Eine Blume für Zehra-Kapitel und weitere Hörquellen

Nun also greifen die Covid19-Maßnahmen, die ich für sachlich gerechtfertigt halte, die aber auch unser individuelles und soziales Leben verändern werden. Da es entsprechende Anfragen nicht nur von Medien gab, habe ich religionswissenschaftliche Interviews dazu gegeben und auch meine Twitterpause unterbrochen.

Twitteraccount reaktiviert, Screenshot: Michael Blume

Auch bei uns schließen die Schulen und Kindertageseinrichtungen, auch wir haben drei Kinder und sind beide berufstätig, stimmen Wege miteinander ab. Ganz wichtig aber ist, die kommenden Wochen ruhig und besonnen zu bleiben, Zeiten zum Reflektieren, Lesen und Hören zu nutzen.

So hat “Das Nettz” gegen Hass im Netz eine Reihe von hörenswerten Podcasts und Interviews zusammengestellt.

Tweet vom “Nettz” gegen Hass im Netz. Screenshot: Michael Blume

Und Dank dem Autor Andreas Malessa und bene!-Verlagsleiter Stefan Wiesner darf ich Euch auch ein Geschenk mit persönlichem Bezug machen: Aus Malessas erfolgreichem Buch “Eine Blume für Zehra” über die Geschichte von meiner Frau, dem Sonderkontingent für besonders schutzbedürftige Frauen und Kinder aus dem Nordirak und mir sind bereits vier Kapitel für ein künftiges Hörbuch vom Autor eingelesen worden. Diese vier Kapitel darf ich hier für Euch zum kostenfreien Anhören als mp3-Download einstellen!

Das Startkapitel “Mach es! Jedes Leben zählt” (S. 7 – 11)

Das zweite Kapitel “Zwei Mal mit derselben Geranie” (S. 12 – 20)

Oben zum Reinhören: “Eine Blume für Zehra” von Andreas Malessa, bene! 2019

Das siebte Kapitel “Wie sagen wir’s den Eltern?” (S. 50 – 56)

Und das einundzwanzigste (vorletzte) Kapitel “So oft in dieselbe Hölle” (S. 186 – 198)

Zehra und ich haben übrigens auf jede Einnahmenbeteiligung am Buch und auch kommenden Hörbuch verzichtet und lieber darum gebeten, den Frauenrechtsverein Hawar.help um die deutsche Ezidin Düzen Tekkal zu unterstützen. Und auch für das Bloggen hier auf den scilogs von Spektrum der Wissenschaft, das Twittern usw. nahm und nehme ich kein Geld.

Man bekommt ja auch viel zurück – wie dieses creepy Video einer “Coronavirus-Sieges-Segnung” durch den US-Fernsehprediger Kenneth Copeland von der dunklen Seite der Macht… 😉

Wenn es Themen mit religionswissenschaftlichen Bezügen gibt, die Sie und Euch in den kommenden Wochen interessieren würden, so bin ich für Hinweise dazu unten in den Kommentaren dankbar. Lasst uns gemeinsam und reflektiert ein Stück durch diese außerordentlichen Zeiten gehen. 

Michael Blume

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Zuletzt erschienen "Islam in der Krise" (2017) und "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019). Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt... Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

34 Kommentare

  1. Heute ist ein sehr trauriger Tag.

    Der selbe Herr Blume, der so stichhaltig begründen kann warum die Geschäftsmodelle von FB, Google, Twitter in bisher ungekannter Weise alte und neue Verschwörungsmythen befeuern und Angst, Hass und Gewalt in großen Bevölerungskreisen verstärken und mühsam erkämpfte demokratische Errungenschaften zunichte machen, beteiligt sich wieder aktiv bei diesen Unternehmen.

    Und dabei konnte man fast die Hoffnung haben, dass in BaWü langsam ein paar Leute aufwachen.

    https://mastodon.social/@RegierungBW
    https://herrthees.de/2020/02/04/eine-alternative-bieten-baden-wuerttemberg-bei-mastodon/
    https://www.datenschutzbeauftragter-info.de/lfdi-baden-wuerttemberg-abschied-von-twitter/
    https://social.tchncs.de/@kuketzblog/103576629486933569

    • Ja, @Schall und Rauch – über die Einrichtung eines Mastodon-Accounts berate ich mich gerade, unter anderem ob privat oder beruflich.

      Facebook und Instagram meide ich weiterhin. Der dringenden Bitte, gerade jetzt gegen Verschwörungsmythen aufzuklären, stelle ich mich auf Twitter. Auch wenn es wieder Zeit und Nerven kostet. Aber da steht m.E. gerade Verantwortungs- gegen Gesinnungsethik.

      • Ich kann dazu nichts sagen, nur als Aussenstehender, weil ich bei Twitter keinen eigenen Account habe.

        Aber bei Twitter werde ich nicht auf Verschwörungstheorien und -mythen gelenkt, oder zu Nazi-Zeugs. Da habe ich bei YouTube ganz andere Erfahrungen mit gemacht, und finde die auch immer wieder in Berichten bestätigt. Da scheinen die Algorithmen tatsächlich gezielt zu Schwurblervideos zu führen, auf daß man dorten kleben bleibe.

        OpenSource ist natürlich immer die beste Lösung … hm, nicht für Herrn Blume. Die sperren und blocken für seinen Geschmack wohl zu wenig. Aber das Problem ist ja immer, daß das erst eine kritische Masse erreichen muß, bis es spannend wird. Sich auf GnuSocial herumtreiben macht nur Spaß, wenn man Interesse an Computern hat.

        • Ja, @Alubehüteter – auch nach meinem Eindruck laufen die meisten Fake-News und Verschwörungsmythen inzwischen über WhatsApp & Co. Über Blog und -zähneknirschend – Twitter gilt es dagegen aufzuklären, obwohl Letzteres noch ein übles Troll-Problem hat.

          • Aktuelles Beispiel. Auf Twitter trendet gerade #Ibuprofen. Massenweise erste Treffer mit Warnungen vor einer Falschmeldung. Sehr schnell findet man auch einen Bericht, was genau da vermeldet wird und wie, aber gut distanziert. Und eine mutmaßliche Quelle.

            Ich finde, da kann man nicht meckern. Twitter agiert da o.k. Da muß niemand ein schlechtes Gewissen haben, auf einem solchen Kanal mitzuwirken an der Aufklärung. 🙂 🤗

          • Zustimmung, @Alubehüteter. Auch das Verbot politischer Werbung war m.E. ein guter Schritt. Aber die Probleme von Trollhorden, Bots und gezielt radikalisierenden Stimmen, die sich via Twitter der Öffentlichkeit aufdrängen, sehe ich schon auch noch bei Twitter. Es ist besser als Facebook, aber beileibe noch nicht wirklich gut. Wobei wir m.E. inzwischen eher noch größere Probleme über YouTube und die nichtöffentlichen, digitalen Medienkanäle wie WhatsApp haben.

          • WhatsApp ist Ende-zu-Ende-verschlüsselt, dank den Gülen-Leuten (#bylock). Insofern nehmen Facebook-Algorithmen keinen Einfluß auf die Inhalte.

            Daß Medien natürlich von Superkatastrophen profitieren, das ist trivial. Nach dem 11. September waren die Kioske mittags schon leergefegt. Die taz hätte ohne Tschernobyl nicht überlebt (die waren damals schon im Internet und holten sich von den Universitäten die aktuellen Radioaktivitätswerte, als einzige Zeitung). Die Frage ist, wie sie es tun. Und wenn Twitter das aufklärend macht, ist dagegen nichts zu sagen.

          • Tatsächlich wird WhatsApp nicht durch Algorithmen, sondern durch Fake- und Angst-Memes „gehackt“, @Alubehüteter.

            (Und leider hat noch kaum jemand registriert, dass ich den Begriff „Memes“ sogar in eine Regierungs-PM gebracht habe.)

        • Twitter wirkt genau wie alle anderen Plattformen, deren Produkt Nutzeraufmerksamkeit ist und die deshalb ständig darauf hinarbeiten die Nutzeraufmerksamkeit zu maximieren. Und da man die Aufmerksamkeit von Menschen nun mal am einfachsten mit Gefahr, Hass und Gewalt bekommt, provoziert Twitter genau wie alle anderen Plattformen Unmengen davon.

          Ist es etwa nicht Twitter, das Typen wie Trump, Bolsonaro, Orban geradzu erschafft. Was bringt den Herrn Blume zu Twitter zurück? Ein glückliches Ereignis für die Menschheit? Nein, Gefahr! Eine Verschwörungsgeschichte gefällig: Jack Dorsey hat den Coronavirus in Auftrag gegeben, weil dadurch die Aufmerksamkeit für Twitter nie gekannte Spitzenwerte erreicht und er damit den Aktienkurs steigern kann, um sich besser gegen feindliche Übernahmen wehren zu können.

          Was ich bei Twitter besonders fatal finde, ist die Abhängigkeit der Presse von Twitter. Gefühlt jeder zweite Artikel von tagesschau.de verlinkt auf Twitter.

          Gegenrede bei Twitter verstärkt die Probleme nur noch.

          Blogbeiträge wie diese und ggf. ein Hinweis bei Mastodon auf den Blogbeitrag sind wirksame Gegenmittel, denn sie erlauben es der Presse auf diese Beiträge zu verlinken, ohne die Aufmerksamkeit für Twitter zu vergrößern.

          • Im Grundsatz teile ich große Teile Ihrer Kritik, @Schall und Rauch. Ich halte das Geschäftsmodell werbefinanzierter (a)sozialer Medien für hochproblematisch und habe daher bereits letztes Jahr Konsequenzen gezogen, vgl.
            https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/warum-ich-facebook-und-instagram-verlasse-gedanken-zur-medienethik/

            Allerdings bin ich umgekehrt auch nicht bereit, Medienanbieter wie den von Ihnen adressierten Jack Dorsey als Biowaffen-Weltverschwörer anzuprangern. Wir sollten auf bessere, auch digitale Medien hinarbeiten – aber bis dahin mit den Menschen dort kommunizieren, wo wir sie auch erreichen. Ich bin hart für den Rpckzug v.a. aus Facebook kritisiert worden, bleibe jedoch dabei. Auch Twitter finde ich problematisch, aber bei Weitem nicht so schlimm. Die Welt ist m.E. nicht einfach Schwarz oder Weiß, sondern voller Farben und auch Graustufen.

    • @ Schall und Rauch
      14.03.2020, 10:18 Uhr

      Und dabei konnte man fast die Hoffnung haben, dass in BaWü langsam ein paar Leute aufwachen.

      Danke für die Links, übrigens 🙂

      Länder wie China und Rußland sind sehr, sehr viel weiter im Bestreben, sich von den Abhängigkeiten von amerikanischen Unternehmen zu lösen (gut, China schafft dafür eigene). Unfaßbar, wie auch nur diskutiert werden kann, Windows 10 weiterhin in Behörden einzusetzen. Windows 7 war das letzte diskutable.

      • Persönliche Notiz am Rande:

        Länder wie China und Rußland sind sehr, sehr viel weiter im Bestreben, sich von den Abhängigkeiten von amerikanischen Unternehmen zu lösen (gut, China schafft dafür eigene).

        Da ich seit meinem Weggang von Mac OS X mit Linux eigentlich immer recht unglücklich gewesen bin, hatte ich entsprechend mal geguckt, was die Russen und Chinesen da so machen. Die machen Linux schließlich nicht, wie in westlichen Breitengraden, nur für Tüftler und Bastler; die rollen das wirklich großflächig aus anstelle von Windows. Und so war ich schließlich vollauf begeistert von einem kommerziellen, nichtstaatlichen Deepin GNU/Linux, das gerade auch auf den westlichen Markt drängt und weithin gefeiert wird als ein neuer Stern am Linux-Distributionshimmel. Und dachte, ein neues Zuhause gefunden zu haben für meinen KDE-Desktop.

        Nur basiert das aktuelle Deepin noch auf einem 5 Jahre alten, inzwischen völlig veraltetem Debian. Wo entsprechend auch nur veraltete Programme drauf laufen. Praktischerweise stricken die aber gerade jetzt an einem brandaktuellen. Erscheinungsdatum war angekündigt für den 20. Januar. War nichts. Vielleicht Mitte März, mal schauen. Die Firma steckt gerade in Schwierigkeiten.

        Sie heißt Wuhan Deepin Technology Co., Ltd. … 🙁 😥

          • 😀 Wen das browserballett ärgerte, den ärgerte auch Jan Böhmermanns Schmähgedicht, #Umweltsau, #1%Reiche_erschiessen 😂

            Ich hatte irgendwo behauptet, Sie seien in Wahrheit doch nur ein in einen schwarzen Prinzen verzauberter grüner Frosch, oder so ähnlich, mit Ihrem Öko-Auto, Ihrem Multikulturalismus, Ihrem Veganismus …

            Ziehe ich (leider) hiermit feierlich zurück. Humor ist anscheinend, wie Musikalität, wie Religiosität, ein Talent, das man hat, oder auch nicht hat. Und eigenartigerweise Linken zugeeignet scheint. Ich habe über dieses Ding nur lachen können, das in meinen sozialen Medien entsprechend kommuniziert. Ganz offensichtlich wollen die browserballet-Leute die Rechten triggern, die schon #Umweltsau auf Twitter hochgetrendet hatten; in zweiter Linie, und mit Recht, gegen Tom Burow ballern, den ich allmählich auch als nicht mehr tragbar empfinde. Ich finde abstrus, das Ding auch nur einen Moment ernstzunehmen.

            Nebenbei ist Schlecky Silberstein auch einer, der massivst für seine Satiren von Rechten bedroht wird. Gut, das zwingt niemanden, alles gut zu finden, was der macht.

          • Ja, @Alubehüteter – ich bin tatsächlich der Auffassung, dass es gute und schlechte Satire gibt. Und dass auch Satire kein Freibrief sein kann, um Menschenverachtung zu verbreiten. Oder finden Sie ernsthaft auch z.B. alle Memes von „Pepe the Frog“ fein?

            Satiriker tragen m.E. ebenso Verantwortung für das Miteinander wie alle anderen Medienproduzenten.

          • Und wieder ist es Twitter, das Kapital daraus schlägt indem es diesen Inhalt dazu benutzt, Menschen gegeneinander aufzubringen. Jeder Shitstorm ist da ein Grund zum Feiern. Und offensichtlich hat Sie das Twitter-Virus wieder voll in seinen Bann gezogen, indem Sie es für notwendig erachten, auch hier diesen Unsinn zu verlinken.

          • Eigentlich hatte ich auf einen Artikel der WELT verlinkt, nicht auf Twitter…

            Und derzeit trendet auf meinem Twitter-Feed ein Clip über den hessischen Geschichtslehrer Björn Häcke (AfD, Flügel), in dem er unter dem Jubel seiner Anhänger darüber schwadroniert, Gegner sollten man „ausschwitzen“. Das verändert beispielsweise die Diskussion um die Beobachtung durch den Verfassungsschutz.

            Wo ich bei Ihnen bin: Digitale Medien emotionalisieren und verändern die Debatten. Ich fürchte jedoch, die Welt wird sich ebensowenig nach unseren Wünschen richten, wie sich der Buchdruck oder die elektronischen Medien aufhalten ließen…

          • Warum sollte sich auch irgendwer zurückhalten, voll auf die Mechanismen von Twitter, Google und Facebook zu setzen und genau solche Dinge zu produzieren, die dort am besten funktionieren?

            Ohne diese Unternehmen würden solche Inhalte kaum nennenswert viele Leute erreichen und würden deshalb auch nicht in der Menge produziert werden.

          • Klar, auch die Nationalsozialisten verwendeten exzessiv die Medien von Radio und Film, um ihre Propaganda zu verbreiten. Nun frage ich Sie ganz ernsthaft, @Schall und Rauch: War es also falsch von Charlie Chaplin, auch Anti-NS-Filme zu produzieren? Und dürfen wir heute Radio hören, wo wir doch um die Gefahren wissen? 🧐

          • Bernd. Der Mann heißt …

            Jedenfalls meint er das Ernst. (Ging übrigens um die Flügel-Gegner innerhalb der AfD.) Das Bohemian Browser Ballet offensichtlich nicht. Niemand wird von Silberstein aufgehetzt, sieht sich darin bestätigt, Alte oder Dicke zu verachten. Man muß das nicht witzig finden (wie ich), aber sich darüber aufregen … Finde ich wiederum witzig, die Neurechten zu trollen, die prompt wie vorhersehbar auf den einschlägigen Blogs empört sind. Deswegen irritiert mich, das auch hier zu finden, aber sei’s drum.

          • Bedenken Sie, dass sich gerade auch „die Neurechten“ im Zustand der Selbstviktimisierung befinden, @Alubehüteter. Wer sich über Höckes „Ausschwitzen“ empört, aber das „Erschießen“ auf dem Linke-Strategiekongress verharmlost; wer „Pepe the Frog“-Meme anprangert, aber „Satire“ über das vermeintlich „gerechte“ Coronavirus lustig findet, bestätigt die neurechten Wahrnehmungen.

            Ich finde ja, dass Linke durch Arroganz immer wieder sehr viele Menschen verprellt haben. Viele Menschen spüren sehr genau, ob man auch ihre Gefühlswelt wahrnimmt oder ideologisiert auf sie herabschaut.

          • Twitter, Facebook, Google sind keine Medien. Sie verwenden Medien für Ihr Geschäftmodell.

            Haben Sie sich schon mal gefragt, nach welchen Regeln Twitter die Trends für ihren Account erzeugt?
            Nach deren Algorithem wundert es wenig, wenn bei Ihnen Inhalte von Herrn Höcke “trenden”, weil die KI relativ schnell bemerkt, dass solche Inhalte viel ihrer Aufmerksamkeit bekommen. Und Dank ihrer Teilnahme gelingt es Herrn Höcke überhaupt dieses Maß an Aufmerksamkeit zu erreichen.

            Es geht also nicht um die Medien oder die konkreten Inhalte, sondern es geht darum, dass wir darüber nachdenken müssen, welche Arten von Medienverteilung wir dulden können.

            Würden wir ein Kino dulden, dass die natinalsozialistische Wochenschau oder Jud Süß im Programm hat?

            Bei Twitter, FB, Google ist so etwas unter anderem auch wieder im Programm und wird von deren KI so ausgespielt, dass sich ein Maximum an Nutzeraufmerksamkeit ergibt.

          • Tatsächlich sehe ich Google, Twitter, Facebook als Medienanbieter, @Schall und Rauch. So entscheiden ihre Algorithmen ja auch, was Userinnen und User zu sehen bekommen.

            Und selbstverständlich versuchen gerade auch extreme Bewegungen (auch) diese Medien zu hijacken. Aber weder die Linke noch die AfD haben sich die Aufmerksamkeit für die letzten Entgleisungen gewünscht.

            Die Kritik an werbefinanzierten Geschäftsmodellen, emotionalisierenden Algorithmen etc. teilen wir. Nur sind Sie meiner einfachen Frage ausgewichen: Hätte z.B. Charlie Chaplin völlig auf Radio und Film verzichten sollen, weil diese Medien von den Nazis missbraucht wurden? Oder braucht es auch heute eine gemischte Abwehrstrategie?

            Ich meine ganz klar: Letzteres.

          • @ Michael Blume
            15.03.2020, 17:19 Uhr

            Wer sich über Höckes „Ausschwitzen“ empört, aber das „Erschießen“ auf dem Linke-Strategiekongress verharmlost; wer „Pepe the Frog“-Meme anprangert, aber „Satire“ über das vermeintlich „gerechte“ Coronavirus lustig findet, bestätigt die neurechten Wahrnehmungen.

            O.k., da ist was dran. Allerdings glaube ich, daß die Neue Rechte genau so wenig reale linke Entgleisungen braucht, wie der Antisemitismus Juden.

          • Das sehe ich auch so, @Alubehüteter. Die Frage ist jedoch m.E. weniger, ob Demokratinnen und Demokraten eingefleischte Antisemiten noch erreichen; sondern ob wir vor allem verhindern, dass weitere Menschen auf der Kippe dorthin abrutschen. Und um gegen diese Art von Propaganda zu wirken braucht es eben auch emotionale Intelligenz statt Herablassung und Doppelmoral. Das können Menschen spüren, auch digital.

            Ein absolut positives Beispiel bieten derzeit die Digitalkonzerte des mutigen @igorpianist, die Hunderttausende erreichen und nebenbei den Antisemitismus von Höcke & Co. durch Musik 🎶 entlarven.

          • Es geht hier nicht um die Frage, ob jemand einen Anti-NS-Film machen sollte weil es NS-Progaganda-Filme gibt. Genau so wenig wie um die Frage ob jemand einen Blogbeitrag gegen Verschwörungsmythen schreiben sollte, weil es anderswo Blogbeiträge mit Verschwörungsmythen gibt.

            Ich denke, wir reden hier im übertragenen Sinn über eine besondere Art von Kinos. Diese Kinos zeigen ohne jede öffentliche Kontrollmöglichkeit jedem einzelnen Besucher Filme nach eigener Auswahl. Und das sieht dann so aus, dass der überzeugte Nationalsozialist die Chaplin-Film zu sehen bekommt und voller Wut aus dem Kino geht und das nächste jüdische Geschäft anzündet und Lieschen Müller bekommt die Verschwörung über den großen Bevölkerungsaustausch zu sehen und klatscht Beifall, wenn sie das Geschäft brennen sieht.

            Und dann fragen wir Herrn Chaplin, warum er ausgerechnet diesen Kinos seine Filme anbietet und er antwortet: Weil da so viele hingehen.

          • Nun, @Schall und Rauch – gerade hat mich ein AfD-Funktionär dringend „gebeten“, doch mit dem Twittern wieder aufzuhören. Ein schöneres Lob für die offensichtlich beobachtete und befürchtete Wirksamkeit kann ich mir eigentlich nicht vorstellen! 🤣

            Aber von Facebook und Instagram bleibe ich fern, bespreche mit meinem Team die Einrichtung eines Mastodon-Profils und bleibe kritisch.

            Ihnen Dank für die engagierte und dennoch konstruktive Diskussion! ✊📚✅

      • @ Schall und Rauch
        15.03.2020, 13:21 Uhr

        Haben Sie sich schon mal gefragt, nach welchen Regeln Twitter die Trends für ihren Account erzeugt?
        Nach deren Algorithem wundert es wenig, wenn bei Ihnen Inhalte von Herrn Höcke “trenden”, weil die KI relativ schnell bemerkt, dass solche Inhalte viel ihrer Aufmerksamkeit bekommen. Und Dank ihrer Teilnahme gelingt es Herrn Höcke überhaupt dieses Maß an Aufmerksamkeit zu erreichen.

        Bei Twitter, FB, Google ist so etwas unter anderem auch wieder im Programm und wird von deren KI so ausgespielt, dass sich ein Maximum an Nutzeraufmerksamkeit ergibt.

        Nach meiner Erfahrung ist das – ohne Account, mit verschiedenen Browsern – bei Twitter eben gerade nicht der Fall.

        • Twitter zeigt den Usern die Beiträge der User, denen sie folgen und es zeigt jedem User Beiträge, die nach der Meinung der Twitter-KI gerade “trenden”.

          Die Formulierung von Herrn Blume “in meinem Kanal trendet gerade…” wird nicht ganz zfällig sein.

          Und da Twitter ziemlich freizügig mit den erfassten persönlichen Daten umgeht und sein Produkt Aufmerksamkeit ist, muss man wohl nicht lange überlegen, wie die Trends erzeugt werden.

          Ich habe selbst ebenfalls keine eigenen Twitter-Erfahrungen aber nach meinen Erfahrungen mit Mastodon möchte ich bezweifeln, dass Twitter-User tatsächlich alle Beiträge der Leute, denen sie folgen, sehen. Das würde nämlich sehr schnell dazu führen, dass der eigene Kanal überquellen würde, wenn man nicht dauernd Leute entfolgen würde. Von daher gehe ich stark davon aus, dass die sich die Twitter-KI auch in die Beiträge der Leute, denen man folgt, einmischt.

          • Ich habe mir #Ibuprofen jetzt mal mit einem jungfräulichen Browser angesehen, der noch keine Twitter-Cookies hat; da kennt mich Twitter also nicht. Sieht ziemlich identisch aus wie auf dem von mir trainierten Standart-Browser (natürlich anders als heute mittag). Klar setzt auch Twitter KI ein. Die ist aber nicht so bösartig trainiert wie die von YouTube.

          • Ohne eigenen Twitter-Account und wenn sie nicht die Twitter-App auf dem Smartphone verwenden, hat die Twitter-KI wahrscheinlich nur die grobe Geolocation an Hand ihrer IP und kann entsprechend wenig sinnvoll auf die angezeigten Inhalte einwirken. Ich würde daraus nicht schließen, dass die Twitter-KI wesentlich anders agiert als die der Mitbewerber um die Nutzeraufmerksamkeit.

  2. Ich würde mich sehr über eine eingehende Analyse zum Ursprung der “great replacement”-Theorien freuen. Jeder spricht von R. Camus und den von ihm zitierten Quellen, aber sie finden sich bereits im NS-Schrifttum, und auch die Präsenz im arabischen Raum ist sicher älter. Leider konnte ich dazu noch keine solide Studie finden. Dabei wäre das so wichtig…

    • Vielen Dank für das Interesse, @Benjie. Der Verschwörungsmythos mit dem Hereinholen fremder Feinde findet sich schon im antiken Exodus-Text, 2. Mose 1, 8 – 10: „Da kam ein neuer König auf in Ägypten, der wusste nichts von Josef und sprach zu seinem Volk: Siehe, das Volk der Israeliten ist mehr und stärker als wir. Wohlan, wir wollen sie mit List niederhalten, dass sie nicht noch mehr werden. Denn wenn ein Krieg ausbräche, könnten sie sich auch zu unsern Feinden schlagen und gegen uns kämpfen und aus dem Land hinaufziehen.“ (Man beachte auch das Problem mit Geschichte – Josef -, wie es auch heute noch alle AntisemitInnen haben.)

      Sozialpsychologisch scheint mir schlüssig zu sein, dass die gemeinschaftliche, kinderreiche und auch überregionale Selbstorganisation der frühen, jüdischen Gemeinden um heilige Alphabetschriften gerade auch nach Tempelzerstörung und Deportation aus der Umgebung leider auch mit Unverständnis, Neid und dann auch Verschwörungsvorwürfen beantwortet wurde. Aus diesem frühen Antijudaismus entwickelte sich in Jahrtausenden der heutige, überaus gefährliche Antisemitismus.

    • Das ist, wie Sie sich denken können, eine sehr aufwendige Arbeit. Bei Blume findet sich viel dazu, aber eben nicht konzentriert. Sollte jemand machen, ja.

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