Ein zweites Buch-Leben: Öl- und Glaubenskriege neu im JMB-Verlag

Nachdem sich die Ressourcenfluch- und Rentierstaats-Prognosen mit der Tyrannei des Iran und der russischen Invasion gegen die Ukraine drastisch erfüllten, habe ich das längst vergriffene sciebook von 2015 kostenfrei online gestellt. Bald gingen jedoch Papierausgaben für über 100 Euro auf Online-Plattformen umher, eines meiner letzten Exemplare übersandte ich der Politik-Podcasterin Jenny Günther. Ich hätte ehrlich nicht erwartet, dass ein politikwissenschaftliches Buch zu Gefahren von Erdöl- und Erdgasreichtum in nur sieben Jahren zum Sammlerexemplar werden kann!

Nun habe ich dem JMB-Verlag gestattet, eine neue Papierausgabe von “Öl- und Glaubenskriege” zum Preis von 15 Euro heraus zu bringen. Das Online-pdf bleibt auch online. Und auf ein Honorar habe ich ausdrücklich verzichtet, sondern erbat stattdessen eine Spende von einem Euro pro Buch an den aufklärenden Hoaxilla-Podcast. Die Hoaxmistress Alexa Waschkau und der Hoaxmaster Alexander haben dazu auch ein Vorwort beigesteuert.

Und wer bis zum 30.09. sein Exemplar bestellt, bekommt es auch von mir handsigniert!

 Die Neuausgabe von “Öl- und Glaubenskriege” erscheint im JMB-Verlag Mitte Oktober 2022 mit Hoaxilla-Vorwort & neuem Vorwort von mir. Cover: JMB-Verlag

Bei aller Freude über das Interesse am Buch habe ich in einem eigenen, neuen Vorwort auch den Schmerz deutlich gemacht: Die Rentierstaatstheorie entwickelte sich seit den 1970er Jahren, verband sich mit der volkswirtschaftlichen Ressourcenfluch-Theorie und galt schon zu meiner Studienzeit am (großartigen) Institut für Politikwissenschaft (IfP) Tübingen als “ausgeforscht”. Doch zu meinem Erstaunen war ihr “der Sprung” in die Öffentlichkeit und den Politikbetrieb fast überhaupt nicht gelungen – kaum jemand in den Parteien und Ministerien hatte jemals davon gehört!

Nachdem ich als Leiter eines humanitären Sonderkontingentes im Irak nicht nur sah, sondern auch erlebte, wie zutreffend die Theorie ist, bemühte ich mich in “Öl- und Glaubenskriege” (zunächst nur als eBook) und auch im klassischen “Islam in der Krise” (Patmos 2017) (auch als Hörbuch) Öffentlichkeit und Politik darüber zu informieren. Zu jedem der Bücher hielt ich Lesungen und Vorträge, nahm an Podiumsdiskussionen teil und gab Radiointerviews. Hinzu kamen Blogposts, Artikel und sogar eine Audioblog-Folge via YouTube – vor 6 Jahren!

Doch als Fazit nach all den Jahren in der Wissenschaftskommunikation muss ich sagen, dass ich zwar viele Einzelpersonen und Familien, aber kaum Politik und große Medien erreichen konnte. Auch zur Invasion gegen die Ukraine wurde aus der Politikwissenschaftler v.a. Prof. Johannes Varwick (Halle-Wittenberg) durch die Medien gereicht, der nach meiner Auffassung mit sehr schwachen, wissenschaftlichen Argumenten behauptete, die Ukraine sei gegen Putin “eh verloren”. Dagegen hatte ich schon im März 22 bei Chrismon mit Berufung auf die Rentierstaatstheorie prognostiziert, dass die russische Armee zerfallen und Putins Angriffskrieg scheitern werde. Mediale Resonanz: Null.

Selbstverständlich frage ich mich auch selbst, wo ich kommunikativ hätte besser sein können, ob zum Beispiel die deutsche Übersetzung von “Rentier State” zu viele Menschen vom Inhalt ablenkt. Oder “wollten” Politik, Wirtschaft, Medien und Gesellschaft eben lieber das einträgliche “Wandel durch Handel” verstärken, als sich den politischen und auch religiös-fundamentalistischen Nebenwirkungen des fossilen Ressourcenfluches zu stellen?

Was meinen Sie?

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren als „teilnehmender Beobachter“, um Digitalisierung zu erforschen, Religionswissenschaft leichter zugänglich und niedrigschwelliger diskutierbar zu machen.

14 Kommentare

  1. @Hauptartikel

    „Oder “wollten” Politik, Wirtschaft, Medien und Gesellschaft eben lieber das einträgliche “Wandel durch Handel” verstärken, als sich den politischen und auch religiös-fundamentalistischen Nebenwirkungen des fossilen Ressourcenfluches zu stellen?“

    Ja aber den Handel brauchen wir doch auch. Noch ist die Energiewende nicht geschafft, entsprechend brauchen wir Öl und noch dringender Gas, dass eben nicht beliebig per Schiff transportierbar ist. Und was sollen wir machen, egal wo wir Gas und Öl einkaufen, fast immer steckt eine Autokratie dahinter. Eben weil der Ressourcenfluch eben wirkt.

    Ok, den Wandel bekommen wir mit dem Handel eben nicht, dass bleibt es zu bedenken.

    Was machen wir nun mit Putin? Es ist ja nun schon mal Gold wert, dass Putin anscheinend militärisch noch nicht mal mit der von uns mit Waffen belieferten Ukraine fertig wird. Entsprechend scheint die Freiheit Europas nun wirklich nicht bedroht zu sein. Zumindest nicht jenseits von Atomwaffen.

    Ich weiß nicht, ob es überhaupt von Putin her möglich ist, aber ich finde, wir könnten bald über die gegenseitigen Sanktionen verhandeln, wenn sich hier abzeichnet, dass der russische Vormarsch in der Ukraine wirklich am Ende ist.

    Wenn sich hier nur die Weltmarktpreise erhöhen, ohne dass das was an der Situation in der Ukraine ändert, dann profitieren doch nur die anderen Rentierstaaten, und entsprechend des Volumens des Umsatzes verstärkt sich doch das Problem. Das CO2, dass bei den fossilen Energieträgern herauskommt, verursacht zwar das Klimaproblem, das politische Problem wird aber durch das eingenommene Geld verursacht. Entsprechend nimmt das doch zu, wenn hier die Weltmarktpreise sanktionsbedingt steigen.

    Die Energiewende, die ist wichtig, denn nur die kann das Problem wirklich lösen. Niedrige Weltmarktpreise sind hier sogar hilfreich, dann kann man hohe CO2-Steuern auf die vorläufig noch benötigten fossilen Energieträger erheben und mit dem Geld den Zubau von erneuerbaren Energien fördern. Bei den aktuellen Preisen geht das eben gar nicht mehr, im Gegenteil, hier sucht man verzweifelt nach Lösungen, wie die Verbraucher noch irgendwie klar kommen können.

    • @Tobias Jeckenburger (Zitat):“Ja aber den Handel brauchen wir doch auch. „

      Genau darum liefert Putin ja kein Gas mehr: weil Deutschland und Europa darauf angewiesen sind. In ihrem Kommentar erwecken sie den Eindruck Deutschland und Europa seien (mit-) verantwortlich für den Lieferstopp und es wäre in aller Interesse Konzessionen zu machen und zur „Normalität“ zurückzukehren.
      Normale Beziehungen kann es in meinen Augen aber mit einem Russland, das ein anderes, benachbartes Land auslöschen will, nicht geben. Nur schon darum nicht, weil ja viele osteuropäische Länder inzwischen Teil der EU sind und Russlands Angriff auf die Ukraine auch diese Staaten und damit auch die EU bedroht. Zur Normalität zurückkehren kann man nur wenn Putin weg ist und Russland seinen Anspruch auf Territorien in Osteuropa aufgibt.

      Dass ost- und nordeuropäische Länder sich durch Russland bedroht fühlen lässt sich nicht nur am Nato-Beitritt Finnlands und Schweden feststellen, sondern auch an der Erhöhung der Verteidigungsausgaben in mehreren osteuropäischen Ländern. So liest man in der Wikipedia: „Im Oktober 2021 erklärte die polnische Regierung, sie wolle aufgrund der kritischen internationalen Lage und der geographischen Lage Polens nahe an Russland die Streitkräfte von 110.000 Berufssoldaten auf 250.000 aufstocken.„ Das war noch vor dem Ukraine-Krieg. Der Ukraine-Krieg ist nun aber eine nachträgliche Bestätigung, dass die Einschätzung Polens betreffend der Gefährdung durch Russland korrekt war und ist. Auch die baltischen Staaten rüsten auf. Insgesamt stiegen die Verteidigungsausgaben der Nato-Staaten seit 2020 um 5.8 Prozent.

      Fazit: Wenn russisches Öl und Erdgas den Ukrainekrieg ermöglicht haben oder mindestens wahrscheinlicher gemacht haben, dann hat russisches Erdöl und Erdgas letztlich die Welt unsicherer gemacht und zu Ausgaben für Waffen geführt, von denen man vor kurzem in Teilen von Europa noch dachte, dass es sie nicht mehr brauche.

      • Sicherlich liefert Russland insbes. für die BRD unzureichend fossile Ressourcen, weil ähnlich auf “westlicher” Seite so beschlossen worden ist, sog. Sanktionen meinend, die womöglich nicht von einem länger wierigen Krieg in der Ukraine ausgegangen sind, den Angaben, dass eine sog. Spezialoperation vorliegt, nicht gefolgt sind.
        Die Resultate sind dann nicht alle befriedigend, Überraschung muss nicht entstehen. [1]

        Es liegt idT ein sogenannter Ressourcen-Krieg vor, dies war fein erkannt, auch vom hiesigen werten Inhaltegeber.

        Slawische Länder, auch Ungarn und andere Länder auf dem Balkan, folgen derartiger Einschätzung nicht immer – ‘Wenn russisches Öl und Erdgas den Ukrainekrieg ermöglicht haben oder mindestens wahrscheinlicher gemacht haben, dann hat russisches Erdöl und Erdgas letztlich die Welt unsicherer gemacht und zu Ausgaben für Waffen geführt, von denen man vor kurzem in Teilen von Europa noch dachte, dass es sie nicht mehr brauche.’ – Ungarn, Bulgarien, Serbien und so sehen sich nicht bedroht.
        Sicherlich wäre es klug, auch bundesdeutsch, gewesen beizeiten einen “Energie-Mix” sozusagen anzustreben, zwischen fossilen Energieträgern, als sog. Grundlast, und sog. erneuerbaren Energien.

        Mit freundlichen Grüßen
        Dr. Webbaer

        [1]
        ‘In ihrem Kommentar erwecken sie den Eindruck Deutschland und Europa seien (mit-) verantwortlich für den Lieferstopp und es wäre in aller Interesse Konzessionen zu machen und zur „Normalität“ zurückzukehren.’ – Sportsfreund “Holzherr”, die doppelten umgebenden Anführungszeichen nur deshalb, weil ein als solches unerkennbares Pseudonym, anders als von “Dr. Webbaer”, verwendet wird)

  2. Rentenökonomie ginge ebenfalls, zudem sind Sie kein Ökonom und wie die bekannte Online-Enzyklopädie aus diesseitiger Sicht korrekt einschätzt – ‘Zu den Aufwendungen im Rahmen von Rent-Seeking-Prozessen gehören: Geld, Zeit, Informationsbeschaffung, Kontaktanbahnung, Interessenorganisation, Konkurrenzbehinderungen, legale und illegale Mittel zur Beeinflussung (institutionalisierter) Entscheidungen (z. B. Lobbyismus, Korruption).’ – gibt es hier auch die Begriffe oder Konzepte ‘Dienstleistungsgesellschaft’ und ‘Wissensgesellschaft’, denen Sie sich so zumindest indirekt unfreundlich gegenüber aufgestellt haben, lieber Herr Dr. Michael Blume.

    Dr. Webbaer hat sich notiert, dass Sie als Erster nach dem Beginn des Ukraine-Krieges auf die sich anbahnende Ressourcenknappheit hingewiesen haben, als Erster aus diesseitiger Sicht, so vom Schreiber dieser Zeilen bemerkt – und Sie lagen richtig, was sich nicht nur die von Ihnen so frühzeitig gemeinten Getreideprodukte bezieht.

    Ihre öffentliche Theorienbewerbung bleibt aber ein “heißes Eisen”, denn Wissen und Entwicklung von Idee sind ja ebenfalls Aufgabe sog. Rentier-Staaten, die ein wenig böse formuliert teils auch andere arbeiten, wie gemeint produktiv werden lassen.

    Die Getreideproduktion wäre aus Ihrer Sicht, trotz der stark maschinellen Produktion mittlerweile, nicht strikt “Rentier”, korrekt?

    Hier – ‘Deshalb sind Rentierstaaten sehr schlecht darin, Kriege zu führen. Die Ukrainer kämpfen dagegen aus eigener Überzeugung für ihre Heimat und Freiheit. Viele Russinnen und Russen, die Putin bislang unterstützt haben, wollen keinen Krieg.’ [chrismon] – geht Dr. W nicht ganz mit.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer (der weiterhin streng für die Verhandlungslösung wirbt)

  3. Öl ist das Blut der Welt. Bis wir alternative Blutkreisläufe haben, sind wir alle Vampire, genau wie jede Zelle in Ihrem Körper.

    Schauen Sie sich Söder an – als die Bayern-Nationalisten in der Regierung waren, zockten sie den Rest der Republik gnadenlos ab. Kaum sind sie in der Opposition, mault er, wie sehr die Regierung die Länder unterdrückt, fordert ein Deutschland der Nationen und Reparationszahlungen, morgen setzt er die Verfassung aus und ruft den Gottesstaat aus. Der Mensch ist das einzige Tier, das erkennen kann, das es ein Tier und kein Mensch ist, doch nur das unterscheidet ihn von der Ratte. Wir sind skrupellose Opportunisten, denn nur solche überleben in einer Welt skrupelloser Opportunisten. Was wir tun werden, entscheidet allein der Profit, und wer die Macht hat, seine egoistischen Interessen durchzusetzen.

    Die Frage ist also, was die Mächtigen von Morgen als ihre egoistischen Interessen wahrnehmen werden. Wenn das Klima auf uns einprügelt, wenn die Verteilungskriege eskalieren, haben sie die Macht, es zu diktieren. Dann ist die Frage, wer schnell genug aufhören kann, sich doof anzustellen, denn die Trägen sind Futter. Weil wir aber Probleme haben, die nur mit koordinierten Handlungen von großen Gruppen zu lösen sind, werden nur diejenigen überleben, die sich die Mühe gemacht haben, sich eine Führung zu suchen. Und weil wir stets nur das Wenigste machen, werden’s wohl überwiegend faschistische Führer wie Putin sein, als ausgereifte, demokratische Regierungen. Hier sind Rentierstaaten klar im Vorteil, sie haben vorgearbeitet.

    Ich lese das Buch gerade und notiere einfach meine Eindrücke. Der erste Eindruck nach dem Lesen: Warum quassele ich Sie ständig mit Sachen voll, die Sie sowieso wissen? Ist so der Nachteil davon, wenn man zu sehr in seinem eigenen Kopf liest und Schwierigkeiten mit Kommunikation hat – man vergisst zu leicht, dass alle anderen dieselbe Welt sehen. Und auch nicht mehr tun können, als mitzudenken, was die Ereignisse denken.

    # Lustig, wie das Heranwachsen immer nach den gleichen Klischees abläuft. Als alter Sack vergisst man manchmal, wie neu die Welt für die Kids ist, die waren ja noch nie jung. Die große Mehrheit lässt sich von naiven Idealen verführen, folgt irgendeinem Leithammel oder Slogan, wie „Kein Blut für Öl“ – und daneben steht immer einer, der ein wenig genauer hinsieht und die Heuchelei hinterfragt. Doch auch dieser eine spielt nur eine Rolle, ist immer irritiert und hat wenig Verständnis. Später im Leben wird das ein wenig ausdifferenziert, wir werden Profis und Routiniers in Heuchelei und von ihr genervt Sein, das Ganze spielt sich zu einer stabilen Maschinerie an, in der alle Zahnrädchen einander stützen und die sich nicht mehr ändern kann. Was uns kindisch vorkommt, ist einfach Erwachsensein im Frühstadium.

    Früher standen auch die allgemeine Heuchelei und die Schuldzuweisungen im Zentrum meines Interesses. Heute möchte ich einfach allen aufs Maul hauen, damit sie vom hohen Ross runterkommen, sie dann aus dem Staub erheben, damit wir alle auf Augenhöhe sind und erkennen, dass wir einfach nicht so toll sind, wie wir glauben, und nur gemeinsam eine Chance im Leben haben. Sobald es ans Lösen von Problemen geht, wird Schuld bedeutungslos.

    # Dass ein halbwegs sinnvoller Denkansatz torpediert wurde – nun, siehe oben. Doch dass Wirtschaft und Ökologie untrennbar verbunden sind, sehe ich auch. Auch die Jugend verteilt sich heute auf Grüne und FDP, vielleicht kriegen sie die FDP sogar mal dazu, im Wörterbuch nachzuschauen, was Wirtschaft und was Kapital sind. Der Trend geht zum Roboglobe, dem Cyborg-Planeten, bei dem der Mensch nicht mehr Gegner, sondern Teil der Umwelt ist, wo er so viel kaputtgemacht hat, dass er selbst zum Flicken werden muss. Gleiche Realität erzwingt gleiche Einsichten, die Logik, die wir denken, wird von der Realität, von realen Ereignissen, mit gedacht.

    # Im Nahen Osten gibt’s mehr als genug Wasser. Wenn man Öl verkauft, kann man sich Solaranlagen kaufen, die es entsalzen. Wenn man kein Öl und nur Wasser hat, hat man Afrika, wo sich Warlords und Rebellen gegenseitig niedermetzeln, weil es viele kleine Bauern und Dörfer gibt, die sich pflücken lassen wie Äpfel. Auch eine Wirtschaft.

    # Der Vorteil des IS ist, er lenkt die Islamisten von uns ab. So löst man Krisen – man schafft einen Terroristen-Fleischwolf, eine Flamme, wie die in Syrien und Afghanistan, in die die Motten springen, um zu sterben. Schätze mal, einen ähnlichen Verbrennungsofen hat man für die Russen in der Ukraine geschaffen, wenn ich mir das Kasperle-Theater ansehe, muss sich der Pentagon über Putin schlapp lachen: Die Armee wird verheizt, und wenn er Massenvernichtungswaffen einsetzt, können die Ukrainer nur nach Russland ausweichen, sie werden plötzlich mit modernsten Waffen versorgt: Ob die ukrainische Fahne auf den Kreml kommt oder nicht, Russland wird verwüstet. So oder so, das Ergebnis ist ein ausgeblutetes Russland, eine ausgeblutete Ukraine und ein Europa, das zwar ausgeblutet ist, aber die Industrie und Infrastruktur hat, sich an den Schwachen wieder groß und gesund zu fressen. Die USA, die ja gar nicht ausbluten, bleiben der große Sieger. Ist nicht human, aber auch die CIA und Pentagon müssen mit dem arbeiten, was übrig bleibt, nachdem die großen Ratten sich fett und groß gemampft haben.

    # Der Westen hatte Saddam Pilatus als Statthalter im Irak eingesetzt, Statthalter in Afrika halten ihre Völker ruhig, während wir ihre Ressourcen ausplündern, Statthalter Pontius Putin sollte das Gleiche in Russland machen, und uns auch noch kostenlos Asien vom Hals halten, auch die Möchtegern-Diktatoren der Zwergstaaten Osteuropas bewerben sich um den Statthalter-Job. Im Gegenzug dürfen sie mit ihren Provinzen machen, was sie wollen, ohne dass es uns zu scheren braucht. Profite privatisieren, Kosten sozialisieren, das ist echt das große Ding im Westen. So können wir Moral heucheln, die Unterdrückung outsourcen. Als es nicht mehr klappte, schickten wir selber Truppen hin, doch stellten schnell fest, dass ein Krieg im Fernsehen scheiße aussieht und nicht so viel Spaß macht, wie in Hollywood.

    Was Syrien, Irak, bräuchten, wären Besatzungstruppen einer Hegemonialmacht. Einer, die klarstellt: Frieden für Öl. Ihr bekommt ein halbwegs gerechtes Marionettenregime, dürft euer Land aufbauen, dafür verkauft ihr uns billig, was darunter liegt. Afghanistan war schon der richtige Denkansatz, nur ist die Skrupellosigkeit des Westens mit Hinterhältigkeit gepaart – wenn die Fassade bröckelt, ziehen wir uns schnell zurück, weil wir dann sehen, dass unsere Heuchel-Moral der Verantwortung, die mit der Macht kommt, nicht gewachsen ist.

    In Deutschland klappte der Denkansatz noch. Doch da hatte der Westen die Weltmärkte für sich fast alleine, er war reich, musste nicht teilen. Wir waren der Kaiser der Welt, reich genug, um gutmütig zu sein und überall an unsere Sklaven, Gefolgsleute, Klienten, Höflinge, Geschenke zu verteilen. Wenn die Welt unsere Ölquelle war, waren wir als Rentierstaat gar nicht so übel, verglichen mit den Anderen. Doch wenn man den Kuchen teilen und dennoch ganz für sich haben will, muss jeder lernen, Kuchen zu backen. Und so weit sind wir nicht. In Syrien, Irak, Afghanistan, Ukraine, ist die Kapitalypse bereits bitterer Ernst. Während wir noch um Pixel und Papier schlottern, und den Gasmangel erst zu spüren beginnen.

    # Einen ähnlichen Zerfall in Religionen und Nationalitäten wie im Irak, in kleinere Gruppen, die nur sich selbst die Nächsten sind, sehen Sie auch in Europa und Amerika. Macht ist wie ein Magnetfeld, wer den Futtertrog kontrolliert, ist der Pol, zu dem sich alle wenden, um den sich alle gruppieren, alles, was einen daran hindert, verblasst zur Dekoration. Schwindet das Futter, kollabiert das Magnetfeld, und die Gesellschaft zerfällt zu Staub. Und die Dekoration kann wieder Bedeutung erlangen, wenn all die Fähnchen und Symbole neue, kleinere Futtertröge markieren. Gefüllt mit dem Menschenfleisch der Nachbarn.

    Der Stärkste macht die Regeln. Sie können Machtpolitik ohne Moral haben, aber keine Moral ohne Machtpolitik – und Machtpolitik ist zutiefst unmoralisch. Wenn Sie Frieden in der Levante haben wollen, schnappen Sie sich die Ölquellen und legen jeden Konkurrenten um, der auch nur in Sichtweite kommt. Auf dieser Ebene handeln Sie, wie jeder Terrorist und Tyrann. Erst wenn Sie die Macht haben, können Sie zeigen, dass Sie weder Terrorist noch Tyrann sind. Und Macht wird es Ihnen sehr schwer machen, zu keinem zu verkommen. Macht ist Tanz mit dem Teufel, irgendwann brennen Sie aus. Der Trick ist, die ausgebrannte Sicherung rechtzeitig auszutauschen und eine neue zwischen Krone und Thron zu schrauben. Macht ist wie Feuer – ohne erfrieren Sie, mit verbrennen Sie, wenn Sie mit Streichhölzern spielen wollen, müssen Sie lernen, damit umzugehen.

    Moralisch gesehen, ist der Westen zweier Sünden schuldig: Er nützt seine Macht zu wenig – und er nützt sie, obwohl er damit überfordert ist.

    # Amerikaner sind notorische Verräter, spätestens seit Vietnam: Sie kommen, veranstalten die Hölle auf Erden und lassen ihre Verbündeten im Stich. Es ist Routine, die Sie auch in Deutschland sehen: Wir wagen, was wir könnten, und scheitern am Können. Kleine Kinder, die den Umgang mit Streichhölzern lernen, indem sie sich die Finger verbrennen. Doch wir werfen die Streichhölzer fort, statt aus Fehlern zu lernen, und wenn wir es morgen versuchen, haben wir alles vergessen. Der Rest der Welt nicht, der hat sich die Finger an uns zu oft zu gründlich verbrannt.

    Es ist nicht das Öl, das uns vergiftet. Wir sind schon vergiftet. Was wir heute „menschliche Natur“ nennen, nannte man früher „Erbsünde“.

    # Sie sehen es richtig – das Feuer ist ein Teil von uns, es ist längst Teil unserer Seele. Ich finde es immer wieder interessant, wie eine Kerzenflamme tief in unserem Hirn zu einem Gott wachsen kann, Echos und Spiegelbilder wirft, die dann in Stein gemeißelt werden, Tempel bauen, die selbst nur Spiegelbilder sind. Ich halte es für wichtig, Brötchen und Seele nie getrennt zu betrachten, Religionen, Kultur, Weltanschauung und Wirtschaft nie zu trennen. Dies ist keine Welt der Menschen, dies ist eine Welt der selbstorganisierenden Systeme. Und wenn wir einen Wirtschaftskreislauf etablieren, werden wir seine Sklaven, denken seine Gedanken, passen uns als Zahnrädchen in die Maschine ein. Ich glaube, alzheimerbedingt habe ich bei Ihnen kürzlich beanstandet, dass Sie da etwas zu sehr abstrahieren. Sorry, ich bin eine zerfallende Kalkleiste. Ist nicht so schlimm, wie ich im Moment der Umnachtung dachte, aber gehen Sie weiter in die Richtung.

    # Hitler fing an, Öl von Russland zu kaufen, teilte Osteuropa mit Stalin auf. Geografie schreibt Geschichte und Geografie ist dazu verdammt, sich ewig zu wiederholen. Eine Nazi-EU mit Sowjetunion als Partner hätten wir damals schon haben können, hätte der Mann nach dem Frankreich-Feldzug seine Denke angepasst. Und die hätte auch Zugriff auf das französische Kolonialreich gehabt, da gab’s Rohstoffe und Schwarze, die sich als Soldaten verheizen ließen, um Öl zu gewinnen. Geografie bleibt gleich, Sachzwänge bleiben gleich, Interessen bleiben gleich, Mittel der Machtpolitik bleiben gleich. Nur die Ethik können wir, so weit es geht, upgraden. Und vo so einem Upgrade-Europa fasele ich hier die ganze Zeit. Tja, was aus einem Naziropa geworden wäre, werden wir sehen.

    Nur dass der übermächtige Westen mit seinen Kolonien heute in Amerika sitzt, die Sowjetunion in China. Heute sind auch Frankreich und Großbritannien gleich mit Polen, Österreich und Tschechoslowakei. Wir haben’s mit etwas zu tun, was die Geografie schon vorbereitet hat, bevor es Menschen gab, mit etwas, das schon seit vielen tausend Jahren eskaliert. Rom und Konstantinopel, Katholiken und Orthodoxe, die immer stärker von den Muslimen beeinflusst werden, die von Mongolen und Chinesen beeinflusst werden – der Gegensatz zwischen Europa und Asien verschlingt alles, was groß genug wird, um aus all den Nischen zu kriechen, in denen er keine Rolle spielt.

    # Betreiben Sie die Klimaanlage und Klimaanlagenfabrik mit Solarstrom, dann können Sie die ganze Welt besiedeln. Wenn Sie wollen. Im Moment lohnt es sich eher, die Welt zu plündern und die Rohstoffen zu den Fabriken zu schaffen, als umgekehrt. Besiedlung neuer Lebensräume erfordert aber, dass es umgekehrt ist. Kulturelle Vielfalt entsteht durch Vielfalt der Lebensräume, wenn wir alle in derselben Innenstadt shoppen und in derselben Fabrik arbeiten, geht sie flöten. Ob man das für gut oder schlecht hält, hängt von der Perspektive ab. Die Westdeutschen profitieren, die Ostdeutschen ziehen entweder nach Westen, oder werden zu Hinterwäldlern, die sich keine Kultur mehr leisten können. Oder zu Kriegervölkern, die sich mal als Söldner verdingen, mal einen überfallen, wie es gerade passt.

    # Öl und Gas sind auch erneuerbare Energien. Wenn Sie das CO2 in Grünzeug binden, können Sie Brötchen daraus backen. Sie sind kein Fremdkörper, die Biomasse kehrt in die natürlichen Kreisläufe zurück. Nur müssen wir ein wenig nachhelfen, damit das irgendwann klappt. Weniger Verbrennen, mehr Bewässern. Da könnte sich die globale Erwärmung sogar nützlich machen, die üppige Vegetation kann Richtung Pole vordringen. Nur die Wüstenbildung müssten wir von Hand handeln. Dann können Sie aber auch tatsächlich alle Produkte, die aus Öl hergestellt werden, aus Pflanzen herstellen. Warum alte Leichen schänden, wenn man selbst töten kann? Hat was vom Gegensatz zwischen osteuropäischer Vampirjagd und westlicher Hexenverbrennung. Macht keinen Sinn, also frage ich mich, wieso ist der Gegensatz trotzdem da? Müsste ich drüber nachdenken.

    # Waffen und Kriege wirken sehr dekarbonisierend, wenn sie in Massen Ölverbraucher töten. Das ist auch eine Option – wenn wir die Probleme nicht in den Griff kriegen, vernichten wir einfach so viele Menschen, dass das Öl länger reicht und langsam genug verbraucht wird, dass das Klima nicht rumzickt. Dann brauchen die Überlebenden sonst nichts zu ändern. Wirkt so, als würde die Menschheit diese Lösung bevorzugen.

    # Die westlichen Nationen sind Adelspaläste – Piraten, die durch Sklaverei und Plünderung so reich geworden sind, dass sie es sich leisten konnten, selbst die Bauern in den Adelsstand zu erheben. Im Grunde sind sie Abklatsch von Polen-Litauen und England, wo ein überaus demokratischer, liberaler Adel von der brutalen Ausbeutung menschlichen Eigentums lebte. Auch in Saudi-Arabien und Russland sehen Sie, dass die Mächtigen durchaus fair miteinander umgehen, auf Bildung setzen. Demokratie und Menschenrechte sind Privilegien, die man sich leisten muss, man braucht Zuckerbrot, das man fair verteilt, statt Peitsche, um es aus den Armen raus zu prügeln. Das System hat sich verändert, wir haben auch das Peitschen den Sklaven überlassen. Doch das Prinzip – wir genießen die Privilegien, die Freiheit, die Rechte, während die Untermenschen für uns schuften – hat sich nicht geändert. Wir sind immer noch Rentierstaaten, die von der Industrie und Welthandel leben. Und wenn diese Ölquelle versiegt, gehen wir den Weg des Putin und Kaczynski.

    Ein Rentier ist im gewissen Sinne auch ein Börsenhändler, Taxifahrer, Harzer, Beamter, Künstler – sie müssen das Futter nicht aus dem Boden stampfen, die Gelddruckmaschine sprudelt für sie, die Globalisierung sprudelt für sie – sie leben von der Umverteilung dessen, was die gemeinsame Futterquelle hergibt, von oben nach unten. Wenn die versiegt, zerfällt der Staat zu Staub. Unsere Ölquelle ist halt ergiebiger als die Putins. War es zumindest mal. Und so ist es bei uns der oberste Wirtschaftsadel, die Banken und Konzerne, die uns genauso zerstören und zerfleischen, wie der polnische Adel sein Land zerfleischt hat, als die Futterquelle nach Westen abwanderte, um dort ähnliche Gesellschaften zu basteln. Osteuropa braucht hoch entwickelte Technologien und große Investitionen, um mit den anderen Kolonialreichen wirtschaftlich konkurrieren zu können, und solange da der Kreml den Cock-Blocker Sibiriens macht (ich krieg keinen hoch, aber lasse keinen anderen ran) bleibt da nur die sterbende, verfallende Bauruine von Amerika 1.0. Schätze mal, hätte es mit dem Futter geklappt, hätten sie einen Zaren als Queen oder Mr. President , und der Kongress würde Sejm heißen.

    # Wenn Sie sich unsere Wirtschaftsgläubigkeit ansehen – wir sind abhängige Untertanen. Nur weil wir auch Ölquelle sind, können wir Wartungskosten in Rechnung stellen. Den Bedürfnissen der Ölquelle kann sich kein Ölbaron widersetzen. Das mit den Steuern sehen Sie sehr richtig, gilt aber nur, solange es für den Baron weniger Kosten verursacht, als die Peitsche zu schwingen.

    Das mit den Steuern ist auch so eine Sache: In Polen-Litauen bestimmten die Adeligen selbst, wie viele sie zahlten, wenn der König Geld wollte, musste er betteln. Straßen, Infrastruktur und Armee sahen aus, wie bei uns. Dafür blühten die Adelspaläste, wie bei uns. Man verlor Kriege gegen Russland und Türken, die man schon gewonnen hatte, man vernachlässigte die Kosaken, die gegen die Krimtataren so ziemlich das Gleiche machten, wie heute die Ukrainer – die Freiheit des Westens verteidigen und ständig um Waffen und Unterstützung betteln, die man ihnen aus wirtschaftlich-politischem Kalkül verweigerte, alle waren bis auf die Knochen korrupt und keiner glaubte mehr an etwas, wie bei uns. Moskau und Preußen waren Zwerge, sie siegten, weil sie Despoten hatten, die allen in den Arsch treten konnten, und die Demokraten nicht. Das Feintuning zwischen Diktator und Demokratie ist seit den Römern kaum besser geworden – und Ignorieren löst das Problem nicht.

    Demokratien sind langsam und schwerfällig, in kriegerischen Zeiten sind sie Diktaturen unterlegen. Wenn Sie keine Diktatur wollen, vermeiden Sie kriegerische Zeiten. Wenn Sie keinen Krieg wollen, müssen Sie gut genug wirtschaften, dass alle genug zum Essen haben, und alle Verteilungskämpfe spielerisch gelöst werden können, mit demokratischen Mitteln, dass Sie sich eine Armee und Verwaltung halten können, die Frieden und Ordnung gegen die Nimmersatten schützt. Und wenn Ihre Wirtschaft vom Öl abhängt, läuft Demokratie mit Öl, und ist ohne die Saudis und Russen aufgeschmissen.

    Und wenn die Leute keine Steuern zahlen wollen, peitschen die Staaten die Ölquelle EZB und die Wirtschaft ertrinkt in Geld. Ein Rentierstaat lässt sich mit der Gelddruckmaschine simulieren, eine Zeitlang wenigstens. Auch diese wurde massenhaft angezapft, um die Macht der Mächtigen zu schützen. Auch bei uns wird so die Macht des Steuerzahlers ausgetrickst, dem der Verfall des Staates immer mehr zusetzt. Geld ist wertlos, deswegen schmeißt die Regierung damit um sich.

    Kurzum, unser Geld ist die Quelle unseres Ressourcenfluchs.

    # Der Rest der Welt setzt auf Menschenfleisch gegen Maschinen, Masse statt Klasse. Viele Kämpfer, Terroristen, Soldaten, die auf Raubzug gehen. Eine Quelle, die mit Blut statt Öl läuft, und sich schneller erschöpft, als sie aufgefüllt werden kann. Denn Menschen brauchen Zeit, um heranzuwachsen und sich Wohlstand zu erarbeiten, den man ihnen rauben kann. Russland muss da, mangels Kanonenfutter, auf nützliche Idioten anderer Länder setzen.

    Wenn Sie nicht die Wirtschaft haben, alle Menschen durchzufüttern, wird Geburtenrückgang paradoxerweise zum Problem – die Kulturkämpfe werden von der Mehrheit gewonnen. Objektiv betrachtet, macht es keinen Unterschied, doch es macht ja keinen Unterschied, würden alle Juden sunnitische Araber oder alle Deutschen orthodoxe Russen – Leute, habt euch nicht so. Doch die Leute haben sich so. Ist ihnen irgendwie wichtig, die Monster, deren Zellen sie sind, zu verteidigen, auch gegen wirtschaftliche Sachzwänge und Vorteile. Indien wird ein Hindu-Staat, China wird Han, Ungarn ungarisiert sich zu Tode – die Gelegenheit, die schwächeren Monster zu verschlingen, wird stets genützt. Der Weltgeschichte ist das egal, die Evolution braucht den Konflikt, sie braucht Sieger und Verlierer, mehr nicht.

    # Kontingent-gebundene Energie-Preise? Wenig kriegen Sie billig, viel kostet viel? Lösungen sind da, ist ein alter Hut. Das sind Management-Aufgaben, bei denen sich eine Regierung oft gegen Partikularinteressen durchsetzen muss, auch die von demokratischen Mehrheiten und anderen Lobby-Gruppen. Diktatur und Demokratie, ungelöstes Problem.

    # Umweltschutz ist nicht Verzicht auf Kaputtmachen der Natur. Es ist Kaputtmachen auf eine Weise, von dem sich die Natur erholen, mit dem sie leben kann. Nicht zu schnell zerstören, nicht zu viel zerstören, nicht nachhaltig zerstören. Dann kommt sie damit zurecht. Ist ihr Job. Deswegen gibt es aktives Leben statt passiven Steinen. Damit ich morgen noch Salat habe, darf ich ihn nicht ausrotten, aber ich verzichte nicht darauf, ihn zu essen, sonst hätte ich ja keinen Grund, ihn nicht auszurotten, wenn’s mir gerade passt, oder?

    Ich breche es mal ab, ich weiß nicht mal, ob ich so viel posten kann. Und Sie haben sicherlich Besseres zu tun, als den Mist zu lesen. Kurzum, wir haben keine Öl- und keine Geldkrise, sondern schlicht und einfach eine Organisationskrise – überall fehlt eine kompetente, wohlwollende Macht. Wir brauchen eine Führung.

  4. Der Rentierstaat als Problem der Zukunft

    Staaten, die einen großen Anteil ihrer Staatseinnahmen aus externen Renten beziehen, werden Rentierstaaten genannt. Da das Einkommen von Rentierstaaten nicht von den Einwohnern ihres Staates stammt, könnte man in der Terminologie des Kapitalismus davon sprechen, dass diese Staaten sich in „privater Hand“ befinden. Es gibt also kein Aktionariat, keine auf dem freien Markt erwerbbare Anteilsscheine und die „Shareholder“ sind diejenigen, die das Gut besitzen, welches die Rente einbringt und das ist ein exklusiver Kreis, eine Nomenklatura quasi.

    Heute sind die Güter, welche Einkommen allein aufgrund ihrer Knappheit und Nachfrage verschaffen, Rohstoffe wie Kohle, Öl, Erdgas oder andere Rohstoffe von existenzieller Bedeutung (aktuell etwa Lithium). Prinzipiell aber kann jede Form des Staats-Einkommens, welches nicht von den Bürgern eines Staates erwirtschaftet wird, einen Rentierstaat begründen. Leider bedeutet das, dass es Rentierstaaten auch ohne Rohstoffbesitz geben kann, dann nämlich wenn die Produktionsmittel eines Staates in den Händen weniger sind und wenn die Masse der Bürger nur Konsumenten, nicht aber zugleich Produzenten sind. Genau das aber könnte den Staat der Zukunft beschreiben. Einer Zukunft in der alle Güter von Robotern und künstlicher Intelligenz hergestellt werden und in der sowohl Roboter als auch KIs dem Staat gehören, nicht aber den Bürgern.

    Ausblick: Eine Demokratie in der der Bürger nichts mehr zum Einkommen des Staates beiträgt ist eine Demokratie auf Abruf. Putin sagte einmal: Wer KI beherrscht, beherrscht die Welt. Es ist naheliegend, dass Putin damit nichts anderes als einen Rentierstaat meinte, der nicht mehr auf dem Besitz von Rohstoffen, sondern auf dem Besitz von KIs beruht.

    • Es gibt also kein Aktionariat, keine auf dem freien Markt erwerbbare Anteilsscheine und die „Shareholder“ sind diejenigen, die das Gut besitzen, welches die Rente einbringt und das ist ein exklusiver Kreis, eine Nomenklatura quasi. [Kommentatorenfreund “Martin Holzherr”, die doppelten Anführungszeichen nur deswegen, weil Sie nicht so heißen und ein als solches unerkennbares Pseudonym verwenden, anders als Andere)

      Außer Im Web unterwegs seiende Firmen (die nicht an einer Person festgemacht werden sollen, oligarisch sozusagen), außer große Vermögensverwalter und außer strategische Investoren, Familienunternehmen liegen vor, wie bei George Soros und Klaus Schwab.
      Anteilsscheine können jeweils erworben werden.

      Ansonsten natürlich Zustimmung, es kann mit Idee sozusagen über Produktionsverhältnisse, deren Erstellung und Verwaltung geherrscht werden.
      Soros und sein Sportsfreund Schwab weisen gar nach, aus diesseitiger Sicht, dass mit Idee über die politische Idee Anderer (begrenzt) geherrscht werden kann.

      Ischt ein wenig problematisch, wenn bspw. Medien von einer Seite fast komplett aufgekauft zu sein scheinen, die “Welt” hat sich hier auch, hinter einer sog. Bezahlschranke auch um einen dritten Sportsfreund bemüht :

      -> https://www.welt.de/politik/ausland/video241124929/Corona-Pandemie-Investigativ-Team-untersucht-Spuren-und-Kontakte-von-Bill-Gates.html

      Es gibt bei der “Welt” auch einen längeren Text zu diesem Thema, zusammen mi t “Politico” aus den Staaten erstellt.

      Sog, Rentier-Staaten gibt es, zumindest teilweise, sie bleiben zu beobachten.

      Mit freundlichen Grüßen
      Dr. Webbaer

  5. @Holzherr 18.09. 08:56

    „Genau darum liefert Putin ja kein Gas mehr: weil Deutschland und Europa darauf angewiesen sind. In ihrem Kommentar erwecken sie den Eindruck Deutschland und Europa seien (mit-) verantwortlich für den Lieferstopp und es wäre in aller Interesse Konzessionen zu machen und zur „Normalität“ zurückzukehren.“

    Naja, unsere Sanktionen gegen Russland sind nun mit dem Gaslieferstopp sehr vergleichbar. Entsprechend mein Vorschlag, bei Putin mal nachzufragen, ob man sich hier nicht auch weniger gegenseitig quälen könnte. Offenbar genügen uns doch zunächst mal unsere Waffenlieferungen an die Ukraine, so wie das aussieht, genügt das zur Verteidigung der Freiheit.

    „Normale Beziehungen kann es in meinen Augen aber mit einem Russland, das ein anderes, benachbartes Land auslöschen will, nicht geben.“

    Soll Putin doch wollen, wenn er nicht kann, dann ist das nicht so wichtig. Eine ganze Reihe von islamisch geprägten Ländern wollten bzw. wollen Israel vernichten, können es aber nicht.

    Und die anderen Rentierstaaten, wo man sonst Öl und Gas einkaufen kann, sind nicht viel besser als Russland. Irgendwo müssen wir einkaufen. Wären wir mit der Energiewende weiter und weniger abhängig, dann hätten wir mehr Spielraum. Und könnten uns den Luxus eher leisten, Autokraten abzustrafen. In der aktuellen Situation schaden wir uns zu sehr selbst, finde ich. Was ist schon normal an unseren Beziehungen z.B. zu Saudi-Arabien?

    Wandel durch Handel funktioniert nicht, wie sich zeigt. Aber Handel ohne Wandel geht doch. Zumal, wie soll der Wandel denn funktionieren? Das geht einfach sowieso nicht. Offenbar nicht, solange wir fossile Rohstoffe in diesem Ausmaß brauchen, und Russland andere Kunden finden kann. Uns bleibt kaum was anderes übrig, als uns auf eine erfolgreiche Energiewende zu konzentrieren, dass hilft dann gegen alle Rentierstaaten. Und gegen den Klimawandel.

  6. “Naja, unsere Sanktionen gegen Russland sind nun mit dem Gaslieferstopp sehr vergleichbar.”

    Ein paar Unterschiede gibt es schon. Russland hat uns im Sommer 2021 unter Bedarf Gas geliefert, um uns erpressbar zu machen. Die beiden Gasspeicher von Gazprom in Deutschland liefen ganz leer.
    Und dann hat Russland der NATO ein Ultimatum gestellt.

    Und Russland spielt nicht mit offenen Karten sondern lügt. Gazprom kann ja die Verträge kündigen, wenn es mit den Feind nicht mehr beliefern will. Stattdessen bastelt man sich dumme Ausreden und fackelt das Gas ab.

  7. @Holzherr 18.09. 15:58

    „Einer Zukunft in der alle Güter von Robotern und künstlicher Intelligenz hergestellt werden und in der sowohl Roboter als auch KIs dem Staat gehören, nicht aber den Bürgern.“

    Noch sind KI und Roboter nicht viel Anderes als Investitionsgüter, die Erträge bringen. Wie eine Spritzgussmaschine oder ein Mietshaus. Und zumeist im Besitz von Privatfirmen, insbesondere die schon auf KI aufbauenden Internetriesen wie Amazon, Google und Facebook. Wenn diese Segmente weiter wachsen, und immer mehr Kapital Erträge abwirft während gleichzeitig relativ dazu Arbeitseinkommen zurückgeht, dann wird es Zeit von den Kapitalerträgen ordentlich Steuern abzuzweigen.

    Schwierig hieran kann es werden, dass man sich international eher mit diesen Steuern gegenseitig unterbietet, als dass man international einheitlich vorgeht.

    Es wird m.E. aber noch viele Jahrzehnte dauern, bis das aktuell wird. Noch gibt es zumindest in D genug Arbeit, besser für die Menschen hier wäre es sogar, wenn es etwas weniger würde. Bis dass uns hier wirklich die Arbeit ausgeht, das dauert länger. Und ist dann sowieso vor allem erstmal eine wirklich erste Beschäftigungskrise, selbst dann, wenn alle Menschen noch gut von den Robotern mitversorgt werden.

    „Eine Demokratie in der der Bürger nichts mehr zum Einkommen des Staates beiträgt ist eine Demokratie auf Abruf.“

    Ich weiß nicht, das kann dennoch gut gehen. Uns könnten hier Lösungen einfallen, wie wir auch unter diesen Bedingungen noch Demokratie praktizieren können. So kommen ja auch Kanada oder Norwegen als Demokratie gegen den Trend mit Öl- und Gas-Einnahmen klar.

    Gerade eine komplette Umorientierung vom Sinn durch produktive Arbeit zum bloßem selbsterfüllendem Sein ist hier eine Herausforderung, die auch vielleicht gerade eine offenen Gesellschaft und einen vernünftig einbezogenen Staat braucht. Zumal hier ein langsamer Prozess über einige Jahrzehnte zu erwarten ist, der immer mehr Automatisierung, Produktivität und auch möglichen Wohlstand bringt und langsam aber sicher immer weniger Arbeitsstunden und Ausbildungsaufwand braucht.

    Und das auf einer zunehmend ökologischen Basis, ohne fossile Brennstoffe und auch sonst mit einer Kreislaufwirtschaft, die die vorhandenen Ressourcen nutzt und dabei dennoch erhält.

    • @Tobias Jeckenburger (Zitat):“ Ich weiß nicht, das [ein Leben ohne Arbeit, nur mit Konsum finanziert vom Staat] kann dennoch gut gehen.“

      Das bezweifle ich, denn wer nichts beiträgt, der wird irgendwann übergangen, weil es ihn nicht braucht. Die moderne Demokratie entstand in England, weil der König auf Steuereinnahmen angewiesen war und weil diejenigen, die diese Steuer zu leisten hatten, bald schon Rechenschaft verlangten. Das heisst: sie wollten wissen für was das Geld ausgegeben wird.

      Der Bürger der Zukunft muss mehr sein als blosser Konsument und die Entwicklung zu mehr Automatisierung, Roboterisierung und KI sollte jedem interessierten Bürger den Zugang zu diesen Technologien eröffnen.
      Ein Haus selbst bauen unter Einsatz von intelligenten Helfern oder etwas selbst produzieren mithilfe von KI und persönlichen Robotern ist weit besser als wenn alles von ein paar Grosskonzernen wie Google, Amazon, etc. erledigt wird. Technologie sollten jeden Bürger ermächtigen und nicht nur ein paar Grossfirmen.

  8. @Paul Stefan 18.09. 22:41

    „Und Russland spielt nicht mit offenen Karten sondern lügt. Gazprom kann ja die Verträge kündigen, wenn es mit den Feind nicht mehr beliefern will. Stattdessen bastelt man sich dumme Ausreden und fackelt das Gas ab.“

    Wieso Putin das so kompliziert macht, verstehe ich auch nicht. Aber mal Fragen, ob es mit weniger Sanktionen wieder Gas geben kann, kann man finde ich mal versuchen.

    Will Putin immer noch die Ukraine erobern, und ordnet dem alles Andere unter, dann geht es eben nicht. Unsere Waffenlieferungen sind finde ich nicht verhandelbar, zumindest was Defensivwaffen angeht, und soweit es um die Freiheit der Ukraine geht.

    Nicht unbedingt nötig wären aus meiner Sicht Offensivwaffen mit der Option, die Russischen Truppen komplett zu vertreiben, auch von der Krim. Da würde ich zunächst mal Verhandlungen versuchen. Immerhin gibt es hier ein Minderheitenproblem, das womöglich lösbar ist.

  9. @Online-pdf von „Öl- und Glaubenskrise“

    Ich habe es mir mal durchgelesen. Eine spannende Zusammenfassung!

    „Und solange diese Ketten des schwarzen Goldes nicht abgeworfen sind, werden Appelle, Sanktionen und auch Kriegszüge wenig daran ändern, dass weiterhin Unmengen an „Blut für Öl“ fließen.“

    Erfahrungsgemäß ist das wohl so. Wir müssen gucken, wie wir irgendwie da durch kommen, und eben alle Ressourcen, die wir haben, in die Energiewende investieren.

    „Und der Erlös dieser Steuern würde wiederum der Erforschung und dem Ausbau erneuerbarer Energien, von Energieeffizienz- und Recyclingtechnologien dienen, bis schließlich die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen überwunden wäre.“

    Je niedriger die Preise sind, desto eher funktioniert dieses. Die derzeit hohen Preise vor allem für Gas in Europa motivieren zwar auch, vor allem Gas zu sparen, aber was sollen wir machen, wir können da auch nur auf Kohle und Öl ausweichen.

    Die alten AKWs noch ein paar Jahre weiterbetreiben kann helfen, und auch der Zubau von mehr Photovoltaik und Winddrändern lohnt sich natürlich mehr bei den aktuellen Strompreisen. Fragt sich nur, ob die Finanzierungsmöglichkeiten in der aktuellen Energiekrise nicht auch schwieriger werden. Spielraum für mehr Steuern auf fossile Energien jedenfalls fallen erstmal weg. Im Gegenteil, wir gucken gerade verzweifelt, wie wir die bezahlbar halten können.

    „Wo auf Agrarland Energie- statt Nahrungspflanzen angebaut werden, stiegen Nahrungsmittelpreise – auf Kosten ausgerechnet der ärmeren Menschen.“

    Das sehe ich auch so. Wenn Flächen übrig sind oder Reste anfallen, dann kann man dies gerne als Energiequelle nutzen. Alternativ genauso sinnvoll wäre aber, Moore wieder zu vernässen oder auch mal Aufzuforsten oder auch anfangen, auf Bioanbau umzustellen. Ansonsten ist die Photovoltaik der Photosynthese um den Faktor 10 bis 20 überlegen, und PV braucht auch kein Wasser. Und kann damit komplett an Standorten installiert werden, wo sie keine produktiven Landwirtschaftlichen Flächen wegnimmt.

    „Und ab wann sind Verbrauchssteuern keine sinnvolle Maßnahme einer „ökologisch-sozialen Marktwirtschaft“ mehr, sondern eine „unsoziale Abzocke“?“

    Wenn man entsprechenden Sozialausgleich macht, dann können Verbrauchssteuern keine Abzocke sein. Was bleibt, ist dass ärmere Menschen eher auf diese Steuern reagieren werden. Wer dagegen richtig viel Geld hat, der wird seinen Lebensstil durch Verbrauchssteuern nicht so schnell ändern.

    „Soldaten und Kampfflugzeuge können die Probleme nicht wirklich lösen, die durch unseren eigenen Verbrauch fossiler Rohstoffe entstehen.“

    Die Ölautokraten mal zurechtstutzen oder sogar beseitigen ist möglich, aber nicht nachhaltig. Es kommt dann gleich ein Neuer hinterher. Wenn jetzt aber sogar Demokratien angegriffen werden, dann kann man denen freilich helfen, sich zu verteidigen. Aber wie gesagt, die Ölautokratie selbst ist nur abbaubar, wenn die Energiewende gelingt.

    Papst Franziskus wird im Buch auch zitiert:

    „Ein rechtes Verständnis der Spiritualität besteht zum Teil darin, unseren Begriff von Frieden zu erweitern, der viel mehr ist, als das Nichtvorhandensein von Krieg. Der innere Friede der Menschen hat viel zu tun mit der Pflege der Ökologie und mit dem Gemeinwohl,..“

    Ich würde es lieber so formulieren: Spiritualität als eine lebendige Beziehung zu realen Geisteswelten kann denn auch motivieren, die Natur dieses Planeten zu pflegen und auch den Menschen zu ermöglichen, ein Auskommen zu finden, das damit verträglich ist.

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