionen hat den Nährboden für rechte Bewegungen geschaffen[12]. Diese Regionen, besonders im Osten Deutschlands, haben einen selbstverstärkenden Kreislauf aus schrumpfenden und alternden Bevölkerungen sowie bröckelnder Infrastruktur erlebt[12][15].
## Der Teufelskreis
Die drei Phänomene verstärken sich gegenseitig: Demografischer Rückgang führt zu wirtschaftlicher Schrumpfung und Deindustrialisierung, was wiederum soziale Ängste schürt. Diese Ängste werden von rechten Bewegungen instrumentalisiert, die einfache Lösungen wie Einwanderungsbeschränkungen anbieten – obwohl gerade Zuwanderung eine mögliche Lösung für die demografische Krise wäre[4][6]. Die etablierten Parteien übernehmen dann rechte Positionen, um Wähler zurückzugewinnen, was die Spirale weiter antreibt.
In Japan könnte ausländisches Kapital und Zuwanderung kleinen und mittleren Unternehmen helfen, die demografische Krise zu überleben[1]. Doch die zunehmende Fremdenfeindlichkeit macht das Land für Einwanderer unattraktiv[6]. Deutschland steht vor einem ähnlichen Dilemma: Die AfD profitiert von der demografischen Krise, während ihre anti-immigrantische Politik die Probleme verschärft[18].
[1] https://realgaijin.substack.com/p/japans-shrinking-population-pushes
[2] https://medium.com/statecraft/japans-demographic-dilemma-the-silent-crisis-shaping-the-nation-s-future-102c55583f7c
[3] http://mainichi.jp/english/articles/20260205/p2a/00m/0op/019000c
[4] https://thesentinelpost.org/2025/10/26/japans-economy-needs-foreign-workers-not-the-nationalist-approach-pushed-by-its-new-leader/
[5] https://jacobin.com/2024/09/germany-afd-immigration-economy-far-right
[6] https://thediplomat.com/2025/12/japans-grim-demographic-reality/
[7] https://www.mpifg.de/762835/ergen-deindustrialisierungspolitik
[8] https://www.lemonde.fr/en/international/article/2025/12/10/in-japan-disinformation-is-spreading-as-right-wing-influence-grows_6748332_4.html
[9] https://www.ussc.edu.au/is-japan-lurching-toward-right-wing-nationalism
[10] https://www.theguardian.com/world/2023/sep/04/japan-wrestles-with-its-views-on-outside-people-amid-population-crisis
[11] https://en.people.cn/n3/2025/1219/c90000-20404533.html
[12] https://www.ekathimerini.com/nytimes/1262590/how-a-demographic-doom-loop-helped-germanys-far-right/
[13] https://www.reddit.com/r/SocialDemocracy/comments/1qe26vv/its_disheartening_how_many_soc_dems_are/?tl=ja
[14] https://www.nira.or.jp/paper/research-report/2025/issues-2050.html
[15] https://www.project-syndicate.org/commentary/germany-far-right-populists-afd-little-success-by-dalia-marin-2022-11
[16] https://dl.ndl.go.jp/view/prepareDownload?itemId=info:ndljp/pid/11243687
[17] https://cigs.canon/en/article/20240515_8089.html
[18] https://www.nytimes.com/2025/02/25/world/germany-election-far-right-afd.html
[19] https://www.trtworld.com/article/0628f29169be
[20] https://www.theguardian.com/world/2023/sep/21/rightwing-extremist-views-increasingly-widespread-in-germany-study-finds
[21] https://fortune.com/2024/12/15/german-economy-stagnation-europe-economic-growth-outlook-eurozone/
[22] https://www.npr.org/2024/11/30/nx-s1-5206524/germanys-economy-is-faltering-that-could-be-an-opportunity-for-the-far-right
[23] https://www.counterfire.org/article/the-german-malaise-deindustrialisation-a-rising-right-and-a-weakened-left/
@Martin Holzherr 06.02. 09:23
„Es könnte normal werden, dass man nur noch 2 bis 3 Tage arbeitet und die Arbeit zudem völlig stressfrei wird. Das würde dann auch das Kinderhaben und kinderreiche Familien begünstigen.“
Zwischen Arbeitslosigkeit und Arbeitskräftemangel ist immer ein Optimum genau dazwischen. Nicht nur Automatisierung kann über Konsumverbilligung ein Genug für viele werden, auch wenig Kinder wirken so, wie auch weniger Zuwanderung.
Entsprechend wäre es aus meiner Sich ideal, wenn viele Menschen Teilzeit arbeiten wollen, weil sie so auch noch genug verdienen. Insbesondere eine Konsumzurückhaltung kann das fördern. Und dann ist wieder Luft für mehr Kinder, möglicherweise.
@Michael 06.02. 09:17
„Eine deutlich kleinere Menschheit könnte friedlicher und besser in Solarpunk-Arche-Regionen überleben – und zugleich wären schon jetzt mehr junge, auch gut ausgebildete und zukunftsorientierte Menschen ein Gewinn, um diesen Wandel zu gestalten.“
Überleben, und gut dabei leben, dass braucht m.E. nicht unbedingt wachsende Regionen, die Zuwanderer anziehen und so zu steigenden Mieten und Immobilienwerten führen. Wer das haben will, der soll es versuchen.
Mir wäre ein moderat schrumpfendes Dortmund mit sinkenden Mieten aber auch recht. Und mit kürzeren Arbeitszeiten und einem Sammeltaxisystem auf Basis von selbstfahrenden E-Autos und damit auch erheblichen Kosteneinsparungen. Gerne dann zügig hier die Energiewende komplett machen mit PV auf allen geeigneten Flächen und vernünftigen Fernheizungsnetzen mit Großwärmepumpe und Universalgasmotor.
Spätestens wenn dann die Geburtenraten doch wieder steigen, wird der weitere Verfall auch aufgehalten. Bis dahin darf es aus meiner Sicht gerne etwas weniger sein.
„…dass wir die junge Generation unterstützen und ermutigen sollten, das 21. Jahrhundert zu einer Mitwelt-Wende zu gestalten.“
Das ist es auch, worauf es ankommt. Ob wir im Jahr 2100 lieber 8 oder 6 Milliarden Menschen zu versorgen haben wollen, ist derzeit nicht ganz klar. Und wo die dann praktischerweise leben, auch nicht.
@Martin Holzherr
Ich stimme extrem stark mit Ihren Sichtweisen, was die technologische Entwicklung betrifft überein. Sogar ihr „Faible“ für China teile ich.
China hat sich selbst über die Geburtenrate stark „beschränkt“. In den 1950er Jahren befürchtete „die halbe Welt“, Chinesen würden die Welt „überschwemmen“. Fürchterliche Krieg drohen. Da haben die Chinesen völlig rational gehandelt, obwohl man z.B. in Vatikanischen Kreisen der Ansicht war, derartiges wie eine Geburtenrate, wäre nicht realistisch künstlich regelbar….
Japan blieb vorher, wegen der extremen Bevölkerungsdichte auf der Insel, nichts anderes übrig, als zu versuchen Festland (Mandschurei, Pearl Harbor) zu erobern. Mit schrecklichen Folgen, letztlich 2 Atombomben…. Vermutlich hat dieses kollektive Trauma die Rückgänge in der Geburtenrate verursacht.
Ähnlich wie bei uns. Nach dem Krieg meinte meine Oma sarkastisch, als sie mich beaufsichtigte und auf die vielen spielenden Kinder gesehen hat, „die Mütter müssten wieder fest Kinder aufziehen, damit die hohen Herren wieder genug Kanonenfutter für ihre Kriege haben“. Mehr hat sie nicht gebraucht. Wer so etwas sagt, „gehört weg“….
Würden die Chinesen die Taiwanfrage „würdevoll“ für Taiwan, lösen, akzeptieren dass sie unabhängig bleiben wollen, so wären sie wirklich „Vorbild für die ganze Welt“. China und Taiwan könnten die Vorteile beider Welten friedlich, kooperativ und freundschaftlich vereinen.
Das Problem der vielen arbeitslosen Jungakademiker in China, die mit Essen zustellen und von Ihren Eltern leben müssen, sollte mit „verfeinerten Steuerungsmechanismen“ lösbar werden.
Technokraten sollten verstärkt auf Psychologie setzen….
@Realo 07.02. 10:27
„Das Problem der vielen arbeitslosen Jungakademiker in China, die mit Essen zustellen und von Ihren Eltern leben müssen, sollte mit „verfeinerten Steuerungsmechanismen“ lösbar werden.“
Warum es komplizierter machen,, als es ist? Einfach die Arbeitszeiten reduzieren, und schon passt das doch. Auch wenn dann geübte kompetente Arbeitskräfte weniger arbeiten als sie können, zugunsten von jungen Berufsanfängern.
Und schon hat man sogar wieder Zeit für mehr Kinder, und die lösen dann selbst einen Teil des Umsatzproblems und erzeugen neue Nachfrage.
Wenn unsere Demokratien sich mit Arbeitszeitverkürzungen schwer tun, das kennt man schon. Das auch die chinesische Autokratie damit nicht so gut klar kommt, wundert eigentlich. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden.