Konkurrenz-, Konkordanz- oder Konsensdemokratie? Meine heutige, duale Rede bei der Stiftung Weltethos, Uni Tübingen

Nach einem mir wichtigen Besuch an einer Schule geht es für mich heute Abend an meine Alma Mater, die Universität Tübingen. Auf Einladung der Stiftung Weltethos spreche ich dort über die drei der Politikwissenschaft bekannten Demokratieformen der Parteien-Konkurrenzdemokratie, der alpinen Konkordanzdemokratie und der parlamentarischen Konsensdemokratie. (Die auch von Hedwig Richter zu Recht kritisierte Konsumdemokratie verstehe ich dabei als rechtslibertäre Untervariante der Parteien – Konkurrenzdemokratie.)
Wie auch schon bei anderen, größeren Anlässen spreche ich auf Basis einer selbst geschriebenen, dualen Rede – das selbst und ohne KI verfasste Redeskript findet Ihr bei Interesse hier.
Das ist auch hilfreich, falls die heutige Veranstaltung mal wieder von Hamas-Sympathisanten, Querdenkern, Rechtsdualisten oder sonstigen Verschwörungsgläubigen gestört werden sollte. 🙂
Einladung zum heutigen Weltethos-Abend im Hörsaal 25 des Kupferbaus der Universität Tübingen ab 18:15 Uhr, duales Redeskript bereits hier online. Screenshot: Michael Blume
Und klar freue ich mich auch wieder auf intensive Dialoge zu den drei Demokratieformen hier auf dem Blog und auf Mastodon.

Danke für den guten Text zum Weiterdenken und vor allem -tun.
Herzlichen Dank für das demokratische Interesse und die Rückmeldung, @Eckehard Erben! 🙏🇩🇪🇪🇺🙌
@Aktueller Rentenstreit
Ich kann die jungen Abweichler gut verstehen, dass die hier echt die Lust verlieren. Wenn ich aber auch befürchte, dass man sich nicht einig wird. Das hilft Demokratie dann nicht, wenn sie eben nicht in absehbarer Zeit einen beschlussfähigen Kompromiss hinbekommt. Die Blockierer dürften weniger die jungen Abgeordneten sein, sondern gerade die Älteren.
Ich finde es schon ziemlich lange unzumutbar, dass Kapitalertrag, Vermögen und Erbschaften kaum besteuert werden. So bleibt auch die Finanzierung der Rentner fast komplett bei den Arbeitnehmern hängen. Derweil gerade die Jüngeren meistens noch nichts geerbt haben, während gerade die Älteren oft reichlich Vermögen geerbt haben, und je älter, desto mehr auch noch.
Ich finde es ein Unding, dass zwar über arme Rentner gejammert wird, aber doch ziemlich Viele von denen wirklich am reichsten im ganzen Land sind. Und da kaum was oder überhaupt keine Steuern drauf zahlen. Und in die Rentenkassen schon gar nichts.
Und je älter auch die Politiker selber sind, desto mehr haben die auch einfach ein ganz persönliches Eigeninteresse daran, dass da nichts passiert und endlich wenigstens genau so viele Steuern und Abgaben auf Kapital gezahlt wird wie auf Arbeitseinkommen.
Gemeinsinn und Verantwortung wie Wahrhaftigkeit wären vermutlich echt weiterführend. Auch in der Politik. Die Konsensdemokratie sollte gerade das aus den Beteiligten herausholen? Bei allen Interessenkonflikten eben die Augen auf zu machen, worum es wirklich geht, und sich wirklich funktionierenden Lösungen zuzuwenden.
Ganz genau so, @Tobias – in einer echten, parlamentarischen Konsensdemokratie würden die Gesetze nicht von Parteikommissionen vorgegeben, sondern fraktionsübergreifend im gewählten Haus vorgestellt, debattiert und abgestimmt. Stattdessen soll nun angeblich sogar der versprochene Entschließungsantrag nicht zur Abstimmung kommen!
Ich habe weder einen Parteien – „Koalitionsausschuss“ noch eine außerparlamentarische „Rentenkommission“ gewählt, sondern den deutschen Bundestag. Und ich erwarte von den Abgeordneten „aller“ demokratischen Parteien, dass sie sich nicht länger von Parteibüros dirigieren lassen, sondern endlich wieder ihr Mandat im Sinne des Grundgesetzes kritisch & konstruktiv ausüben! Wie soll sich eine Demokratie verteidigen, die sich selbst schon aufgegeben hat?
Konsumdemokratie ist interessant, das Konzept kannte ich noch nicht. Aber man muss ja schon sagen, dass es bei der aktuellen Koalition beim Liefern hapert, und man den Eindruck bekommt, als ginge es in erster Linie um das Bedienen von Partikulärinteressen und nicht der Interessen der eigenen Wähler. Insofern würde ich sagen bleibt der aktuelle Zustand unsereres demokratischen Systems noch hinter einer Konsumdemokratie zurück.
Letztlich müssen wir eine Vielzahl von gesellschaftlichen Institutionen neu aufbauen, da die bestehenden nicht mehr von innen heraus reformfähig sind. Ein wichtiges Kriterium scheint mir hier die Dezentralität zu sein, da jede Zentralisierung unweigerlich zu einer Machtkonzentration führt, welche Machtstreben als Selbstzweck institutionalisiert. Unser föderales System ist eigentlich auch so konzipiert, dass es einer Zentralisierung entgegensteht. Aber das hilft natürlich wenig, wenn vermeintlich nur dem Gewissen verpflichtete Abgeordnete mit Listenplatzierungen erpressbar sind.
Wir benötigen neue Medieninstitutionen und über kurz oder lang auch neue politische Institutionen. Bei Ersteren gibt es bereits positive Beispiele (Blogs wie das Ihrige zähle ich dazu), bei Letzteren ist mir nicht klar, wie diese aussehen könnten, um nicht erneut in dieselbe Zentralisierungsfalle zu laufen. Ich bin aber überzeugt davon, dass solche neuen politischen Institutionen ein durchschlagender Erfolg wären, da viele Menschen in Deutschland genau darauf warten. Selbst ein Teil der AfD-Wähler dürfte dafür empfänglich sein.
Vielen Dank, @Bernd – und ja. Ich stimme Ihnen zu. Nach meiner Auffassung braucht es eine Wiederbelebung der demokratischen Institutionen des Grundgesetzes weg von der Zentralisierung der Macht der Parteivorsitzenden. Und es braucht neue, dialogische Medieninstitutionen im Fediversum wie Blogs, Pod- und Vodcasts, in denen Menschen Argumente austauschen und echte Erfahrungen von Selbstwirksamkeit machen können.
Die Zentralisierung der medialen Macht (Publikative) in wenigen Redaktionen vor allem des linearen Fernsehens bei gleichzeitiger Gleichschaltung der gewählten Parlamentsabgeordneten und inhaltlicher Rechtsmimesis ist am Ende. Und dies begreifen, immerhin, jeden Tag mehr Bundesdeutsche.
Im Idealfall ist ein demokratisches System auf den grössten Nutzen für die Bevölkerung eines Staates ausgerichtet. Und das bedeutet für mich, dass die Politik nur ein Teil dieses Bestrebens sein kann, denn die Politik für sich genommen folgt oft prinzipiellen Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen Zukunftsvisionen, die nicht selten nur einen Teil der Realität abbilden. In Europa und auch in Deutschland geht es dabei immer und immer wieder um Fragen der Gerechtigkeit, aber immer weniger um das Gesamte. Und zum Gesamten zähle ich eben auch die technisch-wirtschaftliche Entwicklung und damit etwa um die Frage, wie sich Deutschland und Europa in einer Welt behauptet, die gerade zu neuen Technologien fortschreitet wie etwa die Elektrifizierung aller Bereiche, autonomes Fahren, künstliche Intelligenz und Robotik, Bio- und Gentechnologie. Lauter Bereiche übrigens, in denen auch die europäische und deutsche Wissenschaft stark engagiert ist, wo aber die Kraft und die Infrastruktur fehlt um damit bedeutende, weltweit agierende Firmen entstehen zu lassen. Kurzum: die Deutschen forschen, die USA und China aber machen daraus die Produkte und Dienstleistungen, die die Welt verändern und die inzwischen das Leben jedes Europäers beeinflussen und formen. Bleibt dieser europäische Rückstand und nimmt er gar zu, dann sinkt Europa in die zweite Reihe ab und auch der Wohlstand wird gefährdet.
Wie aber kann die Politik hier Einfluss nehmen? Nun, das hängt eben davon ab, wie stark die Politik überhaupt die Entwicklung wahrnimmt und wie sie darauf reagiert. Über Chinas Politikelite habe ich kürzlich gehört, sie bestehe im Grunde aus Ingenieuren, aus Ingenieuren, die China zur HighTech Nation machen will.
Obwohl China keine Demokratie ist, nimmt China mit seinem starken Fokus auf die wirtschaftlich-technische Entwicklung damit den Bereich Wirtschaft und Technologie viel stärker wahr als das die europäischen Politiker tun. In Europa dagegen dominiert in meinen Augen der Glaube, Technologie und Wirtschaft entwickelten sich auf alle Fälle und von selbst und es gelte nur gerade Regularien auszuarbeiten, damit die Entwicklung die Gesellschaft nicht beeinträchtigt. Eine defensive Haltung also gegenüber der wirtschaftlich-technischen Entwicklung.
Kurzum: Die Dinge, um die sich die Politik in Europa vor allem kümmert, also etwa der Sozialstaat, Fragen der Gerechtigkeit und Umverteilung, Schutz gegen technisch-wirtschaftliche Fehlentwicklungen, diese Dinge sind alle sehr wichtig. Aber und nun kommt das grosse Aber: diese Dinge, sind nur ein Teil unserer Wirklichkeit und sie bestimmen unsere Zukunft nur zum Teil. Eine rein passive Haltung zur Zukunft, eine vor allem reaktive und nicht pro-aktive Einstellung, die kann im besten Fall die Verhältnisse der Gegenwart sichern, aber sie bereitet nicht auf die Zukunft vor.
Herzlichen Dank für Ihr Statement, @Martin Holzherr. In der o.g. Rede thematisiere ich ja die Volksrepublik China auch als Beispiel dafür, dass die Staatsform der Republik nicht notwendig demokratisch sein muss.
Und selbst diese riesige Nation kann sich selbst nicht genug sein: Sie wird von der Klimakrise bereits ebenfalls immer schwerer getroffen. Vor allem aber leidet sie nicht nur unter einem internen Geburteneinbruch, sondern auch unter dem weltweiten Geburtenrückgang. Denn dieser bedeutet, dass die Nachfrage nach Gütern im In- und Ausland immer schwächer wird. Schon jetzt versuchen China und die Europäische Union, sich gegenseitig die Exportüberschüsse in die Märkte zu drücken – gegen die Importe aber Zölle zu errichten. Exportwirtschaft isch over.
Immer mehr Stimmen gehen davon aus, dass China seine Bevölkerungszahlen um mehrere Hundert Millionen Menschen übertreibt, um nicht als schwach zu erscheinen. Gleichzeitig schwelt die chinesische Immobilienblase und immer mehr Firmen gerade auch im Automobilbereich rutschen tief in die Verlustzone.
Aus meiner Sicht sollte sich Europa also durchaus ein Vorbild an der technologischen und wirtschaftspolitischen Orientierung des chinesischen Reiches nehmen. Es braucht dabei aber nicht die Schwächen der KP-Diktatur zu übersehen, die durchaus auch zu einem Zusammenbruch der Wirtschaft und des Regimes führen könnten.
Die Konkordanzdemokratie als Mittel gegen Polarisierung
Gemäss dem historischen Lexikon der Schweiz war/ist die Konkordanzdemokratie ein Mittel gegen die Klassenkampfstimmung der 1920/30 er Jahre, in denen etwa in Deutschland Kommunisten wie Nationalsozialisten die Demokratie kassieren wollten um ein“besseres“ System zu errichten. Hier ein paar Zitate dazu:
Kurzum: Selbst in einer Demokratie können sich Lager ausbilden, deren Ziel ein Systemsturz, ja sogar die Übernahme der Macht und das Einkassieren der Demokratie ist. Die Konkordanzdemokratie entstand genau deswegen, sie wollte das Gemeinsame über das Trennende stellen. Sie wollte das höhere, gemeinsame Ziel, die Entwicklung des Staatswesen und der Gesellschaft, wahren, indem sie alle einband und indem sie viele Entscheidungen zu gemeinsam entschiedenen machte.
Ja, @Martin Holzherr – doch schon im Libanon gerät das Schweizer Modell der Konkordanzdemokratie durch den Einfluss der bewaffneten Hisbollah schnell an die Grenzen. In der o.g. Rede äußere ich mich ja auch ausführlicher dazu.
Es sieht ja jetzt so aus, als ob ausgerechnet die Linke der Regierung die Mehrheit sichert, durch simple Enthaltung.
Manchmal braucht es weder Konkordanz noch Konsens, Pragmatismus reicht auch.
@wereatheist
Ja, wie in der Rede geschrieben gilt längst auch in der Linken die Parteien – Fraktionsdisziplin: Die Führung gibt die Abstimmungslinie – hier: Enthaltung – vor.
Wirklich “pragmatisch” im Sinne unseres Grundgesetzes wäre es, gerade auch solche weitreichenden Gesetzesvorgaben nicht mehr über Parteigremien, sondern über die Fachausschüsse und das Plenum des deutschen Bundestages zu erarbeiten. Die taktischen Manöver einer Handvoll verschiedener Parteivorstände anstatt einer offenen und ehrlichen Beratung und Debatte im gewählten Parlament ist nach meiner Einschätzung schädlich und den Menschen kaum noch vermittelbar. Warum wählen und bezahlen wir so viele Abgeordnete, wenn diese dann doch nichts zu sagen haben?
Ich meine: So kann und darf es nicht länger weitergehen.
Danke für diese großartige Rede.
Ich wünsche mir einfach nur, dass sie auch bei denen ankommt, die das Gegenteil von dem tun, was eigentlich zu tun geboten wäre.
Bis vor kurzem habe ich naiv geglaubt, dass Demokratinnen und Demokraten gegen jedweden Feind der Demokratie zusammenstehen. Die Hoffnung habe ich aufgegeben.
80 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs in Europa, 80 Jahre nach dem Beginn der Nürnberger Prozesse werfen wir die Lehren aus dieser Zeit leichtfertig über Bord!
Viele Emigranten, die im Ausland überlebt hatten, kamen zwar zeitweise nach Deutschland zurück, um hier zu arbeiten, aber nicht um dauerhaft hier zu bleiben. Das Misstrauen blieb.
Die Umfragewerte für die sog. Alternative sprechen eine eindeutige Sprache.
Ihnen daher meinen aufrichtigen Dank für das Engagement zur Bewahrung unserer Demokratie.
Herzlichen Dank für Ihr Interesse & die starke Rückmeldung, @Marie H.! 🙏🇩🇪🇪🇺📚🙌
Getreu dem Konzept der dualen – und ausdrücklich nicht dualistischen – Rede hatte ich heute in Tübingen auf Basis des Redeskriptes frei gesprochen & mir gerne noch Zeit für die zahlreichen Fragen genommen.
Ob und wie weit es gehört bzw. gelesen wird, weiß ich selbstverständlich nicht. Aber ich gebe mein Bestes und bin beispielsweise auch Samstag als Gast zum CDU-Landesparteitag nach Heidelberg geladen worden. Ob mich jemand auf diese Rede anspricht? Ich weiß es nicht, will es aber hoffen.
Vielleicht mit Ausnahme meiner Rede im Landtag vom 9. November 2023…
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/im-landtag-bw-gegen-antisemitismus-meine-rede-zum-9-11-2023/
…kann ich nie sicher sein, dass mir auch Landes- oder gar Bundes- und Europapolitik lauscht. Auch die überregionalen Medien sind viel zurückhaltender geworden, seitdem ich es „gewagt“ hatte, mich gegen die gemeinsame Abstimmung von CDU/CSU, FDP und AfD im deutschen Bundestag zu stellen.
Dennoch erfahre ich erstaunlich oft Rückmeldungen auch von bekannteren Politikerinnen und Politikern sowie deren Mitarbeitenden, die sich öfter auch für die Wissenschaft interessieren.
Das freut mich und doch ist es nicht meine Hauptmotivation. Als Christ und Demokrat, als Beauftragter und Solarpunk verstehe ich meine Aufgabe darin, auf die Fragen und Einladungen nach bestem Gewissen zu antworten – egal, wie viele Menschen es darüber hinaus erreicht. Auch werden hier gebloggte Texte von Suchmaschinen und KI-Anwendungen aufgegriffen – der Blog-Ripple-Effekt.
Und schließlich sind es treue Leserinnen und Leser wie Sie oder auch die Einladenden des Institut Weltethos, die mir zeigen, dass meine Arbeit doch Menschen erreicht und bewegt. Vielen Dank dafür! 🙏
Vielen Dank.
Zum Konsens gehört der Kompromiss. Aber auch in der jetzigen Koalition muss immer wieder um Lösungen gerungen werden, mit denen beide Seiten leben können.
Ich erinnere mich an den Blume und Ince Podcast mit Monika Wüllner, in dem es um die Diskussionskultur innerhalb der Union ging. Mit dem Befund, dass früher mehr und auch kontrovers diskutiert wurde.
Nach meiner Einschätzung ist die Folge dieser fehlenden Diskussionen der Widerstand einiger Abgeordneter gegen das Rentenpaket.
Sie haben das einmal selbst als “Engführung” bezeichnet. Ganz unabhängig von der einzelnen Partei sollten alle demokratischen Parteien intern eine gute und sachliche Diskussionskultur pflegen. Mir war nicht bewusst, wie wichtig lösungsorientierte, partei-interne Debatten für die Demokratie als Ganzes sind!
Dies ist ausdrücklich keine Kritik an der CDU, sondern soll als Aufforderung an alle Demokratinnen und Demokratinnen gedacht sein, die sich in einer Partei engagieren, wachsam gegenüber solchen Fehlentwicklungen zu sein.
Falls Widerstand gegen Vorschläge auf rein sachbezogener Kritik beruht, ist es ein gutes Zeichen, dass die Demokratie lebt. Ganz allgemein sollte Kritik und Ablehnung immer nur der Sache dienen, niemals irgendwelchen personalpolitischen Machtspielchen – was ich wohlgemerkt im vorliegenden Fall niemandem unterstelle.
Herzlichen Dank für unseren Dialog, @Marie H.
Zum Konsens gehört der Kompromiss. Aber auch in der jetzigen Koalition muss immer wieder um Lösungen gerungen werden, mit denen beide Seiten leben können.
Dazu volle Zustimmung. Auch gestern Abend in Tübingen wurde ich mehrfach auf die Bedeutung von “Kompromiss” angesprochen. Den meisten Menschen ist doch völlig klar, dass keine Beziehung, keine Familie, keine Vergemeinschaftung ohne Kompromisse funktionieren kann. Warum gelingt dies jetzt kaum noch?
Ich vermute dahinter die digitale Beschleunigung und Polarisierung insbesondere durch algorithmische und antisoziale Konzernmedien, spreche gar von “Zerblasung”. An die Stelle einer allgemeinen Öffentlichkeit (öffentliche Sache, “res publica”, Republik) treten Tausende Mikroblasen, die teilweise feindselig gegeneinander gestoßen werden.
Sehr gelungen finde ich dazu einen aktuellen Kommentar von Christoph Schwennicke: “Koalition in der Krise. Eines war früher entscheidend anders”
https://www.t-online.de/nachrichten/kolumne-christoph-schwennicke/id_101027188/koalition-unter-merz-in-der-krise-das-gab-es-frueher-auch-schon.html
Der Journalist weist m.E. überzeugend darauf hin, dass es auch früher heftige Turbulenzen in Koalitionen gab und benennt beispielhaft die heftigen Auseinandersetzungen zwischen Joschka Fischer, Jürgen Trittin, Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine – was bei letzterem sogar zu Rück- und Parteiaustritt führte.
“Kurz darauf quoll am 11. März 1999 nachmittags ein Fax auch aus dem Gerät des Büros “Süddeutsche Zeitung” in der Bonner Dahlmannstraße, wo ich damals arbeitete. Lafontaine hatte hingeschmissen, doppelt, als Finanzminister und als SPD-Chef, und war ins heimische Saarland emigriert. Unvergessen ein paar Tage später das Foto von ihm auf seinem Balkon, sein blondes Söhnchen auf den Schultern, dessen Füße in gelben Entenpuschen steckten. […]
Und doch war etwas ganz anders. Der Platz in den Zeitungen war klar umgrenzt. Es gab einen Aufmacher, einen Leitartikel, eine Seite Drei für die Erzählung. Und noch ein paar Nachrichtenseiten für die Details. Fertig. Das Ganze in einer Handvoll Zeitungen, die wirklich zählten – und über all dem schwebte majestätisch und furchteinflößend der “Spiegel”.
Jede noch so große Wallung hatte also eine natürliche Grenze. Mehr Wallung, als in die Zeitung passte, gab es nicht. Und es wallte auch nur bis 16 Uhr, dann war Redaktionsschluss, und es konnte erst am nächsten Tag wieder weiterwallen. Dazwischen arbeiteten die Druckwalzen und die Gemüter konnten sich etwas beruhigen.
Heute wütet die Wallung räumlich und zeitlich grenzenlos. Das digitale All hat kein Layout, das Grenzen setzt. Im Gegenteil. Man kann dort hineinstopfen, soviel man will, es wird nie voll. Es ist immer noch viel mehr Raum als dessen Befüllung, es gibt nirgends Halt, nur immer Weite und Leere.
Ebenso entgrenzt wie der Raum ist die Zeit. Es gibt keine Pause, es geht in einem fort. Redaktionsschluss war gestern, ach was, vorgestern. 24/7 ist jetzt.”
Die von Schwennicke so genannte “Wallung” hatte ich ja bereits mit den Begriffen der digitalen Verrohung, Thymotisierung, Polarisierung und Empörungssucht aufzuschlüsseln versucht. Und damit scheint mir auch klar zu sein, warum es immer schwerer wird, dauerhafte Kompromisse zu finden – und nahezu unmöglich, Koalitionsverträge mit der Dauer von mehreren Jahren durchzuhalten. Stattdessen sollte m.E. dringend wieder der parlamentarische Dialog als beständiges Ringen um Kompromisse gepflegt werden.
Wie sollte eine von Parteien dominierte “Rentenkommission” jemals mehr Akzeptanz finden als die vom Volk gewählten und mit allen notwendigen Mitteln ausgestatteten Abgeordneten? Ein parlamentarisch und also im offenen Dialog erarbeiteter Kompromiss (Konsensdemokratie) wird auf mehr Zustimmung treffen als eine von Parteien nichtöffentlich gezimmerte Vorlage (Konkurrenzdemokratie).
Ich erinnere mich an den Blume und Ince Podcast mit Monika Wüllner, in dem es um die Diskussionskultur innerhalb der Union ging. Mit dem Befund, dass früher mehr und auch kontrovers diskutiert wurde.
Danke & ja, die Folge – in der ich auch schon die verschiedenen Demokratieformen zur Diskussion stellte – ist hier:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-37-monica-wuellner-von-cda-cdu-und-die-konkordanzregierung/
Wenn freilich die These von der digitalen Beschleunigung und Zerblasung stimmt, dann wird es immer schwieriger, Koalitionen und Parteien von oben herab zusammen zu halten. Stattdessen müsste der Dialog wieder stärker von den Parlamenten und der Basis her gedacht werden. Wer zu eng führt (ja, “Engführung”) löst unweigerlich wachsende Widerstände aus. Zumal jede Volkspartei in sich sehr vielfältig ist.
Nach meiner Einschätzung ist die Folge dieser fehlenden Diskussionen der Widerstand einiger Abgeordneter gegen das Rentenpaket.
Sie haben das einmal selbst als “Engführung” bezeichnet. Ganz unabhängig von der einzelnen Partei sollten alle demokratischen Parteien intern eine gute und sachliche Diskussionskultur pflegen. Mir war nicht bewusst, wie wichtig lösungsorientierte, partei-interne Debatten für die Demokratie als Ganzes sind!
Ja – und exakt so ist es in der parlamentarischen Konsensdemokratie unseres Grundgesetzes doch auch formuliert!
GG Artikel 21:
(1) Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit. Ihre Gründung ist frei. Ihre innere Ordnung muß demokratischen Grundsätzen entsprechen. Sie müssen über die Herkunft und Verwendung ihrer Mittel sowie über ihr Vermögen öffentlich Rechenschaft geben.
(2) Parteien, die nach ihren Zielen oder nach dem Verhalten ihrer Anhänger darauf ausgehen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen oder den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden, sind verfassungswidrig.
(3) Parteien, die nach ihren Zielen oder dem Verhalten ihrer Anhänger darauf ausgerichtet sind, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen oder den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden, sind von staatlicher Finanzierung ausgeschlossen. Wird der Ausschluss festgestellt, so entfällt auch eine steuerliche Begünstigung dieser Parteien und von Zuwendungen an diese Parteien.
(4) Über die Frage der Verfassungswidrigkeit nach Absatz 2 sowie über den Ausschluss von staatlicher Finanzierung nach Absatz 3 entscheidet das Bundesverfassungsgericht.
(5) Das Nähere regeln Bundesgesetze.
Deutlicher geht es doch fast gar nicht, oder!?
Dies ist ausdrücklich keine Kritik an der CDU, sondern soll als Aufforderung an alle Demokratinnen und Demokratinnen gedacht sein, die sich in einer Partei engagieren, wachsam gegenüber solchen Fehlentwicklungen zu sein.
Danke – und genau so sehe ich das auch. Meine Einblicke in das Innenleben der demokratischen Parteien unseres Landes ist tief genug, um zu erkennen, das sie alle mit der Zerblasung ringen – also einerseits mit einer bequemen Selbst-Abschottung in eigenen Parteiblasen, andererseits mit mangelnder Wahrnehmung durch andere.
Falls Widerstand gegen Vorschläge auf rein sachbezogener Kritik beruht, ist es ein gutes Zeichen, dass die Demokratie lebt. Ganz allgemein sollte Kritik und Ablehnung immer nur der Sache dienen, niemals irgendwelchen personalpolitischen Machtspielchen – was ich wohlgemerkt im vorliegenden Fall niemandem unterstelle.
Danke, doch hier sehe ich doch auch Unterschiede, die wir m.E. in Diskussionen um die Rechts-Links-Schemata auch schon erkundet hatten. So reagieren Rechte häufiger mit Reaktanz auf Veränderungen und haben ein eher negatives Menschenbild. Linke neigen dagegen dazu, andere und vor allem sich selbst für moralisch besser zu halten, als sie sind.
Ein Ergebnis hatte ich in der Rede beschrieben: Weder Schweizer noch US-amerikanische Rechte haben ein grundsätzliches Problem mit der sog. “Goldbarrendiplomatie”. Stellen wir uns dagegen nur einen Moment vor, welchen Aufschrei bis hin zum Impeachment es gegeben hätte, wenn sich nicht Donald Trump, sondern Barack Obama im Tausch gegen niedrigere Zölle Goldbarren und Rolex-Uhren aushändigen lassen!
Da heute der 50. Todestag von Hannah Arendt (1906 – 1975) ist und Sie auch hier in einem Druko bereits wieder angegangen wurde, möchte ich einen Text der KNA aus der heutigen Stuttgarter Zeitung, S. 15, zitieren:
Was sich von Hannah Arendt lernen lässt
Einstige ‘säkulare Heilige’ wie Hannah Arendt sollten wieder mehr Aufmerksamkeit erfahren: Dazu rät der Schriftsteller Daniel Schreiber. […] “Sie alle weisen immer wieder auf etwas hin, das heute fehlt: nämlich eine Politik des Gemeinsinns und der Versöhnung, die Menschen nicht als politische Gegnerinnen und Gegner, nicht als Feinde, sondern als Menschen betrachtet.” […]
“Es ist faszinierend, dass man von manchen Intellektuellen, Theoretikerinnen oder einem Bürgerrechtler wie Martin Luther King eine Art Heiligentum erwartet”, sagte der Autor. “Von denjenigen, die prägend für die Renaissance des Rechtsextremismus sind, Carl Schmitt etwa, erwartet man gar nichts.
Ich denke, das ist der psychologische Grund, warum sich Linke vor Rechten ekeln und Rechte sich von Linken herablassend belehrt fühlen.
Ohne die Zeit für echte Dialoge erscheinen Kompromisse und also Beziehungen als faul. Die digitale Zerblasung beraubt uns der Gelegenheiten, uns ineinander einzufühlen. Immerhin: Dass immer mehr von uns das Gemeinsame vermissen, dass die antisozialen Medien zunehmend verlassen werden, lässt mich für die Zukunft hoffen.
@Martin Holzherr 03.12. 18:18
„Kurzum: die Deutschen forschen, die USA und China aber machen daraus die Produkte und Dienstleistungen, die die Welt verändern und die inzwischen das Leben jedes Europäers beeinflussen und formen.“
Die Handelsbilanzüberschuss der EU betrug im Jahr 2024 immerhin 150 Mrd Euro. Offenbar haben wir noch kein akutes Problem mit unserer Produktivität.
Und die Grüne Technik macht dann auch fossile Importe überflüssig. Und selbst wenn Komponenten dieser Grünen Technik auch importiert werden, so bleibt auf jeden Fall die Installation der Anlagen in der EU.
Eine Softwareunabhängigkeit wäre aber dennoch eine sehr gute Idee, praktisch als komplett offene Software für alles, was es gibt. Und das dann zusammen mit dem Rest der Welt, der auch nicht von grundsätzlich undurchsichtiger Software aus China und den US-IT-Konzernen abhängig sein will.
@Tobias Jeckenburger (Zitat): Die Handelsbilanzüberschuss der EU betrug im Jahr 2024 immerhin 150 Mrd Euro. Offenbar haben wir noch kein akutes Problem mit unserer Produktivität.
Antwort: Genau, Europa ist (noch) stark in alter Technologie wie Verbrennern, Maschinenbau, Chemie. Doch ausser SAP und ASML gibt es kein europäisches Unternehmen mit neuer Technologie von weltweiter Bedeutung. Es gibt kein europäisches Äquivalent zu Apple, Amazon, Google, Microsoft, Huawei, Tesla, Meta, zu Tencent, Alibaba. Praktisch alle Europäer leben inzwischen mit Dienstleistungen der genannten US-Konzerne und jetzt kommen neu auch chinesische Konzerne. So wird Media Markt vom chinesischen JD.com (die selbst zu Ceconomy gehören) übernommen und BYD hat inzwischen einen bedeutenden Marktanteil in Grossbritannien.
Doch selbst die „alte Technologie“ kommt im Europa und speziell in Deutschland in Bedrängnis: die deutsche Chemie investiert nicht mehr in Deutschland, sondern in China und die deutschen Autobauer stellen keine konkurrenzfähigen Elektromobile her und fordern nun eine Aufhebung des. Verbrennerverbots für 2035, weil nach dem Verbrenner nichts mehr von den deutschen Automobilherstellern kommt, das globale Marktchancen hat.
Kurzum: Die Zukunft in Form von softwaredefinierten, autonom verkehrenden EVs, Elektro-Trucks, VTOL-Flugzeugen, KI-Datenzentren im All oder KI-Datenzentren mit eigenen AKW oder eigenen Erneuerbaren-Stromerzeugern, die entsteht gerade in den USA und China und das chinesische OpenSource Sprachmodell Deepseek ist inzwischen in Europa sehr weit in Firmenlösungen verbreitet, da gratis und Open Source. Schon die Gegenwart der Europäer wird von US-Grosskonzernen orchestriert und dazu kommen nun immer mehr chinesische Firmen, die den Online-Handel, KI-Lösungen und Robotik bestimmen. Mit andern Worten: die Zukunft findet ohne Europa statt.
@Martin Holzherr & @Tobias Jeckenburger
Einerseits teile ich die Kritik an der starken Reaktanz und Bräsigkeit vieler europäischer Verantwortlichen und habe das ja auch in der o.g. Rede sehr deutlich gemacht.
Andererseits aber möchte ich erneut betonen, dass ich weder das chinesische noch das US-amerikanische und schon gar nicht das russische Wirtschaftsmodell für zukunftsweisend halte: In China bricht die Bevölkerung demografisch zusammen und wird staatlich subventionierte Überproduktion auf Halde produziert. In den USA droht eine gigantische KI-Blase und gerade auch in den letzten Tagen gingen Milliardenwerte etwa im Kryptobereich zugrunde. Und die russische Kriegswirtschaft zerfällt parallel zu den sinkenden Ölpreisen, ukrainischen Drohnenschlägen und Sanktionen.
Die Europäische Union könnte und sollte also noch viel innovativer und entschiedener etwa im Aufbau digitaler Souveränität oder der Abkehr von fossilen Gewaltenergien sein. Aber dennoch brauchen sich unsere Demokratien vor niemandem verstecken, sondern können belastbare Brücken ins 21. Jahrhundert bauen.
Ich sehe keinerlei Anlass, chinesische, US-amerikanische oder russische Thymokraten mimetisch nachzuahmen. Diesen gehört die Zukunft ganz sicher nicht.
@Michael Blume: Zustimmung: die EU sollte die Rahmenbedingungen schaffen, dass auch EU-Firmen Weltgeltung erreichen können, dass EU-Startups sich in der EU zu Weltmassstab hochentwickeln können und dass die EU weniger abhängig von der technologischen Entwicklung in den USA wird.
Nicht zustimmen würde ich zur Einschätzung der USA als Thymokratie, denn Trumps Amtszeit ist begrenzt und Trump ist kaum die Zukunft der USA. Es gilt vielmehr: in den USA wird die nächste technische Revolution hochgefahren und das Platzen der KI-Blase wird genauso wie die die Dot.com-Blase lediglich die Spreu vom Weizen trennen. Man erinnere sich: der Dot.com -Crash hat hunderte von Web-Firmen Bankrott gehen lassen, doch etwa Amazon hat das überhaupt nicht beeinträchtigt, ja Amazon wurde immer dominierender. Genau so wird ein KI-Crash einigen US-Firmen den Boden unter den Füssen wegziehen (Tipp: es könnte OpenAI sein), aber andere (Tipp: google) werden an Bedeutung gewinnen und diese werden Weltgeltung erreichen und auch bestimmen, was in Europa passiert.
Was China betrifft: die Immobilienkrise und die Überproduktion lasten momentan schwer auf dem chinesischen Modell, doch gleichzeitig expandiert China seine Wirtschaft gerade in den globalen Süden, wo neuerdings chinesische EVs, chinesische Phitovoltaiksysteme, chinesische Batterien und chinesische Windturbinen gebaut werden und das absehbar jedes Jahr mehr. China ist neu der größte Autoexporteur der Welt und hat sich in den letzten Jahren in dieser Position etabliert. China produziert 60% aller Elektromobile weltweit, 90% aller Photovoltaikanlagen, 80% aller Windturbinen, 75% aller Lithium-Ionenbatterien, fast 85% der Kathoden und über 90% der Anoden. Auch die Raffination wichtiger Rohstoffe wie Nickel und Kobalt ist stark in China konzentriert. Und als nächstes wird China die Produktion von Natrium-Ionenbatterien hochfahren und damit die Billigbatterieproduktion weltweit bestimmen.
Der deutsche Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sagt inzwischen, Deutschlands Automobilhersteller müssten mit China kooperieren und dort ihre Autos herstellen, denn nur dann könnten deutsche Automobilhersteller Elektromobile der mittleren und unteren Preisklasse auf den Markt bringen.
Danke, @Martin Holzherr – aber erlauben Sie mir bitte eine freundliche Nachfrage.
Sehr gerne nehme ich mir Zeit für Ihre oft klugen und spannenden Kommentare. Doch diesmal habe ich das Gefühl, dass Sie meine oben verlinkte Rede noch gar nicht oder kaum gelesen haben – in denen ich etwa zur Überproduktion in der Exportwirtschaft, zu europäischen und auch deutschen Management-Fehlern etc. einiges aussagte – das Ihren Positionen doch sehr entspricht.
Wäre es okay, wenn wir uns darauf einigen könnten, Texte vor der Diskussion auch wirklich zu lesen? Dann wäre auch das konkrete Zitieren und ein echter Dialog besser möglich.
Das würde mich doch sehr freuen! 🙏📚🙌
Ich erlaube mir eine kleine Anmerkung aus Anlass der gerade gehörten aktuellen swr- Das Wissen Sendung über Hannah Arendt. In der auch behauptet wird, dass unser “Minischderbräsident” sein Denken und (politisches) Handeln nach dieser Philosophin ausrichten würde:
https://www.swr.de/swrkultur/wissen/hannah-arendt-freiheit-und-verantwortung-100.html
Bei bzw. schon vor der Diskussion aller Unterformen oder Sonderformen der “Demokratie” sollten zumindest (!) die folgenden drei Erkenntnisse von Hannah Arendt Berücksichtigung finden :
1.Ihre philosophisch- erkenntnistheoretische Position: “Denken ohne Geländer”
Dieses “Denken ohne Geländer” , d. h. auch ohne zu rigide politische und wissenschaftliche “Ideologische Engführung” sollten sich aktuell wieder mal gerade die, die sich immer in wohlfeilen Fensterreden auf Arendt beziehen, ganz besondres ins Gewissen rufen.
2. Ihre Ablehnung der Volkstumsideologie und damit auch die Ablehnung des völkischen Zionismus.
Auf die Kritik, sie liebe “ihr Volk” nicht , soll sie geantwortet haben:” Ich liebe keine Völker -ich liebe nur meine Freunde”.
(Spätestens) Danach “überdachten” die zionistischen Volkstümler ihre Freundschaft zu Hannah Arendt ziemlich kritisch.
3: Ihre Erkenntnis, dass “Freiheit” OHNE gerechte ökonomische Absicherung kaum als echte Freiheit bezeichnet werden könne.
Spätestens nachdem sie in ihren (politisch-psychologischen) Eichmann- Analysen die beiden obigen Punkte auch praktitisch angewendet hatte , wurde aus eventueller vorheriger “natürlicher Freundschaft” (aufgrund einer ideologisch gefühlten Volksgemeinschaft) ganz schnell eine mehr oder weniger gehässige Distanzierung. Natürlich wegen (gefühlten) Ausscherens aus dieser (gefühlten)
Volksgemeinschaft. Hinzu kam noch, dass sie wegen des obigen Punkt 3 bei den Marktradikalen , Neoloberalen und auch vielen “Liberalen” (vor allem aus dem “globalen Westen” ) von Anfang an unter “Kommunismusverdacht” stand.
Zynismus der Geschichte: Wäre sich nicht “jüdischer Abkunft” , hätte man sie wahrscheinlich im “Wertewesten” noch weit mehr (öffentlich) in die Mangel genommen.
Ach, @little Louis – Sie lassen aber auch wirklich kein Thema aus, um ziemlich wirr gegen Jüdinnen und Demokraten zu agitieren.
Genau heute ist der 50. Todestag der geachteten Hannah Arendt, hier das Transkript ihres legendären Gespräches mit Günter Gaus:
https://www.rbb-online.de/zurperson/interview_archiv/arendt_hannah.html
Fakt ist, dass sowohl sie wie übrigens auch Karl Popper gegenüber westlichen Demokratien einschließlich der Republik Israel und gegenüber den verfassten Religionen einschließlich dem Judentum sehr viel kritischer argumentierten, als es heutige Linke und Liberale meistens tun. Das ist auch keine Sensation, sondern entspricht den größeren, intellektuellen Trends des 20. Jahrhunderts. Und gerade auch Rechte leiten daraus ab, dass das Genre der sog. „Israelkritik“ auch bereits blühte, als die Republik noch von Labour regiert und auch demografisch sehr viel säkularer geprägt war.
Wenn sich das alles für Sie nach sensationellen Informationen anfühlt, dann sagt das wenig über die Wissenschaften, aber viel über Sie aus.
Sie könnten ja auch einfach erkenntnistheoretisch akzeptieren, dass sich Diskurse gerade auch in Demokratien tatsächlich weiter entwickeln – und es geradezu absurd wäre anzunehmen, dass es über Jahrzehnte hinweg keine neuen Erkenntnisse und also auch Veränderungen geben würde. Dies gilt ja auch für ganz andere Staaten und Religionen wie etwa Indien und den Hinduismus. Finden Sie es etwa auch sensationell, dass dort heute anders argumentiert wird als zu Zeiten von Gandhi?
Oder nehmen Sie Großbritannien und den studierten Theologen (!) Charles Darwin. Er genießt höchstes Ansehen auch in der heutigen, interdisziplinären Evolutionsforschung – und zugleich gibt es keine seriöse Wissenschaftlerin, keinen seriösen Wissenschaftler mehr, die alle seine Thesen für wahr halten würden. Genau so geht wissenschaftlicher Erkenntnisfortschritt – und über Darwin schrieb ich sogar eine ganze, wertschätzende Biografie.
https://www.herder.de/theologie-pastoral/shop/p2/46233-evolution-und-gottesfrage-ebook-epub/
Ich habe übrigens gestern in Tübingen den Erkenntnistheoretiker Karl Popper sehr gewürdigt und zugleich deutlich gemacht, dass ich einige seiner Aussagen zu Platon für überzogen halte. Für beides gab es lebhafte Zustimmung der Anwesenden.
Sie könnten also langsam mal aufhören, immer wieder gegen die gleichen Feindbilder anzuschwurbeln. Mit Bildungsneid und Tunnelblick werden Sie den Wissenschaften und auch Religionen und Staaten dieser Erde nicht gerecht und auch inhaltlich nichts erreichen, @little Louis.
Ein Begriff, der zwischen diesen Stilen und Formen des Zusammenlebens zentral ist, ist der der Dominanz.
Wer dominant ist, hat das Sagen und bestimmt die Richtung.
Damit ist aber auch Verantwortung verbunden.
Geopolitisch erleben wir gerade dieses Dominanzstreben um wieder einmal Weltgeltung bzw. Weltherrschaft.
Diese Ideologie ist aus den Köpfen der Machthaber nicht raus zu kriegen.
Dominanz- und Kontrollstreben ist es auch, welches Richtung Zentralstaat geht.
Im Sport sind wir beeindruckt, wenn unsere Manschaft das Spiel beherrscht und überlegen gewinnt.
So simpel ist es auch in der Politik; geworden.
Mit Dominanz wird auch eine Monopolstellung verbunden. Das geht dann Richtung Willkür und Rechthaberei.
Es ist also Vorsicht bei und mit der Dominanz gefragt.
Die Bestrebungen in den USA Marktbeherrschung zu zerschlagen, sind ein Mittel. Ob China das für sich auch akzeptiert?
Runtergebrochen auf Demokratien sucht man die absolute Mehrheit, um durchregieren zu können.
Es ist also immer zu fragen, mit welchen Zielen Dominanzstreben verbunden ist.
Frei nach Sherlock: Weil sich alle nicht funktionierenden Lösungen selbst ausschließen, bleibt am Ende die erstbeste Lösung übrig, die funktioniert, ganz egal, wie beschissen sie auch sein mag. Für gewöhnlich ist es die erste, die Sie probieren, denn dann suchen Sie auch keine bessere. Und so muss ich erst mal prüfen, ob die Demokratie zu den funktionierenden Lösungen gehört, und wenn ja, welche, und wenn nicht – ist sie es mir wert, meine Probleme so zu ändern, dass jene Demokratie-Form, die die Interessen des Volkes am besten vertritt, zur Lösung wird?
Was Sie beschreiben, passt ins Bild – seit 1900 kollabiert die westliche Welt. In zwei Weltkriegen sind unsere Imperien implodiert, wurden erst mal zu zweien, dann blieb nur noch das amerikanische übrig. Und auch wenn das Sparen an der Vielfalt immer wieder zu Ressourcenüberfluss an anderer Stelle führte, sodass die Vielfalt aufblühen konnte – unterm Strich setzt sich die Implosion auf allen Stufen durch: Die Misswirtschaft des Kommunismus tötete das Sowjetreich zwar früher, doch die Misswirtschaft des Kapitalismus war bereits dabei, die westlichen Demokratien zu Diktaturen zusammen zu hungern. „Misswirtschaft“ kann ein sehr relativer Begriff sein, weil sie von großen, wenn auch kurzzeitigen Erfolgen vorangetrieben wird.
Wenn Sie die Politik ändern, ohne die Wirtschaft zu ändern, setzt die Wirtschaft trotzdem mehr von dem durch, was Sie schon haben. Der Westen hatte großen Erfolg bei der Weiterentwicklung seiner Werte, doch er scheitert daran, die Zivilisation zu ernähren, die diese Werte zum Leben brauchen.
In Europa wie in all seinen Staaten ist es wichtiger, dem Nachbarn zu schaden als sich selbst zu nützen. In so einer Gemeinschaft ist das die richtige Strategie: Wenn der Nachbar von Kooperation mehr profitiert als Sie, werden Sie relativ schwächer und er wird Ihnen mehr schaden können, und wenn alle schwach sind, müssen sie sich auf ihr eigenes Überleben konzentrieren und haben weniger Zeit und Macht, einander zu schaden.
Wir betreiben also eine sinnvolle Politik der gewollten Schwäche, die leider die Nebenwirkung hat, dass wir zu leichter Beute werden. Wir sind in dem Stadium von Indianern, die mit Feuerwasser fertig gemacht werden, die Spinnen der Welt spritzen uns allerlei Magensäure – Gas, Öl, Propaganda, Geld, Kokain, Aktien, Pixel-Rauschgift – um die Fliege von Ihnen aufzulösen und auszuschlürfen. Und weil wir selbst mit schlürfen dürfen, machen wir eifrig mit, denn eine andere Futterquelle als Eigenfleisch haben wir nicht mehr.
[Jetzt wird es doch zu lang & zu unangenehm. Ab hier gekürzt / beendet, M.B.]
Das Komplementär zur Dominanz ist die Unterverfung bzw. die Unterwürfigkeit.
Deutlich bei Befehl und Gehorsam oder bei der Findung einer Entscheidung mit Weisung oder milder bei der Frage, wer hat das bessere Argument.
Dominanz und Unterwerfung sind Gefühle, die nahe an Macht und Ohnmacht liegen und mit ihnen in Verbindung stehen.
Autarkheit und Autonomie sind ebenfalls zwei Grundemotionen, die sowohl auf das Individuum als auch auf einen Staat angewendet werden kann.
Was bedeutet also das ‘Spiel’ zwischen den Individuen und Gesellschaften?
Dominanz und Stärke bringt einen in größere Abhängigkeiten des Handelns, als Souveränität.
Führen und Folgen bedeutet mehr Verantwortung für das globale, staatliche und individuelle Sein.
Europa ist in der Situation, darüber neu zu bestimmen. Egal ob Weltraum, Ökonomie und Ökologie, es verliert an Bedeutung.
Umso deutlicher muss es seine Demokratie und den Wert der Aufklärung in Völkerrecht, Menschenrecht und im Völkerverbund aufrecht erhalten. So schwer es auch fällt und eventuell mit zeitweiligen Verlusten zu kämpfen hat.
Gesellschaftlich und Institutionell kommunikativ haben sich die Emotionen, Intuitionen, die Empathie in den Vordergrund gespielt.
Ich halte eine fairen abgerüsteten Diskurs zu Sachfragen für nötig. Es ist mir alles zu emotionalisiert.
Wie wir anhand von Dominaz-/Unterwerfungsverhalten sehen, kann es durchaus rationaler zugehen.
@Mussi
Danke, aber das ist mir noch zu konstruktivistisch. Dominanz, Dialog usw. sind selten stabile Charaktereigenschaften, sondern werden von Menschen performativ inszeniert. Der liebste Konsensdemokrat mag seinem Fußballverein die Tabellenführung wünschen. Die strengste Chefin kann privat eine verlässliche Freundin sein. Der zurückhaltende Jugendliche kann Ballerspiele genießen und die feine Dichterin schnelle Autos lieben. Manche Nonne spielt ehrgeizig Schach und mancher Philosoph lässt im Internet den Emotionen freien Lauf. Gerade auch als Dungeons & Dragons-DM habe ich immer wieder die Freude von Menschen erleben dürfen, verschiedenste Identitäten performativ und spielerisch erkunden zu dürfen. Mir fällt kein gesunder Mensch mit nur einer eindimensionalen Identität ein.
Aus meiner Sicht besteht „jede“ Regierungsform aus performativen Rollen – eine Monarchie sogar noch viel deutlicher als jede Demokratie. Und während ich zustimmen würde, dass etwa eine Konkurrenzdemokratie eher autoritäre und dualistische Charaktere anziehen und verstärken kann, eine parlamentarische Konsensdemokratie eher dialogischen Monismus befördert, so meine ich doch, dass wir es immer mit einer Vielfalt von Menschen zu tun haben, die wiederum auch in sich vielfältig sind.
Herzlichen Dank für Ihre dialogisch anregenden Gedanken, @Mussi 🙌
@Martin Holzherr 04.12. 11:55
„…Deutschlands Automobilhersteller müssten mit China kooperieren und dort ihre Autos herstellen,..“
Der Handelsbilanzüberschuss Chinas Betrug 2024 990 Mrd US-Dollar. Offenbar dürfte das die chinesische Währung mittelfristig verteuern, und so als Korrektiv wirken und chinesische Produkte durchweg verteuern. Zusätzlich zu den Zöllen, die aktuell erhöht wurden.
Wir können doch mit chinesischen Komponenten in Europa weiter produzieren. Oder chinesische Firmen motivieren, in der EU zu produzieren, sogar?
Wenn ein Sammeltaxisystem auf Basis von selbstfahrenden E-Autos in 10 der 15 Jahren kommt, brauchen wir sowieso nur noch eine Bruchteil der derzeit produzierten Fahrzeuge. Dann müssen wir uns global eben was anderes überlegen als so viele Autos zu bauen.
Ich freue mich schon drauf. Oder weniger Arbeiten, darauf auch.
@Tobias Jeckenburger (Zitat): Dann müssen wir uns global eben was anderes überlegen als so viele Autos zu bauen.
Es gibt doch keine wirkliche globale Gemeinschaft und damit gibt es kaum (Zitat) „global etwas anders zu überlegen“. Die USA, China, Indien, Europa, die Schwellen- und Entwicklungsländer befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungsphasen und haben unterschiedliche Interessen. Die ASEAN-, BRICS und OECD-Staaten sind nicht einmal durchaus freundlich und kooperativ zueinander eingestellt, sondern sie verfolgen je andere, teils konträre Ziele. Wenn die BRICS-Staaten etwa eine neue globale Währung schaffen wollen, dann stellen sie sich damit diametral gegen die Interessen der USA.
Technologisch ist aber vieles absehbar: Autonom verkehrende Taxis und Busse etwa werden den Besitz von Privatfahrzeugen weniger attraktiv machen – und das tatsächlich global. Nur kommt es eben schon darauf an, wer diese Technologie beherrscht und quasi besitzt und wer nur ein Trittbrettfahrer ist.
Kurzum: Vieles spricht dafür, dass Europa immer weniger die technologische Entwicklung bestimmt und dass auch die Ausstrahlung Europas immer mehr abnimmt. Wir werden als Europäer immer mehr zu reinen Konsumenten von Technologie und sind nicht mehr Gestalter.
@Martin Holzherr 04.12. 11:55
„Wir werden als Europäer immer mehr zu reinen Konsumenten von Technologie und sind nicht mehr Gestalter.“
Was denn nun wohl unvermeidlich ist, wenn aus Entwicklungsländern Schwellenländern und aus Schwellenländern Länder werden, die mit uns gleichgezogen haben. Ist das ein Problem? Immerhin geht es den Menschen da jetzt echt besser. Und das war wohl auch einfach eine Frage der Zeit, dass das passiert ist.
Was wir einkaufen und konsumieren bleibt allerdings echt in unserer Hand. Wenn wir die Energiewende durchziehen wollen, dann geht das auch. Und wir sind immer noch nicht völlig abgeschlagen, haben sogar noch einen europaweiten Außenhandelsüberschuss von 150 Mrd Euro im letzten Jahr.
Aber wir sind als EU inzwischen nur ein zunehmend kleiner Teil von gerade mal 5 % der Weltbevölkerung. Das muss man sich auch mal klar machen.
Freie Software wäre entsprechend sowieso auch ein globales Projekt. Nicht unbedingt um groß Geld zu verdienen, sondern vor allem um mit einer rundherum transparenten IT leben und arbeiten zu können.
@ Blume
Ich sehe keinen Widerspruch bei der Performativität hinsichtlich Dominanz und Unterwerfung. Krieg und Frieden z. B. beruht auf diesen Entitäten.
Herzlichen Dank & Zustimmung, @Mussi
Weil es auch im Weltethos – Vortrag an der Uni Tübingen wieder Thema war, habe ich heute morgen mein Verständnis von Frieden gevloggt:
“Frieden ist, wo wir sicher und frei vielfältig sein dürfen.”
https://www.youtube.com/shorts/ql6lWETEk0c
In einer wirklich parlamentarischen Konsensdemokratie – wie sie in unserem Grundgesetz angelegt ist – gibt es mehr Dialog und weniger “Dominanz und Unterwerfung” als wir sie leider auch heute im deutschen Bundestag sehen.
Aber selbst etwa in Software-Fragen sehe ich Verbesserungspotential und habe dazu aus aktuellem Anlass gepostet:
„Microsoft hat eine signifikante #Preiserhöhung für Microsoft 365 angekündigt. Ab Juli 2026 werden die Preise einiger Lizenzen um bis zu 25 Prozent angehoben. Das gilt für die Business-#Abos von Microsoft 365 und für E- und F-#Lizenzen in Office 365.“
Ich wäre auch aus Gründen von #Sicherheit, #KI – Souveränität & #Wirtschaft glücklich, wenn staatliche Stellen der #EU von nichteuropäischen Konzernen wie #Microsoft auf je angepasste #FOSS – Software umstellen würden.
https://sueden.social/@BlumeEvolution/115666886414488555
Dominanz und Unterwerfung, Dialog, Demokratie, Republik, Parlamentarismus und Frieden sind aus meiner Sicht eigentlich immer performative Begriffe.
Ja, die oppositionelle Junge Gruppe wird doch zur fraktionellen Kanzlermehrheit.
Ist halt immer die Frage, was sich durchsetzt, dominiert.
Nein, @Mussi – die Junge Gruppe will ja “gerade nicht” Opposition sein, sondern ihr grundgesetzliches Recht auf konstruktive Mitarbeit an Gesetzen und Haushalten auch umsetzen. Und das ist in der Form der Parteien – Konkurrenzdemokratie seit 1961 mit Koalitionsverträgen, Koalitionsausschüssen, Parteien – Kommissionen etc. kaum noch möglich.
Mich betrübt das mediale Gerede über “Abweichler”, “Rebellen” usw. sehr, da es zeigt, dass auch spezialisierte Journalistinnen und Journalisten oft gar kein Gespür mehr dafür haben, wie unser Grundgesetz eigentlich formuliert wurde. Stattdessen wird der parteipolitische Dualismus bisher weitgehend nachgeplappert, nach dem Abgeordnete nur “Regierung” oder “Opposition” sein könnten. Und genau so ist unser Bundestag laut GG “nicht” angelangt – und für einen solchen Ja-Nein-Dualismus bräuchte es auch keine 630 Abgeordneten mit Tausenden Mitarbeitenden…
@ Blume
Ich frag mich, ob Ihre Gedanken zum Konstruktivismus vs Performativität nicht ebenfalls konstruktivistisch sind?
Da lässt sich über trennendes, aber auch gemeinsames zwischen beiden trefflich debattieren.
Ich habe nichts gegen Dialog, im Gegenteil.
Was Sie als dual bezeichnen ( eben nicht dualistisch) bezeichne ich allenfalls als komplementär.
Möglicherweise ist das der minimale sprachanalytische Unterschied zwischen uns.
Es ist ein lediglich akademisches Problem.
Ja, @Mussi – ich glaube auch, dass wir eigentlich wohl gar nicht weit auseinander liegen. Irgendwie gehört es halt zu Ihrer Selbstinszenierung, dass Sie gerne mit kurzen, bisweilen dominant wirkenden Drukos hier auf dem Blog auftauchen. Und wenn ich dann die einzelnen Begriffe “aufbohre”, dann stellen wir meistens fest, dass es da eigentlich gar keinen (großen) Dissens gibt.
Und, nein, mein Verständnis von Performativität entstand gerade in der langen und nicht einfachen Ablösung vom Konstruktivismus (auf dessen Basis ich noch promoviert hatte). Es gibt sogar einen Song auf der Basis eines Gedichtes von mir dazu! 🙂
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/songtext-performativitaet-von-inan-ince-nach-text-von-michael-blume/
Vielleicht wollen Sie ja auch ein wenig daran arbeiten, sich hier auf dem Blog mit weniger Dominanz und mehr Dialog zu inszenieren? Nur so als Anregung…
Politik versus Gesellschaft/Wirtschaft
Deutschland, ja ganz Europa, hat heute ein Politikumfeld in dem vitale Fragen für die zukünftige Wirtschaft und Gesellschaft gar nicht mehr angegangen werden. Europa hat seinen technischen Impetus und vor allen auch seine Selbstständigkeit und Autonomie immer mehr verloren. Der grösste Einfluss kommt aus den USA, die Europa (seit WW2) verteidigen sollen und die seit 2000 mit Apple, Microsoft, Amazon, Meta etc. unseren digitalen Alltag bestimmen und die neuerdings selbst Themen der Linken in Europa vorgeben, denn Political Correctness, Wokeness, Aneignung, Safe Spaces, Identitäre Politik und alles was dazugehört kommt aus dem akademischen Raum der USA, es sind dort Campus- und Gesellschaftsthemen und sie werden 1:1 von der europäischen Linke übernommen.
Und es kommt noch schlimmer, denn nun sind bereits chinesische Einflüsse in Europa zu verspüren, etwa über Firmenübernahmen oder KI-Technologie wie DeepSeek, das immer mehr von EU-Firmen eingesetzt wird. Nun, Einflüsse sind nicht per se schlecht, nur ist eben zu befürchten, dass es mehr als Einflüsse sind, sondern dass sich eine zunehmende Abhängigkeit entwickeln wird.
Generell widmet sich die Politik viel zu wenig technisch/wirtschaftlichen Themen. Heute morgen etwa habe ich eine Sendung über Redispatch-Massnahmen in Deutschland gesehen in der gesagt wurde, dass der einheitliche Strompreis in Deutschland bewirken kann, dass eine Stromüberproduktion an der Nordsee bewirkt, dass in Bayern Grossbatterien zu laden beginnen, weil der Strompreis deutschweit fällt und man mit Speichern von billigem Strom Geld verdienen kann. Das aber kann genau dann passieren, wenn in Bayern zu wenig Strom im Netz ist. Grund: Es gibt nur einen Strompreis in ganz Deutschland, dieser Strompreis steuert die Stromerzeugung und Stromspeicherung deutschlandweit, nur dass es ein Irrtum ist zu glauben, der Strombedarf sei in ganz Deutschland überall und jederzeit gleich hoch. In Bayern kann Strommangel herrschen während es an der Nordsee Überfluss gibt.
Politiker aber haben sich immer wieder für einen einheitlichen Strompreis in ganz Deutschland eingesetzt. Politische, angeblich der Gerechtigkeit dienende Ziele, sind also in Deutschland wichtiger als wirtschaftliche/energetische Ziele. Politiker wollen, dass Wirtschaft und Technologie ihnen gehorchen und nicht, dass man die für die Gesellschaft beste Lösung wählt.
Das sehe – und formuliere – ich etwas differenzierter, @Martin Holzherr
Nach meiner Auffassung ist vor allem die deutsche Bundespolitik viel zu stark mit wenigen und oft auch noch ausländischen Konzernen verbandelt, die selbstverständlich ein Interesse am Erhalt der bestehenden Profit-Strukturen ab. Das Ergebnis ist eine große Bräsigkeit, ein Bürokratismus gegenüber Neuem und manchmal auch fossile Korruption. So wurden beispielsweise über die Stromsteuer auch nur große Unternehmen entlastet, nicht die kleinen und mittleren Betriebe, die gerade auch hier in Baden-Württemberg die Wirtschaft am Laufen halten, Innovationen und Ausbildungsplätze schaffen.
Jeder Dualismus von “Politik versus Wirtschaft” verfehlt dagegen nach meiner Einschätzung sowohl den Föderalismus und Parlamentarismus nach dem Grundgesetz wie auch die riesige Bandbreite von Unternehmensformen in der Wirtschaft.
@Michael Blume: für mich ist die fehlende wirtschaftlich/technische Ausrichtung der europäischen und gerade auch der deutschen Politik Teil eines noch viel grösseren Problems: Die Politik selbst von früher seriösen Parteien ist immer mehr populistisch ausgerichtet: sie richtet sich nicht mehr nach den Fakten, sondern nach den (vermeintlichen) Wünschen der Bevölkerung und verspricht immer mehr Dinge, die sie gar nicht halten kann wie etwa höhere Renten, einen Ausbau des Sozialsystems oder halt gerade das, was im Moment gewünscht wird und im Schwange ist. Die Politiker trösten sich wohl damit, dass es ja nicht um die Zukunft des Landes geht, sondern nur gerade um ihre eigene Zukunft und das Wiedergewählt-Werden am nächsten Wahltermin.
Ja, @Martin Holzherr – genau so hatte Friedrich Merz ja gegenüber der Jungen Union argumentiert: Ohne Rentenerhöhungen gewinne niemand mehr Wahlen. Dabei sind wir schon jetzt in einem Zustand, in dem auch dringend notwendige Investitionen vor allem über Schulden – und also wiederum auf Kosten der nächsten Generationen – finanziert werden.
Viele Rechte und Liberale externalisieren die Klimakrise und fast alle, auch Linke, externalisieren die Demografie.
Doch dies und diese, @Martin Holzherr, betrifft in sogar noch größerem Ausmaß die KP-Herrschaft in China. Der ehrwürdige Drachen altert.
https://www.theologie-naturwissenschaften.de/startseite/leitartikelarchiv/demografie-und-digitalisierung-in-china
Nachahmen sollten wir dies nicht, doch tun es teilweise. Und diese Erkenntnis ist schmerzhaft, ich weiß.
@Martin Holzherr 05.12. 15:06
„Es gibt nur einen Strompreis in ganz Deutschland, dieser Strompreis steuert die Stromerzeugung und Stromspeicherung deutschlandweit,“
Was angesichts von immer mehr Kurzfristspeichern absurd ist. Man bräuchte regionale Merit-Order-Zonen, und wenn dann Strom von Zonen mit niedrigen Preisen per Hochspannungsleitung in Zonen mit höheren Preisen geleitet wird, dann kann der damit erzielte Gewinn dem Erhalt des Stromnetzes dienen und es können damit die pauschalen Durchleitungsgebühren reduziert werden.
Insbesondere für Solarstrom, der an Nachbarn in nur wenigen hundert Metern Entfernung geliefert wird.
Eine allgemeine Gerechtigkeit wäre vermutlich immer noch gegeben, insbesondere weil sich die billigen und teuren Regionen über die Zeit abwechseln und damit ausgleichen. Und wer viele Windräder im eigenen Bundesland genehmigt hat, der sollte dafür doch gerne auch belohnt werden.
Jedenfalls kann man nur so jede Menge neue Kurzfristspeicher effektiv nutzen. Und wenn sich dann neue Stromleitungen gar nicht rechnen, weil die Kurzfristspeicher auch maßgeblich ausgleichend wirken, hat man diese Investitionen auch gespart. Das Geld kann man dann lieber in den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur investieren.
@Michael 05.12. 21:41
„Dabei sind wir schon jetzt in einem Zustand, in dem auch dringend notwendige Investitionen vor allem über Schulden – und also wiederum auf Kosten der nächsten Generationen – finanziert werden.“
Naja, dann müssen wir uns vielleicht endlich mal dazu entschließen, auch hinreichend Steuern auf Kapitalertrag, Vermögen und Erbschaften zu erheben. Die derzeitig gemachten Schulden leihen ja solvente Bürger gegen gute Zinsen dem Staat, das kann man sich irgendwann immer noch vornehmen, und einfach mit entsprechenden Steuern wieder eintreiben.
Den meisten Bürgern dürfte das wohl sogar recht sein? Anscheinend nicht aber den meisten, die in unserer Gesellschaft was zu sagen haben.
„Viele Rechte und Liberale externalisieren die Klimakrise und fast alle, auch Linke, externalisieren die Demografie.“
Kinder sind ganz klar auch Investitionen, und das sehr langfristige. Offenbar so langfristig, dass es über den tatsächlichen Horizont praktisch aller Politiker geht.
Danke für die klaren Meinungen, @Tobias
„Kinder sind ganz klar auch Investitionen, und das sehr langfristige. Offenbar so langfristig, dass es über den tatsächlichen Horizont praktisch aller Politiker geht.“
Als Investitionen im Sinne eines finanziellen Erfolges habe ich auch unsere Kinder nie gesehen. Mir war immer klar, dass Kinder in Deutschland die Eltern viel kosten und der Allgemeinheit viel einbringen.
Die meisten Menschen – und zwar keinesfalls nur in der Politik – haben noch nicht begriffen, dass „ohne“ Kinder die Investitionen und die Nachfrage einbrechen. Wo es immer weniger junge Menschen gibt, wird auch immer seltener investiert. Und es werden immer weniger Autos, Maschinen, Häuser usw. nachgefragt.
Schon seit Jahrzehnten haben geburtenarme Länder wie Deutschland 🇩🇪🇪🇺, Südkorea 🇰🇷 und China 🇨🇳 ihre Überschüsse exportiert – beispielsweise in die USA 🇺🇸 mit deren überbewertetem Petrodollar. Und jetzt beschleunigen Zölle sowie die KI-Blase(n) den Zusammenbruch des alten Systems. Schon weil es eine solche, säkulare Geburtenimplosion weltweit noch nie gegeben hat, ist unklar, wohin das führt. Doch mehr Kinder, mehr erneuerbare Wohlstandsenergien mit Wertschöpfung im Inland, mehr Recycling und auch der von Dir gerne betonte Verzicht auf Überflüssiges sind im 21. Jahrhundert ganz sicher hilfreich.
Habe heute Morgen dazu gepostet:
Guten Morgen – Tässle Kaffee ☕️?
Viele hier plädieren schon länger für erneuerbare #Friedensenergien statt fossiler Abhängigkeit, für #FOSS statt #Microsoft.
„Die Regierung #Trump und dessen #MAGA-Bewegung unterstützen seit langem Parteien und Akteure aus dem Rechtsaußenlager in Europa. Anfang des Jahres forderte etwa US-Vizepräsident JD #Vance deutsche Parteien auf, mit der #AfD zu kooperieren. Der damalige Trump-Sonderberater Elon #Musk warb für die Wahl der AfD.“ #USA
https://sueden.social/@BlumeEvolution/115670844973647498
Gerade auch auf Baden-Württemberg mit seiner Landtagswahl am 8. März 2026 kommen sehr spannende Zeiten zu…
“….Ich habe übrigens gestern in Tübingen den Erkenntnistheoretiker Karl Popper sehr gewürdigt und zugleich deutlich gemacht, dass ich einige seiner Aussagen zu Platon für überzogen halte. Für beides gab es lebhafte Zustimmung der Anwesenden….” (Zitatende)
Nun fragt sich Little Louis halt, wie man sich immer wieder (in der Vergangenheit) positiv gerade auch auf Poppers Werk ” Die offene Gesellschaft und ihre Feinde” beziehen kann, dann aber dessen Platonkritik für “überzogen” hält. Denn Poppers Platonkritik bildet geradezu das Fundament dieses Werkes.
Nicht zuletzt in Bezug zu Poppes Kritik der “geschlossenen” bzw. autoritären bis totalitären Gesellschafts- und Regierungsformen.
Eine vorheriger Antwortkommentar auf L.L. lässt in mir die zaghafte Hoffnung aufkeimen , dass da vielleicht doch (allerdings eher schleichend) eine Art von Paradigmenwechsel im Gange ist. Falls ja , muss sich noch erweisen, ob ehrlich wissenschaftlich aufgrund von Erkenntnissen oder politischen Lagebildern der neueren Art , oder doch eher aufgrund von Mechanismen, die Thomas S. Kuhn vor langer Zeit schon so treffend beschrieben hat.
Nun, @little Louis – ich hatte es Ihnen doch sogar mit Namen und Link zu vermitteln versucht: Gerade „weil“ ich Charles Darwin überaus schätze und sogar eine Biografie über ihn verfasst habe, habe ich seine Begriffe und Thesen zur Evolution von Religion wieder und wieder kritisch-konstruktiv geprüft. Denn das scheint mir der erkenntnistheoretische Grundinterschied zwischen uns zu sein: Ich erkenne mit Popper an, dass kritisch-konstruktive Falsifikation der Königsweg der Wissenschaft und die höchste Form der Anerkennung ist.
Sie scheinen zu glauben, dass es darauf ankomme, große Geister entweder nachzubeten oder zu verdammen. Das meinen Sie wohl mit „Paradigmenwechsel“ gemeint. Doch das Gegenteil ist wahr: Wenn Sie einen Wissenschaftler oder (falls Sie sich trauen) sogar eine Wissenschaftlerin wirklich gut finden, dann erstarren Sie doch bitte nicht in Ehrfurcht, sondern befassen Sie sich intensiv und kritisch-konstruktiv mit den Hypothesen, Begriffen, Thesen und entwickeln Sie diese weiter!
Seien Sie sich bewusst, dass jede Generation Zwerge hervorbringt, die auf die Schultern von Riesen steigen. Sie können ein wenig weiter sehen, weil sie respektvoll falsifizieren.
Ihnen die besten Wünsche für das Wochenende! 😌🙌
@Michael 06.12. 07:42
„Wo es immer weniger junge Menschen gibt, wird auch immer seltener investiert. Und es werden immer weniger Autos, Maschinen, Häuser usw. nachgefragt.“
Ich weiß nicht. Kaum Neubaubedarf z.B. kann dann in die energetische Sanierung der Bestandsgebäude umgeleitet werden. Soweit die Konsumseite.
Weniger Kinder bedeuten dann später weniger Arbeitskräfte, also kann man dann später auch nur noch weniger produzieren. Was dann wiederum gut zu weniger Konsum und auch weniger Investitionen passt.
Was dann alles wieder auf dem Hintergrund von KI-Automatisierung läuft, samt möglicherweise humanoiden Robotern, die alle möglichen Arbeiten übernehmen können. Und Roboter könnten doch auch Steuern zahlen.
Ich sehe den Geburtenmangel auf jeden Fall einfach als eine Verschwendung von Lebensmöglichkeiten. Und würde eine nur noch moderate Schrumpfung bevorzugen, insbesondere, wenn auch noch die weiterer Zuwanderung dauerhaft zurückgeht.
Das wäre schön, @Tobias – wer jedoch weiß, dass sich Wohnungen bald nicht mehr vermieten lassen, wird weder bauen noch sanieren. Sondern verfallen lassen. Und genau das sehen wir doch bereits auch in deutschen Regionen mit Leerstand!
“Nicht nur im brandenburgischen Mühlberg haben sie mit Leerstand zu tun. “Geisterhäuser” oder “Schrottimmobilien” sind ein deutschlandweites Phänomen, zu finden vor allem dort, wo es zu “besonderen Strukturbrüchen” und “Schrumpfungsphasen” gekommen ist. Das hebt Mathias Metzmacher, Referatsleiter im Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, hervor, und er nennt neben den “neuen Ländern” das Ruhrgebiet als Beispiel oder Bremerhaven. Metzmacher gibt den “Leitfaden zum Umgang mit Problemimmobilien” heraus.“
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/immobilienmarkt-erbe-schrottimmobilien-100.html
Der Einbruch der Bauwirtschaft und die drohende Insolvenz auch großer Baukonzerne gehört zu den größten Problemen von China, das auch deswegen auf der Suche nach frischem Geld massive Überschüsse zu exportieren versucht…
@Michael 06.12. 07:42
„..wer jedoch weiß, dass sich Wohnungen bald nicht mehr vermieten lassen, wird weder bauen noch sanieren.“
Ein Teil der Wohnungen müssen dann in der Tat aufgegeben werden, wer aber überhaupt noch Mieter haben will, der muss trotzdem renovieren. Und Grüne Technik einbauen.
Das wäre immer noch eine gewisse Katastrophe für Besitzer von Mietwohnungen und auch für die Bauwirtschaft. Ich bin aber ganz klar Mieter, und mir käme es zugute.
Und wer in der eigenen Immobilie wohnt, dem kann es eigentlich völlig egal sein. Solange er sie nicht verkaufen will natürlich.
Man soll aber nicht übertreiben, und eine Schrumpfung der tatsächlichen Gesamtbevölkerung sollte auch meiner Meinung nur recht moderat sein.
Hier in Dortmund, auch Ruhrgebiet, ist der Wohnungsmarkt eher moderat florierend, und es wird auch Einiges neu gebaut und meine Wohnungsgenossenschaft renoviert fleißig alles was fällig ist. Was mit Sicherheit ohne die vielen Einwanderer ganz anders aussähe.
Aber ganz egoistisch, wäre mir weniger mehr, mit weniger Mietzahlungen und auch wenn ein Wohnungswechsel einfacher wäre.
Man muss sich das glaube ich auch ganz lokal angucken. Städte wie Münster oder Düsseldorf sind für Mieter eine Katastrophe. Duisburg, Gelsenkirchen und so mancher Landkreis in NRW sind für Vermieter ein Katastrophe. Die Entscheidung, wie viele weitere Einwanderer man haben will, sollten m.E. deshalb unbedingt die Kommunen selber entscheiden.
Und PV auf den Dächern samt integriertem Kurzfristspeicher ist eine Sache für sich, solange der so erzeugte Strom in Dortmund selbst verbraucht werden kann, lohnt sich das. Wie schon öfter gesagt, stehen dem hier die zu pauschalen Durchleitungsgebühren im Wege. Mit der sonstigen Situation auf dem Wohnungsmarkt hat das wenig zu tun. Da zählt nur der tatsächlicher Strombedarf.
Und mit weniger allgemeiner Bautätigkeit haben auch die Handwerker mehr Zeit die PV einzubauen. Und andere Grüne Technik.
„Der Einbruch der Bauwirtschaft und die drohende Insolvenz auch großer Baukonzerne gehört zu den größten Problemen von China,..“
Ein zuviel an Zubau und eine zu späte Realisierung angesichts der eigentlich absehbaren Folgen des Kindermangels mögen hier das Problem verschärft haben. Das haben wir derzeit in Deutschland beides nicht. Hier fehlen definitiv bezahlbare Wohnungen und gerade junge Leute müssen deutlich länger bei den Eltern wohnen bleiben als wie sie eigentlich wollen.
Vielen Dank, lieber @Tobias
Auch wegen Deines Interesses an neueren Betrachtungen der Demografie habe ich hierzu nun extra gebloggt:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/peak-child-zeitenumbruch-auch-durch-die-saekulare-geburtenimplosion/
Gerne könnten wir die Diskussion dort fortführen und vertiefen.
Guten Abend, @Michael,
Auf Mastodon gab es ja eine Diskussion zum Umgang mit Schutzbedürftigen.
Welche Auswüchse unsere Konkurrenzdemokratie mitsamt Fraktionsdisziplin annimmt, kann man gerade daran sehen, wir der SPD-Menschenrechtsbeauftragte Lars Castellucci mit der Causa afghanische Ortskräfte umgeht. Deutlicher kann man es nicht ausdrücken:
Koalitionszwang geht vor Gewissen: der SPD-Menschenrechtsbeauftragte stimmt mit folgender Begründung gegen einen Antrag, Afghanen mit Aufnahmezusage einreisen zu lassen (FR-Artikel):
“Bei den aktuellen Mehrheitsverhältnissen im Bundestag wäre es gerade in der Migrationspolitik der Sache sicherlich nicht zuträglich, wenn die Koalitionsmitglieder zukünftig nicht mehr gemeinsam abstimmen.”
Da fehlen mir die Worte. Herr Castellucci sollte darüber nachdenken, ob er wirklich für die Menschenrechte einzustehen bereit ist.
Habe ganz herzlichen Dank, lieber @Peter 🙏
Es freut und ehrt mich sehr, dass der “Mehr Grundgesetz wagen”-Erklärfilm auf Mastodon zum Tübingen-Vortrag bereits einige Resonanz gefunden hat:
https://www.youtube.com/watch?v=BeGhV302gR4
Doch die fortgesetzte Rechtsmimesis bis in den deutschen Bundestag hinein bewegt und bedrückt auch mich sehr. Ich habe deswegen heute zum “Be this Man”-Mem aus der NS-Zeit gebloggt und dabei auch auf diesen Druko von Dir hier verlinkt.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/rechtsmimesis-widerstand-ein-foto-mem-zur-deutschen-geschichte/
Vielen herzlichen Dank Dir für Deine Beiträge zum Dialog und zum Widerstand gegen den zunehmend menschenverachtenden “Rechtsruck”, der weltweit Gesellschaften entsolidarisiert. Leider auch wieder mitten in Europa.
Kleine Korrektur zu meinem Kommentar vom 10.12.2025, 17:15 Uhr, die aber an meiner Aussage nichts Wesentliches ändert: der Menschenrechtsbeauftragte hat nicht gegen den Antrag der Grünen gestimmt, sondern nicht mit abgestimmt. Das macht es aber nicht besser, denn so hat er auch eine Chance vertan, im Sinne der Menschenrechte Stellung zu beziehen.
Danke für den Hinweis, @Peter Gutsche. Die Nicht-Teilnahme an der Abstimmung statt der eigentlichen Abstimmung bringt das Dilemma auch dieses Bundestagsabgeordneten ja leider auf den Punkt.
Felo.ai erfasst das Problem bereits:
## Wie beeinflussen Koalitionsverträge die Unabhängigkeit der Abgeordneten im Deutschen Bundestag?
Koalitionsverträge haben einen erheblichen Einfluss auf die Unabhängigkeit der Abgeordneten im Deutschen Bundestag, obwohl diese laut Artikel 38 des Grundgesetzes nur ihrem Gewissen unterworfen und nicht an Weisungen oder Aufträge gebunden sind. Die Praxis der Koalitionsverträge führt jedoch zu mehreren Einschränkungen:
### **1. Einschränkung der Gewissensfreiheit**
– Artikel 38 GG garantiert den Abgeordneten ein freies Mandat, das sie vor Weisungen und Aufträgen schützt. Koalitionsverträge, die von Parteiführungen ausgehandelt werden, setzen jedoch faktisch eine Art Fraktionszwang durch. Abgeordnete werden dazu gedrängt, sich an die im Vertrag festgelegten politischen Ziele und Maßnahmen zu halten, was ihre Entscheidungsfreiheit einschränkt[1][6][8].
### **2. Fraktionsdisziplin als indirekter Zwang**
– Obwohl ein rechtlicher Fraktionszwang nicht existiert, wird durch die sogenannte Fraktionsdisziplin erwartet, dass Abgeordnete die im Koalitionsvertrag festgelegten Positionen unterstützen. Dies geschieht oft aus parteiinternem Druck, um Geschlossenheit zu demonstrieren. Abweichungen von der Fraktionslinie können negative Konsequenzen für die politische Karriere eines Abgeordneten haben[5][16].
### **3. Machtkonzentration bei Parteiführungen**
– Koalitionsverträge werden in der Regel von Parteivorsitzenden und nicht von den Abgeordneten selbst ausgehandelt. Dies führt dazu, dass die Parteiführungen die politische Agenda dominieren, während die Abgeordneten in ihrer Rolle als Vertreter des Volkes geschwächt werden. Diese Praxis widerspricht dem Grundsatz, dass Abgeordnete frei und unabhängig agieren sollen[1][13].
### **4. Demokratische Defizite**
– Die Praxis der Koalitionsverträge kann die parlamentarische Demokratie schwächen, da wichtige Entscheidungen bereits im Vorfeld durch die Parteiführungen getroffen werden. Dies reduziert die Möglichkeit für offene Debatten und Kompromisse im Bundestag und schränkt die Rolle des Parlaments als Kontrollorgan ein[3][13].
### **5. Kritik an der Verfassungsmäßigkeit**
– Einige Kritiker, wie Dr. Michael Blume, sehen in der Praxis der Koalitionsverträge eine bewusste Ignoranz gegenüber der Verfassung. Sie argumentieren, dass diese Verträge die Unabhängigkeit der Abgeordneten untergraben und die parlamentarische Demokratie zugunsten einer parteiinternen Machtkonzentration schwächen[13].
### Fazit
Koalitionsverträge beeinflussen die Unabhängigkeit der Abgeordneten erheblich, indem sie faktisch einen Fraktionszwang etablieren und die Macht der Parteiführungen stärken. Dies steht im Spannungsverhältnis zu den verfassungsrechtlichen Prinzipien des freien Mandats und der Gewissensfreiheit der Abgeordneten. Kritiker fordern daher eine stärkere Rückbesinnung auf die Grundsätze des Grundgesetzes und eine Reduzierung des Einflusses von Koalitionsverträgen auf die parlamentarische Arbeit.
[1] https://www.oedp.de/aktuelles/blog-montagsgedanken/newsdetails/news/koalitionsvertrag-und-grundgesetz
[2] https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_38.html
[3] https://www.jstor.org/stable/27285093
[4] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundesverfassungsgericht-billigt-spd-mitgliedervotum-ueber-koalition-a-937616.html
[5] https://www.bundestag.de/services/glossar/glossar/F/fraktionsdisziplin-857034
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Artikel_38_des_Grundgesetzes_f%C3%BCr_die_Bundesrepublik_Deutschland
[7] https://www.bundestagswahl-bw.de/wahlsystem
[8] https://taz.de/Debatte-Parlamentarismus/!5422630/
[9] https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2016/05/es20160503_2bve000414.html
[10] https://www.tagesschau.de/faktenfinder/kontext/meinungsfreiheit-koalitionsvertrag-100.html
[11] https://de.wikipedia.org/wiki/Koalitionsregierungen_in_Deutschland
[12] https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/regierung-bildung-koalition-vorgespraech-ignoranz-verfassung
[13] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-bundes-koalitionsvertrag-von-1961-als-abweg-vom-grundgesetz/
[14] https://www.iwkoeln.de/studien/knut-bergmann-christian-rusche-koalitionsverhandlungen-spieltheoretisch.html
[15] https://wahlbilanz.de/2017/06/ueber-fraktionsdisziplin-und-den-koalitionsvertrag/
[16] https://www.tagesschau.de/inland/fraktionszwang-ts-100.html
Noch eine zusätzliche Bemerkung:
Auf der Seite des Bundestags bekommt man ganz eindrücklich vor Augen geführt, dass sich das Abstimmungsverhalten bei dem besagten Antrag für Visa-Vergabe für Afghanen mit Aufnahmezusage stramm an der Parteizugehörigkeit orientiert hat.
Das ist schon sehr verwunderlich bei einem Thema, bei dem es um Menschlichkeit und – ja – Menschenwürde geht. Hier hätte ich erwartet, dass dem Gewissen einen Vorzug vor der Parteizugehörigkeit gegeben wird.
Vielen Dank, @Peter
Ja, angesichts der realen Gleichschaltung und Entmachtung der Parlamente fragen sich immer mehr Menschen zu Recht, warum sie so viele Abgeordnete wählen und bezahlen sollen.
Musste dazu heute posten:
Warum genau haben wir einen #Bundestag gewählt, wenn doch ein im #Grundgesetz gar nicht vorgesehener Parteien – #Koalitionsausschuss die #Gesetze beschließt?
„Nach stundenlangen Beratungen haben die Koalitionsspitzen ihre Ergebnisse vorgestellt. Kanzler Merz: »Das Heizungsgesetz wird abgeschafft, es wird künftig Gebäudemodernisierungsgesetz heißen.«“ #Deutschland #Parteienherrschaft statt #Parlament #Konsensdemokratie
https://sueden.social/@BlumeEvolution/115700656277231458
Hier auch ein Erklärfilm dazu:
https://youtu.be/BeGhV302gR4
Nicht nur die Politik, auch die meisten Medien haben sich seit 1961 in einer Parteien – Konkurrenzdemokratie verloren…
Ich habe dem Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung übrigens eine Email gesendet, in der ich wertschätzend und freundlich meine Haltung zum Ausdruck gebracht habe. Ich habe keine Antwort bekommen.
Herzlichen Dank, lieber @Peter 🙏
Just heute morgen postete ich auf Mastodon dazu:
Angesichts der im #Grundgesetz gar nicht vorgesehenen Übermacht der Bundes-#Parteivorsitzenden (seit 1961) in #Deutschland sind auch die politischen Stiftungen wie #KAS & #Ebert – Stiftung zu oft wichtigen, auch widerständigen Stimmen für #Bildung, #Wissenschaft & #Dialog, gegen #Rechtsmimesis geworden.
Begrüße es sehr, dass sich die Mitgliederversammlung der #KonradAdenauerStiftung nicht gleichschalten ließ, sondern Annegret #KrampKarrenbauer zur Vorsitzenden wählte.
Nach meiner Auffassung funktionierte die #Koalitionsausschuss – Demokratie in #Deutschland seit 1961 deswegen einigermaßen, weil sie den sog. #Massenmedien wie #TV & #Zeitungen entgegenkam: #Politik ließ sich gut als ewiger #Konkurrenzkampf weniger Männer & noch weniger Frauen darstellen. Der #Bundestag wurde dabei gegen Art. 38 #GG entmachtet.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-bundes-koalitionsvertrag-von-1961-als-abweg-vom-grundgesetz/
In digitalen Zeiten bräuchte es wieder eine echte, parlamentarische #Konsensdemokratie. Meine ich.
https://sueden.social/@BlumeEvolution/115751163397253551
Dazu hinterlegte ich auch dieses Video zur Rede:
https://www.youtube.com/watch?v=BeGhV302gR4
Wir können also immerhin darauf verweisen, dass wir früh auf die Bedeutung unseres gewählten Bundestages und unseres Grundgesetzes hingewiesen haben.
“…..erstarren Sie doch bitte nicht in Ehrfurcht, sondern befassen Sie sich intensiv und kritisch-konstruktiv mit den Hypothesen, Begriffen, Thesen und entwickeln Sie diese weiter!…” (Zitatende)
Nee, geht wahrscheinlich leider nicht: Sie kennen mich doch (besser als ich mich selbst !) Little Louis kann aber mal in sich hineinhören, um herauszufinden, was seine anderen (dissoziativen) ICHs dazu meinen. Mal sehen, ob einer von denen sich hierher traut.
Ja, @little Louis – wenn Sie die innere Vielfalt dialogisch integrieren, dann werden Sie dadurch nicht zum @brittle Louis, sondern zum @Middle Louis! Mindestens! 🤓😉🙌
Zum oben eingestellten und verlinkten Redeskript hatte ich heute einen atemberaubenden Gänsehaut-Moment.
Habe ihn vorhin auf Mastodon so umschrieben:
Um zu testen, ob #KI auch im Bereich der #Demokratiebildung einsetzbar ist, promptete ich Google #Notebook LM, dieses Redeskript einmal in ein #Sockenpuppen – Gespräch umzuwandeln. Denn oft verstehen wir ja Sachverhalte besser, wenn sie uns nicht linear, sondern dialogisch präsentiert werden.
Das Ergebnis raubte mir ob der Präzision & Auswahl den Rahmen, auch K3 fand nur noch kleine Fehler. Hier das #Hörstück, morgen gebe ich auch mal die Folienpräsentation dazu.
https://sueden.social/@BlumeEvolution/115691480495342896
Und hier auch direkt zum KI-generierten “Dialog”-Video:
https://www.youtube.com/watch?v=Gpt-fQpJA5U
Auch wenn mein jüngster Sohn beim Anhören noch wenige Fehler ausmachen konnte, so sehe ich das Ergebnis doch schon sehr nah am Bestehen des Turing-Tests. Eindrucksvoll, aber auch ein wenig beängstigend.
Korrektur zu meinem Kommentar
20.12.2025, 10:28 Uhr
Ich habe mittlerweile eine sehr ausführliche Antwort des Menschenrechtsbeauftragten bekommen. Das weiss ich sehr zu schätzen. Das wollte ich hier festhalten und würdigen.
Vielen herzlichen Dank für diese erfreuliche und wichtige Ergänzung zu Deinem Kommentar, @Peter Gutsche 🙏👍
Habe just heute Morgen eine zu unserem Dialog passende These auf Mastodon zur Abstimmung gestellt:
Politikwissenschaftliche These für Anspruchsvolle:
Durch die medial befeuerte #Rechtsmimesis von demokratischen Parteien der Mitte werden sowohl Rechts- wie dann auch #Linksparteien gestärkt.
Was meinst Du?
https://sueden.social/@BlumeEvolution/115762440278968428
Schon angesichts der zahlreichen und überwiegend konstruktiven Rückmeldungen dazu freue ich mich auf weitere, religions- wie auch politikwissenschaftliche Dialoge auch hier auf “Natur des Glaubens” dazu! Denn ich war ja bundesrepublikanisch-zivilreligiös, lange bevor ich christlich-religiös geworden bin.
Dir und den Deinen von Herzen frohe und gesegnete Weihnachten sowie einen guten Rosch ins Jahr 2026! 🌞🙌
Musste heute zur krassen SPIEGEL-Schlag-Zeile “Koalitionsausschuss: Merz benennt Heizungsgesetz um.” auf Mastodon posten:
Warum genau haben wir einen #Bundestag gewählt, wenn doch ein im #Grundgesetz gar nicht vorgesehener Parteien – #Koalitionsausschuss die #Gesetze beschließt?
„Nach stundenlangen Beratungen haben die Koalitionsspitzen ihre Ergebnisse vorgestellt. Kanzler Merz: »Das Heizungsgesetz wird abgeschafft, es wird künftig Gebäudemodernisierungsgesetz heißen.«“ #Deutschland #Parteienherrschaft statt #Parlament #Konsensdemokratie
https://sueden.social/@BlumeEvolution/115700656277231458
Interessante Drupos (Drunter-Posts) dazu kommen gerade zahlreich rein…
Hallo @Michael, passend zu Deinem Kommentar 20.12.2025, 10:42 Uhr,
Ich finde das Narrativ, das in der FR zur Wahl bei der Konrad-Adenauer-Stiftung verbreitet wird, sehr bedenklich. Statt positiv eine noch lebendige demokratische Kultur zu sehen, wird die Wahl von Frau Kramp-Karrenbauer als Führungsschwäche des Kanzlers geframed.
Und die berechtigte Intervention der jungen Unionsabgeordneten wird als ein “Aufmischen” diskreditiert:
“Monatelang hatte sich die Regierungskoalition ein öffentliches Scharmützel geliefert und von einer Gruppe Jungunionist:innen aufmischen lassen.”
Es scheint, dass in den Medien die Story der “Konkurrenzdemokratie” einfach besser “zieht”.
Ja, @Peter – ganz genau so erlebe (und befürchte) ich das auch.
Die sog. Massenmedien des 20. Jahrhunderts sollten ja möglichst breite Zielgruppen ansprechen & also Inhalte “massentauglich” machen. Da war Politik und damit eben leider auch Demokratie doch sehr viel “interessanter” als ein ewiges Konkurrenzdemokratie-Tauziehen weniger Männer und noch weniger Frauen zu inszenieren.
Und prompt folgte auf meine Freude über die Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer zur Vorsitzenden der Konrad-Adenauer-Stiftung auf Mastodon auch gleich wieder ein Macker-Kommentar, der ohne ein einziges Argument ihre Kompetenz in Frage stellte. Das hatten wir auch im Fediversum ja schon zur EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen diskutiert.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/rede-der-eu-kommissionspraesidentin-ursula-von-der-leyen-cdu-evp-fuer-den-globalen-ausbau-erneuerbarer-friedensenergien/
Auch ich selbst hatte ja schon die bittere Medien-Erfahrung machen müssen, dass eine interreligiöse und stark besuchte, inhaltlich herausragende Veranstaltung an der Universität Tübingen nach dem Israel-Gaza-Krieg auf die Meldung eines gar nicht anwesenden Journalisten heruntergeschrieben wurde, ich hätte die Umbenennung der Universität gefordert, vgl.:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-israel-gaza-krieg-ist-keine-false-flag-operation-sondern-fossiles-versagen/
Immerhin hatte damals schon geholfen, dass ich die Rede und den Bericht gebloggt hatte. Und so habe ich auch die leise Hoffnung, dass mit dem Zerbröseln der alten Massenmedien-Konkurrenzdemokratie auch eine neue Wertschätzung der parlamentarischen Konsensdemokratie erfolgen könnte. Meinen kleinen Teil will ich gerne dafür tun und danke Dir von Herzen für Dein Interesse und Deine Unterstützung! 🙌
Hallo @Michael,
Um dies auch an dieser Stelle festzuhalten: In der Sendung vom 7. Januar 2026 bei Markus Lanz bringt Daniel Günther meines Erachtens prägnant auf den Punkt, was Du im Zusammenhang mit dem Konzept der Konsensdemokratie – unter anderem an dieser Stelle – immer wieder thematisierst.
Herr Günther verkörpert aus meiner Perspektive ein Beispiel für einen Konsensdemokraten.
YouTube-Video mit Ausschnitt aus der Sendung.
Ganz herzlichen Dank, @Peter – und ich stimme Dir auch hier inhaltlich völlig zu!
Zu den medialen Attacken gegen den meinerseits sehr geschätzten Ministerpräsidenten Daniel Günther (CDU) postete ich neulich:
Einige rechtsdrehende #Medien gehen auf den MP von #SchleswigHolstein , Daniel #Günther (CDU) los, werfen ihm #Zensur vor, drohen ihm #Klagen an oder fordern vereinzelt gar seinen #Rücktritt.
Ich halte das für völlig überzogen, war auch schon selbst Ziel solcher inszenierten Shitstorms & begrüße Günthers Beiträge zur so wichtigen Diskussion über #Medienethik !
https://sueden.social/@BlumeEvolution/115884207245672762
Sehr froh und dankbar bin ich auch, dass der baden-württembergische CDU-Landesvorsitzende Manuel Hagel einen einstimmigen Beschluss für den starken Unions-Antrag “Bollwerk der Freiheit” herbeiführen konnte:
“Wir Christdemokratinnen und Christdemokraten schöpfen Zuversicht aus dem unerschütterlichen Glauben an die Menschen in unserem Land. Wir vertrauen auf unsere Fähigkeiten. Wir sind fest davon überzeugt, wenn wir in Baden-Württemberg es wollen, dann können wir eine großartige Zukunft in Sicherheit und Wohlstand erreichen. Wir haben dafür alle Voraussetzungen, wir müssen es nur wollen und mit einer konstruktiven Politik umsetzen. Deshalb treten wir gegen Fake News, Verunsicherung und destruktiven Populismus an. Mit unseren christdemokratischen Werten stehen wir für ein freies, sicheres und wirtschaftsstarkes Deutschland eingebettet in EU und NATO. Und vor allem stehen wir für eine Politik, die ihren Job macht und für ein Land sorgt, das funktioniert – heute und in Zukunft.
Aus all diesen Gründen ist die AfD mit der CDU Baden-Württemberg unvereinbar. Die AfD will zerstören, was wir an unserem Land lieben. Sie ist in allem das Gegenteil von uns. Sie ist deshalb mit uns unvereinbar.”
https://irp.cdn-website.com/ae6f3641/files/uploaded/CDU-Papier-AfD.pdf
Die Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer sogar gegen einen Kandidaten und die Stimme von Friedrich Merz als neue KAS-Vorsitzende begrüße ich sehr. In einer Diskussion postete ich dazu:
In der #KAS ist es schon länger klar, aber auch in #CDU & #CSU spricht sich zunehmend der klare Befund der #Politikwissenschaft herum: #Rechtsmimesis führt immer nur zu einem weiteren Erstarken von #Rechtsdualismus.
Das sehen wir im Vergleich der deutschen #Bundesländer, in denen Mitte-MPen viel stärker abschneiden & Rechtsparteien dort erstarken, wo ihnen nachgelaufen wird. Und das sehen wir im internationalen Vergleich der #Demokratien.
https://sueden.social/@BlumeEvolution/115893968575837188
Du darfst Dich darauf verlassen, dass ich mich auch weiterhin und notfalls auch auf Kosten meiner Karriere für ein Miteinander der demokratischen Parteien gegen jeden Antisemitismus und jeden fossilen Faschismus einsetzen werde. Die CDU, der ich vor über 30 Jahren beigetreten bin, steht in der Tradition des christdemokratischen Zentrums und nicht der “konservativen”, preußisch-nationalistischen DNVP.
Hallo @Michael,
davor habe ich großen Respekt – das finde ich sehr ermutigend.
Deine Ermutigungen und Beiträge zum Dialog sind mir – und übrigens auch @Inan – sehr wichtig, lieber @Peter! Danke, dass Ihr uns in Filderstadt besucht habt, bei nächster Gelegenheit finden wir sicher mehr Zeit!
Und heute gab es ja auch gute Nachrichten:
Ein weiterer guter Tag für #Solarpunk & erneuerbare #Friedensenergien, noch ein schlechter Tag für fossilen #Lobbyismus :
“Seit der #Gaskrise & den zunehmenden Risiken, die mit fossilen Brennstoffen in Verbindung gebracht werden, suchen viele Eigentümer nun doch nach Alternativen. Gemessen an den Verkaufszahlen liegt derzeit die #Wärmepumpe vorn: 2025 wurden mit 284.000 erstmals mehr dieser Anlagen verkauft als #Gasheizungen, die 230.000-mal verkauft wurden.” #Markt
https://sueden.social/@BlumeEvolution/115894387189075873
Der Zeitenumbruch – der uns ja beide auch philosophisch beschäftigt – ist keine leichte Zeit. Aber wir als Menschheit können es schaffen! Hoffe und glaube ich.