Mehr arbeiten? Fossilismus gegen Familien, Demografie & Deindustrialisierung

Da ich in den vergangenen Tagen sehr viel auf „mehr Arbeiten“, „höheres Renteneintrittsalter“, „Schulden“, „Lifestyle-Teilzeit“ und selbstverständlich „wieder Wachstum?“ angesprochen wurde, vermisse ich den schwedischen Statistiker und Demografie-Kollegen Hans Rosling (1948 – 2017) mehr denn je. Denn er machte bereits in den 2010er Jahren auf eine dramatische Entwicklung aufmerksam, die seit 2017 sogar von den notorisch überschießenden UN-Prognosen bestätigt wird: Wir Menschen haben bereits den Geburtengipfel – Peak Child – überschritten, die Zahl junger Menschen sinkt bereits weltweit und jeden Tag mehr.

Eine Datengrafik nach UN-Daten von 2024 zeigt einen globalen Rückgang der Kinderzahlen ab 2017.

Die Bevölkerungsprognosen der UN sind auf „offizielle“ Daten aus Ländern wie China, Russland und den USA angewiesen und weichen also immer stärker von der Realität der säkularen Geburtenimplosion ab. Dennoch vermerken auch sie bereits ab 2017 den globalen Rückgang der Kinderzahlen. Grafik: Our World in Data 2025, CC BY

Und auch in Deutschland schrumpfte die Bevölkerung mangels Kindern und Migration bereits 2025 um 100.000 Köpfe – bald 300 Menschen pro Tag!

Im Statistik-Fachdeutsch klingt das dann so:

„Wie in allen Jahren seit der deutschen Vereinigung 1990 überstieg auch im Jahr 2025 die Zahl der Gestorbenen die Zahl der Geborenen. Im Unterschied zu den Vorjahren nahm allerdings die Differenz zwischen den Geburten und Sterbefällen (Geburtendefizit) zu, während der Saldo aus Zu- und Fortzügen (Nettozuwanderung) deutlich abnahm. Die Lücke zwischen den Geburten und Sterbefällen konnte erstmals seit 2020 durch die Wanderungsgewinne nicht geschlossen werden, sodass die Bevölkerungszahl sank.“

Die Folgen sehen wir auch z.B. in China und Japan: Wachstumsschwäche und Rechtsmimesis

Die Folgen von sinkenden Geburtenraten schlagen direkt in Wirtschaft und Politik durch: Wo es immer weniger jüngere Menschen gibt, wird auch immer weniger investiert und produziert. Ältere Menschen konsumieren, sparen und vererben häufiger.

Die Folgen sehen und erleben wir alle im Alltag: Das Wachstum der sog. Bruttosozialprodukte erlahmt, die politischen Diskurse werden rechtsmimetisch, also reaktant, rassistisch und sexistisch und auch Rechtslibertäre (früher „Neoliberale“) befürworten plötzlich erhöhte Schuldenaufnahmen und Zölle, um ihre fossilen Profite noch um ein paar Jahre zu verlängern.

Dabei könnten alle wissen: Schon seit Jahrzehnten versuchen demografisch schrumpfende Volkswirtschaften wie Japan und China vergeblich, durch Exporte und Schuldenaufnahmen ihr Wachstum anzukurbeln. Die aktuellen Diskussionen in Deutschland erlebe ich einfach als plumpe Neuauflage der längst gescheiterten, fossilen und schuldenfinanzierten „Abenomics“ (2012 – 2020) in Japan.

Die Grafik zeigt den dramatischen Geburteneinbruch in Südkorea von über 6 Geburten pro Frau in 1960 auf 0,78 Geburten pro Frau in 2022. Auch die demografische Implosion in den USA auf nur noch 1,66 Geburten pro Frau und in Japan auf nur noch 1,26 Geburten pro Frau wird beschrieben.

Die Geburtenraten auch in den asiatischen Volkswirtschaften China, Japan, Südkorea, Taiwan usw. implodieren durch Fossilismus, Digitalisierung & Säkularisierung in historisch beispiellosem Maß. Screenshot: Michael Blume

In einfachen Worten gesagt: Autos kaufen keine Autos. Niedrige Demografie führt zu Deindustrialisierung.

Im schönstem Managerdeutsch formulierte dies auch mein (nicht verwandter) Namensvetter Oliver Blume als scheidender Porsche-Chef am 12.12.2025 in der Stuttgarter Zeitung:

Der europäische Automobilmarkt ist heute um über zwei Millionen Einheiten kleiner als vor fünf Jahren. Hinzu kommt: wir haben viel mehr Wettbewerber im Markt und in einzelnen Segmenten dreimal so viele Produkte.

Diesen geballten Druck spüren wir. Und dafür müssen wir uns in Deutschland intelligent aufstellen.”

Aus meiner Sicht – übrigens auch als gelernter und lange „neoliberal“ geprägter Banker – ist damit klar:

Wir werden unvermeidlich demografisch und wirtschaftlich nach den alten Kennzahlen schrumpfen und – wenn wir nicht sehr aufpassen – wie bereits die USA durch eine weitere Phase des fossilen Faschismus gehen.

Familien und Religionsgemeinschaften wurden durch Fossilismus & Medien zerblasen

Wie lässt sich diese dramatisch schnelle, säkulare Geburtenimplosion erklären?

Der Fossilismus – also fossil befeuerte Kapitalismus wie auch Kommunismus – machte die überwiegend von Frauen geleistete Familien- & Pflegearbeit (Care-Work) unsichtbar & entwertete sie als „Privatvergnügen“. Als „Arbeit“ gilt seitdem nur noch die Erwerbsarbeit außerhalb der Familie.

Wenn Du Dein Kind zuhause erziehst oder Deine Oma pflegst, geht dies bis heute nicht ins sog. „Bruttosozialprodukt“ ein – es gilt nicht als „Arbeit“. Erziehst Du aber beruflich die Kinder anderer Leute oder pflegst Seniorinnen im Pflegeheim, dann – erst dann – hast Du nach herrschenden Kennzahlen wirklich „gearbeitet“ und wirst dafür „entlohnt“.

Dein Engagement daheim zählt im Fossilismus nicht, wird nicht einmal erfasst. Für mich ist der höhnische Begriff der „Lifestyle-Teilzeit“ daher das fossilistische Unwort des jungen Jahres.

In einer Szene aus dem Dear Alice-Solarpunk-Werbeclip versammeln sich vielfältige Menschen plus Künstliche Intelligenzen und Tiere um einen mit Pflanzenkost reich gedeckten Tisch.

Im Solarpunk werden bereits neue Familien- und Arbeitsverhältnisse utopisch entworfen. Doch es wird wohl noch Jahrzehnte brauchen, bis sich das herumspricht. Schade, eigentlich. Screenshot: Michael Blume, 2023

Die Folge des Fossilismus war und ist also eine Zunahme der Individualisierung und säkularer Geburtenrückgang, der sich medial schon mit der Ausbreitung des Fernsehens steigerte und seit der Einführung des Smartphone zur säkularen Geburtenimplosion eskaliert.

Eine der ersten Wirtschaftsbranchen, die sich durch KI-Anwendungen ökonomisch auflöst, ist nicht zufällig die Pornographie. Immer mehr Menschen erleben Soziales und auch Sexualität immer häufiger ohne andere Menschen. Auch heute, auch jetzt.

Schaubild zum Homo religiosus, der links die biologischen Grundlagen von Religiosität und rechts ihre kulturellen und demografischen Ausprägungen aufzeigt.

Religiosität verstärkt die Kooperation und damit potentiell auch Reproduktion innerhalb von Netzwerken und Gemeinschaften von Gläubigen. Deswegen evolvierte sie biokulturell – bis heute. Schaubild zum „Homo religiosus“ von Michael Blume mit NotebookLM

Zumal ja auch noch fossil finanzierte Kriege, Massaker und Vertreibungen sowie Massentierhaltungs-Pandemien und die Klima- als Wasserkrise hinzukommen, rechne ich bereits für die 2030er Jahre mit einem globalen Bevölkerungsrückgang (Club of Rome: 2042). Die meisten Industrien und Exportmärkte werden bis dahin bereits erheblich geschrumpft sein.

Bitte verzeiht mir also, dass ich sowohl als Wissenschaftler, Christdemokrat (CDA) wie auch als dreifacher Familienvater der Tagesaufregung über völlig überzogene, rechtslibertäre „Ideen“ nicht nachkommen möchte. Wir erleben derzeit hier die auch deutschsprachige Abwehrschlacht des niedergehenden Fossilismus, in dem rechtsmimetische und asiatische Wirtschaftsdiskurse sowie demografische Sackgassen einfach noch einmal schlecht wiederholt werden. Der fossile „Wirtschaftslobbyismus“ ist einfach nur noch flach.

Wer Wertschöpfung im Inland erhalten möchte, sollte stattdessen erneuerbare Friedens- und Wohlstandsenergien sowie Energiespeicher so schnell wie irgend möglich ausbauen. Und wer sich wirklich wissenschaftlich und interdisziplinär interessiert, kann längst darüber hinaus nach vorne schauen – und „Arbeit“ neu und umfassend verstehen.

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

108 Kommentare

  1. Vermutlich wird für diese Debatte wieder eine grundlegende Begriffsklärung nötig.

    Also, wie wollen / sollen wir den Begriff Arbeit verstehen?

    Gerne schaue ich bei solchen Gelegenheit auf die Sicht, die in der Wikipedia öffentlich verfügbar ist. https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeit_(Philosophie)

    Das die Orientierung an den, mit den Tätigkeiten verbundenen Geldflüssen, oft unzureichend ist, merken viele, die sich z.B. im Sport einbringen. Im Training müssen sie an sich arbeiten, um bestimmte Kompetenzen zu erlangen, die dann eine sie befriedigende Ausübung des Sportes ermöglichen.

    Bezahlt werden für solche Arbeiten nur wenige und die teilweise dann mit Summen, die kaum nachvollziehbar sind.

    Ähnliches gilt auch für die Arbeit der Trainer – zu größeren Teilen ist sie ehrenamtlich und hilft den Sporttreibenden dann persönlich besser zu werden – im Profibereich von Fußball o.ä. stehen dann auch weitere Themen im Vordergrund, so dass Trainer ausgewechselt werden, weil die Mannschaft nicht gewinnt (ein Bereich der unterschiedliche Interessen gut sichtbar werden lässt und auch eine fundamentale Verschiebung des leitenden Interesse)

    D.h. für die Begriffsarbeit braucht es dann auch eine Vergewisserung zu diesem leitenden Interesse.

    Ich bin gespannt, was sich in diesem Gesprächsfaden nun zeigen wird.

  2. @Hauptartikel

    Dann funktioniert es aber nur, wenn man an den Gott wirklich glaubt. Wie kann man das fördern?

    Ich denke, dass das gar nicht möglich ist. Auch mir nicht. Bei allen Geisteswelten schaffe ich es einfach nicht, an das Unmögliche einer personifizierten Gottheit zu glauben. Unmöglich.

    Soweit dass dann eben nicht anders geht, also z.B. mit einer durchgreifenden Förderung der Care-Arbeit, dann bleibt nur eines übrig: Die Säkularen müssen aussterben, derweil die Religiösen dann übernehmen. Geht auch.

    Und wenn der Wendepunkt eben erst kommt, wenn wir uns auf 4 Milliarden Menschen geschrumpft haben. Macht das denn was?

    • Vielen Dank, lieber @Tobias – und ich möchte ausdrücklich nicht so verstanden wissen, dass ich einer Funktionalisierung („Verzweckung“) von Religiosität und Spiritualität das Wort reden würde. Vielmehr beobachte ich deren biokulturelle und wechselwirkende Evolution mit Wirkungen auch auf die Demografie – und halte das für völlig ausreichend!

      https://www.youtube.com/watch?v=Iy9J9ddelVw

      Ich respektiere jede persönliche Entscheidung für oder gegen Kinder, für oder gegen Religion. An der Diskussion über die sog. Anthropodizee beteilige ich mich philosophisch und konstruktiv, vgl. mein Beitrag zu „Quarks & Co.“ schon 2014:

      https://www.youtube.com/watch?v=Iy9J9ddelVw

      Dass die Geburtenraten derzeit global schnell sinken, lässt sich vor dem Hintergrund der Klima- und Wasserkrise auch sehr positiv deuten. Und falls wir Menschen das 21. Jahrhundert überleben, so werden schon neue Formen von Religiosität und Spiritualität evolvieren und emergieren. So war es ja auch in den vergangenen Jahrzehntausenden.

  3. Interessante Symbolik, nicht? Die Sonne geht auf, und die Gespensterwelten der fossilen Unterwelt zerfallen zu Staub. Pluto, der Herr der unterirdischen Reichtümer, der Geister und des Geldes, zieht sich mit seinen Schatten in das Reich des Todes zurück, und das Licht fällt auf eine Welt aus Asche: Gut gedüngt und reif für neues Leben. Und mit dem Ragnarök ihres Gottes werden auch seine Priester ziemlich wehleidig und nölen und pöbeln ohnmächtig herum, ob in Washington oder Moskau oder Teheran oder Berlin.

    Die Fürsten der Erde gegen Gott, Tod und Teufel. Kein Wunder, dass die Welt wirkt wie eine zerquetschte Kakerlake. Zeitverschwendung.

    Mehr arbeiten ist Unsinn, denn wir haben alle den falschen Job. Wir sind Pixelbauern, ackern vor Computern und produzieren in Massen Schulden und Inflation. Alles, was der Pixel-Midas anfasst, wird zu Geld – doch was wir oft als Kompliment für gewiefte Businessleute meinen, entpuppt sich als unser Fluch. Selbst wenn ganz Deutschland rund um die Uhr Pixel scheißt, pisst, kotzt, schwitzt, hext, dreht, wendet, drückt, würgt, beschwört, bekniet, verflucht, anbetet, Gassi führt, von einer Tasche in die andere verschiebt, für sie all seine Jungfrauen und Kinder in den Vulkan schmeißt und sich per Fleischwolf zu Pixeln zermahlen lässt – die Chinesen geben Ihnen kein Brötchen für Pixel, mit denen sie nach Europa fahren müssten, um sich hier ein Brötchen aus China zu kaufen. Es bleibt nur der Totalausverkauf des Tafelsilbers und den Gürtel enger zu schnallen, bis hin zum Abschlachten der Bevölkerung.

    Deutschland entwickelt sich zum Rentierstaat der Aktienmärkte – die sind für uns das, was das Öl für Saudi-Arabien oder Russland ist: Durch sie nuckeln ein paar Eliten an vielen Profit-Quellen im Ausland, und dass sie mit dem Rest der Bevölkerung teilen müssen, geht ihnen gegen den Strich. Also wird die Bevölkerung angepeitscht, schneller all ihr Vermögen zu den Eliten zu pumpen, damit sie wirtschaftlich zu schwach und die Eliten zu stark sind, als dass man sie nicht im Slum einsperren oder gleich im Krieg entsorgen kann.

    Nicht mit Absicht, das machen die Spielregeln der Wirtschaft ganz von alleine. Deutschland ist wirtschaftlich nutzlos, sogar für sich selbst, und muss das ändern oder verrecken. Ganz einfach.

    Wenn die Massen nicht mehr konsumieren wollen oder können, entstehen künstliche Konsumenten, wie Krieg oder Privathobbys der Milliardäre. Dem Pharao gehört alles, also landet irgendwann alles Geld beim Pharao, also haben die Leute keins mehr und die Wirtschaft kommt zum Erliegen. Also schmeißt der Pharao eine Pyramide oder einen Kölner Dom oder einen New Deal, dadurch fließt das Geld von seiner Schatzkammer über die Baustelle an die Leute zurück.

    Wenn er dabei Wälder roden oder Piratenschiffe bauen lässt, werden neue Futterquellen erschlossen, die Bevölkerung kann wachsen und Ägypten überlebt auch, wenn der Nil versiegt. Das verkompliziert aber die Gesellschaft, und es braucht einen Upgrade-Pharao, der komplexe Systeme managen kann – einen Demokraten, der auf Feedback reagiert, Aufgaben delegiert, vertraut und vertrauenswürdig ist, aber auch das nötige Minimum an Disziplin wahren kann.

    Es geht um den Hunger, das Feuer auf dem Altar. Ob es in unseren Bäuchen brennt oder in den Fabriken oder auf den Schlachtfeldern, ist egal. Wir arbeiten aber nur, wenn wir keine andere Wahl haben, deswegen schuften wir nicht für Kinder, Krankenhäuser, Schulen, Fortschritt, Energiewende. Wir schuften für die Peitsche der eigenen Lust, die Peitsche der Börsen, die Peitsche der Schulden, die Peitsche des Krieges. Und auch da schuften wir so wenig wie möglich, sodass wir dabei die Welt zu halb verdautem Erdöl, Pixeln und CO2 verbrennen. Und deswegen müssen wir immer mehr und mehr schuften, denn halb verdautes Erdöl, Pixel und CO2 machen den Magen kaum voll.

    Wir arbeiten immer für die Peitsche und tun das, was die Peitsche will. Und wenn wir keine Peitsche wollen, die Zuckerbrot für alle will, dienen wir halt einer, die nur Zuckerbrot für sich selber will.

    Bevölkerungsschrumpfung an sich ist kein Drama – das Drama kommt daher, dass es so schnell geschieht, dass die Kids fehlen, die Alten beim Sterben durchzufüttern und zu pflegen, so wird das Sterben echt stressig und Stress führt dazu, dass wir es uns gegenseitig beschleunigen. Das Überleben der Menschheit ist keine Pflicht, aber keine Kinder zu haben hat Konsequenzen im Alter.

    Die Alten haben die Optionen a) Adoption durch Migration, oder b) jämmerlich im eigenen Dreck verrecken. Weswegen sich Deutschland gerade in eine Region a und eine Region b aufteilt, und Probleme damit hat, dass Region b das ganze Land und all seine Arbeitskräfte für sich beansprucht. Hier helfen nur klare Grenzen – wer die Arbeitskraft von Migranten nicht will, soll auch nicht davon profitieren. Wer sie will, soll die Kosten der Integration und Ausbildung tragen. Wir bekommen ein Deutschland weniger Aktionärsvillen, die ihr Kapital aus dem Ausland beziehen und hungernden Rentner, die ihren Frust durch Aggression oder Depression auslassen und ein Deutschland, in dem die Rentner gepflegt werden und eine Erneuerung der Wirtschaft und Gesellschaft möglich wird.

    Migration ist aber nur eine vorübergehende Lösung, falls man doch ans Überleben der Spezies denkt. Man muss mit der Zeit gehen.

    Ein Affe ist wie ein Baby – der Dschungel ist seine Mami, er kann sich alles schnorren, was er braucht. Mit der Zeit übernimmt er Verantwortung – er lernt Ackerbau, er baut Städte, er erkauft sich einen höheren Lebensstandard, indem er einen künstlichen Dschungel zu bauen lernt.

    Und jetzt ist es so weit, dass auch Kinder nicht mehr zu der Manna gehören, die einfach so vom nächsten Baum regnet. Wir können sie nicht mehr schnorren, wir müssen selbst anbauen. Aus einem Gratis-Dienst wird entweder Sklaverei oder gleich bezahlte Arbeit.

    Die billigste Art, Leute zu bezahlen, ist der Glaube. Deswegen will der Faschismus, dass Sie für den Nationalstolz schuften und der Kapitalismus, dass Sie Pixel für Brot halten. Es hat seinen Sinn, die Äffchen zu verarschen, denn ein künstlicher Dschungel kostet ja mehr Arbeit, als sie es gewohnt sind. Das heißt, sie müssen wie die Eichhörnchen sein, die Nüsse in einen hohlen Baumstamm stecken – sie glauben, für jede Nuss irgendwann drei Nüsse zurück zu bekommen, während in Wirklichkeit die Nüsse unten herausfallen und all die Äffchen füttern, die die brummenden Fische auf den Asphaltflüssen weiden und die Betonbäume warten.

    Das heißt, wir glauben zwar, fürs Jenseits zu arbeiten – kassieren aber die Profite schon jetzt. Natürlich sammeln sich die längst erfüllten Versprechen des Glaubens massiv in Inflationsblasen an, die ab und zu platzen müssen, um den Überschuss zu entsorgen und den Glaubensmarkt zu reseten, aber das ist nur ein Drama, weil wir wie Affen reagieren, denen jemand die Bananen geklaut hat, und nicht wie Leute, die erkannt haben, dass sie sich selbst verarscht haben und das eigentlich gar nicht so schlimm ist und sogar so sein muss.

    Natürlich werden die Verwalter des hohlen Baumes die Nüsse lieber selbst verfressen, als sie wieder zu verteilen, und deswegen hilft es, wenn auch sie Lügen haben, an die sie glauben. Noch mehr hilft die Wahrheit, dass ihnen jemand auf die Finger schaut, die ist aber heute nicht gegeben, weil wir die Frage: Wer bewacht die Wächter? – nicht zufriedenstellend beantwortet haben.

    Heute müssen aber zweifelhafte und anstrengende Kinderfreuden auf dem freien Markt mit den schnellen, leichten Freuden des Lotterlebens konkurrieren – der kurze Spaß beim Sex wird durch Verhütung entschärft, der Spaß an den Kindern durch die Kosten und billigere, bessere Konkurrenzbespaßung. Wenn wir Kinder haben, lieben wir sie, das ist dann Lohn genug, aber in die Falle geht keiner mehr freiwillig – außer, es ist keine Falle, in die man ihn führt, um ihn dann hineinzustoßen und darin allein zu lassen, für seinen naiven Glauben zu büßen. Heute sind Elternschicksale eher abschreckende Beispiele, und es wirkt, als würde man sie wegen Kindesmissbrauchs verknacken müssen, weil sie diese Welt ihren Kindern zumuten. Wenn sich eine solche Welt ihnen zumutet, ist das Elternmissbrauch.

    Das heißt, der Lohn muss steigen. Die Währung Glaube, Versprechen, Spaß an der Sache, genügt nicht mehr, wir brauchen mehr. Kinder kriegen, Kinder aufziehen, muss sich für die Eltern so weit lohnen, dass es für sie die Mühen aufwiegt. Eltern werden gewissermaßen zu Beamten auf Lebenszeit und müssen vom Staat verhätschelt werden, um ausreichend Bewerber für den Dienst zu gewinnen. Und das bedeutet, wir werden nicht mehr für Pixel schuften, sondern wieder für die Kinder, als eine Art Papi-AG. Und trotzdem – ärmer müssen wir deswegen nicht werden. Nur weniger verschwenderisch und mehr stubenrein.

    Die Welt des Pixel-Midas stirbt, und wir warten darauf, dass der Tod uns von ihr erlöst – er holt sie, wenn er genug von uns geholt hat, wenn seine scheinbar übermächtigen Strukturen und Tempel überlastet und zerbrochen sind, wenn der Glaube so verschlissen und erschöpft ist, der Schmerz so groß, dass wir von den alten Göttern ablassen. Doch währenddessen bereiten wir schon die Wiedergeburt fort – Energiewende, neue Gedanken, neue Technologien, neue Philosophien.

    Eine neue Zeit gebiert eine neue Religion. Sie wächst parallel zum neuen Wirtschaftssystem, zur Technologie, zu neuen Gesellschaftsstrukturen. Sie kann im nicht-kontrollsüchtigen Sinne woke sein, tolerant, weltoffen, gleichberechtigt, demokratisch, sie kann Platz haben für Mischkulturen und Leute, die lieber unter Ihresgleichen bleiben – wie es erfolgreiche Religionen und Zivilisationen tendenziell schon immer waren.

    Aber es kann auch eine Welt der Sklaventreiber werden, die sich mit Harems von Sklavinnen auf Epstein Island vermehren und jeden töten oder vertreiben, den sie nicht für ihr Glück brauchen, umso mehr, je mehr Maschinen die Oldschool-Sklaven verdrängen.

    Die Peitsche des Todes, die Peitsche des Himmels, die Peitsche der Hölle. Suchen Sie’s sich aus. Die demokratische Mehrheit entscheidet.

  4. Ein bisher wenig aktiver und mir unbekannter Mastodon-Account ohne Profilbild stellte zu diesem Blogpost inhaltlich durchaus spannende Nachfragen.

    https://mastodon.social/@KristianSteiffen/116007234398843639

    Da jedoch Ruprecht Polenz und ich zuletzt dort – und sicher „zufällig“ besonders am Holocaust – Gedenktag 2026 – von pseudonymen Schwärmen angegangen wurden, habe ich mir dort Zurückhaltung auferlegt.

    https://sueden.social/@BlumeEvolution/116007103672762685

    Stattdessen greife ich die Frage gerne hier auf:

    Ich hätte zwei Nachfragen:
    1. Welche konkreten Mechanismen führen nach Ihrer Auffassung von der ökonomischen und symbolischen Entwertung von Care-Arbeit im „Fossilismus“ zu individuell sinkenden Kinderwünschen bzw. Geburtenentscheidungen?

    Ganz konventionell setze ich den Aufstieg der fossilen Industrialisierung mit der Verbesserung (nicht: Erfindung!) der Dampfmaschine durch James Watt (1736 – 1819).

    In der Folge entstanden auf Basis der fossilen Gewaltenergien Kohle, später auch Erdöl und Erdgas, mehr und mehr Fabrik-Arbeitsplätze, während die älteren Manufakturen und Haus-Arbeitsplätze weltweit unter Druck gerieten. Ein historisch bekanntes Beispiel dafür waren die verzweifelten Familien-Aufstände der schlesischen Weberinnen und Weber, die bis dahin vor allem als Familienbetriebe funktioniert hatten.

    In Peterswaldau verbündeten sich am 4. Juni 1844 zahlreiche Heimweber zu einem Protestmarsch. Sie wollten sich gegen die Lohnkürzungen ihrer Fabrikanten wehren. Nachdem Gespräche mit dem lokalen Landrat erfolglos blieben, plünderten und demolierten die Weber die Fabrik der Gebrüder Zwanziger. Anschließend griffen sie auch den Fabrikanten Dierig an. Einige gefangen genommene Fabrikanten sahen sich zu Geldzahlungen an die Weber gezwungen. Nach dem Einmarsch preußischer Militärs wurde der Aufstand am 6. Juni blutig niedergeschlagen.

    https://www.geschichte-abitur.de/lexikon/uebersicht-restauration-vormaerz/schlesischer-weberaufstand

    Gerne nehme ich auch Ihre zweite Frage auf:

    2. Auf welcher empirischen oder theoretischen Grundlage bewerten Sie die Ausbreitung von Fernsehen und Smartphone nicht nur als Begleiterscheinung, sondern als kausalen Treiber der beschleunigten Geburtenimplosion?

    Für das psychologische Schlüsselkonzept zum Verständnis auch von Medienwirkungen halte ich die Mimesis, über die ich u.a. mit Prof. Dr. Inan Ince hier gesprochen habe:

    https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-49-migraene-mimesis-menschen-neurodivers/

    Die grundlegenden, demografischen Befunde zur Wirkung von Medien auf menschliches Sozial- und Sexualverhalten dazu sind lange bekannt und empirisch unstrittig, zum Beispiel hier:

    Der dramatische Rückgang der Geburtenrate in Brasilien ist zumindest teilweise mit der Begeisterung der Brasilianerinnen für Seifenopern zu erklären. Zu dieser Erkenntnis kamen Wissenschaftler des Zentrums für wirtschaftspolitische Studien (CEPR) in London. Die Produktionen des kommerziellen Fernsehsenders Globo hätten einen „messbaren“ Einfluss darauf, wieviele Kinder sich brasilianische Frauen wünschten, sagte die Mitautorin Eliana La Ferrara von der Bocconi-Universität in Italien der Nachrichtenagentur AFP.

    Empirische Analysen von Volkszählungen und anderen Daten hätten gezeigt, dass der Rückgang der Geburtenrate von 6,3 Kindern pro Frau im Jahr 1960 auf nur 2,3 Kinder im Jahr 2000 auch auf den TV-Konsum und dabei vor allem auf den Konsum der Serien von Globo zurückzuführen sei.

    In den beliebten Serien wird das Leben von Familien geschildert, die kleiner sind als die traditionelle brasilianische Familie. Nach dem Vorbild der Globo-Serien wünschten sich vor allem Frauen mit einer schlechteren Schulbildung weniger Kinder als früher. Der Untersuchung zufolge lassen sich die brasilianischen Mütter sogar bei der Namenswahl von den Telenovelas inspirieren.

    https://www.focus.de/panorama/seifenoper-senkt-geburtenrate-in-brasilien-fernsehen_id_2333343.html

    Über weiteres, gerne auch interdisziplinäres Interesse freue ich mich.

  5. In Deutschland und umgebenden Ländern spürt man den Rückgang der jüngeren Jahrgänge und die zunehmende Dominanz der Ü50 an
    1) der Besitzstandswahrungsmentalität
    2) der Skepsis, gar Ablehnung von technischem Fortschritt: eben gehört, dass Deutsche im Gegensatz etwa zu Chinesen, Indern kein Bedürfnis nach mehr Software im Auto haben, sie wollen generell nicht Neues, sondern nur das Alte billiger
    3) dem zunehmenden technologischen Rückstand Deutschlands, den fehlenden Innovationen, fehlenden Neugründungen. Beispiele: a) Der deutsche Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer sagt, Deutschland habe einen Rückstand von 20 Jahren auf China in der Batterieentwicklung.
    b) In China gibt es 200 Firmen, die humanoide Roboter entwickeln, in Deutschland eine handvoll, von denen nur gerade 2 eine gewisse Grösse haben, nämlich Neura Robotics und Agile Robots
    4) Trotz Deindustrialisierung und dem Wegzug, bezugsweise der Deinvestition in D und massiven Investition in China von mehreren Autofirmen und aktuell gerade Bosch, hat Ds Politik und Gesellschaft keine Antwort darauf. Die Politik will alles aussitzen, nur wird das absehbar diesmal nicht funktionieren (schon Merkel sass gerne etwas aus)

    Kurzum: Während im schrumpfenden China noch eine Sieger-, jedenfalls eine Fortschrittsmentalität herrscht, sind Deutschland, Frankreich und einige andere westliche Länder bereits politisch und gesellschaftlich fest geprägt, ja in der Hand der Generation Ü50. Die gesamte Gesellschaft ist zunehmend verknöchert und es finden Scheindebatten und rückgewärtsgewandte Entwicklungen statt. Eine Scheindebatte ist beispielsweise die Notwendigkeit mehr zu arbeiten. Dabei muss D vor allem die Arbeitsproduktivität steigern, mit weniger Arbeitern also mehr schaffen. Das aber erfordert Automation und den Einsatz von (auch humanoiden) Robotern, also von Technologie, die erst gerade geschaffen wird und die die Ü50-Gesellschaft nicht auf dem Schirm hat. Rückwärtsgewandte Entwicklungen in D sind etwa das Festhalten an Wasserstoff als saisonalem Energiespeicher, der Glaube mit E-Fuels könnten die alten Verbrenner weiter betrieben werden und generell das Ausbleiben einer Auseinandersetzung mit einem zukünftigen Deutschland, das mehr sein könnte als ein Altersheim.

    Prognose: Heute kommt ein Grossteil neuer, hochstehender Technologien aus den USA, in Zukunft werden unsere Wohnungen und Strassen jedoch von immer mehr chinesischen Produkten überstellt sein. D, ja ganz Europa könnte zum Freilichtmuseum werden, das die Lebensweise im späten 20. Jahrhundert konserviert.

    • Herzlichen Dank, @Martin Holzherr

      Inhaltlich bin ich nicht ganz bei Ihnen, da die Solarindustrie überwiegend von deutschen Ingenieuren entwickelt und dann für kurzfristige, fossile Profite ab 2012 an China verschenkt wurde. Dass die entsprechenden Meldungen dazu am 11. September (!) 2012 durch den Äther gingen, empfinde ich als schmerzhaftes Hohnlachen der Geschichte des Fossilismus, vgl.:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/meine-rede-gegen-den-fossil-finanzierten-terror-antisemitismus-am-11-september-2025-in-freiburg-im-breisgau/

      Auch heute noch könnte Deutschland mit einer klugen Politik für erneuerbare Friedens- und Wohlstandsenergien hohe Wertschöpfung im Inland erzeugen, wie es ja auch etwa der bayerische (!) Landkreis Wunsiedel seit Jahren vormacht!

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/solarpunk-und-solarpopper-wasserstoff-hoffnung-wunsiedel-bayern/

      Für sehr gut halte ich auch die Freihandelsabkommen mit Mercosur (wobei mich das Abstimmungsverhalten einiger grüner und linker MdEP gemeinsam mit Rechtsdualisten und AfD tief verärgert hat) und mit Indien. Im Gegensatz zur sehr provinziellen Politik- und Parteidebatte in Deutschland schätze ich dabei auch das große und insgesamt erfolgreiche Solarenergie-Engagement der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU):

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/rede-der-eu-kommissionspraesidentin-ursula-von-der-leyen-cdu-evp-fuer-den-globalen-ausbau-erneuerbarer-friedensenergien/

      Ich halte also nichts von rechtslibertärer Reaktanz und den falschen, fossilen Konzepten auch von Rechtslibertären in der Union. Ebenso sehe ich aber auch keinen Grund, dass wir Deutschen uns mal wieder gegenüber anderen runterjammern sollten. Stattdessen haben wir nach meiner Einschätzung noch immer das Potential für eine christlich-soziale und ökologische Zukunftspolitik, die unsere Heimat sicherer, besser, gesünder und auch wohlhabender macht. Wenn ich über Jahrzehnte hinweg nicht aufgegeben habe – dann brauchen Sie das doch auch nicht tun. Meine ich.

      • @Michael Blume(Zitat): “ Ebenso sehe ich aber auch keinen Grund, dass wir Deutschen uns mal wieder gegenüber anderen runterjammern sollten. Stattdessen haben wir nach meiner Einschätzung noch immer das Potential für eine christlich-soziale und ökologische Zukunftspolitik, die unsere Heimat sicherer, besser, gesünder und auch wohlhabender macht.“

        Das Potenzial Deutschland wird durch die Bildung und durch die kulturell-politische Offenheit für neue Entwicklungen bestimmt. Beides aber tendiert nach unten.
        1) Bildung: Die PISA-Studie von 2022 lieferte für 15-jährige in D die schlechtesten Ergebnisse seit Beginn von Pisa mit Mathematik und Lesen auf einem Allzeittief und Verschlechterung auch in der Naturwissenschaft. Gestern sah ich das Video Deutschland verlernt das Denken – Mathematikprofessor nennt die Schuldigen mit einem Mathematiklehrer, der diagnostizierte: das ganze Bildungssystem von der Grundschule an bis zur Universität hin liegt in Trümmern. Es ging halt nicht mehr um die Qualität. Ja, es geht halt einfach nur darum, Masse zu erzeugen.
        2) Kulturell-politisch hat Technologie, Industrie und Wirtschaft in der öffentlichen Diskussion und im Selbstverständnis der Vordenker Deutschlands einen niedrigen bis sehr niedrigen Stellenwert. Tendenziell werden sie als Wohlstandslieferanten betrachtet, die man abmelken kann und um die man sich sonst nicht zu kümmern braucht.
        Deutschland hat eine sehr breit gefächerte Industrie, von der jetzt gerade aber die Basisindustrien, also Auto, Chemie, Maschinen, Elektromechanik ihre Fabriken ins Ausland verlagern, was einen irreversiblen Bruch für den Standort Deutschland bedeutet.

        Kurzum: Seit 2018 hat Deutschland kaum noch Wachstum, wohl aber steigende Gesundheits- und Sozialkosten, was bei einer alternden Gesellschaft zu erwarten ist. Die Deindustrialisierung und Umstrukturierung wird nach der Prognose vieler die Stagnation um mehrere Jahre fortsetzen, so dass Deutsche mit immer weniger frei verfügbarem Einkommen auskommen müssen. Es kann durchaus sein, dass gerade junge, gut ausgebildete Deutsche in Zukunft Deutschland verlassen, weil sie sich mehr Möglichkeiten im Ausland versprechen.

        • Ja, @Martin Holzherr – genau diesen Zusammenhang zwischen Alterung, Rechtsmimesis, sinkender Nachfrage und Deindustrialisierung hatte ich ja im Blogpost beschrieben. Ich stoße mich jedoch an Ihrer seltsamen Bewunderung für China: Das Land unterdrückt geistige Freiheit, schließt sich kulturell und demografisch immer weiter ab und verzeichnet trotz verzweifelter Exportsubventionen eine schnell wachsende Jugendarbeitslosigkeit!

          Die Jugendarbeitslosenquote in China hat im Jahr 2023 geschätzt rund 15,8 Prozent betragen. Bei Frauen hat sie bei etwa 14,2 Prozent und bei Männern bei rund 16,9 Prozent gelegen. Die Statistik zeigt die Jugendarbeitslosenquote in China von 2012 bis 2026. Die Angaben beziehen sich auf die Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen.

          https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1409485/umfrage/jugendarbeitslosenquote-in-china/

          Und dies sind ja nur die offiziellen Daten – denen ich gerade auch im Hinblick auf die chinesische KP längst nicht mehr trauen würde. Wie auch das ebenfalls autoritäre Russland erscheinen mir die demografischen Daten der sog. Volksrepublik als zunehmend verfälscht. Diese Diktaturen verdienen es nicht, als vermeintliche Vorbilder idealisiert zu werden. Das waren sie nicht und werden sie nicht sein.

          Und auch etwa in den demokratischen Gesellschaften Japan und Südkorea haben Jahrzehnte der MINT-Bildung und Technomimesis keine glücklichen Generationen hervorgebracht, sondern im Gegenteil die demografische Traditionalismusfalle verschärft, vgl.:

          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-polarisierende-macht-der-saekularen-demografischen-traditionalismusfalle/

          Zwar stimme ich mit Ihnen darin überein, dass wir von anderen Ländern und Kulturen auch immer etwas lernen können. Ich mag es aber nicht, wenn sich Deutsche immer wieder selbst schlecht jammern und (was Sie bisher nicht tun) Tyrannophilie beschwören, statt dankbar und fair auf dem Vorhandenen aufzubauen.

          Übrigens gibt es vom Kanal „Dream Realm“ einen recht eindrucksvollen Technofutur-Musikfilm zu einem imaginären China:

          „Qin Dynasty: Rise of the Immortal Empire | SCI-FI AI Short Film | 4K“

          https://www.youtube.com/watch?v=Sfsn_BPfhuU

          Ihnen herzlichen Dank für unsere guten und engagierten Dialoge! 🤓🙌

          • @Michael Blume (Zitat): „Und auch etwa in den demokratischen Gesellschaften Japan und Südkorea haben Jahrzehnte der MINT-Bildung und Technomimesis keine glücklichen Generationen hervorgebracht, sondern im Gegenteil die demografische Traditionalismusfalle verschärft.“
            Die Alternative zu MINT-Bildung und Technoaffinität, die sie, Michael Blume, womöglich in Deutschland zu sehen meinen, ist aber leider nicht eine nachdenklichere, reflektierendere, neue Werte suchende und glücklichere Jugend und Gesellschaft, sondern es ist schlicht und einfach eine auf den digitalen Technologien beruhende Konsum- und Kommunikationsgesellschaft mit 3.3 Stunden online pro Tag für 12-19-jährige und den Hauptaktivitäten Kommunikation, soziale Netzwerke, Videos schauen und Gaming (laut google-KI). Im gestern von mit gesehenen Video über die Entwicklung der Mathefähigkeiten in deutschen Schulen, wurde auch gesagt, dass Schüler inzwischen fast alle ChatGPT nutzen um Hausarbeiten zu erledigen und dass parallel dazu die Leistungen in Prüfungen offline im Klassenzimmer deutlich gesunken sind.

            Kurzum: Digitale Medien dominieren inzwischen die Freizeitaktivitäten in allen Ländern, sowohl MINT-affinen wie auch IDEEN-affinen (D) und sie sind verantwortlich für die viel kürzer gewordenen Aufmerksamkeitsspannen, einen erhöhten alltäglichen Stresslevel und einem auf der unmittelbaren Reaktion auf Reizen beruhenden Geisteszustand wie er die U50 inzwischen charakterisiert. Viele Menschen operieren inzwischen geistig ähnlich wie unsere steinzeitlichen Vorfahren während der Jagd, nur fehlt das anschliessende Zusammensitzen am Lagerfeuer – denn Social Media sind ganz und gar nicht vergleichbar mit Zusammensitzen am Lagerfeuer.

          • Ja, @Martin Holzherr – die Probleme durch Smartphones für das menschliche Sozial- und sogar Sexualverhalten habe ich ja im Blogpost ebenso benannt. Und sie bestehen sowohl in Asien wie in den Amerikas und in Europa.

            Strikte Verbote wie in China oder Australien sind ein Weg, auch die französische Justiz geht nun endlich gegen X vor. Ich hatte es ja via Frankfurt versucht:

            https://hateaid.org/berufungsurteil-wirft-grundsatzfrage-nach-meldewegen-auf/

            Ein zweiter, ebenso wichtiger Weg ist eine vielfältige Bildung & gerade auch Medienbildung. Und wir haben ja nun selbst drei Kinder, von denen zwei bereits ihr Abitur, ein soziales Freiwilligen- bzw. bundeswehrjahr absolviert haben und intensiv studieren. Und auch in den Schulen, die ich besuche, erlebe ich sehr viele interessierte, engagierte und wunderbare junge Menschen, die mit Nachsicht auf die ausgeplünderte Mitwelt, die Schuldenberge und das kaputte Mediensystem blicken, die unsere (!) Generationen hinterlassen.

            Besteht Handlungsbedarf, vor allem wieder für mehr und echte Bildung und stärkere Unterstützung von Familien? Ich meine: Ja! Besteht Anlass, wie schon seit Platon noch jede junge Generation als die vermeintlich Schlimmste zu verdammen? Ich meine: Nein.

            Familien und insbesondere junge Menschen verdienen endlich mehr Wertschätzung und Unterstützung statt Vorwürfe und Druck. Wenn wir auch in Deutschland endlich wieder mehr Kinder sehen wollen, dann werden wir das nicht durch das Abwerten von Familien erreichen.

  6. Die Erklärung des Begriffs Arbeit von Hegel ist einleuchtend.

    „…Befriedigung in der Arbeit findet.“

    In der englischen Sprache gibt es die Begriffe „blue collar“ und „white collar“, die im weitesten Sinne unserer Interpretation von „körperlicher“ und „geistiger“ Arbeit entsprechen.

    Nun scheint es so zu sein, dass körperliche Arbeit häufig als geringer wertig als geistige Arbeit betrachtet wird. Dabei funktioniert meist nur die Kombination aus beiden. Der Architekt kann die schönsten Entwürfe und Pläne machen. Das mag auch als persönliches Erfolgserlebnis empfunden werden. Die wahre Befriedigung entsteht doch erst mit der Umsetzung also dem Bauen bis hin zur Fertigstellung des Objekts. Dazu sind viele Gewerke nötig, die aus körperlicher Arbeit bestehen. Baggerfahrer, Maurer, Installateure, Fliesenleger, Dachdecker uvm.

    Notare, Rechtsanwälte etc gelten landläufig als Gutverdiener, was nur auf einen kleinen Teil zutrifft. Andererseits gibt es Handwerksmeister, die im Schnitt mehr verdienen.

    Dies führt mich zum Ergebnis, dass der zur Zeit so oft gehörte Satz „Wir müssen wieder mehr arbeiten“ komplett weltfremd ist. Ein Friseur kann nur so viel arbeiten wie er Kundschaft hat! Der Koch kann nur arbeiten, wenn Menschen bei ihm essen wollen. Auch jahreszeitlich betrachtet, ist der Umfang an Arbeit z.B. in einem Unternehmen unterschiedlich. Überstunden werden millionenfach geleistet!

    Die Veränderungen der Arbeitswelt durch KI werden in den kommenden Jahren umwälzend sein. Dann sind Unternehmen auf gut ausgebildete JUNGE Menschen angewiesen. Darauf sollte der Fokus liegen und nicht auf Rentner in Vollzeit.

    Hinter den aktuell öffentlich propagierten Ideen steckt also noch etwas anderes. CUI BONO? Versicherungen? Kreditinstitute? Bausparkassen? Lobbyismus?

    Weil ich es gerade gelesen habe: Grüne Energie für Deutschland aus Saudi-Arabien?!? Dürfte unserem angespannten Arbeitsmarkt kaum helfen.

    • Vielen Dank, @Marie H. – ich sehe das sehr ähnlich! Die Erfahrungen von Japan, Taiwan, China und Südkorea zeigen doch bereits sehr eindrucksvoll, dass sich gegen eine demografische Schrumpfung nicht alleine durch mehr Produktion „anwachsen“ lässt. Und von Tag zu Tag steigt die Zahl der produzierten Güter, während die Zahl der Kinder bereits global (!) sinkt.

      Klar ist aber auch, dass diejenigen, die bereits reich sind, noch möglichst lange von den fossilen Zuständen profitieren wollen. Nicht zufällig finden sich neben den Trumps und europäischen Royals auch immer mehr Reiche und Superreiche wie Elon Musk auf widerliche Weise in den Epstein-Files:

      Im Kampf gegen Antisemitismus & also auch feindselig externalisierenden Dualismus mache ich immer & immer wieder eine Beobachtung:

      Was diese Leute anderen vorwerfen, das tun sie sehr regelmäßig selbst.

      „Elon Musks Tochter Vivian Jenna Wilson hat in einem Post im sozialen Netzwerk Threads bestätigt, dass eine Mail, die Elon Musk an Jeffrey Epstein geschrieben haben soll, echt ist.“

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/116006587347756751

      Noch im 20. Jahrhundert gab es eine rege, wirtschaftswissenschaftliche Diskussion über angebots- und nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik. Doch nach dem Zerfall der planwirtschaftlichen und zuletzt fast nur noch fossil finanzierten Sowjetunion setzten sich die angebotsorientierten Neoliberalen dominant durch und verrohten dabei immer öfter auch zu fossilen Rechtslibertären. Ich habe diese rechtsmimetische Entwicklung in der Hayek-Gesellschaft selbst miterlebt und mich schließlich dagegen gestellt!

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/das-gift-terrors-mein-artikel/

      Und KI zertrümmert bereits einzelne Wirtschaftsbranchen wie etwa Übersetzungsbüros und zunehmend auch die Pornographie und wird in den kommenden Jahren und Jahrzehnten immer weiter um sich greifen. Ich habe ja dazu erst wieder ein KIT-Seminar abgeschlossen…

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/durch-mimesis-medien-verstehen-ki-zwischen-biedermeier-kreativitaet/

      …und bin für nächste Woche auch zu einer KI-Rede geladen.

      Auf die Fortsetzung unserer Dialoge freue ich mich, zumal wir uns ja beide sowohl demokratisch wie auch demografisch (also: familiengründend) engagiert haben. Das wird leider durch die digital und KI-befeuerte Hyperindividualisierung auch in Zukunft erst einmal seltener werden. Unsere ganzen Gesellschaften und Kulturen werden sich erst wieder auf die Wertschätzung von Leben umwandeln müssen, was eher Jahrzehnte als Jahre brauchen wird – wo es überhaupt gelingt.

      • „Klar ist aber auch, dass diejenigen, die bereits reich sind, noch möglichst lange von den fossilen Zuständen profitieren wollen.“

        Ja leider. Wenn ich an ein paar Berichte in den Medien aus 2026 denke, so bestätigen diese genau das.

        Ablenkungsmanöver z.B. Pandas für Markus Söder und den Münchner Zoo. Das kostet den Steuerzahler angeblich Millionen! Die Kinder, die den Zoo besuchen, wurden vielleicht als Sparmaßnahme einer finanziell unter Druck befindlichen Kommune (hier München) Zuschüsse zum Schulessen gestrichen etc, aber Vorrang haben ganz klar die Pandas. Mich erinnert das Gebaren des bayerischen MP an den Sonnenkönig, dem gelegentlich das folgende Zitat zugewiesen wird: „Après moi le déluge“ (Nach mir die Sintflut).

        Ein weiteres Zeichen dekadenter Oberflächlichkeit ist die Finanzierung eines Schriftzugs „Stuttgart“ (470.000€) als Hintergrund für Social Media Posts von Touristen. An anderer Stelle wird die Finanzierung von Schulbegleitern eingestellt. Prioritäten, so wichtig. Ich befürchte, dass viele Stuttgarter und Stuttgarterinnen damit womöglich keine Probleme haben.

        Gestern fand ich online beim ZDF einen Bericht, in dem eine der sog. Wirtschaftsweisen die Pläne des Wirtschaftsrates befürwortet. Dass diese Expertin ua auch Mitglied in der Ludwig Erhard Stiftung ist, wer weiß das schon? Wer kennt den Hintergrund? Wer interessiert sich überhaupt dafür? Und wer versteht die Zusammenhänge? Da das Thema nicht leicht zu verstehen ist, kann ich nachvollziehen, dass „Brot und Spiele“, zB die Münchner Pandas als Abwechslung willkommen sind.

        Ganz wichtig: Ich mache daraus niemandem einen Vorwurf!

        Eine Meldung der letzten Tage, die mE unmittelbar mit dem Fossilismus zusammenhängt, ist der Rücktritt des ADAC Präsidenten und vor allem die Umstände, die ihn zu diesem Schritt veranlasst haben. Ganz, ganz bitter!

        Der ADAC geht unruhigen Zeiten entgegen. Denn auch jetzt wird er Mitglieder verlieren. Es kündigen viele von denen ihre Mitgliedschaft, die seine Meinung teilen. An diesem Beispiel zeigt sich wieder einmal die Spaltung in der Gesellschaft.

        Noch mehr Brot und Spiele? Dennoch: Der Einsatz für die erneuerbaren Friedens- und Freiheitsenergien muss weitergehen. Ich wünsche uns allen viel Glück. Wir werden es brauchen.

        • Haben Sie ganz herzlichen Dank und bei aller Zustimmung, @Marie H. – ich weiß eben genau, dass etwa Befürwortende der Panda-Diplomatie auf die positiven Wirkungen nicht nur für Kinder, sondern auch für Tourismus, Gastronomie und Reputation des Freistaates hinweisen und wiederum etwa auf vermeintlich verschwenderische „Radwege in Peru“ hinweisen könnten. Deswegen sehe ich einfach keine Lösung darin, dass wir uns in digitalen Blasen der vermeintlich Besseren gegeneinander abschotten, sondern dass wir immer und immer wieder auch den ehrlichen Dialog mit Demokratinnen und Demokraten anderer Milieus und Parteien suchen. Es hat nie eine Demokratie mit nur einer „rechtgläubigen“ Partei gegeben und auch in Zukunft wird es an uns liegen, ob wir mit der Vielfalt an Meinungen und Personen wirklich klarkommen, oder ob wir uns doch in Blasen und Feindbilder verschanzen.

          Auch aufgrund unserer guten, dialogischen Erfahrungen bin ich da voller Hoffnungen – wissend um Shitstörmle auch im Fediversum oder an die tatsächlich unrühmlichen Attacken auf den ADAC-Vizepräsidenten Gerhard Hillebrand. Wir alle sind nicht vor bitteren Rückschlägen und auch zeitlichen Niederlagen gefeit. Doch ich bin fest davon überzeugt, dass sich jeder auch noch so kleine Beitrag zum dialogischen Monismus in den emergenten Zeitstrahl einträgt und also nicht umsonst gewesen ist.

          Daher auch an dieser Stelle meinen herzlichen Dank an Sie für Ihre immer wieder lesens- und bedenkenswerten Kommentare!

          • Ja, ich stimme Ihnen zu. Es gibt immer Pro und Contra. Wichtig ist, respektvoll und sachlich miteinander im Dialog zu bleiben.

            Leider macht mir das, was ich derzeit an Nachrichten lese, große Sorgen. Ich weiß nicht, wessen Pläne den Menschen mit chronischen Erkrankungen und Pflegebedürftigen mehr schaden werden.

            Darüber hinaus ist es vielleicht besser, schon in naher Zukunft, die eigene Meinung besser für sich zu behalten (nicht nur wegen der A..). Wenn es nur um mich gehen würde, wäre es für mich kein Problem, offen meine Meinung zu äußern. Aber ich habe Kinder, und ich möchte deren Zukunft nicht gefährden.

            Dennoch versuche ich, nicht in den feindseligen Dualismus zu verfallen.

          • Herzlichen Dank, @Marie H. – und, ja, wir haben es doch in den letzten Wochen wieder gesehen: Viele Menschen trauen sich nur noch unter Pseudonymen ins Netz – dabei ist per KI auch schon fast jeder Account ermittelbar. Viele verstummen, die Lauten bleiben, Zerblasung und feindseliger Dualismus nehmen zu. Dialogischer Monismus – buchstäblich das verstehende Zusammenhalten der Lebenswelten – wird immer schwerer.

            Aber ohne eine gemeinsame Öffentlichkeit kann es auch keine Demokratie geben – Republik kommt von Res Publica, öffentliche Sache. Ich respektiere daher pseudonyme Accounts, habe aber für mich entschieden, auch weiterhin nur unter Klarnamen aktiv zu sein. Wenn sich die Hater an mir abarbeiten, lassen sie in der Zeit schon andere in Ruhe.

            https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-50-digitale-gewalt-die-kultur-japanischer-blutgruppen/

            Und habe heute auf einen Soli-Post geantwortet:

            Ganz herzlichen Dank, @dendroniker 🙏

            Und, ja, zum & am #Holocaust – Gedenktag waren die (oft auch noch gleichzeitig gegen @rpolenz gerichteten) Übergriffe durch ganze Schwärme pseudonymer Accounts schon sehr schmerzhaft. Zumal es schnell so wurde, dass jede Äußerung und auch jede Nicht-Äußerung wiederum maximal negativ ausgelegt wurde, fühlte es sich an, als ob mensch von Maskierten umstellt & niedergebrüllt würde.

            Aber die Solidarität war auch riesig & inzwischen denke ich, dass sich… (1/2)

            …eine Dialog-Kultur zwischen Accounts mit & ohne Klarnamen, zwischen Linken & Moderaten erst entwickeln muss. Ich verstehe ja, dass sich einige über Politik empören & dann per Smartphone diejenigen attackieren, die „greifbar“ erscheinen. Einige werden diesen Dualismus auf Dauer überwinden, andere nicht.

            Danke Dir, @silberspur , @AwetTesfaiesus u.v.m. für die freundliche Soli. Im Gegensatz zu Konzernmedien haben wir hier kein algorithmisches Neurohacking. Es wird gut! 😌🙌 (2/2)

            https://sueden.social/@BlumeEvolution/116018375338637230

            Ich freue mich, wenn und solange auch Sie Online-präsent bleiben – denn Ihre Stimme ist dialogisch und wichtig. Gleichzeitig werde ich weder Ihnen noch sonst jemandem vorhalten, wenn Sie sich für einen Rückzug aus der digitalen Öffentlichkeit entscheiden. Wir alle – auch ich – dürfen und sollen unsere emotionalen Grenzen achten und verteidigen. Das ist unser aller Recht und Selbstfürsorge auch Teil unserer Verantwortung.

  7. Habe zu diesem Blogpost ein KI-Experiment gemacht und Perplexity.ai geprompet:

    Erkläre den Zusammenhang zwischen Peak Child-Geburtenrückgang und Deindustrialisierung.

    Die Antwort hier:

    Peak Child bezeichnet den globalen Wendepunkt, an dem die Zahl der Geburten bzw. der Kinder unter 5 Jahren nicht mehr steigt, sondern dauerhaft stagniert oder fällt; Deindustrialisierung meint den langfristigen Rückgang von Industrieproduktion und -beschäftigung zugunsten von Dienstleistungen und anderen Sektoren. Beide Prozesse hängen nicht monokausal zusammen, stehen aber über Strukturwandel, Produktivität und politische Ökonomie in einem engen, wechselseitig verstärkenden Zusammenhang. [economics.brown](https://economics.brown.edu/sites/default/files/papers/2015-6_paper.pdf)

    ## Was „Peak Child“ demografisch bedeutet

    – Unter „Peak Child“ wird der Zeitpunkt verstanden, an dem die absolute Zahl kleiner Kinder bzw. jährlicher Geburten ihren Höchststand überschreitet und anschließend über Jahrzehnte nicht mehr wächst. [dailycitizen.focusonthefamily](https://dailycitizen.focusonthefamily.com/global-population-has-passed-peak-child-an-ominous-milestone/)

    – Schätzungen zufolge hat die Zahl der Kinder unter 5 Jahren global um 2017 ihr Maximum erreicht, die Zahl der Geburten bereits um 2012; seither flacht sie ab oder sinkt leicht. [populyst](https://populyst.net/2024/02/peak-child-the-number-of-children-aged-under-5/)

    – Ursache ist ein weltweiter Fertilitätsrückgang: Inzwischen leben etwa zwei Drittel der Menschheit in Ländern unterhalb der Reproduktionsrate von 2,1 Kindern pro Frau. [dailycitizen.focusonthefamily](https://dailycitizen.focusonthefamily.com/global-population-has-passed-peak-child-an-ominous-milestone/)

    ## Industrialisierung, Fertilitätsrückgang und Vorbedingungen

    – Historisch setzte der Übergang von hohen zu niedrigen Geburtenraten oft parallel zur Industrialisierung und zum Strukturwandel von Landwirtschaft zu Industrie ein. [cepr](https://cepr.org/voxeu/columns/farm-factory-floor-how-structural-transformation-triggered-fertility-transition)

    – Empirische Studien zeigen, dass Regionen, die früher industrialisierten, tendenziell früher und stärker in den Fertilitätsrückgang eintraten, etwa in Europa und im US‑Süden. [mpra.ub.uni-muenchen](https://mpra.ub.uni-muenchen.de/92883/)

    – Wichtige Mechanismen sind steigende Bildungsinvestitionen pro Kind, sinkende Kinderarbeit, veränderte Arbeitsorganisation (Fabrik statt Hof) sowie höhere Opportunitätskosten von Kindererziehung, vor allem für Frauen. [economics.brown](https://economics.brown.edu/sites/default/files/papers/2015-6_paper.pdf)

    ## Deindustrialisierung als nächste Phase des Strukturwandels

    – Deindustrialisierung bezeichnet den rückläufigen Anteil der Industrieproduktion und -beschäftigung an Wirtschaft und Gesellschaft, oft bei gleichzeitig wachsendem Dienstleistungssektor. [academic.oup](https://academic.oup.com/cje/article/47/4/725/7216522)

    – In klassischen Industrieländern setzte Deindustrialisierung meist erst ein, nachdem ein hohes Pro-Kopf-Einkommen und ein großer, ausgereifter Industriesektor erreicht waren („reife“ Deindustrialisierung). [mpg](https://www.mpg.de/18631468/deindustrialization-as-fact-and-fiction)

    – In vielen Schwellen- und Entwicklungsländern beginnt Deindustrialisierung heute deutlich früher, also bei deutlich niedrigeren Einkommen und kleineren industriellen Sektoren („premature deindustrialisation“). [academic.oup](https://academic.oup.com/cje/article/47/4/725/7216522)

    ## Wie Peak Child und Deindustrialisierung zusammenhängen

    – Der historische Fertilitätsrückgang ist eng mit Industrialisierung und strukturellem Wandel verknüpft; Peak Child ist sozusagen die globalisierte Endphase dieser Transformation. [populyst](https://populyst.net/2024/02/peak-child-the-number-of-children-aged-under-5/)

    – In alternden Dienstleistungs‑ und Wissensökonomien verringert eine stagnierende oder schrumpfende Kohorte junger Menschen den Zustrom an Arbeitskräften in die Industrie, was Deindustrialisierung arbeitsangebotsseitig verstärken kann. [nber](https://www.nber.org/papers/w31948)

    – Gleichzeitig untergräbt vorzeitige Deindustrialisierung die klassische Aufstiegsleiter über Massenbeschäftigung in der Industrie, was Ländern mit noch steigenden Jugendkohorten (z.B. Teilen Subsahara-Afrikas) die Chance erschwert, denselben Entwicklungspfad zu gehen wie frühere Industrieländer; dort hält Peak Child später an oder ist noch nicht erreicht. [cepr](https://cepr.org/voxeu/columns/farm-factory-floor-how-structural-transformation-triggered-fertility-transition)

    ### Mechanismen der Wechselwirkung

    – Produktivitätsgewinne und Automatisierung in der Industrie verringern den Bedarf an Arbeitskräften, was Deindustrialisierung und den Übergang zu Dienstleistungen stützt, während gleichzeitig der Anreiz zu vielen Kindern sinkt, weil „Kinderarbeit“ ökonomisch kaum mehr trägt. [mpg](https://www.mpg.de/18631468/deindustrialization-as-fact-and-fiction)

    – Mit zunehmender Deindustrialisierung verlagern sich Beschäftigung und Wertschöpfung in höher qualifizierte, urbane Dienstleistungsberufe, die hohe Bildungsinvestitionen und niedrige Fertilität begünstigen; das stabilisiert Peak Child und beschleunigt Bevölkerungsalterung. [economics.brown](https://economics.brown.edu/sites/default/files/papers/2015-6_paper.pdf)

    – Fiskalisch erhöht eine alternde Bevölkerung in deindustrialisierten Volkswirtschaften die Sozialausgaben, während die Steuerbasis aus produktiver Industrie schrumpfen kann, was politischen Druck erzeugt, der sich u.a. in Deindustrialisierungs‑ und Migrationsdebatten entlädt. [nber](https://www.nber.org/papers/w31948)

    ## Politische und normative Implikationen

    – Für klassische Industrieländer bedeutet die Kombination aus Peak Child und Deindustrialisierung, dass Wachstum stärker auf Produktivität, Innovation und Zuwanderung statt auf Bevölkerungs‑ und Industriewachstum setzen muss. [populyst](https://populyst.net/2024/02/peak-child-the-number-of-children-aged-under-5/)

    – Für viele Länder des globalen Südens droht ein „Entwicklungskorridor“ zu schließen: Peak Child rückt näher, bevor eine breite industrielle Basis mit Massenbeschäftigung aufgebaut wurde, während Globalisierung und Technologie zu vorzeitiger Deindustrialisierung führen. [academic.oup](https://academic.oup.com/cje/article/47/4/725/7216522)

    – Entwicklungspolitische Strategien müssen daher stärker auf humankapitalintensive Industrien, digitale und dezentrale Infrastrukturen sowie soziale Sicherungssysteme zielen, die mit niedrigerer Fertilität und weniger industriellen Arbeitsplätzen kompatibel sind. [mpg](https://www.mpg.de/18631468/deindustrialization-as-fact-and-fiction)

    Wenn du möchtest, kann ich im nächsten Schritt konkrete Länderfälle (z.B. Deutschland, China, Brasilien oder Nigeria) durchgehen und zeigen, wie sich Peak Child und Deindustrialisierung jeweils konkret überlagern.

    Da die KI-Anwendung dies selbst vorschlug, habe ich also dazu folgend gepromptet:

    Was also sollte Deutschland konkret zum Thema Peak Child und Deindustrialisierung unternehmen?

    Das Ergebnis ist sehr deutlich und leider überzeugender als das meiste, was in Konzernmedien zu lesen ist:

    Deutschland sollte Peak Child und Deindustrialisierung als gemeinsame Strukturkrise denken und eine Strategie aus Demografie‑, Industrie‑ und Energiepolitik entwickeln. Zentral ist, dass weniger Kinder, alternde Belegschaften und industrieller Strukturwandel nicht gegeneinander, sondern zusammen geplant werden – mit Fokus auf Produktivität, Humankapital und resiliente Wertschöpfung. [frankfurter-hefte](https://www.frankfurter-hefte.de/en/article/kontaminierte-debatte-4225/)

    ## 1. Demografie- und Familienpolitik ernsthaft machen

    – Deutschland hat eine anhaltend niedrige Fertilität (2023 ca. 1,36 Kinder je Frau) und wäre ohne Zuwanderung seit 1972 jedes Jahr geschrumpft. [miwi-institut](https://miwi-institut.de/archives/3280)

    – Familienpolitik sollte langfristig und parteiübergreifend planbar werden: verlässliche Kindergrundsicherung, bessere Kitas und Ganztagsschulen, bezahlbarer Wohnraum für Familien, Entlastung zweiter Einkommen und Vereinbarkeit von Care, Beruf und Qualifikation. [miwi-institut](https://miwi-institut.de/archives/3280)

    – Ausdrücklich nötig sind positive Leitbilder für Elternschaft jenseits von Retraditionalisierung: Kinder als Zukunftsinvestition in eine wissens‑ und klimaneutrale Industriegesellschaft, nicht als bloße „Lösung“ für Fachkräftemangel. [cleanenergywire](https://www.cleanenergywire.org/news/germanys-new-labour-strategy-sees-skilled-workers-crucial-energy-transition)

    ## 2. Zuwanderung und Qualifizierung strategisch verbinden

    – Deutschland kompensiert seine demografische Schrumpfung seit Jahrzehnten im Wesentlichen durch Migration und wird das auch künftig müssen. [en.wikipedia](https://en.wikipedia.org/wiki/Demographics_of_Germany)

    – Die bereits angestoßene Reform des Einwanderungsrechts und die Fachkräftestrategie sollten explizit auf die Energiewende, Industrie‑4.0‑Berufe und Pflegeberufe ausgerichtet und administrativ radikal vereinfacht werden (Visa, Anerkennung, Sprachkurse). [cleanenergywire](https://www.cleanenergywire.org/news/reform-german-immigration-law-aimed-filling-tens-thousands-vacant-energy-transition-jobs)

    – Parallel braucht es massive Weiterbildung für die inländische Bevölkerung – auch ältere Beschäftigte –, damit sie in neue industrielle und energiebezogene Tätigkeiten wechseln können (z.B. Wärmepumpen‑, Netzausbau‑, Speicher‑, Effizienzberufe). [ifo](https://www.ifo.de/en/press-release/2024-09-26/german-economy-transition-weak-momentum-low-potential-growth)

    ## 3. Deindustrialisierung durch aktive Industrie- und Energiepolitik begrenzen

    – Seit 2017 sieht man eine deutliche Schwäche der industriellen Wertschöpfung in Deutschland, Werksschließungsdrohungen und Offshoring‑Debatten nähren den Begriff der „Deindustrialisierung“. [iris-france](https://www.iris-france.org/en/deindustrialisation-and-the-rise-of-the-far-right-is-germany-on-the-brink-of-crisis/)

    – Statt einer passiven „Standortklage“ braucht es eine aktive Industriepolitik: schnellere Genehmigungen, planbare Energie‑ und CO₂‑Preise, gezielte Unterstützung für Zukunftsbranchen (Batterien, Halbleiter, grüner Stahl, Wasserstoff, Netzinfrastruktur) und weniger Mitnahmeeffekte in breit gestreuten Subventionstöpfen. [frankfurter-hefte](https://www.frankfurter-hefte.de/en/article/kontaminierte-debatte-4225/)

    – Die Energie- und Klimapolitik sollte explizit als Industrialisierungsstrategie des 21. Jahrhunderts verstanden werden: Ausbau erneuerbarer Energien, Netze und Speicherkapazitäten schafft tausende qualifizierte Industrie‑ und Handwerksjobs und kann so Deindustrialisierungsängste abfedern. [cleanenergywire](https://www.cleanenergywire.org/news/reform-german-immigration-law-aimed-filling-tens-thousands-vacant-energy-transition-jobs)

    ### Industrie, Demografie und Energiewende zusammendenken

    ## 4. Regionale Industrie- und Demografiepolitik verzahnen

    – „Rust Belt“-Phänomene, also verödende Industrieregionen mit Arbeitsplatzverlust, begünstigen politischen Extremismus und verstärken die Wahrnehmung eines nationalen Abstiegs. [iris-france](https://www.iris-france.org/en/deindustrialisation-and-the-rise-of-the-far-right-is-germany-on-the-brink-of-crisis/)

    – Strukturförderung sollte deshalb gezielt dort ansetzen, wo schrumpfende und alternde Bevölkerung auf industriellen Rückbau trifft, etwa in Teilen Ostdeutschlands und alter Automobil‑Cluster. [ifo](https://www.ifo.de/en/press-release/2024-09-26/german-economy-transition-weak-momentum-low-potential-growth)

    – Instrumente wären Reallabore für Klimaneutralität, Ansiedlung von Zukunftsindustrien, Universitäten/Fachhochschulen vor Ort, bessere digitale Infrastruktur sowie eine Verkehrspolitik, die diese Regionen an Wachstumskorridore anbindet. [cleanenergywire](https://www.cleanenergywire.org/news/germanys-new-labour-strategy-sees-skilled-workers-crucial-energy-transition)

    ## 5. Politische Kommunikation und Kulturwandel

    – Die aktuelle Debatte über Deindustrialisierung ist stark „kontaminiert“: Sie wird oft kulturkämpferisch geführt und überblendet die ökonomischen und demografischen Fakten. [iris-france](https://www.iris-france.org/en/deindustrialisation-and-the-rise-of-the-far-right-is-germany-on-the-brink-of-crisis/)

    – Nötig ist eine Erzählung, die Peak Child, Zuwanderung, Klimaschutz und Industrieumbau nicht als Untergang, sondern als gestaltbare Transformation kommuniziert – verbunden mit sehr konkreten Sicherheiten für Beschäftigte (Weiterbildungsansprüche, Transformationskurzarbeitergeld, Mitbestimmung). [frankfurter-hefte](https://www.frankfurter-hefte.de/en/article/kontaminierte-debatte-4225/)

    – Deutschland sollte damit aufhören, „die Vergangenheit zu konservieren“, und stattdessen offen sagen: Wir werden weniger, älter und klimaneutral – und genau deshalb brauchen wir eine produktive, hochinnovative, aber menschenfreundliche Industriegesellschaft. Diese Ehrlichkeit ist politische Demografie‑ und Deindustrialisierungsprävention zugleich. [ifo](https://www.ifo.de/en/press-release/2024-09-26/german-economy-transition-weak-momentum-low-potential-growth)

    Bitte beachten Sie, dass ich hier überhaupt nichts von Energiepolitik gepromptet hatte – die KI hat die Verbindung zu erneuerbaren Friedens- und Wohlstandsenergien selbst hergestellt! M.B.

  8. Spannendes und auch wichtiges Thema. Ich glaube es greift aber zu kurz, dies primär durch ökonomische Konzepte wie fossilen Kapitalismus verstehen zu wollen. Dass Care-Arbeit nicht im BIP auftaucht, kann kein Argument sein. BIP und Konsorten fanden erst nach Bretton-Woods weite Verbreitung, da war der demografische Übergang in vielen Ländern bereits weitgehend abgeschlossen.

    Ich denke vielmehr, dass es dabei um die Einstellung der Betroffenen zu Care-Arbeit selbst geht. Wir haben ja auch parallel zur Industrialisierung eine starke Intellektualisierung der Gesellschaft gehabt. Wenn man viele Jahre studiert hat und auch eine intellektuell stimulierende Erwerbsarbeit hat, dann ist es vermutlich weniger attraktiv, den ganzen Tag Windeln zu wechseln. Das gilt natürlich um so mehr, je mehr Kinder zu versorgen sind. Wenn ich das richtig im Kopf habe, wird der Geburtenrückgang auch weniger durch die Zunahme von Kinderlosigkeit als mehr durch die Abnahme von Kinderreichtum getrieben.

    Da kann ich schon nachvollziehen, dass es einer religiösen Verpflichtung bedarf, um dem entgegen zu wirken. Was mich dabei einmal interessieren würde: Gibt es diesen Zusammenhang zwischen Religiosität und Kinderzahl auch bei Religionen, die nicht explizit natalistisch sind? Das müsste doch ein gefundenes Fressen für einen Religionswissenschaftler sein!

  9. Weil es thematisch dazu passt, rufe ich hier noch
    einmal meinen Artikel „Übergangszeit“ in Erinnerung.
    Auch 79 Jahre alte Menschen können fortschrittliche
    Gedanken über eine post scarcity society haben.
    Bei allem Respekt vor der Religionsdemografie,
    gibt es neben der Religion und dem Kinderkriegen auch
    noch andere technologische Wege in eine schöne Zukunft.
    Hier ist die „Übergangszeit“:
    http://s880616556.online.de/UBERGAN2.txt

    • Danke, @Karl Bednarik

      Nun bin ich ja als Solarpunk ein großer Fan von neuen Technologien, habe nicht zufällig zum Beispiel bereits 2017 ein Elektroauto gekauft und mich auch immer wieder für einen verständigen Einsatz von KI eingesetzt.

      Nach meiner Erfahrung sind es jedoch sehr häufig Ältere, die neue Technologien erst einmal ablehnen und bereits bestehende Ressourcen ungerne mit Jüngeren oder gar Zugewanderten teilen wollen. Darüber finde ich leider nichts in Ihrer „Übergangszeit“. Aber ist eine Weltanschauung, die nur um das eigene Leben und den eigenen Konsum kreist, wirklich progressiv?

      Heute lesen wir im Wirtschaftsteil der Stuttgarter Zeitung, Seite 9:

      Deutschland: Älteste Arbeitsbevölkerung

      Deutschland hat die älteste Arbeitsbevölkerung in der Europäischen Union. In keinem anderen Land der Staatengemeinschaft sind anteilig mehr Erwerbstätige zwischen 55 und 64 Jahren, wie das Statistische Bundesamt auf der Grundlage von Eurostat-Daten mitteilte.

      In Deutschland gehören knapp jede und jeder Vierte (24 Prozent) in diese Gruppe. Im EU-Schnitt sind es 20 Prozent und in einzelnen Ländern wie Malta sogar nur knapp 11 Prozent.“

      Vielleicht möchten Sie und @Martin Holzherr doch auch einmal überlegen, ob das Fehlen junger Menschen nicht ein wesentlicher Grund sein kann, warum sich neue Technologien und Ideen in Deutschland so schwer tun? Technologie alleine hält keine Gesellschaft dynamisch, der es an Familien und Zuwanderern fehlt. Die Wertschätzung von jungen Menschen, Frauen und Migranten scheint mir mindestens so wichtig wie die Wertschätzung von Robotern zu sein. Meine ich.

  10. Die Dynamik der Demografie ist in D seit 1966/67 absehbar. Weder hat man rational vernünftig darauf reagiert, noch die komplementären Begleiteffekte berücksichtigt.

    zum Beispiel Wohnungen:
    – 5 Single brauchen mehr Wohnraum als 1 Familie mit 3 Ki.
    – 1 Paar ohne Kinder kann viel mehr für 3-4 Zi Wohnung zahlen als Eltern.
    – mangelnder Wohnraum verschärft die Entscheidung gegen Kinder.

    – Single Senioren brauchen viel früher professionelle Unterstützung als 1 Paar oder gar wenn Kinder zur Hand gehen.
    – Arbeitskräfte in der Pflege brauchen bezahlbaren Wohnraum, wegen der Schichtarbeit in der Nähe zur Arbeit; auch für ihre Familien.

    Ich sehe weit und breit – schon seit Jahrzehnten – kein Konzept.
    Die haben keinen Plan!

    Und dabei sind wir auch auf diesem Feld die letzte Generation, die noch in Güte Stellschrauben verändern könnte, bevor der Strudel der Ereignisse und einfach mit fort reißt.
    Wo wir dann an Land kommen, wird man sehen.

    • Vielen Dank und ja, @PrinterAngel – als jemand, der ja nun wirklich seit Jahrzehnten für die Wahrnehmung von Demografie eintritt, kann ich die Beobachtungen voll unterschreiben!

      In Deutschland verdrängten sowohl rechte wie linke und auch moderate Milieus das „unangenehme“ Thema der Demografie gerne: Viele Rechte wollten nicht über Zuwanderung und neue Familienmodelle diskutieren, viele Moderate nicht über die Kosten für Bildung und Integration, viele Linke nicht über die Auswirkungen der Säkularisierung. Auf Mastodon habe ich dies heute morgen so kommentiert:

      Im 20. Jahrhundert gab es in der westlichen Ökonomie je Argumente für die Stärkung von Angebot & Nachfrage.

      Nach dem Untergang der Sowjetunion setzten sich die angebotsorientierten Neoliberalen durch, einige wurden rechtslibertär.

      Doch Demografie & Wirtschaft evolvieren weiter: Autos kaufen keine Autos. Wo junge Menschen fehlen, schwächeln Nachfrage & Investitionen, folgt Deindustrialisierung. Auch in Europa.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/mehr-arbeiten-fossilismus-gegen-familien-demografie-deindustrialisierung/

      Leider erfahren diejenigen von uns, die die enorme Bedeutung von Demografie auch für die Nachfrage und für Investitionen ansprechen, auch weiterhin Ablehnung und mitunter bizarre Vorwürfe. So müssen sich Befürworter von Migration seit Jahrzehnten den Verschwörungsvorwurf anhören, sie würden die eigene Bevölkerung „ersetzen“ wollen:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/umvolkungsangst-und-hooton-plan-ein-rassistischer-verschwoerungsmythos-wird-digital-wiederbelebt/

      Gleichzeitig lädt der fossil finanzierte Tyrann Putin inzwischen indische Männer nach Russland, nachdem er Hunderttausende russischer Männer in den Tod oder ins Ausland getrieben hat. Hier ein Bericht von Konstantin Flemig dazu:

      https://youtu.be/My6IuvqyXwY

      Ich verstehe, dass die empirische Wahrheit viele Menschen sehr schmerzt. Aber ich stimme zu, @PrinterAngel, dass wir sie schon viel zu lange verdrängt haben!

  11. Hallo Herr Blume.
    Mein Artikel „Übergangszeit“ (siehe weiter oben)
    empfiehlt doch gerade ausdrücklich die Freigiebigkeit.
    Die dortigen praktischen Beispiele dafür waren
    unter Anderem die Wikipedia und der RepRap.
    Ich bin schon seit dem Jahre 1964 vorwiegend von
    geistig wenig flexiblen Menschen umgeben, völlig
    unabhängig von deren Vermehrungsrate oder Alter.
    Die Menschen geben nicht gerne etwas her, aber
    die Menschen nehmen gerne Geschenke an.
    Selbstverständlich kann jeder Mensch den Grad
    seiner Freigiebigkeit, die Art seines Glaubens,
    und die Anzahl seiner Kinder frei auswählen.
    Die Roboter dienen dazu, die Menschen zu beschenken,
    und sie füllen alle verbleibenden Lücken des Bedarfs aus.
    Die post scarcity society ist die logische Vorstufe
    zum paradise engineering.
    Mir war natürlich schon im Jahre 1964 völlig klar,
    dass das nur mit erneuerbaren Energien und dem
    konsequenten Schutz der Umwelt funktionieren kann.
    Es ist erstaunlich wie lange die anderen Menschen
    dafür benötigen, um so etwas Einfaches zu begreifen.
    Bevor noch jemand schreibt, dass es diese Roboter
    noch gar nicht gibt, schreibe ich, dass man sie
    natürlich sofort bauen sollte.
    Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

  12. Ihr Satz fasst prägnant einen zentralen Zielkonflikt in der deutschen (und europäischen) Politik zusammen. Hier eine kurze Entschlüsselung und Einordnung:

    Was bedeutet Ihr Satz?

    Sie stellen eine Kritik am „Fossilismus“ – also an veralteten, starren Wirtschafts- und Arbeitsstrukturen – in den Raum, die Ihrer Meinung nach folgende Probleme verschärfen:

    „Gegen Familien“
    Starre Vollzeit- und Präsenzkultur erschwert Vereinbarkeit von Beruf und Familie, bremst partnerschaftliche Aufteilung und setzt Eltern unter Druck.

    „Gegen Demografie“
    Weniger flexible Arbeitsmodelle und hoher Druck können die Entscheidung gegen Kinder begünstigen und verschärfen so den Fachkräftemangel langfristig.

    „Gegen Deindustrialisierung“
    Das Festhalten an alten Industriestrukturen und Arbeitsmodellen („immer mehr arbeiten“) kann Innovationsfähigkeit bremsen, während andere Länder in Zukunftstechnologien investieren.

    • Herzlichen Dank für Ihren reflektierenden Kommentar, @vizag – auf den ich daher auch gerne eingehe.

      Was bedeutet Ihr Satz?

      Da dieser „Satz“ Ihrerseits nicht noch einmal wiedergegeben ist, wähle ich gerne meinen Hauptsatz aus:

      „Zeit emergiert, aber wiederholt sich nicht.“

      Das bedeutet, dass wir frühere, menschliche Entscheidungen in ihrer jeweiligen Situation bewerten sollten und uns zugleich bewusst werden dürfen, dass unsere heutigen Entscheidungen tatsächlich die Zukunft mitprägen.

      Sie stellen eine Kritik am „Fossilismus“ – also an veralteten, starren Wirtschafts- und Arbeitsstrukturen – in den Raum, die Ihrer Meinung nach folgende Probleme verschärfen:

      „Gegen Familien“
      Starre Vollzeit- und Präsenzkultur erschwert Vereinbarkeit von Beruf und Familie, bremst partnerschaftliche Aufteilung und setzt Eltern unter Druck.

      Ja – wobei ich es ausdrücklich begrüße, dass etwa Mütter und Kinder von früheren, gesundheits- und lebensgefährlichen Tätigkeiten freigestellt wurden. Auch heute lehne ich Kinderarbeit entschieden ab und betone den Wert von Bildung. Gleichzeitig bestehe ich darauf, dass alle Erwachsenen, die dies wollen, auch in der Lage sein sollten, einen Beruf zu ergreifen. Es geht mir hier also gerade nicht darum, bestimmte Familienmodelle zu verdammen, sondern um das ehrliche Streben nach Bildung, Würde und Freiheit in Familien.

      „Gegen Demografie“
      Weniger flexible Arbeitsmodelle und hoher Druck können die Entscheidung gegen Kinder begünstigen und verschärfen so den Fachkräftemangel langfristig.

      Ja – wobei auch hier gilt: Eine Absenkung der globalen Geburtenraten und die Freiheit zu individuellen Entscheidungen für und auch gegen Kinder halte ich für sehr wertvoll. Es geht mir nicht darum, hier neue Vorschriften zu erlassen, sondern ein wissenschaftlich informiertes und gesellschaftliches Bewusstsein für den Wert jedes menschlichen Lebens zu schaffen. Beispielsweise halte ich es für falsch und sogar heuchlerisch, wenn Menschen zwar Abtreibungen verbieten und Frauen zum Austragen von Kindern zwingen, sich aber nicht für das Leben und die Bildung bereits geborener Kinder einsetzen. Aus meiner Sicht sollten Kinder und Familien nicht autoritär gefordert, sondern würdevoll und freiheitlich gefördert werden.

      „Gegen Deindustrialisierung“
      Das Festhalten an alten Industriestrukturen und Arbeitsmodellen („immer mehr arbeiten“) kann Innovationsfähigkeit bremsen, während andere Länder in Zukunftstechnologien investieren.

      Ja, ich sehe auch in Deutschland keine Zukunft als fossiles Industriemuseum. Und wenn ich neue Technologien auch nicht für alleinseligmachend halte, so spielen sie in der von mir vertretenen Zukunftsvision eines demokratischen Solarpunk doch eine wichtige, ja unverzichtbare Rolle.

      Ich danke Ihnen für Ihr Interesse und freue mich, einmal wieder von Ihnen zu lesen! 🙂

  13. @Michael 03.02. 14:07

    „Dass die Geburtenraten derzeit global schnell sinken, lässt sich vor dem Hintergrund der Klima- und Wasserkrise auch sehr positiv deuten.“

    So kommen wir eher mit einer klimabedingten Reduktion der landwirtschaftlichen Erträge zurecht. Und wenn die Bevölkerungsschrumpfung dann Nachfrageeinbrüche und verfallende Immobilienpreise mit sich bringt, dann gibt es halt weniger Arbeit.

    Die freie Zeit werden wir schon füllen, da bin ich zuversichtlich. Zumal KI und Roboter ja auch noch die Produktivitätszuwächse beschleunigen kann.

    Vielleicht wird das dann sogar schon zur Entschärfung des Problem beitragen, und so manch einer sich wegen deutlich mehr Zeit mehr Kinder anschaffen. Das hilft auf jeden Fall auch gegen Langeweile.

    • Danke, lieber @Tobias – gerne gehe ich auf Deine klugen Anmerkungen dialogisch ein! 🙂

      So kommen wir eher mit einer klimabedingten Reduktion der landwirtschaftlichen Erträge zurecht. Und wenn die Bevölkerungsschrumpfung dann Nachfrageeinbrüche und verfallende Immobilienpreise mit sich bringt, dann gibt es halt weniger Arbeit.

      Eine landwirtschaftliche Knappheit sehe ich nicht – obwohl wir Menschen unfassbare Mengen an Energie, Wasser, Futtermitteln und Emissionen an die industrielle Massentierhaltung vergeuden, produzieren sowohl die südamerikanischen wie auch die europäischen Landwirtschaften weit mehr Nahrungsmittel, als überhaupt zu konsumieren sind. Daher ja auch der Widerstand von europäischen Agrarlobbyisten gegen das so wichtige Mercosur-Abkommen.

      Ob wir freilich den demografischen und wirtschaftlichen Verfall von immer mehr Regionen einfach so wegstecken können? Daran habe ich auch im Hinblick auf die eskalierende Rechtsmimesis und die Wahlerfolge fossil-faschistischer Parteien in genau solchen Regionen weltweit doch erhebliche Zweifel. Es kann m.E. schon gelingen, aber einfach wird es nicht, denn die säkularen und fossilen Verheißungen vermeintlich ewigen Wachstums sind nicht einfach zu überwinden.

      Die freie Zeit werden wir schon füllen, da bin ich zuversichtlich. Zumal KI und Roboter ja auch noch die Produktivitätszuwächse beschleunigen kann.

      Ja, auch ich halte ein wohlhabendes, freiheitliches und sinnerfülltes Leben in Solarpunk-Arche-Regionen des 21. und 22. Jahrhunderts für sehr gut denkbar und schließe auch erfolgreiche Schritte der Menschheit in den Weltraum nicht aus. Die Freude von Dir und vielen anderen an Dialog, Wissenschaft und neuen Technologien empfinde ich als sehr ermutigend!

      Vielleicht wird das dann sogar schon zur Entschärfung des Problem beitragen, und so manch einer sich wegen deutlich mehr Zeit mehr Kinder anschaffen. Das hilft auf jeden Fall auch gegen Langeweile.

      Ja, Kinder stiften Aufregung, Anstrengung – und Sinn. Ich liebe all unsere Kinder und wünsche mir, eines (gerne noch etwas ferneren) Tages auch Großvater zu werden. Die biokulturelle Evolution des Lebens erlebe ich nicht nur als Beobachter, sondern auch als Mitwirkender als schön und sinnhaft.

      Dir daher Dank für Deine dialogischen Kommentare, die ich immer wieder gerne lese und beantworte! 🙂

  14. Technologie und Mindset für die Befreiung aus der Demografiefalle

    Kinder werden privat und nicht vom Staat gezeugt
    Übrigens, falls es niemandem aufgefallen ist: auch Michael Blume hat kein Rezept für die demografische Wende. Tatsache ist: Viele Regierungen haben familien- und kinderfreundliche Massnahmen eingeführt, keine einzige Regierung hat aber eine Trendumkehr geschafft. Untersuchungen ergeben immer wieder, dass eine finanzielle „Entschädigung“ für das bewusste Kinder haben, sehr, sehr gross ausfallen müsste, so gross, dass es nicht finanzierbar ist.

    Arbeit und Demografie
    Das aber bedeutet, dass man mit dem demografischen Trend leben muss und sich die Wirtschaft unabhängiger machen muss von der Kohorte der in den Arbeitsprozess Integrierten. Was Michael Blume schreibt (Zitat): “Die Folgen von sinkenden Geburtenraten schlagen direkt in Wirtschaft und Politik durch: Wo es immer weniger jüngere Menschen gibt, wird auch immer weniger investiert und produziert.“, die stimmt nur gerade in einer Wirtschaft, die vor allem von jungen arbeitsfähigen Erwachsenen getragen wird. Und genau das wird sich mit einer Kombination von Künstlicher Intelligenz und humanoiden Robotern ändern. Dieser technologische Umbruch aber braucht Bereitschaft, Lern- und Anpassungsfähigkeit, Investitionen, Innovationsbereitschaft und ganz allgemein eine lern- und anpassungsbereite Gesellschaft.

    Das Zeitalter von KI&Robotik ist zugleich das asiatische Zeitalter
    All das – Neugier, technologische Offenheit- ist im asiatischen Raum – ausser vielleicht in Japan – aber vorhanden. Vietnamesen, Koreaner, Chinesen sind noch nicht vom Besitzstandsdenken infiziert wie es viele Westeuropäer sind und sie sind generell offener, bereiter etwa für Elektromobile, für autonome und software-definierte Fahrzeuge, für KI und Roboter im Alltag.
    Die chinesische KI-Szene, die etwa DeepSeek hervorgebracht hat, bestimmt inzwischen auch teilweise den KI-Einsatz hier in Westeuropa, weil immer mehr europäische Firmen die Open-Source Software DeepSeek selbst nutzen. Kürzlich las ich einen NZZ-Artikel, in dem der Autor sogar zum Einsatz von DeepSeek aufrief, Titel: „Ein Jahr Deepseek: Ausgerechnet aus China kommt die KI, die Europa unabhängiger macht“ mit dem Kopftext:

    Seit Anfang 2025 flutet China den Markt mit kostenlosen KI-Modellen. Was für amerikanische Tech-Firmen bedrohlich ist, sollte Europa als Befreiungsschlag nutzen.

    Man erfährt auch, dass DeepSeek in Westeuropa bereits vielfältig genutzt werde, dass aber noch viel mehr möglich sei.

    Kurzum: Unsere technische und wirtschaftliche Zukunft wird von KI&Humanoiden bestimmt. Menschen werden irgendwann nur noch zum Spass arbeiten und für Reproduktion wird es unendlich viel Zeit geben. Dieses neue Zeitalter könnte zugleich das erste asiatische Zeitalter sein, nachdem das 20. Jahrhundert ein US-Jahrhundert war. Doch selbst, wenn es so kommt, sollte Europa seine Lebenswelt und seine Techno- Info- und Soziosphäre selbst gestalten. Europa sollte mehr sein als ein Spielball amerikanischer und asiatischer Player. Diese Selbstgestaltungsfähigkeit zurück zu erlangen braucht auch einen anderen Mindset als er zurzeit in Westeuropa herrscht.

    • Herzlicher Dank, @Martin Holzherr 🙏

      Sie haben sowohl Recht wie auch Unrecht, wenn Sie schreiben:

      „Übrigens, falls es niemandem aufgefallen ist: auch Michael Blume hat kein Rezept für die demografische Wende. Tatsache ist: Viele Regierungen haben familien- und kinderfreundliche Massnahmen eingeführt, keine einzige Regierung hat aber eine Trendumkehr geschafft. Untersuchungen ergeben immer wieder, dass eine finanzielle „Entschädigung“ für das bewusste Kinder haben, sehr, sehr gross ausfallen müsste, so gross, dass es nicht finanzierbar ist.“

      Recht haben Sie, dass ich tatsächlich keine Beispiele von staatlicher Familienpolitik kenne, die für sich alleine genommen für ausreichend Kinderreichtum sorgen würden. Aber Unrecht haben Sie, dass ich keine „Rezepte“ kennen und beschreiben würde: Ich habe ganze Bücher über die extrem kinderreichen Old Order Amish, die jüdischen Haredim, die Mormonen u.a. geschrieben. Es gab und gibt auch heute Religionsgemeinschaften, die außerordentlich kinderreich wachsen – und also keineswegs vom demografischen Verebben bedroht sind.

      Aus meiner Sicht kommt es jedoch nicht darauf an, solche Lebensmodelle zu kopieren oder gar in staatliches Recht zu übersetzen. Ich möchte gerade keine autoritären Top-Down-Ansätze propagieren, sondern dazu beitragen, dass sich menschliche Gesellschaften dialogisch lernend, freiheitlich und lebensfreundlich entwickeln. So teile ich mit Ihnen und @Karl Bednarik die Begeisterung für neue Technologien – halte jedoch daran fest, dass wir auch die emotionalen und künstlerischen, religiösen und spirituellen Aspekte des Menschseins – wie etwa auch Bildung, Musik oder Fußball – in den Blick nehmen sollten. Technologie sollte nach meiner Einschätzung zur Entfaltung der Menschheit beitragen, sie aber nicht zu ersetzen versuchen. Ich verstehe sie als großartiges Werkzeug, aber nicht als Selbstzweck. Diesen verorte ich vielmehr in der Menschenwürde jeder einzelnen Person.

      Ihnen Dank für die immer wieder anregenden Kommentare, über die ich mich sehr freue!

      • @Michael Blume(Zitat): „So teile ich mit Ihnen und @Karl Bednarik die Begeisterung für neue Technologien “

        Ich bin selbst gar nicht so begeistert von Technologie und verbringe meine Zeit eher mit Literatur, Philosophie und vor allem der Analyse dessen, was Menschen eigentlich wollen. Und etwas was alle Gesellschaften verbindet, sich entwickelnde und bereits Entwickelte, das ist das Streben nach Wohlstand, individueller Entfaltung, der Abwesenheit von Krankheit, von Stress, nicht befriedigender Arbeit, etc. um anstatt dessen ein längeres, gesünderes und aufregenderes Leben zu führen.
        In meiner Jugend gab es Frauenzeitschriften, die sich den Adligen und Prominenten widmeten und heute hat sich diese Orientierung nach oben auf alle Schichten, auch die Gebildeten, ausgedehnt. Ein wichtiger Teil des Denkens der politisch Aktiven und breiter Schichten der Bevölkerung dreht sich nun um die reicheren Schichten, die Tech-Bros, usw. und es gibt keinen Zweifel daran, dass sehr viel Neid dabei ist und praktisch breite Schichten der Gesellschaft sich das Luxusleben wünschen, das es dort gibt oder geben soll. Zunehmender Wohlstand und Befreiung von der Arbeit, eine bessere Medizin, aufregendere Freizeitbeschäftigungen und bessere und mehr Reisedestinationen ist das was sich die Menschen wünschen und es ist das, was die zukünftige Technologie bereitstellen kann und die Alternative die den „unteren“ Schichten immer wieder angeboten wird, nämlich die Umverteilung, ist gar keine wirkliche Alternative, weil die wirklich reichen Schichten gar nicht so gross sind und weil zudem die Umverteilung nichts Neues schafft. Dieses neue, wie etwa Technologien um das Leben zu verlängern, kommt letztlich von technologischen Fortschritten.

        Übrigens: Ein wichtiger, vielleicht sogar der wichtigste Grund für den Verzicht auf Kinder ist der, dass er gefühlt mit einem Verzicht auf Wohlstand einher geht.

        • Herzlichen Dank, @Martin Holzherr – und klares Ja: Kinder sind der praktisch einzige „Vertrag“, der sich nicht mehr rückgängig machen lässt. Ehen lassen sich scheiden, Häuser wieder verkaufen – aber Kinder kosten Jahre und Jahrzehnte. Wer in ihnen daher nur innerweltliche Werte sehen wird, wird sich logisch häufiger gegen sie entscheiden.

          In der Demografie nennen wir dies die „Value Of Children (VOC)“-Theorie, die gerade auch am Beispiel der Türkei sehr gut erforscht werden konnte:

          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-anthropodizee-frage-wer-himmel/

          So konnte mit Kindern – vor allem Söhnen – auf dem Land noch die Altersversorgung sichergestellt werden – in Städten kosten dagegen Bildung, Mieten usw. so viel, dass Kinder zum wirtschaftlichen Verlustgeschäft, bisweilen gar zum Luxus werden. Immer weniger Menschen „leisten“ sich mehrere davon. Und verebbende Demografie führt dann zum Nachfrageeinbruch und zur Deindustrialisierung.

          Na und? Die biokulturelle Evolution geht weiter – und solange die Freiheit und Menschenwürde aller gewahrt werden kann, soll es mir Recht sein. Eine Menschheit mit „nur noch“ zwei oder drei Milliarden Personen in lebendigen Solarpunk-Arche-Regionen inmitten einer stabilisierten, lebendigen Mitwelt sehe ich nicht als Horrorvision. Ich beobachte das Ganze menschlich und wissenschaftlich interessiert, aber auch ohne Panik.

  15. @Michael 03.02. 22:58 / 23:05

    „Es kann m.E. schon gelingen, aber einfach wird es nicht, denn die säkularen und fossilen Verheißungen vermeintlich ewigen Wachstums sind nicht einfach zu überwinden.“

    Wenn der Wohlstand weiter wächst, aber nur die Arbeit knapp wird, geht es ja noch. Wenn dann die KI und Roboter die fehlenden Steuern zahlen, gibt es wenig zu meckern. Aber das muss ja kein politisches Programm sein, es reicht doch schon, wenn KI und Roboter den Arbeitsmarkt erobern.

    Die Politik muss das dann nur noch vernünftig verarbeiten.

    „Ich verstehe sie als großartiges Werkzeug, aber nicht als Selbstzweck. Diesen verorte ich vielmehr in der Menschenwürde jeder einzelnen Person.“

    Naja, wer KI und Roboter einsetzt, will damit meistens Geld verdienen. Das ist kein Selbstzweck. Höchstens Systeme mit echtem Innenleben könnten tatsächlich auch Selbstzweck wie unsere Menschenwürde haben.

    Jetzt hatte ich einen Artikel gelesen:

    https://www.spektrum.de/news/ki-durch-vibe-coding-wird-jeder-zum-programmierer/2307862

    Da steht: „Claude Code würde mittlerweile etwa 90 Prozent seines eigenen Programmcodes schreiben.“

    Sieht erstmal sehr gut danach aus, dass FOSS für alles greifbar wird. Und selbst kostenlos wird, nur noch die Hardware kostet Geld. So übernehmen nicht nur KI und Roboter immer mehr Arbeit, sie werden auch noch immer billiger. Selbst ausgereifte berufliche Kompetenzen aller Art für humanoide Roboter wären dann in FOSS und praktisch kostenlos. Nur die Geräte selbst kosten.

    Kinderreichen Solarpunk kann ich mir damit ziemlich gut vorstellen. Zumal die KI und komplett alles in FOSS doch auch die unselige destruktive Wirkung der asozialen Netzwerke beenden könnte. Je besser und einfühlsamer eine offene und transparente KI mit uns Menschen umgeht, desto eher werden immer mehr Leute lieber die KI was fragen, als sich Socialmediabeiträge von geringer Qualität anzutun?

    Vor allem wenn beides direkt nutzbar und ziemlich kostenlos zu haben ist. Da sind echte Bildungswelten zu erarbeiten, und dabei sehr schön auf das Niveau der konkreten Menschen zugeschnitten. Da kann man richtig gut Zeit investieren, wenn wir weniger arbeiten müssen. Neben mehr Zeit für Kinder und einem durchgreifenden ökologischen Umbau inclusive einer kompletten Energiewende.

    • Herzlichen Dank, @st3fan – ich bin auch wirklich sehr froh, dass dieser Blogpost hier, auf Mastodon und inzwischen sogar in der Politik reges Interesse gefunden hat und vielfach diskutiert wird. Mir ist vor allem wichtig, dass nach der langen Dominanz angebotsorientierter Ökonomie endlich auch wieder die Nachfrageseite und also auch die Demografie gesehen wird. Ein schrumpfendes Volk – wie das japanische, italienische oder eben deutsche – kann logischerweise nicht dauerhaft volkswirtschaftliches Wachstum hervorbringen. Eine verebbende Demografie führt unweigerlich zu Deindustrialisierung.

  16. @Martin Holzherr 05.02. 11:11

    „..aufregendere Freizeitbeschäftigungen und bessere und mehr Reisedestinationen ist das was sich die Menschen wünschen“

    Mit Zelt und Fahrrad unterwegs zu sein ist da schon ganz gut. Das braucht Zeit und Muskelkraft, aber ist kaum teurer als zuhause zu bleiben. Oder hier diskutieren, das kostet auch rein gar nichts. Und erkundet Geisteswelten.

    „Übrigens: Ein wichtiger, vielleicht sogar der wichtigste Grund für den Verzicht auf Kinder ist der, dass er gefühlt mit einem Verzicht auf Wohlstand einher geht.“

    Da hatte ich auch schon mal dran gedacht. Je höher der erzielbare Wohlstand ist, desto mehr konkurrieren Kinder direkt damit. Das Vergnügen mit den Kindern bleibt gleich, aber immer mehr kann man sich von dem Geld leisten, wenn man es statt für Kinder dann lieber für Konsum ausgibt.

    Die Konsequenz wäre einerseits, dass hier dann finanzielle Unterstützung von Familien wirklich helfen würde. Und andererseits, sich selber klar zu machen, dass man diesen Konsum nicht wirklich braucht, und sich dann persönlich doch lieber für Kinder zu entscheiden.

    • @Tobias Jeckenburger (Zitate)
      Je höher der erzielbare Wohlstand ist, desto mehr konkurrieren Kinder direkt damit. “

      „Und andererseits, sich selber klar zu machen, dass man diesen Konsum nicht wirklich braucht, und sich dann persönlich doch lieber für Kinder zu entscheiden.“

      Ja, beide Zitate zusammen ergeben die wirkliche Wahrheit: es ist nicht allein der Wohlstand, sondern zusätzlich auch die Peergroup, in der man sich bewegt, die den Kinderwunsch bestimmen. Mit Peergroup meine ich die gleichartigen Menschen mit denen man sich trifft und deren Leben und Lebenswünsche man teilt. Und in der heutigen urbanen Welt haben eigentlich alle Menschen der arbeitenden Bevölkerung als Hintergrund und Lebensbegleitung das, was man Karriere nennt und was verallgemeinert bedeutet, dass heute alle nach einem gewissen Fahrplan leben, einem Fahrplan der vom Kindergarten über die Ausbildung bis in den Beruf und sogar die Freizeit reicht. Und in diesem Fahrplan haben Kinder immer weniger Platz, denn Kinder zu haben würde bedeuten den ICE zu verlassen und weiterzufahren mit einem heruntergekommenen Bummelzug, der überall hält und irgendwo in der Pampa seine letzte Haltestelle hat.

  17. @Michael 05.02. 06:42

    „– post-fossilen Energien & FOSS-KI-Technologien
    – Demokratie, Bildung & Wissenschaft
    – dialogisch verbundener, auch religiöser Vielfalt und Lebensbejahung“

    Das müsste es sein. Und wäre ein Ettapenziel, das vorerst reicht. Danach kann das Leben ziemlich entspannt in seiner Fülle gedeihen.

    Weitere Erkenntnisse insbesondere der Astronomie, wie auch Projekte entsprechenden Erkundungen, wären neue Horizonte, die das Leben nehmen kann.

  18. @Martin Holzherr 05.02. 16:24

    „Und in diesem Fahrplan haben Kinder immer weniger Platz, denn Kinder zu haben würde bedeuten den ICE zu verlassen und weiterzufahren mit einem heruntergekommenen Bummelzug,…

    So sieht offenbar die Gegenwart aus. Zweierlei könnte hier aber helfen:

    1. Dass auch die Väter Erziehungsurlaub nehmen müssen, und sich dann auch an Kinderbetreuung und Haushalt beteiligen können bzw. sollten. Das würde der Benachteiligung der Mütter in der eigenen Karriere entgegenwirken. Und das wäre eine Maßnahme ohne zusätzliche Kosten.

    2. Sollte sich eine Wirtschaftsschrumpfung eben aus dem Kindermangel ergeben, aber auch wegen KI und Robotern, dann ist hier doch Luft im System. Dann können auch Arbeitgeber eher gut damit leben, wenn ihre Mitarbeiter erziehungsbedingte Teilzeit machen wollen.

    Überhaupt schadet das dann nicht mehr der Wirtschaft so wie jetzt, wo überall qualifizierte Mitarbeiter knapp sind.

    Und dann kann man natürlich Familien auch mehr fördern, mit Geld und Unterstützungsangeboten.

    Wieviel das dann wirklich bringt, ist freilich unklar. Ich meine, man sollte darüber nachdenken, das mal zu versuchen.

    • @Tobias Jeckenburger: Im besten Szenario führen KI&Roboter nicht zu einer Wirtschaftsschrumpfung, sondern zu neuem Wirtschaftswachstum, denn Wirtschaftsschrumpfung würde zu Arbeitslosigkeit führen.

      KI&Roboter arbeiten, Menschen überwachen und kommunizieren
      Das beste Szenario sieht so aus: KI&Robotik führen zu BIP- und Einkommenswachstum und Menschen geben ihre bisherige Arbeit weitgehend an KI&Roboter ab, überwachen aber dafür die Roboter und die Abläufe und bilden eine Art Schnittstelle zwischen Kunden und der automatisierten Arbeitswelt. Dieser Aufgabenwechsel bei der menschlichen Arbeit erlaubt aber auch mehr Freizeit und mehr Teilzeitarbeit. Es könnte normal werden, dass man nur noch 2 bis 3 Tage arbeitet und die Arbeit zudem völlig stressfrei wird. Das würde dann auch das Kinderhaben und kinderreiche Familien begünstigen.

      Kurzum: Im schlimmsten Fall führen KI&Roboter zu einkommensloser Arbeitslosigkeit, im besten Fall zu mehr Freizeit mit anderen Aufgaben für menschliche Arbeiter.

  19. Hallo Herr Blume.
    Ihr Experiment mit Felo (siehe weiter oben)
    hat ein sehr gutes Ergebnis geliefert.
    Nur noch einige Nachbemerkungen zu der Aussage, dass
    selbstreproduzierende Maschinen „auf der gleichen Ebene
    wie Aliens, Engel und andere überempirische Akteure“ stehen.
    1.) Dass ein Roboter einen Roboter bauen soll, das ist sehr
    unpraktisch gedacht. Natürlich werden hunderte Roboter auf
    Fließbändern und Maschinen hunderte Roboter bauen.
    Diesen technologischen Stand haben wir längst erreicht.
    Die Rückkopplung besteht nun darin, dass die Roboter
    auch die Fließbänder und die Maschinen bauen.
    2.) Dass die Roboter menschenähnlich aussehen sollen, das
    trifft nur auf einen kleinen Teil davon zu. Die meisten
    Roboter werden wie irgendwelche Geräte oder Maschinen aussehen.
    3.) Dass die Roboter Größen im Meterbereich haben sollen,
    das ist nicht notwendig. Mikromaschinen und Nanomaschinen
    bieten viele nützliche Fähigkeiten und Vorteile.
    (Richard P. Feynman, 1959, „There’s Plenty of Room at the Bottom“,
    „Ganz unten ist eine Menge Platz“, „Viel Spielraum nach unten“.)
    4.) Wenn die Roboter alle Produkte für alle Menschen herstellen,
    dann handelt es sich eigentlich nicht um eine Deindustrialisierung.

    • @Karl Bednarik zum Verhältnis von KI&Humanoiden

      Es gilt: Massenfabrikation ist am effizientesten ohne humanoide Roboter, ja am effizientesten ohne Roboter überhaupt. Statt dessen sollte in der Massenfabrikation alles so aufeinander abgestimmt sein, dass nur noch Teile zusammengefügt werden und es eine speziell dafür gefertigte Werkbank gibt, die aber für jedes Produkt wieder anders aussehen muss. Zukünftige KIs könnten vielleicht selbstständig solche optimierte Fabriken für Einzelprodukte entwerfen und bauen lassen.

      Humanoide Roboter sind ideal als Butler, Helfer im Haushalt, robotische Krankenpfleger, robotische Ärzte und ähnliche Tätigkeiten, wo die menschliche Gestalt eine wichtige Rolle spielt.

      • Hallo Herr Holzherr.
        Zustimmung. Genau das war mit Punkt 2.) gemeint.
        Eine vollautomatische Werkbank ist ja ein Roboter,
        wenn sie von einer KI gesteuert wird.
        Zum Bauen und Reparieren der Werkbank benötigt man
        auch noch andere Roboter mit anderen Fähigkeiten.
        —–
        Zu Punkt 1.): Streng genommen ist erst die Gesamtheit
        der Roboterfabrik ein selbstreproduzierendes System.
        Die Investition in eine Roboterfabrik könnte ein
        Staat leisten, um die bedingungslose Grundversorgung
        seiner Bevölkerung sicherzustellen.
        —–
        Zu Punkt 3.): Die Investition in die Roboterfabrik
        wäre viel geringer, wenn man sie aus Mikromaschinen
        bauen würde. Dazu benötigt man nur einen
        programmgesteuerten Mikromanipulator, so ähnlich,
        wie es Richard P. Feynman vorgeschlagen hat.
        —–
        Der negative Utilitarismus ist keine Glaubensrichtung,
        sondern eine Verhaltensempfehlung.
        Der technische Optimismus sagt nur, dass die Zukunft
        gut wird, wenn man die Technik gut anwendet.
        Wenn man das nicht macht, dann wird die Zukunft
        weniger gut.
        Das widerlegt den technischen Optimismus aber nicht.

  20. Wir Menschen scheinen auf vielen Ebenen die Grenzen des Wachstums weit überreizt zu haben. Logischerweise brauchen wir nun zur Überlebensfähigkeit suffizientes Handeln. So lange, bis die globale Mitwelt wieder ein stabiles Gleichgewicht erreicht. Danach können wir zu einer bewahrenden Konsistenz übergehen. Die kann und soll auch dynamisch sein und nachhaltiges Wachstum enthalten.

    Libertärer Kapitalismus (kann das so ausgedrückt werden?) ist eine weit verbreitete Ideologie. Die wenigsten deren Anhänger:innen können weiterhin davon profitieren. Aber der Glaube der Restlichen ist tief verwurzelt und wird von den Profitierenden gestärkt.

    Wie können wir unter Bewahrung von Demokratie die Gesellschaft(en) auf den richtigen Weg bringen? Wie können diese idealistischen Menschen eine neue Perspektive erlangen?

    Wenn wir diese Fragen nicht positiv beantworten können, scheinen Barbarei und Krieg unvermeidlich zu sein.

    • Herzlichen Dank für den klugen und zum Dialog einladenden Kommentar, @Hui Haunebuh 🙏

      Ich stimme zu, dass wir Menschen durch den Fossilismus „auf vielen Ebenen die Grenzen des Wachstums weit überreizt“ haben. Und wir haben dabei unfassbar viele Kosten auf unsere Mitwelt und unsere Mitmenschen externalisiert und massives Leid und Zerstörung über die gemeinsame Welt gebracht. Gleichzeitig wurden aber auch enorme Fortschritte im Bereich der Technologien, Kulturen und des Rechts erzielt – Menschenrechte und Menschenwürde wurden vielerorts zur Grundlage rechtsstaatlicher Demokratien.

      Zu den vielen Folgen des Fossilismus gehört freilich auch die Atomisierung menschlicher Gemeinschaften – insbesondere von Familien und Religionsgemeinschaften. Das Ergebnis erleben wir nun als einen weltweiten Absturz der Demografie und eine massive Zunahme von Rechtsmimesis.

      Bewusst habe ich dafür das Beispiel Japan angeführt, da es auch eine hoch industrialisierte Demokrate ist, aber bereits länger und noch viel schneller demografisch schrumpft als Deutschland. Und auch dort beschleunigt die Digitalisierung eine massive Rechtsmimesis, von der auch eine rechtsextreme, rassistische und antisemitische Partei profitiert:

      Ausländerfeindlichkeit in Japan trotz niedrigem Ausländeranteil ein Wahlkampfschlager

      Japan steht vor einer bedeutsamen Wahl, doch nicht Wirtschaft, Klima oder Digitalisierung bestimmen die Debatten – sondern das Thema „Ausländer“.

      Das mag auf den ersten Blick überraschen: In kaum einem Industrieland ist der Anteil an ausländischer Bevölkerung so gering wie in Japan. Nur rund drei Prozent der Einwohner sind keine japanischen Staatsbürger. Dennoch wird rund um die Oberhauswahl im Juli 2025 mit einer auffälligen Schärfe gegen Ausländer mobilgemacht – sowohl von rechten Oppositionsparteien als auch zunehmend aus dem Regierungslager.

      https://www.sozial-wissenschaft.de/politikwissenschaft/auslaenderfeindlichkeit-in-japan-trotz-niedrigem-auslaenderanteil-ein-wahlkampfschlager.html

      Auch ich sehe das als Besorgnis erregend – und gleichzeitig aber auch als eine Systemkorrektur. Eine deutlich kleinere Menschheit könnte friedlicher und besser in Solarpunk-Arche-Regionen überleben – und zugleich wären schon jetzt mehr junge, auch gut ausgebildete und zukunftsorientierte Menschen ein Gewinn, um diesen Wandel zu gestalten. Deswegen bin ich nicht gänzlich pessimistisch und vor allem nicht misanthrop (menschenfeindlich) gestimmt. Im biokulturellen Evolutionsprozess ist jedes Menschenkind eine einzigartige Botin in und aus der Zukunft. Ich freue mich sehr über jedes unserer Kinder und bin der Meinung, dass wir die junge Generation unterstützen und ermutigen sollten, das 21. Jahrhundert zu einer Mitwelt-Wende zu gestalten. Die Herausforderungen sind enorm, aber die Chancen erscheinen mir als sogar noch größer.

  21. Danke für Deine zuversichtlichen Worte. 🙂

    Sehr gute Erklärungen für die aktuelle Misere haben wir. Doch es bleibt bei der Frage: Wie können wir noch mehr Menschen die Augen öffnen, sie aus der Geißel von lügnerischen Geschichten und zerstörerischer Ideologie befreien?

    Du tust dafür schon viel und ich versuche das zu verstärken.

    Doch gibt es noch mächtigere Hebel?

    Sorry, ich drehe mich im Kreis.

  22. @Martin Holzherr 06.02. 09:23

    „Es könnte normal werden, dass man nur noch 2 bis 3 Tage arbeitet und die Arbeit zudem völlig stressfrei wird. Das würde dann auch das Kinderhaben und kinderreiche Familien begünstigen.“

    Zwischen Arbeitslosigkeit und Arbeitskräftemangel ist immer ein Optimum genau dazwischen. Nicht nur Automatisierung kann über Konsumverbilligung ein Genug für viele werden, auch wenig Kinder wirken so, wie auch weniger Zuwanderung.

    Entsprechend wäre es aus meiner Sich ideal, wenn viele Menschen Teilzeit arbeiten wollen, weil sie so auch noch genug verdienen. Insbesondere eine Konsumzurückhaltung kann das fördern. Und dann ist wieder Luft für mehr Kinder, möglicherweise.

    @Michael 06.02. 09:17

    „Eine deutlich kleinere Menschheit könnte friedlicher und besser in Solarpunk-Arche-Regionen überleben – und zugleich wären schon jetzt mehr junge, auch gut ausgebildete und zukunftsorientierte Menschen ein Gewinn, um diesen Wandel zu gestalten.“

    Überleben, und gut dabei leben, dass braucht m.E. nicht unbedingt wachsende Regionen, die Zuwanderer anziehen und so zu steigenden Mieten und Immobilienwerten führen. Wer das haben will, der soll es versuchen.

    Mir wäre ein moderat schrumpfendes Dortmund mit sinkenden Mieten aber auch recht. Und mit kürzeren Arbeitszeiten und einem Sammeltaxisystem auf Basis von selbstfahrenden E-Autos und damit auch erheblichen Kosteneinsparungen. Gerne dann zügig hier die Energiewende komplett machen mit PV auf allen geeigneten Flächen und vernünftigen Fernheizungsnetzen mit Großwärmepumpe und Universalgasmotor.

    Spätestens wenn dann die Geburtenraten doch wieder steigen, wird der weitere Verfall auch aufgehalten. Bis dahin darf es aus meiner Sicht gerne etwas weniger sein.

    „…dass wir die junge Generation unterstützen und ermutigen sollten, das 21. Jahrhundert zu einer Mitwelt-Wende zu gestalten.“

    Das ist es auch, worauf es ankommt. Ob wir im Jahr 2100 lieber 8 oder 6 Milliarden Menschen zu versorgen haben wollen, ist derzeit nicht ganz klar. Und wo die dann praktischerweise leben, auch nicht.

  23. @Martin Holzherr

    Ich stimme extrem stark mit Ihren Sichtweisen, was die technologische Entwicklung betrifft überein. Sogar ihr „Faible“ für China teile ich.

    China hat sich selbst über die Geburtenrate stark „beschränkt“. In den 1950er Jahren befürchtete „die halbe Welt“, Chinesen würden die Welt „überschwemmen“. Fürchterliche Krieg drohen. Da haben die Chinesen völlig rational gehandelt, obwohl man z.B. in Vatikanischen Kreisen der Ansicht war, derartiges wie eine Geburtenrate, wäre nicht realistisch künstlich regelbar….

    Japan blieb vorher, wegen der extremen Bevölkerungsdichte auf der Insel, nichts anderes übrig, als zu versuchen Festland (Mandschurei, Pearl Harbor) zu erobern. Mit schrecklichen Folgen, letztlich 2 Atombomben…. Vermutlich hat dieses kollektive Trauma die Rückgänge in der Geburtenrate verursacht.

    Ähnlich wie bei uns. Nach dem Krieg meinte meine Oma sarkastisch, als sie mich beaufsichtigte und auf die vielen spielenden Kinder gesehen hat, „die Mütter müssten wieder fest Kinder aufziehen, damit die hohen Herren wieder genug Kanonenfutter für ihre Kriege haben“. Mehr hat sie nicht gebraucht. Wer so etwas sagt, „gehört weg“….

    Würden die Chinesen die Taiwanfrage „würdevoll“ für Taiwan, lösen, akzeptieren dass sie unabhängig bleiben wollen, so wären sie wirklich „Vorbild für die ganze Welt“. China und Taiwan könnten die Vorteile beider Welten friedlich, kooperativ und freundschaftlich vereinen.

    Das Problem der vielen arbeitslosen Jungakademiker in China, die mit Essen zustellen und von Ihren Eltern leben müssen, sollte mit „verfeinerten Steuerungsmechanismen“ lösbar werden.

    Technokraten sollten verstärkt auf Psychologie setzen….

    • @Realo (Zitat): „Japan blieb vorher, wegen der extremen Bevölkerungsdichte auf der Insel, nichts anderes übrig, als zu versuchen Festland (Mandschurei, Pearl Harbor) zu erobern.“
      Das gleiche gilt ja wohl für die Deutschen, gemäss Hitler ein „Volk ohne Raum“, das sich den Raum, das Land im Osten holen müsse und das die Slawen versklaven und ihr Land übernehmen müsse.
      Meine Behauptung dazu: Es gab 1930 weder in Deutschland noch Japan zu viele Menschen (das heutige Japan und heutige Deutschland hat nämlich bei weit grösserem Ressourcenverbrauch immer noch gleich viel Menschen wie 1930). Vielmehr war das „Volk ohne Raum“ eine Erzählung, ja eine Propaganda, welche den Japanern und Deutschen das Gefühl gab, bei der Eroberung und Unterwerfung fremder Länder ginge es um eine Überlebensfrage für Deutschland oder auch Japan. Darum ging es nicht. Es ging in beiden Fällen, also im japanischen wie deutschen Expansionismus und Imperialismus vor allem darum sich imperiale Macht anzueignen und in Zukunft den Lauf der Dinge in den beherrschten Gebieten zu bestimmen.

      Ich habe übrigens kein Faible für China, sondern bin zu folgender sehr einfachen Erkenntnis gekommen: Heute sind es immer recht wenige Menschen, die mit ihrer überragenden Bildung, Intelligenz und Ambition sehr viel bewegen können, indem sie die Chancen erhalten ihre Ideen zu realisieren. Hier in Deutschland sagt man diesen Menschen mit guter Bildung und herausragenden Fähigkeiten, sie würden nicht gebraucht, sie trügen ja nichts zum Bestehenden bei und wenn sie es nicht lassen könnten mit ihrem Tatendrang, dann sollten sie doch bitte ins Silicon Valley gehen und dort ihre Tech-Fantasien ausleben. Ganz anders in China: Dort wird den vielen sehr gut ausgebildeten und fähigen Ingenieuren und Wissenschaftlern gesagt, sie sollten ihre Ideen doch bitte realisieren, sie erhielten jede denkbare Unterstützung dafür.
      Übrigens: Sowohl in China wie den USA lebt die Mehrheit sehr unspektakulär und fühlt sich ziemlich machtlos und ausgeliefert den aktuellen Entwicklungen wie Inflation, steigende Arbeitslosigkeit, etc. Aber es sind in beiden Fällen der recht schmale HiTech-Sektor, der sowohl die USA wie China vorwärts bringt und der beiden internationalen Einfluss bringt, im Fall der USA stammt dieser Einfluss von der Beherrschung der digitalen Sphäre, in China von der Beherrschung der Fabrikation hochwertiger Güter, zunehmend aber auch von der Beherrschung der digitalen Sphäre.

  24. @Realo 07.02. 10:27

    „Das Problem der vielen arbeitslosen Jungakademiker in China, die mit Essen zustellen und von Ihren Eltern leben müssen, sollte mit „verfeinerten Steuerungsmechanismen“ lösbar werden.“

    Warum es komplizierter machen,, als es ist? Einfach die Arbeitszeiten reduzieren, und schon passt das doch. Auch wenn dann geübte kompetente Arbeitskräfte weniger arbeiten als sie können, zugunsten von jungen Berufsanfängern.

    Und schon hat man sogar wieder Zeit für mehr Kinder, und die lösen dann selbst einen Teil des Umsatzproblems und erzeugen neue Nachfrage.

    Wenn unsere Demokratien sich mit Arbeitszeitverkürzungen schwer tun, das kennt man schon. Das auch die chinesische Autokratie damit nicht so gut klar kommt, wundert eigentlich. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden.

  25. Du schreibst im einen Satz etwas unstreitig (in meinen Augen) Richtiges:

    Familien und Religionsgemeinschaften wurden durch Fossilismus & Medien zerblasen

    und schiebst direkt einen Satz hinterher der das Problem den säkularen Menschen in die Schuhe schiebt, ohne Dir das explizit als Absicht unterschieben zu wollen:

    Wie lässt sich diese dramatisch schnelle, säkulare Geburtenimplosion erklären?

    Ist das so einfach? Ist dei Geburtenimplosion (die ja nicht bestreitbar ist) ein Problem von Säkularität?
    Dann wäre die Lösung ja einfach: Wir zwingen die Menschen zu mehr Religiösität und schon ist alles in Butter. Oder manipulieren sie entsprechend.
    So aus meiner persönlichen Perspektive finde ich as nicht so einfach.
    Die Zahlen geben zunächst tatsächlich her, das säkularere Gemeinschaften im Regelfall niedrigere Geburtenraten haben. Aber ist der Zusammenhang so einfach?
    Mein Lieblingsbeispiel dazu ist folgendes: Wir stellen aus der Coronapandemie mal die beiden Kurven „Anzahl der Impfungen“ und „Sterbefälle“ nebeneinander.
    Als rechtsmimetischer libertärer Leerdenker stelle ich die Kurve mit den Impfzahlen nach vorne und die Sterbefälle dahinter und schlussfolgere messerscharf: Mehr Impfungen -> mehr Tote also weg damit da ja offensichtlich die Impfungen die Toten verursachen. Impfen tötet.
    Jetzt kommt einer von den linken Spinnern wie ich daher und stellt die Kurven anders herum auf. Meine spinnerte Schlußfolgerung: Kaum kratzen mehr Menschen ab, schon rennen auch die rechtsextremen Spinner und Spalter zur Impfung. Impfen wirkt.
    Jetzt bringt natürlich weder religiös sein einfach mal so Menschen um obwohl es die Taliban gibt (einfach als griffiges für die meisten bekanntes Beispiel) noch atheistisch sein (auch wenn man mit dem Stalinismus ein schön plastisches Beispiel hat).
    Grundlegend für Kinderreichtum in religiösen Gemeinschaften sind doch bestimmte Wertvorstellungen.
    Welche Wertvorstellungen müssen wir also etablieren um das Verblassen und Verebben zu verhindern ohne den Menschen jetzt als einfache Lösung Religion aufzuzwingen?
    Denn das ist ja der Schkuss den Rechtslibertäre gerne aus Deinen (richtigen) Zahlen ziehen. Was man ja nicht Dir vorwerfen kann oder muss. Oder sollte oder so.
    Zahlen sind Zahlen und haben keine Werte (ausser dem Zahlenwert 😉 ).
    Aus meiner persönlichen Sicht: Was unterscheidet mich als ziemlich offensichtlich Linken (ich hätte trotz meiner säkularen Vorstellungen gerne trotzdem noch ein drittes oder auch viertes Kind „genommen. Ist aus biologisch-medizinischen Gründen die konkrete psychologische und soziale Konsequenzen hatten, nicht so gekommen) von den kinderfeindlichen Linken?
    Und umgekehrt: Was verbindet die ohne Zweifel religiösen kinderfeindlichen Menschen in Laach damals, für die meine Eltern mit zwei Kindern schon „asozial“ (ich mag diesen Nazi Begriff wirklich nicht, aber so war die Aussage damals nun mal …) waren und die man deshalb nicht als zB als Mieter haben wollte mit den kinderfeindlichen Säkularen?
    Wenn ich also in einer Gesellschaft leben möchte, die sowohl religiösen als auch areligiösen Menschen das gleiche Existenzrecht zubilligt (und das möchte ich. Warum sollten mich die religiösen Vorstellungen von anderen Menschen belasten solange die daraus keine Rechte ableiten in mein Leben rein zu pfuschen? Und umgekehrt? Wir haben doch alle nur so wenig davon … ), was muss ich tun und welche Werte etablieren damit jeder sein Leben zufrieden leben kann UND sich die Menschen nicht einfach sich durch Aussterben als Problem erledigen? 🙂

    • Herzlichen Dank für Deinen dialogisch und wunderbar tiefen Kommentar, @Uli Schoppe 🙏

      Ich habe mich darüber so sehr gefreut, dass ich gerade den Computer angeworfen habe, um Dir gleich und in gebotener Tiefe antworten zu können.

      Du bohrtest nach:

      Du schreibst im einen Satz etwas unstreitig (in meinen Augen) Richtiges:

      Familien und Religionsgemeinschaften wurden durch Fossilismus & Medien zerblasen

      und schiebst direkt einen Satz hinterher der das Problem den säkularen Menschen in die Schuhe schiebt, ohne Dir das explizit als Absicht unterschieben zu wollen:

      Wie lässt sich diese dramatisch schnelle, säkulare Geburtenimplosion erklären?

      Ist das so einfach? Ist die Geburtenimplosion (die ja nicht bestreitbar ist) ein Problem von Säkularität?
      Dann wäre die Lösung ja einfach: Wir zwingen die Menschen zu mehr Religiösität und schon ist alles in Butter. Oder manipulieren sie entsprechend.
      So aus meiner persönlichen Perspektive finde ich as nicht so einfach.

      Und zunächst darf ich Dich beruhigen – ich habe sehr bewusst nicht von „nichtreligiöser Geburtenimplosion“ sondern von „säkularer Geburtenimplosion“ gesprochen und geschrieben, weil Säkularität „nicht“ (!) das Gegenteil von Religiosität ist.

      Säkularität ist ein Zeitbegriff und stammt vom lateinischen saeculum = Jahrhundert, Weltzeit. Wenn ein Mönch oder eine Nonne in den Weltstand zurückversetzt wurden oder wenn ein Kloster an einen weltlichen Herrscher gegeben wurde, wurde von „Säkularisierung“ gesprochen – also vom Versetzen des Menschen oder Gebäudes aus der Weihe in die Ewigkeit in die irdische Jeztzeit. Als nach der französischen Revolution zuerst in Frankreich und dann in Europa – gerade auch im heutigen Deutschland – auf Geheiß von Napoleon Bonaparte (1769 – 1821) massenhaft kirchliches Eigentum und Personal säkularisiert wurde, wurde daraus ein Begriff von Politik, Recht und Fortschrittsdiskurs – die Säkularisierung.

      Ja, viele gerade auch katholische Denker empfanden – und empfinden – dies als antireligiös. Doch viele jüdische, evangelische und humanistische Stimmen empfanden – und empfinden – dies auch als durchaus positiv. So begrüße ich als religiöser Christ und Demokrat beispielsweise die säkulare Übersetzung des Bibelverses 1. Moses 1,27 in die Konzepte von Bildung, Menschenwürde, Menschenrechten und Gewaltenteilung ausdrücklich. Ich befürworte eine säkulare Demokratie, weil erst diese uns allen die Freiheit über unsere Zeit und Werte gibt – einschließlich der Entscheidungen über Religiosität und Spiritualität.

      Denn aus meiner Sicht gilt das exakte Gegenteil Deiner Zuspitzung: „Wir zwingen die Menschen zu mehr Religiösität und schon ist alles in Butter. Oder manipulieren sie entsprechend.“

      Ich meine dagegen: Jede Religiosität, die durch Zwang oder Manipulation hervorgerufen würde, wäre gegenüber G’tt und Menschen unwürdig. Und wenn dies, wie von Dir hier – sicher ironisch – vorgeschlagen, sogar der Steigerung der Geburtenraten dienen würde, dann sogar in mehrfacher Weise: Wahre Liebe lässt sich nicht durch Zwang oder Manipulation herbeiführen.

      Stattdessen ist es aus meiner Sicht völlig legitim, empirisch anzuerkennen und auch normativ zu begrüßen: In einer säkularen Demokratie wird es immer wieder weniger Religiosität geben, die aber dafür freiwillig gewählt wird. In einer säkularen Demokratie wird es immer wieder weniger Kinder geben, die aber dafür freiwillig geboren wurden.

      Und das halte ich für einen enormen Fortschritt, den wir nach meiner Auffassung niemals aufgeben sollten! Eine religiös-autoritäre Ordnung, wie sie etwa in „The Handmaid’s Tale“ von Margaret Atwood entworfen hat, wäre auch aus meiner religiösen Perspektive eine absolute Dystopie!

      Lass es mich gerne zuspitzen: Ich freue mich dann über Gebete, wenn diese freiwillig gesprochen werden. Ich begrüße dann Geburten, wenn diese auf der freien Entscheidung der Mütter basieren. Wo Menschen mit Argumenten der Religion oder Demografie gezwungen oder manipuliert werden, wird nach meiner Auffassung die Würde G’ttes und der Menschen verletzt.

      Deswegen bin ich als Christ und Demokrat, als religiöser Mensch und Religionswissenschaftler gerne aus ganzem Herzen dual statt dualistisch: religiös UND säkular.

      Über die Fortsetzung unserer tiefen Dialoge würde ich mich freuen und danke Dir sehr, @Uli Schoppe! 🙏🙌

  26. @Martin Holzherr 08.02. 10:48

    „Vielmehr war das „Volk ohne Raum“ eine Erzählung, ja eine Propaganda“

    In den 30er Jahren waren die landwirtschaftlichen Erträge deutlich weniger als ab den 60ern. Das war damals schon ein Argument, das aber heute schon lange nichts mehr zählt. Die EU hat seit den 70ern Überschüsse, die seitdem sogar Probleme machen. Eine Eingliederung der Ukraine mit ihren immensen Erträgen wäre eine erhebliche Herausforderung.

    Neben den heute sehr hohen Erträgen sind zusätzlich kaum noch Leute in der Landwirtschaft tätig, aufgrund von immer größeren Maschinen und Automatisierungen in den Ställen.

    Entsprechend gäbe es heute praktisch nichts zu gewinnen, wenn man Einfluss im Osten gewinnen wollte. Die Leute kommen von selber, um in Deutschland zu arbeiten, und landwirtschaftlich gibt es kaum noch was zu importieren.

    „dann sollten sie doch bitte ins Silicon Valley gehen und dort ihre Tech-Fantasien ausleben.“

    Oder an offener Software arbeiten? Das könnte zumindest die Welt sehr gut brauchen. Wie sinnvoll das Silicon Valley noch ist, das ist nicht mehr so eindeutig, scheint mir.

  27. @Michael 08.02. 14:59

    „Wo Menschen mit Argumenten der Religion oder Demografie gezwungen oder manipuliert werden, wird nach meiner Auffassung die Würde G’ttes und der Menschen verletzt.“

    Dem kann ich mich nur anschließen. Wenn eine Förderung von Familien (noch) nicht reicht, dann schrumpfen wir eben noch eine Weile. Das ist ja kein Weltuntergang.

    Spätere Zeiten können sich immer ergeben, auch welche mit viel Kindersegen.

    „…gerne aus ganzem Herzen dual statt dualistisch: religiös UND säkular.“

    Werbung für aufgeklärte Religiosität darf aber entsprechend erlaubt sein? Das kann ja nun auch funktionieren. Und das wäre ja auch nichts anderes als Meinungsfreiheit.

    • Herzlichen Dank, @Tobias Jeckenburger – und ich freue mich wirklich, dass wir auch in diesen interdisziplinären und tiefen Fragen durch Diaolog zu einem Konsens gefunden haben! 🙏🙌

      Du schriebst:

      Dem kann ich mich nur anschließen. Wenn eine Förderung von Familien (noch) nicht reicht, dann schrumpfen wir eben noch eine Weile. Das ist ja kein Weltuntergang.

      Genau so sehe ich das auch. Empirisch lässt sich feststellen, dass noch keine nichtreligiöse Philosophie eine ausreichend überzeugende Antwort auf die Anthropodizee-Frage gefunden hat. Aber erstens haben sich ja bereits jetzt unter den Bedingungen von Religionsfreiheit einige Religionsgemeinschaften mit ausreichend vielen Kindern entwickelt. Es gibt also nach meiner Einschätzung keine Grundlage für die Angst vor einem demografischen Aussterben der Menschheit. Und zweitens halte ich auch ein philosophisches „Dennoch“ zum Leben für denkbar und möglich, habe sogar einmal selbst dazu in der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart einmal einen Entwurf auf Basis von Karl Popper formuliert:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/dennoch-liberale-anthropodizee-nach-karl-popper/

      Spätere Zeiten können sich immer ergeben, auch welche mit viel Kindersegen.

      „…gerne aus ganzem Herzen dual statt dualistisch: religiös UND säkular.“

      Werbung für aufgeklärte Religiosität darf aber entsprechend erlaubt sein? Das kann ja nun auch funktionieren. Und das wäre ja auch nichts anderes als Meinungsfreiheit.

      Auch das sehe ich genau so: Wenn die Vielfalt und also Freiheit von Menschen gewahrt bleibt, können sie auch zukünftig bessere Erkenntnisse gewinnen und Varianten entfalten, als wir uns dies derzeit vorstellen können. Die katastrophale Geschichte des Sozialdarwinismus und der sog. Eugenik zeigt eindrucksvoll, in welche Abgründe überzogene Dystopien führen können, die auf eine Verleugnung der allgemeinen Menschenwürde hinauslaufen:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-menschenwuerde-aller-zwei-podcasts-nach-grafeneck/

      Daher halte ich ein dialogisches Vor-Leben sowohl von aufgeklärter Religiosität wie auch von demokratischer Zivilreligiosität für richtig und wichtig, um die bereits erzielten Fortschritte zu erhalten und weiter auszubauen. Dazu habe ich letztes Jahr die These formuliert:

      “Die unbedingte Menschenwürde mit gleichem Menschenrecht für alle bildet die gemeinsame Mitte aller aufgeklärten Religionen & demokratischen Zivilreligionen.”

      Für Dein großes und dialogisches Interesse danke ich Dir sehr, @Tobias!

  28. @ Martin Holzherr 08.02.2026, 10:48 Uhr

    Ich vermute, Ihnen ist es auch nicht entgangen, dass es praktisch seit Beginn der Menschheit immer wieder Kriege gab. Meistens ging es um Territorien oder Ressourcen (auch Versklavungen), die Begehrlichkeiten generiert haben.

    Anfangs wurden Krieg mit Faustkeilen geführt, jetzt mit A, B, C- Waffen. Das macht einen gewaltigen Unterschied. Man sollte aufhören Kriege zu führen….

    Es heißt, dass angeblich auch Geisteskrankheiten der Anführer, oder Besäufnisse…. eine Rolle gespielt haben könnten. Manche meinen auch, dass Kriege eine „Auslesefunktion“ haben.

    Auf folgende Fakten sollten wir uns einigen:
    Die Bevölkerungsdichten (aus dem Internet) haben sich 1930 ungefähr wie folgt verhalten:
    Russland: 6, USA: 13, Japan: 170, China: 50, Deutschland: 130, Frankreich: 75, England: 300

    Dabei fällt auf, dass die „dünn besiedelten“ USA (Lebensstandard) und Russland (Bodenschätze) besondere „Anziehungskraft“ (auf Menschen) haben. In Amerika wandern die Leute einfach ein, ohne sich um die Gesetzeslage zu scheren…. Was mit Japan geschehen ist, brauche ich nicht mehr zu erwähnen….

    Russland wurde bekanntlich von Napoleon, Hitler und zuletzt von der Natoerweiterung „heimgesucht“. Selbstverständlich hat es, gemäß unserer „Sprachregelung“, die Nato „nur gut gemeint“, wollte nur dass die Russen an den „westlichen Werten genesen dürfen“….

    Beide (Amerika und Russland) sind „Brüder im Geiste“ weil sie Gefahr laufen, überrannt oder abgezockt zu werden, beide haben sich viele Atombomben zugelegt und ehemals gegen Hitler erfolgreich kooperiert, obwohl die Russen Kommunisten waren.

    Bezüglich der „Volk ohne Raum Erzählung“, zitiere ich Herrn Jeckenburger:

    „In den 30er Jahren waren die landwirtschaftlichen Erträge deutlich weniger als ab den 60ern. Das war damals schon ein Argument, das aber heute schon lange nichts mehr zählt. Die EU hat seit den 70ern Überschüsse, die seitdem sogar Probleme machen. Eine Eingliederung der Ukraine mit ihren immensen Erträgen wäre eine erhebliche Herausforderung.“

    Im Imperialismus geht es darum, sich imperiale Macht anzueignen und in Zukunft den Lauf der Dinge in den beherrschten Gebieten zu bestimmen. Natürlich um Ressourcen abzuschöpfen und das ist eine Binse.

    Dass die Chinesen (so um 1980) die besten und ehrgeizigsten Studenten ihres Milliardenvolkes, z.B. nach Deutschland zum Studium geschickt haben, hat mir ein Dozent erzählt.

    Ich meine, Deutschland ist wegen der Leistungen in der Vergangenheit durchaus berechtigt, zu einem Hochlohnland geworden und das hemmt jetzt die Entwicklung. Kohle und Stahl haben das gefördert. Die „Kohlezeit“ ist vorbei, Stahl wird in den Billiglohn Ländern gefördert. Ehemalige „Hochlohnländer“ haben „wenn ihre Zeit abgelaufen ist“ Probleme, z.B. Argentinien…. GB,….

    Ich nehme an und das habe ich gemeint, worin wir besonders übereinstimmen, ist der Hightech-Sektor, in dem ich früher auch selbst gearbeitet habe. Das „hungrige China“ hat die Chancen voll genutzt und auch noch Glück weil sie auf wichtige Ressourcen (seltene Erden, rund 25% der Lohnkosten Europas) leicht zugreifen können….

    • Ach, der @Realo huldigt mal wieder Sozialdarwinismus, Faschismus und russischen Zaren gestern und heute.

      Ich lasse das hier nur stehen, damit alle nachlesen können, wie feige Tyrannophilie aussieht. @Realo sehnt sich auch heute wieder nach einem Gewaltherrscher, der Demokratien und andere Menschen vernichten sollte. Erbärmlich, aber leider auch eine reale Variante menschlicher Psychologie.

  29. @Michael 08.02. 17:04 / dennoch-liberale-anthropodizee-nach-karl-popper/

    „Dann wäre es Teil unserer Verantwortung, die Anthropodizee nicht im Verborgenen, ja Verschwörungsgläubigen zu belassen – sondern sie ans Licht öffentlichen Nachdenkens zu heben.“

    Hier können wir in der Tat jeder für sich wie auch alle zusammen überlegen, was jetzt wirklich sinnvoll wäre. Das kann uns letztlich keiner wirklich abnehmen, wir entscheiden eben selber, müssen selber entscheiden. Wobei jeder seine eigene Ausgangsbasis hat.

    Manch einer fühlt sich mit der Elternrolle überfordert, oder kann schon aus biologischen Gründen keinen Nachwuchs haben. Letzteres soll inzwischen 15% der Paare betreffen. Auch wegen Umweltgiften mit Hormonwirkung.

    Das können dann die, die echt fit sind, ausgleichen, und dann eben gleich 3 oder 4 Kinder kriegen. Wobei solche Familien durchaus lebhafter sind, insbesondere ist es etwas einsam und langweilig, als Einzelkind aufzuwachsen.

    Wobei jetzt klar ist, das gerade Familien mit mehreren Kinder wohl schon finanzielle und weitere Unterstützung gebrauchen können. Je mehr Familienarbeit da anfällt, desto weniger können die Eltern dann auch noch arbeiten gehen.

    „in welche Abgründe überzogene Dystopien führen können, die auf eine Verleugnung der allgemeinen Menschenwürde hinauslaufen“

    Genau das finden wir hier?:

    @Realo 08.02. 21:54

    „Im Imperialismus geht es darum, sich imperiale Macht anzueignen und in Zukunft den Lauf der Dinge in den beherrschten Gebieten zu bestimmen. Natürlich um Ressourcen abzuschöpfen und das ist eine Binse.“

    Genau den Mist brauchen wir nicht. Selber produktiv sein und fairen Handel treiben dürfte vollkommen genügen. Gerade der derzeitige Ukrainekrieg würde sich für Russland nicht einmal mehr lohnen, wenn sie ihn doch noch gewinnen würden. Das ist einfach nur Verschwendung, insbesondere auch von Menschenleben.

    Russland hätte sich mit der Krim und dem Dombass zufrieden geben können. Das wäre zumindest wirtschaftlich noch sinnvoll gewesen. Menschlich auch das nicht unbedingt, das käme drauf an, wie die betroffenen Menschen das wirklich gesehen haben.

    • Danke, @Tobias – und volle Zustimmung.

      Der Sozialdarwinismus, wie er auch von @Realo vertreten wird, ging vom „Bevölkerungsgesetz“ nach Malthus aus. Demnach hätte es immer wieder zu viele Menschenkinder geben sollen, die dann im Kampf um Nahrungsmittel und ums Überleben gegeneinander kämpfen.

      Nichts davon stimmt und der von @Realo so verehrte Putin führt russische, ukrainische und andere Menschen in sinnloses Sterben, beschleunigt den demographischen Niedergang auch des russischen Volkes.

      Dank der menschlichen Freiheiten finden Bevölkerungsentwicklungen und biokulturelle Evolution in jeder Generation statt – Kriege sind dafür unnötig und keineswegs zu rechtfertigen.

      Wir sind es den Menschen und insbesondere den Opfern des fossilen Faschismus schuldig, sozialdarwinistischen Nonsens aufzuzeigen und aufzuklären. Meine ich.

  30. @ Michael Blume 08.02.2026, 17:04 Uhr

    Zitat: „Empirisch lässt sich feststellen, dass noch keine nichtreligiöse Philosophie eine ausreichend überzeugende Antwort auf die Anthropodizee-Frage gefunden hat.“

    Ich meine, dass es (bei Menschen und Tieren) insgesamt mehr und letztlich stärkere „Lust fördernde“ Reize auf das „Empfindungssystem“ gibt, als „Leid fördernde“ Reize ….

    Den stärksten Leid fördernden Reiz gibt es eigentlich nur einmal, beim Sterben….

    Der Mensch will auch noch über das „Antriebssystem“ die Lust maximieren, Sexualität, Essen, Musik, Kunst, Humor, Komfort, Technologie….

    Der Mensch schafft sich zusätzlich mehr Lust- und Sinnquellen, als die Natur ihm gegeben hat.

    Leid ist eher konzentriert, Lust ist eher verteilt.

    Es geht nicht nur um die „kleinen Reize“, Mechanismen die auch bei Tieren gelten dürften, es geht auch um die „Momente des ganz großen Glücks“ die Menschen genießen dürfen.

    Religionen schaffen möglichst verbindliche, an die Lebenssituation angepasste Regeln und versuchen Antworten auf Fragen zu geben. Das scheint jedenfalls zweckmäßig, sonst droht das pure Chaos.

    Der Begriff „Gott“ steht eben als „Bezeichner“ für das System, für alle Gesetzmäßigkeiten, alle Prozesse und Mechanismen, dass die Welt bis jetzt genau so entstanden ist, wie es eben eben wirklich ist….

    Personale Komponenten haben offenbar auch dazu beigetragen, jedenfalls seit es sie gibt…..

    Selbst wenn nicht alles verstanden wird, im „Transzendenten“ verbleiben wird, es scheint eine (immer wahre) Tautologie, es scheint mir sinnlos dagegen anzurennen….

    Ich habe diese Sichtweise, aus meiner Erinnerung an eine Predigt die ich im Autoradio in einem Pfingststau gehört habe. Sie entspricht ungefähr Einsteins Sicht, „Bezeichner“ und die „deklarierenden“ Aspekte, stammen offenbar aus der Informatik….

    Die Mechanismen die die „Anthropodizee- Frage“ erklären könnten, die überwiegend Lust gesteuerten Reize, realisiert im Empfindungssystem, gehören eben auch zu den „Schöpfungsmechanismen“.

    • @Realo

      Sowohl Religion wie auch Philosophie und empirisch die Demografie belegen: Menschen wachsen über Reiz-Reaktionsmuster hinaus.

      Die Anthropodizee-Frage sucht nach Gründen, nicht nach Gelüsten. Und sie zertrümmert auch den von Ihnen propagierten Sozialdarwinismus sowie Ihre feige Tyrannophilie. Die menschliche, biokulturelle Evolution findet beobachtbar auch in Frieden und Freiheit statt – es gibt keine Rechtfertigung für Angriffskriege. Der von Ihnen so verehrte Putin beschleunigt den moralischen wie auch demografischen Niedergang der von ihm fossil beherrschten Völker. Da gibt es nichts zu verteidigen und zu relativieren.

  31. @ Michael Blume 09.02.2026, 05:24 Uhr

    Ich habe nicht die „üblichen“ Reiz-Reaktionsmuster gemeint, sondern darüber weit hinausgehende komplexe „Reiz- Reaktions- Empfindungsmuster“.

    Es ist mehr gemeint als nur der unmittelbare Reiz oder ein einzelnes Gefühl. Es umfasst alle zusätzlichen inneren und äußeren Elemente, die die Kette Reiz – Reaktion – Empfindung realisieren.

    Gemeint sind auch Kognitive Bewertungen – Gedanken, Interpretationen, Deutungen (z. B. „das ist meine Schuld“). Erinnerungen und frühere Erfahrungen – frühere Situationen, die den aktuellen Reiz „färben“. Auch Körperliche Zustände, Müdigkeit, Hunger, hormonelle Lage, körperliche Schmerzen…

    Auch ein Kontext mit Umgebung, Ort, sozialer Situation, Kultur, Tageszeit, Erwartungen und Vorannahmen, was man z.B. „erwartet“, spielt eine Rolle.

    Aber auch Identität und Selbstbild, „Ich bin so“, „Ich kann das nicht“……

    Alles ist gemeint, was „empfunden“ wird, auch Gefühle…..

    Durch wiederholte Bewertungen oder Erinnerungen werden die Muster stabiler. Mit der Zeit läuft die Kette schneller und unbewusster ab.

    Bei der Anthropodizee- Frage spielen komplexe „Reiz- Reaktions- Empfindungsmuster“ eine Rolle, nicht nur „Gelüste“.

    Ich rechtfertige keine Angriffskriege, es gibt sie einfach und dieser Realität kann man nicht einfach „ausblenden“, weil es einem nicht „passt“…..

    Man sollte nach Ursachen forschen und diese so früh als möglich erkennen und ausschalten. Wenn ein Problem eskaliert, ist es zu spät….

    Putin lässt offensichtlich nicht zu, dass sein Volk „erniedrigt“ wird, indem man den Russen ausgerechnet ihren Flottenhafen abnimmt und vom Welthandel möglichst abschneiden will…..

    Trump würde sich derartiges auch nicht gefallen lassen…..

    D könnte höchstens „weinen“, würde Amerika, oder auch nur GB, den Deutschen Hamburg „abknöpfen“. Das ist die bittere Realität….

    • Erneut verdrehen Sie die Realität, @Realo: Der fossil finanzierte, schwerreiche Tyrann Putin erniedrigt und massakriert auch sein Volk, ebenso wie andere Völker wie Tschetschenen und Ukrainer. Und weil bereits Hunderttausende auch russischer Männer gefallen sind, holt er zunehmend Zuwanderer etwa aus Indien.

      Ja, es gibt leider Angriffskriege – und es gibt sogar feige Dualisten wie Sie, die fossile und tyrannische Kriegstreiber in Verteidiger umzudeuten versuchen…

      Übrigens haben todesmutige Reporter im von Ihnen ebenfalls verklärten China recherchiert, dass Abertausende Seniorinnen und Senioren als „Cash-Cows“ in psychiatrischen Einrichtungen festgehalten werden, nicht selten mit Gewalt.

      Wer Demokratie, Freiheit & Menschenrechte verachtet, blendet die Realität in Diktaturen aus.

  32. Ob der Sozialdarwinismus an den sozialen Ungerechtigkeiten schuld ist,
    oder nicht, das ist nicht so wichtig.
    Es gibt in unseren reichen Ländern Arme, Arbeitslose, und Obdachlose.
    Irgendwie haben diese den Konkurrenzkampf um die Arbeitsplätze oder die Wohnungen verloren.
    Der Konkurrenzkampf erzeugt Spitzenleistungen, und er erzeugt eine große Menge Verlierer.
    Auch an der Spitze gibt es Verlierer, zum Beispiel durch Herzinfarkt.
    Es ist deshalb an der Zeit, den Konkurrenzkampf kritisch zu betrachten.
    Die Ungleichverteilung des Einkommens ist sowohl eine Folge, als auch eine Ursache des Konkurrenzkampfes.
    Vielleicht kann man die Ungleichverteilung des Einkommens irgendwie verringern.

    • Danke & ich würde als Hauptursache der „sozialen Ungerechtigkeit“ unserer Zeit eher den Fossilismus bzw. fossilen Kapitalismus benennen. Auch in der deutschen Bundespolitik ringen noch jene, die noch möglichst viel Profit aus der fossilen Karbonblase angreifen wollen mit jenen, die erneuerbare Friedens- und Wohlstandsenergien sowie Batteriespeicher ausbauen. Gleichzeitig versuchen Technologie- und Medienkonzerne vor allem aus den USA – die sog. TechBros – ihre Vorherrschaft über die digitale Imfrastruktur auf Dauer zu stellen. Und schließlich verursacht die säkulare Geburtenimplosion neben einbrechender Nachfrage auch eine sog. Inheritokratie: Immer weniger Nachkommen reicher Leute erben immer mehr, wogegen sich immer mehr ärmere Menschen kaum noch eine Wohnung in der Stadt leisten können.

      Habe heute früh dazu auf Mastodon gepostet:

      Erneuerbare Energien sind #Friedensenergien & #Wohlstandsenergien , weil sie die Finanzierung fossiler Regime & Terrorgruppen unterbinden, Wertschöpfung & Arbeitsplätze im Inland schaffen. Längst boomen Solarstrom & Batteriespeicher weltweit. Leider vergab Deutschland auch diese Technologien weitgehend an China.

      Der #Fossilismus versucht weiter, noch so viel Erdöl & Erdgas wie möglich aus der #Karbonblase zu versilbern. Fossiler #Lobbyismus bedroht #Mitwelt & Wohlstand.

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/116039220191711245

      Der Sozialdarwinismus und fossile Faschismus haben das wirtschaftliche Untecht also weniger ausgelöst als vielmehr pseudo-legitimiert. @Realo hat ja Putin nur zu einem kleinen Teil fossil finanziert – er will sich ihm jedoch tyrannophil unterwerfen.

      Deswegen bräuchte es, ja, vor allem eine geringere Belastung für Arbeitseinkommen, den weiteren Ausbau dezentraler Wohlstandsenergien und Free and Open Source Software (FOSS) statt Konzernoligarchie.

      Es freut mich, dass wir hier solche Themen rund um Ideologien, Technologien und Wirtschaft dialogisch diskutieren können! 🙌

      • Hallo Herr Blume.
        Ja, der ungebremste Kapitalismus führt natürlich
        zu einem starken Konkurrenzkampf.
        Vermutlich ist ein ungebremster Kapitalismus
        auch ganz ohne jeden Fossilismus möglich.
        Objektiv betrachtet, entfallen bei sinkender
        Bevölkerungszahl mehr Rohstoffe, Produkte,
        und Wohnungen auf eine Person.
        Wenn Einzelpersonen durch Erbschaften,
        Geschäftstricks, oder durch Spitzenmanagergehälter
        praktisch die halbe Stadt besitzen können, dann
        sollte man das Erbrecht und die Verteilung von
        Gewinnen und Einkommen gesetzlich anders regeln.
        Streng genommen haben die ärmeren Menschen ja
        längst die demokratische Dreiviertelmehrheit.

  33. @ Michael Blume 09.02.2026, 08:42 Uhr

    Zitat: „Übrigens haben todesmutige Reporter im von Ihnen ebenfalls verklärten China recherchiert, dass Abertausende Seniorinnen und Senioren als „Cash-Cows“ in psychiatrischen Einrichtungen festgehalten werden, nicht selten mit Gewalt.“

    Das wundert mich selbstverständlich nicht, dass derartiges sogar in China vorkommt, wenn die Kinder in der Stadt arbeiten oder gar keine Kinder vorhanden sind.

    Sie dürfen raten, wo sich die Chinesen diese „Geschäftsidee“ abgeschaut haben???

    Es sind natürlich „Reichere“, die entweder von selbst ins „Delir“ (Siehe Nachbarblog) geraten sind, oder sie bekamen einfach „passende“ Psychopharmaka…. was die ganze Angelegenheit beschleunigt und erleichtert.

    Mit Gewalt festgehalten werden sie deswegen, weil sie wegen ihrer geistigen Beeinträchtigung (z.B. wegen Psycho Medikamenten) weglaufen und auf der Straße umkommen würden. In der Endphase, die womöglich auch Jahre dauern kann, werden sie im Bett festgebunden, auch damit sie nicht aus dem Bett fallen und z.B. über die Nase über einen Schlauch in den Magen ernährt…..

    Das mit den „Cash-Cows“ lässt vermuten, dass auch in China der Wohlstand angekommen ist und gut verdient wird….

    Bei uns versucht man als „Alter“, diesem Schicksal mit einer Patientenverfügung zu entgehen, aber es gibt Gerüchte, dass die Macht des Geldes stärker ist…..

    Der ganz schlaue Vorwand ist natürlich, man müsse doch alles tun, damit der Alte nicht stirbt, es wäre ja Mord…..

  34. @Karl Bednarik 09.02. 10:22

    „Streng genommen haben die ärmeren Menschen ja längst die demokratische Dreiviertelmehrheit.“

    In der Tat phänomenal, dass das wenig hilft.

    Die Baustellen sind mehrere: Konkurrenzkampf, Nachwuchsmangel, FOSS für KI und Roboter, und natürlich die Energiewende. Alles kann aber Gemeinsinn gebrauchen. Und in der Folge entspanntere Verhältnisse. Mit weniger Konsum und weniger Arbeit.

    Zentral dürfte dann konkret sein, dass die Lohnsteuern gesenkt und Kapitalertrag, Vermögen und Erbschaften mehr besteuert werden müssen. Dann hätten wir die Basis, diese vielfältigen Baustellen erfolgreich zu meistern.

    Selbst die mittelfristig nötige Aufrüstung wäre so einfacher umzusetzen.

    Und was passiert? Trotz deutlicher Mehrheiten nichts.

    Nebenbei sehr hilfreich wäre KI in der öffentlichen Verwaltung und im Gesundheitswesen, dass da im großem Umfang Personal und Kosten eingespart werden kann.

    Wenig Zuwanderung angesichts des eigenen Geburtenmangels wäre mit Arbeitskräftemangel und auch Nachfrageschwäche verbunden, zu viel Zuwanderung aber mit zumindest kurzfristiger Wohungsnot verbunden. Wenn man dann doch eher allgemeine Schrumpfung kreativ verarbeiten will, könnte man über weniger weitere Zuwanderung nachdenken?

    Je nachdem, wie sich Wirtschaft und Demografie tatsächlich weiter entwickeln. Und vielleicht auch durchaus lokal ganz verschieden? Ich fände es eine gute Idee, wenn die Kommunen und Landkreise mehr selber entscheiden könnten, wie viele neue Mitbürger sie wirklich haben wollen.

    Je nachdem, wie viele sie gerade wirklich gebrauchen, unterbringen und integrieren können.

  35. @Karl Bednarik 09.02. 08:02

    „Der Konkurrenzkampf erzeugt Spitzenleistungen, und er erzeugt eine große Menge Verlierer.“

    Und er erzeugt Verschwendung und fördert Mitweltzerstörung. Und der damit verbreitete Stress dürfte die Hauptursache für den grassierenden Kindermangel sein.

    „Die Ungleichverteilung des Einkommens ist sowohl eine Folge, als auch eine Ursache des Konkurrenzkampfes.“

    Man kann sich aber schon selber Gedanken machen, welchen Konsum man braucht und mitmacht. Und im Prinzip ganz persönlich aus der Verschwendung an vielen Stellen aussteigen. Und die frei werdenden Mittel für Grüne Technik ausgeben. Da kann einen der Konkurrenzkampf am Ende auch nicht von abhalten.

  36. Demografie, Technologie und Zukunftsfähigkeit
    Gemäss Michael Blume ist die demografische Entwicklung verantwortlich für Deindustrialisierung, Innovationsschwäche und vieles mehr.
    Doch das erklärt in meinen Augen nicht die zunehmende Technologieführerschaft von China (Batterien, E-Autos, Flugautos, Solarpanel, Windturbinen, Drohnen und vieles mehr). Denn dies ist ein sichtbares Zeichen von Innovation (trotz ⬇️ Demografie), es hat China zum Exportführer von Erneuerbaren, E-Autos und Autos überhaupt gemacht und Deutschland als Exportführer bei Autos abgelöst. Selbst die USA werden überholt und China wird nicht nur zur Exportmacht, sondern gewinnt auch weltweit an Softpower, denn alle wollen die chinesischen Produkte und viele Länder machen zunehmend chinesische Technologie zu Basistechnologien für ihre eigene Entwicklung.

    Der NZZ-Artikel
    Elon Musk und Co. waren gestern – China ist die neue technologische Grossmacht berichtet über diese neue Rolle Chinas als Welt-Technologieführer. Der Kopftext zum Artikel lautet:

    Von der Batterie bis zum Flugauto: China kann dank seinem technologischen Baukasten die Zukunft bestimmen. Wie konnte das der Westen bloss zulassen?

    Hier ein paar Punkte aus dem Artikel:
    – Gemäss Aspi, einem australischen Think-Tank ist von 74 untersuchten Technologen China in 66 führend, die USA in 8, Europa ist in 0 der 74 Technologien führend.
    – James Kynge, der Senior Research Fellow am britischen Think-Tank Chatham House, konstatiert: «Die Ära Chinas als weltweit führende Technologiemacht ist angebrochen.»
    – Luo Jun, der Leiter der China Low-Altitude Economic Alliance, sagte im April 2025 auf einer Konferenz in Peking: «Bis 2030 wird China mindestens hundert eVTOL-Firmen haben»
    – der Analyst Noah Smith spricht vom «Electric Tech Stack» als Basistechnologie. Sein Kern besteht aus Lithium-Ionen-Batterien, Permanentmagnet-Elektromotoren, Leistungselektronik und vergleichsweise einfachen Computerchips. Und alles ist softwaregesteuert, softwaredefiniert. Chinesische Firmen verknüpfen viele der Komponenten, die dem «Electric Tech Stack» entspringen und einige wie BYD und HUAWAI sind stark vertikal integriert, was bedeutet, dass sie mehr machen als Komponenten zusammenbauen, nein, sie stellen einen Grossteil der Komponenten von den Batterien über die E-Motoren bis zur Elektronik selber her.

    In NZZ-Artikel “Der Labubu-Effekt: China wird nicht mehr nur als Bedrohung wahrgenommen, sondern als Lebensgefühl“ werden die Auswirkungen der neuen Softpower Chinas kommentiert. Der Kopfteil dieses Artikels lautet:

    Junge Menschen im Westen feiern chinesische Produkte und Plattformen, westliche Staatschefs reisen wieder selbstverständlicher nach Peking. Neuste Studien zeigen: Chinas Soft Power durchdringt den Westen. Damit bedrängt China den amerikanischen Hegemonen umso mehr.

    Kurzum: China wird inzwischen von vielen weltweit als Innovationsführer wahrgenommen. Und diese Rolle hat China trotz Demografieproblem, also trotz fehlender Kinder. Dass Europa inzwischen in fast allen Technologien zurück liegt kann man deshalb meiner Meinung nicht der Demografie anlasten.

    • Nun, @Martin Holzherr – stellen Sie Ihre Analyse doch einfach auf die demographischen Füße: China 🇨🇳 verzeichnet seit Langem eine zunehmende Geburten- und Nachfrageschwäche und also eine hohe Jugendarbeitslosigkeit.

      Was also kann die KP Chinas tun? Ganz genau: Sie kann einerseits massiv in neue Technologien wie zum Beispiel Solarzellen und Elektroautos investieren und diese in die globalen Exportmärkte drücken. Und sie kann, zweitens, massiv das Militär ausbauen und junge Menschen in Uniformen stecken. Beides zementiert ihre Macht – zumindest noch eine Weile.

      Dennoch kriselt das Ganze. Die Statistiken sowohl zur Demografie wie auch Wirtschaft sehen zugleich schlimm und immer mehr geschönt aus. Indien ist inzwischen bevölkerungsreicher und wachstumsstärker, die Korruption blüht, zahlreiche Ältere wurden als „Cash-Cows“ in psychiatrischen Kliniken festgehalten und praktisch die gesamte Militärführung abgesetzt und eingesperrt.

      Ich bin also sehr dafür, China noch viel ernster zu nehmen als bisher und vor allem aufzuhören, Zukunftstechnologien zu verschenken. Ich wende mich jedoch ebenso klar gegen die deutsche Spezialdisziplin der Diktatur-Verherrlichung. Wer die Menschenrechte und Demografie missachtet und die KP-Diktatur als vorbildlich anpreist, hat entweder keine Ahnung oder ist tyrannophil. Was (noch) kein Vorwurf an Sie ist.

      • @Michael Blume betreffend Innovationsschwäche in Europa
        Meine Meinung: Die Innovationschhwäche in Europa gibt es bereits seit den 1970er Jahren und sie ist auf die Mentalität und die andere Ausrichtung der Politik und nicht auf die Demographie zurückzuführen. Europa könnte sogar heute noch innovativer werden, wenn es von Regulation zu Stimulation übergehen würde.

        Google-KI gibt als Grund für die hohe Arbeitslosigkeit in China folgendes an:

        Die hohe Arbeitslosigkeit in China, insbesondere unter jungen Menschen, ist auf eine Kombination aus Immobilienkrise, schwachem Konsum, staatlichen Regulierungen und einer Rekordzahl an Hochschulabsolventen zurückzuführen. Zudem belasten die Folgen der Pandemie, geopolitische Spannungen und ein verlangsamtes Wirtschaftswachstum den Arbeitsmarkt, was zu Massenentlassungen führte.

        Kurzum: Innovation wird in Europa verhindert, weil der einheitliche Markt (immer noch) fehlt, Startups keine Kredite und Unterstützung erhalten und Europa alles so stark reguliert, dass keine Luft mehr zum Atmen bleibt.

        • Danke, @Martin Holzherr – aus meiner Sicht sind drei der vier genannten Faktoren klar und direkt auf die niedrigen Geburtenraten in China zurückzuführen.

          Die hohe Arbeitslosigkeit in China, insbesondere unter jungen Menschen, ist auf eine Kombination aus Immobilienkrise, schwachem Konsum, staatlichen Regulierungen und einer Rekordzahl an Hochschulabsolventen zurückzuführen.

          1. Immobilienkrise – da mehr gebaut wurde, als noch nachgefragt wird
          2. Schwacher Konsum – da die Nachfrage durch junge Menschen fehlt
          3. Staatliche Regulierungen – dieser Faktor scheint mir weitgehend unabhängig von Demografie zu sein
          4. Rekordzahl an Hochschulabsolventen – in Gesellschaften mit wenig Kindern wird selbstverständlich besonders viel in deren Bildung investiert – auch, wenn dies bei Nachfrageschwäche in Sackgassen führt

          Innovation wird in Europa verhindert, weil der einheitliche Markt (immer noch) fehlt, Startups keine Kredite und Unterstützung erhalten und Europa alles so stark reguliert, dass keine Luft mehr zum Atmen bleibt.

          Ja – nur sehe ich da eben auch klar die politische Dominanz derjenigen, die ihre alten Branchen verteidigen und beispielsweise als Agrarlobbyisten sogar das Mercosur-Abkommen bekämpft haben. Oder in Deutschland gegen die Fusion von Berlin und Brandenburg stimmten.

          Es fehlt der demografische und also auch politische Druck in Richtung Zukunft. Stattdessen erleben wir immer mehr Unterjüngung, Deindustrialisierung und Beharren auf dem Erreichten. Beobachte ich.

  37. @Martin Holzherr 09.02. 21:18

    „Und diese Rolle hat China trotz Demografieproblem, also trotz fehlender Kinder.“

    Die Probleme der fehlenden Kinder sind wohl auch in China erst am Anfang. Wie es gelingt, die Schrumpfung geordnet hinzubekommen, wird sich erst noch zeigen. Exportoffensiven werden nicht nachhaltig das Problem lösen, letztlich weil einfach über die nächsten Jahre die Chinesische Währung immer teurer werden wird, wenn die Außenhandelsüberschüsse so weiter gehen.

    Dass China auch mit wenig Nachwuchs sehr stark darin ist, Neues zu entwickeln, mag einfach an der schieren Größe des Landes liegen. Je mehr Menschen, desto mehr sehr kluge Köpfe sind auch dabei.

    Außerdem hat man noch niedrigere Löhne, um die Neuentwicklungen dann auch noch kostengünstiger als in Europa in konkrete Produkte umzusetzen.

    Auf die Dauer helfen da nur Zölle, aber auch höhere Wechselkurse der chinesischen Währung. Und dass wir uns konkrete Technik abgucken und nachbauen, neben einer allgemeinen FOSS-Initiative zusammen mit dem Rest der Welt, der ja nun nochmal sehr viel mehr Einwohner umfasst als China.

    Unsere aktuellen Wirtschaftsverbindungen mit Südamerika und Indien gehen da offenbar genau in diese richtige Richtung. Und die Energiewende bringt überall, auch in Europa, einen deutlich kleineren Außenhandel mit sich. Einfach weil der ständige Nachschub von fossilen Brennstoffen entfällt. Entsprechend kleiner werden auf die Dauer auch Handelsbilanzprobleme aller Art.

  38. Durch die automatisierte Massenproduktion ist der Reichtum an Gütern längst von der Anzahl der Menschen abgekoppelt.
    Die Anzahl der Menschen wirkt sich vorwiegend auf den Verbrauch von Gütern aus.
    —–
    Wenn man das Erbrecht und die Eigentumsrechte nicht antastet, dann gilt:
    Wenn arme Menschen mehr Kinder haben, dann hat man mehr arme Menschen.
    Wenn reiche Menschen mehr Kinder haben, dann hat man mehr reiche Erben, die sich den selben Teil der Welt wie zuvor unter sich aufteilen.
    Die Erhöhung der Kinderzahl alleine verringert nicht die soziale Ungerechtigkeit.
    —–
    Erneuerbare Energien sind natürlich besser als fossile Energien.
    Allerdings benötigt man für die erneuerbaren Energien Solarzellen, Windkraftwerke, Batteriespeicher, Seltenerdmagnete, Elektromotoren, exotische Materialien, und so weiter.
    Diese Dinge muss man dann von mehr oder weniger großen Firmen oder Konzernen mit kapitalistischen oder kommunistischen Hintergründen kaufen.
    Einige Konzerne, die noch fossile Energien verkaufen, stellen bereits ihre Produktion auf erneuerbare Energien um.
    Auf diese Weise hat man es dann nach der Energiewende mit den selben Leuten und Machtstrukturen wie im Fossilismus zu tun.

    • Vielen Dank, @Karl Bednarik – es freut mich sehr, dass Sie sich intensiv mit dem Demografie-Inheritokratie-Faktor befassen!

      Allerdings rege ich an, in einigen Aspekten doch nochmal etwas genauer hinzuschauen. So schreiben Sie:

      Wenn man das Erbrecht und die Eigentumsrechte nicht antastet, dann gilt:
      Wenn arme Menschen mehr Kinder haben, dann hat man mehr arme Menschen.
      Wenn reiche Menschen mehr Kinder haben, dann hat man mehr reiche Erben, die sich den selben Teil der Welt wie zuvor unter sich aufteilen.
      Die Erhöhung der Kinderzahl alleine verringert nicht die soziale Ungerechtigkeit.

      Das ist m.E. falsch. Denn zum einen verringert es selbstverständlich die Vermögensunterschiede, wenn sich große Erbvermögen auf mehr Erbende verteilen. Und zum anderen kostet das Aufziehen von Kindern – und erzeugt also Nachfrage – alleine in Deutschland nach Schätzungen die Eltern um die 200.000 Euro pro Kopf.

      Konkret am Beispiel meiner Familie: Hätten wir nur ein Kind statt drei, so würde dieses Kind deutlich mehr erben – auch das Geld, das wir für seine Geschwister gar nicht ausgegeben hätten. Und wenn wir hypothetisch noch eine Generation weitergingen, so wäre der Abstand noch riesiger: Ein Kind mit einem Kind wären ein Erbe, drei Kinder mit je drei Kindern wären neun Erbende.

      Dauerhaft niedrige Geburtenraten führen also einerseits zu einem deutlichen Nachfragerückgang, andererseits zu einer massiven Konzentration von Vermögen in den Händen von immer weniger Erbenden. Der Demografie-Inheritokratie-Faktor führt also zu einem unsichtbaren Riss innerhalb der Gesellschaften – zumal dann, wenn die kinderarmen Reichen durchsetzen können, dass sich der Staat vor allem durch Steuern und Abgaben auf Arbeit sowie durch neue Schulden finanziert.

      Interessant in diesem Zusammenhang ist im Übrigen auch, dass immer mehr Fälle bekannt werden, in denen gewählte Abgeordnete der AfD „über Kreuz“ Verwandte eingestellt haben und damit dafür sorgen, dass wenige Familien massiv von den Steuermitteln profitieren, die von anderen Familien erwirtschaft werden:

      Es bleibt ja in der Familie
      Die Skandale um Vetternwirtschaft reißen nicht ab: Die extrem rechte AfD kämpft derzeit vor allem mit sich selbst. […]

      Vor allem die AfD Sachsen-Anhalt sorgte zuletzt für zahlreiche ähnliche Schlagzeilen, weil der Vater des AfD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl Ulrich Siegmund bei dem Bundestagsabgeordneten aus Sachsen-Anhalt Thomas Korell arbeiten soll. Und Siegmunds Vater dafür offenbar ein stattliches Salär von über 7.000 Euro kassiert, wie das ZDF-Magazin „Frontal“ recherchiert hat. Siegmund ist das wiederum reichlich egal, er zerknüllte als Reaktion die ausgedruckte Presseanfrage grinsend in einem Social-Media-Video. Man habe nichts gegen die Einstellung von Verwandten, schließlich müsse man diesen vertrauen können, so der Tenor.

      https://taz.de/Vorwuerfe-von-Vetternwirtschaft-in-AfD/!6152612/

      Hier wird m.E. sehr deutlich, warum in einer demografisch verebbenden Inheritokratie die individuelle Leistung immer weniger zählt – und dafür immer mehr die Zugehörigkeit zu einer bereits reichen bzw. Pfründe erschließenden Familie. Wer das einmal verstanden hat, versteht große Teile der politischen Diskurse in Deutschland sofort auf einem höheren Level.

      • Hallo Herr Blume.
        Zu Ihrem foigenden Beispiel habe ich noch eine andere Überlegung.
        „Hätten wir nur ein Kind statt drei, so würde dieses Kind
        deutlich mehr erben – auch das Geld, das wir für seine
        Geschwister gar nicht ausgegeben hätten.“
        Diese drei Kinder würden also „drei Plätze auf der Welt“ besetzen.
        Oder nur ein Kind würde genau so „drei Plätze auf der Welt“ besetzen.
        In beiden Fällen würden „drei Plätze auf der Welt“ besetzt sein.
        Für die Außenwelt entsteht also kein Schaden.
        Für das eine Kind herrscht dreifacher Wohlstand.

        • Schade, @Karl Bednarik – jetzt denken Sie Wirtschaft und Demografie doch wieder statisch, in vermeintlich festen „Plätzen“.

          Doch die dynamische und evolutionäre Realität fand sich auch heute Morgen in der Zeitung:

          Die StZ meldet heute unter #Wirtschaft (S.9): „Wirtschaftskrise prägt Ausbildungsmarkt. Trotz Fachkräftemangel sinkt die Zahl der Ausbildungsverträge“

          Es wirkt zunächst kontraintuitiv, ist aber an Beispielen wie #China , #Südkorea , #Japan & #Russland gut belegt: Bei verebbender #Demografie kommt es zu #Deindustrialisierung & steigt die #Jugendarbeitslosigkeit. Denn mangels Kindern sinkt die Inlands – #Nachfrage & Betriebe fahren Investitionen & Ausbildung zurück. (1/2)

          1 Folge schnell sinkender Geburtenraten ist der Übergang von der Leistungsgesellschaft (#Meritokratie) zur Erbengesellschaft (#Inheritokratie) – nicht mehr Arbeit, Verwandtschaft entscheidet.

          & die #Rechtsmimesis hat noch eine 2., beunruhigende Folge: Es bietet sich für die Reichen an, unzufriedene, junge Menschen ins #Militär & in Milizen zu stecken & gerne auch in Kriege zu schicken.

          Auch das sehen wir in #Russland , #China , #Japan , #USA usw. schon. Das 21. Jahrhundert wird wild. (2/2)

          https://sueden.social/@BlumeEvolution/116045216777342635

          Wo sich Gesellschaften in immer weniger, ältere Reiche und zunehmend perspektivlose Jüngere aufspalten – wächst die Wut und der Trend zur Rechtsmimesis. Weltweit…

          • Hallo Herr Blume.
            Ich respektiere selbstverständlich Ihre Meinung.
            Ich bin ein kinderloses Einzelkind, und auf mich
            trifft keine dieser negativen Eigenschaften zu.

          • Herzlichen Dank für die Erläuterung, @Karl Bednarik – denn immer wieder erlebe ich, dass Menschen in Diskussionen um die Demografie glauben, sich selbst verteidigen zu müssen. Denken wir etwa auch an Mütter, die sich sowohl dann rechtfertigen müssen, wenn sie bald nach der Geburt wieder in den Beruf wollen – aber auch, wenn sie das nicht wollen. Es wird immer gemeckert.

            Ich darf Ihnen sehr versichern, dass das bei mir nicht stimmt und Sie sich also auch nicht verteidigen müssen. Ich schreibe Ihnen als „kinderloses Einzelkind“ keine „negativen Eigenschaften“ zu. Denn aus meiner Sicht kann es gar kein einzelndes Idealmodell geben, sondern nur eine möglichst individuell bestimmte Vielfalt.

            Plastisch gesagt wäre es aus meiner Sicht ein massiver Verstoß gegen die Menschenwürde, wenn der Staat etwa null, eins, zwei, drei oder vier Kinder vorschreiben würde. Denn ob und mit wem wie viele Kinder gezeugt und geboren werden, kann nach meiner Einschätzung menschenwürdig nicht von außen entschieden werden – zumal sich ja auch nicht jedes Vorhaben erfüllt. Ich bin ehrlich froh, in einer freiheitlichen Gesellschaft zu leben, in der niemand gezwungen wird, mehr oder weniger Kinder zu haben, als selbst gewünscht. Und wenn Deutschland sich jemals demografisch stabilisieren wollte, dann wäre m.E. Familien- und Pflegearbeit besser anzuerkennen und zu unterstützen – Punkt. Vorschriften oder gar „negative Eigenschaften“ auf Kinderlose abzufeuern, hielte ich auch als Familienvater für grundlegend falsch!

            Mir geht es also definitiv nicht darum, irgendein bestimmtes Familienmodell für alle zu propagieren – sondern Menschen in ihrer Vielfalt zu achten und demografische Prozesse dialogisch besser zu verstehen. Ich würde mich sehr freuen, wenn es Ihnen gelänge, sich ohne das Gefühl von Selbstverteidigung daran zu beteiligen. Wenn Ihnen das Ganze aber zu nahe ginge, verstehe und respektiere ich auch das. Denn wie kaum eine andere Wissenschaft ist die Demografie aufs Engste mit Gefühlen verbunden.

          • Europa: der Kontinent der Zukunftsangst
            In Europa gibt es nicht nur sehr wenige Kinder, Europas Kultur ist auch eine Kultur der Ängstlichkeit und die German Angst des bisherigen wirtschaftlichen und politischen Zentrums Europas, nämlich Deutschland, hat nun den ganzen Kontinent erfasst, einen Kontinent mit mehr Einwohnern als den USA und einer Wirtschaftskraft insgesamt, die diejenige der USA übersteigt.

            Zeichen der Schwäche und Angst Europas
            Russland hat die gleiche Wirtschaftskraft wie Italien und es führt nun seit 3 Jahren erfolglos Krieg gegen ein Land, das wirtschaftlich und entwicklungsmässig zu den Schlusslichtern Europas zählt – und dennoch dominiert in der europäischen Bevölkerung und speziell unter Deutschen eine Heidenangst vor der russischen militärischen Macht und/oder sogar das Gefühl man müsse Russland gewähren lassen, denn nur mit russischer Energie bleibe Europa am Leben. Und es gehören sogar einflussreiche Politiker zum Lager der Russland-Verängstigten und zu denjenigen, die etwa verkünden, ohne Berücksichtigung der russischen Interessen habe Europa keine Zukunft (Ulrike Guerot und Andere). Tatsache aber ist, dass es wenn schon ganze russische Schichten sich eher an Europa orientieren und diese (früher mindestens) die Zukunft Russlands in Europa sahen.

            Viele Europäer sehen sich als schwach, als so schwach wie ihr eigenes Land gegenüber Russland dastehen würde, denn für viele ist Europa ein aus Nationen zusammengewürfeltes Land und die stärkste Nation repräsentiert dann auch die Gesamtmacht Europas und diese stärkste Nation, Deutschland, hat Respekt und Angst vor Russland.

            Europa und Deutschland steckt bis heute in der Nachkriegszeit: es wurde nach den Vorstellungen der US-Amerikaner wieder aufgebaut und anerkennt nicht nur seine seine militärische und wirtschaftliche Führerschaft, sondern auch seine technologische und Ideen- Führerschaft. Symbolisch dafür steht Wernher von Braun ohne den es wahrscheinlich nicht einmal die Mondlandung gäbe, der aber zugleich der letzte Deutsche war, der etwas in der europäischen Raumfahrt bewegte, was Weltbedeutung hatte. Weder hat Europa eine der NASA vergleichbaren Raumfahrt aufgebaut, noch eine eigenständige Computerindustrie und das obwohl Europäer die ersten Rechenmaschinen und Computer (Konrad Zuse) bauten. Auch die Informationsindustrie inklusive die Social-Media-Kanäle sind amerikanischen Ursprungs. Mit den Social Media sind wir aber schon im
            Ideen-Bereich und im Bereich der politisch-ideellen Leitideen. Und auch die kommen heute aus den USA: Political Correctness, Wokeness, Cancel Culture, Safe Spaces, etc. Etc., all das wurde entweder in den USA geboren oder aber US-Amerikaner übernahmen es aus Europa und exportierten es dann zurück nach Europa, wo es erst nach diesem Reexport an Bedeutung gewann.

            Europas Leitstern: Heute die USA, morgen China?
            Europa bleibt weiter under the influence, aber jetzt scheint immer mehr China die Führungsrolle einzunehmen, vorerst über Technologie, aber irgendwann vielleicht sogar über chinesische Vorstellungen zur Zukunft auf dieser Welt.

            Kurzum: Die fehlenden Kinder in Europa passen zur generellen Zukunftsangst und der fehlenden Initiative der Europäer. Diese haben sich nie wirklich vom zweiten Weltkrieg erholt.

          • Danke, @Martin Holzherr – hier finden wir tatsächlich viel gemeinsamen Grund. Die Zunahme von Zukunftsängsten und Reaktanz haben wir hier auf „Natur des Glaubens“ ja bereits intensiv dialogisch erkundet:

            https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/gegen-antisemitismus-und-zukunftsangst-vortrag-in-schwaebisch-hall/

            Aus meiner Sicht zentrale Begriffe der Psychologie und Politikwissenschaft dazu wären ja die Reaktanz und Rechtsmimesis. Felo.ai fasst meine Ausführungen dazu hier noch einmal für Sie zusammen:

            ## Demografischer Druck und das Gefühl des Zurückgelassenseins

            Eine alternde und schrumpfende Gesellschaft erzeugt spezifische sozioökonomische Spannungen, die psychologische Abwehrreaktionen begünstigen.
            * **Ökonomische Spaltung:** Durch die „säkulare Geburtenimplosion“ und den Rückgang der jungen Bevölkerung entstehen Diskrepanzen zwischen prosperierenden Städten und Abwanderungsregionen. Während in Ballungszentren die Mieten steigen, verfallen in ländlichen Gebieten die Immobilienpreise. Ältere Menschen fühlen sich dort „buchstäblich zurückgelassen“, da ihre oft als Alterssicherung gedachten Immobilien an Wert verlieren[1].
            * **Angst vor Wohlstandsverlust:** In alternden Gesellschaften wie Japan oder Deutschland führt der demografische Wandel zu Deindustrialisierung und Arbeitskräftemangel. Dies erzeugt ein Klima der Verunsicherung, in dem der gewohnte Wohlstand bedroht scheint[2].

            ## Psychologische Reaktanz und der Schutz „fossiler“ Lebensstile

            Auf diese Bedrohungsszenarien reagieren viele Menschen laut Blume mit psychologischer Reaktanz – einer abwehrenden Haltung gegenüber Veränderungen und wissenschaftlichen Fakten, die den eigenen Lebensstil infrage stellen.
            * **Reaktanz gegen Wissenschaft:** Blume merkt an, dass wissenschaftliche Informationen regelmäßig Reaktanz hervorrufen, insbesondere wenn sie dazu auffordern, eigene Vorurteile oder den „fossilen Lebensstil“ zu hinterfragen[4].
            * **Fossile Entsolidarisierung:** Anstatt Verantwortung für notwendige Transformationen (im Sinne eines „Solarpunk“-Ansatzes) zu übernehmen, wird oft an alten Strukturen festgehalten. Blume nutzt hierfür die Metapher des Films „Passengers“, in dem Probleme des Lebenserhaltungssystems verdrängt werden, solange keine unmittelbare existenzielle Bedrohung spürbar ist[2].
            * **Abwehr von Veränderung:** Diese Haltung führt zu einer „fossilen Entsolidarisierung“, bei der der Erhalt des Status quo über die notwendige Anpassung an neue Realitäten gestellt wird[4].

            ## Rechtsmimesis als fehlgeleitete politische Antwort

            Die politische Reaktion auf diese gesellschaftliche Stimmung bezeichnet Blume als „Rechtsmimesis“ – den Versuch demokratischer Parteien und Akteure, rechte Narrative und Positionen zu imitieren, um Wähler zurückzugewinnen.
            * **Scheitern der Strategie:** Blume vertritt die These: „Rechtsmimesis funktioniert nicht.“ Wenn demokratische Parteien nach rechts rücken und Prinzipien wie die Menschenwürde relativieren, schwächt dies die demokratische Mitte, anstatt sie zu stärken[1].
            * **Stärkung des Rechtsdualismus:** Durch die Imitation rechter Positionen wird der „Rechtsdualismus“ (eine Weltanschauung absoluter Ungleichheit) in den Medienblasen bestätigt und normalisiert. Dies führt dazu, dass die demokratischen Parteien weiter an Boden verlieren, während die Ränder gestärkt werden[1][4].
            * **Radikalisierungsspirale:** Anstatt die Ängste der alternden Bevölkerung durch konstruktive Zukunftsbilder aufzulösen, verstärkt die Rechtsmimesis die gesellschaftliche Spaltung und begünstigt digitale Gewalt und Hassrede (etwa gegen „HateAid“), die oft gezielt eingesetzt wird, um Andersdenkende zum Schweigen zu bringen[4].

            **Fazit nach Blume**
            Die demografische Alterung schafft den Nährboden für Verunsicherung und psychologische Reaktanz, da etablierte Lebensmodelle unter Druck geraten. Wenn Politik und Medien darauf mit Rechtsmimesis reagieren – also dem Bedienen dieser Ängste durch rechte Rhetorik –, wird dieser psychologische Widerstand nicht gelöst, sondern politisch radikalisiert. Blume plädiert stattdessen für eine klare Haltung der „demokratischen Mitte“ basierend auf Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit sowie für positive Zukunftsnarrative („Solarpunk“) als Gegenmittel[1][4].

            [1] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/rechtsmimesis-widerstand-ein-foto-mem-zur-deutschen-geschichte/
            [2] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/mehr-arbeiten-fossilismus-gegen-familien-demografie-deindustrialisierung/
            [3] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/peak-child-zeitenumbruch-auch-durch-die-saekulare-geburtenimplosion/
            [4] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/digitale-gewalt-gegen-die-hateaid-chefinnen-gezielt-an-weihnachten-2025/
            [5] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-48-weihnachtsfolge-mit-dem-petrodollar-rentier-dem-weihnachtsmann/

  39. @Karl Bednarik 10.02. 09:16

    „Für das eine Kind herrscht dreifacher Wohlstand.“

    Ja aber nicht sofort. Das meiste Erbe kommt doch, wenn man es gar nicht mehr braucht. Insbesondere wenn man selber in Kinder investieren will, helfen die reichen Großeltern eher überhaupt nicht?

    @Michael 10.02. 09:40

    „Wo sich Gesellschaften in immer weniger, ältere Reiche und zunehmend perspektivlose Jüngere aufspalten – wächst die Wut und der Trend zur Rechtsmimesis. Weltweit…“

    Offenbar dann auch die Erben, die viel zu spät an das Vermögen herankommen, können recht große Schwierigkeiten im Leben haben. Insbesondere, wenn ein nur gewisser Wohlstand vererbt wird. Mit Superreichen kenne ich mich nicht so aus.

    Die meisten Erben erben erst, wenn die eigenen Kinder aus dem Haus sind.

    Entsprechend dürften sogar potenzielle Erben von mehr Erbschaftssteuern profitieren, wenn zugleich die Lohnsteuern gesenkt werden können. Insbesondere wenn man Kinder haben will.

  40. @ Karl Bednarik
    @ Michael Blume

    Ich fürchte die „Erbschaftsüberlegungen“ (reiche Erben) gehen nicht so auf wie von Ihnen diskutiert. Jedenfalls nicht bei „gewöhnlichen Lohnempfängern“ mit Einfamilienhäuschen.

    Herr Blume hat es schon angedeutet, Stichwort „Cash Cow“, aber offensichtlich noch nicht darüber nachgedacht, was das konkret bedeutet.

    Ich kann es Ihnen sagen, diejenigen die rechtzeitig in das „Cash Cow“ Konzept eingestiegen sind, die profitieren. Nicht die vermeintlichen Erben, die Kinder.

    Im „besten“ Fall (z.B. Herzinfarkt, keine Pflegekosten) würde es für ein Kind (von 3 Kindern) bedeuten, es bekommt das Häuschen 30% billiger, weil die Geschwister ausgezahlt werden müssen und Erbschaftssteuern anfallen.

    Da rund 75% der Häuser alte Öl/Gasheizungen haben, kommen rund 200 000 Euro Sanierungskosten dazu. Dann ist noch die Frage ob der Erbe das Haus überhaupt nutzen kann, er in der Nähe einen Job hat????

    Früher war es relativ problemlos. Die Tochter (Schwiegertochter) hat nicht gearbeitet, die alten Eltern bis zum Tod betreut. Die Geschwister musste sie auszahlen.

    Das ist heutzutage praktisch nicht mehr möglich, irgendwann ist eine teure „Profipflege“ nötig und ein geleistete Aufwand ist so gut wie verloren, praktisch: Die Jungen übernehmen erst gar keine Pflege….

    Der Bruder/Schwester soll helfen, wenn die Eltern Hilfe benötigen….

    Ich bin gerade intensiv damit beschäftigt, meinen Erben „extra scharf“ zu machen, um mit allen Mitteln zu verhindern, dass ich womöglich als „Pflegezombie“ (im Bett angebunden und mit einem Schlauch für die Ernährung durch die Nase) meine „letzten Jahre ableisten“ muss….

    Zumal ich befürchte, dass meine Patientenverfügung nicht reichen könnte und mein Erbe mit dem „Mordparagrafen eingeschüchtert“ werden könnte. Der Erbe ist rund 2 m groß, hat ein großes Maul und eine spitze, scharfe Zunge, hoffe das reicht….

    • @Realo

      Danke für Ihre Schilderungen. Diese scheinen aus meiner Sicht doch deutlich zu belegen, dass Ältere schon wegen des Zeithorizontes durchschnittlich seltener Investitionen und Kreditaufnahmen konkret für neue Heizungen, Wärmedämmungen o.ä. tätigen werden als Jüngere. Und entsprechende Vorschriften auch schneller als bedrohlich empfinden werden. Richtig?

  41. @Realo 10.02. 15:57

    „Da rund 75% der Häuser alte Öl/Gasheizungen haben, kommen rund 200 000 Euro Sanierungskosten dazu. Dann ist noch die Frage ob der Erbe das Haus überhaupt nutzen kann, er in der Nähe einen Job hat????“

    Zumindest die Wärmepumpe gibt es ab 20.000 zu haben. Und alles in Stadtnähe dürfte demnächst Fernheizung bekommen. Dass Immobilien öfter nicht in Jobnähe liegen, ist nun mal nicht zu ändern. Man kann sie aber verkaufen, und sich von dem Geld in Jobnähe was kaufen.

    Was das Risiko Altenheim betrifft, was soll man da machen? So manch einer pflegt tatsächlich noch seine eigenen Eltern. Solange es irgendwie geht, ich kenne dafür eine ganze Reihe Beispiele.

  42. @ Tobias Jeckenburger 10.02.2026, 17:19 Uhr

    Nicht die Wärmepumpe, die Wärmedämmung bei alten Häusern ist das Problem. Bei neuen Häusern nimmt man einfach bessere Ziegel und eine Fußbodenheizung, das kostet kaum mehr. Aber die Sanierung ist sehr teuer….

    Ich habe gerne meine recht alt gewordenen Eltern (81 bzw. 91 Jahre) neben meinem Job gepflegt. Sie haben mir eine sehr gute Ausbildung ermöglicht und dafür war ich sehr dankbar….

  43. Hallo Herr Blume.
    Leider hat Sie mein Beispiel mit den „Plätzen auf der Welt“
    (siehe weiter oben) noch nicht ganz überzeugt.
    Deshalb versuche ich es jetzt mit einem anderen Beispiel.
    Eine sinkende Bevölkerungszahl führt zu einem sinkenden
    Bedarf an den Produkten aller Art.
    Ein sinkender Bedarf an den Produkten führt zu einer
    sinkenden Anzahl von Arbeitsplätzen.
    Eine sinkende Bevölkerungszahl führt zu einer sinkenden
    Anzahl von Arbeitskräften.
    Das bedeutet, dass die Anzahl von Arbeitsplätzen und
    die Anzahl von Arbeitskräften in gleichem Maße sinken.
    Dadurch kann also gar keine Verstärkung der
    Arbeitslosigkeit bewirkt werden.
    Ein steigender Anteil von älteren Menschen erzeugt
    zusätzliche Arbeitsplätze in den Pflegeberufen.
    Durch die Automatisierung können Arbeitsplätze
    verloren gehen.
    Durch die Automatisierung kann eine Arbeitskraft
    in einer kürzeren Zeit die gleiche Menge an
    Produkten erzeugen.
    Deshalb ist eine kürzere Arbeitszeit bei gleicher
    Bezahlung gerechtfertigt.
    Auf diese Weise könnte man die Arbeitslosigkeit
    durch die Automatisierung bekämpfen.

    • Vielen Dank, @Karl Bednarik – in vielen Aspekten sind wir inzwischen einer Meinung.

      Ich fürchte jedoch, an einer Stelle halten Sie – teilweise aus verständlichen biografisch-emotionalen Gründen – noch immer an einem statischen Bild von Wirtschaft fest, das die Realität jedoch leider verfehlt.

      Sie schreiben:

      Eine sinkende Bevölkerungszahl führt zu einem sinkenden
      Bedarf an den Produkten aller Art.
      Ein sinkender Bedarf an den Produkten führt zu einer
      sinkenden Anzahl von Arbeitsplätzen.
      Eine sinkende Bevölkerungszahl führt zu einer sinkenden
      Anzahl von Arbeitskräften.
      Das bedeutet, dass die Anzahl von Arbeitsplätzen und
      die Anzahl von Arbeitskräften in gleichem Maße sinken.

      Zu berücksichtigen bitte ich Sie, dass sich die Nachfrage nach „Produkten aller Art“ im Lebenslauf unterscheidet. Junge Familien benötigen im Durchschnitt viel mehr und andere Produkte – wie etwa Bildung, neue Wohnungen und Fahrzeuge – als ältere Menschen. Kinder erzeugen Nachfrage, auch lange bevor sie selbst etwas produzieren.

      Dann steigt die Produktivität pro Kopf – auch durch die von Ihnen genannte Automatisierung. Ich sprach ja gerade im IPAI („Innovationspark Künstliche Intelligenz“) Heilbronn und war schon sehr beeindruckt von der Dynamik der dortigen Entwicklung:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/ki-bildung-science-fiction-bildungsneid-rede-zur-psychologie-der-mimesis/

      Wo aber investieren Unternehmen, schaffen neue Produktionsanlagen an, bilden junge Menschen aus? Doch dort, wo die Bevölkerung noch wächst, wo es bereits ausreichend junge Menschen gibt bzw. solche angeworben können – beispielsweise im Umfeld von florierenden Hochschulen. Weder in China noch in den USA, Deutschland oder sonstwo verteilen sich die Investitionen gleichmäßig über die Fläche, sondern sie konzentrieren sich auf wenige Wachstumsregionen, zunehmend „Cluster“ (Netzwerke) oder auch „Hubs“ (etwa: Brutstätten) genannt.

      Deswegen führt die säkulare Geburtenimplosion zu einer schnellen Deindustrialisierung und einem dramatischen Schrumpfen von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen an manchen Orten, während sich andere noch besser halten oder sogar noch wachsen können.

      Auch um den Mittelabfluss aus Europa zu begrenzen, empfehle ich, den Import von Erdöl und Erdgas sowie die Lizenzen für nichteuropäische Konzern-Software schneller zu reduzieren. Es wäre gut, wenn wir mehr Wertschöpfung und damit auch Arbeitsplätze und technologische Kompetenz im europäischen Inland behalten könnten, statt uns in die Abhängigkeit von Staaten wie China oder den USA zu begeben.

      Ihnen Dank für unsere guten, dialogischen Diskussionen! 🙏🙌

      • Hallo Herr Blume.
        Jene Länder mit wenig Klimaschutz, wenig Umweltschutz,
        wenig Arbeitnehmerschutz, und wenig Tierschutz,
        können natürlich alle Produkte billiger herstellen.
        Die Konzerne sind natürlich auch bei uns ausschließlich
        an ihrer Gewinnmaximierung interessiert.
        Um eine garantierte Grundversorgung mit allen
        lebensnotwendigen Produkten sicherstellen zu können,
        werden vermutlich staatliche Fabriken notwendig sein.

        • Danke, @Karl Bednarik 🙏

          Ich glaube, wir kommen hier langsam voran – wobei ich längst in Regionen innerhalb von „Ländern“ denke und Sie offensichtlich noch in Nationalstaaten.

          Diese Flächenstaaten können aber das Problem der mangels Kindern und Nachfrage auseinanderfallenden Niedergangs- und Wachstumsregionen nicht lösen. Hier ein ganz aktueller Bericht aus China:

          Chinas Wirtschaft

          Schwache Nachfrage und Deflationsgefahr

          Stand: 11.02.2026 08:59 Uhr
          Von Eva Lamby-Schmitt, ARD Shanghai

          Chinas Wirtschaft befindet sich seit längerem an der Schwelle zur Deflation, was als schlecht für die Konjunktur gilt. Hintergrund sind Überkapazitäten und schwache Nachfrage im Inland.

          […]

          Chinas Wirtschaft befindet sich seit längerem an der Schwelle zur Deflation und kämpft mit sinkenden Preisen, was als schlecht für die Konjunktur gilt. So sind auch im Januar die Herstellerpreise zurückgegangen, wobei sich der Rückgang zuletzt etwas abgeschwächt hat. In China sind Überkapazitäten und Preisdruck ein großes Problem, Hersteller produzieren mehr als sie verkaufen können und bieten die Waren immer günstiger an. Vieles wird dann ins Ausland verkauft, weil der Binnenmarkt schwach ist.

          https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/china-wirtschaft-schwaeche-100.html

          Und, ja, „staatliche Fabriken“ gibt es doch längst auch in Deutschland schon. So werden Güter und Dienstleistungen im Bereich der Bildung und Sicherheit schon jetzt überwiegend von staatlichen Einrichtungen (Schulen, Hochschulen, Polizei- und Bundeswehreinrichtungen usw.) produziert. Wenn Sie sich für Technologien interessieren und über den überholten Gegensatz zwischen Markt und Staat hinausschauen wollen, dann dürfte die erste Wirtschaftsnobelpreisträgerin Elinor Ostrom (1933 – 2012) für Sie interessant sein.

          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-9-zur-wirtschafts-nobelpreistraegerin-elinor-ostrom/

          Ihnen von Herzen Dank für Ihr Interesse – bleiben Sie gerne weiterhin dran! 🙌

          • Hallo Herr Blume.
            Es besteht eine realistische Wahrscheinlichkeit dafür,
            dass die Bevölkerungszahl auch weiterhin sinken wird.
            Für diesen Fall sollte man das Wirtschaftssystem
            vorbeugend und konstruktiv daran anpassen.
            Zum Beispiel könnten intelligente Maschinen den
            allgemeinen Wohlstand auch weiterhin aufrecht erhalten.

          • Ja, @Karl Bednarik – dem stimme ich zu.

            Und wir brauchen dazu auch gar nicht auf zukünftige Technologien zu warten. Von entscheidender Bedeutung für den weiteren Wohlstand in unserem Land ist der schnellere Ausbau von Stromnetzen und Batteriespeichern – denn schon jetzt muss immer wieder Ökostrom „abgeregelt“ (also: vergeudet) werden, obwohl sich die Technologie längst lohnt!

            Im vergangenen Jahr sind in den EU-Ländern neue Batteriespeicher mit einer Kapazität von 27,1 Gigawattstunden hinzugekommen, ein Wachstum um 45 Prozent, wie Solarpower Europe berichtet. Vor allem große Speichersysteme trieben das Marktwachstum. […]

            Genehmigungsverfahren für Speicher und Hybridprojekte müssten europaweit vereinfacht und beschleunigt werden. Dabei gelte es, „netzfreundliche“ Batteriespeicher bei den Anschlussverfahren zu priorisieren. Auch sollten die Speicher einen fairen Zugang zu den Strommärkten erhalten. Überdies wichtig seien EU-weite Sicherheitsstandards, Vorschriften für das Recycling und die Wiederverwendung von Batterien sowie eine Offenlegung der CO2-Bilanz über die komplette Wertschöpfungskette.

            https://www.pv-magazine.de/2026/01/28/eu-verzeichnet-12-rekordjahr-beim-batteriespeicher-zubau-in-folge/

            So können Gelder, Arbeitsplätze und Wohlstand im Inland bleiben, statt weiterhin Verschwendung, Verbrennung sowie fossile Diktaturen und antisemitische Terrorgruppen zu bezahlen. Das wäre auch seitens der Bundespolitik mal echte und volkswirtschaftlich kluge Technologieoffenheit!

  44. @ Michael Blume 11.02.2026, 08:25 Uhr

    Zitat: „Diese scheinen aus meiner Sicht doch deutlich zu belegen, dass Ältere schon wegen des Zeithorizontes durchschnittlich seltener Investitionen und Kreditaufnahmen konkret für neue Heizungen, Wärmedämmungen o.ä. tätigen werden als Jüngere. Und entsprechende Vorschriften auch schneller als bedrohlich empfinden werden. Richtig?“

    Genau so ist es. Für junge Leute die ein Haus mit Garten bauen wollen, ist es völlig naheliegend, dass sie sich PV Anlagen mit Speicher, eine Wärmepumpe mit Fußbodenheizung, und bessere Ziegel für die Wärmedämmung zulegen.

    Auch können sie den Grundriss „modern“ gestalten, wie es heute üblich ist. Sie bekommen auch Kredite und Förderungen und bauen in der Nähe des Arbeitsplatzes. Manche Gemeinden fördern dies sehr geschickt und das kann man nur begrüßen.

    Für Familien mit kleinen Kindern ein Paradies, wenn die Eltern (besonders die Frauen) mit den „passenden Instinkten“ ausgestattet sind und sie einen „netten Papi“ fürs ganze Leben haben. Für diese Frauentypen ist es eine Tragödie, wenn sie keine Kinder bekommen können oder lauter Fehlgeburten haben.

    Aber die alten Rentner mit kleinem Häuschen und kleiner Rente, besonders in der Ex DDR, waren verzweifelt darüber, als ihnen klar wurde, was ein wegen dem Heizungsgesetz aufgezwungener Umbau kosten würde. Sie hätten auch nie einen Kredit bekommen und fürchteten auf der Straße zu landen. Kein Wunder, dass die auf die Grünen wütend und verbittert sind….

    Ein neuer Hausbesitzer kann selber bestimmen, was er mit dem alten Haus macht. Ist er ein „Bastler“ kann er die Arbeiten billig selber machen. Andernfalls baut er neu….

    • Herzlichen Dank, @Realo – hier sind wir einer Meinung. Ich denke, Ihre Kommentare zeigen sehr gut, wie verebbende Demografie – das Fehlen von Kindern – genau die Reaktanz, die Nachfrageschwäche, Fortschritts- und Verbotsangst und schließlich Rechtsmimesis hervorbringt, die inzwischen auch etwa @Martin Holzherr beklagt.

      Sie haben m.E. zu Recht beobachtet:

      Für junge Leute die ein Haus mit Garten bauen wollen, ist es völlig naheliegend, dass sie sich PV Anlagen mit Speicher, eine Wärmepumpe mit Fußbodenheizung, und bessere Ziegel für die Wärmedämmung zulegen.

      Auch können sie den Grundriss „modern“ gestalten, wie es heute üblich ist. Sie bekommen auch Kredite und Förderungen und bauen in der Nähe des Arbeitsplatzes. Manche Gemeinden fördern dies sehr geschickt und das kann man nur begrüßen.

      […]

      Aber die alten Rentner mit kleinem Häuschen und kleiner Rente, besonders in der Ex DDR, waren verzweifelt darüber, als ihnen klar wurde, was ein wegen dem Heizungsgesetz aufgezwungener Umbau kosten würde. Sie hätten auch nie einen Kredit bekommen und fürchteten auf der Straße zu landen. Kein Wunder, dass die auf die Grünen wütend und verbittert sind…

      Hier stimme ich Ihnen völlig zu!

      Eine solche Deindustrialisierung ist dann natürlich auch für die – schrumpfende – junge Generation ein Problem, weswegen sich Unzufriedenheit, ja Wut ansammeln. In Demokratien führt das zu einem häufigeren Anstieg v.a. rechtspopulistischer Parteien. In Diktaturen wie Russland und China führt es dazu, dass jüngere Männer ins Militär oder ins Ausland gezwungen werden, damit sie nicht rebellieren. Der demografische, moralische und auch wirtschaftliche Niedergang der Diktaturen wird damit wiederum beschleunigt.

      Dazu habe ich unlängst gepostet:

      1 Folge schnell sinkender Geburtenraten ist der Übergang von der Leistungsgesellschaft (#Meritokratie) zur Erbengesellschaft (#Inheritokratie) – nicht mehr Arbeit, Verwandtschaft entscheidet.

      & die #Rechtsmimesis hat noch eine 2., beunruhigende Folge: Es bietet sich für die Reichen an, unzufriedene, junge Menschen ins #Militär & in Milizen zu stecken & gerne auch in Kriege zu schicken.

      Auch das sehen wir in #Russland , #China , #Japan , #USA usw. schon. Das 21. Jahrhundert wird wild.

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/116045216777342635

      Psychologisch kann ich also gut verstehen, warum Sie hoffen, vor den Veränderungen unter den vermeintlichen „Schutz“ von Tyrannen fliehen zu wollen, @Realo. Ich muss Ihnen jedoch mitteilen, dass dies nie funktioniert hat und auch nicht funktionieren wird. Gerade auch ältere Menschen werden durch die freiheitliche Demokratie geschützt – und nicht durch eine Diktatur.

  45. @Realo 11.02. 09:51

    „Aber die alten Rentner mit kleinem Häuschen und kleiner Rente, besonders in der Ex DDR, waren verzweifelt darüber, als ihnen klar wurde, was ein wegen dem Heizungsgesetz aufgezwungener Umbau kosten würde.“

    In der Tat wäre ein Heizungsgesetz ohne die Beurteilung der finanziellen Lage gerade von älteren Eigentümern in Ostdeutschland eine Zumutung, und für den einen oder anderen eine persönliche Katastrophe.

    In wirklichen Verfallsregionen lohnt sich dann auch ein energetischer Umbau nicht mehr. Da kann man u.U. das Haus besser abreißen. Insbesondere wenn das Haus rundherum sowieso schon runtergekommen ist, und überall in der Nachbarschaft schon längst die Häuser leerstehen. Eine Renovierung würde dann einfach unrentabel sein.

    Im Prinzip ist auch erst mal jeder selber Schuld, wenn er sich eine neue Gasheizung einbauen lässt, obwohl eine Wärmepumpenheizung dann später im Verbrauch wesentlich günstiger werden kann. Aber auch davon profitiert man dann erst in 10 bis 30 Jahren. Was freilich älteren Menschen wiederum völlig egal sein kann.

    @Michael 11.02. 18:52

    „warum Sie hoffen, vor den Veränderungen unter den vermeintlichen “Schutz” von Tyrannen fliehen zu wollen, @Realo. Ich muss Ihnen jedoch mitteilen, dass dies nie funktioniert hat und auch nicht funktionieren wird.“

    Das hilft dann wirklich nicht weiter. Auch eine AfD-Regierung dürfte nicht zielführend sein. Die wollen bestehende Windräder abreißen, obwohl die den billigsten Strom liefern.

    Eine vernünftig gestaltete Energiewende kann sogar hier und da günstiger als die fossilen Alternativen sein, und bringt neben Klimaschutz auch Unabhängigkeit und Wertschöpfung im eigenen Land mit sich. Und mindert Putins Kriegskasse.

    Es sind eben auch vernünftige Heizungsgesetze von demokratischen Parteien möglich, die auch die Verhältnisse von älteren Mitbürgern, die in Verfallsregionen wohnen, wahrnehmen und berücksichtigten.

    Zumal in einem großem Teil des Wohungsbestandes in Deutschland die Wärmepumpe durchaus bezahlbar ist, insbesondere über Fernheizungsnetze in Stadtteilen mit verdichteter Bebauung. Und dann am Ende gar nicht so viel teurer wird, stellenweise sogar billiger, wenn die Primärproduktion von Wind und Sonne weiter immer billiger wird. Nur wer wirklich bei der reinen Gas- oder Ölheizung bleibt, für den könnte das zunehmend wirklich immer teurer werden.

    Bei mir kommt in 5 Jahren die Fernheizung, vorher geht es nicht. Wenn bis dahin meine über 25 Jahre alte Therme kaputt geht, wäre das sehr ärgerlich für meine Wohnungsgenossenschaft. Man wird dann womöglich eine gebrauchte Therme für die wenigen Jahren einbauen, bis eben die Fernheizung fertig ist.

    Bei meinem Kumpel hat man letztes Jahr schon von Gastherme auf Fernheizung umgestellt, und überraschenderweise zahlt der jetzt sogar weniger. Gas ist ja nun immer noch ganz schön teuer, gerade für Verbraucher mit eigener Gastherme für eine recht kleine Wohnung.

    • Danke, @Tobias

      Es ist halt längst klar: Erneuerbare Energien sind Friedensenergien, weil sie die Finanzierung von gewalttätigen Regimen wie Russland und antisemitischen Terrorgruppen wie den iranischen Revolutionsgarden einschränken. Und sie sind Wohlstandsenergien, weil sie längst die günstigste Energieform darstellen und die Wertschöpfung und Arbeitsplätze im Inland behalten.

      Deswegen bekämpfen fossile Lobbyistinnen so erbittert den weiteren Netzausbau und vor allem den Aufbau von Batterien einschließlich grünem Wasserstoff: Wenn diese letzten Hürden genommen sind, verliert die gigantische Karbonblase aus Erdöl und Erdgas ihren Wert.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/zuviel-oekostrom-solarstrom-speicher-in-deutschland-schaffen-erneuerbare-wohlstandsenergien-jetzt/

      Auch sinkt die Bevölkerung in immer mehr Regionen bereits, auch in Deutschland bereits um ca. 300 Menschen pro Tag (minus 100.000 in 2025). Psychologische Reaktanz ist wegen der Alterung zwar verständlich, aber das Argument der Energie-Knappheit greift nicht mehr.

      Aktuell werden übrigens auch neue Ölquellen durch das brasilianische Fossilunternehmen Petrobras im Amazonas-Gebiet erschlossen. Wer sich weiterhin an die Verbrennung von Erdöl und Erdgas klammert, braucht mir daher von Mitweltschutz und Verantwortung nix mehr zu erzählen. Wer weiterhin auf fossile Profite zielt, verbrennt die Zukunft der ohnehin schon schrumpfenden, jungen Generationen.

  46. Hallo Herr Blume.
    Zu den exotischen Werkstoffen:
    Rohstoffe für die Solarenergie:
    Nachhaltige Photovoltaik beginnt im Labor:
    https://www.spektrum.de/news/solarenergie-wie-laesst-sich-photovoltaik-nachhaltig-ausbauen/2300808
    Anmerkungen dazu:
    Indium wird überwiegend bei der Zinkgewinnung
    aus Sphalerit (ZnS, Zinksulfid) gewonnen.
    Indiumzinnoxid wird für die Herstellung transparenter
    Elektroden in Dünnschicht-Solarzellen eingesetzt.
    Indiumzinnoxid kann man durch Graphen ersetzen,
    und das ist nur dünner Kohlenstoff.
    Zu den Amortisationszeiten einiger Kraftwerkstypen:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Erntefaktor#Erntefaktoren_und_Amortisationszeiten_einiger_Kraftwerkstypen
    Anmerkung dazu:
    Die hier angeführten Windkraftwerke haben noch keine
    Holztürme und Holzflügel, was natürlich die
    Amortisationszeiten noch weiter verkürzen würde.

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