Durch Mimesis Medien verstehen: KI zwischen Biedermeier & Kreativität

Derzeit korrigiere ich gerade die Klausuren meiner Studierenden am KIT-Seminar – und freue mich wirklich sehr! Die meisten von ihnen haben überhaupt kein Problem damit, das psychologische Konzept der menschlichen Mimesis zu verstehen und eigenständig auf das Verständnis von Medien anzuwenden! 

Wollen Sie auch ein wenig ins Thema eintauchen?

Grundlage des Seminars ist der Watzlawick-Studienbrief mit „Be Good“ im Titel: Denn gerade auch Proteste und Demonstrationen wie aktuell in Minneapolis, Minnesota, USA gegen das Trump-ICE belegen doch, dass sich Menschen hinter gemeinsamen Zielen versammeln. Ohne menschliche Mimesis gäbe es weder Wirtschaft noch Religion, weder Politik noch Technologien. Die Faustkeile der Acheuléen-Kultur der Altsteinzeit stehen für den Beginn einer neuen Etappe (früh-)menschlicher Evolutionspsychologie!

Der Studienbrief von Dr. Michael Blume zur Medien- und Berufsethik im Wintersemester 2025/2026 eröffnet mit einem Zitat von Paul Watzlawick "Du kannst nicht nicht kommunizieren!" und dem Schriftzug "Be Good".Mein Studienbrief für das KIT-Seminar für Medien- & Berufsethik steht hier kosten- und barrierefrei zum Download zur Verfügung.

Auf dieser Grundlage präsentierten und diskutierten die Studierenden dann zu den Diskussionsthesen, wobei das Thema Fediversum und FOSS-Europa bereits weitgehend unstrittig war: Den meisten jungen Profis ist längst klar, dass sich Europa nicht länger von US-amerikanischer Konzernsoftware abhängig machen sollte. Am meisten Interesse fand der dialogische Wagenheber-Lerneffekt (den viele Mitwirkende auf diesem Blog bereits selbst kennen) und die parasoziale Beziehungslüge, mit denen uns KI-Anwendungen Beziehungen vortäuschen.

Hier, falls Sie Lust haben, die drei KI-Klausurfragen:

1. Was unterscheidet die Mimesis von Verhaltens-Imitation? Bitte nennen Sie für beide Begriffe je zwei Beispiele.

2. In einer Debatte sagt eine Freundin: „Ob Menschenwürde oder fossiler Faschismus – es kommt auf mimetische Entscheidungen an!“ – Ein anwesender Freund bittet Sie später, ihm diese Aussage in verständliches Deutsch zu übersetzen.

3. Stellt KI bereits eine eigenständige, sechste Medienrevolution dar? Erläutern Sie die bisherigen fünf Stufen und begründen Sie Ihre Einschätzung.

Die drei Klausurfragen im KIT-Seminar von Dr. Michael Blume im Januar 2026: 1. Was unterscheidet die Mimesis von Verhaltens-Imitation? Bitte nennen Sie für beide Begriffe je zwei Beispiele. 2. In einer Debatte sagt eine Freundin: "Ob Menschenwürde oder fossiler Faschismus - es kommt auf mimetische Entscheidungen an!" - Ein anwesender Freund bittet Sie später, ihm diese Aussage in verständliches Deutsch zu übersetzen. 3. Stellt KI bereits eine eigenständige, sechste Medienrevolution dar? Erläutern Sie die bisherigen fünf Stufen und begründen Sie Ihre Einschätzung.

Die Studierenden konnten die Klausurfragen mit dem Einsatz von KI in Einzel- oder Gruppenarbeit beantworten. Foto: Michael Blume

Und wie immer lernte auch ich jede Menge von und mit den Studierenden. So lernte ich viel aus den Dialogen über digitale Blasen und KI-Kokons. Für immer mehr junge Menschen gehören diese mimetischen Wirkungen längst zum Alltag – und werden entsprechend gerne reflektiert. Medienbildung erweist sich als Schlüsselfach.

Mit manchem hatte ich jedoch nicht gerechnet: So muss ich inzwischen anerkennen, dass einige KI-Anwendungen Kreativität entfalten. So gab Google NotebookLM die Mimesis als „unsichtbaren Puppenspieler“ wieder und wandte sie auf Musik an – zwei starke Beispiele, die nicht (!) aus meinem Studienbrief stammen!

Es ist mir unmöglich, hier keine kreative Leistung anzuerkennen. Denn der psychologische Mimesis-Begriff wurde von Platon und Aristoteles in der griechischen Antike in Diskussionen um das Theater geprägt, Schauspiele mit Fadenpuppen sind jedoch für Europa erst ab dem 12. Jahrhundert belegt. Die KI-Anwendung wählte also aus der Vielzahl denkbarer Bilder und Metaphern gezielt nach Effekt aus. Gänsehaut!

Das Schaubild zu Mimesis und Medien erläutert die mimetische Wirkung von Medien, die sich von Sprache und Schrift über elektronische und digitale Medien bis schließlich zu digitalen Blasen und KI-Kokons steigert. Zum Umgang damit wird eine Ethik der Verantwortung und "Mimesis der Mitte" empfohlen, die sich der medialen Wirkungen bewusst ist und technologische Anwendungen empfiehlt, die Extreme vermeiden.

Mimesis & Medien in einem Schaubild von Michael Blume mit NotebookLM

Auch beim Thema Medienrevolutionen und -stufen, das 2017 Mittelpunkt eines eigenen Seminars war, habe ich mich überzeugen lassen: KI-Anwendungen bilden eine eigene, sechste Stufe.

Auch rechne ich mit einem bereits entstehenden KI-Biedermeier-Zeitalter: Immer mehr Menschen werden immer mehr von immer weniger wissen. Sie spezialisieren sich in digitalen Blasen und KI-Kokons auf ihre Interessen und Hobbies und blenden unangenehm fordernde Themen wie Demokratie und Klimakrise dabei weitgehend aus. Ich hoffe freilich, dass sich durch die leichtere Verfügbarkeit von Politik-Wissen die Wahlbeteiligungen auf dem derzeitigen Niveau stabilisieren lassen.

Was meinen Sie? Könnten Sie die Klausur-Fragen auf Basis des Studienbriefes bereits beantworten? Auch im Sinne des dialogischen Wagenheber-Lernens freue ich mich auf den weiteren Austausch!

Avatar-Foto

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

33 Kommentare

  1. Freue mich, dass das Seminar und dieser Blogpost auf Mastodon bereits dialogisch diskutiert werden! 🤓🙌

    Schalte deswegen hier gerne einmal die japanische KI Felo.ai dazu, die ich promptete: „Können mimetische Medienblasen und KI-Kokons zu einer neuen Biedermeier-Kultur führen?“

    Die m.E. überzeugende Antwort:

    Mimetische Medienblasen (Filterblasen/Echokammern) und KI-Kokons können durchaus kulturelle Dynamiken begünstigen, die an eine *neue Biedermeier-Kultur* erinnern—also an Rückzug ins Private, Sicherheits- und Harmoniebedürfnis, Konfliktvermeidung und eine Präferenz für „passende“ Weltbilder. Der Zusammenhang ist nicht zwangsläufig, aber strukturell plausibel.

    ## Warum der Vergleich mit Biedermeier naheliegt

    **Biedermeier als Muster**
    Historisch steht Biedermeier (vereinfacht) für eine Phase, in der sich Teile des Bürgertums angesichts politischer Repression und Unsicherheit stärker auf Häuslichkeit, Familie, überschaubare Milieus und „unaufgeregte“ Kultur konzentrierten. Die heutige digitale Variante wäre kein staatlich erzwungener Rückzug, sondern ein *algorithmisch bequemer*.

    **Medienblasen als Komfort-Architektur**
    Filterblasen entstehen, wenn Plattformen bevorzugt Inhalte empfehlen, die zu dem passen, was man bereits geliked/geteilt hat—man sieht dann „nur eine Seite“ und bleibt in bestätigenden Deutungen[6]. Das senkt Reibung, erhöht Wohlgefühl und kann dazu führen, dass öffentliche Kontroversen eher gemieden werden: ein psychologisches Klima, in dem Rückzug und „das Eigene“ attraktiver werden.

    ## Was KI-Kokons zusätzlich verändern

    **Personalisierung wird granular und totaler**
    KI-gestützte Empfehlungssysteme fragmentieren Feeds immer weiter und schneiden Popkultur in „winzige, personalisierte Blasen“; dadurch gibt es weniger geteilte kulturelle Bezugspunkte[4]. Das ist zentral für eine biedermeierähnliche Entwicklung: Wenn die gemeinsame Öffentlichkeit schrumpft, wächst die Bedeutung des privaten Mikrokosmos.

    **Mimetische Verstärkung (Imitation als Default)**
    KI kann Trends nicht nur spiegeln, sondern verstärken: Sie erkennt Muster in Vorlieben und reproduziert sie effizient, wodurch Homogenisierung drohen kann[3]. Diese Rückkopplung—„du magst X, hier ist mehr X“—macht kulturelle Wiederholung und stilistische Sicherheit wahrscheinlicher als riskante Neuerungen.

    **„KI-Slop“ und Vertrauensverlust als Rückzugstreiber**
    Wenn Feeds mit KI-generierten, repetitiven oder sinnarmen Inhalten („AI slop“) und Manipulationen überflutet werden, wird Authentisches schwerer zu finden[4]. Eine naheliegende Reaktion ist selektiver Konsum: kleine, vertraute Communities, kuratierte Quellen, weniger öffentliche Debatte—also erneut ein Rückzug in kontrollierbare Umwelten.

    ## Aber: Es kann auch das Gegenteil passieren (Bifurkation statt Einheitskultur)

    Die gleiche Logik kann zwei Richtungen zugleich verstärken:

    – **Homogenisierung im Mainstream** durch algorithmische Trend-Verstärkung[3]
    – **Radikale Nischenbildung**: Weil Zugang zu Inhalten so leicht ist, finden Menschen auch sehr spezielle „nichey“ Gruppen und „splintern“ stärker auf[3]

    Das wäre eher eine *biedermeierartige Segmentierung* (viele kleine Wohnzimmer) als eine einheitliche neue Leitkultur.

    ## Fazit: Möglich, aber nicht determiniert

    Ja—mimetische Medienblasen und KI-Kokons können Bedingungen erzeugen, die eine neue Biedermeier-Kultur begünstigen: Rückzug ins Überschaubare, konfliktarme Selbstbestätigung, Mikro-Öffentlichkeiten statt gemeinsamer Öffentlichkeit[4][6]. Gleichzeitig kann KI nicht nur harmonisieren, sondern auch in Parallelmilieus aufsplittern lassen und damit eher *viele* „Biedermeiers“ erzeugen als *das* Biedermeier[3][4].

    [1] https://raw.githubusercontent.com/Rosantex/ONE/master/En
    [2] https://storage.googleapis.com/google-code-archive-downloads/v2/code.google.com/encode-decode/List.txt
    [3] https://medium.com/@nicolecacal/ai-status-and-culture-4c1a1c7d4c59
    [4] https://refreshmiami.com/news/from-tiktok-to-ai-art-algorithms-are-splintering-pop-culture-changing-how-we-connect-and-create/
    [5] https://les-13155.medium.com/embracing-ai-as-a-new-renaissance-in-art-ea807e49aef4
    [6] https://medium.com/data-and-beyond/how-filter-bubbles-are-biasing-your-opinions-on-social-media-9469b940154

    Meine Annahme geht sogar stärker in die Richtung der verstärkten, mimetischen Bifurkation und Segmentierung in die sog. „kleinen Wohnzimmer“. Als ein konkretes Beispiel nenne ich die exzessive Film-und-Text-Lore rund um Warhammer 40k, die auch im Fediverse bereits kleine Fan-Segmente außerhalb und gegen den Mainstream erzeugt.

    https://sueden.social/@BlumeEvolution/114354589281324566

    Gerade aufgrund der menschlichen Psychologie der Mimesis erwarte ich neben einem biedermeierlichen Mainstream eine Abertausendfache Entstehung von kleinen Blasen und KI-Kokons. Schon jetzt ist diese etwa auf YouTube mit einer einfachen Suche nach „Warhammer 40k“ zu bestaunen…

    • Danke, das ist interessant!! Habe in Bio nur Mimikry bei Tierrn gelernt. Aber Mimesis bei uns Menschen erklärt so viel mehr! Hilfreich fand ich das Beispiel der Proteste in Minnesota gegen Trump. Das sind ja logisch mitgeteilte Ziele, weswegen sich die Menschen gegen das ICE-Gesxhwader organisieren und demonstrieren!!!

      • Herzlichen Dank für das Interesse und die Rückmeldung, @Wieder was gelernt! 🙏

        Habe heute auch auf Mastodon eine Meme-Kachel zur Trump-Mimesis in den USA gepostet:

        https://sueden.social/@BlumeEvolution/115955488733568034

        Unter einem Bild von Trump heißt es dort in Englisch (mit deutscher Übersetzung von mir):

        Dear MAGA:

        None of you hated NATO until Trump told you so.

        Liebes MAGA:

        Niemand von Euch hasste die NATO, bevor Trump es Euch erzählt hat.

        None of you wanted Greenland until Trump threw a Tantrum.

        Niemand von Euch wollte Grönland, bevor Trump mit Ansprüchen um sich warf.

        None of you thought tariffs were a good idea until Trump shoved them down your throats.

        Niemand von Euch hielt Zölle für eine gute Idee, bis Trump sie Euch reingewürgt hat.

        You all are letting the dumbest man alive do all your thinking for you.

        Ihr alle lasst den dümmsten, lebenden Mann alles für Euch denken!

        Zitat Ende

        Ich halte das für eine perfekte Beschreibung von medialer Mimesis, mit der Trump-Tyrannophile sogar Ziele von ihm nachahmen, die ihren früheren Überzeugungen widersprechen.

      • Jetzt habe ich auch das Wort vom Fossilen Faschismus begriffen, der ja wirklich gut auf die Iran-Revolutionsgarde, Vladimyr Putin, ICE-Trump, die Linken von Venezuela, arabische Ölemirs, Aserbaidschan… passt!

        Imitieren die sich auch Mimetisch?

  2. @ Wieder was gelernt!

    ‚ Imitieren die sich auch mimetisch‘?

    Ja, sicher. Das ist ja das Dilemma.
    Die Frage ist, wie man das Dilemma auflöst!

  3. Hat einer „Klausur“ gesagt? Lechz! Ich schaff’s aber nicht, übern Pickel zu reden, ohne den Teenager drum herum zu skizzieren. Nicht so viel Teenager zu zeigen, dass der Pickel dabei verschwindend klein wird, schaffe ich nicht immer, aber ich gebe mir Mühe.

    Jeden Tag werden tausend Säue durchs Dorf getrieben. Welche Faktoren bestimmen, welchen wir folgen, und welche wir ignorieren? Zigtausende kleine Polit-Clowns saßen schon immer an ihren Stammtischen und redeten das gleiche wirre Adolf-Zeugs wie heute, und wir haben sie über Jahrzehnte ausgelacht. Doch plötzlich starten wir eine Weltmeisterschaft in Adolfitis, die sie im freien Wettbewerb perfektioniert, ihr übliches dummes 08/15-Motherfucker-Paranoiker-Kontrollfreak-Gebrabbel an die moderne Welt anpasst, die Sieger überall an die Macht bringt, und schließlich ein Endspiel organisiert, bei dem Polit-Clowns wie Jelzin oder Trump ihren Imperien den Todesstoß geben?

    Merken Sie die Ähnlichkeit zwischen Obama/Biden und Gorbatschow, zwischen den Silicon Junta der Tech-Milliardäre und den Putschisten in den letzten Tagen der Sowjetunion, der Militärjunta in Myanmar, der Inquisition, den Machthabern in Iran, all den anderen Hohepriestern eines todgeweihten Systems, die es in letztem Moment durch Monopolbildung in Leichenstarre zu konservieren versuchen?

    Hat damit zu tun, dass immer mehr Leute immer mehr von immer weniger wissen. Gilt nämlich auch für Staaten. Damit Rom mächtig werden kann, muss es die Provinzen mächtig wachsen lassen, um sie zu melken. Aus einfachen Agrar- oder Bergbaustaaten werden komplexe Ökonomien und Gesellschaften, die auch nur 24 Stunden am Tag haben, um sich um sich selbst zu kümmern. Je komplexer sie werden, desto weniger Ahnung hat der Boss von den Vorgängen in ihnen, desto weniger brauchen sie seinen Rat und seine Hilfe, der nervt nur noch mit seinen Steuern und guten Ratschlägen. Die Kinder wachsen zu selbstbezogenen Teenagern heran, deren Lebens-Mittelpunkt nicht mehr Papa ist, sondern der eigene Nabel.

    [Wegen Überlänge und unangemessener Sprache gekürzt, M.B.]

  4. @Mussi 25.01. 19:19

    „Imitieren die sich auch mimetisch’? Ja, sicher. Das ist ja das Dilemma. Die Frage ist, wie man das Dilemma auflöst!“

    Das ist dann wohl der nächste Schritt. Sich also nicht mehr oder weniger unbewusst von Unfug anstecken lassen, sondern sich immer wieder fragen: Wo will ich wirklich hin, was will ich wirklich haben, kaufen, benutzen, aber auch produzieren und verkaufen.

    Welche Grundlagen hat das alles, was sagt die Wissenschaft dazu wirklich, was passiert hier konkret in sozialen Gemeinschaften aller Größenordnungen. Was will ich unterstützen, und was will ich zu zerstören versuchen, weil ich da wirklich nicht hin will.

    Die Horizonte sind da sehr hilfreich. Je weiter man denkt, desto mehr kann man auch konkret in die Wege leiten. Desto eher kann das dann sogar funktionieren. Und ich vermute, dass gerade Horizonte auch sehr ansteckend sein können.

    Beispielsweise wenn man ganz konkret nicht nur deutsch, sondern wirklich europäisch denkt, redet und handelt. Und auch mal Gedanken daran verschwendet, wie es in vielleicht 30 Jahren weiter gehen könnte. Selbst wenn man keine guten Aussichten hat, dass am Ende selber noch zu erleben.

    Dann kann man nicht nur was bewegen, dann lebt man auch wirklich was. Womit man sich wirklich verbindet, mit dem lebt man dann doch auch. Man muss nicht alles kaufen, was man im Leben sehen will.

    Ist das denn überhaupt noch ein Leben, wenn man sich durchweg mit Sch. verbindet? Und da dann auch noch sein ganzes Leben für verschwendet. Ärmer geht es jetzt nicht aus meiner Sicht.

    • Zitat: „Beispielsweise wenn man ganz konkret nicht nur deutsch, sondern wirklich europäisch denkt, redet und handelt.“

      Orban, Weidel, LePen denken nicht europäisch, sind insbesondere EU kritisch bis feindlich und Putin und Trump wollen Europa auseinander dividieren, sicher aber nicht zusammenbringen.
      Europa selbst als EU hat sich zudem nicht besonders gut entwickelt, insbesondere wirtschaftlich, verschuldungsmässig und was den Euro angeht.

      Paradoxerweise ist die Bedrohung durch Putin und die Infragestellung der Nato durch Trump eine Chance für Europa und die EU stärker zusammenzufinden, weil immer deutlicher wird, dass ein Zerfall der EU und von Europa auch die einzelnen Staaten bedroht, weil dann selbst die Eigenstaatlichkeit durch die Dominanz von China und den USA in Frage gestellt wird.

      Europa besteht heute aus mehreren Blöcken, einem Ostblock, einem Südblock und einem Nordblock. Vor 30 Jahren war noch nicht ganz klar in welchen Block Frankreich gehört. Heute ist klar, dass es zum Südblock gehört. Jetzt ist auch Deutschland auf dem Weg in den Südblock, einem Block, der durch wirtschaftliche Schwäche und zunehmende Verschuldung gekennzeichnet ist.

  5. @Michael Blume
    25.01.2026, 13:42 Uhr

    @all

    Herzlichen Dank für das Interesse und die Rückmeldung, @Wieder was gelernt! 🙏

    Habe heute auch auf Mastodon eine Meme-Kachel zur Trump-Mimesis in den USA gepostet:

    https://sueden.social/@BlumeEvolution/115955488733568034

    Unter einem Bild von Trump heißt es dort in Englisch […]

    Hat das jemand auch in Deutsch? Wäre ganz hilfreich wenn man das weiter verbreiten will.
    Es gibt nämlich Menschen die kommen mit dem English nicht zurecht. Ich kenne welche davon.
    Sonst hilft nur selber basteln … 😎

    Bitte keine Kommentare dazu. Sind alles gute Menschen. Jeder ist irgendwo irgendwie eingeschränkt.

  6. Vermutlich könnte ich die Fragen nicht so beantworten, wie dies akademisch korrekt wäre.

    Es überrascht mich nicht, dass sich viele Menschen zurückziehen. Sowohl online wie auch im realen Leben. Die Berichte, die uns täglich von überall her erreichen, lassen nichts anderes zu, wenn wir nicht auf eine psychische Notlage zusteuern wollen.

    Das Zeitalter des Biedermeier und der damit häufig verbundene Rückzug ins Private war unter anderem dem Umstand geschuldet, dass vor allem die Versammlungsfreiheit massiv beschnitten war. Andererseits entstanden in dieser Zeit hier im Südwesten Deutschlands die ersten Gesangvereine, wie z.B. der Stuttgarter Liederkranz, gegründet 1824.

    In der heutigen Zeit halte ich es für schwierig, sich in den Internet-Blasen sicher zu fühlen. Die Accounts, mit denen man dort interagiert, mögen zwar die gleichen Interessen teilen, aber das Internet „vergisst nicht“, wenn wir uns dort das Recht der freien Meinungsäußerung nehmen. In Wien waren es die Spitzel Metternichs, heute sind es die Betreiber der kommerziellen Social Media.

    Wenn ich mir nur die Presseberichte der letzten Tage durchlese, so sehe ich mittlerweile die Notwendigkeit der Selbstzensur. Denn es lässt sich – auch dank KI – für jeden und jede eine virtuelle Akte erstellen, mit deren Inhalt wir bald schon im realen Leben konfrontiert werden könnten. Stichwort AfD. Ihre Hoffnung, „dass sich durch die leichtere Verfügbarkeit von Politik-Wissen die Wahlbeteiligungen auf dem jetzigen Niveau stabilisieren lassen“ verstehe ich zwar, aber auch die Aneignung dieses Wissens wird im Zweifel wieder gegen mich verwendet werden.

    Folge ich beispielsweise den Grünen und ihrem baden-württembergischen Spitzenkandidaten, gerate ich womöglich in große Schwierigkeiten nach der Machtübernahme der A.. Wer nach den Aussagen verschiedener Politiker dieser sog. Alternative immer noch entschlossen ist, dort sein Kreuzchen zu machen, der hat mit der Verfolgung Andersdenkender oder sonstiger Gruppen, die der A.. nicht in den Kram passen, keine Probleme.

    Noch ein Wort zum Biedermeier und der Musik.Wenn wir uns einmal die Namen von Komponisten anschauen, die in der Zeit von 1815 – 1848 aktiv waren, so fällt auf, dass sie bis heute häufig in Konzertprogrammen oder in den Spielplänen von Opernhäusern auftauchen.

    Hier nur ein paar Namen, um dies zu veranschaulichen. Ludwig van Beethoven (gest. 1827), Franz Schubert (gest. 1828), Felix Mendelssohn Bartholdy (gest. 1847), Carl Maria von Weber (gest. 1826). Giuseppe Verdi und Richard Wagner sind beide 1813 geboren, und ihre Frühwerke wurden noch vor 1848 uraufgeführt. Dauergäste auf den Opernbühnen in Europa waren Gioachino Rossini, Gaetano Donizetti und Vincenzo Bellini. Insbesondere die Opern von Rossini erfreuten sich großer Beliebtheit, und für das Hoftheater in Stuttgart stellte ich fest, dass bereits kurz nach deren Uraufführungen diese in deutscher „Übersetzung“ aufgeführt wurden. Ebenso die Oper „Die Hugenotten“ von Giacomo Meyerbeer.

    Jacques Offenbach kam 1819 zur Welt, Johann Strauss (Sohn) 1825. Beide sind also in der Zeit des Biedermeier aufgewachsen.

    Albert Lortzing (1801-1851), Friedrich von Flotow (1812-1883), Louis Spohr (1784-1859), Heinrich Marschner (1795-1861) komponierten ihre Opern in deutscher Sprache.

    Das Programm des Stuttgarter Hoftheaters war noch bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts sehr stark vom Geschmack König Wilhelms I. von Württemberg abhängig. Er bevorzugte Meyerbeer. Richard Wagner konnte sich mit seinen Opern erst unter dem Nachfolger, König Karl von Württemberg, einen Stammplatz erobern. „Tannhäuser“ (UA 1845), Erstaufführung am Hoftheater Stuttgart 1856; „Der fliegende Holländer (UA 1843), EA am Hoftheater 1865.

    Persönlich ist es weitgehend die Musik des 19. Jahrhunderts, die mich durch diese turbulenten Zeiten trägt. Aber mit dem Unkalkulierbaren, das immer größer zu werden scheint, ist es letztlich doch auch wieder Johann Sebastian Bach, dessen Musik Trost spendet. Wer weiß, wie nahe mir mein Ende?

    • Haben Sie herzlichen Dank, @Marie H. – und, ja, ich hatte erst gestern Abend und heute Morgen auf Mastodon sehr wertschätzende Rückmeldungen zur Verwendung meines Klarnamen. Allerdings wurde ich auf YouTube auch von rechts und auf Mastodon (weniger schlimm) von links persönlich und durch ganze Gruppen angegangen, die jeweils von den drastischen Aussagen des AfD-Landesvorsitzenden ablenkten – beispielsweise durch Verweise auf die H…sohn-Aussagen eines grünen Funktionärs gegen Söder, durch weitere Sprüche über ihn oder auch durch den Vorwurf, meine Forderung nach Hashtag-sensiblen Screenreadern für Menschen mit Sehbehinderungen sei nicht „gut genug“.

      Für mich ist es dann immer schwer zu entscheiden, wie weit ich dialogisch antworten soll oder ab wann nur noch Derailing und organisierte Shitstörmle einsetzen. Und ich verstehe alle, die sich dann generell aus Internet-Diskursen zurückziehen oder allenfalls noch Pseudonyme verwenden. Erfreulich viele verlassen X, aber einige leider auch wieder Mastodon.

      Auch im Bereich des Antisemitismus sehen wir rechtsdualistische Eskalationen etwa gegenüber Ben Shapiro in den USA und linksdualistische Eskalationen etwa in Leipzig-Connewitz.

      https://www.tagesschau.de/inland/regional/sachsen/mdr-grossdemo-links-vs-links-in-leipzig-connewitz-100.html

      Hinzu kamen zahlreiche Diskussionen um mein Plädoyer & meine Podcasts zu Menschenwürde, Gewaltenteilung und „Be Good“. Auch heute wurde ich wieder auf einer Veranstaltung von Menschen angesprochen, die sich enorme Sorgen um den Zustand der USA 🇺🇸 und die Zukunft auch von Deutschland & Europa 🇩🇪🇪🇺 machen. Die missglückte Mercosur-Abstimmung im Europaparlament trifft ja leider auch gerade jene, die sich wie ich öffentlich für die Brandmauer gegen Rechtsdualismus ausgesprochen haben.

      Ich muss also immer wieder abwägen, wo auch meine Grenzen sind und wo ich auch mal freundlich, aber klar „Stop“ zu sagen habe.

      Und ich fürchte dabei auch noch, dass vielen auch gutmeinenden Menschen noch überhaupt nicht klar ist, dass schon jetzt KI-Anwendungen vermeintlich „anonyme“ Profile leicht realen Personen zuordnen können. Schon vor Jahren staunten wir über die Fähigkeiten von Facebook, noch gar nicht angemeldeten Personen „Bekannte“ vorzuschlagen. Und wenn ich manche Posts sogar im Fediverse lese, dann bemerke ich, dass sich noch immer sehr viele Menschen in falscher Sicherheit bezüglich vermeintlicher Anonymität wiegen. Ich stimme Ihnen auch da zu: Bräche auch in Deutschland der Rechtsstaat analog zu ICE in Minnesota zusammen, dann wäre auch hier niemand mehr sicher. Viele Mittige und Linke begreifen m.E. den Ernst der Lage noch nicht.

      Für mich persönlich als „Person des öffentlichen Lebens“ wider Willen kommt ein Rückzug in den Kokon also nicht mehr in Frage – schon gar nicht, wenn es um Antisemitismus und Ableismus geht. Aber ich werde schon versuchen, die zunehmenden Pendelschläge zwischen Rechts- und Linksmimesis auch durch Abstand und mehr Pausen zu überstehen.

      Ihnen Dank für Ihre ernsthaften & kritisch-konstruktiven Kommentare, die zum Blog-Dialog erheblich beitragen. 🙏🙌

      • Vielen Dank für Ihre klaren Worte, die mich sehr betroffen gemacht haben.

        Ich habe für mich persönlich noch nicht entschieden, wie es auf Ihrem Blog und in Social Media weitergeht.

        Nehme ich die letzten Statements aus der AfD habe ich wenig gute Aussichten. Das war mir aber auch bisher schon klar.

        Jegliche Beleidigungen, ob von links, rechts, Mitte, lehne ich grundsätzlich ab.

        Wenn am 8. März gewählt sein wird, die Wahllokale schließen und um kurz nach 18.00 Uhr die erste Hochrechnung erscheint, dann wird auch das in meine Überlegungen einfließen.

        Für Ihr Engagement, ob in Ihrem Amt oder am KIT oder auf dem Blog oder auf Youtube kann ich Ihnen nur sehr herzlich danken. Mir ist klar, dass das alles für Sie mit großen Belastungen einhergeht, wobei ich mir die Dimension nicht annähernd vorstellen kann.

        Der Austausch hier auf Ihrem Blog, durch den ich immer noch etwas lerne, möge uns noch lange erhalten bleiben. Die Freiheit sollten wir uns lassen, selbst zu entscheiden, ob und wie es weitergeht, solange wir diese Freiheit noch haben.

        • Vielen Dank, @Marie H.

          Und, ja, so sehe ich es auch. Die Dialoge auf dem Blog machen Freude und Sinn, gehen in die Tiefe. Und wenn hier Trolle oder Hater aufschlagen – was immer wieder vorkommt -, dann muss ich diese ja nicht freischalten.

          Gerade erst hat aber Ruprecht Polenz unter Klarnamen auf Mastodon einen neuen Account angelegt – und wird seitdem ebenfalls mit Anwürfen überschüttet. Ich bin ihm gerade beigesprungen und hoffe, dass er bleibt und vielleicht in Zukunft noch weitere Moderate dorthin finden.

          https://sueden.social/@BlumeEvolution/115962561580598429

          Verstehe @rpolenz da leider sehr. Wurde erst gestern dafür „gelobt“, dass ich hier als einer der wenigen Accounts auf #Mastodon mit Klarnamen unterwegs bin – aber der Preis dafür ist hoch. Es ist hier viel besser als auf #X, doch auch Linksdualisten haben manchmal Spaß daran, in Gruppen gegen Andersdenkende vorzugehen. Habe dazu „Shitstörmle“ u.a. zu Ernährung erlebt, zu meiner Ablehnung von Namenswitzen gegen Politikerinnen, zu meinen Warnungen gegenüber #Antisemitismus & #Ableismus. (1/4)

          Mein Punkt ist nicht, immer Recht zu haben. Habe ich nicht. Sondern mein Punkt ist, dass Dialoge mit orchestrierten Gruppen anonymer Accounts mit völlig überzogenen Schimpfworten („Kackscheiße“, „Flintenuschi“ usw.) & Anwürfen gar nicht gehen. Oft werden damit ja auch wichtige Dialoge sabotiert („Derailing“).

          Das Ergebnis ist: Moderate ziehen sich zurück, weil sie gleichzeitig rechts- UND linksmimetisch angegriffen werden. In Gruppen! Das Problem ist nicht #Hufeisen , sondern #Dualismus. (2/4)

          Auch erlebe ich es, dass viele Menschen hier im #Fediverse wirklich noch glauben, sie könnten sich „anonym austoben“. Dabei sollte längst allen klar sein, dass schon jetzige KI-Anwendungen Profile sehr genau echten Personen zuordnen können. Und wir sehen doch gerade bei #ICE in den #USA, dass der Erhalt von Rechtsstaat & Demokratie kein „Spaß“ ist. Ich möchte hier kein Spielverderber sein – aber wir leben leider nicht mehr in einem Spiel. Auch das Fediversum ist „echt“! (3/4)

          Mir ist völlig klar, dass es auch hier immer Menschen geben wird, die Moderate, Christdemokratinnen usw. per se ablehnen. Das ist okay. Wenn wir Euch triggern, könnt Ihr uns auch entfolgen bzw. stummschalten. Echte #Vielfalt ist anstrengend & manchmal passt es eben nicht.

          Ich bitte jedoch auch Linke & Progressive zu fragen, ab wann #Medienblasen von Orten des Dialoges zu Orten des Ausschlusses werden. Wenn das Fediverse Mitte & Maß verliert – wer wird dann gewinnen?

          Danke fürs Zu-Lesen. (4/4)

          Noch schaffe ich das. Wenn sich jedoch auf X der Rechtsdualismus weiter breitmachen sollte und im Fediversum der Linksdualismus, dann werde auch ich mir die Freiheit nehmen, nur noch dort präsent zu bleiben, wo es mir gut tut. Also hier auf dem Blog. Ich fühle mich darüber hinaus nicht verpflichtet, mich unsachlichem und orchestriertem Dauerfeuer von allen Seiten dauerhaft auszusetzen.

          Ihnen Dank für Ihr Verständnis und uns allen viel Kraft für die nächsten Wochen und Monate!

          • Guten Morgen, @Michael.

            Wie auch @Marie H. kann ich nicht annähernd beurteilen, was es bedeutet, täglich so exponiert zu sein und den Hass zu erleben, den Du wohl erfährst. Selbst im Fediversum. Dennoch bist Du bis jetzt dort auf gute Weise präsent, und zwar nicht nur, indem Du dort Deine große Reichweite als Verstärker nutzt, nein, Du nimmst täglich die Abstrengungen in Kauf, die ein echter Dialog mit sich bringt. Das ist nicht selbstverständlich auch im Fediversum. Das bedeutet: Deine Präsenz dort ist eine große Bereicherung, und ich bin mir sicher, dass nicht nur ich Verständnis dafür habe, wenn Du Ruhe und Rückzug benötigen solltest.

            Ich hoffe, dass viele sich bewusst machen, was wir am Fediversum haben – besonders in Zeiten, in denen die Konzernmedien als Dialogräume verschwinden – und mehr Wertschätzung in ihre Beiträge einbringen, anstatt in parteipolitische ‚Wir gegen die‘-Denken zu verfallen. Dass wir uns diese Plattform als digitalen ‚Ort guten Lebens‘ erhalten, gerade wenn die Welt um uns immer dunkler wird.

          • Vielen herzlichen Dank, lieber @Peter 🙏

            Gerade auch am heutigen Tag ist mir Reflexion sehr wichtig. Und im Kern erlebe ich ja immer wieder, wie gut die meisten Dialoge auf Mastodon gelingen – wir beide sind ja ein Beispiel dafür.

            Gleichzeitig verstehe ich natürlich, dass etwa ein Antrag aus dem Wirtschaftsflügel der Union zur Einschränkung von Teilzeit auf dem Bundesparteitag der CDU sehr viele Menschen bewegt, manche auch empört. Und dann liegt es für viele eben nahe, sich an denen abzuarbeiten, die greifbar erscheinen. Sogar als ich einen Artikel über die Demografie in Russland einstellte, wurde ich darauf angegangen. Habe den Post dazu dann gelöscht, obwohl ich das Thema – wie Du weißt – sehr relevant finde.

            https://www.tagesspiegel.de/internationales/putin-geht-langsam-das-volk-aus-kreml-massnahmen-werden-russlands-bevolkerungsruckgang-nicht-aufhalten-15182021.html

            Doch derzeit scheinen Dialoge dazu auf Mastodon kaum möglich. Okay.

            Aber klar fällt mir das hinzunehmen nicht so leicht, wenn Threads etwa um Antisemitismus, Ableismus oder unsere Demokratie harsch angegangen und „derailt“ werden. Denn gleichzeitigen Hass von rechts und links braucht nun wirklich niemand. Und das sehen die meisten selbstverständlich nicht, für die auch Moderate schon verdächtig wirken.

            Die Vorstellung, gerade auch heute wieder gleichzeitig von mehreren, anonymen Accounts angegangen zu werden, hat mich daher sehr nachdenklich gemacht. Denn, noch einmal: Ich vermute, dass die meisten Menschen auf Mastodon individuell sehr freundlich sind und sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen können, wie sich solche dauernden Anwürfe durch anonyme Gruppen anfühlen. Auch Ruprecht Polenz erlebt das ja gerade – und da denke ich natürlich an jene, die ich für Mastodon gewann, die dann aber wieder gingen. Noch vor einigen Jahren galt die Plattform als „zu ruhig“, jetzt wirkt sie oft zu laut…

            Oder ist das Ganze vielleicht einfach nur notwendig, damit sich auf Dauer im Fediversum bessere und vielfältigere Medienblasen entwickeln? Sind das Wachstumsschmerzen im konzernfreien Neuland? Sollte ich vielleicht einfach gar nicht mehr auf solche Dynamiken eingehen, mich nicht auch selbst emotionalisieren lassen? Ist meine Erwartung an Online-Dialoge – vielleicht auch gerade durch die guten Erfahrungen auf dem Blog – einfach zu hoch? Sollte ich mich gerade dann antizyklisch rausnehmen, wenn die Emotionalisierung zu stark wird? Aber wäre das nicht wiederum falsch gegenüber jenen, die ja vielleicht wirklich mehr verstehen wollen?

            Eigentlich ist es ja nicht überraschend, dass im Zeitenumbruch nicht nur schöne Lernprozesse stattfinden. Wir fühlen uns doch (fast) alle hin- und hergeworfen. Antisoziale Konzernmedien verstärken das, um es auszubeuten. Aber Gruppendynamiken unter Streß sind uns als Menschen doch auch sonst nicht fremd.

            Heute ist der Jahrestag der Befreiung von Auschwitz & ich habe an mich selbst den Anspruch, zuerst an die Opfer des Nationalsozialismus und die Lehren der Geschichte zu denken, würdig zu sprechen, nicht um die eigenen Befindlichkeiten zu kreisen.

            Für unsere immer wieder sehr guten Dialoge hier und sogar im RL möchte ich mich bedanken, lieber Peter. Ich mag gerne hoffen, dass wir der Zeit einfach voraus sind und es in Zukunft immer mehr gelingenden Austausch geben wird. Gerade auch an Gedenktagen wie heute.

  7. Zum heutigen Gedenktag und zum Superwahljahr:

    Mitlerweile gehe ich soweit, Wähler, die rechtsextremistisch wählen, als diesesmal auch wieder als Mitläufer zu bezeichnen.

    Die Stimmung danach scheint greifbar.

  8. @Michael 27.01. 06:19

    „Ich mag gerne hoffen, dass wir der Zeit einfach voraus sind und es in Zukunft immer mehr gelingenden Austausch geben wird.“

    Wenn wir einfach weiter denken, und uns vernünftig austauschen, dann kann das wohl recht schnell gehen, seiner Zeit zumindest ein wenig voraus zu sein.

    Die Wege des Herrn sind unergründlich ist sicher immer auch aktuell, aber man kann da doch zumindest versuchen, Struktur rein zu bringen.

    Ich hoffe ja immer noch auf eine grundlegende Wende durch eine LLM-basierte Wissensoffensive. Man kann so jede Menge destruktive Gerüchte sehr schnell nachprüfen. Und diese KI scheint auch sehr schnell Aktuelles integrieren zu können.

    Das müsste doch auch der Inflation der Desinformation in den antisozialen Netzen entgegenwirken können. Und dass man lieber der KI Fragen stellt, um sich weiter zu bilden, als ständig irgendwelche Unsinnsposts zu lesen.

    • Vielen Dank, lieber @Tobias – und, ja, auch ich bin beeindruckt vom schnellen Wachstum von KI-Anwendungen auch schon weit über LLMs hinaus. Schon jetzt greifen sie tief in das Verhalten von Menschen ein und verändern unsere menschlichen Gewohnheiten.

      Meinen Studierenden am KIT-Seminar hatte ich dazu eine Zeitungsmeldung vom 10. Januar 2026 abfotografiert und vorgelesen, die ich angesichts Deines regen Interesses hier auch einmal abtippe:

      2025 wurden weniger Bücher verkauft

      FRANKFURT. Der Buchmarkt ist im vergangenen Jahr unter Druck geraten: Der Umsatz aller Vertriebswege zusammen schrumpfte um 2,9 Prozent, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt mitteilte. 2024 war der Umsatz 1,8 Prozent gewachsen, 2023 um 2,8 Prozent.

      […]

      Der Umsatz der Belletristik wuchs um 1,3 Prozent. Das meistverkaufte gebundene Buch 2025 war „Der Nachbar“ von Sebastian Fitzek. Es folgte auf Rang zwei der 41. Band der Comic-Reihe Asterix „Asterix in Lusitanien“. Auf Platz drei folgte „The Secret of Secrets“ von Dan Brown.

      Die übrigen Warengruppen verzeichneten Einbußen: Der Umsatz von Kinder- und Jugendbüchern schrumpfte um 2,5 Prozent, Sachbücher um 4,7 Prozent, Ratgeber um 7 Prozent. epd

      Hier wird m.E. deutlich, dass im Zusammenspiel von schwächelnder Demografie und wachsender KI Bücher für junge Menschen, Sachbücher und vor allem Ratgeber unter Druck geraten, weil täglich mehr Menschen KI als Informationsquelle und Ratgeber nutzen, auch etwa durch Google-Gemini-Suchanfragen.

  9. @ Blume : Mitläufer

    Da gebe ich Ihnen recht.
    Es berührt zusätzlich die Frage der Schuld trotz besseren Wissens und die damit verbundene Verantwortung für unsere heutige Zeit.
    Mir fällt aber kein anderer Begriff dazu ein.
    Fällt Ihnen einer ein?

    • Lieben Dank, @Mussi – gelegentlich spreche ich von Dualisten als Flachdenkern, da sie komplexe Probleme auf eine einfache Freund-Feind-Achse reduzieren. Im Falle von Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern tue ich dies aber bewusst nicht, weil ich die Menschen ja nicht belehren oder gar wegstoßen, sondern vernünftig erreichen möchte. (Und, nein, ich mache mir da keine Illusionen, wie oft das gelingt – aber jede Seele ist es wert.)

      Daher verwendete ich etwa im Video-Short die Ansage von „Menschen, die später nicht mehr behaupten können, von nichts gewusst zu haben.“

      https://youtube.com/shorts/_mTFJjLFZrI

      Das sehe ich im Übrigen auch im Hinblick auf andere Länder so. Wer sich einmal mit Trump in rechtsmimetischen Blasen verloren hat, hat es nach meiner Einschätzung leichter als jemand, der ihn auch noch nach dem versuchten Sturm aufs Kapitol erneut wählte. Wir dürfen von erwachsenen Menschen die Bereitschaft erwarten, dazu zu lernen. Wenn das nicht mehr der Fall ist, gibt sich die Demokratie mit der Idee der würdevollen Partizipation selber auf. Meine ich.

  10. @ Blume – Sport

    Der Sport war nie unpolitisch,ja.
    Der Sport heutiger Zeit beruft sich auf das Ideal der Neutralität und Objektivität. Er beansprucht da eine Sonderstellung in der Gesellschaft; seine Autonomie.
    Mit diesen ideellen Gedanken bin ich aufgewachsen.
    Erschüttert wurde dieses Ideal durch die Olympiaboykotte 1980 und 1984.
    Da wurde sehr deutlich, wie massiv der Sport zwischen Krieg und Frieden gehandelt wurde.
    Da wurde auch mir erstmals klar, dass Neutralismus und Objektivismus zwar here Ziele sind, diese aber politisch zerrieben werden.
    Aktuell ist es der Boykottaufruf zur Fussball- WM auf Grund der Entwicklungen in den USA. Die FIFA macht sich da zum bereitgefälligen Handlanger.
    Alleine die Vergabe von Sportgrossereignissen ist schon politisch.
    Man betrachte die Diskussionen um eine Olympiabewerbung in Deutschland.
    1972 und das palästinensische Attentat waren für mich noch zu früh für grundlegende Auseinandersetzungen mit Sport und Politik.
    Ja, der Sport hat wesentlich das initiale Gerüst für ein Friedensprojekt der Kulturen.
    Stellt sich nur die entscheidende Frage, wie sehr das fundamentale Fairnessinteresse unterlaufen wird?
    Sogar die ursprünglichen Werte des Sports verraten und missbraucht werden.
    Sport wieder als körperliche und vorbereitende Ertüchtigung für den Krieg?
    Sie haben in Stuttgart vorwiegend die damalige und heutige Situation zum Antisemitismus betrachtet.
    Damals wurde Neutralismus und Objektivismus missachtet, es wurde danach und wird wieder missachtet.
    Aber ohne diese zentralen Parameter keine Differenzierung zwischem dualistischen Freund-Feind-Schema oder nur sportlich abgeschwächte faire Rivalität vs Kameradschaft.
    Sport kann deshalb ein Friedensprojekt sein, weil er wertegebundene Regeln und Grenzen hat. Es ist die Bereitschaft, diese zu akzeptieren und danach zu handeln und den Anderen anzuerkennen. Denn sonst kein fairer Wettkampf.
    Das ist in der globalen kriegerischen Politik momentan nicht der Fall.

    • Herzlichen Dank, @Mussi – und inhaltlich ein großes „Ja!“

      In der Ansprache habe ich die Geschichte des Fußballs so zu umreißen versucht:

      Es gibt immer noch Menschen, die behaupten, der Sport wäre unpolitisch.

      Es gibt immer noch Leute, die behaupten, Sport wäre belanglose Unterhaltung.

      Und es gibt sogar eine wachsende Zahl von Leuten, die behaupten, Sport wäre nur ein Wirtschaftsgut und hätte darüber hinaus keine tiefere Bedeutung.

      Dem möchte ich hier und heute ganz klar widersprechen, auch als Religions- und Politikwissenschaftler. Denn ich meine, das Gegenteil ist wahr.

      Der Sport insgesamt und vor allem der Fußball haben die Aufgabe und die Funktion erfüllt, aus Gewalt zum Frieden überzuleiten.

      Im 19. Jahrhundert war es im Mutterland des Fußballs, in Großbritannien, noch üblich, dass zwischen Ortschaften recht gewalttätige „Spiele“ ausgetragen wurden, bei denen es darauf ankam, einen Lederball mit vollem Körpereinsatz ins gegnerische Stadt-Tor zu befördern.

      Die Regeln dazu waren noch rudimentär und es gab zahlreiche Verletzte.

      Doch nach Einsprüchen von Kirchen und Staat entwickelten sich Regelwerke und erste Vereine, die mehr und mehr darauf drängten, die Gewalt zurückzudrängen und einen friedlichen Wettkampf, einen echten Sport, daraus zu machen.

      Sie alle kennen die nachwirkende, besondere Intensität von „Derbys“ bis heute, also den Spielen lokaler und regionaler Nachbarclubs!

      So entwickelte sich der Football und trennte sich dabei in Rugby einerseits und „unseren“ Fußball andererseits, der über eine erste Vereinsgründung in St. Gallen, Schweiz, auch nach Deutschland strahlte.

      Bis heute kommt es im Fußball also darauf an, zwar siegen zu wollen, sich dabei aber an Regeln zu halten, Leistung zu bringen, aber immer und in jeder Situation Fairplay und die Achtung des Gegners zu leben.

      Engagement für den Fußball verwandelt Gewalt in Frieden.

      Dass die Nationalsozialisten, wie es Präsident Allgäyer angesprochen hat, dann genau den Sport und auch diesen Sport dafür missbraucht haben, um Menschen wieder auf den Krieg einzustimmen und vorzubereiten, dass sie die Friedenswirkung und Friedensabsicht des Fußballs geradezu in ihr Gegenteil verkehrt haben, ist, so hoffe ich, deutlich geworden.

      Und jetzt verstehen Sie vielleicht auch, warum ich es so unglaublich wichtig fand, dass die Spiele mit Maccabi in Baden-Württemberg stattfinden konnten. Wer darin nur Unterhaltung oder gar nur Kommerz sehen möchte, hat einfach keine Ahnung von Geschichte!

      Mir ist gleichwohl wichtig, darauf hinzuweisen, dass auch die Verregelung immer wieder auf Widerstände trifft. So verweigern einige Fanclubs bei aus ihrer Sicht zu scharfen Sicherheitsregeln den Stadionbesuch. Und der Soziologe Hartmut Rosa sieht m.E. durch eine zunehmende Verrechtlichung, Bürokratisierung und auch Verwissenschaftlichung des Lebens Reaktanz gegen „schwindende Spielräume“:

      https://www.ardmediathek.de/video/wir-im-saarland-kultur/hartmut-rosa-vom-verschwinden-des-spielraums/sr/Y3JpZDovL3NyLW9ubGluZS5kZS9LVS1XSU1TXzE2Mzg0NC9zZWN0aW9uLzQ

      Aus meiner Sicht bekommen wir auch ein wachsendes Problem mit der Demografie, da nicht mehr starke Jugendgenerationen antreiben, sondern ältere Jahrgänge das System dominieren. Warum aber sollen dann die Jüngeren nach den gleichen Regeln – mitspielen?

  11. @Michael Blume 27.01. 6.19 Uhr

    Sie haben in Ihrer Antwort an @Peter Gutsche eine Fülle an Fragen gestellt.

    Mittlerweile haben Sie sich entschieden, das Tässle Kaffee am Morgen nicht mehr zu kredenzen. Das ist sehr bedauerlich, aber ich verstehe Ihre Gründe.

    Für die meisten Ihrer Leserinnen und Leser sind Sie jemand, der den Dialog möchte. Auch kritischen Antworten begegnen Sie meist mit viel Toleranz. Und ja, jeder Austausch von Meinungen sollte sachlich und im Ton höflich sein.

    Sie haben in der o.g. Antwort auch Ihre Mitgliedschaft in der CDU und den zunehmend aggressiven Stil, mit dem Ihnen gegenüber reagiert wird, wenn von der Union Vorschläge kommen, die bei vielen Leuten Angst auslösen, erwähnt. Das führt sicherlich jetzt häufiger als früher zu unsachlichen Antworten von manchen Menschen, die bisher nicht dadurch aufgefallen sind.

    Dass die Antworten von Hardcore-Linken und -Rechten nunmehr zu einer solchen Belastung führen, dass Sie das bisherige Morgenritual aufgeben, ist alarmierend. Ich befürchte, dass sich die gegenseitige Ablehnung noch verstärken wird. Darüber muss man entsetzt und traurig sein. Sicher sollte man, wo immer dies noch möglich ist, mit der Gegenseite im Gespräch bleiben. Mir ist klar, dass jeder Tag eine Verschlechterung mit sich zu bringen scheint.

    Noch ein persönliches Wort zu den Plänen der Union oder zumindest eines Teils davon, die tatsächlich auch bei mir Angst auslösen. Dafür tragen Sie am wenigsten die Schuld. Dass hier keine Missverständnisse entstehen, betone ich dies ausdrücklich.

    Die Angst hat ihren Ursprung bei mir in der absoluten Machtlosigkeit! Der mächtige Wirtschaftsrat der CDU stellt die Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft. Zwar fällt das Arbeitsrecht mW ins Sozialministerium, aber von der SPD sehe ich momentan wenig Widerstand. Wie die einstmals mächtigen Gewerkschaften reagieren werden, kann ich zurzeit überhaupt nicht beurteilen.

    Es ist mein Eindruck, dass wir Leute in Verantwortung haben, die sich von einer tiefsitzenden Menschenverachtung leiten lassen. Die Sprache dieser Leute ist ein Fingerzeig. „Lifestyle-Teilzeit“.

    Glücklicherweise gibt es in der Union noch Menschen wie Sie, Ruprecht Polenz oder auch Erwin Huber in der CSU. Die geringe Unterstützung aus der Union für die Initiative „Compass Mitte“ hat gezeigt, dass sie eine Minderheit in der CDU sind. Das ist mein durchaus subjektiver Eindruck.

    Was mich im Zusammenhang mit der Sendung von Lanz mit Daniel Günther im Nachhinein besonders geschockt hat, war folgende Erkenntnis: Der Ministerpräsident eines Landes reagiert auf diese Sendung mit einem Post auf Social Media, dessen Inhalt nur den einen Schluss zulässt, dass die irreführende Berichterstattung die Grundlage war. Hat man als MP nicht besondere Sorgfalt walten zu lassen? Oder erwarte ich im Zeitalter von Social Media zuviel? M.E. erwarte ich zuviel.

    Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, so war es Ruprecht Polenz, der vor ein paar Jahren auf Social Media eine Geheimveranstaltung der JU München mit Thilo Sarrazin publik machte. Dies löste massive Angriffe auf seine Person aus den eigenen Reihen aus. Ich finde es bis heute sehr mutig.

    Auf den feindseligen Dualismus, der zwischen dem politischen Nachwuchs der Union und beispielsweise der Grünen besteht, habe ich auf Ihrem Blog schon oft hingewiesen.

    Die Freiheit, die Menschenwürde, die Achtung vor seinen Mitmenschen, faire Chancen für alle, ein selbstbestimmtes Leben, dessen Sinn jede und jeder für sich selbst definieren darf, scheinen mit jedem Tag utopischer zu werden. Und die Zukunft düsterer. Wenn andere leiden, fühle ich mich besser, ist für viele wichtiger. Schrecklich!

    Ihnen herzlichen Dank für Ihren Einsatz.

    • Haben Sie herzlichen Dank für Ihre freundliche Rückmeldung, @Marie H.

      Auf Mastodon hatte ich zu den heftigen, linksdualistischen Angriffen gerade auch während des Holocaust-Gedenktages 2026 bereits gepostet:

      Mir ist völlig klar, dass es auch hier immer Menschen geben wird, die Moderate, Christdemokratinnen usw. per se ablehnen. Das ist okay. Wenn wir Euch triggern, könnt Ihr uns auch entfolgen bzw. stummschalten. Echte #Vielfalt ist anstrengend & manchmal passt es eben nicht.

      Ich bitte jedoch auch Linke & Progressive zu fragen, ab wann #Medienblasen von Orten des Dialoges zu Orten des Ausschlusses werden. Wenn das Fediverse Mitte & Maß verliert – wer wird dann gewinnen?

      Danke fürs Zu-Lesen.

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/115962615646719559

      Hier auf dem Blog ist es zwar deutlich besser – aber einige Fragen stellen sich auch mir. So habe ich mich in öffentlichen Medien und auch hier auf dem Blog deutlich und klar gegen jede Abstimmung der Unionsparteien mit der AfD ausgesprochen. Bisher habe ich hier aber noch keine klare Verurteilung der gemeinsamen Abstimmung grüner Europaabgeordneter mit der AfD gegen das Mercosur-Abkommen gelesen.

      Ebenso haben ich mich immer wieder gegen das vergangene Grünen-Bashing des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder gewandt. Aber wo bleibt eigentlich hier auf diesem Blog durch andere eine einzige, klare Zurückweisung der Beschimpfung von ihm als „Hurensohn“ durch den Chef der Grünen Jugend, Luis Bobga?

      https://www.n-tv.de/politik/Hurensohn-Video-Ermittlungen-gegen-Gruene-Jugend-Chef-id30272625.html

      Bestimmt haben Sie Verständnis, dass sich mir bisweilen der Eindruck aufdrängt, dass auch im Fediverse auf die Rechtsmimesis die Linksmimesis folgt – und es auf beiden Seiten nicht an gefühligem Dualismus mangelt. Mir ist schon klar, dass wir alle angesichts von medialer Beschleunigung und mimetischen Medienblasen dazu neigen, bei anderen strenger nachzuschauen als bei uns selbst. Aber ich möchte mich diesem Trend eigentlich nicht anschließen.

      Mit Prof. Inan Ince konnte ich in der neuen Folge von „Blume & Ince“ auch darüber sprechen, wie sich digitale Gewalt über Jahrzehnte hinweg anfühlt – und dass der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Daniel Günther (CDU), derzeit von den gleichen Akteuren angegriffen wird, die sich seit Jahren auch schon an mir abgearbeitet haben:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-50-digitale-gewalt-die-kultur-japanischer-blutgruppen/

      Ich danke Ihnen für unsere vielen guten Dialoge und freue mich, weiters von Ihnen zu lesen!

Schreibe einen Kommentar