Die Wissenschaft / Scientikative als fünfte, unverzichtbare Säule der Gewaltenteilung in jeder demokratischen Republik

Heute morgen kommentierte ich auf Mastodon den Absturz der Bundespolitik, der zu einem großen Teil auf die seit 1961 zunehmende Missachtung von Grundgesetz und Gewaltenteilung zurückzuführen ist;

„Guten Morgen – Tässle Kaffee ☕️️?

Schlimm genug, dass Friedrich Merz eine Energieministerin ins Amt berief, die Lobbyismus für Gas betreibt & damit sowohl die globale Erhitzung wie auch die fossile Finanzierung von Krieg, Terror & Antisemitismus verlängert.

Dass Katherina Reiche dazu aber auch noch höhnt, sie beende das „Rundum – Sorglos – Paket“, halte ich für einen weiteren, kommunikativen Missgriff dieser Bundesregierung. Denn wie Millionen Eltern mache ich mir Sorgen um die verbrennende Zukunft, sehe aktuell die Waldbrände in Frankreich und Spanien.

Zwar haben vernünftige Regierungsmitglieder die „Sparpläne“ der Fossilistin abgemildert. Dennoch werden Zigtausende Arbeitsplätze vernichtet und vor allem Mietende von den erneuerbaren Wohlstandsenergien abgeschnitten, während wir bereits investierten Eigenheimbesitzenden die EEG-Förderung weiterhin genießen.

Dieses mutwillige Abwürgen erneuerbarer Friedensenergien widerspricht zudem der Scientikative wie dem deutschen Klimarat.“

Den Entschluss, die Scientikative als fünfte und vorerst letzte Säule der modernen Gewaltenteilung zu verbildlichen, verdanke ich auch einem Impuls von Reinhold Klein via Mastodon zur bisherigen Vier-Säulen-Darstellung. Die Scientikative aus lateinisch Scientia (Wissenschaft) tritt neben die ebenfalls aus dem Lateinischen gewonnenen Begriffe für die anderen vier „Mächte“ der parlamentarisch-republikanischen Gewaltenteilung, wie sie der französische Adelige Baron de Montesquieu (1689 – 1755) und der irisch-britische Abgeordnete Edmund Burke (1729 – 1797) identifiziert haben.

Die bislang mächtigsten Institutionen der Scientifikative sind neben frühen Impfkommissionen die den Wirtschaftswissenschaften verpflichteten, unabhängigen Zentralbanken, die laut Gesetzen notfalls auch gegen die Regierungen (Exekutive) den Geldwert stabilisieren sollen. Gerade hat der Oberste Gerichtshof der USA (SCOTUS) in einem ebenso bezeichnenden wie bizarren Urteil entlang der sog. Unitary Executive Theory dem US-Präsidenten (POTUS) das Entlassen aller Mitarbeitenden der Administration erlaubt – mit Ausnahme der Zentralbank. Beim Geld hört in den USA nicht nur die Freundschaft, sondern auch die Präsidentschaft auf.

Das gegen die Widerstände auch von christlichen Demokraten auf US-Münzen und Dollarnoten geprägte „In God We Trust“ bekommt so zivilreligiös eine weitere, pikante Bedeutungsebene.

Aber auch wissenschaftliche Institutionen der Medizin, Naturwissenschaften, Akademien und Räte mit gesetzlichen Aufgaben wie der erwähnte, deutsche „Expertenrat für Klimafragen“, umgangssprachlich „Klimarat“ gewinnen an medialen und politischem Gewicht – und werden deswegen von Fossilisten und Rechtslibertären immer wieder erbittert bekämpft. Die interdisziplinär hochwertige KI-Enzyklika durch Papst Leo XIV. trug ihm u.a. China-bezogene Verschwörungsvorwürfe durch Peter Thiel ein.

Hinter der zu langsam wachsenden Macht der Scientifikative stehen oft unangenehme, wissenschaftlich-empirische Erkenntnisse wie:

  • Regierungen können durch die Aufblähung von Geldmengen zwar kurzfristig Zustimmung erkaufen, verursachen damit aber unweigerlich Inflation und Spekulationsblasen.
  • Gefährliche Krankheiten verschwinden nicht durch Ignoranz und Verschwörungsmythen, sondern nur durch aufwändige Gesundheitsmaßnahmen wie Wasser- und Mitweltschutz, Konsumverzicht und Impfungen.
  • Das Rauchen von Tabak reduziert die durchschnittliche Lebenserwartung, die Gurtpflicht beim Autofahren verlängert sie.
  • Fossile Gewaltenergien aus Kohle, vor allem aber aus Erdöl und Erdgas zerstören Mitmenschen und Mitwelt. Sie zentralisieren Macht und Geld bei wenigen, finanzieren Diktaturen, Kriege, Terror und Antisemitismus und befeuern durch Treibhausgase die globale Erhitzung zur tödlichen Klimakatastrophe.
  • Ein demokratischer Regimewechsel gegen diktatorische Fossilregime gelingt nicht alleine mit Bombardierungen.
  • Gegen die säkulare Geburtenimplosion ist auf Dauer kein Wirtschaftswachstum möglich.

Wo die Scientikative missachtet und geschwächt wird, stellen sich daher unweigerlich negative Effekte ein, wie eskalierende Waldbrände in ganz Europa zeigen oder auf spiegel.de aktuell aus den USA berichtet wird:

USA verzeichnen höchste Zahl an Maserninfektionen seit 35 Jahren

[…]

Experten führen den Anstieg auf sinkende Impfquoten zurück. Die durchschnittliche Abdeckung bei Kindergartenkindern sank im vergangenen Jahr auf 92,5 Prozent und liegt damit unter der für die sogenannte Herdenimmunität erforderlichen Schwelle von 95 Prozent. ‌In 16 US-Bundesstaaten fiel die Quote auf unter 90 Prozent.

Kinder als Leidtragende von Anti-Impf-Politik

Viele Gesundheitsvertreter machen für die Entwicklung auch die Impfskepsis von US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. verantwortlich. Dieser hatte wiederholt die wissenschaftlich widerlegte Behauptung verbreitet, Masernimpfstoffe stünden in Verbindung mit ‌Autismus. Im vergangenen Juni entließ er alle Mitglieder des ​CDC-Expertenbeirats für Impfungen.“

So schlage ich also zum besseren Verständnis der parlamentarisch-republikanischen Gewaltenteilung fünf statt der bisher vier Säulen vor:

  1. Exekutive (Regierungen)
  2. Judikative (Justizsysteme, Rechtsstaatlichkeit)
  3. Legislative (Demokratisch gewählte Parlamente)
  4. Publikative (Mediensysteme)
  5. Scientikative (Empirische Wissenschaftssysteme)

Auf dem Giebel einer weißen Tempelfront steht geschrieben: Gewaltenteilung Republik, 21. Jht. Darunter sind die tragenden, fünf Säulen vertikal mit den Elementen der Gewaltenteilung beschriftet: 1. Exekutive, 2. Judikative, 3. Legislative, 4. Publikative und 5. Scientikative.

Darstellungsvorschlag für die Fünf-Säulen-Gewaltenteilung für demokratische Republiken im 21. Jahrhundert. Grafik: Michael Blume, CC-BY-SA. Eine weitere Variante postete auch @TripTilt auf Mastodon.

Die Missachtung der parlamentarisch-demokratischen Gewaltenteilung durch die derzeitige Bundespolitik zeigte sich auch bei der nicht nur kommunikativ missglückten Kabinettsumbildung durch den CDU-Parteivorsitzenden Friedrich Merz (CDU). Nach Artikel 64 (2) GG müssten auch die neuen „Bundesminister“ einen Amtseid vor dem gewählten Bundestag (Legislative) leisten und sich damit auch der verantwortliche Noch-Bundeskanzler der parlamentarischen Debatte stellen. Aber weder der Kanzler noch der Bundespräsident, die Bundestagspräsidentin oder ein Drittel des Bundestages wagen die Einberufung einer Sondersitzung, obwohl sie dazu nach Artikel 39 (3) Grundgesetz ausdrücklich befugt wären:

(3) Der Bundestag bestimmt den Schluß und den Wiederbeginn seiner Sitzungen. Der Präsident des Bundestages kann ihn früher einberufen. Er ist hierzu verpflichtet, wenn ein Drittel der Mitglieder, der Bundespräsident oder der Bundeskanzler es verlangen.

Die auch juristische Kritik des Staatsrechtlers Prof. Alexander Thiele (Judikative & Scientikative) teile ich daher ausdrücklich.

Aus meiner Sicht tendieren derzeit fast alle demokratischen Republiken wie die USA, Deutschland, die Schweiz, aber aktuell auch Israel Konzern-digital, autoritär und fossilistisch zur Missachtung der Gewaltenteilung. Es ist ernüchternd, wie gering die Zahl der demokratisch gewählten Politikerinnen und Politiker, aber auch der Publizierenden, Rechtsprechenden und (Noch-)Wählenden ist, die die damit verbundenen Gefahren für unser aller Zukunft wahrnehmen (wollen). Denn gegen empirisch belegte, wissenschaftliche Gesetze hilft keine politische Macht.

Wie auch bei den früheren vier Gewalten wird sich die Bedeutung der Scientikative den meisten Menschen wohl erst im Rückblick erschließen. Und für sehr viele wird es dann auch leider zu spät sein.

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

127 Kommentare

  1. Weil Säulen Der Demokratischen Republik etwas mit Politischer Bildung zu tun haben!
    Es tut sich eine große Frage auf:
    Welche weißen Flecken hat die jüngere politische Bildung (der Etappen nach dem 2.WK und ab 1990 ) in einigen Köpfen hinterlassen?

    https://
    de.wikipedia.org/wiki/Politische_Bildung

    Obwohl ich so noch nie(!) konfrontiert war, meine ich, um eine großräumige Beschäftigung damit sollte sich nicht herumgedrückt werden.

    Der Beutelsbacher Konsens
    https://
    de.wikipedia.org/wiki/Beutelsbacher_Konsens

    Oder?

    • Vielen lieben Dank für die dialogische Nachfrage, @Ralf H.

      Tatsächlich habe ich Monate damit gerungen, wie die Edukative (das Bildungssystem) und die Scientikative (das empirische Wissenschaftssystem) zueinander stehen. Auch Einrichtungen der Bildungen wie Schulen, Hochschulen und die von mir sehr geschätzten Zentralen für politische Bildung arbeiten ja auf gesetzlicher Grundlage und haben einen notfalls auch gegenüber den anderen Gewalten kritischen Auftrag.

      Dass ich mich zuletzt dann doch gegen ein Sechs-Säulen-Modell entschied, hat damit zu tun, dass die Scientikative zunehmend auch über die Anerkennung und Nicht-Anerkennung von Bildungsabschlüssen entscheidet und auch Bildungsprogramme zunehmend wissenschaftlich-empirisch evaluiert werden.

      In diesem Zusammenhang habe ich mich übrigens auch selbst entschieden, eine Einladung von Bundesministerin Karin Prien (CDU) zu einer Gesprächsrunde in Berlin im Herbst anzunehmen.

      https://www.migazin.de/2026/07/29/familienministerin-will-praevention-gegen-islamismus-staerken/

      Auf dem bisherigen Diskussionsstand würde ich also formulieren, dass die Scientikative zu Recht und sogar zunehmend auch die Edukative bestimmt und es daher bei der Fünf-Säulen-Darstellung belassen.

      • Michael, danke das ist eine für mich nachvollziehbare Antwort.

        Und interdisziplinär: 5 Säulen sind gut.
        Die Fünfgliedrigkeit ist oft anerkannt.

        Ich will es mal so formulieren: Wenn nicht nur bei den Rosengewächsen mit ihren Blütenblättern die Zahl 5, sondern sie uns auch in anderen Zusammenhängen vielfach begegnet, bei Hand und Fuß beispielsweise, dann sollte es gut sein.

        • Ganz herzlichen Dank für das buchstäblich schöne, evolutionär-ästhetische Zusatzargument, @Ralf H. 🙏

          Da ich ja in meiner Arbeit immer wieder betont hatte, dass der Noahsohn Schem / Sem gemeinsam mit seinem Enkel Eber (daraus: Hebräer) schon im Talmud als erster Begründer einer Alphabet-Schule gilt und der deutsche Begriff „Bildung“ von Meister Eckhart über Maimonides, „Rabbi Moyses“, aus 1. Mose 1, 27 abgeleitet wurde, lag meine anfängliche Sympathie sogar stärker bei der Edukative.

          Allerdings beobachtete ich gerade auch in Israel heftige und eskalierende Konflikte um die Finanzierungen der je dialogisch-empirischen und haredisch-dualistischen Bildungssysteme. Und eine Erweiterung der republikanischen Architektur gleich um zwei Säulen erschien (und erscheint) mir als derzeit unangemessen.

          Und ganz aktuell stärkt auch das von Waldbränden geschüttelte Spanien seine Scientikative:

          Der Ministerrat hat an diesem Dienstag die Einrichtung eines wissenschaftlichen Panels für Maßnahmen gegen den Klimawandel beschlossen. Das neue Beratungsgremium soll „unabhängige“ und „multidisziplinäre“ Analysen liefern, um die Ausarbeitung staatlicher Maßnahmen zur Bewältigung der Klimanotlage zu unterstützen.

          „Diese Arbeitsgruppe wird unabhängige, fundierte und multidisziplinäre Analysen liefern, die auf die Bedürfnisse der Ressorts der Regierung eingehen, und sie wird das Expertenwissen stärker in öffentliche Entscheidungen einbinden“, teilte das Ministerium für Wissenschaft, Innovation und Universitäten in einem Kommuniqué (Quelle auf Spanisch) mit.

          Die Initiative geht auf das Ministerium für Wissenschaft, Innovation und Universitäten sowie auf das Ministerium für den ökologischen Wandel und die demografische Herausforderung zurück. Das Expertengremium soll im Herbst offiziell eingesetzt werden.

          https://de.euronews.com/2026/07/28/spanische-regierung-beschliesst-wissenschaftlichen-klimarat-gegen-klimawandel

          Sehr spät, aber doch immerhin.

  2. Guten Tag @Michael,

    Ich habe vielleicht noch nicht tief genug darüber nachgedacht, aber ich könnte mir auch alternativ vorstellen – wie ich bereits auf Mastodon angedeutet habe –, dass die Wissenschaft durchaus zum Fundament der Republik passen würde. Dieses Fundament ist, einer Anregung von Reinhold (@h0ldi@sueden.social) folgend, das Vertrauen. Nur solange Menschen vertrauen in die wissenschaftliche Methode und wissenschaftliche Expertise haben, funktioniert unser System. Für eine eigene Säule spricht hingegen, dass wir ja spätestens in der Corona-Zeit (aber auch schon im Kontext der Diskussionen zur Erderwärmung) gesehen haben, wie schnell dieses Vertrauen verloren gehen oder aktiv von gewissen Akteuren zerstört werden kann. Und dann braucht es vielleicht einer verfassungsmäßig verbrieften Bedeutung als eigenständige Säule der Republik.

    Die Bedeutung der Wissenschaft als eigenständige Säule lässt sich vielleicht an folgender historischer Tatsache veranschaulichen oder motivieren: In der Zeit der Aufklärung wurden in verschiedenen europäischen Ländern wissenschaftliche Akademien gegründet – Institutionen zur Pflege der Wissenschaften, die den Gelehrten jener Zeit (den „savants“) ein Forum für Austausch und Diskussion boten. Beispiele hierfür sind die Royal Society in England, die Académie Royale des Sciences in Frankreich oder die Leopoldina in Deutschland. Diese Akademien waren zunächst dem König unterstellt; heute handelt es sich meines Wissens um unabhängige Organisationen, die die Politik beraten. Im Gegensatz zur verfassungsmäßig verbrieften Funktion des Bundesverfassungsgerichts in Deutschland kann die Leopoldina jedoch nur Empfehlungen aussprechen, keine verbindlichen Weisungen erteilen. Eine unabhängige Säule unserer Republik ist sie daher noch nicht.

    Bezeichnend finde ich in diesem Zusammenhang ein Detail aus der Geschichte der Académie Royale des Sciences: Betrachtet man die Liste ihrer Präsidenten auf der Wikipedia-Seite, so wird diese seit 1699 bis heute kontinuierlich geführt – mit einer einzigen Lücke im Jahr 1794, zur Zeit der Gewaltherrschaft Robespierres. Dies ist nur die Beobachtung eines historischen Laien (von mir), aber sie legt meines Erachtens die Bedeutung der Académie als Institution nahe. Institutionen, die auf unabhängiger Expertise und freiem Diskurs beruhen, sind in totalitären oder autoritären Systemen in der Tat unerwünscht.

    Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr kann ich mich mit dem Gedanken anfreunden, die Wissenschaft als unabhängige Säule der Republik zu etablieren.

    • Vielen Dank für Deine tiefen und dialogischen Gedanken, lieber @Peter 🙏

      Tatsächlich stand bei meinen Entwürfen einer zivilreligiösen, demokratisch-republikanischen Architektur auch der Gedanke der „Gelehrtenrepublik, Res publica literaria“ Pate, die erstmals im 18. Jahrhundert greifbar wird. Allerdings war die „Gelehrsamkeit“ eben noch überwiegend induktiv und nicht empirisch-falsifikatorisch gedacht, so dass über die schöne Idee hinaus zu wenig institutionelle Macht abgeleitet werden konnte. Wikipedia schreibt dazu:

      Res publica ist Latein und bedeutet „Staat“, mit res in der Bedeutung „Sache“ bzw. „Angelegenheit“ und publica für „zum Volk gehörig“, „öffentlich“ – res publica ist also wörtlich die „öffentliche Angelegenheit“; das Adjektiv lit[t]eraria ist mit „zum Lesen und Schreiben gehörig“ oder „schriftlich“ übersetzbar.

      Zur res publica literaria gehörten bis in das 18. Jahrhundert alle wissenschaftlich Publizierenden und alle, die in wissenschaftlichem Austausch miteinander standen – Bibliothekare, Archivare, Universitätsprofessoren, Historiker in öffentlichen Positionen, Theologen in kirchlichen Ämtern, Privatgelehrte. Der Begriff war von der Vorstellung getragen, dass im Bereich der Wissenschaften weder Standesunterschiede noch Nationalität von Bedeutung waren. Während in Europa Monarchien herrschten, bildeten die Gelehrten eine Republik.

      https://de.wikipedia.org/wiki/Res_publica_literaria

      Mit der zunehmenden Differenzierung von empirischen Wissenschaftlern wie (dem studierten Theologen) Charles Darwin (1809 – 1882) und säkular-literarischen Intellektuellen wie Émile Zola (1840 – 1902) deutet sich bereits eine Unterscheidung von Scientikative und Publikative an. Denken wir nur an die argumentative Stärke von Darwins „Origin of Species“ (1859) gegen den Kreationismus und auch des donnernden, offenen Zola-Briefes „J’accuse. Lettre au President de la Republique“ (1898) gegen den Antisemitismus!

      Bis heute ist die Berufsbezeichnung als Journalistin / Journalist in demokratischen Republiken nicht an akademische Abschlüsse und formelle Genehmigungen gebunden, die berufliche Anerkennung als Wissenschaftlerin oder Wissenschaftler aber schon. Immer wieder gibt es auch spektakuläre Stürze über gefälschte bzw. plagiierte Dissertationen.

      Ich würde Dir also zustimmen, dass wir sowohl die französische Académie Royale des Sciences wie auch die großbritannische Royal Society und die endlich 2008 von Bund & Ländern gemeinsam anerkannte Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina als frühe Varianten der Scientikative anerkannt werden sollten, die mehr auch öffentliche Beachtung und Unterstützung verdienen.

      Freue mich schon sehr auf weitere Dialoge mit Dir! 🙏🙌

  3. @Hauptartikel

    „Das Rauchen von Tabak reduziert die durchschnittliche Lebenserwartung,..“

    Was dann wohl allgemein bekannt wäre, nur, welcher Raucher raucht denn freiwillig? Ich kenne nur süchtige Raucher. Und auch ich selber sehe keinen realistischen Weg, meine Sucht loszuwerden.

    Wenn es so teuer wird, dass ich angesichts knapper Kasse echte Finanzprobleme bekomme, dann ist das schon auch existenziell.

    Das Argument mit den raucherbedingten Gesundheitskosten jedenfalls zieht m.E. überhaupt nicht. Raucher sind für die Krankenkassen eher billiger als Nichtraucher, vermutlich weil die öfter einen schnellen kostengünstigen Abgang per Herzinfarkt hinlegen.

    Und die Rentenkassen entlasten wir Raucher in jedem Fall ganz erheblich.

    Und helfen tun mir immer höhere Kosten wirklich nicht. Es geht einfach nicht, die Sucht ist sowieso stärker als jeder Wille.

    Hier sollte also Wissenschaftlichkeit nicht so selektiert werden, dass nur die halbe Seite der Angelegenheit beachtet wird.

    Auch wenn Sucht eine Krankheit ist, die man besser nicht haben sollte, so ist sie dann eben aber dennoch einfach faktisch.

    Ansonsten gefällt mir der Gedanke der Scientikative durchaus. Allerdings ist auch Wissenschaft dynamisch, und die jeweiligen Unsicherheiten in den aktuellen Erkenntnissen sollten mit bedacht werden.

    Was letztlich auch die aktuelle Klimaforschung betrifft. So genau weis man es nicht, wie das Klima in den nächsten Jahrzehnten wirklich weitergeht. Wir müssen hier mit erheblichen Unsicherheiten leben, im Gutem wie im Schlechten. Da hilft kein noch so schneller Supercomputer.

    Wir können nur die Energiewende so konsequent wie möglich durchziehen, in welchem konkreten Klima wir dann enden, wissen wir trotzdem nur sehr ungenau. Welche Baumarten etwa für die Zukunft der deutschen Wälder sinnvollerweise jetzt gepflanzt werden sollten, ist zunächst mal nur Gegenstand aktueller Forschung.

  4. OHA! Ich habe richtig gelesen. Du schreibst „Noch-Bundeskanzler“. Das lässt mich vermuten, dass du mit seinem Scheitern oder Enthebung rechnest.
    Mir drängen sich Parallelen, sprich Reime, zum Scheitern der Weimarer Republik und dem Aufleben des deutschen Faschismus auf.

    Nichts davon wünsche ich mir. So spannend es ist, als Beobachter da zu stehen, aber ich stehe mittendrin und es fühlt sich wie ein Unfall in Zeitlupe an.

    • Lieben Dank für die Nachfrage, @Reinhold

      Aus guten Gründen ist die Amtszeit der deutschen Bundeskanzler eng begrenzt und kann nur durch den Bundestag immer wieder verlängert werden. Auf Basis der exekutiven Parteivorsitzenden – Vorherrschaft seit 1961 ist bereits Merzens Vorgänger Olaf Scholz (SPD) gescheitert.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-bundes-koalitionsvertrag-von-1961-als-abweg-vom-grundgesetz/

      Und leider sehe ich beim CDU-Parteivoritzenden Friedrich Merz (CDU) noch immer keine Lernkurve. Ich hatte ja sehr früh seinen Wortbruch und seine Abstimmung mit der AfD kritisiert – und doch gehofft, er würde sich besinnen:

      https://www.stuttgarter-zeitung.de/lokales/baden-wuerttemberg/michael-blume-antisemitismusbeauftragter-kritisiert-merz-viele-in-der-cdu-leiden-79121377.html

      Auf die deutliche Kritik im CDU-Bundespräsidium habe er „angefasst“ reagiert und auf die deutliche Kritik von über 20 CDU-Bundestagsabgeordneten „onkelhaft“.

      Das reicht nach meiner Auffassung nicht, zumal wichtige Landtagswahlen anstehen und auch die aktuelle Kabinettsumbildung kommunikativ desaströs und ohne Not gegen das Grundgesetz organisiert worden ist. Habe dazu heute u.a. gepostet:

      In Artikel 64 (2) GG heißt es:

      (2) Der Bundeskanzler und die Bundesminister leisten bei der Amtsübernahme vor dem Bundestage den in Artikel 56 vorgesehenen Eid.

      Dazu wäre aktuell eine Sondersitzung nötig, die einberufen werden kann durch die Bundestagspräsidentin Klöckner, den Bundeskanzler Merz (beide CDU), den Bundespräsidenten Steinmeier (SPD) oder ein Drittel der MdB.

      So heißt es in Artikel 39 (3) GG:

      (3) Der Bundestag bestimmt den Schluß und den Wiederbeginn seiner Sitzungen. Der Präsident des Bundestages kann ihn früher einberufen. Er ist hierzu verpflichtet, wenn ein Drittel der Mitglieder, der Bundespräsident oder der Bundeskanzler es verlangen.

      Die demokratisch-republikanische #Gewaltenteilung im deutschen #Grundgesetz auf Basis eines starken #Bundestag wurde aufgrund der NS-Machtergreifung wirklich gut durchdacht & wäre durch eine kluge Bundespolitik auch zu achten. Empfehle ich.

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117009336945844373

      Eine Regierungs-, Partei- oder gar Verfassungskrise ist ja nun wirklich das Letzte, was die Bundesrepublik derzeit brauchen kann. Aber nach dem Abgang von Jens Spahn scheinen sich auch Friedrich Merz und Katherina Reiche noch immer nicht zu fangen, auch der Bundespräsident und die Bundestagspräsidentin lassen es bislang einfach weiterlaufen. Und, ja, das besorgt mich. Sogar sehr.

      • Ich erlebe die meisten Parteien so, dass unter der Oberfläche durchaus Kritik vorhanden ist. Wenn Kritik nach außen tritt, so wie aktuell jetzt, muss es ordentlich kochen, ähnlich wie bei einem Vulkanausbruch.
        Also schließe ich daraus, dass es in der Union gerade sehr heiß her geht.

        • Ja, @Reinhold – das tut es.

          Dagegen sehe ich mit Sorge, dass sich gerade auch auf Mastodon wieder zu viele Linke und Progressive mit parteipolitischem Dualismus gegen die CDU und CSU zufrieden geben. Das Scheitern der Ampel-Fortschrittskoalition und das bemerkenswerte Verhalten der SPD einschließlich des früheren Bundeskanzlers und des amtierenden Bundespräsidenten wird bislang kaum (selbst-)kritisch reflektiert.

          Wie erklärt Ihr Euch dann das Verhalten der SPD und aktuell auch des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier (SPD)?

          Die deutsche Sozialdemokratie hatte ja immerhin die Ampel – „Fortschrittskoalition“ inklusive Kanzlerschaft geführt.

          (Sorry, dass ich auch als Politikwissenschaftler intellektuell bequemen, parteipolitischen Dualismus ungerne stehenlasse. Auch die meisten Linken können ja mehr als das, wenn sie sich anstrengen.)

          https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117009623589816595

          Kognitions- und sozialpsychologisch verstehe ich natürlich, dass das Denken in dualistischen Freund-Feindbildern sehr viel einfacher ist, als sich wirklich auf die bundesrepublikanische Gewaltenteilung und die mimetische Kultur der verschiedenen Parteien einzulassen. Ich bedauere jedoch, dass offensichtlich auch sehr viele politisch interessierte Bürgerinnen und Bürger nur noch vereinfachte Politik-Bilder im Kopf haben und den klug durchdachten Verfassungsbau unserer Bundesrepublik überhaupt nicht mehr verstehen…

          • Von manchen Linken bekam ich ich schon zur Antwort: „wenn ich dir zu links bin, dann bist du vielleicht zu rechts“
            Uff! Ich nenne das die Überheblichkeit der Linken. Der Anspruch auf die einzig mögliche Wahrheit. Was will man da noch diskutieren. Da drehe ich mich schulterzuckend um.

          • Danke für die Beobachtung, @Reinhold

            Nach meinen religions- und politikpsychologischen Beobachtungen finden wir auf der Rechten häufiger das Problem der Reaktanz (emotionale Ablehnung von Neuem, Angst vor Autoritäts- und Privilegienverlust), unter Libertären häufiger Gier und unter Linken häufiger Historizismus (der Glaube an historisch abzuleitenden Gesetzmäßigkeiten, Spitze des Fortschritts zu sein). All dies kann säkular oder religiös verkleidet sein.

            Insofern hat nach meiner Auffassung jedes weltanschauliche Milieu und erst Recht jede mediale Blase Stärken und Schwächen. Und ich empfehle freundlich Dialog und Wissenschaft, um darüber hinaus zu wachsen. Wir sind eben alle Menschen mit Säugetiergehirnen, Mimesis und starker Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Niemand kann alles, aber alle können etwas.

          • Der Politikwissenschaftler Michael Stecker hat in einem Interview in den Tagesthemen https://www.tagesschau.de/tagesthemen/video-1623556.htm mit Blick auf die wahrscheinlichen Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt vorgeschlagen, (wieder) sachorientiert in den Parlamenten abzustimmen und nicht entlang von Parteilinien.

            Eigentlich sollte das ja selbstverständlich sein, ist es aber in der Regel nicht. In Sachsen-Anhalt könnte die „Not“ zur Tugend zwingen. Unvereinbarkeitsbeschlüsse hätten dann nur noch symbolischen Charakter. Ggfs. würde die fünfte Säule zudem an Gewicht gewinnen, weil sie faktenbasierte Entscheidungshilfen geben kann.

            Auch das sollte selbstverständlich sein, ist es aber – siehe u.a. die Gesetzesvorlagen von Frau Reiche – leider nicht.

          • Vielen herzlichen Dank, @Hannes Boekhoff – und Freude über die beginnende Wiederentdeckung des Artikels 38 Grundgesetz!

            (1) Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt. Sie sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.

            Eine Fraktionsdisziplin ist aus meiner Sicht nur statthaft, wenn sie von den Abgeordneten selbst ausgeht. Wird sie aus den Parteien verordnet und erfahren vom Volk gewählte Abgeordnete per Pressekonferenz, wie sie abzustimmen haben – dann wird die parlamentarische Demokratie unseres Grundgesetzes mimetisch ausgehöhlt!

            Wurde in einem FOCUS – Interview durch drei Studentinnen Anfang des Jahres gefragt, was ich am ersten Tag als Bundeskanzler machen würde. Habe spontan geantwortet:

            „Ich würde die Rechte der Parlamente wieder stärken. Ich bin seit über 30 Jahren engagierter Christdemokrat. Aber dass Konrad Adenauer 1961 eine überzogene Fraktionsdisziplin eingeführt hat, die die Freiheit von Abgeordneten einschränkte, finde ich für das 21. Jahrhundert falsch. Wir brauchen wieder einen starken Bundestag und lebendige Landtage. Wir sollten wieder mehr Grundgesetz, Menschenwürde und Dialog wagen.“

            https://www.focus.de/politik/deutschland/es-gibt-keine-gluecklichen-hater_75cc358c-7891-44c6-b34f-3bdb8ba83357.html

            Ich hoffe sehr, Deutschland findet sein Grundgesetz wieder und entdeckt sich als kluge, gewaltenteilige und parlamentarische Demokratie neu.

  5. @Michael 30.07. 15:24

    „die empirischen Erkenntnisse zu gesundheitlichen Risiken für Tabak-Rauchende und Beistehende (sog. „Passivrauchende“)“

    Die Wissenschaft weiß jetzt aber auch um die Schwierigkeiten bzw. auch mal Unmöglichkeiten von der Sucht wegzukommen.

    „die politischen Diskussionen zu verschiedenen Schlussfolgerungen wie Aufklärungskampagnen, Besteuerungen, Verboten“

    Erstmal die Werbung verbieten? Und nicht das Thema missbrauchen, um die Staatskasse zu füllen.

    • Lieben Dank fürs engagierte Diskutieren, @Tobias

      Und spannenderweise haben wir ja gerade die gleiche Diskussion wie früher um den Tabak heute wieder rund um eine Zuckerabgabe / Zuckersteuer.

      Hierzu ein sehr hörenswerter Spektrum-Podcast mit Marc Zimmer & Frank Schubert:

      https://www.spektrum.de/podcast/spektrum-podcast-was-bringt-eine-zuckersteuer/2336133

      Dazu heißt es:

      Bekommt Deutschland bald eine Zuckersteuer? Die Bundesregierung plant jedenfalls, eine Abgabe für gezuckerte Getränke einzuführen. Dabei folgt sie dem Vorbild Großbritanniens. Dort wird seit 2018 eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke wie Cola, Limos und Energy Drinks erhoben. Die Höhe richtet sich nach dem Zuckergehalt des jeweiligen Getränks.

      Das Besondere: Die Zuckersteuer ist eine sogenannte Herstellerabgabe. Das heißt, dass die Getränkeproduzenten sie zahlen und nicht die Kundinnen und Kunden. Aber auch Modelle, bei denen die Softdrinks tatsächlich teurer werden, um Menschen vom Kauf abzuschrecken, werden häufig gefordert.

      Denn das Image von Zucker hat in den vergangenen Jahren gelitten. Menschen ernähren sich bewusster, Zuckeralternativen werden immer beliebter. Kein Wunder: Hoher Konsum zuckergesüßter Getränke steht nachweislich mit Übergewicht, Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Karies in Verbindung.

      Eine erste Zuckersteuer gab es übrigens bereits 1841 auf Runkelrüben, so dass sich am 1. September 1850 ein „Verein für die Rübenzuckerindustrie im Deutschen Zollverein“ als erster Industrie-Lobbyverband in Deutschland gründete!

      https://de.wikipedia.org/wiki/Verein_der_Zuckerindustrie

      Du siehst also auch hier: Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich…

  6. Betreff: die Säulen eines Staates

    Mit der Publikative und Scientikative erweitert sich die politische Sicht auf einen Staat. Davon abgesehen, dass das Wort Scientikative schon schwer zu schreiben ist und genauso schwer zu merken.

    Das 3 Säulen Gebäude ist leicht zu merken und……jede Säule beruht auf einer Wahl. Und damit sind diese drei Säulen auch Institutionen.
    Die Publikative wird nicht gewählt und ist nur im übertragenen Sinne eine Institution.
    Mit der Scientikative wird es noch schwieriger. Sie ist gar keine Institution , sie ist eine strukturelle Grundlage für den Staat unabhängig von seiner Staatsform und seiner Regierungsform.

    Meine Meinung. Die 3 Säulen Darstellung ist logisch geschlossen und ausreichend.

    • Danke für das thematische Interesse, @NI. Darf ich zu Ihren Ausführungen etwas nachfragen?

      Sowohl die deutschen Bundespräsidenten, Bundeskanzler (Exekutive), die Richterschaften (Judikative), ÖRR-Intendanten (Publikative) und auch die Mitglieder von Bundesbank und Klimarat, Leopoldina (Scientikative) werden indirekt gewählt. Eine Volkswahl erfolgt lediglich für die Abgeordneten des deutschen Bundestages, wobei auch hier das Wahlrecht mit allzu starker Betonung von Parteilisten gegenüber Direktmandaten zunehmend umstritten ist.

      Die scientikative, deutsche Bundesbank hat übrigens u.a. in Artikel 88 G ausdrücklichen Verfassungsrang – inklusive der Möglichkeit, Zuständigkeiten an die Europäische Zentralbank zu übertragen.

      https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_88.html

      Insofern kann ich Ihr Argument gegen die begriffliche fünf-Säulen-Architektur der demokratisch-republikanischen Gewaltenteilung nicht wirklich nachvollziehen. Wollen Sie es noch einmal überdenken oder erklären? Vielen Dank! 🙏

  7. Wissenschaft als 5. Säule.

    Heute muss sich die Wissenschaft an ethischen Grundsätzen orientieren. Das war nicht immer so, wenn wir an die schlimmen Verbrechen von Medizinern u.a. während des 3. Reiches denken. Die Wissenschaft war immer auch eine Stütze der Herrschaft absolutistischer Monarchen.

    Universitäten dienten neben der akademischen Wissensvermittlung auch immer der Glorifizierung ihrer Gründer und trugen deren Namen durch die Jahrhunderte. Beispiele dafür sind die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

    Am Beispiel der Hohen Karlsschule in Stuttgart (1770-1794; benannt nach Herzog Carl Eugen von Württemberg, 1728-1793) lässt sich gut erkennen, dass Wissen(schaft) Macht war/ist. Militärwissenschaft, Jura, Philosophie, Medizin, Mathematik, Naturwissenschaft, Verwaltungs- und Wirtschaftswissenschaft, Alte Sprachen/Geschichte, Geographie, Architektur, Forstwissenschaft, Kameralwissenschaft etc.

    Zu den Schülern und Studenten gehörten Söhne des Adels, aber auch viele bürgerliche. Neben katholischen und protestantischen Christen gab es u.a. auch jüdische Absolventen. Der Stuttgarter Bankier Moses Benedikt war einer davon.

    Wissenschaft, die an der Hohen Karlsschule vermittelt wurde, zeitigte bis ins 19. Jahrhundert hinein Erfolge. Georges Cuvier begründete die Paläontologie.

    Den Status einer tragenden Säule hatte Wissenschaft jedoch nicht.

    • Vielen Dank und volle Zustimmung, @Marie H. – wie schon die Namen der „Academie Royale“ (französisch, auch belgisch), der „Royal Society“ (britisch) oder auch der deutschen „Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft / KWG“ (heute: Max-Planck-Gesellschaft, MPG) ja zeigen, waren die frühen, wissenschaftlichen Institutionen überwiegend autoritär und fossilistisch ausgerichtet. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte vielerorts – aber keineswegs überall – eine selbstkritische Reflexion, die auch heute noch nicht abgeschlossen ist.

      Und leider gibt es auch heute wieder beschämende Gesten der Unterwerfung auch aus der Scientikative, hier ganz aktuell aus den USA:

      New Orleans – Fünf anerkannte Diabetes-Fachleute sind wegen eines regierungskritischen Texts vom Jahreskongress der American Diabetes Association (ADA) ausgeschlossen worden. Die Polizei warf die Experten Medienberichten zufolge auf Geheiß der Veranstalter der ADA aus dem Konferenzgebäude. Sie hätten gegen interne Regularien verstoßen, hieß es.

      Einige Tage später entschuldigte sich der Chief Executive Officer der ADA, Charles Henderson, in einer Videobotschaft bei den Betroffenen. „Mit tun die Verletzungen, die Frustration und der Schmerz, die dadurch entstanden sind, sehr leid.“ Viele Mitglieder der Diabetes-Gemeinschaft seien durch das Geschehene enttäuscht und besorgt. Henderson kündigte eine unabhängige Untersuchung an, ein solcher Vorfall dürfe sich nicht wiederholen.

      Die Diabetes-Fachleute hatten auf der Konferenz in New Orleans die gedruckte Version eines zum Teil von ihnen geschriebenen Leitartikels verteilt. In dem Text, der in dem ADA-Journal Diabetes Care erschienen war, gehen die Autorinnen und Autoren insbesondere mit der Gesundheits- und Forschungspolitik der US-Regierung hart ins Gericht.

      Über den Rauswurf berichteten verschiedene Medien, unter anderem die Washington Post, die New York Times und das British Medical Journal (BMJ). Das Onlineportal Medpage veröffentlichte ein Video von dem Vorfall.

      „Sie haben uns physisch gepackt, uns aus dem Konferenzzentrum gezwungen und sagen uns nun, dass wir nicht mehr an dieser Veranstaltung teilnehmen dürfen“, sagte Aaron Kelly, Co-Direktor des Centre for Paediatric Obesity Medicine und Professor für Pädiatrie an der University of Minnesota, der zu den Rausgeworfenen gehört. „Es ist wirklich so weit gekommen in Amerika. Zensur ist Realität“, sagte er der Washington Post.

      https://www.aerzteblatt.de/news/nach-regierungskritik-organisatoren-von-us-diabeteskongress-werfen-fachleute-raus-b5ee8d0c-2b55-4d4f-820d-4efa40d62fac

      Wir sollten uns also nach allen historischen Erfahrungen nicht darauf verlassen, dass die Judikative, die Publikative und die Scientikative standhalten, wenn fossile Faschisten die Exekutive und Legislative unter ihre Gewalt gebracht hätten. Wer von staatlichen Geldern abhängig ist, ist nicht selten auch weltanschaulich korrumpierbar.

      • Besten Dank!

        Vor einigen Jahren nahm ich an einer beruflichen Fortbildung zum Thema „Partizipation“ teil. Konkret ging es um die Beteiligung von Kindern in Kitas und Grundschulen an Entscheidungsprozessen. Erziehungswissenschaftler hatten die Konzepte erarbeitet.

        Damit sollte schon den Jüngsten die Demokratie nahe gebracht werden. Sehr vereinfacht gesagt.

        Mir ist leider nicht bekannt, was daraus geworden ist oder ob solche Programme in welcher Form auch immer heute noch existieren.

        Über eine lange Zeit hielten es Politiker, Wissenschaftlerinnen etc für ein wichtiges gesellschaftliches Anliegen, bei den Heranwachsenden Zivilcourage und den Einsatz in der und für die Gesellschaft zu fördern.

        Eine Zeitlang war gesellschaftliches Engagement sehr en vogue. Fridays for Future ist solch ein Beispiel.

        Wer von den genannten Bestrebungen nicht so richtig profitieren konnten, waren die demokratischen Parteien. Damit meine ich die kontinuierliche Entwicklung der Mitgliederzahlen und nicht solche Wellen an Neu-Mitgliedern wie sie die Grünen nach dem Ampel-Aus erlebt haben.

        Mir scheint, dass die Wahlerfolge der AfD auch ein Zeichen dafür sind, dass viele Mitmenschen sich nicht mehr selbst in den Parteien für die Demokratie engagieren wollen. Diese These wissenschaftlich zu untermauern, wäre spannend.

        Dass NGOs derzeit politisch massiv unter Druck geraten, wenn sie politisch unangenehm auffallen, wird den Willen zum bürgerschaftlichen Engagement noch zusätzlich dämpfen. Ein fatales Signal, wenn ich daran denke, dass wir alle verpflichtet sind uns für das Grundgesetz einzusetzen, damit Demokratie, Menschenrechte und Menschenwürde unseren Kindern und Enkeln erhalten bleiben.

        Angesichts knapper kommunaler Kassen bleiben örtliche Projekte und Initiativen auf der Strecke. In Nürnberg fand in den vergangenen Jahren eine Veranstaltung namens „Rathausclubbing“ statt. Aus Kostengründen wurde die diesjährige Veranstaltung abgesagt. 2027 ist sie in Planung; die vorgestern verfügte Haushaltssperre ist da sicher nicht hilfreich.

        Zum Rathausclubbing lädt die Stadt Nürnberg alle volljährig Gewordenen eines Jahrgangs ein. Ort der Veranstaltung ist das Alte Rathaus. Gastgeber ist der Oberbürgermeister. Ab 21.00 Uhr wird die Nacht zum Tage gemacht. Politik und Unterhaltung.

        Vielleicht sind solche Veranstaltungen in den nächsten Jahren nicht mehr durchführbar, weil das Geld fehlt.

        • Ganz herzlichen Dank, @Marie H., für Ihren dialogischen und inhaltlich tiefen Kommentar!

          Denn, ja, immer wieder werde ich auch von Erziehenden und Lehrenden angesprochen, neulich ganz konkret zum Thema „Demokratiebildung“ auf einer großen Konferenz von einer jungen Lehrerin: Wie ich denn mit den Wünschen von Schülerinnen und Schülern umgehen würde?

          Ich habe auch darauf mit der Gewaltenteilung geantwortet: Es sei wichtig, den Kindern und Jugendlichen einerseits zu vermitteln, dass ihre Stimmen gehört würden (demokratisches Element). Zugleich sei aber auch Schule republikanisch und gewaltenteilig – die Lehrerinnen und Lehrer sowie die Schulleitungen hätten eine Verantwortung, die sie auch nicht einfach auf- und abgeben dürften. Antiautoritäre Schulmodelle seien weitgehend gescheitert, wogegen ich die Freie Demokratische Schule Kapriole in Freiburg als erfolgreich und eben auch gewaltenteilig erlebt hätte.

          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/solarpunk-ist-mehr-als-utopie-schon-heute-gegen-reaktanz-und-arroganz-leben/

          Auch ich sehe mit Sorge, dass es zunehmend zu einer Polarisierung zwischen überzogenem Anspruchsdenken einerseits und nachlassendem, ehrenamtlichem Engagement andererseits kommt. In einem m.E. hervorragenden Artikel meines einstigen KAS-Mentoren Andreas Püttmann zum Rechtspopulismus wird dieser Aspekt auch mit Umfrageergebnissen eindrucksvoll belegt:

          Laut einer Umfrage zu 75 Jahren Grundgesetz meinten 39 Prozent der AfD-Anhänger, das Grundgesetz solle »durch eine neue Verfassung ersetzt werden« (Linke 9 Prozent; Grüne und FDP je 10; SPD 12 und Union 13).4 Mangelnde Dankbarkeit gegenüber der freiheitlichsten und sozialsten Ordnung, die es je auf deutschem Boden gab, gehört zur mentalen Grundausstattung des AfD-Klientels. Interessant auch: Dass die deutsche Nationalflagge positive Empfindungen bei ihnen auslöse, gaben 80 Prozent der CDU/CSU-Anhänger und 65 derer der SPD an, aber nur die Hälfte der ostentativ »Patriotischen«.5

          Spitzenreiter waren AfD-Anhänger bei der Aussage: »Ich tue genug für den Staat« (89 Prozent), Schlusslicht bei der Aussage: »Der Staat tut genug für mich« (38 Prozent). Dass der Staat mehr für sie tun müsste, meinen 35 Prozent aller Bürger, aber 56 Prozent im AfD-Milieu. Die Differenz der Prozentsätze zwischen »Ich tue genug für den Staat« und »Der Staat tut genug für mich« war bei Anhängern der AfD mit weitem Abstand am größten (51 Prozentpunkte), gefolgt von den Nichtwählern (37), Anhängern der FDP (24), der Linken (13), der SPD (12), der Grünen (10) und der Union (9).6

          Eine Gesinnungs- und Anspruchsegozentrik, die natürlich leicht Frustrationen und Kränkungen produzieren kann, stach schon in der Mitte-Studie 2023 bei den AfD-Anhängern hervor.

          https://www.blaetter.de/ausgabe/2026/juni/rechtspopulismus-eine-bewegung-von-narzissten

          Aus meiner Sicht ist für diese Fehlentwicklung im Wesentlichen die neoliberale Rechtsmimesis seit den 1990er Jahren verantwortlich, die den Staat immer stärker als Dienstleister und die Bürgerschaft als Kundschaft herabwürdigte. Nach dem englischen Fachbegriff Deliverism spreche ich dabei deutsch vom Lieferantismus – dem nach meiner Auffassung schlimmen Irrglauben, die Wählerinnen und Wähler würden Leistungen „bestellen“, die dann durch die demokratischen Parteien „zu liefern“ seien.

          Das geht nach meiner Auffassung völlig am zivilreligiösen Gedanken sowohl der Demokratie wie auch der demokratischen Republik vorbei! Es ist unser gemeinsamer Staat, unsere gemeinsame Gesellschaft und jede Bürgerin, jeder Bürger sollte es als Ehre betrachten, diese aktiv mitzugestalten. Das kann durch Ehrenämter etwa in Kirchen, Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften, in Vereinen oder auch demokratischen Parteien sein. Das kann durch Familienarbeit und Nachbarschaftshilfe sein. Das kann durch Blutspenden sein, auch durch Geldspenden an lebens- und dialogförderliche Werke. Das kann durch ehrenamtliche Wissenschaftskommunikation geschehen, wie ich sie seit 2008 ehrenamtlich auf diesem Wissenschaftsblog anbiete. Und das sollte unbedingt durch dialogische Gespräche und die Teilnahme an demokratischen Wahlen und Abstimmungen sein.

          Im Griechischen wurde ein Mensch, der sich nicht in der Demokratie einbrachte, sondern nur um seine eigenen Angelegenheiten kümmerte, als „Idiotes“ (Nur-Privatperson) beschimpft und wenig geschätzt. Insofern beobachte ich schon, dass Rechtsmimesis als das Nachahmen der Abwertung von Menschengruppen, die Befeuerung von „Anspruchsegozentrik“ (Püttmann) und „Phantombesitz“ (von Redecker) zur Zunahme von Idiotie führt – Menschen wollen immer mehr haben und immer weniger geben. Und dies macht dann jede Demokratie und jede demokratische Republik kaputt!

          In einer schönen Variante des Fünf-Säulen-Modells der Gewaltenteilung ließ @dendroniker@machteburch.social die „-ve“-Endung von Exekutive, Judikative, Legislative, Publikative und Scientikative stets in „Vertrauen“ auslaufen, das damit zum Sockel der gesamten, demokratischen Republik wurde. Und ich denke, genau darauf kommt es an: dass sich Bürgerschaft und Staatsbedienstete („öffentlicher Dienst“!) gegenseitig vertrauen können.

          Deswegen habe ich die pauschalen Verschwörungsmythen gegen NGOs einschließlich der Kirchen – also gegen die demokratische Zivilgesellschaft – auch hier auf dem Blog bereits früh und deutlich zurückgewiesen!

          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/mit-den-kirchen-glaubwuerdig-gegen-geschichtsvergessenheit-und-verschwoerungsmythen/

          Leider muss ich aber zugestehen, dass mich auch der CDU-Bundesparteivorsitzende und Bundeskanzler Friedrich Merz schwer traf, als er den Begriff „Leistungsträger“ nur auf Menschen mit höheren Einkommen beschränkte. Ich fand das falsch und geradezu ungeheuerlich, gerade auch für einen Christdemokraten.

          Für mich bestehen die wichtigsten Leistungen eines Menschen im Dienst an Mitmenschen und der Mitwelt. Eine Polizistin oder ein Pfleger, Eltern, Erziehende, Lehrende und Engagierte etwa in einer Kirche, beim Roten Kreuz oder in einer demokratischen Partei leisten nach meiner Auffassung sehr viel mehr als ein skrupelloser Abzocker oder ein reicher Erbe, der sich monatliche Schecks auszahlen lässt!

          Auch ich selbst hatte mich ja schon als Jugendlicher in der CDU und JU, im Jugendgemeinderat engagiert, dann als junger Erwachsener meinen Wehrdienst verlängert und mich nach einer erfolgreichen Bankausbildung und zwei Semestern Volkswirtschaftslehre (VWL) doch für ein Studium der Religions- und Politikwissenschaft entschieden, die Kosten für die Doktorarbeit selbst getragen, gemeinsam mit meiner Frau drei Kinder großgezogen usw. – Wenn ich aber nach der Aussage von Herrn Merz gehen würde, war all das keine wirkliche „Leistung“ und auch meine Entscheidung gegen eine Bank-Karriere und für den öffentlichen Dienst falsch, weil ja nur ein hohes Einkommen zähle. Mir war völlig klar, dass ich als Religions- und Politikwissenschaftler nie so viel verdienen würde wie ein Bankvorstand oder Konzernmanager. Na, und? Mir waren und sind Sinn und Gemeinschaft wichtiger als ein hoher Cashflow!

          Mich hat Herr Merz mit dieser „Leistungsträger“-Verunglimpfung von Millionen Deutschen auch als Christdemokrat verloren, zumal er es bislang nicht korrigiert hat. Sein Bild von Gesellschaft und Erfolg ist mit meinem offensichtlich nicht vereinbar und ich kann dem Bremer CDU-Landesvorsitzenden Heiko Strohmann nur beipflichten, als er Merz unlängst erinnerte: »Sie leiten hier keine Firma, sondern eine Partei«

          https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-07/heiko-strohmann-cdu-bremen-friedrich-merz-unzufriedenheit-gxe

          Erlauben Sie mir daher abschließend noch an die erste Frau zu erinnern, die einen sog. Wirtschaftsnobelpreis verliehen bekam: Elinor Ostrom (1933 – 2012) erinnerte daran, dass Menschen keinesfalls nur Privat- und Verbrauchsgüter wie Brot oder Autos herstellen, sondern auch öffentliche Güter (wie Demokratie, Sicherheit, Vertrauen, Wissen) und Mautgüter wie Theater-, Musik- oder Sportaufführungen, demokratische Parteitage, schließlich auch Gemeinressourcen wie Wasser, Luft und Wälder verantwortungsvoll bewirtschaften sollen.

          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/monistische-wege-aus-polizei-und-wasserkrise-die-bloomington-school-nach-elinor-ostrom/

          Die Verkürzung des menschlichen Lebens und Strebens und Leistens auf Gelderwerb ist nach meiner Auffassung also nicht nur falsch, sondern sogar gefährlich. Und wenn ich dem CDU-Chef Friedrich Merz, TechBros wie Peter Thiel & Elon Musk, dem Kryptokönig Donald Trump und seinem FIFA-Chef Gianni Infantino etwas zugute halten kann, dann doch dies – dank der aktuell noch mächtigen Rechtslibertären merken jeden Tag mehr Menschen, dass uns einseitiges Anspruchs- und Profitstreben nur in die Sackgasse führen kann. Auch demografisch fährt die neoliberale Individualisierung und Säkularisierung nach meiner Beobachtung gerade voll gegen die Wand.

          • Dieses starke Textstück findet meine volle Zustimmung. Gerade war ich gestern in einer Grillrunde mit Bekannten im Alter zwischen 40 und 50, die sämtlich im AfD-Lager stehen.
            Genau dieses von Ihnen so treffend geschilderte Denken begegnete mir.

            „Keine Geld mehr für Migranten, Ukraine und RKI und schon kann der Staat alles für uns machen.“

          • Ganz herzlichen Dank, @Eckehard Erben 🙏

            Ich meine als Teil der Scientikative wirklich, dass Andreas Püttmann mit dem Begriff der “Anspruchsegozentrik“ und Eva von Redecker mit dem Begriff vom “Phantombesitz“ den sozial- und medienpsychologischen Punkt gefunden haben, an dem die alltägliche Reaktanz in dualistische, republikfeindliche Wut umschlägt.

            Und weil die so Wütenden die Bundesrepublik Deutschland eigentlich zerschlagen wollen, werden sie durch politische Rechtsmimesis etwa gegen Migranten, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Kunst auch nicht besänftigt, sondern befeuert.

            Um Ihren zweiten, klugen Druko zu beantworten, möchte ich heute noch ein Buch heraussuchen und zitieren. 📚🤔✅

  8. Hallo,

    ich finde den Beitrag einfach klasse, die ganze Kritik ist fundiert und ich teile Sie uneingeschränkt.
    Der 5-Säulen-Staat finde ich auch sehr überlegt und komplett.

    Das einzige Thema, dass ich damit habe, ist, dass das sehr gute Konzept so abgehoben erscheint, es passt auch sehr gut in einen Elfenbeiturm.
    Was ich damit sagen möchte: wie kann dieses Konzept allgemeingut werden?

    Das erscheint doch schon sehr komplex und wird wahrscheinlich noch nicht mal die aktuellen Politiker erreichen, egal, welcher Coleur, höchstens Politiker m it wissenschaftlichen Hintergrund und ich glaube selbst daran nicht.

    Wie kann dieses schöne Konzept aus der Schublade in die breite Öffentlichkeit transportiert werden?

    Vielen Dank für diesen Beitrag, er ragt wieder einmal aus der Politik-Landschaft heraus.

    Liebe Grüße
    Thorte

    • Ganz herzlichen Dank für das Interesse und die Ermutigung, aber auch für die Nachfrage, @Thorte 🙏

      Nun blogge ich ja hier auf „Natur des Glaubens“ bereits seit 2008 und mit über 1500 Blogposts – wir gehen auch bereits auf 60.000 Drukos zu!

      Und eigentlich war und ist mein Anspruch „nur“, wirklich dialogisch Interessierte zu erreichen. Ich schreibe ja auch Bücher und halte Vorträge und Reden, obwohl mir bewusst ist, dass diese wohl kaum je „alle“ erreichen werden. Ich freue mich über jedes ehrliche Interesse, mache mir aber auch keine Illusionen.

      Dass mit der Einführung von KI-Anwendungen geradezu eine Explosion von Zugriffen auch auf ältere Blogposts erfolgt und seit wenigen Monaten auch mein Blogpost aus 2025 über den mimetischen Niedergang der deutschen Grundgesetz-Gewaltenteilung seit 1961 immer weitere Kreise zieht, überrascht mich doch sehr positiv!

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-bundes-koalitionsvertrag-von-1961-als-abweg-vom-grundgesetz/

      Auch aus der Bundespolitik wurde ich bereits darauf angesprochen – und zwar interessiert, wertschätzend und mehrfach. Oft sind es Mitarbeitende, manchmal aber auch besonders kluge Politikerinnen und Politiker, die durchaus ernsthaft lesen und nachdenken. Hinzu kommen immer mehr Einladungen zu Vorträgen durch verschiedenste Institutionen wie beispielsweise das scientikative „Weltethos-Institut“ an der Universität Tübingen:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/mimesis-medien-macht-grundsatzrede-beim-weltethos-institut-tuebingen/

      Und auf meinem Solarpunk-YouTube-Kanal veröffentliche ich auch noch kurze Videos zu den verschiedensten Begriffen, die teilweise auch ganz rege abgerufen und diskutiert werden:

      https://www.youtube.com/@BlumeEvolution/shorts

      Ob all das reicht, um den schnell nahenden Zerfall unserer demokratisch-republikanischen Gewaltenteilung noch zu stoppen? Ich will es hoffen, mich aber auch selbst nicht überschätzen. Es gibt ja Tausende, Millionen kluger Köpfe im Land. Ich tue, was ich kann, engagiere mich demokratisch und bete. Der Rest liegt nicht in meiner Hand, ein Stück weit aber auch in Ihrer.

      Daher vielen Dank für Ihr konstruktives Interesse und Kommentieren!

      Und Felo.ai hat es bereits drauf!

      Die klassische demokratisch-republikanische Gewaltenteilung geht auf Denker der Aufklärung wie Charles de Montesquieu zurück und zielt darauf ab, Machtmissbrauch zu verhindern und die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger zu sichern[6][7]. In der modernen Staatstheorie wird dieses ursprüngliche Drei-Säulen-Modell häufig um zwei weitere, informelle oder institutionelle Säulen erweitert, um der Komplexität heutiger Gesellschaften gerecht zu werden.

      Im Folgenden werden die fünf Säulen der erweiterten republikanischen Gewaltenteilung mit jeweils zwei Beispielen erklärt:

      ## Die Legislative (Gesetzgebende Gewalt)
      Die Legislative ist für die Beratung und Verabschiedung von Gesetzen zuständig. Sie bildet die rechtliche Grundlage des Staates und kontrolliert die Arbeit der Regierung[4][7]. Die Mitglieder der Legislative werden in der Regel direkt vom Volk gewählt und repräsentieren dessen Willen.

      **Beispiele für die Legislative:**
      * Der Deutsche Bundestag:
      Das Parlament in Deutschland, das Bundesgesetze verabschiedet und den Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin wählt[4][6].
      * Der Nationalrat: Die große Kammer des Parlaments in Österreich oder der Schweiz, die gemeinsam mit der zweiten Kammer (Bundesrat bzw. Ständerat) die Gesetzgebung verantwortet[3][7].

      ## Die Exekutive (Ausführende Gewalt)
      Die Exekutive hat die Aufgabe, die von der Legislative beschlossenen Gesetze im täglichen Leben umzusetzen und auszuführen[4][6]. Sie leitet die staatliche Verwaltung und sorgt für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit.

      **Beispiele für die Exekutive:**
      * Die Bundesregierung:
      Bestehend aus dem Regierungschef (z. B. Bundeskanzler:in) und den Minister:innen, leitet sie die politischen Geschicke des Landes und führt die Regierungsgeschäfte[4][6].
      * Die Polizei: Als ausführendes Organ des Staates sorgt sie im Alltag für die Einhaltung der Gesetze und die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger[6][7].

      ## Die Judikative (Rechtsprechende Gewalt)
      Die Judikative ist für die Rechtsprechung zuständig. Unabhängige Richterinnen und Richter entscheiden in rechtlichen Streitfällen, ahnden Gesetzesverstöße und prüfen, ob Gesetze mit der Verfassung vereinbar sind[4][7]. Weder die Regierung noch das Parlament dürfen den Gerichten vorschreiben, wie sie zu urteilen haben[4].

      **Beispiele für die Judikative:**
      * Das Bundesgericht:
      Als oberstes Gericht (beispielsweise in der Schweiz) sorgt es für die einheitliche Anwendung des Rechts und entscheidet als letzte Instanz in Rechtsstreitigkeiten[3].
      * Lokale Amts- oder Landesgerichte: Diese Gerichte klären alltägliche zivilrechtliche Streitigkeiten oder verhandeln strafrechtliche Vergehen auf regionaler Ebene[2].

      ## Die Publikative (Medien und Öffentlichkeit)
      Die Publikative wird oft als die „vierte Gewalt“ bezeichnet. Obwohl sie keine staatliche Institution im klassischen Sinne ist, übernimmt sie in einer Demokratie eine unverzichtbare Kontrollfunktion. Sie informiert die Bevölkerung, deckt Missstände auf, ordnet politische Entscheidungen ein und stellt eine Plattform für den öffentlichen Diskurs dar. Um diese Funktion zu erfüllen, muss sie unabhängig von staatlicher Einflussnahme sein.

      **Beispiele für die Publikative:**
      * Öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten:
      Sender wie ARD, ZDF oder die SRG, die durch Rundfunkbeiträge staatsfern finanziert werden und einen gesetzlichen Auftrag zur objektiven Information und Meinungsbildung haben.
      * Unabhängige Print- und Onlinemedien: Investigative Tageszeitungen oder Nachrichtenmagazine, die durch Recherchen politisches und wirtschaftliches Handeln kritisch begleiten.

      ## Die Scientikative (Wissenschaft und Fachexpertise)
      Die Scientikative, oft als „fünfte Gewalt“ diskutiert, beschreibt die Institutionalisierung von unabhängiger wissenschaftlicher und fachlicher Expertise. In hochkomplexen modernen Staaten lagert die Politik bestimmte weitreichende Entscheidungen bewusst an unabhängige Fachgremien aus. Dies schützt fundamentale Systeme vor kurzfristigen, wahlkampfgetriebenen Entscheidungen der Politik und stellt sicher, dass Maßnahmen auf empirischen Daten und wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.

      **Beispiele für die Scientikative:**
      * Unabhängige Zentralbanken:
      Institutionen wie die Europäische Zentralbank (EZB) oder die Schweizerische Nationalbank (SNB), die politisch unabhängig agieren, um auf Basis ökonomischer Expertise die Preisstabilität und Geldpolitik zu steuern.
      * Staatliche Sachverständigenräte: Gremien wie der Deutsche Ethikrat oder der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (die sogenannten „Wirtschaftsweisen“), die der Politik wissenschaftlich fundierte, unabhängige Handlungsempfehlungen geben.

      [1] https://www.sofatutor.com/geschichte/videos/was-heisst-gewaltenteilung
      [2] https://www.bundestag.de/parlament/aufgaben/rechtsgrundlagen/gewaltenteilung-246408
      [3] https://www.ch.ch/de/politisches-system/funktionsweise-und-organisation/gewaltenteilung/
      [4] https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/das-junge-politik-lexikon/320410/gewaltenteilung/
      [5] https://de.wikipedia.org/wiki/Gewaltenteilung
      [6] https://www.hanisauland.de/wissen/lexikon/grosses-lexikon/e/exekutive/gewaltenteilung.html
      [7] https://www.parlament.gv.at/verstehen/politisches-system/gewaltenteilung
      [8] https://www.parlament.gv.at/aktuelles/mediathek/videos/parlament-erklaert-folge-13
      [9] https://www.bmjv.de/DE/rechtsstaat_kompakt/rechtsstaat_grundlagen/gewaltenteilung/gewaltenteilung_artikel.html
      [10] https://www.lpb-bw.de/rechtsstaat

  9. Der Gedanke, wissenschaftliche Erkenntnisse stärker in politische Entscheidungsprozesse einzubinden, ist auf jeden Fall interessant. Gerade bei komplexen Themen wie Energie, Klima oder Digitalisierung kann eine fundierte Faktenbasis helfen, langfristige Entscheidungen nachvollziehbarer zu machen. Gleichzeitig bleibt es wichtig, unterschiedliche Perspektiven in einer Demokratie zu berücksichtigen und offen zu diskutieren. Spannend, wie vielfältig die Themen sind, die man hier auf Spektrum online entdeckt.

  10. Kurz gesagt, aus Herr Pfarrer wird wieder Schamane und man sollte auf ihn hören, denn er hört wieder die Stimme Gottes.

    Was wir über Jahrtausende gesehen haben, ist die Loslösung der Religion von der Wissenschaft, das heißt, man betrieb noch Forschung und hortete Wissen, aber der Schwerpunkt lag auf sozialer Kontrolle, Showbusiness und Machterhalt. Der Ursprungs-Schamane war aber ein echter Wissenschaftler, dessen Macht und Wert auf handfestem Wissen über Natur, Medizin, Psychologie, Politik beruhte. Natürlich musste er immer noch den Musk machen, also jedem seinen Personal Jesus ins Handy stopfen, der hübsch das predigte, was gut fürs Geschäft war und die Gläubigen in etwa so unterhielt, wie Taylor Swift, Donald Trump und FIFA, aber er musste sich ernsthaft Mühe geben, dem Stamm beim Überlebenskampf zu helfen, also machten Showbusiness und Politik einen weitaus geringeren Anteil seiner Arbeit aus.

    Gewaltentrennung zwischen Häuptling und Druide, zwischen weltlicher und geistlicher Gewalt, gab’s schon bei den Kelten. Wo Miraculix und Majestix zu einem Gottkönig verschmelzen, sehen wir schnell Lysenkoismus, die Wissenschaft wird Macht und Profit irdischer Machthaber untergeordnet und verkommt zu Esoterik.

    Wir sehen also das übliche Muster – arme Menschen leben von der Natur, wenn sie reich werden, bauen sie sich eine Oberschicht auf, die von den Menschen lebt, davon gehen verschiedene Zweige aus, die sich nach und nach völlig von der Realität entfernen und die Bevölkerung beackern, nicht den Boden. Was die moderne Wissenschaft zur Wissenschaft macht, sind all die Rituale, Methoden, Handwerkszeuge, die verhindern, dass sie sich allzu sehr von der Realität entfernt. Sie setzt die Tradition der Demut fort, die man von Mönchen und Priestern immer fortsetzte, scheint aber verstanden zu haben, dass gute Absichten allein nur eine Tarnkappe für schlechte Resultate sind.

    Aus den Deutern von Tierspuren und Wolkenbildern sind Schriftdeuter geworden, doch das ging ein wenig in die Hose.

    Nicht Menschen, sondern Katzen haben Jerusalem erbaut, die Mutter aller Fliegenden Untertassen.

    [Jetzt wird es einfach zu unsachlich und zu wirr. Daher ab hier gekürzt, M.B.]

    • Nun ja, @Paul S. – wieder einmal haben Sie mit sehr vielen Worten einen Sachverhalt umschrieben, den die Erkenntnistheorie schon lange im Blick hat: den Übergang von der Mustererkennung (Induktion) zur empirischen Wissenschaftlichkeit (Falsifikation).

      Hier gibt es einen ganzen Blogpost und Vortrag dazu:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/karl-popper-2021-fuehrt-die-digitalisierung-in-ein-zeitalter-der-falsifikation/

      Und hier eine Zusammenfassung durch Felo.ai:

      Die beiden Ansätze unterscheiden sich vor allem darin, **wie Wissenschaft zu verlässlichem Wissen kommen soll**: Induktive Wissenschaft versucht, aus vielen Beobachtungen allgemeine Regeln abzuleiten; falsifikatorische Wissenschaft — besonders mit Karl Popper verbunden — sieht Theorien dagegen als vorläufige Vermutungen, die strengen Widerlegungsversuchen ausgesetzt werden müssen.

      ## Induktive Wissenschaft

      **Induktive Wissenschaft** geht vom Besonderen zum Allgemeinen. Man beginnt mit Beobachtungen, Messungen oder Einzelfällen und versucht daraus Muster, Hypothesen oder allgemeine Theorien abzuleiten[1][6].

      **Grundidee:**
      – Man beobachtet viele einzelne Fälle.
      – Man erkennt wiederkehrende Muster.
      – Daraus formuliert man eine allgemeine Aussage oder Theorie.

      **Beispiel:**
      – Beobachtung 1: Dieser Schwan ist weiß.
      – Beobachtung 2: Auch dieser Schwan ist weiß.
      – Beobachtung 3: Viele weitere Schwäne sind weiß.
      – Induktive Schlussfolgerung: „Alle Schwäne sind weiß.“

      Das Problem: Selbst sehr viele bestätigende Beobachtungen beweisen eine allgemeine Aussage nicht endgültig. Ein einziger schwarzer Schwan würde die Aussage widerlegen. Deshalb gilt Induktion als nützlich, aber logisch unsicher: Induktive Theorien können gut begründet sein, müssen aber nicht zwingend wahr sein[8][9].

      **Typische Merkmale induktiver Wissenschaft:**
      – Sie beginnt bei Daten, Beobachtungen oder Erfahrungen.
      – Sie eignet sich besonders für neue oder wenig erforschte Themenfelder.
      – Sie erzeugt Hypothesen und Theorien.
      – Ihre Ergebnisse bleiben vorläufig, weil spätere Beobachtungen sie widerlegen können.

      ## Falsifikatorische Wissenschaft

      **Falsifikatorische Wissenschaft** beruht auf dem Gedanken, dass Wissenschaft Theorien nicht endgültig beweisen kann, sondern sie kritisch prüfen und möglicherweise widerlegen soll. Nach Popper soll Wissenschaft daher nicht primär versuchen, Theorien zu bestätigen, sondern sie zu falsifizieren[4].

      **Grundidee:**
      – Eine Theorie wird als vorläufige Annahme formuliert.
      – Aus ihr werden konkrete Vorhersagen abgeleitet.
      – Diese Vorhersagen werden empirisch getestet.
      – Scheitert die Vorhersage, ist die Theorie falsifiziert oder muss verändert werden.

      **Beispiel:**
      – Theorie: „Alle Schwäne sind weiß.“
      – Vorhersage: „Wenn ich irgendwo einen Schwan finde, wird er weiß sein.“
      – Test: Man sucht gezielt nach Schwänen.
      – Ergebnis: Ein schwarzer Schwan wird gefunden.
      – Schluss: Die Theorie „Alle Schwäne sind weiß“ ist widerlegt.

      Der falsifikatorische Ansatz arbeitet also eher **deduktiv**: Aus einer allgemeinen Theorie werden konkrete überprüfbare Aussagen abgeleitet. Wissenschaftliche Theorien gelten dabei nicht als endgültig verifiziert, sondern nur als vorläufig bewährt, solange sie ernsthafte Prüfungen überstehen[4][6].

      ## Beispiel aus der Medizin

      **Induktiv:**
      Ärztinnen und Forscher beobachten, dass viele Patientinnen und Patienten nach Einnahme eines bestimmten Wirkstoffs schneller genesen. Daraus entsteht die Hypothese: „Dieser Wirkstoff hilft gegen die Krankheit.“

      **Falsifikatorisch:**
      Aus dieser Hypothese wird eine überprüfbare Vorhersage abgeleitet: „Patienten, die den Wirkstoff erhalten, genesen häufiger als Patienten in der Kontrollgruppe.“ Dann wird diese Vorhersage in einer Studie getestet. Wenn die erwartete Wirkung ausbleibt, ist die Hypothese widerlegt oder muss angepasst werden.

      ## Bedeutung für die „Scientikative“

      Im Kontext wissenschaftsbasierter Institutionen — etwa Zentralbanken, Impfkommissionen, Ethik- oder Klimaräten — ist der Unterschied wichtig: Solche Institutionen sollten sich nicht bloß auf plausible Verallgemeinerungen stützen, sondern ihre Annahmen fortlaufend an Daten, Gegenbeispielen und kritischen Tests prüfen. Gerade moderne evidenzbasierte Politik benötigt daher beides: **induktive Mustererkennung**, um Hypothesen zu entwickeln, und **falsifikatorische Prüfung**, um schlechte Hypothesen auszusortieren.

      ## Fazit

      Induktive Wissenschaft fragt: **„Welche allgemeine Regel ergibt sich aus unseren Beobachtungen?“**
      Falsifikatorische Wissenschaft fragt: **„Welche Beobachtung würde unsere Theorie widerlegen — und besteht sie diesen Test?“**

      Kurz gesagt: **Induktion baut Theorien aus Beobachtungen auf; Falsifikation prüft Theorien durch gezielte Widerlegungsversuche.** Beide sind für Wissenschaft wichtig, aber der falsifikatorische Ansatz betont stärker die Vorläufigkeit wissenschaftlichen Wissens und die Notwendigkeit kritischer Tests.

      [1] https://www.azubiyo.de/dual-studieren/methodik/induktiv-vs-deduktiv/
      [2] https://www.textundwissenschaft.de/blog/2023/12/06/induktive-und-deduktive-forschungsdesigns/
      [3] https://studyflix.de/studientipps/induktiv-und-deduktiv-5494
      [4] https://www.tabularasamagazin.de/probleme-der-induktion-und-deduktion/
      [5] https://www.empirio.ai/de-DE/learn/deductive-and-inductive-research
      [6] https://home.uni-leipzig.de/methodenportal/deduktion_induktion/
      [7] https://knowunity.de/knows/philosophie-philosophie-vorabitur-88dc61cb-31be-43ff-b68e-6284c5e5adef
      [8] https://www.scribbr.de/methodik/induktiv/
      [9] https://de.wikipedia.org/wiki/Induktion_(Philosophie)
      [10] https://www.researchgate.net/publication/379775996_Vom_Durchwandern_der_Deduktion_Induktion_und_Abduktion_Wege_um_wissenschaftliche_Schlussfolgerungen_und_deren_Facetten_zu_lernen
      [11] https://de.wikipedia.org/wiki/Falsifikationismus
      [12] https://larc.cardozo.yu.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=1211&context=faculty-articles

  11. @Michael 30.07. 17:09

    „Und spannenderweise haben wir ja gerade die gleiche Diskussion wie früher um den Tabak heute wieder rund um eine Zuckerabgabe / Zuckersteuer.“

    Ich verbrauche an die 250 g Zucker am Tag. Das sind dann an die 7,5 kg im Monat. Angesichts der derzeit sehr geringen Kosten und zugleich des hohen Nährwerts würde bei mir selbst eine Verdopplung des Zuckerpreises mit nur 7,5 Euro im Monat Zustatzkosten kaum ins Gewicht fallen.

    Angesichts von Tabakkosten von an die 200 Euro im Monat fast nichts.

    Würde ich weniger Zucker konsumieren, wenn der doppelt so teuer wäre? Vermutlich kaum. Süße Getränke schmecken mir nun mal gut, und tragen ganz billig zur Kaloriendeckung bei. Ich weiß dass das ungesund ist. Ich will aber auch nicht unbedingt ewig leben. Und dick bin ich auch nicht.

    • Ja, @Tobias – die Wirkungen solcher Maßnahmen erreichen wohl seltener bereits Konsumierende als jene, die erst mimetisch wie auch reflexiv ihr Konsumverhalten aufbauen. Das meinte ich mit dem Hinweis, dass unsere Eltern noch rauchten, wir und unsere Kinder aber nicht mehr bzw. bisher nicht.

      Konzerne wollen Gewinne machen und ermöglichen dies auch die Verteilung („Diffusion“) von Verantwortung sowie die Externalisierung von Kosten – ob es dabei um Zucker, Tabakwaren, fossile Gewaltenergien oder Algorithmen geht.

      Erst, indem wir dies auch wissenschaftlich aufklären und uns individuell und politisch dazu verhalten, erringen wir eine Freiheit, die über blinde Mimesis hinausgeht. Und das finde ich unglaublich wichtig, sogar die Zukunft entscheidend.

  12. Das „Elend“ der Scientikative ist, das sie vom Vollhurz Trump abgelehnt wird. Von seinen Techbros. Von der Tabakindustrie. Von unserer Gasförderungsministerin…

    • Ja, @HPDU – im Hinblick auf Trump, seine TechBros & Co. kann ich mit, nicht jedoch pauschal bei ganzen Ministergruppen.

      Der rechtslibertäre Dualismus lehnt jede Beschränkung durch den Staat einschließlich der Wissenschaften ab. Ob Fleisch oder Sprache, die globale Erhitzung, Masken oder Impfung – alles und damit sogar besonders die Scientikative bedroht den „Phantombesitz“ (Eva von Redecker) und führt zu vermeintlichen Kränkungen.

      Hervorragend analysiert hat dies im Hinblick auf den digital und säkular befeuerten Rechtspopulismus Andreas Püttmann:

      “Spitzenreiter waren AfD-Anhänger bei der Aussage: »Ich tue genug für den Staat« (89 Prozent), Schlusslicht bei der Aussage: »Der Staat tut genug für mich« (38 Prozent). Dass der Staat mehr für sie tun müsste, meinen 35 Prozent aller Bürger, aber 56 Prozent im AfD-Milieu. Die Differenz der Prozentsätze zwischen »Ich tue genug für den Staat« und »Der Staat tut genug für mich« war bei Anhängern der AfD mit weitem Abstand am größten (51 Prozentpunkte), gefolgt von den Nichtwählern (37), Anhängern der FDP (24), der Linken (13), der SPD (12), der Grünen (10) und der Union (9).

      Eine Gesinnungs- und Anspruchsegozentrik, die natürlich leicht Frustrationen und Kränkungen produzieren kann, stach schon in der Mitte-Studie 2023 bei den AfD-Anhängern hervor.

      https://www.blaetter.de/ausgabe/2026/juni/rechtspopulismus-eine-bewegung-von-narzissten

      Entsprechend kontraproduktiv ist auch jede Rechtsmimesis, die gerne behauptet, „die Ängste der Menschen ernstnehmen“ zu wollen. Wer aber die Erkenntnisse der Scientikative etwa zur globalen Erhitzung oder zur Bedrohung durch Viren zur Disposition stellt, beruhigt die Wissenschaftsleugner nicht, sondern facht ihre vor allem digitalen Blasen weiter an. Fakten machen Rechtslibertäre dann kaum mehr nachdenklich, sondern vielmehr wütend.

      Deswegen verbindet die kurzfristige und kurzsichtige Profitgier des Fossilismus skrupellose Akteure in Wirtschaft, Medien und Politik weltweit. Wer noch eilig Profite aus der Karbonblase abschöpfen will, möchte sich von brennenden Wäldern nicht aufhalten lassen…

      • Dass Fakten dann wütend machen, habe ich gestern in der Runde genau so erlebt.
        Diese Menschen sind jetzt so drauf, dass nur die volle Zustimmung zu ihren Einstellungen goutiert wird. Der Sinn ihrer Kommunikation ist, diese Einstellungen gemeinsam zu verstärken. Da Gegenrede vollkommen sinnlos ist und ebenfalls ihre Einstellungen ja so wunderbar verstärkt (ein Feind outed sich!), Versuche ich zu differenzieren.
        Das löst tatsächlich Wut aus….

        • Ja, @Eckehard Erben – so ist es. Die Vorstellung vom Staat als Feind, den es einerseits zu hassen und andererseits zu melken gelte, greift ja nicht zufällig in post-sozialistischen und demografisch schrumpfenden Regionen besonders schnell um sich.

          Dass sich der dualistische Hass gegen alle Formen von Wissenschaft von der Medizin über die Ökonomie bis zur Geschichtswissenschaft wendet, bemerkte ich vor einigen Jahren- Während der Covid-19-Pandemie hatte ich ja auch mit dem rechtslibertären Verschwörungsmythologen Oliver Janich zu tun, der inzwischen auch eine Haftstrafe auf den Philippinen abgesessen hat. In seinem bizarren Verschwörungswerk „Das Kapitalismus-Komplott. Die geheimen Zirkel der Macht und ihre Methoden“ (FBV 2010, 9. Auflage 2019) schwurbelte er nicht nur über eine vermeintlich libertäre „natürliche Ordnung“, sondern griff auch gezielt die Erinnerung an die realen Massenmorde gerade auch der deutschen Geschichte an.

          So behauptete Janich allen Ernstes:

          „Unser Zentralbanksystem ist das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte.“ (S. 41)

          Die Verschwörungsgläubigen wissen schon, was sie hassen.

          Angesichts der weiter wachsenden Bedeutung der Wissenschaften gerade auch im Hinblick auf die globale Erhitzung und den Mitweltschutz halte ich es für wichtig, die unverzichtbare Rolle der Scientikative für das Überleben jeder demokratischen Republik zu betonen.

          • Genau diesem Hass auf das Bankwesen und Lob des Bitcoin begegne ich bei einem meiner Kollegen und auch gerade heute Abend bei jemandem im Zug.

          • Ja, @Eckehard Erben – mir scheint, dass sich Menschen korrespondierend mit ihrer Grund-Weltanschauung in drei unterschiedlichen (Digital-)Medienblasen einrichten:

            1. Egozentrischer Relativismus, nur das Ich zählt. (Schrumpfend, weil Einsamkeit anödet und die algorithmischen Konzernmedien zur emotionalen, parasozialen Interaktion drängen.)

            2. Feindseliger Dualismus – Empörungssucht (Thymos) wird niemals satt. An allem muss „jemand“ Schuld sein, meistens „die Politiker“, Juden, Feministinnen, Migranten. (Stark wachsend, da propagandistisch und algorithmisch befeuert, reduziert Komplexität & stiftet parasoziale „Gemein-Schaft“.)

            3. Dialogischer Monismus – Freude an Austausch, Wissenschaft & Dialog, Stärkung der Scientikative. (Via Fediversum wachsend, konstruktiv, gemeinschaftlich und sinnvoll.)

            Dieser Wissenschaftsblog, Natur des Glaubens, wird in den kommenden Tagen die Schwelle von 60.000 (sechzigtausend!) Blog-Kommentaren (Drukos) überschreiten! 😳🤓🙌

            Herzlichen Dank Ihnen & allen, die sich dialogisch für Wissenschaft, Demokratie, Republik, eine aufgeklärte Zivilreligion und Zukunft engagieren! 🙏👍🌈

          • Übrigens stellen sich die Fossillisten mit dieser Banksache das nächste Bein selbst.
            Diese fossile Globalisierung war nur mit diesem System möglich.
            Wenn eine Verrechnung nicht mehr auf Vertrauen (die Mutter aller Währungen) stößt, wird kein Öl, Gas, Kohle usw. verschifft.
            Allerdings sind die Folgen dann global richtig bloed.
            Wir werden binnen zweier Jahre nur noch in Lumpen rumlaufen und woanders wird verhungert.

  13. Michael Blume Betreff: die Säulen eines Staates

    Das hat mich dann doch verwundert, obwohl es logisch ist:
    „Mein Amt als (wissenschaftlich ausgewiesener) Beauftragter einer Landesregierung und eines Landtags entspräche der Scientikative, institutionalisiert durch Exekutive und Legislative.“

    Und es hängt ganz eng mit ihrer Frage , warum ich die Publikative auf Rang 5 gesetzt habe. Der Grund ist der gleiche warum ich die Scientikative im Elfenbeiturm lassen würde.
    Es geht mir um die Wahrnehmung. Bei einer Aufzählung wird die 1) wahrgenommen und die letzte, die 5)
    Weil die Publikative in Zukunft zu einem immer schwerer wiegenden Faktor in der Machtverteilung wird, deswegen muss man sie sichtbar plazieren.

    Anmerkung: Ich war kurz davor Wirtschaftswissenschaften zu studieren und habe mich intensiv mit Werbung auseinandergesetzt.

    Es reicht nicht nur logisch zu sein, man muss auch die Aufmerksamkeit, die Neugier wecken, und das Gesagte muss etweder sofort plausibel erscheinen oder den Widerspruchsgeist wecken, damit sich der Leser/Zuhörer damit auseinandersetzt.

    • Vielen Dank, @NI – das ist ein guter und zutreffender Gedanke!

      Die obige Fünf-Säulen-Darstellung ordnet die Mächte historisch an: Gegen die Exekutive bildete sich eine Judikative, dann eine gewählte Judikative, ein eigenständiges (Drucker-)Pressesystem und schließlich empirische Wissenschaften wie die Medizin, Ökonomie usw.

      Von der realen Macht her würde ich aber auch die Publikative betonen, zumal ja alle anderen Mächte mit Medien arbeiten. Auch ich wirke ja sowohl als Religions- und Politikwissenschaftler, als Gutachter und Sachverständiger vor Gericht und auch als Beauftragter vor allem durch Worte, Texte, Bilder, also durch Medien. Auch unser Dialog jetzt und hier findet digital und also medial statt.

      Warum ich dennoch die historische Auflistung gewählt habe, hängt mit den schnellen Verschiebungen der Machtverhältnisse zusammen: Während der COVID-19-Pandemie wurde die Scientikative (das RKI, Virologen, die ständige Impfkommission usw.) kurzzeitig sehr mächtig – und zunehmend produzierte sie auch eigene Medien wie Podcasts und Videos.

      Auch im Hinblick auf die Folgen der Klimakrise wird neben der Feuerwehr (Exekutive) aber auch die Haftungsfrage (Judikative) immer wichtiger. Ob beispielsweise das missglückte Reiche-Gesetzespaket den Bundestag (Legislative) oder Bundesverfassungsgericht (Judikative) samt Einwänden des Klima-Expertenrates (Scientikative) überstehen werden, ist noch nicht ausgemacht. Mir scheint also, dass sich das Gewicht der Mächte und Säulen immer wieder verschiebt, manchmal in sehr kurzen Abständen. Auch deswegen scheint mir die historische Reihung stabiler.

      @dendroniker@machteburch.social präsentierte auf Mastodon auch eine Variante, die das „-ve“-Ende jeder Säule in „Vertrauen“ des Fundamentes übergehen ließ, was ich sehr schön finde!

      https://machteburch.social/@dendroniker/117008812283493213

      Denn generell scheint mir, dass es in Deutschland wieder mehr Dialog und auch wieder ein stärkeres Parlament (Legislative) braucht, um mehr Menschen aus den jeweiligen Empörungsblasen zu holen. Eine Republik muss auch ernsthaft demokratisch und dialogisch sein, Selbstwirksamkeit erlauben, wenn sie Vertrauen und Zukunft haben will.

  14. @Michael 30.07. 23:13

    „Erst, indem wir dies auch wissenschaftlich aufklären und uns individuell und politisch dazu verhalten, erringen wir eine Freiheit, die über blinde Mimesis hinausgeht.“

    Den Staat brauchen wir dabei ja nicht immer. Wer sich informiert, weiß um die Problematik von Zucker. Da kann man aber sicher noch die Zuckersteuer drauf setzen, und wenn das eher symbolisch wirkt.

    Ich selber habe mir allerdings doch reichlich Zucker angewöhnt. So ungesund ist das m.E. in meinem Alter wohl nicht. Zumal ich auch kein Übergewicht habe.

    Aber klar, gerade viele Kinder sind heutzutage zu dick, und das wird die meisten davon ein Leben lang begleiten.

    Wobei die Profite mit Zucker eher gering sind. Zucker ist wirklich ganz billig. Und findet genau deswegen auch so eine breite Anwendung, auch vor allem in Getränken. Das kostet fast nichts extra, und es schmeckt und macht auch moderat süchtig.

    Und viel Zucker ist auch billiger als wenig. Kaum ein Lebensmittel ist auf den Nährwert gerechnet so billig, und Zucker kann man direkt in Getränke mischen. Mehl oder Spaghetti muss man erst verarbeiten, bevor man das essen kann.

    Natürlich hat Zucker weder Eiweiß noch Fett noch irgendwelche Vitamine. Die muss man dann anderweitig zu sich nehmen. Und das fördert dann sogar noch den Fleischkonsum. Was dann den Kostenvorteil von Zucker schnell wieder zunichte macht.

    Aber wie gesagt, die Wissenschaft wirkt auch, wenn der Staat ihre Erkenntnisse nicht zur Pflicht macht. Welche Ernährung insgesamt wie gesund ist, ist nebenbei eine komplexe Sache.

    Dass Tabak nun mal süchtig macht, führt dann auch dazu, dass es mir praktisch nichts hilft, zu wissen wie schädlich das ist. Dass ich damit früher sterben werde, damit habe ich mich längst abgefunden.

    Was die fossilen Gewaltenergien betrifft, da kann ich was beitragen, insbesondere indem ich ohne Auto auskomme. Aber PV als Mieter kann ich mir leider nicht aufs Dach setzen.

    Und die asozialen Plattformen habe ich von Anfang an nicht genutzt, ich hatte gleich das Gefühl, dass da Beiträge von schlechter Qualität vehement gefördert werden.

    • Vielen Dank, @Tobias – ich denke, dass unser Dialog hier über Tabak und Zucker ganz gut zeigt, warum die wissenschaftliche Scientikative zur „Gewalten“-Teilung gehört. Zu wissen, dass Tabakrauchen die durchschnittliche Lebenserwartung verkürzt, dass Zucker ein billiges und moderat süchtig machendes Mittel ist, um Speisen und Getränke aufzupumpen, dass fossile Gewaltenergien die Mitwelt und Mitmenschen schädigen und dass unabhängige Zentralbanken vor Inflation schützen, wirft reale Machfragen auf. Was soll verboten, was besteuert, was ab welchem Alter aber auch freigegeben sein?

      Aus meiner Sicht sollte die Scientikative also weder übergangen noch verabsolutiert werden. Sie ist ein Teil des republikanischen Gefüges und gewinnt mit dem Nutzen von Wissenschaft auch an Bedeutung. Aber sie soll uns als Staarsbürgerinnen und Staatsbürger vor allem beratend in Freiheit und Verantwortung unterstützen, nicht ersetzen. Zu wenig Scientikative schadet, aber zuviel triggert eben auch Reaktanz. Beobachte ich.

  15. @Michael 31.07. 18:02

    „Aber sie soll uns als Staarsbürgerinnen und Staatsbürger vor allem beratend in Freiheit und Verantwortung unterstützen, nicht ersetzen.“

    Genau das kann Wissensschaft, und mehr auch nicht. Zumal nicht alles sicher ist, was gerade Stand der Forschung ist.

    „Zu wenig Scientikative schadet, aber zuviel triggert eben auch Reaktanz. Beobachte ich.“

    Die Coronazeit war da markant. Hier haben die Experten aus dem medizinischen Bereich recht unabhängig bestimmt, wie reagiert wird. Und trafen auf viele junge Leute, die von Corona selber kaum betroffen waren, aber dennoch die massiven Kontaktbeschränkungen mitmachen mussten, um die älteren Menschen zu schützen.

    Ich meine man hätte lieber die älteren Menschen mehr isolieren sollen. Gerade Jugendliche haben hier nachhaltig Kontakte verloren, was immer noch nachwirkt.

    Gerade das hat gezeigt, wie wichtig persönliche Kontakte sind, wie schwer sie geknüpft werden können und wie wertvoll sie sind.

    Auch die Diskussionen um Impfpflichten wurden mit neuen Coronavarianten, die immer leichter übertragbar aber auch immer glimpflicher verlaufen sind, immer weniger dringend.

    Inzwischen interessiert das Thema niemanden mehr, obwohl Corona wohl immer noch kursiert.

    Wir haben hier ein Beispiel, das aus meiner Sicht die Scientikative über das Ziel hinausgeschossen ist. Naja, und das Thema Tabaksteuern betrifft mich selber ganz massiv. Unter einer Unterstützung von suchtkranken Menschen stelle ich mir was Anderes vor. Und Tabakwerbung gibt es teilweise immer noch.

    Wenn es um die Energiewende geht, da kann ich mir allerdings mehr sinnvollen Einfluss der Scientikative vorstellen.

    • Lieben Dank, @Tobias

      Nach meiner Einschätzung war die Scientikative während der Covid-19-Pandemie vor allem zu einseitig mit Virologen und Medizinerinnen besetzt, es gab zu wenige Stimmen aus der Psychologie und Pädagogik. So wurde mein Beauftragten-Podcast „Verschwörungsfragen“ damals enorm wichtig, um über die sog. Adrenochrom-Verschwörungsmythen aus den USA und dann auch via Xavier Naidoo aufzuklären:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/adrenochrom-satanskultue-die-dualistischen-verschwoerungsmythen-von-xavier-naidoo/

      Ich denke, bei einer neueren Pandemie würde auch KI eine viel größere Rolle spielen, auch das motiviert mich zum Weiterbloggen.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/hantavirus-ebola-die-rueckkehr-der-verschwoerungsmythen/

      Sorgen macht mir aber die Eskalation der Klima- als Wasserkrise, wovor ich hier auf „Natur des Glaubens“ ja auch schon seit Jahren gewarnt habe. Nun brennen Wälder, gehen aber auch Atomkraftwerke mangels Kühlwasser vom Netz:

      Ungarn hat wegen sinkender Pegelstände der Donau die vollständige Abschaltung des Atomkraftwerks Paks angekündigt. »Nach aktuellen Berechnungen könnte das am Dienstag oder Mittwoch geschehen«, sagte Ministerpräsident Péter Magyar bei einer Pressekonferenz in dem Kraftwerk rund 130 Kilometer südlich von Budapest. Die Leistung der Anlage war bereits gedrosselt worden.

      Die vier Reaktoren sowjetischer Bauart werden mit Donauwasser gekühlt. Der Betreiber hatte eine Abschaltung als »unvermeidlich« bezeichnet. Das Kraftwerk deckt über das Jahr gerechnet rund 40 Prozent des ungarischen Strombedarfs.

      Magyar rief die Industrie auf, ihren Stromverbrauch zu verringern. Damit solle eine Energiekrise vermieden werden. Zudem soll die Beleuchtung öffentlicher Gebäude abgeschaltet werden, um Strom zu sparen.

      Hohe Temperaturen und ausbleibender Regen haben die Pegelstände der Donau an mehreren Stellen auf historisch niedrige Werte sinken lassen. Der ungarische Wetterdienst Hungaromet erwartet in den kommenden sechs Tagen eine Hitzeperiode mit Temperaturen von bis zu 41 Grad Celsius.

      Auch Rumänien hat infolge des niedrigen Wasserstands weitere Maßnahmen ergriffen. Ministerpräsident Ilie Bolojan teilte mit, dass für den gesamten August der landesweite Notstand ausgerufen wurde. Ein Reaktor des Atomkraftwerks Cernavodă wurde bereits abgeschaltet.

      https://www.zeit.de/wissenschaft/umwelt/2026-07/rumaenien-notstand-stromproduktion-donau-atomkraftwerk-cernavoda

      Dass die Bundesregierung angesichts dieser fortschreitenden Klimakatastrophe den Ausbau erneuerbarer Friedens- und Wohlstandsenergien sogar noch bremst, halte ich für einen Fehler.

      Die Nutzung fossiler Gewaltenergien war lange nur scheinbar billig, weil viele Klima-, Umwelt-, Gesundheits- und Gewaltkosten auf andere Menschen, Ökosysteme und künftige Generationen abgewälzt wurden. Diese Folgekosten werden nun immer deutlicher und treffen Gesellschaften mit wachsender Härte.

      • @Tobias Jeckenburger
        31.07.2026, 23:23 Uhr

        Unter einer Unterstützung von suchtkranken Menschen stelle ich mir was Anderes vor.

        Die Experten für Abhängigkeit sitzen in einer Reha Einrichtung um die Therapeutin herum.

        Wenn Therapeuten schon Schwierigkeiten haben Zugang zu finden, was erwartest du von Politikern die entweder selbst keinen Zugang dazu haben oder wenn doch wahrscheinlich politisch Selbstmord begehen wenn sie es zugeben würden?

        Und gerade Konservative unterliegen oft dem Irrtum man könne da mit Druck helfen. Weil ihnen nicht klar ist das dann Abhängige zuerst versuchen den Druck zu umgehen. Und Konsum aufrecht zu erhalten.
        Abhängigkeit hegt man so nicht ein.
        Und Abhängige sind Meister im täuschen tarnen und verp…

        So ausgebufft und hart sind Normale gar nicht wie Abhängige.

        Bilden sich aber oft ein zum überlegenen Teil der Menschen zu gehören obwohl sie unter der Doppelbelastung Abhängigkeit und ein Leben aufrecht erhalten zu müssen relativ schnell zusammenbrechen würden. Die meisten Abhängigen wohnen nicht unter der Brücke. Die haben alle zu oft „Die Kinder vom Bahnhof Zoo“ geguckt so kommt es mir persönlich oft vor…

  16. @Michael Blume

    Die Analyse von Andreas Püttmann wird aber nur schlagkräftig wenn man dazu gleichzeitig belegt das die Annahme der AfD Anhänger falsch ist. Sonst hat man nur ein Stimmungsbild das ja vielleicht sogar richtig sein könnte. Was es meiner Meinung nach nicht ist.

    Meiner persönlichen Meinung nach wird das nichts solange sich auch CDU Politiker mit der Aussage hervortun man müsse die AfD mit „besserer Politik“ weg regieren.

    Damit liefern sie in meinen Augen das falsche Argument mit Frau Merkel oder Herr Habek zB hätten dafür gesorgt das sie auch objektiv benachteiligt würden und das müsse man jetzt ändern.
    Damit macht zumindest soweit ich das sehen kann die CDU demnächst weiter.

    Dann ist der einstige Erlöser Merz schuld…

    Was ich persönlich für eine unzulässige Vereinfachung halte auch wenn ich von Herrn Merz vorsichtig ausgedrückt selber nicht begeistert bin selbst wenn ich berücksichtige das er natürlich auch Beschränkungen unterliegt.

    Ist noch früh ich bitte deshalb darum meinen Kommentar gutwillig zu lesen 🙂
    Das ging mir im Kopf herum und musste in Kommentarform. Ich habe mich bemüht Trigger zu vermeiden.

  17. Sehr geehrter Herr Blume,
    ich denke, da fehlt noch die Gewalt, an der sich Karl Marx schon abgearbeitet hat. Die auch gar nicht will, dass man sie als solche erkennt. Sobald nämlich jemand mehr erwirtschaftet als er und seine Familie verbrauchen kann und will, kann er zwar neutral investieren, aber mit den Investitionen und manchmal auch durch Gefälligkeiten bis hin zur offenen Korruption kann derjenige Macht ausüben. Menschen, die viel Geld verdienen schließen sich außerdem zu Interessengruppen zusammen. Ich habe das für mich schon vor 45 Jahren als

    Mercantile Gewalt

    bezeichnet. Wir alle erleben tagtäglich, dass diese, siehe Herr Trumph oder Herr Musk noch viel mächtiger sein kann als alle sonstigen Gewalten zusammen, weil sie letztlich alle anderen Gewalten unterwandern und/oder beeinflussen kann. Ich bin der Überzeugung, dass unser Demokratie-Akzeptanz-Problem zu einem großen Teil daher rührt, dass diese Mercantile Gewalt meistens nicht ausreichend eingehegt und oft noch nicht einmal als solche Gekennzeichnet wird.

    Herzliche Grüße,
    Christian Greim

    • Herzlichen Dank, @Christian Greim – und, ja, bewusst habe ich die unabhängigen Zentralbanken (und Kartellbehörden) als herausragende Beispiele der Scientikative genannt.

      Allerdings bin ich der Auffassung, dass wir über den Markt-Staat-Dualismus nach Adam Smith (1723 – 1790) und Karl Marx (1818 – 1883) dialogisch hinauswachsen sollten. Beide haben ihre historischen Verdienste, aber Ökonominnen des 20. und 21. Jahrhunderts sollten nach meiner Einschätzung endlich an ihre Stellen treten dürfen.

      Habe dazu just heute morgen gepostet:

      Wer mit dem ökonomischen Denken über Männer des 18. und 19. Jahrhunderts hinausblicken möchte:

      Elinor Ostrom unterschied vier völlig unterschiedlich funktionierende Güterklassen:

      1. Gemeinressourcen wie Wasser, Luft, Sonnenlicht, Wälder usw., die vorgefunden wurden und deren Nutzung zu regeln ist. Hier beschrieb sie vielfältige Lösungen alter Kulturen zum sog. Allmende – Problem.

      2. Öffentliche Güter wie Sicherheit, Wettervorhersagen oder Wissenschaft, die von einigen erstellt, aber möglichst allen Menschen zugänglich werden sollten. Deswegen werden Militärs, Polizistinnen und Grundlagenforschung idealerweise aus Steuermitteln finanziert.

      3. Mautgüter, zu denen mehrere Zahlende Zugang haben wie Vereinssport, Theateraufführungen, Kinderbetreuung, Musik und Filme von Streaming-Anbietern.

      4. Privatgüter wie Obst, Fleisch oder Brot, Kleidung, Häuser, Autos usw., die durch Gebrauch verbraucht oder verschlissen werden.

      Podcastete dazu mal mit BWL-Prof. Dr. Inan Ince

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117018579566388499

      Die Podcast-Folge dazu findet sich bei Interesse auch direkt hier:

      https://blumeundince.podigee.io/10-elinor-ostrom

      Ihnen herzlichen Dank für den ökonomisch-dialogischen Kommentar, der mich sehr gefreut hat! 🙏🙌

      • Michael Blume,
        Die Rolle der Geldinstitute

        Die Geldinstitute als Berater des Staates zu sehen ist nur zur Hälfte zutreffend und sie agieren auch nicht verantwortungsvoll, also wissenschaftlich, sondern sie stehen in einem Wettbewerb mit ausländischen Banken.
        .Bei der Bankenkrise 2008 hat sich gezeigt, dass gerade die Landesbanken die größten Verluste gemacht haben., weil die Aufsichtsräte nicht qualifiziert genug waren.

        Der Dualismus Ökonomie versus Staat nach Marxscher Auffassung den gibt es zum Teil wieder, besonders im Niedriglohnsektor und in der Form von Sozialabbau Merzscher Prägung.

        • Danke, @NI – auch für Ihr Interesse an Ökonomie!

          Zumal ich in einer Landesbank meine Ausbildung zum Bank-Finanzassistenten gemacht habe, darf ich Ihnen aber versichern, dass schon zwischen Landesbanken und Sparkassen, Genossenschafts- und Privatbanken enorme Unterschiede bestehen. Und die staatlich geschaffenen, unabhängigen Zentralbanken sind noch einmal eine ganz andere Nummer, im deutschen Grundgesetz hat die Bundesbank sogar ihren eigenen Artikel 88.

          Unabhängige Zentralbanken „beraten“ die Regierungen auch nicht nur, sondern gestalten auf Basis der empirischen Wirtschaftswissenschaften die Geld- und vor allem Zinspolitik aktiv selbst!

          Solche Zentralbanken haben sich als Teil der Scientikative notfalls sogar gegen (!) die Exekutive zu behaupten – die o.g. Niederlage Trumps gegen die Fed vor dem Obersten Gerichtshof der USA handelte genau davon!

          Smith und Marx haben ihren bleibenden, historischen Wert. Sie wurden und werden auch oft ideologisch verkürzt und missbraucht: Smith war kein Marktradikaler und Marx kein Marxist.

          Wie andere Wissenschaften aber auch hat sich die Ökonomie seit dem 18. und 19. Jahrhundert längst weiterentwickelt. Und das bitte ich freundlich zu beachten, empfehle daher auch gerne die Lektüre von Elinor Ostrom.

  18. Die mercantile Gewalt unterscheidet sich aber schon grundlegend von den andern?

    Das fängt schon an bei der demokratischen Legitimation. Sie hat keine.
    Es gibt keine Kontrolle, die anderen haben sich gegenseitig im Blick.
    Und sie vertritt grundsätzlich Partikularinteressen. Sie kann gar nicht anders.

    Trotzdem ist sie natürlich real.

  19. @Michael 31.07. 23:55

    „Nach meiner Einschätzung war die Scientikative während der Covid-19-Pandemie vor allem zu einseitig mit Virologen und Medizinerinnen besetzt, es gab zu wenige Stimmen aus der Psychologie und Pädagogik.“

    Genau dasselbe sehe ich hier bei der Tabaksteuer. Vermutlich gibt es einfach viel mehr Mediziner als Psychologen.

    Es ist ja schön zu wissen, dass Rauchen einige Lebensjahre kostet. Aber wie man die Sucht wirklich loswird, das bleibt eine extrem schwierige Angelegenheit.

    Und es könnte auch verlockend sein, die Suchtlage auszunutzen, um einfach noch mehr Tabaksteuern einzutreiben. Es betrifft ja nur die Uneinsichtigen, die sich selbst und teils noch Anderen schaden. Das kann man dann sogar noch als Vorsorge und Erfolg verkaufen.

    Derweil Ersatzmittel wie Nikotinkaugummis vollkommen unsinnigerweise Apothekenpflichtig sind und damit noch teuer als Tabak sind. Wenn es da günstige Großpackungen im Aldi von gäbe, wäre das eine entscheidende Hilfe.

    @Uli Schoppe 01.08. 03:13

    „Und gerade Konservative unterliegen oft dem Irrtum man könne da mit Druck helfen.“

    Natürlich funktioniert das kaum. Das ist alles ganz schön schwierig. Nur die Tabaksteuern, die fließen zuverlässig. Nun gut, alles Beiträge zur Finanzierung des Gemeinwesens.

    Und das führt auch zu einem Stück DeGrowth, wenn gerade Finanzschwache so abkassiert werden, dass die woanders sparen müssen, wo immer das irgendwie geht.

  20. Sie haben mit Ihrer Antwort soweit ich das verstehe, kein stichhaltiges Argument gegen eine eigenständige Mercantile Gewalt geliefert. Leute mit sehr viel mehr Geld als sie verbrauchen können, Banken, Fonds usw. stellen einfach eine Gewalt dar, noch dazu eine sehr große, egal, ob das jetzt jemand aus dem 19. Jahrhundert oder aus dem 21. Jahrhundert konstatiert.

    Das grundsätzlich Problem ist auch von Frau Ostrom zwar viel diskutiert, aber schlicht und einfach noch nicht gelöst. Reiche im oben genannten Sinn können in sehr großem Maßstab mit sehr vielen Güter belohnen und sich die vier oben genannten Güterklassen zumindest teilweise unterwerfen.

    Frau Ostrom hat hier eben einen blinden Fleck: Kapital, dass nicht direkt zum ökonomischen Leben oder zur Absicherung dieses ökonomischen Lebens gebraucht wird, fällt unter keine der oben genannten Kategorien 1 bis 4. Es ist irgendwas zwischen 3 und 4, wenn man Inflation als Verschleiß definieren will.

    Die entscheidende Frage ist: Wie kann man diese Mercantile Gewalt unter demokratisch legitimierte wirkungsvolle Kontrolle bringen, ohne die innewohnende spekulative Kreativität abzuwürgen? Dafür habe ich bisher noch keinen praktizierten Ansatz gefunden.

    Marx hat versucht, alles Kapital zu enteignen, was sich als mäßig guter Weg heraus gestellt hat, weil damit auch ein gewisses Antriebsmoment und die Verantwortlichkeit wegfällt.

    Der demokratische Rechtsstaat ist in vielen Fällen den Heerscharen von Juristen, die finanzkräftige Menschen aufbringen können, nicht gewachsen. Und es ist für die meisten Menschen eine Überforderung, den Versuchungen oder Drohungen, die sehr reiche Menschen aufbauen können, zu widerstehen, seien es Wissenschaftler, Richter, hohe Verwaltungsbeamte oder normale Bürger.

    China versucht eine Zähmung Mercantiler Gewalt, indem es sie im Prinzip laufen lässt und durch gelegentliche drakonische Eingriffe, eine Art Selbstbeschränkung der Verantwortlichen erzwingt.

    Keiner dieser Lösungsansätze hat sich bisher als etwas erwiesen, was die Versorgung der überwiegenden Mehrheit der Menschheit mit einem lebenswerten Leben dauerhaft absichern könnte. Ich möchte nicht alles in einen Topf werfen. Man und muss alle bisherigen Ansätze nach Menschlichkeit, Effizienz, Wirtschaftlichkeit, Reformierbarkeit usw. bewerten.

    • Herzlichen Dank fürs Nachfassen, @Christian Greim

      Nein, ich habe weder Lust noch Zeit für Schaukämpfe und stehe neuen Ideen gerne dialogisch und offen gegenüber. Und der auf fossilen Gewalt(!)energien und Ausbeutung der Karbonblase fixierte Konzern-Fossilismus beschäftigt mich auch selbst immer wieder, so auch heute auf Mastodon:

      Der Fossilismus zerstört Mitwelt und Mitmenschen, macht viele ärmer und wenige reich.

      „Der US-Ölkonzern ExxonMobil hat seinen Gewinn im abgelaufenen Quartal dank hoher Ölpreise infolge des Irankriegs mehr als verdoppelt. ​Der bereinigte Überschuss stieg auf 14,7 Milliarden Dollar, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. Damit verzeichnete ‌der nach Marktwert größte US-Ölkonzern das beste Quartalsergebnis seit vier Jahren.

      Auch Konkurrenten wie Chevron, Shell und TotalEnergies hatten zuletzt von den gestiegenen Preisen profitiert und Gewinnsprünge vorgelegt.“

      Der Widerstand heißt Solarpunk!

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117022223748153644

      Ob Wirtschaftsbetriebe in ein Staatsmodell republikanischer und demokratischer Gewaltenteilung gehören?

      Ich habe da Zweifel, zumal sowohl Montesquieu wie auch Burke auf die Nennung der Kirchen verzichteten, die damals noch unglaublich mächtig und je in Frankreich und Großbritannien sogar Staatskirchen (!) waren.

      Oder was wäre mit Kunst und Sport und dem Faktor, den ich für die stärkste Macht in jeder Gesellschaft halte – die Demografie?

      Hier sehe ich gerade auch in China eine massive Bevölkerungsimplosion – die auch die Binnen-Nachfrage, die Investitionen und damit die Wirtschaft insgesamt herunterzieht.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/china-zwischen-demografischer-geburtenimplosion-und-ki-robotik-zukunft/

      Ich bin also wirklich offen für Darstellungen der menschlichen Gesellschaften. Bei der Architektur demokratisch-republikanischer Gewaltenteilung würde ich jedoch erst einmal bei den fünf Säulen bleiben wollen, ohne auszuschließen, dass mich neue Argumente etwa zu Religionen, Wirtschaft oder Familien noch überzeugen könnten.

    • Christian Greim, Betreff: Merkantile Gewalt

      „Die entscheidende Frage ist: Wie kann man diese Mercantile Gewalt unter demokratisch legitimierte wirkungsvolle Kontrolle bringen, ohne die innewohnende spekulative Kreativität abzuwürgen?

      Antwort: Man darf nicht versuchen, sie unter Kontrolle zu bringen. Sie ist das Herz der freien Marktwirtschaft. Je nachdem. ob man Fiskalist oder Monetarist ist, sind auch die Methoden unterschiedlich. Der Fiskalist will den Staatshaushalt über Steuern und Staashaushalt „regieren“, der Monetarist setzt auf die Begrenzung der Geldmenge durch eine Zentralbank. Mir scheint, Herr Dr. Blume ist ein Monetarist.

      Dr. Michael Blume
      Frau Ostrom beschäftigte sich mit der Selbstorganisation von Gütern , die allen zukommen. Und das außerhalb von staatlichem Eingriff. Das könnte man sogar als eine Weiterentwicklung des Kommunismus bezeichnen, denn Marx behauptete ja , dass sich der Staat selbst überflüssig macht, wenn einemal die Güter allen gehören.

      Hier geht es ja um die Scientikative, vorallem passt die in das Schema Regierung , Parlament, Gerichtsbarkeit.?
      Herr Schoppe hat angemerkt, dass der merkantilen Gewalt die Legitimation fehlt.
      Sie wird nicht gewählt. Wie auch Herr Griem angemerkt hat, das Schwergewicht der merkatilen Gewalt ist ihre Dynamik. Sie ist das Herz der freien Marktwirtschaft und will keine Kontrolle von Bürokraten.
      Das ist doch der Unterschied von Planwirtschaft und Marktwirtschaft.
      In der Planwirtschaft ist die merkantile Gewalt gesteuert, in der Marktwirtschaft steuert die merkantile Gewalt sich selbst.

      • Danke für die Nachfrage, @NI

        Tatsächlich leistete Elinor Ostrom gerade nicht nur mit Gütern „außerhalb von staatlichem Eingriff“. Vielmehr erforschte sie beispielsweise konkret, wie und wo Polizeireviere Sicherheit produzieren (Exekutive).

        Und ihr Ansatz konnte erklären, warum die Privatisierung wie auch die Nationalisierung der Wasserversorgung überall auf der Welt katastrophal scheiterte, stattdessen kommunale – also staatliche und dezentrale – Trägerschaften sich bewährten.

        Ostrom knackte den Markt-Staat-Dualismus, der leider immer noch liberales und sozialistisches Denken durchdringt.

        Gerade auch die Produktion und Anwendung von Wissenschaft durch die zunehmend gesetzlich verankerte Scientikative halte ich für ein hervorragendes Beispiel für die sinnvolle Unterscheidung der Güter. Von kommunalen Kindergärten über Landesbeamte (!) in Schulen bis zu zunehmend komplexen Kooperationsformen wie Berufsschulen und Dualen Hochschulen wird auch die Weitergabe von Wissen überwiegend staatlich organisiert. Auch kluge, vor allem mittelständische Wirtschaftsleute wünschen sich eine aktive, auskömmliche finanzierte und kooperative Bildungslandschaft als Unterbau der Scientikative.

        • Michael Blume,
          „durch die zunehmend gesetzlich verankerte Scientikative “

          Jetzt habe ich ihr Anliegen verstanden. Viel Erfolg !

          • Lieben Dank, @NI

            Auf Mastodon geht gerade eine drei-teilige Minifolge dazu steil, die ich daher auch hier gerne teile:

            Immer noch glauben zu viele Leute, das Problem der Bundespolitik wäre nur eines einzelner Politiker.

            Aber die 1961 eingeführte Vorherrschaft der Parteivorsitzenden sprengte auch schon die Ampel – Koalition, fegte die FDP aus dem Bundestag. Sie zerlegt derzeit neben dem Bundeskanzler & Bundesvorsitzenden der CDU Friedrich Merz auch die SPD-Vorsitzenden Bärbel Bas & Lars Klingbeil.

            Die exekutive Parteivorsitzenden – Vorherrschaft hat in der demografisch & wirtschaftlich noch wachsenden Fernseh- und Zeitungsdemokratie noch passabel funktioniert, zerfällt aber mit der Digitalisierung in der Polykrise.

            Entweder, wir besinnen uns endlich wieder auf die gewaltenteilige Bundesrepublik des Grundgesetzes in Wort und Tat, oder wir wiederholen Fehler der Geschichte!

            Schon die Missachtung des Weimarer Reichstages ab 1930 durch sog. Präsidialkabinette bereitete die NS-Machtergreifung vor. Es geht längst nicht mehr nur um einzelne Parteien oder Personen, sondern um das mimetische System! (1/3)

            https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117025761366000463

            So steht im Grundgesetz Artikel 64 (2) zur Amtseinführung der Exekutive ohne Wenn und Aber:

            „Der Bundeskanzler und die Bundesminister leisten bei der Amtsübernahme vor dem Bundestage den in Artikel 56 vorgesehenen Eid.“

            Vor dem Bundestage, der Legislative!

            Und wer könnte diesen #Bundestag nach Artikel 39 (3) sofort einberufen?

            1. Bundestagspräsidentin Klöckner (CDU)

            2. Bundespräsident Steinmeier (SPD)

            3. Bundeskanzler Merz (CDU)

            4. Ein Drittel der Mitglieder des Bundestages (MdB)

            Stattdessen wird dem deutschen Volk rauf und runter erklärt, dass wir angeblich zu wenig arbeiten und zu oft krank machen würden. Aber kein einziges Verfassungsorgan traut sich, zu einer Sondersitzung einzuladen und damit einen verfassungswidrigen Zustand zu beenden!? Ja, geht’s noch?

            Wie soll ich als Grundgesetz-Ultra glaubwürdig für unsere demokratische Republik werben, wenn die Bundespolitik selbst unser Grundgesetz so eklatant missachtet!? Meint Ihr wirklich, die Menschen spüren das nicht!? (2/3)

            https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117025788557156376

            Mein Argument ist also nicht, dass wir 1 neue Verfassung, neues System, neue Gewaltenteilung bräuchten – sondern dass wir quer durch alle demokratischen Parteien, Regierungen, gewählten Parlamente, Medien & Wissenschaften endlich wieder jede Säule der demokratisch-republikanischen Gewaltenteilung achten sollten.

            Wir brauchen kein neues Grundgesetz, sondern eine zivilreligiöse Reformation auf unser bestehendes GG!

            1. Die Exekutive soll regieren & nicht in verfassungswidrigen „Koalitionsausschüssen“ Gesetzes-, Renten- und Steuerkompromisse hinschludern, die zu Recht keine Akzeptanz mehr finden.

            2. Die Legislative soll Gesetze & Haushalte beschließen. Wäre der sog. „Heizungshammer“ nicht zwischen Ministerien, sondern im Bundestag beraten worden, hätte die fossile Medienkampagne gar nicht zünden können.

            3. Die Judikative soll klar Recht sprechen & auch einfordern.

            4. Die Publikative soll mehr informieren statt fossil & mimetisch manipulieren.

            5. Grüße aus der Scientikative. (3/3)

            https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117025828722466439

            Heute konnte ich auch in einer Dialog-Folge mit dem BWL-Professor Dr. Inan Ince über das Thema diskutieren – diese sollte dann ebenfalls bald online gehen.

            Ihnen Dank für das intensive und dialogische Interesse! 🙏😊🌈

  21. Die Idee einer fünften Gewalt ist charmant. Intellektuell wirkt sie wie ein maßgeschneiderter Anzug. Politisch erinnert sie eher an eine Warnweste auf einem Schützenfest.

    Denn Wissenschaft besitzt eine ausgesprochen lästige Eigenschaft: Sie interessiert sich nicht dafür, wer gerade regiert. Thermodynamik verhandelt nicht. Viren lesen keine Koalitionsverträge. Und die Inflation fragt höflich nicht nach Parteibüchern. Das macht Forscher zu denkbar schlechten Populisten.

    Allerdings sollte man aufpassen, Wissenschaftler nicht zu Hohepriestern einer neuen Staatskirche zu ernennen. Wer jemals drei Professoren über dasselbe Thema diskutieren hörte, weiß: Bereits zwei von ihnen gründen konkurrierende Schulen, der dritte beantragt Fördergelder für eine Meta-Analyse.

    Die eigentliche Pointe liegt ohnehin woanders. Während Exekutive, Legislative, Judikative und Medien einander kontrollieren sollen, lebt Wissenschaft gerade vom organisierten Zweifel. Wer eine These nicht widerlegen lassen will, betreibt keine Wissenschaft, sondern Ahnenforschung.

    Vielleicht braucht es also keine neue Säule. Vielleicht genügte schon der altmodische Gedanke, Politiker gelegentlich auf Menschen zu hören, die jahrelang ein Fachgebiet erforscht haben. Das wäre für manche Kabinette bereits eine revolutionäre Innovation – und vermutlich billiger als der nächste Untersuchungsausschuss. 🦌

    • Herzlichen Dank für Ihren klugen Kommentar, @Bock 🙏

      Lange Zeit hatte ich vor allem über die Edukative nachgedacht – mich aber schließlich doch dagegen entschieden, sie als eigene Macht und Säule zu verstehen.

      Bei der Scientikative sollten wir dagegen erkennen, dass sie bereits immer mehr Gesetzes- und bisweilen sogar Verfassungsrang hat: Medizinische Institutionen wie das RKI und Impfkommissionen, unabhängige Zentralbanken, Patent- und Kartellbehörden, Ethik- und auch immer mehr Klimaräte habe ich ja nicht erfunden oder gefordert, sondern bereits vorgefunden.

      Die Verwissenschaftlichung von Politik – gegen erbitterte Widerstände von Reaktanten, Konzernen, Fossilisten, TechBros usw. – ist eine beobachtbare Realität. Und zugleich stimme ich Ihnen aber auch ausdrücklich zu, dass die Scientikative neben und nicht über die anderen Mächte und Säulen gehört.

  22. @Christian Greim 01.08. 15:04

    „Die entscheidende Frage ist: Wie kann man diese Mercantile Gewalt unter demokratisch legitimierte wirkungsvolle Kontrolle bringen, ohne die innewohnende spekulative Kreativität abzuwürgen?“

    Ja ist das denn überhaupt eine eigene Macht? Das meiste Kapital wird doch über die Banken an jeden weitergeleitet, der schöne Zinsen verspricht. Dass hier ein Musk mal selber wirklich Politik daraus macht, das scheint mir doch die Ausnahme zu sein. Ich schätze mal das mindestens 90 % des aktiven Kapitals wirklich nur ihre Rendite im Sinn hat.

    „China versucht eine Zähmung Mercantiler Gewalt, indem es sie im Prinzip laufen lässt und durch gelegentliche drakonische Eingriffe, eine Art Selbstbeschränkung der Verantwortlichen erzwingt.“

    Soweit das da funktioniert? Auch hier kann der Staat mal eingreifen, wenn Geschäftsmodelle geltendes Recht verletzen. Oder auch ganze Branchen fördern oder bremsen.

    Sorgen mache ich mir eher aus einem anderen Grund. Ständig wachsendes Kapital braucht ständig wachsende Wirtschaft. Will man das mal nicht mehr, muss man genug von dem akkumuliertem Kapital über entsprechende Steuern abzwacken und sogleich verkonsumieren. Erst dann passt das wieder.

    Solange es aber soviele arme Länder auf der Welt gibt, kann das hier überschüssige Kapital genau dahin fließen. Dass man da endlich auch mal vernünftig leben kann. Das wäre eigentlich meine größte Hoffnung, und dass man da dann gleich aus ziemlich wenig direkt in die Energiewende einsteigt.

    Zumal in vielen südlichen Ländern das Potenzial für PV vergleichsweise hoch ist, und dann noch gleichmäßiger übers Jahr verteilt ist. Zufälligerweise liegt die Islamische Welt überwiegend in Wüstengegenden mit den weltweit höchsten PV-Erträgen. Vielleicht hilft denen das bald auch wirklich weiter. Da kann noch jede Menge Produktion hin verlagert werden.

    Wenn man sich denn mal darauf einigen könnte, einfach nur produktiv zu sein.

  23. @ Tobias Jeckenburger 01.08.2026, 23:08 Uhr

    Zitat: „Ich schätze mal das mindestens 90 % des aktiven Kapitals wirklich nur ihre Rendite im Sinn hat……
    Ständig wachsendes Kapital braucht ständig wachsende Wirtschaft. Will man das mal nicht mehr, muss man genug von dem akkumuliertem Kapital über entsprechende Steuern abzwacken und sogleich verkonsumieren. Erst dann passt das wieder.“

    Wenn Sie das Kapital „verkonsumieren“ dann ist es endgültig, letztlich im WC „entsorgt“ und auf „Ewigkeit verloren“. Keiner hat mehr was davon.

    Wird es aber in Arbeitsplätze (z.B. als Kredit an Unternehmer) investiert, so erhalten Menschen Arbeit, erzeugen Güter die gerne gekauft, allenfalls sonst irgendwie „verhökert“ werden, Steuern und Gewinne werden abgezwackt, Gewinne werden erwirtschaftet um die Wirtschaft durch „passende Kapitallenkung“ in Schwung zu halten….

    Das sollte so weiter gehen, bis möglichst alle Menschen einen ordentlichen Job haben, sich gegenseitig „Gutes tun“ und alle glücklich sein können….. Möglichst auf der ganzen Welt. So ähnlich habe ich D. Trump verstanden. Sein Kumpel E. Musk kümmert sich höchst erfolgreich um die Technik und zeigt auf wie es geht…..

    Das Kapital sollte aus „wirklicher Arbeit“ entstehen, wenn der Genosse „Gelddruckereidirektor“ einfach die Gelddrucker schneller laufen lässt, so ist das Geld nichts wert…. Es ist aber auch nichts wert, wenn einen Kapitalisten nichts besseres einfällt, als einfach parasitär und funktionslos als „Zwischenhändler“ abzuzocken….

    Es muss nicht immer mehr Menschen geben. Den „vorhandenen Menschen“ könnte es auch immer besser gehen….. zum Beispiel könnten sie neue „Urlaubsparadiese“ in derzeitigen „Kriegsgebieten“ aufsuchen und sich verwöhnen lassen.

    Trump will bekanntlich an Mittelmeerküsten „traumhafte Urlaubsparadiese“ bauen und den Leuten (samt den Kriegern) in Gaza Arbeitsplätze verschaffen. Dann brauchten die Leute dort nicht mehr mit Trümmern leben….

    Nur die Regelungsprozesse sollten funktionieren….. Passende Persönlichkeiten sollten halt dahinter stehen und gefördert, nicht bekämpft werden…..

  24. @Realo 02.08. 09:22

    „Wenn Sie das Kapital „verkonsumieren“ dann ist es endgültig, letztlich im WC „entsorgt“ und auf „Ewigkeit verloren“. Keiner hat mehr was davon.“

    Was heißt hier entsorgt. Das Geld landet zuerst in der Staatskasse, wird dann irgendwann ausgeben und geht wieder zurück in den Kreislauf. Das wäre ja nur eine Idee, wenn es mal handfeste Schwierigkeiten gibt, die auflaufenden Gewinne wieder anzulegen.

    Nebenbei kann man mit mehr Kapitalsteuern aber auch die Lohnsteuern senken. Wenn man es denn möchte. Das kann man auch jetzt schon machen. Das könnte dann auch den Nachwuchs fördern, wenn jungen Familien mehr Geld bleibt.

  25. @Realo 02.08. 09:22

    „Trump will bekanntlich an Mittelmeerküsten „traumhafte Urlaubsparadiese“ bauen und den Leuten (samt den Kriegern) in Gaza Arbeitsplätze verschaffen. Dann brauchten die Leute dort nicht mehr mit Trümmern leben….“

    Nicht nur in Gaza, die ganze afrikanische Mittelmeerküste ist touristisch durchaus interessant. Und auch als Wohnort für die Einheimischen attraktiv. Also eigentlich keine schlechte Idee, da umfangreich zu investieren. Auch mit reichlich PV, Kurzfristspeichern für nachts und Meerwasserentsalzung kann das was werden.

    „Nur die Regelungsprozesse sollten funktionieren….. Passende Persönlichkeiten sollten halt dahinter stehen und gefördert, nicht bekämpft werden…..“

    Verlässliche Rahmenbedingungen sind allerdings für umfangreiche Investitionen sehr von Vorteil. Chaospolitik ist als Investitionsgrundlage eher schwierig.

  26. @ Dr. Blume

    Ich hätte an Sie eine philosophische Frage.

    Meine Welt war, salopp gesagt, die Welt der Elektronik/Informatik. Grundsätzlich war auch das „Hardware – Softwarekonzept“, dass zumindest grob dem „Körper – Geist“ Dualismus der Philosophie entspricht.

    Der Körper ist „materiell“ und „angreifbar“. Geist ist nicht körperlich angreifbar, praktisch Information.

    Sie benutzen den Begriff „Dualismus“ nicht nur in diesem eigentlich üblichen „engen Sinn“ des echten „philosophischen Dualismus“. Diese Verwendung wird für mich innerlich als „sehr positiv“ „empfunden“.

    Sie benutzen den Begriff eher als „Gegenüberstellung“ moralischer oder kultureller, oft als „negativ zu empfindenden“ Sachverhalte.@ Dr. Blume

    Ich hätte an Sie eine philosophische Frage.

    Meine Welt war, salopp gesagt, die Welt der Elektronik/Informatik. Grundsätzlich war auch das „Hardware – Softwarekonzept“, dass zumindest grob dem „Körper – Geist“ Dualismus der Philosophie entspricht.

    Der Körper ist „materiell“ und „angreifbar“. Geist ist nicht körperlich angreifbar, praktisch Information.

    Sie benutzen den Begriff „Dualismus“ nicht nur in diesen eigentlich üblichen „engen Sinn“ des echten „philosophischen Dualismus“. Diese Verwendung wird für mich innerlich als „sehr positiv“ „empfunden“.

    Sie benutzen den Begriff eher als „Gegenüberstellung“ moralischer oder kultureller, oft als „negativ zu empfindenden“ Sachverhalte.

    Z.B. religiöse Gegensätze, moralische Gegensätze, kulturelle Konfliktlinien, politische Polarisierungen, …..

    Das sind keine ontologischen Dualismen, sondern eher normative oder narrative Gegensätze.

    Ich meine, die Philosophen würden eher Begrifflichkeiten wie z.B. „Wertgegensätze“, „normative Dichotomie“, „symbolische Polarität“, „psychologische Polarisierungen“,….. verwenden.

    Warum nutzen Sie Begrifflichkeiten außerhalb der traditionellen, klassischen Philosophie“?

    Z.B. religiöse Gegensätze, moralische Gegensätze, kulturelle Konfliktlinien, politische Polarisierungen, …..

    Das sind keine ontologischen Dualismen, sondern eher normative oder narrative Gegensätze.

    Ich meine, die Philosophen würden eher Begrifflichkeiten wie z.B. „Wertgegensätze“, „normative Dichotomie“, „symbolische Polarität“, „psychologische Polarisierungen“,….. verwenden.

    Warum nutzen Sie Begrifflichkeiten außerhalb der traditionellen, klassischen Philosophie“?

  27. @Realo 02.08. 14:26

    „Meine Welt war, salopp gesagt, die Welt der Elektronik/Informatik. Grundsätzlich war auch das „Hardware – Softwarekonzept“, dass zumindest grob dem „Körper – Geist“ Dualismus der Philosophie entspricht.“

    Der technische Unterschied zwischen Software und Hardware ist schon markant. Aber auch Software ist physikalisch indentifizierbar, eindeutig auf Computern zum Laufen fähig und keinesfalls Teil von irgendwelchen Geisteswelten.

    Die Geisteswelten mag es auch noch geben, allerdings kennt die Physik diese derzeit nicht.

    Was allerdings der Software sehr gut entspricht, dass wären die Nervenimpulse, die im Gehirn kursieren, abzugrenzen von einer Hardware von konkreten Neuronen, Nervenfasern und Synapsen.

    Und das ist auch immer noch nicht das Bewusstsein. Dieses mag nur ein Teil des Nervenimpulsgeschehens sein, kann aber m.E. auch in wirkliche Geisteswelten hineinreichen. Die allerdings physikalisch gesehen eben noch unbekannt sind.

    Und auch KI-Systeme, die eigenes Bewusstsein entwickeln, mögen ohne Beteiligung von wirklichen Geisteswelten nicht funktionieren können. Weder Hardware noch Software kann das alleine aus meiner Sicht nicht. Zumindest hätte ich keine Idee, wie. Wenn das dann doch noch einer irgendwie programmiert bekommt, wäre ich jedenfalls wirklich überrascht.

  28. Hallöchen @Michael,

    danke für die Spannende Erweiterung, die das Verständnis unserer Politischen Struktur verfeinert. Vielleicht ähnelt es etwas der Psychologie, wo Phänomene schon lange allgemein bekannt sind, aber erst durchs genaue hinschauen und definieren greifbarer und beeinflussbarer werden. Schließlich kann ich wenn ich die Puplicative und Scienticative als Macht Struktur wahrnehme, ganz anders darauf reagieren wenn sich in der Welt was tut.

    Die Machtaufteilung des Öffentlichen Raumes dient ja dazu, Monopolstellungen zu verhindern. Also, solange die Macht sich zentriert, hemmt sie die Entfaltung der Einzelnen Menschen, bei einer aufgeteilten Macht entsteht mehr Luft und Licht um neues entstehen zu lassen. Mein Verständnis, keine ahnung ob das jetzt so stimmt. 0o

    Jetzt haben wir zum Beispiel Konzerne, die als Einzelakteure im Großen Spiel viel Einfluss haben. Sowohl auf die alte Macht Teilung (Legislative, Judikative, exekutive) aber auch auf die Puplikative und Scientikative.

    Nutzen diese Einzelakteure die Zersplitterung der Macht derart aus? Persönlich habe ich eher das Gefühl das Demokratien und aufgeteilte Macht Strukturen da weitaus besser aussteigen als zu Machtzentrierte Staaten, kann mich da aber täuschen.

    Ist es auch so, das sich die einzelnen Säulen gegenseitig abhängig machen? Denn ohne Puplikative keine gute, aufgearbeitet Verbreitung, ohne Scientikative keinen Wissenschaftlichen Rückhalt der Handlungen usw. Schließlich kann ein Gesetz ja zu Fall gebracht werden, wenn einfach sehr viele aktiv sagen sie halten sich nicht daran oder empfinden es nicht als gerecht, was auch auf die zwei neuen Säulen zurückgeführt werden kann.

    Wäre das nicht antihierarchisch?

    Liebe Grüße,

    Berthold Forster

    • Vielen Dank, lieber @Berthold – ich glaube, an Deinen Beobachtungen und Hypothesen dazu ist viel dran!

      Selbstverständlich versuchen immer wieder Menschen, möglichst alle Macht bei sich zu versammeln – die thymotische „Thyrannis“ gegen die Demokratie war ein großes Thema der griechischen Antike und auch die römische Republik wandte sich direkt gegen die Monarchie. Und umso weiter sich Gesellschaften aufgliedern, umso mehr Versuche gibt es, Schwachstellen in ihrem Gefüge zur Machtergreifung zu finden. So haben wir im 19. Jahrhundert nicht nur die Entwicklung fossiler Konzerne, sondern auch dazu gehörender Konzernmedien, die im 20. Jahrhundert nach der Macht greifen. Ohne den preußischen Medienmogul Hugenberg (DNVP) wäre auch der Österreicher Hitler (NSDAP) nicht in Berlin an die Macht gekommen!

      Auch deswegen erscheint es mir so wichtig, immer wieder neu die Gewaltenteilung zu durchdenken und den Zustand jeder „Säule“ zu prüfen. Wir haben doch in Ungarn & Polen gesehen und sehen noch in den USA, dass Rechtsdualisten nach der Eroberung der Exekutive auch das Mediensystem (die Publikative) und das Rechtssystem (die Judikative) zu unterwerfen versuchen. Umgekehrt hat beispielsweise die „Welt am Sonntag (WamS)“ vor der letzten Bundestagswahl sogar einen AfD-Wahlaufruf von Elon Musk abgedruckt – und damit deutlich gemacht, was für einen Bundestag (Legislative) und was für eine Bundesregierung (Exekutive) sie sich wünschen!

      https://www.herder.de/hk/hefte/archiv/2025/10-2025/medien-und-mimesis-journalismus-in-zeiten-digitaler-aufmerksamkeitsoekonomie/

      Daher habe ich übrigens einem anfragenden Journalisten des fossilen AxelSpringer-Medienkonzerns gebeten, sich bei künftigen Anfragen an mich doch bitte an die Pressestelle zu wenden. Ich weigere mich aus medienethischen Gründen, direkt mit Journalistinnen und Journalisten zu kommunizieren, die für Matthias Döpfner und mit Ulf Poschardt arbeiten.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/mit-den-kirchen-glaubwuerdig-gegen-geschichtsvergessenheit-und-verschwoerungsmythen/

      Von der sog. „Achse des Guten“ bin ich ja sogar vor Gericht verklagt worden – und mit den Urteilen dazu sehr zufrieden.

      https://www.stuttgarter-zeitung.de/lokales/baden-wuerttemberg/steinhoefel-baden-wuerttemberg-traenen-helfen-dem-staranwalt-nicht-79012766.html

      Wen der dort aufgetretene Anwalt sonst noch so vertritt, ist ja leicht zu recherchieren.

      Ich lasse mich also auch in Zukunft weder von TechBros, noch von Konzernen oder Konzernmedien einschüchtern. Die Aufklärung über die fünfteilige Gewaltenteilung in der Bundesrepublik habe ich gerade in der neuen Folge von „Blume & Ince“ fortgesetzt:

      https://www.youtube.com/watch?v=Za0JfDKiGhE

      Auch ist heute für mich ein besonderer Tag, wie ich auch auf Mastodon verdeutlicht habe:

      Dass ich die GG-Bedeutung des Bundestages schmerzlich vermisse, hat auch mit der heutigen Nacht zu tun.

      Vom 2. auf den 3. August 2014 griff die IS-Terrormiliz im Irak auch die jesidischen Siedlungsgebiete an & verübte einen (inzwischen auch mit meinem Gutachten festgestellten) Genozid mit Tausenden von Toten und massiver, sexualisierter Gewalt.

      2015/16 nahm das Land BW 1.100 ezidische Frauen und Kinder auf, ich durfte dieses humanitäre Sonderkontingent leiten.

      Im Januar 2023 erkannte dann auch der Bundestag einstimmig diesen Genozid an, der geschätzte Abgeordnete Michael Brand (CDU) dankte mir & Prof. Jan-Ilhan Kizilhan sogar namentlich für unseren Einsatz für das SoKo.

      Doch dann – ignorierten beide Bundesregierungen den Beschluss des Bundestages und dessen Empfehlungen völlig. Ich verzichtete dann auch auf das Bundesverdienstkreuz.

      Heute Nacht werde ich um die Getöteten trauern & an jene denken, die halfen. Und an jene, die Hilfe verweigern. 😥🙏

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117027344113304792

      Für Dein ernsthaftes, konstruktives und dialogisches Interesse danke ich Dir von Herzen, @Berthold Forster 🙏🙌

      • Guten Abend @Michael,

        danke für die schnelle Antwort und das du dir dafür Zeit nimmst.

        Das schockierende an Gewaltverbrechen in solchem ausmaß, wie es die Jesiden erlebt haben, also für mich persönlich, ist die Erkenntnis wie schnell es einfach als egal angesehen wird. Es kommt in eine Kategorie von ganz schlimm, aber ansonsten will man sich nicht weiter befassen. Vielleicht weil Verantwortung übernehmen und Konsequenzen auf sich selbst beziehen nicht nur Energie kostet, sondern auch einen inneren Willen zum Guten benötigt.

        In deinen Blogbeiträgen hast du ja oft genug erklärt und hingewiesen das wir sehr wohl Terror und Extremismus bekämpfen können, indem wir ihnen einfach den Saft abdrehen. Was ja viel mehr bringen würde, als unsere Energie daran zu verschwenden anderen Menschen das ankommen in unsere Länder so schwer wie möglich zu machen.

        Ich glaube diese 5 Säulen haben da potential, gerade dann wenn sie sich untereinander nicht nur binden, sondern kooperieren! Dann haben sie auch eine Chance, Monopolistische Konzerne einen Riegel vorzuschieben. Alphabet wurde gerade von der EU bestraft soweit ich das weiß und es gebe noch einige andere Digitale Titanen die da vielleicht mal was abbekommen sollten.

        Was mich bis jetzt wundert, wie die USA es zulassen konnten, das sich tatsächlich solche Monopole bei ihnen installieren. Allein Amazon ist ein solcher Riese und so Über dominant, das es ja die Struktur selbst gefährdet. Also die Grundrechte auf die sich die meisten Amerikaner prinzipiell berufen. Wenn statt einem Datencenter einer ganzen Stadt im Notfall Strom und Wasser abgedreht wird, kann es im schlimmsten fall um Leben und Tod gehen. Vielleicht wollten sie das Wirtschaftswachstum nicht gefährden oder haben es schlicht übersehen, aber das ist doch dermaßen übermächtig, das sich die Machtblöcke da vereinen müssen, sonst werden die Konzerne am längeren Hebel sitzen.

  29. Tobias Jeckenburger
    01.08.2026, 23:08 Uhr
    @Christian Greim 01.08. 15:04

    „Die entscheidende Frage ist: Wie kann man diese Mercantile Gewalt unter demokratisch legitimierte wirkungsvolle Kontrolle bringen, ohne die innewohnende spekulative Kreativität abzuwürgen?“

    Das meiste Kapital wird doch über die Banken an jeden weitergeleitet, der schöne Zinsen verspricht.

    Das empfinde ich als eine eher naiv-romantische Vorstellung davon wie Kapitalismus funktioniert. Ist das wirklich das was du beobachtest wenn du hin schaust?

    Dass hier ein Musk mal selber wirklich Politik daraus macht, das scheint mir doch die Ausnahme zu sein.

    Schon auf kommunaler Ebene wird da Politik draus gemacht… Das soll von mir aus nicht einfach eine Verteufelung von Politik und Politikern werden. Aber das findet statt wenn man es zulässt. Auch Politiker sind Menschen. Wenn es in anderen Lebensbereichen „so ne und so ne“ gibt, warum sollte es entsprechende Charaktere nur „in der grossen Politik“ geben? Man muss Politiker da abholen wo sie stehen :

    Es sind Menschen.

    Mit allem was dazu gehört.

    Ich schätze mal das mindestens 90 % des aktiven Kapitals wirklich nur ihre Rendite im Sinn hat.

    Genau das ist doch das Problem…

  30. @Uli Schoppe 02.08. 22:28

    „Genau das ist doch das Problem…“

    Jede Firma muss die Zinsen ihres Kapitals aufbringen können. Anders geht es nicht. Wenn es gut läuft kann die Firma wachsen, und immer größer werden.

    Erst bei wirklich großen Firmen kommt Lobbyismus ins Spiel, wie etwa von Frau Reiche, die offenbar die Energiewende verzögern und den Umsatz mit Gas verlängern will.

    Klar ist das recht doof.

    Praktisch wäre, wenn hier die Parlamentarier inklusive die von der CDU das korrigieren würden.

    Auch bei den Dortmunder Stadtwerken vermisse ich mehr Anstrengungen, an der Energiewende mit zu machen. Hier legt aber auch die Bundespolitik fest, was vor Ort aktuell möglich ist.

    So könnte mein kommunaler Versorger auf allen geeigneten Dächern und ähnlichen Flächen PV mit integrierten Lithiumakkus mit einer Tagesleistung Kapazität installieren. Und damit wahrscheinlich auch noch Gewinn mit einfahren können.

    Soweit, bis der Strombedarf der ganzen Stadt zumindest über das Sommerhalbjahr damit komplett abgedeckt ist. Da können später noch jede Menge bidirektionale öffentliche Ladestationen dazu kommen, und reichlich beim Stromspeichern mithelfen können.

    Da sind offenbar schon Baustellen, die echt hängen. Kapitalismus als Wirtschaftsform kann mit sehr viel mehr Resilienz des Staates gegenüber destruktivem Lobbyismus schon überaus gefragt sein.

    Ob da China sehr viel weniger Probleme mit hat? Nicht dass ich da leben wollte, meine Freiheit weiß ich zu schätzen. Aber was in China abgucken könnte eventuell doch weiterführen. Insbesondere was eine Entschärfung des Lobbyismus beträfe?

  31. @ Tobias Jeckenburger 02.08.2026, 23:35 Uhr

    Zitat: „Erst bei wirklich großen Firmen kommt Lobbyismus ins Spiel, wie etwa von Frau Reiche, die offenbar die Energiewende verzögern und den Umsatz mit Gas verlängern will.“

    Ich glaube nicht, dass außer die Öl/Gashändler, bei uns irgend jemand absichtlich die Energiewende verzögern will. Was sich um Hormus so abspielt, zeigt doch auf, dass es nicht schnell genug gehen kann.

    Allerdings ist die Ministerin Reiche für die Stabilität der Energieversorgung verantwortlich. Bei einem längeren Blackout, am ehesten „in Flautezeiten“, möchte ich nicht in ihrer Haut stecken. Sie selber offenbar auch nicht.

    Sie kann praktisch nicht anders, als mit dem kleinsten Übel „Gaskraftwerke“, zu versuchen eine „Black out Katastrophe“ abzuwenden bzw. zu mildern…..

    Hausbesitzer könnten umgekehrt mit der Anschaffung von PV Anlagen mit Speicher sehr Wohl ihr Risiko mindern. Sie gewinnen immer etwas Energie und schalten nur das ein was sie unbedingt brauchen. Z.B. Strom für den Betrieb der Öl/Gasheizung um nicht zu erfrieren, dass der Gefrierschrank funktioniert und am Abend genug Strom für den Fernseher da ist. Das Essen könnte man mit einem Campingkocher erhitzen. Die Spül/Waschmaschinen kann man auch in Energie reicheren Zeiten anschalten.

  32. @ Tobias Jeckenburger 02.08.2026, 12:48 Uhr

    Zitat: „Was heißt hier entsorgt. Das Geld landet zuerst in der Staatskasse, wird dann irgendwann ausgeben und geht wieder zurück in den Kreislauf“

    Das tun „Anlagegelder“ von „Kapitalisten“ (die Sie fest versteuern möchten) letztlich auch. Nur sind sie vorher als Investitionen „wohltuend“ für die Bevölkerung. Sie finanzieren (mit Risiko) Unternehmen die begehrte Güter erzeugen, viele Arbeitsplätze schaffen, viele Steuern zahlen und die Unternehmer täglich ihre „Marktprüfung“ ablegen müssen…..

    Das finde ich besser, als die Gelder werden, salopp gesagt, „verfrühstückt“ oder „versoffen“….

    @ Tobias Jeckenburger 02.08.2026, 13:34 Uhr

    Zitat: „Nicht nur in Gaza, die ganze afrikanische Mittelmeerküste ist touristisch durchaus interessant. Und auch als Wohnort für die Einheimischen attraktiv. Also eigentlich keine schlechte Idee, da umfangreich zu investieren. Auch mit reichlich PV, Kurzfristspeichern für nachts und Meerwasserentsalzung kann das was werden.“

    Es läuft alles auf friedliche „Deals“ hinaus, womit Trump positive Entwicklungen, hin zu mehr Wohlstand für alle Menschen fördern will. Kriege sollten beendet werden…

    Gezieltes Chaos könnte „schlechten“ Strukturen „den Rest geben“ und notwendige Erneuerungen fördern….

    @ Tobias Jeckenburger 02.08.2026, 16:27 Uhr

    Zitat: „Die Geisteswelten mag es auch noch geben, allerdings kennt die Physik diese derzeit nicht.“

    Ich vermute, Sie verstehen unter „Geisteswelten“ die informellen kommunikativen „Beziehungen“ z.B. auch zwischen Tieren, Pflanzen, womöglich sogar zwischen „physikalischen Objekten“ (Stichwort: Quantenverschränkung),….

    „Informationsträger“ können nicht nur elektrische Signale sein, sondern z.B. auch „Botenmoleküle“…..

    Der Begriff „Geisteswelten“ wird irgendwie mit „Schlossgespenst“ assoziiert….. und das ist kontra produktiv.

    Für das Bewusstsein der Menschen sind „Empfindungen“, das „Empfindungsphänomen“ wesentlich. Dazu habe ich, vorsichtig formulierte „Thesen“ von Professoren meiner ehemaligen Ingenieursschule gehört. Die haben ihren Wehrdienst (WK2) in Nazi Forschungsstätten abgeleistet.

    Obwohl mir natürlich klar ist, dass heutzutage prinzipiell alles abgelehnt wird, was unter den Nazis alles so „ausgeheckt“ wurde, aber irgendwie sind die Thesen beachtenswert.

    Sie gingen grundsätzlich davon aus, dass das „Empfindungsphänomen“ dann entstehen könnte, wenn z.B. farbiges Licht (Frequenzen des Lichtspektrums) auf jeweils bestimmten biologischen sensorischen Zellen (z.B. „Zapfen“ im Auge) auftrifft, auf den Molekül verbänden eine bestimmte typische „Teilchen Dynamik“ auftritt und dabei z.B. eine „rot Empfindung“ auftreten könnte…… Danach würde im Gehirn weitere früher gelernte Zusammenhänge ausgewertet….

  33. @Realo 03.08. 08:48 / 09:25

    „Sie kann praktisch nicht anders, als mit dem kleinsten Übel „Gaskraftwerke“, zu versuchen eine „Black out Katastrophe“ abzuwenden bzw. zu mildern…..“

    Einfach die Kohlekraftwerke noch bereit halten? Zumal ja auch die Gasvorräte begrenzt sein können. Jedenfalls scheint mir ein Blackout sehr unwahrscheinlich, hatten wir noch nie. Schließlich kommt mit Wind und PV Energie dazu, und die Speicher schaffen Flexibilität obendrauf.

    Norwegen versorgt sich ganz mit Wasserkraft, die hatten mal ein Riesenproblem, weil es etliche Monate nicht geregnet hat. Da mussten viele frieren, weil man überall Elektroheizungen hatte. Blackout gab es dennoch keinen, nur viele Firmen haben vorübergehend die Produktion eingestellt. Inzwischen hat man Reserveleitungen, die Strom aus Deutschland nach Norwegen liefern könnten, wenn das noch mal passiert. Derweil kann man über dieselbe Leitung jede Menge Strom aus Wasserkraft nach Deutschland exportieren.

    „Das finde ich besser, als die Gelder werden, salopp gesagt, „verfrühstückt“ oder „versoffen“….

    Wenn eben zuviel Kapital da ist, macht das dennoch Sinn, würde ich sagen. Auch wer selber z.B. eine Immobilie hat und keine Erben, kann die Verkaufen und das Geld ausgeben.

    „Der Begriff „Geisteswelten“ wird irgendwie mit „Schlossgespenst“ assoziiert….. und das ist kontra produktiv.“

    Wie soll man es sonst nennen? Götter, Dämonen, Heiliger Geist oder auch einfach der Raum, in dem unser Bewusstsein verwirklicht wird. Ich weiß nicht, was das ist, aber es scheint zu existieren. Weiter gedacht kann das den ganzen Kosmos durchziehen.

  34. Tobias Jeckenburger
    02.08.2026, 23:35 Uhr

    Jede Firma muss die Zinsen ihres Kapitals aufbringen können. Anders geht es nicht. Wenn es gut läuft kann die Firma wachsen, und immer größer werden.

    Mein Fehler, ich hätte das „wirklich nur“ fett zitieren sollen 🙂 Klar muss eine Firma gewinnorientiert arbeiten. Aber das sollte nicht einfach als Ziel reichen… Auch Wachstum sollte nicht Selbstzweck sein. Finde zumindest ich.
    Der Anteil der Firmen die das anders sehen ist einfach zu hoch. Ist zumindest mein Eindruck. Wie ich das mit Zahlen füllen sollte weiß ich gerade leider nicht.

  35. @Realo
    03.08.2026, 08:48 Uhr

    Sie kann praktisch nicht anders, als mit dem kleinsten Übel „Gaskraftwerke“, zu versuchen eine „Black out Katastrophe“ abzuwenden bzw. zu mildern…..

    Ich habe ja mit dem was an vielen Stellen so geäußert wird an denen die Energiewende so gefeiert wird auch so meine Probleme weil das im Moment so aussieht als würde ich dabei tatsächlich überfahren und schwer verletzt wenn ich das Bild hier so gebrauchen darf.
    Das ich schon vor 30 Jahren gesagt habe wir müssem da was bewegen nutzt mir im Moment leider auch nichts, ich muss halt irgendwie sehem wie ich damit zurecht komme. Meine Probleme interessieren dabei ziemlich offensichtlich keinen egal wo er denn so steht wenn er die Energiewende befürwortet.

    ABER: Zu allererst wird ja das was ich schon ewig befürworte nicht auf einmal falsch bloß weil ich dabei unter die Räder kommen könnte und wahrscheinlich werde.
    Es wird halt so sein wie die letzten Jahrzehnte auch wenn ich eigentlich nicht mehr wusste wie ich weitermachen sollte: Hilf Dir selbst. Irgendwie, ich habe nur akut selber keine Lösungen. So ist das leider.
    Finde ich auch nicht so toll und zieht mich fürchterlich runter was mir nicht gut bekommt aber geht leider nicht weg. Man wird sehen.

    Deshalb jemanden aus der anderen Ecke wählen ist jedenfalls auch keine Lösung…

    Jetzt frage ich Dich mal ernsthaft: Warum sollten Gaskraftwerke das kleinste Übel sein? Echt jetzt? Weiter fossil?

    Warum sollte es zu einem blackout kommen? Denn das unterstellst Du ja das das kommt, da steht bei Dir: „bzw. zu mildern“ und mildern kann man nur wenn etwas da ist.

    „Sie“ kann offensichtlich praktisch nicht anders als fossile Interessen vertreten die auch nicht meine sind und auch die letzten 30 Jahre nicht meine waren…

    Um irgendwie den Bogen zum Thema zu finden: Hätten wir mal die fünfte Säule nicht so lange ignoriert. Dann stände ich jetzt auch nicht vor relativ vielen Problemen…

    • @Uli Schoppe

      Zum eigentlichen Thema der vierten (Publikative, Medien) und fünften (Scientikative, Wissenschaft) Säule hatte ich heute auch auf Mastodon diskutiert und auf das GG hingewiesen:

      Sowohl die Publikative wie die Scientikative finden sich bereits in Art. 5 des Grundgesetzes angelegt:

      (1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

      (2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

      (3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.

      Das Bundesverfassungsgericht hat entsprechend dem ÖRR und den Wissenschaften „dienende Freiheit“ zugesprochen – sie sollen „im Interesse freier individueller und öffentlicher Meinungsbildung“ wirken.

      Ich finde das richtig & überzeugend.

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117033155889065973

      Um die fossile Finanzierung islamistischer Regime und Terrormilizen zu unterbinden, finde ich gleichwohl auch die post-fossile Energiewende zu Erneuerbaren Friedensenergien sehr wichtig und lasse Eure Diskussionen dazu daher gerne laufen.

  36. @ Tobias Jeckenburger 03.08.2026, 12:07 Uhr

    Zitat: „Einfach die Kohlekraftwerke noch bereit halten? Zumal ja auch die Gasvorräte begrenzt sein können. Jedenfalls scheint mir ein Blackout sehr unwahrscheinlich, hatten wir noch nie. Schließlich kommt mit Wind und PV Energie dazu, und die Speicher schaffen Flexibilität obendrauf.“

    Wegen der E Autos steigt auch der Stromverbrauch stark an. Die Leute werden kaum darauf verzichten wollen, dann zu laden, wenn sie ihr Auto brauchen?

    Kohle Kraftwerke sind aus heutiger Sicht für Backup nicht geeignet.

    KI Copilot Zitat Auszug: Kurz gesagt: Gaskraftwerke werden als Backup bevorzugt, weil sie technisch schneller, flexibler, sauberer und wirtschaftlich sinnvoller sind als alte Kohlekraftwerke.
    Darunter liegen mehrere harte physikalische und ökonomische Gründe.

    Hauptgrund: Flexibilität und Reaktionsgeschwindigkeit, Gaskraftwerke – vor allem GuD Anlagen und Gasturbinen – können extrem schnell hochfahren.

    Das ist entscheidend, weil Backup Leistung genau dann gebraucht wird, wenn Wind und Sonne plötzlich einbrechen.
    Ein Kohlekraftwerk ist dafür schlicht zu träge.

    Das bedeutet:
    Für dieselbe Menge Strom braucht ein Gaskraftwerk viel weniger Brennstoff → geringere Kosten → geringere Emissionen.

    Backup Strom braucht Schnelligkeit + Flexibilität + niedrige Emissionen + niedrige Kosten.
    Gas erfüllt alle vier Kriterien.
    Kohle erfüllt keines davon.“

    Dass sich die Netzbetreiber verschiedener Länder gegenseitig mit Stromlieferungen aushelfen ist völlig alltäglich. Einen „Mini Black out“ gab es kürzlich sehr lokal begrenzt in Berlin wegen Sabotage.

    Dass es im Prinzip „vernetzte Systeme“ tatsächlich gibt und auch erforscht werden, habe ich aufzuzeigen versucht.

  37. @Realo
    03.08.2026, 20:04 Uhr

    Zur Scientikative gehört auch umfassend zu sein:

    felo meint zB:

    Technische Eignung
    Kohlekraftwerke sind prinzipiell in der Lage, als regelbare Backup-Kraftwerke zu fungieren. Entsprechend ertüchtigte Kohlekraftwerke können schnell hoch- und heruntergeregelt werden und sind damit technisch für den Backup-Betrieb geeignet. Auch die Absenkung der Mindestlast ermöglicht es, Kohleanlagen auf sehr niedrigem Niveau am Netz zu halten, um bei Einbrüchen der erneuerbaren Erzeugung schnell einspringen zu können

    Das Stromerzeuger da lieber Gaskraftwerke hätten ist deren Problem. Ich hindere sie ja nicht daran dafür zu sorgen dass sie mit erneuerbarem Gas oder Wasserstoff an der Stelle arbeiten.

    Ich bin ziemlich sicher das RWE, LEAG, EnBW, E.ON, Uniper letztes Jahr genug Gewinne erwirtschaftet haben die man auch in andere Technologie stecken kann…

    Wie wäre es an der Stelle mal mit Repression wenn es anders nicht geht?

  38. @Uli Schoppe 03.08. 21:12

    „Das Stromerzeuger da lieber Gaskraftwerke hätten ist deren Problem.“

    Saisonales Backup können auch Kohlekraftwerke leisten, die träge reagieren. 1 Tag Reaktionszeit wäre schon sehr gut. Und wenn der Ausbau von Lithiumnetzspeichern mal nicht mehr so verschleppt wird, dann können diese Speicher die kurzfristigen Bedarfsspitzen alleine verarbeiten. Dann kann man vermutlich sogar jetzt bestehende Gaskraftwerke in spätestens 10 Jahren vom Netz nehmen, und dennoch die Kohlekraftwerke als letzte Sicherheit bereithalten.

    Die Kohle kann problemlos und praktisch kostenlos auf Halde beim Kraftwerk gelagert werden. Selbst wenn dieses Backup nur alle paar Jahre für einige Wochen gebraucht wird, wird uns dann sehr gute Dienste leisten.

    Bei Erdgas sieht es anders aus. Wir werden in 10 Jahren oder auch noch später die unterirdischen Erdgasspeicher sehr gut zum Speichern von Wasserstoff brauchen können. Je weniger Gaskraftwerke dann insbesondere im Winter noch als Backup laufen, desto besser.

    @Realo 03.08. 20:04

    „Wegen der E Autos steigt auch der Stromverbrauch stark an. Die Leute werden kaum darauf verzichten wollen, dann zu laden, wenn sie ihr Auto brauchen?“

    Im Schnitt muss ein E-Auto nur alle 10 Tage aufgeladen werden. Man hat also sehr viel Zeit, zu günstigen Kosten genau dann aufzuladen, wenn der Strom billig ist. Kaum einer muss also in einer kurzfristigen Dunkelflaute von ein paar Tagen aufladen.

    Und markante Überschüsse können sofort von der Fahrzeugflotte absorbiert werden, und machen dann auch keine Probleme wie etwa negative Strompreise mehr.

    @Uli Schoppe 03.08. 16:12

    „Mein Fehler, ich hätte das „wirklich nur“ fett zitieren sollen Klar muss eine Firma gewinnorientiert arbeiten. Aber das sollte nicht einfach als Ziel reichen… Auch Wachstum sollte nicht Selbstzweck sein. Finde zumindest ich.“

    Unbedingt. Das kann ich nur unterstützen. Das gehört wohl mit in die Ausbildung von Firmenchefs. Ich denke aber durchaus, dass das nicht absolut sein muss. Je größer die finanzielle Verlockung und je kleiner der damit angerichtete Schaden, desto eher wird man sich für das Geld entscheiden.

    „Der Anteil der Firmen die das anders sehen ist einfach zu hoch. Ist zumindest mein Eindruck. Wie ich das mit Zahlen füllen sollte weiß ich gerade leider nicht.“

    Da kann man aber gucken, dass man die Anreize so setzt, dass das Problem wenigstens kleiner wird. Also etwa CO2-Steuern, die man als Klimageld umgehend an alle zurückgibt.

  39. @ Uli Schoppe 03.08.2026, 21:12 Uhr

    Zitat: „Das Stromerzeuger da lieber Gaskraftwerke hätten ist deren Problem. Ich hindere sie ja nicht daran dafür zu sorgen dass sie mit erneuerbarem Gas oder Wasserstoff an der Stelle arbeiten.

    Ich bin ziemlich sicher das RWE, LEAG, EnBW, E.ON, Uniper letztes Jahr genug Gewinne erwirtschaftet haben die man auch in andere Technologie stecken kann…

    Wie wäre es an der Stelle mal mit Repression wenn es anders nicht geht?

    Die Stromerzeuger wollen normalerweise immer das, was am ökonomischesten ist. Ist auch klar, beim Wettbewerb würde einer der anders handelt eingehen und das Management in den Knast gehen.

    Wäre ich „Bußprediger und Saboteur“, den der gerade noch bei uns vorhandene Wohlstand zum Hals heraushängt, dann würde ich nicht nur den Kindern ihre Playstation aus der Hand schlagen, ich würde die Energieerzeuger an der Wurzel angreifen, damit unser ganzes Wirtschaftssystem destabilisieren. Repression wäre ein vorzügliches Mittel der Wahl…..

    Ich würde mit „Angstpredigten“ die Leutchen dazu bringen, vor der Atomkraft zu „zittern“ und damit den Versorgern die AKWs aus der Hand schlagen. Da hatten die auch noch Glück, weil Putins Gashändler angerannt sind und uns Gas relativ günstig verkauft haben. Jetzt ist es so wie es nun einmal kommen musst.

    Letztlich sind wir jetzt so weit, dass Deutschland etwa 3–5× mehr für Strom zahlt, als viele Länder in Asien, Nordamerika oder dem Nahen Osten. Die Arbeitslosigkeit wird immer höher.

    Zitat: „Zur Scientikative gehört auch umfassend zu sein:
    Das möchte ich mit einem Vergleich der felo . Copilot Sichtweisen tun.

    felo meint zB:

    Technische Eignung
    Kohlekraftwerke sind prinzipiell in der Lage, als regelbare Backup-Kraftwerke zu fungieren. Entsprechend ertüchtigte Kohlekraftwerke können schnell hoch- und heruntergeregelt werden und sind damit technisch für den Backup-Betrieb geeignet. Auch die Absenkung der Mindestlast ermöglicht es, Kohleanlagen auf sehr niedrigem Niveau am Netz zu halten, um bei Einbrüchen der erneuerbaren Erzeugung schnell einspringen zu können.

    Copilot meint dazu:
    Kurzfazit: Ja, felo hat recht, dass Kohlekraftwerke prinzipiell regelbar sind – aber nur unter bestimmten technischen Umbauten und mit deutlichen Grenzen.
    Und genau hier liegt der Unterschied: Was ist theoretisch möglich? vs. Was ist praktisch sinnvoll, zuverlässig und wirtschaftlich?

    Ich zeige dir präzise, wo felo recht hat – und wo die Aussage im realen Netzbetrieb nicht trägt.

    Was stimmt an felos Aussage?
    Regelbarkeit von Kohlekraftwerken. Kohlekraftwerke können ihre Leistung verändern.
    Moderne, ertüchtigte Blöcke erreichen:

    – abgesenkte Mindestlast (z. B. 40 % statt früher 60 %)
    – verbesserte Lastgradienten
    – gewisse Start-Stopp-Fähigkeiten

    Diese Punkte sind korrekt und werden in der Fachliteratur bestätigt: Kohlekraftwerke sind nicht reine „statische Dauerläufer“, sondern können im Lastfolgebetrieb arbeiten.
    Das deckt sich mit technischen Anforderungen an Regelleistung, die flexible Leistungsänderungen verlangen [50Hertz](https://www.50hertz.com/Markt/Regelreserve/TechnischeAnforderungen).

    Wo felos Aussage zu kurz greift
    Mindestlast bleibt hoch.
    Auch ertüchtigte Kohlekraftwerke kommen selten unter 38–40 % Mindestlast.
    Im Gegensatz dazu können Batteriespeicher (BESS) auf 0 % Mindestlast gehen und extrem schnell regeln [CUBE CONCEPTS](https://cubeconcepts.de/bess-im-lastfolgebetrieb-flexibilitaet-vs-netzeinschraenkungen/).

    Das bedeutet:
    Ein Kohlekraftwerk muss immer mit einem erheblichen Grundverbrauch am Netz hängen, um „bereit“ zu sein. Für Backup Betrieb ist das teuer und ineffizient.

    Regelgeschwindigkeit ist begrenzt. Kohle bleibt thermisch träge.
    Selbst modernisierte Blöcke schaffen nur moderate Leistungsänderungen pro Minute.
    BESS schaffen 10–100 %/min, Gaskraftwerke mehrere Prozent pro Sekunde [CUBE CONCEPTS](https://cubeconcepts.de/bess-im-lastfolgebetrieb-flexibilitaet-vs-netzeinschraenkungen/) [RP-Energie-Lexikon](https://www.energie-lexikon.info/netzstabilitaetsanlage.html).

    Für Backup Einsatz – also schnelle Reaktion bei Einbruch der Erneuerbaren – ist Kohle damit technisch unterlegen.

    Startzeiten sind viel zu lang. Selbst „schnellstartfähige“ Kohleblöcke benötigen: mehrere Stunden für Warmstart, >10 Stunden für Kaltstart

    Gasturbinen dagegen: <30 Minuten bis volle Leistung, hohe Leistungsänderungsgeschwindigkeit, schwarzstartfähig (wichtig für Netzstabilität) [RP-Energie-Lexikon](https://www.energie-lexikon.info/netzstabilitaetsanlage.html)

    Damit sind Kohlekraftwerke für echten Backup Betrieb praktisch ungeeignet.

    Hohe Emissionen und Kosten im Teillastbetrieb.
    Kohle verursacht: hohe CO₂ Emissionen, Feinstaub, SO₂, NOₓ, Schwermetalle, schlechte Effizienz bei Teillast.

    Backup Kraftwerke laufen oft nur wenige Stunden – da ist Kohle ökonomisch und ökologisch die schlechteste Option.

    Warum felo und Copilot scheinbar widersprechen.

    felo beschreibt die theoretische technische Möglichkeit: „Kohlekraftwerke können regelbar sein.“

    Copilot beschreibt die praktische Systemrealität: „Kohlekraftwerke sind für Backup‑Betrieb ungeeignet.“

    Beide Aussagen sind korrekt – aber sie beziehen sich auf unterschiedliche Ebenen.

    Der entscheidende Punkt
    Backup Leistung braucht: schnelle Startzeiten, hohe Regelgeschwindigkeit, niedrige Mindestlast, geringe Kosten im Standby, niedrige Emissionen.

    Gas, BESS und moderne flexible Anlagen erfüllen das.
    Kohle erfüllt keines dieser Kriterien – selbst wenn sie technisch „regelbar“ gemacht wird.

    • @Realo schrieb…

      „Die Stromerzeuger wollen normalerweise immer das, was am ökonomischesten ist.“

      Und das stimmt einfach nicht. Stromkonzerne wollen ihre Profite maximieren und tendieren also dazu, Kosten auf die Mitwelt und Mitmenschen abzuwälzen sowie staatliche Subventionen einzufordern. Sie tendieren nicht dazu, „was am ökonomischesten ist“, sondern was ihnen selbst und ihren Aktionären die meisten Gewinne einbringt! Denn daran hängen dann auch wieder die Boni des Managements.

      Wir sehen doch gerade an den Ölkonzernen, wie bereitwillig sie vom Irankrieg profitieren und Übergewinne einstreichen. Auch das Revolutionsgarde-Regime im Iran und deren Houthi-Verbündete im Jemen nutzen die Abhängigkeiten der Welt von Öl und Gas zur Abzocke und Eepressung.

      Und wir sehen das Scheitern von privatisierten Wasserkonzernen etwa in Großbritannien. Weil sie auch dort Profite maximieren und eben nicht das Wassersystem. Deswegen haben inzwischen praktisch alle Staaten libertäre Wasser-Privatisierungen gestoppt und erkannt, dass kommunale Verbände das Gemeingut am Besten bewirtschaften.

      Ich nehme übrigens an, dass @Realo das Scheitern des Markt – Staat – Dualismus eigentlich längst kapiert hat und hier nur provoziert, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

    • Realo, Betreff: Realität
      „Die Gesellschaft ist kein Holzbaukasten“ hat Norbert Blüm gesagt und meint damit, dass wir die wirtschaftlichen Gegebenheiten nicht auf Knopfdruck verändern können , sondern nur langsam und mit Verstand.

      Darum geht es der Scientikative, die soll der Garant werden, dass die Veränderungen , im Augenblick die Einhaltung innerparteilicher Demokratie oder gerade die Veränderung des Rentensystem vom Solidarprinzip auf das Kapitaldeckungsprinzip, verwirklicht oder auch nicht verwirklicht werden sollen/können.

      Und dabei wird klar, auch eine wissenschaftliche Betrachtungsweise der Energieversorgung, der Wasserversorgung, der Wirtschaft bleibt zwiespältig, je nachdem welche gesellschaftlichen Ziele man anstrebt.

      Und weil es auch um Realität geht, der Rhein bei Köln hat nur noch einen Wasserstand von 60 cm.
      Da könnte man doch schon mal ein eigenes Ministerium für die Wasserversorgung fordern.
      Nachtrag :Bei uns in der Straße ist die Wasserleitung aus dem Jahre 1935.

  40. @Tobias Jeckenburger
    03.08.2026, 23:02 Uhr

    „Das Stromerzeuger da lieber Gaskraftwerke hätten ist deren Problem.“

    Saisonales Backup können auch Kohlekraftwerke leisten, die träge reagieren.

    Sie können wie schon geschrieben bei entsprechender Aufrüstung sogar mehr. Was kein Ersatz dafür ist sie zu ersetzen sondern nur zeigt das man nicht „auf billiges Gas aus Russland“ angewiesen ist auch wenn es hier eine Stimme gibt die das dauernd mit unterstellt (nein, nicht Du! 🙂 )

    Da hätte dann die scientikative tatsächlich versagt wenn man sie als fünfte Säule annimmt. Weil das keinem so bewusst ist umd man statt dessen das Narrativ man müsse das über Gaskraftwerke regeln ständig wiederholt.
    Wobei man sagen muss das Gaskraftwerke natürlich nicht solche Dreckschleudern sind wie Kohlekraftwerke.
    Beides keine Lösung auf Dauer, nur das man nicht anders kann als Putin reich machen ist unwissenschaftlich, technisch nicht richtig, einfach falsch.

    Das das immer noch geraunt werden darf wir könnten technisch gar nicht anders…
    Mit manchen Dingen muss man leben lernen.

  41. @ Michael Blume 04.08.2026, 08:13 Uhr

    Zitat: „Stromkonzerne wollen ihre Profite maximieren und tendieren also dazu, Kosten auf die Mitwelt und Mitmenschen abzuwälzen sowie staatliche Subventionen einzufordern. Sie tendieren nicht dazu, „was am ökonomischesten ist“, sondern was ihnen selbst und ihren Aktionären die meisten Gewinne einbringt!“

    Selbstverständlich wollen (und müssen) auch Stromkonzerne ihre Profite maximieren. Das ist mir auch als eher „Linker“ völlig klar. Wie mir auch klar ist, dass komplexere „Geschäftsprozesse“ (z.B. Handelsfirmen, Baufirmen, Autofirmen, Elektro/IT Firmen,….) eher bei privaten Unternehmen besser „aufgehoben“ sind. Allerdings bin ich gegen funktionslosen parasitären Zwischenhandel, nur um abzuzocken….

    Die Spielregeln und „Belastungen“ die für alle gelten müssen, sollte der Gesetzgeber festlegen. Dann muss der Unternehmer möglichst ökonomisch handeln und Sie haben völlig recht, um maximale Profite (auch eine „Reserve“ für schlechtere Zeiten) einzufahren. (Mich wundert übrigens, dass Sie als „CDU Mann“ das „Profit Thema“ ansprechen?)

    Als eher Linker stimme ich, Sie werden es kaum glauben, natürlich auch Ihren Sichtweisen über die Öl/Gasabzocke, den privaten Wasserkonzernen, der privaten Bahn, der Transitabzocke in Yemen und Hormus,….. begeistert zu. Ich bemühe mich um Frieden und Gerechtigkeit….

    Ich wurde von meinen „leicht besser verdienenden“ Eltern (wir konnten uns sogar mit großen Mühen, ein Eigenheim bauen) zur Sparsamkeit erzogen. Ich vermute, aus Solidarität mit den Menschen die sparen müssen um zu überleben….

    Allerdings ist für mich die institutionelle Markt – Staat Dichotomie (ich versuche eine philosophisch korrekte Formulierung) nicht wirklich gescheitert.

    Man sollte nur zur Kenntnis nehmen, dass bestimmte Angelegenheiten besser der Staat, andere private Unternehmer besser erledigen können. Ganz real und ohne Ideologie….

    • Nun, @Realo – schon als junger Christdemokrat beteiligte ich mich begeistert an der Formulierung der „ökologischen und sozialen Marktwirtschaft“ im CDU-Grundsatzprogramm von 1994. Und stehe bis heute dazu:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/solarpunk-waermepumpe-memes-und-lob-dem-spd-oekosozialen-hermann-scheer-1944-2010/

      Und dass der überkommene Markt – Staat – Dualismus längst nicht mehr trägt, könnten Sie auch daran erkennen, wie viele unterschiedliche Organisationsformen es auf beiden Seiten und zwischen ihnen gibt: Genossenschaften und gemeinnützige GmbHs, Kommunen und Nationalstaaten, dazwischen Institutionen wie die Industrie- und Handelskammern, Berufsschulen, Parteien usw.

      Deswegen empfehle ich ehrlich Interessierten ja auch immer wieder die Lektüre z.B. von Elinor Ostrom statt nur von Männern des 18. und 19. Jahrhunderts…

  42. @ Dr. Blume

    Es geht nochmals um den „Leib – Seele Dualismus“.

    Dieser Begriff ist bei Theologen normalerweise höchst positiv „besetzt“, weil er letztlich Grundlage vieler Religionen ist. Atheisten lehnen in ab, was nahe liegend ist. Wegen der Analogie zum „Hardware Software“ Konzept der Informatiker „begeistert“ mich dieser Begriff….

    Daher verstehe ich nicht, warum ausgerechnet der Oberrabbiner Jonathan Sacks, oder auch Sie, und andere Religionswissenschaftler, ausgerechnet den Begriff „Dualismus“ eher als stark negativ besetzten „Kampfbegriff“ verwenden?

    Statt vom „bösen“ Markt Staats Dualismus, könnt man z.B. von einer institutionelle Markt – Staat Dichotomie sprechen?

    Ich finde die Weiterentwicklungen der sozialen Marktwirtschaft, z.B. das Konzept der „Tafeln“, Überschüsse an Lebensmitteln müssen nicht mehr vernichtet werden (um vom Markt zu verschwinden), sondern bedürftige Menschen erhalten gesundes Essen, viele Menschen sind eingebunden und tun Gutes, ganz hervorragend.

    • Nun, @Realo – Rabbi Sacks, sel. Ang., war eben auch Philosoph. Und ich bin Religionswissenschaftler – kein Theologe! – und habe zu Religion & Hornforschung promoviert. Der Leib – Seele – Dualismus spielt in der empirischen Forschung praktisch keine Rolle mehr, sondern der Konsens geht klar in Richtung Emergenz.

      Auch in der Politikwissenschaft, Psychologie und Geschichtswissenschaft kommen jedes Jahr neue Erkenntnisse hinzu – auch zu den Gefahren des Freund-Feind-Dualismus.

      Mein Job als Wissenschaftler ist doch nicht, überholte Positionen und Vorurteile zu vertreten – sondern offen zu sein für neues Wissen!

      Den Begriff Dichotomie bzw. Dualität verwende ich auch als Alternative zu Dualismus. Und wenn Sie das ernstnehmen, dann beginnen Sie zu begreifen, warum Wasser am Besten von Kommunen verwaltet wird, Deutschland mit der Wirtschaft Berufsschulen und Duale Hochschulen betreibt und warum so viele Privatisierungen scheitern.

      Die Welt der Wirtschaft ist eben nicht dualistisch klar zwischen Markt und Staat getrennt, sondern voller Zwischenzöne und Wechselwirkungen.

      Auch zwischen Liebes-, Ehe- und Elternpaaren empfehle ich Dualität statt Dualismus. 🥰✅🙌

    • Realo Begriff: Dualismus

      Jonathan Sacks bekanntes Buch : Not in God’s Name bezieht sich auf die Rivalität der Religionen. Es bezieht sich nicht auf den philosophischen Begriff Dualismus, also eines Denkmodels, das nur in Gegensätzen besteht. (Meine Interpretation)

      Die Einteilung der Welt in einen materiellen Teil und einen ideellen Teil bleibt davon unberührt, bei Friedrich Wilhelm Hegel ist sie sogar der Ausgangspunkt des Denkens, der die Aufhebung des Dualismus durch These + Antithese = Synthese der eigentliche Antrieb für die Veränderungen ist.

      „Der Dualismus wird „aufgehoben“ – das bedeutet im Hegelschen Sinn dreifach: beibehalten, beenden und auf eine höhere Stufe heben. Die getrennten Seiten erweisen sich als ergänzende Teile eines Ganzen .“

      Wenn wir also von einem Staat-Wirtschafts-Dualismus reden, dann sind das nur Worthülsen,
      die uns Glauben machen , der Staat habe grundsätzlich andere Ziele als die Wirtschaft.

      • @NI

        Rabbi Sacks, seligen Angedenkens, war eben auch studierter Philosoph. Er lehnte den philosophischen Dualismus ebenso ab wie den religiösen Dualismus (guter Gott – böser Teufel). Die Dualität im Sinne einer dialogischen Realität begrüßte er dagegen sehr und sprach etwa vom „dualen Verständnis der jüdischen Zeit“. Ein ebenfalls grossartiges Buch von ihm zum dualen, nicht dualistischen Verhältnis von Religion und Wissenschaft heißt „The Great Partnership“, Die große Partnerschaft.

        Und ich fand und finde Sacks großartig und baue immer wieder gerne auf ihm auf, lese und höre ihn weiter. Ehrlich Interessierte können auch in der Frage von Dualismus – Dualität mir glauben, oder auch gerne bei ihm nachlesen. 😌📚✅

  43. @Realo
    04.08.2026, 11:00 Uhr

    Ich finde die Weiterentwicklungen der sozialen Marktwirtschaft, z.B. das Konzept der „Tafeln“

    Das es die überhaupt geben muss ist eigentlich unglaublich.

    Von der Stigmatisierung die damit einher geht und dem Mangel an Selbstbestimmung und Augenhöhe mag ich jetzt gar nicht reden.

    Damit institutionalisiert man eine Form der Wohltätigkeit, die Bedürftige in eine abhängige und demütigende Position bringt.

    Damit kritisiwew ich gar nicht die Menschen die sich da einbringen. Die sind gutwillig und gutmeinend.

    Ein Almosen-System, das staatliche Pflichten ersetzt. Ein echter Rückschritt…

    Ich denke AfD Wählern gefällt sowas aber. Die meinen ja auch ihnen gehe es besser wenn man anderen was weg nimmt.

    • Danke, @Uli Schoppe

      @Realo vertritt eine tyrannophile Weltanschauung, in der vermeintlich wohlmeinende Anführer wie Putin & Trump sowie vermeintlich effiziente Konzerne für das Wohl aller sorgen sollen. Dafür opfert er auch gerne den aufklärenden Blick auf die Realität.

      Habe heute zu den enormen Übergewinnen von Fossilkonzernen gepostet:

      Guten Morgen – Tässle Kaffee ☕️️?

      Nenne Erdöl und Erdgas „fossile Gewaltenergien“, weil durch sie Geld und Macht bei wenigen konzentriert werden. Und ihre Verbrennung zum Treibhauseffekt führt.

      Nenne erneuerbare „Friedensenergien“, weil v.a. Solarstrom dezentral gewonnen und gespeichert werden kann. Auch wird die bedrohliche, globale Erhitzung abgebremst.

      Fossilismus tötet, auch den Verstand. „Mad Max“ trifft es filmisch.

      Solarpunk schätzt Leben, Vielfalt, Demokratie. Niemand kann alles, aber alle können etwas tun.

      „Teures Rohöl und hohe Spritpreise bringen den internationalen Ölkonzernen enorme Extragewinne ein. So hat der britische BP seinen Nettogewinn verdoppelt. Das erfreut Investoren – während Autofahrer und Verbraucher leiden.

      Die Gewinne verdoppelt, verdreifacht, verfünffacht: Bei den Ölkonzernen klingeln die Kassen.“

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117041183981822052

      Dir Dank vom Solarpunk! 🌞✅

  44. @NI
    04.08.2026, 17:11 Uhr

    Wenn wir also von einem Staat-Wirtschafts-Dualismus reden, dann sind das nur Worthülsen,
    die uns Glauben machen , der Staat habe grundsätzlich andere Ziele als die Wirtschaft.

    Bist Du Dir sicher? Warum betreiben wir denn Wirtschaftspolitik unter anderem?
    Nicht vieleicht unter anderen um die Spannungen und Zielkonflikte zu managen?

    Gemeinwohlinteressen (die in meinen Augen der Staat vertritt oder zumindest vertreten sollte) stehen doch tatsächlich den Einzelinteressen der Wirtschaft / der Unternehmen gegenüber. Darum schafft der Staat einen Ordnungsrahmen der das unter einen Hut bringt oder bringen soll oder?

    Solange man nicht Libertäre machen lässt hat man aber in meinen Augen wenigstens die Chance ganz gut damit zu leben.

    Schau Dir mal Gesellschaften in staatlicher Hand an, die Aufgabe Gewinnorientierung und gesellschaftlichen Auftrag unter einen Hut zu bringen ist herausfordernd finde ich.
    Gemeinwohldienliches Gewinnstreben zu organisieren ist gar nicht so einfach. Wenn es da keinen Gegensatz gäbe bräuchte auch keiner etwas zu organisieren …

    Die Kunst ist nicht die Gegensätze weg zu reden sondern damit umzugehen 🙂

    • Uli Schoppe
      „Gemeinwohlinteressen (die in meinen Augen der Staat vertritt oder zumindest vertreten sollte) stehen doch tatsächlich den Einzelinteressen der Wirtschaft / der Unternehmen gegenüber. Darum schafft der Staat einen Ordnungsrahmen der das unter einen Hut bringt oder bringen soll oder?“

      Das ist gut formuliert und so sollte es sein. Seltsamerweise trifftet das Gemeinwohl trotzdem immer weiter weg von den tatsächlichen Verhältnissen.
      Beispiel die Mieten, Beispiel die Erhöhung des Rentenalters, Beispiel die Selbstbeteiligungen bei den Medikamenten.

      Meine persönliche Meinung dazu, der Parlamentarismus und die Bürokratie fangen an ein Eigenleben zu führen. Parlamentarier ob links oder rechts bilden eine eigene Lobby im Staat.

  45. @ Uli Schoppe 04.08.2026, 19:05 Uhr

    Zitat: „Das es die überhaupt geben muss ist eigentlich unglaublich.

    Von der Stigmatisierung die damit einher geht und dem Mangel an Selbstbestimmung und Augenhöhe mag ich jetzt gar nicht reden.

    Damit institutionalisiert man eine Form der Wohltätigkeit, die Bedürftige in eine abhängige und demütigende Position bringt.“

    Man könnte es so sehen. Aber die Realität sieht anders aus. Es ist nun einmal so, dass viele Menschen (Kinder) sich nicht gesund ernähren können.

    Es gibt z.B. keine organisatorischen Voraussetzungen mehr. Früher hat die Bäuerin vormittags gekocht und mittags kamen alle zum Essen. Das Essen war eher natürlich und gesund.

    Jetzt sind die Familien „zerstreut“ und regelmäßiges Essen gibt es kaum mehr. Auch aus finanziellen Gründen, eine Gastwirtschaft könnten sich viele nicht mehr leisten….

    Da springen die Tafeln ein. Früher gab es auch „Volksküchen“ wo man billig essen konnte. Dabei wird versucht, Nahrungsmittel nicht zu vernichten, sondern sinnvoll zu verwerten.

    Früher wurden das übrig gebliebene Obst und Gemüse einfach vernichtet und darauf geachtet, dass es nicht mehr verkauft wird, weil das die Markt Preise „verderben“ würde.

    Jetzt ist allen geholfen, „ärmere Menschen“ kommen zu gesundem Essen, die Marktpreise bleiben stabil, die Firmen sind ihren Überschuss los und der soziale Zusammenhalt wird gefördert. Letztlich ist das positiv für den allgemeinen Wohlstand.

    Ich meine, dass mit diesem grundsätzlichen Konzept der allgemeine Wohlstand für alle Menschen verbessert werden könnte, ohne die Marktwirtschaft zu stören?

    Auch die Menschen die sich für diese Arbeiten einbringen, könnten sozusagen mit anderen „Überschussgütern belohnt“ werden, z.B. Urlaubsreisen….

    Die Steuerung derartiger Prozesse könnte KI übernehmen. Alles ohne den auch mir, als eher Linken, fast schon „heiligen Markt“ (als realistischen „Marktpreis Schiedsrichter“) zu stören. Ganz möchte ich auf „planwirtschaftliche Mechanismen“ nicht verzichten….

    Es geht nicht um „Almosen“, es geht darum, möglichst viel Wohlstand zu generieren. Die Gesellschaft sollte sich nicht spalten, sonder kooperieren….

    Keinem wird etwas „weggenommen“, der Gemeinsinn wird gestärkt, keiner wird stigmatisiert, jeder kann mitmachen, oder auch nicht, die Nutzer bedanken sich einfach wie es sich gehört, ein „danke“ reicht. Keiner wird in eine abhängige und demütigende Position gebracht ……

    • Realo,
      „Früher wurden das übrig gebliebene Obst und Gemüse einfach vernichtet und darauf geachtet, dass es nicht mehr verkauft wird, weil das die Markt Preise „verderben“ würde.“

      Früher war nicht alles besser, dafür wussten die Leute noch, dass Hunger weh tut.
      Früher wussten die Leute noch, dass das Wegwerfen von Lebensmitteln eine Sünde ist.
      Früher wussten die Leute noch, dass genügend Nahrungsmittel zu haben nicht selbstvrständlich ist, die haben im Herbst Gott dafür gedankt.

      Und es ist kein Zufall, dass der sich ausbreitende Kapitalismus einhergeht mit der Geringschätzung unserer biologischen Grundlage.
      Flüsse werden zu Abwasserkanälen, Äcker werden mit Pestiziden vergiftet, die Atemluft wird mit Abgasen belasstet, und die Weltmeere sind der große Abfallbehälter.

  46. Realo
    05.08.2026, 07:57 Uhr
    @ Uli Schoppe 04.08.2026, 19:05 Uhr

    Man könnte es so sehen. Aber die Realität sieht anders aus. Es ist nun einmal so, dass viele Menschen (Kinder) sich nicht gesund ernähren können.

    Nun ja wenn man sich die eine oder andere Reportage dazu anschaut könnte man zu dem Eindruck kommen das läge daran das wir dafür sorgen das ihnen dazu keine Mittel zur Verfügung stehen…

  47. @ Uli Schoppe 05.08.2026, 08:27 Uhr

    Zitat: „Nun ja wenn man sich die eine oder andere Reportage dazu anschaut könnte man zu dem Eindruck kommen das läge daran das wir dafür sorgen das ihnen dazu keine Mittel zur Verfügung stehen…“

    Ich gehe davon aus, dass man auch mit Geld, z.B. 200 Euro im Monat zusätzlich für gesunde Ernährung, so gut wie nichts erreichen würde.

    Die Betroffenen würden das Geld für alles andere, nur nicht für regelmäßige und bessere Ernährung ausgeben!

  48. @ NI 05.08.2026, 09:22 Uhr

    Zitat: „Früher war nicht alles besser, dafür wussten die Leute noch, dass Hunger weh tut.
    Früher wussten die Leute noch, dass das Wegwerfen von Lebensmitteln eine Sünde ist.
    Früher wussten die Leute noch, dass genügend Nahrungsmittel zu haben nicht selbstvrständlich ist, die haben im Herbst Gott dafür gedankt.“

    Medien haben eben mit der „Missbrauchsmasche“ Religionen „zerlegt“ um selber bestimmend und Einnahmen fördernd zu wirken. Inzwischen glaubt den Medien keiner mehr…. Die Menschen wenden sich von denen ab, die Einfluss nehmen möchten….

    Zitat: „Und es ist kein Zufall, dass der sich ausbreitende Kapitalismus einhergeht mit der Geringschätzung unserer biologischen Grundlage.
    Flüsse werden zu Abwasserkanälen, Äcker werden mit Pestiziden vergiftet, die Atemluft wird mit Abgasen belasstet, und die Weltmeere sind der große Abfallbehälter.“

    Ich meine, dass die Menschheit in den letzten 200 Jahren einfach zu stark angewachsen ist? Die konnten nur mit „modernen künstlichen“ Methoden ernährt werden und mit anderen wichtigen Ressourcen (z.B. Verkehr, Heizung,…) versorgt werden.

    Jetzt sieht es so aus, als würde der Mensch sogar auf das Klima Einfluss nehmen?

    Ich denke mit Schrecken an die Hitze (über 40 Grad) und die Trockenheit um 1540 in Europa, wie sich die bei einer rund 10 fach gewachsenen Bevölkerung auswirken würde??

    • Realo
      „Ich denke mit Schrecken an die Hitze (über 40 Grad) und die Trockenheit um 1540 in Europa, wie sich die bei einer rund 10 fach gewachsenen Bevölkerung auswirken würde?? “

      Mach mal Urlaub auf Sizilien. Das Landesinnere ist heute fast unbewohnt, weil es keine Bäume und kein Wasser mehr gibt.und
      Zur Zeit der Römer war Sizilien die Kornkammer des Römischen Reiches.

      Wir können nur hoffen, dass unsere Politiker die Klimakrise Ernst nehmen und Löschwasserteiche in jeder Stadt und jeder Gemeinde anlegen.

  49. @Realo
    05.08.2026, 09:53 Uhr

    Die Betroffenen würden das Geld für alles andere, nur nicht für regelmäßige und bessere Ernährung ausgeben!

    Für ein kaputtes Menschenbild können ja nun Bürgergeldempfänger nichts.

    Das Vorurteil die würden das nur „versaufen“ wenn sie mehr bekommen findet man ja dauernd, dabei ist es zB Fakt das der Alkoholkonsum bei Menschen mit hohem Einkommen höher liegt als bei Bürgergeldempfängern.

    https://www.merkur.de/verbraucher/wuerden-eltern-in-buergergeld-hoehere-regelsaetze-versaufen-studie-gibt-antwort-auf-fdp-vorstoss-93359512.html

    sanktionsfrei hat Dein Vorurteil untersucht und kommt zu einem anderen Ergebnis:

    https://www.zeit.de/arbeit/2025-06/buergergeld-leben-verzicht-umfrage

    https://www.freitag.de/autoren/helena-steinhaus/buergergeld-studie-sanktionsfrei-54-verzichten-zugunsten-der-kinder-auf-essen

  50. @ Uli Schoppe 05.08.2026, 23:44 Uhr

    Zitat: „Die Betroffenen würden das Geld für alles andere, nur nicht für regelmäßige und bessere Ernährung ausgeben!

    Für ein kaputtes Menschenbild können ja nun Bürgergeldempfänger nichts.“

    „Versaufen“, das tut mir leid, weil sich Menschen beleidigt fühlen könnten. War mehr als Gag gedacht.

    Ich war die längste Zeit in meinem Leben, ganz gut verdienender, „technischer Außendienstler“. Musste neben der Planungsgsarbeit für Infrastruktur Projekte auch sehr viele Koordinationsgespräche führen, hatte viele „Rennereien“ bei jedem Wetter. Nur selten war ich in einer Gaststätte um gesund zu essen. Das haben die Umstände nicht hergegeben.

    Ich persönlich hätte auch von den Tafeln nicht profitiert. Sie hätten mich vermutlich nicht hineingelassen. So habe ich mich in der Eile im Auto, sehr ungesund, von 1 oder 2 Leberkäsebrötchen mit einer Packung Milch, oder Orangengetränk ernährt, die ich in einen Geschäft schnell eingekauft habe.

    Sehr vielen Berufstätigen, die keine Kantine haben, geht es heutzutage so. Sie laufen eben zur nächsten Tafel, das ist einfach die Realität geworden. Die Schulkinder bekämen auch zuhause nichts, weil die Eltern arbeiten müssen…..

    Nochmals: Die Tafeln haben sich bestens auf die neue Situation, für die ich niemanden verantwortlich machen möchte, angepasst. Die Nutzer werden nicht gedemütigt, was Sie unterstellen.

    Die Marktpreise werden nicht belastet, die Menschen die dort arbeiten, können stolz auf ihre Arbeit sein. Sie sind nicht auf Geldmacherei aus, wollen günstig zum Wohle der Menschen arbeiten….

  51. @Realo
    06.08.2026, 10:31 Uhr

    Meine Güte, da steckt jetzt aber viel „Ich habe es auch nicht leicht gehabt“ drinnen bei Dir …
    Falls es Dich tröstet: Ich auch nicht, wirklich nicht.

    Nochmals: Die Tafeln haben sich bestens auf die neue Situation, für die ich niemanden verantwortlich machen möchte, angepasst. Die Nutzer werden nicht gedemütigt, was Sie unterstellen.

    Die Demütigung geht nicht von den Menschen aus die dort arbeiten.
    Die Stigmatisierung und Ausgrenzung ist einfach real wenn man da hin gehen muss. Da beisst die Maus keinen Faden ab.
    Vor dem Ausgabe-Haus Schlange stehen, um dann vorgepackte einheitliche Lebensmittel-Pakete in Empfang zu nehmen, ist nicht gerade förderlich für das Selbstbewusstsein der Abholenden, sondern eher „entwürdigend“.
    Es ist ein vormodernes Almosen- und Barmherzigkeitssystem, in solchen Almosensystemen sind Menschen IMMER fremdbestimmt.
    Anders als bei finanzieller Unterstützung muss man das annehmen was am jeweiligen Tag „eingesammelt“ wurde.
    Die gesellschaftliche Wahrnehmung der Almosenökonomie ist den Besuchern der Tafeln natürlich bewusst.
    Das soll nicht für die Besucher demütigend sein? Ich bitte Dich…

    • @Realo & @Uli Schoppe

      Die Diskussion der Tafeln scheint ja zunächst weit von der Gewaltenteilung des Staates in die noch kirchlich geprägte Zivilgesellschaft zu führen. Sie erlaubt jedoch immerhin ein Durchbrechen des Markt – Staat – Dualismus, indem sie deutlich macht, wie viele verschiedene Formen des Wirtschaftens sich real entwickelt haben. Die Tafeln sind ja nichtstaatlich & zugleich nicht profitorientiert. Zudem reduzieren sie die Mengen an Privatgütern, die sonst zu Abfall geworden wären.

      Spannend finde ich auch, wie arg Ihr die Frage der Würde von Menschen an das Bezahlen knüpft. Aus meiner Sicht werden Bürgerinnen und Bürger gerade auch durch den Lieferantismus entwürdigt, der sie und sogar die von ihnen Gewählten nicht mehr als selbstbewusste Bürgerschaft, sondern nur noch als meckernde Kundschaft wahrnehmen möchte.

  52. @Michael Blume
    06.08.2026, 13:28 Uhr

    Spannender Gedanke das als eine eigne Form des Wirtschaftens zu betrachten, danke 🙂

    Ich finde jetzt das die Entwürdigiung gar nicht so an das Bezahlen selbst geknüpft ist. Finanzielle Freiheitsrahmen sind halt erst mal bei uns unterschiedlich gesteckt. Das mit meinem E-Ferrari wird ja auch nichts …

    Wenn man auf die Tafeln angewiesen ist wird einem aber doch auch der letzte Entscheidungsspielraum genommen WELCHES Brot ich esse und WAS ich da drauf lege.

    Was mir jetzt nicht klar ist (manchmal hat man Blockaden beim Denken):
    Warum durchbrechen sie den Markt-Staat Dualismus? Ich hätte jetzt spontan gesagt sie stützen Ihn weil sie bestehende Strukturen unangetastet lassen.

    Das Lieferantismus immer Menschen demütigt und entwürdigt ist mir klar, aber danke nochmal für den Hinweis darauf.

    • Danke, @Uli Schoppe – so ist uns auch gleich der Rückweg zum Blogthema gelungen! 😉

      Der Lieferantismus betrachtet den Staat (wie Du es gerade bei Kaufläden beschrieben hast) nur noch als Dienstleister an der Kundschaft, die wiederum zwischen verschiedenen Anbietern (Parteien) auswählen können. Dieses Demokratiebild ist nach meiner Auffassung grundlegend falsch, lässt Koalitionen als faul, gar als „Kartelle“ erscheinen und führt zur Entsolidarisierung, Verrohung und zur „Gesinnungs- und Anspruchsegozentrik“ nach Andreas Püttmann.

      https://www.blaetter.de/ausgabe/2026/juni/rechtspopulismus-eine-bewegung-von-narzissten

      Stattdessen des Lieferantismus plädiere ich für die Besinnung auf den demokratischen Republikanismus: Selbstbewusste Bürgerinnen und Bürger bringen sich in die gemeinsamen, öffentlichen Angelegenheiten (lat. Res Publica) ein. Auf Wunsch auch über demokratische Parteien, Vereine, Religionsgemeinschaften, Tafeln usw.

      Entsprechend sehe ich mich auch nicht als „Feind“ oder „Konkurrent“ anderer Demokratinnen & Demokraten, sondern als dialogisch Mitwirkender.

  53. @Michael 06.08. 13:28

    „Die Tafeln sind ja nichtstaatlich & zugleich nicht profitorientiert. Zudem reduzieren sie die Mengen an Privatgütern, die sonst zu Abfall geworden wären.“

    Der Abfall wäre für die Lebensmittelläden gar nicht billig, das kostet Einiges. Deshalb muss ja auch der Tafelkunde alles mitnehmen, was anfällt, und was er nicht nutzen kann, dann eben in der eigene Biotonne entsorgen.

    Das kostet derzeit nichts extra. Doof dabei steht der kommunale Müllentsorger, der muss das dann verarbeiten.

    Unterm Strich macht das System aber Sinn, denke ich mal. Da kann man schon eine Menge sparen, wenn man echt knapp bei Kasse ist. Und es wird weniger weggeworfen, was auch echt gut ist. Selbst die Lebensmittelläden machen mit, das kostet ein wenig an Umsatz, wenn die Tafelkunden kaum noch Obst und Gemüse einkaufen, dafür spart man dann aber auch bei den Müllgebühren.

  54. @Michael Blume
    06.08.2026, 14:43 Uhr

    Das ist einsichtig.

    Dann wäre es aber genauso falsch Bürgergeldempfänger als Kunden zu betrachten (was in meinen Augen durch „Klienten“ oder so als Bezeichnung nur bemäntelt wird. Es kommt ja auf die Bedeutung an die man mit dem Begriff tatsächlich verbindet).
    Damit mache ich aus Amt und Bezieher ein Gegensatzpaar. Und baue eine Front auf die sich natürlich im Verhalten beider Seiten wiederspiegelt.

    Aufgabe der scientikative wäre es dann ja unter anderem auch dieses Verhältnis zu beleuchten um eine möglichst würdevolle Lösung zu finden.
    Ausgehend von dem „Rang“ den die Menschenwürde in unserem GG im Spannungsverhältnis zu ALLEN anderen Grundrechten einnimmt.

    • Ja, @Uli Schoppe – genau so ist es. Wer Empfangende staatlicher Hilfen als „Kundschaft“ Frames, hat ja auch überhaupt keinen Anreiz, sie zum Beispiel in Arbeit zu bringen. Welches Unternehmen will seine langjährigen Kundinnen & Kunden loswerden?

      Erst, wenn wir in Hilfe Empfangenden Menschen mit Würde sehen, die wir nach Möglichkeit auch wieder aus Abhängigkeiten befreien wollen, macht der Ansatz Sinn.

  55. @ Uli Schoppe 06.08.2026, 13:08 Uhr

    Zitat: „Meine Güte, da steckt jetzt aber viel „Ich habe es auch nicht leicht gehabt“ drinnen bei Dir …
    Falls es Dich tröstet: Ich auch nicht, wirklich nicht.“

    Mit „Ich habe es auch nicht leicht gehabt“, wollte ich eigentlich nicht „rüberkommen“. Ich gehöre einer ausgesprochen „glücklichen Generation“ an. Nach dem Krieg und dem schrecklichen Elend dem die Elterngeneration ausgesetzt war, ging es bei uns nach dem WK2 nur „bergauf“. Man konnte sogar auf Urlaub nach Italien fahren.

    Es gab genug Arbeit praktisch für alle Menschen. Ich konnte meine „Traumausbildung“ gemäß meinen Interessen (Elektronik, Informatik, KI,….) erhalten. Diese Fachgebiete haben sich bestens entwickelt, eine extrem große innere Befriedigung. Jobangebote bekamen wir noch vor dem Abschluss. Wir konnten wählen.

    Später wurde es zunehmend immer schwieriger. Die Töchter und Söhne von Kollegen hatten mitunter große Probleme einen passenden Job zu finden.

    Ich habe weniger an die Tafeln als „Märkte“ gedacht, war mein ganzes Leben noch nie in einer Tafel, sondern an die „Mittagstische“.

    Die Stigmatisierung und Ausgrenzung wäre mir persönlich egal, man kann aber auch leicht reden in meiner Situation.

    Allerdings, dass man die Tasche hinhalten muss und man bekommt einfach Sachen die man gar nicht möchte, das würde mich sehr treffen. Vor allem, dass man Lebensmittel selber wegwirft. Ist zwar ganz rational, aber ich würde mich aufregen….. Lebensmittel wirft man nicht weg.

    In diesem Sinne muss ich Dir recht geben. Daran habe ich nicht gedacht….

    Ich meine halt, man gewöhnt sich an derartige „Almosensysteme“.

    Ich kannte übrigens einen besonders gut situierten Kollegen (2 Häuser geerbt) der sich fürchterlich aufgeregt hat, weil er keinen Zutritt zur Tafel bekam.

  56. @Realo
    06.08.2026, 18:26 Uhr

    Ich kannte übrigens einen besonders gut situierten Kollegen (2 Häuser geerbt) der sich fürchterlich aufgeregt hat, weil er keinen Zutritt zur Tafel bekam.

    Menschen die den Hals nicht voll bekommen habe ich auch welche in meiner Umgebung.
    Die scientikative sollte dann ja den anderen Gewalten dabei helfen unter anderem zu entscheiden ob hier überhaupt eingreifen Sinn macht und nötig ist.
    Ich denke die Antwort ist Dir schon bewusst: Nein. kümmert Euch lieber um wichtige Dinge im Bereich der Sozialpolitik könnte so das Ergebnis sein…

    Und sie liefert auch Antworten darauf warum man sich dann an solchen Stellen unnötig weit engagiert.
    Wenn ich auch mal raunen darf: Die Antworten die sie liefert könnten verstörend sein…

    Darum ist ihre Bedeutung wirklich nicht zu unterschätzen, man muss sie nur schätzen.

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