Interview mit Pater Hagenkord von Radio Vatikan – und frisch gebackenem Blogger

BLOG: Natur des Glaubens

Evolutionsgeschichte der Religion(en)
Natur des Glaubens

Als im Mai das erste Bloggertreffen im Vatikan stattfand, waren die Meinungen noch geteilt, ob die katholische Kirche wirklich den Dialog mit den Blogosphären suchen würde. Unter den Institutionen, die aber "dran blieben" und dort erwachsene Kontakte weiter pflegten, war Radio Vatikan. Und so darf ich heute Pater Bernd Hagenkord nicht nur im Blog-Interview begrüßen, sondern auch als Neu-Blogger auf www.blog.radiovatikan.de

NdG: Pater Hagenkord, was ist Ihre Aufgabe in Rom?

PH: Seit 2009 bin ich Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan, das heißt, ich arbeite in einem Team von sechs Journalisten und wir machen Radioprogramme, eine Website und einen Newsletter zusammen. Aber eben vor allem Radio.

NdG: Normalerweise denkt man bei der katholischen Kirche ja eher an klassische Medien. Doch inzwischen hat der Vatikan einen YouTube-Kanal, vor wenigen Monaten rief er zum ersten Bloggerkongress nach Rom und Sie haben nun auch einen eigenen Blog ins Leben gerufen. Erkennt die katholische Kirche das Internet etwa als Chance?

PH: Na ja, es gibt ja nicht „die katholische Kirche”, sondern immer nur einzelne Institutionen oder Menschen mit Ideen. Wir hier zum Beispiel sind auch nicht mir übermäßig viel Freizeit gesegnet, da mussten wir schon genau überlegen, ob so etwas die die Pflege eines Weblogs in Frage kommt. Aber spätestens seit dem Bloggertreffen im Vatikan lautet der Beschluss, das der Blog was werden muss.

Wenn ich mich so umschaue, dann gibt es aber unzählige weitere Initiativen und Ideen der Kirche im Internet. Die werden sehr wohl wahrgenommen und geschätzt. Auch von den kirchlichen Oberen, die selbst nicht so oft zur Tastatur greifen.

Um es geistlich auszudrücken: Die Weitergabe des Glaubens ist Kommunikation, und da muss man sich der Sprache und der Methoden bedienen, die es gibt. Und man muss es gerne und bewusst tun. Und das sehe ich in der Kirche an vielen Stellen.

NdG: Das Internet wird immer weniger zu einer Werbeplattform und stattdessen zu einem Ort der Information und des Dialoges, dem so genannten Web 2.0. Wie weit kann die stärker hierarchisch verfasste, katholische Kirche auf diese nicht-hierarchischen Kommunikationsformen eingehen?

PH:
Davon bin ich noch nicht wirklich überzeugt. Ich würde eher sagen, dass es zwei verschiedene Webformen sind, die sich im Augenblick entwickeln, zum einen die Kontroll-Version, voller Werbung aber auch voller Firmen, die sich die Daten zu Nutze machen, aber dann auch die Dialog-Welt, die nicht auf Kontrolle aus ist. Und zwischen diesen beiden Alternativen fühlt sich Kirche mit Sicherheit in der zweiten, der Web 2.0 Version, viel wohler.

NdG: In der Tat: Gerade lassen Sie sich als wichtiger Medienakteur des Vatikan durch einen evangelischen Wissenschaftsblogger interviewen! Wie fühlt sich das an?

PH: Witzig. Normalerweise habe ich ein Mikro vor mir oder sogar eine Kamera. Wie gesagt, ich bin noch ein Neuling in dieser Form der Kommunikation und muss eine Menge lernen. Aber ich kann nicht sagen, dass es unangenehm wäre. Ich brauche noch das Gefühl für die Sprache und die Themen, und das wird sicherlich einige Zeit dauern, aber es fühlt sich gut an.

Zumal ich das Ganze ja Ernst nehme. Soll heißen: Das alles ist ja keine Spielerei oder ein Hobby, sondern wirkliche Kommunikation. Und das ist das, was ich den ganzen Tag lang mache.

NdG: In der deutschsprachigen Blogosphäre einschließlich der Wissenschaftsblogs überwiegen noch immer Stimmen von "angry white men" (ZEIT), die auf Kirchen und Religionen, Spiritualität und Traditionen mit wenig Sympathie oder sogar scharfer Abneigung blicken. Kann es im oft anonymen Umfeld des World Wide Web dennoch gelingen, Inseln gegenseitigen Respektes und wechselseitigen Zuhörens zu schaffen?

Das werden wir sehen. Ich habe jedenfalls nicht vor, schnell aufzugeben. Es gibt unglaublich viel Stillosigkeit, Aggressivität und Häme im Netz, gerade auf Seiten, die sich als kirchlich ausgeben. Aber da muss man gegenhalten. Nicht durch Gegen-Aggresivität, sondern durch Beharrlichkeit und mit der Hoffnung, das es genügend andere Menschen im Netz gibt, denen das respektierende Sprechen und Streiten ein Anliegen ist. Wenn ich das nicht glauben würde, hätte ich das bloggen gar nicht erst angefangen.

NdG: Pater Hagenkord – herzlich willkommen in der Blogosphäre!

Zum Blog: www.blog.radiovatikan.de  

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) & "Verschwörungsmythen". Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

1 Kommentar

  1. Die Kirchen —

    — wachen auf, wenn sie die Scilogs, Blogger & Piraten sehen. Find ich gut, die Antworten des Padre! ^_^

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