The Wire – So gut kann eine Polizei- und Stadtteilserie sein

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Evolutionsgeschichte der Religion(en)
Natur des Glaubens
“Die beste Serie in der Geschichte des TV” – so war es zumindest in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) zu lesen. Und da ich auf diesem Blog immer wieder gerne auf gute Bücher, Filme oder Kunstwerke hinweise, räume ich gerne ein: Es ist auch für meine Frau und mich eine der besten Serien, die wir seit Jahren gesehen haben. Und wir schauen gerne Serien.
 
Warum soll “The Wire” so gut sein? Einmal sind hier zwei hervorragende Genres miteinander verbunden worden: Der Polizei-Krimi einerseits mit der Stadtteil-Sozialdoku andererseits, hervorragend konkretisiert an Baltimore (USA). Sowohl Verbrecher wie Polizisten arbeiten hier in einem echten Lebensumfeld, ihre Handlungen haben – oft unbeabsichtigte – Folgen und die Welt ist eben nicht am Ende jeder Folge einfach wieder in Ordnung. Stattdessen entwickeln sich Geschichten zu einem Panorama einer fremden, nahen Welt.
The Wire, Cover
Hier lernen wir vielschichtige Charaktere kennen, Polizistinnen, Dealer, Politiker und Lehrerinnen, Schwarze und Weiße, Junkies und Senatoren, Ehrgeizlinge und Sozialarbeiter, Christen und Muslime. Ob auf den Straßen, in den schäbigen Büros unterfinanzierter Polizeieinheiten, in Gewerkschaftsbüros am Hafen, in Gefängnissen oder Rathäusern – “Gut gegen Böse” ist hier keine Frage einfacher Zuordnung, sondern des ständigen Ringens und der Entwicklung echter Menschen. Und so ertappt man sich plötzlich dabei, Verständnis, ja Sympathien für manchen “Verbrecher” entwickelt zu haben – und zu erkennen, wieviel Leben und Potential mit Intrigen und einer sinnlosen, längst gescheiterten Drogen- und Bildungspolitik nicht nur in den USA verschleudert werden.
 
Und vielleicht ist auch das eines der ganz großen Stärken der Serie: Dass sie einen völlig ohne erhobenen Zeigefinger dazu anregt, auch die eigene Umgebung und die eigenen Positionen mit neuen Augen zu betrachten. Ach ja, und: Spannung und Spaß kommen auch nicht zu kurz dabei.
 
Persönlich muss ich mir vorhalten lassen, viel zu lang gewartet zu haben, als mir ein Freund und Kollege den Tip für “The Wire” gab. Immerhin müssen meine Frau und ich dafür nur noch wenige Wochen auf das Erscheinen der 5. Staffel warten.
 
Seien Sie schlauer als ich – geben Sie “The Wire” eine Chance. Da Sie Blogs lesen – und also gerne ein wenig mehr als Oberflächen betrachten – bin ich mir sicher, dass die Serie Sie begeistern wird!
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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren als „teilnehmender Beobachter“, um Digitalisierung zu erforschen, Religionswissenschaft leichter zugänglich und niedrigschwelliger diskutierbar zu machen.

6 Kommentare

  1. Person of Interest

    Ich habe alle Staffeln dieser Serie angeschaut und ich war beeindruckt. Sie kann sehr verstörend sein, weil sie sehr realistisch ist. Ist nicht jedermans Sache.

    Übrigens bin ich auf eine Serie gestoßen, die mich sehr positiv überrascht hat und empfehlen möchte.
    Sie heißt Person of Interest

    Ich wußte da gar nicht auf was ich mich eingelassen hatte, ich wollte eigentlich nur meine Langeweile beseitigen. Und bin dann auf diese Perle gestoßen. Post-9/11 Trauma, Überwachungsgesellschaft und eine gute Krimi/Acition-Story mit einem hervorragend schauspielerischen Jim Caviezel in der Hauptrolle.

    Hier das Intro:
    http://www.youtube.com/watch?v=WOnQ8CD3v4g

    Hier der Trailer:
    http://www.youtube.com/watch?v=68xN_BNYhc4

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