Leben ohne Facebook – Weniger Hass, mehr Gelassenheit. Ein Erfahrungsbericht

BLOG: Natur des Glaubens

Evolutionsgeschichte der Religion(en)
Natur des Glaubens

Ab dem 12. Jahrhundert erreichte endlich die Papierherstellung auf der Basis von Lumpen Europa. Papier war in China erfunden worden, hatte jedoch ab dem 8. Jahrhundert in der arabischen Welt durch die Kombination mit der einfacher zu lernenden Alphabetschrift zusätzliches Potential entfaltet. Nun endlich konnte erst am Mittelmeer, dann auch nördlich der Alpen auf immer mehr Papier in Städten – wo Lumpen gesammelt werden konnten – geschrieben werden. Davor hatte europaweit Tierhaut-Pergament als Schreibunterlage dominiert, häufig in Klöstern in ländlichen Gebieten. Dank dem bald günstigeren Papier folgte auf die arabisch-islamische nun die europäisch-christliche Renaissance.

Einer jener frühen Thüringer, die in dieser Zeit der Wiederentdeckung, Beschleunigung und Erregung in frühem Deutsch sprachen und schrieben, war der Dominikaner Meister Eckhart (1260 – 1328). Nicht zufällig prägte er über die Bibel zwei der bis heute wichtigsten Begriffe unserer Sprache: “Bildung” und “Gelassenheit”. Der Mensch solle als Gottes Ebenbild ausbilden können, was Gott in jedem und jeder von uns angelegt hat. Und dazu gehöre es, die eigene Gier nach Gütern, Anerkennung usw. auch loslassen zu können, eben ge-lassen zu werden.

Heute werden wir durch das Internet mit einer nie dagewesenen Flut von Bildern, Videos und Texten überflutet – und werden täglich nicht nur mit “News”-Informationshappen, sondern auch mit gezielt gefälschten und verzerrten “Fake News” überschwemmt. So, wie unsere Körper ganz natürlich nach Zucker verlangen, nun aber Industriezucker ausgesetzt werden, so wird unsere natürliche Neugier nun durch mediale Fluten ausgereizt. Vor allem werbefinanzierte, unsoziale Medien emotionalisieren, erregen und verrohen uns. Denn unsere Aufmerksamkeit wird dort gefesselt und verkauft – wir sind auf Facebook und Co. nicht die Kunden, sondern das Produkt.

Und um es gleich vorab klar zu stellen: Selbstverständlich habe ich nie “das Internet verlassen”. Gerade hier auf meinem Wissenschaftsblog “Natur des Glaubens” blogge und antworte ich täglich auch zu emotionalen Themen wie Coronavirus-Verschwörungsmythen oder Fleischverzicht / Vegetarismus. Mit Beschimpfungen gehe ich dabei gerne humorvoll um.

Aber wenn mir auch viele freundlich gebliebene Menschen und Kontakte durchaus fehlen, so bin ich insgesamt sehr glücklich mit dem Ausstieg aus den werbefinanzierten, asozialen Medien voller vor allem rechtsgerichteter Hater, Trolle und Wichtigtuer. Ich lese wieder mehr (“Bildung”) und genieße wieder mehr Zeiten der Ruhe und Reflektion (“Gelassenheit”).

Hier ein kurzer Filmbeitrag von brenz dazu:

Aber darf man die sog. sozialen Medien den Hatern, Trollen und Wichtigtuern überlassen? Müssten nicht gerade aufgeklärte Menschen dort Hass und Radikalisierung entgegentreten?

Das habe auch ich lange geglaubt.

Längst ist aber klar, dass Gegenrede (Counter-Speech) nicht wirklich funktioniert. Gerade auch hier auf dem Blog diskutiere ich teilweise mit Trollen, Antisemiten und Extremisten von rechts und links seit Monaten und Jahren – und merke meist wenig Effekt. Eher schon werden Mitlesende erreicht und nachdenklich – aber gerade für diese ist ein Blog leichter zugänglich als eine Social-Media-Blase.

Dass etwa ein Holocaust-Leugner auf Facebook oder Twitter seine Meinung ändern würde, habe ich nie erlebt.  Auch Blognachbar Markus Pössel fand weitere, experimentelle Belege, warum es sogar schadet, Trolle durch Antworten zu füttern. Das macht sie nur noch sichtbarer und motiviert sie also, noch lauter und extremer zu werden.

Und an dem ganzen Spiel – an Ihrer Zeit und Emotion, an der Verrohung der Sprache, am eskalierenden Hass – verdienen dann doch wieder nur die Plattformbetreiber. Als Facebook dann auch noch ankündigte, die rechtspopulistische News-Seite Breitbart-News zu promoten und zu finanzieren (!) konnte ich ein weiteres “Mitspielen” nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren.

Lasst uns wieder mehr echte Gespräche führen. Echte Bücher, Zeitungen und Zeitschriften (wie Spektrum der Wissenschaft!) lesen. Radio genießen. Und im Internet Qualitätsangebote wie Wissenschaftsblogs stärken. Geschäftsmodelle, die dagegen zu Emotionalisierung, Verrohung und schließlich Radikalisierung beitragen, sollten wir dagegen hinter uns lassen. Über den Zugewinn an Zeit und Lebensqualität freuen meine Familie und ich uns täglich. 🙂

Für philosophische Feinschmecker dazu ein Zitat von Jeanne Hersch (1910 – 2000) von 1972 aus “Erlebte Zeit. Menschsein im Hier und Jetzt”, NZZlibro 2010, S. 60:

“Die Zukunft ist nicht die Quelle des Sinns, und sie ist nicht und darf auch nicht die Negation des Sinnes sein. […] Die Quelle des Sinnes ist weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft. Wenn sie irgendwo zeitlich ist, dann ist sie hauptsächlich im Jetzt, denn im Jetzt und nur da gibt es die Möglichkeit der Freiheit.”

Michael Blume

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Zuletzt erschienen "Islam in der Krise" (2017) und "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019). Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt... Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

25 Kommentare

  1. Trolle, Antisemiten, Extremisten, Wichtigtuer, Leugner, Befürworter.

    Als ich auf Twitter in einem Kanal dem Sie folgen las, dass Sie diese Art der Kommunikation verlassen haben, fragte ich mich natürlich warum. Die hinterlassenen Querverweise gaben zwar relativ schnell eine Antwort auf diese Frage, doch ob es wirklich auch die richtige war, kann man nicht wirklich erkennen. Wir überzeichnen gerne unsere wahren Absichten um uns ihnen nicht stellen zu müssen. Das muss hier nicht der Fall sein, doch bleiben immer Zweifel, weil wir in der Gesamtheit zwischen den Zeilen lesen, was dort im Verständnis dann nicht zuletzt unser Selbst widerspiegelt. Und meines ist da skeptisch.

    Troll. Ich musste das erst einmal nachschlagen, weil es zwar häufig benutzt wird, aber wirklich verstanden habe ich es nie. Dem Duden nach ist es neben einem Kobold ein “grober, ungeschlachter Kerl”, ein “dämonisches Wesen”, das männlich oder weiblich sein kann. Im Rahmen der Netz-Philosophie aber wohl einfach nur jemand mit groben, unhöflichen Benehmen. Jemand, der im Grunde zum stänkern auf den Plattformen erscheint und nur gegen etwas ist, weil er nicht dafür sein will; vice versa.

    Antisemitismus. Die Frage danach beschäftigt mich gezwungenermaßen häufig. Ich selbst müsste wohl mit “Ja” antworten, wenn es darum ginge ob ich es bin. Aber nicht hinsichtlich des verbreiteten, manipulativen Tenors, sondern des pragmatischen Grundsatzes. Ich bin auch Antichrist, Antibuddhist, Antihinduist, Antimoslem, Antishintoist, Antibahai, etc. Es würde zu weit führen hier alle Religionen mit einem “Anti” davor aufzuzählen. Ich bin grundsätzlich gegen jede Art von geistiger Manipulation im Rahmen von Märchenwelten. Hinsichtlich der Ursachenforschung lässt sich heute relativ überschaubar erkennen welche Hintergründe zur Prägung auf solche Sichtweisen führten. Für mich darum unverständlich wieso es weiterhin gestattet wird den freien Geist frühkindlich mit Fantasiewelten zu indoktrinieren; zu einem Zeitpunkt, an dem sich der entwickelnde Geist nicht gegen diese Machenschaften wehren kann. Eine derart radikale Art darf nicht akzeptiert werden, egal wie ‘vernünftig’ sich ein solcher Glaubenszusammenschluss auch immer sehen mag, also wie findig rhetorisch dieser das hinzubiegen versteht. In einer Welt, die Glaubensfreiheit propagiert, muss es kompromisslos möglich sein nicht zu glauben; nichts zu glauben. Doch das gesteht man dem Geist des Menschen nicht zu. Man soll Religionen gegenüber gefälligst tolerant sein. Es bleibt da wegen der Anzahl auch keine andere Wahl. Ich denke es war Goethe, der meinte, dass Toleranz die Erkenntnis ist, dass es aussichtslos wäre sich zu streiten. Ich belasse also jeden Menschen in seiner Traumwelt, so lange er mir die Wirklichkeit nicht streitig macht.

    Extremist. Eine radikal eingestellte Person. Also jemand, der bis auf die Wurzel geht; es gründlich, vollständig und hart tut. Zuletzt bis hin zur Rücksichtslosigkeit, wobei diese Steigerungsform den höchsten Grad darstellt und nicht von jedem Extremisten angestrebt und auch erreicht wird. Nicht jeder radikal eingestellte Mensch ist auch rücksichtslos. Das vergisst man gerne in den Definitionen, die bewusst so abgeflacht werden, dass keinerlei Bewegungsfreiraum mehr vorhanden ist. Wer sich hart für eine Sache ganz anders engagiert, der wird schnell von allen Seiten mit oktroyierten Sichtweisen nieder gezwungen; extrem und rücksichtslos. Will man einem allgemein gültig etablierten Tenor und den gesteckten Zielen nicht folgen, wird man teilweise bis aufs Blut bekämpft. Was im Besonderen die vorgenannten Religionen in der Welt perfektionierten, es sogar in den Kontext ihres Glaubens einbetteten. Für sie ist jemand, der nicht für den verehrten Gott ist, automatisch radikal gegen ihn und muss ebenso radikal bekämpft werden. Tragisch, man wird oft nur darum zum Opfer, weil man lediglich ohne Glaube sein möchte oder es sein wollte, sollten die Glaubenskrieger ihr Ziel schon erreicht haben. Freiheit ist nichts, was man ausnahmslos allen zugesteht.

    Befürworter und Leugner. Wir sind es jeden Tag und in verschiedensten Formen. Wir können etwas unterstützen oder dagegen sein. Das ist unser freiheitliche Prinzip. Entscheidend ist hier alleine die Vernunft und Selbstdisziplin, die uns diktiert wie weit wir gehen sollten und vor allem wie weit wir gehen dürfen. Grenzen, die wichtig sind und meist von denen überschritten werden, die von sich glauben den wahren Weg zu beschreiten und es ihnen darum zusteht. Womit sie aber genau den Extremismus aufzeigen, den sie bei anderen zu ächten versuchen. Also jenen, die lediglich dazu anhalten und erst zuletzt dazu zwingen wieder auf den Boden der Vernunft zurückzukommen. Das entwickelt sich zu Schlachtfeldern, bei denen man oft gar nicht weiß warum sie denn eigentlich bestehen. Man weiß nur noch von sich bekriegenden Seiten und der Überzeugung, dass eh die Überzahl gewinnt. Das Problem unserer Gesellschaft, man meint die Summe derer, die von einer bestimmten Sichtweise überzeugt sind, auch unweigerlich diejenigen sind, die das Richtige tun. Gerade Religionen belegen stets das Gegenteil. So viele gleichgeschaltete Menschen und trotzdem der falsche Weg.

    Was ist das Fazit? Wir leben in einer Gesellschaft, die darum nicht symbiotisch miteinander verwoben ist, weil sie die Vernunft niemals als Grundsatz etabliert hat. Klar, man ist schon auch vernünftig in vieler Hinsicht, doch ist man auch kein Mathematiker, nur weil man rechnen kann oder ist kein Philosoph, weil man gerne philosophiert. Wir stecken nur Claims ab und versuchen blühende Bereiche für einige wenige zu schaffen, anstatt es uns zur Aufgabe zu machen den gesamten Planten in ein Paradies zu verwandeln. Es ist folglich nicht so, dass wir zur vernunftbegabten Kommunikation zurückfinden, sondern überhaupt erstmal eine erschaffen müssen.

    • @Devid Kristani

      Meine Familie hat die „Segnungen“ eines intoleranten „Humanismus“ und Antitheismus hinter dem Eisernen Vorhang erfahren müssen. Eine pauschale Anti-Haltung gegen Religionen bedeutet nicht weniger als eine Absage an Freiheit und Vielfalt – und damit an Rechtsstaat und Demokratie.

      Religiöse Traditionen gehören seit Jahrzehntausenden zur Menschheitsgeschichte – und hätten sich auch nicht biokulturell entfalten können, wenn sie nur geschadet hätten. Sie gehören zu unserem Erbe wie Kunst und Musik. Wenn Sie sich also als wissenschaftlich Interessiert verstehen, dann führt kein Weg an Interesse und Respekt vorbei:
      https://m.youtube.com/watch?v=Iy9J9ddelVw

      • Man kann sich einreden was man will und wird immer eine Rechtfertigung dafür finden, dass das Falsche richtig ist. Gerade, weil man es ja durch sein Verhalten unterstützt. Es ist vollkommen irrelevant wie viele hundert oder tausend Jahre die Menschheit alles falsch gemacht hat. Heute ist es an der Zeit endlich den richtigen Weg zu gehen. Religiöse Indoktrination ist eine perversion der Freiheit und es erschüttert mich, dass auch hier wieder versucht wird Unrecht zu Recht zu machen. Diesmal unter dem Deckmantel der Tradition. Man kann nicht von mir Respekt für etwas einfordern, das dieses Qualitätsmerkmal nicht verdient.

        • Wie geschrieben haben ja schon Generationen von Antitheisten vor Ihnen Verwüstungen hinterlassen, @Devid Kristani. Und selbsternannte Religionskritiker, die aber noch nicht einmal Grundzüge der Evolution von Religiosität und Religionen erfasst und verstanden haben, wirken nach dem heutigen Kenntnisstand arrogant, aber nicht wirklich interessant. Warum auch sollte jemand am Respekt eines selbsterklärten Ignoranten interessiert sein? Unwissenheit ist schließlich weit verbreitet und auch nicht verboten. Your choice.

          • Hallo Michael,
            meine Erfahrung ist es, dass es Formen des Atheismus gibt (der Antitheismus gehört da mit dazu, wie auch der Szientismus), die höchst dogmatisch und intolerant sind. Es ist fast schon sinnlos mit Vertretern dieser Richtungen zu diskutieren, weil sie zum einen Liberalität verlernt haben, und zum anderen auch für wissenschaftliche Argumente letztlich kaum zugänglich sind, wenn sie ihren Dogmen widersprechen.

          • Lieben Dank, @Andreas Hillebrandt.

            M.E. ist es sinnvoll, zwischen A-Theisten (im Sinne von: Nicht-Theisten) einerseits und Anti-Theisten zu unterscheiden. Letztere können tatsächlich dazu tendieren, sich selbst – und ihre meist digitale Gruppe – nicht mehr positiv, sondern nur noch in der Abwertung und Bekämpfung Religiöser zu definieren. Nicht selten werden sie dabei zu einer Karikatur der religiösen Fundamentalisten, die sie doch “eigentlich” bekämpfen wollen – beispielsweise, wenn sie auf einer wortwörtlichen Lesart Heiliger Schriften beharren oder die Einschränkung von Menschenrechten fordern.

            Ich habe ganz gute Erfahrungen damit gemacht, Antitheisten auf die empirischen Befunde hinzuweisen, nach denen Religiosität und Religionen eben nachweisbar nicht nur negative, sondern auch lebensförderliche Aspekte haben. Dann zeigt sich eigentlich schnell, wie weit es mit der bekundeten “Wissenschaftlichkeit” der “Religionskritiker” her ist…
            https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-empirische-beweislast-der-antitheisten/

        • Ich finde ja, dass Du mit Deiner Abwertung von Religiösität selbst Freiheit einschränkst. Und was meinst Du mit Indoktrination? Etwa Erziehung? Dann lass Dir gesagt sein, dass dann ebenso atheistische Erziehung auch Indoktrination ist. Falls Du da anderer Ansicht sein solltest, dann fängst Du bereits an, Dein Urteil zu hinterfragen und solltest diesen Weg der kritischen Selbstbefragung weiter gehen.

      • “Eine pauschale Anti-Haltung gegen Religionen bedeutet nicht weniger als eine Absage an Freiheit und Vielfalt – und damit an Rechtsstaat und Demokratie.”

        Merken Sie eigentlich noch was Sie hier schreiben? Gut 30 Millionen Deutsche lehnen also Rechtsstaat und Demokratie ab, weil sie nicht an ein unsichtbares Wesen glauben?

        • Oh, nichtreligiös zu sein heißt ja in keiner Weise, antireligiös, antisemitisch o.ä. sein zu müssen, @Peter Müller. Auch ich bin ja Nicht-Franzose, aber liebe Frankreich, Nicht-Buddhist, aber ehre den Buddha, Nicht-Jurist, aber achte Gesetze usw.

          Eigentlich ist das ja selbst-evident, aber im Netz weiß man ja nie… 😏

          • Schade das Sie dann so eine pauschale Anti-Haltung gegenüber kritischen Fragen haben, die sie refexhaft als “Verschwörungstheorien” klassifizieren.

          • @Peter Müller

            Ja, ich nehme Akteuren wie dem Attentäter von Halle längst nicht mehr ab, nur „judenkritisch“ zu sein. Es ist eine leider sehr beliebte Taktik geworden, hinter dem „Kritik“-Begriff Hass und verschwörungsmythologische Haltungen verstecken zu wollen, vgl. etwa „Israelkritik“, „Islamkritik“, „Systemkritik“, „Relativitätskritik“ usw.

            Auch der Unterschied zwischen Verschwörungstheorien und -mythen ist bei Ihnen trotz all unserer Diskussionen noch immer nicht angekommen? 🤔🤷‍♂️

        • Lieber Peter Müller,
          Du solltest aber nicht den Fehler machen und die 30 Millionen, die nicht in den Kirchen der EKD oder der RKK Mitglied sind, als Atheisten betrachten, denn da sind doch weitaus mehr Leute darunter, die eine Patchwork-Religion haben oder einer Religion angehören, die nicht erfasst wird.

  2. Leute, die hasserfüllt sind müssen Erfahrungen machen mit Liebe und Empathie. Diese kann aber nur das Umfeld bereitstellen und kein Blog. Der Blog hilft aber all denjenigen die die Erfahrung mit Liebe und Empathie gemacht haben und sich bestärkt fühlen wollen im Kampf gegen Hass. Wobei in der Aussage Kampf gegen Hass schon ein Fehler steckt. Es sollte kein Kampf sondern Empathie gegen Hass sein. Führen Sie das Fach Empathie in den Schulen ein. Es wäre ein Ansatz.

    • Vielen Dank, @Michael Schwab. Tatsächlich habe ich Landtag und Landesregierung empfohlen, zügig Ethik ab Klasse 1 einzuführen. Bisher werden Kinder in BW durch den oft sehr hochwertigen Religionsunterricht „veredelt“, andere aber haben da noch Hohlstunde. Da gilt es aufzubauen. Und, ja, generell halte ich Bildung mit Wissen und Begegnung für einen Schlüssel bei der Bekämpfung jeder Menschenfeindlichkeit.

    • Ja, ich nehme dem Attentäter von Halle nicht ab, nur „judenkritisch“ zu sein. Es ist eine leider sehr beliebte Taktik geworden, hinter dem „Kritik“-Begriff verschwörungsmythologische Haltungen verstecken zu wollen, vgl. etwa „Israelkritik“, „Islamkritik“, „Systemkritik“, „Relativitätskritik“ usw.

      Oh, und wenn man dann diese Kritik mit einem “Ich frage ja nur” garniert, wird man der sprichwörtliche Pudding, der sich nicht an die Wand nageln lässt.

      Israelkritik ist als Begriff eigentlich schon quatsch. Das wäre ja eine Fundamentalkritik am Staat Israel, also quasi dessen Existenz. Sagt man also “Man wird Israel doch noch kritisieren dürfen!”, hat man argumentativ eigentlich schon verloren. Wenn man etwas kritisiert muss man Roß und Reiter nennen, also z.B. die Politik der Regierung, außen oder innenpolitische Entscheidungen oder spezielle Gesetze. Ich bin ja auch nicht Amerikakritisch nur weil ich Trump blöd finde.

      Islamkritik oder Religionskritik allgemein halte ich einfach schon aus rein humanistischen Gründen für unzulässig. Wie kann ich Mythen kritisieren? Ich kritisiere die Griechen auch nicht dafür, dass sie an ihre Götter geglaubt haben. Warum sollte ich mein gegenüber kritisieren nur weil es anders geprägt wurde. ICH FRAG JA NUR! 😉

      Systemkritik ist Querfront. Nicht rechts, nicht links, vorne!
      Es landet immer in einer verkürzten Kapitalismuskritik und Rothschild.

      Bei der Relativitätskritik werde ich immer so ein bisschen ruhig.
      Alleine die Abstraktion, etwas beobachtetes zu erklären zu einem Zeitpunkt als das unerklärbar war. Den Gedanken zu haben die Sichtweise der Erkenntnis zu erweitern, umzukehren oder im Raum einfach anders anzuordnen. Da bekomme ich Ehrfurcht, nicht weil ich es nicht verstehe, es ist für mich unverständlich wie man zum ersten mal auf so eine Idee kommt.

      Dank Dir Michael Blume, dass Du mit dem Arsch auf dem Zaunpfahl sitzt und in alle Richtungen schaust. 🙂

      • Lieben Dank, @Dete!

        Persönlich halte ich viel zum Beispiel von seriöser Literaturkritik, Kulturkritik, auch Religionskritik und selbstverständlich politischer Kritik. Denn richtig verstanden, ging es den besten Kritikerinnen und Kritikern immer um reale Verbesserungen: Stärkere Literatur, lebendigere Kultur, aufgeklärtere Religion, bessere Politik. Leider hat sich jedoch inzwischen gerade auch digital ein “Kritik”-Begriff etabliert, dem es nicht um Verbesserung, sondern um Vernichtung geht. So kann man selbstverständlich auch die israelische, US-amerikanische oder deutsche Demokratie kritisieren – nicht aber ihre Vernichtung wünschen! Ebenso macht es einen großen Unterschied, ob man den Islam oder gleich alle Religion(en) konstruktiv kritisiert, oder ihre Zerschlagung bzw. totalitär ihr Verbot anstrebt. So ist der ehrwürdige Begriff der “Kritik” gerade auch digital zu einem der am meisten mißbrauchten Worte unserer schönen Sprache geworden. Und es wird m.E. Zeit, dazu nicht länger zu schweigen. Diverse Kommentare bestätigen dabei ja die These des Blogposts…

  3. @Devid Kristani 10.02. 14:06

    „Was ist das Fazit? Wir leben in einer Gesellschaft, die darum nicht symbiotisch miteinander verwoben ist, weil sie die Vernunft niemals als Grundsatz etabliert hat. … Wir stecken nur Claims ab und versuchen blühende Bereiche für einige wenige zu schaffen, anstatt es uns zur Aufgabe zu machen den gesamten Planten in ein Paradies zu verwandeln. Es ist folglich nicht so, dass wir zur vernunftbegabten Kommunikation zurückfinden, sondern überhaupt erstmal eine erschaffen müssen.“

    Im Prinzip eine gute Idee finde ich. Aber dem steht doch keine weltoffene Religiösität entgegen. Die Menschen haben nicht nur spirituelle Traditionen, sondern auch persönliche spirituellen Erfahrungen. Aus diesem Blickwinkel heraus ist es vollkommen unmöglich, das diese Menschen sich entsprechend ihrer eigenen Erfahrung nicht unter den Religionen umsehen.

    Wobei die Weltoffenheit hier sehr wichtig und nicht selbstverständlich ist, welterfahrungsblinde Elemente, die sich über gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse einfach hinwegsetzen, sind in der Tat, ich würde mal sagen: katastrophal. Wenn man kleinen Kindern Märchen erzählt, so kann das auch ungünstig sein. Aber ich vermute mal, das nur Märchen Erzählen keinen weltfremden Gläubigen macht. Wenn das Kind jugendlich wird, wird es wohl meistens darüber hinweg kommen. Richtiger Druck auf junge Menschen, und auch weiter auf Erwachsene wird hier wohl eher ungünstig wirksam sein.

    Ich selbst respektiere ohne weiteres Menschen, die keine eigenen spirituellen Erfahrungen haben, glaube selbst aber durchaus an Geisteswelten, wenn auch ohne mich irgendeiner speziellen Religion zugehörig zu fühlen. Wissen und Technik kann uns sagen, wie wir den gesamten Planten in ein Paradies verwandeln können, aber Glaube, wenn er vernünftig ist, kann uns die Motivation geben, das auch tatsächlich zu tun, finde ich.

    Die Schaffung einer neuen vernunftbegabten Kommunikation ist womöglich garade voll im Gange. Die neue Freiheit des Internets beschert neben vielen Trollereien auch die Möglichkeit, uns ausführlicher, schneller und weniger kommerziell auszutauschen. Das könnte doch noch was werden. Aber ganz klar nicht mit werbefinanzierten Plattformen, die uns bis ins Kleinste ausspionieren, und uns selbst in der Folge zur Manipulation weiterverkaufen.

  4. “Darf man die sog. sozialen Medien den Hatern, Trollen und Wichtigtuern überlassen?”

    Ich sag’s mal so: Wir sollten Niemand mehr den sog. sozialen Medien überlassen.

    Wer kennt nicht Menschen aus dem eigenen Umfeld, die binnen kurzer Zeit, nachdem sie ein sog. soziales Netz für sich entdeckt hatten zum Hater, Troll oder Wichtigtuer wurden oder merkwürdige Weltsichten entwickelten.

    Was ist da passiert? Wodurch verstärken diese Medien in bisher ungekannter Weise Hass, Wut und Gewalt?

    Ein Erklärungsversuch

    Die Besonderheit dieser Medien (Facebook, Twitter, Instagram, Webseiten, Messenger, Newsportale, YouTube) besteht darin, dass sie keine statischen Inhalte liefern. Also nicht wie eine Zeitung, ein Buch oder eine Wikipedia-Seite, bei denen jeder Leser den gleichen Inhalt zu sehen bekommt. Sondern dort entscheidet eine KI (künstliche Intelligenz), was jeder Einzelne zu jedem individuellen Zeitpunkt zu sehen bekommt.

    Das wichtigste Ziel der KI besteht darin, das Maximum der Aufmerksamkeit der Nutzer zu bekommen. Dazu kann die KI auf detaillierte Persönlichkeitsprofile der Nutzer zugreifen und beobachtet sie, wie sie auf die gezeigten Inhalte reagieren. Hat sie Inhalte gefunden, die jemanden maximal interessieren, sucht sie selbständig nach vergleichbaren Persönlichkeitsprofilen und testet, ob die gleichen Inhalte dort genau so wirken. Dabei verbessert sie ständig ihre Fähigkeiten der zur Gruppenbildung. Der KI ist der gezeigte Inhalt egal, bzw. sie weiß gar nicht, was das für ein Inhalt ist. Für die KI ist es ausreichend zu wissen, welche Menschen in welchen individuellen Situationen diese Inhalte besonders gern sehen. Und so kommt es dann, dass die KI Inhalte, die Gewalt, Hass, Wut, Gefahren vermitteln als solche erkennt, die von Menschen bevorzugt Aufmerksamkeit bekommen. Hier finden wir auch den Grund, warum die angesprochene Gegenrede in diesen Medien nicht funktionieren kann, weil die KI erkennt, dass das ein Inhalt ist, der die Aufmerksamkeit senkt, wenn er wirkungsvoll Hass und Wut aus der Debatte nimmt.

    Man kann also sagen, dass die Kombination aus detaillierten Persönlichkeitsprofilen und Medien mit KI gesteuerter Inhaltssteuerung und Vorgabe der Aufmerksamkeitsmaximierung bei Menschen als Verstärker für Hass, Wut und Gewalt wirkt. Im Gefolge dieser Medien entwickeln sich dann auch Geschäftsmodelle, deren Zweck darin besteht, maximal hass- und wuterzeugende Inhalte zu produzieren. (Breitbart News)

    Oben hatte ich detaillierte Persönlichkeitsprofile erwähnt, die der KI zu Verfügung stehen.
    Was darf man darunter verstehen?
    Facebook, Google, Twitter, Apple, Amazon etc. verfügen über ein extrem weit ausgebautes Netz zur Erfassung und laufenden Aktualisierung detaillierter Persönlichkeitsprofile aller Menschen. Sie kaufen alle öffentlich verfügbaren Daten auf (Meldeämter, Statistiken, Grundbücher …). Sie kontrollieren alle Mobilplattformen. Sie kooperieren mit Versicherungen, Banken, Zahlungsdienstleistern, Paketversendern, Verlagen, Veranstaltern, Verkehrsbetrieben, Telefongesellschaften, Fahrzeugherstellern, Herstellern von: Fernsehgeräten, Hausautomatisierung, Spielzeug, Unterhaltungselektronik, Fitness- und Gesundheitselektronik … Sie kennen die persönlichen Suchverläufe, wo du bist und warst, wer in deiner Nähe ist, was du verdienst, was du hörst, was du siehst, welche Webseiten du aufrufst, wer dein Arbeitgeber ist, ob du gesund oder krank bist, wie deine Stimmung ist …

    Ok und was kann man nun damit anfangen?

    Jetzt kommt der Teil mit dem Geld verdienen, der das bisher Beschriebene finanzieren und zusätzlich Gewinn bringen muss. Dazu schauen wir auf die Kundenseite dieser Medien.

    Kunden liefern Inhalte (ich nenne die absichtlich nicht Werbung, weil nicht überprüft wird, ob der Inhalt tatsächlich Werbung ist) für deren gezielte Ausspielug an auswählbare Nutzergruppen der Kunde bezahlt. Die Inhaltssteuerungs-KI der Medien opfert dann einen Teil der erkämpften Nutzeraufmerksamkeit, um bezahlte Inhalte so zu platzieren, dass die Aufmerksamkeit möglichst wenig nachlässt. Es wird dabei absichtlich vermieden, dass die Nutzer zwischen Inhalten anderer Nutzer und bezahlten Inhalten unterscheiden können. Die Preise für bezahlte Inhalte hängen davon ab, wie gern die Nutzer sie sehen mögen. D.h. Inhalte die Viele nur genervt wegwischen sind vergleichsweise teurer als solche, die von den Nutzern begeistert geteilt werden. Je besser die KI den bezahlten Inhalt einem passenden Menschen, im passenden Moment präsentiert, um so erfolgreicher wird das Medium im Sinne seiner Kunden sein. Dabei ist davon auszugehen, dass die KI die Nutzer im Sinne des auszuspielenden bezahlten Inhalts beeinflusst. Also vor oder nach diesem Inhalt weitere Inhalte zeigt, die dazu führen dass der Nutzer den bezahlten Inhalt mag oder für plausibel oder wahr hält.

    Hier kommen wir an den Punkt, den man auch mit “Menschen hacken” bezeichnen kann.
    Oder ganz konventionell: je besser dich jemand kennt, um so besser kann er dich in seinem Sinn beeinflussen. Die neue Qualität ist, dass es bisher nichts Vergleichbares gab, das so viele deiner Persönlichkeitsmerkmale kennt und sie automatisch in seine Entscheidungen einfließen lassen kann. In der Folge muss man sagen, dass ein Nutzer solcher Medien seiner freien Willensbildung beraubt wird, da er die für ihn ausgewählten Inhalte zwangsläufig für wahr halten wird. Pauschal wird man wohl sagen können, dass sich die Stärke dieses Effekts umgekehrt proportional zum Bildungsstand des Nutzers verhalten wird. Und so sehen wir dann auch, dass sich die schlimmsten Folgen dieser Medien derzeit in Ländern mit geringem Bildungsstand wie z.B. Indien oder Myanmar zeigen. Hierzulande opfern wir mit dem freien Willen von immer mehr Menschen zunehmend unsere demokratischen Errungenschaften. Und damit komme ich wieder zu meinem Eingangsstatement. Wenn wir unsere Demokratie bewahren wollen, müssen wir etwas gegen die Erstellung von Persönlichkeitsprofilen unternehmen und müssen Medien verbieten, die unkontrolliert jeden einzelnen Menschen manipulieren können. Man kann nur hoffen, dass es dafür nicht schon zu spät ist, weil die Macht der Unternehmen bereits so groß ist, dass keine demokratisch legitimierten Sanktionen mehr möglich sind.

    https://www.heise.de/newsticker/meldung/Missing-Link-Nur-ein-Verbot-bestimmter-Algorithmen-kann-die-Demokratie-retten-4651750.html

    Falls jetzt jemand Paranoia beim Benutzen von Computern bekommt und sich fragt, ob der Inhalt einer Webseite so ist, weil er sie aufgerufen hat: Was soll ich sagen. Schaut genau hin welche Seiten ihr benutzt. Die Zeit, die zwischen Anklicken eines Links und Anzeige der Seite vergeht, reicht aus, um Euer Persönlichkeitsprofil in einer Auktion auzuschreiben, dem Höchstbietenden den Zuschlag zu erteilen und seine Inhalte in die Seite einfließen zu lassen, die ihr sehen werdet. Ach ja. Wer jetzt sein Smartphone nicht mehr mag – tut mir leid, aber dafür gibt es derzeit keine brauchbare Empfehlung. Dieser Text ist für Smartphonenutzer eh viel zu lang geworden.

    Vielen Dank Herr Blume für Ihre engagierten Beiträge.

    • Vlt beginnt ja nicht nur Medienkompetenz damit, Fragen zu stellen.

      Ob KI überhaupt etwas mit Intelligenz zu tun haben kann in einer Welt potentiell gegenseitig wirkender Übervorteilungsbereitschaft scheint dabei bislang noch nichteinmal hinreichend klar zu sein.

      Dies indes gilt als Desiderat bei der Klärung der Frage, was wir uns leisten mit Technologie(n) und welchen Stellenwert wir Technologie(n) in einer res publica zuweisen.

      • Das “wir” in der “res publica” halte (auch) ich für eine Schlüsselfrage, @donald mueller.

        Sie schrieben (m.E. zu Recht): “Dies indes gilt als Desiderat bei der Klärung der Frage, was wir uns leisten mit Technologie(n) und welchen Stellenwert wir Technologie(n) in einer res publica zuweisen.”

        Und die Frage ist halt: Wer organisiert das “Wir” in der “res publica”? Es ist ja nicht mehr die Begegnung auf dem Stadtplatz – die ja auch nie wirklich ganz gleichberechtigt war -, sondern es werden mediale, vor allem digitale Räume angeboten. Dabei entscheiden Algorithmen, wer mit wem “gepairt” wird und Geldgeber – etwa Werbekunden – können durch den Einsatz von Geld gezielt Inhalte oder sogar simulierte Akteure (social bots) dazu “einspielen”. An Stelle einer großen, republikanischen Öffentlichkeit treten damit immer mehr digitale Mikro-Öffentlichkeiten, so dass selbst die Bewohnerinnen und Bewohner des gleichen Hauses in digital voneinander getrennten Medienblasen leben können. Frau Huber im Erdgeschoss informiert sich jeden Tag über die Börse, ihr Nachbar Herr Demirel tummelt sich auf kommunistischen Plattformen, das Ehepaar Srobic-Müller wähnt sich im Endkampf zwischen göttlichen und satanischen Mächten und Natascha und Paul in der Dachgeschosswohnung tauchen täglich in die Avatar-World of Warcraft und sind sich unsicher, ob sie überhaupt mal echte Kinder haben wollen (usw.)

        Auch “Natur des Glaubens” bildet eine solche, sich immerhin selbst reflektierende Miniblase, die von vielen besucht, aber nur von wenigen – vor allem männlichen – Nutzenden auch kommentiert wird.

        Die Frage ist also: Was wird aus der “res publica”, wenn die gemeinsame Öffentlichkeit (publica) gerade auch durch KI-Algorithmen in immer mehr Miniblasen mit je eigener “Wirklichkeit” zersplittert?

  5. Ich bin da ganz bei Ihnen @Michael Blume:

    mit KI wird eben das Leben im “Treppenhaus” mit Peer-Groups etc pp nicht lediglich abgebildet – es wird steuerbar via gezielter Informations-Auswahl an jeden einzelnen Teilnehmer von Plattformen jedweder Art. Wie übrigens in jedem nicht-digital organisierten “Treppenhaus” auch…

    Das “digitale Treppenhaus” ergänzt, euphemistisch gesagt, bereits bestehende Steuerungsabläufe um eine weitere, eben technologische Variante, wie viele Algo-Verfechter ja nicht müde werden zu behaupten.

    Richtig besorgniserregend wirds erst bei predictive Algorithms, auch die bereits vielfach implementiert, bei denen “Erfolg und/oder Misserfolg” von Steuerungsabsichten unmittelbar darstellbar sind.
    Zum Beispiel bei Konsumentscheidungen oder eben auch bei Wahlergebnissen, siehe die Rolle von Cambridge Analytica ea. …

    Vielleicht ist ja die res publica stets als Zielvorstellung zu verstehen (gewesen), die ein Wir ebenso ermöglichen kann wie sie ein mündiges Ich voraussetzt.

    Auch digitale Technologie(n) heutigen Zuschnitts wirken meines Erachtens nach eher entmündigend als demokratiebefähigend, arbeiten sie der gegeneinander gerichteten Abschottung doch eher zu als entgegen.

    Das mag in ihrer Natur liegen?

    Oder nicht doch im Nukleus ihrer Entstehungsabsicht und ihrer daraus resultierenden Genese?

    Ich teile alle Besorgnis hinsichtlich der weiteren (digitalen) Entwicklungen und bleibe aus mir unerfindlichen Gründen zuversichtlich: nichts kann so schlau sein, dass es sich dem forschenden Geist von uns Menschen nicht erschlösse.
    Mit zuversichtlichen, nicht deswegen schon blank positivistischen Grüßen😊🖖📚

  6. Ich hatte es damals schon gesagt daß ich es nicht gut finde daß du die (a)sozialen Medien verlassen hast.
    Nichtsdestotrotz respektiere ich es, und, ja, ich kann es auch verstehen und nachvollziehen.
    Ich persönlich bin aber, auch und gerade durch deinen Weggang, aktiver geworden. Gerade in den sozialen Medien. Ich gebe wieder verstärkt Widerrede. Auch mit Artikeln von z.B. mimikama oder Volksverpetzer. Auch versuche ich mich politisch stärker zu engagieren. Ich bin inzwischen Mitglied bei Die PARTEI. Wir sind nicht nur satirisch. Wir werden ernster. Wir stehen gegen Fremdenhass. Wir sind antifaschistisch.
    Und ganz wichtig: Wir alle müssen lauter sein als Faschisten, Antisemiten, AfD und Konsorten. Auch und gerade in den sozialen Medien.

    • Das kann ich wirklich gut nachvollziehen, @Christian Brolich. Allerdings bin ich skeptisch, ob bzw. wo Counter Speech etwas bringt und wo es nur Trolle mit noch mehr Aufmerksamkeit und Reichweite „belohnt“.

      Auch hier auf dem Blog erlebe ich mehr als genug Cranks und Trolle, die nicht wirklich diskutieren, sondern nur ihren jeweiligen Spam abladen wollen. Schau Dir nur mal einige der schon moderierten (also zur Freischaltung geeigneten!) Kommentare unter der Massentierhaltung-Debatte an…

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/wissenschaft-selbstbetrug-warum-es-mut-braucht-auf-fleisch-zu-verzichten/

      In diesem Sinne brauche ich echt nicht auch noch Facebook-Beef, an dem doch nur der Konzern verdient. Werbefinanzierte soziale Medien verrohen uns und werden zu asozialen Medien… :-/

      Dir weiterhin alles Gute, viel Kraft & Segen – und hoffentlich einmal auf eine RL-Begegnung! 🤗👍✅

  7. Irgendwann wird RL mal funktionieren.
    Wenn wir auch nur wenige erreichen. Jeder den wir von den Nazis fern halten können zählt.
    In diesem Sinne…

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