Konrad Adenauer (1876 – 1967), Christdemokrat, Medienkanzler, Bundes-Mimetiker

Heute vor 150 Jahren wurde der spätere Kölner Oberbürgermeister, NS-Gegner, christdemokratische Parteivorsitzende und Bundeskanzler Konrad Adenauer in Köln geboren. Und wenn Sie (bislang) nicht viel von ihm halten, dann will ich Ihnen zurufen: Er hat gerade auch diejenigen am meisten geprägt, die ihn nicht verstehen wollen. So kopieren beispielsweise auch linke Parteien die (aus meiner Sicht nach dem linearen Fernsehen überholte) Praxis der Koalitionsverträge und Koalitionsausschüsse, mit denen Adenauer 1961 den deutschen Bundestag entmachtete. Der deutsche Gründungskanzler selbst brachte die seit Jahrzehnten von ihm ausgehende, überwiegend vorbewusste Nachahmungswirkung (Mimesis) auf die einfache Formel: “Es musste alles neu gemacht werden.” 

Adenauer begründete die ausgleichende Wirtschaftsform des “rheinischen Kapitalismus” als später so genannte “soziale Marktwirtschaft” und Gegengewicht zum gescheiterten preußischen Zentralismus, aber auch zum Neoliberalismus aus den USA. Er baute die Bundeswehr, die Reputation der Bundesrepublik im Ausland und europäische Strukturen mit auf, indem er sich das Vertrauen auch früherer Feinde hart erarbeitete. Und, ja, während seiner Amtszeit als Bundeskanzler (1949 – 1963) wurde auch das Blutspenden in Deutschland etabliert.

Als er dann im allzu hohen Alter und nach dem Berliner Mauerfall 1961 genau diese Befähigung zum Neuen verlor, in autoritärer Strenge verharrte und auch die SPIEGEL-Affäre 1962 eskalierte, endete seine politische Laufbahn mit erheblichen Schrammen. Doch auch darin stecken Lehren zur Zeit des Loslassens, die etwa Helmut Kohl nicht beherzigen wollte, Angela Merkel aber gelang. 

Links die Autobiografie "Freiheit" von Angela Merkel, in der Mitte "Adenauer. Eine Geschichte in Bildern" und rechts "Eine unmögliche Freundschaft. David Ben-Gurion und Konrad Adenauer" von Michael Borchard

Adenauer (Buch Mitte) hatte die Einführung neuer Medien nicht nur erlebt, sondern aktiv begleitet und u.a. das Vertrauen und die Freundschaft des israelischen Regierungschefs David Ben Gurion (Buch rechts) gewonnen. Bis einschließlich Angela Merkel (links) hatten nach ihm alle christdemokratischen Parteivorsitzenden und Bundeskanzler den Unterschied zwischen einer christdemokratischen und einer konservativen Partei verstanden. Foto: Michael Blume

Fossile Faschisten dürfen Adenauer also gerne weiterhin ignorieren, sogar fürchten. Demokratinnen und Demokraten wären um ihrer selbst und unserer Republik willen jedoch dumm (im Sinne Bonhoeffers), das zu tun. 

So hätte der gläubige Katholik und Zentrum-Mann Adenauer niemals den fundamentalen Unterschied zwischen einer christdemokratischen und einer konservativen Partei wie der DNVP übersehen – wie es heutige Stümper und Flachdenker quer durch Parteibüros, Lobbyverbände und Medienredaktionen immer wieder tun. 

Denn Adenauer hatte bereits als amtierender, anfangs gar noch “rheinpreußischer” Oberbürgermeister den Untergang des Kaiserreiches erlebt, die rechtdualistische Ermordung von Matthias Erzberger (Zentrum, 1875 – 1921) und Walter Rathenau (DDP, 1867 – 122) sowie die klare Rede “seines” (sogar etwas jüngeren) Zentrum-Reichskanzlers Joseph Wirth (1879 – 1956), der am 25. Juni 1922 weitsichtig in den Reichstag zu Berlin gerufen hatte:

„Da steht der Feind, der sein Gift in die Wunden eines Volkes träufelt. – Da steht der Feind – und darüber ist kein Zweifel: dieser Feind steht rechts!“

Ich frage mich inzwischen ernsthaft, ob Verantwortliche in Politik, Medien und Wirtschaft in langen Friedensphasen “mimetisch einschlafen” und Lehren der Geschichte vergessen, weil sie Brüche, Diktaturen, Kriege und Krisen nie direkt erlebten und ihre zu früheren Zeiten geordnete Welt irgendwann für “alternativlos” halten, gar nicht mehr kritisch weiterdenken.

Deswegen beginne ich mit diesem Blogpost zum neuen Jahr 2026 auch die neue Kategorie “Adenauer, Konrad”, die historisch treffend auch Adolf Hitler zurücksetzt. Denn auch im Verhältnis zum deutschen Judentum und zum Staat Israel setzte der von den Nazis Inhaftierte, der schon in der Weimarer Republik den Zionismus unterstützte, neue Maßstäbe.

Die KAS in Erinnerung an den großen Christdemokraten

Den wenigsten Bildungsbürgern dürfte verständlich sein, was für eine Freude und Motivation es für mich als Arbeiterkind bedeutete, für das Studium ein Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) zu erhalten. Diese wird bis heute unter kundigen Christdemokratinnen und Christdemokraten einfach nur “die Stiftung” genannt, weil sie Unzählige für die Geisteswelten des demokratischen Denkens gewann. Ich hatte bereits eine Bankausbildung abgeschlossen und war verheiratet, aber unsicher, ob und wohin ich studieren sollte. Wichtiger als der Stipendiums-Mindestsatz (das “Büchergeld”) war mir die Ermutigung und der gute Rat, waren die Seminare und Veranstaltungen mit wirklich politisch und nicht selten auch religiös engagierten Menschen, schließlich die Unterstützung meines Studienwechsels in die Religions- und Politikwissenschaft.

So werde ich nie die Gefühle vergessen, als mir – da damals schon im interreligiösen Dialog engagiert – in der Villa “des Alten” in Rhöndorf die Bibel in die Hand gereicht wurde, die ihm der Zentralrat der Juden in Deutschland Adenauer gewidmet und übereignet hatte. Ich habe diesen Moment als einen der christlich-jüdischen und demokratisch-zivilreligiösen Verpflichtung erlebt – bis heute.

Dass sich “die Stiftung” gerade erst der glücklosen, rechtslibertären Engführung durch Friedrich Merz (CDU) verweigerte und stattdessen nach einem starken Norbert Lammert die verdiente Annegret Kramp-Karrenbauer zur neuen Stiftungsvorsitzenden wählte, hat mich für die Arbeit und Unabhängigkeit auch der KAS gefreut. Denn weiterhin nehme ich jedes Jahr bewusst auch Einladungen demokratischer Stiftungen an, sprach etwa am 18. Oktober 2022 in Anwesenheit des KAS-Vorsitzenden Norbert Lammert auch zur Verleihung des Preises für Lokaljournalismus.

Medienbildung als politische Lebensaufgabe

Denn: Adenauer verstand Medien wie vor ihm nur Bismarck und nach ihm kein deutscher Spitzenpolitiker mehr. Schon als Oberbürgermeister von Köln (1917 – 1933) nutzte er nicht nur das (erst 1923 eingeführte) Radio gekonnt, sondern holte auch 1928 die erste internationale Rundfunkausstellung nach Köln. Er begriff die Bedeutung von Reden, Symbolen, Plakaten und Fernsehen, während andere die Menschen von oben herab manipulieren oder belehrten wollte. Dabei hatte er es niemals nötig, sich wie mancher heutige Politik-Influencer lächerlich und unglaubwürdig zu machen. Er verstand, dass es ohne funktionierendes Mediensystem auch keine Demokratie geben kann.

“Einen neuen Goebbels brauchen wir nicht und wollen wir nicht”, erklärte er seinem Stab im Bundeskanzleramt, “aber ein wirksamer Apparat mit einem presseerfahrenen Mann an der Spitze, das muss unbedingt sein!”

Dominik Geppert in: “Adenauer. Eine Geschichte in Bildern”, Hirmer 2022, S. 36 

Ich meine: Wer die Macht von Medien in der Politik nicht begreift, hat auch keine Chance, die gekonnten Inszenierungen, politischen Erfolge und mimetischen Prägungen von Adenauer auch nur im Ansatz zu verstehen. Dabei biederte er sich keineswegs dem Journalismus an, sondern fürchtete etwa den WDR als “Rotfunk”. Zudem las er jeden Tag intensiv.

Schaubild von Dr. Michael Blume zur Medienethik mit der Überschrift "Wenn ein Mediensystem kaputt ist, stürzt die Demokratie ab." Oben werden die Gefahren von medialer Radikalisierung und feindseligem Dualismus aufgezeigt, unten die Bedeutung von starken Lokalmedien für das Vertrauen in Demokratien und die Bewältigung der Klima- als Wasserkrise.

“Wenn ein Mediensystem kaputt ist, stürzt die Demokratie ab.” Schaubild zu meiner KAS-Rede zur Auszeichnung von starkem Lokaljournalismus. Grafik: Michael Blume mit NotebookLM 

Es wird mir auch in den kommenden Blogposts rund um Adenauer also nicht darum gehen, dass Sie alle seine Positionen und Taten begrüßen oder ihn für einen Heiligen halten. Beides tue auch ich nicht. Aber wenn es uns dialogisch gelänge, ihn, seine Geschichte mit furchtbaren Niederschlägen wie auch großen Erfolgen und damit die bis heute wirksame, bundesdeutsche Mimesis besser zu verstehen, dann wäre für uns alle und für unsere wieder so gefährdete Republik sehr viel gewonnen!

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

89 Kommentare

  1. Man muss Menschen aus ihrer Zeit heraus betrachten. Ist wie wenn heute Leute über den Sexismus der Achtziger schimpfen, ohne zu bedenken, dass vorher die Siebziger waren, die Neunziger erst hinterher kamen und heute wieder die Dreißiger auf dem Vormarsch sind, und uns die Achtziger damit womöglich in einigen Aspekten doch voraus waren.

    Europa reformiert sich prinzipiell durch Krieg. Unsere Nationen verhalten sich wie Kater, sie jagen alleine, fressen sich satt, dann kommen sie zusammen und fetzen sich: Wir bauen einen Scheiterhaufen nach dem anderen, und je mehr wir geschuftet haben, je prächtiger er geworden ist, desto prächtiger das Wikinger-Begräbnis hinterher.

    Normalerweise ist dieses Verhalten so was wie ein Abi plus Sparmaßnahmen – wir reduzieren die Population, um sie den Ressourcen anzupassen, und sorgen dafür, dass nur die Stärksten überleben, um sich fortzupflanzen. Und dabei bleibt es in kleinen Bergregionen, wo man ein paar Ackerbauern, Handwerker, Schafzüchter hat, um die Krieger aufzupäppeln, bis sie alles, was so lange aufgebaut wurde, brandschatzen können.

    Doch in Europa hatten wir viel mehr Ressourcen zur Verfügung, also ist dieser Hilfsjob ausgeufert und hat ein Eigenleben entwickelt – die Wirtschaft wucherte zu Städten, Kunst, Handwerk, Technologie, Zivilisation aus, entwickelte ein Eigenleben, übernahmen die Macht. Es dienen nicht mehr die Zivilisten den Kriegern, sondern die Krieger den Zivilisten.

    Und so dienen unsere Kriege nicht mehr allein der Zerstörung und der Züchtung der besten Mörder, sondern dem schnellen Fortschritt in allen Bereichen. Wenn wir alles niederreißen, müssen wir auch alles neu machen, und je gründlicher wir alles niederreißen, desto größer der Sprung nach vorn.

    Heute sind knallharte Muskelprotze und Schinderei wie in Sparta längst ein Zeichen von Schwäche, den Job machen heute Maschinen, Härte gegen Menschen ist die Folge davon, dass Ihre Technologie und Industrie nix taugen – oder dass Sie so beschissen wirtschaften und regieren, dass Sie sie nicht sinnvoll nützen können.

    Im ersten Weltkrieg wurde Deutschland kaum zerstört, die alten Strukturen wurden nicht ausreichend zermahlen, um sich nicht auch in Weimar entlang der alten Bruchkanten ähnlich zusammensetzen zu können. Im zweiten Weltkrieg arbeitete der Fleischwolf gründlicher, der Bruch der Bundesrepublik mit der Vergangenheit konnte größer ausfallen, da man vieles neu kneten musste, statt es einfach zu restaurieren.

    Und dennoch retteten sich viele Altnazis in die demokratischen Parteien, und der heuchlerische Umgang mit diesem Erbe verlieh der CDU immer eine gewisse Schmierigkeit. So diese „Ich hab ganz doll gepupst und alle riechen es, aber keiner kann beweisen, dass ich es war, und ich pupse ganz leise weiter, hihihihi!“ – Aura, das Gespenst, das alles zu sein scheint, was von der Bundes-CDU übrig geblieben ist und jetzt durch den Bundestag spukt.

    Adenauer war eindeutig ein Kind seiner Zeit und konnte nur mit dem arbeiten, was sie hinterlassen hatte – sowohl Weimar wie auch die Nazis. Damals war die Mentalität des Westens eher den Taliban ähnlich als der Moderne, die wahre Revolution kam mit den Blumenkindern, dem Wohlstand und Frieden im Amerikanischen Imperium. Das heute kollabiert, weswegen heute die Etablierten in die gleiche Schublade der Geschichts-Rentner gehören, wie die Kaiserlichen, die Altnazis und die SEDler.

    Ich mag friedliche Revolutionen, wie die, die aus dem Kaiserreich die Weimarer Republik machte – die Kaiserlichen wurden nicht guillotiniert, nicht erschossen, sondern einfach nur entmachtet. Doch der Nachteil war, dass zu viel der alten Bausubstanz erhalten blieb – Beamte, Politiker, Volk, die sich nach der alten Zeit zurücksehnten, die auf Demokratie allergisch reagierten. Weimar wäre wohl so oder so gescheitert – der Weltkrieg war noch nicht vorbei, der Scheiterhaufen noch nicht gründlich genug abgebrannt, Europa viel zu instabil, um lange zu halten. Zu stabile Strukturen in den Staaten, die für Instabilität des Kontinents sorgten – das war nicht nur ein deutsches Problem.

    Und heute? Gleiches Problem. Alte Huren hassen junge Huren, doch an alten Huren geht der Puff zugrunde. Die Tragikomödie Europas geht weiter.

    Wir können nur entweder alles oder nichts. Entweder wir bewahren viel zu viel oder wir zerstören alles, keine Spur von Differenziertheit. Einen Adenauer, um aus Trümmern etwas halbwegs Sinnvolles zu puzzeln, sehe ich nirgendwo. Vielleicht müssen wir erst die Trümmer fertig haben.

  2. Zitat Michael Blume:

    Adenauer begründete die ausgleichende Wirtschaftsform des “rheinischen Kapitalismus” als später so genannte “soziale Marktwirtschaft” und Gegengewicht zum gescheiterten preußischen Zentralismus, aber auch zum Neoliberalismus aus den USA. Er baute die Bundeswehr, die Reputation der Bundesrepublik im Ausland und europäische Strukturen mit auf, indem er sich das Vertrauen auch früherer Feinde hart erarbeitete.

    Besten Dank für diese Einordnung Adenauers. Selber würde ich noch einige andere Dinge der Adenauer‘schen politischen Orientierung hervorheben.

    Der rheinische Kapitalismus und die lohngekoppelte Rente
    Im Unterschied zum US-Kapitalismus spielen Banken (die Unternehmen „finanzieren“) im rhein. Kapitalismus eine grössere Rolle als die Börsen. Es gibt eine Sozialpartnerschaft zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern. Dazu kommt die Tendenz zur Institutionalisierung von Sozialleistungen mit einem Rechtsanspruch darauf. Das zeigt sich etwa im 1957 von Adenauer eingeführten deutschen Rentensystem.

    Konrad Adenauer prägte das deutsche Rentensystem 1957 mit dem Prinzip der lohngekoppelten Rente, um eine “Stärkung und Wiederherstellung der Würde des Alters” zu erreichen und einen klaren Rechtsanspruch zu schaffen, indem Renten an die Lohnentwicklung gekoppelt wurden, was die Solidarität der Generationen betonte und eine Bedürftigkeitsprüfung vermeiden sollte.
    Das Adenauer‘sche Rentensystem beruhte auf einem Generationenvertrag und war wirtschaftlich nachhaltig, so lange galt: „Kinder kriegen die Leute immer“ (Zitat Adenauer 1957). Genau das gilt heute nicht mehr und einige bezeichnen das deutsche Rentensystem inzwischen als Ponzi-Schema, also als System, das zusammenbricht, sobald es mehr Bezieher als Beitraggeber zur Rente gibt.

    Adenauers Politik der Westbindung
    Aussenpolitisch zielte Adenauer darauf ab, die Bundesrepublik Deutschland fest in die westlichen Demokratien, politischen, ökonomischen und militärischen Strukturen (wie NATO, EWG) zu integrieren. Die SPD und die linken Kräfte kritisierten die Westbindung, sicher auch, weil damals der Kommunismus und die Sowjetunion als kommunistisches System bei den links Denkenden positiv besetzt war.
    Die Bundeszentrale für politische Bildung schreibt dazu: Mit der Westbindung ging eine Neuausrichtung politischer Ordnungsvorstellungen und Leitideen einher, wodurch die westdt. Gesellschaft v. a. angloamerik. Staats- und Politikvorstellungen aufnahm.

    Adenauers Haltung zum Kolonialismus während der Weimarer Republik
    Adenauer wurde am 29.5.1931 zum Vizepräsidenten der Deutschen Kolonialgesellschaft (DKG), der einflussreichsten prokolonialen Organisation im Deutschen Reich, gewählt. Im Dezember 1927 sagte Adenauer in einer Befragung zum Kolonialismus folgendes:

    „Das Deutsche Reich muß unbedingt den Erwerb von Kolonien anstreben. Im Reiche selbst ist zu wenig Raum für die große Bevölkerung. Gerade die etwas wagemutigen, stark vorwärtsstrebenden Elemente, die sich im Lande selbst nicht betätigen konnten, aber in den Kolonien ein Feld für ihre Tätigkeit finden, gehen uns dauernd verloren. Wir müssen für unser Volk mehr Raum haben und darum Kolonien.“

    Kurzum: Adenauer war früh schon politisch aktiv und er war lange Zeit Oberbürgermeister von Köln. Adenauer dachte zur Weimarer Zeit das, was viele Deutschen damals dachten, Dinge wie D braucht Kolonien, D ist ein Volk ohne Raum.
    Als erster Bundeskanzler waren seine wichtigsten Impulse der Willen, die Wirtschaft wieder anzukurbeln, die Sozialsysteme zu institutionalisieren und Deutschland in den Westen einzubinden. Die Westbindung Adenauers war auch ein bewusster Entscheid gegen SPD, Kommunismus und die Sowjetunion.

    • Vielen herzlichen Dank für den starken und dialogischen Druko, @Martin Holzherr 🙏

      Ihre vielseitigen Ausführungen brachten mich nun auf den Gedanken, die Blogreihe zu Adenauer ggf. biografisch aufzubauen – also von der Kindheit und Kommunalpolitik im preußischen Kaiserreich über die Weimarer Republik und das NS-Regime bis zur Gründungskanzlerschaft der Bundesrepublik. Das wäre zwar enorm viel Recherche- und Blogarbeit und würde ggf. Jahre in Anspruch nehmen – aber es böte neben der Betrachtung der Religion und Politik eines Einzelnen auch viel deutsches Geschichtswissen.

      Ich denke noch darüber nach und danke Ihnen wirklich sehr für den konstruktiven und anregenden Beitrag! 🙌

      • Ja, gerade aus heutiger Sicht wäre ein Rückblick auf die Zeit von Adenauer als erster Kanzler im Nachkriegsdeutschland sehr aufrüttelnd, denn ich habe den Eindruck: Konrad Adenauer war zugleich ein Politiker, der die aktuellen Probleme des damaligen Deutschlands lösen wollte als auch ein Politiker, der in die Zukunft dachte und der solide Fundamente schaffen wollte.
        Von der heutigen deutschen Politik aber habe ich einen ganz anderen Eindruck: Sie scheut Entscheidungen, ist ideologisch gefangen und kann Deutschland nicht in eine neue Richtung lenken.

        • Ja, @Martin Holzherr – ich sehe auch in der bundesdeutschen Politik das Problem das rechtslibertären und im Ergebnis würdelosen Deliverismus.

          Die rechtslibertäre Ideologie von der #Demokratie als Markt, in der Demokratinnen & Politiker nur immer mehr “zu liefern” hätten, nennt sich #Deliverism bzw. #Deliverismus.

          Nein, Danke, nicht mit mir. Wer sich auch in der #Gesellschaft nur noch als #Kunde versteht & nicht mehr als #Bürger hat auch den eigenen Anspruch an Lehren aus der #Geschichte schon aufgegeben…

          https://sueden.social/@BlumeEvolution/115837019070598650

          Ich hoffe es sehr und will dafür kämpfen, dass in unserem Volk aus Alt- und Neudeutschen noch genügend Würde vorhanden ist, um sich nicht Wladimir Putin, Donald Trump, Xi Jinping, Ali Chamenei und anderen Tyrannen zu unterwerfen.

          Und, immerhin – ich spüre durchaus eine Sehnsucht nach Zusammenhalt und Solidarität. Auf meinen Aufruf Blutspenden statt Böllern bekomme ich bis in den engsten Freundeskreis hinein sehr positive Rückmeldungen, einige wollen sich jetzt auch einbringen!

          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/drk-blutspenden-statt-thymos-trump-boellern-gedanken-zur-mimesis-am-neujahrstag-2026/

          Also: Aufgeben gilt nicht. Denn in einer Demokratie sind “wir” alle “die Politik”.

          • Zitat Michael Blume: „ich sehe auch in der bundesdeutschen Politik das Problem das rechtslibertären und im Ergebnis würdelosen Deliverismus.“

            Antwort: Ich sehe in der bundesdeutschen Technologiepolitik und bei Verbrenner-Firmen wie VW, BMW, etc. eher regressives Verhalten, also den Rückzug auf etwas aus der Kindheit/Vergangenheit. Wenn in diesen Kreisen von Technologieoffenheit geredet wird, dann meinen sie nicht selten damit, dass ihre Verbrenner in Zukunft mit E-Fuels betrieben werden können, als mit Benzin/Diesel, der synthetisch hergestellt wurde. Dabei weiss jeder, dass synthetisch erzeugter Treibstoff 4 bis 6 Mal so teuer wäre wie heutiges Benzin oder heutiger Diesel. Auch dass BMW bis 2028 ein Auto mit Wasserstoffantrieb auf den Markt bringen will und dafür 273 Millionen Euro vom Bund (ca. 191 Mio. €) und Bayern (ca. 82 Mio. €) erhält passt in dieses Bild. Heute herrscht Einigkeit, dass die Wasserstoffantrieb für Autos und Trucks nie konkurrenzfähig sein wird mit Diesel- oder Batteriefahrzeugen und die einzig einleuchtende Erklärung für das Engagement und die hohe staatliche Förderung ist wohl darin zu suchen, dass BMW seit 1979 an Wasserstoffantrieben forscht und es nun diese Forschungs- und Entwicklungsleistung mit einem staatlich geförderten Serienfahrzeug krönen will, von dem sowohl BMW wie auch der deutsche Staat weiss, dass es eigentlich nur um Fahrzeuge geht, die bald schon im Museum stehen werden.

            Kurzum: Das staatlich geförderte Wasserstoff-Autoprojekt hat für mich einen ähnlichen Symbolwert wie die Handlung einer Person, die sich öffentlich verbrennt. Nur wird hier die alte Autoindustrie mit viel Geld symbolisch abgefackelt.

          • Ja, @Martin Holzherr – zusätzlich zu Reaktanz und Mimesis, mit denen jede menschliche Psychologie zu ringen hat, wurde gegen echte Technologieoffenheit in Deutschland auch der fossile Lobbyismus und vor allem kurzfristige Shareholder-Value-Gier hinzu. Noch vor wenigen Jahren schütteten Konzerne absurd hohe Boni an die angestellten Manager aus, die wiederum mit Rekord-Dividenden an die Aktionäre erkauft wurden, statt in post-fossile Zukunftstechnologien zu investieren. Nun gehen die Arbeitsplätze den Bach runter, gerade auch hier bei uns in der Region Stuttgart.

            https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/enge-der-zeit-statt-technologieoffenheit-shareholdervalue-strategien-bei-boeing-und-mercedes/

            Gleichzeitig möchte ich jedoch erneut am Beispiel Japan darauf hinweisen, dass die weltweit einbrechende Demografie auf Dauer immer auch zu einer sinkenden Nachfrage nach Industriegütern führt. Autos kaufen keine Autos und Computer keine Computer. Ich bin bereits 2017 (!) auf ein Elektroauto umgestiegen…

            https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/dekarbonisierungskugel-fuer-den-weltfrieden-meine-erste-erfahrungen-mit-dem-elektro-renault-zoe/

            …und warne genau deswegen davor, alle zwischenmenschlichen Probleme nur technologisch verstehen zu wollen. So sind alle demografisch schrumpfenden Milieus von Rechtsmimesis betroffen, auch hoch technologisierte Nationen wie Japan, Südkorea & schrumpfende Regionen in Deutschland und den USA.

        • @Michael Blume zu Besitzstandwahrung versus Aufbaugeist
          Die Adenauer-Zeit ist auch die Zeit des Wirtschaftswunders = Das schnelle, unerwartete Wachstum der westdeutschen Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg (ab 1948/49) mit Währungsreform, Marshallplan-Hilfe, Sozialer Marktwirtschaft und Produktionsaufschwung.
          Das BIP und die Exporte stiegen, es herrschte Vollbeschäftigung und Einkommen, Konsum und Reisen ins Ausland nahmen zu. Kürzlich hörte ich dazu, dass Deutschland sich trotz oder gerade wegen den Kriegszerstörungen und der Notwendigkeit eines Neustarts besser entwickelte als etwa Grossbritannien, welches die Kriegswirtschaft (Planwirtschaft, Rationierung, Preisregulierung) auch nach dem Krieg nicht schnell genug überwand.
          Wer Neues und Aufbau wagt oder gar dazu gezwungen ist, kann also damit gewinnen.

          Heute sind mehrere europäische Länder in einer defensiven Haltung: Sie versuchen den Status quo aufrecht zu erhalten, aber das wird immer schwieriger. Frankreich ist ein gutes Beispiel dafür.

          • Lieben Dank, @Martin Holzherr – diese Diskussion rührt an einem Thema, das mich bereits seit anderthalb Jahrzehnten umtreibt.

            Damals, 2007, als deutlich jüngerer Mitarbeiter von Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) erlebte ich mit, wie dieser mit der These für ein mediales Shitstörmle gesorgt hatte, wonach Gesellschaften in langen Friedensphasen ihre Reformfähigkeit verlieren. Empörung wurde über seine Aussage geäußert:

            “Wir sind in der unglaublich schönen Lage, nur von Freunden umgeben zu sein. Das Blöde ist, es kommt kein Krieg mehr.”

            Selbstverständlich wünschte auch ich mir keinen Krieg, aber frage mich seitdem, ob an der These etwas dran ist.

            In “B wie Berlin” diskutierte ich auch deswegen die nah verwandte Frage von Heinz Ohff (1922 – 2006), die er in „Preussens Könige. Ein Leben zwischen Hoffnung und Revolution“ (Piper 1999, S. 206) aufgeworfen hatte:

            „Warum muß immer erst ein Krieg verlorengehen, ehe die Vernunft siegt?“

            https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/files/BwieBerlinPreussenFossilerFaschismus050925.pdf

            Denn, ja, auch Preußen hatte sich erst nach seiner katastrophalen Niederlage gegen Napoleon um 1806 in der Schlacht von Jena und Auerstedt wieder zu durchgreifenden Reformen entschieden:

            “Die traumatischen Niederlagen und der faktische Zusammenbruch Preußens machten deutlich, dass der einst, unter Friedrich II., fortschrittliche und dynamische Staat den Anschluss an die Modernisierungsprozesse verloren hatte. Unter diesem Eindruck formierten sich die Reformer, zuvörderst mit Stein, Hardenberg, Scharnhorst, Gneisenau, Boyen und Humboldt. Friedrich Wilhelm III. blieb nichts anderes übrig, als die Reformpolitik zu unterstützen.”

            https://pr-museum.de/organisationen/institutionen/staatliche-oea-und-kommunikationspolitik-in-preussen-1789-1807/preussens-krieg-gegen-napoleon-fuehrte-zum-zusammenbruch/

            Alles in mir sträubt sich, hier vorschnell eine historische Regel anzunehmen. Und doch tendiere ich dazu, inzwischen in langen Friedensperioden eine “mimetische Verfestigung von Traditionen” anzunehmen, wie wir sie ja aktuell auch bei Bundes-Koalitionsverträgen erleben. Obwohl der Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU) m.E. völlig zu Recht bemerkt, dass die 1961 von Konrad Adenauer (CDU) & Erich Mende (FDP) begründete Tradition der Parteien-Koalitionsverträge einfach nicht mehr funktioniert, gibt es nicht einmal eine breitere Debatte darüber! Ich verstehe das so, dass sich auch führende Medien in den letzten Jahrzehnten mimetisch verfestigt haben und kaum mehr in der Lage sind, Geschichte und Grundgesetz angemessen darzustellen und zu diskutieren.

          • @Michael Blume (Zitat): „wonach Gesellschaften in langen Friedensphasen ihre Reformfähigkeit verlieren.“
            Besten Dank für die Antwort. Allerdings glaube ich nicht, dass „Krieg die Mutter aller Dinge ist“ wie sie hier andeuten. Die USA und China treiben heute die Innovationen an und beide haben auf eigenem Boden seit Jahrzehnten keine Kriege gehabt. Innovation ist übrigens nicht das Gleiche wie Forschung&Entwicklung, sondern Innovation ist (Zitat google-KI) die erfolgreiche Umsetzung neuer Ideen, Erfindungen oder Prozesse, die einen Mehrwert schaffen. Innovation als Versuch Neues, aber bereits Erforschtes marktgängig zu machen ist eine Wette auf die Zukunft, darauf nämlich, dass das Neue (z.B. das Elektromobil) nicht nur funktioniert, sondern dass es von den Konsumenten und der Gesellschaft angenommen wird und sich damit Geld verdienen lässt. Es braucht Leute, die bereit sind alles zu verlieren bei ihrem Versuch etwas Neues unter die Leute und in die Gesellschaft zu bringen. Und diese risikobereiten Leute und ihre Finanziers, die leben nicht in Europa, sondern in den USA oder neuerdings auch in China, denn auch der chinesische Staat ist seit einiger Zeit bereit ins Risiko zu gehen und Firmen zu fördern, die Neues erproben.

          • Lieben Dank, @Martin Holzherr – Ihre v.a. technologische Perspektive finde ich sehr sympathisch!

            Unangenehm empfinde ich, dass Sie mir schon wieder Positionen unterstellen – hier Heraklit – die ich nicht vertrete. Sehr bewusst habe ich ihn NICHT zitiert.

            Und übrigens benannte Heraklit den Krieg als „Vater (!) aller Dinge.“ Von der „Mutter aller Kriege / Schlachten“ faselte Saddam Hussein, dessen Niedergang ich in „Öl- und Glaubenskriege“ und „Islam in der Krise“ beschrieb.

            Ich bitte Sie nochmals, mit solchen Strohmann-Rhetoriken langsam mal aufzuhören – das ist nicht dialogisch und bringt uns doch nicht weiter. Machen Sie sich doch ggf. die Mühe, meine Position zu verstehen statt zu verzerren. Ich tue das doch auch Ihnen gegenüber. Danke.

            So zeigen aus meiner Perspektive doch gerade die Beispiele der USA 🇺🇸 und China 🇨🇳, dass Altherren-Regime rechtsmimetisch und Krieg führend zerfallen. Mit Donald Trump eskaliert der niedergehende Fossilismus auch militärisch und unter Xi Jinping implodiert die chinesische Demografie & Exportwirtschaft, während er gleichzeitig gegen Taiwan 🇹🇼 aufmarschieren lässt. Ich sehe hier keine wirklich „fortschrittlichen“ Superstaaten, sondern taumelnde Riesen mit zunehmend schrumpfender und verzweifelter Bevölkerung.

            Entsprechend habe ich auch erhebliche Zweifel, ob die fossile US-Administration Venezuela 🇻🇪 und Grönland 🇬🇱 wirtschaftlich „verdauen“ könnte. Zu einer entsprechenden Umfrage auf Mastodon schrieb ich:

            Ich würde die #EU nicht so schnell abschreiben. Wenn #Trump wirklich #Grönland annektieren würde, könnte nicht nur die #NATO , sondern auch das #Petrodollar – System kollabieren. Und den Verlust der #Leitwährung hat auch das britische #Empire nicht überlebt…

            https://sueden.social/@BlumeEvolution/115847502916033821

            Technologien sind sehr wichtig, doch menschliche Gesellschaften erneuern sich nach wie vor v.a. über Familien und Bildungssysteme. Ohne gut gebildete Kinder gibt es auch keinen Wohlstand, auch keine militärische Macht. Und da sehe ich als Wissenschaftler wie auch als Solarpunk derzeit noch gar keine rundum „fortschrittlichen“ Gesellschaften… 🤷‍♂️

  3. Danke, dass Sie an Konrad Adenauer erinnern und auch für die Art, wie Sie es tun.

    Auch der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland war fehlbar und in manchen Dingen seiner Zeit nicht voraus. Frauen in der Politik spielten keine Rolle.

    Mit seiner konsequenten Politik der Westbindung hat er zur Sicherheit der BRD beigetragen. Seine starre Haltung gegenüber der DDR werden Sie vermutlich noch behandeln; ebenso wie die Beschäftigung von Herrn Globke im Kanzleramt, die gerade von Ost-Berlin gegen Adenauer und die BRD mit Ausdauer verwendet wurde.

    Noch vor ein paar Jahren gehörte für viele Deutsche die Heimkehr der letzten deutschen Kriegsgefangenen, die Adenauer bei seinem Besuch in Moskau erreichte, zu den wichtigsten Ereignissen der Geschichte Deutschlands. Es hatte wohl von sowjetischer Seite schon vor dem Besuch Adenauers die Absicht bestanden, die Kriegsgefangenen zu entlassen. Dennoch ist sein Wirken sehr hoch einzuschätzen.

    Vielleicht werden Sie auch noch zum Verhältnis zwischen Bundespräsident Heuss und Bundeskanzler Adenauer berichten.

    Charles de Gaulle und Konrad Adenauer in Ludwigsburg und Reims, die Aussöhnung mit Frankreich. Ein weiterer Meilenstein.

    Die Bilder von der Beisetzung und aus dem Kölner Dom sind beeindruckend.

    Ob und wie die CDU Konrad Adenauers 150. Geburtstag feiert, weiß ich nicht. Vielleicht findet sich ja jemand, der an die 1948 verstorbene Frau von Konrad Adenauer, Auguste, und die Nachwirkungen des Nationalsozialismus auf sie erinnert.

    Denn hier schließt sich ein Kreis. Zwei Farben nach “Cadenabbia” und “Rhöndorf” zu benennen, ist das eine, die Entscheidung der Union, am 27.01.2025 im Bundestag mit der AfD zu stimmen das andere. Sie haben das ja kritisiert.

    Das Andenken Konrad Adenauers zu ehren, schließt seine Frau mit ein.

  4. @Michael 05.01. 16:01

    „….dass in unserem Volk aus Alt- und Neudeutschen noch genügend Würde vorhanden ist,….“

    Das ist gut, Volk aus Alt- und Neudeutschen. Zusammen nur geht es weiter. So wie ich eher für weniger neue Zuwanderer bin, bin ich aber auch für wirklich vernünftige Integration und Zusammenarbeit mit denen, die sich hier nun eingelebt haben.

    „….um sich nicht Wladimir Putin, Donald Trump, Xi Jinping, Ali Chamenei und anderen Tyrannen zu unterwerfen.“

    Unter Druck geht mehr. Man wird hier wohl langsam wach, dass unsere Freiheit, unsere Unversehrtheit und unsere Mitwelt wie unserer darauf basierender langfristiger Wohlstand auf dem Spiel steht.

    @Martin Holzherr 05.01. 21:43

    „Wer Neues und Aufbau wagt oder gar dazu gezwungen ist, kann also damit gewinnen.“

    Wenn man muss geht mehr. Allerdings sehe ich schon Grenzen des sinnvollen Konsums, und strebe eher entspanntere Verhältnisse auf allen Ebenen an. Soweit das eben praktikabel ist. Es ist mehr als ärgerlich, dass wir jetzt so viel aufrüsten müssen, aber angesichts der Kombination von Putins Aggressivität und Trumps Unberechenbarkeit sehe ich da für mindestens 5 Jahre keine Alternative.

    Wenn bis dahin die globale Energiewende die Weltmarktpreise für Öl und Gas hinreichend verfallen lässt, wären wir vermutlich über den Berg. Und könnten uns entspannteren Verhältnissen und vielleicht auch mehr Kindern zuwenden.

    • Lieben Dank, @Tobias – vor allem diese Aussage möchte ich, mit einer Einschränkung, unterstützen:

      “Wenn bis dahin die globale Energiewende die Weltmarktpreise für Öl und Gas hinreichend verfallen lässt, wären wir vermutlich über den Berg. Und könnten uns entspannteren Verhältnissen und vielleicht auch mehr Kindern zuwenden.”

      Diese Aussage gefällt mir gut, wenn ich auch beispielsweise eine chinesische Invasion von Taiwan innerhalb der nächsten Jahre befürchte.

      Dennoch sehe ich weiterhin auch Gründe zum Optimismus und hatte dazu heute u.a. gepostet:

      Es wird eben nicht alles schlechter, wirklich nicht.

      Für meinen Aufruf zu #Neujahr, lieber #Blutspenden statt private #Böller auf den Weg zu bringen habe ich viele & fast nur positive Reaktionen erhalten. Auch im engsten Freundeskreis wollen nun weitere 1 #Blutspendeausweis des #DRK und sich einbringen.

      Dass #Deutschland bereits völlig ohne #Solidarität & #Würde wäre, stimmt einfach nicht. Bekenne als #Solarpunk : Niemand kann alles, aber alle können etwas verändern.

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/115843201661733288

      Es kann also gelingen – wenn wir uns auch wirklich dafür anstrengen.

      Dir Dank und eine gute Nacht! 🙏🙌

    • @Tobias Jeckenburger (Zitat): „Wenn man muss geht mehr. Allerdings sehe ich schon Grenzen des sinnvollen Konsums, und strebe eher entspanntere Verhältnisse auf allen Ebenen an. Soweit das eben praktikabel ist.“
      Antwort: „Sinnvoller Konsum“ bedeutet für sie wohl sinnvoller Privatkonsum, also Mässigkeit im Waren- und auch Dienstleistungskonsum. Dich Ökonomen verstehen unter Konsum etwas anderes, nämlich jede Form von unproduktiven Verbrauch. Für Ökonomen sind also auch die Gesundheits- und Pflegeleistungen, die Renten und andere Sozialleistungen Konsum, denn all diese Dinge verbrauchen nur Güter und Dienste und erzeugen selbst keine neuen Güter und Dienste.

      Deutschland wird in 20 Jahren aus ökonomischer Sicht sehr viel mehr konsumieren, weil es eine ältere, kränkere und unproduktivere Bevökerung haben wird. Wer aber ist dafür, den „Konsum“ von Gesundheitsdienstleistungen einzuschränken?

      Zitat 2: „ Es ist mehr als ärgerlich, dass wir jetzt so viel aufrüsten müssen, aber angesichts der Kombination von Putins Aggressivität und Trumps Unberechenbarkeit sehe ich da für mindestens 5 Jahre keine Alternative.“
      Antwort: Europa gibt zusammenaddiert bereits recht viel fürs Militär aus – aber eben auf nationaler Ebene. Wenn Europa nur eine Armee hätte anstatt viele Einzelarmeen könnte es mit demselben Geld sehr viel mehr militärische Abschreckung für potenzielle Angreifer aufbieten.

  5. Adenauer war der bestmögliche Politiker seiner Zeit. Ich schätze ihn ungemein. Hat er doch den „Schweinekapitalismus“ zum auch sozial orientierten „Rheinischen Kapitalismus veredelt”.

    Unternehmerpersönlichkeiten sorgen heutzutage für immer volle Regale in den Verkaufsläden, für glückliche Kunden, schaffen viele Arbeitsplätze, zahlen viele Steuern und müssen jeden Tag ihre „Marktprüfung“ am relativ fairen Markt ablegen…..

    Sicherlich scheint es ein Problem, dass immer weniger „Beschäftigte“ immer mehr „Rentner erhalten“ müssen.

    Ist aber in Wirklichkeit kein so arges Problem mehr. Die „Beschäftigten“ hätten heutzutage praktisch unbegrenzt viele „Helfer“, die Maschinen, Computer, Roboter und jetzt auch noch die KI.

    Die „Beschäftigten“ befürchten eher die „Konkurrenz“ durch ihre „Helfer“, so dass sie womöglich ihre Arbeit verlieren könnten. Die Unternehmer befürchten die Überproduktion, die Pleite und dass sie womöglich auch noch im Knast landen, obwohl sie relativ “unschuldig” am Desaster sind….. Sie haben halt die Wirtschaft zu wenig “eingebremst”.

    Es kommt demnach darauf an, die „Gütermengen“ die von diesen „technischen Helfern“ erzeugt werden, vernünftig allen Menschen zur Verfügung zu stellen, ohne das kreative Unternehmertum (letztlich die Wirtschaft) durch verfallende Preise (Überproduktion) zu ruinieren….

    KI gesteuert sollten die vielen „absichtlich produzierten Schnäppchen“ z.B. über ein (allenfalls sogar „virtuelles Gutscheinsystem“) so „vergeben“ werden, dass möglichst „die ganze Gesellschaft glücklich“ ist, die Marktpreise aber nicht verfallen, die sollten sozusagen „heilig“ sein.

    “Marktpreise” wären ein “Schutzmechanismus” für das System.

    Die chinesischen „Technokraten“ und „Explanwirtschaftler“ sollten dieses Problem am ehesten lösen können. Die Chinesen, scheinen wegen ihrer Mentalität auch nicht so gierig, diese Schnäppchen unbedingt weiter verkaufen zu wollen, was die Preise verfallen lassen könnte.

    China würde „Begeisterungsstürme“ in der ganzen Welt auslösen, wenn sie das schaffen.

    • Okay, @Realo in der Einschätzung von Adenauer finden wir zusammen. Aber gerade doch China 🇨🇳 produziert selbst längst Rekordmengen an Gütern, während die Nachfrage aufgrund der säkularen Geburtenimplosion auch dort einbricht. Sehen Sie dafür wirklich eine „chinesische Lösung“?

  6. @Michael 06.01. 16:01

    „..wenn ich auch beispielsweise eine chinesische Invasion von Taiwan innerhalb der nächsten Jahre befürchte.“

    Militärisch hat Europa mit Taiwan praktisch nichts beizutragen. Wie Trump im Falle einer Invasion reagiert, weiß er vermutlich selber noch nicht. Rein völkerrechtsmäßig wäre sein Angriff auf Venezuela wohl dasselbe.

    Ok, mit Maduro hat es eventuell nicht den Falschen erwischt, und Taiwan ist eine Demokratie.

    Ein Handelsembargo gegen China würde uns dann aber schon betreffen. Das würde auch unsere Energiewende erst mal sehr behindern. Und im Falle einer erfolgreichen Seeblockade gegen China wäre damit die Energiewende auch weltweit bedroht.

    Wenn uns die USA aber gegen Putin sowieso nicht mehr unterstützen, dann müssen wir ein Handelsembargo gegen China aber auch nicht mitmachen.

    Das ist alles gar nicht so einfach, wenn die Globalisierung und das Völkerrecht bröckeln. Neue Chancen für eine Verlängerung des Fossilismus gehören wohl dazu.

    „Es kann also gelingen – wenn wir uns auch wirklich dafür anstrengen.“

    Selber in die Produktion von PV-Modulen und Lithiumbatterien einsteigen wird nicht nur teurer, sondern wird auch dauern. Langfristig wäre das aber auf jeden Fall sowieso eine gute Idee.

    Derzeit bestimmen die chinesischen Produktionskapazitäten die Geschwindigkeit der Energiewende, scheint mir. Wenn nur wir in Europa da aussteigen, dann geht es ja noch. Der Rest der Welt und China selber werden mit dem Zubau von Grüner Technik weitermachen.

  7. @Michael 06.01. 14:32

    „Aber gerade doch China produziert selbst längst Rekordmengen an Gütern, während die Nachfrage aufgrund der säkularen Geburtenimplosion auch dort einbricht.“

    Ich vermute mal, Realo meint hier mindestens die halbe Weltbevölkerung, die sehr gerne alles auch in China einkaufen würden, aber leider kein Geld dafür haben.

    Die müssten selber produktiver werden, oder auch die chinesischen Produkte müssten noch günstiger werden. Insbesondere PV samt integrierter Kurzfristspeicher wären dann eine Basis für eine verlässliche und sehr günstige Stromversorgung, insbesondere in Ländern mit viel Sonne und ohne Winter. Und das wiederum wäre eine Basis auch für eine eigene Produktivität.

    Ohne Strom läuft nun mal wirklich kaum was.

  8. @ Michael Blume 06.01.2026, 14:32 Uhr

    Zitat: „Aber gerade doch China 🇨🇳 produziert selbst längst Rekordmengen an Gütern, während die Nachfrage aufgrund der säkularen Geburtenimplosion auch dort einbricht. Sehen Sie dafür wirklich eine „chinesische Lösung“?“

    Die Nachfrage bricht auch in China, hauptsächlich wegen der „Überproduktion“ ein, letztlich wie im Kapitalismus. Die Leute hätten sicherlich Interesse an den Gütern, haben aber zu wenig Geld. Wenn sie einfach mehr (nicht „zielgenaues Geld“) drucken, haben sie die Inflation, und die Wirtschaft kracht zusammen, wie im Kapitalismus.

    Die Sache mit den „Schnäppchen“ versuchen unsere Unternehmer ohnehin, auch mit einem gewissen Erfolg. Ich wäre nur für mehr intelligente Systematik, (Ergänzung des „Geldsystems“ durch zielgenaue, allenfalls „virtuelle Gutscheine“) dies wäre bislang aber am extremen Verwaltungsaufwand gescheitert. Wegen der guten „Skalierbarkeit“ der KI Systeme verringern sich die Probleme. Höchstens die auch dahinter stehende Psychologie könnte für die chinesischen Technokraten ein Problem sein.

    In der ehemaligen DDR wären die Politiker samt Volk „überglücklich“ gewesen, hätten sie jemals eine Überproduktion, z.B. wie die Chinesen geschafft. Vermutlich hätten sie die Güter einfach im „Schwarzhandel“ verhökert????

    Es geht auch darum, grundlegende Mechanismen des „Schwarzhandel“ auf eine seriöse Basis zu stellen.

    Es ist im Grunde eine moderne Form der „Rationierung“, aber nicht aus „Mangel“, sondern aus „Überfluss“ um das traditionelle Geldsystem damit die Wirtschaft stabil zu halten und andererseits aus der „Überproduktion“ zu profitieren.

    Es macht Menschen letztlich glücklicher, wenn sie ausreichend mit „Gütern“ versorgt, bzw. sogar „überschüttet“ werden. Obwohl mir natürlich klar ist, dass „Luxustussis“ aus den wohlhabendsten Kreisen die besten Kunden beim „Psychiater“ sind….

  9. Als Ergänzung: Im Spiegel ist ein Interview mit Adenauer-Enkel Stephan Werhahn erschienen.

    »Adenauer hätte Trump und Putin die Stirn geboten«

    Vor 150 Jahren wurde Konrad Adenauer geboren. Hier erzählt sein Enkel Stephan Werhahn, was für ein Mensch der Kanzler war und wie dieser heute den Job von Merz anpacken würde.

    https://archive.is/cPYXu

  10. Adenauers Initiative für einen europäischen Verteidigungsbund
    Im Interview »Adenauer hätte Trump und Putin die Stirn geboten« wird Adenauer von seinem Enkel Stephan Wehrhan als zupackender Pragmatiker charakterisiert, der schon früh die Notwendigkeit einer gemeinsamen europäischen Verteidigung sah.
    Hier der entscheidende Ausschnitt aus dem SPON-Artikel:

    Werhahn:Genau, das wäre Adenauer nie passiert. Er würde vor allem darauf pochen, als Europa geeint aufzutreten.
    SPIEGEL: Was bedeutet das konkret?
    Werhahn: Er würde alles daran setzen, einen europäischen Verteidigungsbund zu gründen, indem sich alle europäischen Länder engagieren können, inklusive der Engländer, Schweizer, Norweger und aller anderen, die dies wünschen und Geld haben. Die Gründung einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft, kurz EVG, war Adenauers großes Ziel: Die Bundesrepublik wollte gemeinsam mit Frankreich, Großbritannien, Belgien und den Niederlanden eine europäische Armee aufstellen, um sich gegen die sowjetische Bedrohung zu wehren.
    SPIEGEL: Das Projekt scheiterte 1954 am Widerstand Frankreichs, ein Jahr später trat die Bundesrepublik der Nato bei.
    Werhahn: Heute wäre eine EVG 2.0 notwendiger denn je, um etwa der russischen Aggression Einhalt zu gebieten. Mit 27 verschiedenen Waffensystemen nimmt uns niemand ernst.

    Kurzum: Konrad Adenauer sah sehr früh die Notwendigkeit einer gemeinsamen europäischen Verteidigung und das obwohl oder gerade darum, weil er Pragmatiker war und er sich vor allem um die anstehenden Probleme kümmerte. Natürlich hängt es immer von der Weltsicht ab, was man überhaupt als anstehendes Problem betrachtet. Und vom Charakter hängt es dann ab, ob man etwas unternimmt.

  11. @Martin Holzherr 06.01. 20:52 / Werhahn

    „Mit 27 verschiedenen Waffensystemen nimmt uns niemand ernst.“

    Da haben wir aber wirklich was verpennt. Und pennen tendenziell immer noch? Die gesamten Rüstungsausgaben von Europa der letzten 30 Jahre hätten vermutlich dicke gereicht, um uns nachhaltig gegen Putin wehren zu können, auch ohne die USA.

    Genau auf die USA haben wir uns verlassen, und vor allem hat jeder europäische Verteidigungsministers vor allem darauf geguckt, dass heimische Rüstungsfirmen die Verteidigungsgelder bekommen.

    Dabei wäre es eigentlich klar gewesen, dass wenn überhaupt, dann Russland zum Problem werden kann. Irgendwelche Einsätze in Serbien oder Afghanistan konnten nur kleinere Nebeneinsätze sein.

    Nun gut, offenbar hat keiner mit einer so aggressiven Entwicklung von Putin gerechnet, auch nicht nach 2014. Hätte sich Putin mit der Krim und dem Donbass zufrieden gegeben, hätten wir natürlich immer noch überhaupt kein Problem.

    Es mag auch sein, dass wir gerade richtig schön dabei waren, eine immer schnellere Energiewende hinzulegen. Und damit auch die russischen Gaslieferungen absehbar über 15 Jahre ganz erheblich verebben würden. Was für Russland schon ein existentielles Problem gewesen wäre. Und so gesehen dieser Angriffskrieg womöglich eine reine Verzweiflungstat war.

    • @Tobias Jeckenburger(Zitat): „ Nun gut, offenbar hat keiner mit einer so aggressiven Entwicklung von Putin gerechnet, auch nicht nach 2014.“
      Ja, Krieg schien ausgeschlossen, in der SPD gab es viele Russland-Freunde, der Überfall der Krim durch Putin wurde von vielen fast sofort verziehen.
      Dabei hat Putin schon früh offenbart, dass er den Verlust Osteuropas beim Fall der Sowjetunion nicht verkraften kann und er die alten Verhältnisse zurück will. Auch hat Putin seit seinem Amtsantritt praktisch jedes Jahr Krieg geführt und das bedeutet schon etwas für ein wirtschaftlich so schwaches Land wie Russland. Es bedeutet, dass er sich eben auch militärisch behaupten will und dass er diverse afrikanische Staaten mit Ablegern des russischen Militärs beglückte war eben auch ein Zeichen, dass Russland sich mit der Rolle als Regionalmacht nicht zufrieden gab.
      Kurzum: Wer sehen wollte, der sah es. Das nämlich, dass Putin eine Weltrolle einnehmen wollte und er nicht abgeneigt war, dass russische Territorium zu erweitern.
      Wenn man eine künstliche Intelligenz eingesetzt hätte um Russlands Absichten zu entschlüsseln hätte man wohl bessere Schlüsse gezogen, als es die damaligen Meinungsführer und Russlandfreunde es getan haben.

      • Auch heute noch gibt es in der SPD Personen, die Russlands kriegerische Ambitionen mehr oder weniger schönreden und lautstark beklagen, dass Brandts Konzept “Wandel durch Annäherung” keine Anwendung mehr fände. Stegner und Mützenich aber auch Platzeck zählen dazu, siehe das Treffen mit russischen Vertretern im letzten April.

        https://www.stern.de/news/ex-spd-fraktionschef-verteidigt-russland-kontakte-fuehrender-sozialdemokraten-35711368.html

        Diese Herren übersehen dabei, dass Putin keine Inkarnation eines saturierten sowjetischen Staatschefs ist, sondern stattdessen eine aggressive imperialistische Politik nach der Art der russischen Zaren verfolgt. Die russische Staatsführung unter Putin hat Deutschlands “Wandel durch Annäherung” der letzten 25 Jahre, sprich russisches Gas und Öl zu günstigen finanziellen Konditionen, kaltblütig ausgenutzt, um u.a. den Krieg gegen die Ukraine vorzubereiten.

        Wir sollten auch nicht vergessen, dass Putin uns in 2022 mit der Abschaltung der Gaspipelines erpressen wollte, um so keine Sanktionen zu erlassen oder die Ukraine mit militärischen Gütern zu unterstützen. Glücklicherweise hat in diesem Fall die Ampelregierung schnell und entschlossen reagiert, so dass der Verlust russischen Gases keine unüberwindbaren Probleme erzeugt hat. Obwohl AfD, BSW, Linke und manche wenige SPD-Politiker uns gerne immer noch das Gegenteil weismachen wollen.

  12. @ Tobias Jeckenburger 07.01.2026, 00:05 Uhr

    Zitat: „Mit 27 verschiedenen Waffensystemen nimmt uns niemand ernst.“

    Es liegt nicht an den 27 verschiedenen Waffensystemen dass uns niemand ernst nimmt.

    Es liegt daran, dass wir keine Atombomben haben. Wenn man es realistisch sieht, wird es auch dabei bleiben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es „die Welt“ und nicht einmal die Nachbarn akzeptieren würden, würde sich D mit Atomwaffen aufrüsten……

    Alle würden wütend aufheulen und die „Atomträume“ wären schnell ausgeträumt….

    D könnte sich „friedliebend und neutral“ verhalten, sonst bleibt nur die Rolle als „Kanonenfutter“ um danach wieder einmal, fest Reparationen zu blechen…..

  13. Europa als Imperium, jedenfalls als unangreifbarer Block
    „Imperien“ oder neutraler formuliert Grossmächte sind heute unangreifbar – unter anderem wegen ihrer nuklearen Bewaffnung. Die USA haben seit mehr als hundert Jahren keinen Angriff mehr auf ihr „Mainland“ erlebt, aber auch China und Indien sind unangreifbar. Zwar kann es Grenzkonflikte geben zwischen Grossmächten und Nachbarländern, aber eine Grossmacht selbst, also ihr „Mainland“ ist unangreifbar wegen der konventionellen plus nuklearen Bewaffnung der Grossmacht. Selbst Russland, welches ja nur die Wirtschaftskraft von Italien hat, ist unangreifbar über seine massive nukleare Bewaffnung. Donald Trump hat ja im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg mehrmals von der Gefahr eines dritten Weltkrieges gesprochen und dabei wohl an die nukleare Bewaffnung Russlands gedacht und sich wohl in die Lage von Putin versetzt. Und ja, wenn Trump in der Lage von Putin wäre, dann wäre ein Nukleareinsatz allein zum Zweck unter allen Umständen zu siegen durchaus möglich. Putin und Trump denken vielleicht recht ähnlich, sie denken in der Logik des Stärkeren oder sogar nur gerade in der Logik des Spielers, der über die stärkeren Waffen verfügt.

    Auch Europa könnte eine Grossmacht werden – es muss es nur wollen und seine Nationalstaaten müssen bereit sein, etwas von ihrer Souveränität an das Grossgebilde Europa abzugeben. Sobald Europa eine auch nuklear bewaffnete Grossmacht mit einer europäischen Armee ist, wird es genau so unangreifbar sein wie es heute China, Indien, die USA und Russland sind.

  14. @ Martin Holzherr 07.01.2026, 11:50 Uhr

    Europa war bislang offen wie ein Scheunentor. Invasoren haben sich den Status von „armen Flüchtlingen“ zugelegt und schon waren sie im Land. Besonders dreiste Invasoren wollen uns sogar ein „Kalifat als Lösung“ andrehen….

    Russland erweckt extreme Begehrlichkeiten, einerseits der Lebensraum (braucht Europa aber nicht), andererseits die Bodenschätze. Die könnte das „Kapital“ gut gebrauchen. Zumal Russland auch noch ein „Niedriglohnland“ ist, mit geringen Förderkosten für die Bodenschätze.

    Wer die Bodenschätze will, muss „siegen“…. Den Russen würde es reichen, „Eindringlinge“ zurück zu schlagen bzw. deren Herkunftsländer zu vernichten….. Nach den Erfahrungen von Napoleon bis Hitler und der Nato Osterweiterung hat sich Russland mit Atombomben hochgerüstet und würde Angreifer vernichten….. Sie benötigen nur freie Handelswege und aus Kartellgründen, vermutlich Kooperationen mit anderen Rohstoffländern.

    Die Atommächte werden eher darauf verzichten, sich gegenseitig anzugreifen….

    Die Situation China – Taiwan ist extrem gefährlich, weil ein Biowaffeneinsatz mit gegenseitiger Auslöschung denkmöglich ist, zumal es um „Prinzipien“ geht…..

    Donald Trump und Putin haben ähnliche Probleme. Beide wollen vermeiden, dass sie wegen fremder Interessen (Ukraine, Europa) in einen Atomkonflikt getrieben werden. Das hat Trump recht drastisch Selenskyj erklärt….

    Die bestehenden Großmächte brauchen keine „Newcomer“. Sie werden verhindern, dass auch Europa eine Großmacht wird.

    Letztlich droht gegenseitige Ausrottung, weil besonders wegen der Biowaffen, kleine höchst entwickelte Staaten (Israel?, Taiwan?….) ein sehr großes Vernichtungspotential haben….

    • @Realo (Zitat): „Russland erweckt extreme Begehrlichkeiten, einerseits der Lebensraum (braucht Europa aber nicht), andererseits die Bodenschätze.“

      Antwort: Bei Europäern weckt Russland keine Begehrlichkeiten: ich könnte nicht ein einziges Zitat eines europäischen Politikers, Schriftstellers oder Philosophen ausgraben, in dem der Autor von Russland und seinen Schätzen schwärmt. Ganz anders ist das bezüglich China, vor allem weil Russlamd und die Sowjetunion mehrmals chinesisches Gebiet für sich selber abgezwackt haben.

      Aber wie von mir früher schon gesagt: Russland muss sich vor keinem direkten militärischen Angriff fürchten, nicht einmal vor einem chinesischen Angriff, denn es ist unangreifbar.
      Aber … und nun kommt das grosse Aber: Russland könnte durchaus innerlich zerfallen und schwach werden und sobald das passiert wird China zugreifen – und das, ohne dass ein einziger Schuss fällt.

  15. @Realo 07.01. 11:09

    „Es liegt daran, dass wir keine Atombomben haben.“

    Europa hat doch die französischen und britischen Atomwaffen. Das könnten aber ein paar mehr sein, und vielleicht auch mit moderneren Trägersystemen. Das Problem ist doch die mangelnde europäische Zusammenarbeit und Koordinierung der Einzelstreitkräfte.

    „D könnte sich „friedliebend und neutral“ verhalten, sonst bleibt nur die Rolle als „Kanonenfutter“ um danach wieder einmal, fest Reparationen zu blechen…..“

    Kein Land außer Frankreich oder England könnte Putin alleine die Stirn bieten. Putin würde sich einfach ein Land nach dem anderen holen. Die Ukraine wäre längst weg, das Baltikum auch, und Finnland und Polen wären gerade in Arbeit. Dann kämen Tschechien und letztlich Deutschland dran.

    Neben Belgien und den Niederlanden dann der Rest von Skandinavien. Wenn es konventionell nicht reichen würde, dann würde Putin auch auf taktische Atomwaffen dabei setzen.

    Deswegen brauchen wir eine schlagkräftige solidarische gemeinsame Verteidigung, inklusive der französischen und britischen Atomwaffen. Und das in erheblichem Ausmaß.

    @Martin Holzherr 07.01. 11:50

    „Sobald Europa eine auch nuklear bewaffnete Grossmacht mit einer europäischen Armee ist, wird es genau so unangreifbar sein wie es heute China, Indien, die USA und Russland sind.“

    Und die muss und kann sich auf Russland konzentrieren. Andere Gegner sind derzeit keine auszumachen. Und diese Armee muss auch an den Ostgrenzen der EU stationiert sein.

    Das ist ja genau das, was wir die ganze Zeit echt verpennt haben. Es geht ohne die USA, aber nicht so wie wir jetzt noch aufgestellt sind. Da fehlt substanziell Einiges, und ich stehe entsprechend auch hinter den derzeitigen Aufrüstungszielen.

    Und die Energiewende wird uns auf die Dauer helfen. In spätestens 10 Jahren dürften die Öl- und Gaspreise verfallen sein, vielleicht sogar schon in 5 Jahren. Viel mehr außer Öl und Gas Fördern und mit dem Erlös Krieg führen kann wohl Putins Russland nicht.

  16. @Realo 07.01. 13:57

    „Die bestehenden Großmächte brauchen keine „Newcomer“. Sie werden verhindern, dass auch Europa eine Großmacht wird.“

    Wenn die USA das nicht wollen, dann bräuchten die uns nur verlässlich weiter unterstützen. Wir rüsten jetzt nicht aus Langeweile auf.

    China kann es egal sein, solange wir ein Verteidigungsbündnis bleiben.

    Und Russland bräuchte uns nur nicht bedrohen. Wir würden ohne diesen Ukrainekrieg sogar weiter Gas kaufen, und überhaupt weiter nicht an Aufrüsten denken.

    Das einzige, was Putin wirklich wehtun könnte, wäre ein noch schnellere und gründlichere Energiewende. Die angesichts der nötigen Aufrüstung durchaus langsamer vorwärts kommt.

    Das Gasgeschäft mit Russland würde sowieso auslaufen, fragt sich nur wie schnell. Mit Russlands Krieg ist es jetzt schon vorbei. Das ärgert uns durchaus, aber es hilft Russland doch auch nicht weiter.

  17. @ Michael Blume 07.01.2026, 12:43 Uhr

    Zitat: „Ja, wir wissen – Sie sehen sich gerne als jammervolles Opfer.“

    Ich sehe mich doch nicht als „Opfer“. Ich bin Nachkomme der „Tätergeneration“. (Mein Vater war nur im WK1, für den WK2 zu alt und musste gerade nicht mehr einrücken, sehr wohl aber seine Brüder.)

    Ich war immer sehr neugierig und habe auch den Veteranen und Kriegskrüppeln gerne zugehört, was sie zu erzählen hatten.

    Ich bedaure sehr, was damals geschehen ist, welches Leid meine Elterngeneration über andere Völker gebracht hat. Ich wollte davon lernen, die gleichen „Dummheiten“ niemals zu wiederholen.

    Es stimmt, mir wurden auch Gefühle, z.B. für Russland „eingeimpft“. Ein Veteran der sich später bei einem Veteranentreffen mit den ehemaligen russischen Feinden, auf für mich recht berührende Weise versöhnt hat, hat mich beeindruckt.

    Bei seinem letzten Veteranentreffen (mit den ehemaligen Feinden) hat er die Russen weinend um Vergebung gebeten. Ein Russe hat ihn in dem Arm genommen und nur geantwortet, es war Krieg, wir alle mussten es tun….

    „Unser“ Veteran hat noch gemeint und war fest überzeugt, dass niemals wieder ein Deutscher gegen Russland marschieren würde…. Das hat der Russe, sehr dezent, nicht geglaubt, als wäre es ein “Naturgesetz”, dass „immer wieder ein Zuzug vom Meer zum (russischen) Festland und die Bodenschätze“ erfolgen würde. Der Russe hat „nachgegeben“, wollte seinen neuen „Freund“ nicht widersprechen.

    Die Russen haben auch noch die DDR zurückgegeben und es gab friedliche und für beide Seiten faire Handelsbeziehungen. Ganz genau so sollte es sein.

    Statt zwischen den „verfeindeten Brüdern“ zu vermitteln, schlägt man sich auf eine Seite und mit ähnlichen „kriegerischen Mustern“ wie unter Hitler geht es weiter. (Z.B. dass die Russen an unserer Demokratie „genesen“ sollten….)

    1 oder 2 Generationen weiter und alles ist vergessen, das ganze absurde „Kriegs Theater“ beginnt von Neuem…..

    Da geht einem als stiller Beobachter der „Hut hoch“.

    Hitler, (aber auch der IS.) hat offensichtlich die Situation zwischen „Kapitalismus und Kommunismus“ falsch eingeschätzt. Vermutete, sie könnten dazu gebracht werden, übereinander herzufallen und diese Situation könnte man ausnutzen.

    Nur so blöd sind deren „Nachfolger Anführer“ (Trump – Putin) nicht wirklich. Jetzt mussten die Europäer und die Ukrainer die gleiche bittere Erfahrung machen. Manche werden durch Erfahrung dümmer…..

    • @Realo

      Ich verstehe Ihren sehnsüchtigen Wunsch nach der Externalisierung historischer Verantwortung. Doch alles antiwestliche Geschwurbel kann nicht mehr darüber hinwegtäuschen, dass niemand anderes als Wladimir Putin die von erst von Stalin und dann vom 2. Weltkrieg, deutscher Besatzung und Holocaust schwer getroffene Ukraine 🇺🇦 mit einem gewählten, jüdischen Präsidenten angegriffen hat – und zwar 2014 und dann noch einmal 2022 unter Bruch des Budapester Memorandum, in dem auch Russland 🇷🇺 der Ukraine 🇺🇦 Sicherheit versprach, wenn diese ihre Atomwaffen aufgab. Sie können sich nicht von falschen Schuldgefühlen entlasten, indem Sie einem fossilen Faschismus huldigen, in dessen Namen Hunderttausende russischer und ukrainischer Menschen vom Putin-Regime eiskalt geopfert und Verträge gebrochen werden.

      Auch ukrainische Soldaten kämpften in der Roten Armee gegen Ihre Vorfahren – und befreiten u.a. das KZ Auschwitz!

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/anatoliy-shapiro-der-das-kz-auschwitz-befreiende-sowjet-offizier-war-ukrainischer-jude/

      Die Verbrechen Ihrer Elterngeneration sollten also für Sie eine Verantwortung sein, heute der angegriffenen Ukraine gegen Putins Angriffskrieg beizustehen – und damit allen Soldaten und Zivilistinnen, die in diesem fossilen Krieg sterben! Auch könnten Sie durch Sparsamkeit und erneuerbare Friedensenergien statt Erdöl und Erdgas einen eigenen Beitrag zum Frieden und Mitweltschutz leisten.

      • Guten Abend, @Realo,

        ich habe großen Respekt vor den geschilderten Erinnerungen Ihres Vaters und schätze die Bereitschaft, aus der Geschichte zu lernen – wie Sie es ausdrücken:

        „Ich bedaure sehr, was damals geschehen ist, welches Leid meine Elterngeneration über andere Völker gebracht hat. Ich wollte davon lernen, die gleichen „Dummheiten“ niemals zu wiederholen.“

        Aber das feit uns nicht vor der Gefahr, ein zu einseitiges Verständnis gegenüber Russland bzw dem von der russischen Regierung angeordneten Angriffskrieges zu entwickeln, das der aktuellen historischen Situation nicht gerecht wird – insbesondere der aktuellen Situation der Menschen in der Ukraine.

        Ich finde, sehr gut auf den Punkt gebracht hat diese Gefahr Karl Schlögel in seinem Buch „Auf der Sandbank der Zeit“, Carl Hanser. 2025, S. 23:

        „Der stolze Verweis auf die deutsche Vergangenheitsbewältigung und Einzigartigkeit der deutschen Erinnerungskultur ist längst zur Flucht aus der Gegenwart und zum Ersatz für die Bewältigung der Gegenwart geworden – bis jetzt jedenfalls.“

        „Einer in den geordneten Verhältnissen des geteilten Europas aufgewachsenen friedensgewohnten und friedensverwöhnten Generation ging die Rede vom postnationalen und postheroischen Zeitalter leicht von den Lippen – den ukrainischen Kampf für Unabhängigkeit und nationale Selbstbestimmung betrachtete sie verwundert als etwas geschichtlich angeblich Überholtes, ja Reaktionäres.“

        Ich sehe es so wie @Michael es unten ausdrückt:

        „Die Verbrechen Ihrer Elterngeneration sollten also für Sie eine Verantwortung sein, heute der angegriffenen Ukraine gegen Putins Angriffskrieg beizustehen – und damit allen Soldaten und Zivilistinnen, die in diesem fossilen Krieg sterben!“

        Hier geht es um einen von Russland begonnenen Angriffskrieg, gegen den die Menschen in der Ukraine sich wehren. Es wäre fatal, wenn wir aus unserer deutschen Vergangenheitsbewältigung den Schluss ziehen würden, ihnen dabei nicht beizustehen.

  18. Putin vergleicht russische Soldaten mit Jesus. Das ist doch völlige Verdrehung seines Faschismus.
    Die religiöse Rechte in den USA hat Jahre die Republikaner unterwandert und benennen das Verteidigungsministerium in Kriegsministerium um.
    Gaza ist ein durchweg religiöser Krieg.
    In Afrika ringt und kämpft der Islam um Macht.
    Das dazu materielle Güter und Geld und Finanzsysteme notwendig sind, ist trivial.
    Letztens habe ich gelesen, dass Gesellschaften, vor allem Demokratien, entmännlicht wurden.
    Was sollen wir mit diesen faschistischenMännern anfangen, die sich willkürlich auf einen Gott berufen?
    Ich bekomme immer mehr den Eindruck, dass jeweiliger nationaler Exzeptionalismus das vorrangige Problem ist. Indien und der Hinduismus und China mit quasireligiösem Kommunismus kommen hinzu.
    Erleben wir religiöse geopolitische Auseinandersetzungen?
    Religion und die willkürliche Berufung auf einen Gott nur als Opium fürs Volk zur Durchsetzung von Interessen und zur Volksgefolgschaft?
    Glaube, auch der nichtreligiöse, scheint stärker zu sein als Wissen.
    Glaube als Mittel der Kontrolle und Führerschaft über wiedermal Naive.
    Ich habe Zweifel, dass Christen, die Barmherzigkeit und Nächstenliebe vertreten, sich gegen Evengelikale und Russische Orthodoxe durchsetzen werden
    Nicht, solange Tötung, Mord und Gewalt und Hass und Märtyrertum göttlich legitimiert werden.
    Ausgesprochen von Männern, die sich auf ein Nichts, nichts bewiesenes, berufen.
    Irre!

    • Lieben Dank & volle Zustimmung, @Mussi ! 🙌

      Seit Jahren warne ich als Religionswissenschaftler & auch als religiöser Christ & Demokrat auf allen verfügbaren Medien vor den Gefahren des Verschwörungsglaubens, des religiösen und politischen („zivilreligiösen“) Dualismus!

      https://www.deutschlandfunkkultur.de/rueckzug-oder-kreuzzug-100.html

      Auch heute Nacht möchte ich wieder über den zunehmenden, antimasonischen & antisemitischen Verschwörungsglauben aufklären, der mir gerade vor allem auf dem YouTube-Kanal gerade auch zu einer Rede zu Ehren von Adenauer entgegenschlägt.

      Menschliche Individuen kommen eine Zeit lang ohne Mythen, Rituale und Gemeinschaften aus – menschliche Gesellschaften und dauerhafte Gemeinschaften wie Kirchen, Vereine, Parteien usw. jedoch nicht. Deswegen betone ich auch hier auf dem Blog immer wieder den Wert des dialogischen Monismus, wie er auch vom katholischen Adenauer gelebt wurde & gleich in Artikel 1 unseres Grundgesetzes festgeschrieben wurde.

      Deshalb betone ich seit letztem Jahr immer wieder:

      “Die unbedingte Menschenwürde mit gleichem Menschenrecht für alle bildet die gemeinsame Mitte aller aufgeklärten Religionen & demokratischen Zivilreligionen.”

      Danke für Ihr Interesse, bitte bleiben Sie dran! 😌🙌

  19. Scheint, dass sich Huntingtons ‘ clash of zivilisations-Kampf der Kulturen’ gegenüber Fukuyams ‘Ende der Geschicht’ durchsetzt.
    Vielleicht ist Huntington nicht weit genug gegangen und hat den Aspekt des Anspruchs von Systemen auf Weltgeltung noch nicht gesehen.
    Es macht mir eher den Eindruck, dass die Rückkehr zum faschistischen Nationalismus nur eine Phase zur jeweiligen Beherrschung von Kontinenten ist.
    Die systemische Beherrschung von Kontinenten und dann wieder Kalter Krieg. Nicht von Nationen auf einem Kontinent, sondern von Kontinenten, die jeweils von unterschiedlichen Systemen beherrscht werden.
    Ungemütliche Zeiten.
    Religionen, Ideologien, Philosophien als Mittel des Aufwandes, seine Weltgeltung umzusetzen.
    Das muss nicht bei Münkler und seiner Annahme von fünf Einflusssphären stehen bleiben.
    Aber was ist nun Fakt und was Spekulation?
    kulturelle Vielfalt und politischer Multilateralismus zeichnet sich gerade jedenfalls nicht ab.

    • Danke, @Mussi, aber: Nein.

      Ich habe Huntingtons „Kampf der Kulturen bzw. Zivilisationen“-These in „Rückzug oder Kreuzzug?“ besprochen und klar widerlegt befunden:

      https://shop.verlagsgruppe-patmos.de/rueckzug-oder-kreuzzug-011332.html

      Denn es kämpfen ja gerade nicht (!) Kulturen gegeneinander, sondern etwa in Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine v.a. orthodoxe Christen gegen orthodoxe Christen, im Jemen Muslime gegen Muslime usw.

      Die Risse des feindseligen Dualismus verlaufen nicht zwischen den Religionen & Zivilisationen, sondern durch diese hindurch. Und am Ende müssen wir sogar jeweils persönlich entscheiden, ob wir im egozentrischen Relativismus der Kindheit steckenbleiben, den gruppenbezogenen Dualismus der Jugend bis zur Feindseligkeit steigern oder aber den reifen & weisen, dialogischen Monismus erreichen.

      Vor dieser Frage und Verantwortung befinden wir uns alle, ob religiös oder säkular, immer wieder…

  20. @Michael 07.01. 17:30

    “Die unbedingte Menschenwürde mit gleichem Menschenrecht für alle bildet die gemeinsame Mitte aller aufgeklärten Religionen & demokratischen Zivilreligionen.”

    Entsprechend führen auch Demokratien, die dies leben, keinesfalls Krieg gegeneinander.

    Im Gegenteil noch, sie arbeiten zusammen wo das möglich ist, und gründen auch mal eine Europäische Union. Ohne Schießereien, ohne imperialistische Anwandlungen.

    Wir haben es nur verpennt, dass Putin eben von dieser Menschenwürde offenbar wenig hält, und wir auf dessen Aggressionen gar nicht gut vorbereitet sind. Kriegstüchtigkeit liefert die Menschenwürde nun nicht automatisch.

    Und auch Trump kommt jetzt noch dazu.

    Wenigstens hat die EU nun schon eine erhebliche Wirtschaftskraft, welche letztlich auch Folge von gelebter Menschenwürde ist. Entsprechend dürfte es eigentlich kein Problem sein, auch eine funktionierende europäische Armee aufzubauen.

    • Vielen Dank, @Tobias – Du hast es erfasst! 👍

      “Die unbedingte Menschenwürde mit gleichem Menschenrecht für alle bildet die gemeinsame Mitte aller aufgeklärten Religionen & demokratischen Zivilreligionen.”

      Entsprechend führen auch Demokratien, die dies leben, keinesfalls Krieg gegeneinander.

      Genau so ist es, @Tobias – und dieses Phänomen nennt sich in der Politikwissenschaft „demokratischer Frieden“. Dieser ist empirisch real.

  21. @ Blume / Jeckenburger: demokratischer Frieden

    Was ich vor allem mit Huntington verbinde, ist der Diskurs über das ‘Dogma’.
    Und das Dogma und der Dogmatismus ist wohl das herausragende Zeichen der Zeit, welches für Kämpfe und Kriege bemüht wird.
    Nach der Diskussion mitte des letzten Jahrzehnts zu Huntington sind wir eine Dekade weiter und somit auch weiter bei innerzivilisatorischen Prozessen.
    Ich meine, es lohnt, Huntington noch mal zu bemühen.

    • @Mussi

      Huntington hat „das Dogma“ jedoch kulturalisiert, der Rechtsmimesis vor allem gegen den Islam Vorschub geleistet – und wurde, wissenschaftlich gesehen, klar widerlegt. So pflegen die Regierungschefs von den #USA & #SaudiArabien eine auch militärische „Freundschaft“, während das christlich-orthodoxe Russland die christlich-orthodoxe Ukraine angreift. Und im Iran erheben sich Abertausende gegen die fossile Theokratie. Nichts davon passt zu Huntingtons Kulturalismus.

      Aber, hey, es gibt viele Leute, die sich an längst falsifizierte Theorien klammern, um Komplexität vermeintlich zu reduzieren!

      Wenn Sie diesen Kurs unbedingt beibehalten wollen, dann ist das eben so. 🤓📚🤷‍♂️

  22. @ Peter Gutsche 07.01.2026, 18:33 Uhr

    Guten Tag, Herr Gutsche,
    danke für ihre zurückhaltend, wertschätzende Sprache.

    Ich bin zwar auf die Erinnerungen meines Vaters, der nur vom WK1 an der italienischen Front berichten konnte, nicht eingegangen. Aber in meiner ehemaligen Umgebung gab es sehr viele vom Krieg schwer gezeichnete Menschen, die ihre Sichtweisen vom WK2 erzählt haben. Ich kann mich nicht mehr an ihre Namen erinnern, aber an ihre oft sehr berührenden Erzählungen.

    Die „Ukrainekatastrophe“ hat für mich ihre Ursachen in menschlicher Unzulänglichkeit.

    Mir ist natürlich völlig klar, dass man mir ein zu einseitiges Verständnis gegenüber Russland vorwerfen könnte. Eine möglichst objektive Sicht kann man nur entwickeln, wenn man möglichst alle Sichtweisen, auch die des „Gegners“, berücksichtigt.

    Das Elend eines Krieges ist schrecklich, für alle Betroffenen. Auch wenn ich den Eindruck habe, dass es in der Ukraine derzeit nicht um ein brutales, absichtliches, gegenseitiges Abschlachten geht, wie z.B. in Gaza…..

    Ich vermute, dass psychologische Aspekte, wie „Enttäuschung“ darüber, dass die Russen für ehemalige Lebensmittellieferungen nach Russland, zu wenig „dankbar“ sind. Anders als heutzutage ist in Russland wegen des Klimas zu wenig Getreide gewachsen und die Russen waren auf die Lieferungen angewiesen. Heute sind sie auch bei Getreidelieferungen Konkurrent der Ukraine am Weltmarkt…..

    Als Kompensation wurden die Ukrainer beim Gas bevorzugt. Sie wurden offensichtlich sehr „verbittert“, als man mit „Nordstream“ die Ukraine einfach umgangen hat und keine Transitgebühren mehr bekam….

    Umgekehrt wurden die Russen „verbittert“, als man sie (bzw. ihren Flottenhafen Sewastopol) vom Schwarzen Meer „vertreiben“ wollte und die Nato sollte den Hafen übernehmen…..

    Die Ukraine bestreitet das heute und hält es für falsche russische Propaganda…..

    Allerdings hat der russisch stämmige ehemalige Präsident der Ukraine Wiktor Janukowytsch, eine 25 – jährige Verlängerung der Stationierung der russischen Schwarzmeerflotte in Sewastopol (bis 2042) verfügt. Er wurde damals deswegen zum „Verräter“ erklärt und er war gezwungen nach Russland zu flüchten….

    Außerdem wurde den Ukrainern zwar die Unabhängigkeit von Russland gewährt, aber nicht umgekehrt, den Russen in der Ukraine die Unabhängigkeit von der Ukraine…..

    Den drohenden Verlust des Flottenhafens haben die Russen als besondere „Erniedrigung“ empfunden und sie sind in die Ukraine einmarschiert.

    Es ist einfach unglaubhaft, wenn behauptet wird, dass die Begehrlichkeit (des Westkapitals) auf die russischen Bodenschätze keine Rolle spiele. Es ist doch naheliegend, dass es die Nato Osterweiterung nur wegen der Bodenschätze gibt. Würde in Russland nichts anderes als nur „Sauerkraut“ wachsen, gäbe es den Konflikt nicht…..

    Kein Mensch und keine Macht ist so blöd und führt einen Krieg um „Sauerkraut“, sehr wohl aber um Bodenschätze und Lebensraum….

    Ideologisch/religiöse Gründe sind meistens nur Vorwand. Z.B. wollten die Nazis, dass die Welt am Deutschen Wesen genesen solle. Wie sie heutzutage an der Demokratie genesen möge….

    Jedes Volk kämpft für seine Unabhängigkeit und seine nationale und ideologische Selbstbestimmung. Nicht nur die Ukrainer, auch die Russen. Die Russen wollen offenbar ihren Präsidenten selbst wählen und nicht von den Westmedien, die z.B. für Nawalny eifrig geworben haben, vorgesetzt bekommen…..

    Bei „Familienkonflikten“ (bei „Bruderkriegen“) einer „Streit Partei“ beizustehen, ist keine gute Idee, man wird in den Konflikt hineingezogen.

    Humanitäre Hilfen und der Versuch Frieden zu stiften, sind natürlich gerechtfertigt….. alles andere führt zur sinnlosen Eskalation, womöglich zum Weltkrieg und zur gegenseitigen Ausrottung…..

    • Der Putinknecht @Realo schrieb:

      “Die Russen wollen offenbar ihren Präsidenten selbst wählen und nicht von den Westmedien, die z.B. für Nawalny eifrig geworben haben, vorgesetzt bekommen…“

      In der Realität gibt es in Russland längst keine wirklich freien Wahlen & kritischen Medien mehr, jede Kritik am fossilen Tyrannen Putin wird streng bestraft und der Oppositionelle Nawalny wurde erst vergiftet & dann in einem russischen Straflager ermordet.

      Immerhin: Hier wird eindrucksvoll dokumentiert, in welche Realitätsverzerrung die Psychologie der Tyrannophilie auch heute noch autoritär geprägte Menschen führt… 😌🤔📚

  23. @ Blume

    Was halten Sie sich an einer These und Theorie fest, die Anfang der 90’er nach dem Ende des Kalten Krieges entstanden ist und deren theoretischenWiderlegung?
    Tun Sie ja auch nicht, weil Sie den Kulturbegriff auf Religionen verengen.
    Erweitert man ihn aber auf Zivilisation und allem, was dazu gehört, dann sind wir gerade im entstehen einer neuen Weltordnung.
    Deswegen sagte ich auch zu Beginn mit Huntington, dass er womöglich zu kurz gedacht hat.
    Aber der Grundgedanke bleibt bestehen. Als Gegenentwurf zu Fuluyama.

  24. @ Blume

    Wie ich schon mal erwähnte, habe ich beruflich Jahre in einem sozialen Bereich gearbeitet.
    Bereits Anfang der 2000′ er beschwerte sich eine Mutter, es gäbe zu wenig männliches Lehrpersonal an den Grundschulen.
    Die AFD ist damit auf tiktok erfolgreich.

    • Ja, @Mussi – auch dies weist doch eher in Richtung des lesenswerten “Identität“ (2019) von Francis Fukuyama – der die Falsifizierung seiner früheren Thesen vom globalen Siegeszug der liberalen Demokratien anerkannte und aufarbeitete.

      Ich finde Ihr Interesse an Politikwissenschaft & gelegentlich auch Religionswissenschaft wirklich klasse – beide Disziplinen entwickeln sich auch ständig weiter & bleiben auch deshalb lesenswert. 📚💡🤓

      • Michael Blume schrieb (08.01.2026, 12:15 Uhr):
        > […] Francis Fukuyama – der die Falsifizierung seiner früheren Thesen vom globalen Siegeszug der liberalen Demokratien anerkannte und aufarbeitete.

        Aha! — Die Falsifizierung von (konkreten, offenbar falsifizierbaren) Thesen.

        Also nicht etwa eine (im Zusammenhang mit Falsifikationismus offenbar für denkbar gehaltene) “Falsifizierung” irgendwelcher Theorien;

        insbesondere keine “Falsifizierung” derjenigen Politik-wissenschaftlichen Theorie, die die (im zitierten Kommentar vermutlich geeignet übersetzten bzw. gewählten) Begriffe “liberale Demokratie” bzw. “Sieg” überhaupt erst definiert, mit denen Francis Fukuyama seine o.g. These(n) formulierte;

        und somit auch keine “Falsifizierung” dieser Begriffe an sich.

        • Kein Entweder-Oder, @Frank Wappler, sondern Sowohl-als-auch.

          Sowohl Hypothesen wie Thesen und ganze Theorien können falsifiziert werden. Ein Hasenfosil im Kambrium würde reichen, um die geltende Evolutionstheorie zu stürzen.

          Und da Sie hier ja mal wieder zu Ihrer Ablehnung der “liberalen Demokratie” rumschzuschwurbeln versuchen, hier ein Post von mir von heute morgen:

          Stell Dir bitte einmal den #MAGA – Aufschrei vor, wenn eine von Präsident #Obama direkt aufgestellte Truppe eine 37jährige, weiße, christliche US-Bürgerin ohne Vorstrafen und mit 3 Kindern erschossen hätte!

          Und dann schau an, wie #Trump & seine Gefolgsleute heute die #Gewalt durch #ICE verteidigen.

          Wenn Du diese menschenverachtende #Doppelmoral verstehst, dann verstehst Du #Rechtsdualismus & die Gefahren medialer #Rechtsmimesis.

          Fossiler #Faschismus tötet, weltweit.

          https://sueden.social/@BlumeEvolution/115864296299110027

          Eine religions- und politikwissenschaftliche These, auch Ihnen zum Bedenken: Verschwörungsglauben macht dumm. Im Sinne von Bonhoeffer.

          • Michael Blume schrieb (09.01.2026, 12:56 Uhr):
            > […] Ein Hasenfosil im Kambrium würde reichen, um die geltende Evolutionstheorie zu stürzen.

            Ein Hasenfosil im Kambrium würde reichen, um das gegenwärtig korroborierte Standardmodell der Paläontologie zu stürzen.

            Die (Geltung der) “geltenden Evolutionstheorie”

            also die allgemeine Denkmöglichkeit zu fragen:

            1. ob ein bestimmtes Lebewesen überhaupt wiederum zeugungsfähige Kinder hatte (und womöglich weitere Nachkommen) und hier insbesondere

            2. in wie fern das Skelett eines bestimmten Lebewesens (sofern überhaupt vorhanden) den Skeletten seiner Eltern gleicht, oder ggf. auch den Skeletten weiterer Vorfahren

            … bliebe davon selbstverständlich unbereinträchtigt.

            p.s.

            > Und da Sie hier ja mal wieder zu Ihrer Ablehnung der “liberalen Demokratie” rumschzuschwurbeln versuchen, […]

            ???

            Was erduldet man doch alles, um offentlichen Diskurs zu führen, wenn dafür Anlass und Möglichkeit besteht.

          • Oh ja, @Frank Wappler

            Als Wissenschaftsblogger habe ich – gerne – Abertausende Stunden Lebenszeit in Blogposts investiert und noch mehr in die Beantwortung von Drukos.

            Die meisten Kommentierenden sind konstruktiv und dialogisch, tragen zum Erfolg des Blogs entscheidend bei. Leider gibt es jedoch auch immer wieder bildungsneidische und also oft auch antisemitische Trolle und Hater, die die Freundlichkeit von Bloggenden als Einladung missverstehen, sich an diesen und an Einstein, Popper, Arendt usw. abzuschwurbeln.

            Ich betrachte es als Teil meiner Verantwortung, dies geduldig zu dokumentieren und aufzuklären.

          • Danke, dass mein vorausgehender Kommentar (10.01.2026, 09:02 Uhr) vollständig öffentlich lesbar ist, und hoffentlich so bleibt, und somit auch meine inzwischen über Jahrzehnte erbrachten Nachweise geduldigen Kommentierens ergänzt.

            Im Übrigen kann es nicht schaden zu beachten, wie “(Hasen-)Fossil” richtig geschrieben wird.

          • Gerne, @Frank Wappler

            Seien Sie erneut versichert, dass Sie nicht verfolgt oder unterdrückt werden, es keine Weltverschwörung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern – auch nicht gegen Sie – gibt. 🙂

  25. Ja, @Blume, mit der Spiritualität und den Religionen habe ich es nicht so. Akzeptiere sie aber als soziologische Sphären.

    • Danke, @Mussi – so habe ich das auch wahrgenommen. Und ich denke, wir alle – und gerade auch wir Männer – stehen damit immer wieder vor der Frage, ob wir Wissenschaft nutzen, um uns in unseren bisherigen Urteilen und auch Abneigungen immer weiter zu bestätigen. Oder ob wir immer wieder den Mut finden, mithilfe der Wissenschaft über uns hinaus zu wachsen und das wirklich zu verstehen, was uns bislang fremd geblieben ist.

      Genau deswegen meine ich, dass Sie der “erneuerte” Fukuyama mit seinem “Identität” von 2019 viel weiter bringen würde als ein Beharren auf Kulturalismen, die von der Wirklichkeit widerlegt wurden. Ich bin mir sicher: Wenn Sie die Erweiterung und Vertiefung wirklich wollen, dann schaffen Sie das auch.

  26. @Michael 08.01. 12:15

    „…der die Falsifizierung seiner früheren Thesen vom globalen Siegeszug der liberalen Demokratien anerkannte und aufarbeitete.“

    Die liberale Demokratie könnte doch noch in eine neue Runde gehen? Mit Solarpunk, flächendeckend Freier Software und einer echten KI-Bildungsoffensive sehe ich durchaus noch neue Perspektiven.

    Gerade in den Ländern des globalen Südens, die jetzt wenig auffallen, wie Indien, Nigeria oder Brasilien. Billiger verlässlicher Strom zusammen mit echt freier KI könnte wirklich was bewegen.

    @Realo 08.01. 11:30

    „Humanitäre Hilfen und der Versuch Frieden zu stiften, sind natürlich gerechtfertigt…“

    Wären da nicht die Töne von Putin, eigentlich Anspruch auf die ehemaligen Warschauerpaktstaaten zu haben, sähe es anders aus. Wir müssen begründet befürchten, dass Putin nach einem kompletten Erfolg gegen die Ukraine mit EU-Staaten weitermacht.

    Entsprechend liefern wir jetzt schon Unterstützung, in der Hoffnung dass Putin dann doch die Puste ausgeht, und auch diesen Krieg dann beendet. Zumal wir ja nur die Jahre überbrücken müssen, bis die Öl- und Gaspreise weltweit verfallen, und Putin dann eben wirklich nachhaltig das Geld zum Kriegführen ausgeht.

    „.. alles andere führt zur sinnlosen Eskalation, womöglich zum Weltkrieg und zur gegenseitigen Ausrottung…..“

    Genau deswegen leisten wir vermutlich der Ukraine nur so viel Hilfe, das Putin nicht mehr wirklich vorwärts kommt? Und eben keine Taurusraketen, die im russischem Hinterland wohl für reichlich Zerstörung sorgen könnten.

    Überhaupt dürfte diese unserer Zurückhaltung auch ein Signal sein, dass wir nur unsere Ruhe haben wollen, und keinesfalls Russland angreifen wollen.

    Und ich denke auch, dass wenn wir mal eine wirklich schlagkräftige europäische Armee haben, dass wir diese auch dann nur zur Verteidigung einsetzten werden. Und nicht um unsere Demokratie unfreiwillig zu exportieren.

    • Ja, @Tobias, diese Hoffnung teile ich:

      Die liberale Demokratie könnte doch noch in eine neue Runde gehen? Mit Solarpunk, flächendeckend Freier Software und einer echten KI-Bildungsoffensive sehe ich durchaus noch neue Perspektiven.

      Gerade in den Ländern des globalen Südens, die jetzt wenig auffallen, wie Indien, Nigeria oder Brasilien. Billiger verlässlicher Strom zusammen mit echt freier KI könnte wirklich was bewegen.

      Gleichwohl sehe ich den Solarpunk und das Fediversum eher als dezentrale und föderale, statt als zentralistische und nationale Bewegungen. Ich war positiv überrascht, wie klar auch Hape Kerkeling im SPIEGEL-Interview die wachsende Bedeutung der Regionen für das künftige Europa herausgearbeitet hat. Und auch in den USA eskaliert ja gerade der Konflikt zwischen dem von Trump dominierten Zentralstaat mit ICE und den demokratisch regierten Staaten und Städten wie Minneapolis. Nach meiner Einschätzung haben liberale Demokratien dann eine Chance, die kommenden Jahrzehnte zu überstehen, wenn sie sich politisch und medial (!) föderalisieren.

  27. @ Jeckenburger

    Es ist eher die Imigation als Magie.
    Magie zielt auf Wirkung ab, während die Imigation die Vorstellumgskraft bemüht.
    Aber im Wortstamm verwandt.

  28. @Michael 08.01. 22:41

    „Nach meiner Einschätzung haben liberale Demokratien dann eine Chance, die kommenden Jahrzehnte zu überstehen, wenn sie sich politisch und medial (!) föderalisieren.“

    Grüne Technik und freie Software werden zwar zentral hergestellt, aber ermöglichen sehr viel Unabhängigkeit vor allen in den Regionen bis hinunter zu Kommunen und Stadtteilen.

    Auch LLMs sind an der gesamten Weltkultur trainiert, sind aber völlig lokal nutzbar.

    So kann man inzwischen auch in Dörfern in Afrika ziemlich einfach eine lokale billige und verlässliche Stromversorgung installieren. Und hat dann per KI die gesamte Weltkultur dort vor Ort verfügbar. Und kann lernen, alles mögliche herzustellen, und auch eine lokale und ertragreiche Biolandwirtschaft nach neuesten Erkenntnissen zu praktizieren.

    Und wir hier können mal sinnlosen Konsum sein lassen und lieber entspannt leben und hinreichend Kinder großziehen. Ganz lokal und ganz konkret, mit Grüner Technik, die echt funktioniert.

    • Danke & ja, @Tobias – auch im obigen Mediensystem-Demokratie-Schaubild auf Basis meiner Lokaljournalismus-Rede bei der KAS habe ich das ja am Beispiel Wasser zu verdeutlichen versucht: Ob es Wasser gibt und in welchem Zustand sich dieses befindet ist eben eine sehr konkrete und regionale Frage, die sich auch nicht aus einer fernen Hauptstadt heraus beantworten lässt.

      So gefällt mir an diesen Solarpunk-Visionen von Cosmic Echo der starke “Dialog” von Licht und Wasser:

      https://www.youtube.com/watch?v=Hsql4jKbrgQ

      Eine bessere Zukunft ist möglich. Denn niemand kann alles, aber alle können etwas verändern.

  29. @Michael 09.01. 00:49

    „Ob es Wasser gibt und in welchem Zustand sich dieses befindet ist eben eine sehr konkrete und regionale Frage, die sich auch nicht aus einer fernen Hauptstadt heraus beantworten lässt.“

    Da kann Berlin auch überhaupt nix machen. Man muss dann Prioritäten setzen. Als Erstes kommt der Haushaltswasserbedarf, dann städtisches Grün sowie Obst- und Gemüseabau sowie die Tierhaltung, als letztes der Anbau von Grundnahrungs- und Futtermitteln. Letzteres ist nicht so teuer und lässt sich gut Lagern und Transportieren.

    Was aus Naturräumen und Wäldern noch wird, da kann man dann fast nur zugucken. Und sich auf die Suche nach neuen Baumarten machen, die mit Trockenheit besser klarkommen.

    Leider haben wir mit unserer lokalen Energiewende das Klimaproblem nicht gelöst. Sondern nur unseren Beitrag zur Lösung geleistet. Die am Ende erzeugte Hitze- und Wasserkrise bleibt davon unberührt, und wir müssen gucken, wie wir damit dann klar kommen.

    „So gefällt mir an diesen Solarpunk-Visionen von Cosmic Echo der starke “Dialog” von Licht und Wasser:“

    Sieht ja gut aus. Ich stelle mir dennoch die Zukunft etwas genügsamer vor. Was die reine Optik betrifft, kann Bauen mit 3-D-Druck tatsächlich recht fantastisch aussehen. Aber alles ein paar Nummern kleiner, man muss nicht auf hunderten Quadratmetern wohnen und futuristisch aussehende Fahrzeuge nutzen. Schnöde elektrische selbstfahrende Sammeltaxis reichen auch.

    • Wie fast immer bin ich auch hier für Vielfalt, @Tobias – ich möchte auch beim Solarpunk-Träumen nicht meine eigenen Vorlieben anderen auferlegen.

      Falls Dich kleinere Häuser mehr ansprechen, könnte der Kanal @Clever Spaces Girl für Dich interessant sein:

      https://www.youtube.com/@CleverSpacesGirl

      Dort heißt es:

      If you love smart, stylish, and affordable house designs, you’re in the right place! Here, I create stunning small home models to inspire your dream space. If you’re looking for clever layouts, I’ve got you covered!

      Join me as I show creative house ideas and bring big style to tiny homes.

      In deutscher Übersetzung:

      Wenn Sie intelligente, stilvolle und erschwingliche Hausdesigns lieben, sind Sie hier genau richtig! Hier entwerfe ich atemberaubende kleine Hausmodelle, um Ihren Traumraum zu inspirieren. Wenn Sie nach cleveren Grundrissen suchen, habe ich genau das Richtige für Sie!

      Begleiten Sie mich, während ich kreative Hausideen zeige und großen Stil in kleine Häuser bringe.

      Und da wir hier ja eigentlich über Konrad Adenauer dialogisieren, sollten wir neben dem Wert von Erfindungen auch fast ernsthaft über die Gewinnung von Rechten und Esoterikerinnen für erneuerbare Friedensenergien sprechen!

      Hier ein national angehauchtes 😉 Windenergie-Plakat!

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/115866494651413430

      Und hier die Wärmepumpe für die deutschsprachige Esoterikerin aus gutem Hause:

      Sehr schön auch die #Wärmepumpe ! 🤭 Für #Kreislauf statt #Konflikt , energetische #Schwingungen & unbedingt auch gutes #Karma ! 🙏🌞

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/115866504698313655

      Ein Engagierter für die Verteidigung der Ukraine hat auch europäische Fernfusion-Sticker entworfen:

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/115866528868561928

      Du siehst also, der Solarpunk wird zunehmend kreativ, sogar in Deutschland! 🤭🌞🎶

  30. @Michael 09.01. 20:41

    „…ich möchte auch beim Solarpunk-Träumen nicht meine eigenen Vorlieben anderen auferlegen.“

    Ich ja auch nicht. Architektonische Ideen sind immer sehenswert. Bleibt aber die Frage, wie viel Platz man wirklich braucht. Je weniger das ist, desto leichter ist das umzusetzen, selbst wenn die Qualität außergewöhnlich ist.

    Auch ob man auf dem Land was baut, oder doch mitten in der Stadt, ist eine interessante Frage. Die kurzen Wege gerade eher im Innenstadtbereich machen es jetzt schon eher möglich, die meisten Wege mit dem Fahrrad zu machen. Umso mehr kann man gerade die verdichtete Bebauung in höherer Qualität ausführen.

    Ich stell mir auch ein Ende der stehenden Blechlawine als riesige Bereicherung der städtischen Wohnatmosphäre mit ganz viel zusätzlichem schattenspendendem Grün vor. Ein Sammeltaxisystem wäre auch noch mit viel weniger Verkehr verbunden, und auch mit mehr Platz wiederum für Radfahrer.

    Und da werden dann auch echt Mittel frei, die man nicht unbedingt in mehr Wohnfläche, aber dafür in mehr bauliche Qualität investieren kann. Da kann die Fantasie dann auch wirkliche Räume gestalten.

    • @Tobias

      Dazu fällt mir nun auf & ein, dass sich die Lebensspanne von Konrad Adenauer recht exakt mit jener der Etablierung der Automobile überschneidet! Danke für diese Blog-Idee! 🤓🙌👍

  31. @Michael 09.01. 08:36

    „….dass sich die Lebensspanne von Konrad Adenauer recht exakt mit jener der Etablierung der Automobile überschneidet!“

    Autos sind ja auch eine geniale Idee. Äußerst flexibel, ziemlich schnell, bequem und es macht noch Spaß zu fahren. Wenn das Fahrzeug freilich 23 Stunden am Tag nur Platz verbraucht, und meistens nur einer drin sitzt, wenn es denn mal bewegt wird, dann wird es richtig teuer und taugt genau deswegen hervorragend als Statussymbol.

    In der selbstfahrenden E-Version im Sammeltaxibetrieb kann sich das komplett ändern. Dann wird es richtig billig und vor allem auch schnell, weil volle Fahrzeuge auch die Staus vermeiden. Und im Innenstadtbereich wird jede Menge an sich sehr wertvoller Parkplatz frei.

    Die Batteriekapazitäten sind dann auch kein Thema mehr. Auf langen Strecken kann man einfach schnell das Fahrzeug wechseln und sofort weiterfahren. Während dann die Batterien auf dem Rastplatz ganz in Ruhe aufgeladen werden können.

    Insbesondere in ländlicher Umgebung wird so Mobilität sehr viel billiger, und es können auch Kinder und Ältere ohne Führerschein voll dabei sein. Das könnte dann sogar der Abwanderung in machen Gegenden entgegenwirken.

  32. @Michael 10.01. 18:53

    „….eine Darstellung der Vorteile des Mercosur-Abkommens…“

    Ein gutes Zeichen inmitten der Tendenzen zunehmender Zölle. Das fördert doch internationale Zusammenarbeit.

    Mögen die USA und China machen was sie wollen.

    Wieso jetzt Trump noch mehr aufrüsten will, obwohl er gerne Europa nicht mehr weiter verteidigen will, ist mir echt schleierhaft. Womöglich einfach Geschenke für die US-Waffenindustrie? Die Amerikaner wird es eher ärmer machen.

    Auch wenn die Benzinpreise sinken. Was aber gut für uns und schlecht für Russland wiederum ist. Die E-Mobilität bei uns hier wird es kaum aufhalten.

  33. Fukuyama spricht bei Identität nicht nur von der Identität von Individuen, sondern auch von Gruppen, Nationen und sozialen Gemeinschaften.
    Was ist das anderes als von jeweiliger Kultur.
    Identität als Merkmale von Kulturen.
    Meine Güte, Kulturen konnte er nicht mehr wegen Huntington verwenden.

  34. Jede Philosophie bzw Sprach-
    Denk-, Idee- bzw. Handlungsoptiom hat was.
    Beide Denkrichtungen korrespondieren und man sollte es viabel sehen
    Und wie bei fast jeder ausgearteten theoretischen Überlegung brechen die Ränder weg.
    Da bin ich salomonisch.

    • Klar, @Mussi – nur sollte “hat was” nicht im Sinne eines Relativismus missverstanden werden. Jede wissenschaftliche These lässt sich falsifizieren – und sowohl der “Kampf der Kulturen” nach Huntington wie auch das “Ende der Geschichte” nach Fukuyama sind empirisch gescheitert. Letzterer hat diese Falsifikation in “Identität” (2019) akzeptiert und mit der Thymotik einen neue, verbesserte Theorie vorgeschlagen.

      Hier übrigens die “Kulturkreise” nach Huntington, die aus damaliger Sicht plausibel erscheinen konnten, die heutigen Konfliktlagen aber krass verfehlen:

      Sinisch – Kernstaat China
      Japanisch – Kernstaat und einziger Staat Japan
      Hinduistisch – Kernstaat Indien
      Islamisch – kein Kernstaat
      Orthodox – Kernstaat Russland
      Westlich – Kernstaaten USA und in Europa Frankreich, Deutschland, Italien, Vereinigtes Königreich; siehe auch Abendland
      Lateinamerikanisch – Existenz als einheitlicher Kulturraum nicht eindeutig, kein Kernstaat[10]
      Afrikanisch – Existenz als einheitlicher Kulturraum nicht eindeutig, Äthiopien bildet einen eigenen Kulturraum, nordafrikanische Staaten gehören zum islamischen Kulturkreis.

      https://de.wikipedia.org/wiki/Kampf_der_Kulturen

      Vom Bürgerkrieg in Äthiopien, dem russischen Angriff gegen die Ukraine bis zu den Konflikten um die Staatsform des Iran, Taiwan, Venezuela, ICE, Grönland usw. ist die Annahme, dass es künftig vor allem “Bruchlinienkriege” zwischen den Kulturkreisen gebe, klar gescheitert. Das ist nicht schlimm, so geht Wissenschaft. Dogmatisch wird es jedoch, wenn das einfach verleugnet wird…

  35. Die besten Beispiele für die Vermischung von Performativität und Konstruktivismus sind doch: Globalisierung und Nation first.
    Ein Kulturwechsel innerhalb von 30 Jahren.
    Ich gebe Ihnen ja recht, dass innerzivilisatorische Prozesse stattfinden. Aber gleichzeitig eben auch das finden einer neuen Weltordnung.
    Das Problem ist ja, dass Thesen und Theorien, sich damit in heutigen Zeiten verbundene Visionen und Spekulationen ,sehr kurzfristig behandelt werden.

    • Ich finde nicht, dass Huntington so schwer daneben lag:
      China- Ausbreitung im Südpazifik und Seidenstrassenprojekt
      Japan und Südkorea nähern sich gerade wegen der Technologie an
      Indien sagt, sie haben nichts mit den Chinesen gemeinsam und Grenzkonflikte
      Islam hat tatsächlich interkulturelle Probleme, hat aber auch Gaza
      Orthodoxie- Russland geht vermutlich einen anglikanischen Weg
      Westlich, ja da kann man nur hoffen, dass Europa seinen aufklärerischen Weg fortsetzt.
      Afrika- die Afrikanische Union geht womöglich den Weg der EU?

      Ist doch alles im Prozess…
      Ich habe jedenfalls nicht die Erwartung, dass einer der beiden mit ihren jeweiligen Thesen ne Punktlandung hinlegt…

  36. @Michael 11.01. 13:41 / Felo.ai

    „Performativität bietet somit eine umfassendere Perspektive auf die menschliche Existenz und die Bedeutung von Gemeinschaft.“

    Das ist interessant. So greift Solarpunk nicht nur zwischen aktuellen Menschen, sondern auch in Gemeinschaft mit der ganzen Natur dieses Planeten und mit folgenden Generationen, die noch gar nicht geboren sind.

    Spiritualität wiederum kann diese Beziehungsfakten mit mehr Leben füllen. Und kosmische Perspektiven hinzufügen.

    Besser, als sich nur durch Leistung und Konsum zu definieren. Was jetzt auch nicht egal ist, aber eben bei weitem nicht die ganze Existenz sein muss.

  37. @ Blume

    Im Gegenteil, ich werde Dogmenglauben weiterhin kritisieren.
    Möglicherweise meinen Sie Kritik am Universalismus… 😉

    • Nein, @Mussi – beim Universalismus würden wir uns schnell einig! 🙂

      Ich meine, dass Kritik an den Dogmen anderer schnell unglaubwürdig wirkt, wenn sie nicht auch auf die eigenen Dogmen – etwa den Glauben an Huntingtons „Kampf der Kulturen“ gegen alle Evidenz angewendet wird. So gab es jede Menge Witze über den „Missionseifer“ mancher sog. „Neuen Atheisten“, die vor allem im Netz oft dogmatischer auftraten als die meisten derjenigen, die von ihnen „Religioten“ geschimpft wurden.

      Aber Sie sind erwachsen, you do what you do! 🙂

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