Gefangen im Netz? WDR-Debatte und Krimidinner für Kinder

BLOG: Natur des Glaubens

Evolutionsgeschichte der Religion(en)
Natur des Glaubens

Am Sonntag, dem 26.04.2015, nehme ich ab 11 Uhr an einer WDR-WestArt-Debatte zum Thema “Gefangen im Netz? Wie frei ist der digitale Mensch?” teil. Dabei soll es einerseits über die Erfahrungen mit einem übergriffigen Geheimdienst gehen, die ich hier auf dem Blog einmal geschildert hatte. Aber auch das Thema Cybermobbing war auf Natur des Glaubens schon Thema – nicht zuletzt, weil ich mir auch als Vater Gedanken darüber mache. Schließlich zahlen schon jetzt immer mehr Menschen auch einen furchtbaren “Preis” für die schöne, neue Welt der neuen Medien.

Als Nachtrag, hier ein Mitschnitt:

Dabei war & ist mir wichtig: Ich bin insgesamt begeistert von den Möglichkeiten neuer Technologien und halte gar nichts von der leider weit verbreiteten Technikfeindlichkeit. Allerdings sehe ich schon unsere Verantwortung als “Netizens”, auch die Schattenseiten aller auch guten Entwicklungen in den Blick zu nehmen und ihnen wo möglich zu begegnen.

KinderBildBewegung

In welcher Welt werden sich unsere Kinder bewegen?
Ein Bild auf Leinwand meines mittleren Sohnes. Foto: Michael Blume

Als sich meine Tochter zu ihrem 12. Geburtstag ein Krimidinner wünschte, verwandelten meine Frau und ich unser Wohnzimmer in ein “Bistro Blume” mit Internetkaffee. Jede Teilnehmerin erhielt eine – ausgeloste – Rolle, die zur Befassung mit dem Thema Cybermobbing führte (den Krimidinner-üblichen Mordfall fand ich in dieser Altersklasse noch zu krass). Und tatsächlich machte der Abend nicht nur viel Freude (wenn wir auch als Köchin & Kellner ganz schön zu tun hatten…), sondern die Kinder diskutierten auch nach Auflösung des Falls über die Sache weiter.

Gerne stelle ich Ihnen hier das pdf des Krimidinners zur Verfügung – möchte aber ausdrücklich dafür werben, dass Sie es ggf. nur als Anregung für einen eigenen Entwurf nehmen. Denn die Kids finden heute im Netz einfach alles!

😉

Und wer sich etwas tiefer mit den Vorzügen wie auch Gefahren der Netzkultur befassen mag, dem mag ich hier gerne – ebenfalls kostenfrei – die Artikel “Wir Wildbeuter im Web 2.0” und “Gefühlte Wahrheiten. Leben zwischen Realität und Medienblasen” zum Download anbieten.

BlumePapierschiff

Wohin treiben wir – und auf welchem Medium?
Hier hatte einmal eine Zuhörerin an der Uni Köln einen meiner Flyer diskret in etwas Kunstvolles verwandelt.
Foto: Michael Blume

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) & "Verschwörungsmythen". Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

8 Kommentare

  1. Die neuen Medien sind für viele Beschämungen gut.

    Sei es, dass kein Mensch mit der “Lichtgeschwindigkeit” mit der digitale Informationen, Nachrichten und Wisssenszuwächse ihn überfluten mithalten kann. Sei es, dass das was jeder Einzelne von sich selbst zeigt, mehr als jemals dem Risiko ausgesetzt ist, verachtet oder destruktiv kommentiert – und damit zutiefst beschämt zu werden.

    Wenn das Grundgesetz proklamiert: “Die Würde des Menschen ist unantastbar” – bedarf es in einer instantanen, globalen Echtzeit-Öffentlichkeit in einer vernetzten Welt – welche nichts mehr “vergisst” eine höchstmögliche, ethische Haltung und (selbst-)empathische Bewusstseinsreife im Umgang (jedes Einzelnen) mit dem (Mit-)Geteilten, um die (eigene und die der anderen) Würde zu stärken.

    Alfred Nobel erfand das Dynamit. Es revolutionierte den Bergbau und den Krieg. Menschliche Erfindungen haben das Zeug als Massenvernichtungsmittel missbraucht oder zum Nutzen für die gesamte Menschheit eingesetzt zu werden. Darin machen die neuen Medien keine Ausnahme.

    Hoffnung macht mir bisher: Auch wenn derzeit für jeden derzeit lebenden Menschen 1 Tonne TNT an atomarer Vernichtungskraft weltweit zur Verfügung stehen (wobei 200 Gramm zu dessen Vernichtung ausreichen) – blieb der ultimative GAU bisher aus. Wohl auch deshalb, weil nicht jeder Mensch den gleichen Zugriff darauf hat. Bezüglich der digitalen Massenkommunikationsmittel sieht dies anders aus. Weshalb der Markt, andere und bessere (Selbst-)Sicherheitsmechanismen gegenüber Missbrauch zu erfinden noch in den Kinderschuhen steckt.

    • Es reichen ein paar Nanogramm radioaktives Material aus, um einen Menschen langsam zu töten.

      Wozu der große Knall?

      Und den ultimativen Gau durch das Internet…
      Wer sagt denn, dass es den noch nicht gegeben hat? Wie sieht der denn aus? Vielleicht kann der ob der Annonymtät des Internets gar auch völlig unbemerkt stattfinden?
      Begründungen für sonderbare Veränderungen in der Welt finden sich reichlich andere (Ersatzbegründungen, wie sie alltäglich gefunden werden, aber leider selten den Kern des Problems treffen).

      Mit den “(Selbst-)Sicherheitsmechanismen” wird es schwierig, wenn die Leute noch nicht mal wissen, wie die Gefahr tatsächlich aussieht. Auch der Schirrmacher hat nur um etwas herumgeredet, wo eine Gefahr nur erahnt werden kann. Wie auch Manfred Spitzer. “Digitale Demenz” ist nur oberflächlich ein aus verschiedenen Bereichen zusammengesetztes Wortgebilde. Wahrscheinlichst ist da mehr direkter Zusammenhang zur Demenz, als uns lieb und geheuer ist. Aber reden tut keiner drüber – nur drum herum.

      In einer extremen Version des Gefahrenszenarios ist das Internet ein sehr potentes Massenvernichtungsmittel und die Folgen der Waffe kann man noch nicht mal sehen, weil sie im Gehirn stattfinden, auf einer Größenskala, die bisher kein medizinisches Messgerät erfassen kann. Dabei spielen Informationen im Zusammenhang mit der dazu entstehenden Emotion des Subjektes und Nervengifte eine Rolle. Die Information liefert das Internet kostenlos und hochverfügbar – die Emotionen das Subjekt. Kommt beides günstig zusammen, ist der Schaden im Gehirn da. Das Nervengift ist aus anderen Kanälen sowieso im Körper oder wird zeitnah hinein gebracht (zeitnah = Überwachung notwendig)

    • @Ingo Damith

      Danke! Persönlich würde ich auch die Erfahrungen mit früheren “neuen Medien” wie der Schrift, dem Buchdruck, Radio etc. als Hinweis gelten lassen, dass sich die Menschen auch kulturell immer wieder neu einrichten konnten.

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