May the Fourth be With you – Eine kritische Liebeserklärung an Star Wars

Für psychisch gesunde Menschen “fließt” Zeit nicht einfach einfömig dahin, sondern wird durch Feier- und Gedenktage religiöser, weltanschaulicher, politischer und persönlicher Art – wie etwa Geburts- und Hochzeitstage – sinnvoll gegliedert. So begehe ich beispielsweise alljährlich zusätzlich zu vielen “großen” Feiertagen auch den Darwin-Tag am 12. Februar und den Star Wars-Tag am 4. Mai, den ich sogar 2020 als erster bundesdeutscher Regierungsbeamter per Texten und Tönen “offiziell anerkennen” durfte. In diesem Jahr twittere dann auch schon der Bundes-Justizminister dazu. Läuft.

Ein Radio-Hinweis auf meinen Vortrag zum Star Wars-Tag am 4.5.2022.
Screenshot: Michael Blume

2022 überschnitt sich der 4. Mai zudem mit zwei zentralen Feiertagen der israelischen Demokratie: Mit Jom haZikaron für die Gefallenen gegen Terror und Krieg und dem (am Abend folgenden) Unabhängigkeits- und also Gründungstag Jom haAtzmaut. Beide spielen im leider noch immer nicht gewonnenen Kampf gegen den verbreiteten, israelbezogenen Antisemitismus eine große Rolle. In der Türkei durfte dagegen an das Tertele-Massaker vom 4. Mai 1937 wieder nur inoffiziell gedacht werden, in dessen Verlauf Nationalisten um die 80.000 vor allem kurdisch-alevitische Menschen in der Region Dersim ermordeten.

Lohnt sich der Kampf für eine demokratische Republik? Eine Baugerüst-Publikation schon von 2016, Autor & Screenshot: Michael Blume

Ein weiterer Grund, die Einladung der Evangelischen Jugend- und Bildungswerke Ulm und Alb-Donau anzunehmen, lag im Gedenken an einen lieben, viel zu früh verstorbenen Freund: Den Stuttgarter Stadtrat Aytekin Celik (1970 – 2020). Eine angedachte Gedenkveranstaltung am 4.5.21 konnte wegen Covid19 nicht verwirklicht werden, doch ich wollte einmal an einem #Maythe4th-Tag öffentlich an Aytekin und unsere Star Wars-Dialoge erinnern.

Und schließlich ergab sich auch noch die Chance, gleich drei Themenkreise inhaltlich zu vertiefen, die gerade auch zum Verständnis von Mythen und Verschwörungsmythen meines Erachtens noch gewaltig unterschätzt werden: 1. Die Unterscheidung relativistischer, monistischer und dualistischer (verschwörungsmythologischer) Mythen. 2. Die u.a. von Karl Jaspers, Jeanne Hersch und Martin Buber aufgeworfene Bedeutung verschiedener Zeit-Vorstellungen. Und 3. Die Bedeutung des Geldes in Radikalisierungsprozessen. Kurz: Ich wollte nach Text-Publikationen zur Star Wars-Mythologie den Star Wars Day auch einmal mit Vortrag & Dialog auf Nerd-Niveau begehen. (Zur Bedeutung von Neomythen im Kontext des Judentums hatte ich bereits hier bei einer Fachtagung gesprochen und gepodcastet.)

Hier finden Sie also die kritisch-liebevoll-philosophische Würdigung von Star Wars und die anschließende Fragerunde im wundervollen Cafe Jam, Ulm, aufgezeichnet am May the Fourth Two Thousand Twenty Two:

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren als „teilnehmender Beobachter“, um Digitalisierung zu erforschen, Religionswissenschaft leichter zugänglich und niedrigschwelliger diskutierbar zu machen.

5 Kommentare

  1. Nice Try :

    May the Fourth be With you [Artikel+berschrift]

    Vgl. auch mit :
    -> https://en.wikipedia.org/wiki/Star_Wars_Day

    Korrekt ist es aus diesseitiger Sicht Problemlagen nicht nur binär (“schwarz/weiß”), sondern sozusagen n-dimensional zu bearbeiten.

    Vierdimensionalität ist abär ebenfalls unzureichend.
    >:->
    Auch wenn so irgendwie i.p. Breite, Höhe und Länge, dann auch die Veränderung als vierte Größe, meinend, angeraten scheint.
    Nichts war jemals ‘ausgeforscht’.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer

  2. Veröffentlicht in: Allgemein, … – Es fehlt der Hinweis auf die Midi-Chlorianer, die die Macht überhaupt erst möglich machen, bzw. im hinweisenden Vergleich mit unserer Realität den Part darstellen wie Mensch tatsächlich das Zusammenleben organisieren sollte, um die volle Kraft des Geistes in Ganzheitlichkeit zu unserem holographischen Universum gestalten könnte. 👋😃

  3. @Magie und Starwars

    Dass man sich in dieser Filmreihe auch ganz explizit mit der Magie im Leben auseinandersetzt ist ja nun auch noch mal ein wesentliches Element. Man mag das einfach dramaturgisch auffassen, kann hier aber auch Bezüge zu tatsächlich erlebbaren magischen Effekten im tatsächlichen Leben sehen. Je nachdem, wie man sein Leben selber erlebt und erfährt.

    Und ganz wichtig finde ich, dass Starwars neben dieser persönlichen Wirkung auch noch weltweit Zuschauer und sogar Anhänger gefunden hat. Hier mal mit dem Materialismus ganz offen zu brechen war eine Heldentat für sich. Und Georg Lucas und sei Team haben hier auch ein riesengroßes Risiko auf sich genommen. Man hatte keine Ahnung, wie das Kinopublikum auf diesen ersten Teil reagieren wird, und das angesichts von zigmillionen Dollar Produktionskosten.

    Es wurde ein Riesenerfolg. Lucas hatte auch ganz gezielt eine Religion konstruiert, mit der möglichst jede der menschlichen religiösen Traditionen was anfangen kann. Mit dem Ergebnis, dass die Filmreihe selber wohl gewisse Standards gesetzt hat, wie man inzwischen Religösität weltweit einschätzt. Das ist vielleicht sogar der erste weltweit akzeptierte Mythos der Menschheitsgeschichte überhaupt geworden.

    Wenn dem als nächstes auch noch die Wissenschaft folgt, und sich endlich mal ernsthaft mit magischen Elementen in der Lebenserfahrung der Menschen auseinandersetzt, wären wir einen weiteren wesentlichen Schritt weiter. Hier gilt über weite Strecken ein Naturalismus immer noch als Standard, dem man selten wagt zu widersprechen.

    Derweil wenigstens die vergleichende Religionswissenschaft ein Faktum gefunden hat, dass erstmals ein globales Phänomen als globaler Mythos weltweit die Runde gemacht hat.

    Interessant finde ich auch, dass man in der Starwarsmythologie auch auf Dualismus nicht ganz verzichtet hat. Es gibt nun ja auch im echten Leben durchaus böse Elemente, die man denn auch böse sein lässt. Auch wenn sie der Theorie eines allgemeinen Monismus zu widersprechen scheinen. Im Leben selber ist es eben genauso pragmatisch, dem Monismus wenigstens Ausnahmephänomene einzelner dualistisch-böser Personen entgegenzustellen. Hitler verteidigen mag eben auch kein Monist freiwillig machen. Da sind einfach Grenzen überschritten worden.

    • Danke, @Tobias Jeckenburger.

      Tatsächlich würde ja auch der #Monismus – im Gegensatz zum #Relativismus – nicht leugnen, dass es Gut und Böse gibt. Er würde jedoch darauf bestehen, dass der Konflikt innerhalb jedes selbstbewussten Lebens erfolgt – wogegen der #Dualismus zwischen absolut Guten und absolut Bösen meint unterscheiden zu können. Star Wars ist tatsächlich weitgehend monistisch gelungen – man denke nur an Anakin und Padme -, hat aber v.a. in Bezug auf die Sith noch wenig bearbeitete, dualistische Mythen entfaltet.

      Ich wage die Prognose, dass der 4. Mai als Star Wars-Gedenktag zur Verteidigung der Republik immer weiter an auch globaler, kultureller und mythologischer Bedeutung gewinnen wird. Und bin dankbar, dass ich dazu 2020 und 2022 je einen kleinen Beitrag im Hinblick auf Deutschland leisten durfte.

      Möge die Macht mit Ihnen sein!

  4. @Michael 08.05. 20:51

    „Er würde jedoch darauf bestehen, dass der Konflikt innerhalb jedes selbstbewussten Lebens erfolgt – wogegen der #Dualismus zwischen absolut Guten und absolut Bösen meint unterscheiden zu können.“

    In der Praxis ist es jetzt nicht ganz so wichtig, ob einer jetzt genetisch oder psychosozial zu einem unangenehmen Zeitgenossen geworden ist. Den Menschen dabei unterstützen, sich zu bessern, kann man öfter dennoch probieren.

    Bezüglich von religiösen Dualismen ist aber die Theorie, dass wir auch eine gespaltene Geisteswelt haben, das eigentlich Destruktive. Auch hier wäre ein Teil des Kampfes vom Individuum zu verantworten, aber entscheidend sind dann doch die Kontakte zu den richtigen oder falschen Geistern. Diese falschen Geister sind dann praktischerweise auch gleich die, die die perfiden Verschwörungen planen und in die Tat umsetzen.

    Wenn man eine einzige Geisteswelt annimmt, die sich eben nicht im Bürgerkrieg der Geister und Dämonen befindet, dann wird man auch Inspiration generell positiv sehen. Und Gut und Böse sind dann tatsächlich als das Eigenwerk des Individuums zu betrachten. Auch in diesem Zusammenhang trägt dann das Bio-psycho-soziale Modell.

    Man wird dann aus einer Wechselwirkung von Genen, Umwelt und der Eigendynamik der eigenen Psychologie bestimmt, wobei Inspirationen aus dem Studium von vernünftigen religiösen Traditionen wie auch ganz direkte Inspirationen doch auch ganz gut unterstützen können.

    Unselige dualistische Religionsvarianten sind hier nicht nur bezüglich ihre eigenen Lehre destruktiv, sie verhindern auch entspannte Inspiration, wenn man immer Angst haben muss, an böse Geister zu geraten. Wodurch es nochmal besonders schwierig wird, weil diese Vereine dann auch kaum lernfähig sind. Wer hier eine neue Idee hat, der macht sich sofort des Einflusses böser Mächte verdächtig.

    Bei Starwars gibt es zwar die gute und die dunkle Seite der Macht, aber der Mensch entscheidet, wem er folgt. In diesem Sinne ist es eher eine Resonanz mit einer eigentlich monistischen Geisteswelt. Die Art der Resonanz entscheidet, mit welcher Seite der geistigen Wirklichkeit man unterwegs ist.

    Nicht ganz dasselbe wie die Idee von Gott und dem Teufel als Widersacher, die sich um die Seelen der Menschen streiten. Hier herrscht tatsächlich ein anhaltender Bürgerkrieg. Derartigen Mythen sollte man nach Möglichkeit lieber aus dem Weg gehen.

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