Infrastruktur statt Stillstand im Friedensparadox – Pro Stuttgart 21

In dieser Urlaubswoche hatte ich die Gelegenheit, mit Zehra und einem unserer Kinder trotz brütender Klima-Hitze an einer dreistündigen Baustellenführung zum Bahn- und Infrastrukturprojekt Stuttgart 21 vom Infoturm Stuttgart (ITS) teilzunehmen. Wir hatten das vor vielen Jahren schon einmal gemacht und waren nun – trotz aller Verzögerungen – vom Baufortschritt sehr beeindruckt.

Zehra & Michael Blume während einer Baustellenführung zu Stuttgart 21 mit Helm und Westen vor einem Kinder-Wimmelbild der Baustellenführung.

Zehra & Michael Blume bei einer Baustellenführung des Infoturm Stuttgart (ITS) zu Stuttgart 21. Foto: Benian Blume

Zehra engagiert sich inzwischen bei den Grünen, ich bin – trotz erheblicher Unzufriedenheit mit der derzeitigen, rechtsmimetischen und viel zu fossilen Bundesregierung von Friedrich Merz & Katherina Reiche – weiterhin in der CDU Mitglied.

Dass ich mich von jung an als Christdemokrat, aber gerade deswegen nicht plump als „konservativ“ verstehe, hat auch mit meiner grundsätzlich positiven Haltung zu gemein-nützigen Infrastrukturprojekten zu tun: Ich meine, dass jede – auch demografisch bereits schrumpfende – Gesellschaft immer wieder den Mut und Willen zu neuen Projekten finden sollte. Wer nur das Bestehende erhalten und nichts Neues erreichen will, wird unweigerlich scheitern.

Aus meiner Sicht besteht die Gefahr eines Friedensparadox analog zum Präventionsparadox:

Wenn Infrastruktur und Impfungen über Jahrzehnte erfreulich gut funktionieren, werden jene Stimmen lauter, die den Bedarf an neuen Investitionen und Impfungen nicht mehr erkennen.

Dann besteht nach meiner Auffassung die Gefahr, dass die Investitions- und Impfquoten schleichend unter ein nachhaltiges Niveau sinken und damit die Grundlagen für Frieden, Wohlstand und Gesundheit erodieren. So fanden sich die autoritären, preußischen Monarchen erst nach einer katastrophalen Niederlage gegen Napoleon Bonaparte (1769 – 1821) in der Doppelschlacht von Jena und Auerstadt am 14. Oktober 1806 zu Reformen bereit. Und sie versagten erneut als auch antisemitische Reaktionäre in den Jahrzehnten nach dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71, führten das Deutsche Kaiserreich mit einem wahnwitzigen Militarismus in die Katastrophe und Niederlage des Ersten Weltkrieges. Wer nur in der Vergangenheit leben will, verspielt die Zukunft.

Der kunst- und geschichtskundige Publizist Heinz Ohff (1922 – 2006) fragte treffend zur preußisch-deutschen Geschichte:

„Warum muß immer erst ein Krieg verlorengehen, ehe die Vernunft siegt?“

Aus meiner Perspektive ist es die Verantwortung jeder Demokratie, durch Dialog und Gewaltenteilung auch in Friedenszeiten immer wieder Vernunft zu ermöglichen.

Das Cover des eBooklets "B wie Berlin. Babylon, Preußen und der fossile Faschismus" zeigt links ein buntes B in einer Wüste und rechts Dr. Michael Blume beim Berliner Bären in der Bundesakademie für Sicherheitspolitik.

In meinem eBooklet „B wie Berlin“ diskutiere ich die Gefahr autoritärer und modernisierungsfeindlicher Erstarrungen am Beispiel der fossilen Geschichte von Preußen. Screenshot: Michael Blume   

Neues wagen: Die FILharmonie Filderstadt & die neue Landesmesse Stuttgart

So sprach ich mich schon als Jugendlicher in Junger Union und Jugendgemeinderat für eine geplante, neue Stadthalle in meiner Heimatstadt Filderstadt, die heutige FILharmonie, aus. Gegner initiierten einen Bürgerentscheid dagegen, der jedoch am 22. September 1991 scheiterte. Am 3. Mai 1994 fand die Eröffnung statt und die FILharmonie wurde ein – und ist – ein großer Erfolg.

Parallel dazu hatte sich bereits die Diskussion um den Neubau der Stuttgarter Messe nahe dem Flughafen entfaltet, nachdem die Vorgängerin auf dem Stuttgarter Killesberg an ihre Grenzen gekommen war. Auch hier gab es erbitterte Widerstände und hoch emotionalisierte Demonstrationen und als ich als junger Gemeinderat bei einer Veranstaltung für das Zukunftsprojekt eintrat, schleuderte mir ein älterer und wütender Mann entgegen: „Blödsinn! Ich brauche keinen Arbeitsplatz mehr!“

Am 19. Oktober 2007 konnte die neue Landesmesse in Anwesenheit von Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) und auch des geschätzten Bundespräsidenten Horst Köhler (CDU) eröffnet werden. Auch etwa der CDU-Bundesparteitag im Februar 2026 fand auf dem Messegelände statt.

Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und Dr. Michael Blume beim CDU-Bundesparteitag im Februar 2026 auf der Landesmesse Stuttgart.

Post-fossile Politik. Mitglieder einer christ-demokratischen, keiner nur konservativen Partei. Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther & ich beim CDU-Bundesparteitag 2026 auf der Landesmesse Stuttgart. Foto: CDU S.-H.

Pro Stuttgart 21, die Volksabstimmung 2011

Meine Position zum Verkehrs- und Bahnprojekt Stuttgart 21 können Sie sich also vorstellen: Ich war und bin dafür. Auch hierzu gab es wieder erbitterte, wütende Widerstände.

Und eines Tages fragte mich mein Schwiegervater, ein deutscher Schreiner türkischer Herkunft: „Michael, warum sind denn so viele gegen einen neuen Bahnhof? In der Türkei würden sich die Menschen freuen!“ Worauf ich spontan antwortete: „Baba, in Deutschland gibt es immer weniger junge Menschen, die offen für Neues sind. Viele ältere Menschen, denen es gut geht, sehen in großen Zukunftsprojekten aber für sich selbst keine Vorteile mehr.“

Doch auch Befürworter des Projektes begingen Fehler und beim sogenannten „Schwarzen Donnerstag“ am 30. September 2010 wurden Demonstranten schwer verletzt. Dieses allzu autoritäre Vorgehen trug neben der Atomkatastrophe von Fukushima zur Wahlniederlage der jahrzehntelang regierenden Union und zur Wahl von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) bei.

Nach einem Schlichtungsverfahren unter Leitung von Heiner Geißler (CDU, 1930 – 2017) kam es unter der grün-roten Landesregierung zu einer landesweiten Volksabstimmung. Diejenigen von uns, die quer durch alle Generationen das Bahnprojekt bejahten, setzten sich im November 2011 bei der landesweiten Volksabstimmung zu Stuttgart 21 mit 58,9 Prozent der Stimmen durch.

Die Tafel im Ausstellungsturm zu Stuttgart 21 stellt das Ergebnis der Volksabstimmung im November 2011 zum Infrastruktur- und Bahnprojekt dar: 58,9 Prozent der Abstimmenden in Baden-Württemberg stimmten dafür, nur 41,1 Prozent dagegen.

Ergebnis der Volksabstimmung vom November 2011 zur Finanzierung von Stuttgart 21: 58,9% der Abstimmenden in Baden-Württemberg befürworteten die Fortsetzung des Projektes, 41,1% lehnten es ab. Foto: Michael Blume

Dass jedes neue Projekt auch Zeit- und Kostenrisiken enthält, bestreite ich dabei gar nicht: Die Menschen der Vergangenheit begannen oft den Bau von Kathedralen und Kanälen, obwohl sie die Kosten nicht mal abschätzen konnten und nur sicher wussten, dass es zu ihren Lebzeiten nicht fertig werden würde.

Doch angesichts der Klima-, Wasser- und Hitzekrise sehe ich in den kommenden Jahrzehnten keinen Bedarf an fossilen Gaskraftwerken, sondern an einer modernen, post-fossilen Infrastruktur:

Deutschland und Europa brauchen den schnelleren Ausbau erneuerbarer Friedens-, Wohlstands- und Heimatenergien plus Batteriespeichern, wie sie etwa im Landkreis Wunsiedel längst funktionieren. (Post-fossile Energiewende)

Deutschland braucht wieder eine wieder funktionstüchtige Bahn und einen wieder funktionierenden ÖPNV, die durch Elektroautos, eBikes und Fahrräder ergänzt werden. (Post-fossile Verkehrswende)

Ich war zwölf Jahre in einem damals veraltenden ÖPNV in der Region Stuttgart unterwegs, bevor ich bereits 2017 auf ein französisches Elektroauto umstieg. Inzwischen fahre ich auch mit einem eBike etwa 18 Kilometer zur Arbeit (#mdRzA). 

Deutschland und Europa brauchen dringend Klima- und Hitzeresilienz etwa in Schulen, Innenstädten und Krankenhäusern, da die Zahl der Hitzetoten sonst immer weiter steigen wird.

Ein Kind steht erschrocken vor einem Panorama, in dem links Wälder brennen und rechts Starkregen eine alte Stadt flutet.

Als ich 2024 zu Extremwettern wie Waldbränden und Überflutungen durch die globale Erhitzung bloggte, tobten wütende Reaktante und fossile Reaktionäre. Bild: Michael Blume mit Leonardo.ai

Deutschland und Europa brauchen blühende Solarpunk-Arche-Regionen, in denen sich auch junge Familien um gut ausgestattete Bildungs- und Gesundheitsstrukturen, Hochschulen, Forschungsnetzwerke und post-fossile Unternehmen ansiedeln.

Demografie ist die noch immer deutlich unterschätzte, wirtschaftliche und politische Kraft: Wo junge Menschen ausbleiben und abwandern, haben es Investitionen immer schwerer und bricht schließlich auch die Zukunfts-Zuversicht zusammen, droht sich Rechtsmimesis festzusetzen: Immer mehr Menschen träumen sich dann in eine idealisierte Vergangenheit, die es so niemals gab. Einstmals progressive, moderate und christdemokratische Parteien drohen dann nur noch konservativ zu werden – und damit zu Recht das Vertrauen der Menschen zu verlieren.

Aus all diesen Gründen unterstütze ich auch weiterhin mit meiner Familie das Infrastruktur- und Bahnprojekt Stuttgart 21 und freue mich auf dessen Eröffnung!

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

48 Kommentare

  1. Infrastruktur statt Stillstand !
    Wer wird da widersprechen. Nur Stuttgart 21 lehrt uns das Gegenteil.
    Es ging gar nicht in erster Linie um eine Verbesserung der Infrastruktur, denn die frei werdende Fläche wurde schon verkauft bevor die Abstimmung darüber erfolgte.
    Aus einem Sackbahnhof wurde ein Durchgangsbahnhof , aus 16 Gleixen wurden 9 Gleise.
    Diese Komprimierung bei den Ankunfts- und Abfahrtszeiten der Züge ist bis heute noch nicht technisch verwirklicht, bei der Digitalisierung hat man nämlich vergessen, dass man die alte analoge Steuerung der Weichen noch für alle ausländischen Güterzüge braucht.
    Das Fiasko bei der Verkabelung wurde erst jetzt bemerkt und niemand kann genau vorhersagen wann der neue Bahnhof eröffnet wird.

    Was noch schwerer wiegt, das neue Stadtviertel liegt in der Luftschneise für die Innenstadt.
    Das alles wurde nicht bedacht, geradezu fahrlässig haben die Stuttgarter Zeitungen gehandelt, die haben Partei ergriffen Pro Stuttgart 21, dabei gehört es zum Journalismus neutral zu bleiben.
    Und die Folge, die Hälfte der Zeitungskäufer haben die Stuttgarter Zeitung nicht mehr abonniert, denn etwa die Hälfte der Stuttgarter war gegen Stuttgart 21.

    Sorry Herr Blume, diesesmal gibt es Gegenwind.

    • Danke, @NI – „Gegenwind“ erfahre ich doch auch auf diesem Blog täglich. 😌

      Und selbstverständlich habe ich damit auch gerechnet: Ob es um die Einführung von Impfungen, der Gurtpflicht, die FILharmonie Filderstadt, den Euro, die Landesmesse Stuttgart, um Elektroautos, Erneuerbare Friedensenergien oder um Stuttgart 21 geht – in einer unterjüngenden Gesellschaft gibt es stets politische und mediale Wellen von Reaktanz und „Dagegen!“.

      Wenn es dann aber durch ist, beruhigen sich die Gemüter meist schnell, es setzt Gewöhnung ein und der Widerstand sucht sich neue Objekte.

      Insofern wäre ich sehr überrascht gewesen, wenn es hier und auf Mastodon nur Zustimmung gegeben hätte. 😌🚅🌈

    • From this perspective, infrastructure investment can be seen as an alternative to stagnation. Modern rail infrastructure can improve connections, increase capacity, support urban development, and make public transportation more attractive. The Stuttgart region’s long-term development is closely connected to questions of mobility, land use, and sustainable investment.

      • Thanks a lot, @Oleg

        From my point of view, all regions where human life is supposed to thrive in the future are facing big challenges. One of them is investing in infrastructure. This gives the chance to become a Solarpunk ark.

  2. Hallo. Ich stimme Ihrem Text grundsätzlich zu (auch wenn ich spontan erst mal gegen Stuttgart 21 reagiere, aus bekannten Gründen).
    Allerdings eine kleine Anmerkung:
    die Gleichsetzung von Impfung und Investitionen – das hat etwas Verzeihung unlauteres bzw. manipulatives.
    oder halten Sie Investitionen tatsächlich für vergleichbar in Ihrer Wirkung auf unsere Gesellschaft?
    Zudem sind Investitionen nicht per se „gut“, schließlich wird leider oft genug in das Falsche investiert. Etwas, was Sie selbst ja häufig detailliert und sachkundig vorführen.

    Darüber hinaus aber: ja, der Bahnhof wird wenn er endlich fertig ist hoffentlich trotz aller Probleme und viel zu hoher Kosten einen wichtigen Beitrag leisten zur Verkehrswende.

    • Herzlichen Beitrag zum Interesse und zur Nachfrage, @Cornelia Gliem

      Ja, ich habe das Nebeneinander von Präventions- und Friedensparadox, von Impfungen und Infrastruktur sehr bewusst gewählt. Dahinter steht meine schon längere, religions- und politikwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen der sogenannten „halbierten Moderne“ im Salafismus:

      Die meisten islamischen Salafisten beanspruchen für sich selbstverständlich Mobiltelefone, Fahrzeuge, Medikamente – lehnen aber die damit verbundenen Ansprüche etwa der Bildung, Wissenschaft und Gleichberechtigung ab. Ganz extrem wird dies gerade in Afghanistan durchgezogen, wo Frauen auch nicht mehr als Hebammen oder Ärztinnen ausgebildet werden dürfen – mit schon jetzt absehbaren, katastrophalen Folgen!

      In meinem Buch „Islam in der Krise“ (Patmos 2017) hatte ich dazu eine kluge Weisheit vom Bosporus mitgebracht, Zitat S. 77:

      „Ein türkischer Witz bringt das Dilemma auf den Punkt: Demnach habe ein Salafist in Istanbul ein Taxi geordert.

      Kaum eingestiegen, habe er den Taxifahrer angeherrscht: ‚Machen Sie das Radio aus – der Prophet hat auch kein Radio gehört!‘

      Daraufhin habe der Fahrer das Fahrzeug seelenruhig angehalten und dem vermeintlich Frommen empfohlen:

      ‚Wenn das so ist, dann steigen Sie bitte aus und warten auf das nächste Kamel!“

      https://shop.verlagsgruppe-patmos.de/islam-in-der-krise-010956.html

      Und diese durch Reaktanz und dann feindseligen Dualismus bis hin zu Verschwörungsmythen „halbierte Moderne“ gab und gibt es selbstverständlich nicht nur unter muslimischen Menschen: Auch aktuell bekämpft die regierende MAGA-Bewegung von Donald Trump gleichzeitig die Wissenschaft, die Energiewende und Impfungen!

      Genau davor hatte ich bereits früh und ebenfalls in Buchform gewarnt.

      Hier beim DLF schon 2021:

      Nach einem Band zum Islam und einem zu Antisemitismus befasst sich der Religionswissenschaftler Michael Blume nun im dritten Band einer Trilogie mit dem Christentum. Und der Erkenntnis, dass die blutige Bruchlinie mit Anschlägen und Attentaten weniger ein religiöses Phänomen ist.

      Sie verlaufe vielmehr durch die Kulturen, betont er. Jitzchak Rabin etwa sei von jüdischem Extremisten ermordet worden, in der islamischen Welt gebe es heftige Kämpfe zwischen radikalen Islamisten und gemäßigten Muslimen, zwischen Sunniten und Schiiten.

      Die Impfdiskussion in Deutschland ziehe sich quer durch Kirchen, quer durch Weltanschauungen, quer durch Familien.

      Michael Blume schließt daraus: Wir haben nicht ein Problem mit den anderen, sondern ein Problem mit uns selber.

      Dahinter steckten zwei unterschiedlichen Weltanschauungen, „Lesarten der Welt“, wie er sagt, nämlich Monismus versus Dualismus.

      Das „Wir gegen die“ des Dualismus bedeute: „Ich akzeptiere meine Ängste und Unsicherheiten nicht, sondern spalte sie ab und werfe sie auf die anderen.“

      Die „anderen“ seien dann an allem schuld: die Muslime, die Migranten, die Juden, die Pharma-Lobby. So könne man „alle Ängste von sich abspalten und sie auf vermeintliche Weltverschwörer werfen“.

      https://www.deutschlandfunkkultur.de/rueckzug-oder-kreuzzug-100.html

      Bedeutet dies nun umgekehrt, dass ich also jedes Medikament und jedes neue Projekt sofort und ungeprüft befürworte?

      Selbstverständlich nicht: Ich erwarte vor Neuzulassungen eine ordentliche Prüfung durch die Scientikative und auch einen parlamentarischen Dialog, der bei größeren Infrastrukturprojekten auch durch Volksabstimmungen entschieden werden darf.

      Zugleich werde ich mich aber immer gegen diejenigen stellen, die zwar für sich selbst Technologien, Gesundheit und Wohlstand beanspruchen, gleichzeitig aber die Notwendigkeiten von Wissenschaft, Verantwortung und Gleichberechtigung bestreiten. Wer die Moderne „halbieren“ möchte, richtet damit riesige Schäden an.

      Und das ist ein Hauptgrund, warum ich auch als Christdemokrat mit der Bezeichnung als „Konservativer“ nichts anfangen kann und hierin dem langjährigen und erfolgreichen CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder völlig zustimme:

      Für mich ist konservativ eine Haltung, kein fest umrissener Inhalt. Die Menschen haben unterschiedlichste Vorstellungen davon. Dieses Diffuse, das den Begriff umwabert, entfremdet die Leute von der CDU. Weil sich jeder etwas Anderes von konservativer Politik verspricht, können wir nie alle Erwartungen erfüllen. Das führt zu Enttäuschungen.

      StZ: Was geht denn verloren, wenn sich die Union nicht mehr in erster Linie dem christlichen Menschenbild verschreibt?

      Die Identifizierung der Wähler mit unseren Positionen wird schwieriger. Die einen verstehen unter konservativ eine knallharte Haltung bei Migration oder der Abtreibungsfrage. Andere finden den Ausbau der erneuerbaren Energie eine konservative Aufgabe, weil sie die Natur schont. Deshalb ist mit dem Begriff „konservativ“ in praktischer Politik nichts anzufangen. Ich rate deshalb dringend, den Satz „Die CDU muss konservativer werden“ nicht mehr zu verwenden.

      https://www.stuttgarter-zeitung.de/politik/volker-kauder-die-cdu-war-nie-eine-konservative-partei-78943055.html

      Die unreflektierte, mimetische Übernahme der Begriffe konservativ-progressiv bzw. konservativ-liberal aus der angelsächsischen Konkurrenzdemokratien nach Kontinentaleuropa halte ich für kurzschlüssig. Und kläre also auch hier dagegen auf.

      Ihnen noch einmal Danke für die kritisch-konstruktive Nachfrage! 🙏🙌

    • Cornelia Gliem Betreff:“ die Gleichsetzung von Impfung und Investition

      Wenn man das Wort Investition als Vorsorge begreift, dann ist die Impfung die Vorsorge vor Krankheit, die Investition die Vorsorge vor allerlei Unbill , sei es Altersarmut, sei es steigende Heizungskosten, sei es Familienplanung.

      Wir vergessen nur zu schnell, dass wir gerade einer Pandemie entkommen sind, deshalb soll man den Gedanken an Impfungen genau so aktuell ansehen, wie eine sinnvolle Geldanlage für die Zukunft.

      Tipp: Betrachten wir den wöchentlichen Kirchgang auch als Vorsorge, gegen Hochmut und für mehr soziales Engagement.

  3. Wo ein Türke in Deutschland nur Bahnhof versteht, versteht ein Deutscher nur Rechnungen. Und baut Rechnungen ohne Bahnhof, bis der Zug abgefahren ist.

    [Nettes Wortspiel, aber danach eskaliert es ins Unangemessene. Daher mal wieder gekürzt, M.B.]

    • Paul S. Betreff: Türken und Deutsche im Vergleich

      Paul, das Sozialverhalten der Türken untereinander ist besser als zwischen Deutschen. Sie gehen eher wirtschaftliche Risiken ein, sie mieten ein Café auch auf die Gefahr hin, dass sie nach einem Jahr noch keine Gewinne machen. Und sie messen dem „Papierkram“ weniger Zeit zu.
      Und da ihnen die Familie auch wichtiger ist als bei den Deutschen, gibt es bei ihnen weniger Stillstand.

  4. Nun, gerne würde ich mich auch auf die Fertigstellung von Stuttgart 21 und die Eröffnung freuen. Das werde ich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr erleben.

    Auch ich habe 2011 für Stuttgart 21 gestimmt. Mittlerweile bereue ich das. Denn gerade die Menschen, die an der Gäubahn leben (und zu denen zähle ich auch), werden noch viele Jahre massiv beeinträchtigt sein.

    Meine Gesundheit macht es mir unmöglich, den „Marathon“ am Stuttgarter Hbf mitzumachen.

    Außer populistischen Sprüchen war vom neuen Bundesverkehrsminister zum Thema Bahn nichts konstruktives zu hören.

    Große Infrastrukturprojekte waren meist umstritten. Natürlich sind sie aber für die Zukunft wichtig.

    Die angespannte und teilweise extreme Lage, in der sich die öffentlichen Haushalte befinden, wird dazu führen, dass neue Großprojekte von der Bundesregierung und manchen Landesregierungen nur noch dann überhaupt in Erwägung gezogen werden, wenn sie der Wirtschaft, besonders aber der Automobilindustrie dienen.

    In Nürnberg gilt eine Haushaltssperre. Davon explizit ausgenommen, ist der Ausbau des Frankenschnellwegs. Der Vollumbau des Max-Morlok-Stadions wurde im Juli 2026 vom Nürnberger Stadtrat einstimmig beschlossen. Obwohl es sich um ein langfristiges Projekt handelt, bleibt die finanzielle Machbarkeit offen.

    In Stuttgart ist die Generalsanierung der Staatsoper geplant, aber aufgrund der damit verbundenen Kosten die in die Milliarde gehen, umstritten.

    Der „Littmann-Bau“, von dem das Große Haus (Opernhaus) den 2. Weltkrieg nahezu unbeschadet überstanden hat, wurde im September 1912 als Gebäudekomplex aus Großem und Kleinem Haus (Schauspiel) eröffnet. Letzteres wurde im 2. Weltkrieg zerstört und als zeitgemäß moderner Neubau 1962 seiner Bestimmung übergeben.

    Ich hoffe sehr, dass die Arbeiten wie geplant durchgeführt werden können, damit 2042 die Wiedereröffnung gefeiert wird. Auch das werde ich nicht mehr miterleben können.

    1912, kurz nach der Eröffnung, gastierte Enrico Caruso im damaligen Königlichen Hoftheater, wo er ein Jahr später noch einmal aufgetreten ist. Er hielt sich beide Male ca. eine Woche in Stuttgart auf.

    Im Laufe der Jahrzehnte kamen berühmte Sängerinnen und Sänger als Gäste an die Staatsoper Stuttgart. Leo Slezak, Richard Tauber, Mario del Monaco, Renata Tebaldi, Placido Domingo.

    Besonders hervorzuheben ist das Ensemble in den 1950er Jahren ff. Fritz Wunderlich, Wolfgang Windgassen, Gustav Neidlinger sind legendäre Namen aus dieser Zeit.

    Nicht zu vergessen sind die Dirigenten Fritz Busch, Franz Konwitschny und Carlos Kleiber, die einige Jahre in Stuttgart tätig waren.

    Ich hoffe sehr, dass der Bau des Architekten Max Littmann schon in wenigen Jahren in neuem Glanz erstrahlt. Im Gegensatz zum letzten König von Württemberg, der Kunst und Kultur sehr zugetan war, kann man das nur in Einzelfällen über unsere heutigen Politiker sagen. Allerdings haben wir in Baden-Württemberg Glück in dieser Hinsicht.

    Nein, ich lebe nicht in der Vergangenheit. Aber wer sie ignoriert oder nicht für wichtig hält, läuft Gefahr, dass sich Fehler wiederholen.

    Wer meint, Menschen nach Gutsherrenart regieren zu können, müsste in der heutigen Zeit eigentlich scheitern. Für viele Menschen gibt es neben Arbeit und Gesundheit noch andere wichtige Dinge.

    Große Infrastrukturprojekte wie beschrieben zeigen das.

    • Haben Sie herzlichen Dank für Ihren biografischen und bewegenden Kommentar, @Marie H.

      Und, ja, es erscheint mir völlig schlüssig, dass die Einschätzung von Investitionen von den jeweiligen Lebensumständen und dem Alter beeinflusst werden – deswegen auch meine starke Betonung der Demografie.

      Wer sich von einem Verkehrsweg, Medikament oder Ansiedlung eines Unternehmen noch eigene, direkte Vorteile für sich selbst oder Nachkommen erhoffen kann, wird dieses meist positiver bewerten als jemand, der diese Vorteile nicht oder nicht mehr sieht. Für mich als Arbeiterkind erschienen die teuren Kulturpaläste der Republik oft als Stätten, in denen sich das fossile Bürgertum selbst feierte und durch hohe Preise sowie strenge Sitten ärmere Menschen von den dort produzierten Mautgütern ausschloss. Und selbst in meiner kurzen Lebensspanne sah ich mich teilweise von Desinformation strotzenden Kampagnen gegen den Euro, die Covid19-Impfungen und erneuerbare Friedensenergien gegenüber.

      Auch jetzt weht auf Mastodon wieder ein scharfer Wind, weil einige Linke vom Thema dieses Blogposts sehr irritiert sind. Ist das mit dem Fortschritt vielleicht doch etwas komplexer, als manche das im eigenen Selbstbild wahrhahen wollten? Immerhin gibt es ja immer erst spät Sicherheit darüber, welche Medikamente oder welche Projekte erfolgreich sind – und welche eben nicht. Wer keinerlei Risiko mehr eingehen mag, endet wie die deutschen Shareholder-Value-Autokonzerne im Niedergang.

      Aus meiner Sicht kommt es dabei auch bei Entscheidungen für oder gegen Neuerungen auf die republikanische Gewaltenteilung an: Ich möchte, dass etwa Medikamente von unabhängigen Institutionen der Scientikative begutachtet werden, die weder Verschwörungsmythen noch der Pharmalobby zuneigen. Ebenso wünsche ich mir, dass scientikative Institutionen zu großen Infrastrukturprojekten verlässliche Planungen und Szenarien vorstellen, auf deren Basis dann gewählte Parlamente und gerne auch Volksabstimmungen entscheiden können.

      So halte ich es für schwer erträglich, dass immer noch Gaskraftwerke statt neuer Batteriespeicher, auch Plätze, Schulen und Krankenhäuser ohne ausreichenden Hitzeschutz geplant und gebaut werden. Denn die weitere Eskalation der Klima- als Wasser- und Hitzekrise steht ja fest – auch, wenn das viele noch immer nicht wahrhaben wollen.

      Und leider beobachte ich, dass auch weiterhin Demokratinnen und Demokraten in der Bundespolitik in die gleiche, exekutive Referentenentwurf-Konzernmedien-Falle laufen wie damals auch Robert Habeck (Grüne):

      Derzeit wird der SPD-Parteivorsitzende & Finanzminister Lars Klingbeil durch „durchgestochene“ Gesetzentwürfe fossiler Konzernmedien gejagt.

      Ich weiß noch nicht, was ich bedrückender finden soll: Dass rechtsdrehende Teile der Publikative dieses Schauspiel schon seit Habecks sog. „Heizungshammer“ immer wieder aufführen – oder dass demokratische Teile der Exekutive den Schutz der GG-Gewaltenteilung nicht verstehen?

      „Klingbeil will Steuervorteil für Mitarbeiterrabatte streichen
      240 Millionen Euro würde der Staat pro Jahr sparen, wenn der steuerliche Freibetrag bei Personalrabatten wegfällt. Ein entsprechender Gesetzentwurf von Finanzminister Lars Klingbeil erntet Kritik.“

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117095899690010077

      Ich fürchte, wir haben es auch hier mit dem Friedensparadox zu tun: Nach Jahrzehnten des Friedens wurde unser sehr kluges Grundgesetz mimetisch überformt, so dass etwa Artikel 38 gg in der Praxis kaum noch beachtet wird – nicht einmal von der Judikative. Und entsprechend verfällt dann auch das Vertrauen in Legislative, Exekutive und Publikative. Leider.

      Auch bei „Stuttgart 21“ führte ein einseitig autoritäres, exekutives Vorgehen ins Desaster, eine kluge Streitschlichtung und Volksabstimmung dagegen zum Erfolg. Gerade auch in unterjüngenden Gesellschaften wünsche ich mir mehr davon, um der Zukunft auch künftiger Generationen willen.

      • Vielen Dank.

        Meine Einstellung zu Stuttgart 21 war viele Jahre sehr positiv. Auch, weil ich finde, dass alles, was mit der Schaffung von zukunftsfähiger Infrastruktur im Bereich der Bahn, wünschenswert ist.

        Ich bin mir sicher, dass ein solches Projekt, das den Bahnreisenden zugute kommt, heute nicht mehr in Erwägung gezogen würde. Die Fixierung der Politik auf das Auto, insbesondere den Verbrenner, ließe dies nicht mehr zu. Zu wichtig sind die Arbeitsplätze in der Automobilindustrie, deren Unternehmen die Entwicklungen der letzten Jahre ignoriert haben.

        Medikamente sind ein Thema, das ebenfalls emotional aufgeladen ist. Natürlich müssen neue Medikamente durch unabhängige Überprüfung eingeschätzt und begutachtet werden. Selbstverständlich müssen Pharmaunternehmen daran auch verdienen dürfen, denn Forschung und Entwicklung sind teuer.

        Die Situation im Gesundheitswesen ist sehr angespannt. Von der Bundesregierung wurden massive Einsparungen auf den Weg gebracht. Der neue Gesundheitsminister wird sein Augenmerk nur noch auf das Finanzielle richten. Als kranker Mensch fühle ich mich wie ein Schwerverbrecher.

        Überdeutlich ist auch das fortgesetzte Schweigen der Bundesregierung zu den Hitzetoten der letzten Wochen. Die Maßnahmen, um Menschen besser zu schützen, würden viel Geld kosten. Das sind wir nicht wert.

        Angesichts der verheerenden Waldbrände müssen hier die Landespolitiker ausdrücklich lobend erwähnt werden, stellvertretend nenne ich hier die Ministerpräsidenten Hendrik Wüst und Cem Özdemir, die sich bei den Einsatzkräften persönlich bedankt haben.

        Eigentlich dachte ich, mich könnte nichts mehr schockieren. Ein Bundeskanzler, der in der heutigen Zeit kein Wort des Bedauerns, des Trostes, des Dankes findet und seinen Urlaub verlängert, hasst die Menschen und hat keinen Anstand.

        Ich bin fassungslos.

        • Herzlichen Dank, @Marie H. 🙏

          Als ich vor den ersten Wortbrüchen und der Rechtsmimesis von Friedrich Merz warnte, galt das in der CDU noch als mutig. Nach der CDU-Landtagsfraktion Rheinland-Pfalz äußerte sich nun u.a. auch der einstige BW-Staatsminister Wolfgang Reinhart (CDU) überaus deutlich:

          Merz und die CDU:

          „Ich habe wirklich geglaubt, dass wir jemanden wie Herrn Merz brauchen“

          Viele derjenigen in der CDU, die Friedrich Merz nach der Personalrochade vor der Sommerpause kritisiert haben, waren ohnehin nie seine größten Unterstützer. Doch der Frust in der Partei reicht tiefer, mitunter bis in die Kreise treuer Anhänger der ersten Stunde. Der frühere baden-württembergische Landtags-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Reinhart zum Beispiel ist vom Bundeskanzler „gnadenlos enttäuscht“, wie er sagt.

          „Wir haben für Merz als Parteivorsitzenden dreimal wie die Löwen gekämpft“, sagt er. „Er hat seine Versprechen nicht gehalten, weder bei der Performance noch programmatisch und auch nicht mit seiner Persönlichkeit.“ Einen solchen Ansehensverlust eines CDU-Bundeskanzlers habe es seit der Gründung der CDU nicht gegeben. Die Kabinettsumbildung bezeichnet Reinhart als „Witz“ und als „Zwangsrochade“, die Wechsel in den Staatssekretärsämtern seien schlecht begründet. In seinem Verband im Main-Tauber-Kreis würden die Mitglieder teilweise austreten, teilweise seien sie tief frustriert. „Es fehlen die Vertrauenspersonen, die die souveräne Erfahrung für die Regierungsämter haben.“

          https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/cdu-der-frust-reicht-bis-in-die-reihen-der-merz-fans-accg-201083374.html

          Im Großbritannien hat Labour einen Neustart nach dem Nicht-Kommunikator Keir Starmer hinbekommen. Hoffen wir also auf das Beste auch für die deutsche Bundespolitik.

          Was die Infrastruktur-Investitionen angeht, so hoffe ich auch auf Ihre Zustimmung zum Thema klimaresiliente Stadtbibliotheken:

          Gerade auch für Kinder und Jugendliche ausgestattete Stadtbibliotheken werden in Zeiten der Klima-, Hitze- und Wasserkrise als Teil der kommunalen Infrastruktur immer wichtiger!

          Schon jetzt gehen immer mehr Kinder, Jugendliche & junge Familien zum Lesen und Lernen in die gut klimatisierten Einrichtungen – die gut sind für unser aller (!) Zukunft!

          Habe großen Wert darauf gelegt, in unserer Stadtbibliothek in Filderstadt viele (honorarfreie) Veranstaltungen anzubieten und JEDES unserer Kinder oft dorthin mitzunehmen.

          Lasst uns als Solarpunks für mehr & bessere, Klima-resistente Bibliotheken eintreten!

          https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117110521770509438

          Beeindruckt hat mich auch das VDV-Magazin der baden-württembergischen Verkehrsunternehmen 03/2026.

          Hier sehen und lesen wir auf Seite 5:

          Menschen und Material im Hitzestress

          Die erste Hitzewelle dieses Sommers machte Ende Juni Menschen und Technik zu schaffen.

          In Leipzig ließen Rekordtemperaturen von 40 Grad die Fugenmasse zwischen den Straßenbahnschienen verklumpen (Foto).

          Ähnlich Probleme wurden aus Nürnberg gemeldet.

          Und in Nordrhein-Westfalen kam es im Nahverkehr auf der Schiene gleich bei mehreren Eisenbahnunternehmen zu Zugausfällen.

          Die nächste Hitzewelle kommt bestimmt, und Verkehrsunternehmen bereiten sich vor.

          Solchen Realismus lobe ich mir.

          Aus meiner Sicht erleben wir gerade den weltweiten Zusammenbruch alter, fossiler Strukturen. Und Millionen von Flachdenkern klammern sich noch so reaktant und trotzig an veraltete Konzepte, dass sie erst einmal fossile Faschisten unterstützen werden, bevor sie in der heißen Wirklichkeit ankommen.

          Aber über die Schritte von Panik und Trauer bin ich längst hinaus. Es wurde ja seit Jahren, teilweise seit Jahrzehnten gewarnt. Auch hier.

          • Vielen Dank für die Antwort, in der Sie den CDU Politiker Reinhart zitieren.

            Das ist wirklich sehr aufschlussreich, denn es zeigt, dass der Grund für die Enttäuschung weniger mit Herrn Merz zu tun hat, als vielmehr mit den eigenen Wünschen und Hoffnungen vieler Mitglieder, die im Laufe der Merkel-Jahre mit deren Kurs haderten.

            Dass Friedrich Merz sich anders als erwartet verhalten würde, daran wollte oder konnte man nicht denken.

            Nun ist er Bundeskanzler, und wir wissen jetzt, dass er sich nicht mehr ändern wird. Das bringt die CDU in ein Dilemma, was ich schrecklich finde. Es gibt da keinen wirklich guten Weg heraus.

            Dass dieses Dilemma auch eines des ganzen Landes ist, macht es noch schwerer. Denn enttäuschte CDU Mitglieder oder Wähler werden Herrn Merz nicht zum Umdenken bewegen.

            Vielleicht kommt aber auch nach und nach eine Veränderung durch die Parteibasis. Niemand will einen Linksruck der Union. Aber vielleicht mehr Hendrik Wüst oder Manuel Hagel?

          • Vielen Dank, @Marie H.

            Ich fürchte, dass es mit jedem weiteren Tag der fossilen Rechtsmimesis durch die Bundesspitzen von CDU und CSU schwerer wird, das Vertrauen der gesellschaftlichen Mitte und insbesondere der jungen Menschen zurück zu gewinnen. Und dennoch plädiere ich dafür, es zu versuchen.

            Gerade auf Mastodon gepostet:

            Habt Ihr schon gesehen bzw. gehört, wie JAS im Moma gegen die Einladung „Die Jugend hat Angst“ gesungen hat?

            Leider kann ich es auch als Vater gut verstehen – die Bundespolitik hat zu lange fossile Politik gegen die Jugend gemacht.

            Junge Klimaaktivistinnen wurden z.B. verhöhnt und kriminalisiert, aber alte Bauern mit Traktoren, Straßenblockaden und Galgen hofiert. Fossile Gewaltenergien werden weiter importiert, aber der Ausbau erneuerbarer Friedensenergien für Pseudo-„Einsparungen“ abgewürgt.

            Ich kann und will diese fossile, reaktionäre und also schlechte Politik auch der Bundes-CDU und CSU nicht vor meinen Kindern verteidigen. Denn es ist wahr: Wir verlieren eine ganze Generation. Viele junge Menschen haben Angst – aus guten Gründen.

            https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117123710794345219

            Heute ist auch die neue Folge 70 meines Podcasts „Verschwörungsfragen“ erschienen – ein medien- und politikgeschichtlicher Deep Dive zum katastrophalen „Badebild“ gegen den großen Sozialdemokraten und ersten demokratischen Reichspräsidenten Friedrich Ebert (SPD) vom 21. August 1919.

            https://verschwoerungsfragen.podigee.io/70-neue-episode

            Auch dazu hoffe ich zeitnah bloggen zu können.

  5. @NI
    Ich würde es erst mal mit:

    Cornelia Gliem
    16.08.2026, 11:37 Uhr

    Hallo. Ich stimme Ihrem Text grundsätzlich zu (auch wenn ich spontan erst mal gegen Stuttgart 21 reagiere, aus bekannten Gründen).

    halten 🙂

    Und da Menschen einfach überall Menschen sind wäre ich vorsichtig damit Sozialverhalten irgendwie an die Ethnie zu koppeln:

    NI
    16.08.2026, 12:36 Uhr

    Paul S. Betreff: Türken und Deutsche im Vergleich

    Paul, das Sozialverhalten der Türken untereinander ist besser als zwischen Deutschen.

    Lange genug unter den gleichen Bedingungen gelebt und das Verhalten nähert sich an. Nicht innerhalb von ein paar Wochen, okay. Und viele Dinge halten Gemeinschaften innerhalb eines Gemeinwesens oder einer Gruppe auch bei.
    Ich denke nicht das Du das so gemeint hast aber sowas wird einem leicht schnell als völkischer Ansatz interpretiert auch wenn es einfach nur salopp und unpräzise geschrieben ist. Geschriebenes ohne persönlichen Kontakt wird oft und gerne falsch interpretiert. Worte sind nicht nur mächtig, sie haben ein Eigenleben 😉

    Ich persönlich finde den Kommentar von Marie H. übrigends beeindruckend. Will ich einfach mal gesagt haben 🙂

  6. @NI
    16.08.2026, 20:37 Uhr

    Uli Schoppe,
    Das Sozialverhalten hängt eng mit den Familienverhältnissen zusammen.

    Einzelkinder sind oft schwierig. Kinder mit vielen Geschwistern verhalten sich sozialer.

    Nein. Jedenfalls nicht wegen Anzahl der Geschwister „0“.
    https://www.deutschlandfunkkultur.de/aufwachsen-ohne-geschwister-einzelkinder-sind-sozialer-100.html
    https://www.familienhandbuch.de/familie-leben/familienformen/geschwister/entwicklungvoneinzelkindern.php

    @Michael Blume
    16.08.2026, 20:51 Uhr

    Danke nochmal für den Hinweis. Auf diese Tatsache hast Du ja schon mehrfach hingewiesen.

    Mein Fehler. Ich war so fixiert auf das andere Klischee, dass mir diese Falschannahme mit der ich ja irgendwie groß geworden bin, aus dem Blickfeld gerutscht ist. Da war der Zusammenhang ja eher, das wir dann durch die hohe Geburtenzahl „ausgetauscht“ werden was ja nicht stimmt, richtig?
    Sorry ich habe die Information aufgenommen aber einfach irgendwie noch nicht auf alle meine Vorstellungen übertragen und angewendet. Wird auch noch dauern. Das ist wie die Löschung von Verhalten: überraschend schwierig … Die Information braucht bei mir noch eine Art bewußter Anstrengung um zum Vorschein zu kommen …

    • Vielen Dank für Deine selbstkritische Reaktion, @Uli Schoppe – so etwas ist wirklich selten. Denn gerade, wenn es um Fakten aus der Demografie geht, erlebe ich oft was Du zu Recht als „überraschend schwierig“ beschreibst.

      So postete ich just heute in einer Mastodon-Diskussion dazu:

      Die meisten Menschen beharren erstmal auf dem kognitiven Bestätigungsfehler – ob nun rechts, links oder libertär, religiös oder säkular.

      Wenn ich etwa hin & wieder zum Thema Demografie blogge, weiß ich schon vorher, was da wieder abgeht…

      Die meisten Leute haben sich dazu weltanschaulich passende ad hoc-Thesen zurechtgelegt, die sie dann auch entsprechend emotional gegen die Fakten verteidigen…

      Ich mache dazu dennoch dialogisch weiter, weil es m.E. überaus relevant ist.

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117106932960346022

      Und die Kombination aus Reaktanz und kognitiven Bestätigungsfehlern erklärt nach meiner Einschätzung auch wesentlich das Präventions- und Friedensparadox: Wenn sich Menschen mimetisch auf eine bestimmte Lesart der Welt und damit verbundene Gewohnheiten „geeinigt“ haben, treffen noch so dringende Vorschläge für Neues auf erhebliche Widerstände.

      Felo.ai dazu:

      Reaktanz und Bestätigungsfehler erschweren Neues auf zwei verschiedenen Stufen: **Reaktanz erzeugt Widerstand gegen eine als aufgezwungen empfundene Veränderung**, während der **Bestätigungsfehler neue Informationen zugunsten vorhandener Überzeugungen filtert**. Zusammen können sie dazu führen, dass Menschen eine Idee zurückweisen, bevor sie sie unvoreingenommen geprüft haben.

      ## Zwei unterschiedliche psychologische Schutzmechanismen

      Reaktanz ist dabei weniger ein Fehler des logischen Denkens als eine **motivationale Abwehrreaktion**. Menschen wollen sich als selbstbestimmt erleben. Wirkt eine Botschaft bevormundend, moralisch zwingend oder alternativlos, kann sich die Aufmerksamkeit vom Inhalt auf die bedrohte Freiheit verschieben: Nicht mehr *„Ist das sinnvoll?“*, sondern *„Wer will mir vorschreiben, was ich denken oder tun soll?“* wird zur entscheidenden Frage.

      Der Bestätigungsfehler wirkt dagegen unmittelbar bei der Informationsverarbeitung. Bereits früh gebildete Hypothesen lenken die weitere Wahrnehmung; widersprechende Informationen werden eher ignoriert, abgeschwächt oder passend umgedeutet[1]. Bestehende Ansichten erhalten dadurch einen Verarbeitungsvorteil, während Gegenargumente häufig strenger geprüft und schlechter erinnert werden[5].

      ## Warum beide Mechanismen so wirksam sind

      Beide erfüllen zunächst verständliche Funktionen. Reaktanz schützt Selbstbestimmung und verhindert, dass Menschen jede Forderung ungeprüft übernehmen. Der Bestätigungsfehler reduziert kognitiven Aufwand: In einer komplexen Umwelt ist es leichter, neue Eindrücke in ein vorhandenes Deutungsmuster einzuordnen, als das gesamte Weltbild ständig neu aufzubauen. Begrenzte kognitive Ressourcen, vereinfachende Heuristiken und das Bedürfnis nach innerer Konsistenz tragen zu dieser Verzerrung bei[1].

      Problematisch werden diese Funktionen, wenn sie **zu früh oder zu stark** einsetzen:

      – **Neues erzeugt Unsicherheit.** Es verlangt, vertraute Kategorien, Routinen oder Kompetenzen infrage zu stellen.
      – **Identitätsnahe Überzeugungen sind besonders geschützt.** Betrifft eine neue Information politische Zugehörigkeit, Moral, Berufsstolz oder das eigene Selbstbild, fühlt sich ihre Prüfung leicht wie eine persönliche Bedrohung an.
      – **Druck verstärkt die Abwehr.** Je stärker eine Veränderung als Zwang kommuniziert wird, desto wahrscheinlicher wird Reaktanz.
      – **Stress und Zeitdruck fördern vereinfachtes Denken.** Dann greifen Menschen eher auf Bekanntes und bereits für wahr Gehaltenes zurück, statt Alternativen gründlich zu prüfen[8].
      – **Soziale und digitale Umgebungen liefern Bestätigung.** Gleichgesinnte Gruppen und personalisierte Inhalte können bestehende Überzeugungen spiegeln und Gegenpositionen seltener sichtbar machen[5][8].

      ## Wie sich Reaktanz und Bestätigungsfehler gegenseitig verstärken

      Oft entsteht ein Kreislauf:

      1. Eine neue Idee wird mit Druck oder einem Absolutheitsanspruch präsentiert.
      2. Die Person erlebt einen Verlust an Entscheidungsfreiheit und reagiert mit Reaktanz.
      3. Zur Rechtfertigung des Widerstands sucht sie bevorzugt nach Gegenargumenten.
      4. Der Bestätigungsfehler lässt diese Gegenargumente überzeugender erscheinen als entlastende oder widersprechende Befunde.
      5. Die Ablehnung verfestigt sich und wird Teil des Selbstbildes oder der Gruppenzugehörigkeit.
      6. Weitere Überzeugungsversuche werden nun erst recht als Angriff erlebt.

      Ein Beispiel wäre die Einführung einer neuen Arbeitsmethode. Wird sie als alternativlose Vorgabe vermittelt, können Beschäftigte zunächst aus Autonomiebedürfnis Widerstand entwickeln. Anschließend fallen ihnen vor allem Pannen und Nachteile der Methode auf, während Zeitersparnisse oder erfolgreiche Anwendungen als Ausnahme gelten. So erzeugt die Art der Einführung Reaktanz, und der Bestätigungsfehler stabilisiert die daraus entstandene negative Haltung.

      ## Was den Zugang zu Neuem erleichtert

      **Wahlfreiheit sichtbar machen.** Statt „Das müssen Sie so machen“ wirken echte Optionen, nachvollziehbare Gründe und eigene Entscheidungsspielräume weniger reaktanzauslösend.

      **Fragen statt belehren.** Offene Fragen wie „Unter welchen Bedingungen könnte dieser Ansatz nützlich sein?“ ermöglichen Prüfung, ohne sofort Zustimmung zu verlangen.

      **Gegenbelege aktiv suchen.** Hilfreich ist die Frage: *„Welche Beobachtung würde meine bisherige Annahme widerlegen?“* Die bewusste Prüfung alternativer Hypothesen und die regelmäßige Neubewertung bei neuen Befunden können den Bestätigungsfehler begrenzen[1]. Auch die Strategie, vorübergehend das Gegenteil der eigenen Position anzunehmen, fördert eine ausgewogenere Prüfung[5].

      **Neues dosiert und erprobbar machen.** Kleine, reversible Versuche bedrohen Identität und Kontrolle weniger als eine sofortige vollständige Umstellung.

      **Widerspruch sozial absichern.** In Gruppen sollten Gegenargumente nicht als Illoyalität gelten. Vielfältige Perspektiven und eine offene Diskussionskultur können verzerrte Entscheidungen abschwächen[7].

      **Fazit:** Reaktanz verschließt häufig die *motivationale Tür* zu Neuem, weil Veränderung als Fremdbestimmung erlebt wird. Der Bestätigungsfehler verengt anschließend die *kognitive Prüfung*, indem er Bekanntes bevorzugt und Widersprüche entwertet. Offenheit entsteht daher nicht allein durch mehr Fakten, sondern durch eine Kombination aus **Autonomie, psychologischer Sicherheit und systematischer Prüfung der eigenen Annahmen**.

      [1] https://flexikon.doccheck.com/de/Best%C3%A4tigungsfehler
      [2] https://wissensdialoge.de/confirmation-bias/
      [3] https://de.wikipedia.org/wiki/Best%C3%A4tigungsfehler
      [4] https://www.spektrum.de/news/kognitive-verzerrungen-viele-denkfehler-folgen-demselben-prinzip/2135787
      [5] https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/psyche/psychische-gesundheit/confirmation-bias-1128000
      [6] https://www.scribbr.de/methodik/confirmation-bias/
      [7] https://behaviouralleeway.com/de/kognitive-verzerrungen-in-unternehmen/
      [8] https://www.resilienz-akademie.com/resilienz-allgemein/confirmation-bias-wenn-wir-nur-noch-sehen-was-wir-glauben-wollen/

      Dir herzlichen Dank für Dein großes und selbstreflexives Engagement für Dialog, @Uli Schoppe! 🙏👍

    • Uli Schoppe,
      deine Beiträge sind mir die liebsten, weil sie kurz sind und zum Widerspruch provozieren.
      1. aus google: Doch sind Kinder ohne Geschwister wirklich so oft verzogene Gören? „Nein, überhaupt nicht. Das sind alte Vorurteile“, sagt Paula Honkanen-Schoberth, Familientherapeutin und Geschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes.

      Das sagt Frau Honkanen, ich sage dir , der jählich mit 100 neuen Schülern Umgang hatte, und das 42 Jahre lang, Einzelkinder sind problematisch, weil sie oft auch aus zerbrochenen Familien stammen. Wenn die Frau schon zwei Kinder hat, dann lässt sie sich nicht so leicht scheiden.

      Was jetzt Herrn Blumes Meinung zum allgemeinen Geburtenrückgang betrifft, er hat mehrere Ursachen, die augenscheinlichste ist , dass man sich eine größere Wohnung gar nicht mehr leisten kann. Bei 10 € pro m² ist eben nach zwei Kindern schluss.
      Manchen Frauen ist die jugenlichere Figur wichtig, manchen Männern ist das neueste Auto wichtiger, wieder anderen ist der bezahlbare Urlaub das Hindernis für mehr Kinder.

  7. @NI 17.08. 11:20

    „die augenscheinlichste ist , dass man sich eine größere Wohnung gar nicht mehr leisten kann. Bei 10 € pro m² ist eben nach zwei Kindern schluss.“

    Ich denke auch das hat viel einfach mit Geld zu tun. Einige schon wären mit Kindern komplett überfordert, öfter bleibt es bei einem Kind, insbesondere wenn die Beziehungen nicht lange halten. Damit das insgesamt passt, brauchen wir jede Menge Familien mit 3, 4 oder gleich 5 Kindern.

    Und das wird dann teuer für die Familien. Hier bräuchte es dann sehr viel mehr finanzielle Unterstützung, und die ist dem Staat einfach im Größenordnungen zu teuer.

    Es gibt ein Lied von Stoppok mit dem Titel „Das ist die harte Zeit zwischen Twentours und Seniorenpass. Keiner gibt Rabatt, keiner, der Erbarmen hat….“

    Die jungen Leute studieren noch, die zahlen nichts ein. Die Älteren haben schon geerbt, wenn sie Glück haben, und müssen da praktisch null Steuern und Abgaben für zahlen. Fast alles müssen die zwischen 30 und 55 bezahlen. Genau in dem Alter, wo man eben auch Kinder zu versorgen hat.

    Ich denke mal, das mit einer funktionierenden Familienförderung hat einfach noch keiner erfolgreich ausprobiert, weil es viel zu teuer ist. Offenbar geht das nur über nicht unerhebliche Kapitalsteuern, und genau die will man unbedingt vermeiden.

    Natürlich gibt es noch andere Faktoren, etwa dass sich die Väter zu gleichen Teilen an der Carearbeit beteiligen. Und genau soviel Elternteilzeit wie die Mütter nehmen. Oder wirklich verlässliche Kinderbetreuung. Aber ab 3 Kindern dürfte das Geld immer maßgeblicher werden.

  8. Bei S21 gibt es (vielleicht im Unterschied zu FILharmonie und Landesmesse) kein schwarz-weiß. Die Gegner von S21 sind nach meiner Wahrnehmung in großer Zahl (trotz ihres Alters 😉 für eine erhebliche Verbesserung der Bahninfrastruktur, z.B. in Form von K21. S21 ist aus Sicht dieser Gegner viel zu teuer und noch dazu bahntechnisch keine Verbesserung. FILharmonie wie Elphi sind am Ende toll geworden, auch wenn wie bei Elphi nach viel mehr Zeit und Geld als geplant. Bei S21 sind viele bahntechnisch bewanderte Gegner der Meinung, dass daraus zwar ein schönes Bauwerk werden wird, aber kein guter Bahnhof.

    • Thorsten Strobel
      „dass daraus zwar ein schönes Bauwerk werden wird, aber kein guter Bahnhof.“

      Sehr gut ! Ein guter Bahnhof muss für die Bahnkunden leicht zu erreichen sein, möglichst ohne Treppen oder Rolltreppen, man muss genügend Zeit haben zum Ein- und Aussteigen, was bei Durchgangsbahnhöfen nicht möglich ist, vorallem wenn die Bahnen Verspätungen haben.

      Meine Meinung, da hat wieder ein Team geplant, ohne selbst von der Bahn abhängig zu sein. ……statt Stillstand…..das sollte ja das Ziel dieser Investition für die Zukunft werden. Was das jetzt mit Friedensparadox zu tun hat, das weiß ich bis jetzt noch nicht.

      • Lieben Dank auch für Ihre Nachfrage, @NI

        Sie fragten:

        „Meine Meinung, da hat wieder ein Team geplant, ohne selbst von der Bahn abhängig zu sein. ……statt Stillstand…..das sollte ja das Ziel dieser Investition für die Zukunft werden. Was das jetzt mit Friedensparadox zu tun hat, das weiß ich bis jetzt noch nicht.“

        Aus meiner Sicht haben Sie dabei in Ihrer Antwort an @Cornelia Gliem schon den richtigen Wort eingeschlagen. Sie schrieben:

        „Wenn man das Wort Investition als Vorsorge begreift, dann ist die Impfung die Vorsorge vor Krankheit, die Investition die Vorsorge vor allerlei Unbill , sei es Altersarmut, sei es steigende Heizungskosten, sei es Familienplanung.“

        Und genau so ist es: Das Präventionsparadox besagt, dass nach langen Phasen ohne Pandemien die Bereitschaft nachlässt, in die gemeinschaftliche Gesundheit zu investieren, etwa durch Impfungen. Das Friedensparadox besagt, dass nach langen Phasen ohne Kriege die Bereitschaft nachlässt, in die gemeinschaftliche Infrastruktur zu investieren, etwa durch Neubauten.

        Heute postete ich auf Anfrage eines Kirche.social-Accounts auf Mastodon:

        Und leider bestätigt sich: Der Fossilismus geht unter & reißt große Teile der staatlichen Ordnungen & Menschheit mit sich. Ich rechne schon in den nächsten Jahren mit einer globalen Hungerkrise.

        Es werden nur wenige Regionen bewohnt bleiben & es liegt an uns, ob es Mad Max – Gebiete oder Solarpunk-Archen werden.

        Nein, ich scherze nicht. Hier ein Blogpost aus 2024.

        https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117111651155170809

        Der Blogpost, in dem ich das Konzept der Superyachten (nach einem Buch von Grégory Salle) und der Solarpunk-Archen einander gegenüberstellte, findet sich hier:

        https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/dualistische-superyacht-vs-monistische-arche-wie-ueberleben-menschen-die-mitweltkrise/

        Ganz unmetaphorisch: Um lebenswert und zukunftsfähig zu bleiben, werden Regionen sehr viel in klima-resiliente Infrastruktur investieren müssen. Es wird nicht reichen, immer wieder nur „Dagegen!“ und „Zu teuer!“ zu rufen…

    • Vielen Dank für Ihren kritisch-konstruktiven Kommentar, @Thorsten Strobel 🙏

      Und ich würde da sogar noch einen Schritt weiter gehen: Kein Projekt ist „schwarz-weiß“, für jedes gibt es Pros und Contras. Und idealerweise sollen die parlamentarische Befassung, die Anhörungsverfahren und ggf. auch die Volksabstimmungen sicherstellen, dass begründete Einwände berücksichtigt werden.

      Selbst jetzt noch fiel Zehra & mir bei der Baustellenführung auf, dass der Vorplatz vor dem Bahnhof keinen wirksamen Hitzeschutz enthält. Eine weitere glatte, sich aufheizende Fläche ohne Bäume wäre jedoch eine Belastung für die Menschen und das Stadtklima. Wir haben das angesprochen und ich hoffe sehr, dass sich die Planenden da noch einmal an die Arbeit machen.

      Auch andere, demografisch bereits schrumpfende Gesellschaften werden dringend weitere Investitionen auch in Infrastruktur benötigen, um mindestens eine Regionen lebenswert zu erhalten. Habe heute dazu auf Mastodon u.a. gepostet:

      Klar berichten deutsche Konzernmedien wenn überhaupt, dann vor allem über die Hitzewellen in Europa.

      Der Guardian schaut auch nach Asien:

      „South Korea’s president, Lee Jae Myung, told his cabinet the extreme weather was “unlike anything we have experienced before”.

      “We need to make efforts for a fundamental overhaul of the national crisis system,” he said, “since this extreme weather is becoming the new normal.”

      In neighbouring Japan, temperatures reached 40C or higher at multiple locations and the country recorded its first ever “kokushobi”, or “cruelly hot day”, a new category introduced this year by the country’s weather agency for temperatures above 40C. In Tokyo, three lions died of suspected heatstroke at a city zoo.

      Scientists say the extremes are part of a wider pattern. Researchers working through Japan’s Weather Attribution Centre found that the country’s intense July heat would have been “virtually impossible” without global warming.“

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117110104342959179

      Immer wichtiger werden nach meiner Einschätzung auch unterirdische Flächen – und vor allem gute und klimaresiliente Stadtbibliotheken!

      Gerade auch für Kinder und Jugendliche ausgestattete Stadtbibliotheken werden in Zeiten der Klima-, Hitze- und Wasserkrise als Teil der kommunalen Infrastruktur immer wichtiger!

      Schon jetzt gehen immer mehr Kinder, Jugendliche & junge Familien zum Lesen und Lernen in die gut klimatisierten Einrichtungen – die gut sind für unser aller (!) Zukunft!

      Habe großen Wert darauf gelegt, in unserer Stadtbibliothek in Filderstadt viele (honorarfreie) Veranstaltungen anzubieten und JEDES unserer Kinder oft dorthin mitzunehmen.

      Lasst uns als Solarpunks für mehr & bessere, Klima-resistente Bibliotheken eintreten!

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117110521770509438

      Dafür hatte ich bereits vor Jahren antifaschistisch plädiert. 😉

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-501st-german-garrison-in-filderstadt-star-wars-konkret/

      Möge die Macht mit Euch sein! 🙏

  9. @Michael 17.08. 21:03

    „Ganz unmetaphorisch: Um lebenswert und zukunftsfähig zu bleiben, werden Regionen sehr viel in klima-resiliente Infrastruktur investieren müssen.“

    Gerade wenn es mangels Kindern mangelnde Nachfrage gibt, müsste man doch erst recht in Infrastruktur investieren. Wenn das Geld dafür fehlt, dann eben Kapital mehr besteuern. Von dem Kapital wird ja nun auch weniger von gebraucht, wenn es mangels Kindern nicht mehr viel zu wachsen gibt.

    Wenn weniger Bauarbeiter gebraucht werden, um neue Wohnungen zu bauen, dann sollen die eben die Altbestände klimafreundlicher machen, oder eben Bahnhöfe und dergleichen bauen. Oder Fernwärmenetze, die mit integrierten Großwärmepumpen neben Wärme auch ein Kaltwassernetz zur Verfügung stellen können. Arbeitet die Großwärmepumpe mit Bodensonden, dann kann man da im Sommer kaltes Wasser raus ziehen, ohne dass hierfür die Wärmepumpe gebraucht wird. Man muss nur das kalte Wasser zum Kunden pumpen. Und der Boden um die Bodensonden wird dann sogar wärmer, dass es die Wärmepumpe im nächsten Winter einfacher hat.

    Auch Investitionen in die europäische Verteidigungsfähigkeit inclusive Softwareunabhängikeit wirken durchaus auch wirtschaftlich, wie auch alle Investitionen in die europäische Energiewende.

    Ich meine, wir sollten uns überlegen, was wir wirklich brauchen. Dann haben wir auch gleich was zu tun, das wirklich Sinn macht.

    Auch für die Kapitalisten ist es sehr von Vorteil, wenn europäische Investitionen nicht von russischen Kinshalraketen zerstört werden. Die Versicherung zahlen für sowas nun mal nicht. Keinen Cent. Und auch sind inzwischen immer mehr hochwassergefährdete Gebäude längst nicht mehr bezahlbar zu versichern.

    Da kann man nur noch hoffen, dass es einen möglichst spät trifft. Und nach dem Hochwasser neu Bauen an gleicher Stelle macht auch keinen Sinn mehr. Womit dann auch der Grundstückswert weg wäre.

    • Vielen Dank und volle Zustimmung, @Tobias

      Wir sind uns weitgehend einig, was zu tun wäre. Doch es fehlt leider aufgrund des Friedensparadox noch der politische Mehrheitswille auch für die Vorsorge. Noch immer verkriechen sich die meisten Menschen vor dem Niedergang des Fossilismus und der eskalierenden Klimakrise.

      Ein Beispiel ist die auch von Dir erwähnte Versicherungsfrage. Baden-Württemberg hatte eine lange Versicherungspflicht, die eine Lenkungswirkung hatte: In besonders riskanten Gebieten konnte nur noch mit erhöhten Raten oder gar nicht mehr gebaut werden. Doch diese kluge Regelung fiel dem sog. „Bürokratieabbau“ zum Opfer – und jetzt bauen wieder viele Menschen in gefährdeten Gebieten und hoffen auf Glück und Staat…

      Das BW-Umweltministerium schon 2024:

      Starkregen- und Hochwasserschutz – Pflichtversicherung für Elementarschäden

      Nach dem Jahrhunderthochwasser fordert Baden-Württemberg eine Pflichtversicherung für Elementarschäden, um Eigenvorsorge zu stärken und Steuerzahler zu entlasten.

      Das Jahrhunderthochwasser in Süddeutschland hat Schäden in Milliarden-Höhe hinterlassen und auf tragische Weise gezeigt, wie schnell eine gravierende Schadenslage entstehen kann.

      Seit Jahrzehnten stellt das Land Baden-Württemberg viele Millionen Euro für den Starkregen- und Hochwasserschutz bereit. Dennoch wird eine vollständige Vermeidung von Hochwasser- oder Starkregengefahren nicht möglich sein. Mit dem fortschreitenden Klimawandel werden extreme Wetterereignisse zunehmen. Dies betont auch der Weltklimarat in seinem Sachstandsbericht. Daher ist es wichtiger denn je, dass sich die Bürgerinnen und Bürger, aber auch Industrie und Gewerbe selbstverantwortlich um die Eigenvorsorge kümmern.

      Bekannt ist, dass viele Menschen nicht aus der Vergangenheit gelernt haben: Die Versichertenquote ist selbst in den betroffenen Gebieten auch nach den verheerenden Katastrophen in den letzten Jahren nicht dauerhaft signifikant angestiegen.

      Baden-Württemberg setzt sich schon lange für eine bundesweite Pflichtversicherung für Elementarschäden ein.

      https://um.baden-wuerttemberg.de/de/umwelt-natur/wasser/hochwasser/pflichtversicherung-fuer-elementarschaeden

      Mit einigem Interesse schaue ich auch nach Asien, wo kinderarme Industrieländer wie Japan & Südkorea oft noch schwerer mit sich ringen:

      Klar berichten deutsche Konzernmedien wenn überhaupt, dann vor allem über die Hitzewellen in Europa.

      Der Guardian schaut auch nach Asien:

      „South Korea’s president, Lee Jae Myung, told his cabinet the extreme weather was “unlike anything we have experienced before”.

      “We need to make efforts for a fundamental overhaul of the national crisis system,” he said, “since this extreme weather is becoming the new normal.”

      In neighbouring Japan, temperatures reached 40C or higher at multiple locations and the country recorded its first ever “kokushobi”, or “cruelly hot day”, a new category introduced this year by the country’s weather agency for temperatures above 40C. In Tokyo, three lions died of suspected heatstroke at a city zoo.

      Scientists say the extremes are part of a wider pattern. Researchers working through Japan’s Weather Attribution Centre found that the country’s intense July heat would have been “virtually impossible” without global warming.“

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117110104342959179

      Ich denke schon, dass die Menschheit das Überleben in Solarpunk-Arche-Regionen mit moderner Infrastruktur, viel Unterirdischem und familienfreundlichen, resilienten Stadtbibliotheken bewältigen kann. Aber Mehrheiten dafür kann ich noch nicht erkennen. Stattdessen rennen noch Millionen Flachdenkende quer durch die Demokratien der Welt Fossilisten und Wissenschaftsfeinden hinterher…

  10. Wie beschrieben, war ich immer eine Befürworterin von Stuttgart 21. Gleichwohl konnte und kann ich die Gründe der Gegner verstehen.

    Dass im Mittleren Schlossgarten über 100 Bäume gefällt wurden, hat mir auch nicht gefallen.

    Die Begründung, die Sie gegenüber Ihrem Schwiegervater geäußert haben, finde ich nicht richtig. Denn damit wird den Gegnern Egoismus unterstellt. So empfinde ich das.

    Große Projekte, die von verschiedenen Seiten finanziert werden, wie die von Ihnen erwähnte FILharmonie werden immer Befürworter und Gegner haben. Das ist auch gut so. Wenn alle zustimmen würden, fände ich das sehr verdächtig.

    Ebenso hinkt der Vergleich mit den Erbauern der Kathedralen, denn deren Motivation war ihr tiefer Glaube. Sie bauten zur höheren Ehre Gottes. Ich bin überzeugt, dass es selbst damals Menschen gab, die nicht vom Bau angetan waren. Sie haben vermutlich keine Kritik geäußert, wäre ihnen das doch schlecht bekommen.

    Die Bauern, die zum Bau von Schloss Ludwigsburg gezwungen wurden, mussten für ihren Landesherrn, Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg arbeiten. Verloren sie dabei ihr Leben, hatte das massive Auswirkungen auf Frau und Kinder.

    Wenn heute Bürgerentscheide durchgeführt werden, ist das Teil einer funktionierenden Demokratie. Von der Ausrichtung der Olympischen Spiele haben die wenigsten Menschen etwas. Städte müssen eine Menge Geld in die Hand nehmen, um die nötige Infrastruktur zu schaffen. Gilt auch für andere sportliche Großereignisse.

    Wir leben in einer Zeit, in der die Mächtigen die Menschen nur danach beurteilen, wie nützlich man für die Wirtschaft ist. Kranke, Alte, Alleinerziehende werden wie Ballast behandelt, als faul bezeichnet usw.

    Eine Gesellschaft, die mit den Schwächsten so umgehen lässt, hat ihre besten Zeiten hinter sich. Warum sollte ich es dem bayerisch-fränkischen Sonnenkönig gönnen, sich im Glanz großer Sportereignisse zu sonnen, wenn er als Antwort auf fehlenden öffentlichen Hitzeschutz den Leuten rät, frühmorgens schwimmen zu gehen?

    • Vielen herzlichen Dank, @Marie H. – aber ich bin in Sachen „Egoismus“ nicht ganz Ihrer Meinung. Denn selbstverständlich vertreten ja auch die Befürwortenden von Infrastrukturprojekten Interessen. Dass ich als junger Gemeinderat mit Bank-Ausbildung für den Neubau der Landesmesse und damit für Wirtschaft und Arbeitsplätze eingetreten bin, könnte entlang dieser Logik doch auch als „Egoismus“ gedeutet werden. Und dass ich als Arbeiterkind einige Skepsis vor den Subventionen für die Hochkultur fürs ohnehin zahlungskräftige Bürgertum empfand, auch.

      Aus meiner Sicht geht es also noch gar nicht um Gut oder Böse, sondern um den republikanischen (d.h. öffentlichen) und demokratischen Ausgleich von Interessen.

      Und da sind wir dann auch beim gemeinsamen Beispiel des Baus einer Kathedrale, die für die Gläubigen – wie Sie m.E. zu Recht anführten – ein überzeitliches Projekt war. Die gleiche Problematik sehe ich bei der Frage des Mitweltschutzes: Reicht es, wenn wir nur auf unsere je eigenen Interessen sehen? Oder haben wir auch eine Verantwortung gegenüber jenen, die noch in 60 Jahren auf diesem Kontinent leben oder gar selbst mal Kinder und Enkel haben wollen?

      Der kluge Begriff der Säkularisierung geht ja auf das lateinische Saeculum = Jahrhundert zurück. Ein Priester, eine Ordensschwester oder auch ein Gebäude, die säkularisiert wurden, wurden aus dem religiösen, ewig gedachten Bereich in die Jetzt-Zeit zurückgeführt.

      Wie ich immer wieder sage, war ich ja schon viele Jahre zivilreligiös, bevor ich religiös wurde. Und ich würde auch heute noch sagen, dass mich mit einer humanistisch-dialogischen Person mehr verbindet als mit einem wütenden Fundamentalisten, der vielleicht wirklich nur sein eigenes „Seelenheil“ optimieren möchte und von der Apokalypse schwärmt. Vgl. meine Ansage zu Peter Thiel:

      https://katholisch.de/artikel/69687-peter-thiel-wenn-der-antichrist-instrumentalisiert-wird

      Also: Genau wie Sie gehe ich davon aus, dass es zu jedem (!) größeren Projekt immer unterschiedliche Haltungen gibt und geben muss. Diese republikanisch-dialogisch anzunähern und schließlich demokratisch und friedlich zu entscheiden, halte ich für wichtig.

      Aus meiner Sicht ist auch nicht das Vertreten von Interessen ein Problem – das ist nicht „egoistisch“, sondern legitim -, sondern die Frage nach dem Zeithorizont: Wie können wir vermeiden, dass in unterjüngenden Gesellschaften die gemeinsame Zukunft aus dem Blick gerät? Warum wurden etwa Klimaprotestierende stark kriminalisiert, Straßen-blockierende Bauern mit Galgen aber nicht? Wie lassen sich hohe Impfquoten auch dann erhalten, wenn eine Krankheit wie Masern vielen nicht mehr als relevant erscheint?

      Und ganz konkret: Wie könnten wir erreichen, dass nicht nur reiche, sondern auch schon bürgerliche Profiteure des Fossilismus nicht die Gegenwart so ausbeuten, dass jede Zukunft verbrennt?

      Hatte dazu gestern früh gepostet:

      Guten Morgen – Tässle Kaffee ☕️️?

      In der aktuellen Ausgabe von „Spektrum der Wissenschaft“ 09.26 fand ich auf S. 22 – 23 diesen hervorragenden Artikel von Katharina Menne. 👇️

      Und erfreulicherweise steht er auch auf spektrum.de, so dass ich ihn hier mit Euch teilen kann:

      Nobel geht die Welt zugrunde
      Eine wohlhabende Minderheit verursacht Umweltschäden in Billionenhöhe. Das ist rücksichtslos und zeigt: Die Klimakrise ist ein Wohlstandsproblem, kommentiert Katharina Menne.

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117108823169511226

      Der genannte Menne-Spektrum-Artikel direkt auch hier:

      https://www.spektrum.de/kolumne/klimakrise-und-konsum-nobel-geht-die-welt-zugrunde/2330401

      Für mich liegt die Antwort nicht in der Rückkehr zu alten Zwängen, sondern in einem Dialog der vielen Verschiedenen – die gemeinsam immer wieder Sinn finden. In Demokratien, Verbänden, auch Kirchen, Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften, in Wissenschaft und Recht, in Künsten und Liebe, in Freiheit, die über sich selbst hinauswächst. Deswegen engagiere ich mich, auch als Christ & Demokrat, auch als Solarpunk & Blogger.

      Ihnen herzlichen Dank für die guten Dialoge, die mir viel bedeuten! 🙏🙌

  11. @Michael 18.08. 18:24

    „Für mich liegt die Antwort nicht in der Rückkehr zu alten Zwängen, sondern in einem Dialog der vielen Verschiedenen – die gemeinsam immer wieder Sinn finden.“

    Gerne auch im Bundestag. Gerade über Parteigrenzen hinweg. Es geht nicht nur um das Aushandeln und Abstimmen von vernünftigen Gesetzen im Sinne eines erträglichen Interessenausgleichs.

    Obwohl der natürlich sehr wichtig wäre. Aber es geht auch einfach darum, dass die Parlamentarier voneinander lernen, und in den Diskursen zu neuen Erkenntnissen kommen.

    Der Bundestag ist ja auch die Bühne, auf der sich die jeweiligen Parteiblasen endlich auch mal treffen. Entsprechend interessant wäre es schon, was da ein wirklich aktiver Bundestag mit all seinen Ressourcen fertig bringen könnte.

    Geloste Bürgerräte könnten auch jede Menge Themen liefern, die der Bundestag gleich vor Ort bearbeiten könnte.

    Ganz doof ist, dass zukünftige Generationen keinerlei Wahlrecht haben. Nicht mal Kinder unter 16 oder gar 18. Es sollten doch wenigstens die Eltern für ihre Kinder Extrastimmen haben. Für jedes Kind für jeden erziehenden Elternteil eine halbe Stimme Extra, bei Alleinerziehenden eine ganze.

    Das müsste die Lage schon etwas verschieben können.

    • Vielen Dank, lieber @Tobias – und wir sind da beieinander!

      Der Bundestag ist ja die einzige Institution des deutschen Bundes, die wir als Bürgerinnen und Bürger direkt wählen! Alle anderen Ämter – von der Bundeskanzlerin über den Bundespräsidenten und der Bundestagspräsidentin bis hin sogar zum Bundesverfassungsrichter – werden indirekt gewählt.

      Die mimetische Schwächung des Bundestages seit dem ersten Koalitionsvertrag und Koalitionsausschuss von 1961…

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-bundes-koalitionsvertrag-von-1961-als-abweg-vom-grundgesetz/

      …sind daher aus meiner Sicht keine Lappalien, sondern schwächen die demokratische Säule unseres Grundgesetzes!

      Der Bundestag wäre doch eigentlich der Gesetzgeber (die Legislative), würde aber auch die Regierung kontrollieren und den idealerweise überparteilichen Dialog vorleben. Doch in der Realität erfahren heute die gewählten Mitglieder des Bundestages (MdB) aus Pressekonferenzen, was ihnen durch Koalitionsausschüsse oder eine nichtöffentlich tagende „Rentenkommission“ vorgegeben wird. Warum wählen wir dann aber über sechshundert Abgeordnete (derzeit 630), die faktisch durch eine kleine Gruppe von Parteivorsitzenden entmachtet wurden?

      In Artikel 38 unseres Grundgesetzes heißt es eindeutig:

      (1) Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt. Sie sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.

      Wenn mir dagegen sogar wohlmeinende Freundinnen und Freunde versichern, die Parlamente müssten eben durch die Regierungen (Exekutive) angeführt werden, dann verstehe ich den Vertrauensverlust der Menschen leider völlig.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/begriffsentwirrung-fraktionszwang-fraktionsdisziplin-parlamentarische-republik/

      Und genau das sehen wir doch auch bei den hier diskutierten Infrastruktur-Projekten: Die Menschen wollen keine Entscheidungen in Hinterzimmern, an denen dann nicht mehr gerüttelt werden kann. Sondern sie wollen kritische Dialoge in ihren Parlamenten (wie Gemeinde- oder Kreisräte, Landtage usw.), Anhörungen und manchmal – wie bei Stuttgart 21 – sogar eine entscheidende Abstimmung.

      Eine Politik des Lieferantismus – die Parteivorsitzenden wüssten Bescheid und müssten möglichst schnell und möglichst viel „liefern“ – verfehlt daher nach meiner Einschätzung die Verfassungsordnung der Bundesrepublik und führt zu wachsender Wut und Enttäuschung. Die grandiose Idee der demokratischen Republik, einerseits öffentliche Dialoge zu organisieren und andererseits das Volk durch Wahlen und Abstimmungen zu beteiligen, wird aufgegeben. Stattdessen erleben und erleiden wir einen libertären Alptraum, in dem die Bürgerinnen und Bürger nur noch als bockige Kundschaft erscheint, die nicht mehr mitreden, sondern nur noch motzen und alle paar Jahre die Dienstleister austauschen darf.

      Dass dabei die Interessen zukünftiger Generationen gar nicht mehr zur Geltung kommen, überrascht da leider nicht: Junge Klimademonstrantinnen stören die Vorherrschaft der Parteivorsitzenden und Konzernmedien, wogegen wütende Bauern mit Straßenblockaden und Galgen als normale Interessenvertreter erscheinen. Das ist doch grauenhaft!

      Deswegen teile ich die zunehmende Kritik an Friedrich Merz (CDU), meine aber, dass das Problem sehr viel tiefer geht als nur einzelne Personen. Auch die SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil und Bärbel Bas geraten ja zunehmend unter Beschuss, die FDP flog sogar aus dem Bundestag, die neue Grünen-Doppelspitze tut sich schwer usw.

      Ich meine daher, dass wir dringend zu den demokratischen und dialogischen Idealen unseres Grundgesetzes (und unserer Landesverfassungen) zurückkehren sollten, statt uns weiterhin in der „Enge der Zeit“, in Rechtsmimesis und Lieferantismus zu verlieren.

      Dir vielen Dank für Deinen dialogischen Kommentar, der mich zu dieser ausführlichen Antwort anregte!

  12. @NI
    17.08.2026, 11:20 Uhr

    Das sagt Frau Honkanen, ich sage dir , der jählich mit 100 neuen Schülern Umgang hatte, und das 42 Jahre lang, Einzelkinder sind problematisch, weil sie oft auch aus zerbrochenen Familien stammen.

    Anekdotische Evidenz? 🙂 Du nennst selber auch eine zusätzliche Randbedingung. Einzelkind zu sein ist für das Verhalten und die Entwicklung die Du nennst vierleicht gar nicht der entscheidende Faktor?

    https://www.susannewmanphd.com/blog/2017/05/16/only-child-stereotypes/

    Ich hatte in meinem Leben eigentlich nur türlische Großfamilien als Nachbarn. Wenn ich daraus ableiten würde das türkische Familien grundsätzlich kinderreich sind würde mir @Michael Blume jetzt aber zurecht verbal die Hucke voll hauen (natürlich freundlich aber sehr bestimmt 😉 ).

    Wenn die Frau schon zwei Kinder hat, dann lässt sie sich nicht so leicht scheiden.

    Huh, ganz dünnes Eis würde ich sagen. Befrage mal einen Feministen Deiner Wahl dazu …
    Finanzielle Abhängigkeit und Existenzsicherung könnten da nicht zentrale Faktoren sein?
    Die organisatorische Belastung nach einer Scheidung wenn man sich um zwei Kinder kümmern muss? Die ja dann gerne an der Frau „hängen bleiben“?
    Die gesellschaftliche Erwartungshaltung?
    Das ist wirklich ein kompliziertes Gemenge aus finanziellen Abhängigkeiten, organisatorischen Herausforderungen, emotionalen Bindungen…
    Du solltest vieleicht bei Diener Meinung dazu mal nach zB kognitiven Bestätigungsfehlern suchen wo wir gerade bei dem Thema sind 😉

    • Uli Schoppe
      „kognitive Bestätigungsfehler“
      Die gibt es zuhauf, das soll keine Doktorarbeit werden, mir geht es darum, das Argumente wahrgenommen werden.
      Ich lasse mich gerne belehren, meine Erfahrungen sind nicht deine Erfahrungen.

      Herr Blume geht es letztlich um ein friedliches Zusammenleben.
      Und das lernen Kinder am besten in der Familie, wenn sie sich streiten, wenn sie sich wieder versöhnen.

      Und Frauen sind da die besseren Vermittler, weil sie eben nicht streng logisch reagieren , sondern emotional. Und das brauchen auch die Erwachsenen, die emotionale Seite der Zugewanderten zu erkennen und zu verstehen.

  13. @NI
    19.08.2026, 12:03 Uhr

    Uli Schoppe
    „kognitive Bestätigungsfehler“
    Die gibt es zuhauf, das soll keine Doktorarbeit werden, mir geht es darum, das Argumente wahrgenommen werden.

    Das Recht und die Möglichkeit sich zum Thema zu äußern ist nicht abhängig vom jeweiligen Bildungsgrad und der Komplexizität des jeweiligen Sprachgebrauches.
    Wenn auf Ausführungen geantwortet wird sind diese übrigends tatsächlich erst einmal wahrgenommen worden. Sonst würde nicht darauf reagiert. EIne Position oder eine Aussage wahrnehmen bedeutet aber nicht, dass nicht wiedersprochen werden darf.

    Ich lasse mich gerne belehren, meine Erfahrungen sind nicht deine Erfahrungen.

    „belehren“ muss sich keiner lassen, das ist ein master / servant Verhältnis. Ich hoffe doch wir reden auf Augenhöhe 🙂

    Herr Blume geht es letztlich um ein friedliches Zusammenleben.

    Unbestritten. Allerdings weder bei uns noch bei ihm um jeden Preis denke (und hoffe) ich.

    Und das lernen Kinder am besten in der Familie, wenn sie sich streiten, wenn sie sich wieder versöhnen.

    Dir schwebt dabei vermutlich ein bestimmtes Familienbild vor das Du automatisch als überlegen voraussetzt: die klassische Kernfamilie (Vater, Mutter, Kinder). Daneben gibt es aber noch weiter Familienformen. Zum Beispiel Patchworkfamilien, Regenbogenfamilien, Pflegefamilien, Adoptionsfamilien und auch irgendwie andere, erweiterte Familienkonstellationen. Unser beider Vorstellung von Familie ist aber nicht zwanghaft die am meisten leistungsfähige. Das wäre zu belegen. Und eigene anekdotische Anschauung wäre kein Beleg für Überlegenheit sondern höchstens für das Funktionieren zumindest einer Vorstellung.
    Ob ein friedliches Zusammenleben gefördert wird ist abhängig von der im jeweiligen sozialen Verband gelebten Praxis. Gibt es verlässliche Regeln? Sind die Beziehungen von Flexibilität und Toleranz geprägt? Wie wird in dem jeweiligen Verbund mit Konflikten umgegangen?
    Und dann gibt es leider nicht mal ein Patentrezept wie zB die Regeln auszusehen haben weil jede Familie unter eigenen Voraussetzungen lebt…
    Unbequemerweise lässt sich das nicht mal automatisch Weltanschauungen zuweisen. Autoritär, dualistisch und unfriedlich können irgendwie alle: Christen, Moslems, Juden Hindus, Atheisten … Diese Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollzähligkeit…

    • Uli Schoppe
      „Dir schwebt dabei vermutlich ein bestimmtes Familienbild vor“

      Es gibt da zwei Formen, die sind umstritten,
      1. Polygamie, bei dieser Form hat der Mann mehrere Frauen und natürlich auch viele Kinder. 30 Länder in Afrika erlauben diese Form von Familie
      2. Polyandrie, bei dieser Form hat die Frau mehrere Männer, diese Form wird gerade in Südafrika diskutiert.
      3. Monogamie,Einehe, ein Mann hat eine Frau, diese Form ist in Europa üblich.
      4. Patchworkfamilie, meist ein Zusammenschluss von zwei Elternteilen die ihre Kinder aus vorhergehen Beziehungen mitbringen. Geht überraschend gut.
      Stillstand gibt es in der Patchworkfamilie nicht, auch nicht in Familien bei denen die Elternteile aus unterschiedlichen Kulturkreisen stammen.
      Wenn die Kinder dann mehrsprachig aufwachsen sind diese Formen der Monogamie überlegen.

      • @NI

        Mit dem Blogpost haben diese Themen ja nun wirklich nicht mehr viel zu tun…

        Und zu Ihrer Aussage „Wenn die Kinder dann mehrsprachig aufwachsen sind diese Formen der Monogamie überlegen.“ möchte ich doch anmerken: Meine Frau und ich leben monogam und unsere Kinder wachsen mehrsprachig auf… 🤷‍♂️

        Ohne gleich mit Moderation drohen zu wollen: Wäre es bitte möglich, etwas näher bei den jeweiligen Blogthemen zu bleiben?

  14. @Michael Blume
    18.08.2026, 18:24 Uhr

    Vielen herzlichen Dank, @Marie H. – aber ich bin in Sachen „Egoismus“ nicht ganz Ihrer Meinung. Denn selbstverständlich vertreten ja auch die Befürwortenden von Infrastrukturprojekten Interessen. Dass ich als junger Gemeinderat mit Bank-Ausbildung für den Neubau der Landesmesse und damit für Wirtschaft und Arbeitsplätze eingetreten bin, könnte entlang dieser Logik doch auch als „Egoismus“ gedeutet werden.

    Die Motivation für eine Argumentation zu beurteilen ist ja vorsichtig gesagt herausfordernd.
    Ich hatte beim Lesen dieses Blogbeitrags nicht den Eindruck Du würdest hier nur irgendwelche versteckten Motive rationalisieren. Da kannst Du Dir auf die Schulter klopfen 😉 Ich bin jetzt deswegen nicht zum überzeugten Befürworter von Stuttgart 21 geworden. Für meine Einstellung den Befürwortern gegenüber war es aber sehr förderlich etwas von jemandem zu lesen bei dem man auch das ehrliche Gefühl hat es gibt keine versteckten Motive.

    Und dass ich als Arbeiterkind einige Skepsis vor den Subventionen für die Hochkultur fürs ohnehin zahlungskräftige Bürgertum empfand, auch.

    Die Skepsis ist ja auch nicht völlig unbegründet. Auch da hast Du das Stuttgart21 Problem: Wenn oft genug aufgefallen ist das da einfach Standesdünkel und die unreflektierte „das steht mir zu“ Haltung eine Rolle spielen ist irgendwann die Grundvermutung das sei bei allen so.
    Ich denke bei Stuttgart21 kommt man nur mit dem Friedensparadox nicht weiter wenn man den Widerstand erklären will, es ist aber Teil der Begründung das ist eigentlich keine Frage.

    Der „Schwarze Donnerstag“ ist mit Sicherheit auch Teil der Erklärung. Das war ein Moment der Ohnmachtserfahrung in dem man mit dem Gefühl zurückbleibt nicht mehr in einem demokratischen Staat zu Hause zu sein. An der Stelle finde ich Reaktanz eine ziemlich verständliche Reaktion. Der Versuch den persönlichen Freiheitsrahmen zu beschneiden war ja tatsächlich da. Bei der Kränkung wirst Du es mit Sachargumenten immer schwer haben, die wiegt halt dann oft schwerer.
    Die Grundvermutung bei vielen Gegnern ist ja doch das hier Konzerninteressen vor Gemeinwohl gehen, und das soll auch bei uns in Deutschland schon vorgekommen sein.
    Deshalb wirst Du es mit Deiner Argumentation auch schwer haben. Die wird nämlich sofort unter dem Blickwinkel betrachtet „Aha die nächste Rationalisierung!“. Darum wirst Du es mit dem Standpunkt auch schwer haben: Du musst nämlich eigentlich nicht belegen das es gute Argumente für das Projekt gibt sondern die Vermutung wiederlegen Du hättest eine versteckte Agenda.
    Was ich wie ich betonen will nicht glaube. Nur falls das nicht deutlich sein sollte 🙂
    Das Friedensparadox erklärt eigentlich auch nicht so richtig die Ausdauer beim Protest. Mehr als 15 Jahre…
    Das ist irgendwie mehr geworden als lokaler Protest…
    Ich versuche mal eine Parallele zu ziehen: Weil ich beim Meinungsaustausch über Religiosität so oft auf dumme und menschenverachtende Meinungen gestoßen bin war das für mich gar nicht so einfach zu akzeptieren das das bei Dir anders sein könnte.
    Da bin ich ja nun drüber weg 😉
    Das Problem ist aber ähnlich, wenn nicht gleich. Die Einstellung ändern kann nur und muss zugleich der Empfänger, also in dem Fall zum Beispiel ich.

    • Vielen Dank, @Uli Schoppe, für den überaus tiefen und dialogischen Druko! 🙏

      Tatsächlich sehe ich bei mir in Sachen „Stuttgart 21“ keine versteckten Motive, sondern eine Reihe der Befürwortung nach der FILharmonie und der Landesmesse Stuttgart. Auch damals gab es nachdenklich Befürwortende und teilweise sehr laute Ablehnende. Und die Abstimmungen zur FILharmonie und zu Stuttgart 21 zeigten dann nochmal andere Bilder.

      Gleichzeitig bedeutet aber „keine versteckten Motive“ nicht das Gleiche wie „keine Motive“: Ich wollte in einer blühenden Stadt und einem blühenden Land leben – und auch das könnte mir als damals junger Mensch als „wirtschaftsliberal“ oder gar „egoistisch“ ausgelegt werden.

      Mir war also wichtig, auch gegenüber den Formulierungen von @Marie H. klar zu stellen, dass ich auch hier keinen Gut-Böse-Dualismus vertrete und Andersdenkende nicht als „böse“ frame.

      Ein älterer Mensch kann bei gleichem Wissensstand zu ganz anderen Einschätzungen kommen wie ein jüngerer Mensch. Eine Mutter, die einen Kiosk betreibt und eine gute Zukunft für ihre beiden kleinen Kinder will, kann zu einer anderen Einschätzung gelangen als eine Großmutter, die jahrelangen Baulärm befürchtet und eine gesunde Mitwelt für ihre Enkelkinder erstrebt. Ich würde mir nicht anmaßen, dass Eine über das Andere zu stellen, sondern plädiere für Dialog, Annäherung (etwa in den Planungen) und schließlich parlamentarische oder gar allgemeine Abstimmung.

      Sogar bei den katastrophal um sich greifenden Folgen zurückgehender Masern-Impfungen in den USA würde ich eine größere Verantwortung bei den Menschen sehen, die es wissenschaftlich erkennen müssten, als bei jenen, die im Präventionsparadox leben und schließlich auf Desinformation hereinfallen.

      Ich finde, zur Unterstellung böser Motive an andere hat Rabbi Jesus bereits eindrucksvoll formuliert:

      Matthäus 7, 1 – 5

      1 Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!

      2 Denn wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden und nach dem Maß, mit dem ihr messt, werdet ihr gemessen werden.

      3 Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?

      4 Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und siehe, in deinem Auge steckt ein Balken!

      5 Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du zusehen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen!

      https://www.bibleserver.com/amp/EU/Matth%C3%A4us7

      Ich glaube auch nicht, dass jemand religiös sein muss, um sich solcher Vor-Urteile zu enthalten. Der dialogische Monismus hat nach meiner Beobachtung sowohl religiöse wie auch nichtreligiöse, eben humanistische Zugänge.

      In diesem Sinne Dir herzlichen Dank! 🙏😌👍

  15. @Michael 26.08. 20:10

    „Ich glaube auch nicht, dass jemand religiös sein muss, um sich solcher Vor-Urteile zu enthalten.“

    Ist das denn wirklich religiös, wenn Jesus was so sagt, dass es einfach überzeugt? Auch ohne die Autorität, die im später zuteil wurde, hatte er was zu sagen. Schätze ich mal. Sicher aber nicht alles, was man sagen kann.

    Genau das scheint mir in manchen Kirchen zu kurz zu kommen, was eben nicht in der Bibel steht, aber dennoch richtig und wichtig ist. Eine gewisse Festschreibung mag ja nützlich sein, aber die Zeiten schreiten auch voran, und das Neue will gerne auch beachtet werden.

    Ist das jetzt sogar ein Manko, das mit der Erfindung der Schrift einhergehen kann? Inzwischen sind wir sowieso in digitalen Medien unterwegs, und als Prosumenten dabei, sehr viel unmittelbarer zu kommunizieren, und wir sind dabei, auch Neu Gedachtes recht unverzüglich zu verbreiten, wenn auch mit eher kleiner Reichweite.

    Und die KI mag inzwischen dazu beitragen, dass wir dennoch nicht ganz im Chaos dabei versinken. Umso wichtiger, sie nicht undurchsichtigen US-Konzernen zu überlassen.

    „Der dialogische Monismus hat nach meiner Beobachtung sowohl religiöse wie auch nichtreligiöse, eben humanistische Zugänge.“

    Wenn man den dialogischen Monismus als den gemeinsamen Blick auf einen Sachverhalt aus verschiedenen Blickwinkeln versteht, dann muss er ja auch humanistische Zugänge akzeptieren.

    • Danke, lieber @Tobias – und, ja, Jesus sprach nicht erst als Christus, sondern schon als kluger Rabbi. Und umso weiter die Forschungen voranschreiten, umso mehr wächst der gegenseitige Respekt, vgl. schon hier 2017:

      „Den Willen unseres Vaters im Himmel tun…“ – Eine bemerkenswerte Erklärung orthodoxer Rabbiner zu Christentum und Islam

      Auf der Rückfahrt von Ulm blätterte ich versonnen in einem bemerkenswerten Band zum jüdisch-christlichen Dialog, den Rabbiner Jehoschua Ahrens (Darmstadt), Karl-Hermann Blickle (Unternehmer & Stifter), Rabbiner David Bollag (Universität Luzern) und Johannes Heil (Rektor der Hochschule für jüdische Studien Heidelberg) gemeinsam herausgegeben haben.

      Das überaus lesenswerte Buch befasst sich aus verschiedensten Perspektiven mit der „Erklärung orthodoxer Rabbiner zum Christentum. Den Willen unseres Vaters im Himmel tun“ vom 3. Dezember 2015.

      Es ist dies natürlich nicht die erste, gemeinschaftliche Antwort jüdischer Gelehrter auf den christlich-jüdischen Dialog und die tiefgreifenden Änderungen christlicher Lehren zum Judentum nach der Schoah und dem 2. Vatikanischen Konzil der römisch-katholischen Kirche. Schon in 2000 hatten liberale und konservative Gelehrte mit „Dabru Emet – Redet die Wahrheit“ eine wichtige Debatte angestoßen. Doch in mancherlei Hinsicht geht „Den Willen unseres Vaters im Himmel tun“ sogar noch weiter.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/samen-des-friedens-hin-zu-einer-partnerschaft-zwischen-juden-christen-und-muslimen/

      Dass der voranschreitende Dialog zwischen jüdischen und christlichen Stimmen auch etwa muslimischen, jesidischen und säkular-humanistischen Menschen zugute kommt, liegt dabei in der Natur der Sache: Zukunft haben wir nur gemeinsam.

      Auch 2025 durfte ich wieder an viel Gutem teilhaben und möchte besonders das zweite Pforzheimer Fest der Lichter benennen, zu dem diesmal jüdische Geistliche Chanukka, christliche Geistliche den Advent und erstmals auch jesidische Geistliche ihr Lichterfest Ida Ezi beitrugen. Die Religionen wurden also nicht vermischt, sondern dialogisch beleuchtet. Vielen Anwesenden aus Politik, Polizei, Justiz und Zivilgesellschaft war klar, dass wir hier einen neuen Schritt der Religionsgeschichte erleben durften.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/zeitenwende-mit-solarpunk-allen-einen-guten-rosch-ins-jahr-2026/

      Der Dialog der Religionen und Weltanschauungen gedeiht auch auf Basis von Wissenschaft. Es macht Freude und Sinn, dazu beizutragen.

  16. @Michael 27.08. 07:25

    „Der Dialog der Religionen und Weltanschauungen gedeiht auch auf Basis von Wissenschaft. Es macht Freude und Sinn, dazu beizutragen.“

    Die Horizonte, die Wissenschaft schafft, beleben wohl auch Glaubenswelten. Die Astronomie etwa, wir leben heute in einem vergleichsweise riesigen Kosmos. Nicht nur ein Planet mit einer Menschheit, es gibt 100 Mrd Sterne mit noch mehr Planeten in dieser Galaxis, und dann auch nochmal 100 Mrd Galaxien im gesamten sichtbaren Universum.

    Das ist viel. Unwahrscheinlich, das Leben nur auf der Erde vorkommt, und immer noch unwahrscheinlich, dass wir als intelligente Spezies im Universum alleine sind.

    Das ändert auch das Menschenbild. Wie auch das Bild, das wir von Göttern, Engeln und Dämonen mal hatten. Geisteswelten können inzwischen unpersonal gedacht werden, und zugleich sind wir sehr spezifische biologische Wesen, die es eben nur als verkörperte Biologie geben kann. Eine Weiterexistenz in jenseitigen Welten dürfte recht unmöglich sein.

    Dennoch können wir mit Geisteswelten verbunden sein, und ein Teil unserer Existenz kann sich entsprechend in allgemeinen Kosmischen Geisteswelten auflösen.

    Zugleich können die kosmischen Geisteswelten unendlich weit über eine personale biologische Existenz hinausgehen. Und sich insbesondere in diesem doch absolut riesigem Kosmos überall ausbreiten.

    Die aktuelle Entwicklung von KI über menschengleiche Fähigkeiten bis zu zukünftigen Superintelligenzen erscheint mir vielversprechend. Zugleich dürfte es bei dieser Entwicklung auch zu eigenem Bewusstsein kommen, und man könnte so auch herausfinden, wie genau dieses wirkliche Bewusstsein funktioniert.

    Insbesondere wird es sich dann zeigen, ob unsere innere Existenz nicht ohne Verbindungen zu Geisteswelten funktionieren kann.

    Das sind ja nun eskalierende weltliche Rahmenbedingungen, die auch religiöse Vorstellungen auf neue Grundlagen stellen können.

    • Danke, @Tobias, für diesen freundlichen Einblick in das Übersetzen religiöser Hoffnungswelten in säkularen, technologischen und spirituellen Zukunftsglauben.

      Auch aus meiner Sicht haben gerade auch Verkehrsprojekte nie nur materielle Folgen. Und einem besseren und post-fossilen Verkehrsnetz gestehe ich auch geistig mehr als nur wirtschaftlichen Nutzen zu.

  17. @Michael 27.08. 17:24

    „Und einem besseren und post-fossilen Verkehrsnetz gestehe ich auch geistig mehr als nur wirtschaftlichen Nutzen zu.“

    Interessante Frage. Fühlt sich Solarstrom besser an? Zumindest das Wissen, wenn man emissionsfrei und dennoch gut unterwegs ist, dürfte sich konkret auch dann anfühlen. Der ganze Solarpunk ganz praktisch eben.

    Nicht mehr Teil des Problems, sondern Teil der Lösung zu sein, ist auch unausweichlich ein grundsätzlicher Teil der eigenen Identität.

    Und wenn es dann auch um das persönliche Verhältnis zu Geisteswelten geht, wie die auch nimmer aussehen mögen, dürfte das damit auch Unterschiede machen.

    Auch mein konkreter Umstieg von Glühlampe zur LED fühlte und fühlt sich bei mir beleutungsmäßig besser an. Und spart locker 20 Euro Stromkosten im Monat ein. Und ich habe gerne schon immer schön viel Licht in der Wohnung.

    Auch Elektroautos fühlen sich für mich ganz gut an. Mit ordentlich Zug, und ohne Gangschalterei. Und irgendwie ein echt angenehmes und entspannteres Fahrgefühl.

    • Ganz genau so & vielen Dank, @Tobias 🙏

      Denn, klar, gegen jede neue Technologie gab es erstmal Reaktanz (Widerwillen gegen Veränderung). Denken wir doch nur an die Gurtpflicht beim Autofahren!

      Doch hier hat sich der Logos (die Vernunft) gegen den Thymos (die Status- und Empörungssucht) durchgesetzt. Und heute gehöre ich zu den Menschen, die ohne Anschnallen gar nicht mehr Losfahren wollen (!), weil ich damit Andere & mich selbst schütze.

      Auch mit dem Solarpunk, erneuerbaren Friedensenergien und dem Elektroauto seit 2017 verbinde ich sehr positive Empfindungen:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/dekarbonisierungskugel-fuer-den-weltfrieden-meine-erste-erfahrungen-mit-dem-elektro-renault-zoe/

      Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich die politikwissenschaftliche Rentierstaatstheorie über die Zentralisierung von Macht & Reichtum sowie die Beobachtungen im Irak 2015/16 zu Rohstoffkriegen und globaler Erhitzung schon hinter mir hatte. Die Abkehr von fossilen Gewaltenergien und die Hinwendung zu erneuerbaren Friedensenergien war für mich auch eine emotionale Befreiung, ja Ent-Strickung.

      Die von Dir geschilderten Vorteile bestärken das zusätzlich, ja.

  18. @Michael 28.08. 23:50

    „Die Abkehr von fossilen Gewaltenergien und die Hinwendung zu erneuerbaren Friedensenergien war für mich auch eine emotionale Befreiung, ja Ent-Strickung.“

    Noch 3 Jahre, dann bekomme ich hier Fernheizung auf Basis von Industrieabwärme. Und in 8 Jahren endlich PV auf den Dächern von meiner Wohnungsbaugesellschaft.

    Mich ärgert das, dass das so lange dauert. Aber ich kann da nix machen, muss warten, was Politik und Genossenschaft beschließen. Dächer gibt es hier in der Innenstadt genug, es funktioniert nur nicht, weil man nicht zu niedrigen Durchleitungsgebühren PV-Strom direkt in der Nachbarschaft verkaufen darf. Investoren gäbe es vermutlich genug.

    Vielleicht können aber auch die Dortmunder Stadtwerke oder auch unsere Wohnungsbaugenossenschaft da doch noch früher aktiv werden.

    Mehr Ent-Strickung ist genau das, was ich auch suche. Ich will so nicht leben. Und das müsste nicht nur teurer sein, das kann hier und da sogar billiger werden.

    Wer die eigene PV-Anlage auf dem eigenen Dach hat und einen passenden Speicher mit etwa einer halben Tagesleistung, der kann den meisten Ertrag selber nutzen, und niemand kann ihm das verbieten und keiner verdient mit. Keine Steuern, keine Durchleitungsgebühren, nur die Kosten der Anlage fallen an.

    Und auch ein optimalerweise bidirektional angeschlossenes E-Auto kann dann auch ganz billig versorgt werden. Und noch zusätzlich Strom speichern, nicht nur den eigenen Solarstrom, sondern auch Windstromüberschüsse im Winter billig einkaufen und in Zeiten mit hohen Strompreisen dann selber verbrauchen.

  19. S21 gehört seit 2011 zu den gescheiterten Großprojekten. Mit dem Wissen von heute , würde die DB Stuttgart 21 nicht mehr bauen ( Grube , Lutz). Zu teuer , zu lange Bauzeit , zu leistungsschwach. Ähhh? , was verstehen die S21 Fanboys an dem Wort gescheitert nicht. Hihi – der pünktlichste Bahnhof Deutschlands ? Sorry ,der alte „Hüttengruschdbahnhof“. Wie sagte damals ein Herr Schuster ? Wenn sie von S21 was mit bekommen wollen , müssen sie schon den Kopf in einen Guli srecken , da alles unterirdisch gebaut wird.

    • Danke für Ihre Meinung, @Regine Moser – eine Mehrheit hat bei der Volksabstimmung entschieden und der Bau von S21 schreitet voran.

      Generell halte ich nicht viel davon, immer wieder Investitionen in die Zukunft zu unterlassen. Das ist ja auch etwa der deutschen Autoindustrie schlecht bekommen.

      Schon aus demografischen Gründen & wegen der bleibend hohen Ölpreise sinkt die Nachfrage nach Verbrenner-Autos weltweit, reales Wachstum gibt es nur noch bei Elektroautos.

      Und da soll der Lobbykampf gegen das Verbrenner-Aus „wirtschaftskompetent“ sein? Fossilisten sind nur gierige Nieten in Nadelstreifen, ob in Wirtschaft, Medien oder Politik.

      „Der Verband der Automobilindustrie (VDA), der Spitzenverband der zuletzt zunehmend unter Druck geratenen deutschen Autobauer, teilte mit, dass im August 229.900 Pkw in Deutschland produziert worden seien – vier Prozent weniger als im August des Jahres 2025.

      Während E-Autos immer stärker gefragt sind, brach die Nachfrage nach reinen Benzinern um fast 38 Prozent ein, Diesel-Pkw verzeichneten ein Minus von gut 17 Prozent.

      Insgesamt kamen im August rund 212.500 Autos neu auf Deutschlands Straßen – und damit 2,6 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. 40,5 Prozent davon entfielen auf private Neuzulassungen, 59,4 Prozent auf gewerbliche Halter.“

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117208866903068798

      Wir Blumes sind bereits 2013 auf eine Wärmepumpe und 2017 auf ein französisches Elektroauto umgestiegen – auch damals gegen alle Warnungen vor dem Neuen. Auch diese Investitionen waren damals heiß umstritten und haben sich aus heutiger Sicht dennoch absolut gelohnt.

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