Lasst uns spielen! Wie die Schauspieler Selenskiy & Schwarzenegger mit Videos den Ex-KGBler Putin entlarven

Nach der bewegenden Digital-Rede des ukrainischen Präsidenten vor dem Deutschen Bundestag sorgt auch auf meinem Twitter-Feed ein Video des Schauspielers und einstigen Gouverneurs von Kalifornien Arnold Schwarzenegger für Aufsehen, mit dem er gegenüber dem russischen Volk und insbesondere der Armee die Realität gegenüber der putinesken Propaganda vertritt:

Schauspieler als “Retter der Wahrheit” gegen Relativismus & Propaganda? Ja!

Als der US-Schauspieler Ronald Reagan (1911 – 2004) zum republikanischen Präsidenten der USA gewählt wurde, war dies für viele Beobachter:innen ein klares Zeichen dafür, dass die westliche Noch-Supermacht den Kontakt zur Realität verloren habe. In seinem sehr lesenswerten “Fantasyland. How America Went Haywire” von 2017 sah Kurt Andersen darin eine Etappe auf dem direkten Abstieg nicht nur der US-Demokratie in ein populistisches Wünsch-Dir-was bis zum ebenfalls republikanischen US-Präsidenten Donald Trump.

Die Sorge teile ich und gehe, auch wenn meine Prognose zur Abwahl von Trump zutraf, nicht davon aus, dass die US-Demokratie schon über den digitalen Graben gelangt ist. Allerdings gehe ich im Gegensatz zu Andersen nicht davon aus, dass die zunehmende Medialisierung unserer Alltagszeit (vom Sprechen über das Lesen bis zu den elektronischen und digitalen Medien) einen ständigen Realitätsverlust implizieren “muss”. Vielmehr lehrte und schrieb ich bereits im Kontext der Game Studies & Spieltheorie darüber, dass es immer mehr darauf ankäme, “welche” Spiele wir spielten.

Die fünf Stufen der Medienrevolutionen in einem meiner KIT-Medienethik-Seminare. Screenshot: Michael Blume

Schauspieler “spielen” monistischer als Freund-Feind-Dualisten

Donald Trump war ein – früh mit kriminellen Machenschaften verbundener – Immobilienhändler, Wladimir Putin war ein in Deutschland eingesetzter KGB-Geheimdienstoffizier. In ihrer dualistischen Welt aus wenigen Freunden und vielen Feinden ging und geht es darum, andere zu manipulieren, ihnen die eigene Realität aufzudrücken – bis schließlich zum Verlust auch der eigenen Realitätswahrnehmung. Ich gehe fest davon aus, dass Putin und Trump ihre antiwestlichen Verschwörungsmythen selbst glauben. Putin duldete schließlich niemanden mehr, der ihm hätte sagen können, dass Volk und Präsident der Ukraine seiner Invasion mit offenem Widerstand begegnen würden.

Putins hat sich m.E. längst in den eigenen Verschwörungsglauben radikalisiert. Tweet mit Video hier, Screenshot: Michael Blume

Schauspieler wie der ukrainische Präsident Wolodomyr Selenskyi, der u.a. mit der Fernsehserie “Diener des Volkes” populär wurde und der österreichisch-amerikanische Schauspieler Arnold Schwarzenegger strebten dagegen eine monistische Einigung mit ihren Fans an, die sogenannte “suspension of disbelief” (willentliche Aussetzung des Nichtglaubens). Sie wollten “mit” ihren Fans in fiktionale Realitäten abtauchen – was voraussetzt, die echte, zwischenmenschliche und also monistische Realität wert zu schätzen. Das o.g. Schwarzenegger-Video zeigt dies auf höchstem Niveau. (Und, ja, der von ihm erwähnte Yury Petrovich Vlasov (1935 – 2021) wurde im Donezk in der heutigen Ukraine geboren.) 

Es ist diese “Unterscheidung der Spiele” auch der Grund, warum ich aktiv dafür eintrete, dass gerade auch junge Menschen neben populären Mythologien wie z.B. “Star Wars” auch Theater-Workshops und Fantasy-Rollenspiele kennenlernen sollten: Sie – wir – wachsen in eine zunehmend medialisierte Welt hinein, in der “das Spiel mit dem Spiel”, die Unterscheidung von Fiktion und Realität, immer wichtiger wird. Wer darin besteht, wird gerade auch bei uns – unsere Privilegien langsam einbüßenden – Männern häufiger gegen heftige Reaktanzen zum Monismus finden und seltener in den gefährlichen, verschwörungsmythologischen Dualismus a la Putin und Trump umkippen. Auch QAnon funktioniert als ein Spiel – aber als eines, das von den Verschwörungsgläubigen nicht mehr als “Game” erkannt wird.

Also lasst uns mehr spielen – gemeinsam übend und wissend, dass wir spielen.

Bild zum Game Studies-Artikel “Mitarbeit am Mythos” bei BoardGame-Historian über die Bedeutung von Fantasy bei der Überwindung von Verschwörungsmythen. MfG: Boardgame Historian

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren als „teilnehmender Beobachter“, um Digitalisierung zu erforschen, Religionswissenschaft leichter zugänglich und niedrigschwelliger diskutierbar zu machen.

33 Kommentare

  1. Hier will ich allzu viel sagen. Mich erinnert die Situation in der Ukraine leider sehr an den “Kalten Krieg”. Auch die Rede von Putin deutet wohl an, daß er in diesem “gefangen” ist. Schade daß dieses Denken trotz der Ereignisse vor 30 Jahren nicht langsam verschwunden ist.

    Gruß
    Rudi Knoth

  2. interessante Thesen von Fukuyama zur aktuellen Politik in der NZZ https://www.nzz.ch/feuilleton/francis-fukuyama-russland-wird-diesen-krieg-verlieren-und-weitere-12-prognosen-ld.1674933?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE
    Auszüge 1. Russland steuert auf eine klare Niederlage in der Ukraine zu. Die russische Planung war inkompetent und basierte auf der fehlerhaften Annahme, dass die Ukrainer Russland wohlgesinnt sind und dass ihr Militär nach dem Einmarsch sofort zusammenbrechen würde. Die russischen Soldaten trugen für ihre Siegesparade in Kiew offenbar Ausgehuniformen mit, und nicht etwa zusätzliche Munition und Rationen.
    8.Die Invasion hat den Populisten in aller Welt, die vor dem Angriff unisono ihre Sympathie für Putin zum Ausdruck brachten, bereits stark geschadet. Dazu gehören Matteo Salvini, Jair Bolsonaro, Éric Zemmour, Marine Le Pen, Viktor Orbán und natürlich Donald Trump. Die Kriegspolitik stellt ihre bereits bekannten autoritären Tendenzen nochmals ins Rampenlicht.
    12 Eine russische Niederlage wird eine «Wiedergeburt der Freiheit» ermöglichen, und sie wird den Blues vom Niedergang der globalen Demokratie vertreiben. Der Geist von 1989 wird weiterleben, dank den mutigen Ukrainern.

  3. Arnold Schwarzenegger nimmt sich in seiner Ansprache sehr viel Zeit, nichts anderes als die Wahrheit über den Ukraine-Krieg zu sagen. Wobei er sich auf ganz wenige Dinge konzentriert, die ich der Diskussion halber hier kurz zusammenfassen möchte:
    1) Alle UNO-Mitgliedsländer ausser 4 betrachten Russland als Aggressor im Ukraine-Krieg
    2) Putin hat den Krieg unter Angabe falscher Gründe begonnen
    3) Tausende von russischen Soldaten wurden bereits getötet und viel russisches Armeematerial zerstört oder zurück gelassen
    4) Von der russischen Armee wurden Wohnviertel zerstört, es gibt eine humanitäre Krise und 3 Millionen ukrainische Flüchtlinge.
    5) Russland ist wegen seiner Brutalität nun international isoliert und es wurden strengste Sanktionen gegen Russland verhängt.
    6) Das russische Volk und die Soldaten wurden belogen
    7) Die Schuld für diesen Krieg auf sich zu nehmen wird das ganze weitere Leben derer belasten, die mitmachen.

    Im Kern geht es also um zwei Dinge, zwei Wahrheiten:
    1) einen illegalen, brutalen Krieg Russlands gegen ein Nachbarland, der von (fast) allen verurteilt wird
    2) die Verantwortung für diesen Krieg, die bei Putin liegt und bei allen, die mitmachen oder sich nicht distanzieren.

    Diese Rede Arnold Schwarzeneggers kann deshalb als Aufforderung an alle Russen zur Desertion und zum zivilen Ungehorsam aufgefasst werden. Ja, es besteht sogar die Pflicht dazu, denn sonst lädt man Schuld auf sich.

    Arnold Schwarzenegger hat also nicht die angewendete Gewalt in den Vordergrund gestellt, sondern die Ungerechtigkeit des Krieges, die Schuld, die Beteiligte auf sich nehmen und die Strafen, die bereits verhängt wurden.

    Tatsächlich ist das wohl der richtige, letztlich einzig wirksame Ansatzpunkt. Der nämlich zu sagen, dass Unrecht nicht ungestraft bleibt.

    • Ja, @Martin Holzherr – der auch in Russland sehr beliebte Arnold Schwarzenegger spricht hier russische Soldaten in einer m.E. sehr guten und Reaktanzen vermeidenden Weise an. Er kontert damit die offizielle, russische Propaganda und wird sicher mittelfristig einige Effekte erzielen. Mir persönlich bedeutet seine klare Absage an den Relativismus – auch in den USA – viel. Es gibt eben eine, auch eine historische Wahrheit.

  4. Die Schwarzenegger-Ansprache ist einfach genial! Ich gebe zu, ich hatte gewisse Vorurteile gegenüber Arnold S.
    Jetzt bin ich platt.

  5. The Return of Old Men and of old politics
    Putin ist 69 und sein Idol ist Iwan Alexandrowitsch Iljin, ein russischer Monarchist und Revanchist, der von einem eurasischen, von Russland geführten Reich schwadronierte.

    Xi Jinping ist 68, chinesischer Staatspräsident auf Lebenszeit und bester Freund von Putin. Er reideologisierte die Partei, liess das chinesische Militär erstmals etwas von der Leine und verstärkte landesweit die elektronische Überwachung.

    Jörg Biden ist 79 und als langjähriger Aussenpolitiker bestens vertraut mit „alter“ Politik, wie sie von Putin und wohl auch von Xi Jinping betrieben wird.

    „Alte“ Politik ist Denken in Machtsphären unter Einschluss von militärischen Optionen. „Neue“ Politik dagegen ist Denken in vorwiegend wirtschaftlich/technischen und globalen Handlungsoptionen mit dem Ziel, das eigene Land kompetitiver und zu einem besseren Standort zu machen.

    Arnold Schwarzenegger ist 74 und wohl auch bestens vertraut mit „alter“ Politik.

    There Will Be Blood
    There will be blood ist der Titel eines Films von Paul Thomas Anderson.
    In diesem Film geht es um den blutigen Aufstieg eines Schürfers zu einem mächtigen Ölbaron. Sein Reichtum gründete nicht nur auf Öl, sondern auch auf Blut.

    Frage: Sind wir jetzt wieder dort zurück, wo Menschen für die Eroberungsträume von Ressourcen-Fetischisten sterben müssen?

    • Zur „alten Politik“: Ernsthafte Denker, wie der Soziologe Harald Welzer, sind zutiefst erschrocken darüber wie „eine Ästhetik und Rhetorik des Krieges zelebriert wird, die wir seit Jahrzehnten für nicht mehr gesellschaftsfähig gehalten hatten.“ Ähnlich äußern sich auch Richard David Precht, Alice Schwarzer, Diana Kinnert und Daniel Barenboim zum Thema.
      https://www.rtl.de/cms/ukraine-krieg-richard-david-precht-alice-schwarzer-co-teilen-im-stern-ihre-gedanken-4937321.html

      Offensichtlich stehen jedoch auch diese Damen und Herren nicht mehr wirklich hoch im Kurs. Zumal sich der Ukraine-Krieg weitgehend zu einer Informationsschlacht entwickelt hat. Das US-amerikanische Magazin The New Yorker nennt das Ganze daher den ersten „TikTok-Krieg“.
      https://www.newyorker.com/culture/infinite-scroll/watching-the-worlds-first-tiktok-war

      • @Mona (Zitat:)“

        Ernsthafte Denker, wie der Soziologe Harald Welzer, sind zutiefst erschrocken darüber wie „eine Ästhetik und Rhetorik des Krieges zelebriert wird, die wir seit Jahrzehnten für nicht mehr gesellschaftsfähig gehalten hatten.“

        Wenn Krieg zurückkehrt, kehrt vieles von früher zurück, weil, es ja eine kulturelle und eine Denklücke betreffend Krieg in Europa gab seit dem letzten Krieg in Europa, den wir an uns herangelassen haben (und ja, den Jugoslawienkrieg haben wir nur bedingt an uns heran gelassen). Nun wird reaktiviert, was wir von früher kennen, was aber kaum verarbeitet wurde.

        Altes Denken wurde auch reaktiviert, als der Ostblock zusammenbrach. Im Vielvölkerstaat Jugoslawien wo Tito die alten Konflikte eingefroren hatte, erwachten diese Konflikte aufs Neueste und Stärkste.

        Aber auch Richard David Precht, beweist im von ihnen verlinkten Beitrag Von Harald Welzer, Richard David Precht, Alice Schwarzer, Diana Kinnert und Daniel Barenboim aufs Beste, dass er im Old-Think verharrt. Dort liest man “Eine europäische Friedensordnung, in der Russland keine Rolle spielt oder die gegen Russland gerichtet ist, ist eine Zeitbombe, ein zerfallendes Russland ein Pulverfass”.
        Doch Russlands Wirtschaft ist kleiner als die Italiens und Russland muss in Zukunft eine viel kleinere Rolle spielen, nämlich eine Rolle, die vergleichbar ist mit derjenigen Italiens, falls Russland irgendwann zur EU stösst. Wenn schon ist das die grosse Herausforderung für die Zukunft: Russland oder besser gesagt den Russen vermitteln, dass sie keine Imperialmacht mehr sind und es viel besser für sie ist, ich von allen imperialen Ansprüchen zu verabschieden. Und ja, das geht nur über einen Sturz von Putin, über einen Regime-Change, denn Putins Denken kreist um nichts anderes als die früherer Grösse des russischen Reiches.
        Dazu empfehle ich den SPON-Artikel Früherer Kremlberater Inosemzew »Putin ähnelt Mussolini«. Dort liest man:

        Der Imperialismus kann leider nicht aus dem russischen Charakter entfernt werden. Die westlichen Imperien – die großen Kolonialreiche – wurden von bestehenden Nationalstaaten geschaffen. In Russland war es ganz anders. Russland wurde als Imperium geboren, da war nie ein Nationalstaat. Es fehlt gewissermaßen der Kern, auf den Russland reduziert werden könnte.

        Mit andern Worten: Es genügt nicht, dass die Intellektuellen und Gebildeten, die Russland jetzt verlassen, schon lange nicht mehr imperial denken. Auch die übrigen Russen müssen ihr Denken ent-imperialisieren. Neues Denken ist als angesagt. Nicht nur bei uns, auch bei den Russen.

  6. @Piskator 19.03. 18:41 / Zitat Fukuyama

    „12 Eine russische Niederlage wird eine «Wiedergeburt der Freiheit» ermöglichen, und sie wird den Blues vom Niedergang der globalen Demokratie vertreiben. Der Geist von 1989 wird weiterleben, dank den mutigen Ukrainern.“

    Das würde mich wundern, wäre aber in der Tat das Beste, was passieren kann. Mit der Wende 1989 hofften viele, und ich auch, dass wir jetzt nicht mehr so viel Militärausgaben brauchen und endlich eine „Friedensdividende“ einfahren können. Nun denn, die USA haben in Saddam praktisch umgehend einen neuen Feind gefunden. Und entsprechend liefen die amerikanischen Rüstungsanstrengungen auch ohne Kalten Krieg munter weiter.

    Immerhin haben wir reagiert, und die Rüstungsausgaben entsprechend tatsächlich reduziert. Das Geld kann man ja nun gut in soziale, ökologische und wirtschaftliche Projekte investieren. Ohne ein feindliches Russland war schließlich auch kein gefährlicher Feind mehr in Sicht.

    Jetzt kommen gleich 100 Mrd für Aufrüstung ins Spiel. Allerdings scheint mir, dass wenn obiges tatsächlich eintritt, und Russland noch nicht mal mit der Ukraine militärisch fertig wird, dann kommt mir gleich der Gedanke, dass wir bei weitem genug Bundeswehr haben, um zusammen mit der ganzen Nato vor Russland sowieso sicher sind.

    Die militärischen Möglichkeiten Russlands sind auch bei einem Bruttosozialprodukt auf dem Niveau von Italien in der Tat eher wenig, dass uns das wirklich gefährlich werden kann. Unklar ist von meiner Seite her, wie viel Ausrüstung noch aus Sowjetzeiten einsatzfähig ist, und was dieses Gerät heute im Computerzeitalter noch taugt. Ich weiß jetzt auch nicht, wieviel Prozent vom Bruttosozialprodukt Russland in den letzten Jahren ausgeben hat. Sicher mehr als die 2 %, die die USA von uns einfordern, die wir aber bisher erfolgreich vermieden haben.

    Aber wie gesagt, wenn sich die Russen schon mit der Ukraine die Zähne ausbeißen, dann frage ich mich, ob wir in der Nato nicht eher 5 oder 10 mal mehr haben, als wir brauchen, um Russland entgegen zu treten, wenn die so wahnwitzig wären, ein Nato-Mitglied anzugreifen.

    Andersherum, wenn wir wiederum vorhaben, Russland und seine Einflusssphäre zu „befreien“, dann brauchen wir womöglich mehr. Allem voran eine wirklich wirksame Abwehr von atomar bestückten Raketen aller Art. Weil eben das wohl nötig wäre, das Risiko wäre offenbar untragbar ohne dem. Das wäre dann allerdings wiederum mutmaßlich viel zu teuer, und auch nicht so ganz rechtmäßig.

    Hier würde ich dann alternativ vorschlagen, einfach zu warten, bis sich die politische Verhältnisse in Russlands Einflusssphäre von innen heraus bessern, und dieses dann aber nach Kräften zu fördern. Spätestens mit der Dekarbonisierung wird sich wohl eine Situation ergeben, dass auch Russland einsieht, dass die Menschen das eigentliche Kapital sind, welches sich aber nur richtig nutzen lässt, wenn man den Menschen genug Freiheit lässt.

    • @Tobias Jeckenburger
      Zitat 1: „ Ohne ein feindliches Russland war schließlich auch kein gefährlicher Feind mehr in Sicht.„
      Zitat 2: „“ Andersherum, wenn wir wiederum vorhaben, Russland und seine Einflusssphäre zu „befreien“, dann brauchen wir womöglich mehr. “

      Antwort: Russland ist nur eine von vielen auch militärischen Gefahren in dieser Welt. Man bedenke: Auch die Türkei hat sich militärisch in die Kriege im Nahen Osten eingemischt. Frankreich hat gerade eben sein Engagement gegen den Terrorismus in Mai aufgegeben. China droht Taiwan indirekt mit Einmarsch. Die Sahelzone ist zum Dschihadisten-Hotspot geworden. Der ganze Nahe Osten (middle east) ist in Unruhe mit Iran, Israel und Saudi-Arabien als potentielle Akteure späterer Kriege.

      Europa und Frieden:
      Westeuropa lebt im Frieden. Allerdings nur, wenn man seine Nachbarschaft, nämlich den Nahen Osten, Russland und die Sahelzone vergisst und ausklammert. Doch das kann man nicht. Ja, wenn in China nur ein Sack Reis umfällt, dann kann uns das egal sein. Nicht aber, wenn Krieg im Nahen Osten oder der Sahelzone ausbricht, denn was dort passiert sollte nicht allein von der EU-Organisation Frontex von uns abgehalten werden.

  7. Als der US-Schauspieler Ronald Reagan (1911 – 2004) zum republikanischen Präsidenten der USA gewählt wurde, war dies für viele Beobachter:innen ein klares Zeichen dafür, dass die westliche Noch-Supermacht den Kontakt zur Realität verloren habe. [Artikeltext]

    Ronald Reagan ist im, womöglich immer deutsch bestandenen Antiamerikanismus, seinerzeit, insbesondere direkt vor und nach seinem Amtsantritt, als besonders gefährlich und böse bundesdeutsch kommuniziert worden, Dr. Webbaer merkt aber auch gerne an, dass sich derartige Einschätzung, auch gerade bei unseren politisch links stehenden Freunden, nach dieser Rede :
    -> https://en.wikipedia.org/wiki/Tear_down_this_wall!
    … sukzessive, gar zeitnah, plötzlich sozusagen, geändert hat; gegen Ende der Amtszeit von Ronald Reagan gab es – für einige : amüsanterweise – alle politischen Lager übergreifend kaum noch bundesdeutsche Kritik an ihm.

    Weiß jemand, woran dies gelegen hat?


    Dr. Webbaer war seinerzeit dabei, mag auch den Film von Sven Regener “Dr. Lehmann” und hat seinerzeit, zur Wendezeit, gerne seine politisch links stehenden Bekannten und Freunde angefragt, wie es denn nun so ausschaue, i.p. Sozialismus und Kommunismus, wie denn nun genau ihre Befindlichkeit wäre.
    Womöglich ‘gänzlich den Kontakt zur Realität verloren habend’.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer

    • Ronald Reagan ist im, womöglich immer deutsch bestandenen Antiamerikanismus, seinerzeit, insbesondere direkt vor und nach seinem Amtsantritt, als besonders gefährlich und böse bundesdeutsch kommuniziert worden,

      Es war nicht nur der “Antiamerikanismus” sondern seine Rhetorik war schon etwas “gewöhnungsbedürftig”. Auch sollte man bedenken, daß er als Schauspieler meist in (hier weniger bekannten) Western spielte. Diese Filmgattung hat ja oft das Duell zwischen “Gut und Böse” zum Inhalt.

      Gruß
      Rudi Knoth

  8. Hier kursieren gleich mehrere Denkfehler:
    1. Nur weil man in Deutschland nicht mehr in Einflusssphären denkt (Ende der Geschichte und so), heißt das nicht, dass man das anderswo nicht täte bzw. dass es nicht mehr “modern” sei. Man darf sich gerne in ausländischen einschlägigen Publikationen umsehen. Zum Beispiel las ich 2008 eine Buchbesprechung von “Einzige Weltmacht Amerika”, die vom einflussreichen Strategen Brzezinski geschrieben wurde und der sehr wohl ein Stratege “der alten Schule ist”. In dieser Besprechung prognostizierte man, dass wenn diese Strategie eine Blaupause für die US-Präsidenten sei, man innerhalb 5 Jahren eine Konfrontation in Georgien oder Ukraine habe. Georgien verlief kurz darauf glimpflich…
    2. Auch wenn Putin, dieser “alten Schule” anhängt heißt das nicht, dass er sich den Westblock als Feind ausgedacht hat. Er _wollte_ der EU beitreten und hatte die Vision eines gemeinsamen Wirtschaftsraumes von Lisboa bis Wladiwostok. Hat niemanden interessiert.
    Er wollte der NATO(d) beitreten und die Antwort war ein diplomatisch verfeinertes “Pffft…. Muhaha … ROFLMAO”.
    Er _wollte_ eine blockneutrale Ukraine, aber man hatte bereits 2008 entschieden, dass sie zu NATO müsse und das EU-Assoziierungsabkommen, dessen Unterschried erst blutig herbei geputscht werden musste, hat Mitgliedschaften in anderen Wirtschaftszonen explizit ausgeschlossen. Der Westen hat sich Russland ohne Not zum Feind gemacht. Nun verhält sich Russland erwartungsgemäß.
    3. Ein Schauspieler muss nicht zwingend empathisch sein und sich mit den Zielen des Auditoriums gemein machen. Er kann auch nur sein Auditorium besonders geschickt manipulieren. Soziopathen sind oftmals besonders sympathische Menschen, weil sie scharfe Beobachter sind. Schauspieler sind oftmals narzistisches Egomanen, die ihre Macht über das Auditorium zu ihren eigenen Vorteil nutzen.
    Dass Selenskiy auch in den Paradise Papers vorkommt, zeigt wem seine Loyalität gilt.
    Schwarzenegger halte ich für ein “Einhorn”. Authentisch und moralisch… so jemanden gibt es in solch einem Hintergrund extrem selten.

    • Klar, @Manuel – schon die Sowjets reklamierten einerseits „das Selbstbestimmungsrecht der Völker“ und missachteten es gleichzeitig brutal. Dass Sie vom Beschreiben anderer Verfehlungen auf eine Bejahung dieser Positionen umschwenken ist Ihr Denkfehler – oder Ihre gezielt manipulative Argumentation.

      Einfacher formuliert: Dass es immer und quer durch alle Gesellschaften auch Nationalisten und „kalte Krieger“ geben wird, enthebt Sie nicht der Verantwortung für Ihr eigenes Denken.

      • Nein, @Herr Blume diese Positionen der Nationalisten und “kalten Krieger” gibt es überall auf der ganzen Welt und ganz sicher auch jenseits des großen Teiches. Es dem Führer einer anderen Macht vorzuwerfen, dass er das große Spiel spielt, ist nichts als scheinheilig.
        Es gibt einen Ausspruch, der Jesus zugeschrieben wird und über Splitter und Balken in Augen geht. Als Religionswissenschaftler einer “christlichen” Region kennen Sie den bestimmt.
        Wir als Bewohner Deutschlands sollten zuallererst anerkennen, welche geostrategische Position unserere Regierung vermeintlich in unserem Auftrag bezieht, welche Bündnispartner sie unterstützt (Balken) und dabei einbeziehen, welche Reaktionen damit bei anderen Mächten provoziert werden (Splitter).

        Mein eigenes Denken sagt mir, dass ich zuallerst den Nationalisten und “kalten Kriegern” in Deutschland das Mandat entziehen muss, dann auf (vermeintliche) Freunde und Verbündete einwirken muss, bevor ich mich moralisch über (vermeintliche) Feinde empören darf, die eventuell nur reagieren.

        • Sorry, @Manuel, Sie üben keine westliche Selbstkritik, sondern vorauseilende Unterwerfung. Unsere Demokratien – einschließlich der ukrainischen – sind nicht perfekt, doch 1000x besser als die putineske Tyrannei.

          Ich habe mit Stolz in unserer Parlamentsarmee gedient, weil unsere Republik – und andere Demokratien – es wert sind, verteidigt zu werden. Die Ukrainer:innen tun genau das. Bitte hören Sie auf damit, sich die eigene Feigheit schönzureden.

          • Ich weiß wenig über die putineske Tyrannei, aber deutlich mehr über die ukrainische Tyrannei. Das ist keine Demokratie, sondern eine Kleptokratie. Sie dürfen zum Beispiel mal über Burisma und Hunter Biden nachlesen. Das dürfte auch das Bild des aktuellen POTUS leicht verändern.
            Sie können auch einmal bei der OSZE nachlesen, wie lange sich die Ukraine ans Minsker abkommen gehalten hat und wie viele zivile Opfer in der Ostukraine das gefordert hat (Spoiler: nie und sehr viele)
            Das tut aber herzlich wenig zur vorliegenden Sache (Derailing?), die da lautet:
            1. Das große Spiel wird unverändert gespielt, selbst wenn man in Deutschland ahistorischerweise glaubt, dass das “unmodern” oder “aus der Zeit gefallen” sei.
            2. Nur jemand, der das Spiel nicht spielt, kann einem anderen vorwerfen mitzuspielen. Deutschland spielt; schlecht und unmoralisch. Das Imperium jenseits des Teiches ist der größte und skrupellosester Spieler von allen. Russland spielt nach eigenem Vermögen und empfundener Notwendigkeit mit und richtet dabei auch seinen Teil vom Schaden an.
            3. Schauspieler sind keine besseren Staatenlenker, nur weil sie vermeintlich monistischer dächten.

            Ergänzend: Ihren Dienst in allen Ehren (ich habe auch gedient, nur dass die Bundeswehr trotz meiner Meldung kein Interesse an Auslandsdiensten meinerseits hatte), aber er tut hier relativ wenig zur Sache. Er entbindet sie nicht von der Verpflichtung zum eigenen Denken. Ich gebe zu, dass es schwer ist, sich einzugestehen, dass man, wenn man dient, ein Stück weit die Verantwortung für das eigene Handeln an Menschen delegiert, die dieser Verantwortung nicht immer (oder eher selten?) gerecht werden.
            Aber Sie werden das schon schaffen.
            Ein Glück für Sie, wenn Sie zufällig doch etwas tun konnten, worauf man menschlich stolz sein kann, aber dieses Glück hat nunmal nicht jeder Dienende. Mir tun die armen Soldaten leid, die in Afghanistan an der völkerrechtswidrigen Besetzung und an Gemetzeln an der Zivilbevölkerung mittelbar oder unmittelbar beteiligt waren (aber weniger als die Zivilbevölkerung, denen wir 20 Jahre Entwicklung gestohlen haben). Ist man feige, wenn man dergleichen nicht mittragen möchte? Oder ist es verantwortungsvoll und mutig, das selbst dann nicht zu tun, wenn andere einen feige nennen?

          • Es ist rührend, @Manuel, wie Sie aus den Schwächen westlicher Demokratien – einschließlich der Ukraine – unbedingt Argumente für eine Gleichsetzung mit der russischen Despotie ableiten wollen. Deren sehr viel größere Schwächen blenden Sie systematisch aus (“Ich weiß wenig über die putineske Tyrannei…”) – und verdrängen sogar, dass zuerst die Sowjetunion in Afghanistan einfiel und die Serie an Kriegen bis zur heutigen Herrschaft der Taliban einleitete.

            Ja, der Westen macht Fehler. Aber nur in antiwestlichen Verschwörungsmythen ist er an allen Übeln Schuld.

            Und, nein, Feigheit vor Tyrannen ist nicht “verantworungsvoll und mutig” – sondern feige. Ich habe mich auch in Prognosen festgelegt: Der von Ihnen noch wortreich “entschuldigte” Putin verliert:
            https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-demografie-der-russischen-armee-warum-die-ukraine-invasion-von-wladimir-putin-scheitert/

            Vielleicht schaffen Sie es ja irgendwann noch, Ihren antiwestlichen Verschwörungsglauben zu überdenken. Dualismus macht die Welt scheinbar einfacher, doch er scheitert wieder und wieder an der Realität.

          • Dualistisch denken allein Sie.
            Nur so, oder mit Agitation, lässt sich erklären, dass Sie sich anscheinend so bemühen, mich falsch zu verstehen.

          • Nein, @Manuel – weder denke ich dualistisch, noch sind Sie das Opfer, noch ist Putin ein Held.

            Mir ist bewusst, dass gerade viele antiwestliche Verschwörungsmythen zusammenbrechen und dass dies auch kognitive Dissonanz sowie Reaktanz auslöst. Aber ich traue Ihnen ernsthaft zu, aus diesen absurden Der-böse-Westen-ist-an-allem-Schuld-und-Putin-okay-Verschwörungsglauben auszubrechen. Es liegt alleine an Ihnen, die kognitiven Kapazitäten und die Grundbildung dazu haben Sie auf jeden Fall.

          • Zum Thema Sowjetinvasion (Was auch immer Sie immer mit den Sowjets haben) hier ein ein Interview mit dem außenpolitischen Berater von Jimmy Carter (der POTUS unter dem das begonnen hat):
            https://thoughtcrimeradio.net/2021/08/afghanistan-brzezinskis-interview-with-le-nouvel-observateur/
            Wichtige Antwort von Brezinski:
            “We didn’t push the Russians to intervene, but we knowingly increased the probability that they would.”
            Brezinski ist unmittelbar und mittelbar der Schöpfer der Taliban und Al-Quaeda, vor denen zu schützen die USA in Afghanistan vorgegeben hat. Ein Muster, dass wir zum Beispiel auch im Irak gesehen haben. Erst wird Hussein aufgebaut und dann…
            Generell ist es erhellend diesem Mann zuzuhören bzw. seine Bücher zu lesen. Er hat auch zum Thema Ukraine “kürzlich” etwas gesagt, aber das finden Sie auch noch heraus, wenn Sie überhaupt an einer realistischen Perspektive interessiert sind.

            Und wenn wir schon bei wichtigen westlichen Denkern sind. Noam Chomsky hat auch ein paar Dinge zum Thema Zustand der Demokratie(n) zu sagen. Er meint vorrangig die us-amerikanische, aber die Erkenntnisse bezüglich der Wirkmechanismen, sind natürlich grundsätzlich überall hin übertragbar. Möglicherweise überschätzen Sie die Resilienz westlicher Demokratien – wenn Sie schon unbedingt den moralischen Wert des Staatssystems als Voraussetzung für die Bewertung des geopolitischen Handelns sehen wollen. Ich persönlich würde das trennen wollen, weil sich Staaten zwar oft darin unterscheiden, wie sie mit ihrer eigenen Bevölkerung umgehen. Aber dann noch kaum, wenn es um fremde Bevölkerung geht. Bzw. diese ist Mittel zum Zweck – ein Staat in einer schwachen geopolitischen Position handelt kooperativer als einer in einer starken Position.

            Zuletzt: ich weiß wenig über die putineske Tyrannei, weil es leider so ist, dass man in Deutschland kaum die Wahrheit erfährt. Es gibt viele Fälle, in denen Medienberichte nachweislich einfach falsch waren. So heißt es z.B., dass Russland homophob sei, man könne seine Neigung nicht ohne Gefahr für Gesundheit und Freiheit leben. Jedoch waren deutsche Homosexuelle während der EM in Sankt Petersburg und gingen zusammen mit Russen in bekannte Homosexuellen-Diskos. Offenbar gibt es hier etwas zu differenzieren. Das ist anscheinend von deutschen Medien etwas zu viel verlangt. Ich kann also auch nicht wirklich glauben, was man mir dort erzählt.

          • Ja, @Manuel, Ihr Misstrauen richtet sich nur einseitig gegen den Westen. Da sind Sie „kritisch“, während Sie andererseits sogar die „Gay-Parade“-Rechtfertigung der Invasion durch Patriarch Kyril I. abtun. Homosexuellenfeindlichkeit – wo denn? Und sogar wenn die Sowjetunion in Afghanistan einmarschierte, ist nach Ihrer Verschwörungs-„Logik“ doch die USA Schuld, weil sie es nicht „verhindert“ hat. Der Haupt-„Schuldige“ steht in Ihrem Weltbild immer schon fest…

            Freund-Feind-Dualismus ist heilbar, aber man(n) muss es halt schon selber wollen. Demokratie heißt eben Freiheit, aber auch die Verantwortung, zwischen berechtigter Kritik und Verschwörungsmythen zu unterscheiden.

            Bitte haben Sie aber Verständnis, dass ich hier keine Einzeltherapien leisten kann. Ihr Verschwörungsglauben liegt in Ihrer Verantwortung und geht mit dem Abblocken historischer und zeitgenössischer Fakten einher. Ich habe leider keine Zeit, das weitere Male mit Ihnen durchzukauen.

          • Sie meinen weil ein homophober, bellizistischer Kirchenmensch (als ob es im “Westen” davon nicht genug gäbe) einen echt üblen Spruch von sich gibt, muss Russland nun in toto homophob sein?
            Haben Sie schonmal dem Bundesgauckler a.D. in seiner Menschen- und Volksverachtung zugehört? Nach der obigen Argumentation dürfte gesamt Deutschland ein elitäres, menschverachtendes Regime sein. Das würden Sie nur wieder nicht akzeptieren. Wir könnten mit den anderen Fehlbesetzungen dieses Postens der jüngeren Zeit weitermachen, aber Sie haben ja weder Zeit noch Interesse.

            Die Frage ist eher, wieviel von tatsächlichem Regierungs- und Verwaltungshandeln eines Landes ist auf die Befreiung oder Unterdrückung z.B. von Homosexuellen ausgerichtet. Offenbar kann man zumindest Homosexuellen-Diskos öffnen und betreiben.
            Und vergessen Sie dabei nicht, dass es noch gar nicht so lange her ist (2017), dass Deutschland unter beträchtlichen Schmerzen und auch alles andere als einstimmig im Punkt Gleichberechtigung Homosexueller verfassungsgemäß wurde.

            Schade, irgendwie hatte ich von jemandem, der vorgibt christlich, humanistische Werte zu vertreten, erwartet, dass Sie das Gebot der Nächstenliebe wenigstens kennen.
            Das bedeutet auch, dass man versucht, die Perspektive des Anderen zu verstehen, indem man sie wenigstens temporär einnimmt. Das macht es einfacher, auch das eigene Handeln, also genau das, was man am ehesten beeinflussen kann und wofür man zuallerst(!) Verantwortung trägt, zu reflektieren und die Wirkung auf den (vermeintlichen) Feind besser abzustimmen.

            Sie jedoch halten trotz manigfaltiger gegenteiliger Beweise den (vermeintlich) demokratischen “Westen” einfach für gut und das selbst unter den Bündnispartnern (neue “Energiepartnerschaft” mit Quatar <- ausgerechnet) des "Westens" nicht ungewöhnlich tyrannische oder aggressive Russland einfach für "das Böse" gegen das man mit Gewalt gegenhalten muss – alles andere sei ja feige.

            Das ist die jahrtausende alte naive "Logik" der Menschen, die sich mit Pseudomoral in Kriege drängeln lassen, in denen sie am Ende selbst dann nichts gewonnen (nicht mal Freiheit) haben, wenn sie mit dem Leben davon gekommen sind. Das entspricht 1:1 der einsteinschen Definition von Irrsinn.
            Und Sie sind bewusst oder unbewusst auf diesem Blog ein Einpeitscher. Kehren Sie in sich, denn auch Sie haben so nichts zu gewinnen und haben Verantwortung für viele Menschen, die Sie statt dessen auch aufklären könnten.

            Mögen wir uns im Himmel, also unter besseren Bedingungen 😉 , wiedersehen, so Sie daran glauben.

          • Oooh – wieder die Opferrolle, @Manuel? Jetzt fühlen Sie sich auch noch zu wenig geliebt?

            Machen Sie sich da bitte keine Sorge: Ich nehme mir die Zeit für klare Ansage an Verschwörungsgläubige, „weil“ ich auch diese als von der Nächsten-, sogar Feindesliebe umfasst sehe. Es wäre aus meiner Sicht ein Zeichen der Lieblosigkeit, Ihren Verschwörungsmythen und Ihrer Tyrannophilie nicht deutlich zu widersprechen. Auch Sie hätten ja einen Zugang zur Realität verdient – dafür sind Sie jedoch am Ende auch selbst verantwortlich.

            Und dazu gehört die Freiheit zur Kritik, die ich oft und täglich, auch heute freimütig ausgeübt habe. „Der Westen“ ist nicht einfach „gut“, aber immerhin monistisch – hier dürfen auch Verschwörungsgläubige täglich antiwestlich schwadronieren, ohne dass sie dafür belangt werden. In Russland dürfen Sie derzeit nicht einmal „Krieg“ sagen.

            In diesem Sinne wünsche ich auch Ihnen alles Gute und werde weiterhin auch Ihre Freiheit verteidigen, die Sie so verachten.

  9. @Holzherr 21.03. 19:26

    „Auch die Türkei hat sich militärisch in die Kriege im Nahen Osten eingemischt.“

    Ist das denn ein Grund, dass wir uns da auch einmischen?

    „Frankreich hat gerade eben sein Engagement gegen den Terrorismus in Mai aufgegeben.“ (ich vermute, sie meinen Mali?)

    Ist das ein Problem für uns?

    „China droht Taiwan indirekt mit Einmarsch.“

    Immerhin ist dieser Konflikt noch aus der Revolution Maos übriggeblieben. Auch hier kein Grund, sich das einzumischen. Das lohnt sich nicht, das wäre viel zu teuer. Es sieht keinesfalls so aus, als hätte China darüber hinaus eine Expansion im Sinn. Die interessieren sich vor allem für gute Handelsbeziehungen zu allen zur Verfügung stehenden Handelspartnern.

    „Die Sahelzone ist zum Dschihadisten-Hotspot geworden.“

    Solange die Dschihadisten dort nicht bei uns einreisen, stört uns das denn wirklich?

    „Der ganze Nahe Osten (middle east) ist in Unruhe mit Iran, Israel und Saudi-Arabien als potentielle Akteure späterer Kriege.“

    Und was hat hier das Engagement der USA gebracht? Nichts, im Gegenteil. Im Irak-Iran-Krieg soll die USA beide Seiten mit gefälschten Satellitenaufnahmen versorgt haben, die so manipuliert wurden, das es für beide Seiten so aussah, als wären sie kurz vor dem Sieg. Und bevor Saddam Kuweit angegriffen hat, hat der die USA gefragt, und die haben einfach gesagt, ist uns egal. Ein einfaches nein hätte genügt, diesen Krieg zu verhindern.

    Der Westen fördert doch die Kriege dort, und wir brauchen keine Waffen, mit denen wir da mitmischen können, weil wir da überhaupt nicht mitmischen müssen. Die müssen selber ihre Erfahrungen machen, und an ihrem Miteinander arbeiten, meine ich zumindest.

    Wenn jetzt Putin tatsächlich aus Angst vor den USA diesen Krieg angezettelt hat, dann wäre selbst dieses durch vertrauensbildende Maßnahmen zu verhindern gewesen, ganz ohne Gewalttätigkeiten. Naja, er hat jetzt die Ukraine angegriffen, und die Nato muss stark genug sein, dass Russland eben keine Chance hat, Natomitglieder zu erobern. Das ist klar.

    Die Frage war ja: müssen wir wirklich aufrüsten, oder will hier nur die USA uns in Europa ihre neusten Kampfflugzeuge verkaufen? Immerhin haben die USA eine chronisch negative Handelsbilanz, und stehen ständig unter Druck, genug Exporte zu realisieren. Gleichzeitig sind ja gerade die horrenden amerikanischen Rüstungsausgaben auch die Ursache ihrer schlechten Handelsbilanz.

    Entsprechend gucke ich hier gespannt, wie stark die russischen Truppen tatsächlich sind. Wenn die nicht mal ihre Ziele in der Ukraine erreichen, dann gibt es offenbar keine wirkliche Bedrohung für Natomitglieder und wohl auch wenig Anlass, unsererseits massiv aufzurüsten. Besser das Geld in Klimaschutz und Ressourcenunabhängigkeit investieren, wäre dann die Konsequenz.

    • @Tobias Jeckenburger (Zitat): „ Die Frage war ja: müssen wir wirklich aufrüsten, oder will hier nur die USA uns in Europa ihre neusten Kampfflugzeuge verkaufen?„
      Antwort: Tendenziell verabschieden sich die USA nicht nur vom Nahen Osten, sondern auch von Europa. Trump wollte diesen Schritt schon vollziehen (Trump hat die NATO in Frage gestellt) und nicht nur Obama, sondern auch Joe Biden sehen China als neuen Hauptakteur in der Welt gegen den die USA sich wappnen muss.

      Die USA sind erst mit dem zweiten Weltkrieg und ihrem überwältigenden Erfolg dazumal zur auch militärischen und missionarischen Weltmacht geworden als die wir sie heute kennen. Vorher waren die US-Amerikaner eher isolationistisch eingestellt. Sie wollten nichts von der Welt ausserhalb den USA wissen und sich erst recht nicht einmischen. Da die USA – anders als Europa – geopolitisch gesehen in einer sicheren Zone der Welt leben, ist Isolationismus für US-Amerikaner sogar eine verständliche, natürliche Haltung. Für Westeuropa aber gilt das nicht. Westeuropa ist geradezu umgeben von Unruheherden. Allerdings heisst das tatsächlich nicht unbedingt, dass militärische Aufrüstung die richtige Antwort ist, denn am wahrscheinlichsten sind nur gerade Flüchtlingswellen mit denen Europa zurecht kommen muss und nicht direkte militärische Angriffe. Verbreitet in Westeuropa ist auch die Meinung, mit Diplomatie allein könne die EU etwas bewirken in den Unruhe- und Krisenherden, die sie umgeben. Doch diesen Glauben teilen die betroffenen Länder nicht. Im Nahen Osten nimmt man die Europäer nicht besonders ernst, wenn es um Versuche geht, mit Diplomatie etwas zu verändern.

      Fazit: Westeuropa ist umgeben von politisch instabilen Nachbarregionen. Die Frage stellt sich: Wie geht Westeuropa damit um, wie sorgt es für eigene Sicherheit in einer Welt in der die USA bald schon nicht mehr bereit sind, Sicherheits-Garantien für Europa abzugeben.

    • Wenn jetzt Putin tatsächlich aus Angst vor den USA diesen Krieg angezettelt hat, dann wäre selbst dieses durch vertrauensbildende Maßnahmen zu verhindern gewesen, ganz ohne Gewalttätigkeiten.

      Glauben Sie wirklich, daß dies geholfen hätte? Und warum griff er die Ukraine an, die kein NATO-Mitglied ist? Und dann noch eine Frage:

      Warum wollten denn Polen, Tschechien und einige baltische Staaten in die NATO? Eventuell doch aus “Furcht” vor Russland. In die CSSR sind ja Panzer aus Moskau 1968 gefahren, weil der UDSSR dir dortige liberale Regierung nicht passte.

      Gruß
      Rudi Knoth

      • @Rudi Knoth, Ergänzung. Nur 6% der Landesgrenze Russlands stösst an NATO-Länder. Wenn schon könnte China eine Gefahr für Russland sein, denn es hat eine lange gemeinsame Grenze mit Russland an der es sogar schon mehrere militärische Auseinandersetzungen gab. Doch China, bezugsweise sein Präsident Xi Jinping ist ja der beste Freund von Putin und Russland. Doch war nicht auch die Ukraine gemäss Putin ein mit Russland befreundetes Land? Und jetzt wird dieses mit Russland befreundete Land von Russland erobert und besetzt.

        Fazit: Klar bedroht die NATO-Mitgliedschaft der baltischen Länder den Expansionswillen Russlands.

        Putin hat deutlich gemacht, dass er nicht nur einen Anspruch auf die Ukraine, sondern auch auf die baltischen Länder hat. Nur gerade die NATO-Mitgliedschaft der baltischen Länder verhindert eine militärische Eroberung dieser Zwerge durch Russland. Klar ist das hart für Putins Russland. Aber es gibt eben nicht nur die Interessen Russlands, sondern auch die Interessen der baltischen Länder.

  10. @Rudi 23.03. 10:57

    „Glauben Sie wirklich, daß dies geholfen hätte?“

    Na wenn die Angst vor der Nato der Kriegsgrund gewesen wäre, nur dann wäre mehr Vertrauen eine Lösung gewesen. So einfach ist das gar nicht zu beurteilen. Auch Putin ist Mensch und damit kompliziert.

    „Und warum griff er die Ukraine an, die kein NATO-Mitglied ist?“

    Wenn er Angst vor der Nato hat, dann greift er schon mal nicht die Nato an. Die Ukraine war wohl fast das einzige Nachbarland, das noch frei war, und nicht Nato oder China zugehörig ist. Wen sollte er sonst angreifen? Danach sind nur noch Moldawien mit 2,5 Mio Einwohnern und Georgien mit 4,5 Mio Einwohnern frei.

    Putin wäre komplett wahnsinnig, wollte er Natomitglieder angreifen. Immerhin hat die Nato ca. 20 mal mehr Wirtschaftskraft als Russland mit seiner Einflusszone. Selbst wenn sich die USA aus der Nato zurückziehen würde, gäbe es noch keine russische Übermacht, zumindest jenseits von Atomwaffen.

    @Holzherr 23.03. 10:13

    „Die Frage stellt sich: Wie geht Westeuropa damit um, wie sorgt es für eigene Sicherheit in einer Welt in der die USA bald schon nicht mehr bereit sind, Sicherheits-Garantien für Europa abzugeben.“

    Hier müsste man dann in der Tat wohl aufrüsten, auch atomar. Wieviel aber, das hängt einmal von der Stärke der russischen Streitkräfte ab. Die Experten müssten dann genau gucken, was die Russen haben, und auch nur soviel aufstocken, dass wir uns effektiv verteidigen können. Für einen Angriffskrieg zur Befreiung der russischen Einflusszone muss es ja nicht reichen.

    Andererseits spielt auch eine vernünftige Außenpolitik durchaus eine große Rolle. Die recht ungerechtfertigten Angriffskriege der USA im nahen Osten sind alles andere als hilfreich gewesen. Wenn wir als Europa sowas ganz klar nicht anstellen, dann könnte man uns auch eigentlich vertrauen. Das könnte sogar Russland motivieren, nicht mehr so viel aufzurüsten und sich vor allem mit seiner dann womöglich etwa mehr oder weniger erweiterten Einflusszone zufrieden zu geben.

    Vorausgesetzt, Russland schafft es überhaupt, die ganze Ukraine zu erobern. Hier hört man von verschiedener Seite, dass es nicht wie geplant weitergeht. Ich hatte mal von 150.000 Soldaten gehört, die derzeit auf russischer Seite im Einsatz sind. Das wundert mich nun nicht, wenn das nicht reicht. Allerdings werden die Russen wohl noch ein mehrfaches in Reserve haben, das in ein paar Wochen vor Ort sein kann.

    Kann auch sein, dass hier doch noch ein direkter Russland-Natokrieg draus wird, wir werden sehen. Dann haben wir eine ganz neue Situation, das ist dann ein ganz anderer Krieg.

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