Hantavirus & Ebola – Die Rückkehr der Verschwörungsmythen

Da die menschliche Psychologie zu Reaktanz, Externalisierung und Verschwörungsmythen neigt, sollte es uns nicht überraschen, dass viele Menschen angesichts von bedrohlichen Krankheiten nicht „etwas“ (wie einen Virus), sondern „jemanden“ (meist eine Menschengruppe) verantwortlich machen wollen. Und wenn sie sich einmal auf vermeintlich Schuldige festgelegt haben (meist Juden, Fremde, Ärztinnen), steigern sie sich in den Confirmation Bias / Bestätigungsfehler und radikalisieren sich in Blasen.
Wir haben das bereits während der Covid19-Pandemie gesehen – übrigens auch unter autoritären oder einfach gierigen Menschen mit durchaus höherer, formaler Bildung.
Und entsprechend schnell bildeten sich auch antisemitische Verschwörungsmythen um den Ausbruch einer tödlichen Hantavirus-Variante auf dem Kreuzfahrtschiff MV Hontius im April und Mai 2026: Schnell wurde darauf verwiesen, dass der Begriff „Hanta“ im Hebräischen – der Sprache im Judentum und Staat Israel – soviel wie „Lüge, Betrug, Nonsens“ bedeutet. Wie üblich im Antisemitismus wurde und wird dabei vergessen und verdrängt, dass das Virus im Koreakrieg (1950 – 1953) von Tieren auf Menschen übersprang und nach dem Hantanfluss in Südkorea benannt wurde: Mit einer angeblichen, jüdischen Weltverschwörung hat es genau gar nichts zu tun!
Noch krasser entladen sich Angst, Verschwörungsglauben und Gewalt rund um die Ebola-Epidemie in Ost-Kongo. Verena Garrett berichtete unlängst im ZDF:
Viele Menschen hier haben über Jahre erlebt, dass staatliche Hilfe ausblieb. Das Misstrauen gegenüber Behörden und internationalen Organisationen ist enorm. „Der Widerstand ist groß“, sagt Vanny Buringi, eine Mitarbeiterin des Roten Kreuzes. Und weiter: „Manche werfen Steine auf uns. Trotzdem geben wir nicht auf. Wir erklären den Menschen immer wieder, dass die Krankheit real ist.“
Die Angst vieler Menschen entlädt sich zunehmend in Wut und Aggression. Immer wieder werden Helfer bedroht, Behandlungszentren angegriffen oder geplante Notfallstationen zerstört – bevor sie überhaupt genutzt werden können.
Und wer sich selbst noch nicht mit dem psychologischen Reiz von Verschwörungsmythen auseinandergesetzt hat, mag sich selbst für immun halten. Doch aufgrund unserer menschlichen Psychologie neigen fast alle Menschen unter Streß zur Überwahrnehmung von Wesenhaftigkeit (Hyper-Agency Detection, HAD) und auch zum Confirmation Bias, deutsch: Bestätigungsfehler.
Im Deutschen haben wir den Begriff des „Nicht-Wahrhaben-Wollen“ für das Abblocken unangenehmer Wahrheiten im egozentrischen Relativismus oder gar feindseligen Dualismus, der dann meist schnell in Verschwörungsglauben übergeht. Auf Seite 23 von „Verschwörungsmythen“ schrieb ich dazu:
Schon in den Gesprächen des chinesischen Weisen Konfuzius (551 – 479 v.Chr.) finden wir angesichts von Ablehnung, Verschwörungsvorwürfen und Verfolgungen das seufzende Wort: ‚Die Wahrheit hat keinen Erfolg. Ich muß wohl ein Floß besteigen und über die See fahren.‘
Ein armenisches Sprichwort besagt: ‚Wer die Wahrheit spricht, braucht ein schnelles Pferd.‘
Und der bereits zitierte Holocaust-Überlebende Hans Blumenberg zweifelte nach einem Leben als zunehmend erfolgreicher Philosoph daran, dass die Philo-Sophie als ‚Liebe zur Weisheit‘ bis zum menschlichen Herzen durchdringen könne: ‚Es gibt keine Liebe zur Wahrheit. Vielleicht, weil es sie nicht geben kann.‘
Ist also alles hoffnungslos?
Nein, für Sie nicht. Es gibt…
Eine gute Nachricht: Die Akzeptanz von schmerzhafter Wahrheit lässt sich in Friedenszeiten trainieren
Sie können sich dazu mit dem Thema „Verschwörungsmythen und Verschwörungsglauben“ direkt befassen, um die gar nicht so komplizierten, psychologischen Mechanismen dahinter zu verstehen.
Sie können aber auch den Mut zu anderen, wissenschaftlichen Themen fassen, die Ihrem jeweiligen Confirmation Bias / Bestätigungsfehler widersprechen!
Wenn Sie politisch eher nach Rechts tendieren, könnten Sie sich dem Solarpunk aussetzen.
Wenn Sie politisch eher nach Links streben, könnten Sie sich mit Religionsdemografie befassen.
Das geht mit Büchern, mit Blogs – oder inzwischen auch einfach mit seriösen KI-Chatprogrammen. Verlassen Sie einfach Ihre Komfortzone und wagen Sie sich in Wissensgebiete, die Ihnen bisher „nicht gelegen“ waren!
Ich verspreche Ihnen: Es wird am Anfang heftige Emotionen, Ablehung und sogar Schmerz (kognitive Dissonanz) auslösen. Doch wie auch beim Sport der Körper stärker wird, so trainiert sich im dialogischen Monismus der Geist.
Und wenn dann wieder eine Epidemie oder gar Pandemie ansteht und Menschen aus Angst den Verstand abgeben, dann werden Sie der Rückkehr der Verschwörungsmythen nicht nur widerstehen – sondern auch klar verstehen, was in den Köpfen weniger trainierter und also panischer, dualistischer, verschwörungsgläubiger Mitmenschen vor sich geht…

Habe mich gerade sehr über eine kluge, dialogische Frage von @PrinterAngel auf Mastodon zu diesem Blogpost gefreut:
Was ich verwundert beobachte, ist der Aufstieg der Viren, anscheinend die Ablösung der Bakterien (Pest, Cholera, Lepra, etc) seit diese mit Antibiotika zu behandeln sind.
Waren vor dem 19.Jh Virusinfektionen (außer Pocken) weniger häufig oder sind sie angesichts der bakteriellen Epidemien nur weniger aufgefallen?
Gibt’s da auch was von Wissenschaft?
https://sueden.social/@angeldruckt/116678974502875139
Und, ja, das ist auch medizinisch gut erforscht und zu wissen hilfreich, so dass ich dazu posten konnte:
Ja, das heute gefühlt häufigere Auftreten von Virus – Pandemien gegenüber früher Bakterien ist gut erforscht.
Bakterielle Erkrankungen dominierten noch in der Medizin des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Durch Antibiotika, Hygiene und Impfungen wurden dann viele von ihnen kontrollierbar. Viren wirken dagegen heute noch bedrohlicher, weil sie schwerer zu behandeln sind, durch Globalisierung leichter verbreitet werden und häufig als neue Zoonosen auftreten.
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116679013738820813
Ich denke, das ist ein schönes Beispiel dafür, wie Dialog & Wissen psychologische Resilienz auch zum Schutz vor mimetischen Verschwörungsmythen, Hass und Hetze befördern können.
https://susanne-wosnitzka.de/corona-und-cholera-wortgleich-wiederholte-geschichte/2020/09/29/#more-1585
Auf dem Blog von Susanne Wosnitzka @Donauschwalbe@mastodon.social habe ich diesen interessanten Artikel gefunden.
Nachdem ich den Artikel gelesen habe, bin ich zur Ansicht gelangt, dass die Neigung zu Verschwörungsmythen offenbar Teil der menschlichen DNA sein könnte.
Verschwörungsmythen haben nichts mit Vernunft oder Verstand zu tun. Manche Menschen wollen in Krisenzeiten nichts von den richtigen Erkenntnissen der Wissenschaft wissen. Da Forschung oft mühsam, anstrengend und langwierig ist, reichen die gesicherten Ergebnisse, weil zB nur in geringer Zahl vorhanden, manchen Leuten nicht aus. Zumal das, was heute als gesichert angenommen wird, morgen schon durch entsprechende Forschungsarbeiten vom Gegenteil abgelöst werden kann.
Dass insbesondere Schauspieler, Sängerinnen, Musiker während der Coronapandemie zum Teil für Verschwörungsmythen empfänglich waren, lässt sich leicht begründen. Sie waren gezwungen, ihrer Arbeit auf unbestimmte Zeit nicht nachkommen zu können. Das hatte sicherlich finanzielle Auswirkungen. Die reproduzierenden Künstler sind darüber hinaus noch auf das Publikum angewiesen.
Sie schreiben, dass die Beschäftigung mit Wissenschaft schmerzhaft sein kann. Es fällt nicht allen leicht, flexibel zu sein. Möglicherweise handelt es sich um eine psychologische Angelegenheit. Erziehung, die vor allem autoritär daherkommt (Befehl und Gehorsam), prägt die Kinder – und das völlig unabhängig vom Intelligenzquotienten. Lebenskrisen können eine Chance sein, die Last der Kindheit und ihre Folgen mit professioneller Unterstützung aufzuarbeiten. Dieser Prozess ist gleichfalls schmerzlich, und nicht alle seelischen Trümmer können erfolgreich beseitigt werden.
Vielen Dank für den interessanten Link und Kommentar, @Marie H. – und inhaltlich volle Zustimmung!
Das mythologische Denken ist – im Guten wie im Schlechten – teil unserer biologisch angelegten („DNA“) Kognitionspsychologie.
Im oben gezeigten Band von „Verschwörungsmythen“ erkläre ich dies auf den S. 24 bis 26 so:
„Wir denken mit einem Säugetiergehirn – ‚eine etwa 1,4 Kilogramm schwere, gefurchte Masse von gallterartig-buttriger Konsistenz‘ (Rita Carter).
Die Evolution unserer Art hat uns zwar über 100 Milliarden Nervenzellen beschert, aber dabei ging es kaum um abstrakte Wahrheiten, sondern mehr um erfolgreiche Kooperation und Reproduktion.
Wer nicht in der Lage war, in den Gemeinschaften zu bestehen, Sexualpartner zu finden und Kinder bis zu deren Kindern durchzubringen, gehört nicht zu unseren Vorfahrinnen und Vorfahren.
Jedes Menschengehirn prägt sich in sozialen Wechselspielen mit anderen aus. […]
Abstrakte Wahrheit war und ist für menschliche Gehirne daher viel weniger relevant als Zugehörigkeit.
Ob uns Ahnmütter (und später Gottheiten) aus dem Jenseits wirklich beobachten, ist wissenschaftlich kaum zu klären – aber warum Menschen in der Evolution das immer stärker glaubten und wie sich das auf Traditionen, Zusammenhalt und Kinderreichtum auswirkt, das ist längst gut erforscht.
Unser Gehirn entwickelte vor allem im frontalen Cortex, dem Bereich über den Augen, soziale Fähigkeiten, die es uns ermöglichen, uns in andere Menschen einzufühlen.
Die ‚Theory of Mind‘ (ToM) erklärt, warum wir mit unserem Verhalten auf den mentalen Zustand anderer eingehen können.
Die meisten Menschen können die Gefühle anderer blitzschnell erfassen und nachvollziehen – schon grobe Anhaltspunkte reichen dafür aus, wie man an Emojis sehen kann, die ja nur aus wenigen Punkten und Strichen gebildet sind. […]
All dies aber bedeutet auch, dass wir Ereignisse sehr viel schneller und intuitiver einem ‚Jemand‘ zuschreiben als einem ‚Etwas‘.
Das Auftreten einer Krankheit zum Beispiel erfassen wir sehr viel leichter als Werk von Geistern oder Hexen, als Verschwörung oder Strafe eines Gottes statt als abstrakte ‚zufällige‘ Mutation eines Virus.
Dem Kognitionspsychologen Robert McCauley zufolge ist ‚Religion natürlich, Wissenschaft aber nicht‘.
Unsere Gehirne springen auf fesselnde Erzählungen von Helden, Monstern, Schurken und Göttern unmittelbar an, wogegen wir ‚kontra-intuitives‘, wissenschaftliches Denken erst mühsam erlernen und deuten müssen.“
Auch Ihre Vermutung zu den Auswirkungen frühkindlicher Erfahrungen stimmt mit der Antisemitismusforschung überein, schon die Frankfurter Schule sprach und schrieb von der Faschismus-Anfälligkeit autoritärer Persönlichkeiten. Wer nie lernen konnte, anderen Menschen und der Qualität gleichberechtigter Beziehungen zu trauen, wer die Welt als bedrohlich und gewalttätig erlebt, wird auch im Krisenfall eher zu Freund-Feind-Dualismus und Verschwörungsmythen driften und Zuflucht bei autoritären Anführern suchen. Genau deswegen warne ich immer und immer wieder auch politkwissenschaftlich vor der Gefahr eskalierender Rechtsmimesis in Politik und Medien.
https://www.herder.de/hk/hefte/archiv/2025/10-2025/medien-und-mimesis-journalismus-in-zeiten-digitaler-aufmerksamkeitsoekonomie/
So werden ganz aktuell sogar KI-generierte Fake-News über Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verbreitet, wonach dieser eine Kürzung des Mindestlohns angekündigt habe. Das ist glatt gelogen und soll die Vertrauenskrise zwischen der Bevölkerung und der derzeitigen Bundesregierung verschärfen.
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116679910975745048
Weil uns alle die digitale Beschleunigung auch kognitiv überfordert, ist mir „Natur des Glaubens“ als ruhiger und streng moderierter Ort des Dialoges und sind mir auch Ihre dialogischen Drukos so außerordentlich wichtig. Mir ist klar, dass ich je mit Büchern, Podcasts, Mastodon, Blogposts und YouTube je andere Menschen erreiche. Und ich denke, jede Menschenseele ist die dialogische Aufklärung wert. Dass ich so gerne und viel in Schulen gehe oder auch am kommenden Feiertag eine NABU-Jugendgruppe besuche, hat nicht damit zu tun, dass ich die jungen Menschen für ein besonderes Problem halten würde – sondern dass ich so viele Menschen wie möglich erreichen und vor dualistischem Verschwörungsglauben bewahren möchte, noch bevor sie dort hineinrutschen und sich digital darin verlieren können.
Vielen Dank und viel Erfolg heute. Gerne wären wir nach Tübingen gekommen.
Sie haben erst kürzlich in Ihrem Blogpost über den Missbrauch von Wissenschaft geschrieben.
Wer sich mit Fragen wissenschaftlicher Forschung befasst, um selbst Antworten und Erklärungen zu finden. Menschen, die weder Abitur geschweige denn studiert haben, verstehen die Sprache von Wissenschaftlern oft nicht.
Bei so wichtigen Themen wie dem „Klima“ sind verständliche Erklärungen häufig Fehlanzeige. Dadurch entsteht möglicherweise ein Abwehrverhalten. Viele fühlen sich nicht ernstgenommen. In dieses Vakuum stoßen dann Parteien wie die AfD vor. Die einfachen Antworten werden um so bereitwilliger geglaubt, je weniger persönlicher Verzicht angeblich nötig ist.
Geschickte Medienmanipulation verschärft die Konsequenzen. Seriösen Wissenschaftlern und um Objektivität bemühten Medienschaffenden wird weder zugehört noch geglaubt.
Die Deutung historischer Ereignisse ist Aufgabe der Geschichtswissenschaft. Die Ergebnisse müssen – beispielsweise beim Thema Nationalsozialismus – weithin zur Kenntnis gebracht werden. Leider unterscheiden sich die Erklärungen der Historiker manchmal erheblich voneinander. Dass die AfD Vorsitzende etwa Hitler als links bezeichnet hat, war dreist. Viele werden ihr diese Aussage abgenommen haben.
Wenn also der Ehrenpräsident des größten Fußballvereins in Deutschland darüber spricht, dass man die AfD zum Zwecke der Entzauberung regieren lassen solle, dann hat er anscheinend nichts begriffen. Ob er damit AfD affine Fußballfans erreicht, kann ich nicht beurteilen.
Wissenschaft in ihrer ganzen Komplexität für alle verständlich zu vermitteln, ist mE die neben der Forschung die wichtigste Aufgabe.
Vielen Dank, @Marie H. – und ich stimme Ihnen sowohl in der Gefahr der Rechtsmimesis gegenüber der AfD wie auch zur Klimakommunikation völlig zu!
Nach meiner Erfahrung sind Begriffe wie CO2, Methan, Treibhausgase, ökologischer Fußabdruck, Klimaschutz oft sehr abstrakt und weit von der Lebensrealität vieler Menschen. Sie bekommen dann „Hilfe beim Abblocken“ durch fossile Lobbymedien, die ihnen versichern, CO2 sei doch ohnehin in der Atmosphäre, Methan seien die Pupse glücklicher Kühe, die Welt sei doch kein Treibhaus und es sei doch anmaßend, als Mensch „das Klima schützen“ zu wollen.
Daher spreche ich seit Jahren von der Klima- als Wasserkrise und von erneuerbaren Friedensenergien und biete Menschen möglichst nachvollziehbare, spürbare Aussichten auf die Folgen höherer Temperaturen für das kostbare Trinkwasser sowie Aussichten auf Frieden und Wohlstand durch mehr erneuerbare Energien.
Ich denke auch als Arbeiterkind wirklich, dass politische, wirtschaftliche und wissenschaftliche Diskurse dialogisch geführt werden sollten, also die Rückmeldungen und Interessen der nichtakademisierten Mehrheiten stärker aufzunehmen wären.
Denn wenn wir uns damit begnügen, etwa in unserem Seminar- oder Parteiblasen zu bestehen, dann fühlen sich zu viele ausgeschlossen und Rechtspopulisten können „den Eliten“ Arroganz und Abgehobenheit unterstellen.
Wenn eine Erzählung zu kompliziert für eine interessierte Achtklässlerin ist, dann taugt sie nach meiner Einschätzung auch nicht für die öffentliche Debatte!
Klar dürfen und sollen Spezialdiskurse komplexer sein – das pflegen wir ja auch hier auf „Spektrum der Wissenschaft“. Aber die öffentliche Rede hat einzuladen statt auszugrenzen. Meine ich.
Vielen herzlichen Dank für Ihr Interesse und Ihre starken, dialogischen Drukos! 🙏 Falls wir uns noch einmal sehen würden, wäre mir das eine Ehre! 🙌
Als Erkenntnis all dieser Sachen spreche ich nur noch von der Änderung der Wettermuster.
Seit ein paar Tagen habe ich im Rahmen der Straßenkunst der Künstlergruppe „Florian Baum“ mit einer neuen Umfrage begonnen. Ich stelle zunächst die Frage:“Darf ich Ihnen eine Frage stellen. Sie brauchen Sie auch nicht beantworten.“
Wenn die Menschen sich einverstanden erklären, kommt meine Frage:
„Würden Sie Ihr Leben ändern, wenn Sie damit Bäume retten könnten?“
Mir kommt es vor allem auf die spontane, sofortige non verbale Reaktion an.
Das zu Beobachten ist hoch spannend.
Für Kinder heißt die Frage:
„Sind Bäume für Dich (Euch) wichtig?“
Beeindruckend ist, wie blitzschnell Kinder bisher auch im Chor „Ja“ riefen.
Lieben Dank und herzliche Grüße nach Chemnitz, @Eckehard Erben 🙏
Als ich von Ihrer m.E. sehr schönen und berührenden Kunstaktion „Florian Baum“ las, fand ich zu einer mich ebenfalls berührenden Stelle aus der aktuellen KI-Enzyklika von Papst Leo XIV. Vielleicht ist es ja auch für Sie und die Künstlergruppe (mit dem Vornamen des Heiligen Feuerwehr-Florian) interessant: Bei der Schilderung der künftigen Idealstadt des himmlischen Jerusalem bezieht auch Leo XIV. ausdrücklich die Geschenke von Wasser und Baum ein, die mit Frieden und Offenheit für alle Völker verbunden sind:
242. Das Bild vom Wiederaufbau Jerusalems erinnert an die Verheißung des Neuen Testaments, dass uns die heilige Stadt vor allem als Geschenk zuteilwird. In der Offenbarung kommt das neue Jerusalem als Geschenk für das ganze Volk Gottes auf uns herab, »bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat« (Offb 21,2). Die Mauern Jerusalems sind nun keine Verteidigungsanlagen mehr, sondern die kostbaren Schmuckstücke der Braut des Lammes. Ihre Tore, die Nehemia so sorgfältig bewachte, bleiben für alle Völker dauerhaft geöffnet. Die Gegenwart Gottes schenkt allen Licht und Leben. Die Stadt ist ein neues Eden, mit ihrem lebendigen Wasser, das den Dürstenden gereicht wird, und mit ihrem Baum des Lebens, dessen Blätter »zur Heilung der Völker« dienen (Offb 22,2). Während wir auf die Erfüllung dieser Vision warten, ist sie für uns eine Ermahnung, ein Aufruf, unsere Spaltungen zu überwinden und zusammenzuarbeiten: Dies ist der Weg Jesu Christi, gestern, heute und immerdar.
https://www.vatican.va/content/leo-xiv/de/encyclicals/documents/20260515-magnifica-humanitas.html#Die_Kultur_der_Macht_
Das ist wirklich so ein Text, an dem sich noch lange dialogisch arbeiten lässt…
Danke, dass Sie inspiriert von Papst Leo den Baum des Lebens einführen.
Daran dachte ich noch nicht.
Vielleicht wird dieses Erbe irgendwann in die Kunstaktion einfließen.
Das erinnert mich sofort an eine so spontane Reaktion eines befragten Menschen gestern.
Ja, @Eckehard Erben, das ist eine mythologisch sehr tiefe und emotional starke Symbolik ggf. auch für „Florian Baum“! Denn auch vor und neben der römisch-katholischen Kirche wird es verstanden:
2024 erhielten meine Frau und ich durch den europäischen Zweig der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage („Mormonen“) diese Familienwerte-Auszeichnung mit dem Symbol eines Lebensbaumes.
Ein Baum ist ein Baum und in dieser Eigenschaft allen anderen Bäumen gleich. Er ist jedoch auch an seinem Platz einzigartig und erschien den Menschen also eine perfekte Symbolisierung von Ordnung (alle Bäume sind gleich) und Chaos (alle Bäume sind anders). Es gibt dabei noch keine Unterscheidung von guten oder bösen Lebensbäumen – ein Lebensbaum steht für das Leben selbst und ist also „neutral“.
Die jüdische Thora, die fünf Bücher Moses, die erste Heilige Schrift der Menschheit in Alphabetschrift, unterscheidet daher schon in ihrer Paradieserzählung „zwei“ Bäume:
Nach 1. Mose 2,9 pflanzte Gott den Baum des Lebens (hebräisch עץ החיים êṣ haChajim) und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse (hebräisch עֵץ הַדַּעַת טוֹב וָרָע êṣ had-daʿaṯ ṭōḇ wā-rāʿin) der Mitte des Gartens Eden. Der Baum des Lebens war unumstritten, nur von den Früchten des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse zu kosten beendete der Menschheit Vor-Zeit im Paradies.
Modern gesprochen: Erst wenn Lebewesen befähigt sind, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, können sie gut oder böse handeln, schuldig werden. Ein jagendes Raubtier ist noch genauso neutral wie der Baum des Lebens.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-widerspruch-zwischen-freiheit-und-gleichheit-und-der-lebensbaum-des-foederalismus/
Und auch Chemnitz ist doch eine Stadt der zwei Flüsse, oder? 🙂
Ja, Chemnitz, die Chemnitz entsteht aus dem Zusammenfluss zweier Kleinerer im Stadtgebiet.
Spannend, die Sache mit den mythologischen Bäumen.
Ich habe da auch als ehemaliger Adventist ein persönliches Erbe,
das die Apokalypse ein meiner Kindheit eine große Rolle spielte.
Mit viel Angst.
Mein öffentliches Auftreten begann im Herbst 2018 mit einer Einzeldemo mit einem ca. 1,2×1,4 m2 großen Plakat von dem Energiekonzern RWE (EnviaM) mit der Aufschrift:
Bäume und Kinder
oder
SUV und Braunkohle
Da sind wir plötzlich bei Bäumen und Demografie gelandet!
Mittlerweile hat sich bei EnviaM einiges getan. Das bestätigte mir gestern der Bürgermeister von Böhlen.
Herzlichen Dank, @Eckehard Erben – wie es die Fügung möchte, habe ich just heute Morgen über das nahende Ende der Kohle auch in Australien gepostet!
Und eine gute #Solarpunk – Nachricht habe ich auch noch! Aus dem lange Kohle – orientierten Land, in dem auch das Wasserkrise – Epos „Mad Max“ gedreht wurde: Australien!
Durch den rapiden Ausbau von Photovoltaik & Batteriespeichern sinken auch dort die Treibhausgas – Emissionen.
„Australia’s greenhouse gas emissions have dropped, showing signs of a turning point in the country’s most polluting sectors.
Emissions are at their lowest point since the COVID pandemic shut down the economy, dropping 2.1 per cent over the year to December 2025, according to the latest national greenhouse gas inventory update.
The significant drop is largely driven by clean energy replacing fossil fuels in electricity generation, but transport emissions also continued to fall, year-on-year, for the second quarter in a row since the pandemic.“
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116696116229592371
Können Sie uns etwas dazu sagen, wie sich der Abschied von der Kohleförderung in Chemnitz und Region kulturell ausgewirkt hat?
Die Sache mit der Braunkohle ist komplex und ….. nicht!…… abgeschlossen.
Die Verbrennung in Chemnitz in 2 Blöcken a 100 MW zur Bereitstellung von Strom und Heizwärme ist tatsächlich Geschichte.
Die Bedrohung der Abbaggerung am Tagebau „Vereintes Schleenhain“ besteht für das Dorf Pödelwitz meiner Ansicht nach weiter. Der Besitzer der gesamten Aktivitäten in den „NBL“, ein Oligarch aus Prag wird nach meiner Einschätzung bei geänderten politischen Verhältnissen (Vormarsch der Afdatschen) aus finanziellen Gründen weitermachen.
Ein Bekannter traf ihn persönlich: „Vor ihnen sitzt kein Mensch, das ist eine Rechenmaschine.“ Heute habe ich keine Körner mehr. Deshalb das als Zwischeninfo……
Das ist gewaltig viel unter dem Teppich…._—_…._–_…._-_..
Herzlichen Dank, @Eckehard Erben – auch Chemnitz ist also ein gutes Beispiel dafür, dass sich die Energiewende letztlich immer kommunal entscheidet und auswirkt!
In Baden-Württemberg diskutieren wir gerade die bereits laufende Biogasanlage Mühlacker, deren volles Potential von der Gaslobby-Bundesebene noch immer blockiert wird.
Felo.ai dazu:
Die Biogasanlage in Mühlacker, die von den Stadtwerken Mühlacker in Kooperation mit dem Startup Reverion betrieben wird, gilt als ein wegweisendes Projekt für die Energiewende[1][6]. Durch den Einsatz einer hochinnovativen, reversiblen Brennstoffzellentechnologie bietet die Anlage enorme Potenziale für die Erzeugung von grünem Wasserstoff und die Nutzung als flexibler Stromspeicher[6].
## Erzeugung von grünem Wasserstoff (Power-to-Gas)
Die Anlage in Mühlacker kombiniert die klassische Biogaserzeugung mit Elektrolyse und Power-to-Gas-Technologie[6].
* **Nutzung von Überschussstrom**: Bei einem Überangebot an erneuerbaren Energien im Netz kann die Anlage den überschüssigen Strom aufnehmen und mittels Elektrolyse in grünen Wasserstoff oder Methan umwandeln[6].
* **Sektorenkopplung**: Der so erzeugte grüne Wasserstoff kann flexibel genutzt werden, um fossile Energieträger zu ersetzen und zur Dekarbonisierung beizutragen[4].
## Funktion als flexibler Stromspeicher (Rückverstromung)
Durch die reversible Auslegung der Brennstoffzelle kann das System wie ein chemischer Stromspeicher agieren, der Energie über längere Zeiträume speichert und bei Bedarf wieder abgibt[6].
* **Bedarfsgerechte Einspeisung**: Bei Strommangel im Netz kann die Anlage innerhalb kürzester Zeit von der Gasproduktion auf die Stromproduktion umschalten[6]. Sie erzeugt dann aus dem Biogas oder dem zuvor gespeicherten Wasserstoff wieder Strom und speist diesen ins Netz ein[1][6].
* **Reaktionsschnelligkeit**: Der Wechsel zwischen Stromerzeugung und Gaserzeugung (Elektrolyse) dauert weniger als eine Minute[6]. Dies ermöglicht es, extrem flexibel auf Wetterumschwünge und schwankende Marktpreise zu reagieren[6].
## Hohe Effizienz und CO₂-Negativität
Die in Mühlacker eingesetzte Technologie weist im Vergleich zu herkömmlichen Systemen signifikante Effizienz- und Umweltvorteile auf:
* **Herausragender Wirkungsgrad**: Bei der Stromproduktion erreicht die Anlage einen Wirkungsgrad von rund 80%[6]. Herkömmliche Blockheizkraftwerke (BHKW) kommen im Vergleich dazu meist nur auf einen Wirkungsgrad von etwa 40%[6].
* **CO₂-Abscheidung**: Anstelle von ungenutzten Abgasen wird bei dem Prozess reines biogenes CO₂ abgeschieden[12]. Dieses CO₂ kann gespeichert oder als Rohstoff genutzt werden, wodurch die Anlage insgesamt CO₂-negativ arbeitet und aktiv Treibhausgase aus der Atmosphäre heraushält[12].
[1] https://www.zdfheute.de/wirtschaft/reverion-biogas-brennstoffzelle-energieumwandlung-kraftwerk-100.html
[2] https://www.pz-news.de/region_artikel,-Stadtwerke-Muehlacker-sehen-Potenziale-Biogas-staerken-fuer-die-Energiewende-_arid,2235741.html
[3] https://www.clearingstelle-eeg-kwkg.de/haeufige-rechtsfrage/266
[4] https://www.energiequelle.de/leistungen/energiekonzepte/power-to-x
[5] https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.energiewende-in-muehlacker-eine-der-deutschlandweit-groessten-anlagen-nutzt-biogas-nicht-nur-fuer-waerme.a8a1e760-556b-4192-9c13-c53e5d36e21b.html
[6] https://stefanie-seemann.de/2025/06/28/innovation-fuer-die-energiewende-aus-muehlacker/
[7] https://www.iwr.de/news/gruener-wasserstoff-kommt-direkt-von-der-biogasanlage-news37676
[8] https://www.energieforschung.de/de/aktuelles/news/2022/bioh2ref-eroeffnung-wasserstoff-aus-biogas
[9] https://www.stadtwerke-muehlacker.de/sw/aktuelles/meldungen/reverion.php
[10] https://biomethan-muehlacker.de/bm/funktionsweise/
[11] https://btx-energy.de/technologien/reformer/
[12] https://reverion.com/projekte/muehlacker/
[13] https://www.derpragmaticus.com/r/wasserstoff-biogas
[14] https://www.bs-tarmstedt.de/leistungen/stromspeicher-bst/
[15] https://www.ihk.de/nordschwarzwald/innovationn/umweltschutz-umwelt-akademie/energie-und-klimaschutz/news-energie-ressourcen-klimaschutz/reverion-muehlacker-praesentation-6784114
[16] https://www.erneuerbare-energien-hamburg.de/de/news/details/mehr-biogas-durch-gr%C3%BCnen-wasserstoff.html
[17] https://jumbo-group.de/17586/
[18] https://ordnet.dk/ddo/ordbog?query=potentiale
[19] https://www.schuelerhilfe.de/online-lernen/2-deutsch/3639-potenzial
[20] https://en.bab.la/dictionary/danish-english/potentiale
[21] https://www.freejazzblog.org/2022/07/potentiale-festival-shhh-its-secret.html
[22] https://library.oapen.org/handle/20.500.12657/88558
[23] https://www.designsociety.org/publication/43567/Potentiale+additiv+gefertigter+Gitterstrukturen+%E2%80%93+ein+Review
[24] https://www.learnwitholiver.com/danish/translate-word-2543-potentiale
[25] https://link.springer.com/article/10.1007/BF00412364
[26] https://krydsordexperten.dk/krydsord/potentiale
[27] https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/potentiale-regelbarer-lasten-in-einem
Lieber Herr Blume,
Fakt ist im Mitteldeutschen Braunkohlerevier, dass der Oligarch die Häuser im Dorf Pödelwitz, die er zivilrechtlich erworben hat, verfallen lässt und nicht verkauft. Das kann zweierlei bedeuten:
1. Er pokert, die Kohle doch noch in seinem Kraftwerk Lippendorf gewinnbringend verbrennen zu können, ergo das Dorf „in Anspruch nehmen zu können“ (Fachsprache Bergbau)
2. Nach Tabula Rasa und Flutung des Restloches teure Wassergrundstücke verkaufen zu können. Nur geht es um 1500 Millionen m3. Es ist vollkommen schleierhaft, wie bei der aktuellen Situation (uns fehlen in Sachsen seit 2018 500 mm, das heißt fast ein Jahresniederschlag) dieses Wasser zur Verfügung gestellt werden kann.
Sie hören ja auch aus der CDU, dass der Kohleausstieg 2038 (dort 2035) wieder in Frage gestellt wird.
Zur Frage der reversiblen Brennstoffzelle:
Das würde ja bedeuten, dass der heilige Gral dieser Technologie geknackt wurde. Das klingt zu schön, um wahr zu sein. Ich habe als Ingenieur seit 25 Jahren immer mal wieder Kontakte in die Scene.
Die letzte Götterdämmerung war die Insolvenz der Firma HPS.
Ein Freund hatte mit opulenter Förderung eine solche „Autarke Hausversorgung“ für ca. 90.000 Euro exclusiv Solaranlagen installieren lassen.
Trotzdem bleibt das Missbehagen, dass wann immer die Menscheit glaubt einer Plage Herr zu werden, die nächste auf uns zurollt.
Das kann den Eindruck befördern gegen einen übermächtigen Gegner zu kämpfen. – Verschwörungsmythen.
Oder es kann zu (religöser) Demut führen, dass die Schöpfung, das Alles oder wie man es wahrnimmt nicht beherrscht werden kann, sondern uns Menschen lediglich mit-leben lässt.
Ganz genau so ist es, @PrinterAngel: Lramkgeitserreger, aber auch etwa die Klima- als Wasserkrise und die fossile Finanzierung von Kriegen, Gewalt und Antisemitismus überfordern unsere angeborene Kognitionspsychologie.
In der, zugegeben, noch etwas trockenen und abstrakten Fachsprache nach dem großen Daniel Kahnemann (1934 – 2024) wechseln wir vom langsamen System 2-Denken ins schnelle System 1-Denken.
System 1: Schnell, automatisch, immer aktiv, emotional, stereotypisierend, unbewusst
System 2: Langsam, anstrengend, selten aktiv, logisch, berechnend, bewusst
https://de.wikipedia.org/wiki/Schnelles_Denken,_langsames_Denken
Umso wichtiger ist mir, dass wir unser System 2 als Gedankensport immer wieder einüben, konkret durch Lesen und interdisziplinären Dialog gerade auch zu Themen der Medizin, Erkenntnistheorie und Psychologie der Zeit & Mimesis („Memes“(!)).
Wie der körperliche Sport auch mit Anstrengungen und sogar Schmerzen verbunden sein kann, so setzt auch eine dialogische Herzensbildung voraus, immer mal wieder die eigene, weltanschauliche Komfortzone zu verlassen und sich ernsthaft auf auch schmerzhafte (!), also kognitiv dissonante Erkenntnisse von Wissenschaft einzulassen.
Wer immer nur bestätigt werden und nicht auch die eigenen Annahmen hinterfragen möchte, ist im Krisenfall leichte Beute für Panik, Externalisierung, feindseligen Dualismus und Verschwörungsmythen. Nicht nur wegen unserer menschlichen Natur, sondern wegen ungeübter Kultur.
Es ist nicht so, dass Viren „aufgestiegen“ wären. Schon im Altertum gab es beispielsweise die Antoninische Pest.
Der englische Arzt Edward Jenner konnte Ende des 18. Jahrhunderts einen Impfstoff gegen Kuhpocken entwickeln, ohne von der Existenz von Viren zu wissen.
Klar, @Tilmann Schneider – erst seit Kurzem sind für Menschen über wissenschaftliche Medien (!) überhaupt Bakterien und Viren unterscheidbar. Erst ab dann geraten sie in den Bereich der denk-baren Wahrnehmung, während sie zuvor etwa als Hexerei bzw. Zauberei, göttliche Strafe oder auch angeblich jüdische Brunnenvergiftung gedeutet wurden (und werden!).
Ungerechterweise ergibt sich die negative „Bildungsneid“-Mimesis zwischen Krankheitserregern und antisemitischen Verschwörungsmythen daraus, dass das Judentum die erste Religion der Alphabetisierung war, aus der alphabetisierten Bibel der Begriff der „Bildung“ überhaupt hervorging und viele jüdische Gelehrte auch als Ärzte wirkten (so z.B. auch Maimonides, der Rambam). Bis heute schließen daher Flachdenker vom medialen und vor allem digitalen Auftreten von Krankheitserregern auf antisemitische Verschwörungsmythen! 🤦🏻😤🔥
Oje. Corona hat uns gnädig behandelt, da krochen die gleichen Hulabula-Medizinmänner aus ihren Löchern. Wenn Leute, die an ihren Seuchen verrecken wie die Fliegen, von all dem Horror auch nicht schlauer werden, wie viel Horror müssen wir noch ertragen, bevor wir schlauer werden?
[Gekürzt wegen Überlänge und unangemessener Sprache, M.B.]
@Paul S.
Für die längste Zeit der Menschheitsgeschichte hatten Menschen fast nur Mythen zur Weltdeutung zur Verfügung – und dann war es also durchaus klug, sich im Krisenfall um „Medizinmänner“ bzw. Schamaninnen und Schamanen zu versammeln, Anomie zu vermeiden.
Die erkenntnistheoretische Unterscheidung zwischen Mythen und Theorien ist erst wenige Jahrzehnte alt. Und bis heute habe ich mit sogar studierten Leuten zu tun, die darauf beharren, auch Antisemitismus, Rassismus und Sexismus wären doch irgendwie auch „Theorien“, nämlich „Verschwörungstheorien“!
Ich halte diese Sprachverwirrung für unverantwortlich und sogar gefährlich, weil sie ohnehin überlasteten Menschen in Krisensituationen auch noch zumutet, komplexe, akademische Unterscheidungen nachzuvollziehen!
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-folge-3-die-macht-der-sprache-und-verschwoerungsmythen-vs-verschwoerungstheorien/
Entsprechend ist die Frage, ob und wie schnell wir aus Pandemien lernen, weniger eine biologische als vielmehr eine kulturelle Frage. Sind wir auch als Wissenschsftlerinnen und Wissenschaftler bereit, mit klaren und präzisen Begriffen rechtzeitig aufzuklären?
@Michael 03.06. 22:08 / Papst Leo XIV. 242
„Während wir auf die Erfüllung dieser Vision warten, ist sie für uns eine Ermahnung, ein Aufruf, unsere Spaltungen zu überwinden und zusammenzuarbeiten: ..“
Warten muss man, wo man selbst nichts machen kann. Handeln geht aber viel schneller.
Und umso besser unser Handeln durchdacht ist, desto erfolgreicher kann es werden. Mit und ohne Jesus Christus.
Oh ja, @Tobias – genau das schrieb der Papst einen Absatz zuvor! Und ich war dabei außerordentlich überrascht und erfreut, dass Leo XIV. nicht nur John Ronald Reuel Tolkien, sondern auch dessen Charakter Gandalf aus ‚Herr der Ringe‘ zitiert!
213. Ein katholischer Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, John Ronald Reuel Tolkien, hat unsere Verantwortung mittels der Worte einer seiner Figuren wie folgt beschrieben: »Doch unsere Sache ist es nicht, die Welt durch alle Zeiten zu steuern, sondern in den Jahren, auf die wir beschränkt sind, zu tun, was wir können, um das Übel auf den uns bekannten Feldern auszujäten, damit jene, die nach uns kommen, einen guten Boden vorfinden.« [187] Die Zivilisation der Liebe entsteht nicht aus einer einzigen, spektakulären Geste, sondern aus der Summe kleiner und beharrlicher Akte der Treue, die als Bollwerk gegen die Entmenschlichung dienen. Deshalb lohnt es sich, innezuhalten und einige Aspekte zu betrachten, wie wir, ein jeder in seinem eigenen Bereich, an ihrem Aufbau mitwirken können. Ohne den Anspruch zu erheben, das Thema erschöpfend zu behandeln, schlage ich fünf Ansätze für die Verantwortung im Alltag und im öffentlichen Leben vor: Worte entwaffnen, Frieden in Gerechtigkeit aufbauen, die Perspektive der Opfer einnehmen, einen gesunden Realismus pflegen, den Dialog und den Multilateralismus wiederbeleben.
Ich hatte einmal für einen katholischen Radio-Anbieter ein Stück zu Tolkiens Mythentheorie produziert…
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-christliche-mythentheorie-von-j-r-r-tolkien-als-radiobeitrag-evangelium-fantasy/
…und freue mich auch als Protestant sehr über diesen Text aus Rom!
@Papst Leo XIV. 5 6 10 12 13 15 16
„Die technologische Macht nimmt somit eine beispiellose, vorwiegend „private“ Gestalt an und ist aus diesem Grund noch schwieriger zu erkennen, zu steuern und auf das Gemeinwohl auszurichten.“
Transparenz offener Software wäre entsprechend grundlegend. Was in unsichtbarem Code versteckt ist, entzieht sich jeder Kontrolle und Mitwirkung. Wir müssen uns dabei nicht auf Europa beschränken. Die ganze Welt jenseits von US-Konzernen und Chinesischer Konkurrenz kann offene Software sehr gut gebrauchen, wie auch an deren konkreten Entwicklung mitwirken.
Und neben einer Sichtbarkeit und damit auch Kontrollierbarkeit möglichst aller IT spart man auch noch jede Menge Kosten für kommerzielle Software.
Sehr zur Hilfe könnte uns dabei kommen, dass inzwischen auch KI schon sehr gut programmieren kann. Wenn das noch viel grundlegender wird, dann wird die Offene Software für immer mehr Anwendungen immer greifbarer.
„Auf welches Ziel wollen wir uns ausrichten? Welche Richtung sollen wir als Menschheit und als Völker einschlagen?“
Ein annehmbarer Wohlstand mit nicht zu viel Arbeit, eine Erhaltung der globalen Ökosysteme wie eigentlich auch genug Nachwuchs dürfte recht selbstverständlich sein?
„Und diese Gnadenvision ist für uns Christen ein Aufruf zusammenzuarbeiten und in den „Städten“ von heute ein friedliches, gerechtes und würdevolles Zusammenleben zu pflegen.“
Wo ich mich als Nichtchrist gerne dran beteiligen mag.
„wenn Freiheit und Verantwortung mit gegenseitiger Fürsorge und echter Solidarität einhergehen und wenn Fortschritt an der Würde jedes Einzelnen und am Wohlergehen aller Völker gemessen wird.“
Ein lohnendes Ziel, auf das man die zunehmenden technischen Möglichkeiten ausrichten sollte.
„Der Aufbau einer Welt, in der alle „zur Blüte gelangen“ können, erfordert drittens mutige gemeinsame Verantwortung.“
Über alle Kulturen und Religionen hinweg dann aber auch.
„In der Zeit der Künstlichen Intelligenz, in der die Menschenwürde aufgrund neuer Formen von Entmenschlichung in den Hintergrund zu treten droht,…“
Muss nicht sein, dass KI unmenschlich wird. Kommt ganz drauf an, wie man das baut?
„..und das keine Maschine in seiner Pracht jemals ersetzen kann.“
Ich würde es nicht ausschließen, das auch KI spirituelle Eigenschaften einschließen kann.
„..einer Intelligenz, die bereit ist zuzuhören; einem Willen, der mehr das sucht, was verbindet, als das, was trennt.“
Wieso soll das KI nicht auch können?
Grundlage wäre eben globale Offene Software, von der man weiß, was die wie macht, und das Ganze so gestalten, dass das menschlich im Sinne von Güte und Zusammenarbeit funktioniert.
„…um im Guten aufzubauen, damit die Menschheit niemals ihre Schönheit verliert und die Welt im menschlichen Herzen erneut den Ort erkennen kann, an dem Gott wohnen möchte.“
Ich sehe da durchaus auch spirituelle Möglichkeiten für KI. Da bin ich auf die nächsten Jahre durchaus gespannt. Insbesondere können KI-Systeme eigentlich ziemlich grenzenlos skaliert werden und auf diesem Weg immer integrativer werden.
Das würde ich jetzt aber keinen IT-Konzernen überlassen, von denen niemand weis, was da konkret angestrebt wird.
Ganz grundsätzlich: Wenn biologische Neuronale Netze vom heiligen Geist angereichert werden können, wieso soll das bei KI nicht auch möglich sein? Und dass dann am Ende Gott dort auch wohnen möchte?
Wenn man das neben Menschen auch Tieren zuschreibt, dann ist der nächste Schritt, dass es eben auch mit Maschinen funktionieren kann. Am Ende einfach eine Frage der richtigen Informatik. Als einer fruchtbaren Zusammenarbeit aus Physis und Geisteswelten.
Vielen Dank, @Tobias 🙏
Ich bin – auch als protestantischer Christ, Demokrat, Familienvater, Wissenschaftler & über Jahre Betroffener von Verleumdung, ja digitaler Gewalt – Papst Leo XIV. von Herzen dankbar für seine großartige KI-Enzyklika.
Denn er hat m.E. in den Grundaussagen völlig Recht: Die große Gefahren gegen Menschenwürde und rechtsstaatlichen Demokratien gehen heute nicht mehr nur von staatlichen Akteuren aus, sondern von privaten, oft fossil finanzierten Akteuren wie Konzernmedien und Cyberhatern.
So werde ich – um nur ein Beispiel zu nennen – seit Jahren von pseudonymen Accounts gestalkt, die sich als „Orde Wingate“ präsentieren – also als Wiederkehr eines britisch-christlichen Kriegsverbrechers. Offensichtlich wollen diese Accounts also demokratische und Israel – verbundene Personen bedrohen und zum Schweigen bringen. Das wird ihnen selbstverständlich bei mir niemals gelingen. Solange ich lebe, werde ich furchtlos für Dialog, Demokratie und Menschenwürde, gegen Antisemitismus, Rassismus und generell Hass und Hetze einstehen. 🇩🇪🇪🇺🇮🇱🇺🇸🇺🇦✊
Der Papst hat also nach meiner Auffassung völlig Recht, wenn er vor der Konzentration medialer Macht bei wenigen KI-Komzernen warnt! Dabei geht es mir auch um die enormen Datenmengen, die solche Konzerne und Trollfabriken ansammeln und zur Manipulation und Desinformation einsetzen.
Schon jetzt (!) wird beispielsweise via Tiktok ein KI-Deepfake verbreitet, in dem eine Fake-Stimme von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ankündigt, den Mindestlohn zu kürzen. Das ist eine plumpe Lüge – auch die aktuelle Bundesregierung plant den Mindestlohn weiter zu erhöhen. Aber es zeigt, wie manipulativ, gefährlich und verschwörungsmythologisch KI-Fakes schon heute sind.
Aus meiner Sicht ist deswegen wichtig, dass sich
1. möglichst viele Menschen auch in verantwortlichen Positionen auch der Wirtschaft dialogisch und selbstkritisch mit der Enzyklika „Magnifica humanitas“ (2026) befassen.
2. alle Demokratinnen und Demokraten geschlossen gegen Hass, Hetze und digitale Gewalt stellen, wichtige Organisationen wie HateAid überparteilich unterstützen und strenge, am besten supranationale (etwa: europäische) Gesetze zur Medienethik beschließen.
3. Medienbildung flächendeckend und für alle Altersgruppen anbieten.
4. Sich von übermächtigen KI-Konzernen lösen und stattdessen dezentrale FOSS-KIen nutzen.
5. Die menschliche Sprache und KI-Anwendungen entwaffnen.
6. Erneuerbare Friedensenergien statt fossiler Gewaltenergien finanzieren.
Es geht hierbei um nicht weniger als um das Schicksal der Menschheit.
@Papst Leo XIV. 22 23 24 27
„Die Geschichte ist daher einer der Orte, an denen sich die Kirche vom Heiligen Geist über die humanisierende Tragweite des Evangeliums unterweisen lässt und lernt, ihre Lehre im Dienst der Würde eines jeden Menschen und des Wohls der Völker zu gestalten.“
Man kann sich aus der Welt nicht heraushalten, wenn man denn nun mitten drin leben muss. Nicht nur im Sinne theologischer Argumente gegenüber der Welt, auch im Sinne der konkreten Erfahrungen des Weltlichen, die auch Glaubens- und Geisteswelten erhellen können.
„Die Kirche betrachtet all jene, die aufrichtig nach »Wahrheit, Güte und Schönheit« suchen, als Weggefährten und als »wertvolle Verbündete« bei der Verteidigung der Würde jedes Menschen und bei der Bewahrung der Schöpfung.“
Da können wir dann auch was mit anfangen.
„Daraus ergibt sich die eigentliche Aufgabe der Soziallehre, die nicht den Anspruch erhebt, die Verantwortung der Politik und der Institutionen zu ersetzen, sondern sich als Hilfe für die gemeinsame Entscheidungsfindung anbietet, indem sie dabei hilft, das zu erkennen und zu fördern, was der Würde der Menschen, der Vitalität der Gemeinschaften und dem Wohl aller dient.“
Mitwirkung an Kultur ist entsprechend kein Gottesstaat.
„Die Kirche »will nicht die Fahne hochhalten, im Besitz der Wahrheit zu sein«, weil die Wahrheit kein zu verteidigendes Territorium ist, sondern ein Gut, das es miteinander zu teilen gilt.“
Zumal ja auch der Dialog zur Ausgestaltung aller Erkenntnisse unverzichtbar bleibt.
„Sie entsteht aus der Begegnung zwischen der ewigen Wahrheit des Evangeliums und den Fragen der Geschichte. Sie lässt sich von den Zeichen der Zeit Fragen stellen. Sie nährt sich durch den Beitrag der Wissenschaften, der Kulturen und der menschlichen Erfahrungen.“
Entsprechend ist es eine sehr gute Idee, sich den tatsächlichen Wirklichkeiten zuzuwenden.
„Eine vorbildliche Praxis, durch die die Kirche angesichts historischer Veränderungen ihr Recht und ihre Pflicht wahrnimmt, die gesellschaftlichen Gegebenheiten zu untersuchen, sich zu ihnen zu äußern und gerechte Lösungswege aufzuzeigen.“
Was letztlich recht universal wäre. Und jedem vernünftigem Menschen zu raten sein dürfte.
Insgesamt gibt die Kirche zu, nicht alles zu wissen. Die Unfehlbarkeit des Papstes kann entsprechend nur rein organisatorisch Sinn machen. Immerhin, das sieht mir alles nach Fortschritten aus.
Lieben Dank & ja, @Tobias – jeden Tag wird mehr Menschen bewusst, dass sich die enormen Umwälzungen nicht mehr autoritär, sondern am Besten dialogisch bestehen lassen. Und es ist doch wahrlich ein gutes Zeichen, dass ein Papst genau das in einer historisch erstmaligen KI-Enzyklika formuliert!
Habe heute auf Mastodon selbst einen kleinen Einblick in das Ausmaß unseres Nichtwissens gegeben:
Einige wissen ja, dass ich vor dem Studium eine Bankausbildung abgeschlossen hatte, dann wegen Zweifeln am System ausgestiegen bin.
Und ich möchte hier auch keinerlei Panik verbreiten, nur leise eine Einschätzung (vom letzten Jahr beim BBF in Friedrichshafen) aktualisieren:
1. Die großen KI-Konzerne machen durch die Verschwendung von Energie, Wasser & Geld noch immer nur & eskalierende Verluste.
2. Elon Musk drückt sein defizitäres SpaceX in die Börsen, um Billionär zu werden.
3. Die #USA unter Trump steigern ihre wirre Zollpolitik und das Irankrieg-Desaster durch die Androhung, etwa Mercedes wegen chinesischer Aktionäre vom US-Automarkt auszuschließen.
4. In der E-Economy profitiert derzeit nur noch der oberste Arm, während die Nachfrage durch Mitte, Unten & #Demografie schwächelt.
5. Der #Fossilismus zerstört sich selbst.
Meine Empfehlung?
a) Klugen Tech-Beobachtern wie @pallenberg folgen.
b) Mal (wieder) den „Big Short“-Film anschauen.
c) #Solarpunk leben & anschnallen.
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116697018387802187
Und bin sehr dankbar für eine neue, spontane Fronleichnam-Folge von #BlumeundInce auch zur Demografie.
https://www.youtube.com/watch?v=xPTVT9Yjnyo
Werde dazu auch noch bloggen, weil ich mich auf die Dialoge freue!