Die Rede zu Stuttgart hält zusammen 2024 – dual und monistisch

Für die vielen positiven Reaktionen zur dualen Rede gegen Dualismus und Faschismus am Sonntag bei der Demonstration “Stuttgart hält zusammen” kann ich auch auf diesem Wege einfach nur danken. Den bereits bei Pulse of Europe in der VHS Stuttgart wunderbar Medienaktiven Michael und Conny Geiger ist es trotz Überfüllung des Marktplatzes auch gelungen, eine Videoaufnahme zu fertigen und auf YouTube einzustellen:

Ich denke, hier wird auch deutlich, was eine duale Rede ist, wie ich sie in den vergangenen Jahren unter anderem beim Roscha HaSchana-Neujahrsempfang der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW) oder auch bei der Verleihung der Otto-Hirsch-Auszeichnung für den Kampf gegen Antisemitismus ausprobiert hatte:

a) Ein vorher ausgearbeitetes Skript, das dann auch gebloggt wird, ermöglicht eine intensive Befassung und Diskussion der Sache (Monismus).

b) Die dann aber spontan gesprochene Rede (hier zum Beispiel unter Hinzuziehung des VfB-Schals) ermöglicht das Eingehen auf die anwesenden Menschen, die Situation (Raum und Zeit), die Vorreden und Erwartungen, die Emotionen (Dialog).

Riesige Menschenmenge auf dem Marktplatz Stuttgart zur Demonstration "Stuttgart hält zusammen" am 21.01.2024. Klick führt zum Blogpost mit dem Redeskript

Der Zeit und Aufmerksamkeit von Menschen fühle ich mich als Redner verpflichtet. Foto von der Demonstration “Stuttgart hält zusammen” am Rathaus am 21.01.204: Michael Blume

Idealerweise wird dann – wie hier geschehen – sogar beides digital und fediversal (öffentlich & kostenfrei) zugänglich und Interessierte können sich mit einer oder beiden Varianten je nach Wunsch auseinandersetzen. Duale Reden tendieren also nach meiner Erfahrung gerade nicht zum Freund-Feind-Dualismus oder belanglosen Relativismus, sondern zum sachorientierten, dialogischen Monismus.

Einen Nachteil hat die duale Rede aber ehrlich gesagt schon: Sie kostet in der Vorbereitung sehr viel Zeit und Konzentration. Allerdings empfinde ich die Aufmerksamkeit so vieler Menschen als Verpflichtung und möchte den Anwesenden auch wirklich etwas mitgeben. Nicht jede Rede gelingt, doch wenn gar keine Inhalte ankommen, so empfände ich dies als Zeitraub an den Zuhörenden. Und ich finde, dazu habe ich kein Recht.

Daher von Herzen Dank für das Interesse und die vielen dialogischen Rückmeldungen! 

Avatar-Foto

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren als „teilnehmender Beobachter“ für Wissenschaft und Demokratie, gegen Verschwörungsmythen und Wasserkrise.

14 Kommentare

  1. Danke, dass Sie erklären, was eine duale Rede ist. Ich kenne das so bisher gar nicht. Je nach Situation eine vorgefertigte Rede “anzupassen”, gelingt nicht vielen RednerInnen. Meinen Respekt dafür haben Sie. Da es ausdrücklich gewünscht ist, die Aussagen zu verbreiten, habe ich es mit einer aufstrebenden Politikerin aus meiner Familie geteilt. Gerne jederzeit wieder.

    • Vielen Dank, liebe @Marie H. – Sie haben mein Anliegen tief verstanden!

      Gerade jetzt in diesen Minuten läuft eine außerordentlich starke Debatte im Landtag von Baden-Württemberg zum Deportations-Faschismus von Potsdam und den Demonstrationen dagegen. Beantragt hatte diese Debatte der CDU-Fraktionsvorsitzende Manuel Hagel, der auch mit einer sehr starken Rede eröffnete.

      Nur: Wer bekommt selbst die wichtigsten Debatten und Reden unserer Parlamente noch mit? Wer liest noch die hinteren Seiten einer Tageszeitung? Auch in meiner Familie bin ich der Letzte. Aber unsere Parlamente verdienen (wieder) eine sehr viel breitere Öffentlichkeit!

      Deswegen glaube ich, dass wir unser demokratisches Mediensystem neu aufbauen müssen – und gerade nicht nur mit 30-Sekunden-Clips bei TikTok & Co., sondern mit neuen, digitalen Möglichkeiten der Information und des demokratischen Dialogs. Beim Neujahrsempfang der Gemeinde Salach formulierte ich es daher dringlich so:

      “Ich sehe inzwischen als letzte Chance und Hoffnung das Fediversum – also den nichtkommerziellen, öffentlichen Bereich des Internets mit Angeboten wie Wikipedia und Mastodon, mit Blogs und Podcasts.

      Daher möchte ich heute Sie und alle Fraktionen in baden-württembergischen Gemeinderäten und Kreistagen, in Regionalverbänden und im Landtag bitten: Lassen Sie uns im Fediversum bloggen und podcasten und schreiben und filmen, als ob unser Leben davon abhinge. Denn unser demokratisches Leben hängt davon ab!

      Wenn Sie Ihre Gemeinde und Kommunalpolitik, Ihren Verein, Ihre Kirchengemeinde, Ihre Meinungen nicht auch außerhalb der Digitalkonzerne zum Sprechen bringen, dann wird es niemand mehr tun. Dann wird auch Ihre Gemeinde, Ihre Kirche, Ihr Verein nur noch in verzerrten Aufreger-Schlagzeilen erscheinen und ansonsten ignoriert!

      Und dann wird auch unser Ländle oder Länd von Dauer-Empörung zerspalten, ermüdet, zerstört.

      Baden-Württemberg kann immer noch ein Land sein mit guter Zukunft sein, wenn wir das tun, was wir am Besten können: Wenn wir nicht auf Vorschriften und Anführer warten, sondern einander unterstützen und selbst tun, was getan werden soll!”

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/nur-noch-das-fediversum-kann-uns-retten-neujahrsrede-zu-salach/

      Ihr Interesse, Ihre Ermutigungen und Ihre konstruktiven Kommentare sind mir dabei sehr wertvoll, @Marie H.

      Danke, von Herzen – und Grüße an die erfreulich Engagierte aus Ihrer Familie! 🙂

      • Vielen Dank für die nette Antwort. Die Grüße habe ich übermittelt und danke stellvertretend herzlich dafür.
        Auch ich bin Abonnentin einer lokalen Tageszeitung. Ich lese diese vor allem wegen des Lokal- und Regionalteils. Infos über die Politik, Land, Bund hole ich mir zum Beispiel beim SWR im Internet.
        Stuttgart hält zusammen. Ich lebe auf dem Land, und hier gibt es nur wenige Initiativen zum Kampf gegen den Rechtsextremismus. Hier im Landkreis gehört ein gewisses Maß an Mut dazu. Wir müssen aufpassen, dass die Bewegung, die sich da für die Demos zusammengefunden hat, nicht von interessierter Seite als Stadt gegen Land interpretiert und ausgenutzt wird.
        Ganz besonders freut es mich, dass die Initiative für die Landtagsdebatte von Herrn Hagel ausging und er starke, unmissverständliche Worte gefunden hat. Vielleicht ist die CDU doch noch nicht ganz verloren. Frau Widmann-Mauz hat lt. Pressebericht gestern in Rottenburg gesprochen.
        Stadt und Land halten zusammen – nur so geht’s! Herzlichen Dank für den offenen und konstruktiven Meinungsaustausch, den ich gerne fortsetzen werde.

    • Sehr geehrter Herr Blume,
      ich habe mir das Manuskript ihrer Stuttgarter Rede durchgelesen – und ich habe noch nie einen absurderen Redetext gelesen. Das klingt doch teilweise wirklich nach finstersten Verschwörungstheorien, was Sie hier äußern! Ich zitiere Sie: “Wir rufen hier allen fossilen Konzernen und Medien, die uns spalten, unsere Demokratie schwächen und uns buchstäblich das Wasser abgraben, entgegen: wir wollen Euren Hass und Eure Hetze nicht mehr.” Das klingt ja gerade so als wenn, die bösen fossilen Konzerne alles daran setzen, uns zu vergiften, uns das Wasser abzugraben und die Demokratie zu spalten – das ist doch kompletter Irrsinn! Die fossilen Konzerne haben mehr für das Wohlergehen der Menschen und dadurch für das Gelingen von Demokratien getan als die meisten Politiker und vor allen alle grünen Politiker! Und das habe ich auch schon in anderen Foren wiederholt und mit Zahlen, Daten und Fakten begründet, aber ich wiederhole es gerne noch einmal, denn die Wiederholung ist die Mutter des Lernens. Das wussten schon die alten Römer!
      1. Ohne fossile Energien müsste die Hälfte der Menschheit verhungern und der Rest würde in Armut, Primitivität und Unterentwicklung versinken. Vergleichen Sie einfach mal den Zustand der Welt zu Beginn der industriellen Revolution vor ca. 250 Jahren: eine brutale Feudalgesellschaft in allen Ländern Europas und dem Rest der Welt, über 90% der Menschen waren rechtlose Arbeitstiere und die Frauen Arbeitstiere und Gebärmaschinen.
      2. Dank der industriellen Revolution, dank des Gebrauchs fossiler Brennstoffe, dank der fossilen Industrie hat sich die Lebenserwartung seitdem mehr als verdoppelt und die Lebensbedingungen für die große Mehrzahl der Menschen in Europa und vielen anderen Teilen der Welt hat sich auf ein historisch unvorstellbar hohes Niveau erhöht. 3. Nur der durch fossile Brennstoffe erreichte Wohlstand macht Demokratie überhaupt erst möglich und sichert die Demokratie. Ansonsten gilt: “Erst kommt das Fressen und dann kommt die Demokratie!”
      4. In meinem Geschichtsbuch von ca. 1970 fand ich folgende Bemerkung über den Ersten Weltkrieg: “Die Alliierten sind auf einer Woge von Öl zum Sieg geschwommen.” Das war ein Zitat irgendeines berühmten Mannes, dessen Namen ich leider vergessen habe. Das gleiche gilt auch für den zweiten Weltkrieg. Nazi-Deutschland hat unter anderem auch verloren, weil die Alliierten eine wesentlich größere fossil gestützte Industriekapazität hatten und sich keine Sorgen um die Treibstoffversorgung machen mussten. Mit fossilen Energien zum Sieg über Nazi-Deutschland!
      5. Auch wenn Sie noch so sehr von “Friedensenergien” träumen: kein Industrieland kann seinen Energiebedarf mit Wind und Sonne decken. Diese unzuverlässigen und und wenig bis überhaupt nicht planbaren Zappelstrom- Energien sind mit dem Bedürfnis nach einer sicheren Stromversorgung und allgemein einer sicheren Energieversorgung einfach nicht vereinbar. Und den Irrweg der deutschen Energiewende macht kein anderes Land mit! Wenn ich mich irre, nennen Sie mir ein Land! 6. Der Anteil fossiler Brennstoffe an der globalen Energieversorgung, also der von Öl, Gas und Kohle, lag im Jahr 2022 bei 80%. (Quelle: statista). Öl lieferte 30% der weltweit benötigten Energie Kohle und Torf 27%, Gas 23%, Bioenergie und Abfall 11%, Kernenergie 5%, Wasserkraft 2% und abgeschlagen am unteren Ende landen Wind und Sonne mit jeweils 1 Prozent! Da können Sie noch so sehr von Freiheitsenergien träumen, um die bösen fossilen Autokraten zu besiegen – die gegenwärtigen Zahlen geben das einfach nicht her. Zitat Blume: “Wir respektieren die Wissenschaft und wissen, dass schwere Zeiten der Klima- und Mirweltkrise auf uns zukommen.” Klima- und Wasserkrise können nur durch moderne Industriestaaten auf der Basis fossile Energien gelöst werden. Ihre Argumentation mit den Ausfällen gegen fossile Konzerne sind eben gerade nicht durch Wissenschaft getragen. Die wichtigsten Zahlen habe ich Ihnen gerade genannt und eigentlich müsste klar sein, dass wir aus der fossilen Wirtschaft so schnell nicht aussteigen können. Sicherlich wird das fossile Zeitalter irgendwann mal enden, wenn es etwas besseres gibt, z.B Kernfusion. Wind und Sonne werden es auf Jahrzehnte hinaus nicht schaffen, weil die Energiedichte pro Flächeneinheit einfach zu gering ist. Noch ein Zitat von Ihnen, Herr Blume: “Lasst uns also aufhören, den falschen,den fossilen Wolf zu füttern.” Wir in Deutschland können uns gerne in das wirtschaftliche Aus befördern-und das Weltklima wird es fast nicht merken und wenn, werden die Effekte eher negativ sein. Über die Effizienz der deutschen Energienutzung und die Energienutzung in vielen anderen Ländern habe ich schon wiederholt gesprochen. Jede Tonne Öl oder Kohle, jeder Kubikmeter Gas, den wir in Deutschland nicht verfeuern, wird dann eben in anderen Ländern verbraucht, aber mit geringerer Effizienz. Das ist der Stand der Dinge: wenn Deutschland keine fossilen Energien mehr braucht bzw. brauchen will, wird unsere Industrieproduktion dramatisch in den Keller gehen, mit sämtlichen schlimmen Folgen für Sozialstaat und Demokratie (beim Massenarmut ist da ganz schnell Schluss mit lustig!).

      • Sehr geehrter Herr Quentmeier,

        dass Sie sich auch angesichts der breiten, pro-demokratischen Demonstrationen nur wieder auf die Seite der fossilen Lobbyisten und deren Pseudo-Wissenschaft stellen, vermag nicht zu überraschen. Sie führen auch erneut “gekonnt” aus, dass Sie zwischen überprüfbaren Theorien und dualistischen Verschwörungsmythen nicht differenzieren wollen.

        Auf X wird gerade entsetzt diskutiert, dass auch Ulrike Guerot in klassischer Täter-Opfer-Umkehr den Demonstrierenden gegen Herrn Höcke “Faschismus” andichtet. Ich habe darauf gelassen mit einem Vortrag zur alpinen Geschichte des Faschismus reagiert:

        https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-alpenraum-medienthese-kit-vortrag-und-studienbrief/

        Klären Sie uns auf: Wie schätzen Sie die Aussagen von Herrn Höcke ein? Halten Sie ihn für einen Faschisten?

        Mit ehrlich interessierten Grüßen!

  2. Ich vergleiche Ihren Ansatz, der die Rede als Teil eines Dialogs auf höheren Ebene auffasst (Sie sitzen ja immer noch am Tisch in der Kneipe und lassen ein paar Gedanken fallen, worauf die Anderen reagieren können, nur wird’s in großem Maßstab etwas umständlich) mit Elon Musks Winseln über Mangel an Redefreiheit.

    Wenn Sie allein im Auto einen Monolog halten, sind Sie immer der Klügste im Raum – ohne Kritik erkennen Sie keine Fehler in Ihrem Denken, was Sie kriegen, ist ein Haufen Ja-Sager namens Echos. Durch die Scheiben sehen Sie aber, dass keiner Ihnen zuhört – die Leute sind mit sich selbst beschäftigt. Also reden Sie lauter, und drücken dabei mit dem Fuß aufs Gas. Die anderen Fahrer sehen ein Aggro-Arschloch am Steuer und reagieren – ihre Autos werden zu sicheren Eiern auf Rädern oder größeren SUVs. In jedem SUV sitzt ein Typ, der Monologe hält, der Weiseste auf der Welt ist, und sich ärgert, dass keiner ihm zuhört, während alle bloß immer aggressiver fahren. Um sich zu wehren, schafft er sich einen Tesla-Truck an. Und der wird dann durch einen Panzer getoppt, durch einen Kreml oder Weißes Haus voller Speichellecker-Echos. Und alle werden immer aggressiver. Denn alles, was so ein Tesla Kid Killer Coffin sagen kann, ist: Ich will dich töten. Töte mich zuerst. Und immer größere Autisten-Trutzburgen auf Rädern sprechen immer lauter. Der Chor der Verdammter heult durch ihre Motoren auf.

    Wir sind Daleks, Killerroboter aus der Hölle, angetrieben von verdammten Seelen, die lebendig begraben in ihnen toben. Aus einem Recht auf Redefreiheit folgt halt kein Recht darauf, dass man einem zuhört. Das Weiße Rauschen des Gebrabbels verschmilzt zu einer Wand: Vielfalt braucht eine gute Suchmaschine, um aus dieser Buchstabensuppe die Inhalte herauszufischen, die man braucht, benötigt es Wahrnehmungsfilter. Und durch diese Filter entstehen Wahrnehmungswelten, die sich durch Daten-Inzest zu überspezialisierten Extremen hochzüchten. Wir brauchen diese Paralleluniversen, in denen wir uns sicher fühlen, die wir verstehen und halbwegs kontrollieren können, um die Vielfalt zu ertragen, wir bilden stets neue, verändern und zerstören sie, sie verschmelzen und teilen sich. Wenn aber die Kommunikation ganz erlischt, haben wir Zombie-Apokalypse, eine Arena der Daleks, Killerroboter angetrieben von Verzweiflung.

    Muss ich gerade sagen, ich führe hier nur Selbstgespräche. Bin halt kaputt, verdammt zu sein ist für mich Heimat, ich bin wie Elon Musk – suche Kontakt, der an einer Wand scheitert, die ich selbst aufgebaut habe. Ist mir egal, ich folge einem Zwang, Sinn brauche ich nicht. Aber auch eine Raumkapsel im Orbit kann Daten zur Erde funken, und aus der Perspektive sieht man vielleicht mehr. Man muss nur klar machen, es ist nicht die Invasion aus dem All, und jeder kann sich selbst aussuchen, wie viel Zeit und Aufmerksamkeit er dafür opfert. Ich hoffe, Sie haben was davon.

  3. @Michael Blume

    Der erste Titel, den ich aus Ihrer Feder lesen durfte, war damals „Islam in der Krise“.

    Mich hatte Ihre Arbeit auf strukturelle Schwächen von Religionskonzepten insgesamt aufmerksam gemacht.

    Gleichwohl auch auf ihre Beitragsbefähigung zu in als modern organisiert verstehbar wirkenden Gemeinwesen.

    Beste Grüße

  4. Guten Tag Herr Blume,

    entgegen Ihrer Ankündigung, eine Rede ohne Freund-Feind-Dualismus zu halten, sind mir als Zuhörer in Stuttgart doch 2-3 Punkte aufgefallen, die ich mit Ihnen teilen möchte:
    – Auch wenn ich den Wunsch dieser Aussage teile: “hier aus Baden-Württemberg wird überhaupt niemand deportiert” (nur im Video, nicht im Skript), geht er an der Realität vorbei, denn im Rahmen ihres “rechtsstaatlichen Dienstes” klopft die Polizei nach wie vor zwischen 3-5 Uhr in der früh an die Türen von Azubis, Familien und Alleinstehenden, um diese in Abschiebeflieger zu zwingen. Das ist vielleicht rechtsstaatlich gedeckt und wird deshalb nicht als “Deportation” bezeichnet, für die Betroffenen ist das aber zweitrangig. Im Jahr 2023 sind aus BW 2099 Menschen abgeschoben worden (u.a. 124 nach Afghanistan, 54 in den Irak, siehe BW Flüchtlingsrat). Etwas Selbstkritik als Beauftragter der dafür mitverantwortlichen Landesregierung hätte vielleicht den Ton getrübt, wäre aber an dieser Stelle ehrlich gewesen. Ich möchte Sie außerdem auf das neue Grundsatzprogramm Ihrer Partei hinweisen, das vorsieht, Asylsuchende generell in ein nichteuropäisches Drittland zu “deportieren”, wo diese dann bei positivem Asylbescheid dann auch Schutz bekommen sollen (ZEIT online). Das deckt sich nahezu 1:1 mit den Ruanda-Plänen der von Ihnen gescholtenen Tories, sodass Sie sowohl die Ampel-Parteien als auch die Union in ihrer Aufzählung der nach rechts gerückten Parteien mitberücksichtigen hätten sollen.
    – “Niemand von uns blockiert Straßen, fordert von Euch mehr Subventionen und niemand von uns bedroht Euch mit Galgen”: Soweit ich das beobachtet habe, gab es bei den Demos der Landwirt:innen in Stuttgart keine Galgen. Die Forderungen der Landwirte nahmen die Abschaffung der Dieselsubvention nur zum Anlass, auf eine Vielzahl agrarpolitischer Fehlsteuerungen der letzten Jahrzehnte hinzuweisen, die es v.a. für Familienbetriebe nahezu unmöglich machen, wirtschaftlich zu überleben. Davon abgesehen: Mindestens 50% der Sprecher:innen bei der Demo waren Personen, die als Beamte oder staatlich Beauftragte ebenfalls von staatlichen Ausgaben (“Subventionen”) leben, von daher empfand ich diesen Hieb gegen die landwirtschaftlichen Demos als fehl am Platz.
    – Die “fossile Lobby” hat doch nur deshalb so viel Kraft, weil die meisten Menschen nach wie vor gerne fossile Energie nutzen. Hier mit dem Finger auf “die da” zu zeigen, hilft doch da nicht weiter?
    So erfreut ich war, wie viele Menschen sich gegen den Unfug der AfD stellen, so sehr hätte ich mir eine ehrlichere Auseinandersetzung mit den gegenwärtigen Problemen gewünscht. So war es mir zu sehr eine Demonstration der “Wir sind die Guten” – weil nicht benannt wurde, dass auch das demokratische Lager schleichend nach rechts rückt.

    • Danke für Ihre kritisch-konstruktive Rückmeldung, @Daniel!

      Tatsächlich hätte ich ungerne auf einer Demonstration „gegen rechts“ gesprochen, da jede freie Wahl völlig legitim ebenso konservative wie progressive Gewählte ergibt. Mitte-rechts-Positionen gehören für mich ebenso selbstverständlich in den demokratischen Diskurs wie Mitte-links-Positionen.

      Entsprechend möchte ich auch Ihre Beinahe-Gleichsetzung von rechtsstaatlichen Abschiebungen mit faschistischen Deportationen freundlich und klar zurückweisen. Abgeschoben werden ausschließlich Menschen, die kein dauerhaftes Bleiberecht in unserem Land erhalten haben. Zur „Remigration“ aufgefordert und deportiert werden sollen dagegen Menschen, die bereits ein gesichertes Bleiberecht oder gar die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten haben. Hier wird also gezielt die Verfassungsordnung in Frage gestellt – für deren Verteidigung ich sprach.

      Und, ja, ich begrüße es, dass nun noch viel mehr Menschen ihre persönliche Betroffenheit erkennen. Wegen unserer „gemischten“ Familie werden wir Blumes seit Jahrzehnten digital angegangen – und zuletzt auch aufgrund des jüdisch klingenden Familiennamens recht explizit bedroht:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/warum-klingt-der-familienname-blume-juedisch/

      Zur Galgen-Nachfrage: Jeden Arbeitsmorgen fahre ich entlang der Mittleren Filderlinie an einem Traktor-Ampel-Galgen vorbei. Gerade auch als guter und zahlungsbereiter Kunde der Landwirtschaft werde ich solche Symbole des Lobbyismus stets als überzogen, drohend und Gewalt verherrlichend zurückweisen. Hier wurde und wird der Boden des zivilen Streites und Interessensausgleichs verlassen.

      Dass wir eben nicht nur (m.E. eher noch stärker zu fördernde) landwirtschaftliche Familienbetriebe, sondern bisher vor allem riesige Betriebe der industriellen Massentierhaltung mit Steuergeldern subventionieren, halte ich für falsch. Denn schon jetzt vergiften wir durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe sowie etwa durch Methan-Emissionen unsere Mitwelt, finanzieren zudem durch fossile Importe von Öl und Gas autoritäre, kriegführende und antisemitische Regime wie Russland, Iran und Katar. Deswegen bin ich bereits vor Jahren auf Wärmepumpe, Elektromobilität und Vegetarismus umgestiegen und habe gerade eine neue Solaranlage in Auftrag gegeben. Ich möchte von niemandem fordern, was ich auch selbst nicht lebe und halte sowohl individuelle wie auch strukturelle Veränderungen für notwendig, damit die Menschheit das 21. Jahrhundert in einigen Arche-Regionen (wie hoffentlich auch Baden-Württemberg) überleben kann.

      Und sehr bewusst habe ich die Bedeutung des Anstands quer durch die Milieus betont und zusätzlich versucht, auch durch Humor den Freund-Feind-Dualismus zu unterlaufen. Dies auch, weil mir einige von brüllend dualistischen Demonstrationsreden und oft allzu aggressiven Reden „gegen rechts“ berichtet wurde. Ich verorte mich in der demokratischen Mitte und möchte mich auch in der Rhetorik keinem der dualistischen Ränder andienen.

      Vielen lieben Dank für Ihr Interesse und den konstruktiven und wie Sie sehen anregenden Druko! 🙂

  5. Lieber Herr Dr. Michael Blume (Beauftragter der baden-württembergischen Landesregierung gegen Antisemitismus (seit 2018, ein kleines hut ab an dieser Stelle)), dazu vielleicht kurz eine kleine “Meta-Anmerkung” :

    Einen Nachteil hat die duale Rede aber ehrlich gesagt schon: Sie kostet in der Vorbereitung sehr viel Zeit und Konzentration. Allerdings empfinde ich die Aufmerksamkeit so vieler Menschen als Verpflichtung und möchte den Anwesenden auch wirklich etwas mitgeben.

    Sie können Reden schreiben, im Vortrag noch besser werden und Sie dürfen davon ausgehen, dass sich viele Personen nicht ausreichend mit den Inhalten Ihrer dankenswerterweise bereit gestellten Reden beschäftigen.
    Vergleiche bspw. mit einer Ihrer neulich gehaltenen Reden, in der Sie die sog. Cancel Culture in einem Nebensatz zu ergänzen schienen, die Namensänderung einer Universität zu bewerben schienen – was aufgeregt hat, aber offensichtlich nur ein Randthema war.
    Auch der Schreiber dieser Zeilen, der sich rein spaßeshalber auch Blumologe nennt, kommt bei Ihnen ganz gelegentlich (abär : zunehmend) nicht mehr mit. (Sie haben zB diese von Ihnen so genannte duale Rede gehalten, wobei der Dualismus aber nicht gut sein soll – und es mittlerweile auch sog. Rechtsdualisten geben soll, also da wurde es auch Old Webbaer zu viel!)
    Insofern die Idee, dass es auch einfacher geht, zum Angriff der “Hamas” konnten Sie klare Worte finden, klare Worte erhöhen die Erreichbarkeit der Menge.
    Dieser bekannte (in BW weltbekannt sozusagen) Ex-Kommunist hat Sie mal, sicherlich schrecklich verkennend, ‘vergeistigt’ genannt, also der hatte nicht recht, oder?
    Mit freundlichen Grüßen und weiterhin viel Erfolg
    Dr. Webbaer

    • Danke & doch @Webbaer: Ich bekenne mich der Naivität, Vergeistigung und des „bibeltreuen Gutmenschentums“ für „schuldig“! 🤭

      Auch machen mir die Ausarbeitungen Freude, da sie weniger Belehrung anderer als vielmehr der eigenen Denk- und Spracharbeit dienen. Insofern hoffe ich, dass Sie die Freude an der „Blumologie“ nicht verlieren, wenn ich Ihnen gegenüber einräume, dass ich auch die eigenen Entdeckungen nicht vorhersehen kann. Die Arbeiten etwa zum Familienname Meier in A wie Aachen waren pure Freude!

      Ein implizites Vorbild war Hans Blumenberg, der ein Leben lang so schaffte – und zugleich den Nazis verübelte, dass sie ihm wichtige Jahre gestohlen hatten. Ich vermute, dass meine wissenschaftliche Schaffenskraft in einigen Jahren nachlassen dürfte und habe vor, die Zeit bis dahin auszukosten und auszufüllen. 🙂

      Ihnen von Herzen Dank für Ihre jahrelange „Treue“!

  6. Jetzt habe ich mich bei Ihnen eingewöhnt an einen Wortgebrauch, an eine Bedeutung von „dual“, die ich aus meiner Bildung her „manichäisch“ nennen würde – Bei „Dualismus“ assoziiere ich zuerst „Leib-Seele-Dualismus“ –, und jetzt führen Sie noch eine weitere Dualität ein? 🤔 Nun ja, ich werde mich auch daran gewöhnen. Dank für diese gute Rede!

    • Vielen Dank, @Alubehüteter! 🙏

      Tatsächlich habe ich die Unterscheidung zwischen monistischer Dualität (wunderbar symbolisiert auch etwa im berühmten Yin und Yang ☯️) und feindseligem Dualismus immer wieder ausgeführt. Auch glückliche Beziehungen erscheinen mir dual, aber gerade nicht dualistisch zu sein. 🙂

      Vielen Dank für Ihre Rückmeldung!

Schreibe einen Kommentar