Dr. Blume, sehen Sie Völkermorde im Irak, in Gaza, im Libanon, im Westjordanland? Meine Antwort hier

Auch in dieser Woche wurde ich wieder mehrfach gefragt, ob ich den Vorwurf eines „israelischen Genozides in Gaza“ teilen würde. Für viele Linke wie auch Libertäre und Rechte scheint es sich dabei um eine Art von Meinungs- und Bekenntnisformel zu handeln.

Für mich nicht. Für mich ist Völkermord eine ernsthafte, juristische (!) Kategorie und ich habe als Gutachter und sachverständiger Zeuge daran mitgewirkt, den Genozid am Ezidentum im Irak nachzuweisen.

So leitete ich 2015/16 das Sonderkontingent für besonders schutzbedürftige Frauen und Kinder aus dem Nordirak auf Bitte des damaligen, baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Religions- und politikwissenschaftliche Beobachtungen zur fossilen Finanzierung und Ideologie des sog. IS / Daesh veröffentlichte ich in „Öl- und Glaubenskriege. Wie das schwarze Gold Politik, Wirtschaft und Religionen vergiftet“ (2015, Neuauflage 2022) sowie in „Islam in der Krise“ (2017) und „Warum der Antisemitismus uns alle bedroht“ (2019).

Nebeneinander liegen je ein Exemplar der drei Bücher "Islam in der Krise", "Verschwörungsmythen" und "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" von Dr. Michael Blume
Drei meiner Sachbücher: „Islam in der Krise“, „Verschwörungsmythen“ & „Warum der Antisemitismus uns alle bedroht“ beim Patmos-Verlag. Foto: Michael Blume

Wie schwer es aber auch fiel, über das Gesehene und Erlebte zu sprechen, ist mir auch noch im Interview mit Konstantin Flemig anzumerken.

Dennoch erklärte ich mich 2017 bereit zu einem religionswissenschaftlichen Gutachten zur Ideologie des IS / Daesh gegenüber dem Ezidentum – und zur mehrfachen Aussage als sachverständiger Zeuge in Gerichtsverfahren gegen mutmaßliche IS-Mitglieder.

Auch im Verfahren vor dem OLG München gegen zwei IS-Mitglieder, die jesidische Mädchen versklavten und ihnen vielfache Gewalt antaten, sagte ich aus. Die aktuelle Verurteilung des Täterpaares auch wegen des Tatbestandes des Völkermordes begrüße ich.

Dr. Michael Blume nach seiner Aussage als sachverständiger Zeuge im November 2025 vor dem Oberlandesgericht München. Er wird zitiert mit den Worten: "Islamistischer Terror bedroht uns alle. Daher nehme ich gerne die Pflicht wahr und stehe als sachverständiger Zeuge mit meinem Wissen und den Erfahrungen vor Ort in Strafverfahren gegen mutmaßliche IS-Mitglieder zur Verfügung."

 In Verantwortung gegenüber den Opfern und unserem Rechtsstaat, nach der Aussage vor dem OLG München, November 2025. Zitatkachel & Foto: Michael Blume, Staatsministerium Baden-Württemberg

Dass nach den ersten, juristischen Verfahren im Januar 2023 auch der deutsche Bundestag den IS-Genozid an Jesidinnen und Jesiden anerkannte, erfüllte mich damals mit Freude. Ich hätte mir damals nicht vorstellen können und wollen, dass sowohl die Ampel-Bundesregierung wie auch die jetzige Bundesregierung den einstimmigen Beschluss des deutschen Bundestages feige ignorieren würden!

Damit überließen sie nicht nur IS-Verfolgte der Angst vor Abschiebungen, sondern missachteten auch den Begriff des Völkermordes, den deutschen Bundestag als der Legislative unseres Grundgesetzes und sie stellten die Bundespolitik vor der eigenen und internationalen Öffentlichkeit bloß.

Ich halte ja, wie Sie wissen, feige Rechtsmimesis immer für falsch. In diesem Zusammenhang aber halte ich sie für ein politisches und moralisches Versagen. Daher bat ich auch das Bundespräsidialamt, das Verfahren zur Verleihung eines Bundesverdienstkreuzes in meinem Fall zu pausieren. Wie sollte ich einen Bundesorden für die Hilfe gegenüber den Jesidinnen und Jesiden annehmen, wenn gleich zwei Bundesregierungen so vor den Werten des Grundgesetzes und den Lehren der Geschichte versagen?

Dr. Michael Blume, Sharon Suliman, Julia und Ahmet Kurt sowie Hayder Dakheel auf der Bühne zum "Gemeinsamen Festakt 2025" in Pforzheim.

Im Dezember 2025 wurde ich beim „Gemeinsamen Festakt“ jüdischer, christlicher und jesidischer Menschen in Pforzheim von Sharon Suliman zum Schicksal des Ezidentums interviewt. Foto: Fabian Freiseis

Für mich ist der Begriff „Völkermord / Genozid“ also ein juristischer Fachbegriff und kein politisches Schlagwort

Ebenso, wie ich die diesbezügliche Feigheit der letzten beiden Bundesregierungen kritisiere, lehne ich auch die politische Verwendung des Begriffs für antijüdische und anti-israelische Zwecke ab.

Obwohl ich die Gleichzeitigkeit der Anklageerhebung gegen israelische Politiker und Hamas-Terroristen bedauert habe, habe ich doch auch das Recht der internationalen Justiz verteidigt, im Nahostkrieg zu ermitteln. So berichtete die dpa im Mai 2024:

«Wir merken deutlich, dass der israelbezogene Antisemitismus stark zunimmt», sage Blume der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. «Rechtsextremisten aus Israel, den USA und Europa, aber auch die Regierung Netanjahu benutzen den Antisemitismus-Vorwurf inflationär und instrumentalisieren ihn – das hilft uns überhaupt nicht, wenn wir Antisemitismus ehrlich bekämpfen wollen.» So kritisierte Blume scharf, dass Netanjahu vor kurzem den Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs, Karim Khan, als einen «der großen Antisemiten der Moderne» bezeichnete. Khan hatte zuvor Haftbefehle gegen Netanjahu und Verteidigungsminister Galant sowie drei Anführer der palästinensischen Terrororganisation Hamas wegen mutmaßlicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit beantragt.

«Man kann nicht jeden, der die israelische Regierung kritisiert, als Antisemiten abstempeln», sagte Blume. «Das Verhalten der israelischen Regierung schadet uns in Europa sehr.» Gleichzeitig unterstrich Blume seine Solidarität mit Israel: «Ich stehe ohne Wenn und Aber zur Republik Israel und meinen jüdischen Freundinnen und Freunden dort wie auch in Europa. Vor der fossilen Finanzierung der Hamas über den Iran und Katar habe ich seit Jahren gewarnt», sagte er.

So wiegt aus meiner Sicht juristisch erheblich, dass sich Israel 2005 aus Gaza zurückgezogen hat – und die Terrororganisation Hamas am 7. Oktober 2023 mit einem Massaker an Zivilisten den Krieg eröffnete, palästinensische Menschen als Schutzschilde missbraucht, Oppositionelle in Gaza foltert und ermordet sowie das Niederlegen der Waffen verweigert.

Noch eindeutiger scheint mir die Situation im Libanon, von dem aus die iranisch und fossil finanzierte Hisbollah die Republik Israel angreift und trotz Appellen der libanesischen Regierung das Niederlegen der Waffen verweigert.

Anders liegt die Situation nach meiner Einschätzung wiederum im Westjordanland, dessen Fatah – Regierung sich nicht am Angriff gegen Israel beteiligte, in dem jedoch dennoch palästinensische Menschen vertrieben und Siedlungen errichtet werden.

Selbstverständlich kann ich niemandem verbieten, emotionale und einseitige Vor-Urteile zu hegen und dafür auch den juristischen Begriff des Genozides / Völkermordes zu missbrauchen. Aber ich werde mich daran nicht beteiligen. Zur Feststellung eines Völkermordes bestehe ich auf rechtsstaatlichen Gerichtsverfahren mit einer seriösen Beweisführung, Anklage und Verteidigung. Aus Respekt vor dem Recht und der Menschenwürde aller Beteiligten, Terror- und Kriegsopfer.

Die Gewaltenteilung zwischen Exekutive (Regierung), Legislative (Parlament), Judikative (Justiz) und Publikative (Medien) ist mir zivilreligiös heilig.

Vielen Dank für Ihr Interesse und Verständnis!

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

71 Kommentare

  1. Diese Gedanken passen ja auch gut in die mehrfach auftauchenden Überlegungen zu einer achtsamen Nutzung unserer Sprache, um nicht in Kämpfe um Deutehoheiten zu gelangen, die nicht wirklich hilfreich sind, sondern eher ablenken.

    Nur, vielleicht auch, weil ich am Morgen nicht so ganz gründlich lese, ist mir nach dem Lesen dieser Zeilen nicht klar, wie ich jemandem in meinem Umfeld den Begriff Völkermord als juristischen Fachbegriff und Nichtjurist erschließen kann.

    Diese Nachfrage hätte von der Länge ja auch ins Fediverse gepasst, ich stelle sie aber hier, weil es ja vielleicht auch weitere Lesende in diesem Blog interessieren wird. Und sage vorab schon mal vielen Dank für Ihre Ausführungen.

    • Herzlichen Dank für die dialogische Nachfrage, @HG Unckell 🙏

      Der ausdrücklich juristische (!) Begriff des Genozides / Völkermords geht auf den polnisch-jüdischen Juristen Raphael Lemkin (1900 – 1959) zurück. So spielte er schon bei den Nürnberger Prozessen gegen NS-Massenmörder eine Rolle und wurde von der Generalversammlung der Vereinten Nationen als Resolution 260 A (III) am 9. Dezember 1948 beschlossen. Er wurde und wird heute bei Strafverfahren zu den juristisch anerkannten Genoziden im ehemaligen Jugoslawien, Ruanda und Irak / Syrien verwendet.

      Als politisches Schlagwort war der juristische Begriff Völkermord / Genozid ausdrücklich nicht angelegt, zumal Josef Stalin (1878 – 1953) das Adjektiv „politisch“ aus dem Entwurf von 1946 streichen ließ, um Anklagen wegen seiner massenmörderischen „Säuberungen“ und Ermordungen von „Kulaken“ (Großbauern) zu vermeiden.

      Da die juristische Aufarbeitung des IS-Angriffs auf die jesidischen Siedlungsgebiete noch nicht begonnen hatte, schufen wir für die Landesaufnahmeordnung (LAO) des baden-württembergischen Sonderkontingentes den Begriff der „besonders schutzbedürftigen / particularly vulnerable“ Personen, der sich auf Betroffene von traumatisierter, auch sexualisierter Gewalt und sowie auf den Verlust naher Angehöriger bezog. Hierbei ging es also zunächst nicht um internationales Strafrecht, sondern um den medizinisch festzustellenden Anspruch besonders von Gewalt betroffener Menschen auf internationalen Schutz.

      https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-662-59012-6_11

      Ich hoffte – und hoffe immer noch -, dass damit ein breiteres Verständnis für die Ansprüche von sexualisierter und traumatisierender Gewalt Betroffener entsteht, zumal diese oft die geringsten Chancen auf eine weite und teure Flucht haben. Nicht zufällig wird ja auch in Europa zunehmend über den Tatbestand des Femizid – der mörderischen Gewalt gegen Frauen und Kinder – diskutiert.

      Dagegen stelle ich leider fest, dass es bei der nichtjuristischen Benutzung des Völkermord-Vorwurfs gegen Israel oft eher um eine Täter-Opfer-Umkehr zugunsten der Hamas als um einen wirklichen Schutz der als lebendige Schutzschilde missbrauchten und leidenden Menschen in Gaza geht.

      Dies würde mithin auch erklären, warum etwa das Schicksal der muslimischen Rohingya im mehrheitlich buddhistischen Burma, heute Myanmar kaum diskutiert wird, obwohl auch dieser Nationalstaat 1948 mit einer Unabhängigkeitserklärung aus dem britischen Empire und japanischer Besatzung entstand.

      Dass das United States Holocaust Memorial Museum in Washington DC noch Anfang Oktober 2023 mit einer Ausstellung auf die Entrechtung, Verfolgung und Vertreibung dieser ethnisch-religiösen Volksgruppe hingewiesen hatte, hatte ich damals sehr begrüßt. Es war auch Thema im Dialog mit meiner damaligen, juristisch hoch kompetenten US-Kollegin Deborah Lipstadt im US-State Department.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/trump-attackiert-israel-nennt-iran-hamas-smart/

      Selbstverständlich verstehe ich, dass diese komplexen, historischen und interdisziplinären Zusammenhänge viele auch digital emotionalisierte („thymotisierte“) Menschen nicht unmittelbar erreichen. Aber wem es wirklich um die Menschen und Menschenrechte geht, sollte sich die Mühe des Verstehens machen.

      Daher noch einmal herzlichen Dank für die kluge Nachfrage hier auf dem Blog, @HG Unckell

  2. Was auch immer es ist, es ist scheiße. Ob ich es jetzt Genozid nenne oder nicht – hilft mir die Diskussion, es aufzuhalten? Oder verbergen sich hinter der Debatte nur zwei Horden Brüllaffen im Kreisch-Contest, die starke Worte wählen, weil die sich nach viel Dezibel anfühlen, und denen das Thema eigentlich egal ist, weil’s nur darum geht, das Goldene Megaphon zu gewinnen, das sie sich dann auf den Kamin stellen können, damit jeder Zoobesucher sieht, warum man sie nicht aus dem Käfig lassen darf?

    [Wegen völlig unangemessener Sprache gekürzt, M.B.]

    • Eben darum, @Paul S. – rechtsstaatliche Verfahren mit Anklage und Verteidigung haben genau die Aufgabe, an die Stelle von gruppenbezogener Emotionalisierung (bis hin zum feindseligen Dualismus) zu sachlich begründeten Urteilen (dialogischer Monismus) zu kommen. Gewaltenteilung bedeutet eben auch Entschleunigung – weder Exekutive noch Legislative oder gar Publikative, sondern die Judikative ist hier gefragt.

      Und genau diese Diskussion über die Bedeutung der Gewaltenteilung wird aktuell auch innerhalb der Republik Israel geführt!

      Israel steht vor einer Verfassungskrise, nachdem die Regierung einstimmig eine Resolution verabschiedet hat, in der sie erklärte, ein Urteil des Obersten Gerichtshofs nicht anzuerkennen. Es ist das erste Mal in der Geschichte des Landes.

      Dabei geht es um die Entscheidung vom 17. Juni, den Zweiten Rat der Fernseh- und Rundfunkbehörde wiedereinzusetzen, obwohl die Anzahl der amtierenden Mitglieder unter der gesetzlich vorgeschriebenen liegt. Das Urteil erlaubt dem Rat, seine Arbeit wiederaufzunehmen. Doch die Regierung erklärte, dass sie die auf Grundlage des Urteils getroffenen Maßnahmen nicht anerkennen werde. Kommunikationsminister Shlomo Karhi (Likud) versucht schon länger, den Zweiten Rat abzuschaffen, um eine Medienbehörde unter Regierungsaufsicht zu bringen.

      https://www.juedische-allgemeine.de/israel/verfassungskrise-und-anarchie/

      Dass es auch in dieser Verfassungskrise zwischen Exekutive und Judikative um das Mediensystem (die Publikative) geht, überrascht mich nicht. Immer lauter werden Rufe nach einer verschrifteten Verfassung.

      Wer sich selbst, wie Sie es nennen, zu den „Horden Brüllaffen im Kreisch-Contest“ gesellt, kann auch von anderen nicht mehr glaubwürdig die Einhaltung sorgfältiger und rechtsstaatlicher Standards einfordern. Deswegen kläre ich auch hier gegen den m.E. gefährlichen Trend zur digitalen Emotionalisierung, Thymotisierung, Polarisierung auf.

  3. Als Ergänzung
    „Wenn man die kriegsähnlichen Geschehen in Nah-Ost von der jusristischen Seite aus betrachtet, wird man feststellen, das es zwei Gerichtsbarkeiten der UNO gibt.
    1. den Internationalen Gerichtstshof, der von allen 193 Mitgliedstaaten anerkannt wird. Der hat als Ziel, Streitigkeiten von Staaten untereinander zu schlichten.
    2. Den Internationalen Strafgerichtshof, der von nur 120 Mitgliedstaaten anerkannt wird, Israel, USA und Rußland lehnen ihn ab. Dieser Strafgerichtshof verfolgt Verbrechen von Personen gegen die Menschlichkeit in den Staaten.

    Wenn man also die Verurteilung von Herrn N. durch den Internationalen Strafgerichtshof als Argument heranzieht, dann muss man wissen, das Israel und die USA diese Institution nicht anerkennen.

    Und damit sind wir wieder bei dem politischen Geschehen, und beim Vetorecht der USA bei Entscheidungen des Sicherheitsraten der UNO.

    Die Positionierung beim Thema „Völkermord oder kein Völkermord“ von Herrn Blume erlaubt es, eine neutralere Position zu wahren, als wenn man sich aus ethischen Gründen der jeweiligen Seite entscheidet.

    • Vielen Dank, @NI – und ganz genau so ist es!

      Die USA beschneiden ja nicht nur massiv das UN-Budget (Ihr Punkt 1), sondern belegten Richterinnen und Richter des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag (2.) auch mit persönlichen Sanktionen! Dies soll die Entwicklung des internationalen Rechts zurückwerfen, führte aber auch dazu, dass die Abhängigkeiten von US-Digitalkonzernen schärfer in den Blick gerieten!

      Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) stellt einem Medienbericht zufolge seine Bürosoftware von Microsoft auf den Prüfstand und will diese durch das deutsche Programmpaket OpenDesk ersetzen. Hintergrund sei die Sorge vor möglichen Sanktionen durch die US-Regierung unter Präsident Donald Trump, berichtete das »Handelsblatt« am Donnerstag.

      Demnach stehe der Gerichtshof kurz vor der Vertragsunterzeichnung mit dem staatlichen Zentrum für Digitale Souveränität (Zendis), das die Entwicklung von OpenDesk koordiniert. »Angesichts der Umstände müssen wir Abhängigkeiten reduzieren und die technologische Autonomie des Gerichtshofs stärken – auch wenn das kurzfristig teuer, ineffizient und unbequem ist«, sagte der beim IStGH für die Verwaltung verantwortliche Osvaldo Zavala Giler dem Blatt .

      E-Mail-Zugang abgedreht

      Die US-Regierung hatte wiederholt Sanktionen gegen Richter und Ankläger des Internationalen Strafgerichtshofs verhängt. Im Sommer wurde bekannt, dass der Chefankläger Karim Khan seit Anfang des Jahres keinen Zugriff mehr auf seine dienstlichen E-Mails hatte, die auf der Infrastruktur von Microsoft lagen.

      https://www.spiegel.de/netzwelt/internationaler-strafgerichtshof-wechsel-zu-deutschem-officepaket-nach-us-sanktionen-a-6ddfddcd-8871-4955-898a-2a325ae7fe06

      Sowohl im Bereich des Rechts (Judikative) wie auch der medialen, zunehmend digitalen Infrastruktur (Publikative) geht es um die Frage, ob gemeinsam vereinbarte Regeln oder einfach die Macht der Stärke entscheiden. Ich bin klar für eine regelbasierte Ordnung und plädiere daher für den juristischen Genozid-Begriff ebenso wie für FOSS (Free & Open Source Software). Der schnellste und bequemste Weg kann eben leider auch in Sackgassen führen.

  4. Guten Morgen @Michael,

    Ich finde Deine Einordnung wirklich sehr hilfreich, denn bei diesem Thema bewegt man sich gefühlt in einem Minenfeld – auch wenn wir im fernen Europa darüber diskutieren. Oft liegen eine echte Empathie mit den Leidenden in Gaza und eine Ignoranz gegenüber den Verbrechen der Hamas erschreckend nah beieinander. Das ist zumindest meine Beobachtung.

    Besonders schwierig wird es, wenn Empathie verdrängt wird durch eine Haltung des überheblichen Belehrens aus dem „bequemen Sofa“ im fernen, sicheren Europa.

    Ich finde es daher einerseits verständlich und bis zu einem gewissen Grad begrüßenswert, wenn Unbeteiligte sich bei diesem Thema eine gewisse Zurückhaltung auferlegen – und der Versuchung widerstehen, vorschnell zu (ver-)urteilen.

    Zum Hang zur Vereinfachung und zur vorschnellen Verurteilung: Absurde Wege nimmt es an, wenn – wie im Kulturbereich in den letzten Monaten oft zu beobachten – Künstler von Veranstaltungen ausgeladen werden, weil die Veranstalter den Zorn der Straße fürchten. Ein Beispiel: die Ausladung des Dirigenten Lahav Shani und der Münchner Philharmoniker beim Flanders Festival im belgischen Gent. In diesem Fall haben meines Erachtens die Feigheit und der Hang, es sich in einem bequemen Freund-Feind-Schema einzurichten, die Oberhand gewonnen.

    Andererseits wird es problematisch, wenn beim Thema Israel/Palästina systematisch die Augen verschlossen werden und Menschen sich mit ihrer Meinung mit der Intention zurückhalten, um nicht als Antisemit gebrandmarkt zu werden – oder um zu vermeiden, sich dem Vorwurf auszusetzen, gegenüber dem Leid der Menschen in Gaza gleichgültig zu sein.

    Ich verstehe, dass es nicht einfach ist, sich hier zu positionieren – gerade für Personen des öffentlichen Lebens, von denen stets erwartet wird, sich zeitnah zu Geschehnissen zu äußern.

    Umso mehr schätze ich, dass Du – eine Person des öffentlichen Lebens – Dich der Komplexität dieser Situation stellst und allen Versuchungen widerstehst, einseitig Partei zu ergreifen oder das Thema zu vereinfachen. Auch wenn Du damit Gefahr läufst, Dir noch mehr Feinde zu machen – etwa solche, die Dir Antisemitismus vorwerfen, nur weil Du es gewagt hast, den israelischen Ministerpräsidenten zu kritisieren. Das ist ein völlig legitimer Vorgang, solange die Kritik faktenorientiert bleibt. Zumal Du nicht nur als Zuschauer an der Bande stehst, sondern durch Deine Arbeit selbst sehr nahe am Thema bist.

    Ich habe mir das verlinkte Buchkapitel zur Situation der Jesidinnen durchgelesen und bin tief beeindruckt.

    Eine Stelle, die mich besonders berührt: der Bericht über die Segnung der Frauen durch das religiöse Oberhaupt der Jesiden, Baba Sheikh.

    „Er betonte, dass nicht die grausam vergewaltigten Frauen beschmutzt seien, sondern allein diejenigen, die ihnen dieses Leid zugefügt hatten.“

    Was die Frauen erlitten haben, war – so interpretiere ich das – so ohne Beispiel, dass uralte Traditionen neu bewertet werden mussten, um damit umzugehen. Sowohl seitens der religiösen Autorität als auch seitens der Frauen.

    Ein unbedingter Lesetipp zu diesem Thema ist der Roman „Am Himmel die Flüsse“ von Elif Shafak, in dem auch eine geplante Tauf-Zeremonie im Lalisch-Tal eine Rolle spielt.

    • Vielen herzlichen Dank, @Peter Gutsche, für Dein echtes Interesse und entsprechend tiefes Verständnis!

      Denn, ja, mir ist völlig klar, dass es eine rechtsstaatlich differenzierte Position in aufgeregten Zeiten schwer hat: Wer wie ich einerseits den Internationalen Strafgerichtshof dafür kritisiert, dass der Haftantrag gegen die Hamas-Angreifer und die israelische Regierungsspitze gleichzeitig erfolgte und andererseits dennoch die internationale Justiz vor dem pauschalen Vorwurf des Antisemitismus in Schutz nimmt, kann nicht mit viel Verständnis rechnen. Ich würde es mir einfacher machen, wenn ich mich nur „auf eine Seite schlagen“ oder mich gar nicht mehr äußern würde.

      Doch nach meiner Einschätzung geht es auch hier um unser beider dialogisches Zentralthema: die Zeit.

      Und auch hier gilt die Blumenberg-Erkenntnis: Enge der Zeit ist die Wurzel des Bösen.

      So wurde schon Sokrates (469 – 399 v.Chr.) in einem damals noch üblichen Schnellverfahren der athenischen Demokratie zum Tode verurteilt: Drei Ankläger, eine Jury aus 501 freien Männern plus Zuschauenden und ein Schuldspruch am gleichen Tag. Die Abstimmung zu seiner Schuld soll mit 280 zu 220 Stimmen ausgefallen sein. Weil er dann aber mit Sarkasmus auf die Frage nach der Strafzumessung reagiert habe, sei dann als Strafmaß die Todesstrafe mit 361 zu 140 Stimmen erfolgt – alles an einem Tag!

      Entsprechend auch zu diesem Desaster rühmte später Marcus Tullius Cicero (106 – 43 v.Chr.) die Weisheit der Republik (von res publica = öffentliche Angelegenheit), nach der es bereits verschiedene Gewalten und die Vorschrift von Denk- und Diskussionspausen gab, den Vorgängern der heutigen, mehrfachen Lesungen und Berufungsmöglichkeiten.

      Selbstverständlich verlangsamte die Hinzuziehung von Experten und Entschleunigung der Prozesse die politischen und juristischen Entscheidungen – aber dafür fielen sie in Summe auch besser aus! Nicht zufällig leben wir auch heute in einer Bundesrepublik, (noch) nicht in einer thymotischen Bundesdemokratie. Und wie sehr ich mich für die Wiederentdeckung der Gewaltenteilung des Grundgesetzes einsetze, weißt Du ja:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-bundes-koalitionsvertrag-von-1961-als-abweg-vom-grundgesetz/

      Entsprechend habe ich auch, Du hast es richtig er- und gelesen, die Bedeutung religiöser Rituale in Lalisch neu entdeckt. Wir hatten den Baba Scheich bewusst um eine Segnung der jesidischen Frauen und Kinder gebeten, um sie psychologisch und sozialpsychologisch vor der weiten Reise zu stärken. Doch diese kurze Unterbrechung der ansonsten durchgetakteten Einsätze erwies sich für uns alle als Segen und hatte auch innerjesidisch enorme Wirkungen: nicht mehr die Frauen und Kinder waren beschämt, sondern alleine die Täter.

      Ich bin mir inzwischen sicher: Wenn wir auf dieser Welt jemals Frieden erleben wollen, dann nicht durch Hast und Hetze und auch nicht durch die fossile Finanzierung von Gewalt gegen Mitmenschen und Mitwelt. Wir brauchen wieder mehr Mut zur Menschenwürde, Rechtsstaatlichkeit und Wissenschaft, eine Energiewende zu erneuerbaren Friedensenergien und einen Dialog zu den leiseren Zwischentönen statt dem verrohenden Gebrülle.

      Dafür stehe ich ein – auch und gerade, weil dies derzeit nicht leicht ist. Umso mehr freue ich mich über jedes Interesse und Verständnis – und danke Dir sehr dafür, @Peter! 🙏

        • Ja, @Klara – die Hamas hat den Krieg am 7.10.23 eröffnet und bis heute ihre Waffen nicht niedergelegt. Ebenso will ja auch die libanesische Regierung Frieden, den jedoch die iranisch fossil-finanzierte Hisbollah verweigert.

          Dennoch sind aus der Perspektive viel zu vieler Menschen „die Juden / Israelis Schuld“. Und das ist dann halt eine Täter-Opfer-Umkehr.

          Das ist übrigens auch der Grund, warum ich die gleichzeitige Anklageerhebung gegen die Hamas-Spitzen, Netanjahu und Galant kritisierte. Auch wer juristisch der Meinung ist, dass im Rahmen der Selbstverteidigung Kriegsverbrechen begangen wurden, sollte doch nicht ignorieren, wer den Krieg überhaupt angefangen hat!

          Israel hatte 2005 Gaza geräumt, der Aggressor hier war und ist auch juristisch die Hamas.

  5. Die Frage nach den Ereignissen im Irak, in Gaza, im Libanon und im Westjordanland gehört zu den sensibelsten politischen Themen unserer Zeit. Unterschiedliche Menschen und Organisationen bewerten die Lage unterschiedlich, weshalb ein respektvoller, faktenbasierter Austausch besonders wichtig ist. Sachliche Diskussionen und die Berücksichtigung verschiedener Perspektiven tragen oft mehr zum Verständnis bei als emotional geführte Debatten.

    Danke für die Aufklärung via Blog!

  6. Es ist ein sehr tiefgründiger und differenzierter Beitrag zu einem extrem komplexen und emotional geladenen Thema. Solche sachlichen Analysen sind wichtig, um die verschiedenen Perspektiven besser zu verstehen.

    Vielen Dank auch für die ausführlichen Antworten!

    • Gerne, @steave 🙏✅

      Ich hatte die Hoffnung, dass ein persönlicher Einstieg zu weiteren Nachfragen und mehr Dialog führen würde. Und diese Hoffnung hat sich erfüllt.

      Mittelfristig halte ich einen Frieden durchaus für möglich. Das iranische Fossilregime ist auch wirtschaftlich am Ende und auch die arabischen Länder begreifen, dass es keinen Rückseg in den Fossilismus gibt. Falls die israelischen Wählerinnen und Wähler den rechtsextremen Parteien eine Absage erteilen und Trumps Fossilkrieg in den Midterms der USA abgestraft wird, könnte es zu einem neuen Friedensprozess kommen. Zumal weitere Jahrzehnte von Terror, Krieg und Antisemitismus letztlich die ganze Region zerlegen würde. Die Anpassung an die Klimakrise kann nur gemeinsam gelingen.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/nachgefragt-podcast-zum-zunehmenden-kampf-ums-wasser-im-21-jahrhundert/

      Mit Dank für das Interesse & die Rückmeldung!

  7. Woran erkennt man Völker? An der Sprache, am Glauben?
    Sowohl Gazastreifenbewohner als auch Westjordanier/Palästinenser sprechen kein palästinensisch, sondern arabisch und sind Moslems.
    Also genauso wie Libanesen, Syrer, Iraker, Jordanier(, Ägypter) und Bewohner etwa ein Dutzend weiterer Länder in dieser Weltecke.
    Bis vor 110 (oder mehr) Jahren gehörten oben genannte Länder noch zum osmanischem Reich. Seit Jahrhunderten! Die Sieger des 1.Weltkriegs haben dann diese Gegend neu aufgeteilt.
    Libanon und Syrien gingen an Frankreich, Palästina, Jordanien und Irak an die Briten.
    Es entstanden damit gewissermaßen neue Verwaltungsbezirke, aber keinesfalls neue Völker!
    (Völkermord?)

    • @HPDSU

      Die Ethnogenese (Völkerwerdung) ist ein vor allem kultureller und immer wieder dynamischer Prozess, wie das faszinierende Werden der Altsachsen im Westen und der Neusachsen im Osten zeigt.

      Auch beim Völkermord in Ruanda gingen mit den Hutu und Tutsi vergleichbar neue Identitäten aufeinander los.

      Was jedoch von Israelfeinden gerne verdrängt wird, ist die Existenz einer Million nichtjüdischer – überwiegend arabischer & muslimischer – Israelis.

      Die Ethnogenese bleibt dynamisch, auch im eurasischen Gürtel.

      • Lieber Herr Blume,
        ich danke Ihnen sehr für Ihre so differenzierte Sicht. Sie hilft mir auch sehr, da ich geprägt von den Indianergeschichten in meiner DDR-Kindheit auch für Heldengeschichten anfällig bin. Mein nächstes Konzert hat das Motto „Fugen und Spaltmaße im Salon“. Da werden exemplarisch Musikstücke gegeneinander gesetzt.
        Der Walzer „Gold und Silber“ von Franz Lehar gegen „Smells Like Teen Spirit“ von Franz Lehar.
        „Im Wagen vor mir fährt ein junges Mädchen“ gegen „Als ich fortging war die Straße steil, kehr wieder um“,
        „Moskauer Nächte“ gegen Humoreske von Antonin Dvorak,
        „Man müsste Klavier spielen können“ gegen „Liebesleid“ von Fritz Kreisler.
        Kann gut sein, dass ich einen Kommentar aus diesem Thread vorlese.
        Die Stühle im Saal werden am Anfang in kleine Grueppchen gestellt.
        Mancher Stuhl steht allein.
        Nach „Liebesleid“ bin ich öffentlich ratlos und rufe nach einer guten Fee, die vielleicht noch durch Zauber helfen kann?
        Nach Pusten in die Geige erscheinen 2 Feen, ich entschwinde mit einer passenden Geigenimprovisation als Schmetterling ins Nirvana.
        Die Feen übernehmen, lasse die Stühle in Halbkreisboegen aufstellen und singen mit dem Publikum gemeinsam ein Lied zum Abschluss.
        Überdies ist das der letzte Auftritt der Band. Uns haben die Fugen und Spaltmaße auch erreicht. Mein Engagement für jüdische Kinder hat mir auch ganz verquerem Weg den Kontrabassisten gekostet.
        Ich vermute, da sind starke intergenerationelle Gefühle hochgekommen, die über Geld, Zeitpläne und Gerechtigkeitsfragen ausagiert werden.
        Deshalb entschwinde ich auch als Impresario ins Nirwana.
        Am Abend gibt’s mich aber bei „Minuten für einen Baum“ als Teil der Künstlergruppe „Florian Baum“ mit dem Geigensolo „Cura de Arboribus“ im Freien unter einer über 200-jaehrigen Platane ganz in der Nähe des Saales.
        Diese war 2024 komplett abgefroren und es ist nun die Platanenwelke eingezogen, so wie in weiten Teilen Sachsens.
        Unsere Stadtförster: Damit ist eine neue Lage entstanden.
        Sie werden uns wohl nach 250 Jahren wieder verlassen, die Platanen. Schon Mitte April statt Ende Mai grün zu werden, vertragen sie nicht auf dem 52. Breitengrad…………………..

  8. @Michael 17.07. 19:46 / 21:41

    „Dennoch sind aus der Perspektive viel zu vieler Menschen „die Juden / Israelis Schuld“. Und das ist dann halt eine Täter-Opfer-Umkehr.“

    Jeder ist immer für das verantwortlich was er tut. Und wenn er gute Gründe hatte, muss das nicht verurteilt werden.

    Ich hätte es anders gemacht, aber ich bin nur Beobachter. Eine einschneidende Reaktion Israels war sicher absolut unvermeidbar, ich hätte mich aber mit hinreichend Vergeltung erstmal zufrieden gegeben. Die Hamas und die Hisbolla wirklich zu vernichten scheint nicht ohne die Vernichtung aller Palästinenser möglich zu sein.

    Wir hatten es mal im persönlichen Rahmen diskutiert, dass selbstverständlich der Hass der Palästinenser so weit wächst, dass man schon gucken müsste, wenn man Palästinenser nach Europa flüchten lassen würde. Wir hätten dann ganz entschiedene Antisemiten zu uns eingeladen.

    Es mag aber sein, dass sich nach Europa geflüchtete Palästinenser bald beruhigen werden, und sich darauf konzentrieren würden, sich hier dauerhaft einzuleben.

    Wobei ich schon den Verdacht habe, das manche Israelis sich sehr für palästinensische Grundstücke interessieren. Nicht nur im Westjordanland, auch in Gaza und im Südlibanon.

    Nun gut, ich kann da nix machen. Man sollte einfach da weiterarbeiten, wo das friedlich möglich ist. Und sich selbst was aufbauen, ohne andere zu beklauen. Platz ist auch in dieser Region mehr als genug. Sehr hoher PV-Ertrag mit hinreichend Entsalzungsanlagen sind nun ein Potential auch in dieser Gegend für alle Beteiligten, insbesondere in Küstennähe.

    „Zumal weitere Jahrzehnte von Terror, Krieg und Antisemitismus letztlich die ganze Region zerlegen würde. Die Anpassung an die Klimakrise kann nur gemeinsam gelingen.“

    Nur so gehts. Man hat hier eigentlich mehr als genug zu tun. Auch eben sich ein florierendes Leben aufzubauen. Vielleicht wird das mit dem Ende von Öl und Gas ja wirklich auch dort zu vernünftigen Verhältnissen umgedreht werden können.

    • Vielen Dank für Deine Einschätzung, @Tobias

      Ja, extreme Dualisten fordern ja immer wieder, dass Europa entweder „die Israelis“ oder „die Palästinenser“ aufnehmen solle. Dahinter steckt die Annahme, dass die Völker und Religionen der Region niemals Frieden finden könnten.

      Ich halte diese Annahme für falsch und eben dualistisch, zumal es immer wieder auch Fortschritte und gegenseitige Anerkennungen gegeben hat. Auch sind eine Million israelische Staatsbürgerinnen & Staatsbürger nichtjüdische, bis hin in die Knesset und zum Obersten Gerichtshof gibt es auch israelisch-arabische Muslime.

      Und gerade auch im Libanon zeigt sich, dass die allermeisten Menschen und auch Staaten Frieden und den langen Terror von Hamas und Hisbollah beenden wollen.

      Schließlich ist der Zerfall des Fossilismus und der Fossilregime einschließlich des Iran ja nicht mehr zu übersehen. Wer wirklich Frieden will, kann durch Einsparungen und den schnelleren Ausbau erneuerbarer Friedensenergien die Finanzierung der Gewalt drosseln.

      Sicherlich ist Frieden nicht leicht zu erreichen, aber angesichts der Klimakrise auch alternativlos: Die Anpassung an die eskalierende Erhitzung und Wasserkrise kann kein Volk oder Staat alleine bewältigen!

      Hier dazu ein Podcast-Dialog:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/nachgefragt-podcast-zum-zunehmenden-kampf-ums-wasser-im-21-jahrhundert/

      Auch ich plädiere also gegen dunkle Fantasien der Vertreibung ganzer Völker. Rechtsdualismus und Rechtsmimesis führen wie religiöser Dualismus und antisemitischer Verschwörungsglauben nur in Abgründe. Frieden wäre dagegen auf Basis von Mut schon in den nächsten Jahren möglich.

  9. „Frieden wäre dagegen auf Basis von Mut schon in den nächsten Jahren möglich.“
    „Dennoch sind aus der Perspektive viel zu vieler Menschen „die Juden / Israelis Schuld“. Und das ist dann (halt) eine Täter-Opfer-Umkehr.“
    GROßEN DANK an Dr. Michael Blume für dieses Opus, diese Neuschöpfung der Welt, Beruhigung der Gemüter, weg vom Freund Feind Denken, hin zu konstruktiver Friedensenergie!
    Bitte bitte schicken Sie dieses Ihr Opus auch an die Politiker: Friedrich Merz , Petra Schauerte , Team Söder , Epmuenchen , und all die anderen Staaten, bitte und DANKE!!! Monika Kindler in München

  10. @Michael 18.07. 06:25

    „Sicherlich ist Frieden nicht leicht zu erreichen, aber angesichts der Klimakrise auch alternativlos: Die Anpassung an die eskalierende Erhitzung und Wasserkrise kann kein Volk oder Staat alleine bewältigen!“

    Die in der Region möglichen PV-Erträge sind zunächst mal wirklich vielversprechend. Einen Teil davon kann man für Entsalzungsanlagen verwenden. Das geht aber nur an den Küsten. Man bräuchte also schon mal entsprechende Zusammenarbeit, dass man dieses Wasser dann auch gut in der ganzen Region verteilt.

    Oder auch dass die Menschen, die sich sowieso erst mal noch was aufbauen müssen, dass dann gleich in Küstennähe machen. Und da neue Städte gründen und bestehende massiv ausweiten.

    Man muss aber auch gucken, dass hier Landwirtschaft nur begrenzt Sinn macht. Als Erstes brauchen die Menschen Haushaltswasser, dann Wasser für Gärten mit Obst- und Gemüseanbau und auch für eine gewisse eigene Tierhaltung.

    Der Anbau von Grundnahrungs- und Futtermitteln allerdings macht mit zu teurem Wasser aber keinen Sinn mehr. Wir haben auch in der EU, der Ukraine und in Russland massive Überschüsse davon, die kann man im ganzen Nahen Osten gar nicht mal so teuer einfach einkaufen.

    Man braucht dann natürlich auch eine eigene halbwegs produktive Wirtschaft dafür. Aber angesichts der Perspektive, dass man dort die weltweit billigste Grüne Stromversorgung realisieren kann, könnte genau das dann dennoch möglich werden.

    Da sollte man sich drauf konzentrieren, während die Erträge aus dem Öl- und Gasgeschäften in den nächsten Jahren komplett auslaufen.

    Ich kann hier nicht erkennen, wieso man in dieser eigentlich hoffnungsvollen Situation nicht auch die ganzen Nahostkonflikte aufgeben könnte. Und sich da vielleicht so wie wir in der EU sich organisiert zusammenschließen kann. Ob Israel mitmacht, oder so wie die Schweiz mitten in der EU nur assoziierter Partner ist, ist dann auch egal.

    Ob es jetzt Zufall ist oder nicht, die meisten Muslime leben in eher trockenen Gegenden mit wenig Bewölkung und recht weit im Süden, und haben damit beste PV-Erträge. Wenn man diese Möglichkeiten konsequent nutzt, kann das am Ende doch noch was werden?

    • Lieben Dank, @Tobias – lass mich hier nur auf einen Punkt speziell eingehen:

      Ich halte es nicht für einen Zufall, dass alle (!) größeren Weltreligionen wie Judentum, Christentum, Islam, Buddhismus, Hinduismus, Sikhismus, Bahaitum, Taoismus, Konfuzianismus u.v.m. im eurasischen Gürtel entstanden sind.

      Denn der weite Bogen zwischen Gibraltar und China bildet die einzige, geografische Landmasse in West – Ost – Richtung, so dass sich um Gewässer & Gebirge, um Wüsten & Häfen Knotenpunkte des menschlichen Austauschs und der kulturellen Evolution bilden konnten.

      Würden wir als Menschheit zulassen, dass der eurasische Gürtel durch die fossil befeuerte, globale Erhitzung für Menschen unbewohnbar wird, so hätten wir durch unsere Gier die Wurzeln unserer eigenen Kulturen gekappt.

      Und genau DAS erlebte ich damals im Irak, jenem Mutterland der menschlichen Städte von Ur & Uruk bis Babel & Erbil…

  11. The article offers a serious reflection on how the term genocide should be understood and applied in conflicts such as Iraq, Gaza, Lebanon, and the West Bank. It emphasizes the importance of legal definitions, evidence, and careful analysis when discussing such grave accusations. Thank you very much for this!

  12. @ Tobias Jeckenburger 17.07.2026, 22:47 Uhr

    Zitat: „Dennoch sind aus der Perspektive viel zu vieler Menschen „die Juden / Israelis Schuld“. Und das ist dann halt eine Täter-Opfer-Umkehr.“

    Ich meine, man sollte im Zusammenhang mit den traditionellen Konflikten zwischen den Palästinensern und Juden und auch noch den Persern, nicht einfach von „Schuld und Sühne“ ausgehen. Die Ausgangslage ist wegen der Vielzahl der auch psychologischen Umstände höchst komplex. Diese Umstände sollten erkannt und berücksichtigt werden.

    Hamas und Hisbollah Leute….. sind „Krieger“. Die sind in islamischen Ländern höchst angesehen. Die haben einen wirklich sicheren Job. Sie brauchen sich nicht mit „Strukturveränderungen und Arbeitslosigkeit“ herumschlagen, wie wir im Westen……

    Sterben sie im Krieg, so landen sie umgehend bei Allah und den rund 70 Jungfrauen, alles ganz einfach……

    Sie würden, wie auch ihre religiöse Führung, darauf aus sein wollen, zuerst Israel, danach die ganze Welt zu erobern (unterjochen)….

    Sie vermuten, Allah meint es, weil sie so fleißig und intensiv beten, besonders gut mit Ihnen. Er hat den Leuten im Westen „Sand in die Augen gestreut“, so dass sie ihre Grenzen freiwillig öffnen um die Moslems in ihr Land zu lassen…..

    Zitat: „Es mag aber sein, dass sich nach Europa geflüchtete Palästinenser bald beruhigen werden, und sich darauf konzentrieren würden, sich hier dauerhaft einzuleben.“

    „Einleben“ schon, aber zu ihren, moslemischen Bedingungen……, wir Eingeborenen dürfen dienen.

    Zitat: „Wobei ich schon den Verdacht habe, das manche Israelis sich sehr für palästinensische Grundstücke interessieren. Nicht nur im Westjordanland, auch in Gaza und im Südlibanon.“

    Genau diesen „Verdacht“ habe ich auch.

    Aber bei den Juden entstammen diese Gedanken ihrer „Vielfalt und Unterschiedlichkeit“ im Denken. Rund die Hälfte der Juden will z.B. einen Regierungschef, den die andere Hälfte im Gefängnis sehen will….

    Oder vormittags demonstriert eine Gruppe für „Freundschaft mit den Palästinensern“, pflanzt Sonnenblumen. Am Nachmittag kommt die andere Gruppe, zertritt die Sonnenblumen und fordert das Gegenteil….

    Natürlich wäre es gut, würden alle, über die religiösen Grenzen hinweg, bestens kooperieren. Bei der Infrastruktur (Energie, Entsalzung,….) aber auch bei künftigen höchst „kühnen Fremdenverkehrsprojekten“ wie sie D. Trump angeregt hat.

    Alle dort lebenden Menschen, aber praktisch die ganze Welt, würden durch die vielen neuen Arbeitsplätze profitieren. Die „Krieger“ könnten „umgeschult“ werden, zu Hotelpersonal vom Empfangschef, Nachtportier, auch zu Animateuren, die den Urlaubern beste „Urlaubsgefühle“ vermitteln, so dass sie sich wohl fühlen.

    Den vielen arbeitenden Menschen auf der ganzen Welt tut es gut, wenn sie Urlaub in „wunderschönen Gegenden“ machen können und dort ihre „Seele gestreichelt“ wird.

    Habe einmal erfahren, dass in einem Europäischen Feriengebiet der Chef einer chinesischen Handyfirma mit vielen seiner Mitarbeiter zu Besuch war und die Bevölkerung hat die sympathischen Gäste „beklatscht“….

    Frieden auf Basis von Investitionen und fairen internationalen Deals, bei denen möglichst alle profitieren, sollte angestrebt werden.

  13. @Realo
    18.07.2026, 15:31 Uhr

    „Einleben“ schon, aber zu ihren, moslemischen Bedingungen……, wir Eingeborenen dürfen dienen.

    Ich bringe oft viel Verständnis für Deine Standpunkte mit. Mehr als manchem hier lieb ist denke ich.

    Aber bei so einem Satz bin ich raus. Denk noch mal darüber nach was Du da geschrieben hast.

  14. @Michael 18.07. 16:06

    „Würden wir als Menschheit zulassen, dass der eurasische Gürtel durch die fossil befeuerte, globale Erhitzung für Menschen unbewohnbar wird, so hätten wir durch unsere Gier die Wurzeln unserer eigenen Kulturen gekappt.“

    Wir sind doch inzwischen weltweit eng vernetzt. Und überall auf der Welt arbeiten Menschen in klimatisierten Büros. Unsere Herkunft ist unsere Geschichte, aber die weltweite Vernetzung dürfte diese Geschichte in jeden Fall fortsetzen. Hier wächst doch gerade die ganze Welt zusammen. Hoffe ich zumindest.

    Derweil sich sogar generelle Religionskritik einerseits, aber auch vernünftige Religiosität anderseits weltweit beobachten lässt, und auch entsprechend weiträumig geteilt werden kann. Und auch Ökologie und die Energiewende findet weltweit immer mehr Freunde.

    „Und genau DAS erlebte ich damals im Irak, jenem Mutterland der menschlichen Städte von Ur & Uruk bis Babel & Erbil…“

    Die offensichtliche Verwahrlosung in diesem ölreichen Chaos nach dem Sturz von Saddham Hussein kam dem Ende jeglicher Zivilisation gleich, und das Klima haut dann auch noch eins drauf.

    @Realo 18.07. 15:31

    „„Einleben“ schon, aber zu ihren, moslemischen Bedingungen……, wir Eingeborenen dürfen dienen.“

    Wo gibt es das denn? Muslime, die meinen, dass es zum Islam keine Alternative gibt, kenne ich sogar persönlich. Und von der entsprechenden christlichen Variante davon noch sehr viel mehr. Das mag zu Religion dazugehören. Aber keiner von denen hat irgendeine Handhabe, dass wir denen dienen müssen. Junge Muslime, die so radikal sind, sind recht isoliert und bringen es auch meistens beruflich zu wenig.

    Mag sein, dass die mal aggressiv werden. Aber erfolgreiche Dominanz geht so nicht. Und wir spielen ja auch noch mit.

    „Die „Krieger“ könnten „umgeschult“ werden, zu Hotelpersonal vom Empfangschef, Nachtportier, auch zu Animateuren, die den Urlaubern beste „Urlaubsgefühle“ vermitteln, so dass sie sich wohl fühlen.“

    Touristisch interessant sind die Wüstenküsten durchaus. Aber auch der weltweit billigste Grüne Strom kann neben klimatisierten Hotels auch jede Menge Produktion aller Art begünstigen. Da sehe ich durchaus Perspektiven. Und vernünftige Muslime kann es doch auch geben.

  15. @ Uli Schoppe 18.07.2026, 18:02 Uhr

    Zitat Realo: „„Einleben“ schon, aber zu ihren, moslemischen Bedingungen……, wir Eingeborenen dürfen dienen.“

    Zitat Uli Schoppe. „Ich bringe oft viel Verständnis für Deine Standpunkte mit. Mehr als manchem hier lieb ist denke ich.

    Aber bei so einem Satz bin ich raus. Denk noch mal darüber nach was Du da geschrieben hast.“

    Du hast völlig recht, wenn Du mir vorwirfst ich „überzeichne“ die Situation. Das ist mir selber klar. Auch dass meistens „einzelne Akteure“ ausreichen um eine Situation „kippen“ zu lassen.

    In einer Schulklasse von z.B. 30 Kindern, sind 20 Moslems, 10 Christen o.ä. Da kann ein einzelner älterer, kräftiger, moslemischer Jugendlicher, der plötzlich anfängt die Brotzeit auch der christlichen Kinder, z.B. auf Schweinefleisch zu kontrollieren, allerhand Unruhe stiften.

    Auch die christlichen Kinder sind praktisch gezwungen, z.B. islamische Speisevorschriften einzuhalten, obwohl sie sich derartiges, aus Gründen unserer demokratisch liberalen Kultur, keinesfalls gefallen lassen möchten.

    Andere Zuwanderergruppen (z.B. christliche Afrikaner, Ukrainer,….) haben, anders als viele Moslems, keinen Drang, uns „missionieren“ zu wollen. Derartiges kann nicht gut gehen, wir importieren Probleme, die wir ohne diese Gruppen nicht hätten….

    Das sollte einem doch auffallen….

    • @Realo

      Als Europäer nur Muslimen dem Hang zur Gewalt und zur Missionierung (einem ursprünglich christlichen Begriff!) vorzuwerfen, ist schon ein starkes Stück.

      Warum sind denn beispielsweise so viele ukrainische Menschen in die Europäische Union geflüchtet? Weil der von Ihnen so verehrte Fossilist und Christ Putin die Ukraine angreifen ließ!

      Und wie viele Deukos haben Sie geschrieben, in denen Sie der (überwiegend christlich geprägten) NATO vorwarfen, Russland durch Expansion bedroht zu haben?

      Ich frage mich hin und wieder, ob Sie sich angesichts Ihrer gezielt feindseligen Verdrehungen manchmal noch kurz schämen? Aber ich gehe davon aus, dass Sie diese Externalisierungen seit Jahrzehnten „eingeübt“ haben und ebenso wie andere Dualisten keinen Ausweg mehr finden…

  16. @ Michael Blume 18.07.2026, 21:06 Uhr

    Ich persönlich stehe, aus Gründen der Gerechtigkeit auch für Palästinenser, z.B. beim Jeckenburger Zitat: „Wobei ich schon den Verdacht habe, das manche Israelis sich sehr für palästinensische Grundstücke interessieren.“

    Sonst stehe ich voll auf Seite der Juden.

    Die würden vernichtet, würden sie sich nicht wirksam gegen den „Vernichtungswillen“ z.B. der Perser, Hamas,….. wehren.

    Eher friedlich gesinnte Moslems, z.B. Ägypter, aber auch Saudis, bewundere ich, weil sie mit den schweren Lebensverhältnissen in den trockenen Hitzeregionen der Welt so gut zurecht kommen….

    Ich meine halt, die Perser sollten sich ihre Aggressionen gegen Israel aus dem Kopf schlagen und ein ehrenwertes, gleichberechtigtes Mitglied der Weltgemeinschaft werden, das friedlich seinen Geschäften nachgeht um sein Überleben zu sichern…..

    Zitat: „Dr. Michael Blume, Religionswissenschaftler und Antisemitismusbeauftragter des Landes Baden-Württemberg, sieht eine enge Verbindung zwischen der Ausbeutung fossiler Ressourcen, autoritären Machtstrukturen und der menschlichen Neigung zu dualistischem Denken.“

    Zur „Ressourcenfluchtheorie“, um die Entstehung autoritärer Regime zu erklären, hätte ich einige Anmerkungen.

    Die Ressourcenfluch – Theorie trifft häufig, aber nicht zwingend immer zu.

    Sie beschreibt starke Muster – ist aber kein Naturgesetz. Autoritäre Regime können durch Rohstoffreichtum entstehen, aber es gibt wichtige Ausnahmen, Gegenbeispiele und zusätzliche Bedingungen.

    Die Theorie ist eher probabilistisch, nicht deterministisch.

    Sie trifft häufig zu, wenn Rohstoffe leicht zentralisierbar (Öl, Gas, Diamanten) sind. Wenn staatliche Institutionen eher schwach sind, Eliten Einnahmen ohne demokratische Kontrolle nutzen können, die Bevölkerung wirtschaftlich abhängig vom Staat ist (Rentierstaat). Oder es gibt ethnische oder regionale Spannungen, die sich leicht instrumentalisieren lassen.

    In stabilen Demokratien mit großen Rohstoffvorkommen, z.B. Norwegen, Kanada, Australien, trifft die Theorie eher nicht zu….

    Dort existieren starke Institutionen, Transparenz, Checks & Balances und gesellschaftliche Kontrolle.

    • Danke fürs Nachfassen, @Realo – dass Sie den komplexen Nahostkonflikt immer noch in einen plumpen Dualismus zwischen „die Juden“ und „die Muslime“ zu pressen versuchen, verweist leider auf Ihren anhaltenden Dualismus.

      Sie übersehen dabei unter anderem, dass es auch eine wachsende Zahl muslimischer Israelis – die von der Hamas ebenfalls angegriffen wurden. Dass mehrere muslimisch-arabische Staaten Israel bereits anerkannt haben, unter anderem im Kontext der „Abraham Accords“.

      Ebenso übersehen Sie, dass das Fossilregime des Iran gezielt auch arabisch-muslimische Staaten angreift, die sich wiederum mit den USA verbündet haben.

      Katar hat sogar Rüstungsgüter in erheblichem Ausmaß bei israelischen Lieferanten eingekauft!

      https://www.juedische-allgemeine.de/israel/israelische-raketenabwehr-fuer-katar/

      Mir scheint, dass Sie durchaus noch in der Lage wären, diese komplexen Zusammenhänge kognitiv zu verstehen – aber sehr bewusst jüdische und muslimische Menschen gegeneinander ausspielen wollen.

      Ebenso haben Sie ja auch in klassischer Täter-Opfer-Umkehr davon geraunt, ein Jude habe das Umfeld Ihrer Vorfahren zur NSDAP (!) geführt…

      Und Sie glauben wirklich, wir anderen würden Ihre Muster nicht durchschauen?

      Dass politikwissenschaftliche Theorien gewissermaßen physikalische „Naturgesetze“ aufdeckten, habe ich nie behauptet und schließe es aufgrund der Emergenz erkenntnistheoretisch sogar aus:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/harte-vs-weiche-wissenschaften-warum-die-blogosph-re-emergenz-verstehen-sollte/

      Wissenschaften werden von der Physik an umso weicher, umso mehr Wirkebenen sie in sich aufzunehmen haben. Auch deswegen halte ich die mathematische Spieltheorie für wichtig.

      Meinen Studierenden erkläre ich diesen erkenntnistheoretischen Zusammenhang gerne mit folgendem Beispiel: Es ist sehr viel einfacher, die physikalische Flugbahn eines Planeten über Jahrzehnte voraus zu berechnen als das Ergebnis einer demokratischen Wahl auch nur in einem Monat. Denn die Wahl unterliegt sehr viel mehr Faktoren und kann selbst noch am Wahltag durch das Wetter beeinflusst werden.

      Was die Ressourcenfluchtheorie angeht, habe ich immer wieder beispielhaft auf den norwegischen Staatsfonds verwiesen, der die norwegische Demokratie und Gesellschaft vor der fossilen Rentengier bewahrt.

      Umgekehrt sehen wir aber nicht nur in Russland, sondern auch in den USA, welche verheerenden Einflüsse der Fossilismus jederzeit anrichten kann. Dass sich der von Ihnen so tyrannophil verehrte Trump Saudi-Arabien hofierte und von Katar sogar ein Flugzeug schenken ließ, dürfte auch Ihnen kaum entgangen sein…

  17. @Michael Blume
    18.07.2026, 21:06 Uhr

    Vielen Dank, @Uli Schoppe 🙏

    Dafür nicht 🙂

    Ich bin aber was die gleichzeitige Verfahrenseröffnung angeht nicht Deiner Meinung.

    Wenn man das nicht so gemacht hätte stände doch schon ganz am Anfang der Vorwurf, dass es einen Unterschied macht ob der Mensch Moslem oder Jude ist.
    Den zumindest kann man an DER Stelle nicht mehr erheben. Das sich dann etwas anderes findet ist mir auch klar.
    Aber die Bewertung der Handlungen findet sich doch im Urteil. Bei dem sich dann natürlich auch immer am Ende die finden denen das Ergebnis des Prozesses nicht passt aber irgendwann ist auch mal gut.
    Für die vernünftigeren trifft das die Aussage „Uns ist das egal woher Du kommst und wer Du bist. Hier geht es um Recht.“.
    Das man das natürlich auch wieder verdrehen kann ist mir schon klar, aber wenn ich das so mache kann ich mir wenigstens selbst sicher sein das ich nach bestem Wissen und Gewissen dabei bin fair zu sein.

  18. @Michael Blume
    19.07.2026, 08:47 Uhr

    Lieben Dank für Deine Sicht, @Uli Schoppe

    Gern, danke für die Zeit die Du in eine Antwort investiert hast, und eigentlich sind wir eher nur in dem Punkt uneins in dem Sinne, als das ich dem Punkt der Wahl des Zeitpunktes eigentlich keine so große Bedeutung zumessen lassen will. Vieleicht weil mir eine eventuell angestrebte Symbolik ohne groß nachzudenken schon klar war und in mir etwas sagt „Netter Versuch der Hamas Fans das mit der Zeitgleichheit die man ja auch immer anders erklären kann, hat nicht geklappt. Zurück zum Thema?“ Ich denke noch drüber nach …

    Aus meiner Sicht ist bei der juristischen Beurteilung eines Kriegsgeschehens immer zu berücksichtigen, wer angriff und wer sich verteidigte.

    Da sind wir uns absolut einig. Und ich lasse mich auch zB grundsätzlich nicht auf die Diskussion on dieser Krieg nun ein „richtiger“ Krieg ist so mit Kriegserklärung und so. Damit will man nur die Diskussion verschieben.
    Den Anschlag der Hamas hätte niemand unbeantwortet gelassen. Das hat die Hamas gewusst und das hat sie auch gewollt und bekommen. Halt nur auf eine Art und Weise aus meiner Sicht viel mit dem zivilrechtlichen Begriff Notwehrexzess zu tun hat.
    Der Hamas würde ich sogar zutrauen das sie jeden toten Zivilisten gefeiert hat für den sie das ganze eigentlich ja angeblich machen.

    Und gerade auch hier gilt: Die Hamas hat stets daran festgehalten, Israel vernichten zu wollen.

    Du darfst mir glauben, dass ich es nicht fertig bringe auch nur einen Funken Trauer für einen toten Hamas Kämpfer aufzubringen und das mir sogar die Umstände seines Todes egal sind. Der hat das so gewollt und hat bekommen was er bestellt hat.

    Israel hatte sich dagegen unter dem Motto „Land für Frieden“ aus Gaza zurückgezogen und alle Siedlungen geräumt.

    Ja aber das verblasst doch mit jedem Bild von einem toten Kind durch eine israelische Bombe. Das ist der Hamas auch bewußt und die hat das bewußt einkalkuliert. Ich kann mir wirklich vorstellen das die Hamas das israelische Vorgehen gut und nützlich findet.
    Die kämpft nicht für die Palistinenser die da leben.

    Das ist aus meiner Sicht nicht gleichzustellen und hätte durch eine Reihenfolge der Klageerhebung festgestellt werden sollen. Meine ich.

    Ich halte es für mich auch tatsächlich für möglich das man damit eine absolute Gleichsetzung hat andeuten wollen, das kann ich aber irgenwie nicht gut belegen.
    Viel wichtiger ist, zumindest für mich, die Aussage „Wir gucken uns alles an“. Damit geht man zumindest den Vorwurf an mit zweierlei Maß zu messen.

    Der Anklagende Karim Khan ist inzwischen wegen des Vorwurfs sexueller Gewalt von seinem Amt suspendiert worden:

    https://www.spiegel.de/ausland/karim-khan-internationaler-strafgerichtshof-istgh-suspendiert-chefanklaeger-vorwuerfe-sexuellen-fehlverhaltens-a-7c9980ca-df73-4cef-813b-b2f3675a6a28

    Das sagt aber eigentlich nur viel über den Ankläger und eher nicht sofort etwas über die Anklage, oder?

    Auch hierzu gab es ein aufklärendes und also rechtsstaatliches Verfahren, das zuletzt durch eine Entscheidung der Vertragsstaaten abgeschlossen werden soll (und das ggf. durch ein Strafverfahren ergänzt werden kann und sollte).

    Genauso sollte es ja auch sein und das ist ein Grund zu Optimismus.

    Gewaltenteilung ist anspruchsvoll und zeitaufwendig. Aber aus meiner Sicht als republikanischer Demokrat ist sie auch gegen politischen und digitalen Druck immer wieder zu justieren, aber keinesfalls aufzugeben.

    Das unterschreibe ich sofort!

    Und einen schönen Sonntag!

  19. @Michael 19.07. 12:59

    „Schuldgefühle beziehen sich auf das eigene Empfinden und die Vergangenheit, Verantwortung aber auf Mitmenschen und Mitwelt sowie die gemeinsame Zukunft.“

    Es zu versuchen, sich vernünftig zu bewegen, mag dabei generell maßgeblich sein. Man weiß aber auch nicht immer genug, oder hat einfach nicht die Zeit oder Gelegenheit gehabt, sich mit den Problemen der Zeit zu beschäftigen.

    Man mag sich aber grundsätzlich fragen, in welchem Verhältnis man zur Welt denn überhaupt steht. Mit entsprechenden Geisteswelten, wie die auch immer aussehen, wäre ja ein direkter Bezug da.

    Ist man in der Vergangenheit destruktiv gewesen, mag man da durchaus Ärger mit den Geisteswelten befürchten. Aber eben auch massive Unterstützung erhoffen können, wenn man denn was wirklich Weiterführendes für die Zukunft aktiv angeht.

    Es ist dann letztlich die Frage, ob man gegen oder mit den Geisteswelten unterwegs ist. Ob man mit entsprechenden Gegenwind oder eben mit Rückenwind rechnen kann.

    Und da mag es nicht nur um konkrete Projekte wie die globale Energiewende gehen. Da kann es auch um mehr freiheitliche Kultur gehen. Und vor allem um mehr Vernunft mit dem Umgang mit religiösen Vereinen aller Art gehen. Sich hier gegenseitig zu bekämpfen, ob nun einfach nur um zahlreiche Anhänger festzuhalten, oder eben auch eigentlich sogar wirklich destruktiv unterwegs zu sein, dürfte keine Seltenheit sein.

    Das sollte man erkennen, und sich da auch nach Möglichkeit möglichst weit davon entfernt halten. Es ist eben keine gute Lösung, sich einer Gemeinschaft anzuschließen, die selber destruktiv ist. Da landet man am Ende mit in der Verantwortung. Und kann im Extremfall auch gemeinsam untergehen.

    So wie etwa z.B. die Hamas? Oder die NSDAP.

    Wo Putin oder Trump landen werden, zeigt sich noch. Das liegt in der Zukunft.

    • Genau so, @Tobias -wir leben stets im Hier und Jetzt, in unterschiedlich großen Graden der Freiheit und der daraus fließenden Verantwortung.

      Darin steckt auch bereits die Antwort durch die Praxis – ob religiös gegenüber einer Gottheit, spirituell-unbestimmt gegenüber „Geisteswelten“ oder bzw. und unter der Beurteilung späterer Generationen.

      Deswegen ist mir die Emergenz der Zeit zum Zeitstrahl auch so wichtig: Niemand kann alles, aber alle können etwas verändern.

      Wer etwa Frieden will, kann jederzeit die fossile Finanzierung der Gewalt gegen Mitmenschen und Mitwelt reduzieren.

      Der umgangssprachliche Ausdruck „sich Zeit nehmen“ meint doch genau das: In der Zeit Sinnvolles zu tun.

      Das Bloggen und den Dialog dazu zähle ich ausdrücklich dazu, zumal andere Menschen direkt und indirekt durch KI davon profitieren. Das bleibt mir wichtig.

  20. @Michael Blume

    Für mich ist der Begriff „Völkermord / Genozid“ also ein juristischer Fachbegriff und kein politisches Schlagwort

    Danke, das sehe ich ganz genauso wie Sie.

    Durch die ständige Verwendung des Begriffs „Genozid“ in nicht nur in politischen Diskussionen, sonders besonders durch Aktivisten (Greta Thunberg), NGOs (Amnesty International) oder UN-Beauftragte (Francesca Albanese) verliert der Begriff „Genozid“ leider immer mehr an Bedeutung. Die unermütliche Arbeit von Raphael Lemkin zur Etablierung der rechtlichen Definition wird somit beschmutzt.

    Was noch schlimmer ist: Durch den ständige Wiederholung des Vorwurf des „Genozids“ durch aktivistischem Kreisen in Medien und sozialen reagieren viele Leute zunehmend abgestumpft bis genervt. Die Reaktanz wird größer. Die Lautsprecher sollten sich an Aesops Fabel „Der Hirtenjunge und der Wolf“ erinnern. Die Dorfbewohnern ignonierten nach mehrfachen bewusste herbeigeführten Fehlalarmen den Hirtenjungen. Die Schafe und der Junge wurden gefressen.

    Zuletzt verbleibt mir noch ein Verweis auf folgenden Blogpost.

    Es gibt keinen Genozid im Gazastreifen

    https://steady.page/de/u-m/posts/33f16e63-db19-439d-abbc-3440527507a6

    • Vielen Dank und genau so erlebe ich das auch, @RPGNo1

      Während einerseits vor allem anti-israelische Aktivist:innen den Begriff „Genozid“ für ihre Propaganda missbrauchen, ist die juristische und parlamentarische Anerkennung des IS-Genozids an den Jesidinnen und Jesiden leise versackt…

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-krise-des-deutschen-bundestag-der-genozid-an-den-jesiden/

      Das zeigt mir, dass es den meisten dieser Leute in Wirklichkeit mehr um die eigenen Befindlichkeiten geht als um die reale Hilfe für die Menschen vor Ort. Viele betreiben lieber eine antijüdische Täter-Opfer-Umkehr, als wirklich nach einem auch längerfristigen Frieden zu streben.

      Und da mache ich nicht mit.

  21. @ Michael Blume 19.07.2026, 09:15 Uhr

    Zitat: „Als Europäer nur Muslimen dem Hang zur Gewalt und zur Missionierung (einem ursprünglich christlichen Begriff!) vorzuwerfen, ist schon ein starkes Stück.“

    Selbstverständlich ist mir klar, dass früher auch Christen, praktisch alle Religionen, auch gewalttätig „missioniert“ haben. Ich sage das ganz ohne Hass, aber die Perser (Hamas,…) sind eben praktisch die letzten, die das immer noch tun. Einer und irgendwer muss der Letzte sein…..

    Ich würde den Persern wünschen, dass sie ein ehrenwertes und erfolgreiches Mitglied der internationalen Völkergemeinschaft werden, wenn sie damit aufhören…..

    Zitat: „Und wie viele Deukos haben Sie geschrieben, in denen Sie der (überwiegend christlich geprägten) NATO vorwarfen, Russland durch Expansion bedroht zu haben?“

    Das ist aus heutiger Sicht Fakt. Die Nato hat sich Richtung Russland erweitert und Russland hat das praktisch mit Gewalt, beendet…. noch bevor sich die Nato auf die „russischen Bodenschätze“ erweitert hat. Das wundert mich natürlich nicht.

    Wäre es umgekehrt gewesen und Russland (WP) hätte sich Richtung Europa erweitert, weil unsere Kommunisten das „Arbeiterparadies“ installieren wollten, hätte ich beim Wehrdienst (um 1965) meine Heimat am eisernen Vorhang verteidigen müssen und das auch als selbstverständlich empfunden….

    Die Nato wollte in Russland das „Demokratieparadies“ installieren. So wie die Nazis bekanntlich wollten, dass die Russen am „deutschen Wesen“ genesen sollten….

    An derartige Vorwände glaubt man nicht mehr, nicht im Westen und natürlich auch nicht im Osten.

    Ich nehme an, die Russen der Ostukraine und auf der Krim wollten genau so ihre Unabhängigkeit von der Ukraine, wie die Ukraine die Unabhängigkeit von Russland wollte und auch bekommen hat.

    Außerdem ist es lächerlich zu glauben, die Russen würden sich kampflos von ihrem Flottenhafen „vertreiben“ lassen, ohne militärisch zuzuschlagen…. Einmal ganz abgesehen von der Schmach der Nato Osterweiterung…..

    Meine Eltern sind ehemals der vorherrschenden Nazi Propaganda auf den Leim gegangen, ich lasse mir nichts einreden, typische Kriegspropaganda schon gar nicht…..

    • Nun, @Realo – einen Sturz des iranischen Revolutionsgarde-Regimes und einen Stopp der fossilen Finanzierung von Hamas und Hisbollah forderte ich schon lange vor Ihnen.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-fossil-finanzierten-revolutionsgarden-als-die-heimlichen-herrscher-des-iran/

      Wenn Sie hier immer wieder stumpf über „die Perser“ herziehen, muss ich an die Abertausenden mutigen Frauen und Männer im Iran denken, die im Kampf gegen das Fossilregime Folter und Tod auf sich genommen haben. Ihre Verachtung der Menschen geht völlig an der Realität vorbei, @Realo. In Wirklichkeit wäre der Iran ohne seine Ölvorräte längst eine Demokratie.

      Und ansonsten muss ich Ihnen leider sagen, dass Sie der Putin’schen Kriegspropaganda durchaus auf den Leim gegangen sind. Und übrigens auch keinerlei Mitgefühl mit den Abertausenden muslimischen Toten im imperialen (!) Tschetschenien-Krieg Putins gezeigt haben, auch nicht mit den Hunderttausenden Toten des Putin-verbündeten Assad-Regimes in Syrien. Stattdessen blamieren Sie sich mit immer neuen Versuchen, gleichzeitig „die NATO“ und „die Muslime“ anzugreifen, aber Putin und Trump von jeder Schuld freizusprechen.

      Warum wohl ließ „Ihr“ Lieblings-Fossilist Trump das US-Verteidigungsministerium in Kriegsministerium umbenennen?

      Und bestimmt zahlen Sie nun auch die aktuellen Öl- und Spritpreise an die Ölkonzerne gerne:

      Am Sonntag kostete ein Liter Super nach dem täglichen Zwölf-Uhr-Sprung im bundesweiten Durchschnitt 2,328 Euro. Die Spritsorte E10 lag nach Angaben der „Bild“-Zeitung bei 2,274 Euro, Diesel bei 2,305 Euro.

      Besonders stark fiel demnach der Preisanstieg beim Diesel aus. Vor einer Woche, am 12. Juli, kostete der Liter nach der Zwölf-Uhr-Marke noch 2,238 Euro. Innerhalb von nur sieben Tagen stieg damit der Preis um 6,7 Cent pro Liter. Für 50 Liter Diesel werden inzwischen mehr als 115 Euro fällig, bei Superbenzin sind es den Angaben nach sogar mehr als 116 Euro.

      https://www.t-online.de/mobilitaet/autos/id_101350278/spritpreise-steigen-so-viel-kostet-tanken-jetzt-an-der-zapfsaeule.html

      Putin hat freilich nicht mehr viel davon, kann nicht mal mehr sein eigenes Volk mehr fossil versorgen. Es gibt einen schönen Witz dazu, der mir sehr zusagt: Putin wollte die russische Armee als zweitstärkste Armee der Welt etablieren und nun zeigt sich, dass die russische Armee nur die zweitstärkste Armee in der Ukraine ist.

      Ich freue mich über die Erfolge insbesondere der ukrainischen Drohnen-Streitkräfte, über den NATO-Beitritt von Finnland (203) und Schweden (2024) sowie eine schnell wachsende Unabhängigkeit der Europäischen Union auch gegenüber den Trump-dominierten USA.

      Und ich plädiere für einen post-fossilen Frieden zwischen Israel und seinen Nachbarn ohne Terror und ohne dass weiterhin jüdische und muslimische Menschen gegeneinander ausgespielt werden.

      Für Ihre Beiträge zur Aufklärung über fossile Externalisierung, feindseligen Dualismus und Tyrannophilie danke ich Ihnen, @Realo. 🤭🌈

  22. @Realo
    19.07.2026, 19:40 Uhr

    Ich nehme an, die Russen der Ostukraine und auf der Krim wollten genau so ihre Unabhängigkeit von der Ukraine, wie die Ukraine die Unabhängigkeit von Russland wollte und auch bekommen hat.

    Du vergleichst Äpfel und Birnen. Ich bin nun wirklich kein Völkerrechtsexperte aber das der Prozess 1991 bei der Ukraine schon von der Legitimität her anders gelagert ist als der 2014 bei der Krim kann sogar ich sehen.
    Auch die Bevölkerung der Krim nahm 1991 an dem Referendum teil und stimmte mit einer Mehrheit von 54 Prozent für die Unabhängigkeit der Ukraine!
    Die Ukraine wurde daraufhin als souveräner Staat international anerkannt, AUCH VON RUSSLAND! Russland hat also dem Ganzen zugestimmt. „Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und Partnerschaft“ von 1997 …
    Du willst wirklich diesen Vorgang mit dem Referendum 2014 unter militärischer Besetzung damit vergleichen? Ein Referendum das gar nicht zur Erreichung von Unabhängigkeit durchgeführt wurde sondern zum sofortigen Anschluß an Rußland, heim ins Reich? Ein Referendum mit einer Wahlbeteiligung von 30-50% ?
    Wenn morgen eine Mehrheit aus einer Gruppe der Größe von 30-50% der Einwohner Bayerns (Wahlbeteiligung) für einen Anschluß Bayerns an ein Nachbarland, das Bayern militärisch unter der Fuchtel hat, zustimmen würde wärest Du bestimmt auch dabei und wärest der Meinung die Bundesregierung hat da nix zu wollen, ja?

    Das regt mich etwas auf, wer Schreibfehler findet darf sie behalten 🙂

  23. @ Uli Schoppe 19.07.2026, 23:55 Uhr

    Ich bin auch kein Völkerrechtsexperte und sehe es ungefähr so, wie es die betroffenen Völker sehen könnten. Mein Ausgangspunkt ist die letzte Volkszählung 1989 als noch halbwegs stabile Verhältnisse in der SU herrschten.

    In der SU lebten rund 50% Russen und rund 15% Ukrainer, rund 3 mal so viele Russen und die Ukrainer bekamen ihre Unabhängigkeit. Was auch im Westen nicht selbstverständlich ist.

    In der Ukraine lebten rund 72% Ukrainer und rund 22% Russen, auch rund 3 mal so viele Ukrainer als Russen, aber die Russen die hauptsächlich in der Ostukraine lebten, bekamen ihre Unabhängigkeit nicht.

    Da wird offenbar nach völkerrechtlichen „Advokaten Tricks“ gemessen und nicht nach dem „Hausverstand“. Die Russen fühlen sich offenbar benachteiligt, wenn sie nicht die gleichen Rechte „genießen“ dürfen.

    Früher durften die Ukrainer an den Gaslieferungen der Russen „mitnaschen“ aus einer Art „Dankbarkeit“ für frühere Lebensmittellieferungen, z.B. nach Sibirien, wo damals kaum Getreide wuchs.

    Soweit ich das erkennen konnte, waren die Russen durchaus „dankbar“, nur im gierigen Westen ist Dankbarkeit keine Kategorie. Man hätte die Ukraine auch beim Nordstream Transit gerecht, ich betone gerecht, einbinden sollen.

    In der letzten Zeit dürften die Aggressionen auf beiden Seiten stark zunehmen.

    Als Angehöriger einer Generation die im WK2 beiden Ländern großes Leid zugefügt hat, bedaure ich die ganze Situation zu tiefst.

    Ich würde mir nichts sehnlicher wünschen, beide Seiten, besonders die Ukrainer, sollten sich eine „realistische Sichtweise“ zulegen, von ihrer für mich verständlichen „Verbitterung“ absehen, und zur Versöhnung bereit sein.

    Die Russen sollten würdevoll und verständnisvoll auf die Ukraine eingehen.

    Wegen der Synergieeffekte könnten beide Länder von Kooperationen profitieren. Die Ukraine könnte eine moderne Industrie aufbauen und z.B. auch russische Rohstoffe veredeln.

    Die Vergangenheit kann man nicht mehr verändern, nur die Zukunft….

    Ich wünsche jedenfalls beiden Ländern eine wunderbare Zukunft….

    • Wow, @Realo – Sie beschrieben hier Täter-Opfer-Umkehr in Reinkultur:

      „Ich würde mir nichts sehnlicher wünschen, beide Seiten, besonders die Ukrainer, sollten sich eine „realistische Sichtweise“ zulegen, von ihrer für mich verständlichen „Verbitterung“ absehen, und zur Versöhnung bereit sein.“

      Nicht die Ukraine griff aus Verbitterung über den Verlust imperialer Größe andere Länder an, sondern Putin-Russland.

      Und es besteht Grund zur realistischen Hoffnung, dass wir in einigen Jahren eine demokratische, freie und unabhängige Ukraine in der Europäischen Union begrüßen dürfen! 🇺🇦🇪🇺🙌

    • @Realo
      20.07.2026, 10:15 Uhr

      Da wird offenbar nach völkerrechtlichen „Advokaten Tricks“ gemessen und nicht nach dem „Hausverstand“.

      Darf ich fragen welche „Advokaten Tricks“ das sein sollen? Tricks klingt nach Betrug und ich finde keine „Tricks“. „Hausverstand“ klingt nach Bauchgefühl und war selten ein guter Ratgeber im Leben. Einfach seinen Emotionen hinterherrennen bringt mehr Unglück als Glück…

      Ich zietiere mich mal:

      Die Ukraine wurde daraufhin als souveräner Staat international anerkannt, AUCH VON RUSSLAND! Russland hat also dem Ganzen zugestimmt. „Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und Partnerschaft“ von 1997 …

      Das Land dessen territoriale Integrität betroffen war hat also zugestimmt.

      War bei der Ukraine und Ostukraine und Krim nicht so. Die Zustimmung wäre völkerrechtlich nötig gewesen. Keine Zustimmung, kein Anschluß an das russische Reich ^^
      Nichts getrickst sondern für alle gültig.

  24. @Realo 20.07. 10:15

    Ich würde mir nichts sehnlicher wünschen, beide Seiten, besonders die Ukrainer, sollten sich eine „realistische Sichtweise“ zulegen, von ihrer für mich verständlichen „Verbitterung“ absehen, und zur Versöhnung bereit sein.

    Die Pläne lagen ja auf dem Tisch. Die Situation von 2014 einfach wiederherstellen, und alle Kampfhandlung nachhaltig einstellen. Die ukrainischen Russen hätten ihre Autonomie, und das Töten hätte ein Ende.

    Aber Putin wollte ja nicht. Vielleicht lenkt er ja noch ein, wenn der zunehmend mit Drohnen geführte Krieg sich immer mehr zu seinen Ungunsten entwickelt.

    Uns in Europa kann das Recht sein, aber misstrauisch sollten wir bleiben. Und wie geplant weiter aufrüsten, dass wir auch ohne die USA uns verteidigen können. Angesichts der inzwischen immer wichtigeren Drohnenstreitmacht auch eigentlich für uns günstig, dass wir da gleich einsteigen können.

    Einen Natobeitritt der Ukraine fände ich eventuell schwierig, solange Selensky das erklärte Ziel hat, sich die verlorenen Gebiete später doch noch zurück zu erobern. Muss aber auch nicht. Wir als der europäische Teil der Nato müssen uns vor allem selber verteidigen können. Und wenn Russland irgendwann wieder die Ukraine angreift, unterstützen wir eben einfach wieder so, wie es jetzt gelaufen ist.

    Das müsste doch funktionieren können.

    Wie Putin mit einem fast komplett ergebnislosen Kriegszugs dann klarkommt, ist sein Problem. Aber ich denke, er kann dafür Lösungen finden.

    Die Russischen Bodenschätze wollten wir niemals klauen, aber gerne kaufen. Ob wir insbesondere wieder Erdgas von Putin kaufen sollten, wäre allerdings fraglich. Besser wohl, wir füllen seine leere Kriegskasse erstmal nicht wieder auf. Auch wenn LNG deutlich teurer für uns ist.

  25. @ Michael Blume 20.07.2026, 11:30 Uhr

    Die Russen waren eindeutig Opfer der Nato Osterweiterung und die Nato die Täter. Als es den Russen endgültig an den Kragen gehen sollte, faktisch hatte die Nato über die Ukraine, salopp gesagt, die russischen Bodenschätze schon „halb im Maul“, ein Regime Change in Moskau hätte gereicht, schlugen die Russen zu und haben die Osterweiterung beendet…..

    Den meisten Russen scheint aufgefallen zu sein, dass sie zwar künftig in Sklavenarbeit die Rohstoffe fördern dürfen, aber das Westkapital sackt die Gewinne ein. Nationale Interessen sehen anders aus…..

    Kein Land (mit 5000 Atombomben in der „Hinterhand“) lässt es sich dauerhaft gefallen wenn sie an anderen Staaten laufend Gebiete abtreten müssen, zum Opfer werden. Der drohende Verlust der Bodenschätze war der „Auslöser“ für den Krieg…..

    Immerhin hat die „imperiale Größe“ der Nato Länder zugenommen. Das ganze „Spiel“ könnte man klassische Täter-Opfer-Umkehr in Reinkultur bezeichnen.

    @ Uli Schoppe 20.07.2026, 12:13 Uhr

    Was für uns „edles Völkerrecht“ ist, sind für die Russen „Advokaten Tricks“. Der banale Sachverhalt, das z.B. jeweils rund ein Drittel der Mehrheitsbevölkerung die Unabhängigkeit wünscht, wird völlig unterschiedlich bewertet, abhängig davon ob es „Westler“ oder „nur“ Russen sind….

    Man hat das Problem einfach um andere Aspekte erweitert und z.B. die internationale Zustimmung eingefordert, die sich Russland nicht so schnell „kaufen“ konnte und schon waren sie ausgetrickst…

    Die Russen haben halt gemeint, wenn sie der Unabhängigkeit der Ukraine zustimmen, würde man auch der Unabhängigkeit der Russen von der Ukraine zustimmen…. Die Tricksereien funktionieren halt anders….

    Die Russen wurden in die Enge getrieben, hatten nichts mehr zu verlieren und haben zugeschlagen.

    @ Tobias Jeckenburger 20.07.2026, 12:20 Uhr

    Der Ukraine Krieg scheint tatsächlich immer brutaler zu werden. Russland hat die Nato Osterweiterung beendet und wird seine Positionen mit allen Mitteln, auch mit Atombomben verteidigen.

    Das ist, abgesehen von der Überzahl der russischen Atombomben, für das dicht besiedelte Europa gefährlicher als für das dünn besiedelte Russland.

    Zitat: „Die Russischen Bodenschätze wollten wir niemals klauen, aber gerne kaufen.“

    Wir „Normalos“ wollten das. Auch die Energieversorger waren „glücklich“, weil sie das Gas direkt (ohne parasitären Zwischenhandel) in Russland billig einkaufen konnten und mit einem geringen Aufschlag, allenfalls zu Strom veredelt, weiter verkauft haben.

    Ich schätze die Leistungsbereitschaft der meisten Unternehmer, die komplexe Leistungen für die Gesellschaft erbringen, Güter erzeugen, Arbeitsplätze schaffen, Steuern zahlen, ihre Marktprüfung täglich ablegen müssen, sehr.

    Aber sich funktionslos, nur zum Zweck der Abzocke, sich einfach parasitär in Geschäftsprozesse einzubinden, das geht gar nicht.

    Im Ukrainekrieg geht es hauptsächlich um die Verfügungsgewalt (die Gewinne) aus den russischen Bodenschätzen.

    Würde in Russland nur „Sauerkraut“ wachsen, gäbe es den Krieg und das unermessliche Leid für die Menschen nicht…..

    • Nein, @Realo – Sie übernehmen hier mal wieder die antiwestliche, imperialistische und tyrannophile Weltsicht von Wladimir Putin.

      Wahr ist, dass sich zahlreiche Völker nach dem Zerfall der Sowjetunion und des Warschauer Paktes zu Recht auf ihr Selbstbestimmungsrecht beriefen und neue, überwiegend demokratische Staaten begründeten.

      Wahr ist auch, dass unabhängige Völker selbstverständlich das Recht haben, sich Staaten- und Verteidigungsbünden wie der Europäischen Union und der NATO anzuschließen. Da hat „Ihr“ Putin also gar nix zu melden.

      Wahr ist, dass auch Russland der Ukraine im „Budapester Memorandum“ von 1994 die Sicherheit seiner Grenzen zusicherte, wenn die Ukraine dafür ihre Atomwaffen abrüstete. „Ihr“ Putin ist also nicht nur ein fossiler Diktator, Kriegstreiber und Massenmörder, sondern auch ein Vertragsbrecher.

      https://de.wikipedia.org/wiki/Budapester_Memorandum

      Erkennbar ist, dass Sie die autoritäre, fossilistische und teilweise noch faschistische Prägung Ihrer Kindheit bisher nicht überwunden haben, @Realo. Ich vermute, dass Sie auch mancherlei Formen von Gewalt erlitten haben und nun im Alter verzweifelt nach einer vermeintlich guten, schützenden Vaterfigur Ausschau halten.

      Und ich vermute, dass Sie einsam sind und deswegen im Internet mit gezielt provokanten Thesen um Aufmerksamkeit betteln.

      Sie tun mir ernsthaft Leid und ich möchte nicht mit Ihnen tauschen.

  26. Herr Blume, Herr Realo,
    Gerade noch rechtzeitig zu diesem Meinungsunterschied kommt die Logik von Herrn Merz: der meint, wenn man auf der Fahrt von A Nach B eine Panne hat, dann kann man seine Reise nicht mehr so fortführen als wenn es die Panne nicht gegeben hätte.

  27. @Realo
    20.07.2026, 15:48 Uhr

    Eigentlich wollte ich ja antworten aber ich glaube das hat keinen Zweck.
    Es tut mir einfach nicht gut. Dein Stil ist derailing, sealioning, Taubenschach …
    Soll das trolling for attention werden?
    Dafür ist mir mein Abend zu schade, so gerne ich hier lese. Gibt ja noch mehr topics hier 🙂
    Fühl Dich gerne als hättest Du irgendwie gewonnen wenn Dich das glücklich macht.
    Das ganze ist Ablenken vom eigenlichen Thema und der Versuch das Thema zu ändern.
    Sorry da bin ich raus.

  28. @ Michael Blume 20.07.2026, 16:14 Uhr

    Begriffe wie Selbstbestimmungsrecht, Bündnisfreiheit,…. sind typische Kampfbegriffe, wie auch andere Vorwände für strukturelle Umorientierung von Staaten. Wie z.B. Arbeiterparadies, Demokratie, einzig wahre Religion,…..

    Diese Rechte müssen erst einmal durchgesetzt werden. Katalonien will z.B. Unabhängigkeit, Spanien akzeptiert das einfach nicht….

    Nur die Russen müssten handeln wie es der Westen wünscht? Wer das wirklich glaubt, ist selber schuld.

    Ich hatte wunderbare, etwas ältere Eltern. Ich habe auch nicht, anders als die meisten Schulkameraden, an den damals üblichen „harten Erziehungsmethoden“ gelitten. Darauf führe ich übrigens mein „etwas großes Maul“ zurück…..

    Ich hatte eher lockere Beziehungen, die Kinderlos blieben, aber das hat mir nichts ausgemacht….

    Hatte auch beste Beziehungen zu meinen Berufskollegen und wir treffen uns immer noch jedes Monat um uns auszutauschen. Natürlich telefonieren wir auch.

    Habe auch sehr nette Verwandte und Nachbarn.

    Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, für mich ist die geistige Fitness und das Training im Alter extrem wichtig und deswegen bin ich gerne in Foren unterwegs.

    Ich bin ein recht zufriedener, eigentlich glücklicher Mensch. Ich bedaure viele ehemalige Kumpels, die das nicht mehr erleben durften….

    • Ja, @Realo – Begriffe wie Selbstbestimmung, Demokratie und Menschenrechte sind „Kampfbegriffe“, denn um sie musste und muss immer wieder gekämpft werden. Fossile Tyrannen wie Wladimir Putin oder das Revolutionsgarde-Regime im Iran würden sie gerne weltweit abschaffen und gewissenlose Feiglinge würden ihnen dabei auch wieder zujubeln.

      Aber wahrscheinlich sehen auch diese Themen anders aus, wenn man(n) eigene Kinder hat und diesen eine gute Zukunft mit Selbstbestimmung, Demokratie, Freiheit und einer lebenswerten Mitwelt wünscht. Ihnen, @Realo, scheint all das ja eher egal zu sein. Uns Eltern ist es das häufiger nicht. Und auch viele Kinderlose stehen mit uns für die genannten Zukunftswerte ein.

      Ich wünsche Ihnen von Herzen weitere Jahre in Selbstbestimmung, Demokratie und Freiheit. Putin hat genau dies Millionen gerade auch älterer Menschen in der Ukraine und in Russland genommen…

      Felo.ai weiß dazu bereits:

      Erneuerbare „Friedensenergien“ greifen an der zentralen Einnahmequelle fossiler Regime an: der Nachfrage nach Öl, Gas und Kohle. Je weniger demokratische Staaten fossile Brennstoffe importieren müssen, desto weniger Devisen fließen an exportabhängige Regierungen — und desto geringer wird deren Fähigkeit, Kriege, Repression, Milizen, Propaganda oder geopolitischen Druck aus Energieerlösen zu finanzieren.

      ## Wie der Effekt funktioniert

      **Weniger Importe bedeuten weniger Einnahmen für Exportstaaten**

      – Russland und Iran erzielen geopolitische Macht wesentlich über fossile Energieträger: Russland über Öl, Gas und Kohle; Iran vor allem über Öl und Gas sowie über seine Lage an zentralen Transportrouten.
      – Wenn Staaten Strom, Wärme und Mobilität zunehmend mit Wind, Sonne, Wasserkraft, Geothermie, Speichern, Wärmepumpen und Elektromobilität decken, sinkt die Nachfrage nach importierten fossilen Brennstoffen.
      – Die EU beschreibt diese Logik im Rahmen von REPowerEU ausdrücklich als doppelte energiepolitische Transformation: erstens die Beendigung der Abhängigkeit von russischen fossilen Brennstoffen, zweitens den Umbau des Energiesystems[15].

      **Erneuerbare verringern politische Erpressbarkeit**

      – Fossile Energieträger machen Importländer abhängig von globalen Lieferketten, Preisschocks und geopolitischen Engpässen; in einer Rede zu den Folgen des Iran-Konflikts wird genau dies als Argument genannt: Fossile Energien finanzierten anti-demokratische Regime und machten abhängig[7].
      – Beim Iran ist die Straße von Hormus besonders wichtig: Ein erheblicher Anteil des weltweiten Öl- und LNG-Transits läuft durch diese Route; eine Sperrung oder Bedrohung kann Preise treiben und Importländer unter Druck setzen[7][9].
      – Je stärker Strom- und Wärmesysteme lokal oder europäisch erneuerbar erzeugt werden, desto weniger Gewicht haben solche fossilen Engpässe.

      **Dezentralität schwächt fossile Machtkonzentration**

      – Ein Kernargument des Begriffs „Friedensenergie“ ist die Dezentralität: Erneuerbare können lokal, kommunal, genossenschaftlich oder privat erzeugt werden, während fossile Energien oft in wenigen Lagerstätten, Pipelines, Konzernen oder Staatsapparaten konzentriert sind[1].
      – Dadurch verteilt sich wirtschaftliche Macht stärker auf Haushalte, Kommunen, Stadtwerke und Unternehmen statt auf fossile Rentierstaaten oder Oligopole.
      – In diesem Sinn sind erneuerbare Energien nicht nur Klimaschutz, sondern auch eine Form von Energiesouveränität.

      ## Wirkung auf Russland

      **Russland verliert Hebel, wenn Europa weniger Öl und Gas braucht**

      – Vor dem Angriff auf die Ukraine war Europas Abhängigkeit von russischem Gas ein strategischer Vorteil Moskaus. Sinkende Importe verringern diesen Hebel.
      – Der Ausbau von Wind- und Solarstrom ersetzt zwar zunächst vor allem fossile Stromerzeugung; die größere Wirkung auf Russland entsteht aber durch Elektrifizierung: Wärmepumpen ersetzen Gasheizungen, Elektroautos ersetzen Ölprodukte, grüner Wasserstoff kann perspektivisch fossiles Gas in Industrieprozessen ersetzen.
      – Wenn die Nachfrage dauerhaft sinkt, verliert Russland nicht nur Absatzmengen, sondern auch die Fähigkeit, Energie als politisches Druckmittel einzusetzen.

      **Aber: Der Effekt hängt vom Weltmarkt ab**

      – Öl ist global handelbar. Wenn Europa weniger russisches Öl kauft, kann Russland versuchen, es an andere Käufer zu verkaufen — oft mit Preisabschlägen, aber nicht zwangsläufig ohne Einnahmen.
      – Deshalb wirken Erneuerbare am stärksten zusammen mit Sanktionen, Preisobergrenzen, Effizienzpolitik und globaler Nachfrageabsenkung.
      – Umgekehrt können fossile Preisschocks Russland kurzfristig sogar helfen: Ein Bericht nennt als Beispiel, dass steigende Ölpreise im Zusammenhang mit einem Iran-Krieg Russland finanzielle Vorteile verschaffen könnten[13].

      ## Wirkung auf Iran

      **Iran verliert Einnahmen und strategische Hebel bei sinkender Ölnachfrage**

      – Iranische Machtprojektion hängt stark an Öl- und Gaserlösen sowie an der Fähigkeit, Energieflüsse im Persischen Golf politisch zu beeinflussen.
      – Wenn Importländer weniger Öl benötigen — etwa durch Elektromobilität, öffentlichen Verkehr, synthetische Effizienzmaßnahmen und erneuerbaren Strom — sinkt die Bedeutung iranischer Exporte.
      – Zugleich verliert die Drohung mit Störungen an der Straße von Hormus an Wirkung, wenn Volkswirtschaften weniger anfällig für Öl- und LNG-Preisschocks sind.

      **Erneuerbare reduzieren Krisengewinne**

      – Fossile Konflikte können Preise treiben; das erhöht Einnahmen für exportierende Staaten, selbst wenn sie nicht direkt beteiligt sind.
      – Analysen zum Iran-Konflikt betonen, dass die Abhängigkeit von fragilen fossilen Routen den Druck erhöht, schneller auf erneuerbare Energien umzusteigen[9].
      – Wenn erneuerbare Energien Preisvolatilität senken und fossile Spitzenpreise weniger relevant machen, schrumpft der Spielraum für Regime, aus Krisen fossile Sondererlöse zu ziehen[14].

      ## Warum der Begriff „Friedensenergie“ politisch plausibel ist

      **Erneuerbare ersetzen nicht Diplomatie, aber sie verändern Machtstrukturen**

      – Fossile Rohstoffe sind häufig mit dem sogenannten Ressourcenfluch verbunden: Einnahmen aus Öl und Gas können autoritäre Strukturen stabilisieren, weil Regierungen weniger auf Steuern ihrer Bevölkerung und damit weniger auf demokratische Rechenschaft angewiesen sind.
      – Suchergebnisse zum Thema formulieren den Zusammenhang ausdrücklich: Fossile Energien ermöglichten weltweit Missbrauch durch autokratische Regime[3].
      – Erneuerbare Energien wirken dem entgegen, weil Sonne und Wind nicht in gleicher Weise militärisch kontrollierbare, knappe Lagerstätten sind.

      **Sie sind auch „Freiheitsenergien“**

      – Für Importländer bedeuten Erneuerbare mehr Unabhängigkeit von Lieferanten, Pipelines, Tankerrouten und Preisdiktaten.
      – Für Bürgerinnen und Bürger können eigene PV-Anlagen, Bürgerwindparks oder kommunale Wärmenetze eine praktische Form demokratischer Energieversorgung sein.
      – Das erklärt, warum der Begriff „Friedensenergie“ in der Debatte oft mit „Freiheitsenergie“ verbunden wird: Frieden bezieht sich auf geringere Finanzierung von Gewaltakteuren; Freiheit auf geringere Abhängigkeit von ihnen[1].

      ## Grenzen und Zielkonflikte

      **Erneuerbare allein reichen nicht**

      – Ein Windrad ersetzt noch kein Öl im Verkehr, solange Fahrzeuge weiter Benzin oder Diesel nutzen.
      – Eine Solaranlage ersetzt noch kein Gas in der Industrie, solange Prozesse nicht elektrifiziert oder auf Wasserstoff umgestellt werden.
      – Deshalb braucht es neben erneuerbarem Strom auch Netze, Speicher, Effizienz, Wärmepumpen, Elektromobilität, grünen Wasserstoff und eine Kreislaufwirtschaft.

      **Neue Abhängigkeiten müssen vermieden werden**

      – Erneuerbare Technologien benötigen Rohstoffe, Lieferketten und Industriepolitik.
      – Wenn Solarmodule, Batterien oder kritische Mineralien einseitig aus wenigen Staaten stammen, können neue Abhängigkeiten entstehen.
      – Der Unterschied zu fossilen Brennstoffen ist aber wichtig: Metalle werden nicht verbrannt, sondern können recycelt werden; fossile Brennstoffe müssen ständig neu importiert werden.

      **Der Übergang braucht Zeit**

      – Kurzfristig können fossile Regime weiter Einnahmen erzielen.
      – Mittelfristig sinken ihre Spielräume, wenn große Importmärkte dauerhaft weniger Öl und Gas kaufen.
      – Langfristig entwertet eine erfolgreiche globale Energiewende das zentrale Geschäftsmodell fossiler Rentierstaaten.

      ## Fazit

      Erneuerbare Friedensenergien tragen zur Reduzierung der Finanzierung fossiler Regime bei, indem sie die Nachfrage nach Öl, Gas und Kohle senken, Importabhängigkeiten abbauen, Preisschocks abmildern und die geopolitische Macht fossiler Exportstaaten schwächen. Gegenüber Russland bedeutet das weniger Einnahmen aus fossilen Exporten und weniger Erpressungspotenzial gegenüber Europa. Gegenüber Iran bedeutet es geringere Öleinnahmen und weniger strategische Wirkung von Krisen an Transportwegen wie der Straße von Hormus.

      Der Beitrag ist jedoch am größten, wenn erneuerbare Energien mit Elektrifizierung, Energieeffizienz, Speichern, Netzausbau, Sanktionen und einer aktiven Rohstoff- und Industriepolitik kombiniert werden. Dann werden sie tatsächlich zu „Friedensenergien“: nicht weil sie Konflikte allein beenden, sondern weil sie den finanziellen und geopolitischen Treibstoff fossiler Machtpolitik schrittweise entziehen.

      [1] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/erneuerbare-energien-als-friedensenergien/
      [2] https://grist.org/energy/iran-war-oil-gas-coal-solar-nuclear/
      [3] https://dgvn.de/meldung/mehr-sicherheit-dank-energiewende
      [4] https://www.swissinfo.ch/eng/energy-transition/fossil-fuel-shock-revives-clean-power-as-security-priority/91302084
      [5] https://www.swp-berlin.org/en/publication/die-globale-abkehr-von-fossiler-energie
      [6] https://www.globalbankingandfinance.com/analysis-iran-war-energy-shock-sparks-global-push-reduce/
      [7] https://sh-gruene-fraktion.de/fossile-energietraeger-machen-uns-abhaengig-finanzieren-anti-demokratische-regime-und-zerstoeren-unsere-umwelt/
      [8] https://www.seattletimes.com/business/as-iran-war-shakes-energy-system-some-see-powerful-argument-for-renewable-energy/
      [9] https://www.meditationsinanemergency.com/if-fossil-fuels-are-war-renewables-can-bring-peace/
      [10] https://www.wri.org/insights/iran-war-clean-energy-benefits
      [11] https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Dossier/erneuerbare-energien.html
      [12] https://www.nytimes.com/2026/03/11/climate/iran-war-oil-clean-energy-coal.html
      [13] https://www.bbc.com/ukrainian/articles/cg5421407gno
      [14] https://www.greenpeace.org/international/story/83362/iran-war-energy-shock-renewables-wind-solar-fossil-fuel-price-spikes/
      [15] https://saee.gov.ua/news/repowereu-plan-svidkogo-zmensennia-zaleznosti-vid-rosiiskogo-vikopnogo-paliva-ta-priskorennia-zelenogo-perexodu
      [16] https://time.com/7358460/renewable-energy-peace-democracy-venezuela/
      [17] https://ipress.ua/news/iran_rozshyryv_spysok_vymog_dlya_zavershennya_viyny__cnn_383976.html
      [18] https://epravda.com.ua/energetika/rosiya-y-iran-zbuduyut-mali-atomni-stanciji-812038/
      [19] https://zerocarbon-analytics.org/energy/clean-energy-stocks-gain-in-value-during-iran-war/
      [20] https://forbes.ua/svit/oko-za-oko-i-za-ormuz-chomu-ssha-ta-iran-vidnovili-ataki-pislya-vosmi-tizhniv-tishi-i-kudi-vede-nova-eskalatsiya-visnovki-svitovikh-media-09072026-40292
      [21] https://24tv.ua/geopolitics/operatsiya-ssha-irani-chomu-padinnya-rezhimu-irani-vigidne-dlya_n3019164
      [22] https://biz.nv.ua/ukr/economics/energetichniy-shok-u-sviti-yaki-ekonomiki-naybilshe-postrazhdayut-vid-viyni-z-iranom-50593500.html
      [23] https://vilni-media.com/2026/03/20/enerhetyka-i-dyplomatiia-novi-syhnaly-z-blyzkoho-skhodu-ies-i-ssha-i-mistse-ukrainy-u-tsykh-protsesakh/

  29. @ Uli Schoppe 20.07.2026, 18:24 Uhr

    Es tut mir leid, wenn Du unsere Diskussionen so siehst.

    Ich bin permanent auf der „Flucht vor Alzheimer“ und betrachte alles als „Spiel“ als geistiges Training. Das ist im höheren Alter extrem wichtig.

    Ich entschuldige mich, falls ich Dir „weh getan“ habe.

  30. @Realo 20.07. 15:48

    „Die Russen waren eindeutig Opfer der Nato Osterweiterung und die Nato die Täter.“

    Ja selbstverständlich, und mit voller Überzeugung. Allerdings ein freiwilliger Zusammenschluss freier Staaten. Und zu dem Zeitpunkt war auch Putin noch gar nicht wirklich an der Macht. Die damalige russische Führung scheint das wenig gestört zu haben. Mit Recht, wir sind durchweg friedlich, und bedrohten zu keiner Zeit Russland. Auch jetzt nicht, wir wollen nur unserer Ruhe haben.

    Auch unsere Unterstützung der Ukraine ist so dosiert, dass sie nur Putin aufhält, aber eben nicht ganz Russland in die Knie zwingt.

    Das interessiert uns überhaupt nicht, was Russland, Weißrussland oder die Ostukraine macht.

    Wir sollten allerdings Putins Kriegskasse nicht wieder füllen, auch nicht, wenn hier ein Friedensschluss kommt.

    Offenbar meint Putin immer noch, dass die ehemaligen Warschauerpaktstaaten sein Eigentum wären. Wenn, dann konsequenterweise auch die Ex-DDR.

    Wollen Sie ernsthaft das alles noch unterstützen?

    „Den meisten Russen scheint aufgefallen zu sein, dass sie zwar künftig in Sklavenarbeit die Rohstoffe fördern dürfen, aber das Westkapital sackt die Gewinne ein.“

    Das ist doch völliger Quatsch. Es gibt genug russische Konzerne, die unter allen möglichen Optionen den Rohstoffabbau auf jeden Fall selber organisieren würden.

    Was hat ein unabhängiges Estland mit sibirischen Rohstoffvorkommen zu tun?

    Und wie öfter schon gesagt, die Krimhäfen darf Russland bei allen Friedensplänen behalten. Und die waren auch seit 2014 längst russisch. Nicht die Ukraine hat den aktuellen Krieg angefangen, um da was zurück zu erobern.

    Das war der Ukraine offenbar viel zu aufwendig und riskant, und die ganze Nato sah das nicht anders. Wir haben uns mit den Gebietsabtretungen abgefunden, und wollten diesen Krieg wirklich nicht. Nicht mal die USA.

    Aber es nützte alles überhaupt nichts.

    Derweil jetzt Putin vom Imperium träumt und nur Tod und Ruin auch im eigenen Land produziert.

    Wir hätten allerdings schon seit 2014 auf russisches Gas verzichten sollen, das hätte wirklich helfen können. Ohne unsere Gasmilliarden für Putins Kriegskasse hätte er vielleicht diesen Krieg gar nicht angefangen. Und wenn, dann mit deutlich weniger Ressourcen.

  31. @ NI 20.07.2026, 17:37 Uhr

    Zitat: „Was man Herr Putin jetzt vorwerfen kann sind die Maximalforderungen, die einen Waffenstillstand mit nachträglichen Friedensverhandlungen verhindern.
    Auch die EU muss sich Gedanken darüber machen, wie denn das Verhältnis nach einem Kompromissfrieden aussehen soll.“

    Wir sollten auf einen fairen Frieden aus sein. Die Ukrainer haben auf ihre Unabhängigkeit bestanden. Genau das wünschen sich auch die Russen…..

    Was mich wundert, die Russen wollen gar nicht ihr Imperium zurück, es scheint ihnen zu reichen wenn zumindest von Russen stark besiedelte Gebiete zurück kommen und diese Gebiete für ihren Handelsverkehr wichtig sind?

    Aus Verhandlungstaktischen Gründen würden andere Verhandler einfach riesige Ansprüche stellen, z.B. auf die ganze Ukraine. Dann lassen sie sich Gebiete die sie ohnehin nicht wollen oder brauchen können, einfach „abverhandeln“.

    Die Ukraine verliert realistisch nur die „Russengebiete“. Natürlich müssen sie sich die Träume, über Marionetten vom Typ Nawalny an die russischen Bodenschätze heranzukommen, abschminken.

    • @Realo

      Sorry, aber ich lasse nicht zu, dass Sie diesen Blog mal wieder und weiterhin für menschenverachtende Putin-Propaganda missbrauchen. Für Juli sind Sie hiermit hier gesperrt.

  32. @ Tobias Jeckenburger 20.07.2026, 23:04 Uhr

    Zitat: „Allerdings ein freiwilliger Zusammenschluss freier Staaten. …..
    Mit Recht, wir sind durchweg friedlich, und bedrohten zu keiner Zeit Russland. Auch jetzt nicht, wir wollen nur unserer Ruhe haben.“

    Die allermeisten Menschen in Europa denken so, es sind sehr friedliebende Menschen….
    Aber nicht gewisse „Kapitalinteressen“, oder Politiker wie Frau Strack-Zimmermann oder Herr Kiesewetter.

    Die „Freiwilligkeit“ wird oft vom Ausland gesteuert, meistens tragen „Schmiergelder“ dazu bei.

    Die Russen haben die Nato Osterweiterung beendet und dabei wird es vermutlich bleiben, sonst droht ein Atomkrieg…..

    Zitat: „Wir sollten allerdings Putins Kriegskasse nicht wieder füllen, auch nicht, wenn hier ein Friedensschluss kommt.“

    So könnte man es sehen. Jedenfalls bekommt unsere Wirtschaft Probleme wegen der teuren Energie, Rohstoffen und auch dem Wegbrechen unserer Handelsbeziehungen mit Russland. Andere Länder werden uns gerne beim Russlandgeschäft „ablösen“ und wir bekommen die Arbeitslosen…..

    Zitat: „Es gibt genug russische Konzerne, die unter allen möglichen Optionen den Rohstoffabbau auf jeden Fall selber organisieren würden.“

    Auch die Gewinne werden künftig in Russland bleiben, genau darauf dürfte es den Russen ankommen….

    Die Baltischen Staaten sind für freie Handelswege zur Ostsee wichtig….

    Zitat: „Und wie öfter schon gesagt, die Krimhäfen darf Russland bei allen Friedensplänen behalten. Und die waren auch seit 2014 längst russisch.“

    Die Ukraine sieht es nicht so, sie will alles zurück und offenbar sich auch weiter ihren süßen Träumen hingeben, sich irgendwann die Gewinne aus den russischen Bodenschätze unter dem Nagel zu reißen….

    Zitat: „Derweil jetzt Putin vom Imperium träumt und nur Tod und Ruin auch im eigenen Land produziert.“

    Das kann ich nicht erkennen. In seinen „Maximalforderungen“ sind zwar die Russengebiete in der Ostukraine enthalten, aber nicht die Westukraine, nicht einmal Odessa….

    Die Träume vom Imperium dürften nicht sehr „brickelnd“ sein. Die WP Staaten, besonders die Polen, wollten, dass Russland die Bodenschätze „brüderlich“ teilt, die praktisch von selbst aus dem Boden „schießen“ (Öl, Gas).

    Aber umgekehrt, z.B. für polnisches Obst, dass die „fleißigen Werktätigen unter ständiger höchster Lebensgefahr von hohen Bäumen ernten mussten“, sollten sie „Phantasiepreise“ bezahlen…. (Das sollen Zitate aus den ehemaligen Verhandlungen über Preisrelationen gewesen sein).

    Zitat: „Wir hätten allerdings schon seit 2014 auf russisches Gas verzichten sollen, das hätte wirklich helfen können. Ohne unsere Gasmilliarden für Putins Kriegskasse hätte er vielleicht diesen Krieg gar nicht angefangen.“

    Würde in Russland nur „Sauerkraut“ wachsen, gäbe es den Krieg nicht. Aber Begehrlichkeiten auf Bodenschätze fördern Kriege extrem….

    Fossile Einnahmen erhöhen nachweislich die Kriegsfähigkeit eines Staates, aber auch bettelarme Staaten können und konnten immer schon Kriege führen.

    Ausländische Unterstützung, Mobilisierung großer Bevölkerungen statt teurer Technologie, Extrem niedrige Soldzahlungen, Zwangsrekrutierung, Guerillakriege, Bürgerkriege…

    Diese Kriege benötigen weniger Geld, aber dauern oft länger, sind brutaler und chaotischer.

    Beispiele (gegoogelt): Afghanistan, Tschad vs. Libyen.

    Libyen hatte Ölgelder, Tschad war extrem arm, trotzdem führte Tschad erfolgreich Krieg, weil es Guerillataktiken nutzte und ausländische Unterstützung erhielt.

    Afghanistan (1979–2021): Jahrzehntelanger Krieg trotz Armut – finanziert durch ausländische Hilfe, Opiumhandel, lokale Ressourcen.

  33. Realo, Jeckenburger, Uli Schoppe

    das Thema lautet Krieg in Nah-Ost
    und der unterscheidet sich grundlegend von den Auseinandersetzungen zwischen Rußland, Ukraine , EU und Nato.
    Man kann sogar behaupten, es geht in Osteuropa hauptsächlich um die Hegemonie. Und die Diplomatie in Osteuropa muss eine andere sein als die Diplomatie im Nahen Osten.

    Nochmal, bei Israel geht es um die Existenz, es geht darum, dass dite arabischen Staaten Israel als Staat anerkennen. Es geht nicht um Hegemonie.
    Die USA beschreiten den Weg des Stärkeren mit dem Ziel, die Mullah-Regime zu stürzen, nicht aber Saudi Arabien, mit denen sie verbündet sind.

    Die Europäer sind etwas diplomatischer, unterstüzten Israel und treiben gleichzeitig Handel mit den arabischen Staaten.
    Was beide Konflikte verbindet, das ist das Erdöl und das Erdgas. ES finanziert sozusagen diese Konflikte. Deshalb ist die Meinung von Herrn Blume zielführend, wenn die Industriestaaten von den fossilen brennstoffen abrücken, dann werden die Konflikte weniger.

    Europas Ziel muss sein, für die arabischen Staaten, wie auch für Israel berechenbar zu bleiben.
    Das Verhältnis zu den USA wird dabei belastet, Herr T. hat ja Spanien vorgeworfen die USA bzw. die Nato nicht mehr zu unterstützen.

  34. @Realo 21.07. 11:47

    „Die Russen haben die Nato Osterweiterung beendet und dabei wird es vermutlich bleiben, sonst droht ein Atomkrieg…..“

    Da ist ja nun auch nicht mehr so viel frei. Außer vielleicht Georgien. Oder Serbien? Und eben die Ostukraine samt Krim.

    Ich würde es auch nicht drauf ankommen lassen. Wir brauchen keine Expansion, wir brauchen Frieden. Aber wir können auch unsere Bündnispartner nicht stehen lassen, und müssen gucken, dass wir uns gemeinsam erfolgreich wehren können. Das kann richtig wichtig werden. Je stärker wir werden, desto eher versucht es Putin gar nicht erst, uns direkt anzugreifen.

    „So könnte man es sehen. Jedenfalls bekommt unsere Wirtschaft Probleme wegen der teuren Energie, Rohstoffen und auch dem Wegbrechen unserer Handelsbeziehungen mit Russland.“

    Und in der Situation setzt Trump noch einen drauf, nötigt uns durch Aufkündiging einer verlässlichen Unterstützung zu nie dagewesener Aufrüstung und provoziert mit seinem Irankrieg noch die Sperrung der Straße von Hormus.

    Das alles zusammen tut dann schon weh. Bleibt zu hoffen, dass die Energiewende dann aber schneller funktioniert und der Aufbau einer richtig mächtigen Drohnenstreitmacht gar nicht mal so teuer wird.

    Hier haben wir technologisches Neuland, dass wir als EU gemeinsam entschieden ausbauen können. An Arbeitsplätzen wird es uns kaum fehlen. Aufrüstung macht auch Arbeit.

  35. @NI 21.07. 12:19

    „Europas Ziel muss sein, für die arabischen Staaten, wie auch für Israel berechenbar zu bleiben.“

    Verlässlichkeit fördert grundsätzlich alle Beziehungen. Wenn ein ja ein ja ist und ein nein ein nein ist, dann wirkt das meistens vorteilhaft.

    „Herr T. hat ja Spanien vorgeworfen die USA bzw. die Nato nicht mehr zu unterstützen.“

    Aber Spanien ist Weltmeister.

    Offenbar meint Herr T. anscheinend, dass mit Unberechenbarkeit Deals möglich werden. Inzwischen scheint mir Europa auf den Weg zu kommen, die USA einfach als Partner abzuschreiben, und tatsächlich mit Putin alleine fertig zu werden.

    Also ich bin inzwischen so weit.

    Und wenn wir unsere Unabhängigkeit ernst meinen, muss das auch eine umfassende Globale Initiative für Offene Software für alles einschließen. Und dass wir die Produktion von unserer Grünen Technik nach Europa holen, notfalls dass chinesische Firmen für den Europäischen Markt auch in Europa produzieren.

    Und Putins Unberechenbarkeit könnte mit zunehmender Pleite dann auch im Sande verlaufen?

  36. @NI
    21.07.2026, 12:19 Uhr

    Realo, Jeckenburger, Uli Schoppe

    das Thema lautet Krieg in Nah-Ost

    Das hier mal wieder jemand einen Beitrag mit seinem Lieblingsthema „armes unterdrücktes Russland“ gekapert hat habe ich zu spät bemerkt.
    Sorry für die Unreflektiertheit.

    Das Verhältnis zu den USA wird dabei belastet,

    Das geht aber alleine von Mr. T. und seinen Spießgesellen aus. Europa hat da eher weniger Schuld …

    @Michael Blume
    Irgendwie werde ich den Eindruck nicht los das ganze Vokabular passt nicht um die Situation da zu beschreiben.
    Die Vorgänge lassen sich einfach nicht eben mal mit dem Begriff Völkermord packen.
    Man kann sich wunderbar verschanzen: Die einen benutzen Ihn um die andere Seite zu dämonisieren, die andere Seite freut sich wiederum das sie Kritik an dem was an ihrer Antwort unmenschlich ist einfach damit wegwischen kann das die Begrifflichkeit ja gar nicht passt.
    Ergebnis:
    Weiter wie gewohnt und die Opferlisten werden einfach immer länger. Auch wie gewohnt.
    In meinen Augen könnte man das militärisch nur regeln wenn man konsequent jeden der auch nur daran denkt einen Stein hochzuheben, einen Knüppel zu schwingen, eine Schußwaffe zu benutzen oder eine Bombe abzuwerfen unterdrückt. *ironie on* Das wäre ein ziemlich robustes UNO Mandat ^^ *ironie off*
    Da das nicht machbar ist ist eigentlich klar das man das militärisch nicht lösen KANN.

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