Francis Fukuyama & Jan Assmann – Mein Respekt vor Selbst-Falsifikation nach Popper

Angesichts des derzeitigen Zusammenbruchs der alten Weltordnung durch die Schläge des Fossilismus vergeht keine Woche, in der ich nicht zu lesen bekäme, das nach dem Berliner Mauersturz 1989 verkündete „Ende der Geschichte“ des Politikwissenschaftlers Francis Fukuyama sei ja „nun widerlegt“.
Das stimmt – doch auch Fukuyamas Geschichte geht weiter. Drei Jahrzehnte nach der These vom „Ende der Geschichte“ veröffentlichte er „Identität“ (2019), in dem der Politikwissenschaftler im Rückgriff auf die griechische Antike selbst die Frage aufwarf, wo er sich geirrt hatte. Das Ergebnis war das vielleicht stärkste und bleibende Werk des US-Amerikaners, in dem er einräumte, dass Menschen eben nicht nur durch ökonomische Begierden (bei Platon „Epithymetikon, Begierde“) und schon gar nicht nur durch Vernunft (bei Platon „Logistikon, Vernunft“) bestimmt werde, sondern auch durch das Streben nach Würde, Status und Ruhm (bei Platon „Thymos“). Dass es nun auch auf „Natur des Glaubens“ eine eigene Thymos-Kategorie gibt, ist dem Umstand zu verdanken, dass ein großer Politikwissenschaftler wie Fukuyama bereit war, die eigenen Annahmen kritisch zu falsifizieren und eine neue Theorie zu präsentieren.
Zwei Werke großer Wissenschaftler, die bereit waren, sich auch selbst zu falsifizieren. Links „Identität. Wie der Verlust der Würde unsere Demokratie gefährdet“ (2018/19) von Francis Fukuyama, rechts „Exodus. Die Revolution der Alten Welt“ (2015) von Jan Assmann. Grafik: Michael Blume
Schon im Studium der Religionswissenschaft begeisterten mich Buch und Texte rund um das „Das kulturelle Gedächtnis“ nach Jan und Aleida Assmann. Die Arbeiten des Baden-Württembergers Jan Assmann (1938 – 2024) über die Zeit im Alten Ägypten und sein Buch über die sog. „Achsenzeit“ haben mich tief geprägt. Im Rahmen meiner Doktorarbeit hatte ich auch einmal einen persönlichen Dialog mit dem großen Ägyptologen, den ich nie vergessen werde.
Umso mehr traf und schockte mich sein Buch „Die mosaische Unterscheidung oder der Preis des Monotheismus“ (2003), das vor allem polytheistische Polemiken gegen das Judentum und eine antimosaische Mythologie von Sigmund Freud (1856 – 1939) verknüpfte. Dieses Buch sprach und fachte vor allem linken und akademischen Antisemitismus in Deutschland an, etwa im Kontext der damaligen antijüdischen und antimuslimischen Beschneidungsdebatte bis 2012.
Doch Assmann stellte sich der fachlichen Kritik, ließ in späteren Ausgaben der „Mosaischen Unterscheidung“ kundige Kritiker wie Karl-Josef Kuschel zu Wort kommen und revidierte schließlich seine Aussagen im großen „Exodus“-Buch, in dem er altägyptische und frühjüdische Vorstellungen von Zeit und Treue dialogisch aufarbeitete. Leider fand sein späteres und so viel wertvolleres Werk viel weniger Resonanz, doch für mich wird es immer einen Ehrenplatz einnehmen.
Selbst-Falsifikation ist schwer und mit realen Schmerzen (kognitiver Dissonanz) verbunden
Während in der langen Erkenntnisphase der Induktion Gelehrte nach maximaler Autorität und vermeintlicher Unfehlbarkeit zu streben hatten, verlangt die Falsifikation nach Sir Karl Popper (1902 – 1994) die Bereitschaft, auch die eigenen Annahmen, Hypothesen, Thesen und Theorien immer wieder kritisch zu überprüfen.
Wie schwer und, ja, schmerzhaft dies ist, erlebte ich als junger Religionswissenschaftler bei der Auswertung der Schweizer Volkszählungsdaten von 2000. Nach meinem damaligen, liberal-rationalen Menschenbild hätten Frauen jene Religionsgemeinschaften bevorzugen müssen, in denen sie sich gleichberechtigt und frei einbringen könnten. Doch die Daten zeigten schockierend genau das Gegenteil: Frauen waren sehr viel stärker in strengen und patriarchalen Religionsgemeinschaften zu finden!
Mich schockierte und schmerzte (!) das so sehr, dass ich ernsthaft daran dachte, die Arbeiten einzustellen oder doch wenigstens alle kleineren Religionsgemeinschaften aus der Analyse zu streichen, so dass die Ergebnisse „nicht so schlimm“ ausfallen würden. Ein dialogisches Gespräch mit meiner Frau Zehra brachte mich dann aber dazu, „durch den Schmerz“ zu gehen, die alten Thesen hinter mir zu lassen und über die bedeutende Sarah Blaffer Hrdy mit „Mütter & Andere“ schließlich Antoinette Brown Blackwell (1825 – 1921) zu entdecken. Ich begann zu verstehen, dass das Festklammern an überholten Annahmen, Thesen und Theorien zwar psychologisch völlig verständlich, aber erkenntnistheoretisch auch falsch und für die Wissenschaft insgesamt schädlich war!
Auch die interdisziplinäre Evolutionsforschung vergeudete Jahrzehnte, indem sie die bedeutenden Beiträge von Antoinette Brown Blackwell zur Partnerwahl beim Menschen ignorierte. Grafik: Michael Blume mit NotebookLM
Auch aus eigener Erfahrung sehe ich auch hier das psychologische Erkenntnisproblem aus der „Enge der Zeit“ mit wachsendem Alter: Es ist schmerzhaft genug, als junger Mensch eigene Annahmen zu überprüfen und hinter sich zu lassen. Doch es ist noch sehr viel schwerer, dies als Autorität zu tun, die über Jahrzehnte hinweg mit einer bestimmten These oder Theorie identifiziert worden ist!
Zitatkachel Michael Blume aus Hossa Talk 184 zur Kreuztragen-Metapher bei Karl Popper. Grafik: Hossa Talk, 2022
Deswegen sind Francis Fukuyama und Jan Assmann für mich nicht „nur“ große Gelehrte. Sie sind vor allem auch Vorbilder darin, dass sie bis ins höhere Alter hinein die Fähigkeit erhalten haben, empirisch berechtigte Kritik anzunehmen und sich selbst durch Falsifikation zu verbessern. Wer dagegen immer noch meint, über die These vom „Ende der Geschichte“ spotten zu müssen, hat nach meiner Auffassung noch kaum verstanden, wie wertvoll und auch schmerzhaft Wissenschaft sein kann.
Vortragsfolie zum Lebenswerk von Karl Popper für ein (wegen Covid19 erstmals voll digitales) KIT-Seminar. Grafik & Vortrag: Michael Blume
Und hier auch ein aktueller Dialog dazu mit dem BWL-Prof. Dr. Inan Ince:



![Vortragsfolie von Michael Blume zu Karl Popper (1092 - 1994) mit den Stichpunkten "Falsifikation", "Offene Gesellschaft / Liberalismus" und "Toleranz-Paradox". Als Zitat steht unter einem Foto rechts: "Alle Menschen sind Philosophen. [...] Die Probleme der Erkenntnistheorie bilden meiner Ansicht nach das Kernstück der Philosophie des Alltagsverstandes wie auch der akademischen Philosophie."](https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/files/KarlPopperAlleMenschenPhilosophen.jpg)
@Hauptartikel
„Sie sind vor allem auch Vorbilder darin, dass sie bis ins höhere Alter hinein die Fähigkeit erhalten haben, empirisch berechtigte Kritik anzunehmen und sich selbst durch Falsifikation zu verbessern.“
Wenn man denn die Zeit dafür hat, sollte man kritisch auch gegenüber den eigenen Positionen bleiben. Das hat aber auch Grenzen des Praktikablem? Man muss auch eigene Theorien umfangreich ausarbeiten, und weiterentwickeln.
Und Diskurse führen, die auch richtig umfangreich sein können und wohl auch müssen.
Wenn man es mit der eigenen Falsifikation dann doch nicht schafft, müssen das dann halt Andere machen.
Überhaupt erhöhen Umwege die Ortskenntnis. Wenn man alle Theorien, die Menschen gefunden haben, betrachtet, dann ergibt sich so ein recht buntes Bild. Kultur eben.
Manchmal ist eben auch Unsinn auf dem Weg zum Sinn unvermeidlich. Da muss man dann durch. Umso wichtiger, dann rechtzeitig die Kurve zu kriegen, und sich auch selber zu falsifizieren bzw. falsifizieren zu lassen.
Vielen herzlichen Dank, lieber @Tobias – mehrere Aussagen Deines klugen Drukos haben mich so sehr an jene von Hans Blumenberg (1920 – 1996) erinnert, dass ich sie jetzt am Bücherschrank dialogisch zitieren möchte.
Du schriebst:
Wenn man denn die Zeit dafür hat, sollte man kritisch auch gegenüber den eigenen Positionen bleiben. Das hat aber auch Grenzen des Praktikablem? Man muss auch eigene Theorien umfangreich ausarbeiten, und weiterentwickeln.
Und Diskurse führen, die auch richtig umfangreich sein können und wohl auch müssen.
Genau hier setzt auch Blumenberg an, indem er die Zeit-aufwändige Wissenschaft mit dem Zeitmangel der Rhetorik kontrastiert:
„Auch Theorien werben implizit um ‚Zustimmung‘, wie es Rhetorik explizit tut.
Der entscheidende Unterschied besteht in der Dimension der Zeit: Wissenschaft kann warten oder steht unter der Konvention, es zu können, während Rhetorik den Handlungszwang des Mängelwesens als konstitutives Situationselement voraussetzt – wenn sie nicht mehr ornatus einer Wahrheit sein kann.“
Zitiert in: „Wirklichkeiten in denen wir leben“, Reclam 1993, S. 113
Entsprechend bezahlen Gesellschaften auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, denen Zeit für Entdeckungen eingeräumt wird – und Wissenschaftsblogs sind ein Weg, sich auf Basis des dialogischen Monismus mit Wissenschaften zu befassen, sie als „ornatus einer Wahrheit“ anzuerkennen.
Mir ist dabei völlig klar, dass der Anteil der Menschen, die sich etwa für die Ressourcenfluch-Theorie der Volkswirtschaft oder die Rentierstaatstheorie der Politikwissenschaft interessieren, immer klein sein wird. Aber „uns“ kann es doch gelingen, die wesentlichen Erkenntnisse dieser Wissenschaften als These (!) über die „erneuerbaren Friedensenergien, die auch volkswirtschaftliche Wohlstandsenergien sind“ in die breiteren Öffentlichkeiten zu vermitteln.
https://energiewinde.orsted.de/koepfe-der-energiewende/michael-blume-antisemitismus-ressourcenfluch-oel-gas-konflikte-interview
Wissen verbreitet sich, wo wir Menschen uns dafür Zeit nehmen!
Du schriebst weiter:
Wenn man es mit der eigenen Falsifikation dann doch nicht schafft, müssen das dann halt Andere machen.
Überhaupt erhöhen Umwege die Ortskenntnis. Wenn man alle Theorien, die Menschen gefunden haben, betrachtet, dann ergibt sich so ein recht buntes Bild. Kultur eben.
Manchmal ist eben auch Unsinn auf dem Weg zum Sinn unvermeidlich. Da muss man dann durch. Umso wichtiger, dann rechtzeitig die Kurve zu kriegen, und sich auch selber zu falsifizieren bzw. falsifizieren zu lassen.
Verblüffenderweise – oder hast Du es vielleicht gar gewusst? – sind Umwege für Blumenberg überaus wichtig!
„Nur wenn wir Umwege einschlagen, können wir existieren.
Gingen alle den kürzesten Weg, würde nur einer ankommen.
Von einem Ausgangspunkt zu einem Zielpunkt gibt es nur einen kürzesten Weg, aber unendlich viele Umwege.
Kultur besteht in der Auffindung und Anlage, der Beschreibung und Empfehlung, der Aufwertung und Prämiierung der Umwege. […]
Die Welt bekommt Sinn durch die Umwege der Kultur in ihr.
Oder, etwas pietätvoller ausgedrückt: Die Welt bekommt ihren Sinn bestätigt, genauso wie die vielen, daß sie nicht nur wenige sind oder gar nur einer.“
Zitiert in: „Die Sorge geht über den Fluss“, Suhrkamp 1987 / 2022, S. 137
Hier sehe ich wiederum die tiefste Begründung sowohl für Wissenschaft wie auch für den dialogischen Monismus: Gäbe es nur eine Perspektive auf der Welt, so könnte diese wahr oder falsch sein – niemand wäre in der Lage, ihre Aussagen zu überprüfen und notfalls zu falsifizieren. Auch wenn wir uns selbst falsifizieren, so müssen wir dazu doch in Distanz zum bereits Vertretenen gehen. Das ist etwas, was Anderen meist besser gelingt – und sowohl Fukuyama wie Assmann nahmen daher jemals externe Kritik an, bevor sie sich selbst weiter entwickelten.
Deswegen ist Wahrheit im Judentum Alphabetschrift (Thora) geworden, im Christentum Mensch (Jesus) und im Islam Bereitschaft zur Hingabe. Niemand (!) kann die Wege des Wissens alleine gehen.
Hallo @Michael Blume, @Tobias Jeckenburger, Euer Gespräch über die „Enge der Zeit“ und die Rhetorik / Wissenschaft fand ich sehr inspirierend.
Kritisch gegenüber sich selbst zu sein – „Selbst-Falsifikation“ – braucht Zeit und Raum. In unseren am weitesten verbreiteten Formaten des öffentlichen Diskurses fehlt beides und es ist dort im Wesentlichen „Rhetorik“ gefragt – für die Wissenschaft ist wenig Zeit.
Wie viel wir uns als Gesellschaft dabei vorenthalten, kann man in jeder Talkshow beobachten, in der die Teilnehmenden weder Zeit noch Raum bekommen, ihre eigenen Gedanken selbst zu hinterfragen. In den „Arenen“ (Als „Arena“ werden mitunter sogar solche Sendungen bezeichnet) wird jeder Beteiligte dazu gedrängt (die Enge!), seinen Standpunkt zu verteidigen, um nicht „umgeworfen“ zu werden. Sich dialogisch den anderen zu öffnen, gilt als Schwäche und wird entsprechend ausgenutzt und gegen einen verwendet. So tragen solche Formate selten zu einer positiven Entwicklung und zum Erkenntnisgewinn bei, finde ich.
Höchste Priorität hat es, sich selbst gut „darzustellen“ – ein nachdenkliches Innehalten ist nicht drin.
Das erinnert mich an das berühmte Zitat von Friedrich Schiller aus dem Prolog zu „Wallensteins Lager“:
„Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze;
Drum muß er geizen mit der Gegenwart“
Politisch Verantwortliche müssen sich in den medialen Formaten dauernd rechtfertigen und an einem (hier negativ konnotierten) Schauspiel teilnehmen, das ihnen weder Zeit noch Raum zum Nachdenken und zum dialogischen Innehalten lässt. Stattdessen müssen sie „mit der Gegenwart geizen“ und „um Aufmerksamkeit buhlen“ (wie Schiller vielleicht ergänzen würde).
Liest man sich übrigens den Prolog durch, so klingen hier auch Gedanken zu den Zeit- und Raum-Medien an, die hier auf dem Blog entwickelt wurden:
„Denn schnell und spurlos geht des Mimen Kunst,
Die wunderbare, an dem Sinn vorüber,
Wenn das Gebild des Meißels, der Gesang
Des Dichters nach Jahrtausenden noch leben.
Hier stirbt der Zauber mit dem Künstler ab,
Und wie der Klang verhallet in dem Ohr,
Verrauscht des Augenblicks geschwinde Schöpfung,
Und ihren Ruhm bewahrt kein dauernd Werk.
Schwer ist die Kunst, vergänglich ist ihr Preis,
Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze;
Drum muß er geizen mit der Gegenwart,
Den Augenblick, der sein ist, ganz erfüllen,
Muß seiner Mitwelt mächtig sich versichern
Und im Gefühl der Würdigsten und Besten
Ein lebend Denkmal sich erbaun – So nimmt er
Sich seines Namens Ewigkeit voraus,
Denn wer den Besten seiner Zeit genug
Gethan, der hat gelebt für alle Zeiten.“
Mit dem Unterschied, dass Theateraufführungen zu Schillers Zeit nicht aufgezeichnet wurden und daher keine Medien waren, die die Zeit überdauerten – ganz anders als heute, wo jede Talkshow aufgezeichnet und der Inhalt vielfach reproduziert und so für die „Nachwelt“ gespeichert bzw durch künstliche Intelligenzen vielfach weiter prozessiert werden.
Vielleicht sollten wir anfangen, mediale Formate des Augenblicks neu zu denken, so dass dem Protagonisten in einem guten Sinne Gelegenheit gegeben wird, …
„Den Augenblick, der sein ist, ganz (zu) erfüllen“,
… ohne sich durch Zwang und Enge auf ein dualistisches Verteidigen von Standpunkten reduziert zu werden.
Denn dadurch, dass die modernen „Schauspiele“ (Talkshows und ähnliche Formate) ja auch die Zeit überdauern, bekommt das darin Dargestellte ein ganz neues Gewicht. Und genau das ist ja der Gegenstand der Medienethik. Ich habe vor Jahren mal eine Talkshow im Schweizer Fernsehen gesehen (ich kann aber nicht mehr erinnern, welche es war) und war einfach nur angetan davon, dass dort zwar kontrovers, aber ganz unaufgeregt über Themen gesprochen wurde und den Teilnehmenden Zeit zum Nachdenken gegeben wurde und man sich ausreden ließ. „Slow Talk“ statt „Fast Talk“ sozusagen – in Anlehnung an Ernährungsweisen.
Weiter lesen wir bei Schiller:
„Zerfallen sehen wir in diesen Tagen
Die alte feste Form, die einst vor hundert
Und fünfzig Jahren ein willkommner Friede
Europens Reichen gab, die theure Frucht
Von dreißig jammervollen Kriegesjahren.“
Hier bezieht sich Schiller auf die politischen Umwälzungen seiner Zeit, die die durch den Westfälischen Frieden von 1648 etablierte politischen Struktur in Europa, die auf dem Prinzip der Souveränität der Staaten basierte, in Frage stellte.
Reimt sich das nicht irgendwie auf die Geschehnisse in unserer Zeit?
Lieber @Peter,
ganz herzlichen Dank für Deinen tiefen Kommentar, der mich – u.a. mit der Bezeichnung von Schauspielern als der Mimesis direkt verwandten „Mimen“ auch bei Friedrich Schiller – noch einmal einiges nachschlagen ließ.
Denn Du hast m.E. völlig Recht – hinter der Abwertung der Künste steht ein negatives Verständnis von Zeit, das Europa aus dem Platonismus geerbt hat. Dieses wichtige Detail erkundete Hans Blumenberg 1956 – vor 70 Jahren! – 1956 in einem Vortrag für die Philosophische Fakultät der Universität München unter dem Titel: „Die Nachahmung der Natur“.
Demnach habe Platon zwar einen Gott als Schöpfer aller Urbilder – etwa eines Bettes – angenommen, dessen Urschöpfung jedoch der Handwerker – als Hersteller eines Bettes – und dann erst der Künstler – als Fertiger des Abbildes eines Bettes – nur nachahme.
„Kunst ist also nur ein Seinsderivat im Beispiel des abgebildeten Gegenstandes sogar erst ‚an dritter Stelle vom eigentlich Seienden entfernt stehend.‘ Der Handwerker mag mit dem Bedürfnis entschuldigt sein, dem sein Werk Genüge tun will – womit aber kann der Maler sich rechtfertigen?
Diesen negativen Aspekt der Ideenmimesis hat die weitere Geschichte des Platonismus so verstärkt, daß schließlich schon die erste Nachahmung, die Begründung des sichtbaren Kosmos durch den Weltdemiurgen, ein negatives Vorzeichen bekommen musste.“
Zitiert nach: Blumenberg, Hans (1956 / 1993): „Nachahmung der Natur“, in: „Wirklichkeiten in denen wir leben“, Reclam 1993, S. 55 – 103, Zitat S. 65 – 66
Dabei legte der Philosoph in München großen Wert auf die Unterscheidung von Platon und späterem Platonismus, denn der dualistische Demiurg-Mythos sei erst später an diese Stelle übertragen worden, Platon selbst habe hier noch direkt den Gott als Urschöpfer angenommen.
Tatsächlich wurden Sokrates im Zehnten Buch von Platons „Politeia“ heftige Absagen auch an die höchsten Künste in den Mund gelegt:
Sokrates: Wir dürfen also nun behaupten, alle Dichter, Homer nicht ausgenommen, sind bloße Nachahmer von Nachbildungen der Tugend und der übrigen Dinge, von denen sie in ihren Dichtungen handeln, mit der Wahrheit aber haben sie nichts zu tun, sondern, wie eben gesagt, der Maler wird eine Figur schaffen, die für einen wirklichen Schuster gehalten wird von Leuten, die von der Schusterei ebensowenig verstehen wie er selbst, sondern nur nach Farben und Formen urteilen.“
Zitiert nach: Platon, „Gesammelte Werke“, Anaconda 2022, S. 703 – 704
Hier wird also deutlich, wie bedeutend und wichtig die a) alphabetisch-monotheistische Wendung zu einem linearen Kalender, b) die Ausarbeitung der Evolutionstheorie und c) das Verständnis des Zeitstrahls als Emergenz aus der Quantenphysik sind. Sie erlauben uns eine Wertschätzung sowohl von Handwerkenden wie auch von Künstlerinnen und Künstlern als Erschaffendem von Neuem und Einzigartigem, „Noch nie Dagewesenem“. Im Urknall mögen wir Menschen ein der biokulturellen Evolution harrendes Potential angelegt finden, nicht aber eine Sammlung von Urbildern, die uns für alle Zeit nur zu Nachahmenden herabstuft. Und auch die Evolution der Faustkeile durch die menschliche Psychologie der Mimesis verweist auf das Streben nach Neuem, Einzigartigem, auch (!) Nützlichem, auf Technomimesis.
Ganz herzlichen Dank für Deinen tiefen Kommentar, der mich sehr bewegt hat! Auch für die anderen dialogischen Kommentare hier möchte ich herzlich danken und mir für durchdachte Antworten ausreichend – Zeit nehmen.
Guten Morgen, @Michael,
danke Dir für Deinen spannenden Kommentar! (20.01.2026, 08:56 Uhr)
„Hier wird also deutlich, wie bedeutend und wichtig die a) alphabetisch-monotheistische Wendung zu einem linearen Kalender, b) die Ausarbeitung der Evolutionstheorie und c) das Verständnis des Zeitstrahls als Emergenz aus der Quantenphysik sind. Sie erlauben uns eine Wertschätzung sowohl von Handwerkenden wie auch von Künstlerinnen und Künstlern als Erschaffendem von Neuem und Einzigartigem, “Noch nie Dagewesenem”. “
Wie ja auf diesem Blog auch schon diskutiert wurde, ist Wiederholung und Reproduktion desselben gar nicht möglich: Erinnerung ist immer das „Erzählen“ einer neuen Geschichte, und was wir heutzutage im „Gedächtnis“ des Internet speichern, beispielsweise auch hier auf dem Blog, unterliegt demselben Prinzip.
Vielleicht könnte man es auch so fassen:
Mit dem Gedanken an Zufall und offene Zukunft wird Reproduktion zur Illusion. Mimesis ist immer das Erzählen von etwas Neuem – und dieser Mechanismus ist in der Struktur der Zeit selbst angelegt.
Faszinierend finde ich in diesem Zusammenhang einen Satz von Carl Friedrich von Weizsäcker aus seinem Buch „Der Garten des Menschlichen“. Dort interpretiert er in einem kurzen Kapitel Goethes Gedicht „Wiederfinden“ aus der Perspektive eines Physikers und verdichtet dabei einen Gedanken, der wie ein roter Faden durch viele Deiner Blogbeiträge läuft:
„Alle Schöpfungsphilosophien denken, meist implizit und darum oft metaphorisch, im Schema der geschichtlichen Zeit, in der die Zukunft das Mögliche ist.“ ( Carl Friedrich von Weizsäcker, Der Garten des Menschlichen – Beiträge zur geschichtlichen Anthropologie, Carl Hanser, 7. Aufl. 1980, S. 352)
Goethes Gedicht findet sich im „West-Östlichen Divan“ im Buch Suleika. (Johann Wolfgang von Goethe, Hamburger Ausgabe, C.H. Beck, 13. Aufl, 1982, Band 2, S. 83. Auch zu finden bei Projekt Gutenberg)
Vielen Dank, lieber @Peter – und meine volle Zustimmung!
Genau das war ja der Hauptgrund, warum ich unseren interdisziplinären und sogar mehrteiligen Dialog über die Zeit so gerne gesucht habe!
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/gutsche-1-das-raetsel-der-zeit-zeitfluss-und-vergaenglichkeit/
Denn bis tief in unsere Sprache, in Begriffen wie Reproduktion, Reform und sogar Revolution ist noch die zyklische Zeitvorstellung eingeschrieben, als stellten Reproduktionen, Reformen und Revolutionen vergangene Urzustände wieder her. Doch das Gegenteil ist wahr: Zeit emergiert, aber wiederholt sich nicht. Wir Menschen steigen niemals mehrfach in den gleichen Fluss.
So verstehen Du und ich ja auch Dialog und Demokratie als idealerweise auf Wahrheit zielende Erkenntnisprozesse und auch Dein Interesse an der erkenntnistheoretischen Dimension von Konkurrenz-, Konkordanz- und Konsensdemokratie hat mich motiviert, den ganzen Vortrag auf YouTube hochzuladen:
https://youtu.be/PM7Cf2UO48I
Hier auch ein Schaubild dazu, das Dir ggf. zusagen könnte:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/files/DemokratiemodelleMichaelBlumePolitikwissenschaftWeltethos2025-scaled.jpg
Und für den 2. Juni 2026 habe ich nun eine weitere Einladung des Weltethos-Institutes an die Universität Tübingen zu „Medien & Mimesis“ angenommen und hoffe, dass alles klappt. 🙂
Also: Wir beide glauben, dass es zwar Systeme, aber keine endlosen Zeit-Zyklen gibt, sondern ein Zeitstrahl aus der Quantenphysik heraus in eine sich offen entfaltende Zukunft emergiert.
Gerne habe ich die KI Felo.ai daher einmal mit einem etwas schwereren Prompt gefordert:
„Bitte beziehe die Aussagen „Zeit emergiert, aber wiederholt sich nicht.“ und „Menschen steigen nicht zweimal in den gleichen Fluss.“ dialogisch aufeinander.“
Die Ausgabe vermag zu überzeugen:
Die Aussagen „Zeit emergiert, aber wiederholt sich nicht“ (Michael Blume) und „Menschen steigen nicht zweimal in denselben Fluss“ (Heraklit) lassen sich dialogisch aufeinander beziehen, da sie beide die Dynamik und Einzigartigkeit von Veränderung und Zeit thematisieren. Sie stammen aus unterschiedlichen Denktraditionen, teilen jedoch eine gemeinsame philosophische Grundlage: die Vergänglichkeit und das kontinuierliche Werden.
### **1. Heraklits Fluss-Metapher**
Heraklit beschreibt mit seiner Metapher des Flusses die ständige Veränderung der Welt. Der Fluss bleibt zwar als Konzept bestehen, doch das Wasser, das ihn ausmacht, ist in ständiger Bewegung. Ebenso verändert sich der Mensch, der in den Fluss steigt, durch Erfahrungen und Zeit. Diese Metapher verdeutlicht, dass Identität und Stabilität nur scheinbar konstant sind, während sie in Wirklichkeit von Wandel durchdrungen werden. Heraklit formuliert dies mit dem Prinzip des „panta rhei“ („alles fließt“) und betont, dass Veränderung die einzige Konstante ist [2][7].
### **2. Zeit als emergentes Phänomen**
Michael Blumes Aussage „Zeit emergiert, aber wiederholt sich nicht“ verweist auf die Natur der Zeit als etwas, das aus Prozessen entsteht, jedoch nicht statisch oder zyklisch ist. Zeit ist nicht einfach eine Wiederholung von Ereignissen, sondern ein kontinuierlicher Fluss, in dem jedes Ereignis einzigartig ist. Diese Perspektive steht im Einklang mit Heraklits Philosophie, da sie die Einmaligkeit jedes Moments betont und die Vorstellung ablehnt, dass Zeit in identischen Zyklen verläuft.
### **3. Gemeinsame philosophische Grundlage**
Beide Aussagen betonen die Einzigartigkeit und Irreversibilität von Erfahrungen und Momenten:
– **Einzigartigkeit des Moments:** Heraklits Fluss-Metapher zeigt, dass weder der Fluss noch der Mensch jemals gleich bleiben. Dies spiegelt sich in der Idee wider, dass Zeit emergiert und sich nicht wiederholt. Jeder Moment ist neu und unwiederholbar.
– **Fluss der Veränderung:** Beide Perspektiven betonen, dass Veränderung die einzige Konstante ist. Heraklits „alles fließt“ beschreibt die Dynamik des Seins, während die emergente Zeit diese Dynamik auf die Dimension der Zeit überträgt.
– **Philosophische Konsequenz:** Beide Perspektiven fordern dazu auf, das Leben als Prozess zu begreifen, in dem Stabilität nur eine Illusion ist. Sie laden dazu ein, die Vergänglichkeit zu akzeptieren und die Einzigartigkeit jedes Augenblicks zu schätzen.
### **4. Dialogischer Bezug**
Die Aussagen ergänzen sich, indem sie unterschiedliche Aspekte des Wandels beleuchten:
– Heraklit fokussiert auf die physische und metaphysische Veränderung in der Welt, die durch die Fluss-Metapher veranschaulicht wird. Der Fluss symbolisiert die ständige Bewegung und Transformation.
– Blume erweitert diese Idee, indem er die Zeit als emergentes Phänomen beschreibt, das nicht nur Wandel ermöglicht, sondern selbst ein Produkt von Veränderung ist. Zeit ist nicht statisch, sondern entsteht aus Prozessen und ist daher unwiederholbar.
### **5. Fazit**
Die Aussagen „Zeit emergiert, aber wiederholt sich nicht“ und „Menschen steigen nicht zweimal in denselben Fluss“ stehen in einem dialogischen Verhältnis, da sie beide die Vergänglichkeit und den ständigen Wandel des Lebens betonen. Sie laden dazu ein, die Zeit und das Leben nicht als statisch oder wiederholbar zu betrachten, sondern als fortwährenden Prozess, in dem jeder Moment einzigartig ist und eine neue Möglichkeit zur Veränderung bietet.
[1] https://brill.com/downloadpdf/edcollbook/title/41282.pdf?srsltid=AfmBOoqpTlDeynPyEY7ZsUV8ySAYn2wkIpx-eaDbcgiJra3R5Pho8v5A
[2] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/diesseits-von-zeit-raum-aus-fediversum-und-ki-emergiert-das-erste-perfekte-medium-nach-harold-innis/
[3] https://www.academia.edu/128652172/Die_dunkle_Metaphysik_Ein_philosophiehistorischer_Versuch_zur_Wiedergewinnung_der_Dunkelheit_Heraklit_Heidegger_gegen%C3%BCber_den_Denkern_des_Lichts_Platon_Augustinus_Hegel_
[4] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-natur-des-glaubens-aus-sicht-der-bing-copilot-ki/
[5] https://brill.com/downloadpdf/edcollbook/title/41282.pdf?srsltid=AfmBOorDuFNHoqGc4YT0VYLsbR-4-0NR4HtXnEVyIIVw7TIVzChNnxNG
[6] https://dokumen.pub/mythen-in-nachmythischer-zeit-die-antike-in-der-deutschsprachigen-literatur-der-gegenwart-9783110886795-9783110168693.html
[7] https://dokumen.pub/text-als-ereignis-programme-praktiken-wirkungen-9783110541854-9783110539318.html
[8] https://scilogs.spektrum.de/wirklichkeit/was-ist-der-wille/
[9] https://kobra.uni-kassel.de/bitstreams/c1400661-c8a5-4409-85ed-8524b0771e87/download
[10] https://d-nb.info/1010811428/34
[11] https://www.researchgate.net/publication/316645132_Sinnfindung_uber_die_Lebensspanne_collagierte_Gedanken_uber_Sinn_Sinnlosigkeit_ABERSINN_-_integrative_und_differentielle_Perspektiven_zu_transversalem_polylogischem_SINN
@Peter Gutsche
Das sind interessante Gedanken, die mich beschäftigt haben.
Um die Frage zu beantworten, die Sie ans Ende Ihres Kommentars gestellt haben: Schiller ist zeitlos. Gerade in unserer Zeit ist aber die Wallenstein-Trilogie oder auch der Don Karlos unverzichtbar.
Die Dramen etc. von Schiller sind m.E. mehr als nur Unterhaltung. Ich meine, Schiller betrachtete sie auch als Teil der Bildung.
Aufgrund seiner persönlichen Erfahrung mit absolutistischer Willkür seitens des Herzogs Carl Eugen von Württemberg, finden wir in den Werken von Friedrich Schiller „Freiheit“ als roten Faden.
Talkshows sind Unterhaltung. Sie schreiben:
„Denn dadurch, dass die modernen „Schauspiele“ (…) ja auch die Zeit überdauern, bekommt das darin Dargestellte ein ganz neues Gewicht.“
Die Frage, die ich mir stelle: Warum sollten die Aufzeichnungen überdauern? In den Talkshows geht es meist um die Themen, die zum jeweiligen Zeitpunkt in den Medien etc. im Mittelpunkt stehen.
Die Aufzeichnungen werden irgendwann gelöscht.
Außerdem hoffe ich, dass der Zuschauer den Unterschied zwischen einer Talkshow und den dortigen Rechthabern und eitlen Selbstdarstellern und beispielsweise der Darstellungskunst eines Gustaf Gründgens als Mephisto und von Will Quadflieg als Faust erkennt.
Guten Morgen, @Marie H.
(20.01.2026, 22:34 Uhr),
vielen Dank für Ihren interessanten Kommentar!
Ich sehe es wie Sie, dass ein Drama von Schiller insofern „zeitlos“ ist, als es uns Menschen Erkenntnisgewinn bringen kann (Stichwort „Bildung“) – und dies über Jahrhunderte hinweg, auch uns heutigen Menschen. Und dies unterscheidet es von (vielleicht nicht allen, aber) vielen Talkshows.
Vielleicht hatte ich eine ähnliche Unterscheidung zwischen „Bildung“ und „Unterhaltung“ im Sinn, als ich „Schauspiele“ etc in Anführungszeichen setzte. Wobei die Grenze sicher fließend ist.
Zu Schillers Leitmotiv der Freiheit, das im „Prolog“ zu „Wallensteins Lager“ in den Zeilen beginnend mit „Zerfallen sehen wir in diesen Tagen Die alte feste Form“ aufblitzt:
Schiller verfasste das Drama zu einer Zeit, die stark von den Auswirkungen der Französischen Revolution geprägt war. Diese brachte die Idee der „Freiheit“ in die Welt, aber eben auch erhebliche Unsicherheiten und Unwägbarkeiten, weil eine „alte Ordnung“ zerbrach. Auf ähnliche Weise erleben wir heute, wie die nach den zweiten Weltkrieg erlangte zwischenstaatliche Ordnung zerbricht – mit dem Unterschied, dass heute die Feinde der Freiheit mehr und mehr an Raum gewinnen. Ironischerweise vereinnahmen sie hierbei den Begriff der Freiheit für sich, um an den grenzenlosen Egoismus und die Gier des Einzelnen zu appellieren und die historisch errungenen Institutionen und Prozesse der unserer demokratischen Staatsgebilde anzugreifen (Stichwort: libertärer Autoritarismus).
Ihre Frage/Anmerkung:
„Die Frage, die ich mir stelle: Warum sollten die Aufzeichnungen überdauern? In den Talkshows geht es meist um die Themen, die zum jeweiligen Zeitpunkt in den Medien etc. im Mittelpunkt stehen.
Die Aufzeichnungen werden irgendwann gelöscht.“
Das stimmt schon, aber bis dahin werden die Inhalte vielfältig weiter verarbeitet und gespeichert und dabei auch verändert (verstärkt durch KI). Ich denke, viele solcher Sendungen werden auch transkribiert und gelangen in das globale „Gedächtnis“ des Internets, wo sie für die Nachwelt – teils in abgewandelter Weise – erhalten bleiben. Daher ist es ja so wichtig, dass wir dieses „Gedächtnis“ nicht der Manipulation durch einzelne Großkonzerne überlassen dürfen.
Forschung heißt, sich so oft im Labyrinth zu verirren, bis man eine Karte hat. Sicherheit heißt, im Kreis zu laufen. Beides zusammen ergibt einen Forscher, der immer wieder den Weg zurück nach Hause findet, um sich zu erholen.
Die große Gefahr ist aber, dass Sie es übertreiben wie ich. Dass Sie am Ende Thesen verteidigen, die Sie am Anfang als absurd abgetan haben, dass Ihre Weltsicht Ihnen so fremd wird, dass Ihr altes und Ihr neues Selbst füreinander Aliens sind, und das fremde Universum, in dem Sie landen, nie Ihr Zuhause werden kann. Passiert wohl sowieso, wenn Sie alt werden und nicht mehr mit der Zeit mitkommen, ich weiß also nicht, wie viel von meiner Reise ohne Wiederkehr der Einsicht geschuldet ist, wie viel dem Wahnsinn und wie viel einfach der biologischen Uhr. Spaß macht’s schon lange nicht mehr, aber ich hoffe, ihr bekloppten Aliens könnt mit den Resultaten was anfangen, dann hätte ich die Illusion, dass das lebenslange rücksichtslose Niedermetzeln meiner Gewissheiten nicht ganz vergebens war.
Was interessiert mich mein Geschwätz von Gestern? Das ist ein recht interessanter Aspekt eines so kaputten Gedächtnisses wie meines: Wenn mir heute das eine logisch erscheint und morgen das Gegenteil, kann ich die Texte genauso vergleichen, als wenn sie von zwei verschiedenen Menschen geschrieben wären, und das Puzzle-Stück suchen, das vermeintliche Gegensätze zusammenfügt.
[Wegen Überlänge und unangemessener Sprache gekürzt, M.B.]
Lieben Dank, @Paul S. – wenn ich in Ihren Ausführungen auch einen m.E. fundamentalen Fehler sehe.
Sie stellen sich Forschung als Projekt einzelner Männer („Forscher“, „Die große Gefahr ist aber, dass Sie es übertreiben wie ich…“) vor.
Dies ist jedoch grundlegend falsch. Der vereinzelte Mann im Labyrinth der Erkenntnis wird kein Wissenschaftler, sondern Esoteriker. Erst die Zusammenarbeit (!) Abertausender Männer und zunehmend auch Frauen über die Zeit hinweg bringt belastbare Erkenntnisse hervor, schafft echtes Wissen (Wissen-schaft).
Es ist leider wahr, dass Charles Darwin den begründeten Einspruch von Antoinette Brown Blackwell ignorierte. Es ist jedoch auch wahr, dass er seine Evolutionstheorie vor Kollegen der „Royal Society“ präsentierte, nachdem analoge Entdeckungen von Alfred Russel Wallace bekannt wurden. Nicht Einzelne, sondern Viele brachten und bringen uns voran.
Hach, genau heute Armin Käfer im Leitkommentar der Stuttgarter Zeitung (19. Januar 2026, S. 1):
Trump stehe „an der Spitze der korruptesten Regierung in der amerikanischen Geschichte“, sagt der US-Politologe Francis Fukuyama – wirft zugleich aber die Frage auf, ob Trump in Wahrheit „nur noch eine lahme Ente“ sei: Donald lame duck.
Fukuyamas Spekulation stützt sich auf den wachsenden Widerstand auch in Trumps eigenem Lager. Die erratische Politik dieses Präsidenten läuft auch manchen zuwider, die ihn einst bejubelt hatten: Unternehmen, Latinos, inflationsgeplagte Leute aus der Unterschicht.
Freut mich sehr, dass die Rezeption von Fukuyama weitergeht! 🤓📚👍
Liberal Wirtschaften ist auch in Diktaturen möglich
Francis Fukuyama hat ja in „THE END OF HISTORY“ postuliert, das liberale Gesellschaftsmodell habe mit dem Fall der Sowjetunion endgültig gesiegt. Und mit dem liberalen Gesellschaftsmodell meinte er letztlich das kapitalistische Modell mit der freien Marktwirtschaft. Dass zu diesem Modell auch noch Freiheiten des Bürgers und der Medien dazugehören, war auch Fukuyama klar, doch letztlich war der Sieger für Fukuyama das westliche Wirtschaftsmodell. Und tatsächlich bleibt Fukuyamas Diagnose mindestens in Bezug auf das reine Wirtschaftsmodell weitgehend korrekt. Auch im autokratischen China oder im von Putin zu neuen imperialen Höhenflügen eilenden Rissland, funktioniert die Wirtschaft nun sehr ähnlich wie im Westen.
In Bezug auf das Wirtschaftsmodell hat die kapitalistische Art des Operierens tatsächlich gesiegt, nicht aber was alles andere betrifft. Eher im Gegenteil: wir befinden uns gerade in einem Moment der Weltgeschichte wo autoritäre Regierungen wieder dominieren. Die Annahme Fukuyamas Wirtschaft und Gesellschaft gingen Hand in Hand war und ist also grundfalsch. Zwei Länder mit ähnlicher Art des Wirtschaftens können ihren Bürgern völlig unterschiedliche Freiheiten zugestehen, ja das Leben kann unter ähnlichen wirtschaftlichen Verhältnissen immer noch grundlegend verschieden sein.
Den Blogpost finde ich sehr überraschend.
Bisher nahm ich an, dass Wissenschaft genau darauf aufbaut, dass Wissenschaftler ihre Ergebnisse immer von den Kollegen überprüfen lassen. Nur so kommt die Wissenschaft und damit die Gesellschaft voran.
Natürlich ist das nicht leicht, sich Irrtümer und Fehlannahmen einzugestehen. Wer das ganze Leben mit Forschung zugebracht hat, dem muss das wie persönliches Versagen vorkommen.
Mich würde interessieren, ob es Naturwissenschaftlern leichter fällt, wenn ihre Theorien, zumindest zum jeweiligen Zeitpunkt, widerlegt werden.
Sie schreiben, dass sie überrascht und fast verzweifelt von der Erkenntnis waren, dass Frauen eher zu strengen Religionsgemeinschaften tendieren.
Ich finde es durchaus verständlich, betrachtet man sich die Regeln und religiösen Ge- und Verbote in Glaubensgemeinschaften. Frauen werden von klein auf, von der Familie und den anderen Gläubigen, auf die Rolle als Frau und Mutter vorbereitet. Gemäß der Bibel und wie sie ausgelegt wird, haben Frauen in der Öffentlichkeit zu schweigen. Gleichberechtigung ist nicht vorgesehen. Selbstbewusstsein, eigene Wünsche und Ansprüche zu haben, wäre demzufolge eine Sünde.
Hier bei uns genügt der Blick auf die Entwicklung des Pietismus, wo Frauen ihren Anteil am religiösen Leben hatten. Offenbar hat sich das erst im 19. Jahrhundert geändert.
@Marie H.: „Mich würde interessieren, ob es Naturwissenschaftlern leichter fällt, wenn ihre Theorien, zumindest zum jeweiligen Zeitpunkt, widerlegt werden.“
Heutigen Teilchenphysikern fällt eine Widerlegung ihrer Hypothesen/Theorien relativ leicht aus dem einfachen Grund, weil die Teilchenphysik schon längere Zeit nichts wirklich Neues gefunden hat und sich nicht wenige Doktoranden und Autoren von Forschungspapieren aufgrund rein theoretischer Überlegungen beispielsweise neue Teilchen ausgedacht haben und dann lange Artikel darüber geschrieben haben. Experimente an den grossen Teilchenbeschleunigern haben dann oft gezeigt, dass die so postulierten Teilchen nicht existieren können. Doch deshalb wurde ja der Doktortitel, den ein Forscher für sein ausgedachtes Teilchen, erhielt, nicht zurückgezogen, solange die Arbeit theoretisch stimmig war. Es gibt Kritikerinnen dieses Vorgehens wozu etwa Sabine Hossenfelder gehört. Sie sagt, das Erfinden von neuen Teilchen sei nichts anderes als Scheinbeschäftigung und bringe die Physik nicht weiter.
Etwas ganz anderes aber ist es, wenn ein anerkannter Forscher und Autor mit der Haltung auftritt, er habe etwas Tieferes, allgemein Gültiges erkannt und man könne nun die Welt aufgrund dieser Erkenntnis anders sehen. Genau das hat Fukuyama gemacht und nicht wenige prominente Leser, also etwa bekannte Politiker, haben Fukuyama vertraut, haben sich seinem Urteil angeschlossen. Das ist wegen den Auswirkungen und dem Konsens, der sich ausgebildet hat, etwas ganz anderes als wenn man aufgrund bestimmter Überlegungen ein neues Elementarteilchen postuliert, denn der Glauben an ein Elementarteilchen hat keine Konsequenzen solange man das Elementarteilchen nicht nachgewiesen hat.
Kurzum: Selbst einem Nobelpreisträger auf einem naturwissenschaftlichen Gebiet glauben andere Naturwissenschaftler erst, wenn das, was er sagt, nachgewiesen wurde. Ganz anders bei Geisteswissenschaftlern wie etwa Politologen. Ihnen vertraut man allein schon, wenn sie eine grosse Kompetenz und Fachkundigkeit an den Tag gelegt haben.
Ein Beispiel für die naturwissenschaftliche Seite ist die Stringtheorie aus der Physik. Einer der grössten Stringtheoretiker ist der brillante, hochintelligente Edward Witten. Doch da bis jetzt nichts in der Physik nachgewiesen wurde, was nur mit der Stringtheorie erklärt werden kann, ist es inzwischen still geworden um die Stringtheorie und Edward Witten muss sich damit begnügen, dass er immerhin den Fields Preis gewonnen hat, die höchste Auszeichnung in der Mathematik, nicht aber in der Physik.
Herzlichen Dank für den starken Kommentar, @Marie H., auf den ich gerne etwas ausführlicher eingehe! 🤓📗🖖
Sie schrieben:
„Bisher nahm ich an, dass Wissenschaft genau darauf aufbaut, dass Wissenschaftler ihre Ergebnisse immer von den Kollegen überprüfen lassen. Nur so kommt die Wissenschaft und damit die Gesellschaft voran.
Natürlich ist das nicht leicht, sich Irrtümer und Fehlannahmen einzugestehen. Wer das ganze Leben mit Forschung zugebracht hat, dem muss das wie persönliches Versagen vorkommen.
Mich würde interessieren, ob es Naturwissenschaftlern leichter fällt, wenn ihre Theorien, zumindest zum jeweiligen Zeitpunkt, widerlegt werden.“
Ja, in beiden genannten Fällen hatte es entschiedene, aber eben auch konstruktive Kritik an den Texten von Fukuyama und Assmann durch Kolleginnen und Kollegen gegeben. Was die beiden auszeichnete, war eben die Bereitschaft, diese Kritik auch anzunehmen, falsifizierte Theorien hinter sich zu lassen und neue Thesen auszuarbeiten.
Das ist wirklich selten, weil es ja bedeutet, die Arbeit und Annahmen von Jahren und Jahrzehnten – mit denen man(n) auch in die Öffentlichkeit gegangen ist und identifiziert wurde – schmerzhaft hinter sich zu lassen und sich ins Neue zu wagen. Genau deswegen war es mir wichtig, das auch zu würdigen.
Die Naturwissenschaften sind nach meiner Einschätzung davon nicht weniger betroffen als andere Disziplinen auch. So wurde das sog. Plancksche Prinzip dazu sogar von dem großen Physiker Max Planck (1858 – 1947) formuliert!
Er schrieb in seiner „Wissenschaftlichen Selbstbiographie“ genau dazu:
„Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, daß ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt erklären, sondern vielmehr dadurch, daß ihre Gegner allmählich aussterben und daß die heranwachsende Generation von vornherein mit der Wahrheit vertraut gemacht ist.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Plancksches_Prinzip
Dass es auch anders gehen kann, hatte ich auch selbst bei der britischen Psychologin Susan Blackmore erlebt, die 2010 nach einer gemeinsamen Tagung in Bristol mutig und auch im „Guardian“ die These von der Religion als Virus aufgab:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/widerruf-der-religion-virus-hypothese-wie-mich-susan-blackmore-beeindruckte/
Obwohl – und weil – sie sich damit an die wissenschaftliche Methode gehalten hatte, wurde sie dafür von damals sog. „Neuen Atheisten“ / Brights scharf angegangen.
„Sie schreiben, dass sie überrascht und fast verzweifelt von der Erkenntnis waren, dass Frauen eher zu strengen Religionsgemeinschaften tendieren.
Ich finde es durchaus verständlich, betrachtet man sich die Regeln und religiösen Ge- und Verbote in Glaubensgemeinschaften. Frauen werden von klein auf, von der Familie und den anderen Gläubigen, auf die Rolle als Frau und Mutter vorbereitet. Gemäß der Bibel und wie sie ausgelegt wird, haben Frauen in der Öffentlichkeit zu schweigen. Gleichberechtigung ist nicht vorgesehen. Selbstbewusstsein, eigene Wünsche und Ansprüche zu haben, wäre demzufolge eine Sünde.
Hier bei uns genügt der Blick auf die Entwicklung des Pietismus, wo Frauen ihren Anteil am religiösen Leben hatten. Offenbar hat sich das erst im 19. Jahrhundert geändert.“
Ja, mir war als bewusst als Erwachsener getaufter, evangelischer Christ schon damals die Entwicklung der protestantischen Konfessionsfamilie selbstverständlich vor Augen – und ich hatte u.a. angenommen, dass Schweizerinnen in der freien Wahl zwischen gleichberechtigten, evangelischen Kirchen und der von männlicher Hierarchie dominierten, katholischen Kirche mit den Füssen für die Emanzipation abstimmen würden, die ja durchaus auch mit der Wertschätzung von Familie und Kindern einhergehen kann. Doch die Daten widersprachen dem schon damals: Frauen blieben häufiger katholisch als liberal-evangelisch – und wenn sie zum Protestantismus wechselten, dann häufiger in strenge Freikirchen.
Damit rang ich lange und publizierte schließlich in 2010 „Die Rolle der Frau in der Evolution von Religion“, der bei Interesse hier gerne auch online steht:
https://www.blume-religionswissenschaft.de/pdf/FrauEvolutionReligionBlume.pdf
Meine damaligen Schlussfolgerungen entsprechen wesentlich Ihren Annahmen – ich will aber nicht behaupten, dass es leicht und schmerzfrei war, dorthin zu gelangen.
Ihnen noch einmal Dank für den Kommentar und Ihr Engagement im Blog-Dialog! 🌞📗🙌
Vielen Dank.
Die Aussage von Max Planck kann ich nur als ziemlich dreist bezeichnen.
Im Verlauf der Diskussion mit @Peter Gutsche wird mir wieder bewusst, wie wichtig der Faktor Zeit in unseren Betrachtungen ist.
Konkret auf das Planck Zitat bezogen heißt das, dass ich es in meinem Urteil aus dem Blickwinkel seiner Zeit sehen muss. Möglicherweise befanden es seine Zeitgenossen ebenfalls als überheblich.
Schiller, Schauspiel, Zeit
Die erste deutsche Schauspielschule (Akademie genannt) wurde 1753 in Schwerin eröffnet, also nur 6 Jahre vor der Geburt von Friedrich Schiller.
Wie sich das Ansehen der Schauspieler in den folgenden 60 Jahren verändert hat, dazu fand ich:
„…was Hegel in seinen Vorlesungen über die Ästhetik oder Philosophie der Kunst 1820-1829 (Heidelberg) über Schauspieler und Schauspielkunst überzeitlich-gültig formuliert hat, als er vortrug:
>>Man heißt jetzt die Schauspieler Künstler und zollt ihnen die ganze Ehre eines künstlerischen Berufs; ein Schauspieler zu sein ist unserer heutigen Gesinnung nach weder ein moralischer noch ein gesellschaftlicher Makel.
Und zwar mit Recht; weil diese Kunst viel Talent, Verstand, Fleiß, Übung, Kenntnis, ja auf ihrem Gipfelpunkte selbst einen reichbegabten Genius fordert. Denn der Schauspieler muss nicht nur in den Geist des Dichters und der Rolle tief eindringen und seine eigene Individualität im Inneren und Äußeren demselben ganz angemessen machen, sondern er soll auch mit eigener Produktivität in vielen Punkten ergänzen, Lücken ausfüllen, Übergänge finden und uns überhaupt durch sein Spiel den Dichter erklären, insofern er alle geheimen Intentionen und tieferliegenden Meisterzüge desselben zu lebendiger Gegenwart sichtbar herausführt und fassbar macht. <<."
(Kurt Loup, Die Wohlbrücks – Eine deutsche Theaterfamilie, Claassen Verlag 1975, S. 101)
Wenn ich die Beschreibung Hegels auf die Werke von Friedrich Schiller anwende, dann machen diese durch die Darstellung einen viel tieferen Eindruck.
Dabei gehe ich davon aus, dass die Theaterbesucherin von heute vermutlich mit der Form der Darstellung in den 1820er Jahren nicht mehr viel anfangen könnte.
Jede Zeit findet dafür die passende Form und Interpretation.
Was nun zukünftig noch übrigbleibt – ganz gleich, ob die "Schauspiele" namens Talkshow oder die Klassiker des Theaters – wissen wir nicht.
Und wie @Peter Gutsche schreibt, kann KI noch viel mehr verändern.
Ich meine, wir werden darauf kaum Einfluss haben.
Vielleicht bleibt die Hoffnung, dass es der darstellenden Kunst noch sehr lange gelingt, den jeweiligen Zeitgenossen zu zeigen, was wahre Kunst ist.
Herzlichen Dank, @Marie H.
Sie schrieben:
„Die Aussage von Max Planck kann ich nur als ziemlich dreist bezeichnen.
Im Verlauf der Diskussion mit @Peter Gutsche wird mir wieder bewusst, wie wichtig der Faktor Zeit in unseren Betrachtungen ist.
Konkret auf das Planck Zitat bezogen heißt das, dass ich es in meinem Urteil aus dem Blickwinkel seiner Zeit sehen muss. Möglicherweise befanden es seine Zeitgenossen ebenfalls als überheblich.“
Ich denke wirklich, dass hier für die Wissenschaft das Gleiche gilt wie für die Kunst: Wir müssen sie im Kontext ihrer Zeit sehen.
Max Planck (1858 – 1947) lebte und wirkte noch im Zeitalter der Induktion, in der Wahrheiten vor allem als Fragen der Tradition und Autorität behandelt worden. Das empirische Prinzip der Falsifikation breitete sich zwar bereits aus, wurde aber erst nach Karl Popper (1902 – 1994) zum anerkannten Modus der Erkenntnistheorie und also empirischer Wissenschaften. Ich denke also, dass Planck zwar zugespitzt formuliert hat, aber eine weit verbreitete Haltung auch richtig beobachtet hat: Ältere und fast ausschließlich männliche Wissenschaftler hielten meist an ihren bisherigen Annahmen fest und reagierten negativ auf Falsifikationen. Auch Albert Einstein (1879 – 1955) erlebte für seine physikalischen Entdeckungen ja noch massiven Hass und Verschwörungsmythen, die teilweise bis heute tradiert werden!
Auch hier auf dem Blog wurde ich ja immer mal wieder angegangen, weil ich etwa Karl Popper ehre, aber seine Kritik an Platon dualistisch überzogen finde oder Charles Darwin (1809 – 1882) feiere, aber seine Ignoranz gegenüber den berechtigten Einwänden von Antoinette Brown Blackwell (1825 – 1921) bedauere. Eine dialogische und falsifikatorische Haltung ist uns ja nicht angeboren, sondern eine hohe, kulturelle und nicht gerade häufige Errungenschaft.
Heute erschien übrigens eine Podcast-Folge von „Verschwörungsfragen“, in der ich mit dem OLG-Präsidenten von Karlsruhe, Jörg Müller auch beriet, wie das Fediversum und Free & Open Source Software (FOSS) Dialog und Demokratie befördern:
https://verschwoerungsfragen.podigee.io/66-neue-episode
Dazu werde ich aber baldmöglichst auch noch einmal extra bloggen.
Kloster Blaubeuren, 23. Januar 1777
Christian Friedrich Daniel Schubart (1739-1791), Dichter, Komponist, Journalist wurde im Auftrag von Herzog Carl Eugen von Württemberg auf dessen Territorium gelockt, verhaftet und in die Festung Hohenasperg gebracht. 10 Jahre verbrachte er dort in Kerkerhaft. Friedrich Schiller hat ihn dort besucht. Im Mai 1787 kam er frei.
@Michael 19.01. 09:00
„Der vereinzelte Mann im Labyrinth der Erkenntnis wird kein Wissenschaftler, sondern Esoteriker.“
Gibt es denn nichts dazwischen? Von Wissenschaft begeisterte Künstler etwa?
„Erst die Zusammenarbeit (!) Abertausender Männer und zunehmend auch Frauen über die Zeit hinweg bringt belastbare Erkenntnisse hervor, schafft echtes Wissen (Wissen-schaft).“
Und doch sind es immer wieder wenige, die was wirklich Neues vorschlagen? Die Vielen braucht es dann, das Ganze auszuarbeiten. Und was jetzt quer durch die Disziplinen geht, kann nicht ein Fach alleine abarbeiten. Hier setzt eventuell die Aufteilung der Fachgebiete Grenzen, die in der Wirklichkeit in der Konsequenz gar nicht existieren.
Ganz konkret sehe ich mit meinen eigenen spirituellen Erfahrungen dann durchaus Grenzen in der Wissenschaft. Da wollen alle Disziplinen eher nichts mit zu tun haben. Wenn Psychologie und Medizin sich damit befassen, bleibt meistens nur Halluzination übrig. Das ist mir zu wenig. Da bin ich auf der Suche nach mehr.
Religionswissenschaft gibt es nun ja, immerhin. Hätte ich vielleicht mal studieren sollen. Wobei mich Spiritualität sehr viel mehr interessiert als Religion.
@Martin Holzherr 19.01. 10:08
„Auch im autokratischen China oder im von Putin zu neuen imperialen Höhenflügen eilenden Rissland, funktioniert die Wirtschaft nun sehr ähnlich wie im Westen.“
Funktioniert denn die russische Wirtschaft wirklich so gut? Die hängt wohl vor allem von fossilen Exporten ab und ist inzwischen zur reinen Kriegswirtschaft geworden.
Und China hat vor allem aufgrund seiner schieren Größe wirtschaftlichen Erfolg? Kleinere Autokratien durchweg eben nicht.
Und was der Halbautokrat Trump aus der US-Wirtschaft noch macht, dass wird sich noch zeigen.
„Zwei Länder mit ähnlicher Art des Wirtschaftens können ihren Bürgern völlig unterschiedliche Freiheiten zugestehen, ja das Leben kann unter ähnlichen wirtschaftlichen Verhältnissen immer noch grundlegend verschieden sein.“
Was uns Bürgern entsprechend auch gar nicht egal sein sollte. Zumal freiere Verhältnisse auch keineswegs einer florierenden Wirtschaft entgegenstehen.
@Tobias Jeckenburger (Zitat): „Funktioniert denn die russische Wirtschaft wirklich so gut?“
Sie hat zu Beginn der Amtszeit von Putin jedenfalls viel besser funktioniert als es die russische Wirtschaft in der Sowjetunion je getan hat.
Erst spät in der Präsidentschaft von Putin ging es dann bergab mit der Wirtschaft. Wie sie richtig schreiben hat Putin aber immer sehr stark auf Rohstoffe gesetzt. In Dekoder.org liest man dazu:
Kurzum: Unter Putin gab es keine Planwirtschaft mehr. Statt dessen gab es Oligarchen, die Putin in der Wirtschaft machen liess, solange sie ihm politisch nicht in die Quere kamen.
Zitat 2: „Und China hat vor allem aufgrund seiner schieren Größe wirtschaftlichen Erfolg? Kleinere Autokratien durchweg eben nicht.“
Chinas heutiges Wirtschaftsmodell wurde von Deng Xiaoping geschaffen und basiert auf Elementen einer freien Marktwirtschaft. Es begann unter Deng mit Sonderwirtschaftszonen – etwa in Shenzen – und die Erfahrungen aus den Sonderwirtschaftszonen wurden später landesweit angewandt. Es ist keineswegs so, dass die Grösse Chinas der entscheidende Faktor ist. Unter Mao blieben die Chinesen mausarm. Zudem ist China gar nicht so gross, wie viele meinen. Sowohl Indien wie auch Afrika haben mehr Einwohner.
Anekdote:Ein Bekannter von mir war in den frühen 1990er Jahren einige Jahre in China. Er kam zurück mit dem Urteil, die Chinesen würden alle kapitalistisch denken und handeln. Mit kapitalistisch meinte er, dass sie auf ihren eigenen Vorteil aus seien und dass sie für mehr Einkommen alles machen würden.
Falls das stimmt, dann hat Deng Xiaoping nicht viel mehr gemacht, als den Deckel von einer verschlossenen Büchse weggeschraubt.
Der Glauben an den starken Mann, die starke Frau
Zitat Michael Blume:
Antwort: Jein, Ja Menschen wollen mehr als nur mehr Wohlstand, aber nein, Menschen glauben nicht, fehlende Infrastruktur und Spitäler, die nicht funktionieren, könnten durch das Gefühl kompensiert werden, man lebe in einem glorreichen Land, das allen anderen Angst einflösst und das bestimmt, wo es in der Welt lang geht.
Statt dessen gilt wohl eher, dass etwa die Menschen, die Donald Trump gewählt haben, nicht nur ein Amerika wollten, das wieder den Ton angibt, sondern auch ein Amerika mit besserer wirtschaftlicher Entwicklung in dem es mehr Wirtschaftswachstum und gleichzeitig weniger Inflation gibt.
Meine Gegenthese: Menschen wählen Autokraten und „Angeber“, weil sie sich von ihnen auf allen Gebieten mehr erwarten, weil sie denken, genügend Chuzpe und Machtwillen führe in jeder Hinsicht zu besseren Ergebnissen. Oder verkürzt: Sehr viel mehr Menschen, als es auf den ersten Blick erscheint, sehnen sich nach dem starken Mann, der starken Frau, die nicht nur sagt, sondern auch tut, was nötig ist. Und es sind keinesfalls nur Rechte. George Bernhard Shaw, der bekannte irische Schriftsteller etwa, war keinesfalls ein Rechter, eher ein Kommunist. Über seine politische Haltung liest man in der Wikipedia:
Kurzum: Nicht wenige Menschen glauben, es laufe schlecht in ihrem Land weil niemand auf den Tisch hat und für Ordnung sorgt.
Martin Holzherr schrieb (19.01.2026, 22:51 Uhr):
> [ … dass] sich nicht wenige Doktoranden und Autoren von Forschungspapieren aufgrund rein theoretischer Überlegungen beispielsweise neue Teilchen ausgedacht haben und dann lange Artikel darüber geschrieben haben.
Inhalt solcher theoretischer Überlegungen betraf nicht zuletzt Methoden, wie solche hypothetischen „neuen Teilchen“ (anhand ihrer theoretisch definierten „neuen“ bzw. „ungewöhnlichen“ bzw. „nicht Standard-Modell-gewöhnlichen“ Eigenschaften) ggf. nachzuweisen wären.
Und ergänzend wurden auch eher praktische Überlegungen angestellt (und in langen Artikeln dargelegt), ob diese beschriebenen „neuen Teilchen“ nicht etwa schon („längst“, insbesondere in Versuchen, die vordergründig andere Fragen gestellt hatten) zu bemerken bzw. nachzuweisen gewesen sein müssten.
> Experimente an den grossen Teilchenbeschleunigern haben dann oft gezeigt, dass die so postulierten Teilchen nicht existieren […]
Ein bedeutender Beispielfall ist „die“ Technicolor-Theorie (in mehreren Varianten und die dadurch ermöglichte experimentelle Fragestellung, ob es „neue Teilchen“ mit den beschriebenen Eigenschaften (insbesondere „Techniquarks“) überhaupt gäbe, bzw. „wenigstens genug davon um sie nachzuweisen“.
Alle (bisherigen) Befunde hinsichtlich dieses Beispielfalls lassen sich mit „nicht existent“ zusammenfassen, und eventuelle Nachweise in zukünftigen Messungen wären nun (zunehmend) unerwartet bis „unerklärlich“.
Die (Modell!-)Annahme, dass es solche Teilchen genügend häufig gäbe bzw. diese sich mit den vorhandenen Mitteln genügend zahlreich „herstellen“ ließen, ist somit falsch.
Die Fragestellung samt ihrer begrifflichen (theoretischen) Grundlage bleibt dennoch verständlich, nachvollziehbar, „stimmig“.
(Womöglich überlegt sich jemand auf dieser Grundlage aber „doch noch“ eine konkrete „bessere“ Nachweismethode, deren Anwendung sich „noch lohnen könnte“, oder die ansonsten zum weiteren Korroborieren des Standard-Modells beiträgt.)
Aber andere Theorien können sich jedenfalls kurzfristig als aufregender, Erfolg-(Nachweise!)-versprechender und „mehr unmittelbare Mühe wert“ erwiesen.
(Um aber gewisse neuere Befunde nicht unerwähnt zu lassen, die stattdessen insbesondere „Wetten auf das Standard-Modell, mit dessen begriffliche Grundlagen“ belohnt haben: die Nachweise von Top-Quark, Higgs-Boson, und von „exotischen Baryonen“.)
> Kurzum: Selbst einem Nobelpreisträger auf einem naturwissenschaftlichen Gebiet glauben andere Naturwissenschaftler erst, wenn das, was er sagt, nachgewiesen wurde.
Wissenschaftler rechnen vor, und Wissenschaftler rechnen ggf. nach was ihnen vorgerechnet wurde. (Einschl. in der Allgemeinheit des Leibnitzschen „Calculemus!“)
Zu diesem Zweck berufen sie sich auf bestimmte festgesetzte Rechen-, Argumentations- bzw. Auswertungs-Schritte, von denen der Einzelne jeweils glaubt, dass er selbst wie auch jeder andere sie zumindest im Prinzip Gewissen-haft befolgen und nachprüfen, erlernen und lehren kann; sowohl Schritt-weise, als auch — je nach Ausdauer — im Zusammenhang.
@Martin Holzherr 19.01. 23:21
Es ist keineswegs so, dass die Grösse Chinas der entscheidende Faktor ist. Unter Mao blieben die Chinesen mausarm.
Das ist klar, die Größe alleine reicht auch nicht. Aber eben zusammen mit hinreichend Marktwirtschaft wird die Größe sehr hilfreich, einen technischen Rückstand aufzuholen.
Erst hat man westliche Firmen eingeladen, in China zu produzieren, und dabei fleißig ausspioniert, wie moderne Produktion funktioniert. Und später hat man angefangen selber Neues zu entwickeln, und ist so inzwischen auf vielen Gebieten Weltmarktführer geworden.
Dabei hilft die Größe eben, auch wenn Größe alleine natürlich nicht genügt. So ist Indien noch nicht so weit, und Afrika besteht aus vielen Staaten, von denen jeder für sich eben nicht so viel Neues entwickeln kann. Da müsste man sich zusammentun.
Oder auch in Südamerika. Und wir hier in der EU.
„Mit kapitalistisch meinte er, dass sie auf ihren eigenen Vorteil aus seien und dass sie für mehr Einkommen alles machen würden.“
Auf dem Wohlstandsniveau dürfte die gesamte Menschheit so denken, wenn man sie lässt? Wobei wir hier im Westen m.E. eine gewisse Sättigung erreicht haben, und statt immer mehr Konsum eigentlich auch weniger Arbeiten, entspannter Leben und wieder mehr Kinder haben könnten. Zumindest so mancher könnte das durchaus machen wollen.
Aber den Überfluss, den wir so haben, denn hat der Durchschnittschinese wohl noch nicht erreicht?
„Falls das stimmt, dann hat Deng Xiaoping nicht viel mehr gemacht, als den Deckel von einer verschlossenen Büchse weggeschraubt.“
Stimmt ja alles, aber die demografische Selbstabschaffung gehört zur Fortsetzung dieses Wohlstands- und Arbeitseifers offenbar dazu. Weltweit. Nun gut, vielleicht sogar eine sehr interessante Entwicklung. Es entlastet letztlich die kleinen und großen Ökosysteme, und selbst eine halbierte Menschheit bis zum Jahr 2100 wäre sehr weit vom Aussterben des Menschen entfernt.
@Tobias Jeckenburger: die Grösse Chinas hilft weniger bei der Innovation als vielmehr beim Handel und bei Abkommen mit anderen Ländern etwa Rohstoffe oder Infrastrukturprojekte betreffend. Auch die Seidenstrasseprojekte wären ohne starken und grossen chinesischen Staat nicht möglich.
Für die Förderung von Innovationen ist es viel wichtiger, Anreize zu setzen um als Privater ins Risiko zu gehen. Denn viele Hochschul-Abgänger haben gloriose Ideen, wollen etwa etwas mit Raketen, Raumfahrt, neuen Materialien oder neuen Verkehrsmitteln wagen, doch das Risiko, das durchzuziehen nehmen sie nur in einem Umfeld auf sich, wo sie unterstützt werden. In den meisten westlichen Ländern und speziell in Deutschland gibt es wenig Unterstützung und den Hochschulabgängern wird schnell einmal geraten bei VW oder Porsche anzuheuern. Doch VW und Porsche sind in erster Linie Firmen die jetzt etwas verkaufen wollen und nicht Firmen, die grossartige neue Ideen angehen wollen.
Ein gutes Beispiel für eine Firma mit gutem Innovationsklima ist dagegen etwa Tesla, wo inzwischen die besten Hochschulabgänger anheuern und wo sie gute Chancen haben, Dinge zu erschaffen, die die Welt verändern. Das gleiche gilt aber auch für Google, Meta, selbst Microsoft. Solche Firmen gibt es in Europa nur wenige. In China aber gibt es ebenfalls sehr viele Neugründungen und der Staat steht positiv dahinter und ermutigt Leute, etwa neue Raketentechnologien, Fusionskraftwerke, Halbleiterfabriken oder Feststoffbatterien zu entwickeln und zu vermarkten.
@Tobias Jeckenburger (Zitat): „Stimmt ja alles, aber die demografische Selbstabschaffung gehört zur Fortsetzung dieses Wohlstands- und Arbeitseifers offenbar dazu“
China kann auch bei halbierter Bevölkerung die Welt dominieren. Dazu genügen bald schon die chinesischen humanoiden Roboter. Xi Jinping selber hat die chinesischen Firmen dazu aufgerufen, humanoide Roboter zu entwickeln. Inzwischen gibt es 200 chinesische Firmen, die humanoide Roboter entwickeln. Im Wired-Artikel Your First Humanoid Robot Coworker Will Probably Be Chinese wird geschätzt, dass es 2035 100 Millionen chinesische Roboter als Arbeiter in chinesischen Fabriken, aber auch im Haushalt geben wird. Hier ein Textauschschnitt aus dem Artikel:
In Unitrees Heimatstadt ist übrigens auch Alibaba, Ant Group und die KI-Firma DeepSeek aktiv.
Kurzum: China hat das alte Mao-Motto „Lasst hundert Blumen blühen, lasst hundert Schulen miteinander wetteifern“ ( das dazumal nur ganz kurz aktiv und Regime konform war) wieder ausgegraben und seiner Wirtschaft verordnet. Ich selber bin zur Überzeugung gekommen, dass die echten Fortschritte der Menschheit technologischer Natur sind und wenn China hier an der Spitze ist wird es früher oder später zur dominierenden Weltmacht.
Macht es Sinn, nicht nur wissenschaftlich dem Falsifikationsprinzip anerkennend zu folgen, sondern nach dem gemeinsamen und dennoch unterschiedlichen Begriffen wie Persönlichkeit, Charakter, Wesen und Identität zu suchen?
Jeweilige Definitionen gehen von genetischen Eigenschaften bishin zur ethischer Gesinnung, darauf aufbauende Menschen- und Weltbilder und Weltanschauung.
Ich jedenfalls bin noch nicht auf eine sozialwissenschaftliche bzw. soziologische Theorie getroffen, die allumfassend ist.
Bestenfalls betrifft es gegensätzliche polarisierende Positionen.
Warum ist das so?
Was verstehen Sie unter ‚liberales wirtschaften‘, @ Holzherr?
Im Grunde hat man sich global von der Planwirtschaft verabschiedet und richtet sich nach Angebot-Nachfrage unter Berücksichtigung der Bedürfnispyramiden, was nicht unbedingt bedingungslose Marktwirtschaft heisst.
Freiheit=Selbstverwirklichung ist oberstes Gut und dabei geht es um Un- bzw. Abhängigkeitsverhältnisse.
Inwieweit verwirklicht sich Xi, Putin, Trump, Orban usw. und die jeweilige Broligarchie?
Der Rückzug vieler ist Kapitulation vor Kompliziertheit und gerade Komplexität der Zeitenwende.
Kulturelle Identität und neue Weltordnung.
Dabei sind die meisten mit einem ruhigen und dahin fließendem Leben einverstanden, oder @ Jeckenburget?
Vielleicht noch einen Gedankensplitter dazu: mir macht es eher Sorge, dass zunehmend die Grenzen zwischen kriminell/Dominanz und Dialog verschwimmen!
Ergänzung:
In den letzten 8 Dekaden haben wir eher eine intellektuelle Auseinandersetzung um die Welt erlebt.
Momentan ist es die Rückkehr der physischen Gewalt über den persönlichen Schmerz bis zum Tod.
Weichen vor diesem Schmerz ist wieder politisches Mittel geworden.
Diese Konfliktfähigkeit haben wir in freiheitsorientierten demokratischen Gesellschaften verloren.
Es ist in meinen Augen ein sowohl inner- wie ausserkulturidentitärer Konflikt, den wir durchmachen.
Lieben Dank für Ihre Drukos, @Mussi 🙏🖖
Gerne gehe ich auf Ihre Anfragen ein. Sie schrieben:
„Macht es Sinn, nicht nur wissenschaftlich dem Falsifikationsprinzip anerkennend zu folgen, sondern nach dem gemeinsamen und dennoch unterschiedlichen Begriffen wie Persönlichkeit, Charakter, Wesen und Identität zu suchen?“
Diese Frage ist, so scheint mir, so alt wie die Philosophie und also auch Wissenschaft selbst. So legt schon Platon (428 – 347 v.Chr.) in seinem Dialog „Theatet“ seinem Lehrer Sokrates (469 – 399 v.Chr.) die Geschichte über einen der ersten Wissenschaftler, Thales von Milet (624 – 546 v. Chr.) in den Mund:
„Wie auch den Thales, o Theodoros, als er, um die Sterne zu beschauen, den Blick nach oben gerichtet in den Brunnen fiel, eine artige und witzige thrakische Magd soll verspottet haben, daß er, was am Himmel wäre, wohl strebte zu erfahren, was aber vor ihm läge und zu seinen Füßen, ihm unbekannt bliebe.
Mit diesem nämlichen Spotte nun reicht man noch immer aus gegen alle, welche in der Philosophie leben.
Denn in der Tat, ein solcher weiß nichts von seinem Nächsten und Nachbar, nicht nur nicht, was er betreibt, sondern kaum ob er ein Mensch ist oder etwa irgendein anderes Geschöpf.
Was aber der Mensch an sich sein mag, und was einer solchen Natur ziemt anders als alle anderen zu tun und zu leiden, das untersucht er und läßt es sich Mühe kosten es zu erforschen.“
Zitiert nach: Platon. Gesammelte Werke Übersetzung von Friedrich Schleiermacher, Anaconda 1925 / 2022, S. 784
Dieser Spottgeschichte über den Charakter der Forschenden sowie ihrer komplexen Wirkungsgeschichte widmete der Holocaust-Überlebende Hans Blumenberg (1920 – 1996) wiederum ein ganzes Buch: Das Lachen der Thrakerin. Eine Urgeschichte der Theorie, Suhrkamp 1987.
Und darin zitierte er wiederum die obige Erzählung in der Übersetzung durch den zeitweiligen NS-Rektor Martin Heidegger (1889 – 1976), als komme es auf den Charakter des Kollegen keineswegs an!
Sie schrieben weiter:
„Jeweilige Definitionen gehen von genetischen Eigenschaften bishin zur ethischer Gesinnung, darauf aufbauende Menschen- und Weltbilder und Weltanschauung.
Ich jedenfalls bin noch nicht auf eine sozialwissenschaftliche bzw. soziologische Theorie getroffen, die allumfassend ist.
Bestenfalls betrifft es gegensätzliche polarisierende Positionen.
Warum ist das so?“
Aus meiner Sicht haben wir es mit dem Thema der Emergenz zu tun: Es ist vergleichsweise leicht, die Flugbahn eines physikalischen Körpers im All über Jahrtausende hinweg mit höchster Wahrscheinlichkeit zu berechnen, aber nahezu unmöglich, den Ausgang einer demokratischen Wahl auch nur um ein Jahr vorherzusagen.
Dies liegt selbstverständlich nicht daran, dass Politikwissenschaftlerinnen weniger engagiert oder klug wären als Physikerinnen. Sondern es liegt daran, dass mit jeder Emergenzebene wie Biologie, Psychologie, Soziologie, Technologie, Ökonomie usw. immer weitere Faktoren hinzutreten, die wohl die Menschen, aber nicht die Asteroiden betreffen. So kann etwa ein Virus, schlechtes Wetter, eine Wirtschaftskrise oder gar ein Krieg in einem anderen Erdteil direkt die Wahlbeteiligung und das Wahlergebnis beeinflussen – denken wir nur an die Reaktorkatastrophe von Fukushima.
Deswegen ist es aus meiner Sicht unmöglich, etwa die menschliche Psychologie, Soziologie oder Kultur auf mathematische Gesetzmäßigkeiten zu reduzieren, wie sie in der Physik und auch Chemie noch völlig Sinn machen.
Die KI Felo.ai vermag meine Position dazu bereits korrekt zusammen zu fassen:
## Warum hält Dr. Michael Blume die Emergenz für erkenntnistheoretisch relevant?
Dr. Michael Blume betrachtet die Emergenz als erkenntnistheoretisch relevant, weil sie eine Brücke zwischen den sogenannten „harten“ und „weichen“ Wissenschaften schlägt. In seinen Überlegungen betont er, dass Phänomene wie Kultur, Geist, Poesie und Liebe zwar physikalische und biologische Grundlagen haben, aber niemals vollständig auf diese reduziert werden können. Diese Sichtweise zeigt, dass komplexe Systeme und Phänomene nicht allein durch ihre Einzelteile erklärt werden können, sondern durch das Zusammenspiel dieser Teile neue Eigenschaften und Bedeutungen entstehen – ein zentraler Gedanke der Emergenz.
Blume argumentiert, dass ein besseres Verständnis der Emergenz sowohl wissenschaftlich als auch menschlich von Vorteil wäre. Er plädiert dafür, dass die Wissenschaften voneinander lernen sollten, anstatt sich gegenseitig zu bekämpfen. Die Emergenz zeigt, dass sowohl die naturwissenschaftlichen Methoden der Reduktion als auch die interpretativen Ansätze der Geisteswissenschaften notwendig sind, um die Welt in ihrer Komplexität zu begreifen. Diese erkenntnistheoretische Perspektive hilft, die Grenzen und Möglichkeiten verschiedener Disziplinen zu erkennen und eine fruchtbare Zusammenarbeit zu fördern.
Zusammengefasst sieht Dr. Blume in der Emergenz einen Schlüssel, um die Komplexität der Welt zu verstehen und die Kluft zwischen unterschiedlichen wissenschaftlichen Ansätzen zu überbrücken.
[1] https://www.prosocial.world/people/michael-blume
[2] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-empirische-beweislast-der-antitheisten/
[3] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/harte-vs-weiche-wissenschaften-warum-die-blogosph-re-emergenz-verstehen-sollte/
[4] https://k-larevue.com/en/2021/06/30/michael-blume-there-are-around-20-latent-anti-semites-and-5-active-anti-semites-in-germany/
[5] https://sciencespo.hal.science/hal-03967360/document
[6] https://www.thewashingtonoutsider.com/scoop-interview-with-michael-blume/
[7] https://www.jstor.org/stable/48740422
[8] https://www.researchgate.net/publication/374394779_A_New_Psychology_Based_on_Community_Equality_and_Care_of_the_Earth_An_Indigenous_American_Perspective
[9] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8101990/
[10] https://brill.com/downloadpdf/display/title/49444.pdf?srsltid=AfmBOopH4H1bX-gRnDiRBIkvnLGCsnZiOErOZT299KApbwRD9ueEtruD
Ihnen Dank für das Interesse und die konstruktiven Nachfragen, @Mussi ! 🤓📗🙌
@Martin Holzherr 20.01. 20:06
„In China aber gibt es ebenfalls sehr viele Neugründungen und der Staat steht positiv dahinter und ermutigt Leute….“
Das spielt sicherlich seine Rolle. Aber bei so vielen Chinesen sind auch entsprechend mehr kluge und mutige Köpfe dabei.
Auch in den USA zieht man seit Jahrzehnten gute Leute aus der ganzen Welt an, das wird sicher seine Wirkung haben. Demnächst dann aber unter Trump nicht mehr soviele. Mit etwas Glück landen die dann in Europa.
Aber klar, hier könnte man mehr Innovation fördern. Und auch freie Software für alles würde uns nicht nur unabhängig machen, sondern auch eine Basis für Zusammenarbeit innerhalb der ganzen Welt bieten.
@Michael 20.01. 22:25 / Felo.ai
„Die Emergenz zeigt, dass sowohl die naturwissenschaftlichen Methoden der Reduktion als auch die interpretativen Ansätze der Geisteswissenschaften notwendig sind, um die Welt in ihrer Komplexität zu begreifen.“
Vor der Emergenz kommt meistens erstmal Komplexität. Klimavorhersage verlässt so langsam reduktionistische Gefilde, es kommt dann in den Klimasimulationen zu großen Unsicherheiten, weil die verwendeten Großrechner immer noch um Größenordnungen zu langsam sind.
Die Perspektive ist aber da, mit viel schnelleren Rechnern und vielleicht auch KI-Trainingseffekten dann doch noch recht genaue Ergebnisse zu produzieren.
Ein anderer Fall wäre unser Bewusstsein als Endergebnis gleich mehrerer Emergenzstufen. Wenn es nun aber gelingt in KI-Systemen Bewusstsein zu provozieren, dann könnte man genau dieses dann sehr genau untersuchen. Mit echten Perspektiven, herauszufinden, wie es im Detail funktioniert.
Dann hätte man die biologische Emergenzstufe umgangen, und die psychologische Emergenzstufe vermutlich gleich mit. Indem man dann informatische Prozesse findet, die dasselbe können wie die Psychologie auf Basis der Biologie.
Emergenz hat man dann eigentlich immer noch, aber man weis präzise, wie sie konkret zustande kommen kann. Reduktionistische und interpretierende Ansätze würden dann konvergieren.
Und was machen die aktuellen LLMs? Sieht irgendwie schon ziemlich emergent aus, was Felo & co uns präsentieren. Da steigen die Systeme gleich in die Emergenz von Kultur ein. Und wir haben durchaus die Perspektiven, zu wissen, wie es funktioniert. Aber wohl öfter weis man es gar nicht so genau, wie die Ergebnisse konkret entstehen. Das ist anscheinend noch Gegenstand der Forschung.
Guten Morgen, lieber @Tobias – und vielen Dank für Deinen Druko!
Denn Du hast mit der Emergenz von KI-Fähigkeiten gerade ein Thema angesprochen, das mich auch persönlich sehr beschäftigt. Nach dem Bestehen des Turing-Tests muss ich inzwischen auch davon ausgehen, dass KI-Anwendungen bereits wirkliche Kreativität entfalten.
Diese Meldung von Manon Bischof vom 14.01.2026 hast Du ggf. schon gesehen?
„KI löst erstmals eigenständig ein Matheproblem
Seit 1975 war eine Frage des legendären Mathematikers Paul Erdöff offen. Doch nun hat es ChatGPT geschafft, eigenständig einen Beweis zu führen.“
https://www.spektrum.de/news/ki-loest-erstmals-eigenstaendig-ein-jahrzehntealtes-matheproblem/2304830
Doch auch in meinem eigenen Arbeitsbereich habe ich nun eine Erfahrung machen müssen, die ich auch nach dem Dialog mit den Studierenden nicht mehr anders als „kreativ“ nennen kann.
So hatte ich für das KIT Seminar einen Studienbrief zu Medienethik & Mimesis verfasst und gepostet, er steht online hier:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/be-good-unsere-wachsende-verantwortung-fuer-medien-mimesis-zum-kit-seminar-2026/
Testweise – und auch zur Diskussion mit den Studierenden – hatte ich diesen Text durch Google NotebooksLM in ein Kurzvideo übersetzen lassen, hier:
https://youtu.be/dcz0J8LYl0A
Die Zusammenfassung ist nicht nur wesentlich richtig, sondern sie enthält auch das starke Sprachbild des unsichtbaren Puppenspielers. Und dieses stammt nicht aus meinem Text und ich wüsste auch nicht, woher die KI genau diese Metapher abgeleitet haben sollte. Die Mimesis wurde erstmals in der griechischen Klassik von Platon und Aristoteles diskutiert. Puppentheater in der heutigen Form sind jedoch in Europa erst seit dem 12. Jahrhundert belegt.
Die „Idee“, einen wissenschaftlichen Sachtext mit diesem starken Bild zu eröffnen, stammt nicht von mir – und sie wirkte, war und ist kreativ. Ich sehe auch nach dem kritischen Dialog mit den Studierenden dazu keine andere Möglichkeit, als einzuräumen, dass KI-Anwendungen bereits echte Kreativität emergiert haben.
Habe mal irgendwo aufgeschnapt, dass die Broligarchie sich mit der Mysthik der Antike gleichsetzt.
Passt und erschreckend zugleich.
Trump als Zeus.
Mir fehlt jedes Verständnis für Menschen, die Zeus sein wollen.
Wer hat Zeus gestürzt?
Nun, @Mussi – schon dem bereits erwähnten Sokrates wurde zu Unrecht „Gottlosigkeit“ vorgeworfen, da sein philosophischer, dialogischer Monismus dem Monotheismus näherstand als dem antiken Polytheismus. Er wurde in einer Abstimmung von 500 Männern mit knapper Mehrheit zum Tode verurteilt und trank schließlich auch den Schierlingsbecher, statt unehrenhaft zu fliehen.
Die dialogische Philosophie und der erst jüdische, dann auch christliche Monotheismus stürzten den Zeus vom attischen Thron.
@ Mussi 20.01.2026, 18:39 Uhr
Zitat: „In den letzten 8 Dekaden haben wir eher eine intellektuelle Auseinandersetzung um die Welt erlebt.
Momentan ist es die Rückkehr der physischen Gewalt über den persönlichen Schmerz bis zum Tod.
Weichen vor diesem Schmerz ist wieder politisches Mittel geworden.
Diese Konfliktfähigkeit haben wir in freiheitsorientierten demokratischen Gesellschaften verloren.
Es ist in meinen Augen ein sowohl inner- wie ausserkulturidentitärer Konflikt, den wir durchmachen.“
Mit wenigen Worten haben Sie die reale Entwicklung der gesamten Gesellschaft, für mich absolut zutreffen, beschrieben.
Wir unterscheiden uns nur dadurch, dass mich die Entwicklung nicht verwundert.
Die demokratische Gesellschaft ist einfach entartet.
Beispiele:
In Amerika wird eine Gruppe der Bevölkerung, von einer ungefähr gleichstarken Gruppe, mit „edel scheinenden Vorwänden“ massiv ausgebeutet.
Es werden viele „arme“ Menschen ins Land gebeten, oder im Ausland unterstützt, aber so, dass die eine Gruppe bestens daran verdient, die andere Gruppe nichts davon hat, aber schwer zahlen muss (z.B. unerschwingliche Wohnungskosten)…. Der ganze Staat gerät unter einem unerträglichen „Schuldendruck“ der das ganze Land ökonomisch zu zerstören droht.
Beispiel Venezuela:
Amerika hat viel Geld in die Erdölförderung Venezuelas investiert.
Danach gewannen „Linke“ die Wahl. Die Amis wurden hinaus geschmissen. Zusätzlich auch noch der Drogenhandel mit tausenden Toten zu Lasten Amerikas gefördert.
Die Ölförderanlagen sind veraltet, die Produktivität ist immer schlechter geworden und die Bevölkerung wurde unzufrieden……
Kurz gesagt, Amerika lässt sich nicht „hinaus schmeißen“ aus seinem „Vorgärtchen“.
Trump ist aber auch völlig klar, dass sich auch Russland niemals vom Schwarzmeerzugang vertreiben lassen würde. Europa und die Ukrainer hätten es auf einen WK3 ankommen lassen.
Es gäbe noch viele Beispiele nach diesen „Mustern“, die Trump und auch Putin aufgefallen sind….
Dann wundert sich noch wer, über die politischen Entwicklungen der letzten Zeit?
Ah, @Realo kriecht auch nach dem katastrophalen Auftritt von Donald Trump in Davos mal wieder feige vor Tyrannen, verbreitet Putin-Propaganda, verharmlost fossile Gewalt wie insbesondere den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und zieht die falschen Lehren aus der Geschichte.
Dabei übergeht er auch geflissentlich, dass Trump die fossile Linksdiktatur in Venezuela gar nicht gestürzt hat und keine Rückkehr zur Demokratie fordert, sondern nur schweres Erdöl für US-Raffinerien:
Der #Fossilismus live:
„Durch den Verkauf von #Erdöl an die #USA hat #Venezuela laut der Übergangspräsidentin Delcy #Rodríguez 300 Millionen Dollar (256 Millionen Euro) eingenommen. Das Geld, das aus einem Verkauf im Wert von 500 Millionen Dollar stamme, werde genutzt, um den Devisenmarkt zu „stabilisieren“ und „die Einkommen und die Kaufkraft unserer Arbeitnehmer zu schützen“, sagte Rodríguez am Dienstag (Ortszeit) in einer im Staatsfernsehen übertragenen Ansprache.“
https://sueden.social/@BlumeEvolution/115932129499076308
Immerhin bietet uns @Realo eine schöne Gelegenheit, mal Felo.ai zu prompten: „Welche Gefahren sieht Michael Blume im Fossilismus und in der dualistischen Tyrannophilie?“
Dr. Michael Blume sieht im **Fossilismus** und in der **dualistischen Tyrannophilie** erhebliche Gefahren, die sowohl ökologische als auch gesellschaftliche und politische Dimensionen betreffen.
## **Gefahren des Fossilismus**
Dr. Blume beschreibt den Fossilismus als eine Weltanschauung, die auf der industriellen Ausbeutung fossiler Brennstoffe basiert. Diese hat nicht nur massive Umweltzerstörungen verursacht, sondern auch autoritäre Machtstrukturen gestärkt. Fossile Energien wie Öl und Gas werden von ihm als „Gewaltenergien“ bezeichnet, da sie häufig autoritäre Regime, Kriege und Terrorismus finanzieren. Beispiele hierfür sind Länder wie Russland, Saudi-Arabien oder Venezuela, die ihre fossilen Ressourcen nutzen, um demokratische Strukturen zu unterdrücken und ihre Macht zu sichern. Fossilismus wird zudem mit einer Kultur des „Petro-Maskulinismus“ verbunden, die Gewalt, Waffen und exzessiven Konsum verherrlicht. Diese Ideologie trägt zur globalen Erhitzung bei und verschärft soziale Ungleichheiten[3][6][8].
Blume warnt, dass fossile Energien nicht nur die Umwelt zerstören, sondern auch die Demokratie gefährden, indem sie autoritäre Regime und Verschwörungsmythen fördern. Er fordert daher eine Energiewende hin zu erneuerbaren Energien, die er als „Friedensenergien“ bezeichnet, da sie dezentrale, demokratische Strukturen stärken und die Abhängigkeit von fossilen Ressourcen reduzieren können[6][8].
## **Gefahren der dualistischen Tyrannophilie**
Die dualistische Tyrannophilie beschreibt eine gefährliche Faszination für autoritäre Führer und einfache, dualistische Weltbilder, die zwischen „Gut“ und „Böse“ trennen. Dr. Blume sieht hierin eine Bedrohung für demokratische Gesellschaften, da solche Denkweisen oft mit Verschwörungsmythen und einer Verherrlichung von Tyrannen einhergehen. Diese Ideologie kann dazu führen, dass Menschen autoritäre Systeme unterstützen, die einfache Lösungen für komplexe Probleme versprechen, während sie gleichzeitig die Verantwortung für eigene Handlungen externalisieren[1][2].
Blume betont, dass diese dualistische Sichtweise oft mit religiösen oder ideologischen Mythen verknüpft ist, die die Realität verzerren und die Bereitschaft fördern, autoritäre Strukturen zu akzeptieren. Dies zeigt sich beispielsweise in der Unterstützung von Regimen, die fossile Energien nutzen, um ihre Macht zu festigen, oder in der Verbreitung von Verschwörungsmythen, die demokratische Institutionen untergraben[2][6].
## **Zusammenfassung**
Dr. Michael Blume warnt vor den destruktiven Auswirkungen des Fossilismus und der dualistischen Tyrannophilie. Beide Phänomene fördern autoritäre Strukturen, Umweltzerstörung und soziale Spaltung. Er plädiert für eine Energiewende hin zu erneuerbaren Energien und für eine stärkere Förderung von Demokratie und Wissenschaft, um diesen Gefahren entgegenzuwirken.
[1] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-externalisierung-fossiler-dualistischer-hoffnungen-auf-donald-trump/
[2] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/digitale-sekten-gegen-natur-wissenschaften-plus-die-klima-spaltung-der-religionen/
[3] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-fossilismus-kann-nicht-alleine-militaerisch-besiegt-werden-er-ist-staerker-als-kapitalismus-und-sozialismus/
[4] https://sueden.social/@BlumeEvolution/115051447751451597
[5] https://www.salonkolumnisten.com/oel_antisemitismus/
[6] https://paz.de/artikel/die-erfindung-des-fossilen-faschismus-a14898.html
[7] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/english-translation-of-my-state-parliament-speech-against-antisemitism-on-november-9th-2023/
[8] https://energiewinde.orsted.de/koepfe-der-energiewende/michael-blume-antisemitismus-ressourcenfluch-oel-gas-konflikte-interview
[9] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-fossilismus-aus-dem-ehemaligen-preussen-warum-deutscher-energieglauben-auch-regional-gepraegt-ist/
[10] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/das-false-balance-problem-der-deutsch-evangelischen-friedensethik/
[11] https://eduresearch.social/@BlumeEvolution@sueden.social/115186454824619549
[12] https://www.facebook.com/Dean.R.Lomax/posts/this-is-one-of-the-most-spectacular-fossils-youll-ever-see-everinspired-by-bob-n/1205733891557579/
[13] https://www.colorado.edu/geologicalsciences/media/913
[14] https://regarp.com/2017/09/12/almost-human-the-astonishing-tale-of-homo-naledi-and-the-discovery-that-changed-our-human-story-by-lee-berger-and-john-hawks/
[15] https://fossilfueltreaty.org/open-letter
[16] https://bg.copernicus.org/articles/13/5151/2016/bg-13-5151-2016-relations.html
[17] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10966957/
[18] https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666033423000205
[19] https://hybrid-analysis.com/sample/033c0a7e55a8781f8320b49d8442f149de558841a05092ca0e6fc52a14c82d18/5db92cae0288382f1c708575
@Realo 21.01. 19:08
„Es gäbe noch viele Beispiele nach diesen „Mustern“, die Trump und auch Putin aufgefallen sind….“
Während wir in Europa nach Ende des kalten Kriegs kaum noch aufgerüstet haben, hat die USA weiter etliche Billionen für Rüstung ausgegeben. Und damit die Grundlage geschaffen, dass wir jetzt gegen Putin sehr komfortabel dagegenhalten können.
Man könnte auf die Idee kommen, dass die USA von der EU jetzt Gegenleistungen tatsächlich verdient hätte. Also etwa Grönland, aber auch reichlich Waffenkäufe der EU in den USA.
Zumal wir tatsächlich ohne US-Unterstützung Grönland kaum verteidigen könnten.
Wenn man auf diesem Weg Trump bei Laune halten kann, dass er uns und die Ukraine weiter unterstützt, fände ich das ganz gut. Ich fürchte, wir brauchen noch etliche Jahre, bis wir uns in der EU selbst verteidigen können oder bis Putin pleite geht, weil die Öl und Gaspreise verfallen.
Mir wäre auch ein netter und vor allem verlässlicher US-Präsident lieber, keine Frage. Aber es gibt gerade nur diesen Einen.
Das Völkerrecht ist offenbar nicht immer Praxis, das Recht des Stärkeren entsprechend um so mehr. Da sind dann eben auch Bündnisse sehr gefragt, wie z.B. die Nato. Wir in Europa können es nicht ändern, uns aber selber freiwillig ans Völkerrecht halten, das allemal. Da wäre ich auch schon ziemlich mit zufrieden.
Fakt ist aber auch, dass gegen Putin nur das Militärische und das faktisch Finanzielle funktionieren kann.
@ Michael Blume 21.01.2026, 21:08 Uhr
Meine Lehren aus der Geschichte sind, dass D den WK2 krachend verloren hat. Russland hat 5000 Atombomben, vermutlich auch B und C Waffen und leistungsfähige Raketen. Damit sie sich, falls sie nach Napoleon und Hitler, wieder einmal vom Westen „heimgesucht werden“, recht ordentlich wehren können.
D hat nur noch „barfüßiges Kanonenfutter“. Die Amerikaner sind nicht blöd genug, sich mit den Russen gegenseitig Atombomben um den Schädel zu hauen….
Im Gegenteil, sollte irgend ein Land auf die verrückte Idee kommen, Amerika auch nur einen von vielen Bundesstaaten samt Häfen abzunehmen, würden sie sofort mit Atombomben zuschlagen.
Die Ukrainer und Europa wollten die Russen von ihre Schwarzmeerhäfen vertreiben und sich Russlands Bodenschätze unterm Nagel reißen. Sie sollten doch nicht glauben, dass sich die Russen derartiges gefallen lassen…..
Ich verharmlose doch nicht Atombomben….
Trumps Vorgehen in Venezuela scheint sehr geschickt. Ohne viel Gewalt, praktisch ohne Blutvergießen, hat er Venezuela „auf Linie“ gebracht. Er bekommt „sein Erdöl“ wieder und die Demokratie, die letztlich immer wieder Vorwand war, dass Amerika abgezockt wurde, interessiert ihn ohnehin nicht mehr….
@ Tobias Jeckenburger 22.01.2026, 00:57 Uhr
Amerika kann gegen Putin (mit ebenfalls rund 5000 Atombomben) „entgegenhalten“.
Europas „samtpfötige Strategie“, ganz ohne Aufrüstung, letztlich die Nato mit der „Demokratiemasche“ um die „russischen Bodenschätze zu erweitern“, ist im letzten Augenblick gescheitert, weil Russland letztlich zugeschlagen hat, als es „in die Enge getrieben“ wurde.
Es war ein Irrglaube, Europa könnte mit USA Waffen gegen Putin sehr komfortabel dagegenhalten. Diese Träume sind gescheitert….
Die USA wird von der EU jetzt Gegenleistungen erwarten, das ist naheliegend….
PV Anlagen und Speicher halte ich auch als Ersatz gegen ein Blackoutrisiko für zweckmäßig.
Wegen des Risikos der gegenseitigen Ausrottung mittels moderner Waffentechnik, bin ich für friedliche Deals um die Wirtschaft zu fördern, genau das was Trump weltweit anstrebt. Es geht um Wohlstand für die ganze Welt durch faire Kooperation….
Das Völkerrecht und auch die Demokratie sollten nicht „ausgenutzt“ werden um anderen zu schaden….
@Realo
Die Ukraine hat auf die eigenen Atomwaffen verzichtet, weil sie den Sicherheitszusagen von Russland und europäischer Staaten vertraute:
https://de.wikipedia.org/wiki/Budapester_Memorandum
Ihre „Lehre aus der Geschichte“ besteht darin, wie so viele vor Tyrannen zu kriechen und zu winseln, in der Hoffnung, dafür verschont zu werden. Sie verbreiten hier sogar noch die Propaganda von Putin, obwohl dieser das Blut Hunderttausender ukrainischer und auch russischer Menschen an den Händen hat.
Immerhin zeigen Sie uns allen eindrucksvoll, in welche Untiefen Feigheit vor der Wahrheit immer wieder führt. Und das ist ja auch was.
@Realo 22.01. 10:32
„Es war ein Irrglaube, Europa könnte mit USA Waffen gegen Putin sehr komfortabel dagegenhalten. Diese Träume sind gescheitert….“
Mit aktiver US-Unterstützung der Ukraine dürfte die derzeitige Lage recht stabil sein. Putin kommt nicht vorwärts, und mag irgendwann die Lust verlieren und z.B. dem letzten Friedensplan von Trump zustimmen.
Noch hat Putin aber vermutlich die Hoffnung, dass die USA ganz aussteigen. Wie dann die Lage an der Front aussieht ist aus meiner Sicht schwer zu sagen. Vielleicht reicht die Unterstützung aus Europa, und die Frontlinie ändert sich weiterhin sehr wenig, oder Putin kommt vorwärts und nimmt am Ende die ganze Ukraine ein.
Danach macht er vielleicht mit dem Baltikum gleich weiter. Wir können hier jetzt nur Aufrüsten, und hoffen, dass das reicht.
@Realo 22.01. 10:32
„Das Völkerrecht und auch die Demokratie sollten nicht „ausgenutzt“ werden um anderen zu schaden….“
Muss man nicht, finde ich eigentlich auch. Andere Länder angreifen, nur weil sie autokratisch regiert werden, reicht m.E. nicht wirklich. Aber was schlägst du vor, was wir jetzt machen sollen? Friedenspläne mit Gebietsabtretungen liegen vor, aber offenbar reicht das Putin nicht.
Und Putin beansprucht anscheinend sogar den ganzen ehemaligen Warschauer Pakt zurück, und da gehört wohl oder übel auch die Ex-DDR dazu.
Wo sollte man hier die Grenzen ziehen? Die Ostukraine kann er haben, finde ich auch. Aber wie geht es dann weiter? Erst die ganze Ukraine, dann das Baltikum, dann Finnland und Polen und letztlich auch Ost-Deutschland? Oder gleich ganz Deutschland, und weiter mit Frankreich, wenn es denn möglich wäre.
Hier regiert doch nur noch das Recht des Stärkeren. Deswegen besser gleich zusammenhalten. Da gewinnen wir am Ende alle mit. Mit oder ohne USA, uns bleibt nichts vernünftiges Anderes übrig als militärische Fakten. Und die Energiewende, dass die Öl und Gaspreise verfallen.
Bei aller Empathie mit Russland, die es mit uns in Europa nicht immer leicht hatten, sollten wir versuchen uns zu wehren. Kriege gewinnen ist besser als Kriege verlieren. Unabhängig davon, ob sie jetzt eigentlich vermeidbar waren oder nicht.
Man kann sich auch in Schwierigkeiten bringen, wenn man zu leichte Beute wäre. Angesichts des real existierenden Faustrechts. So sieht es leider aus.
@ Realo
Ist ja nett, dass Sie mich zitieren.
Jedoch, ich beschreibe nur die Realität und verurteile physische und psychische Gewalt im 1. Schritt. Sprich, im Angriff.
Ich verurteile auch mitunter das aggressive Angebotsverhalten.
Das geht so gar soweit, dass ich Kants Aufforderung zum Handeln mit dem Unterlassen konter.
@ Mussi 23.01.2026, 08:43 Uhr
Zitat: „Jedoch, ich beschreibe nur die Realität und verurteile physische und psychische Gewalt im 1. Schritt. Sprich, im Angriff.“
Was glauben Sie, warum es Kriege gibt? Warum man sie aus Auslesegründen im Sinne Darwins eigentlich akzeptieren müsste?
Ich bin nur wegen der heutzutage drohenden Ausrottung (A, B, C – Waffentechnik) dagegen!
Ja, @Realo – Sie vertreten mit Tyrannophilie und Sozialdarwinismus zwei wesentliche Säulen des Faschismus, halten das Sterben Anderer (zu Unrecht) für evolutionär geboten und winseln nur um „Frieden“, weil Sie selbst verschont werden wollen. Das Schicksal der durch den Kriegstreiber Putin ermordeten Menschen in der Ukraine und auch in Russland interessiert Sie eigentlich gar nicht. Es geht Ihnen nur um den Selbsterhalt. Sie sind ein rechtsdualistischer Feigling.
Mich hat dagegen sehr beeindruckt, mit welcher klaren Haltung hier Hubertus Heil (SPD) der Putinknechterei auch eines Tino Chrupalla (AfD) entgegentrat:
https://youtube.com/shorts/Q03pkHWoP-Q
Menschenwürde, Freiheit und Demokratie verdienen es, immer wieder verteidigt zu werden.
@ Blume
Danke!
@ Tobias Jeckenburger 22.01.2026, 13:33 Uhr
Wenn ich Trump richtig verstehe, geht er davon aus, dass Russland den Schwarzmeerzugang und die Ostgebiete der Ukraine behalten darf. Vermutlich bestehen die Russen auch auf eine neutrale Westukraine und auf die Beendigung der Nato Osterweiterung.
Ist auch naheliegend, Trump würde es niemals akzeptieren, würde man Amerika z.B. Kalifornien samt den Häfen LA und Long Beach abknöpfen. Mit welchen Völkerrechtstricks auch immer….
@ Tobias Jeckenburger 22.01.2026, 17:16 Uhr
Zitat: „Muss man nicht, finde ich eigentlich auch. Andere Länder angreifen, nur weil sie autokratisch regiert werden, reicht m.E. nicht wirklich. Aber was schlägst du vor, was wir jetzt machen sollen? Friedenspläne mit Gebietsabtretungen liegen vor, aber offenbar reicht das Putin nicht.“
Freue mich, dass Du mich verstanden hast.
Ich nehme an, Putin sind die nationalen „Geschäftsinteressen Russlands“ wichtig.
1. Dass die Bodenschätze in russischer Hand bleiben.
2. Dass die Verkehrswege weltweit voll zugänglich für den wichtigen Export frei bleiben.
Das Westkapital und die Ukrainer müssten es sich aus dem Kopf schlagen, jemals die Russischen Bodenschätze in Besitz nehmen zu können. Das ist natürlich der wirkliche Knackpunkt….
Putin würde andererseits mit Natostaaten „weitermachen“, wenn er bei seinen internationalen Geschäften „drangsaliert“ würde,….
Den ewigen Frieden förderlich wäre, würden die Litauer den Russen z.B. erlauben einen 20 spurigen Eisenbahn/Straßen Korridor im Bereich der Suwalki- Lücke nach Kaliningrad zu bauen, den die Russen für ihre Exporte nutzen können…..
Natürlich auch die Nutzung der Nordsee/Ostsee…
Ich glaube nicht, dass die Russen, außer aus den genannten Gründen, frühere WP Staaten zurückwollen. Die Erinnerungen sind nicht gerade gut. Polen wollte z.B. dass die Russen ihre Bodenschätze „brüderlich teilen“ müssen (sie die Polen um lächerliche Preise erwerben dürfen), andererseits wollten sie z.B. ihr Obst zu „Mondpreisen“ nach Russland verkaufen, weil sie der Ansicht waren, die braven Bauern müssten jeden Apfel einzeln unter ständiger Lebensgefahr von hohen Bäumen ernten, das Öl spritzt praktisch von selbst aus den Boden….
Trumps „Träume“ Kriege zu vermeiden, beruhen auf faire internationale Kooperation und „faire Deals“. Es kann zwar alles entarten, aber vielleicht kommen wir doch einige Jahre ohne Kriege auf der Nordhalbkugel über die Runden. Die letzten 80 Jahre waren nicht so schlecht….
Das Recht des Stärkeren spielt bei Tricksereien (z.B. mit dem Völkerrecht, oder der Demokratie) eine Rolle. Diese Probleme sollten rational überwunden werden….
Trumps „Friedensrat“ scheint keine schlechte Idee. Auch geeignete Psychologen sollten eingebunden werden.
@ Michael Blume 23.01.2026, 11:54 Uhr
Menschenwürde, Freiheit und Demokratie verdienen es, immer und immer wieder hinterfragt zu werden, ob sie nicht zu Werkzeugen von „Gierigen“ verkommen sind, andere Menschen „ausbeuten“ zu wollen, die sich dann, natürlich mit Gewalt, wie es die eigentliche Tradition ist, wehren.
Ich hätte ehemals die „Grenzen am Eisernen Vorhang“, in meiner Wehrdienstzeit, auch unter Einsatz meines Lebens verteidigt. Aber niemals, unter welchem absurden Vorwand auch immer, wäre ich Richtung Osten marschiert. Das wäre für mich ein „Raubzug“ gewesen, bei dem ich niemals mitgemacht hätte, ich bin doch kein Räuber…..
Genau das, im Ausland, nicht an den Grenzen der Heimat zu kämpfen, will man der nachkommenden Generation mit „besonderen Vorwänden“ eintrichtern.
@Realo
Die Nazis und Adolf Hitler konnten nur besiegt werden, weil Hunderttausende Soldaten etwa auch aus Frankreich, Großbritannien und den USA „Richtung Osten“ gegen das Deutsche Reich marschierten. Millionen andere – darunter Ukrainer, Russen u.v.m. – kämpften aus dem Osten. Gemeinsam warfen diese Soldaten den massenmörderischen Faschismus und Nationalsozialismus nieder.
Leider haben Sie, @Realo, aus der Geschichte offensichtlich nur menschenverachtenden Sozialdarwinismus und kriecherische Feigheit „gelernt“. Und das bedauere ich sehr.
@Realo 23.01. 12:53
„Das Westkapital und die Ukrainer müssten es sich aus dem Kopf schlagen, jemals die Russischen Bodenschätze in Besitz nehmen zu können. Das ist natürlich der wirkliche Knackpunkt….“
Es dürfte inzwischen klar sein, dass Putin die Krim und den Donbass behalten kann. Warum geht Putin darauf nicht ein?
Wir brauchen die russischen Bodenschätze nicht. Noch nicht mal mehr russisches Gas einkaufen brauchen wir. Gerade Öl und Gas läuft doch sowieso bald aus, dass kann sich schon in 5 Jahren für Russland gar nicht mehr lohnen.
Ein Knackpunkt bei Friedensverhandlungen könnten die 210 Mrd eingefrorenes Russisches Vermögen aber sein. Man könnte das mit den zivilen Kriegsschäden verrechnen.
Das ist aus meiner Sicht ein schwieriges Thema, ich hätte schon Bauchschmerzen, wenn dieses Geld in Putins Kriegskasse landet, und die Ukraine auf ihren umfangreichen Kriegsschäden komplett sitzen bleibt.
Vielleicht könnte man dieses Geld nur als Pfand zurückhalten, und erst in 5 oder 10 Jahren zurückgeben, wenn wir uns hier dann vor Russland sicher fühlen, und wenn bis dahin keine weiteren Angriffe hinterher kommen.
„Ich glaube nicht, dass die Russen, außer aus den genannten Gründen, frühere WP Staaten zurückwollen.“
Das wäre eine Hoffnung. Ich glaub es jetzt aber nicht. Wieso denn dann überhaupt dieser Angriffskrieg? Krim und Donbass waren doch gesichert. Theoretisch hätte die Ukraine irgendwann den Krieg wiederaufnehmen können, aber das hätte Russland doch sogar entspannt abwarten können.
Dass die Nato Russland angreift, wäre angesichts der russischen Atomwaffen ziemlich ausgeschlossen, würde ich mal sagen. Und Lust dazu hätte hier zumindest in Europa wohl auch wirklich niemand.
Für mich ist nur eines plausibel, dass eben Putin die Ukraine als leichte Beute gesehen hat, und sich dabei gründlich verrechnet hat. Und dass er nicht längst sein Vorhaben aufgegeben hat, dürft einzig und allein daran liegen, dass er immer noch ganz konkret darauf hofft, das Trump wirklich noch komplett aus der Ukraineunterstützung aussteigt.
Mit der weiteren Perspektive, das Trump auch noch komplett aus der Nato aussteigt. Dann könnten eventuell auch noch Teile der EU tatsächlich zur leichten Beute werden.
Wir rüsten ja schon auf, aber das dauert alles viel zu viel Zeit. Genauso wirksam wie Aufrüsten wäre auch eine konsequentere Energiewende, und eben diese 210 Mrd als Pfand erstmal zurückzuhalten.
Ich wüsste jetzt echt nicht, wie wir sonst aus dieser Nummer wieder rauskommen könnten.
@Realo 23.01. 13:38
„Genau das, im Ausland, nicht an den Grenzen der Heimat zu kämpfen, will man der nachkommenden Generation mit „besonderen Vorwänden“ eintrichtern.“
Und doch ist die Nato ein Erfolgsmodell. Entsprechend umfangreiche Bündnisse bei eigener Friedfertigkeit spart dann tatsächlich Kriegstätigkeit ein. Inzwischen seit 80 Jahren.
Damals waren wir Natofrontstaat, und unsere Freiheit wurde von der ganzen Nato verteidigt. Heute sind wir in der 3. Reihe, und unterstützen eben z.B. das Baltikum. So sichern wir uns gemeinsam auch uns selber unsere Freiheit.
Wir warten eben nicht, bis der Krieg bei uns angekommen ist, sondern sorgen gemeinsam dafür, dass es Putin gar nicht erst versucht. So zumindest der Plan.
Das leuchtet nicht ein?
@ Michael Blume 23.01.2026, 14:47 Uhr
Die Nazis und Adolf Hitler hatten eindeutig zuerst Frankreich, Großbritannien, Polen und Russland samt der Ukraine angegriffen. Die Soldaten dieser Länder haben haben ihre Heimat verteidigt.
Für Amerika war es klar, dass sie später „dran gekommen“ wären, so haben sie auch eingegriffen.
Nur ist das Risiko wegen der Massenvernichtungswaffen erheblich größer geworden.
Wenn die alten „Handlungsmuster“ genutzt werden, könnte sich die „Nordhalbkugel“ gegenseitig ausrotten. Das scheint D. Trump aufgefallen zu sein und er versucht verzweifelt gegenzusteuern…
@Realo
Ah – also erkennen Sie doch an, dass es klug von den US-Amerikanern war, nicht auf den Sieg von Hitler zu warten!
Und gleichzeitig rechtfertigen Sie hier Krieg sozialdarwinistisch, verbreiten Putin-Propaganda und rufen die angegriffene Ukraine zum Einknicken vor dem fossilen Faschismus aus Russland.
Sie bekennen sich hier als jammervoller Feigling und Menschenverächter, der aus der Geschichte die falschen Lehren gezogen hat.
Anstatt mich zu wiederholen, lasse ich meinen Ansatz gerne von Felo.ai erklären:
Dr. Michael Blume fordert „Gegenwehr gegen jeden fossilen Faschismus“ und den entschiedenen Ausbau „erneuerbarer Friedensenergien“, weil er zwischen **fossiler Energieabhängigkeit**, **autoritärer Politik/Propaganda** und **Gewaltkonflikten** einen systematischen Zusammenhang sieht – und erneuerbare Energien für ihn ein zentraler Hebel sind, diese Dynamik zu durchbrechen.
## Warum „Gegenwehr gegen fossilen Faschismus“?
**Blumes Kernargument ist geopolitisch und demokratiepolitisch:** Einnahmen aus Öl und Gas stabilisieren und finanzieren Akteure, die Kriege führen, Terror unterstützen oder Hass- und Desinformationspropaganda verbreiten. Er warnt daher vor „fossil finanziertem Terror“ sowie vor Diktaturen und Kriegen, die durch fossile Geldströme gestützt werden.[4]
In seiner Darstellung ist „Fossilismus“ nicht nur eine Energieform, sondern eine *Weltanschauung bzw. Machtstruktur*, die an fossilen Geschäftsmodellen hängt und politische Gegenbewegungen gegen Klimaschutz und Energiewende befördert.[1]
## Warum erneuerbare Energien für ihn „Friedensenergien“ sind
Blume bezeichnet erneuerbare Energien ausdrücklich als „Friedensenergien“, weil sie aus seiner Sicht **Konflikt- und Erpressungspotenziale fossiler Abhängigkeiten reduzieren**. In seiner Rede und den anschließenden Beiträgen argumentiert er, dass die fortgesetzte Nachfrage nach Öl und Gas weiterhin Regime und Netzwerke mitfinanziere, die Antisemitismus, Terror, Propaganda und Kriege befeuern.[5]
Er verbindet das zudem mit der Klimakrise: Der Ausbau erneuerbarer Energien sei nicht nur Klimaschutz, sondern Teil einer „post-fossilen Friedensbewegung“, die die finanziellen Grundlagen gewaltförmiger Politik schwächt.[5]
## Warum „entschiedener Ausbau“ (nicht nur schrittweise)
Blume betont, dass die Energiewende nicht allein eine technische Frage ist, sondern auch eine **Frage gesellschaftlicher Resilienz**: Verschwörungsmythen und „alternative Fakten“ rund um Klimawandel und erneuerbare Energien untergraben Vertrauen und blockieren den Ausbau.[3] Für ihn gehört daher zur Gegenwehr auch, diese Narrative zurückzuweisen und den Ausbau politisch wie kommunikativ durchzusetzen.[3]
## Fazit
Blume fordert Gegenwehr gegen „fossilen Faschismus“, weil er fossile Energiegeldströme als Treiber bzw. Ermöglicher von Autoritarismus, Krieg, Terrorfinanzierung und Hasspropaganda versteht.[4][5] Den konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien sieht er als Friedensstrategie, weil er Abhängigkeiten von Öl und Gas verringert und damit die Machtbasis solcher Akteure schwächt.[5][1]
[1] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/erneuerbare-friedensenergien-und-die-abwehrschlacht-des-fossilismus/
[2] https://sparrow.cs.uni-magdeburg.de/@BlumeEvolution@sueden.social/115840978658215324
[3] https://www.kea-bw.de/news/energiewende-so-klappts-ursachen-von-und-umgang-mit-verschwoerungsmythen
[4] https://eduresearch.social/@BlumeEvolution@sueden.social/115186454824619549
[5] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/erneuerbare-energien-als-friedensenergien/
[6] https://stm.baden-wuerttemberg.de/de/themen/beauftragter-gegen-antisemitismus
[7] https://thefolklore.cafe/@BlumeEvolution@sueden.social/115513797676002854
[8] https://sueden.social/@BlumeEvolution/115187082440999110
[9] https://www.verlagsgruppe-patmos.de/lebe-gut/alle-beitraege/michael-blume-ueber-die-hintergruende-der-aktuellen-attentate
[10] https://energiewinde.orsted.de/koepfe-der-energiewende/michael-blume-antisemitismus-ressourcenfluch-oel-gas-konflikte-interview
[11] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-deep-state-verschwoerungsmythos-fossilismus-und-verfassungskrise-in-suedkorea/
[12] https://paz.de/artikel/die-erfindung-des-fossilen-faschismus-a14898.html
[13] https://circulaze.com/cirmag/from-america-to-europe-the-green-transformation-journey-and-germanys-role/
[14] https://www.amphilsoc.org/grants/franklin-research-grants
[15] https://www.facebook.com/groups/50501ca/posts/1034052851618293/
[16] https://www.boell-bw.de/de/2022/12/05/dr-michael-blume-gegenstrategien-von-seiten-der-politik-und-den-institutionen
[17] https://sueden.social/@BlumeEvolution/115773622457517338
[18] https://pubs.aeaweb.org/doi/abs/10.1257/jel.39.1.180
@Realo 23.01. 17:32
„Wenn die alten „Handlungsmuster“ genutzt werden, könnte sich die „Nordhalbkugel“ gegenseitig ausrotten. Das scheint D. Trump aufgefallen zu sein und er versucht verzweifelt gegenzusteuern…“
Da hat es keinen Trump für gebraucht. Wir sehen doch offenbar zu, dass wir die Ukraine nur so viel unterstützen, dass Putin nur sehr langsam oder gar nicht vorwärts kommt. Es wäre womöglich gefährlich, wenn wir unsere Taurusraketen zahlreich im russischem Hinterland einsetzen würden.
Wir hätten als Nato auch einfach Russland selbst mit allem was wir haben angreifen können, haben wir aber nicht. Wegen der russischen Atomwaffen wäre dies in der Tat gar keine gute Idee gewesen.
Die Friedensvorschläge von Trump halte ich für durchaus passabel. Wichtiger als die abzutretenden Gebiete wäre ein Ende der Kampfhandlungen, und dass Europa Zeit bekommt, sich selbst verteidigen zu können. Dann brauchen wir keine USA mehr, das wäre auch m.E. durchaus vernünftig.
Allerdings ist Trumps Wankelmütigkeit schon auch ein Faktor, dass Putin weitermacht, in der Hoffnung, dass sich die USA aus der Ukraineunterstützung und der ganzen Nato zurückzieht.
Es wäre nun schon eine erhebliche Verschwendung, dass die 20 Billionen, die die USA in den letzten 30 Jahren für Rüstung ausgegeben haben, jetzt wo wirklich Not am Mann ist, einfach nicht mehr einzusetzen. Und Abschreckung würde vollkommen reichen, unwahrscheinlich, das Putin sich mit einer gut stehenden Nato anlegt, die konsequent zusammenhält.
Vermutlich müssten wir gar nicht so viel selber Aufrüsten, wesentlich sinnvoller wäre es eventuell, jetzt die USA für ihren Schutz großzügig zu bezahlen. Zumal das Putinproblem sowieso entfällt, wenn die Öl und Gaspreise zügig verfallen. Eigentlich müssen wir in Europa nur maximal 10 Jahre Zeit gewinnen.
Andere Gegner sind derzeit nicht in Sicht, wir wären wieder tatsächlich von Freunden umzingelt. Gute Außenpolitik trägt meistens Früchte. Die Finanzierung von fossilen Autokraten gehört offenbar nicht dazu.