Interview mit Dr. Michael Heiser zur Faszination PaleoSETI und Zecharia Sitchin

BLOG: Natur des Glaubens

Evolutionsgeschichte der Religion(en)
Natur des Glaubens

So, zum (vorläufigen) Abschluss der Blogreihe zu UFO-Mythologien präsentiere ich zwei Web-Interviews. Eines habe ich ufo-information.de gegeben (Klick). Und eines habe ich mit Michael (Mike) Heiser zum Thema Paläo-SETI und Zecharia Sitchin gemacht. Denn auch beim neuen Alien-Kinofilm “Prometheus” steht eine erfundene UFO-Vorgeschichte im Vordergrund; und Ridley Scott erklärte SPIEGEL Online auch gleich, dass er Aliens als intelligente Designer der Evolutionsforschung vorziehe. Und wer immer noch Zweifel haben sollte, dass Menschen über UFO-Mythen die klassischen, religiösen Fragen (pseudo-)technologisch zu beantworten versuchen, gönne sich diesen Werbeclip für den Film…

Dr. Michael Heiser erwarb seinen M.A. und Ph.D. (Dr.) in hebräischer Bibelkunde und semitischen Sprachen an der Universität Wisconsin-Madison. Er erwarb außerdem einen M.A. in Klassischer Geschichte an der Universität Pennsylvania (mit den Schwerpunkten Altes Israel und Ägypten). Mikes UFO Religions-Blog diskutiert wie der Glaube an Aliens moderne Weltanschauungen prägt. In einer eigenen, stark nachgefragten Page zeigt er die gravierenden Mängel der Theorien von Zecharia Sitchin auf.

1. Mike, laut Zecharia Sitchin wurden unser Planet und unsere Art von Außerirdischen, die Annunaki genannt werden, besucht und ausgebeutet. Angesichts des Fehlens wissenschaftlicher Belege – warum glauben Leute dennoch an diese Narrative?

Sie glauben sie aus mehreren Gründen. Grundlegend ist der Impuls, an eine größere Intelligenz als wir selbst zu glauben, irgendwo da draußen. Viele Leute die den traditionellen Theismus zurück weisen tendieren zu altertümlichen Astronauten (ancient astronauts), weil es ihnen eine überlegene Intelligenz anbietet, die in ihrem Denken mit einer naturalistischen Weltanschauung vereinbar sei (also keinen Glauben an Übernatürliches verlange). Andere versuchen den traditionellen Gottesglauben, oder Judentum, oder Christentum, in den Begriffen altertümlicher Astronauten neu zu definieren. Viele Leute fühlen sich von Mysterien der Vorgeschichte angesprochen, die von den traditionellen Religionen nicht erfasst werden wie megalithische Strukturen oder anomale Artefakte, die der etablierten Lesart von Geschichte zu widersprechen scheinen. Diese Leute sind schlecht vorbereitet, diese Gebiete über wissenschaftliche Quellen zu erforschen, oder sie wollen es erst gar nicht. Sie tendieren zu Verschwörungstheorien – dass Wissenschaft entweder die Antworten nicht hat oder der Welt nicht preisgeben möchte, da dies das Mainstream-Kartell sprengen würde, dessen Teil sie wären.

 

2. Aber auch unsere großen Religionen sind ja auf mythologischen Traditionen gebaut. Da Du ein Experte in hebräischer Bibelkunde und den altsemitischen Sprachen bist – “entzaubert” Wissenschaft unsere Weltanschauungen?

Ich bezweilfe das. In der postmodernen Zeit hilft Wissenschaft, die Welt für viele Menschen wieder zu verzaubern. Aufgrund von Gleichungen die Existenz anderer Dimensionen in den Raum zu stellen oder aufgrund bestimmter Theorien über Quantenrealitäten zu sprechen, oder darüber zu sprechen, wir würden das Chaos verstehen, entzaubert die Welt der Weltanschauungen kaum. Wenn überhaupt befeuern Unsicherheit und alternative Realitäten die Vorstellungskraft. Wissenschaft hat nicht zu allem eine Antwort, einschließlich der wichtigsten Ideen über Wirklichkeit. Daher spekulieren manche Menschen, ob die „neue“ Anschauung des Universums, die in einiger Hinsicht unsere Wissenschaft transzendiert oder hinter sich lässt, durch vor-wissenschaftliche Ideen und Symbole verstehbarer gemacht werden könnte. Dazu kann ich als lesenswerte, akademische Diskussionen religiöser Trends in diesem Bereich empfehlen: Christopher Partridge’s The Re-Enchantment of the West (vols 1, 2) und Gordon Lynch’s The New Spirituality: An Introduction to Progressive Belief in the Twenty-first Century.

 

3. In Deutschland spielt der Planet “Nibiru”, den Sitchin verkündet hat, eine große Rolle in einigen apokalyptischen Szenarien um das Ende des Maya-Kalenderzirkels in 2012. Schrieb Sitchin überhaupt etwas dazu?

Diese Verbindung ist eher von Sitchin-Schülern hergestellt worden. Sitchin selbst sagte die Rückkehr von Nibiru für 2090 voraus.

4. Deine Page weist auf viele falsche Übersetzungen und faktische Fehler des Bestsellerautors Sitchin hin. Nach all den Jahren der Aufklärungsarbeit – denkst Du, dass Menschen Deine wissenschaftlichen Argumente auch akzeptiert haben, wenn dies ihre gefühlten Präferenzen und Weltanschauungen gefährdete?

Die Seite erzielt jährlich Hunderttausende von Zugriffen, also hoffe ich, dass wenigstens eine kleine Prozentzahl Sitchin’s Nonsens durchschaut. Ich bekomme auch immer wieder Mails von Leuten (oder Eltern, oder Großeltern) die mir für die Seite danken, da es half, Leute von dem Nonsens abzubringen. (Tatsächlich habe ich gerade, während ich die Fragen beantwortete, eine solche Mail erhalten!).

 

Mike, danke für das Interview – und Dein Engagement!

* Das Interview auf Englisch auf scilogs.com

** Diesen Blogpost widme ich dem Kommentator & Filmemacher Rüdiger Sünner, den die technologische Reduktion der großen Fragen (bei aller Perfektion der Filmkunst) betrübt.

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren als „teilnehmender Beobachter“, um Digitalisierung zu erforschen, Religionswissenschaft leichter zugänglich und niedrigschwelliger diskutierbar zu machen.

49 Kommentare

  1. Religionen (Wb an Blume)

    Die Beleglage bzgl. der R. entspricht qualitativ weitgehend derjenigen der UFO-Theorie, die Sie hier als Narrativ kennzeichnen, was unterscheidet für Sie das eine vom anderen?

    A: Die Religionen sind tradiert und als Einstellung oder Gewohnheit seit Generationen bekannt UND sie bringen Wertemengen das Sollen betreffend mit, sind wie etwas der Islam auch umfassend und alles abdeckend.

    Dennoch sind die Veranstaltungen ganz ähnlich angelegt, was bindet Sie, Herr Blume, an den Islam und das Christentum, was erlauben Blume das eine anzunehmen und das andere als ‘Narrativ’ wegzuhüsteln?

    Ruhig mal rauslassen, beim Christentum sind Sie ja – dezent formuliert – nicht sonderlich gebunden und stimmen auch Sichtweisen zu, die nicht der akzeptierten Glaubenslehre entsprechen, bei Bedarf können hier Belege beigebracht werden.

    MFG
    Wb

  2. @Webbaer

    Was interessiert Sie eigentlich so an mir, dass Sie mir ständig nachlaufen? Und warum versuchen Sie ständig persönlich zu werden, während Sie sich selbst hinter einem Pseudonym und gedrechselten Satzbauten verstecken? Kurz: Was fehlt Ihnen?

  3. Unterschiede

    Die ganze Artikelserie zeigt doch, dass die sogenannten Glaubensinhalte gar nicht die große Rolle spielen, die die Gläubigen ihnen zuschreiben. Eine Religionswissenschaft die sich auf die vergleichende Untersuchung von Glaubensinhalten beschränkt, halte ich für sinnlos.

  4. @HF

    Ja, deswegen beschränke ich mich ja auch nicht auf das Sammeln und Vergleichen – obwohl ich zugeben muss, dass das Interesse gerade daran sehr groß ist. So hat sich das sciebook zu den “Religionen der Menschheit” mit hoher Nachfrage etabliert:
    http://www.amazon.de/…08C90ALK/ref=pd_sim_kinc_1

    Vertiefende Spezialthemen haben es da bislang leider sehr viel schwerer…

    Darf ich nachfragen – was würden Sie sich denn von der Religionswissenschaft wünschen?

  5. Rohstoffe statt Artefakte

    Gegen eine frühere technische Zivilisation auf der Erde, von der Erde stammend, oder von ausserhalb der Erde stammend, spricht weniger das Fehlen von Artefakten, sondern viel mehr das Vorhandensein von hochwertigen und oberflächennahen Rohstoffen aller Art am Beginn unseres Industriezeitalters.

  6. @Blume

    Was fehlt Ihnen?

    Die Antwort auf die Frage warum Sie mit unterschiedlichen Maßstäben ein und dieselbe Sache bearbeiten: den Glauben. [1]

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1] dabei auch das Verhältnis dieses Glaubens zur Modernen Wissenschaftlichkeit berücksichtigend

  7. @Webbär

    Vor wenigen Tagen noch warfen Sie mir genau das Gegenteil vor: Relativismus.

    Kann ja sein, dass es Ihnen ein Gefühl von Befriedigung gibt, wenn Sie aus dem Schutz Ihrer vermeintlichen Anonymität heraus Blogger mit Vorwürfen überziehen und dann erwarten, dass diese Stellung nehmen. Aber so funktionieren Wissenschaftsblogs nicht: Wir stellen Ihnen kostenlos Texte zur Verfügung und ermöglichen sachliche Debatten. Wenn Ihnen diese nicht zusagen, müssen Sie sie nicht lesen. Wenn Sie aber wirklich glauben, Sie dürften uns persönlich stalken und wir müssten dann die Zeit mit Ihren Vorwürfen verplempern, dann liegen Sie falsch und sind ein sehr armer Mensch.

    Es wäre doch z.B. überhaupt kein Problem gewesen, wie @HF zu fragen: Sind also Ihres Erachtens alle Religionen gleich? Auf eine sachliche Frage hätte ich gerne sachlich geantwortet.

    Denken Sie mal drüber nach. Oder, besser noch: Versuchen Sie doch hin und wieder, sich in Ihr Gegenüber einzufühlen. Sie wollen Ihre Privatheit offensichtlich schützen – dann achten Sie doch auch die anderer. Dann hätten wir alle mehr davon.

  8. @Blume

    Es scheinen einige Missverständnisse vorzuliegen:
    1.) Der Schreiber dieser Zeilen schätzt Ihre Arbeit, ansonsten wäre das Interesse nicht da nachzufragen, Ihre Webnachrichten würden nicht einmal gelesen werden. Feedback ist hier – wie eigentlich sehr oft bis immer – als mögliches Kompliment zu verstehen.
    2.) Die Pseudonymisierung (vs. Anonymisierung, ein sehr wichtiger Unterschied) ist im Web üblich und dient u.a. dazu Personen bzw. deren Meinungsmengen nicht der Recherche Dritter in anderem Zusammenhang freizugeben.
    3.) Es interessiert den Schreiber dieser Zeilen, warum Sie den Glauben, der recht weit gefasst werden kann, man glaubt bspw. als Nichtexperte auch wissenschaftliche Erkenntnis, einmal so und einmal so bewerten. Hier könnten Sie Ihren Maßstab erklären.
    4.) Ihre Beiträge hier können nicht als privat gelten und wenn Sie schon permanent werten, dann berührt ein kommentarisches diesbezügliches Bemühen (die Frage nach Ihrem Maßstab) erkennbar nicht Ihren Privatbereich. Eigentlich eine Unverschämtheit hier ins Strafrecht zu greifen und Stalking anzudeuten. Nicht benötigt werden auch Einschätzungen und Psychogramme dieses Kommentators. Sie können übrigens jederzeit das Feedback abschalten durch Zensurierung oder durch eine E-Mail mit der Bitte nicht mehr in “Natur des Glaubebs” nachzufragen.

    MFG
    Dr. Webbaer

  9. @Webbär

    Wenn ein Politikwissenschaftler bloggt, dann wird niemand von diesem verlangen können, deswegen auch gleich seine persönlichen Wahlentscheidungen für die Abgeordnete X oder die Partei Y offen zu legen und “wissenschaftlich” zu begründen. Das wäre unmöglich, übergriffig und widerspräche genau dem, was Sie für sich selbst zu Recht in Anspruch nehmen wollen: Den Schutz auf Privatheit, denn dieser sei im Web üblich und dient u.a. dazu Personen bzw. deren Meinungsmengen nicht der Recherche Dritter in anderem Zusammenhang freizugeben.

    Genau diese Rechte haben Blogger auch. Selbstverständlich hat auch ein bloggender Politikwissenschaftler konkrete, politische Präferenzen und wird bei Wahlen und Abstimmungen entsprechend sein Kreuz setzen (oder nicht) – und selbstverständlich bleibt es alleine seine Entscheidung, ob und wie weit er diese kundtut oder nicht. Und selbstverständlich hat auch jede Religionswissenschaftlerin eine Haltung zu Religion(en) – und entscheidet selbst, ob und mit wem sie sie diskutiert. Vorwürfe und Unterstellungen betreffend ihres (Nicht-)Glaubens muss sie sich nicht antun.

    Sie ziehen Ihre Privat-Grenzen noch sehr viel enger als ich. Das ist okay. Aber wenn Sie die Arbeit dieses Blogs wirklich wertschätzen, dann achten Sie bitte auch meine Grenzen. Lassen Sie uns über die Sache(n) diskutieren und den Privatbereich aller Beteiligten achten.

  10. Gedanken zum Interview

    Mir sind beim Lesen ein paar Punkte aufgefallen, die ich gerne zur Diskussion stelle:
    Ist es wirklich einem Naturalismus geschuldet, sich prähistorische Raumfahrer vorzustellen, wenn man einen Theismus ablehnt? Zumal wenn anschließend eher Verschwörungstheorien gezogen werden?
    Wo hätte Wissenschaft denn keine Antwort? Ideen der Wirklichkeit sind Gedankenspiele, die natürlich nicht überprüf- oder reproduzierbar sind. Das ist aber keine neue Sicht der Wissenschaft, sondern eine alte. Quasi die reaktionäre Bewegung, die auf jede Modernisierung folgt.

  11. @boris blix

    Danke für Ihre sachlichen Fragen, auf die ich gerne eingehe. (Und andere einlade, es ebenfalls zu tun.)

    Ist es wirklich einem Naturalismus geschuldet, sich prähistorische Raumfahrer vorzustellen, wenn man einen Theismus ablehnt? Zumal wenn anschließend eher Verschwörungstheorien gezogen werden?

    Ich würde sagen, einem halb-verdauten Naturalismus. Es wird versucht, Mythen über Technologien zu erklären – wozu aber wiederum Mythen (z.B. über früher gelandete Aliens) kreiert werden müssen. Und um diese als vermeintlich “wissenschaftlich” zu verteidigen, muss man den echten Wissenschaftlern Ignoranz oder Verschwörung unterstellen.

    Wo hätte Wissenschaft denn keine Antwort? Ideen der Wirklichkeit sind Gedankenspiele, die natürlich nicht überprüf- oder reproduzierbar sind.

    Ob es Menschenrechte “gibt” oder ob unser Leben einen Sinn hat, sind klassische Fragen, die die Wissenschaft nicht abschließend beantworten kann. Sie kann die Geschichte der Menschenrechte beschreiben und evolutionär ergründen, wie sich der (Nicht-)Glauben an einen Sinn ausgewirkt hat und auswirkt. Und selbst Dawkins muss zugeben, dass er sich nur zu 98% sicher sei, dass es keinen Gott gebe.

    Es gibt also viele Fragen, die nicht alleine “wissenschaftlich” zu klären sind. Und es sind nicht die unwichtigen…

    Das ist aber keine neue Sicht der Wissenschaft, sondern eine alte. Quasi die reaktionäre Bewegung, die auf jede Modernisierung folgt.

    Ich würde eher sagen, dass gerade moderne Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler genau diese Unterscheidungen längst drauf haben – wogegen sowohl theistische Kreationisten wie auch technologisierende UFO-Mythologien sie (immer noch bzw. wieder) durcheinander werfen.

  12. @ Michael Blume

    Nichts zu danken. Mal ein mehr generelles statement: Auch wenn ich ggf. absolut nicht der Meinung eines Schreibers/Kommentators bin, ist es zum abreagieren sicher besser 100 Kniebeugen zu machen als “dem zeig ich es jetzt” zu schreiben.
    Das gilt ausdrücklich für jeden, und ist auf niemand spezielles gezielt. Gut, man hat sich selbst nicht immer im Griff 😉 aber man kann versuchen drauf hin zu arbeiten.

    Nun zum Thema:

    Ich würde sagen, einem halb-verdauten Naturalismus. Es wird versucht, Mythen über Technologien zu erklären – wozu aber wiederum Mythen (z.B. über früher gelandete Aliens) kreiert werden müssen. Und um diese als vermeintlich “wissenschaftlich” zu verteidigen, muss man den echten Wissenschaftlern Ignoranz oder Verschwörung unterstellen.

    Ja, ist ein Austausch des einen Mythos gegen einen anderen.

    Ob es Menschenrechte “gibt” oder ob unser Leben einen Sinn hat, sind klassische Fragen, die die Wissenschaft nicht abschließend beantworten kann.

    Das meinte ich, ok, da war ich vielleicht etwas unpräzise. Solche Fragen wie Menschenrechte, Sinn des Lebens usw.. sind Sache von Definitionen, keine der Natur bzw. messbarer Größen.
    Oder um den von ihnen angeführten Dawkins zu zitieren: Es macht keinen Sinn die Frage zu stellen “Welche Farbe hat Eifersucht”
    Aber auch die Frage ob es keinen Gott gibt ist natürlich nicht beantwortbar. Das Nicht-Eintreten eines Effektes (Gott) ist prinzipiell nicht beantwortbar.
    Kritik zielt eher darauf, dass der Beweis der Existenz des Effektes “Gott” bisher nicht erfolgt ist. Das wäre prinzipiell jedoch möglich. Ist eben nur noch nicht erfolgt.

    Ich würde eher sagen, dass gerade moderne Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler genau diese Unterscheidungen längst drauf haben –

    da haben sie mich abgehängt. Welche Unterscheidungen haben diese längst drauf?

  13. @boris blix

    Die Unterscheidung zwischen den Fragen, die sich wissenschaftlich (schon) beantworten lassen – und denen, die wir anders (z.B. durch Religion, Philosophie, Kunst, Musik, Literatur etc.) beantworten.

    PS: Ob Eifersucht wirklich keine Farben hat? Ich würde ja sagen, da sehen mehr Menschen rot als z.B. grün. 😉

  14. @Herr Blume

    Das meinten sie. Ok, ist klar, wenn mich auch immer wieder verwundert, dass es manchen Schwierigkeiten zu machen scheint, dies auseinander zu halten.

    Und was sehen dann rot-grün-Blinde bei Eifersucht? 😉 (nein, ich erwarte nicht wirklich eine Antwort)

  15. @boris blix: Kommentatoren

    Erlauben Sie mir noch auf einen guten Hinweis von Ihnen einzugehen. Sie schrieben: Auch wenn ich ggf. absolut nicht der Meinung eines Schreibers/Kommentators bin, ist es zum abreagieren sicher besser 100 Kniebeugen zu machen als “dem zeig ich es jetzt” zu schreiben.

    Mir ist wichtig darauf hinzuweisen, dass es mir überhaupt nicht ums “Abreagieren” geht. Es wäre ja technisch überhaupt kein Problem, Leute zu sperren oder zu löschen – und in vielen Blogs auch auf den scilogs wird genau das getan.

    Gerade aber aus Respekt vor den Kommentatoren möchte ich jedem und jeder eine Chance geben, zu hören, warum sich andere ggf. belästigt fühlen können. Ich würde @Webbär gerne die Chance geben zu verstehen, wie seine Kommentare bisweilen bei mir ankommen, statt ihn einfach zu ignorieren oder zu löschen.

    Es kann gut sein, dass Sie Recht haben, und es mir einfach egal sein sollte. Aber ich denke, dass wir die Generation sind, die derzeit eine Netzkultur aufbaut. Das geht nicht immer gut, Missverständnisse und Ärger treten auf, Dinge gehen schief. Aber als jemand, der doch schon ein paar Jahre vorne mit bloggt, habe ich bisher die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen nicht einfach ausgegrenzt werden, sondern lieber erstmal hören wollen, was eigentlich los ist.

    Ob es in diesem Fall klappt liegt an @Webbär. Ich denke, er kann das packen. 🙂

  16. Emotionen

    Menschenrechte gibt es genau dann, wenn es Menschen gibt, die die Menschenrechte in der Form von Gesetzgebung, Vollziehung und Rechtsprechung durchzusetzen versuchen.

    Die einfacheren Emotionen haben zwar keine Farben, aber dafür haben sie einige einfache Botenstoffe.

    Zum Beispiel führt Angst zur Produktion von Cortisol, und Cortisol begünstigt wieder die Angstreaktion.

    Jede Art von Gedanken und auch von Wahnbildern sind real, weil man sie im betreffenden Gehirn sowohl physikalisch nachweisen, als auch physikalisch erzeugen kann.

  17. @Karl Bednarik

    Interessant, lieben Dank. Würden Sie dann also sagen, dass Gott und Aliens schon deswegen “existieren”, weil Menschen daran glauben? Und existierte Gott dann stärker, weil es mehr Theisten als UFO-Glaubende gibt? Existierte die Geavitation umgekehrt schon, bevor sie empirisch entdeckt und beschrieben wurde?

  18. @Blume

    Es geht dem Webbaeren ganz primär darum zu verstehen, warum bspw. Ufologen hier “ordentlich” behandelt werden, also auch kritisch bis sehr kritisch, und andere Glaubensmengen, die nicht besser belegt sind, anders behandelt werden.

    Das mag die Ursache haben in pers. Zu- oder Abneigung, aber das interessiert den Schreiber dieser Zeilen nicht, sondern eben nur der angelegte Maßstab.

    Nun lassen Sie sich mal nicht nerven und der Schreiber dieser Zeilen hat sich auch vorgenommen punktgenauer nachzubohren, statt intelligent [1] zu provozieren.

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1] Intelligenz ist relativ.

  19. Nachfrage

    “Darf ich nachfragen – was würden Sie sich denn von der Religionswissenschaft wünschen?”
    Was ich mir von einer Religionswissenschaft erwarte?
    Nicht weniger als eine Antwort auf die letzten Fragen!

    Wenn man sich nicht auf eine Taxonomie der Glaubensinhalte beschränken will, muss man zumindest die Psychologie und die Evolution von Glaubensvorstellungen hinzunehmen. Wie will man dann rechtfertigen, sich bei der Untersuchung auf spezifisch religiöse Inhalte zu beschränken? Was unterscheidet die Ausbreitung und Weitergabe politischer oder ökonomischer Ideen von der Ausbreitung und Weitergabe religiöser Ideen, was unterscheidet die Empfindung von Frieden und Ehrfurcht in einer Kirche von dem Geruch von Freiheit und Abenteuer?

    Auf die Gefahr hin, hier schlecht reflektierte Privatmythen zu verbreiten ( auch noch OT!), die “letzte Frage” ist die Frage nach dem Ursprung und der Funktionsweise des Geistes. Die experimentell arbeitenden Neuroforscher verstehen zur Zeit ein Katzenhirn nicht besser als ein menschliches Hirn. Was ist neu am menschlichen Geist? Ich “glaube”, das es die Kortikalimplantate sind, die individuelle Gehirne über einen schmalbandigen Kanal verkoppeln. Üblicherweise nennt man sie Sprachzentren. Nur der Mensch hat kortikale Karten, die sich über mehr als ein Gehirn erstrecken. Wie funktioniert die Bildung stabiler Muster? Wie breiten sie sich aus?

  20. @Webbär

    Vielen Dank, auf die sachliche Frage antworte ich gerne!

    Es geht dem Webbaeren ganz primär darum zu verstehen, warum bspw. Ufologen hier “ordentlich” behandelt werden, also auch kritisch bis sehr kritisch, und andere Glaubensmengen, die nicht besser belegt sind, anders behandelt werden.

    Den Knackpunkt haben Sie m.E. schon selbst identifiziert: Kein Mythos ist im engeren Sinne “belegbar” – deswegen werden Mythen hier auch grundsätzlich gleich behandelt. Kritisch wird es aber m.E. gerade dann, wenn Mythen eben nicht als Mythen präsentiert werden, sondern als (pseudoempirische) Wissenschaft.

    Konkret an den christlichen Traditionen: Mit Theologinnen und Theologen, die zwischen religiöser Überlieferung und empirischer Wissenschaft längst zu unterscheiden verstehen lässt sich hervorragend forschen und diskutieren, wie z.B. in dieser Tagung, aus der ein Sammelband wurde, dokumentiert:
    https://scilogs.spektrum.de/…l-ke-und-georg-souvignier

    Auch wenn eine Religionsgemeinschaft sich in ihre Überlieferungen zurück zieht und im übrigen friedlich lebt und gedeiht, sehe ich kein grundsätzliches Problem (z.B. Amish).

    Auf erklärte Kritik stießen und stoßen dagegen z.B. fundamentalistische Kreationisten, die die biblischen Schöpfungsmythen “als Wissenschaft” ausgeben wollen. Auf scilogs. eu habe ich ja seitenweise Diskussionen mit solchen führen dürfen, im deutschsprachigen Raum sind sie erfreulicherweise schwächer vertreten.

    Genau die gleiche Messlatte ziehe ich bei den UFO-Mythen: Gegen Faszinationen, Hoffnungen etc. ist m.E. überhaupt nichts einzuwenden – wohl aber gegen Versuche, z.B. fiktive Planeten und frühere Alienbesuche als “wissenschaftlich” auszuweisen.

    Ebenso z.B. auch Islam: grundsätzliche Wertschätzung, aber z.B. Kritik am Salafismus, der ja ebenfalls die Wissenschaft zu ver- bzw. zu unterwerfen versucht:
    https://scilogs.spektrum.de/…ten-das-internet-benutzen

    Kurz: Radikale aller Seiten tendieren gerne dazu, Mythen und wissenschaftliche Erzählungen ineinander zu werfen. Dies halte ich für gefährlich, schädlich und unnötig, zumal beide Narrative völlig unterschiedliche Funktionen erfüllen.

  21. @HF

    Gerne gehe ich auf Ihre Erwartungen ein.

    Was ich mir von einer Religionswissenschaft erwarte?
    Nicht weniger als eine Antwort auf die letzten Fragen!

    Ganz ehrlich: Die kann ich nicht bieten. Ich wage sogar zu bezweifeln, ob Wissenschaft alleine solche Antworten jemals wird liefern können.

    Was ich hier biete sind Einblicke in und Diskussionen um Religionswissenschaft und die Evolutionsforschung zu Religiosität und Religionen. Ich lade Sie ein, Wegstrecken mitzugehen – verspreche aber ausdrücklich keine letzten oder höchsten Wahrheiten.
    Wenn man sich nicht auf eine Taxonomie der Glaubensinhalte beschränken will, muss man zumindest die Psychologie und die Evolution von Glaubensvorstellungen hinzunehmen.

    Da rennen Sie bei mir absolut offene Türen ein – genau in diesem Bereich habe ich promoviert und publiziert, z.B. hier:
    https://scilogs.spektrum.de/…ce-shop.de/artikel/969531

    Auch in der aktuellen Gehirn & Geist finden Sie einen Artikel genau zum Bereich auch Ihrer Überlegungen:
    http://www.gehirn-und-geist.de/…d-gehirn/1157557

    Freilich will ich ehrlich sein: Ein Blog ist kein wissenschaftliches Seminar. Hier lassen sich Themen präsentieren, andiskutieren, verknüpfen – aber für Spezialdiskurse sind die Voraussetzungen der Teilnehmenden zu unterschiedlich und ist meine Zeit auch zu begrenzt. Blogs sind eine schöne Ergänzung, aber m.E. kein Ersatz für wissenschaftliche Publikationen, Seminare und Tagungen.

    Wenn trotz dieser “Einschränkungen” noch genug für Sie geboten ist, heiße ich Sie hiermit gerne herzlich willkommen! 🙂

  22. zum Maßstab

    Die Ufologen sagen fälschlicherweise: Wie sind wissenschaftlich unterwegs, was anzumängeln ist, bestimmte und von Ihnen grundsätzlich geschätzte Religiöse [1] sagen: Wir predigen die Wahrheit.

    Letzteren begegnen Sie anders und positiver als den partiell oder vorgeblich wissenschaftlich bemühten Ufologen?? [2]

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1] Die christliche Theologie ist hier nicht gemeint, man sichert sich dort gerade im Verhältnis zur Wissenschaft über den bewusst erfolgten Glaubensentscheid ab.
    [2] Falls ja, wäre der Bruch des Maßstabes bereits herausgearbeitet. Bonusfrage dann noch: Warum machen Sie das?

  23. @Webbär

    Klar dürfen Prediger Wahrheitsansprüche erheben – so wie Philosophen, Künstlerinnen, Literaten, Humanistinnen etc. auch. Sie haben ganz sicher auch welche, sonst würden Sie sich ja nicht zutrauen, über andere Wahrheitsansprüche urteilen zu können. Und genau das, unterschiedliche Wahrheitsansprüche haben und friedlich verkünden zu dürfen, umfassen die Menschenrechte der Glaubens- und Gewissensfreiheit, die wir uns weder von religiösen noch weltanschaulichen Radikalen nehmen lassen sollten. Punkt.

  24. Ansprüche

    Jaja, wenn Ufologen oder Kreationisten den Anspruch stellen wissenschaftlich zu arbeiten, dann weisen Sie das (grundsätzlich ganz zu Recht) zurück, wenn aber Religiöse angeben gleich die Wahrheit gepachtet zu haben, dann fällt das unter Religionsfreiheit und die Kritik gilt Ihnen als unfein.

    Tatsächlich sind das aber zwei gut vergleichbare Gruppen, die man mit dem selben Maßstab bearbeiten könnte … und sollte.

    MFG
    Dr. Webbaer (der sich nun gerne ausklinkt)

  25. @Webbär

    Beachten Sie den Widerspruch: Wenn Sie über die empirisch fassbare Wirklichkeit hinaus reichende Wahrheitsansprüche anderer herausfordern wollen, dann müssen Sie dazu selbst welche erheben. Staat und Wissenschaft(en) tun also gut daran, sich hier nicht aufs totalitäre Glatteis führen zu lassen, sondern den Religionen und Weltanschauungen die Freiheit zum Wettbewerb zu lassen. Genau das sehen die Menschen- und Grundrechte weise vor.

  26. Hallo Michael Blume,

    Zu: “Jede Art von Gedanken und auch von Wahnbildern sind real, weil man sie im betreffenden Gehirn sowohl physikalisch nachweisen, als auch physikalisch erzeugen kann.”

    Das bedeuet, dass alle Gedanken und alle Wahnbilder genau im betreffenden Gehirn physikalisch real existieren, und natürlich nicht an irgendwelchen anderen Orten, an denen sie nicht nachweisber sind.

    Natürlich können sich die Gedanken und die Wahnbilder auf das Verhalten von Menschen und von ganzen Gruppen von Menschen stark auswirken.

    Ob ein physikalischer Vorgang innerhalb oder ausserhalb eines menschlichen Gehirns stattfindet, das ändert überhaupt nichts daran, dass er real ist, das ändert höchstens die Art des physikalischen Vorganges.

  27. @Karl Bednarik

    Für diesen Ansatz habe ich durchaus Sympathie. Freilich existieren Ideen und Glaubensüberzeugungen dann nicht nur im einzelnen Gehirn, sondern nehmen auch in Kooperationen, Gemeinschaften, Traditionen, Gebäuden, Institutionen etc. Wirklichkeit an. Das trifft m.E. die beobachtbaren Sachverhalte ganz gut.

  28. @Blume

    “Wenn Sie über die empirisch fassbare Wirklichkeit hinaus reichende Wahrheitsansprüche anderer herausfordern wollen, dann müssen Sie dazu selbst welche erheben.”

    Den Satz versteh ich nicht ganz… können Sie mir helfen?
    Der Webbaer hat ja ausnahmsweise nicht ganz unrecht.
    Was unterscheidet z.B. diese Aussagen:

    “Jesus liebt dich”
    “Jesus wird wieder kommen”
    “Die Annunaki lieben dich”
    “Die Annunaki werden wieder kommen”

  29. @Thomas: Mythen vs. empirische Theorien

    Die erwähnten Glaubensaussagen sind je als mythisch-metaphysische Glaubensaussagen völlig okay und könnten empirisch weder bestätigt noch widerlegt werden. Inhaltliche Unterschiede dürften sich z.B. daraus ergeben, ob und wie die Glaubenden je Gemeinschaften begründen, wie sie Jesus und die Annunaki wahrnehmen, was für sie diese Liebe bedeutet, welches Verhalten als Reaktion auf diese Liebe (Beziehung?) gelehrt wird usw. Dies alles fiele in den Bereich der Religionsfreiheit. Auch die Ausbildung einer metaphysischen Annunaki-Theologie wäre noch gar kein Problem, sondern ggf. interessant. (Und Sie sehen schon: Es wäre keineswegs alles gleich, zwar sind alle religiösen Traditionen vergleichbar, aber ebenso ist jede einzigartig.)

    Eine Überschreitung der Mythen in den Bereich der Pseudo-Wissenschaft wäre jedoch dann erreicht, wenn z.B. gelehrt würde: “Dass Jesus Gottes Sohn ist bzw. die Annunaki die Pyramiden erbaut haben, lässt sich wissenschaftlich beweisen!” Dann würden aus den Glaubensaussagen pseudo-wissenschaftliche Aussagen gezogen, die empirisch nicht haltbar sind und also nur über Vorwürfe der Ignoranz und Verschwörungstheorien aufrecht zu erhalten wären. Und dann käme eben Kreationismus heraus, wie ihn sowohl christliche Fundamentalisten wie auch UFO-Glaubende ja auch beobachtbar (und in verblüffenden “Allianzen”) verkünden.

    Ob Sie sich also von Jesus oder den Annunaki geliebt glauben, ist Ihre Freiheit und Ihre Sache (und die Ihrer Gemeinde, wenn Sie eine haben). Sie können diese auch gerne verkünden und weitere Konvertiten gewinnen. Die jeweiligen Glaubensinhalte und die daraus folgeden Auswirkungen werden Religionswissenschaftler gerne beobachten, beschreiben, vergleichen usw.

    Wenn Sie aber beginnen, diese metaphysischen Glaubensaussagen als (pseudo-empirische) Wissenschaften zu verkünden, wird ein wissenschaftlicher Dialog leider schwer bis unmöglich und ich würde mir dann auch erlauben, das kritisch zu begleiten.

  30. Hallo Michael Blume,

    Die Menschen neigen dazu, Überbegriffe oder Sammelbegriffe für mehrere relativ unabhängige, relativ ähnliche Vorgänge zu bilden.

    Zum Beispiel die “Evolution” für zahlreiche, unterschiedliche Vorgänge bei zahlreichen, unterschiedlichen Lebensformen.

    Die “Evolution” ist also kein festes Objekt wie zum Beispiel ein Tisch.

    Für die Gesamtheit aller Gottesvorstellungen aller gläubigen Katholiken könnte man ebenfalls einen Überbegriff verwenden.

    Dieses aus vielen Teilen aufgebaute Super-Objekt hat natürlich auch physikalische Wechselwirkungen mit seiner Umgebung.

    Wirklich abenteuerlich, und teileise auch irreführend, wären die Bezeichnungen wie “Virus” im Sinne von Computer-Virus, oder wie “Mem” im Sinne von Gen.

  31. @Blume

    Danke, völlig einverstanden.

    Noch eine Konkretisierung:

    “”Dass Jesus Gottes Sohn ist bzw. die Annunaki die Pyramiden erbaut haben, lässt sich wissenschaftlich beweisen!””

    Das sind natürlich unhaltbare Aussagen.
    Nun ist die religiöse Praxis aber ziemlich nah an so einer Aussage, wenn die Gemeinde das Credo betet.

    Wo sehen Sie da den Unterschied in den Wahrheitsansprüchen: “Jesus ist Gottes Sohn” vs. “Es ist Fakt, dass Jesus Gottes Sohn ist.”

    Ich frage, weil in meinem Sprachgebrauch das identisch ist.

  32. @Thomas

    Eine moderne, aufgeklärte Theologie, die auch durch das Kältebad der Dekonstruktion hindurchgegangen ist, würde niemals sagen: Es ist ein (wiss.) Faktum, dass Jesus Gottes Sohn ist. Schon aber die metaphorische Umschreibung “Jesus ist Gottes Sohn” benutzen. Die Theologinnen Dorothee Sölle und Luise Schottroff haben in ihrem interessanten Buch “Jesus von Nazareth” diese symbolische Ebene der Bibel gut herausgearbeitet und nennen es die “Kraft der Legenden”. Maria’s “Jungfrauengeburt” ist für sie ein Bild dafür, dass Geburt in letzter Instanz ein geheimnisvolles Geschehen ist, das eher als ein Wunder, als “Handeln Gottes” denn als Folge einer sexuellen Beziehung erlebt wird. Dies erleben – laut Sölle und Schottroff – in der Bibel auch Sara, Rebecca und Rahel so, auch die Hebräische Bibel sieht eher Gott als den Geber des Lebens als einen irdischen Erzeuger.

  33. @Thomas: Epistemologischer Pluralismus

    Nun, vielleicht ist das genau der Punkt: Dass uns die Wissenschaft helfen kann, sorgfältiger (auch sprachlich) zu unterscheiden.

    Wir können uns (je nach Glaubenshaltung) in einem Weihnachtsgottesdienst von Gottes Liebe erfassen lassen, wir könnten sogar erforschen, wie sich diese Glaubensüberzeugung mit der Gemeinde, den Ritualen, Symbolen, Geschichten usw. auf uns und andere auswirkt usw. Aber wir sollten deswegen die religiöse Weihnachtsgeschichte selbst nicht für eine wissenschaftliche Theorie halten – das würde weder der Wissenschaft noch der Religion gerecht.

    Oder nehmen Sie Guernica von Picasso: Wir beide werden uns wahrscheinlich schnell einig, dass das Bild weder eine fotografische Darstellung noch eine wissenschaftliche Studie über das damalige Bombeninferno darstellt. Achten wir es jedoch als Kunstwerk, so kann es uns “Wahrheiten” vermitteln, die uns eine Fotografie oder empirische Studie alleine vielleicht nicht hätte vermitteln können.

    Unser Leben wird ärmer, wenn wir noch eine Erkenntnisart kennen. Und wenn Sie z.B. einen Liebesbrief an Ihre große Liebe verfassen, so bin ich mir sicher, dass diese überwiegend nicht-wissenschaftliche Aussagen enthalten wird, die aber hoffentlich dennoch als “wahr” ankommen. 😉

  34. @Sünner und Blume

    wahrscheinlich ist das das, was mich von einem religiösen Menschen unterscheidet.
    Symbole, Rituale, Metaphern etc. sind für mich grundsätzlich wertlos, sprich, ohne Bedeutung in meinem Leben.

    Eine Erzählung (oder ein Bild von Picasso) kann mich berühren, zum Nachdenken anregen.
    Aber diese Erfahrung dann in einer Gemeinde als Wahrheit zu verkünden… nein, das kann ich definitiv nicht nachvollziehen.

    Und auch Liebesbriefe mit (in meinen Augen) belanglosen Metaphern zu füllen… ? Nein, dieser (für Sie) Reichtum entgeht mir wohl.

  35. Sich-Erheben

    Wenn Sie über die empirisch fassbare Wirklichkeit hinaus reichende Wahrheitsansprüche anderer herausfordern wollen, dann müssen Sie dazu selbst welche erheben.

    Sich dbzl. erheben muss man nicht, wenn man ‘Wahrheitsansprüche herausfordern’ will.

    Geht ja oft auch gar nicht.

    Der kluge Mensch (oder Bär) weiß um die Wahrheit als Konstrukt und darf (oder: muss) derartige “Wahrheit” anderer oft zurückweisen.

    Ansonsten hätten ja auch die (von uns beiden weggelächelten) Atheisten recht, wenn sie die Nichtexistenz Gottes postulieren oder für wahr halten. [1]

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1] Dawkins immerhin als Prozent- oder Odds-Geber: ‘”Ich schätze die Wahrscheinlichkeit der Existenz Gottes auf etwa zwei Prozent”, sagt Dawkins trocken beim Interview.’ (Quelle) – aber auch ganz schön grell

  36. @Thomas

    “Symbole, Rituale, Metaphern etc. sind für mich grundsätzlich wertlos, sprich, ohne Bedeutung in meinem Leben.”
    Ich glaube, da irren Sie sich gewaltig. Oder gehören Literatur, Kino, Kunst, Tag- und Nachtträume, sprachliche Metaphern nicht zu Ihrem Alltag? Ein Bild von Picasso ist ein Dokument symbolischer Sprache, unsere Alltagssprache ist voller Bilder und selbst die Wissenschaft kommt nicht ohne Metaphern aus. Dazu ein interessanter Satz von Picasso: “Wir wissen alle, daß Kunst nicht Wahrheit ist. Kunst ist eine Lüge, die uns die Wahrheit begreifen lehrt, wenigstens die Wahrheit, die wir als Menschen begreifen können. Der Künstler muß wissen, auf welche Art er die anderen von der Wahrhaftigkeit seiner Lügen überzeugen kann.” Für Lüge könnte man auch einsetzen: Symbol, Bild, Modell, Metapher …

  37. @Sünner

    dann haben wir ein anderes Verständnis von Symbolen etc.

    Ein Symbol ist für mich z.B. das Kreuz. Also ein Ding, das von Menschen mit Bedeutung aufgeladen wird. Für mich ohne Bedeutung und mir fällt auch bei weiterem Überlegen kein Ding ein, das für mich symbolischen Wert hätte.

    Ein Ritual ist vielleicht die morgendliche Tasse Kaffee mit Zigarette oder das abendliche Gebet… ebenfalls Fehlanzeige, solche Dinge gibts bei mir nicht.

    Ich versteh leider weiterhin nicht, was Picasso und Sie mit Wahrheit meinen.
    Kunst ist eine Metapher für die Wahrheit? Oder ein Symbol? Was soll das konkret bedeuten?

  38. @Thomas

    Picasso überspitzt natürlich in polemischer Absicht. Er meint, dass wir an die Wahrheit nicht direkt herankommen. Nur über den Umweg von Begriffen, Bildern, Symbolen etc.
    Was ist ein Baum? Etwas, dass der Buchstabenkombination “B A U M” entspricht? Oder einer chemischen Formel? Wir umkreisen das, was ein Baum sein könnte mit den “Sprachspielen” der Biologie, Ökologie, Dichtung, Malerei und vielleicht noch weiteren Sprachspielen (der “Weltenbaum” der Mythen und Schamanen?) Rituale gibt es auch viele in unserem Leben, ohne dass sie religiös sein müssen. Sie denken immer zu schnell an Religiöses, gegen das Sie eine Allergie haben. Daher reagieren Sie auch allergisch auf Symbole, Metaphern etc.
    Picassos Bild “Guernica” sieht ja nun ganz anders aus als ein Foto dieser Katastrophe oder? Daher ist es eine “Lüge”, eine indirekte, symbolische Annäherung des Künstlers an das Grauen, die Gewalt, den Tod, die uns aber seelisch viel tiefer berühren kann, als ein “realistisches” Foto oder ein Zeitungsreport.

  39. Symbole

    Picassos Bild “Guernica” versteht man nur dann, wenn man die Geschichte der Stadt Gernika kennt.

    Beim Hund setzt Speichelfluss nur dann bei einem Glockenton ein, wenn er weiss, dass er häufig nach einem Glockenton gefüttert wird.

    Symbole sind (An-)Zeichen für etwas ganz anderes.

    Rene Magritte: “Dies ist keine Pfeife.”

  40. @Thomas

    Der grosse Unterschied zwischen dem christlichen “Jesus ist Gottes Sohn” und “Die Annunaki sind Astronauten gewesen” ist ggf. nicht der Wahrheitsgehalt, der hängt halt vom “Glauben” ab, sondern die Herkunft dieser Aussage.

    Erstere kommt sozusagen aus den “heiligen Schriften” der Christen, während KEIN Mesopotamier im Alten Orient diese Astronautengeschichte erzählt hat … die wurde den Sumerern, Akkadern oder Babyloniern Jahrtausende später untergeschoben.

    Die “Päläoastronautik” ist sozusagen nicht authentisch bzgl. der “missbrauchten” historischen Texte und dem historischen Kontext.

    Für mich ist das deutlich näher an “Betrug” oder “Lüge” als der Versuch die komplexe Welt mit Mythen zu erklären, wie z.B. die “traditionellen” Religionen das tun.

    Es ist ja auch nicht so, dass Sitchin & Co. die “alten” Religionen erweitert / modernisiert hätte, wie es bei alten Religionen z.B. vom Judentum zum Christentum durch Bildung von Splittersekten geschieht, sondern die älteren Mythen werden einfach als Medium für “neue” Ideen benutzt, ggf.kann man auch eine Masche zum Geldverdienen erkennen – Pseudewissenschaften mit pseudehistorischem Hintergrund verkaufen sich vielleicht länger / besser als einfaches Fantasy.

  41. http://www.sitchiniswrong.com

    Diese Seite wurde mir mehrfach „ans Herz gelegt“ – und so schrieb ich dem Autor. Wir diskutierten die Zahl der Planeten im Sonnensystem und das Rollsiegel VA 243. Dann schrieb er mir am 19.07.10: „Ich habe nicht viel Zeit für E-Mails… Ich bin ein außerordentlicher Professor zusätzlich…“ und damit endete die Korrespondenz.

    In der Antwort 3 heißt es: „Diese Verbindung ist eher von Sitchin-Schülern hergestellt worden. Sitchin selbst sagte die Rückkehr von Nibiru für 2090 voraus.“ Diese Zahl ist mir weder bekannt noch aus seinen Veröffentlichungen logisch – es gibt auch Veröffentlichungen, die ich nicht gelesen habe – hier wäre eine Quelle sinnvoll!
    Aus den Büchern von Z. Sitchin ergibt sich, dass Nibiru noch über 800 Jahre braucht und z. Z. über 350 AE von uns entfernt ist.
    Die Katastrophenautoren, die Nibiru seit 2003 jedes Jahr kommen sehen, dann 2009/10, aber bestimmt 2012 haben zwar teilweise Z. Sitchin erwähnt, inkl. Dr. Freistetter „2012 – keine Panik“, was ich ja auch aus meiner Sicht unterstützte.
    Im Kapitel der Leseprobe – hier kollidiert Nibiru sogar mit der Erde – obwohl er im Asteroidengürtel seinen Wendepunkt hat (S. 249)
    https://scilogs.spektrum.de/…k-von-florian-freistetter .
    Aber recherchiert hat keiner von ihnen in den Bücher von Z. Sitchin. Dann wären sie darauf gekommen, dass der Planet Nibiru noch weit ist, viel zu weit, und keins der Bücher hätte geschrieben werden können!

  42. @Klaus Deistung

    Haben Sie sich schon einmal Gedanken gemacht, warum auch Michael Heiser schließlich die Korrespondenz mit Ihnen abbrach? Haben Sie wirklich keine Ahnung, wie Ihre Textlawinen bei wissenschaftlich argumentierenden Menschen ankommen?

  43. @ Michael Blume

    Sie haben hier wieder einmal eine Vermutung ausgesprochen, die ich ihnen in keiner Weise bestätigen kann. Dafür haben Sie aber (noch) nicht meine Frage nach dem Jahr 2090 beantwortet.

    Es ging ganz konkret um unser Sonnensystem auf dem Rollsiegel VA 243 – keine Textlawine – das ich auch im meinem Buch Himmelsschlacht erklärt habe. Und er hatte mir ja auch erklärt, warum er keine Zeit hat. Unter http://www.sitchiniswrong.com/about/about.htm steht eigentlich, warum er mir nicht mehr schreiben wollte/konnte: „You can contact Mike here.  Dr. Heiser is certainly willing to debate Zecharia Sitchin or anyone else who promotes his ideas.“

    M. Masters als „Planet X-Forscher“ im Interview bei Nexus 8/9-08 wurde gefragt: „Was ist, wenn Sie mit Ihren Annahmen falsch liegen? „ER“ antwortete:
    „Auch im Namen meiner Forscher- und Autorenkollegen kann ich Ihnen versichern, dass uns nichts lieber wäre, als völlig falsch zu liegen. Es wäre herrlich, auf unsere Fehler anzustoßen und jubelnd unsere „Meaculpas“ in die Welt hinauszuposaunen. Doch die Beweise sind zu überwältigend. Je genauer wir hinschauen, desto mehr finden wir, und je mehr wir finden, umso eindeutiger führt alles zu demselben Ergebnis: Ein sehr schmerzhaftes Ereignis kommt auf uns zu.“ Nibiru ist aber noch weit!
    http://www.nexus-magazin.de/…-marshall-masters/3 – auch mit meinem Kommentar.
    Hätte er bei Z. Sitchin nachgeschlagen, wäre ihm und seinen Forscher- und Autorenkollegen diese Blamage erspart geblieben! Es trifft aber auch viele Andere!

  44. @Klaus Deistung

    Es ist schon faszinierend – sobald es in den Debatten für Sie eng wird, weichen Sie einfach immer wieder auf neue, völlig andere Diskussionsfelder aus…

  45. @ Michael Blume – faszinierend?

    Meine Diskussion mit Dr. Heiser habe ich Ihnen weiter präzisiert.

    Zu Nibiru habe ich weitere Ausführungen gemacht und auf eine Veröffentlichung mit Zitat hingewiesen – und Schlussfolgerungen gezogen…
    Die Frage, auf die ich mich hier bezogen habe, war eine sehr weise Frage vom Nexus Magazin!
    Zu meinen Feststellungen und der konkreten Frage zur dritten Antwort von Dr. Heiser – schweigen Sie weiter…

  46. Rollsiegel VA 243 …

    Dafür das sich auf “VA 243” ein Sonnensystem befinden soll, gibt es keibe Hinweise.

    Ggf. steht da hat ein Stern als “dingir” oder “an” Logogramm. Eine “Sonne” sieht sonst immer anders aus!
    Aus den “Punkten” kann man sonstwas deuten, muss man aber nicht.
    Wie wäre es mit ein paar Sternchen, um die himmlische Sphäre (AN) anzudeuten? Es sind ja auch “nur” 11 Punkte und nicht 12 …

    Der Text auf dem Siegel ist auch nicht gerade “kosmisch” .. sondern eher profan.

  47. @ einer VA 243

    Unter: http://www.google.de/…mp;ved=1t:429,r:2,s:0,i:79 finden Sie weitere Darstellungen.
    Wenn es um die Sonnen geht, gibt es verschiedene Vergleichsbilder:
    http://www.google.de/…5&biw=1051&bih=894

    Auf meiner Homepages http://www.deistung.de/…themen/PlanetXNibiru.htm habe ich 2 wichtige Bilder dazu aufbereitet.
    – Erfassung der Himmelskörpergrößen vom Rollsiegel
    – entsprechende Umrechnung und Anpassung der natürlichen Größen der angegebenen Himmelskörper.
    Da der Künstler den Planeten Pluto für größer als den Mond hielt – habe ich den „Tausch“ mit eingeführt.

  48. Rückkehr Nibirus – Sitchins Aussage

    Dr. Heiser behauptet hier: „Sitchin selbst sagte die Rückkehr von Nibiru für 2090 voraus.“ Eine mehrfache Quellen-Anfrage ergab keine Antwort – aber Sitchin is wrong!
    In „Apokalypse“ [SY] schreibt Z. Sitchin S. 300: „…dass mit seiner Wiederkunft um das Jahr 2900 n. Chr. zu rechnen ist.“ Stellung Nibiru 2012 vgl. dazu: http://www.deistung.de/…themen/PlanetXNibiru.htm

    [SY] Sitchin, Z.: Apokalypse. Kopp, Rottenburg 2007

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