DRK-Blutspenden statt Thymos, Trump & Böllern? Gedanken zur Mimesis am Neujahrstag 2026

Als ich letztes Jahr den Artikel „Medien & Mimesis“ zu den Gefahren digitaler Aufmerksamkeitsökonomie und konkret der Rechtsmimesis für die Bundesrepublik Deutschland schrieb, war es nicht schwer, Beispiele für irrationale, mimetische Ziel-Nachahmungen zu finden: Suizide, Gewalttaten und Flitzer verbreiten sich weltweit nachweislich durch mediale Verstärkungen. Dagegen hatte sich daher eine reflektierte Medienethik entwickelt, die jedoch durch die Digitalisierung ins Rutschen geraten ist.

Denn der psychologische Begriff der Mimesis bezeichnet die menschliche Tendenz, nicht nur Verhalten, sondern auch Ziele von anderen zu übernehmen. Dies kann durchaus positive Wirkungen haben und formte aus unseren hominiden Ahnmüttern und -vätern evolutionspsychologisch uns Menschen: vor knapp 2 Millionen Jahren entstanden erstmals neuartige, eben mimetische Faustkeile der Acheuléen-Kultur. Heute gilt als Konsens in der evolutionären Anthropologie (Menschenkunde): Jedes menschliche Zusammenleben beruht auch auf Mimesis!

Auf einer Decke liegt links das Buch "Religion in Human Evolution" von Robert N. Bellah, rechts ein Bruchstück der Berliner Mauer.

Der Entdecker des Konzeptes der säkular-politischen “Zivilreligionen”, Robert N. Bellah (1927 – 2013), führte die Evolutionspsychologie der Mimesis auch in die Religionswissenschaft ein. Das Titelbild ägyptischer Pyramiden verweist dabei auf die komplexe Mimetik, Mythologien und Medienwelten von Jenseitshoffnungen und Todesritualen. Foto: Michael Blume

Allerdings wird unsere mimetische Psyche leider auch seit Generationen zunehmend durch kommerzielle Werbung manipuliert: Indem attraktive Menschen um Produkte inszeniert werden, wird unsere Tendenz zur mimetischen Nachahmung bis zu Gier und Neid gesteigert. Deswegen übernehmen auch ärmere Menschen oft die Ziele von Reichen, versuchen sogar mit ihnen zu verschmelzen – denken wir nur an den mimetischen Hass der Trump – MAGA – Bewegung in den USA, der immer wieder bewusst auch an Feiertagen wie Weihnachten eskaliert wird.

In einem Post vom 18. Januar 2025 in antisozialen Konzernmedien bot Donald J. Trump nach ihm selbst benannte Memecoins zum Kauf an, um Teil der "special Trump Community" zu werden. Inszeniert wird diese Kryptowährung durch ein Schwarz-Weiß-Bild des Gewählten mit gereckter Faust, seiner Unterschrift und dem in Gold gehaltenen Schriftzug: FIGHT FIGHT FIGHT.

Mit Memecoins wie $TRUMP erzielen Unternehmen von Donald Trump Millionengewinne, indem sie “Krypto”-Käuferinnen und & Käufer mimetisch in eine sog. “Trump Community” einladen. Auch ausländische Geldgebende können auf diesem Weg zudem Bestechungsgelder überweisen. Screenshot: Michael Blume

Hier sehen wir auch die oft verschwörungsgläubige Verschmelzung von Mimesis und Thymos (Statusstreben, Ruhm- und Empörungssucht): Der Tyrann bietet sich seiner Anhängerschaft als Vorkämpfer gegen vermeintlich bösartige, verschwörerische Eliten zur psychologischen Verschmelzung an. Doch dieses Narrativ zerfällt immer mehr: mit der nur widerwilligen Veröffentlichung der Epstein-Akten, in denen Trump auch selbst immer wieder auftaucht, wird der schwerreiche POTUS selbst als Teil dieser “Eliten” sichtbar.

Ebenso leidet auch das Ansehen des fossilen Faschisten Wladimir Putin, seitdem er indische Männer als demografischen Ersatz für russische Verluste einfliegen lassen muss. Auch zum Beispiel Viktor Orban hat die medial-mimetische Dominanz in Ungarn derzeit verloren.

Politikwissenschaftlich gesehen übt die mediale und politische Rechtsmimesis also eine verheerende Zerstörungskraft gegenüber Demokratien aus, scheitert aber immer wieder am Aufbau nachhaltiger Strukturen. Ich deute ihre durch fossile Konzerne und Lobbyisten finanzierte Verbreitung daher als wütende “Abwehrschlacht des Fossilismus” zur Verzögerung der längst globalen Energiewende.

Und wir sollten die psychologische, medial verstärkte Wucht dieser Gefahr nicht unterschätzen: Der französisch-amerikanische Literaturwissenschaftler und Kulturanthropologe René Girard (1923 – 2015) sagte aufgrund der Psychologie der Mimesis in Zeiten der sog. Massenmedien sogar den Zusammenbruch von Zivilisationen durch die Gleichschaltung von Zielen und also die Eskalation von Gier und Neid voraus. Auf dieses Szenario beruft sich u.a. der rechtsdualistische Milliardär und Monarchist Peter Thiel, der u.a. den US-Vizepräsidenten J.D. Vance ins Amt hievte.

Und wenn ich auch ein Weiterbestehen von rechtsstaatlichen Demokratien für möglich halte und befürworte, so plädiere ich doch dafür, die Macht von Medien, von Demografie und Rechtsmimesis sehr viel ernster als bisher zu nehmen!

Im Schaubild zum Artikel "Medien & Mimesis" von Dr. Michael Blume aus 2025 werden links die Gefahren medialer Nachahmung als Verrohung und Anstachelung von Gewalt dargestellt, rechts die Vorzüge von Medienethik, Dialog und bewussten Medienentscheidungen dargestellt.

Das Schaubild zum Artikel “Medien & Mimesis” bei Herder Korrespondenz 10/2025 zeigt links den “mimetischen Teufelskreis” aus der Nachahmung medial präsentierter Verhaltensweisen & Ziele, rechts Erkenntnisse der Medienethik wie den Verlust von Medienvertrauen durch Gewaltdarstellungen, die Bedeutung von Dialog und Diegesis (“Erzählkunst”) und die Freiheit der Medienprosumierenden. Grafik: Michael Blume mit NotebookLM 

So meine ich, dass auch privatisiertes Böllern als Beispiel zur mimetischen Negativspirale aus Gewalt und fossiler Entsolidarisierung zu zählen ist.

Psychologische und kulturgeschichtliche Hintergründe des privatisierten, thymotischen Böllerns

Religionspsychologisch gesehen verunsichert Neujahr als Schwelle zwischen altem und neuem Kalenderjahr uns Menschen und regt je nach Gemüt mimetisch zur inneren Einkehr, zu Gemeinschaftsritualen oder zu beidem an. In der Ritualforschung wird ein solcher, gemeinsam zu bewältigender Schwellenzustand seit Victor Turner (1920 – 1983) als “liminal” bezeichnet: Denken wir neben den Jahreswechseln etwa auch an das Beispiel einer Eheschließung, mit der sich ja nicht nur die Rollen der Eheleute, sondern auch der Angehörigen, Freunde und Bekannten verändern. In allen menschlichen Kulturen – ob religiös oder säkular – entwickeln sich komplexe, rituelle Traditionen zur Bewältigung von sog. “Liminalität”.

Auf Feldwegen sind kleine Gruppen von Menschen zu sehen, die fossile, in grellen Lichtern zerplatzende Feuerwerksraketen in den Nachthimmel der Fildern abfeuern.

Das private und meist gemeinschaftliche Zünden von fossilen Knallkörpern und Feuerwerksraketen (“Böllern”) befriedigt rituell psychologische Bedürfnisse aus Mimesis, Liminalität und Statusstreben (Thymos). Foto zum Jahresübergang 2025 / 2026 auf den Fildern: Zehra Blume 

So entwickeln sich also auch in jeder menschlichen Kultur zum jeweiligen Jahreswechsel zahlreiche Rituale, die meist auch mit religiöser Symbolik verknüpft sind: Der heute auch im Deutschen verwurzelte Januar geht auf den römischen, zweigesichtigen Gott von Anfang und Ende, den Janus, zurück. Der 31.12. ist im gregorianisch-christlichen Kalender der Heiligengedenktag für den frühen Papst Silvester I. (284 – 335), an vielen Kirchen werden dazu auch Glocken geläutet.

Im Deutschen hat sich über das Judendeutsche / Jiddische aus dem hebräischen Neujahrstag “Rosch” und dem Segensgruß “Hazlacha ubracha” der mimetisch-fröhliche Ausruf “Guter Rutsch und Hals- und Beinbruch!” entwickelt.

Während des christlich-kirchlichen Hintergrundes zum längst globalen Neujahr vielen Menschen in säkularen Demokratien gar nicht mehr bewusst ist, wird die beliebte Feier auch immer wieder von IS-Terroristen als „unislamisch“ angegriffen.

So wurden gerade erst bei einem Anti-Terror-Einsatz in Istanbul sechs IS-Verdächtige und drei Polizisten getötet, Hunderte verhaftet. Wer die Bedeutung von Zeit und Kalendern nicht versteht, versteht auch Hass, Hetze, Antisemitismus und Terrorismus nicht. Der Holocaust-Überlebende und spätere Philosophie-Professor Hans Blumenberg (1920 – 1996) erkannte dagegen: “Enge der Zeit ist die Wurzel des Bösen.” 

Auch zivil-esoterische Traditionen wie Zukunftsvorhersagen aus Kaffeesatz oder Bleigießen und säkulare Traditionen wie das (von der britischen Deutsch-Influencerin @Sammy bestaunte) Anschauen der britischen Komödie „Dinner for One“ in Deutschland werden von Millionen mimetisch zum längst globalen Neujahr praktiziert.

Manche populären Überlieferungen zu vermeintlichen, religiösen Wurzeln stimmen jedoch auch einfach nicht: Die thymotische Böllerei geht nicht auf vermeintlich germanische Traditionen der Geistervertreibung zurück, sondern auf Salutschüsse und barocke Feuerwerke des europäischen Adels. Diese thymotischen Inszenierungen wurden jedoch von Reichen bezahlt und von Profis organisiert, um Gäste und städtische Öffentlichkeiten mimetisch zu beeindrucken.

Doch im 20. Jahrhundert gelang es der fossilen Industriewerbung in vielen Ländern, das thymotische, Status-inszenierende Böllern vor allem bei Kindern und Männern als vermeintlich völkisches Naturrecht und thymotische Mutprobe mimetisch zu etablieren: Ein humorloser Weichling, wer nicht mitböllere.

Und wenn auch inzwischen knappe Mehrheiten deutscher Männer und deutliche Mehrheiten deutscher Frauen ein Verbot privater Böller & Feuerwerke befürworten, so muss doch allen klar sein, dass dessen Durchsetzung wie schon bei der Gurtpflicht zu massivem Widerwillen (Reaktanz) führen wird. Andererseits halte ich das fossile Weitermachen auch für keine gute Lösung: Auch gestern starben in Deutschland wieder vor allem junge Menschen, gab es zahlreiche auch schwere Verletzungen, Gewalttaten und Verhaftungen, Übergriffe gegen Polizei- und Rettungskräfte. Auch in den vor einem Verbot stehenden Niederlanden kam es zu schwerer Gewalt, in der Schweiz soll es im Zusammenhang mit kommerzieller Pyrotechnik am Skiort Crans-Montana zu einer Explosion mit vielen Toten gekommen sein.

Unstrittig sind auch fossile, wirtschaftliche Schäden an der Mitwelt durch Brände und Feinstaub sowie völlig unnötige Verängstigungen vor allem von Kindern und Tieren. Wissenschaftlich sehe ich da gar keine Zweifel mehr: Die private, thymotische, fossile Böllerei zu Silvester schädigt Mitmenschen und Mitwelt.

Eine bereits seit Jahren von christlichen Kirchen empfohlene Alternative sind Spendenaufrufe unter dem Motto “Brot statt Böller”. Als Wissenschaftler und Christ, Demokrat und Solarpunk wage ich jedoch einen weiteren, rituell-mimetischen Vorschlag: das Blutspenden für all jene, denen dies gesundheitlich (noch) möglich ist.

Und ich widme diesen “Blutspenden statt Böller”-Vorschlag dem ehrenden Angedenken an die große Margot Friedländer (1921 – 2025), die allen, die zuhörten, die Bedeutung der Menschenwürde auch als Lehre der Geschichte vermittelte:

„Es gibt kein christliches Blut, kein jüdisches Blut, kein muslimisches Blut – es gibt nur menschliches Blut, und wir müssen die Menschen respektieren. Was war, war. Das können wir nicht ändern. Aber es sollte nie, nie, nie wieder passieren.“

Zitatkachel der Bundeszentrale für politische Bildung mit einem Foto und Doppelzitat von Margot Friedländer: "Ich spreche für die, die nicht mehr sprechen können." - "Es gibt kein jüdisches, christliches und kein muslimisches Blut. Es gibt nur menschliches Blut!"

Zitatkachel zu Ehren von Margot Friedländer, seligen Angedenkens: Bundeszentrale für politische Bildung 2025

Ich meine: In den Wochen vor dem Jahresende etwas gemeinschaftlich Gutes zu tun und damit auch anderen, gerade auch Jüngeren ein mimetisches Vorbild für Solidarität zu geben wäre ein guter, sinnvoller und überkonfessioneller Brauch auch für unsere Demokratien und demografisch unter Druck stehenden Gesundheitssysteme. Es wäre zudem ein Zeichen der Solidarität für unsere Medizinerinnen, Polizei- und Rettungskräfte, die gerade auch am “liminalen” Neujahr für uns alle im Einsatz sind.

Auf einem roten Schal stehen die Worte "Team Blutspende. Schenke Leben" und ein kleiner Anhänger verweist auf den 1. BSV ("Blutspendeverein") 1951.

Dank an das Deutsche Rote Kreuz (DRK) für diese “Team Blutspende”-Schal für eine Blutspende am 27.12.2025 in Filderstadt. Der kleine Anhänger “1. BSV 1951” verweist auf den “ersten Blutspendeverein” von 1951, also auf eine bundesdeutsche Tradition. Foto: Michael Blume

Und so will ich auch diesen Blogpost zu Neujahr 2026 mit einer positiven Medien-Mimesis schließen: Einem jüdisch-christlich-islamischen “Sukkat Salam”-Friedensgespräch von 2025 mitten auf dem Marienplatz (!) in Stuttgart. Dabei hatte ich die Muslimin Meryem Polat und den Juden Oron Hain für Podcast & Video interviewt.

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

76 Kommentare

  1. Ja. Ich hab diese mimetische Geisterbahn echt satt. Ich führe ein Gespräch mit einem realen Menschen und weiß, ich habe es schon oft geführt, als ich Bücher gelesen habe – dieser Mensch hat das Gleiche gefühlt, gedacht, getan zu Napoleons Zeiten und im Mittelalter und in der Antike, in Deutschland und Südamerika und in Weimar und im alten Polen, und da mache ich mir in die Hose, denn kaum jemand schreibt Weltgeschichte auf, wenn sie nicht gerade unangenehm interessant wird. Mit wem rede ich da gerade? Mit was rede ich?

    All die vielen Leichen, die im Hintergrund von Kriegsberichtserstattung als Deko herumliegen. All die Flüchtlingstrecks, all die Menschen, die in Gaza, in Israel, in der Ukraine, im Sudan zum Himmel aufschauen und schreien: Was haben wir getan, um das zu verdienen? – na was wohl? Alle das Gleiche. Figuren in der Geisterbahn verdienen gar nichts. Sie spulen ihr Programm ab, egal was passiert, bis sie kaputt gehen und verschrottet werden. Wenn Sie Ihr Schicksal ändern wollen, ändern Sie sich selber zu jemandem, den ein anderes Schicksal findet und bauen Sie sich eine Geisterbahn, die andere Schicksale verteilt und andere Geschichten erzählt.

    Ich muss nicht alles negativ sehen, was sich viel später in einer ganz anderen Welt bei genauerem Hinsehen als negativ erweist. Böllern haben die Chinesen erfunden. Ist bunt, funkelt und macht Spaß und bevor es Hollywood gab, war es eine der tollsten Shows der Welt. Und wenn all die Zombies zusammen hypnotisiert auf das Feuerwerk starrten, stärkte das das Gemeinschaftsgefühl und gab Taschendieben ein Auskommen. In Ländern ohne Sozialstaat ist Kriminalität ein Job wie jeder andere auch, die Leute müssen leben.*

    An Weihnachten und an Neujahr feiern wir im Grunde das gleiche Fest: Da die Menschen die Wintersonnenwende schon immer feierten, mopsten die Christen das Fest einfach und legten beides zeitnah. Sagen Sie das nicht dem Merz, sonst gründet er eine neue Sonnenanbeter-Religion nur, um uns ein paar Feiertage zu streichen.

    Weihnachten und Neujahr sind im gewissen Sinne Mimesis – die Nachahmung nicht von Zielen, sondern von Wirkung. Ob uns das Jesuskind ein Stück Sommer spendiert oder das Neujahrsfest die bunten Sonnen des Feuerwerks, es ist die Geburt des Frühlings, die Ankündigung der Wiedergeburt allen Lebens.

    Die Sonne ist das natürliche Mekka und Jerusalem und der Vatikan des Sonnensystems, ein natürliches Symbol, das die meisten Religionen vereint. Würden Sie also alle Menschen und Planeten vereinen wollen, würden Sie diesen gemeinsamen Nenner nützen, und wahrscheinlich ziemlich viele Religionskriege führen, wenn wir irgendwann zu den Sternen fliegen und uns anderen gemeinsamen Nennern zuwenden müssen.

    Ich hab mir den Spaß gemacht, und eine Solarpunk-EU-Flagge photoshopt, indem ich eine zwölfzackige Sonne in die Mitte gesetzt habe, deren Zacken zwischen den Sternen etwas hinausragen (ich glaube nicht, dass ich die Idee jemandem geklaut habe, aber ich behaupte mal doch, denn mein Unterbewusstsein spielt mir da oft Streiche – auch ein Aspekt von Mimesis, wenn alle die gleiche Idee haben, spielt es schnell keine Rolle, von wem sie ist). Ich muss ja dem Merz zuvorkommen, bevor uns nur noch die Schwarze-Null-Sonne des Neofeudalismus scheint, das Loch ohne Boden, der Vulkan, in den wir alle Früchte unserer Arbeit werfen, bevor wir uns selbst hineinstürzen und in Kriegen und Hunger verbrennen, auf dass unser Licht unseren Mördern scheine, wie es die Hühnchen tun, wenn sie in Ihren Mund wandern.

    Gute Taten sind auch ein Feuerwerk für beide Beteiligten – zwei Sonnen tauschen zwei Arten von Energiequanten aus, der Empfänger kriegt Kalorien, Sie ein Danke, das Ihren sozialen Status boostet, eine Einzahlung auf Ihr Selbstbewusstseins-Konto. Deswegen sind auch die Geizhälse der Welt so verbittert und bemüht, die Schuld bei den Bettlern zu suchen – sie versuchen, durch Lügen und Täuschung und rohe Gewalt einen sozialen Status zu retten, den sie nicht mehr verdient haben. Und deswegen sind die Zauberworte „Bitte“ und „Danke“ das erfolgreichste Mittel, seine Mitmenschen zu manipulieren – wir brauchen diese Unterwerfungsgesten, sonst haben wir keinen fairen Deal abgeschlossen, sondern der Spender wurde ausgeraubt.

    Was ein Diktator oder eine Religion oder der Gesetzgeber oder die soziale Normung tut, ist die Nachahmung von Wirkung: Die Realität ist im Grunde ein totalitärer Staat, der immer die gleiche Nachricht sendet und keinen Widerspruch duldet: Wenn Sie an der Existenz eines Steins zweifeln und dagegen treten, bestraft Sie sofort die Naturgesetzpolizei mit Schmerzen in Zeh, sodass Sie irgendwann nicht mehr zweifeln und alles tun, was die Steine von Ihnen wollen, damit sie Ihnen nicht weh tun.

    Wir können absolut nicht unterscheiden zwischen Impulsen, mit denen uns der Holzhammer Realität zurecht klopft und den Impulsen, mit denen uns der Holzhammer Gemeinschaft zurecht klopft. Deswegen reagieren wir auf den Zusammenbruch eines Weltbildes ganz genauso, als würde sich die Erde unter unseren Füßen auftun und uns der Himmel auf den Kopf fallen.

    Wenn die Gehirnwäsche der Menschen der Gehirnwäsche der Realität widerspricht, gewinnt immer der Stärkere – die Realität. Und so scheitern auch alle Weltbilder, die dem Gott der Materie dort zu widersprechen wagen, wo es ihm gerade nicht egal ist.

    Das sind nicht nur die Rechten. Deutsche haben eine recht einfache Weise, mit Problemen umzugehen: Einfach ignorieren, die gehen von selber weg. Jedes Mal, wenn sich ein Problem meldet, sagen die Rechten „Heilhitler!“, die Linken „Pssst!“, geben sich gegenseitig die Schuld und fühlen sich toll – sie würden sich auch toll fühlen, wenn sie das Problem gelöst hätten, Sie sehen also eine Droge: Belohnung minus Grund. Und weil all das unseren Problemen herzhaft egal ist, wachsen sie, und damit werden auch das „Heilhitler!“ und „Pssst!“ der Junkies immer lauter.

    Wir haben Ragnarök – all die alten Götter fallen, weil die Welt untergegangen ist, für die wir sie geschaffen haben. Und so sehr ihre Priester auch toben und brüllen und drohen und wehklagen und winseln und betteln und schmollen – wer sich dem Gott der Materie nicht fügt, wird von ihm zerquetscht wie eine Kakerlake. Alles andere sind Fake News.

    Die Fürsten der Welt gegen Gott, Tod und Teufel. Das ist kein Krieg, das ist eine Formalität. Ich würde mich nicht zu lange mit sinnlosen bürokratischen Ritualen aufhalten, bloß weil es alle anderen auch machen.

    * = (Weswegen ich Almosen an die Bedürftigen nicht als Geschenke verstehe, sondern als Mindestlohn für einen Job, der Menschen sehr, sehr schwer fällt: Mit ihrer Langeweile fertig zu werden, ohne ihren Mitmenschen auf den Sack zu gehen. Wenn ich sie nur als Last empfinde und loswerden will, weil sie mir das Brot streitig machen, haben sie genauso gut das Recht, mich loszuwerden, weil ich ihnen das Brot streitig mache – ohne Regeln, Fair Play und gegenseitige Hilfe keine Gemeinschaft, ohne Gemeinschaft kein Eigentum, nur Besitz: Brot und Rechte haben dann die, die sie sich nehmen können, und da wird die Welt schnell sehr, sehr hässlich).

  2. @jüdisch-christlich-islamischen “Sukkat Salam”-Friedensgespräch von 2025

    Ich bin ja echt ein Fan von gelebter Religionsfreiheit. Wünsche mir allerdings schon auch Respekt vor meiner eigenen gelebten Religionslosigkeit. Als ungläubiges Arschloch möchte ich nicht so gerne gesehen werden.

    Ich will auch Mensch sein, ohne verachtet zu werden.

    Wenn das dann zusammen möglich ist, dann finde ich das Klasse.

    Ich denke mal, dass Ihr das auch so seht, aber bei eurem 3er-Treffen war nun mal kein Religionsloser dabei.

    @Böllern

    Ich finde schon, dass es tatsächlich Sinn macht, das neue Jahr zu begrüßen. Gerne auch mit Böllern und Raketen. Da kann man glaube ich schon 100 g Schwarzpulver und 1 Kg Papiermüll investieren.

    Irgendwie hat das für mich auch was individuell Anarchisches, was mir grundlegend sympathisch ist. Und für mich persönlich ist Silvester mit Abstand der höchste Feiertag im Jahr. Mit Ostern und Weihnachten habe ich schon lange nichts mehr mit zu tun.

    Auch ein gelebter Solarpunk hat so ein anarchisches Element. Weil man einfach selber zur Tat schreiten kann. Und seinen Konsum umstellen kann um das gesparte Geld konsequent in Grüne Technik zu investieren.

  3. @Michael 01.01. 17:29 / Felo.ai:

    „Indem er die moralischen Fähigkeiten nichtreligiöser Menschen betont, setzt er ein Zeichen gegen die Polarisierung und für eine gemeinsame Wertebasis.“

    Genau diese Breite braucht das auch, wenn wir gemeinsam vernünftige Wege gehen wollen.

    • Danke & ja, @Tobias – und ich denke, dass unserer beider nun ja schon recht langer und intensiver Dialog ein Ausdruck dieser “Breite” ist, um “gemeinsam vernünftige Wege gehen” zu können. Deswegen ist mein wiederholter Dank an Dich auch keine Floskel, sondern Ausdruck meines dialogischen Interesses an Deinen Drukos. 🙏🌞🖖

  4. @Michael 01.01. 17:29

    „…dass Religionsgemeinschaften zwar ein kooperatives, aber deswegen nicht immer lebensförderliches Potential erschließen, habe ich ja immer wieder deutlich gemacht.“

    Insbesondere die Erwartung eines baldigen Weltenendes dürfte sich destruktiv auswirken. Was soll man dann mit Solarpunk? Selbst Atomkriege kann man dann sogar begrüßen, dann ist es endlich so weit.

    Bis sich dann tatsächlich verschiedenste abrahamitische Vereine in Jerusalem zur Endparty treffen, und jeder dann noch meint, den ersehnten göttlichen Zuspruch für sich genießen zu dürfen. Da kann man als vernünftiger Mensch nur noch in Deckung gehen, und hoffen, dass diese Verrückten auch nicht viel auf die Reihe kriegen.

    Das alles ärgert mich ziemlich, weil ich diesen Planeten so sehr liebe. Und eigentlich auch die Menschen, in aller religiöser und weltanschaulicher Vielfalt. Das muss doch wohl möglich sein, das Leben hier gemeinsam auf die Kette zu kriegen.

    Die Leute sollten sich mal mehr überlegen, was sie da jetzt wirklich glauben.

    Es ist alles da. Lithium, Kupfer, Eisen, Glas, Beton und vieles mehr für eine wirklich nachhaltige Energiewende. Und kluge Köpfe, die daraus PV-Module, Windräder und Lithiumbatterien machen können, und das inzwischen auch noch zu konkurrenzfähigen Preisen.

    Wir müssen das inzwischen nur noch installieren, die Technik steht anscheinend. Und der Import entsprechender Technik aus China kostet kaum mehr als die fossilen Importe. Und auf die Dauer werden wir das alles in Europa auch selber hinbekommen, schätze ich mal.

    Selbst Kohle, Erdöl und Erdgas gab es genug, bis wir jetzt endlich soweit gekommen sind, dass wir das demnächst gar nicht mehr brauchen. Es wird aber so langsam wirklich Zeit, der Planet hält keineswegs alles aus.

    • Ja, @Tobias – gerade auch Religionsgemeinschaften sind immer wieder in der Gefahr, in Apokalyptik und feindseligen Dualismus abzustürzen. Das gilt für die abrahamitischen Religionen in besonderer Weise. Dabei ist derzeit die Republik Israel 🇮🇱 die einzige Demokratie, deren Bevölkerung durch den Kinderreichtum der Religiösen stark wächst.

      Genau auch deswegen fördere ich den interreligiösen und wissenschaftlichen Dialog einerseits über Frieden & Demokratie, andererseits aber auch über das Zukunftsthema Wasser. Denn wenn sich nicht auch die religiösen Menschen im Nahen und Mittleren Osten auf eine gemeinsame Zukunft statt endloser Kriege verständigen, dann wird die Region in wenigen Jahrzehnten kaum noch bewohnbar sein.

      Hier eine ganze Folge des Podcast „nachgefragt“ dazu:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/nachgefragt-podcast-zum-zunehmenden-kampf-ums-wasser-im-21-jahrhundert/

      Das Ganze unterstreicht also, dass das kooperative und reproduktive Potential von weiter wachsenden Religionsgemeinschaften auch mit zunehmender Verantwortung einhergeht. Gerade auch wer an eine grundlegende Schöpfungsgottheit glaubt, die dieses wundervolle Universum einschließlich der Befähigung zur Wissenschaft angelegt hat, sollte sich dem nicht verschließen.

      Übrigens haben etwa in Mannheim junge Muslime der Ahmaddiya gestern früh wieder Silvestermüll aufgesammelt und damit das Stadtbild verschönert.

    • Nun ja, @mentalsports – die Gefahren des Fossilismus einschließlich der Klima- als Wasserkrise thematisierte ich ja bereits seit über zehn Jahren etwa in „Öl- und Glaubenskriege“. So warnte ich eindringlich vor der fossilen Finanzierung des Putin-Regimes, auch lange bevor dieses die Ukraine angriff:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/wird-wissenschaft-beachtet-rentierstaatstheorie-und-russlandkrise/

      Klar verstehe ich den psychologischen Kassandra-Effekt, also die Wut auf die Überbringenden von Warnungen und schlechten Nachrichten. Aber umso schneller wir die fossile Finanzierung von Diktaturen, Terrorgruppen und Propagandisten einstellen, umso besser für den Frieden, für Menschen und Mitwelt.

      So sehe ich – gerade auch als ehemaliger Soldat – die Gleichzeitigkeit von fossilen Gasimporten & Wehrpflicht kritisch. Es sollte nicht der Eindruck entstehen, ältere Profitmaximierer zwingen die jungen Menschen an die Waffen, ohne selbst etwas für Friedensenergien tun zu wollen:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/fossilismus-oder-frieden-die-debatten-um-wehrdienst-und-gaskraftwerke/

      Und, klar, die post-fossile Energiewende sollte auch den globalen Temperaturanstieg abbremsen, der ja bereits jetzt eskalierende Schäden und immer mehr Menschenleben fordert.

      Auch heute demonstrieren übrigens wieder mutige Menschen im Iran gegen das fossile, antisemitische und korrupte Regime dort.

  5. Herzlichen Dank für den Vorschlag einer Blutspende. Das ist eine schöne Idee, etwas Gutes zu tun.

    Auch Ihre Erinnerung an Margot Friedländer berührt mich sehr, und auch dafür vielen lieben Dank!

    “Feuerwerk” und “Böllern” gehört historisch betrachtet zusammen, so wie Sie es beschrieben haben. M.E. hat sich da etwas massiv verschoben. Zumindest hier in dem Dorf, in dem ich wohne, kann von Feuerwerk keine Rede mehr sein. Es gab fast nur noch Böller. Ein Aufenthalt im Freien, um sich das Feuerwerk anzuschauen, fällt deshalb aus zwei Gründen aus: Zu laut und zu wenig Feuerwerk!

    Georg Friedrich Händel komponierte seine “Feuerwerksmusik” und keine “Böllermusik”.

    Ute Christine Berger schreibt in ihrem Buch “Die Feste des Herzogs Carl Eugen von Württemberg” (Silberburg-Verlag, 1997):

    S. 62/64: “…Die Feuerwerke Carl Eugens dienten rein der Freude am funkelnden Licht. Sie wurden von berufenen Feuerwerkskünstlern komponiert…”

    S. 79: “Während des nachfolgenden Schlussballetts platzte der Gott Vulcanus,… auf die Bühne und kündigte >seinenBouquet< – ein Kasten mit 6000 Raketen, als Abschluss des Festes in die Luft flog. Damit endete das Festin in Ludwigsburg 1763…"

    Wenn man das liest und diese Feuerwerke ein Art Vorbild für die Feuerwerke unserer Zeit sind, dann stelle ich fest, dass Schönheit keine Rolle mehr spielt (für viele, nicht für alle), sondern der Lautstärke weichen musste.

    Ein Synonym für die heutige Oberflächligkeit?

    Einer ahmt den anderen nach, und beim nächsten Böllerwerk muss alles noch lauter sein.

    Und falls dem zB durch staatliches Handeln Grenzen gesetzt werden sollen, empfinden das viele als Angriff auf ihre persönliche Freiheit. Seit der Covid19-Pandemie für manche ein Fetisch.

    • Vielen lieben Dank für Ihren dialogischen Kommentar, @Marie H., den ich gerne wieder aufgreife!

      Herzlichen Dank für den Vorschlag einer Blutspende. Das ist eine schöne Idee, etwas Gutes zu tun.

      Ja, persönlich spende ich seit vielen Jahren – bislang aber zu unregelmäßig – Blut und war gemeinsam mit meiner Frau also auch kurz nach Weihnachten beim DRK. Der Dialog mit zwei Medizinerinnen dort hat mich jedoch sehr nachdenklich gemacht: Während immer mehr Menschen gerade auch zu Neujahr ganz selbstverständlich davon ausgehen, dass die Rettungskräfte und Krankenhäuser inklusive Blutkonserven bereit stehen, sinke die Blutspenden-Bereitschaft weiter. Immer mehr pflichtbewusste Ältere schieden aus und die jungen Generationen seien zahlenmäßig schwächer und außerdem seltener bereit, sich für andere einzuschränken (u.a. Sexualkontakte, Drogen, Reisen).

      Fast wäre ich in die “Diese-Jugend-Werteverfall”-Klage noch aller älteren Generationen seit Platon verfallen, erinnerte mich dann aber daran, dass “wir” – die älteren Generationen – ja nun seit Jahrzehnten fossile Entsolidarisierung, rechtslibertären Käse von sog. “egoistischen Genen” und den Kult ums Geld – vorleben. Es ist halt ein bissel schwer, von jüngeren Menschen Solidarität einzufordern, wenn Millionäre auch in der Politik darüber schwadronieren, “wir” könnten uns “den Sozialstaat nicht mehr leisten” und auch geflüchteten Menschen nicht mehr humanitär helfen. Wer soziale Kälte und Hyperindividualismus zur gesellschaftlichen Leitkultur erhebt, untergräbt eben auf Dauer die gegenseitige Hilfsbereitschaft. Und dabei brauchen auch reiche Leute, gerade im wachsenden Alter, bisweilen Blutspenden – dann gerne auch von jenen Menschen, die sie sonst fossil abwerten.

      Heute kam passend dazu auch die Meldung, dass das Privatvermögen vor allem der ohnehin wohlhabenderen und älteren Deutschen in neue Rekorde gewachsen sei:

      Deutschland hortet gewaltige Wertbestände: Das in Sparbüchern, Bankkonten, Depots und sonstigen Geldanlagen schlummernde private Geldvermögen ist im vergangenen Jahr laut vorläufigen Berechnungen der DZ Bank auf die Rekordsumme von rund 10,03 Billionen Euro gestiegen. […]

      Die rund zehn Billionen Euro an privatem Vermögen in Deutschland sind früheren Angaben der Bundesbank zufolge sehr ungleich verteilt. Etwa die Hälfte entfällt auf die vermögendsten zehn Prozent der Deutschen: Das entspricht etwa vier Millionen Haushalten, die demnach eine Summe von insgesamt rund fünf Billionen Euro besitzen. Dort mehrt sich das Vermögen kräftiger, weil sie im Schnitt stärker in Aktien und Fonds investieren als ärmere Haushalte.

      https://www.n-tv.de/wirtschaft/Die-Deutschen-besitzen-erstmals-mehr-als-zehn-Billionen-Euro-id30196349.html

      Entsprechend freue ich mich darauf, dass der Blutspenden statt Böllern”-Vorschlag sowohl auf Mastodon, hier auf dem Blog und sogar auf YouTube Resonanz findet:

      https://www.youtube.com/shorts/BlSpv0nB3c4

      Auch Ihre Erinnerung an Margot Friedländer berührt mich sehr, und auch dafür vielen lieben Dank!

      Vielen Dank & ja – ich habe Margot Friedländer sehr geehrt und lange überlegt, wie ich zur Erinnerung an ihr großes Werk beitragen könnte. Und da fand ich es dann schon bemerkenswert, dass sie in ihrem häufigsten Sprachbild ausgerechnet das von den Nazis so missbrauchte “Blut” als Symbol der gemeinsamen Menschenwürde betont hatte. Und gerade auch die bislang solidarische Praxis der Blutspenden in Deutschland unterstreicht doch, dass sich Mitmenschlichkeit nicht nur in Geld ausdrücken lässt. Wer so gerne sein Blut für höhere Ziele geben will – sehr gerne hierzu!

      “Feuerwerk” und “Böllern” gehört historisch betrachtet zusammen, so wie Sie es beschrieben haben. M.E. hat sich da etwas massiv verschoben. Zumindest hier in dem Dorf, in dem ich wohne, kann von Feuerwerk keine Rede mehr sein. Es gab fast nur noch Böller. Ein Aufenthalt im Freien, um sich das Feuerwerk anzuschauen, fällt deshalb aus zwei Gründen aus: Zu laut und zu wenig Feuerwerk!

      Ja, das höre ich immer wieder: Sehr viele, wenn nicht die meisten Menschen wünschen sich gemeinschaftliche (!) und professionell begleitete Feuerwerk statt lauter, teurer, gefährlicher und fossiler Böllerei! Die gemeinsame Mitwelt zu verdrecken, Menschen zu gefährden, Tiere zu verschrecken und dafür auch noch riesige Geldmengen zu verschleudern, das halte ich für thymotischen Blödsinn. Besser wäre es, auch hier wieder mehr Gemeinsamkeit zu wagen und in professioneller und schöner Weise das Licht und das Leben zu feiern.

      Georg Friedrich Händel komponierte seine “Feuerwerksmusik” und keine “Böllermusik”.

      Ute Christine Berger schreibt in ihrem Buch “Die Feste des Herzogs Carl Eugen von Württemberg” (Silberburg-Verlag, 1997):

      S. 62/64: “…Die Feuerwerke Carl Eugens dienten rein der Freude am funkelnden Licht. Sie wurden von berufenen Feuerwerkskünstlern komponiert…”

      S. 79: “Während des nachfolgenden Schlussballetts platzte der Gott Vulcanus,… auf die Bühne und kündigte >seinenBouquet< – ein Kasten mit 6000 Raketen, als Abschluss des Festes in die Luft flog. Damit endete das Festin in Ludwigsburg 1763…"

      Wenn man das liest und diese Feuerwerke ein Art Vorbild für die Feuerwerke unserer Zeit sind, dann stelle ich fest, dass Schönheit keine Rolle mehr spielt (für viele, nicht für alle), sondern der Lautstärke weichen musste.

      Genau so sehe ich das auch. Eigentlich ist Pyrotechnik eine alte Kunstform, die von Vermögenden für Gäste und die Allgemeinheit finanziert sowie von ausgebildeten Profis ausgeübt wurde. Und nun soll es der Gipfel des Fortschritts sein, bisweilen gar in Kinderarbeit hergestellte Böller und Raketen in die Hände von Kindern, Jugendlichen und Thymoten zu drücken? Die damit bisweilen andere Menschen, auch Polizei- und Rettungskräfte beschießen? Um dann aber doch jammernd ins Krankenhaus zu fahren und sich auf Kosten der Allgemeinheit – inklusive Blutkonserven – wieder versorgen zu lassen?

      Nein, in meinen Augen ist die private Böllerei ein weiterer Ausdruck von thymotischem Fossilismus, also überzogener Industriewerbung für Verbrennungsprodukte, die kein vernünftiger Mensch wirklich so braucht.

      Ein Synonym für die heutige Oberflächligkeit?

      Ja, ein Symbol für den rechtslibertären Fossilismus, der ernsthaft glaubt, Männlichkeit definiere sich durch Verschwendung, Feuer und Explosionen. Schon das kirchliche “Brot statt Böllern” fand ich sehr viel besser und möchte fortan für “Blutspenden statt Böllern” eintreten. Denn solidarische Tiefe im Kontrast zur fossilen Oberfläche lässt sich m.E. am Besten einfach vorleben. Und so bekommen wir dann auch Mehrheiten für sinnvolle Einschränkungen.

      Einer ahmt den anderen nach, und beim nächsten Böllerwerk muss alles noch lauter sein.

      Genau deswegen betone ich seit letztem Jahr immer wieder die Psychologie der Mimesis und die Gefahren der Rechtsmimesis. Wer glaubt, sich durch Verschwendung und Verschrecken anderer selbst erheben zu können, steckt noch tief im fossilen und sexistischen 20. Jahrhundert.

      Und falls dem zB durch staatliches Handeln Grenzen gesetzt werden sollen, empfinden das viele als Angriff auf ihre persönliche Freiheit. Seit der Covid19-Pandemie für manche ein Fetisch.

      Genau das – wobei ja auch schon die Einführung der Gurtpflicht in Deutschland auf massive Reaktanz stieß. Was bin ich froh, dass die demokratischen Parteien damals noch den Mumm hatten, das Richtige durchzuziehen, statt sich von bockigen Thymoten lächerlich machen zu lassen. Wer an fortschrittlichen Technologien wie schnellen Autos oder dem Internet partizipieren möchte, sollte dann halt auch erwachsen genug sein, vernünftige Regeln anzunehmen.

      Auch aus diesem Grund unterstützte ich übrigens auch die sehr wichtige Arbeit von HateAid und das Engagement von Abertausenden bei Wikipedia gegen rechtslibertäre X-er wie Elon Musk. Rechtsdualistische Egomanen und fossile Faschisten wie Wladimir Putin verachten ihre Mitmenschen und tragen nicht zu einer besseren Zukunft der Menschheit bei. Meine ich.

      • Herzlichen Dank für die ausführliche Antwort.

        K2 und ich haben vor ca. zwei Stunden mitbekommen, was sich in Venezuela abgespielt hat. Dass wir in dieser schlimmen Situation zusammen sind, ist uns beiden ein großer Trost.

        Dann habe ich gelesen, dass auch die Diskussionen auf Mastodon eskalieren und Sie sich erst einmal zurückziehen. Das kann ich gut verstehen.

        Was mich an dieser Eskalation im Netz sehr bedrückt, sind diese immer wieder einmal auftauchenden Vorschläge eines Parteienverbots. Es war bisher nicht möglich, die demokratischen Parteien zusammenzubringen, um das Verbotsverfahren die AfD betreffend auf den Weg zu bringen.

        Dass nunmehr stattdessen über ein Parteienverbot einer demokratischen Partei im Netz diskutiert wird, überrascht mich keineswegs.

        In einem meiner Drukos habe ich erst kürzlich geschrieben, dass wir uns mehr mit den jungen Menschen und deren politischen Zukuntsvorstellungen beschäftigen sollten.

        Denn eines ist mir sehr deutlich geworden: Menschen von links wählen mit dem Vorschlag eines Verbots einer demokratischen Partei einen gefährlichen Weg. ABER: Es war die JU, die vor nicht allzu langer Zeit die GJ unter die Beobachtung durch den VS bringen wollte.

        Das alles führt mE irgendwann in einen Weg der körperlichen Gewalt auf den Straßen!

        Social Media ist US-dominiert. Ich weiß nicht auf welchen Plattformen die GJ aktiv ist. Das spielt letztlich auch keine Rolle, wenn der Algorithmus beispielsweise zugunsten der JU und zulasten der GJ gesteuert würde. Wobei ich noch davon ausgehe, dass dies nicht im Sinne der JU wäre.

        Am Anfang eines Jahres sollte eigentlich der Optimismus überwiegen. Aber was in Venezuela passiert ist, zeigt, dass sich keine Regierung auf dieser Welt mehr sicher sein kann vor ähnlichen Übergriffen auf die eigene Regierung.

        US Militär in Deutschland, eine US Regierung, die die Meinungsfreiheit in D eingeschränkt sieht – das trägt nicht zur Sicherheit bei.

        JETZT wäre es absolut notwendig, dass der Bundeskanzler sich mit den Vorsitzenden der im Bundestag vertretenen demokratischen Parteien trifft. Es bedarf eines Signals der Einigkeit. Imho.

        Es wäre fatal und womöglich der Anfang vom Ende unserer Demokratie würde auch nur eine dieser Parteien die durch den Einsatz der USA in Venezuela entstandene Krise für billige parteipolitische Spielchen missbrauchen.

        Demokratinnen und Demokraten in Deutschland und Europa müssen jetzt zusammenrücken. Die Lage ist ernst.

        • Herzlichen Dank & ein großes “Ja”, @Marie H. – wir sind (auch) da genau einer Meinung!

          Gerade auch angesichts der Eskalation des fossilen Krieges zwischen den USA und Venezuela wie auch der kommenden Landtagswahlen in Deutschland 2026 bräuchte es dringend mehr kühle Köpfe, mehr demokratisches Bewusstsein, mehr dialogischen Monismus.

          Doch stattdessen merke ich auch auf Mastodon leider eine zunehmende, dort linksmimetische Polarisierung. Dass dort eine ganze Blase von Menschen, mit einigen ich bereits sehr gute, direkte Austausche hatte, sich in die bizarre Forderung eines CSU-Parteiverbotes hineingesteigert haben, bedrückt und besorgt mich medienethisch sehr. Erst in diesen Tagen hatte ich ja ein Erklärvideo zu meinem KIT-Reader 2024 hochgeladen, in dem ich das grüne Parteimitglied Marina Weisband zitiere:

          “Was uns wirklich die Demokratie kosten wird, ist die Aufmerksamkeitsökonomie.”

          Das Video dazu findet sich hier:

          https://youtu.be/t4wkd0ctR2Y

          Und die dazu grundlegende Textquelle des KIT-Readers steht hier:

          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/files/2024-12-01-KITDigitaleAufmerksamkeitsoekonomieEthikBlumeWS2425.pdf

          Dass sich Rechte durch die Rechtsmimesis etwa auf X bis in den autoritären Rechtsdualismus radikalisieren, hatte ich ja auch hier auf dem Blog bereits verschiedentlich thematisiert. Heute musste ich mich aber auch dem Umstand stellen, dass sich Linke durch die Linksmimesis auch im Fediverse bis in den autoritären Linksdualismus radikalisieren. Ich setze diese beiden Phänomene nicht gleich, aber die politische Bedrohung der demokratischen Mitte auch in der Bundesrepublik ist m.E. nicht mehr zu leugnen.

          Deswegen möchte ich mir die Zeit nehmen, über die medialen Eskalationen in diesen Tagen nachzudenken. Umso mehr andere eskalieren, umso mehr sollten wir dialogisch und besonnen reagieren. Meine ich.

          • Wie Sie wissen, beschäftigt mich diese zunehmende Feindschaft zwischen demokratischen Parteien. Für Menschen, die sich selbst links verorten, wird Social Media schwieriger – so mein Eindruck. Das rechtfertigt wohlgemerkt nicht überzogene Angriffe oder Forderungen.

            Für viele mag Mastodon daher die letzte Plattform sein, die sie nutzen können.

            Auch Herbert Wehner und Franz Josef Strauß haben sich nicht mit Samthandschuhen angefasst. Im Rückblick habe ich jedoch nicht den Eindruck, dass es darum ging, die andere Seite aus dem politischen Leben hinauszudrängen.

            Die häufig aus den Reihen der heutigen CSU kommenden Äußerungen gegenüber den Grünen sind ein anderes Kaliber. Ich will und werde mich hier nicht wiederholen.

            Übertriebene Reaktionen, Reden, Posts etc. lehne ich bei beiden Seiten ab!

          • Auch da bin ich durchaus bei Ihnen, @Marie H., und hatte es ja sowohl für Deutschland wie für Frankreich, die USA (New York) und auch für Großbritannien (Wales) schon verschiedentlich so formuliert:

            Die digitale Rechtsmimesis befeuert mittelbar auch die Linksmimesis, so dass die demokratische Mitte zerblasen wird.

            Dies gilt nach meiner Einschätzung übrigens sowohl für die Union, die v.a. nach rechts an die AfD verliert wie auch für die Grünen, die ja in mehreren Ländern mit der Union regieren und auch deswegen an die Linkspartei verlieren.

            Auch deswegen bin ich davon überzeugt: Parteipolitischer Dualismus zwischen demokratischen Parteien schadet der politischen Mitte immer.

            Gleichwohl finde ich es weiterhin schade, dass auch ansonsten kluge, linksdrehende Leute auf Mastodon in ihren Blasen verrohen. Dies hätten sie doch wirklich den meist rechtsdrehenden X – ern überlassen können! Meine ich.

    • Blutspenden ist wichtig und wird vielleicht sogar noch wichtiger!

      Lese nach dem Trump-Coup gegen Venezuela überall von Ihren Prognosen und Ihrem Konzept der Erneuerbaren Friedensenergien!!

      Ein Hammer! Darf ich fragen, wie Sie dazu gekommen sind??

  6. @Michael 02.01. 07:49

    „Denn wenn sich nicht auch die religiösen Menschen im Nahen und Mittleren Osten auf eine gemeinsame Zukunft statt endloser Kriege verständigen, dann wird die Region in wenigen Jahrzehnten kaum noch bewohnbar sein.“

    Reichlich billigen Solarstrom für Klimaanlagen und Meerwasserentsalzung mag dort erschwinglich sein. Das Wasser reicht auch noch für Obst- und Gemüseanbau, für Grundnahrungs- und Futtermittel aber wohl nicht mehr. Das muss man in der Region wohl überwiegend importieren.

    Aber florierende Städte wären schon möglich. Nicht so, wenn die endlosen Kriege weitergehen aber. Und auch Korruption und Clanwirtschaft hilft da eher nicht.

    „Gerade auch wer an eine grundlegende Schöpfungsgottheit glaubt, die dieses wundervolle Universum einschließlich der Befähigung zur Wissenschaft angelegt hat, sollte sich dem nicht verschließen.“

    Man muss sich das mal bewusst machen, dass zu biblischen Zeiten dieses riesige Universum überhaupt nicht erkannt wurde. Die Fixsterne waren nur Dekoration des Himmelszeltes. In dieses Weltbild eingebettet mag eine nur kurze Existenz von einigen Jahrtausenden und auch eine Ablaufdatum in der Größenordnung ebenfalls von einigen Jahrtausenden Sinn ergeben.

    Inzwischen kennen wir 100 Mrd Sterne dieser Galaxie, und 100 Mrd Galaxien in einem Universum, dass seit 14 Mrd Jahren existiert und sich stetig weiter entwickelt. Das müsste doch eigentlich auch bei religiösen Menschen angekommen sein.

    Ein nahes Ende des Universums ist entsprechend überhaupt gar nicht mehr denkbar, scheint mir. Ein radikaler Einschnitt des Lebens auf diesem Planeten wäre schon eher denkbar, aber eigentlich nur durch unselige Tätigkeit rücksichtsloser Menschen tatsächlich möglich.

    Da hilft dann auch weder jammern noch beten, sondern konsequenter Einsatz von Grüner Technik. Und am Besten auch noch keine weitere Kriegstätigkeit.

    Wie wäre es, mal das Weltenende zu verwerfen, und stattdessen einfach den eigenen Glauben zu modernisieren? Und zu gucken, dass man nicht mehr selber ein wesentlicher Teil des Problems ist. Wer hier wirklich das eigene Verhältnis zu durchaus real existierenden Geisteswelten im Sinn hat, sollte da mal drüber nachdenken.

    Das könnte wirklich helfen.

  7. Bitte verstehen Sie:
    ich habe gegen Karriere weniger als nix einzuwenden.
    Indes, auch sublime Kriegstreiberei: da gibt’s dann ggf auch Gegner.

    und Verwesungsgeruch in kriegsttreibend vereinigt wirkenden Staaten: das Parfum von Macht über eigene Ohnmacht – ggf

    „kriegstauglichkeit“ indes meint vlt auch Abgabe jeglichen Menschenverstandes an der Kasse von Blödheit.

    Nehmen wir Blödheit also sportlich as every day

    • Danke, @mentalsports – jetzt verstehe ich Sie. Es geht also um Einsamkeit, Neid und daraus folgende Feindseligkeit.

      Ist okay, Verbitterung ist ja der häufigste Einstieg ins Trolling. Ein gescheiterter Individualismus muss nun mal die eigenen Gefühle, Enttäuschungen, Ängste irgendwo externalisieren. Und wenn sich dann ein Wissenschaftsblogger freundlich verhält, kann man(n) ja mal dort den eigenen, mentalen Frust abladen…

      Machen viele. Ist okay, völlig verständlich.

      Ich wünsche Ihnen von Herzen ein gutes Jahr 2026, @mentalsports! 🙏☺️🙌

  8. @Michael 02.01. 14:07

    „…dass die Rettungskräfte und Krankenhäuser inklusive Blutkonserven bereit stehen, sinke die Blutspenden-Bereitschaft weiter.“

    Das ist jetzt schon länger her, aber das Rote Kreuz z.B. verkauft den halben Liter Blut für 800 Euro. Wenn ich für Blutspenden 200 Euro davon bekäme, wäre ich wohl öfter dabei. Ich denke, dass Rote Kreuz weiß das ganz genau, will aber das ganze Geld haben.

    „dass “wir” – die älteren Generationen – ja nun seit Jahrzehnten fossile Entsolidarisierung, rechtslibertären Käse von sog. “egoistischen Genen” und den Kult ums Geld – vorleben.“

    Beachtlich entsprechend, wenn gerade junge Leute da eigentlich ungern einfach mit weitermachen.

    „Besser wäre es, auch hier wieder mehr Gemeinsamkeit zu wagen und in professioneller und schöner Weise das Licht und das Leben zu feiern.“

    Das private Silvesterfeuerwerk empfinde ich doch gerade als gemeinsames Ritual. Die 100 Gramm Schwarzpulver pro Teilnehmer dürfen es von mir aus gerne sein. Selber mitmachen inclusive. Ein öffentliches professionelles Feuerwerk wäre schon was ganz anderes, selbst wenn es billiger und schöner dabei ist.

    Manch einer übertreibt es offenbar, und auch aggressive Stimmungen verderben schnell den ganzen Spaß. Was aber eher am ebenfalls traditionellen Alkoholkonsum liegen mag, der an Silvester verbreitet Spitzendosen erreicht.

    • @Tobias

      Ich möchte ja bewusst die Arbeit des DRK unterstützen und gerade nicht auch noch mein Blut „verkaufen“. Wenn auch hier „der Markt regelt“ werden ärmere, kranke und alte Menschen zurückgelassen…

  9. Ist die Sylvester-Böllerei das Problem oder sind es die Gewaltexzesse?
    Zitat1 Michael Blume: in meinen Augen ist die private Böllerei ein weiterer Ausdruck von thymotischem Fossilismus
    Zitat 2 Michael Blume: Auch gestern starben in Deutschland wieder vor allem junge Menschen, gab es zahlreiche auch schwere Verletzungen, Gewalttaten und Verhaftungen, Übergriffe gegen Polizei- und Rettungskräfte.

    Meine Sicht: Es wäre falsch, die Böllerei, also das Feuerwerk zu verbieten, wenn man in Wirklichkeit die heute damit verbundene Gewalt verhindern oder mindestens eindämmen will. Denn: das Gewaltproblem löst man nicht in dem man alle Anlässe verbietet an denen es zu Gewaltexzessen kommt und man verliert auch etwas, wenn es kein Silvesterfeuerwerk, keine Weihnachtsmärkte und keine Fussballspiele mehr gibt – alles Anlässe für Gewalt und für all diese Anlässe wurden bereits Absagen und Einschränkungen erwogen oder auch durchgesetzt.
    Übrigens: Nur schon, dass Michael Blume von Böllerei spricht, lenkt ja auf das Thema Gewalt hin. Doch warum sollte Feuerwerk mit Gewalt verbunden sein?
    In den Schlagzeilen zur google-Anfrage „Silvester Ereignisse in Deutschland„ stösst man auf folgendes:
    Silvesternacht in Deutschland: zwei Tote und hunderte Festnahmen
    – Silvester in Deutschland: Tote und Verletzte bei Unfällen und Krawallen
    – Silvester-Angriffe auf Polizei, Chaos in deutschen Städten
    – Silvester-Bilanz: Drei Tote bei Bränden, 42-Jähriger verliert durch Feuerwerks-Explosion drei Finger, landesweit hunderte Polizeieinsätze

    Kurzum: Bei immer mehr Anlässen in Deutschland und im übrigen Europa kommt es zu Gewaltexzessen, Verletzten und Toten. Als Konsequenz daraus die Anlässe zu canceln bedeutet auch das kulturelle Leben einzuschränken. Wenn alle nur noch zu Hause sitzen und Netflix schauen, weil alles andere ausfällt, weil es gestrichen wird, dann gibt es wohl weniger öffentliche Tumulte, aber es gibt dann auch weniger Öffentlichkeit, weniger Gemeinsames. Am Schluss sind alle allein in ihren kleinen Wohnungen und es gibt dann nur noch häusliche Gewalt.

    • Seltsam, @Martin Holzherr – ich habe mich ausdrücklich für gemeinschaftliche (!) und professionelle Feuerwerke ausgesprochen, lediglich die private Böllerei kritisiert.

      Früher haben Sie oft herausragende Kommentare beigesteuert. Nun frage ich mich schon, warum Sie mir immer öfter Positionen unterstellen, die ich nie eingenommen habe? In den Worten meiner Kinder: @Martin Holzherr, was geht? 😌🙏🙌

  10. Mi Jansen/Schleissing ‘ Konkurrenz und Kooperation’ und Tomasello ‘Warum wir kooperieren?’ ist längst klar, das Tausch=Kauf eine Kooperationsveranstaltung ist.
    Dabei noch an Darwins ‘ struggle of life’ zu verharren ist überholt.
    Wir kooperieren tagtäglich über den Geldtausch.
    Geld ist das Mittel der Steuerung und Lenkung von Gesellschaften.
    Dabei ist ein jeder darauf bedacht, wer gerade Einfluss auf die Ausgaben und somit der Selbstbestimmtheit über sein Geld und somit Kooperation hat.
    Daran ist das Heizungsgesetz gescheitert.
    Es ist die Wechselwirkung aus Kooperation=Tausch= Kauf und Wettbewerb um diese Kooperation, welches das Wesen des Kapitalismus ausmacht.
    Kaufe ich Fossilismus oder Nachhaltigkeit ist keine Ideologie sondern die Geldbörse entscheidet.
    Ebenso basiert Wachstum auf dem Gedanken, dass mehr Geld in kürzerer Zeit zirkuliert. Dafür lohnt sich mehr Arbeit und mehr Konsum???
    Also mehr zwanghafte Kooperation?
    Ich denke, unter Ihrer @Blume Kooperation ist ein anderes Verständnis.

    • Ja, @Mussi – ich meine, Sie überschätzen die Bedeutung von „Geld“ gewaltig. Das gibt es erst seit wenigen Tausend Jahren, globale Märkte noch viel kürzer. Würde ich vor allem nach Geld streben, wäre ich in der Bank geblieben und hätte weder eine Familie, noch eine Mitgliedschaft in einer Kirche und demokratischen Partei, keinen Blutspendeausweis und auch keinen (unbezahlten) Wissenschaftsblog.

      Wenn Sie die Evolution des Menschen verstehen wollen, dann sollten Sie nicht zu stark auf die kulturellen Institutionen von „Geld“ und „Märkten“ starren. Dort fand und findet das eigentliche Leben nicht statt.

  11. Ergänzung:

    Sex ist auch eine Kooperationsveranstaltung mit der wir im Wettbewerb stehen, die aber in verschiedenen Kulturen ‘gehandelt’ wird.
    Die Frage ist also nicht, mit wem ich im Wttbewerb stehe, sondern mit wem ich kooperiere: Freihandel.
    Das System des Kapitalismus= Gewinnstreben/- Maximierung zwingt uns, mehr zu Kopperieren= verkaufen.
    Das ist nicht gesund.

  12. Um an den vorherigen Artikel anzuschliessen:
    Die Frage ist also nicht, wer mit wem konkurriert, sondern warum und wer mit wem kooperiert!

    • Genau, @Mussi. Und Religionen eröffnen kooperatives und reproduktives Potential, das dem säkularen Hyperindividualismus entgeht. Deswegen verebbte bislang auch jede Säkularisierungswelle wieder.

  13. @Michael 02.01. 14:38

    „Diese Empfehlung setzt ja voraus, dass die fossile Gier und moderne Einsamkeit auch für religiöse Menschen in kinderreichen Familien vorbildlich sein sollte“

    Das meine ich nicht mit Modernisierung, ich meine die Verortung in einem inzwischen bekannten riesengroßen Universum. Und einer Zukunft auf diesem Planeten auf hunderte von Jahrmillionen.

    „…dass den meisten von ihnen (mich eingeschlossen) “die Moderne” gerade nicht als reine Erfolgsgeschichte “der Vernunft” erscheint.“

    Ja mir auch nicht. Ich habe schon vor 40 Jahren Konsequenzen gezogen, und seitdem die meisten Wege mit dem Fahrrad gemacht. Und auch jetzt noch ist das Fahrrad wesentlich grüner als das beste Elektrofahrzeug. PV z.B. war mir damals aber noch zu teuer.

    Und doch erscheint mir der Fossilismus als eine unvermeidliche Phase der Menschheitsgeschichte. Der aber auch m.E. deutlich schneller überwunden werden sollte. Mit dem Einsatz entsprechender Technik, aber gerne auch deutlich schneller mit weniger überflüssigem Konsum.

    „Umgekehrt wurden Religionsgemeinschaften und Familien so lange verspottet, bis ganze Gesellschaften demografisch zusammenbrachen.“

    Die Richtung ist m.E. gar nicht mal ganz so verkehrt. Lieber eine moderate Schrumpfung als ein weiteres exponentielles Wachstum. Insbesondere in Kombination mit einer noch verschwenderischen Lebensweise und fossiler Technik.

    Aber die technische grüne Trendwende ist offenbar in Sicht, und damit wäre ich inzwischen durchaus dafür, die Geburtenraten wieder zu fördern. Ob man da wirklich Religion für braucht, das scheint mir derzeit noch nicht klar zu sein.

    Ein wirklich entspannteres Leben könnte es vielleicht auch sein? Sollte man versuchen. Zumal auch keiner weis, wie man die Leute wieder von Religion begeistern könnte?

    Vielleicht durch eine wissenschaftliche Anerkennung von universalen Geisteswelten?

    „Wenn die Moderne wieder anziehend auch auf religiöse Menschen sein will, dann muss sie sich auch selbst erneuern. Meine ich.“

    Mich interessiert eigentlich nur, dass die religiösen Menschen bei der Energiewende mitmachen und nicht das Weltenende suchen. Ansonsten sollen die machen was sie wollen.

    • Nö, @Tobias, ich denke, da machst Du Dir und uns etwas vor: Du möchtest mit Deinen säkular-esoterischen Ansichten schon auch von religiösen Menschen anerkannt werden. Das hast Du hier ja deutlich und recht aggressiv eingefordert.

      Ebenso möchtest Du gerne in „Geisteswelten“ wahrgenommen sein, die aber Dein Ego bitte nicht hinterfragen sollen.

      Dialog funktioniert aber nicht so, dass wir Religiösen mit unseren Kindern Euch versorgen und uns dafür auch noch verhöhnen lassen.

      Eine ganz klare, empirische Erkenntnis lautet: Durch säkulare Arroganz und Hyperindividualismus gelangt noch keine Zivilisation zu den Sternen.

      Wissenschaft zu bestaunen ist nicht das Gleiche, wie auch unangenehme Erkenntnisse zu respektieren. Erst Letzteres führt zu echtem Dialog.

    • Ja, @mentalsports – deswegen habe ich auch bereits in meiner Rede im Landtag von Baden-Württemberg am 9.11.2023 dringend dazu aufgerufen, nicht länger fossile Kriege zu finanzieren, sondern auf „erneuerbare Friedensenergien“ zu wechseln.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/im-landtag-bw-gegen-antisemitismus-meine-rede-zum-9-11-2023/

      Aber, ich verstehe schon: Jammervoll externalisierende Drukos schreiben sich einfacher, als auch selbst für den Frieden einzustehen. Gerade auch in diesen Tagen kicken Ängste und Einsamkeit besonders hart…

      • Glauben Sie tatsächlich an Wesen, die in von Ihnen gewähnten Sphären, als einsame, neidische „Troll‘s“ (aka „Trolle“) auch nur irgendeine als realistisch einzuschätzende „Überleben“schance hätten?

        Kleiner Exkurs: wie aus Politologie „Politikwissenschaften“ wurden -> siehe Rubrum Bologna…

        Grüße

        • Ja, @mentalsports – ich beobachte ja täglich, dass wir Menschen sehr fragile „Wesen“ sind und der Weg in Einsamkeit, Verbitterung und feindseligen Dualismus bis hin zum Verschwörungsglauben sehr kurz ist. Die Drukos von Ihnen, @hto, @Realo und früher auch anderen bieten ja den immergleichen Sound aus der Sehnsucht, gehört zu werden – und den bitteren Vorwürfen gegen diejenigen, die Ihnen zuhören. Da ist es auch fast egal, wie viel Zeit und Aufmerksamkeit ich Ihnen als Blogger auch schenke – die feindselige Bitterkeit und die Verschwörungsvorwürfe brechen doch immer wieder durch. Freundlichkeit und Geduld erscheint Ihnen als Einladung, noch mehr Vorwürfe abzuladen.

          Das Internet ist leider für viele kein Ort des Dialoges, sondern ein Ort für Feindseligkeit und also „Trolling“. Ich wünschte, es wäre anders – aber Ihre Einstellung dazu liegt in Ihrer, nicht in meiner Hand. 😌🖖

          • Gleichwohl möchte ich, daß Sie wissen, daß ich Ihre Arbeit für bemerkenswert erschteint: dies umso mehr, als sie Fragen aufzuwerfen vermag zu „so Sachen“, die unterschlagen vermocht wirken könnten.

            Wie fragil, da stimne ich Ihnen zu, die Moderne als „Schönwetterveranstaltung“ (die deutsche Bahn fährt ihr dysfunktional wirkendes Rollmaterial grad in die Lokschupoen) insgesamt wirken könnte, kann indes kaum an einer Wirklichkeit vorbeiführen, die alles andere als epistemisch zu wirken vermag.

            gleichwohl, so (drawing distinctions) wäre es begrüssrenswert, Themata bisweilen etwas weniger unterkomplex wirkend behandelt wissen zu dürfen, als das bisweilen das Fall zu sein scheint.

            Grüße und Dank erneut für Ihre Diskursbereitschaft

          • Danke, @mentalsports

            Ich erkenne an, dass Sie es durchaus versucht haben, mal dialogisch rüber zu kommen. Und sind dann doch wieder über Ihre Arroganz gestolpert.

            “gleichwohl, so (drawing distinctions) wäre es begrüssrenswert, Themata bisweilen etwas weniger unterkomplex wirkend behandelt wissen zu dürfen, als das bisweilen das Fall zu sein scheint.”

            Ein arroganter Satz kommt auch dann nicht gut an, wenn er mehrfach verschwurbelt wird. Schade – für Sie.

  14. @Michael 02.01. 14:38 / Felo.ai

    „Dr. Michael Blume lehnte die Lehre vom “egoistischen Gen” ab, da sie die Komplexität menschlicher Evolution und Verhaltensweisen nicht vollständig erfasst und kulturelle sowie soziale Dimensionen vernachlässigt.“

    Die Entwicklung der Individuation selbst ist noch mal ein Vorgang, der seine eigene Dynamik erzeugt. Mitten in kulturellen und sozialen Umgebungen.

    Und mitten in dieser Dynamik muss man wohl auch noch mit Geisteswelten rechnen. Sofern diese existieren und es nicht lassen können, sich da auch noch einzumischen.

    Das Ergebnis ist dann jedenfalls ein wirklich interessantes und erfülltes Leben. Und alles andere als einfach nur eine Biomasse, die nichts anderes im Sinn hat, als sich völlig sinnlos selbst zu replizieren.

    Mit einer eigenen Funktion innerhalb der ganzen Biosphäre des Planeten muss man dann auch noch rechnen. Wo wir schon mal dabei sind, können wir es vermutlich auf die Dauer auch nicht lassen, uns da wirklich auch noch drum zu kümmern. Insbesondere beim Menschen muss man angesichts seiner globalen Verbreitung in praktisch allen Lebensräumen genau auch damit rechnen.

    Und das ist nicht nur möglich, sondern auch absolut notwendig. Wir müssen das einfach wollen. Jenseits aller genetischen Nebenbedingungen.

    • Ja, @Tobias – auch ich halte den Reduktionismus für überholt und befürworte klar den Emergentismus.

      In der Betonung von „Individuation“ einerseits und „Geisteswelten“ andererseits kommt mir jedoch die Gemeinschaftlichkeit und damit auch Tradition zu kurz. Sprache, Kultur, Wissenschaft, Religion, Familie usw. – nichts davon erwächst nur aus Einzelnen. Sogar als J.R.R. Tolkien – dessen Geburtstag gerade weltweit begangen wird – Sprachen schuf, griff er selbstverständlich auf gewachsene Vorlagen zurück.

      Evolution gerade auch von Säugetieren ist von Anfang an auf Gemeinschaft angelegt. Ein übersteigerter Individualismus führt dagegen zur Beziehungsarmut und damit auch zum Verebben von biologischen und kulturellen Traditionen. Wenn dies die Moderne wäre, so erwiese sich diese als Sackgasse…

  15. … ein Blog mit Unterhaltungswert. Vor allem die dialogischen Drukos:-)

    “Der Schein ist ein gefährlicher Betrüger, Gerade wenn Du glaubst mit ernsten Dingen beschäftigt zu sein, übt er am meisten seine täuschende Gewalt.” Mark Aurel

    Allen ein frohes neues Jahr:-)

    • Lieben Dank, @Marcus R – es freut mich, wenn Sie sich zugleich informiert und gut unterhalten fühlen. 😌

      Die meisten Kommentierenden sind konstruktiv und ehrlich interessiert – sie bringen die Blogs damit auch voran.

      Mir tut es aber auch immer wieder Leid, wenn Menschen Freundlichkeit und die Einladung zum Dialog als Schwäche missverstehen. Und letztlich habe ich in all den Jahren schon viel erlebt, aber niemals „glückliche Trolle“… Am Besten hilft da klare Ansage, manche kriegen dann sogar die Kurve und kapieren: Hate bringt keine dauerhafte Aufmerksamkeit.

      Beste Grüße und ein gutes, neues Jahr! 🖖

  16. @Michael 02.01. 14:38

    „Dialog funktioniert aber nicht so, dass wir Religiösen mit unseren Kindern Euch versorgen und uns dafür auch noch verhöhnen lassen.“

    Da habe ich mich wohl ungut ausgedrückt. Du hast es mit deinen 3 Kindern richtig gemacht, und ich habe es ohne Kinder verkehrt gemacht. Hätten Leute wie ich auch ihren Teil an Nachwuchs gehabt, dann ginge es uns jetzt tatsächlich besser.

    Offensichtlich wirkt sich Religiosität entsprechend auf den Kindersegen aus.

    Aber noch vor 10 Jahren war für mich klar: Menschen gibt es mehr als genug, zumal ja auch die Energiewende zu dieser Zeit noch in den Anfängen war. Dass auch in Asien und Südamerika die Geburtenraten in den Keller gehen, habe ich derzeit noch gar nicht registriert gehabt. Und dass die Energiewende inzwischen so viel Fahrt aufgenommen hat, hätte ich derzeit nicht gedacht. Ich dachte, je weniger wir werden, desto einfacher wird es.

    Jetzt zeigt sich, dass eigene Kinder doch auch für mich eine gute Sache gewesen wäre. Und wäre ich nicht 62, sondern 32, würde ich jetzt echt über Kinder nachdenken. Eventuell trotz fehlender Religion, ich weiß es nicht.

    Jedenfalls käme ich nicht so schnell auf die Idee, religiös zu werden, um mehr Kinder zu bekommen. Es wären auch vielleicht gerade die Frauen, die wirklich Kinder kriegen wollen, die sich dann bevorzugt religiöse Männer suchen würden. Und eben mich nicht.

    Wie gesagt, ich war damals der säkularen Meinung, dass eine moderate Schrumpfung der Weltbevölkerung eine gute Sache wäre. Ob eine säkulare Meinung, dass wir jede Menge Nachwuchs gebrauchen können, wirklich einen Unterschied machen würde, weis ich nicht wirklich. Man müsste gucken, vielleicht würde das schon das eine oder andere Kind mehr werden.

    Eine ganz andere Geschichte wäre es gewesen, wenn die globalen Geburtenraten ab den 70ern auf ein eskalierendes exponentielles Bevölkerungswachstum hinaus gelaufen wären. Das wäre wohl nicht so gut gewesen.

    Aber das ist ja überhaupt nicht passiert, entsprechend war Deine Entscheidung für 3 Kinder eine echt gute Idee. Und ich habe es verkehrt gemacht.

    „Eine ganz klare, empirische Erkenntnis lautet: Durch säkulare Arroganz und Hyperindividualismus gelangt noch keine Zivilisation zu den Sternen.“

    Das mag ich jetzt aber nicht persönlich nehmen. Zumindest verantwortungsvoll leben kann ich schon, auch wenn ich mal Irren kann. Wenn wir wirklich Religiosität brauchen, dann wird es wohl noch eine lange Zeit schrumpfen, bis der Kinderreichtum der Religiösen zu überwiegenden Bevölkerungsanteilen führt.

    Oder kann das doch noch dazu kommen, dass ehemalige Säkulare tatsächlich religiös werden?

    • Danke für die berührende Klarstellung, @Tobias – wobei ich Dir noch einmal versichern möchte, dass auch eine Welt mit einer dauerhaften Geburtenrate von 3,0 am Abgrund stünde. Ich bin auch für unsere Kinder sehr froh, dass es nicht so ist!

      Die Angst vor der sog. „Überbevölkerung“ war aus heutiger Sicht klar übertrieben, aber damals auch noch verständlich. Auch heute noch brechen die Geburtenraten weltweit viel schneller ein, als es Prognosen absehen konnten.

      Mir geht es also ausdrücklich nicht darum, dass nur kinderreiche oder religiöse Menschen zu achten wären, sondern dass sich Religiöse und Säkulare, Eltern und Kinderlose gegenseitig (!) respektieren und voneinander, ja miteinander lernen.

      Du möchtest zu Recht respektiert werden? Dann respektiere auch selbst!

      Ja, Religionen sollten sich auch „modernisieren“. Aber säkulare Modernisten sollten sich auch auf Werte und Irrwege hinterfragen lassen. Ohne Vielfalt (Variation) gibt es keine Evolution und ohne Dialog keine Erkenntnis.

      Und in der Realität ist es übrigens auch nicht so, dass einfach nur Religiöse mehr Kinder haben. Sondern dass eine Wechselwirkung eintritt: mit jedem Kind, jeder Jugendarbeit ergeben sich neue Berührungen mit Religionen.

      Ich möchte nicht die eine Intoleranz gegen die andere austauschen, sondern ein wertschätzendes Miteinander. Bitte schau weder auf mich herab noch zu mir hinauf – sondern lass uns einander als gleichwertig achten. Wenn Du Dir Interesse für Deine Gedanken über Technologien & Geisteswelten wünscht, dann interessiere Dich auch für die Gedanken anderer zu Gemeinschaften & Gott.

      Das reicht, um die gemeinsame Welt besser zu verstehen & sie ein wenig besser zu machen.

  17. @Michael Blume
    02.01.2026, 14:38 Uhr

    Im Namen der vermeintlichen Vernunft und gegen die Religion(en) sind dagegen seit der Französischen Revolution Millionen Menschen ermordet worden, wurde unsere Mitwelt ausgebeutet und das Klima erhitzt. Umgekehrt wurden Religionsgemeinschaften und Familien so lange verspottet, bis ganze Gesellschaften demografisch zusammenbrachen.

    Ich denke die Stelle an der sich entscheidet ob es zu Mord und Totschlag kommt ist gar nicht die Stelle an der man nach religiös oder nicht religiös trennt.
    Die Frage ist: Hängt jemand der Überzeugung an, dass seine Ethik- und Moralvorstellungen es hergeben andere Menschen für angeblich höhere Ziele zu töten.Religionen liefern die Überzeugungen die man haben musss um sich das Recht einzuräumen andere Menschen zu töten gerne mit.
    Man braucht aber gar keine Religion dazu. Andere weltanschauliche Vorstellungen taugen dafür genauso gut.
    Sowohl Vorstellungen wie der Kommunismus als auch religiöse Vorstellungen muss man mit Vorsicht geniessen, weil er in solchen Systemen oft eine Tendenz zur Absolutheit existiert, die zu Gewalt, Unterdrückung und Mord führen kann.
    Sobald zu viele Menschen einer Vorstellungswelt anhängen, die alles einem übergeordneten Sinn oder einer utopischen Gesellschaft unterordnen bringt man besser seine Familie und sich in Sicherheit…

    • Vielen herzlichen Dank zu diesem starken Druko, @Uli Schoppe – dem ich aus ganzem Herzen zustimmen möchte!

      Die Geschichte zeigt, was längst auch Politikwissenschaft, Philosophie und Psychologie erkennen: “Jede” Religion und Weltanschauung kann bis in den feindseligen, ja pathologischen Dualismus von Massenmorden hinein polarisiert werden.

      Dabei basiert der Rechtsdualismus auf Ideologien der Ungleichheit, die ethnischen und religiösen Minderheiten, Oppositionellen, Frauen & Transpersonen, armen und erkrankten Menschen das Lebensrecht abspricht. Der Linksdualismus basiert auf Ideologien der Gleichheit, die jeder Vielfalt und damit ebenfalls Oppositionellen, ethnischen und religiösen Minderheiten das Lebensrecht abspricht. Rechter, libertärer und linker Dualismus sind also nicht gleichzusetzen (sog. “Hufeisen”), aber führen jeweils zu katastrophalen und mörderischen Diktaturen.

      Angesichts des aktuellen fossilen Krieges zwischen den USA und Venezuela habe ich vorhin auch einen Solarpunk-Short aufgenommen:

      https://youtube.com/shorts/FSVSH7Xm03w

      Schon in “Öl- und Glaubenskriege” von 2015 hatte ich vor der gefährlichen, fossilen Entwicklung auch in diesen beiden vom Ressourcenfluch geprägten Staaten gewarnt – und hier auf “Natur des Glaubens” auch verschiedentlich dazu gebloggt:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/fossiler-ressourcenfluch-verschwoerungsmythen-auch-venezuela-bestaetigt-die-these/

      Wer also gegen Extremismus, Krieg und Terror vorgehen möchte, sollte bei sich selbst anfangen und 1.) die eigene Weltanschauung auf Abgründe des feindseligen Dualismus hinterfragen und 2.) im Rahmen der eigenen Möglichkeiten den Verbrauch fossiler Gewaltenergien so schnell wie irgend möglich reduzieren.

      Niemand kann alles, aber alle können etwas tun.

  18. Hallo und ein gutes 2026,

    für alle und
    besonders für diejenigen die in der Lage sind, Blut beim DRK Blutspendedienst zu spenden und es dann auch tun.

    Ich habe langjährig einen Blutspenderausweis und die Karte mit den Terminen ist schon mehrfach voll gewesen.

    Sicher geht es vielen Mitlesenden genau so.
    Den paar Mitkommentierenden würde ich gerne ein persönliches Statement
    “Zumuten”.
    Frage: wer kennt denn den Fragebogen, der jedesmal ausgefüllt werden muss?

    • Ganz herzlichen Dank für diesen ermutigenden Druko pro DRK-Blutspende, @Ralf H. 🙏🌞👍

      Ich denke wirklich, dass die Besinnung auf das Blutspenden zum Jahreswechsel statt schädlichem, privatem Böllern unsere Gesellschaft solidarischer und besser machen würde.

      Und, ja, ich kenne den Fragebogen – habe ihn ja erst vor wenigen Tagen nach Weihnachten und vor Neujahr wieder ausgefüllt. 🙂

      Hier lässt sich auf der Homepage des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) der Fragebogen zur Blutspende-Fähigkeit auch online (testweise) ausfüllen!

      https://www.drk-blutspende.de/spende-check/nstob

      Noch einmal vielen herzlichen Dank für den Kommentar & Hinweis – und die besten Wünsche für ein gutes und gesegnetes Jahr 2026! 🙌

  19. Nachahmung – Nachmachen.

    Das sollte bei kostenlosen, freiwilligen Blutspenden Schule machen,
    so das Meldungen über Engpässe bei Blutkonserven der Vergangenheit angehören können.

  20. @Michael 02.01. 23:33

    „Ein übersteigerter Individualismus führt dagegen zur Beziehungsarmut und damit auch zum Verebben von biologischen und kulturellen Traditionen.“

    Ich habe hier in der Tat auch nur einige regelmäßige Kontakte, viele ehemalige Wegbegleiter sind inzwischen verstorben oder psychisch ganz versackt. Wir hatten mal einen Verein, so vor 20 bis 3 Jahren war da richtig was los.

    Derzeit dann nicht mehr, aber die virtuellen Kontakte hier auf Scilogs haben nun schon auch echte Substanz.

    „Wenn dies die Moderne wäre, so erwiese sich diese als Sackgasse…“

    Ein guter Kumpel von mir ist seit bald 15 Jahren in der örtlichen Babtistengemeinde, und fühlt sich da wohl. Für mich wäre das aber wohl nichts. Ich war nur einmal zu seiner Taufe und seiner Hochzeit zu Gast.

    Mehr ist dann wohl nicht. Die öffentliche Wirksamkeit sowohl hier auf Scilogs wie auch seinerzeit in unserem Verein motiviert allerdings zusätzlich. Das verbindet uns irgendwie auch mit der großen weiten Welt da draußen.

    „…nichts davon erwächst nur aus Einzelnen.“

    Klar, es hätte nicht mal eine Sprache. Aber jeder einzelne Mikrokosmos ist doch ein selbstaktives Element. Nur in diesen Mikrokosmen kann Kultur lebendig werden. Selbst KI ist ohne Mensch auch ohne Ziel.

    Noch jedenfalls. Künstliche wirkliche Mikrokosmen, die wirklich auch für sich selber leben, kann ich mir zumindest vorstellen.

    • Vielen Dank, @Tobias – und ja! Du schriebst:

      “Aber jeder einzelne Mikrokosmos ist doch ein selbstaktives Element. Nur in diesen Mikrokosmen kann Kultur lebendig werden. Selbst KI ist ohne Mensch auch ohne Ziel.”

      Dem stimme ich nicht nur allgemein zu, sondern aus meinen philosophischen Überzeugungen des dialogischen Monismus und also Emergentismus: Die Möglichkeit zu einzigartigen und damit im besten Sinne “freien” Entscheidungen jedes einzelnen Menschen wurzelt in der Evolution und Emergenz des individuellen Bewusstseins.

      Auch daraus ergibt sich nach meiner Überzeugung zwingend:

      “Die unbedingte Menschenwürde mit gleichem Menschenrecht für alle bildet die gemeinsame Mitte aller aufgeklärten Religionen & demokratischen Zivilreligionen.”

      Wer die menschliche Freiheit angreift – sei es durch rechtsmimetische Abwertung, durch linksmimetische Gleichschaltung oder durch libertäre Entsolidarisierung – greift daher nach meiner Überzeugung immer auch die Menschenwürde als Grundartikel unseres Grundgesetzes an.

  21. Technomimesis oder wie sich Technologie verbreitet
    Zitat Michael Blume: Denn der psychologische Begriff der Mimesis bezeichnet die menschliche Tendenz, nicht nur Verhalten, sondern auch Ziele von anderen zu übernehmen.

    Mit Technomimesis meine ich hiermit, dass Länder und Gesellschaften fernab vom Entstehungsort einer Technologie diese Technologie mit ähnlichen Augen sehen wie die Menschen am Ursprungsort. Die Berichte etwa über die ersten Eisenbahnfahrten in GB, die von der Stockton and Darlington Railway (S&DR) 1825 mit 400 Personen bei der Jungfernfahrt durchgeführt wurde, war nicht ein rein lokales Phänomen, denn es wurde international darüber berichtet, was nichts anderes als eine Präsentation und auch Werbung für dieses neue Verkehrsmittel war. Beim Bau der ersten Eisenbahn in Deutschland, die erstmals 1835 fuhr, waren britische Ingenieure involviert und sie organisierten die Beschaffung der Lokomotive, der „Adler“. Der erste Lokführer auf der Adler war ebenfalls ein Brite. Das zeigt, dass eine Technologie sich nicht allein über einen anonymen Kauf verbreitet, sondern meist auch Fachleute und ein ganzes Ökosystem des Ursprungslandes mit einbezieht.
    Und das Beispiel mit der Eisenbahn, aber auch mit vielen anderen neuen Technologien zeigt, dass eine neue Technologie, die sich weltweit verbreitet immer auch eine Art Technologie-Kultur Transfer ist. Die britischen Ingenieure und Unternehmer, die die Eisenbahn schufen, verkauften also nicht nur ein Stück Eisen (die Lokomotive), sondern sie transferierten eine ganze Technologie samt Umfeld, mit Auswirkungen auf alle benötigten Bauteile, ihre Herstellung, Wartung und ihren Betrieb.
    Übertragen auf die Erneuerbaren Energien bedeutet das, dass wer etwa Windurbinen, Solarpanel, E-Autos, E-Trucks, Batterien herstellt und alle für die Herstellung nötigen Rohstoffe und Verfahren kontrolliert, dass der damit bei der weltweiten Verbreitung der Technologie eine grosse Rolle spielen wird und dass sich damit nicht nur Geräte, sondern auch eine ganze Technologie-Kultur verbreiten wird. Die „Konsumenten“ dieser Technologie sind also mehr als nur Käufer, sie sind zu einem wichtigen Teil abhängig von all dem, was mit der Technologie zusammenhängt.
    Von Deutschland als früher Investor und Planer eines erneurbaren Energiesystems wurde ja immer wieder gesagt, es würde ein Vorbild für andere Länder und Regionen sein. Doch jetzt sieht es eher so aus, dass China der Technologieführer und auch der weltweite Verbreiter der Erneuerbaren Technologie ist und sein wird. Und der Grund für diesen Rollenwechsel, der liegt nicht primär in der chinesischen Absicht, sich auf die Erneuerbaren einzulassen, sondern vielmehr darin, dass China alle technischen und organisatorischen Ebenen der Erneuerbaren Technologie in der Hand hält – bis hinunter auf die Rohstoff- und Rohstoffveredelungsstufe.
    Übrigens: warum war Deutschland so bedeutend bei der Technologie des Verbrenner basierten Automobils? Antwort: Weil es die Kernelemente dieser Technologie, unter anderem den Verbrennungsmotor, bis hinunter zur letzten Schraube besser beherrschte als alle anderen.

    Kurzum: Technomimesis aufgefasst als den Wunsch, eine Technologie im eigenen Einflussbereich aufzubauen und zu verbreiten, bedeutet fast immer auch, dass die Ziel-Region auch sehr vieles lernt und übernimmt von denen, die die Technologie beherrschen und die alles darum herum aufgebaut haben. Die Ökosphäre des Herkunftslandes wird als vom Technomimeten weitgehend übernommen und nur wenn der Technomimet sich durch den Aufbau einer eigenen Ökosphäre unabhängig vom Ursprungsland macht, nur dann beherrscht er die Technologie wirklich.

    • Vielen Dank, @Martin Holzherr – auf den ersten Blick scheint mir der Begriff der Technomimesis sehr stark zu sein! Ich werde mir Ihren Vorschlag noch mehrfach durchlesen, durchdenken und ggf. übernehmen.

      Herzlichen Dank für die starke Begriffsarbeit und den konstruktiven, ja dialogischen Kommentar! 🙌

  22. @Martin Holzherr 03.01. 22:36

    „Und der Grund für diesen Rollenwechsel, der liegt nicht primär in der chinesischen Absicht, sich auf die Erneuerbaren einzulassen, sondern vielmehr darin, dass China alle technischen und organisatorischen Ebenen der Erneuerbaren Technologie in der Hand hält – bis hinunter auf die Rohstoff- und Rohstoffveredelungsstufe.“

    China hat aber schon einfach aufgrund seiner Größe von 1,4 Mrd Menschen die Kapazitäten, neue Techniken schneller zu entwickeln. Und China kann mit den Erneuerbaren einen neuen globalen Markt bedienen. Das klappt umso besser, wenn der Westen da nicht so recht mithalten kann.

    Einfach alte Technologien auch zu produzieren ist nicht so lukrativ, als hier mit was wirklichen Neuem anzufangen. Wenn man eben die besten Voraussetzungen dafür hat.

    Ob China auch einfach Lust auf Grüne Technik hat, damit die globale Energiewende vorwärts kommt, kann noch ein Argument sein, dass man dort so viel investiert. Man hat auch in China keine Lust, immer wieder neues Öl einzukaufen, und will auch keine eskalierende Klima- und Wasserkrise. Also macht man was dagegen. Und kann damit auch noch richtig viel Geld verdienen.

    Diktatur heißt ja nicht automatisch, dass man nicht langfristig und letztlich auch vernünftig agieren kann.

    Das Erste, was wir wiederum machen können, wäre alle chinesische Technik mit eigener offener Software zu betreiben. Und mittelfristig gucken, auch in Europa zu produzieren, von mir aus sogar unter chinesischer Beteiligung. Auch die nötigen Rohstoffe haben wir durchaus auch in Europa, wir müssen dann halt nur auch mit den mit dem Abbau verbunden Nebenwirkungen leben.

    Für die fossilen Brennstoffe haben wir auch ganze Landschaften weggebaggert und den Untergrund unter dem Ruhrgebiet nachhaltig durchlöchert. Ich lebe hier ein Leben lang, und man merkt da meistens nicht viel von. Auch Tagesbrüche und andere Bergschäden verebben immer mehr. Der Boden hat sich inzwischen ganz gut gesetzt.

    • @Tobias Jeckenburger & @Martin Holzherr

      Wichtig scheint mir noch der Aspekt zu sein, dass Technomimesis wirtschaftlichen und militärischen Nachahmungsdruck erzeugt. So sahen wir doch am Beispiel Preußen, wie sich die autoritäre Monarchie angesichts der katastrophalen Niederlage gegen Frankreich und Napoleon hastig reformierte und fossil industrialisierte:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/b-wie-berlin-babylon-preussen-und-der-fossile-faschismus/

      Heute sehe ich eine ähnliche, technomimetische Dynamik in der weltweiten Entwicklung von KI-gesteuerten Drohnen seit dem Putin-Angriffskrieg gegen die Ukraine.

      Technologien erzeugen technomimetischen Zug, meine ich. 🤔⚒️

    • @Tobias Jeckenburger (Zitat): „Und China kann mit den Erneuerbaren einen neuen globalen Markt bedienen.“

      Ja, China sucht eine Weltrolle und auch das, was man im Westen „Smart Power“ nennt. Als Technologieführer auf existenziell wichtigen Gebieten wie der Energietechnologie hat China automatisch auch „Smart Power“, also Einfluss als Vorbild und Setzer von Standards. Bei smart power geht es darum den Einfluss zu erweitern und die Legitimität des Handelns zu etablieren. Eine Grossmacht mit smart power wird freundlicher behandelt als eine, die nur auf militärische Macht setzt und sie wird dadurch für viele sogar nachahmenswert. Schon die Seidenstrasseninitiative Chinas wollte Chinas Einfluss erweitern und smart power erwerben.
      Zudem handelt es sich bei EVs, Solarpanels und Batterien hoher Kapazität um neue Technologien, so dass China nicht bestehendes aufholen muss, sondern ein neues Feld besetzen kann.
      Übrigens: schon früh sagten mehrere in die Zukunft Schauende, dass Autofirmen, die von Verbrennern auf EVs umstellen von vornherein im Nachteil sind gegenüber Firmen, die voll auf EVs setzen. Grund: Eine Firma wie etwa VW erlebt einen Rückgang der Nachfrage ihrer Cash-Cows (der Verbrenner) während ihre EVs noch gar nicht profitabel sind. Wer sich nicht um Altes kümmern muss, ist auf jeden Fall besser dran, wenn schon klar ist, dass sich das Neue gegen das Alte durchsetzen wird.

  23. @Michael 04.01. 07:20

    „Heute sehe ich eine ähnliche, technomimetische Dynamik in der weltweiten Entwicklung von KI-gesteuerten Drohnen seit dem Putin-Angriffskrieg gegen die Ukraine.“

    Was auf dem Schlachtfeld funktioniert wird entsprechend auch schnell umgesetzt. Bei den Drohnen ist es nicht nur die KI. Insbesondere kleine Drohnen laufen vermutlich mit billigen und leichten Lithiumakkus ganz gut.

    Der Elektroschrott mag sich dann auf den Schlachtfeldern anhäufen. Wenn es weniger Personal braucht, leiden Menschen auch weniger? Uns in Europa kann das jedenfalls zum Vorteil sein. Wir haben sehr viel mehr Geld als Putin, auch für Drohnen.

    „Technologien erzeugen technomimetischen Zug, meine ich. „

    Was auch die Grüne Technik betrifft. Je billiger sie wird, desto mehr wird sie auch eingesetzt, auch von Kunden, die mit der Energiewende an sich eigentlich überhaupt nichts zu tun haben. Und auch die LLMs werden genutzt, wo immer das zu gebrauchen ist.

    Irgendwer fängt damit an, und alle Anderen müssen früher oder später nachziehen. Hier kann man auch hoffen, dass sich ein Sammeltaxisystem auf Basis von selbstfahrenden Batteriefahrzeugen etabliert. Vermutlich wird das kaum ein Autohersteller machen, wer ruiniert sich schon freiwillig 80 % seiner Umsätze. Aber sobald einer damit wirklich anfängt, praktischerweise eine richtig große IT-Firma, die alle gängigen Fahrzeugmodelle als Basis nutzen kann, werden alle Autohersteller nachziehen müssen.

    • Lieben Dank, @Tobias Jeckenburger – und, ja, Du hast Recht: auch erneuerbare Friedens- und Wohlstandsenergien verbreiten sich bereits immer schneller durch Technomimesis!

      Heute neu auf YouTube ist diese Grafik-Sound-KI-Interpretation des Solarpunk von @Cosmic Echo, zu der mich auch Deine Meinung interessieren würde:

      Life in 2700: Futuristic Cities, Flying Cars & Eco Utopia | 1 Hour Ambient Sci-Fi (4K Cinematic)

      https://www.youtube.com/watch?v=ViwIwgZU3QI

      Sag an: Was meinst Du dazu?

  24. @Michael 04.01. 14:11

    „diese Grafik-Sound-KI-Interpretation des Solarpunk von @Cosmic Echo“

    Ich konnte jetzt nur die ersten 6 Minuten sehen. Sieht wirklich gut aus. So derart verdichtet bauen brauchen wir aber wohl nicht. So dicht wie jetzt hier in der Altbausiedlung mit 4-stöckiger Ausführung reicht eigentlich. So viel Platz hat es überall.

    Dann auch Platz für ganz viel Grün, gerne auch Essbares. Und Regenwasserspeicher. Und vor allem das Sammeltaxisystem, dass hier endlich diese stehende Blechlawine verschwindet.

    Schon in 15 Jahren wäre das realistisch. Das Jahr 2700 ist ja nun noch weit weg. Höher, schneller weiter muss nicht unbedingt.

    Wenn es denn mit den mit grünem Wasserstoff gefütterten Bakterienkulturen funktioniert, und man damit fast unbegrenzt Nahrungsmittel herstellen kann, wäre freilich Platz für 100 Mrd Menschen, und praktisch alle geeigneten Landflächen wären eine einzige Stadt. Und auch entsprechend so verdichtet Bauen wie in dem Video würde Sinn machen.

    Aber wilde Natur könnte man schon auch großflächig weiter möglich machen, auch zum Urlaubmachen für vielleicht 20 Mrd Menschen. Und eine ziemlich grüne Stadt wäre auch ein eigener Lebensraum für jede Menge pflanzliche und tierische Kulturfolger.

  25. @Michael 04.01. 14:11

    „diese Grafik-Sound-KI-Interpretation des Solarpunk von @Cosmic Echo“

    Ich habe mal weiter reingeguckt. Als Mobilität taugt das Sammeltaxissystem für das allermeiste. Selbstfahrende E-Autos mit Gummireifen mit 6 bis 12 Sitzplätzen wären völlig hinreichend. Keine Flugtaxis.

    So kann man einfach in Autoreichweite Urlaub im Grünen machen, das braucht weder Flugzeuge noch ziemlich teure Hochgeschwindigkeitszüge. Und ist richtig schön billig und ganz ohne Staus möglich. Wenn man dann im Urlaub meistens zeltet, braucht man auch keine Hotels bauen.

    Autos sind nun mal schon wirklich flexibel und dabei gar nicht so teuer, nur müssen die auch wirklich genutzt werden. Die stehen jetzt 23 Stunden am Tag nur herum, und wenn sie mal fahren, sitzt meistens nur einer drin. Das ist dann schon teuer. Als Sammeltaxi aber mit Betriebszeiten von vielleicht 5 Stunden am Tag und im Schnitt 5 Mitfahrern wird es dann aber wirklich ganz billig. Selbst wenn die Selbstfahrfunktion teurer als das Auto wäre.

    • Danke, @Tobias 🙏 – das hat mich wirklich interessiert!

      Aus meiner Sicht sind solche Zukunftvisionen notwendig, aber auch ambivalent: Habe selbst jahrelang das Blutspenden unterschätzt, weil ich glaubte, „in wenigen Jahren“ gäbe es synthetisches Blut 🩸.

      Heute suche ich als Solarpunk immer wieder nach Gelegenheiten, aus Zukunftshoffnungen auch konkrete Taten abzuleiten.

  26. @Martin Holzherr 04.01. 21:49

    „Ja, China sucht eine Weltrolle und auch das, was man im Westen „Smart Power“ nennt.“

    China muss wohl relevante Menge Nahrungsmittel importieren, und entsprechend was mit Zukunft exportieren können.

    Derweil ich auf grundlegende entspanntere Verhältnisse hoffe, auch nicht diesen „Krieg“ um den Außenhandel, wie Trump das sieht.

    Praktischerweise stellt jeder das Meiste selber her, und gut ist das.

  27. @Michael 04.01. 19:09

    „Heute suche ich als Solarpunk immer wieder nach Gelegenheiten, aus Zukunftshoffnungen auch konkrete Taten abzuleiten.“

    Entsprechend gefallen mir auch Zukunftsvisionen, die etwas näher liegen. Aber dafür umso mehr wirklich ins Auge gefasst werden können.

    Es gab mal Ende der 80er die Idee von Desertec. Damals waren PV-Module mehr als 10 mal teurer als heute und hatten statt 25% nur 10% Wirkungsgrad. Deswegen war damals Solarenergie mit Spiegelkraftwerken viel besser. Allerdings funktionieren die nur, wenn wirklich die Sonne scheint. Eine kleine Wolke, und schon geht das Licht aus.

    Entsprechend müsste man die in Nordafrika installieren, um dann Wasserstoff herzustellen, und den dann per Pipeline nach Europa transportieren. Und zugleich war nach damaligen Technikstand E-Mobilität nur mit Wasserstoff denkbar. Dass mal so billige und leichte Akkus kommen, damit hat damals niemand gerechnet.

    Die Energiewende wäre nach dieser Desertec-Vision mindesten 4 mal teurer, als was wir heute haben. Billige PV mit so hohem Wirkungsgrad, dass die Flächen im urbanen Raum schon fast ausreichen, kombiniert mit hocheffektiven und zugleich billigen Fahrzeugakkus sind inzwischen die aktuelle Wirklichkeit. Selbst die Windenergie ist billiger geworden, als was damals für möglich gehalten wurde.

    Inzwischen brauchen wir die Wasserstofftechnik hauptsächlich nur für Dunkelflauten und für eine Reihe Industrielle Anwendungen, insbesondere wenn da sowieso schon Wasserstoff stofflich gebraucht wird. Transport und Speichern von Wasserstoff braucht man immer noch, aber mehr als 10 mal weniger davon als bei der Desertec-Vision.

    Diese Desertec-Vision hat dann sogar tatsächlich die Entwicklung der Windenergie verzögert. Windenergie ist vor allem was für den Winter, und passt sehr gut in den Mix von PV und Kurzfristspeichern, weniger gut zu Wasserstoffimport aus Nordafrika.

    Was wir insgesamt brauchen, sind neben günstiger Windenergie eben die billigen hocheffektiven PV-Module und die Lithiumakkus. Wenn noch was besseres kommt, also was, das mit weniger knappen Rohstoffen auskommt oder für den mittelfristigen Speicherbedarf auch taugt, dann sehr gerne das auch noch.

  28. @Michael 05.01. 01:01

    „…ein verstärktes Interesse am Fossilismus und auch an der Gefahr eines US-amerikanischen Software “Kill Switch” gegen Europa.“

    Ja hat den die USA den Kill Switch schon mal gegen seine Gegner angewendet? Irak, Serbien, Iran, Russland oder eben jetzt gegen Venezuela?

    Das wäre wohl langfristig fatal für die Geschäfte der US-IT-Firmen. Wir spielen sowieso schon mit dem Gedanken, alles auf freie Software umzustellen. Und die ganze restliche Welt gleich mit.

    So oder so, es wird Zeit für FOSS. Auch angesichts von immer mehr KI und wohl bald auch Robotern.

    • Vielen lieben Dank, @Tobias – die miteinander verbundenen Themen der zunehmenden Software-Bedrohung durch die USA einerseits und der erneuerbaren Friedensenergien andererseits halte ich für immer wichtiger!

      So gab es heute Morgen auf Mastodon einen ziemlich kompakten und guten Rückblick auf die Internetgeschichte:

      Late 1960s: Let’s build a decentralised computer network that can withstand a nuclear blast.

      Mid 2020s: Accidentally deploying a single broken line in a config file will take down a third of the world’s economy. Also, the president of a far away country can make your computers unusable at will.

      https://infosec.exchange/@hzulla/115835894178010652

      Darauf habe ich heute dann – mit erfreulich starkem Zuspruch – mit zwei Posts geantwortet:

      Die Fähigkeit der #USA, etwa wg. #Grönland die #Wirtschaft & #Gesellschaft der #EU per #Software – Stop lahmzulegen, nennt sich #KillSwitch (übersetzt etwa „Tödlicher Ausschalter“).

      Aus meiner Sicht wären #FOSS – Investitionen auch als europäische #Verteidigungsausgaben zu werten, da sie den Schutz unserer lebensnotwendigen #Infrastruktur vor Datenabfluss & Zerstörung stärken.

      Dafür ist es auch nie zu spät & z.B. #SchleswigHolstein bewegt sich auch schon… […]

      Neben dem schnelleren Ausbau von #FOSS – Software in #Europa gibt es einen zweiten Weg, den #Fossilismus von #Trump , #Putin, #Chamenei u.v.m. zu Fall zu bringen: den schnelleren Ausbau erneuerbarer #Friedensenergien !

      Denn mit jeder #Photovoltaik & jedem post-fossilen #Energiespeicher gerät der #Ölpreis weiter unter Druck. Und schon jetzt wachsen die Zweifel auch in den #USA, ob sich der Angriff gegen #Venezuela überhaupt finanziell noch lohnen kann…

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/115842051089366398

      Denn der Nachteil des “Kill Switch” ist ja, dass er nur einmal aktiviert werden kann und damit auch das Geschäftsmodell der US-Konzerne zusammenbrechen würde. Schon die US-Sanktionierung des Internationalen Strafgerichtshofes in Deen Hag hat Millionen europäische Menschen & auch einige politisch Verantwortliche alarmiert und führt zu einer schnell wachsenden Nachfrage nach europäischen Lösungen. In Österreich wird der Umstieg des Bundesheeres – übrigens mithilfe einer deutschen Software-Firma – gefeiert und in Deutschland gilt die FOSS-Initiative des Bundeslandes Schleswig-Holstein als vorbildlich.

      Und auch die European Payments Initiative (EPI) von immer mehr europäischen Banken und Zahlungsdienstleistern macht erfreuliche Fortschritte. Die Stuttgarter Zeitung meldete heute auf S. 9 “Wirtschaft” in einem Artikel von Imelda Flaig u.a.:

      “Wero will nicht nur online punkten” […] Bundesweit haben sich bis Mitte Dezember 2025 allein gut 1,8 Millionen Sparkassenkunden registriert, sagte ein Sprecher von S-Payment in Stuttgart, dem Zahlungsdienstleister der Sparkassen. Auch Deutsche Bank, Postbank, die Neobank Revolut, ING, GLS und die BBBank sind dabei. […] In Deutschland aktivieren laut EPI immer mehr Nutzerinnen und Nutzer den Bezahldienst.”

      Und während sich jeden Tag mehr Deutsche dem monatlichen Digital Independence Day (DID) anschließen, verkündet der schon wegen seiner China-Bezüge umstrittene AfD-MdB Maximilian Krah, bei Donald Trump handele es sich um den neuen “Katechon”, also den “Aufhalter” des Antichristen:

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/115836642473257745

      Ich freue mich sehr, einen kleinen Beitrag dazu leisten zu können, dass buchstäblich jeden Tag mehr Menschen die Bedeutung von Solarpunk, fossilen Friedens- und Wohlstandsenergien, von föderalen Energiedemokratien und von FOSS-Software begreifen. Denn: Niemand kann alles, aber alle können etwas verändern.

  29. @Michael 05.01. 15:44

    „FOSS-Software“

    Ich kann da immer wieder drauf hinweisen, dass freie Software ein globales Projekt sein kann. Wir haben in der EU das meiste Geld dafür, aber 7 Mrd Menschen warten da nur drauf, und werden das sofort nutzen. Selbst große Teile der US-Bevölkerung.

    China ist was anderes, die werden wohl weiter ihr eigenes Ding machen.

    Aber solange wir chinesische Importware mit eigener freien Software betreiben können, muss uns das wenig stören.

    Vielleicht kann man auch Indien von FOSS begeistern?

    • Ja, @Tobias – FOSS-Software rückt das Internet wieder aus den Bereichen profitorientierter Konzerne zurück in die Gemeinschaften freier Menschen, in die Föderativität, ins Fediversum.

      Und, klar, das kommt uns jetzt alles viel zu spät und langsam vor. Doch als ich 2019 mit dem Löschen meines Facebook-Accounts den Weg in die digitale Souveränität einschlug, kam das noch in den heute-Nachrichten!

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/warum-ich-facebook-und-instagram-verlasse-gedanken-zur-medienethik/

      Heute kündigen täglich Abertausende die US-amerikanischen Konzernabos und hören auf, Daten, Geld und Aufmerksamkeit an die Trumpisten zu überweisen. Auch der Solarboom geht weiter und zertrümmert das Öl- und Gasgeschäft der Fossilisten.

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