Glaube verbindet – Das neue Graffito-Statement einer katholisch-islamischen Jugendgruppe in Filderstadt

Die Ergebnisse der Parlamentswahl in den Niederlanden an diesem Mittwoch stellte eine doppelte Niederlage sowohl für den niederländischen Rechtspopulisten Geerd Wilders wie auch für den türkischen Rechtspopulisten Recep Tayyip Erdogan dar. Doch der von seinen Anhängern büyük lider – großer Führer – genannte Neo-Osmane Erdogan setzte mit Berufung auf die Religionen nach und kommentierte ein Kopftuch-Urteil des Europäischen Gerichtshofes mit: “Die haben einen Kampf zwischen dem Kreuz und dem Halbmond angefangen, es gibt keine andere Erklärung.” Sein Außenminister Mevlüt Cavusoglu prophezeite sogar: “Bald werden Religionskriege in Europa ausbrechen.”

Beschwert mit solcherart sorgenvollen Gedanken brachte ich unseren Jüngsten in den Kindergarten, als mir an einer Mauer der katholischen Liebfrauenkirche in Filderstadt-Bonlanden plötzlich auf ein neues Graffito stieß: “Glaube verbindet” stand dort mutig unter den Symbolen der drei abrahamitischen Weltreligionen, Hände unterschiedlicher Hautfarben trugen eine Weltkugel mit gemeinsamen Gotteshaus und ein Schiff, nein, eine Arche mitsamt Friedenstaube verwies auf Gottes erneuerten Bund mit Noah.

Das Glaube verbindet-Graffito an der Liebfrauenkirche Filderstadt im Morgenlicht.
Foto: Michael Blume

Der Aushang eines Zeitungsausschnittes am Gemeindezentrum wies das Werk als Gemeinschaftsprodukt einer katholisch-islamischen Jugendgruppe aus, die von dem Filderstädter Sozial- und Kunsttherapeuten Salomon Assefaw begleitet worden war. Und als ich später dann auch noch den herausragend guten ZEIT-Artikel “Die anderen Deutschtürken” von Canan Topcu fand, da war mir das Herz bereits deutlich leichter geworden.

Klar: Zyniker, religiöse Fundamentalisten und identitäre Rechtspopulisten werden Dialog, Bildung und Kunst immer verhöhnen und bekämpfen. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Welt ein besserer Ort wäre, wenn noch mehr Kirchen, aber auch Synagogen, Moscheen und Tempel ihre Hauswände für vergleichbare Kunstprojekte zur Verfügung stellten. Mögen die leisen Farben der kommenden Generationen das laute Hetzen einiger Älterer übertonen und überleben.

Und wo wir dabei sind – hier der Song “Gelebte Vielfalt” der Heilbronner Musikgruppe Kopf & Herz:

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und spezialisierte sich auf die Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Hat auch manches erlebt und überlebt...

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. ” Aber ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Welt ein besserer Ort wäre, wenn noch mehr Kirchen, aber auch Synagogen, Moscheen und Tempel ihre Hauswände für vergleichbare Kunstprojekte zur Verfügung stellten.” Uff, eine Aussage ohne Inhalt, Klingt gut, sagt nichts, Rabulistik pur.

    Dass das Christentum im Moment so viel sanfter als andere Religionen erscheint, ist sicher nicht von Dauer. Religion birgt immer den Keim der Ausgrenzung und des Hasses in sich, das ist systembedingt. Ich frage mich immer, ob die MEnschen, die vom lieben Gott reden, auch mal die Bibel gelesen haben. Religionen werden auch in Zukunft Millionen von Toten zu verantworten haben, egal welche.
    Die Welt wäre ein besserer Ort, wenn es weniger Kirchen, Synagogen, Moscheen und andere Tempel gäbe, weil sich die Menschen endlich dem Humanismus und der Aufklärung zuwenden.

    • Lieber @Thorsten,

      danke für Ihr Interesse!

      Nun, ja – Religionen schaffen In-Group-Gemeinschaften, die sich nach außen abgrenzen und dabei auch sehr intolerant und gewalttätig werden können. Gerade mit der Begründung starker Gemeinschaften und Familien war – und ist – die Religiosität damit evolutionär seit Jahrzehntausenden und bis heute sehr erfolgreich:
      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/evolution-der-religion-kompakt-geht-das/

      Gegen einen säkularen Humanismus und die Aufklärung habe ich nicht das Geringste einzuwenden. Allerdings zeigen die empirischen Befunde sehr klar, dass es nichtreligiösen Populationen bis zurück in die indische und griechische Antike nie und nirgendwo gelungen ist, ausreichend Kinder hervorzubringen. Säkularisierungsprozesse führten daher bislang immer wieder in die demografische und evolutionäre Sackgasse:
      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-anthropodizee-frage-wer-himmel/

      Selbstverständlich kann all dies in Zukunft auch ganz anders sein – doch wenn wir uns selbst als “wissenschaftlich” und “aufgeklärt” definieren, dann tun wir wohl gut daran, uns auch Phänomenen wie Religion nicht mit Vorurteilen, sondern mit erkenntnisoffener Neugier zu nähern. Einen kostenfreien Einführungsartikel zur Evolution des Homo religiosus finden Sie hier:
      http://www.spektrum.de/magazin/homo-religiosus/982255

      Ihnen also – bei Interesse – viel Freude am Stöbern, Entdecken und dann gerne auch Diskutieren! 🙂

  2. Thorsten,
    Humanismus und Aufklärung waren und sind segensreich als notwendige Kontrolle von Religion.
    Wer kontrolliert den Humanismus ? Man kann Euthanasie auch logisch begründen. Man kann aufklärerisch für die Abschaffung von Religion werben.
    Ich denke , dass eine Symbiose zwischen Wissenschaftlichkeit und Religiosität langfristig die größte Chance haben.
    “Verzicht”, wie es eine überbevölkerte Erde bald einfordern wird, die wir am ehesten von den Religiösen erfüllt werden können.

  3. Schade eigentlich sowas in einem Wissenschaftsblog zu lesen.

    Wenn immer ich ueber Religion nachdenke und die Gemeinschaft und die Verbundenheit, denke ich mir ‘das waere sooo schoen wenn wir das alles haetten aber nicht basierend auf einem Glauben der ein omnipotentes Wesen beinhaltet das immer gut ist aber nie boeses macht, das uns zwar geschaffen hat und alles tun kann uns aber trotzdem alleine laest.

    Ich komm immer auf die gleiche Loesung: Demokratie und Wissenschaft.

    Wenn Menschen anstatt an ein omnipotentes Wesen an das gesammelte Wissen unserer Menschheit glauben wuerden (und mehr ist es natuerlich nicht, es ist aber das logischte Glaubenskonstrukt was wir haben) wuerden viel mehr Menschen auch gleichzeitig irgendwie an Demokratie glauben oder etwas besseres erfinden.

    Dann gaeb es keine Ausgrenzung von nicht katholischen Kindern in Bayrischen Schulen (denken Sie nur an die ganzen Katholischen Religionsunterrichtsstunden in Bayrischen Schulen zur Hauptunterrichtszeit), es gaebe keine Gewalt weil der eine glaubt, dass sein omnipotentes Wesen ihm per Buch von vor 2000 Jahren geschrieben hat, dass Homosexualitaet falsch ist und es gaebe ISIS Bloedsinn einfach nicht.

    Wissenschaft erlaubt es jeden auf der Welt, unabhaengig voneinander sich Ihre eigene ‘Wissensbibel’ zu schreiben. Ein Buch das nicht mehr abweicht von einander hoechstens unterschiedlich fortgeschritten ist. Ein Glauben der uns alle vereint.

  4. Sigi,
    gegen wen richtet sich deine Kritik, gegen den Menschen, gegen Gott, gegen die Realität?
    Ich denke, alle Probleme, die wir haben sind den Menschen geschuldet.
    Es ist ja schon fast ein Witz der Weltgeschichte, dass das Christentum mit dem Aufruf zur Feindesliebe und dem Opfertot Jesu, selbst zum Täter geworden ist. Kreuzzüge, Hexenverbrennungen, Inquisition, 30-jähriger Krieg.
    Robert Oppenheimer war Jude und bestimmt kein säkularisierter, er glaubte an den indischen Gott Krishna,
    und er bereute, dass er die Atombombe gebaut hatte. Ich will damit sagen, dass selbst die hochkarätigsten Wissenschaftler etwas brauchen, woran sie glauben können. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, wer nicht glaubt, der hat noch keine Zeit dazu gehabt oder er hat nicht den Willen das Letzte zu ergründen.

  5. Sehr geehrter Herr Blume.
    Da sie meinen ersten Kommentar unterschlagen haben, möchte ich Ihnen nochmals meine Meinung sagen, da ich glaube, daß ich damit nicht allein bin und ich werde einen Weg finden, dies den Herausgebern und verangtwortlichen von Spektrum mitzuteilen:
    Jetzt wird man schon von den Missionaren einer linken Gutmenschen-welt, die sich als Religionswissenschaftler bzw Politi-wissenschaftler tarnen auf den Seiten eines vorwiegend naturwissenschftlichen Forums verfolgt.Gibt es nicht genügend Magazine, blogs und Foren, wo Religiöse, Esoteriker, Sozialromantiker, Soziologen und Politiker unter Ihresgleichen bleiben können und diejenigen, die an der Naturwissenschaft interessiert sind, nicht belästigen ?

    • Sehr geehrter @Rudolf,

      wunderbar, dass Sie erreicht wurden und es Ihnen im zweiten Anlauf sogar gelungen ist, einen Kommentar fast ohne persönliche Beleidigungen zu formulieren! Toll! 🙂

      Freilich wird es auch Ihnen nicht gelingen, hier Stimmen mundtot zu machen, die Ihrem misanthropen und reduktionistischen Menschenbild widersprechen. Es steht Ihnen wie jedermann und -frau selbstverständlich frei, unliebsame Themen oder auch Meinungen zu ignorieren – mit dem Unterdrücken wird das nichts. Zumal gerade auch dieser empirisch orientierte, aber gerne auch mal diskursive Blog hier erfreulich rege nachgefragt wird. 🙂

      Ihnen von Herzen alles Gute (obwohl Sie ja – ggf. mangels geisteswissenschaftlicher Reflexion- Gut-Mensch noch immer für ein originelles Schimpfwort halten! 😉 )! 🙂

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