Ein koreanisch-amerikanischer Musikfilm der Hoffnung: KPop Demon Hunters

Keine Gehirnfunktion ist der Religiosität so eng verwandt wie die Musikalität. Daher befasse ich mich seit 2001 immer wieder mit der soziologischen & evolutionären Musikforschung und beschrieb 2024 in einem Vortrag den “Sinn der Musik als Hoffnung”. Eine englischsprachige KI-Interpretation der These von “The Meaning of Music is Hope” finden Sie auch hier.
Und ich freue mich, dass ausgerechnet aus dem schnell alternden Südkorea & den zunehmend thymokratischen USA ein wirklich empfehlenswerter Musikfilm gekommen ist: KPop Demon Hunters von Sony Pictures Animation für Netflix.
Der Film erzählt die Geschichte von vier (süd-)koreanischen Musik-Heldinnen: Den Huntr/x Rumi, Mira, Zoey und ihrer (gebrochenen) Mentorin Celine. Ihnen gegenüber steht eine Teufelsmacht, die zahlreiche, dumme Dämonen, aber auch eine buchstäblich umwerfende Boyband der Saja Boys in die Schlacht wirft.
Schon hier wird dabei deutlich, wie genial die koreanische Popkultur und Mythologie aufgegriffen wird: denn das Wort “Saja” symbolisiert sowohl den Löwen wie auch den Sensenmann (engl. “Grim Reaper”). Und das ist nur eines von vielen liebevollen Details: Wie einst die deutsche Musikband Tokio Hotel zu einer Begeisterung für die deutsche Sprache und Kultur beitrug, so die KPop Demon Hunters nun auch für die koreanischen!
Und, ja, auch Religion wird im Film reichlich aufgegriffen: So entstammt der musikalische Schutzschild des Honmoon dem koreanischen Schamanismus, die Anführerin Rumi heißt wie einer der bedeutendsten islamischen Sufis und sie wie auch ihr zu erlösender Counterpart Jinu tragen in der musikalischen Endschlacht gegen den “Teufel” sichtbare Kreuz-Symbole. Die spirituell-mythologischen Botschaften werden dabei durch Ästhetik und Humor nicht entwertet, aber entschärft.
Denn die aus meiner Sicht crossmediale Genialität des Films besteht jedoch in der gelungenen Erzählung der Überwindung des Freund-Feind-Dualismus zum dialogischen Monismus: Um das Böse zu überwinden, reicht es nicht, entmenschlichte “Andere” zu bekämpfen. Rumi und auch Jinu müssen leisten, was Celine nicht gelang – das Böse auch in sich selbst anzunehmen, statt es nur zu verdrängen. Dabei und damit werden auch Antifeminismus, Rassismus und Ableismus gestellt, der das Schicksal von uns Menschen auf unsere jeweilige Herkunft festlegen will. Der Film verwirklicht gleich mehrere Erzählbögen der Heldinnenreise nach Gail Carriger!
Müssen wir perfekt geboren sein, um geliebt zu werden? Oder macht uns erst Liebe zu den Menschen, die wir sein können? Eine Schlüsselszene aus KPop Demon Hunters, 2025. Foto: Michael Blume
Dieser zentrale und mythologische Erzählbogen ist so stark, dass er die Musik und auch Farben des Films durchdringt: so muss der nur vermeintlich perfekte, in Wirklichkeit aber dualistische goldene Honmoon durch eine inklusive Regenbogen-Variante ersetzt werden. Und ehrliche Freundschaft bewährt sich nicht in Leistung, sondern in Vertrauen und Akzeptanz.
Bei allem Ärger und aller Sorge über die massiven Gefahren des Fossilismus bin ich dankbar, in einer Zeit von Star Wars (der heutigen Troja-Sage) leben zu dürfen. Ich feiere den Filmkomponisten Hans Zimmer als den Johann Sebastian Bach unserer Zeit. Und ich bin dankbar, dass zwei große Kulturen unserer Zeit diesen Film hervorgebracht haben, der sicher noch in Jahrzehnten gesehen und gehört werden wird.

Kreativität ist einfach. Legen Sie ein mächtiges Symbol, das Kreuz zum Beispiel, auf ein Telefonbuch, schon suchen die Leute eine tiefere Bedeutung darin. Ist ja nicht schwer, die Kirche, die aus vielen einfachen Menschen besteht, irgendwie zu assoziieren. Und da liegt es doch nahe, unters Kreuz ein Smartphone zu legen, das die Kontaktliste anzeigt, und daneben ein vergilbtes Telefonbuch von 1935, mit einem umgekehrten Kreuz drauf. Dann noch irgendwo ein angedeutetes Ankh, als unaufdringlicher Hinweis auf die Totenbücher der Ägypter, und als Hintergrund eines dieser Carpe-diem-memento-mori-Stilleben mit Totenkopf und Obst, klotzen nicht kleckern, damit auch ja jeder außer mir der Wahnvorstellung verfällt, ich hätte mir bei dem Ganzen was gedacht.
Das Ganze ist das gedankliche Ergebnis von 15 Minuten Umweg mit der Straßenbahn, und entstand aus der Idee, per Photoshop einen Bernhardiner mit einem Flamingo und einem Kamel zu kreuzen, für ein ganz anderes Projekt. Und aus dem wird irgendwie nix, denn wann immer ich darüber nachdenke, sehe ich nur Szenen aus dem Film, den ich nächsten Tag zum ersten Mal im Leben sehen werde. Time sucks. Anscheinend ist auch Zeit ein Kunstprojekt, bei dem man einiges übertünchen muss, bevor man’s präsentieren kann.
Das Handwerk ist das Schwierige. Ich mit meinem Schielen und meinen zitternden Händen und meinem kaputten Hirn werde wohl nie richtig zeichnen lernen, deswegen bin ich auf Collagen angewiesen. Hat was, wenn das Material mitreden darf, denn so entstehen ganz neue Ideen und Bedeutungen. Aber das Bild, das ich im Kopf habe, wird in meinem Kopf bleiben, an die Schädeldecke hämmern und mich zum Wahnsinn treiben.
Ich habe mal ein halbes Buch geschrieben, indem ich mich an alle Bücher und Filme zu erinnern versuchte, die ich über den Mars gelesen habe, alles Mögliche dazu mischte, dann Wikipedia aufklappte und Hyperlinks klickte. Und es fügte sich alles von selbst zusammen, die Tripods und die kommunistischen Ameisen und die Sorns und die Barbarian Brothers und Dr. Who und Dr. McCoy und die Morlocks und Manic Mansion und Olympus Mons und die Vampire und die Hexen, die das Weltall mit Magie eroberten statt mit Technologie, und und und. Ich habe diese Geschichte nicht geschrieben, ich habe sie gelesen – sie schrieb sich selber.
Ihr Film (hab nur den Anfang davon gesehen) war keine rein menschliche Leistung. Da dachte sich einer: OK, Dämonen. Ich google Dämonen. Dämonen haben was mit Religion zu tun. Also gucke ich mir verschiedene Dämonen, Götter, Helden an, klicke mich auf Wikipedia von Artikel zu Artikel durch. Oh, da ist ein Saji, der Name hat zwei Bedeutungen, wie lustig. Der Artikel kriegt ein Lesezeichen.
Die freien Assoziationen, die die Kunst erschufen und die Kulturen verknüpften, kamen also nicht nur vom Menschen – sie kamen vom Internet. Die Erinnerung der Menschheit, die Informationen sowohl über die Hyperlinks auf den Seiten verknüpft, wie auch über die Hyperlinks und Kurzschlüsse im Kopf des Users, erzeugt zusammen ein größeres, kreativeres Gehirn. War schon so, als das Hirn eines Lesers die Hirne vieler Buchautoren unter eine Schädeldecke brachte.
Und was das Böse angeht – ohne es wird das Gute selbst zum Bösen. [Unangemessene Sprache und Assoziationen gekürzt, M.B.]
Die Guten sind faul, dumm, naiv, leichte Beute. Sie erschaffen die Wölfe unter sich, weil sie so sehr darum flehen, sie zu fressen, dass irgendwann nicht mal ein Schaf widerstehen kann, bloß weil es ein paar Gramm Hirn mehr auf die Waage bringt. Irgendwo zwischen diesen Schafen und den Wölfen muss ein Schäferhund stehen.
Der Dualismus wird nicht dadurch überwunden, dass die eine Seite die andere besiegt. Sondern durch ein Gleichgewicht und Zusammenspiel, das bei beiden Seiten die Extreme verhindert, sodass wir mit beidem leben können und die Superkräfte beider Seiten nützen, um die Schwächen der beiden Seiten zu kompensieren.
Treffen sich zwei Teufel in Alaska und feiern Goldene Hochzeit. So läuft das jedenfalls nicht. Aber heute ist alles eine Karikatur seiner selbst aus der Bizarro-Welt.
@Paul S.
Ein Kreuz auf einem Telefonbuch entfaltet tiefere, symbolische Bedeutungen dadurch, dass sich diese über Generationen hinweg angesammelt haben. Deswegen sprechen wir über Geschichte – wir schichten Bedeutungen aufeinander. Und wenn wir dann bedeutende Symbole gar in Kombination miteinander erblicken, dann bieten sich uns diese Netzwerke unfassbar vielschichtiger Bedeutungen an.
KPop Demon Hunters spielt nicht nur mit koreanischen, US-amerikanischen und religiösen Symbolen, sondern fügt diesen auch musikalisch neue Schichten hinzu. Das musikalische Ringen zwischen Feuer und Licht, zwischen dualistischer Ver-Nichtung 🔥 und inklusivem Regenbogen-Monismus 🌈 erreicht auch jetzt, in diesen politisch angespannten Stunden und Tagen, Millionen gerade auch junger Menschen. Und das macht mir Hoffnung. Denn es ist bedeutend.
Felo.ai zur Bedeutung von Symbolen:
## Bedeutung des Begriffs “Symbol”
Ein **Symbol** ist ein Zeichen, Objekt, Bild oder eine Handlung, die über ihre unmittelbare Erscheinung hinaus auf eine tiefere, oft abstrakte Bedeutung verweist. Symbole sind ein zentraler Bestandteil menschlicher Kommunikation und Kultur, da sie komplexe Ideen, Werte oder Emotionen auf einfache Weise darstellen können. Hier sind die wesentlichen Aspekte der Bedeutung eines Symbols:
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### **Definition und Ursprung**
– Der Begriff stammt aus dem Altgriechischen „σύμβολον“ (*sýmbolon*), was „Erkennungszeichen“ bedeutet. Ursprünglich bezeichnete es ein geteiltes Objekt, dessen Hälften zusammengefügt wurden, um eine Verbindung oder Übereinkunft zu bestätigen.
– Ein Symbol repräsentiert etwas Abstraktes, das oft nicht direkt greifbar ist, wie Liebe, Frieden oder Gerechtigkeit.
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### **Funktion und Bedeutung**
1. **Kommunikation und Darstellung**:
– Symbole dienen als universelle Sprache, die kulturelle und sprachliche Barrieren überwinden kann. Beispiele sind das Herz als Symbol für Liebe oder die Taube für Frieden.
– Sie ermöglichen es, komplexe Ideen oder Konzepte in einer vereinfachten Form darzustellen.
2. **Kulturelle und soziale Bedeutung**:
– Symbole sind kulturell kodiert, das heißt, ihre Bedeutung wird durch die jeweilige Gesellschaft geprägt. Ein Symbol kann in verschiedenen Kulturen unterschiedliche Bedeutungen haben (z. B. die Schlange als Symbol für Weisheit in einigen Kulturen, aber für Gefahr in anderen).
3. **Abstrakte und konkrete Verbindungen**:
– Symbole verbinden das Konkrete mit dem Abstrakten. Ein Kreuz steht beispielsweise nicht nur für ein physisches Objekt, sondern symbolisiert auch den christlichen Glauben.
4. **Literarische und künstlerische Verwendung**:
– In der Literatur und Kunst werden Symbole genutzt, um tiefere Bedeutungen zu vermitteln, die über das Offensichtliche hinausgehen. Ein bekanntes Beispiel ist die „blaue Blume“ der Romantik, die Sehnsucht und das Streben nach dem Unendlichen symbolisiert.
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### **Beispiele für Symbole**
– **Herz**: Liebe und Mitgefühl.
– **Kreuz**: Christentum und spirituelle Verbindung.
– **Taube**: Frieden.
– **Waage**: Gerechtigkeit.
– **Schlüssel**: Schutz oder Zugang zu Wissen.
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### **Unterschied zu anderen Zeichen**
– Ein Symbol unterscheidet sich von einem einfachen Zeichen dadurch, dass es eine tiefere, oft kulturell oder emotional aufgeladene Bedeutung trägt. Während ein Verkehrszeichen eine klare Anweisung gibt, kann ein Symbol wie die weiße Taube je nach Kontext unterschiedliche Interpretationen hervorrufen.
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### **Fazit**
Symbole sind essenziell für die menschliche Kommunikation und das kulturelle Verständnis. Sie ermöglichen es, abstrakte Ideen und Werte auf eine Weise auszudrücken, die über die bloße Sprache hinausgeht. Ihre Bedeutung ist jedoch oft kontextabhängig und kann je nach kulturellem oder historischem Hintergrund variieren.
[1] https://en.wikipedia.org/wiki/Symbol
[2] https://www.britannica.com/topic/symbol
[3] https://www.litwiss-online.uni-kiel.de/glossary/symbol/
[4] https://studyflix.de/deutsch/symbol-3164
[5] https://www.dwds.de/wb/Symbol
[6] https://www.li-go.de/_pages/wissensbereiche/rhetorik/symbol.html
[7] https://www.studysmarter.de/schule/deutsch/rhetorische-stilmittel/symbol/
[8] https://dictionary.cambridge.org/de/worterbuch/englisch/symbol
[9] https://www.vocabulary.com/dictionary/symbol
[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Symbol
[11] https://www.collinsdictionary.com/de/worterbuch/englisch/symbol
[12] https://www.bachelorprint.de/wissenschaftliches-schreiben/stilmittel/symbol/
[13] https://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_motiv/deu_lit_motiv_4.htm
[14] https://www.skillshare.com/de/blog/symbolik-worum-es-sich-handelt-und-worum-nicht/?srsltid=AfmBOor5afp6kUnEPX65Nm9V5nAKw338vUMfHE6s4mzNPjVNTi5EWMlm
[15] https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/978-3-8349-8788-4_10
[16] https://ger.ovgu.de/Fachgebiete/Germanistische+Linguistik/Linguistisches+W%C3%B6rterbuch+von+Th_+Lewandowski/S/Symbol.html
[17] https://www.merriam-webster.com/dictionary/symbol
[18] https://www.studysmarter.de/studium/archaeologie/symbolische-studien/symbolische-mythologie/
[19] https://hugokaempf.de/ratgeber/mythen-und-geschichten-ueber-den-eichenbaum
[20] https://www.skillshare.com/de/blog/symbolik-worum-es-sich-handelt-und-worum-nicht/?srsltid=AfmBOophLsos5ZeQ5JU_w0xIueF83BsNKBuBKxiHuaWHEmznp-j3sIhE
[21] https://www.wisdomlib.org/de/concept/mythologische-erz%C3%A4hlung
[22] https://flashcards.world/flashcards/sets/6ef3c413-3653-43a9-91c4-2202620a5985/
[23] https://www.wisdomlib.org/de/concept/mythen-und-legenden
[24] https://www.planet-wissen.de/natur/reptilien_und_amphibien/schlangen/schlangen-mythen-legenden-100.html
[25] https://rusticatio.at/2024/11/11/mythen-und-symbolik-von-schloss-und-schlussel/
[26] https://www.amazon.com/Mythen-Symbole-Unendlichen-Geschichte-Filmanalyse-ebook/dp/B00AZKQVNU
Gerne würde ich dazu noch religionsgeschichtlich ergänzen, dass griech. Symbolon, lat. Symbolun auch für ein ein religiöses Erkennungszeichen im Sinne eines Glaubensbekenntnis stehen kann.
äh, Paul S. alles ok bei dir? [Inzwischen gekürztes Zitat, M.B.]
was sind denn das für Gedanken? chill mal, oder wende dich an deine Liebsten oder Profis oder so….
Vielen Dank, @Sebastian 🙏
Ich hatte bei dieser abgründigen Textstelle auch kein gutes Gefühl und habe sie inzwischen entfernt.
Leider nutzt @Paul S. diesen Blog nicht konstruktiv & dialogisch, sondern betreibt hier vor allem Selbstinszenierung – nicht selten mit NS-Gleichsetzungen und völlig unangemessenen Sprachspielen. Wenn es um Frauen oder jüdische Menschen geht, eskaliert er bisweilen völlig. Wenn sich das nicht ändert, werde ich ihn pauschal wegblocken müssen.
Ihr Druko hilft mir dabei sehr, denn offensichtlich bin ich mit dieser skeptischen Wahrnehmung nicht alleine. Daher gilt Ihnen mein Dank! 🙏
This film redefines hope through music and cultural symbolism.
Yes, indeed, @Leo Haggerty 🙏
And as humanity – and especially our younger generations – are in dire need of hope, „KPop Demon Hunters“ turns out to be more edutainment than just entertainment. 😌💃🕺🎶
“Um das Böse zu überwinden, reicht es nicht, entmenschlichte “Andere” zu bekämpfen.”
An diesem Satz bin ich hängengeblieben.
Nehmen wir einmal an, “das Böse” hat mit der Entmenschlichung begonnen, und Freunde oder Familie gehören zu denen, die “das Böse” meint.
Halte ich dann auch die andere Wange hin, wie es in der Bibel heißt? Soll ich mich damit trösten, dass die selig sind, die Verfolgung leiden (Musik: “Der Evangelimann” von Wilhelm Kienzl)?
Vielleicht führt der Kampf gegen “das Böse” dazu, dass man sich selbst nicht mehr erkennt.
Eine psychische Ausnahmesituation.
“Edel sei der Mensch, hilfreich und gut” funktioniert nicht immer.
Vielen Dank für Ihre Nachfrage, @Marie H. 🙏
Ich denke, dass wir auch hier wieder beim Toleranzparadoxon nach Karl Popper gelangt sind, das wir im christlichen Kontext – und ganz konkret auch bei “KPop Demon Hunters” – als Spannung zwischen Kreuz und Schwert bezeichnen können.
Seit bald zwei Jahrtausenden wird diskutiert: Dürfen sich Christinnen und Christen selbst mit dem Schwert verteidigen? Oder bedeutet die Feindesliebe, die andere Backe hinzuhalten, jeden Verzicht auf Waffen? Dürfen Christinnen und Christen also auch andere für ihre Überzeugungen opfern, indem sie diese etwa nicht verteidigen?
Die Old Order Amish gehören zu den – demografisch exponentiell wachsenden! – christlichen Kirchengemeinschaften, die konsequent jedem Waffen- und damit auch Wehrdienst entsagt haben. Sie wurden gerade auch deswegen aus Europa vertrieben und gedeihen heute vor allem in Nordamerika, wo sie von – selbst überwiegend christlich getauften – Soldatinnen und Soldaten der kanadischen und US-amerikanischen Armeen sowie von Polizistinnen und Polizisten mit Waffen geschützt werden. Den nachdenklicheren Amish ist dieser Widerspruch durchaus bewusst & sie beten daher auch für jene, die durch den Waffendienst auch sie selbst beschützen.
https://www.youtube.com/watch?v=XU0XxwkFTLQ
Ich habe mich selbst für die andere Deutung entschieden: Aus meiner Sicht habe ich als Christ zwar das Recht und ggf. auch den Auftrag, mich selbst für andere hinzugeben. Ich habe jedoch keinerlei Recht, andere – etwa verfolgte ezidische, jüdische, weibliche – Menschen gewalttätigen Angreifern zu überlassen. Daher habe ich meinen Wehrdienst bei unserer Parlamentsarmee damals nicht nur angetreten, sondern freiwillig verlängert und arbeite auch eng mit unseren Polizistinnen und Polizisten zusammen, die unseren Rechtsstaat schützen. Gleichzeitig plädiere ich aber auch für die Überwindung unserer eigenen Bequemlichkeit hin zu erneuerbaren Friedensenergien, damit wir selbst nicht länger die Ressourcenfluch-Regime, Kriege und Terrorgruppen fossil finanzieren, deren Gewalt wir dann beklagen. Wer nur das Böse in anderen bekämpfen, aber nicht auch das eigene Verhalten hinterfragen und verändern möchte, springt m.E. friedensethisch zu kurz.
Genau diese – auch christliche – Friedensethik sehe ich bei den vier Heldinnen von “KPop Demon Hunters” Rumi, Zoey, Mira und Celine verwirklicht: Sie setzen aktiv und tödlich ihre Waffen ein, Rumi verbindet dabei am Ende sogar Kreuz und Schwert, aber stets nur zur Verteidigung. Sie wollen die angreifenden Dämonen zurückdrängen, aber nicht deren Heimat erobern. Und in einer besonders intensiven Szene werden auch Zweifel an dem ganzen Krieg thematisiert. Bemerkenswert: Hier trägt Rumi bereits ihr Schwert, aber noch kein Kreuz):
https://www.youtube.com/watch?v=Dpcl0Ilb56E
Aus meiner Sicht beschreitet der dialogische Monismus nach Popper also auch hier den schmalen und richtigen Weg: Weder wird das Kämpfen zum Angriffskrieg bis zur vermeintlich völligen Vernichtung des Bösen überhöht, noch wird das Recht und auch die Pflicht zur Verteidigung von Menschenrecht und Menschenwürde geleugnet. Das ist der Weg. Glaube ich.
Ihnen herzlichen Dank für die wichtige und inhaltlich anregende Nachfrage! 🙌
@Michael 19.08. 18:48
„Weder wird das Kämpfen zum Angriffskrieg bis zur vermeintlich völligen Vernichtung des Bösen überhöht, noch wird das Recht und auch die Pflicht zur Verteidigung von Menschenrecht und Menschenwürde geleugnet.“
Eine Kombination von Stärke und Friedfertigkeit dürfte am ehesten Kriege vermeiden. Ob man sich woanders einmischen soll, hängt aber auch einfach von den eigenen Fähigkeiten ab. Natürlich hätten wir im Kalten Krieg den menschenrechtswidrigen Kommunismus vernichten können, nur eben angesichts von Atomwaffen dabei die ganze Welt zerstört.
In der Ukraine können wir mit unserer Unterstützung den Vormarsch der Russen bremsen, solange wir dabei nicht in einen großen Krieg geraten, macht das wohl Sinn.
Taiwan eventuell zu verteidigen übersteigt mit Sicherheit die Fähigkeiten der Bundeswehr, und selbst eine Einstellung jeglichen Handels mit China dürfte katastrophale wirtschaftliche Schwierigkeiten mit sich bringen. Das scheint mir alles doch recht außerhalb unserer Macht zu liegen. Damit muss man sich m.E. dann auch abfinden.
Den Handel auf das Nötigste zu begrenzen wäre höchstens praktikabel.
Wie sich die USA dazu verhalten würde, das muss sie selber wissen.
Angesichts der Menschenrechtslage in China kann man überlegen, ob man da nicht jetzt schon den Handel reduzieren soll? Oder dann doch lieber die globale Energiewende mit China zusammen durchziehen. Das scheint mir alles gar nicht so einfach zu sein.
Vielen Dank, lieber @Tobias
Gerade auch Korea hat in seiner bewegten Geschichte immer wieder Gewalt durch Truppen aus China und Japan erfahren. Es ist bis heute gespalten in eine kommunistische, mit China verbundene, von Putin wie auch Trump hofierte Diktatur in Nordkorea und eine von der säkularen Geburtenimplosion und einer Verfassungskrise erschütterten Demokratie in Südkorea. Mehr dazu auch hier:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-deep-state-verschwoerungsmythos-fossilismus-und-verfassungskrise-in-suedkorea/
Kulturell hat Südkorea daher immer mehr zu sagen. Schon die Filmserie Squid Game führte uns die gnadenlosen Folgen einer rechtslibertären und zunehmend korrupten Entsolidarisierung vor Augen. Und da sich Nordkorea durch Russland fossil finanzieren lässt und dafür Söldnertruppen gegen die Ukraine entsendet, belasten wir mit unseren Importen fossiler Gewaltenergien Erdöl und Erdgas auch die koreanischen Menschen.
Ich stimme Dir völlig zu, wenn Du schreibst: “Eine Kombination von Stärke und Friedfertigkeit dürfte am ehesten Kriege vermeiden.”
Und genau deswegen sollten wir Europäerinnen und Europäer endlich wieder lernen, wirtschaftlich, politisch, militärisch und demografisch auf Langzeit zu denken: Also neben der Aufrüstung den Ausbau erneuerbarer Friedensenergien zu beschleunigen, uns in Sachen Technologien und Rohstoffe von US-amerikanischen und auch chinesischen Abhängigkeiten zu befreien, Familien, Bildung, Integration wieder stärker zu fördern. Sonst laufen wir die Gefahr, auch in Asien den Zusammenbruch weiterer Demokratien und die Ausbreitung von Diktaturen zu erleben, ja unbewusst zu fördern. “Stärke” und “Friedfertigkeit” erwachsen maßgeblich aus strategischem Denken. Das vermisse ich in den schnell alternden, zunehmend taktisch und auf Kurzfrist agierenden Konkurrenzdemokratien Europas leider sehr.
Nur dumme Dualisten meinen immer noch, dass Kultur, Bildung und Familien “weiche Themen” wären. Daher habe ich hierzu auch gepostet:
“Ja, ich beschreibe ja oft die Gefahren des feindseligen #Dualismus, die #Klimakrise als #Wasserkrise und den #Fossilismus. Habe mir daher vorgenommen, wieder öfter über #Musik und #Hoffnung zu bloggen!
Und 1 Bonus kommt dazu: Die mir folgenden Hater & Trolle flippen immer wieder völlig aus, wenn ich etwas Positives über #Frauen, das Konzept der #Heldinnenreise o.ä. poste!” 🤭👹🤣
https://sueden.social/@BlumeEvolution/115054576813333581
Auch deswegen möchte ich Dir hier für Deinen sachlichen und dialogischen Ton sehr danken, der mir immer wieder zeigt, dass sich das Wissenschaftsbloggen gegen Hass und Dummheit dennoch lohnt. Für Menschen wie Dich und mit Menschen wie Dir blogge ich gerne weiter! 🙌
@Michael 20.08. 14:26
„“Stärke” und “Friedfertigkeit” erwachsen maßgeblich aus strategischem Denken. Das vermisse ich in den schnell alternden, zunehmend taktisch und auf Kurzfrist agierenden Konkurrenzdemokratien Europas leider sehr.“
Das strategische Vakuum wird jetzt von Trump und Konsorten als Langzeitismus ausgefüllt. Dem sollten wir was entgegensetzen. Einen Solarpunk, der nicht nur die zeitliche Dimension einschließt, sondern auch die räumliche. Wir im Westen sind nur gut 10% der Weltbevölkerung, alleine geht hier wenig.
Dafür sind wir beim Verbrauch von Ressourcen vorne weg, und haben damit dann auch erst mal selber viel zu tun. Und unsere eigene Demografie liegt ganz in unseren Händen.
Aber ich meine, dass wir auch unseren Technischen Vorsprung gegenüber ziemlich vielen Menschen in ziemlich armen Verhältnissen bedenken sollten. Wir sollten hier auch unser Wissen und unsere Fähigkeiten teilen, damit die wirklich mithalten können. Die Entwicklung von KI scheint hier schon das Allgemeinverfügbare dort nutzbar zu machen, das ist schon mal ein vielversprechender Anfang.
In der Schule habe ich noch gelernt, dass wir als rohstoffarmes Land auf technischen Vorsprung unbedingt angewiesen sind. Mit einem gelebten Solarpunk wäre das doch spätestens dann gar nicht mehr nötig.
China hat uns nicht unbedingt überholt, aber sicherlich eingeholt. Der Rest der Welt sollte weder von uns noch von China abhängig sein, meine ich.
Dafür sollten wir uns in Europa nicht von Chinesischer und Amerikanische IT abhängig machen, und wenigstens alle Software selber schreiben, praktischerweise zusammen mit allen anderen Ländern dieser Welt, die dasselbe Problem damit haben wie wir.
Eine praktische IT-Autonomie wäre solch eine wesentliche strategische Maßnahme. Neben einer kompletten Energiewende und einer Normalisierung der eigenen Geburtenraten.
Wow, Danke, @Tobias 🙏
Bin einverstanden. Ja.
Habe die erarbeiteten These nun einmal auf Mastodon zur Umfrage gestellt & bin gespannt:
Auf rechtsdrehenden #Medien wird oft die #Klimakrise tabuisiert, auf linksdrehenden bisweilen die #Demografie.
Ich wage hier dennoch die #These, dass eine schnelle #Alterung von Bevölkerungen in Demokratien den Fokus von #Investitionen auf #Ausgaben & #Schulden verschiebt.
#Rechtsdualismus & #Fossilismus werden interessanter, auch für einige Jüngere. So werden fossile Regime & Kriege weiterfinanziert, gleichzeitig junge Menschen wieder zum Wehr- & Waffendienst verpflichtet.
Nachvollziehbar?
https://sueden.social/@BlumeEvolution/115061451726337071
Rechne da mit einigen Widerständen, denn eigentlich finden die meisten dort wenige Kinder vorbehaltlos klasse. Aber den Versuch eines inhaltlichen Dialoges ist es wert, meine ich. 🌈
@Bergbau
Strategisch sinnvoll wäre auch mehr eigener Bergbau in der EU. Insbesondere Kupfer, Lithium und Seltene Erden. Die hier hohen Kosten durch Umwelt- und Sicherheitsstandards kann man gerne mit gewissen Subventionen ausgleichen. Immerhin vermeidet das dann ja auch Umwelt- und Sicherheitsschäden in ärmeren Ländern.
Abbauwürdige Lagerstätten hätten wir wohl sogar Einige.
Und auch Braunkohle in geringen Umfang kann man noch solange fördern, bis wir wirklich gar kein fossiles Backup mehr brauchen. Die Erdgasspeicher werden wir zur Speicherung von Wasserstoff gut brauchen können, Braunkohle lässt sich dagegen einfach auf Halde lagern. Das lohnt sich auch, wenn nur alle paar Jahre für wenige Wochen akute Energieknappheit herrscht, und nur dann die alten Braunkohlekraftwerke aushelfen müssen.
Danke, lieber @Tobias – Dein Interesse an Bergbau und Kohle freut mich sehr!
Ich nutze einige Urlaubstage gerade für das Schreiben von “B wie Berlin” zur Geschichte Preußens und habe vorhin dazu gepostet:
Arbeite gerade an 1 Text über den nicht militärischen, sondern ökonomischen #Dualismus im 19. Jahrhundert:
“In #Deutschland fließt das #Wasser meist von Süden nach Norden und die #Energie meist von Norden nach Süden.”
Der👇 Satz wird es aber wahrscheinlich nicht schaffen, weil zu komplex:
“Ich wollte, es wäre #Wissenschaft und die #Preußen kämen!”
Aber für Geschichts-Nerdige hier vielleicht interessant? 😉
https://sueden.social/@BlumeEvolution/115072742904870149
Falls das eBooklet fertig wird, poste ich es wie seine beiden Vorläufer auch hier auf dem Blog, klar.
Das Wellington-Zitat zu verwenden, finde ich interessant und habe mir Gedanken dazu gemacht.
“Ich wollte, es wäre Nacht oder die Preußen kämen.”
Nehme ich Ihren Satz “Ich wollte, es wäre Wissenschaft und die Preußen kämen”, würde dieser durch das Wort “oder” (wie im Originalzitat) komplett verändert.
Mir kam auch ein berühmtes Gedicht in den Sinn, das hinsichtlich der Wirtschaftsgeschichte manches aussagt. Daher hier die entsprechenden Zeilen aus “Der reichste Fürst” von Justinus Kerner.
“Herrlich”, sprach der Fürst von Sachsen,
“Ist mein Land und seine Macht;
Silber hegen seine Berge
Wohl in manchem tiefen Schacht.”
“Seht mein Land in üpp’ger Fülle”,
Sprach der Kurfürst von dem Rhein,
“Gold’ne Saaten in den Tälern,
Auf den Bergen edlen Wein”.
“Große Städte, reiche Klöster”,
Ludwig, Herr zu Bayern, sprach,
“Schaffen, dass mein Land den euren
Wohl nicht steht an Schätzen nach.”
Preußen nur auf das 19. Jahrhundert bezogen zu betrachten, finde ich schwierig. Denn die Gebiete im Westen kamen erst Anfang des 19. Jahrhunderts zum Königreich Preußen. Zuvor war “Brandenburg-Preußen” eher landwirtschaftlich geprägt. Obwohl es beispielsweise nach der Aufhebung des Edikts von Nantes durch Ludwig XIV von Frankreich 1689 die erfolgreiche Ansiedlung der Hugenotten in Preußen durch den Großen Kurfürsten gab.
Auf dem Gebiet der Wissenschaft ist Preußen im späten 19. Jahrhundert sicherlich führend gewesen.
Im Südwesten Deutschlands sind aus der Wirtschaft Namen wie Robert Bosch, Carl Benz oder Gottlieb Daimler zu nennen.
Das 19. Jahrhundert hat viele Mythen geschaffen. Ich lese zur Zeit das Buch von Herfried Münkler über den Dreißigjährigen Krieg. Spannend!
Auf Ihre Ausführungen zur Geschichte Preußens bin ich sehr gespannt.
Vielen herzlichen Dank, @Marie H. 🙏🙌
Und, ja, schon in der Diskussion mit Prof. Inan Ince sprach ich ja auch die wirtschaftliche, politische und militärische Bedeutung von Rheinpreußen und Rheinruhr für die Geschichte von Preußen ab dem Wiener Kongress 1814 – 15 an. Dafür wäre das Königreich ja nach der Niederlage von Jena und Auerstedt 1806 beinahe von Napoleon vernichtet worden!
Habe gerade in diesen Minuten auch nochmal zum energiewirtschaftlichen Dualismus in Deutschland gebloggt:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/energieglauben-und-solarpunk-solarboom-in-china-pakistan/
Und hoffe, das eBooklet zu “B wie Berlin” bald fertigstellen und veröffentlichen zu können. Habe dafür gerne einige Urlaubstage investiert.
Und der Boom geht weiter …
https://www.dw.com/de/kpop-demon-hunters-bei-netflix-bricht-mit-klischees-animation-film-huntr-x-pop-idol-superheld/a-73845995
Vielen Dank, @Kajetan! 🙏🙌
Ich wurde inzwischen schon mehrfach gefragt, woher ich denn so früher gewusst habe, dass KPop Demon Hunters so ein riesiger und auch internationaler Erfolg werden würde.
Habe die Chancen genutzt, um vom Konzept der Heldinnenreise und vom Dreischritt egozentrischer Relativismus, feindseliger Dualismus bis zum dialogischen Monismus zu erzählen, den dieser Musikfilm nahezu perfekt abbildet.
Was ich aber auch noch nicht wusste: Der elektronisch-gregorianische Gesang vor dem starken Idol-Song der Saja Boys ist tatsächlich ein lateinisch-christliches Warngebet, Dies Irae:
https://m.youtube.com/shorts/GUtjfAYGoKc
Und hier singt eine Menschenmenge in Argentinien den Song “Golden” mit:
https://www.youtube.com/watch?v=nW83_lfOGcE
Danke für den Druko & Link, @Kajetan! 🙏🎶👩🎤
Wow, die Tiefe und die kreativen Verknüpfungen in KPop Demon Hunters sind wirklich beeindruckend! Zwischen all den komplexen Ideen und dem Dualismus darf man auch nicht vergessen, sich selbst etwas Ruhe zu gönnen. Nach einem so intensiven Film oder beim Reflektieren über all diese Gedanken kann ein Besuch bei HoneyRoom Massage Wunder wirken – perfekt, um Körper und Geist zu entspannen, damit man wieder klar denken und neue Inspirationen sammeln kann.