Martin Luther King jr. über die Geltung von Gesetzen und Menschenrechten

BLOG: Natur des Glaubens

Evolutionsgeschichte der Religion(en)
Natur des Glaubens

Derzeit sitze ich – wenn Zeit und Gesundheit es zulassen – über einem sciebook, in dem auch Leben und Werk des Baptistenpastors Martin Luther King jr. (1929 – 1968) beleuchtet werden. Wussten Sie zum Beispiel, dass er ursprünglich wie sein Vater einfach Michael King hieß, dieser aber nach einem Deutschlandbesuch seinen und des Sohnes Namen in Martin Luther verwandelte?


Rosa Parks (Mitte) wurde verhaftet, nachdem sie sich geweigert hatte, einem Weißen ihren Sitzplatz im Bus abzutreten. Der junge Baptist und Pastor Dr. Martin Luther King jr. (links) wurde zum bekanntesten Sprecher der sich nun formierenden Bürgerrechtsbewegung. Foto: Ebony Magazine, 1955

Ein Aspekt, der mich auch für andere Forschungs- und Debattenbereiche (wie die Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF)) besonders interessierte, war die Frage nach den Menschenrechten und der Geltung von Gesetzen bei “MLK”. In einem ausführlichen Brief an acht weiße Geistliche formulierte King 1964, Menschenrechte seien „von Gott gewährt und von der Verfassung verbürgt“ und führte aus:

„Nicht nur juristisch sondern auch moralisch sind wir verpflichtet, dem gerechten Gesetz zu folgen. Gleichermaßen ist man moralisch dazu verpflichtet, gegen das ungerechte Gesetz Widerstand zu leisten. Ja, ich teile die Meinung des heiligen Augustin, der da sagt, dass „das ungerechte Gesetz überhaupt kein Gesetz ist“. Nun, worin liegt denn der Unterschied zwischen den beiden und wie kann man beurteilen, ob ein Gesetz gerecht oder ungerecht ist? Gerechte Gesetze sind im Einklang mit dem moralischen, mit dem göttlichen Gesetz. Ein ungerechtes Gesetz widerspricht der moralischen Weltordnung. Um Worte des Thomas von Aquin zu benutzen: „Ein ungerechtes Gesetz ist ein Menschengesetz, das seine Wurzeln nicht im ewigen und natürlichen Recht gründet.“ Jedes Gesetz, das die Persönlichkeit des Menschen auf eine höhere Ebene versetzt, ist gerecht, und jedes, das ihn erniedrigt, ist ungerecht.“

Als Vorbilder von „bürgerlicher Gehorsamsverweigerung“ gegen Unrecht benannte er die biblischen Helden gegen Nebukadnezar, „jene frühen Christen, die gewillt waren, eher hungrigen Löwen vorgeworfen zu werden und furchtbare Qualen in Steinbrüchen zu ertragen, als sich bestimmten ungerechten Gesetzen des Römischen Reiches zu unterwerfen“, den griechischen Philosophen Sokrates und das amerikanische Volk bei der “Boston Tea Party”, „eine Tat bürgerlicher Gehorsamsverweigerung großen Stils“.

Quelle: Martin Luther King, „Warum wir nicht warten können“, Econ Verlag 1964, S. 98 – 126

Was meinen Sie – haben die Ausführungen Kings auch noch für unsere heutige Zeit Relevanz? Wenn ja – welche? Und wenn nein – warum nicht?

Auf Ihre Beiträge bin ich gespannt. Und unter allen (ernsthaft) Kommentierenden werde ich durch Würfeleinsatz am Dienstag, dem “Welttag des Buches”, wie versprochen ein Exemplar von Gunter Dueck’s “Abschied vom Homo oeconomicus” verlosen.

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) & "Verschwörungsmythen". Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

45 Kommentare

  1. Wessen Gesetzt steht höher – das Gottes

    oder das der Menschen?

    Ein Thema, welches seit Jahrtausenden die Menschen umtreibt und welches selbst der Ausspruch “Gebt dem Kaiser, was des Kaisers und gebet Gott, was Gottes ist” nicht wirklich in seiner Problematik auflöst.

    Das IRF (Interreligiöse Forum Basel) plant für den Herbst eine Veranstaltung(sreihe?) zu diesem Thema.

    Vielen Dank Michael, für einige Texthinweise!
    Mal sehen, was sich hieraus alles Gute, isA ergibt.

  2. Jenes höhere Wesen, das wir verehren.

    Die Berufung auf ‘jenes höhere Wesen, das wir verehren’, ist für einen Geistlichen ‘natürlich’ zwingend. Auf (Platzhalter, fügen Sie den für Ihre Glaubensrichtung passenden Begriff ein) Vor- und Eingaben versuchte man schon alle möglichen Ordnungen und Unordnungen zu gründen. Heutzutage werden meist ‘alternativlose’ Sachzwänge, oft der ökonomistischen Spielart (ökonomisch kann man sie nicht nennen) in einer vergöttlichten, nicht hinterfragbaren Fassung präsentiert.
    Jedoch gerade diese Vergöttlichungen verhindern den menschlichen Diskurs. Den Göttern (wir werden uns ja eh nicht auf den EINEN einigen können) werden recht unterschiedliche Weltsichten unter geschoben. Sie sind jedoch ‘ewig’, infallibel, dogmatisch und nicht verhandelbar. Was den Anhängern bleibt, ist sich im Namen derselben gegenseitig aufs Haupt zu schlagen bis eine Partei obsiegt. Dies legt man auch als göttliches Urteil aus.
    Ich wundere mich, ob wir irgendwann mal ohne ‘jene höheren Wesen, die wir verehren’ auskommen. Die Aussagen in Martin Luther Kings Zitat werden aussagekräftiger, universaler und anwendbarer ohne die göttliche Schützenhilfe. Nicht Kaiser noch Gott. Gebet den Menschen, was der Menschen ist.
    Fast vergessen. Danke Michael, für Deine immer interessanten Beiträge.

  3. Wessen Gesetzt steht höher?

    Wurden nicht auch die religiösen Gesetze einst von Menschen gemacht? Selbst Mohammed ließ sich von älteren Stammesgesetzen inspirieren. Und umgekehrt beinhalten auch zivile Gesetze, wie die amerikanische Verfassung, religiöse Gedanken. Zivile Gesetze müssen natürlich nicht in jedem Fall besser sein als religiöse. Man kann die angesprochene Problematik jedoch leicht auflösen indem man Gerechtigkeit für alle Menschen fordert.
    Martin Luther King hatte ursprünglich nur für die Aufhebung der sehr ungerechten Rassengesetze gekämpft. Später sah er, dass die Aufhebung der Rassentrennung das Problem der Ungleichheit letztendlich nicht gänzlich lösen konnte, da die Weißen immer noch reicher als die Schwarzen waren. Er erkannte auch, dass Ungerechtigkeit ein internationales Problem ist. Aus diesem Grund beschloss er sich für alle Unterdrückten, egal welcher Hautfarbe, einzusetzen. Sein Protest gegen den Vietnamkrieg und seine Kampagne gegen die Armut machten ihn jedoch zur Zielscheibe von Kritik, sogar in eigenen Reihen, weil seine Mitstreiter befürchteten, dass die Spendengelder ausbleiben würden.

  4. Erst dachte ich, er landet in einer Tautologie: Gesetz ist Gesetz, Amen! Aber dann steht doch der letzte Satz, den ich unterschreiben würde:

    “Jedes Gesetz, das die Persönlichkeit des Menschen auf eine höhere Ebene versetzt, ist gerecht, und jedes, das ihn erniedrigt, ist ungerecht.”

    Letztlich, so würde ich ergänzen, muß das einzelne Individuum sich selbst das Gesetz geben, da nur das einzelne Individuum darüber befinden kann, was es erniedrigt oder erhöht. Gesetze, die von “oben” diktiert werden sind in ihrer Anlage schon erniedrigend. Denn wie kann es sein, daß Politiker Gesetze verabschieden? Sind sie Stellvertreter Gottes auf Erden? Gesetzt, es existierte eine solche Denkweise, so würde ich sie als größenwahnsinnig bezeichnen.

    Jetzt kann man aber einwenden, daß bei einem solchen Individualismus ein Zusammenleben der Menschen gar nicht mehr möglich ist. Ich kann nicht anders als wieder auf die Mitgefühlsethik Schopenhauers zu verweisen. Um den Kreis zu Martin L. King zu schließen: da mein Mitgefühl mich in die Lage versetzt, im anderen mich selbst zu sehen, verbietet sich schon daher der Rassismus. Jetzt kann man aber wieder einwenden, daß es aber auch Menschen gibt, die jenes Mitgefühl nicht verspüren und dennoch moralisch handeln sollen. Hier würde ich an der Sensibilisierung arbeiten. Ein schönes Beispiel dafür wäre, das Spielen eines Instruments zu erlernen. Wenn Barenboim jüdische und arabische Musiker zusammen im Orchester auftreten läßt, so ist das ein Beispiel für jene Sensibilisierung, die ich meine: aufeinander hören, aufeinander achten, erkennen, daß die andere Stimme genauso am Klang beteiligt ist, wie die eigene.

  5. Gesetz von OBEN ist erniedrigend?

    @Hilsebein

    Für den Homo Religiosus ist das göttliche Gesetz (von “oben”) eben nicht erniedrigend, sondern erhöhend … ihn auf eine höhere Stufe der Erkenntnis, “näher” an das Überlegene (Gott) bringend.
    Das Individuum MUSS nicht sich selbst ein Gesetz geben … eher scheint mir, MUSS das Individuum sich einem Gesetz ergeben. (Ist doch kein Gesetz, einfach dem Kopf eines Individuums entsprungen, sondern Ergebnis einer gemeinsamen Stammes-, oder Volksgeschichte.

  6. Muhammad (a.s.) inspiriert

    @ Mona.
    Muhammad wurde nicht von “Stammesgesetzen inspiriert”. So zumindest die Auffassung und Lehre der Muslime, die in diesem Falle die höchste Verbindlichkeit beanspruchen DARF. Vielmehr inspirierte die Quelle der Offenbarung (Gott – über den geheiligten Geist GABRIEL) die Stämme, die Menschen seit jeher – und da diese Quelle alle gesetzlichen Ausflüsse speiste, stehen sie nat. in Verbindung und “färben” einander.
    Alle Menschengesetze sind also “letztlich” nichts weiter als – entw. vom Streben nach Unabhängigkeit von der Quelle oder durch das Streben nach verständnisvoller Umsetzung inspirierte INTERPRETATIONEN dieser geistig höher stehenden Fakultät. Wobei religiöse Menschen als diese Fakultät GOTT anerkennen – nicht religiöse Menschen andere Menschen, die sie als intelligenter, humaner, etc. ansehen.
    Aber letztlich ist es der “höhere Geist” der INSPIRIERT. Nicht?

  7. @ Muhammad Hanel

    Schon seit Spinoza wissen wir, daß das “Gesetz Gottes” eher und des öfteren Theologenhirnen entsprungen ist. Auf “Gott” zu verweisen ist heute gar nicht mehr möglich.

    “Das Individuum MUSS nicht sich selbst ein Gesetz geben … eher scheint mir, MUSS das Individuum sich einem Gesetz ergeben.”

    Als gläubiger aber nichtwissender Mensch in metaphysischen Dingen, der ich bin, verhandle ich mit meinem Gott, ich lehne aber eine “Ergebung” unter ein Gesetz ab, da die Ergebung in meinen Ohren eine masochistische Klangfarbe hinterläßt.

  8. Ergebung masochistisch ? Schade !

    @Hilsebein

    Kann ich nachvollziehen. Ist aber schade. Ergebung ist ein notwendiges (im wahrsten Sinne dieses Wortes) Erfordernis allen Daseins und hat nur dann eine masochistische Färbung, wenn sie mit UN(ein)VERSTÄNDNIS einhergeht.

    Sich dem BESSEREN zu ergeben, sich der besseren EINSICHT, der GERECHTEREN Entscheidung zu ergeben ist nur dem zu sehr EGO-ZENTRIERTEN Menschen ein Leid. Jene, welche nicht ihr unvollkommenes Ich, sondern vielmehr einem “angenommen” VOLLKOMMEN(ER)EN das Recht der Überlegenheit zuzugestehen bereit sind, haben kein Problem, sich dieser Vollkommenheit zu ergeben.

    Sich jenem zu ergeben, welches nach EIGENEM Dafürhalten (hier ist die eigene, eher unabhängige, selbstständige Entscheidung sehr wohl gefragt) überlegen ist, welches nicht besiegt werden KANN – dem sich zu ergeben ist eine ERLÖSUNG vom Schicksal ständige Niederlage zu erleiden – also ganz das Gegenteil von MASOCHISMUS 🙂

  9. @ Muhammad Hanel

    Es ist mir nur gegeben, einsichtig zu werden. Sich einer Einsicht zu ergeben, kommt in meinem Denken gar nicht vor. Und wie auch immer Sie “Gott” benennen mögen; es bleibt ein Zweifel: Sie können nicht unterscheiden zwischen einem Gesetz, das Ihnen oder einem Gott entsprungen ist. Hier unterscheiden zu können, ist dem Menschen nicht gegeben.

  10. @Muhammad Hanel

    “Wessen Gesetzt steht höher – das Gottes oder das der Menschen?”

    “Gott” hat keine Gesetze gegen jemand oder für etwas erhoben – die Metaphern und Gleichnisse stehen auf Gebote für unsere Vernunftbegabung, die wir seit der “Vertreibung aus dem Paradies” in Eigenverantwortung zum Bewußtsein der Schöpfung “gottgefällig” weiter entwickeln sollen!

    “Gebt dem Kaiser, was des Kaisers und gebet Gott, was Gottes ist”

    – das ist eine Formel für menschenwürdigen Gleichmut und Selbstlosigkeit, die zu Weisheit führen soll!?

  11. @Muhammad Hanel

    “Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.” Joh. 4,24

    Das ist die Antwort und ein größeres Problem, in Bezug auf:

    “Gebt dem Kaiser, was des Kaisers und gebet Gott, was Gottes ist”

    – wenn “Gott” uns nach seinem Ebenbild geschaffen hat!?

  12. @Muhammad Hanel

    “Muhammad wurde nicht von “Stammesgesetzen inspiriert”. So zumindest die Auffassung und Lehre der Muslime, die in diesem Falle die höchste Verbindlichkeit beanspruchen DARF. Vielmehr inspirierte die Quelle der Offenbarung (Gott – über den geheiligten Geist GABRIEL) die Stämme, die Menschen seit jeher – und da diese Quelle alle gesetzlichen Ausflüsse speiste, stehen sie nat. in Verbindung und “färben” einander.”

    Ja ich weiß, dass meine Auffassung ihrem Glauben widerspricht. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, aus meiner Sicht kann jeder Mensch glauben was er möchte. Aber wie soll man mit jemanden in Dialog treten, der sich auf Gott als höchste Fakultät beruft und schreibt:
    “Wobei religiöse Menschen als diese Fakultät GOTT anerkennen – nicht religiöse Menschen andere Menschen, die sie als intelligenter, humaner, etc. ansehen.
    Aber letztlich ist es der “höhere Geist” der INSPIRIERT. Nicht?”

    Selbst wenn ich Ihrem letzten Satz zustimme, dann stellt sich immer noch die Frage, ob nicht auch religiöse Menschen letztendlich nur das Gedankengebäude anderer Menschen, nämlich das ihrer Religionsgründer und religiösen Autoritäten, anerkennen. Buddha löste diesen Konflikt indem er Gott außen vorließ und ein Lehre schuf, die helfen sollte, die drei Hauptübel des Menschen, Neid, Hass und Verblendung, zu überwinden.

    Sie schrieben an @Hilsebein: “Sich dem BESSEREN zu ergeben, sich der besseren EINSICHT, der GERECHTEREN Entscheidung zu ergeben ist nur dem zu sehr EGO-ZENTRIERTEN Menschen ein Leid. Jene, welche nicht ihr unvollkommenes Ich, sondern vielmehr einem “angenommen” VOLLKOMMEN(ER)EN das Recht der Überlegenheit zuzugestehen bereit sind, haben kein Problem, sich dieser Vollkommenheit zu ergeben.”

    Was ist das Bessere? Selbst religiöse Gesetze werden ja oft nach Gutdünken ausgelegt, weil sich Autoritäten einen Vorteil sichern wollen oder vielleicht auch weil die Gesetze manchmal nicht gerade einfach zu verstehen sind. Ich hege großes Misstrauen gegenüber jemanden, der sich unreflektiert einer “Vollkommenheit” ergibt, weil das Demagogen Tür und Tor öffnet. Im Zusammenhang mit dem Attentat von Boston las ich, dass sich der ältere Bruder Videos eines salafistischen Predigers aus Tschetschenien angesehen hätte. Sah er diesen als “vollkommene” religiöse Autorität an?

  13. Was ist das Bessere?

    @Mona

    Dieser Konflikt löst sich ja sowieso nicht, auch wenn man Gott “außen vor lässt” oder leugnet. Und bleibt eine ENTSCHEIDUNG des Individuums.

    Weiters ist auch der Konflikt der INTERPRETATION ein beständiger. Egal ob man nun das Bessere eines lebenden oder verstorbenen Menschen annimmt oder das Bessere eines angenommenen ewigen Gottes.

    Das GUT-DÜNKEN ist ebenfalls ein entw. sich positiv (wenn gutes tats. gut ist) oder negativ (wenn das “gut gedünkte” doch nicht gut wäre) auswirkendes, dem Menschen überlassenes Handeln und Entscheiden – egal ob das GUTE (gut gedünktes) aus akzeptierter menschlicher oder angenommener göttlicher Quelle stammt.

    Das Problem ist also das UNREFLEKTIERTE Befolgen (wiederum egal, ob man einer (un)menschlichen Ideologie oder einer menschlichen (unmenschlichen) Interpretation einer (als solche angenommenen) göttlichen Offenbarung folgt. Denn nicht ist das Problem die ABSOLUTSETZUNG der göttlichen Offenbarung, sondern die ABSOLUTSETZUNG der diesbezüglichen menschlichen INTERPRETATION.

    Ich sehe also überhaupt kein Problem für Sie, mit “mir” (der eben schrieb, was er schrieb) in den Dialog zu treten. Denn – ich wiederhole die Problematik ist die gleiche. DIE ABSOLUTSETZUNG.

    Ich allerdings dialogisiere lieber mit Menschen, welche ihre Interpretationen (der Wirklichkeit) als RELATIV und nicht als ABSOLUT einstufen. Und ergeben (eine, für den Menschen nötige Eigenschaft) tue ich mich lieber einem ABSOLUTEN Gott, als – sich ABSOLUT gebärdenden MENSCHEN. Sie nicht?

  14. So nicht

    Nach Ihren Ausführungen darf man Moslems JEDERZEIT den Löwen vorwerfen, die armenr, armen Christen NIE!!!!!

    Faschismus hatten wir schon, hier tritt er erneut auf!

    Faschismus pur!!!!!!

    EKLIG!!!!!!!

    Okay, dieser Beitrag wird zensiert, wie es Kirchentreue ja mit allem machen, was niczt ins faschismusgetreue Kliscvhee passt.

  15. Gottes Gesetze nicht geg. od. für etwas?

    @ Horst

    Wie SIE MEINEN.

    Ich meine, Gott hat Gesetze FÜR die Höherentwicklung (des Menschen, seines Geistes) erlassen (und die Befolgung, Reflexion dieser Gesetze bewirken eben eine solche) und GEGEN den Verlust geistiger Größe und Verfall.

    Aus dem gleichen Grund übrigens – so meine und hoffe ich – erlassen auch Menschen ihre Gesetze.

    Und Übertreter der Gesetze, Missbrauch und Korruption sind die FEINDE BEIDER Gesetzgeber …

    UNTERSCHEIDEN kann der Mensch schon zwischen Menschen- und Gottes Gesetz.
    WIE?
    Indem er die Kriterien DEFINIERT und sich in der Beurteilung an seine DEFINITION entschieden hält.

    Wer sich allerdings NICHT auf Definitionen einzulassen GEWILLT ist, dem fehlen – das ist korrekt, lieber Herr Hilsebein – die UnterscheidungsKRITERIEN und KANN daher nicht zwischen Menschen- und Gottesgesetz unterscheiden … ja darüber hinaus, nicht zwischen MENSCH und GOTT (Gott behüt’) ent- und unterscheiden!

  16. @Statistiker

    Nee, diesen Kommentar lasse ich gerne stehen! Es ist doch immer wieder eindrucksvoll zu sehen, wie sich manche Menschen artikulieren, die sich selbst für aufgeklärt, gebildet und rational halten… Vielen Dank!

    (PS: Das o.g. Zitat stammt nicht von mir, sondern von Martin Luther King jr. Und für gewöhnlich wird auch mir vorgeworfen, ich wäre zu muslimenfreundlich. Ihr Hater seid echt Originale! 😉 )

  17. @ Muhammad Hanel

    Daß Begriffe definiert werden müssen, damit Verständigung möglich ist, ist einsichtig. Wir wissen aber seit Kant, daß Begriffe nur durch auf eine Art korrespondierende Anschauung eine Erkenntnis abgeben können. Da “Gott” sich dieser Anschauung aber entzieht, ist sowohl “Gott” als auch ein “Wille Gottes” oder auch “Gesetz Gottes” einer menschlichen Erkenntnis nicht zugänglich. Nehmen wir beide Hypothesen (Menschengesetz vs. Gottesgesetz) an, so tendiert, wenn man Ockhams Rasiermesser benutzt, die Waagschale eher in Richtung Menschengesetz.

  18. Gerechte Gesetze

    M.L.K. schrieb:

    » …wie kann man beurteilen, ob ein Gesetz gerecht oder ungerecht ist? Gerechte Gesetze sind im Einklang mit dem moralischen, mit dem göttlichen Gesetz. Ein ungerechtes Gesetz widerspricht der moralischen Weltordnung. «

    Das sagt sich so leicht. Nehmen wir mal ein einfaches Beispiel. Die meisten Menschen würden wohl zustimmen, dass Menschen das Recht auf körperliche Unversehrtheit haben, niemand darf den Körper eines anderen ohne dessen Einverständnis verletzen.

    Nun ist es aber in manchen Kulturen Brauch, kleinen Jungen die Vorhaut abzuschneiden, zum Teil aus religiösen Gründen. Hierzulande gibt es mittlerweile ein Gesetz, dass diese spezielle Verletzung der körperlichen Unversehrtheit ausdrücklich erlaubt.

    Daran sieht man, dass es keineswegs leicht ist, zu beurteilen ob ein Gesetz „im Einklang mit dem moralischen, mit dem göttlichen Gesetz“ steht.

  19. Dilemma

    Wir befinden uns in einem Dilemma (eigentlich ständigen Dilemata), das eben nicht einfach zu lösen ist. Es gibt nirgends das per se ‘Gute’, das im Hintergrund Maßstäbe setzt 8unabhängig davon, dass man von einem Gott ausgeht oder nicht). Es ist eher erforderlich, sich immer wieder durch das Unklare zu wühlen, darum zu ringen, welche Regeln in der jeweiligen Zeit, Probleme am besten lösen, welche Richtung einzuschlagen ist.
    Da sind die Menschen schon auf sich selber zurückgeworfen, da gibt es kein wie auf immer geartetes Netz, das auffängt. Aber die Menschheit hat es in dieser Hinsicht auch schon weit gebracht, auch wenn sie sich da immer auf sehr dünnem Eis bewegt – und interessant ist es allemal.

  20. Gott ist NICHT zugänglich? NEIN!

    @ Dietmar Hilsebein

    “Da “Gott” sich dieser Anschauung aber entzieht, ist sowohl “Gott” als auch ein “Wille Gottes” oder auch “Gesetz Gottes” einer menschlichen Erkenntnis nicht zugänglich.”

    DARÜBER lässt sich eben streiten! Und Ihre Aussage MUSS durchaus NICHT als absolut richtig angesehen werden.

    Gott entzieht sich zwar (jedenfalls in der URSPRÜNGLICHEN monotheistischen Tradition – denn JESUS (a.s.) war ja sicht-, be- und angreifbar “GOTT in Personalunion” audhubil’Lah)

    Darüber hinaus: GOTT ist eben durch die OFFENBARUNGSSCHRIFTEN “zugänglich” – das gilt daher ebenfalls für Gottes Gesetz und Wille.

    Nun ist es eben der menschlichen Akzeptanz und menschlichem Willen unterworfen, die EINE oder andere Offenbarung als authentisch zu DEFININIEREN (oder, wie gehabt, sich dieser Entscheidung zu entziehen oder die Definition abzulehnen).

    Nehmen wir nun beide Hypothesen an – und natürlich tun wir das – dann tendiert die Waagschale, Kant und Ockham hin und her – dorthin, wohin die Mehrheit DEFINIERT … so ist das eben in der RELATIVEN Welt … und deshalb mögen die Menschen, um das GUTE wetteifern (wie immer das Gute definiert werden mag), und deshalb MUSS es eine Pluralität in religiösem Sinne geben, da die Definition, die menschliche Entscheidung als RELATIV angenommen werden MUSS 😉

    Und WER nun ABSOLUT (also von menschlicher Fehlerhaftigkeit befreit) Recht hat, werden die Gläubigen am Jüngsten Tag erfahren und die Nicht-Gott Gläubigen …nie ??

    Vielleicht lohnt es sich deshalb nicht, über diese Ansicht (es sei denn, in bester Weise) zu streiten, sondern einander nur im förderlichen TUN zu übertreffen 🙂

  21. Herr Blume, ….

    Sicher haben diese Aussagen in ihrer Tendenz noch immer Relevanz. Wie aktuell sie gerade sind, kann ich aus Mangel an juristischer Kenntnis nicht ganz beurteilen.

    Nur dieser Satz kommt mir aktuell vor:

    “Jedes Gesetz, das die Persönlichkeit des Menschen auf eine höhere Ebene versetzt, ist gerecht, und jedes, das ihn erniedrigt, ist ungerecht.“ ….

    … und zwar deswegen, weil weite Bereiche der Humanwissenschaften das Subjekt gar nicht wahrnehmen und sachlich und “symptomorientiert” einen Gegenstand suchen, einen solchen aber absolut nicht im Subjekt erkennen wollen. Einer solcher Strategien nennt sich “Heterophänomenologie”.

    Das Problem daran ist, dass es kein Gesetz sei, sondern eine Art Methode in Wissenschaft und Therapie am Menschen. Dafür spricht natürlich, dass man pragmatisch Faktoren reduzieren muß, um irgendwie ergebnisorientierte Prozesse zu erlangen/erstellen.

    Während man aber allenortes das Individuum betont, leugnet man aber derart gleichzeitig das Subjekt – welches doch gerade das Individuum repräsentiert. Solcherart Systematik ist alles andere als redlich und fair – geradezu heuchlerisch.

  22. @M. Hanel

    Die Offenbarung ist der Fingerzeig “Gottes”, auf das was ihm bevorsteht (das Schicksal / die “göttliche Sicherung” vor dem Freien Willen), wenn Mensch (ALLE) es nicht schafft sich dem Ebenbild / dem Ursprung des Geistes (der uns alle im SELBEN Maß durchströmt) im Sinne des Verstandes von Vernunftbegabung anzugleichen und zu fusionieren!

    “Und WER nun ABSOLUT (also von menschlicher Fehlerhaftigkeit befreit) Recht hat, werden die Gläubigen am Jüngsten Tag erfahren und die Nicht-Gott Gläubigen …nie ??”

    So einfach (wie gewohnt im Wettbewerb) ist es absolut nicht 🙂

    Sicher, bei den “Nicht-Gott-Gläubigen” ist eine absolute Löschung ihres Bewußtseins möglich, aber da wird es eine mächtige Enttäuschung für die “Gläubigen” des Zeitgeistes geben, denn der geistige Stillstand seit der “Vertreibung” ist nicht der Weg zur Erlösung 😉

  23. Bewußtseinsentwicklung

    Jesus, der absolut NICHT für uns und unsere Sünden / als Sündenbock gestorben ist, hat nicht ohne Grund gesagt er kommt nochmal wieder – und er ist ziemlich sicher nicht der einzige der die Zeitpunkte und … seiner Reinkarnationen selbst bestimmen kann!!!

  24. @Balanus

    Sie schrieben: Die meisten Menschen würden wohl zustimmen, dass Menschen das Recht auf körperliche Unversehrtheit haben, niemand darf den Körper eines anderen ohne dessen Einverständnis verletzen.

    Sie scheinen keine Kinder zu haben. Sonst hätten Sie Erfahrungen z.B. mit Impfungen, Haare- oder Nägelschneiden, die auch allesamt ohne das Einverständnis der Kinder stattfinden müssen. Umgekehrt dürfen wir Erziehungsberechtigten auch manchmal gewünschte Körperverletzungen – etwa das Durchstechen für Ohrringe – untersagen, selbst wenn ein Kind dies wünscht.

    MLK hatte übrigens vier Kinder.

    PS: Judentum und Islam sind Religionen, keine “Kulturen”. Juden und Muslime können kulturell deutsch sein – und sind dies auch häufig – ihr religiöses Bekenntnis macht sie nicht zu “Kulturfremden”.

  25. Das Buch am Welttag des Buches…

    …gewinnt, nach Ziehung durch meine Frau, der Kommentator @Clemens!

    Herzlichen Glückwunsch, auf Sie wartet eine spannende Lektüre von Gunter Dueck zum Abschied vom Homo oeconomicus!
    https://scilogs.spektrum.de/…ogger-schenken-lesefreude

    Bitte melden Sie sich einfach beim science-shop, die Ihnen den Band zusenden. Ich bekomme Ihre persönliche Daten nicht zu sehen, sondern bezahle nur die Rechnung. 😉
    http://www.science-shop.de/blatt/d_sci_sh_kontakt

    Viel Freude beim Schmökern & alles Gute!

  26. Religion oder Kultur? @Michael Blume

    Judentum und Islam sind Religionen UND Kulturen. Auf Wikidedia heißt es: “Es ist kompliziert, unter den religiös praktizierenden Juden die weltliche Kultur zu definieren, da ihre gesamte Kultur von religiösen Traditionen gleichsam durchdrungen ist.”

    Und wer den Begriff “Islamische Kultur” googelt, der bekommt ungefähr 6.120.000 Ergebnisse. Hier ein Beispiel, dass auf spezielle Umgangsformen unter Muslimen abzielt:
    http://home.arcor.de/…r/dieislamischekultur.html

  27. @Mona

    Klar können Religionen Kultur(en) prägen und hervorbringen, ebenso wie dies auch kulturelle Bewegungen (z.B. Punks, Goths etc.) vermögen – wobei die Menschen das je ganz unterschiedlich leben. Daher ist es faktisch falsch und unfair, religiös Beschnittenen pauschal zu attestieren, sie gehörten zu fremden Kulturen. Sie sind meist Teil unserer Kultur!

    Übrigens – selbst die orthodoxen Juden mit Wurzeln in Mittel- und Westeuropa nennt man bis heute Aschkenazim – Deutschlaender…

  28. Subkultur & Zeitgeist

    “Klar können Religionen Kultur(en) prägen und hervorbringen, ebenso wie dies auch kulturelle Bewegungen (z.B. Punks, Goths etc.) vermögen – …”

    – die “Ethik” & “Moral” der Welt- und “Werteordnung”, auch die der Moslems, ist geprägt und bestimmt vom Judentum. Deshalb bezeichne ich die “Christen” und “Gläubigen” so und NICHT zweifelsfrei / eindeutig im Sinne der menschenwürdigen und “gottgefälligen” Wahrheit.

    ALLES ist nur Subkultur, im Wettbewerb um das “Recht des Stärkeren”.

  29. @Michael Blume

    Das Thema Beschneidung lasse ich mal außen vor, es wurde ja inzwischen erschöpfend diskutiert. Strenge Religionen prägen das Leben ihrer Mitglieder, das ist unbestritten. Vielfach werden deshalb auch bestimmte Bräuche anderer Länder abgelehnt, weil sie nicht kompatibel mit der eigenen Religion oder Kultur sind.
    In diesem Zusammenhang fiel mir das von Trotta von Berlin verlinkte Video ein. Das die positiven Auswirkungen der traditionellen japanischen Kampfsportarten auf Kinder beschreibt.
    https://scilogs.spektrum.de/…-und-der-terror-in-boston
    Ein mir bekannter Verein hat viele Kinder mit Migrationshintergrund unter seinen Mitgliedern. Alle sind bereit sich an die strengen Regeln zu halten, die im Training gelten. Dazu gehört auch, sich vor seinem Kampfpartner zu verbeugen um ihm Respekt zu erweisen. Einzig Muslimen ist das nicht möglich, weil sie sich nicht vor anderen Menschen, sondern lediglich vor Gott verbeugen dürfen. Für die noch kleineren Kinder wurde eine Ausnahme gemacht, aber Gürtelprüfungen sind an strenge Vorschriften geknüpft und da gehört das Prozedere nun mal dazu. Ich habe unten mal ein Video verlinkt, das die Verbeugung am Anfang und am Ende eines Kampfes zeigt. Außerdem bekommt man einen Eindruck von der strengen Disziplin, der sich die Kämpfer unterwerfen. Wer soll sich hier also wem anpassen?
    http://www.youtube.com/watch?v=K1O_1d-8s2Q

  30. Gerechte Gesetze

    Am Beispiel der rituellen Beschneidung wird m.E. sehr schön deutlich, dass ein Gesetz, welches im Einklang mit einem göttlichen Gesetz steht, nicht notwendigerweise auch im Einklang mit dem moralischen Gesetz stehen muss. Wo die einen fundamentale Menschenrechtsverletzungen sehen, befolgen andere bloß göttliche Gebote oder kulturelle Traditionen.

    Ein anderes Beispiel wäre die Todesstrafe: Für die einen ein gerechtes Gesetz, weil „im Einklang mit dem moralischen, mit dem göttlichen Gesetz“ (MLK), für andere eine Verletzung fundamentaler Menschenrechte.

    Anders als MLK glaube ich, dass man nur mit Hilfe der Vernunft beurteilen kann, ob ein Gesetz gerecht oder ungerecht ist.

    P.S.
    @ Michael Blume: »Daher ist es faktisch falsch und unfair, religiös Beschnittenen pauschal zu attestieren, sie gehörten zu fremden Kulturen. «

    Der Einzige, der hier von „fremden“ Kulturen bzw. “Kulturfremden“ geredet hat, sind Sie…

  31. Rituelle Beschneidung

    Was das Thema Beschneidung betrifft, kann man lediglich konstatieren, dass Deutschland wieder einmal vor Primitivismus kapituliert hat (aus Feigheit). Der Aufgabe “Schutz des schwächeren sicherzustellen” wird dieser Staat nicht gerecht!

  32. (Un)Gerechtigkeit – ein sehr weites Feld

    Allein mit der Berufung auf den Gott oder die Moral lässt sich das Problem gerechter und ungerechter Gesetze wohl heute nicht mehr lösen. Interessant finde ich aber wie auch @Dietmar Hilsebein den letzten zitierten Satz von Martin Luther King jr.:

    Jedes Gesetz, das die Persönlichkeit des Menschen auf eine höhere Ebene versetzt, ist gerecht, und jedes, das ihn erniedrigt, ist ungerecht.

    Es gibt dann drei verschieden Arten von Gesetzen: gerechte – neutrale – ungerechte. Was von seinen vorangehenden Feststellungen glücklicherweise abweicht, gibt es doch Gesetze wie das Straßenverkehrsgesetz (und materiell die Straßenverkehrsordnung) denen man kaum eine göttliche/moralische (Auf/Ab)Wertung zuschreiben kann.

    Aber selbst mit dieser Unterscheidung ist die Frage bei weitem nicht gelöst. Vielmehr beginnen die Probleme erst, wie @Balanus aus meiner Sicht sehr treffend angesprochen hat: Für die Einen erhöht die Beschneidung den Menschen – für die Anderen erniedrigt sie ihn. Wie soll man dort entscheiden? Wie soll sich der Einzelne (der Richter) verhalten?

    Auch die von @Dietmar Hilsebein angesprochene Mitleids/Mitgefühlsethik Schopenhauers kann da auch nur bedingt weiterhelfen. Und zwar nicht nur bei der Beschneidung, sondern auch in der von Martin Luther King jr. behandelten Frage. Dürften doch die meisten Weißen eben gerade nicht dieses Mitgefühl mit Schwarzen gehabt haben. Sie hatten diese oft nicht als Menschen ihresgleichen erlebt (wie wir das heute meist können). Und damit bedurfte es nicht weniger Anstrengung, ihnen dieselbe Leidens- und Erlebenfähigkeit zuzuschreiben; denn erleben konnten sie diese nicht oder nur selten.

    Für einen (Rechts)Staat gibt es aber noch ein viel größeres Problem: Wie soll jemals irgendeine Ordnung Bestand haben, wenn jeder Handelnde/Richter seine Wertungen an die Stelle der Gesetze setzte? Denn Gerechtigkeitstheorien gibt es (fast) wie Sand am Meer – einen guten, allgemeinverständlichen Überblick gibt Michael Sandel (im Video auf Englisch oder Buch auf Deutsch). Und vermutlich hat jeder Mensch noch eine etwas andere Ansicht als diese ‘offiziellen’ (Rechts)Philosophen.

    Mir scheinen darauf sowohl Martin Luther King als auch @Muhammad Hanel oben recht gut zu antworten: Man sei zu Widerstand gegen das ungerechte Gesetz verpflichtet bzw. liege das Problem in der unreflektierten Befolgung der Gesetze. Denn damit scheint mir nicht behauptet, dass man bei Nichtbefolgen auf Verständnis oder Straffreiheit hoffen könne: Vielmehr scheint es mir um ein politisches Programm zu gehen, mit dem man auf eine Änderung der Gesetze durch Politik oder Rechtsprechung hinwirken kann, also um Zivilcourage.

    Und die deutsche Rechtsprechung hatte nicht selten mit diesem Problem zu tun. Im Prinzip wendet sie die Radbruchsche Formel an, in einer der ersten bundesdeutschen Entscheidungen etwa wie folgt:

    Das Gesetz findet dort seine Grenze, wo es in Widerspruch zu den allgemein anerkannten Regeln des Völkerrechtes oder zu dem Naturrecht tritt (OGHSt 2, 271) oder der Widerspruch des positiven Gesetzes zur Gerechtigkeit ein so unerträgliches Maß erreicht, daß das Gesetz als »unrichtiges Recht« der Gerechtigkeit zu weichen hat. Wird der Grundsatz der Gleichheit bei der Setzung des positiven Rechts überhaupt verleugnet, dann entbehrt das Gesetz der Rechtsnatur und ist überhaupt kein Recht (Radbruch, SJZ 1946, 105 [107]). BGHZ 3, 94 (107)

  33. @ Noït Atiga

    “Dürften doch die meisten Weißen eben gerade nicht dieses Mitgefühl mit Schwarzen gehabt haben.”

    Dafür gibt es zwei Gründe. Einen habe ich genannt: mangelnde Sensibilisierung. Der andere Grund: Furcht vor der Gruppe, in die der Weiße eingebunden ist. Als meine Mutter zwölfjährig einer jüdischen Mitbewohnerin in der Straßenbahn einen Sitzplatz anbot, ging ein Raunen durch die Menge: “das ist eine Jüdin, Kind!”
    Meine Mutter: “Und? – ist doch auch ein Mensch”. Wieder ein Raunen: “laßt sie doch, sie ist doch noch ein Kind!” Ein alter Mann sagte dann leise vor sich hin: “Kindermund tut Wahrheit kund!”

    Es bedarf des Mutes, nicht nur sich des eigenen Verstandes zu bedienen, sondern auch sein Mitgefühl vor der Verrohung zu bewahren.

  34. @Dietmar Hilsebein

    Dem stimme ich zu, doch: Wie soll man sein Mitgefühl behalten/erwerben, ohne den unbeeinflussten Kontakt? Wer also nie Schwarzen oder Juden oder heute Ausgegrenzten unvoreingenommen begegnen durfte/darf, also ohne die ihnen (mensch)verneinende Haltung der Bezugspersonen – wie soll sich der dieses Mitgefühl bewahren? Kinder sind doch auf ihre Bezugspersonen angewiesen, was die sagen wird doch aus Kinderperspektive immer gerechtfertigt. Und dann bedarf es einer sehr intensiven Beziehung zu einem/einer derart Ausgeschlossenem/n, damit sich das Mitgefühl erhalten oder gar erweitern kann. Kinder sehen da in der Tat noch direkter, unvoreingenommener – aber wie können wir Erwachsenen diese Unvoreingenommenheit wiedergewinnen?

  35. @ Noït Atiga

    “aber wie können wir Erwachsenen diese Unvoreingenommenheit wiedergewinnen?”

    Ein Beispiel hatte ich genannt: Barenboim geht hier den richtigen Weg. Des weiteren (ich hätte nicht Verstand, sondern Naturgaben schreiben sollen ->Kant) in der Erziehung zur Selbständigkeit im Denken anleiten. Man muß Aristokrat des Geistes genug sein, um sich nicht mit dem Haus -und Herdenvieh eins zu machen! Ist man zum Eigner (Stirner) geworden, so erkennt man, daß das Mitgefühl eine Naturgabe ist.

  36. @Dietmar Hilsebein

    Gut – aber das ist doch dann wieder nur einer/unserer Aristokratie vorbehalten. Die rational hoch Gebildeten können dann von ihrer Voreingenommenheit Abstand nehmen und alles Wesen neu entdecken. Aber wie geht das für die Masse? Wie vermittelt man das den (streng) Religiösen? Wie den ihrerseits auf anderer Ebene Ausgeschlossenen (Radikalen)? Was müsste man also wie an der Gesellschaft oder der Schule etc. ändern, damit diese Öffnung auf den Menschen kein Privileg bleibt?

  37. @ Noït Atiga

    “Aber wie geht das für die Masse?”

    Zunächst einmal gar nicht. Es ist aber denkbar, daß durch den Mut Einzelner, die von ihren Naturgaben öffentlich Gebrauch machen, eine kritische Masse entsteht, die zur Veränderung führt. Jene Einzelne aber denken in Zeiträumen von Äonen. Nur der Pöbel will immer alles gleich und sofort!

  38. @Dietmar Hilsebein

    Nun, dann bin ich (zumindest auch) Pöbel – denn mir ist die Gleichbehandlung und Gleichberechtigung aller Ausgeschlossenen auch heute schon Herzensangelegenheit. Und nicht selten wird man durch den bezeichneten Mut gegen Voreingenommenheit auch in unserer ach so liberalen und aufgeklärten Gesellschaft unmittelbar zum Ausgeschlossenen… Leider oft nicht einmal nur aus der Sicht der Masse, sondern auch noch aus Sicht der Ausgeschlossenen, denn denen folgt man ja dann auch nicht ausreichend bedingungslos…

  39. “denn mir ist die Gleichbehandlung und Gleichberechtigung aller Ausgeschlossenen auch heute schon Herzensangelegenheit.”

    Das muß auch so sein. Zugegeben, meine Sätze sind heute etwas hart. Aber denken Sie an Kant: Aufklärung war für ihn ein Projekt, das über den Zeitraum des eigenen Lebens hinausweist. In der Regel ererben die Initiatoren nicht das gelobte Land.

    “Leider oft nicht einmal nur aus der Sicht der Masse, sondern auch noch aus Sicht der Ausgeschlossenen, denn denen folgt man ja dann auch nicht ausreichend bedingungslos…”

    Ich weiß jetzt nicht, ob ich den Satz richtig verstehe. Aber in meinem Denken kommt ein Folgen eines anderen nicht vor. Ich kann nur mir selbst folgen. Alles andere würde letztlich auch dem Gedanken der Aufklärung widersprechen. Freilich ist das nicht mit einem Zumachen gegenüber anderen zu verwechseln. Sonst würde ich ja hier nicht seit 2007 kommentieren. Aber der letzte Lehrer, der über Für und Wider entscheidet, sollte immer der eigene Kopf sein.

  40. @Dietmar Hilsebein

    Ihre Sätze meine ich schon soweit verstanden zu haben – auch ich denke oft weit über meine Lebenszeit hinaus, oder versuche es jedenfalls.

    Allerdings – und darauf war der letzte Teil gerichtet – begibt man sich damit in eine Sonderrolle, die heute immer weniger goutiert wird. Gerade weil ein Folgen nicht mehr darin vorkommt, weil dann eben sowohl die Masse als auch die Ausgeschlossenen unzufrieden sind, weil man wie ein Klärungshelfer nur zwischen den Fronten steht – mit dem Unterschied, dass man nicht wie der Klärungshelfer das Problem nach einigen Tagen/Wochen gelöst hat, sondern lebenslang damit und mit den entsprechenden Anfeindungen lebt.

    Mir scheint dann dort auch ein noch größeres, gesellschaftliches Problem zu liegen: Diese Ausgeschlossenheit nehmen letztlich alle wahr. Und führt das nicht dazu, dass immer weniger Menschen diese Zivilcourage haben? Zumal wenn mit zunehmender Säkularisierung nur noch diese Welt zum Leben bleibt? Wird dann nicht die Aufklärung durch die Aufklärung sterben?

  41. @ Noït Atiga

    Ich sehe das nicht so pessimistisch, da ich von einem anderen Grund ausgehe. Ich will nicht die Welt verbessern, sondern an meiner eigenen Aufklärung arbeiten. Und diese Arbeit mache ich öffentlich. Hier und da nimmt jemand etwas davon mit -wovon ich nichts weiß. Ich muß das auch nicht wissen. Daher sehe ich mich nicht in einer Sonderrolle, da mir die gesellschaftliche Anerkennung wurscht ist. (das lese ich alles heraus, wenn ich an den Gedanken der Aufklärung denke)

  42. @Dietmar Hilsebein

    Mir scheint das nur die eine Seite der Medaille zu sein. Denn immer wenn es um (aktuell-)politische Themen geht, dann betrifft mich gewisse Einseitigkeit auch persönlich. Ich fühle dann mit den darin Ausgeschlossenen mit und kann nicht anders, als ihre Sicht wenigstens begründend darzulegen und auch gegen Einwände zu verteidigen. Mir geht es dann zwar nicht um Übernahme dieser Sicht (nicht selten habe ich sie ja selbst nicht übernommen) – aber oft ist den Diskussionspartnern die andere Sicht bereits so fremd, dass sie schon deren Darlegung als pure Rhetorik oder Besserwisserei interpretieren. Aber vielleicht geht es einfach nur um psychische Tabus – deren Aufdeckung (und sei es nur mit Worten) immer auch Abwehrkräfte mobilisiert (mir ist der Film Tabu der Gerechten (1947) darum immer noch aktuell, wenn auch oft mit anderem Inhalt).

    Das Problem, welches ich sehe, liegt dann aber weniger im individuellen Handeln oder in der individuellen Einstellung, als vielmehr in fehlendem Willen/Können zur Diskussion. Die Gesellschaft ist als Konsumgesellschaft zunehmend auf einfache Genüsse eingestellt, Widerspruch oder geistige Auseinandersetzung gehören oft ebensowenig dazu wie Denk- oder Weisheitsfalten…

  43. @ Noït Atiga

    “Ich fühle dann mit den darin Ausgeschlossenen mit”

    “Die Gesellschaft ist als Konsumgesellschaft zunehmend auf einfache Genüsse eingestellt, Widerspruch oder geistige Auseinandersetzung gehören oft ebensowenig dazu wie Denk- oder Weisheitsfalten…”

    Sehen Sie: das haben Sie geschrieben. Und wir schreiben ja hier. Sie fühlen mit und stehen der Gesellschaft kritisch gegenüber. Man muß sich nicht davon irre machen lassen, daß man nicht in der Zeitung steht oder im Fernsehen aufgetreten ist. Die kritische Masse wirkt in der Regel im Verborgenen.

    “Der Tau fällt auf das Gras, wenn die Nacht am verschwiegensten ist.

    Die stillsten Worte sind es, welche den Sturm bringen. Gedanken, die mit Taubenfüßen kommen, lenken die Welt.”
    (F.Nietzsche)

  44. @Dietmar Hilsebein

    Zeitung und Fernsehen waren mir gar nicht das Problem. Wenn ich so zu verstehen war, dann habe ich mich unklar ausgedrückt. Es geht mir vielmehr um die kleinen ‘groß’ gebildeten Leute im unmittelbaren Umfeld, und jedenfalls einige davon werden mal im Großen wirken. Und manche haben die Gerechtigkeit sogar zum Forschungsthema – ohne davon auf den Alltag schließen zu können, geschweige denn entsprechend zu handeln. Aber vielleicht lenkt ja doch noch die eine oder andere bisher erfolglos scheinende Diskussion in ungeahnte Richtungen…

  45. @ Noït Atiga

    Ja, es mag sein, daß Ihre Gedanken in eine ganz andere Richtung gehen. Ist aber nicht schlimm. Gewiß ist mir, daß wir durch unsere kleine Diskussion andere geworden sind. Mehr braucht es gar nicht.

Schreibe einen Kommentar