Filmtip Ehre sei den Tieren von Andreas Moser

BLOG: Natur des Glaubens

Evolutionsgeschichte der Religion(en)
Natur des Glaubens

Ich liebe nicht nur prächtig erzähltes Kino und seine oft verborgenen Botschaften, sondern habe auch ein Faible für kleine Qualitätsfilme außerhalb des populären Mainstream. In den letzten Monaten habe ich – nach der regen Resonanz auf die Filmempfehlung für "Das kreative Universum" von Rüdiger Sünner – ein paar Perlen zusammen getragen, die ich gerne vorstellen und empfehlen möchte. Beginnen möchte ich mit "Ehre sei den Tieren. Warum Indianer und Polarvölker die Natur achten" des Schweizer Biologen und Filmemachers Andreas Moser.

Andreas Moser hat im Schweizer Fernsehen mit einem fünfköpfigen Team die Netz Natur-Reihe aufgebaut, die außer beim SF auch auf 3Sat ausgestrahlt wird. Für sein Engagement und Geschick, Naturthemen lebensnah einer breiteren Bevölkerung zugänglich zu machen, erhielt er 2006 die Ehrendoktorwürde der Universität Zürich.

Den gelungenen Film "Ehre sei den Tieren" eröffnet Moser, indem er archäologische Kunstfunde der Steinzeit mit Kunstwerken heutiger Wildbeutervölker vergleicht.

Und dann nimmt er die Zuschauer mit zu einer kleinen, ethnologischen Reise zu den (überlebenden) Glaubenswelten heutiger Jäger und Sammler-Traditionen, etwa sibirischer Schamanen oder Native Americans. Er zeigt damit auf, wie (neben der Ahnenverehrung) vor allem Tiere als Grundlagen für die überempirischen Akteure dienten, die in Mythen erzählt und die als Verhalten und Gebote beobachtend geglaubt wurden. Interessierte an der Evolutionsforschung zu Religiosität und Religionen dürfen sich dabei auf schöne Aha-Momente freuen.

Das Ganze ist angenehm ruhig und mit sorgfältig-eindrucksvollen Bildern erzählt, die reine Textzugänge zu naturreligiösen Vorstellungen gelungen ergänzen. Auch die Tonaufnahmen und Interviews mit indigenen Partnern wahren die gelungene Balance zwischen Neugier und interkulturellem Respekt. Damit bietet der Film mehr als gute Unterhaltung – auch für Menschen, die im entsprechenden Bereich schon etwas informierter sind. Daher freue ich mich schon, im kommenden Seminar "Naturwissenschaft und Religion" an der Friedrich-Schiller-Universität Jena mit den Studierenden auch diesen Film anzuschauen und zu diskutieren – und möchte ihn gerne auch Ihnen ans Herz legen.

  • Veröffentlicht in: Filme

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren als „teilnehmender Beobachter“, um Digitalisierung zu erforschen, Religionswissenschaft leichter zugänglich und niedrigschwelliger diskutierbar zu machen.

3 Kommentare

  1. Kann es sein, dass Sie und Herr Moser hier einem Mythos der ›grünen‹ Umweltbewegung aufgesessen sind: Eine sehr erfolgreiche Variante des »edlen Wilden« ist bekanntlich der »Öko-Wilde«, der im Einklang mit der Natur lebt. Ein klassisches Beispiel hierfür ist der »Öko-Indianer«, der in den Augen von Naturschützern, wie ein Landschaftsgärtner durch die Prärie zieht und nur soviel Büffel tötet wie er unbedingt benötigt. Dieser »Öko-Wilde« ist natürlich ein Trugbild, denn heute weiß man, dass außereuropäische Kulturen nicht weniger schonungs- und respektlos mit der ›Natur‹ umgingen wie die expandierende europäische Zivilisation. Tatsächlich standen nichteuropäischen Kulturen häufig nur geringere technische Mittel zu Naturaneignung zur Verfügung.

    Ihren Studenten empfehle ich begleitend zum Film folgende Lektüre:

    Désveaux, E. (1995): Les Indiens sont-ils par nature respectueux de la nature? – Anthropos, 90, St. Augustin, 435-444

    Krech, S. (1999): The Ecological Indian: Myth and History. – New York

  2. … die Natur achten

    “Ehre sei den Tieren. Warum Indianer und Polarvölker die Natur achten”
    Ist das so?
    Soweit ich weißen haben die “Indianer” durchaus einige Tiere in Nordamerika ausgerottet und die alten Europäer waren hier auch nicht zimperlich.

  3. @Geoman & einer

    Das sehe ich ganz genau so und teile z.B. ausdrücklich die These(n), nach denen Menschen auch als Jäger und Sammler am Aussterben vieler Arten beteiligt waren – mit einer wichtigen Differenzierung: Kulturen “können” m.E. nachhaltiges Bewirtschaften (von Wild, Agrarland usw.) erlernen und durch (auch religiös legitimierte) Regeln befestigen. Deswegen sind viele Positivbeispiele m.E. ebenso glaubwürdig wie Negativbeispiele – die Realität ist bunt. Es gibt eben tatsächlich das Potential zu Beidem. (Und zukünftige Forschung wird ggf. mehr dazu herausfinden können, wann sich welche Potentiale auch im Umgang mit der Ökologie stärker entfalten können. Bisher gibt es dazu allenfalls Vermutungen.)

    Moser behauptet übrigens auch gar nicht, dass alle Naturvölker “in Eintracht” mit der Natur leben würden – sondern er berichtet von spezifischen Traditionen, die Tiere bzw. Tiergeister als überempirische Akteure verehren und daraus Verhaltensregeln ableiten. Sehenswert.

Schreibe einen Kommentar