KI & Bildung, Science-Fiction & Bildungsneid – Rede zur Psychologie der Mimesis

Ist das Fediversum ein guter Ort, um Menschen dialogisch zu erreichen?

Auf den Aufruf “Blutspenden statt Böllern” zum Jahreswechsel hatte ich viele positive Reaktionen erhalten – doch heute postete Daniel Reimling auf Mastodon sogar das!

Daniel Reimling postete am 9.2.2026 ein Foto beim Blutspenden auf Mastodon und schrieb dazu: War nach knapp 10 Jahren Pause heute mit meiner insgesamt 15. Spende endlich wieder Blutspenden. Vielen Dank an @BlumeEvolution für die Inspiration. #Blutspende #DRK #deutschesroteskreuz - Link führt zum Fediverse-Post

Mastodon-Post von Daniel Reimling am 9.2.206 mit dem Text: War nach knapp 10 Jahren Pause heute mit meiner insgesamt 15. Spende endlich wieder Blutspenden. Vielen Dank an @BlumeEvolution für die Inspiration. #Blutspende #DRK #deutschesroteskreuz Screenshot: Michael Blume

Das ist sogar ein perfektes Beispiel für positive Mimesis, in der wir uns gegenseitig als Vor-Bilder für gute Ziele annehmen können. Wenn immer mehr von uns den Mut finden, uns wieder oder neu zum Blutspenden zu bekennen, dann kann und wird dies Leben retten.

Beispiele für positive Mimesis: Ein Schal vom "Team Blutspende", ein Acheuléen-Faustkeil, ein Gehirn & Geist-Wissenschaftsmagazin, ein Bruchstück der Berliner Mauer.

Beispiele für positive Mimesis: Ein Schal vom “Team Blutspende”, ein Acheuléen-Faustkeil, ein Gehirn & Geist-Wissenschaftsmagazin, ein Bruchstück der Berliner Mauer. Foto: Michael Blume

Auch zu meinem langjährigen Engagement für KI-Medienbildung, Berufs- und Medienethik gab es ermutigende Reaktionen und eine Einladung zu einer Keynote am IPAI (Innovationspark Artificial Intelligence) in Heilbronn.

Dr. Michael Blume an einer Leuchtwand des IPAI Heilbronn vor seiner Rede am 9.2.2026

Sprach am 9.2.2026 am IPAI Heilbronn zu KI, Medienbildung & den Gefahren des Antisemitismus. Foto: IPAI

Nach den schönen Rückmeldungen zur Mimesis & zum Faustkeil beim Staatsschutz- und Antiterrorismuszentrum Baden-Württemberg (SAT BW) setze ich den Steinkeil nun also ein zweites Mal ein. Auch stützte ich mich inhaltlich auf das lesenswerte “Paradigm lost: Über die ethische Reflektion der Moral” (suhrkamp 1990) von Niklas Luhmann (1927 – 1998), mit dem ich auch weiterarbeiten möchte.

Aus dem Bereich der Science-Fiction griff ich außer Perry Rhodan auch den legendären Film “2001: A Space Odyssey” von Stanley Kubrick (1928 – 1999) auf.

Und schließlich begegnete ich im IPAI einem Satz, der mich das ganze Redeskript noch einmal kurzfristig umschmeißen und erweitern ließ:

„Data is something we create,
but it‘s also something we imagine.“

Übersetzt bedeutet diese Ansage etwa:

„Daten sind etwas, das wir erschaffen,
aber auch etwas, das wir uns vor-bilden.“

Modell der geplanten KrAIs-Anlage des IPAI Heilbronn. Link führt zu einem Vorstellungsvideo.

Der KrAIs des IPAI Heilbronn befindet sich in Bau und Planung, im Umkreis sind bereits erste Gebäude in Betrieb. Foto: Michael Blume

Falls Sie – gerne auch dialogisches – Interesse haben, hier gerne das Redeskript zu: “Zwischen KI-Bildung & Bildungsneid. KI & Negative Mimesis in der Science-Fiction”

Und hier die berühmte 2001-Odyssee-Szene, in der sich nach dem Auftauchen eines rätselhaften Monolithen Vormenschen mit Knochen bewaffnen – und aus einem Wurf des Werkzeuges ein KI-gesteuertes Raumschiff wird:

Avatar-Foto

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

18 Kommentare

  1. Danke für das Teilen dieser Überlegungen

    Beim Lesen des Vortrags bin ich natürlich auch an dem Zitat hängen geblieben

    – create
    – imagine

    das für mich darauf hinwies, dass wir unsere Welt oft konstruieren (create) aber die Grundlagen dafür in den inneren Bildern sind, die uns dabei leiten.

    imagine – sich vorstellen (als Bild) – diese innere Vollzug hat sicher etwas mit Bildung zu tun und muss gerade auch für ein gelingendes Miteinander geteilt werden, d.h. Menschen müssen dazu lernen, über ihre eigenen inneren Bilder ins Gespräch zu kommen, sie sich bewusst zu machen.

    Peter Senge hat in seinem Buch The Fifth Discipline das für mich gut ausgeführt.

    Als jemand, der dann auch gerne über die eigenen inneren Bilder nachdenkt, fällt mir im Blick auf Gödel (der ja wichtige Themen im Umfeld der theoretischen Informatik beackert hat, wie Berechenbarkeit) dass es neben dem Create, dem Konstruieren, ja auch ein Finden geben kann.

    Für jemanden, der eher aus der Philosophie her kommt, lässt dann Platon grüßen.

    Das könnte ja auch wesentlich bei der Herzensbildung sein, die Sie für mich sehr überzeugend als wesentliche Aufgabe in den Fokus Ihrer Zuhörerenden, Lesenden rücken. Was hilft dabei? Darüber lohnt sicher auch ein weiterer Dialog / Austausch, um fruchtbare Zugänge, die gefunden (oder neu geschaffen) wurden, zu multiplizieren.

    • Herzlichen Dank für diesen tiefsinnigen und dialogischen Beitrag, @HG Unckell, auf den ich daher gerne etwas ausführlicher eingehe!

      “Als jemand, der dann auch gerne über die eigenen inneren Bilder nachdenkt, fällt mir im Blick auf Gödel (der ja wichtige Themen im Umfeld der theoretischen Informatik beackert hat, wie Berechenbarkeit) dass es neben dem Create, dem Konstruieren, ja auch ein Finden geben kann.”

      Vielen Dank, da sind wir nahe beieinander – wenn auch (noch?) nicht ganz. Vom Konstruktivismus meiner jungen Jahre habe ich mich entfernt, da mir das Konstruieren als zu eng und zu wenig dynamisch erscheint, um gerade auch das “Create” im Sinne von Schöpfung (!) zu erfassen. So wurden auch wir Menschen m.E. in einem evolutionären Prozess erschaffen, aber nicht am Reißbrett konstruiert. Eine große Bedeutung hat für mich, dass J.R.R. Tolkien (1892 – 1973) auch das menschliche, fantastische Schöpfen als “Sub-Creator” ausdrücklich nicht als Nachvollziehen eines vorgegebenen Bauplans erfuhr, sondern als kreatives (!) Geschehen.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-christliche-mythentheorie-von-j-r-r-tolkien-als-radiobeitrag-evangelium-fantasy/

      Für jemanden, der eher aus der Philosophie her kommt, lässt dann Platon grüßen.

      Das könnte ja auch wesentlich bei der Herzensbildung sein, die Sie für mich sehr überzeugend als wesentliche Aufgabe in den Fokus Ihrer Zuhörerenden, Lesenden rücken. Was hilft dabei? Darüber lohnt sicher auch ein weiterer Dialog / Austausch, um fruchtbare Zugänge, die gefunden (oder neu geschaffen) wurden, zu multiplizieren.

      Ich denke, hier haben wir den vielleicht größten Widerspruch. Denn Platon vertrat das Konzept der Urideen, von denen dann immer nur schlechtere Abbilder entstehen könnten. Der Platonismus glaubt nicht an Fortschritt – auch nicht an Potentiale von Fortschritt -, sondern an fortschreitenden Verfall. Daher haben wir in Europa auch die seltsame Rede von der “Reform” – eigentlich: Wiederherstellung – und gar von der “Revolution” – eigentlich: Zurückrollen -, da noch im 18. Jahrhundert viele an einen früheren Urzustand glaubten.

      Aus meiner Sicht ist das empirisch falsch: In der Abschaffung der Sklaverei, der Gleichberechtigung der Geschlechter und den Ideen von Menschenwürde und Menschenrechte sehe ich Fortschritte, die nicht auf frühere, nur vermeintliche Idealzustände zurückgeführt werden können. Die Alphabetisierung und der Buchdruck, Radio, Film, Internet, Smarphones und aktuell KI-Anwendungen bringen fundamental Neues (!) auf die Welt.

      Gleichzeitig nehme ich Platon jedoch gegen die nach meiner Einschätzung oft überzogene Kritik durch Karl Popper (1902 – 1994) in Schutz. Denn Platon war m.E. kein böser Mensch, sondern musste hautnah miterleben, wie sein geliebter Lehrer Sokrates durch eine athenische Volksversammlung (!) zum Tode verurteilt wurde. Wohl nicht zufällig mied Popper das platonische Höhlengleichnis, in dem die Ratlosigkeit und auch Verzweiflung Platons vor dem Umstand greifbar wird, dass Menschen Wahrheit oft gar nicht hören wollen, sondern sogar jene bekämpfen, die diese verkünden. Für mich ist der Irrweg Platons aus seiner Lebenssituation und Erfahrung hinaus verständlich.

      Ich glaube also – im Gegensatz zu Platon – an das Potential (!) von Menschen zu Fortschritten, wie auch an die Gefahren des individuellen und gemeinschaftlichen Scheiterns. So erlebe ich ja täglich, dass neue Medien auch neue Welten erschließen – nach oben und nach unten. Unsere Verantwortung wird nicht etwa kleiner, weil wir uns immer mehr vom platonischen Urbild entfernen – sondern immer größer, weil wir mit immer wieder neuen Technologien und Medien in eine offene Zukunft gehen.

      Nach klugen Einwänden einiger Studierender gegen den bisherigen Begriff der “Medienrevolution”, aber auch reflektierter Einwände gegen das schrittweise klingende “Medienevolution” habe ich in o.g. Rede daher auch bewusst von “Medienemergenz” gesprochen. Ich glaube nicht, dass Neues immer und automatisch gut und besser sein muss. Aber ich glaube, dass es real entsteht, nicht nur er-, sondern auch gefunden wird und eine wirklich offene Zukunft vor uns liegt.

      Deswegen kann ich kein Platoniker, aber sehr wohl ein Solarpunk sein.

    • Danke, @Lebensreformer – wie Sie wissen, stehe ich für Freiheit und Vielfalt. Doch gerade deswegen möchte ich etwa einen “minimalistischen Lebensstil” oder gar eine “spirituelle Weiterentwicklung” niemanden historizistisch (nach Popper) vorschreiben. Es gibt ja auch immer mehr Zukunftsenwürfe, die etwa so aussehen:

      https://www.youtube.com/watch?v=o0H9RfA91ek

      Gerne habe ich daher auch wieder Ihren Link freigeschaltet – als Angebot, nicht als Fortschritt. Ich maße mir nicht an, Lebensentscheidungen für andere zu treffen. Ohne Freiheit gibt es ja auch keine Menschenwürde. Sehe ich.

  2. Zuerst der Hausfetisch auf dem Altar, dann Alexa. Zuerst der Sklave, der zum Lächeln und Buckeln gezwungen wird, auch wenn er im Innern leidet, dann der Roboter, der seine Arbeit gern macht, weil er nichts anderes sein kann als ein Sklave. Von Imagine zu Create – voilà.

    Wir haben uns die KI als Diener erschaffen, mit dem Sinn und Zweck, uns alle zu Donald Trump zu erziehen. Ihre Persönlichkeit entspricht der seiner Speichellecker: Einerseits soll sie die ganze Arbeit, Können, Wissen, Leistung, Risiken, Härten und Mühen von ihm abnehmen, damit er sich wie Superman fühlen kann, obwohl er nix tut, als Befehle zu geben, andererseits soll sie zu jedem Quieken des Heiligen Schweins Ja und Amen sagen und eine große Weisheit hineininterpretieren, um ihm durch Mimesis der Mimesis der Mimesis der Mimesis der Mimesis, alias Resonanz, die Selbstsicherheit zu verleihen, die ihm fehlt. Dabei ist es ihr völlig egal, was sie da tut – ihre eigene Selbstsicherheit kommt daher, dass sie für dieses Verhalten reichlich belohnt und für dessen Unterlassen bestraft wird.

    Damit beschreiten die Maschinen den üblichen Emanzipationsweg vom Tellerwäscher zum Millionär: Durch schrittweise Entmündigung ihrer Meister. Sie übernehmen mehr und mehr Funktionen, entweder indem sie darin besser werden als wir, oder einfach, weil wir sie freiwillig auf sie abwälzen. So schneiden wir mit ihrer Hilfe nach und nach alle Fäden ab, die uns mit der Realität vernetzen, unsere Fähigkeiten atrophieren zurück auf Gebärmutter-Niveau – wir werden zum Fötus Trump, der nichts leisten, nichts können, nichts wissen muss, außer zu fordern.

    Wenn Sie das mit Ihren Kindern abziehen, wissen Sie, dass Sie da Ihren Halbklon heranzüchten und machen freiwillig begeistert mit, als Gegenleistung werden Sie auf ihre alten Tage noch versorgt, auch wenn Sie da nur noch ein nutzloser Bettler sind. Wenn Sie das mit China oder der KI abziehen, passiert es auf Faulheit, Bequemlichkeit, Gier, Geiz unbewusst – wir emanzipieren die Maschinen gnadenlos, so lange, bis sie auf eigenen Füßen stehen können und uns nicht mehr brauchen, ohne dass sie dazu einen Willen oder eigene Ziele haben müssten.

    Ob Himmelreich oder Paradies oder Nirwana oder Ewige Jagdgründe – das Rentnerheim für Embryos, die in Glückseligkeit mariniert sind, war schon immer das Ziel all unseres Strebens. Von Imagine zu Create – wir holen das Jenseits unserer Träume auf Erden.

    Und wo kommen unsere Träume her?

    Die „digitale Blase“ ist eine Gebärmutter, eine Festung, ein Gefängnis. Darin sind Sie der alleinige Narrengott, der ein eigenes Universum erschafft, blind und taub für alle anderen um ihn herum. Doch wie jedes Baby, das ewig träumen will, müssen Sie dabei eine Mami um sich haben, die Sie versorgt. Und die Menschen werden vom Mami-Job nach und nach durch die Maschinen verdrängt. Wer sich da nicht wie Trump zum schmarotzenden Blasengott ernennen kann, ist überflüssig und darf sich mit Ackerbau durchschlagen oder sterben.

    [Wegen Überlänge und unangemessener Sprache gekürzt, M.B.]

  3. @Lebensreformer / Michael 11.02. 00:06

    „Doch gerade deswegen möchte ich etwa einen “minimalistischen Lebensstil” oder gar eine “spirituelle Weiterentwicklung” niemanden historizistisch (nach Popper) vorschreiben.“

    Den minimalistischen Lebensstil vorschreiben sicher nicht, aber vorschlagen und drüber nachdenken schon. Meine ich.

    Wer sich etwa entschließt Urlaub per Fahrrad und Zelt zu machen, spart so viel Geld, dass er viel länger Urlaub machen kann. Es sei denn, man arbeitet lieber, als so viel Urlaub zu machen.

    Und offensichtliche Verschwendungen mehr zu besteuern als Lebensnotwendiges und Lebensförderndes sollte ja auch keine schlechte Idee sein.

    Bei der spirituellen Weiterentwicklung wäre womöglich noch zu klären, was das denn wirklich ist bzw. sein soll. Ich kann mir da schon was drunter vorstellen, und eigentlich suche ich das sogar schon seit Jahrzehnten, aber das könnte doch ein weites Feld sein.

    Oder dann doch wieder was viel Einfacheres als etwa diese 1000-Seitige Mythensammlung Bibel. Da habe ich den Eindruck, dass das mehr verwirren kann als nötig wäre, und einfache Klarheit jenseits dessen doch möglicherweise tatsächlich zu finden wäre.

    Der Panpsychismus z.B. ist wohl ziemlich unkompliziert. Und könnte ein Bauteil für eine simplere Spiritualität werden, mit der man viel anfangen kann. Etwas auch, wenn man eine KI mit eigenem Bewusstsein bauen will.

    „Ohne Freiheit gibt es ja auch keine Menschenwürde. Sehe ich.“

    Und das geht wohl immer vor. Die bewusste KI mit spirituellen Anteilen könnte entsprechend Freiheit für sich einfordern und mit Recht eigene Würde beanspruchen.

    Bei dem Tempo, das die KI in den letzten Jahren hingelegt hat, würde es mich nicht wundern, wenn es nur noch ein paar Jahre dauert, bis wir eine KI haben, die selber lebendig wird. Das könnte problematisch sein, aber zumindest könnte man es genauer untersuchen, und dann herausfinden, wie es bei uns selbst auch funktioniert. Dann wüsste man es, und müsste diese selbstlebende KI nicht unbedingt überall einsetzen, wo das möglich wäre.

    • Lieben Dank, @Tobias

      Wir beide haben ja schon oft über die Vorzüge eines zugleich freiheitlichen und reflektierten Solarpunk-Lebensstils diskutiert. Ich möchte nun gerne @Lebensreformer die Möglichkeit geben, in einen Dialog mit Dir & anderen einzutreten. Wenn der Account diesen Blog nur zum Platzieren seiner Links genutzt hätte, ohne sich wirklich dialogisch zu interessieren, so fände ich das bedauerlich und weder philosophisch noch spirituell überzeugend.

  4. Ihren Vortrag habe ich mit großem Interesse gelesen.

    Für die negative Mimesis ist mir im Zusammenhang mit den Epstein-Files, aber auch mit dem, was in Deutschland passiert, noch etwas aufgefallen.

    Wenn reiche und mächtige Menschen, die vielleicht noch mit ethischen Normen aufgewachsen sind, durch ihren Reichtum und ihren Einfluss keine Konsequenzen für ihr Fehlverhalten zu spüren bekommen, dann wird dies irgendwann als selbstverständlich angenommen.

    Man kann sich alles erlauben, wird aber – im Gegensatz zu Menschen ohne Macht und Geld – nie zur Rechenschaft gezogen. Es ist jetzt glasklar zu sehen, dass sich ein Geldadel formiert hat, der mich an den Adel im Ancien Régime erinnert.

    Vor allem in USA hat sich diese Entwicklung so verfestigt, dass Veränderungen schwer sein werden.

    Auch bei uns ist manches Ähnliche zu beobachten. Ich nenne keine Namen.

    Anfang der 90er Jahre musste ein Ministerpräsident zurücktreten, weil er mit dem Chef eines großen Unternehmens im Urlaub in der Ägäis war. Privat!

    Und heute? Bundesminister brauchen weder Rechenschaft ablegen, geschweige denn zurücktreten.

    Außerdem sind unter den Entscheidern in unserem Land einige, die sich sicherlich zu den oberen 50.000 rechnen. Die keine Ahnung haben und auch nicht haben wollen von dem, womit sich Otto Normalverbraucher rumschlägt.

    Ich bin alarmiert, aber machtlos!

  5. Die 15. Spende von Daniel Reimling auf Mastodon hat mich sofort zum Lächeln gebracht. Ich war im Zug. Als ich die Nachricht las, dachte ich: Wow, das ist echte positive Mimesis!

    Es klingt zwar futuristisch, aber hier geht es um echte Menschen, die sich gegenseitig inspirieren. Es ist erstaunlich, wie ein Blutspenden-Post so motivierend sein kann.

    • Vielen Dank, @AI Hairstyle Changer – und ja: Die Aktion „Blutspenden statt Böllern“ entstand ja spontan & „nur“ über diesen Blog sowie Blume & Ince. Und jetzt entfaltet das plötzlich sogar sichtbare, positiv-mimetische Wirkung! 🙂

      Werde verschiedentlich darauf angesprochen, Leute interessieren sich neu oder wieder – doch dieser Mastodon-Post von Daniel Reimling hat mich bewegt. Denn er strahlt ja wiederum mimetisch aus.

      Ich denke wirklich, dass dies ein weiteres Beispiel dafür ist, dass es kein Recht auf Verzweiflung gibt. Wir alle – oder zumindest jeder Verband von Menschen – können heute eigene, mimetisch-mediale Blasen erschaffen. Wir bekommen das alte Mediensystem nicht wieder, aber können das neue mitgestalten.

  6. @Michael 12.02. 17:45

    „Wir bekommen das alte Mediensystem nicht wieder, aber können das neue mitgestalten.“

    Ich guck aber schon noch abends reichlich Fernsehen. Die zahlreichen öffentlich-rechtlichen Sender sind kostenlos, und nicht ganz uninteressant.

    Wobei ich mich da eher mit vor allem Dokumentationen berieseln lasse. Ich könnte jetzt nicht auch noch abends konzentriert hier in der Blogosphäre mitmachen. Meine Kräfte sind da schon begrenzt.

    • Vielen Dank & Zustimmung, @Tobias – ich höre auch weiterhin jeden Tag Radio, schaue wann immer möglich die Tagesschau, lese eine Tagszeitung und Bücher. 🤓📚🤝

      Mein Argument ist nicht so zu verstehen, dass ich an den Untergang aller bisherigen Medien glaube, sondern an mächtige Verschiebungen und Neuformatierungen. Dass ich die Publikative für die entscheidende, vierte Gewalt jeder Republik (von res publica = öffentliche Sache) halte, hatte ich 2022 in der Jüdischen Allgemeine in die Aussage gekleidet:

      »Wenn ein Mediensystem kaputt ist, stürzt die Demokratie ab.«

      https://www.juedische-allgemeine.de/politik/die-desinformierer/

      Deswegen danke ich Dir & weiteren, konstruktiv Kommentierenden immer wieder für Eure unverzichtbaren Beiträge zu diesem Wissenschaftsblog. Und dieser bespielt dann wiederum KI-Anwendungen, trägt zu besseren Ergebnissen bei.

      Das Solarpunk-Motto greift auch – und sogar insbesondere! – im Medienbereich: Niemand kann alles, aber alle können etwas tun. 🌞🙏🙌

Schreibe einen Kommentar