Die KI-Menschenwürde-Enzyklika von Papst Leo XIV. und Anthropic im Dialog

Ein Grund, warum ich die demografischen Folgen der säkularen Geburtenimplosionen lieber mit dem Begriff „Unterjüngung“ als mit dem falschen und gefährlichen „Überalterung“ bezeichne, liegt in der eigenen Erfahrung: Gerade auch in Zeiten schneller Veränderungen bauen Kinder dialogische Brücken in die Zukunft. So integrieren oft junge Generationen bereits Technologien in ihren Alltag, während manche Ältere noch in empörten Verbotsfantasien schwelgen.
Entsprechend zeigte mir K1, warum immer mehr Studierende an deutschen Hochschulen derzeit von ChatGPT zu Claude von Anthropic gewechselt sind. Ich war erstaunt und überzeugt, nachdem mir die KI-Anwendung mit einem einfachen Prompt ein Schaubild zu erneuerbaren Friedensenergien präsentierte, an dem ich inhaltlich nichts auszusetzen fand.

Da der Heilige Geist bekanntermaßen über Pfingsten besonders aktiv ist, erfuhren wir am gleichen Abend, dass Papst Leo XIV. gemeinsam mit dem Anthropic-Mitgründer Chris Olah sein neues Lehrschreiben „Magnifica Humanis – Enzyklika über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz“ im Vatikan in Rom präsentierte.

Dass die römisch-katholische Kirche ein dialogisches und theologisches Interesse an neuen Medien verfügt, hatte ich auch selbst bereits 2011 erlebt, als ich zum ersten Bloggertreffen in den Vatikan eingeladen worden war.
Dennoch und deswegen beeindruckten mich schon die ersten, donnernden Sätze des Schreibens, die deutlich machten, dass es aus der Sicht der Papstkirche um nicht weniger als um die Würde und das Schicksal des Menschen ging:
„1. Die von Gott geschaffene grossartige Menschheit steht heute vor einer entscheidenden Wahl: Entweder sie errichtet einen neuen Turm zu Babel oder sie erbaut die Stadt, in der Gott und die Menschheit gemeinsam wohnen. Jede Generation erbt die Aufgabe, die eigene Zeit zu gestalten, damit die Geschichte zu einem Ort reifen kann, an dem die Würde jedes Menschen gewahrt, Gerechtigkeit gefördert und Geschwisterlichkeit ermöglicht wird. Doch jeder Epoche droht die Gefahr, dass die Welt unmenschlich und ungerechter wird. Wo die Menschheit riskiert, ihr wahres Gesicht zu verlieren, da erheben wir Christen unseren Blick zu dem Gott, der Mensch geworden ist, in dem Wissen, dass sich »nur im Geheimnis des fleischgewordenen Wortes das Geheimnis des Menschen wahrhaft« aufklärt. Diese großartige Menschheit wird in Jesus Christus zum Weg, zur Wahrheit und zum Leben und eröffnet jedem von uns den Weg zur Erfüllung.
2. Auf Christus, den lebendigen Stein, gegründet, erfahren wir das mächtige und geheimnisvolle Wirken des Heiligen Geistes, und wir glauben, dass jedes echte menschliche Bemühen, mit ihm zum Guten zusammenzuarbeiten, von unserem himmlischen Vater, auf den wir unsere Hoffnung setzen, gesegnet ist. Deshalb können wir uns engagiert an all den Initiativen beteiligen, die eine gerechtere Welt aufbauen, und können wir auch andere dazu aufrufen, bei der Förderung der ganzheitlichen Entwicklung jedes Menschen mit uns zusammenzuarbeiten. Wir möchten in Dialog mit allen Männern und Frauen unserer Zeit treten, mit denen wir die Ereignisse, Fragen und Wünsche der Menschheit teilen. [2] Wir wollen gemeinsam mit ihnen neue Wege zur Verwirklichung des Gemeinwohls und zur Förderung eines würdigen Lebens für alle finden. Diese Haltung des Dialogs ist ein wesentlicher Bestandteil der Berufung der Kirche…“
Via Mastodon erreichte mich zudem ein ReligionNews-Bericht über den bereits langjährigen Dialog der katholischen Kirche mit KI-Medienkonzernen wie Anthropic oder auch Google.
Und schließlich zielte auch das Datum der Unterzeichnung auf die historische Bedeutung des Textes: Am 15. Mai 1891 hatte Papst Leo XIII. die Sozialenzyklika „Rerum Novarum“ gezeichnet, die als das wirkmächtigste Sendschreiben der katholischen Soziallehre(1810 – 1903) als direkter Namensvorgänger gilt. Mehr bedeutungsvolle Anknüpfung ist kaum denkbar.
Bis ich den Enzyklika-Text wirklich durchdrungen habe, wird es noch ein paar Tage dauern – und ich erkenne am Liebsten dialogisch. Daher möchte ich auch Sie herzlich zum Dialog rund um die KI-Enzyklika einladen. Das Thema ist wichtig. Und gemeinsam verstehen wir alle mehr.
Hier dazu – auch das ein interessantes Medienereignis – das ebenfalls zur Pressekonferenz gezeigte, „offizielle Präsentationsvideo des Vatikans zur Enzyklika Magnifica Humanitas“:
Schließlich möchte ich allen, die es feiern, ein gesegnetes Opferfest (türkisch Kurban Bayram) wünschen! Auch ich begehe diesen Festtag mit dem muslimischen Teil meiner Familie in Erinnerung an den gemeinsamen Stammvater Abraham und die symbolische Abschaffung des Menschenopfers durch G‘tt.
Guten Morgen,
Ich möchte mich hier nur zu Claude und KI äußern.
Ich habe Claude inzwischen ausprobiert und bin beeindruckt von den Ergebnissen und der Sprache, die ausgesprochen höflich ist.
Allerdings nutze ich zur Zeit Le Chat von Mistral, weil diese KI überwiegend europäisch und Open Source ist.
Bedauerlicherweise wurde die deutsche KI Aleph Alpha an Kanada verkauft.
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/digitales/kuenstliche-intelligenz-uanbhaengigkeit-aleph-alpha-100.html
Auf Android Geräten (Google) kann man ohne Registrierung Felo AI nicht mehr nutzen. Die Veränderungen (Abschottung) bei Google sind sehr auffällig.
Die Google eigene KI Gemini wird immer mehr implementiert.
Die Auseinandersetzung mit KI ist daher unerlässlich.
Vielen herzlichen Dank für den dialogischen Druko, @Elisabeth K. 🙏
Und inhaltlich bin ich da voll bei Dir, habe ja selbst bereits mehrfach für europäische FOSS-Verteidigungsausgaben und eine KI-Gewaltenteilung plädiert: Statt eine auch noch nichteuropäische Konzern-KI mit unseren Daten und Prompts zu füttern, sollten „wir“ lieber zahlreiche, dezentrale und europäische FOSS-KIen anwenden und damit auch unsere individuelle und europäische Digitalsouveränität erhalten bzw. wiedergewinnen.
Gleichzeitig mache ich mir jedoch bewusst, dass solche Überlegungen bisher nur kleine Teile der auch jüngeren Menschen erreichen, die bisher auch trotz aller Gefahren in den algorithmischen Konzernmedien aus den USA und China verbleiben. Auch etwa das erfolgreiche FOSS-Mastodon wächst nicht so schnell wie erhofft.
Danke für Dein starkes und buchstäblich vorbildliches Engagement für Digital- und Medienbildung, @Elisabeth K.! 🙏🤖🙌
Guten Morgen @Michael,
ein Gruss aus den französischen Bergen, wo es auf über 1000 Metern Meereshöhe Ende Mai schon so unerträglich heiß ist, dass an Sport im Freien kaum zu denken ist… verbunden mit dem Dank, dass Du die Enzyklika von Papst Leo XIV zur gemeinsamen Lektüre vorschlägst. Das nehme ich gerne als Anlass, mich auch einzulesen und, falls ich etwas beizutragen habe und so es das (meist fehlende WLAN) und das (eher schlechte) Netz hier zulassen mich zu gegebener Zeit kommentarisch zu melden. Eine gute, gedankenvolle Zeit wünsche ich.
Vielen Dank, lieber @Peter
Ja, in Zeiten zügelloser Rechtsmimesis und Thymokraten wirkt Papst Leo XIV. als Stimme der Vernunft und Mäßigung. Und von der bisherigen Lektüre her bin ich bewegt, dass er für eine Menschenwürde-Mimesis plädiert, die ich für zukunftsweisend halte.
Bewusst arbeitete ich mich diese Tage durch die Machiavelli-Lektüre “Der Fürst und seine Erben“ von Peter Sloterdijk, der u.a. im Hinblick auf die heutigen Autokratien auf S. 146 schreibt:
Das Kleid, das der Staat tragen muß, um sich von nackter Gewalt zu unterscheiden, heißt von alters her das Recht.
Ich meine, dieser Anspruch müsste auch auf multinationale Konzerne zielen. So verlangt Elon Musk auch von den USA immer höhere Summen für Starlink-Verbindungen und richtet zugleich Grok feindselig, rechtsmimetisch und antisemitisch aus.
So heißt es in 1.5 der KI-Enzyklika passend:
Es ist notwendig, angemessene Regulierungsinstrumente einzuführen, die in der Lage sind, die Gerechtigkeit zu schützen und die verzerrenden Auswirkungen von technologischer Macht einzudämmen. Doch das Problem beschränkt sich nicht auf die Regulierung.
Wie Papst Franziskus warnte, müssen wir uns ganz realistisch fragen, wer diese Macht heute innehat und zu welchen Zwecken sie eingesetzt wird: »Wir können aber nicht unbeachtet lassen, dass die Nuklearenergie, die Biotechnologie, die Informatik, die Kenntnis unserer eigenen DNA und andere Fähigkeiten, die wir erworben haben […] denen, welche die Kenntnis und vor allem die wirtschaftliche Macht besitzen, sie einzusetzen, eine beeindruckende Gewalt über die gesamte Menschheit und die ganze Welt« [7] verleihen.
In der Vergangenheit waren es in erster Linie die Staaten, die Innovationen lenkten und steuerten. Heute sind die Haupttriebkräfte der Entwicklung hingegen private, oft transnationale Akteure, die über Ressourcen und Handlungsmöglichkeiten verfügen, die denen vieler Regierungen überlegen sind.
Die technologische Macht nimmt somit eine beispiellose, vorwiegend „private“ Gestalt an und ist aus diesem Grund noch schwieriger zu erkennen, zu steuern und auf das Gemeinwohl auszurichten.
Ich bin gespannt, was wir bei der Enzyklika-Lektüre gemeinsam entdecken und wünsche Dir & Euch trotz der Klimakrise-Hitze schöne Tage in Frankreich!
In Washington herrscht Nero, da springt in Rom der Petrus an. Ich mag diese uralte Trennung von Staat und Kirche, von König und Druide, von Majestix und Miraculix. In China, im Islam, sind die Rollen nie getrennt worden, in Rom, Russland, USA, der GroKo, flossen sie wieder zusammen, aber im Westen als Ganzem bleiben wir beim Zweiparteiensystem – je mehr die Kraft in ein Zentrum fließt, desto mehr Gegenkraft schafft ein Gegen-Zentrum, das sorgt für Dynamik.
Solange die KI-Hardware die Größe von Kleinstädten hat und Milliarden kostet, kann es auch einen Papst geben, der die Heilige Kuh verwaltet. Wenn es viele, billigere Schäfchen gibt, die sich jeder nach eigener Fasson ins Trockene bringen kann, werden sich auch die Päpste mehren. Kennt man schon – von einer Bibel zu viel Buchdruck.
[Wegen Überlänge und unangemessener Sprache gekürzt, M.B.]
Hallo werter Dr. Blume 😉
verzeihen Sie, wenn ich diesen Kommunikationsweg wähle (= Kommentare werden ja vor Veröffentlichung gesichtet :-)).
da ich Ihre Texte immer sehr interessant und bereichernd emp/finde, möchte ich Sie gern spontan folgendes fragen:
können Sie sich eventuell vorstellen, bei unserer Jahrestagung des DemokratieForums einen Impulsvortrag zu halten?
Das Thema wird „Welten in Gefahr“ (Klima, Gerechtigkeit, Krieg, Demokratie) sein.
an zwei Tagen (nachmittags 20.11. bis mittags 21.11.26) diskutieren wir mit Impulsvorträgen und inputs mit durchschnittlich 30 bis 40 Personen aus dem Landkreis, viele Schüler, Menschen aus Politik und zivilgesellschaft, auch Soldat und ältere…
(Mehr hier: https://demokratieforum-waldeck-frankenberg-akademie.jimdosite.com/ )
ich weiß, dass Sie sicher viel zu tun haben und mit Terminen eingedeckt, aber ich möchte es wenigstens versuchen,
da gerade Ihr Ansatz der fossilen Kriegsenergien sehr ergiebig ist.
Abgesehen von unserer Jahrestagung würden wir uns auch freuen, eine gesonderte Veranstaltung mit Ihnen als Vortragenden abhalten zu können ; da würden wir natürlich terminlich völlig auf Ihre Wunschdaten eingehen :-).
Vielen Dank jedenfalls für Ihre interessanten engagierten Texte.
Herzliche Grüße
Cornelia S Gliem
Korbach
DemokratieForum Waldeck-Frankenberg. Akademie für Politische Übung
Ganz herzlichen Dank für die wunderbare und über den Blog ungewöhnliche, aber eben auch dialogisch-demokratische Anfrage, @Cornelia S Gliem 🙏
Angesichts der Vielzahl der Termine & Anfragen müsste ich jedoch darum bitten, die Einladung via E-Mail an mein Team zu übersenden, da dies alle Verpflichtungen im Blick hat, Einladungen bewerten kann und wir dann gemeinsam entscheiden, was inhaltlich geboten und auch schaffbar ist.
„DemokratieForum“ klingt für mich sehr interessant und ich bin wirklich dialogisch gespannt.
Und weil dies hier ja ein Blogpost zur KI-Enzyklika von Papst Leo XIV. ist, zitiere ich ihn hier auch gerne aus 1.10:
Vermeiden wir also das „Babel-Syndrom“: die Vergötterung des Profits, die die Schwachen opfert; die Einförmigkeit, die Unterschiede nivelliert; den Anspruch einer einzigen – auch digitalen – Sprache, die in der Lage ist, alles, sogar das Geheimnis der Person, in Daten und Leistung zu übersetzen. Dies ist die Gefahr der Entmenschlichung – bei der Gestaltung der Zukunft Gott auszuschließen und den Anderen auf ein Mittel zu reduzieren – eine uralte und immer neue Versuchung, die heute technische Gestalt annimmt.
Entscheiden wir uns stattdessen für den „Weg Nehemias“, der den Wert der gemeinsamen Arbeit zur Absicherung der Stadt Gottes für die heimgekehrten Exilanten hervorhebt.
Wiederaufbauen bedeutet heute, anzuerkennen, dass sich in der Vielfalt der Stimmen und Ansichten, die manchmal an die Sprachverwirrung erinnert, immer noch eine glänzende Möglichkeit bietet: gemeinsam zu bauen, Verschiedenheit in eine Ressource zu verwandeln und das Zuhören und den Dialog zur gemeinsamen Grundlage zu machen, auf der Gerechtigkeit und Geschwisterlichkeit gedeihen können.
Mit Dank und ganz herzlichen Grüßen!
@Hauptartikel / Papst Leo XIV
„…dass jedes echte menschliche Bemühen, mit ihm zum Guten zusammenzuarbeiten, von unserem himmlischen Vater, auf den wir unsere Hoffnung setzen, gesegnet ist.“
Klasse, genau das hoffe ich auch. Was Vernünftiges mag von Geisteswelten unterstützt werden. Das könnte universal sein.
„Wir wollen gemeinsam mit ihnen neue Wege zur Verwirklichung des Gemeinwohls und zur Förderung eines würdigen Lebens für alle finden. Diese Haltung des Dialogs ist ein wesentlicher Bestandteil der Berufung der Kirche…“
Aus meiner Sicht ist auch die katholische Kirche ein bunter Haufen. Schön wäre es aber, was hier geschrieben steht. Das würde ja wirklich weiterführen, soweit es denn Wirklichkeit wäre.
Allerdings grenzt sich ja China schon ganz schön auch vom Christentum ab. Und beruft sich auf die einschlägigen eigenen Traditionen.
Da kann man glaube ich wirklich sehr gerne auch in einen Austausch eintreten. So uninteressant scheint mir z.B. der Taoismus gar nicht zu sein.
@Michael 27.05. 13:33 / Sloterdijk
„Das Kleid, das der Staat tragen muß, um sich von nackter Gewalt zu unterscheiden, heißt von alters her das Recht.“
Was sich aber auch ganz schön biegen lässt. So klar ist der Unterschied nicht immer.
Was z.B. Trump vom Recht so übrig lässt, ist weniger, als was denn möglich wäre.
Und was die Bürokraten so öfter mal veranstalten, sind dann auch mal recht eigene Welten.
Vielen Dank für Dein dialogisches Interesse und Nachbohren, @Tobias 🙏
In seiner Enzyklika „Magnifica Humanitas“ verknüpft der jetzige Papst in für mich beeindruckender Weise den sozial-wirtschaftlichen Vorstoß seines Namensvorgängers mit der dialogischen Erkenntnistheorie des Zweiten Vatikanischen Konzils und schließlich dem Prinzip der Falsifikation nach Popper!
So heißt es in Kapitel 2 zum „Dialog mit den Geisteswissenschaften“ mutig und tief:
Die Kirche betrachtet all jene, die aufrichtig nach »Wahrheit, Güte und Schönheit« suchen, als Weggefährten und als »wertvolle Verbündete« [12] bei der Verteidigung der Würde jedes Menschen und bei der Bewahrung der Schöpfung.
Indem sie den pastoralen Stil des Zweiten Vatikanischen Konzils übernimmt, das dazu einlädt, auf die Zeichen der Zeit zu hören, sie zu erkennen und zu deuten, fürchtet die Kirche, erleuchtet von der Weisheit des Wortes Gottes, die Begegnung mit dem menschlichen Wissen nicht.
Das Wort Gottes bietet verlässliche Kriterien, um Wege der Gerechtigkeit zu weisen und Wege der Versöhnung und des Friedens unter den Menschen zu eröffnen. Wenn es darum geht, diese Kriterien auf die komplexen Situationen unserer Zeit anzuwenden, ist der Beitrag der Philosophie sowie der Geistes- und Sozialwissenschaften wesentlich, da sie helfen, die kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Dynamiken tiefer zu verstehen und zu analysieren.
Der heilige Johannes Paul II. erinnerte daran, dass die Kirche den Beitrag der Sozialwissenschaften annimmt, »um daraus konkrete Hinweise zu gewinnen, die ihr helfen, ihre lehramtliche Aufgabe zu erfüllen«. [13] Die Auseinandersetzung mit diesen Erkenntnissen schmälert nicht die Kraft des Evangeliums; im Gegenteil, sie ermöglicht es, mit größerer Klarheit zu erkennen, was das Leben der Menschen und der Gemeinschaften wirklich fördert.
Papst Franziskus hat in Fortführung dieser Perspektive betont, dass die Kirche bei vielen spezifischen Fragen nicht den Anspruch erhebt, »endgültige Vorschläge zu unterbreiten«, [14] sondern anerkennt, dass es wichtig ist, der wissenschaftlichen Forschung Gehör zu schenken und einen ernsthaften und aufrichtigen Austausch unter Wissenschaftlern zu fördern, und dabei die Vielfalt der Meinungen zu berücksichtigt.
24. Gestärkt durch diesen fruchtbaren Dialog zwischen dem Evangelium und menschlichem Wissen hat die Kirche ihre Soziallehre schrittweise vertieft und im Laufe der Zeit ein Weisheitserbe angereichert, das sich durch eine theologische und anthropologische Kohärenz auszeichnet, die im christlichen Menschenbild verwurzelt ist.
Hier entwirft Papst Leo XIV. eine Art päpstlich-progressiver Erkenntnislehre im Dialog mit den Wissenschaften, die viel verändern wird.
Sloterdijk lese ich immer wieder gerne, teile aber sein negatives Staats- und Steuerdenken nicht. Aus meiner Sicht übersieht der deutsche Philosoph (bisher), dass dem Menschen nur der Gabentausch angeboren ist, wogegen der Warentausch erst durch die Religionen und dann die Staaten eingeübt und abgesichert werden muss. Der freiheitliche und demokratische Rechtsstaat ist die beste Lösung, um Menschenwürde, Gerechtigkeit und auch Wohlstand zu verbinden. Auch Reiche und Überreiche stützen sich täglich auf dessen Leistungen, oft ohne dazu fair beizutragen.
Guten Morgen @Michael,
ich bin unter anderem beeindruckt von der scharfsinnigen Analyse der Vision des Transhumanismus, die Papst Leo XIV vornimmt, bei 126:
„Aus diesem Grund darf die – großartige und verwundete – Menschheit weder ersetzt noch überwunden werden. Sie kann die technischen Fortschritte begrüßen, um Leiden zu lindern und neue Möglichkeiten zu eröffnen, aber nur, wenn sie dabei nicht verleugnet, was sie menschlich macht, nämlich die Fähigkeit zu Beziehung und Liebe. An dieser Stelle stellt sich eine entscheidende Frage: Wenn es ein wahres more than human gibt, wo es dann zu finden? Die Antwort des christlichen Glaubens verweist auf eine Vollendung, die nicht von einer technologischen Vergöttlichung kommt, sondern von jener, die die Gnade Gottes bewirkt, die wir in Christus empfangen.“
Und die konkrete Gefahr wird bei 117 benannt:
„Wenn der Mensch als Material behandelt wird, das man vervollkommnen oder überwinden muss, dann wird es leichter akzeptabel, dass einige Menschen als weniger nützlich, weniger liebenswert, weniger würdig angesehen werden.“
Als Gegenkonzept schlägt Papst Leo vor, unsere menschliche (ich würde ergänzen: geschöpfliche, d.h. unserer menschlichen Perspektive geschuldeten) Begrenztheit als Wert und Ressource anerkennen:
„120. Auch wenn die Begrenztheit als innerer Schmerz erfahren wird, sagt uns die menschliche Weisheit, ihn nicht zu beseitigen oder zu unterdrücken, sondern ihn zu integrieren. Um den Schmerz vollständig zu unterdrücken, müsste man letztendlich auch die Liebe und die Sehnsucht auslöschen.“
Das sind großartige Worte, die all das implizieren, was beispielsweise in Dystopien wie Huxleys „Brave New World“ ausgearbeitet wurde.
Ich erinnere an Deinen erhellenden Blogpost aus 2024 zum Thema, @Michael, in dem Du schriebst:
„Doch leider bedeutet die Hinwendung zu TESCREAL-Mythologien fast immer auch eine Abkehr vom realen, fossil verursachten Leid heutiger Mitmenschen und Mitwelt – dringend notwendige Solidarität und post-fossile Transformation wird durch einen dualistischen Sozialdarwinismus ersetzt, der die Schwächeren und Leidenden nur noch als Relikte der Vergangenheit deutet. Erst, wenn der Transhumanismus selbst einräumt, dass er nicht wissenschaftliche Theorien, sondern technologisierte Mythen verbreitet, wird ein interreligiöser (!) Dialog mit Gemäßigten über die Ängste und Hoffnungen möglich, die immer mehr Menschen erfassen und bewegen.“
Das entspricht dann ungefähr dem, was in der Enzyklika ab 132 und 137 über Wahrheit als Gemeingut und die „Ökologie der Kommunikation“ (was für eine wunderbare Begriffsvernetzung!) gesagt wird. Begriffe, die auf „Natur des Glaubens“ hierfür passen sind: Achtung vor der Mitwelt und Dialog.
Grossartige Lektüre!
Vielen herzlichen Dank, @Peter – durch die gemeinsame und dialogische Lektüre erschließt sich die bereits historisch zu nennende KI-Enzyklika noch schneller und leichter! 🤓📚🙌
Und, ja, Papst Leo XIV. gelingt hier die Entlarvung gleich mehrerer, menschenverachtender Ideologien wie dem Transhumanismus, Langzeitismus („Longtermism“) und auch dem marktradikalen Rechtslibertarismus!
Auch jedem Mitglied von CDU und CSU, dem und der das „C“ noch etwas bedeutet, müssten bei den päpstlichen Ansagen für “soziale Gerechtigkeit“ den Bedarf einer auch christlich-demokratischen Wende erkennen!
78. Das jüngere Lehramt hat betont, dass soziale Gerechtigkeit einen Blick erfordert, der von den Letzten ausgeht. Johannes Paul II. hat von einer vorrangigen Option für die Armen gesprochen, [106] die die persönlichen und gesellschaftlichen Entscheidungen prägen muss, während Papst Franziskus eine »Wegwerfkultur« [107] anprangerte, die immer neue Formen der Ausgrenzung hervorbringt.
In dieser Perspektive verlangt soziale Gerechtigkeit, dass wir die Menschen und Völker ausgehend von den Schwächsten betrachten: Arme, Migranten, Flüchtlinge, Binnenvertriebene, Opfer von Gewalt, Menschen, die in städtischen oder existenziellen Randgebieten leben.
79. Der Begriff der „sozialen Gerechtigkeit“ hilft zu erkennen, dass Ungerechtigkeit nicht nur aus falschen Entscheidungen einzelner Menschen entsteht, sondern auch aus Strukturen, Mechanismen sowie wirtschaftlichen und kulturellen Gegebenheiten, die fast automatisch Ungleichheit hervorbringen. In diesem Sinne hat der heilige Johannes Paul II. von Strukturen der Sünde gesprochen, [108] die dem Willen Gottes entgegenstehen und einen persönlichen und gesellschaftlichen Umkehrprozess erfordern. In dieser Hinsicht betrifft Gerechtigkeit nicht nur die gerechtere Verteilung von Gütern oder die Korrektur bestehender Ungerechtigkeiten, sondern nimmt auch eine wiedergutmachende Dimension an. Sie zielt darauf ab, zerbrochene Bindungen wiederherzustellen und diejenigen wieder einzubeziehen, die ausgeschlossen wurden, unter Berücksichtigung der Wunden, welche Ungerechtigkeiten hinterlassen haben: Kriege, Kolonialismus, rassistische oder geschlechtsspezifische Diskriminierung, Gewalt gegen ganze Völker, Ausbeutung.
Dies kann bedeuten, denjenigen, die ignoriert wurden, Würde und Stimme zurückzugeben, Wege zur Heilung des kollektiven Gedächtnisses zu fördern, diskriminierenden Gesetzen und Praktiken entgegenzuwirken und konkret diejenigen zu unterstützen, die noch heute die Folgen von in der Vergangenheit erlittenem Unrecht tragen.
80. In der heutigen Zeit muss sich die soziale Gerechtigkeit auch mit dem durch digitale Technologien geschaffenen Umfeld befassen. Die Verbreitung globaler Netzwerke, Plattformen und Systeme Künstlicher Intelligenz verändert die Art, wie wir uns informieren, kommunizieren und auf Dienstleistungen zugreifen. Gerechtigkeit verlangt, dass die Entstehung neuer Formen der Ausgrenzung und Freiheitsberaubung verhindert wird: Menschen und Völker, denen der Zugang zu grundlegenden Technologien verwehrt oder erschwert wird, Gemeinschaften, die einer invasiven Überwachung ausgesetzt sind, soziale Gruppen, welche durch undurchsichtige Algorithmen benachteiligt werden, die Vorurteile und Diskriminierungen reproduzieren. Eine gerechte soziale Ordnung im digitalen Zeitalter ist eine, die allen einen gleichberechtigten Zugang zu Chancen garantiert, die Jüngsten und die Fragilsten schützt, Hass und Desinformation bekämpft und die Nutzung von Daten und Technologien einer öffentlichen Kontrolle unterwirft, damit nicht der bloße Profit zum Maßstab wird, sondern die Würde eines jeden Menschen und das Wohl der Völker.
So besorgte mich konkret und auch hier auf dem Blog über die verkürzte Anwendung des Begriffes “Leistungsträger“ durch den derzeitigen Bundeskanzler Friedeich Merz (CDU) auf nur noch reiche Menschen – als erbrächten etwa Eltern, Ehrenamtliche, Wissenschaftlerinnen, Künstler und auch Geistliche nicht andere und mitunter höher zu schätzende Leistungen als etwa Finanzhändler oder gar reiche Erben!
Der Papst dazu:
94. Die Gefahr, dass die Menschheit Opfer ihrer eigenen Errungenschaften wird, hat der heilige Paul VI. bereits klar erkannt, als er warnte: »Die außergewöhnlichsten wissenschaftlichen Fortschritte, die erstaunlichsten technischen Errungenschaften und das beeindruckendste Wirtschaftswachstum werden sich auf lange Sicht gegen den Menschen richten, wenn sie nicht von echtem moralischen und sozialen Fortschritt begleitet werden.« [121]
Aus diesem Grund erfordert der an sich kostbare technische Fortschritt Urteilsvermögen hinsichtlich des zugrundeliegenden Menschenbildes und der anvisierten Ziele.
Wenn technologische Entwicklung ohne eine angemessene ethische und soziale Reifung voranschreitet, kann es geschehen, dass die Mittel mehr werden, ohne dass die Menschlichkeit in gleichem Maße mitwächst. Das führt zu einem „Mehr-Haben“, aber nicht zu einem „Mehr-Sein“, und der Mensch läuft Gefahr, in erster Linie aufgrund der Leistungen bewertet zu werden, die er erbringt.
Weitere Aspekte der Enzyklika, die mich beeindrucken, betreffen das dialogisch-inklusive Gottesbild, das Ansprechen von Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt auch in der römisch-katholischen Kirche und die selbstkritische Deutung der Kirchengeschichte im Hinblick auf die späte Überwindung der Sklaverei.
Dieser Text ist eine klare Ansage und zugleich freundliche Gabe in die heutige Zeit! 🙏⛪️📚🙌
Das sind sehr spannende Gedanken, die sich der Papst macht und in einer sehr gut verständlichen Form mit uns allen teilt.
Den Begriff der katholischen Soziallehre kannte ich schon – nicht in dieser Tiefe allerdings. Beeindruckt bin ich wie sich das Thema durch die Geschichte zieht.
Noch habe ich nicht die ganze Enzyklika gelesen. Die Kontinuität des Papstamtes wird in brillanter Weise präsentiert, indem der jetzige Pontifex die jeweiligen Arbeiten seiner Vorgänger nahtlos einfügt.
Darüber hinaus halte ich den Text für unbedingt lesenswert, weil er natürlich in erster Linie uns Christen verdeutlicht, dass es immer dort, wo es um die Menschen und ihre Würde etc geht, die Kirchen nicht schweigen dürfen. Wenn diese sich also kritisch äußern, so stellt dies keine unbotmäßige Übergriffigkeit beispielsweise gegenüber der Politik dar, sondern erinnert uns an die Kernbotschaften unseres Glaubens.
Vielen herzlichen Dank und volle Zustimmung, @Marie H. 🙏
Ich nehme wahr, dass Papst Leo XIV. von Anfang bis Ende den mythologischen Aufbau zweier Städte kontrastiert – den anmaßenden Turmbau zu Babel und den dialogischen Wiederaufbau von Jerusalem.
Zwei Städte und zwei Arten von Liebe
129. Der christliche Humanismus lehnt Wissenschaft und Technik nicht ab, sondern nimmt sie mit Dankbarkeit und Realismus an und sieht sie nüchtern im Kontext einer höheren Berufung. Die schöpferische Vernunft des Menschen ist eine Gabe, die Leiden lindern und neue Möglichkeiten eröffnen kann. Allerdings muss sie auf das Gemeinwohl, auf Gerechtigkeit, auf die Sorge für die Schwachen und für die Schöpfung ausgerichtet bleiben. In diesem Sinne besteht die wahre Alternative nicht zwischen Begeisterung und Angst, sondern zwischen zwei Arten etwas aufzubauen: zwischen einem Fortschritt, der den Menschen und den Völkern dient, oder einem Fortschritt, der sie einer Logik der Macht unterwirft. Letztlich bleibt die entscheidende, von Johannes Paul II. aufgeworfene Frage: Macht KI »das menschliche Leben auf dieser Erde wirklich in jeder Hinsicht „menschlicher“? Macht [sie] das Leben „menschenwürdiger“?« [138] Wenn die Antwort „Ja“ lautet, dann können wir darin eine gute Möglichkeit erkennen, die verantwortungsvoll auf einem Weg des geduldigen und gemeinsamen Wiederaufbaus genutzt werden sollte, nach dem Vorbild der Neuentstehung der Stadt Jerusalem, die im Buch Nehemia beschrieben wird. Wenn die Macht jedoch wächst, während das Herz verkümmert und Bindungen zerbrechen, dann stehen wir vor einer neuen Form von Babel: einem grandiosen, aber unmenschlichen Bauwerk.
130. Uns selbst zu fragen, wie wir diese zwei Arten des Fortschritts interpretieren und leben, bedeutet letztlich, auch unser eigenes Herz zu hinterfragen. Die Art und Weise, wie wir unsere Beziehungen, unsere Arbeit und unsere Institutionen verstehen und gestalten, offenbart nämlich unsere grundlegenden Werte und ergibt sich letztlich aus dem, was uns am meisten am Herzen liegt. Es ist eine Liebe, die uns leitet: Das, was wir wirklich lieben, als Einzelne wie als Gesellschaft, bestimmt unser Leben und Handeln. Der heilige Augustinus beschreibt die Menschheitsgeschichte als Schauplatz des Kampfes zwischen zwei Arten von Liebe, die zwei Weisen des In-der-Welt-Seins und des Zusammenlebens geschaffen haben, zwei „Städte“: einerseits die Liebe zu Gott und zum Nächsten, andererseits die Liebe allein zu sich selbst.
Umso mehr betrübt mich, was der geschätzte Bruder, Freund und Benediktiner-Abt Nikodemus Schnabel derzeit aus dem realen Jerusalem berichten muss:
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116645157727551684
Aus meiner Sicht hat die fossile Finanzierung der Regime im Iran, in Katar & Russland samt der ihnen verbundenen Terrorirganisationen Hamas, Hisbollah und Taliban einen zerstörerischen Gewaltexzess in Gang gesetzt, der sowohl Israel 🇮🇱 wie auch den Libanon 🇱🇧 von außen und innen bedroht. Hinzu kommt die globale Erhitzung durch die fossilen Treibhausgase.
Auch deswegen hat mich das obige Claude-Schaubild beeindruckt. Inzwischen hat auch ChatGPT eine zwar sachlich richtige, aber darstellerisch überladene und mit falschem Foto versehene Variante erstellt.
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116645304372485668
Es ist in Höhen wie Tiefen eine bemerkenswerte Zeit…
Danke für Ihre teilweise sehr erschütternde Antwort.
Beim Lesen der Enzyklika bin ich jetzt beim Punkt 95.
Was ich bisher gelesen habe, empfinde ich einerseits als positiv und hoffnungsvoll – einem gläubigen Menschen bleibt die Hoffnung über den Tod hinaus – und andererseits muss ich mich fragen, wie diese Zeilen des Papstes Wirkung entfalten können.
Viele unserer Mitmenschen besuchen regelmäßig den Gottesdienst oder sprechen ein Dankgebet vor den Mahlzeiten. Aber ist dies genug? Es sind „Ich-Handlungen“, die noch nichts darüber aussagen, wie der- oder diejenige im Alltag mit den anderen umgeht.
Besonders nachdenklich macht mich der Begriff des Gemeinwohls, der von Papst Leo XIV häufig verwendet wird. Zum Gemeinwohl beizutragen, geht uns alle an.
Fasse ich die vorgenannten Abschnitte zusammen, bleibt die bange Frage: Was nützt es dem Gemeinwohl, wenn Menschen sich zwar religiös geben, im täglichen Leben aber dem erstrebenswerten Ziel des Gemeinwohls weder dienen können oder wollen?
Religion hat heutzutage immer weniger Bedeutung für immer mehr Menschen. Daher bin ich mir nicht sicher, ob eine päpstliche Enzyklika tatsächlich genügend Menschen erreicht, deren Beitrag zum Leben der Mitmenschen von großer Bedeutung wäre.
Aus einem tiefen Glauben entstehen manchmal gute Werke. Gerade durch meine Beschäftigung mit dem Pietismus wurde ich auf sog. „gute Werke“ aufmerksam.
Im Wikipedia Artikel über Emilie Vollmöller, 1852-1894, wird sie als „frühe Vertreterin der christlichen Sozialethik“ bezeichnet.
Im Dezember 1837 wurde in Stuttgart der weltweit erste Tierschutzverein gegründet – auf Initiative des Pfarrers und Pietisten Albert Knapp.
Herzogin Wera von Württemberg, geborene Großfürstin Wera Konstantinowna von Russland, 1854-1912 gründete 1909 das Weraheim für unverheiratete, werdende Mütter in Stuttgart.
Emilie Vollmöller und Wera von Württemberg waren vermögend und spielten eine wichtige Rolle in der Gesellschaft.
Wer heute Macht und Vermögen hat, sorgt sich selten um andere, sondern meist nur um seinen Reichtum. Gott, Religion, Glaube kommen eher weniger vor.
Viele Politiker hängen „So wahr mir Gott helfe“ an die Eidesformel. Der Papst, Stellvertreter Christi, weist die Wege. Doch wer unter den Mächtigen wird seine Worte beherzigen?
Vielen herzlichen Dank, @Marie H. – ich wollte Sie aber nicht erschrecken.
Denn wie Sie richtig bemerkt haben, war und ist schon der Einfluss der Religionen auf das Empfinden und Verhalten der Menschen begrenzt geblieben. Warum also sollte dies bei wissenschaftlichen Mahnungen anders sein? Wir Wissenschaftler können ja nicht einmal mit ewigem Höllenfeuer drohen, allenfalls mit erhöhten Temperaturen! 😉
Gleichwohl gilt es, dass uns Mögliche zu tun. Papst Leo XIV. hat eine herausragende Enzyklika zum Zeitalter der Künstlichen Intelligenz geschrieben und wir können sie aufnehmen, ernstnehmen, weitersagen.
Auch aus meinen langjährigen Forschungsbereichen der Evolutionsforschung zu Religiosität & Religionen sowie der Religionsdemografie kann ich sicher sagen, dass vor allem monotheistische Religionen auch längerfristig nachweisbare Wirkungen erzielen.
So habe ich gerade nach dem heutigen Dialog mit @Tobias Jeckenburger eine Datengrafik zu den Geburtenraten von Thailand (buddhistisch), Turkiye (islamisch), den USA (christlich) und Israel (jüdisch) erstellt & hier mit Link zum Blog gepostet:
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116653254100647327
Auch auf dem Blog habe ich die Grafik für einen späteren Blogpost schon hinterlegt:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/files/315F0146-35D0-40B2-9A39-22403C43DF00.png
Zeit emergiert, aber wiederholt sich nicht. Das bedeutet eben auch, dass wir alle die Freiheit, Würde und Verantwortung haben, im Kleinen in den Zeitstrahl einzugreifen.
Ich danke Ihnen daher sehr, dass Sie dies auch mit Ihren Drukos immer wieder dialogisch und konstruktiv tun! 🙏🙌
Die Enzyklika habe ich jetzt ganz gelesen.
Mit großer Sachkenntnis und Empathie schildert Papst Leo XIV die großen Herausforderungen unserer Zeit und geht damit weit über das Thema KI hinaus.
Der Blick in den Spiegel, den er uns allen vorhält und das Bild, das der Spiegel zurückwirft, hat manchen Kratzer. Es ist doch so, dass jeder Mensch aufgefordert ist, an der Lösung der Probleme mitzuhelfen. Jeder und jede kann (mit Gottes Hilfe) einen kleinen Beitrag leisten.
Ich erkenne durchaus, dass die Anregungen, die er gibt, mich zum Nachdenken und vielleicht zum Umdenken bringen. Aber unsere Zeit macht manchen und manche unter uns verbittert und lässt uns die Isolation vorziehen. Das Misstrauen gegenüber dem Nächsten überwiegt und sitzt tief.
Die Lektüre des Textes lässt mich zur Erkenntnis kommen, dass dies wider die christliche Nächstenliebe ist.
Man muss immer an sich arbeiten, denn der Schritt von Misstrauen zum Hass ist kurz. Wie können wir daher von unseren Politikern fordern, die gesellschaftliche Spaltung nicht weiter voranzutreiben, wenn ich in meinem kleinen Rahmen selbst nichts Gutes beitrage.
KI haben Menschen erschaffen. Verantwortung für ihre Zukunft haben wir alle. Ob wir als Menschheit eine Zukunft haben?
Der Papst beendet seine Enzyklika mit dem Hinweis auf das Magnificat. Das liegt mir näher als „KI-Flugsammel-Taxis“.
Vielen Dank für die gemeinsame Lektüre der Enzyklika und Ihre m.E. sehr gelungene und berührende Zusammenfassung, @Marie H.! 🙏📚🙌
Ich möchte dem gar nichts hinzufügen, Ihre Erfahrung und Deutung steht überzeugend für sich. Danke.
Hallo @Michael,
Ich bin tief beeindruckt von der Klarheit der Gedanken, je weiter ich lese.
„Daher ist die erste Entscheidung nicht die zwischen einem „Ja“ oder einem „Nein“ zur Technologie, sondern die zwischen der Konstruktion von Babel oder dem Wiederaufbau Jerusalems, zwischen einer Macht, die sich anmaßt, den Himmel zu beherrschen, und einem Volk, das sich in Gottes Gegenwart vereint ans Werk macht, die Mauern des geschwisterlichen Zusammenlebens wiederaufzubauen“
Ich denke, der Vergleich der beiden Wege, die Papst Leo in Analogie zum Turmbau zu Babel einerseits und zum Wiederaufbau von Jerusalem andererseits entwickelt, erinnert stark an Karl Poppers „Sozialtechniken“.
Der Turmbau zu Babel steht für eine Anmaßung von Macht, die den Himmel beherrschen will – ein von oben herab (top-down) verordnetes, zentralisiertes Projekt. Der Wiederaufbau Jerusalems hingegen symbolisiert ein Volk, das sich in Gottes Gegenwart vereint ans Werk macht, um die „Mauern des geschwisterlichen Zusammenlebens“ von unten (bottom-up) wiederaufzubauen.
Karl Popper unterscheidet in der „offenen Gesellschaft“ zwischen zwei Formen der Sozialtechnik: der utopischen Sozialtechnik und der Sozialtechnik der kleinen Schritte.
Die utopische Sozialtechnik ist durch einen starken Historizismus geprägt. Sie legt ein endgültiges, feststehendes politisches Ziel der Geschichte fest, bevor überhaupt praktisch gehandelt wird. Da der Weg zu diesem Ideal lang ist, muss der Utopist alle abweichenden Meinungen unterdrücken, was laut Popper unweigerlich in eine Diktatur und totalitäre Herrschaft führt. Dies ist ein streng zentralisierter, von oben herab gesteuerter Ansatz (top-down). Dieser Ansatz erinnert auch an einige Visionen von Langzeitisten, die meinen, die Besiedlung des Weltalls mit Generationenschiffen bewerkstelligen zu können.
Die Sozialtechnik der kleinen Schritte hingegen konzentriert sich auf die konkreten, aktuellen Probleme der Menschen und versucht, diese Schritt für Schritt zu lösen. Sie basiert auf dem Prinzip der ständigen Fehlerkorrektur und vermeidet große, alles umfassende Pläne. Dieser Ansatz ist dezentral, partizipativ und geht von den Bedürfnissen der Basis aus (bottom-up).
Ich finde, diese strukturelle Ähnlichkeit drängt sich auf.
Was weiter klar werden dürfte: dieser Papst vertritt die Haltung, dass Kirche sich eben nicht, wie einige fordern, aus „weltlichen“ Dingen heraushalten soll, sondern sich stattdessen einmischen muss.
In Bezug auf seinen Vorgänger, Leo XIII:
„Und als einige einwandten, die Kirche solle keine Energie auf weltliche Angelegenheiten verschwenden, sondern sich vielmehr darauf konzentrieren, eine Botschaft des ewigen Lebens zu vermitteln, antwortete er mit Realismus und Weisheit, dass die Verkündigung des Evangeliums das konkrete Leben der Menschen nicht außer Acht lassen darf“
Besondere Grüsse gehen raus an Julia Klöckner.
Danke, @Michael, dass Du zu dieser außerordentlich gewinnbringenden Lektüre angeregt hast! Das ist auch sprachlich ein Hochgenuss.
Vielen herzlichen Dank, lieber @Peter – es ist schön, sich gemeinsam und dialogisch durch diesen Text zu graben! 😌🙌
Und, ja, die erkenntnistheoretische und sozialliberale Ausrichtung der Enzyklika ist tief, beeindruckend und ermutigend: Das Papstamt hat Popper durchdrungen! ⛪️📚🙏🤩
Das Ergebnis führt in eine soziale und ökologische Marktwirtschaft, die die Würde jedes Menschen und den Schutz der Mitwelt bis in das progressive Steuerrecht hinein buchstabiert.
162. Gerechte Gesetze und Umverteilungsprozesse sind zweifellos notwendig, um Ungleichgewichte zu korrigieren, unter anderem durch Steuersysteme, die die Schwächsten entlasten und von denjenigen mit größeren Ressourcen mehr verlangen. Das Streben nach sozialer Gerechtigkeit sollte jedoch nicht als ein von der Schaffung von Wohlstand getrenntes Thema betrachtet werden, als ob die Wirtschaft lediglich Wohlstand schaffen und die Politik erst danach eingreifen sollte, um ihn zu verteilen. Im Gegenteil: Die Gerechtigkeit betrifft alle Phasen der Wirtschaftstätigkeit, von der Beschaffung von Ressourcen bis zur Finanzierung, von der Produktion bis zum Konsum, und jede Entscheidung hat moralische Konsequenzen. [163]
163. Umso mehr ist es im Zeitalter von KI und Robotik nicht mehr möglich, sich allein auf die „unsichtbare Hand“ des Marktes zu verlassen. [164] Die Politik hat die Aufgabe, die wirtschaftlich-technologischen Dynamiken auf das Gemeinwohl auszurichten und menschenwürdige Arbeit, soziale Inklusion sowie eine gerechte Verteilung der Vorteile der Innovation zu fördern.
Da viele wirtschaftliche Entscheidungen über die Staatsgrenzen hinausreichen, ist auch eine internationale Zusammenarbeit erforderlich, die in der Lage ist, gemeinsame Strategien zu entwickeln, insbesondere zugunsten der am stärksten benachteiligten Länder und Bevölkerungsgruppen, um die Entwicklung zu fördern und die Abhängigkeit von Hilfsleistungen zu überwinden. Die Logik, die diese Entscheidungen leitet, ist die der unermesslichen Würde jedes Menschen, des Gemeinwohls und einer Welt, die wirklich für alle geordnet ist.
Die Wechselbeziehung zwischen Frieden und Entwicklung, wie sie der heilige Paul VI. 1967 prophetisch beschrieb, [165] könnte heute wie folgt aktualisiert werden: Wohlstand trägt nur dann zum Aufbau und zur Festigung des Friedens bei, wenn er weit verbreitet, inklusiv und nachhaltig ist.
Ich hoffe sehr, dass diese Enzyklika dazu beiträgt, den Ungeist der rechtslibertären Engführung aus der globalen Christdemokratie und konkret der Bundes-CDU wieder zu vertreiben. Von den Kabinetten Adenauer bis Merkel war stets mindestens eine starke Stimme der christdemokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) in jeder unionsgeführten Regierung vertreten. Ich hoffe, dass dieser bessere Zustand wieder erreicht und damit auch die Verachtung von Familien und zuwandernden Menschen wieder überwunden wird.
@Michael 27.05. 21:33 / Papst Leo XIV
„Die Art und Weise, wie wir unsere Beziehungen, unsere Arbeit und unsere Institutionen verstehen und gestalten, offenbart nämlich unsere grundlegenden Werte und ergibt sich letztlich aus dem, was uns am meisten am Herzen liegt. Es ist eine Liebe, die uns leitet: Das, was wir wirklich lieben, als Einzelne wie als Gesellschaft, bestimmt unser Leben und Handeln.“
Bei allem Misstrauen gegenüber der Katholischen Kirche, das finde ich super.
Das sieht mir aus, als wenn man hier wirklich wahrhaftig dem folgt, was einem am Herzen liegt, und dass man brauchbare plausible Erkenntnis aufgreift, und nicht ignoriert.
Nur so kommt man weiter im Leben, und unbedingt auch in den vernünftigen Dialog.
Die Bewahrung der Schöpfung dürfte durchaus zentral sein, insbesondere wenn das von den Kirchen akzeptiert wird. Die Wissenschaft sagt uns, dass wir höchstwahrscheinlich noch Jahrmillionen auf diesem Planeten vor uns haben. Und kein Jüngstes Gericht, das mit dem Ende allem Irdischen verbunden ist und in ein Himmelreich mündet.
Und ich halte es entsprechend auch für wirklich vernünftig, sich um diesen Planeten zu kümmern. Und sich friedliche Lebensweisen zu erarbeiten, mit denen es uns auch noch in Jahrhunderten gut geht. Kein Paradies ohne jedes Leiden, aber eine Kultur, die wirklich funktioniert. Wissenschaft und Technik gehören da sicher mit dazu.
Was da in Jahrtausenden noch draus werden kann, interessiert mich da ganz besonders. Das sind doch echte Perspektiven für unsere aktuelle Nachwelt?
Zur demografischen Schrumpfung gehört der Verfall, insbesondere von Immobilienpreisen. Das sollte eigentlich jedem klar sein. Und nur mehr Kinder können das wirklich ändern.
Und die Kinder sind sowieso die Zukunft.
Lieber Dank, @Tobias – und, ja, hier bezieht sich die katholische Kirche lernend auf die Geschichte, ohne aber eine neue „Enge der Zeit“ apokalyptisch zu beschwören.
Stattdessen würdigt sie Männer und auch Frauen inner- und außerhalb ihrer Selbst, die den Nationalismus überstiegen und auch international für Regeln der Menschenwürde gewirkt haben:
123. Die Geschichte bietet nicht nur eine Auflistung unserer Gewalttaten, sondern auch den Beweis dafür, dass die Menschheit in der Lage ist, Institutionen zum Schutz des gemeinsamen Lebens zu schaffen.
In den vergangenen zwei Jahrhunderten sehen wir dies an einigen symbolträchtigen Errungenschaften: an der Gründung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (1863), dessen operative Neutralität allen eine mitfühlende Versorgung garantiert; der lange Prozess, der zur Abschaffung der Sklaverei führte, der nicht bloß eine rechtliche Änderung, sondern einen Bewusstseinswandel darstellte; die Gründung der Organisation der Vereinten Nationen (1945) und die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (1948), die eine gemeinsame Sprache geschaffen haben, um zumindest als gemeinsames Ideal zu bekräftigen, dass die Würde universal ist; die Genfer Flüchtlingskonvention (1951), die die Pflicht zum Schutz derer anerkennt, die vor Verfolgung und Bedrohung fliehen.
In diesen Beispielen findet die Sehnsucht nach dem Guten zu einem konkreten Ausdruck in öffentlichen Formen – Normen, Institutionen und Vorgehensweisen –, die in der Lage sind, Gewalt einzudämmen und die Schutzbedürftigen zu verteidigen. Doch nichts davon ist entstanden, ohne dass es auf Widerstand, engstirnige Interessen und kulturelle Trägheit gestoßen ist. Moralische Fortschritte sind fast immer ein langer und beschwerlicher Weg, der auch von Rückschlägen gezeichnet ist:
Denken wir an unterbrochene Friedensprozesse oder an nur langsam umgesetzte Umweltschutzverpflichtungen. Doch gerade die Fragilität dieser Ergebnisse zeigt, wie wertvoll die Verantwortung derer ist, die sie anstoßen und unterstützen.
124. Manche Ereignisse helfen uns zu erkennen, dass sich die Geschichte ändern kann, wenn auch nur ein Mann oder eine Frau die Würde aller wirklich ernst nimmt: die Bürgerrechtsbewegung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die auch verbunden ist mit dem Zeugnis von Martin Luther King Jr., oder das Ende der Apartheid in Südafrika nach der Befreiung von Nelson Mandela und seiner Entscheidung, die Zukunft nicht vom Hass prägen zu lassen.
In unterschiedlichen Kontexten haben sich darüber hinaus mutige und großherzige Frauen hervorgetan, wie die heilige Laura Montoya, die heilige Teresa von Kalkutta, Dorothy Day, Marie Skłodowska Curie, Maria Montessori, Elisabeth Elliot, Wangari Maathai, Benazir Bhutto und viele andere aus allen Kontinenten. Durch ihr Engagement haben sie dazu beigetragen, die Geschichte menschlicher zu gestalten.
Das empfinde ich auch als Protestant, der eine evangelische Kirche aufgrund der vollen Gleichberechtigung der Geschlechter zur geistigen Heimat erkor, als beeindruckend und ermutigend. 🙏⛪️📚🤓💡
Lieber Herr Blume,
nun schaute ich mir die von Ihnen mir empfohlene Analyse der Situation in Sachsen-Anhalt an. Diese ist schon zutreffend.
Für mich hat die Entwicklung pseudoreligioese Züge.
Auffallend ist die Umwertung:
– ich bin für die Umwelt, denn ich bin gegen die Windenergie
– wir sind die wahren Demokraten
– auch hier (Tichys Einblick) wird Karl Popper zitiert
– Vertrauen wird vor allem Personen gegenübergebracht
– so etwas wie Fakten gibt es nicht mehr
– selbst die physische Wahrnehmung (eingehende Eschen, im Mai herabsegelnde Platanenblätter) wird zugunsten der verfestigten (eigene Medien) Gruppenueberzeugungen beiseite gewischt
– antisemitische Sachen (Protokolle der Weisen, Hakennasen u.a., du Jude als Schimpfwort) werden freizügig offen verwendet
– man sieht sich als „erleuchtet“ und überlegen (dummes Schlafschaf für Andersdenkende) an
– „weil uns der Staat und die Medien bei Corona so beschissen haben, kann man denen nichts mehr glauben“
– man lehnt sich gern an vermeintlich starke Personen (Putin, Trump …) an
– man wünscht sich eine starke Führungsperson und studiert fleißig den jüngsten stundenlangen Auftritt von Herrn Hoecke und freut sich an dem Gepolter von Frau Weidel
– es ist eine richtige „Heilserwartung“ zu verspüren
– weil die bisherigen Politiker ja alle korrupt und unfähig sind und es uns ja so schlecht (ist aber gar nicht ersichtlich bei den Personen) geht, solle man doch die Alternative mal ausprobieren zum Mindesten
– alles andere ist „undemokratisch“
Fazit: verfestigter Drang nach Abbruch des Bestehenden. Zurück zu dreckspeienden Mopeds, Kohle, billigem Kraftstoff aus Russland. In Zukunft: der technologische Zauberstab „Dual Fluid Atomreaktor“
Selbst nicht aktiv werden, außer resonieren und „die Neuen bringen uns das Paradies“ (zurück?)
Ganz herzlichen Dank für Ihre Mühen und diese Rückmeldung zur Mai-Umfrage aus Sachsen-Anhalt, @Eckehard Erben 🙏
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/bedrohen-demografie-rechtsmimesis-inzwischen-die-republik-auch-ueber-sachsen-anhalt-aus/
Um die Psychologie des Rechtsdualismus und Fossilismus besser zu verstehen, lese ich gerade nach dem Machiavelli-Kommentar von Peter Sloterdijk auch “Dieser Drang nach Härte. Über den neuen Faschismus“ von Eva von Redecker.
Sehr positiv fällt mir dabei bereits auf, dass sie die Rechtsmimesis im internationalen, vor allem europäischen Vergleich erkundet, S. 10:
Und er findet entgegen einer deutschen Fixierung auch nicht nur unter Ramschbedingungen im ländlichen Ostdeutschland statt. In sieben europäischen Ländern regieren im Sommer 2025 radikal rechte Parteien, in zwei zusätzlichen stellen sie die stärkste Partei. Indien, Argentinien, Paraguay, El Salvador, Israel und die Türkei sind weitere Beispiele für das, was die zweite Amtszeit Trumps gerade am spektakulärsten vor Augen führt: dass in Demokratien die Sehnsucht nach einer Politik der harten Hand und einem möglichst homogenen Volkskörper obsiegt.“
Auch in der hier besprochenen KI-Enzyklika finden wir die Warnung vor einer digital-medialen Kultur, die die „Zivilisation der Liebe“ bedränge:
185. Wenn wir die globalen Dynamiken betrachten, erkennen wir immer deutlicher die Ausbreitung einer Kultur der Macht, die aus Polarisierung und Gewalt besteht.
Das moderne Babel ist nicht bloß das globalisierte technokratische Paradigma, sondern auch das Aufeinanderprallen von einander entgegengesetzten Imperialismen, zwischen Mächten, die ihre Vorrangstellung bewahren wollen, und Mächten, die eine solche erringen wollen, sowie eine Vielzahl lokaler Konflikte.
Es ist auch das Wettrennen um die Entwicklung immer mächtigerer Technologien oder um die Sicherung der Kontrolle über diese, gemäß einer entmenschlichenden Dynamik, die keine Grenzen zu kennen scheint.
Doch neben diesem Abweg machen wir einen großen Teil der Menschheit aus, der danach strebt, menschlich zu bleiben und daran zu arbeiten, die Stadt des Zusammenlebens und des Friedens zu errichten.
Wir alle sind oft unbewusste Handwerker und uneinige Architekten dieser Stadt, fähig zu großzügigen Gesten, doch ohne eine Gesamtvision: Es ist ein langsameres, weniger sichtbares und weniger spektakuläres Bauwerk, das darauf wartet, besser verstanden und besser koordiniert zu werden, um so zum bewussten und gut durchdachten Engagement einer jeden Gemeinschaft zu werden, von der Familie über die Regierungen der Staaten bis hin zu den Beziehungen zwischen diesen. Diesem Horizont unseres Engagements, dieser Baustelle der Hoffnung geben wir den Namen „Zivilisation der Liebe“.
Herzlichen Dank fürs dialogische Bauen, @Eckehard Erben 🙏🙌
Nun ziehe ich los, meine Straßenkunst als „Florian Baum, das alte, biologisch abbaubare Säugetier“ anhand der Misere der Platanen auszuüben.
Vielen Dank dafür, @Eckehard Erben 🙏
Und wie schrieb doch just genau zu Kunst & Kultur Papst Leo XIV. in „Magnificia humanitas“?
122. Wenn die Endlichkeit in Wahrheit angenommen wird, macht sie den Menschen nicht arm, sondern öffnet ihn für die Erkenntnis des Antlitzes Gottes und des Nächsten.
Gerade weil er Begrenztheit erfährt – Verletzlichkeit, Schmerz und Versagen –, kann er die eigene Würde und die der Mitmenschen als unantastbar anerkennen.
Und gerade in dieser Erfahrung der Begrenztheit bleibt er fähig, eine geschwisterliche Verbundenheit zu erahnen, die größer ist als er selbst, und Ungerechtigkeit als einen Skandal zu sehen.
Kultur und Kunst hüten, wenn sie authentisch sind, diesen Funken und verhindern damit die Normalisierung des Bösen.
„Florian Baum“ scheint mir authentische Kunst, ja Kultur zu sein… 🙏🙌
Es gab wieder spannende Gespräche im Rahmen meines Tuns. Wie verschieden doch die Menschen sind!
Ich frage immer wieder nach kurzer Hilfe beim Kunstprojekt. Es gab auch eine spontane Umarmung.
Ein junger Mann, der keine eigenen Kinder will, die der Schwester mit betreut und in der Skaterhalle viele Kinder unterstützt. Meine Begabung ist, dass ich mich blitzschnell auf vollkommen verschiedene Kommunikationssituationen einstellen kann.
Das musste ich als ungewolltes, ungeliebtes Sandwichkind lernen.
Es hat mich fast das Leben gekostet, nun hat Gott es vom Fluch zum Segen gewendet.
Selbstverständlich ist eine Komponente anhand der vergebenden Bäume ganz in christlicher Tradition:“Herr lehre und bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“
Das Alter und den Tod entgegen des Zeitgeistes (Peter Thiel) anzunehmen,
bringt die Chance mit sich, weise zu werden.
Sie haben diese Facette von „Florian Baum“ ja in Ihrem Kommentar auch im Spiegel der Enzyklika erkannt.
Was für eine Hybris liegt in diesen Bestrebungen der Tec-Milliardaere!
Ich bitte um Entschuldigung für die Rechtschreibung im vorhin geschriebenen Beitrag. Das ist allermeist die „automatische Verschlimmbesserungsfunktion“.
Ein Nachtrag noch zu Ihren spannenden Beiträgen zur Demografie.
Ich denke, mittlerweile sind da auch Gründe der Mitwelt am Wirken.
So ist ja bekannt, dass die Spermienqualität sinkt.
Unser Hoden stellt bei 35 Grad die Produktion ganz ein. Dazu kommt die Belastung durch Mikroplastik.
Es gab z.B. bezüglich der Photosynthese diese Studie, die durch Mikroplastik einen Verlust von 17% am Wirkungsgrad ermittelte.
Ich denke, es ist plausibel, dass die Störung der molekularen „Maschinen“ auch für die Fertilitaet Folgen hat.
Vielleicht können Sie die damaligen Kurven aus „Grenzen des Wachstums“ mal thematisieren. (unbegrenzte Rohstoffe – Abfall wird limitierend).
Vielen herzlichen Dank, @Eckehard Erben – und kleinere Fehler unterstreichen ja, dass Texte erfreulicherweise noch immer von Menschen verfasst werden! 😌📚✅
Ja, auch die Verschmutzung der Mitwelt hat Auswirkungen auf die Fertilität von Menschen.
Gleichwohl bewahren sich einige religiöse Gemeinschaften wie die Old Order Amish und die Haredim sowie wenige Staaten wie die Republik Israel weiterhin hohe Geburtenraten!
Hier daher auch ein Vergleich der Gesamtfertilität (TFR, Geburten pro Frau) in den USA (christlich), Turkiye (islamisch), Israel (jüdisch) und Thailand (buddhistisch):
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116653254100647327
Direkt auf dem Wissenschaftsblog auch hier:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/files/315F0146-35D0-40B2-9A39-22403C43DF00.png
Ein globaler Verlust der Fruchtbarkeit aufgrund von Mitweltverschmutzung lässt sich also derzeit noch ausschließen.
Danke für Ihr wissenschaftliches Interesse und künstlerisches Engagement! 🙏🇩🇪🇪🇺🤓🙌
@Michael 28.05. 07:52 / Papst Leo XIV
„Doch neben diesem Abweg machen wir einen großen Teil der Menschheit aus, der danach strebt, menschlich zu bleiben und daran zu arbeiten, die Stadt des Zusammenlebens und des Friedens zu errichten.“
Echte Fundgrube dieser Papst.
So ganz lokal hier in Dortmund ginge es etwas besser mit ein paar weniger Einwohnern. Zumindest für Mieter. Aber angesichts des auch hier grassierenden Geburtenmangels wären nur ein paar Jahre ohne weitere Zuwanderung auch schon wieder genug.
Leerstände und Verfall will ich auch nicht. Auch wenn dann natürlich die Mieten noch günstiger würden.
Praktischerweise nimmt man dann Verfolgte oder Fachkräfte auf, die zuhause wirklich keine Perspektive haben. Immerhin fehlen die sonst ja auch da, wo sie herkommen. Nur das Problem verschieben, wäre wohl nicht so gut.
Aber gucken, wie es mit mehr Kindern klappen könnte, wäre doch eigentlich zu überlegen. So wie mir das aussieht macht das keiner, nirgends. Was sagt der Papst dazu?
@Tobias
Laut biblischer und also auch christlicher, katholischer und päpstlicher Lehre ist jeder Mensch von Gott gewollt und in Seinem Bilde geschaffen.
Entsprechend heißt es auch in dieser Enyklika:
Die Prinzipien der Soziallehre
Das Prinzip des Gemeinwohls
59. Anzuerkennen, dass jede Frau und jeder Mann eine unveräußerliche Würde hat und Rechte, die keine menschliche Macht verletzen oder aufheben darf, erfordert, dass wir die Art und Weise, wie wir zusammenleben, unsere wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen sowie das konkrete Gesicht unserer Städte entsprechend gestalten. Hieraus ergibt sich das erste wichtige Prinzip der Soziallehre, auf das ich hinweisen möchte: das Gemeinwohl. Wir können es als die gesellschaftliche Form der jedem Menschen zugestandenen Würde beschreiben. Als Benedikt XVI. auf die nicht verhandelbaren Werte Bezug nahm, die die Kirche stets verteidigen muss, zählte er dazu auch »die Förderung des Allgemeinwohls«. [75]
Für einen Christen ist es in der Tat ein nicht verhandelbarer Wert, aus der kleinen Welt der eigenen Interessen herauszutreten und sich im Rahmen der eigenen Möglichkeiten für das Gemeinwohl einzusetzen, ebenso wie für die Förderung des Lebens.
Und, ja, das glaube auch ich als Christ & Demokrat. Deswegen verstört und betrübt mich die rechtslibertäre und fossile Engführung auch der derzeitigen Bundes-CDU. Das wird unserem Auftrag nicht gerecht.
@Michael 28.05. 14:17 / Papst Leo XIV
„Für einen Christen ist es in der Tat ein nicht verhandelbarer Wert, aus der kleinen Welt der eigenen Interessen herauszutreten und sich im Rahmen der eigenen Möglichkeiten für das Gemeinwohl einzusetzen, ebenso wie für die Förderung des Lebens.“
Indirekt gehört dazu dann auch genug Nachwuchs. Er füllt Lebensmöglichkeiten und hält auch uns Ältere jung. Und der Nachwuchs macht es der Wirtschaft einfacher, weil er Nachfrage erzeugt.
Eine Ausrede wäre, dass wir keine 10 Milliarden Menschen vernünftig ernähren könnten, wenn auch die jetzt noch armen Menschen genug Geld hätten, zu essen was ihnen schmeckt.
Eine andere eher persönliche Ausrede wäre, dass man sich nicht fit genug fühlt, Kinder groß zu ziehen. Was ja sogar rein biologisch sinnvoll wäre.
Generell macht es Sinn, global zu denken und daraus den lokal zu handeln.
Ja, @Tobias – das Judentum kennt durchaus das biblische Gebot der Vermehrung. Hier erklärt von Stadt- und Militärrabbiner Avraham Radbil, den ich letzte Woche zu Schawuot in Konstanz besuchte:
Die Mizwa Pru Urwu – »Seid fruchtbar und mehret euch!« (1. Buch Mose 1,22) – ist das allererste Gebot der Tora. Es wurde der ganzen Menschheit am Anfang gegeben, um die Erde zu füllen. Doch nach den meisten Meinungen hat sich der Kern dieser Mizwa nach der Annahme der Tora und der Gebote am Berg Sinai verändert: Seitdem sind dieser Mizwa nur Juden, genauer genommen jüdische Männer, verpflichtet.
https://www.juedische-allgemeine.de/glossar/pru-urwu/
In den christlichen Traditionen wird die Weitergabe des Lebens meist als Recht, nicht aber als Pflicht verstanden: Rabbi Je(ho)schua, Jesus hatte selbst laut der Überlieferungen keine leiblichen Kinder und viele kirchliche Traditionen entwickelten Askese, Mönchs- und Nonnenorden sowie das Zölibat.
Heute ist übrigens die Republik Israel mit knapp drei Kindern pro Frau die einzige, liberale Demokratie (außerhalb Afrikas) mit einer Geburtenrate (TFR) stabil über 2,1.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/daten-aus-israel-zu-religion-demografie-anthropodizee-und-saekularisierung/
Es gibt zudem auch durch Kinderreichtum wachsende, christliche Traditionen wie die Old Order Amish oder die Laestadianer. Die Geschichte religiöser Traditionen wird auch stark durch Religionsdemografie bestimmt.
@Papst Leo XIV 166
„Kurzfristig mag es vorteilhaft erscheinen, die Arbeitskosten zu senken oder die finanzielle Effizienz zu maximieren, doch langfristig untergräbt dies die Grundlagen des Zusammenlebens: Während technologische Erfolge gefeiert werden, erodiert die Struktur der Gesellschaft nach und nach, wie wenn sie von einem geräuschlosen Virus befallen wäre.“
Entsprechend kann sich die Leistungsgesellschaft auch selbst zerstören. Auf der rücksichtslosen Suche nach immer mehr Umsatz, Profit und Steuereinnahmen verschwindet nach und nach der Nachwuchs.
Genau so ist es, @Tobias
Wenn das ganze Leben nur noch dem Gelderwerb dient, zerbröseln Familien und ganze Gesellschaften.
Inzwischen brechen die Geburtenraten weltweit ein, ganze Gesellschaften wie China, Südkorea, Japan, Sachsen-Anhalt, Sizilien usw. implodieren demografisch.
Hier das drastische Beispiel des buddhistisch geprägten Thailand, zusammengefasst durch Perplexity.ai:
Thailand erlebt einen **drastischen und historisch beispiellosen Rückgang der Geburtenraten**, der das Land in eine schwere demografische Krise stürzt. Die jährliche Geburtenzahl ist auf nur noch **454.006** gesunken – den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten. [](https://www.pattayamail.com/pattayablatt/gesundheitsministerium-schlagt-alarm-geburtenrate-in-thailand-bricht-ein-ncd-krise-verscharft-sich-542245)
### Zentrale Daten des Rückgangs
| Kennzahl | Wert | Bedeutung |
|———-|——|———–|
| **Gesamtfruchtbarkeitsrate (TFR)** | **0,93** (2026) [pattayamail](https://www.pattayamail.com/pattayablatt/gesundheitsministerium-schlagt-alarm-geburtenrate-in-thailand-bricht-ein-ncd-krise-verscharft-sich-542245) | Deutlich unter dem Bestandserhaltungsniveau von 2,1; niedriger als Japan (1,2) [wochenblitz](https://www.wochenblitz.com/news/thailand-steht-vor-einer-demografischen-herausforderung-geburtenrate-erreicht-historischen-tiefstand-seit-75-jahren) |
| **Jährliche Geburten** | **454.006** (2026) [pattayamail](https://www.pattayamail.com/pattayablatt/gesundheitsministerium-schlagt-alarm-geburtenrate-in-thailand-bricht-ein-ncd-krise-verscharft-sich-542245)
| Tiefster Stand seit Jahrzehnten; 2024 waren es noch 462.240 [wochenblitz](https://www.wochenblitz.com/news/thailand-steht-vor-einer-demografischen-herausforderung-geburtenrate-erreicht-historischen-tiefstand-seit-75-jahren) |
| **Vergleich 1970 vs. heute** | 6,29 → 0,93 | Rückgang um über 85% in 56 Jahren [wochenblitz](https://www.wochenblitz.com/news/thailand-verzeichnet-einen-rueckgang-der-schwangerschaftsraten-bei-jugendlichen) |
| **Vergleich 1963–1983 vs. 2021** | >1 Mio. → 485.085 | Halbierung der Geburtenzahl [der-farang](https://der-farang.com/de/pages/geburtenrate-auf-rekordtief-gefallen) |
### Historischer Verlauf
– **1970**: Fruchtbarkeitsrate bei **6,29** Kindern pro Frau [wochenblitz](https://www.wochenblitz.com/news/thailand-verzeichnet-einen-rueckgang-der-schwangerschaftsraten-bei-jugendlichen)
– **1993**: TFR fiel erstmals unter das Reproduktionsniveau von **2,1** [der-farang](https://der-farang.com/de/pages/geburtenrate-auf-rekordtief-gefallen)
– **2021**: Erstmalig mehr Todesfälle (550.042) als Geburten (485.085) – Netto-Bevölkerungsrückgang von 64.957 [der-farang](https://der-farang.com/de/pages/geburtenrate-auf-rekordtief-gefallen)
– **2024**: Erstmal seit **75 Jahren** unter 500.000 Geburten (462.240) [wochenblitz](https://www.wochenblitz.com/news/thailand-steht-vor-einer-demografischen-herausforderung-geburtenrate-erreicht-historischen-tiefstand-seit-75-jahren)
– **2026**: TFR auf **0,93** gesunken – auf Niveau von Südkorea und Singapur [pattayamail](https://www.pattayamail.com/pattayablatt/gesundheitsministerium-schlagt-alarm-geburtenrate-in-thailand-bricht-ein-ncd-krise-verscharft-sich-542245)
### Zukunftsprognose
Experten warnen vor dramatischen Folgen:
– Die Bevölkerung könnte bis **2083 von 66 Millionen auf 33 Millionen** schrumpfen (Halbierung) [der-farang](https://der-farang.com/de/pages/geburtenrate-auf-rekordtief-gefallen)
– Erwerbsfähige Bevölkerung (15–64 Jahre): von 44 Millionen auf **14 Millionen** [der-farang](https://der-farang.com/de/pages/geburtenrate-auf-rekordtief-gefallen)
– Kinder (0–14 Jahre): von 10 Millionen auf **1 Million** [der-farang](https://der-farang.com/de/pages/geburtenrate-auf-rekordtief-gefallen)
– Ältere Menschen (65+): von 8 Millionen auf **18 Millionen** (50% der Gesamtbevölkerung) [der-farang](https://der-farang.com/de/pages/geburtenrate-auf-rekordtief-gefallen)
### Ursachen
Der Rückgang ist primär auf **wirtschaftliche, gesellschaftliche und bildungspolitische Faktoren** zurückzuführen – nur 10% auf gesundheitliche Probleme: [der-farang](https://der-farang.com/de/pages/geburtenrate-auf-rekordtief-gefallen)
– Hohe Lebenshaltungskosten
– Karriereorientierung und höhere Bildung
– Veränderung der Familienstruktur
– Wirtschaftliche Unsicherheit
[der-farang](https://der-farang.com/de/pages/geburtenrate-auf-rekordtief-gefallen)
Thailand hat bereits seine Gesundheitspolitik angepasst, um dem drastischen Rückgang entgegenzuwirken. Das Land steht vor einer der ernsthaftesten demografischen Herausforderungen weltweit. [pattayamail](https://www.pattayamail.com/pattayablatt/gesundheitsministerium-schlagt-alarm-geburtenrate-in-thailand-bricht-ein-ncd-krise-verscharft-sich-542245)
@Michael 28.05. 17:08 / Perplexity.ai
„Das Land steht vor einer der ernsthaftesten demografischen Herausforderungen weltweit.“
Und wie das aussieht, hat Thailand auch kaum Chancen, Einwanderer zu gewinnen.
Schon länger kam mir die Idee, dass wenn einfach die Produktivität und damit das Konsumniveau steigt, dass das dann schon eher weniger Kinder verursacht. Wenn man die Kosten, die Kinder an Lebenshaltungskosten und Erziehungsaufwand verursachen mit den Konsumgütern vergleicht, die man dafür kaufen könnte, dann fällt die Bilanz mit mehr Produktivität automatisch für die Kinder negativer aus.
Wenn man hier egoistisch die persönlichen Werte vergleicht, dann gewinnt der Konsum gegenüber Kindern umso mehr, wie der Wohlstand steigt.
Man könnte jetzt meinen, das man eben die Familien einfach mehr fördern muss, dass dann eben die Bilanz für die Kinder wieder stimmt, dass das das Problem löst. Allerdings verschiebt sich so das Dilemma auf die ganze Gesellschaft. Insbesondere Ältere und Leute, die dennoch keine Kinder wollen, werden da entschiedenen Widerstand leisten.
Letztlich muss dann ja die ganze Gesellschaft die Kinder versorgen, und muss dann eben auch woanders sparen.
Wenn man da raus will, dann muss man wohl den Egoismus reduzieren. Ob jetzt als Einzelner oder als ganze Gesellschaft. Letztlich geht es wirklich langfristig in die Investition in menschliches Leben. Eine Investition, deren Früchte man selber gar nicht mehr ernten kann. Die aber das Leben weiterträgt. Nur so geht es, das ist einfach Biologie.
Kann man vielleicht auch hoffen, dass mit KI und Robotern die Produktivität so sehr steigt, dass es den Menschen an Konsum endlich mal reicht, und man verbreitet auf die Idee kommt, dass Konsum gar nicht das ganze Leben ist.
Die, die jetzt dennoch ihre Kinder haben, mögen schon so weit sein?
Lieben Dank, @Tobias 🙏🙌
Zu Deinen m.E. zutreffenden Überlegungen zur säkularen Geburtenimplosion wären m.E. noch zwei Aspekte hinzu zu nehmen:
1. Urbanisierung: Seit etwa 2007 leben erstmals mehr als die Hälfte aller Menschen in größeren Städten, mit weiter wachsender Tendenz (Landflucht, regional auch noch Städtewachstum). In größeren Städten sind aber die Wohnkosten so hoch, dass sich gerade auch ärmere Menschen immer schwerer tun, Kinder zu finanzieren. Gut erforscht wurde dieser drastische Effekt auf den ökonomischen Wert von Kindern (den „Value of Children“, VoC) auch in der Türkei.
2. Medialisierung Schon die TV-Geräte traten in eine Zeit-Konkurrenz zu Beziehungen und Kindern. Und seit Jahrzehnten eskaliert die Digitalisierung, seit kaum zwei Jahrzehnten auch via Smartphone. Der Einfluss auf das Sozial- und Familienverhalten von Milliarden ist enorm und noch kaum überschaubar.
Lieber @Tobias, aufgrund Deiner klugen Nachfragen habe ich gestern eine Grafik zur Entwicklung der Geburtenraten von 1965 bis 2025 in den USA (christlich), Turkiye (islamisch), Israel (jüdisch) und Thailand (buddhistisch) angefertigt und auf Mastodon gepostet:
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116653254100647327
Für einen künftigen Blogpost habe ich die Grafik auch hier eingestellt:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/files/315F0146-35D0-40B2-9A39-22403C43DF00.png
Dir also von Herzen Dank 🙏 für Dein dialogisches und ermutigendes Interesse! 🙌
@Michael 29.05. 06:48
„Und seit Jahrzehnten eskaliert die Digitalisierung, seit kaum zwei Jahrzehnten auch via Smartphone. Der Einfluss auf das Sozial- und Familienverhalten von Milliarden ist enorm und noch kaum überschaubar.“
In der Tat ist diese Digitalisierung an hervorragendes Mittel gegen Langeweile. Und Kinder ja eigentlich auch. Klar, dass genau das dann auch konkurriert.
Mit mehr KI kann man vielleicht schneller finden, was man wirklich im Netz sucht. Und mit offener Software hätten wir Anwendungen, die nicht gezielt auf suchtartige Nutzung ausgelegt ist. Das könnte uns helfen.
Allerdings ist angesichts dieser Zeitkonkurrenz auch weniger anderweitiger Konsum und damit verbunden weniger Arbeitsbelastung in Sicht?
„In größeren Städten sind aber die Wohnkosten so hoch, dass sich gerade auch ärmere Menschen immer schwerer tun, Kinder zu finanzieren.“
Was sich selber regeln kann, wenn eben der Geburtenmangel auch auf die Wohnsituation in den Städten durchschlägt. Dann wird da was frei. Und wie schon gesagt, ein Sammeltaxisystem auf Basis von Selbstfahrenden E-Autos würde vor allem die Situation von Kindern und Jugendlichen auf dem Land grundlegend verändern. Dann sind die für ganz kleines Geld super mobil, überall.
Das könnte durchaus dazu führen, dass man den hohen Mieten in den Städten einfach ausweicht, gerade in ländliche Gegenden, wo jetzt jede Menge leersteht, und Wohnen entsprechend ganz billig ist.
@Rentenversicherung
Letztlich sind es doch direkt die Kinder, die die Rente ihrer Eltern am Ende zahlen. Unsere Rentenversicherung führt dazu, dass die Arbeitnehmer nur die aktuellen Rentner finanzieren müssen. Und auch Vermögen muss sich erstmal erhalten, wenn man davon im Alter leben will.
Entsprechend attraktiv erscheint es mir, dass man mit 2, 3 oder 4 Kindern von den Rentenversicherungsbeiträgen komplett befreit wird. Letztlich finanziert man ja mit den Kindern auch die zukünftigen Renten, inklusive die eigene.
Das ist doch komplett ungerecht, wenn man jetzt eigentlich doppelt zahlen muss. Einmal die Rentenversicherungsbeiträge, und obendrein hat man noch die Kosten und den Verdienstausfall für die Kindererziehung zu tragen. Kein Wunder, wenn das für so viele zu viel wird. Insbesondere bei 3 oder 4 Kindern.
Und so viele Kinder muss man schon anstreben, viele potentiellen Eltern können gar nicht. Das müssen Andere ausgleichen, die es eben können.
Ja, @Tobias – auch als Ehemann und Familienvater von drei Kindern kann und muss ich bestätigen: Das deutsche Steuer- und Abgabensystem belastet vor allem die arbeitenden Menschen und Familien, wogegen Erben, Kapitalanlager und Aktionäre weniger beitragen. Sogar von den erneuerbaren Wohlstandsenergien profitieren bislang vor allem Eigenheim- und Grundstücksbesitzende, wogegen die meisten Mieterinnen & Mieter weiterhin fossil abgezockt werden!
Dass dies zu niedrigen Kinderzahlen und damit auch zu nachlassenden Investitionen, weniger Nachfrage und schließlich auch stagnierenden Wirtschafts- und Rentenerträgen führt, ist doch eigentlich klar. Bewusst bloggte ich daher auch gegen die demografische Knappheitslüge:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/demografie-und-die-knappheitsluege-wie-wissenschaft-fuer-rechtsmimesis-missbraucht-wird/
Auch ich meine, dass es Zeit für eine wissenschaftlich informierte Sozial- und Familienwende wäre!
Was die Einladung zum Dialog angeht:
„Wo die Menschheit riskiert, ihr wahres Gesicht zu verlieren, da erheben wir Christen unseren Blick zu dem Gott, der Mensch geworden ist, in dem Wissen, dass sich »nur im Geheimnis des fleischgewordenen Wortes das Geheimnis des Menschen wahrhaft« aufklärt. “
Das ist eine positive Sichtweise für die Rolle der katholischen Kirche in der Weltgemeinschaft. Und darin ist sie allen anderen Weltreligionen überlegen.
Widersprüchlich bleibt der Klerus bei der Rolle der Frau in der Weltgemeinschaft.
Das Wort Frau kommt in der Enzyklika gar nicht vor !
Nun ja, @KI – sehr bewusst hatte ich mich ja für die Taufe in eine evangelische Landeskirche entschieden, da ich die volle Gleichberechtigung der Frau auch in religiösen Ämtern unterstütze.
Doch wenn Sie hier ernsthaft behaupten: „Das Wort Frau kommt in der Enzyklika gar nicht vor!“, dann haben Sie entweder nur oberflächlich geschaut oder bewusst gelogen.
Hier einer von mehreren, bewundernswert klaren Absätzen in „Magnifica humanitas“:
57. Mit dem wachsenden Bewusstsein für den Wert eines jeden Menschen und seiner Rechte hat auch die Anerkennung der Rechte von Minderheiten zugenommen. Dennoch ist es noch ein weiter Weg, bis die Rechte eines großen Teils, nämlich der Frauen, weltweit wirklich in gleicher Weise gewahrt sein werden.
Es ist eine Tatsache: »Doppelt arm sind die Frauen, die Situationen der Ausschließung, der Misshandlung und der Gewalt erleiden, denn oft haben sie geringere Möglichkeiten, ihre Rechte zu verteidigen.« [74]
Es reicht also nicht aus, mit Worten zu bekräftigen, dass Männer und Frauen die gleiche Würde und die gleichen Rechte haben; dies muss sich in konkreten Entscheidungen niederschlagen, in den Gesetzen, im Zugang zu Arbeit, Bildung, gesellschaftlichen und politischen Verantwortlichkeiten sowie in der Art, wie die Gesellschaft den Beitrag der Frauen wahrnimmt und wertschätzt.
Solange diese Kluft fortbesteht, werden wir nicht sagen können, dass die Gesellschaft tatsächlich vollumfänglich anerkennt, dass Frauen die gleiche Würde wie Männer haben.
Antikatholische Vorurteile sind eben doch auch nur – Vorurteile… 🤷♂️⛪️🤔
Was die Christen betrifft, da sind die anderen Konfessionen mit gemeint gewesen.
Was die Enzyklika die Frauen betreffend betrifft, das hatte ich nicht gelesen.
Jetzt schon, schöne Worte, der Klerus sollte dabei bei sich selbst anfangen.
Später mehr.
Ja, @KI – schon jetzt gibt es zahlreiche Kirchen, in denen Frauen auch alle geistlichen Ämter einnehmen können. Schon letztes Jahr in Großbritannien:
England bekommt erstmals eine anglikanische Primas: Sarah Mullally (63), bislang anglikanische Bischöfin von London, wird die Nummer eins der Kirche von England. Sie wurde am Freitag zur Nachfolgerin von Justin Welby (69) ernannt, wie der britische Sender BBC berichtete. Als 106. Erzbischof von Canterbury bleibt die frühere Krankenpflegerin die höchstrangige Frau in der Geschichte der anglikanischen Staatskirche.
https://katholisch.de/artikel/64784-sarah-mullally-wird-erste-erzbischoefin-von-canterbury
Dagegen haben leider noch immer manche Demokratien bisher keine Frauen an die Regierungsspitzen gewählt. Auch deswegen unterstützte und begrüßte ich die Wahlen von Angela Merkel (CDU) zur Bundeskanzlerin und von Ursula von der Leyen (CDU) zur EU-Kommissionspräsidentin. Es bleibt noch viel zu tun.
Diesen Beitrag über KI wollte ich eigentlich bei Herrn Grüter unterbringen, der hat aber seinen Laden schon geschlossen.
Bei Ihnen geht es um „KI und Menschenwürde“, auch da würde der etwas in die Tiefe gehende Beitrag „passen“ und er könnte Herrn Jeckenburger so richtig herausfordern.
Interessant fände ich, könnte man kreativ über die Beziehung zwischen Intelligenz, Realität, Simulation, auch über den Einfluss der KI auf Superintelligenz, über Intelligenz und Wahrheit diskutieren.
Und natürlich auch über den großen Nutzen von KI Systemen für die Allgemeinheit.
KI könnte z.B. freie Arbeitspotentiale (Arbeitslose) und Überproduktion selektiv zusammenführen, ausgleichen und für mehr Wohlstand sorgen, ohne den Markt zu „belasten“…… (Damit ist gemeint, wird „fleißig“ immer mehr produziert, verfällt der Preis und die Firma geht pleite….)
Ich möchte es versuchen.
„Wahrheit“ kann eigentlich nur am Erfolg intelligenter Prozesse so halbwegs „bewertet“ werden.
Ob jemals „empfindendes Bewusstsein“ entwickelt werden kann, ob das überhaupt sinnvoll ist, ist eine andere Frage….
Ist auch ganz klar, biologische neuronale Netze „arbeiten langsam“ , sagen wir einmal im Bereich von 100Hz, elektronische Systeme im Ghz Bereich…..
Intelligenz könnte man als „Modellbildungsmaschine“ betrachten. Intelligenz ist, ob biologisch oder künstlich, im Kern „Musteranalyse – Mustersynthese“, die Fähigkeit Muster zu erkennen, Vorhersagen zu machen, Handlungen zu planen, Fehler zu korrigieren…..
Modelle der Welt sind nützlich, aber nie perfekt.
„Realität“ scheint ein guter „Prüfstein“, sie verschwindet nicht, wenn man aufhört, daran zu glauben.
Ein Modell ist eher „wahr“, wenn es, Vorhersagen ermöglicht, Entscheidungen verbessert, und im Wettbewerb mit anderen Modellen „überlebt“.
„Wahrheit“ zeigt sich demnach auch im Erfolg intelligenter Prozesse.
Auch Simulation ist ein „Werkzeug“ der Intelligenz. Simulation ist die Fähigkeit, „Realität im Kopf oder im Computer“ nachzubauen, um Risiken zu minimieren, Strategien zu testen, Hypothesen zu prüfen, möglichst an der Zukunft zu antizipieren.
Biologische Intelligenz simuliert in neuronalen Netzen, KI simuliert in Rechnernetzen.
Simulation ist der „Booster“ von Intelligenz.
Einflussfaktoren der KI auf Superintelligenz:
1. Geschwindigkeit wie oben angeführt.
Das ist ein Unterschied wie Schnecke vs. Düsenjet.
2. Skalierbarkeit.
Biologische Intelligenz ist stark an einen bestimmten Körper gebunden.
KI kann einfach kopiert, verteilt, parallelisiert, vernetzt werden…..
3. Selbstverbesserung
Wenn eine KI beginnt, ihre eigene Architektur zu optimieren, entsteht ein Rückkopplungseffekt, Intelligenz erzeugt bessere Intelligenz, die noch bessere Intelligenz erzeugt…..
Das ist der klassische Weg zur Superintelligenz.
Intelligenz und Wahrheit aus banaler Technikersicht, dazu gehören:
1. Korrespondenz:
„Wahr“ ist, was mit der Realität übereinstimmt (klassisch).
2. Kohärenz:
Wahr ist, was logisch zusammenpasst, Mathematik, Logik,….
3. Pragmatismus:
Wahr ist, was „funktioniert“, Evolution, Technik, KI…..
Für mich ist „Wahrheit“ hauptsächlich ein „Bewertungsmaß“, wie z.B. der Erfolg eines Modells im Umgang mit der Realität.
KI und Elektronik beschleunigt alles sehr stark und Superintelligenz kann entstehen, wenn diese Prozesse auch noch so etwas wie „rekursiv“ werden.
Realo,
deine Gedanken über Intelligenz und Wahrheit. Das ist ja wohl das schwierigste, was man sich heraussuchen kann.
Sind intelligente Menschen näher an der Wahrheit als weniger Intelligente?
Woran du noch nicht gedacht hast, wie ist das Verhältnis von Wahrheit zur Wahrhaftigkeit ? (Wir reden hier ja über den Papst)
Und woran man auch denken sollte, bei der Beurteilung von geschriebenen Texten,
es kommt ja bei einer Übersetzung von einer Sprache in eine andere Sprache auf jedes Wort an und wie das interpretiert worden ist.
also, ich sehe mich überfordert die Enzyklika von Papst Leo XIV zu interpretieren.
Wie intelligent ist dieser Papst ? Ist er ein Traditionalist der die Lehre der katholischen Kirche vertritt, ist er ein „Freigeist“ der seine eigenen Vorstellungen hat und wie wahrhaftig ist dieser Mensch.
Bei Gelegenheit mehr.
@Realo 29.05. 13:56
„1. Geschwindigkeit wie oben angeführt. Das ist ein Unterschied wie Schnecke vs. Düsenjet.“
Kann man so nicht sagen. Nervensysteme sind hochparallelisiert, mit 100 Milliarden Einheiten. Aktuelle KI muss das mit erheblichem Aufwand seriell simulieren, mit umfangreichem Umkopieren von umfangreichen Datenmengen. Der Energieverbrauch pro Flop könnte KI noch lange begrenzen, und vermutlich nie die Effizienz von Gehirnen erreichen.
Ich meine, dass das Gehirn mit 20 Watt auskommt. Eine entsprechenden KI dürfte kaum mit 20 Kilowatt auskommen. Rechenzentren müssen mit Megawatt arbeiten.
„2. Skalierbarkeit. Biologische Intelligenz ist stark an einen bestimmten Körper gebunden.“
Ja, aber es genügt für Vieles. Und wir Menschen können zusammenarbeiten, letztlich sogar die ganze Menschheit an einem Strang ziehen.
„KI kann einfach kopiert, verteilt, parallelisiert, vernetzt werden…..“
Das dürfte das meiste Potential haben.
„3. Selbstverbesserung Wenn eine KI beginnt, ihre eigene Architektur zu optimieren, entsteht ein Rückkopplungseffekt, Intelligenz erzeugt bessere Intelligenz, die noch bessere Intelligenz erzeugt…“
Wenn am Ende doch die brutale Rechenzeit zählt, bleibt die KI auf den möglichen Energieverbrauch begrenzt. Es dürfte mehr ausmachen, wenn neue Chiptechnologien sparsamer und paralleler arbeiten können. Ich wüsste nicht, was da dran so superintelligent sein sollte.
Letztlich ist und bleibt es simple Informatik. Superintelligenz braucht es vorraussichtlich nicht, sie muss auf die Skalierbarkeit beschränkt bleiben.
@Michael 29.05. 14:36
„..wogegen die meisten Mieterinnen & Mieter weiterhin fossil abgezockt werden!“
Das merke ich auch. Meine Gasrechnung liegt bei 144 Euro im Monat, so in etwa seit dem Anfang des Ukrainekrieges. Das als billige Übergangsenergie vorgesehene Russische Erdgas gibt seit dem es leider nicht mehr. Und eine Frau Reiche will es dennoch durchziehen, die alten Kohlekraftwerke abzureißen und noch mehr Gaskraftwerke zu bauen. Obwohl der Backupstrom mit Kohle drei mal billiger ist, keine Erdgasreserven in Anspruch nimmt, und eben die Kohlekraftwerke stehen, und nicht neu gebaut werden müssen.
Und ich kann die nächsten 4 oder 5 Jahre nur auf die Fernheizung warten, und muss derweil richtig zahlen. Auch die 65 Euro im Monat für Strom wird mit noch mehr Erdgasanteil vermutlich noch teurer werden. Und das obwohl die Stromkosten eigentlich sinken könnten, wenn mehr PV und mehr Speicher zugebaut werden. Wofür es genügend willige Investoren gäbe, nur bekommen die nur sehr schleppend die erforderlichen Baugenehmigungen.
Würde das funktionieren, bräuchten wir voraussichtlich schon in wenigen Jahren nur noch die Kohlekraftwerke als winterliches Backup, und die Gaskraftwerke nur noch in wenigen extremen Dunkelflauten.
Ja, @Tobias – auch Du steckst derzeit noch in der fossilen Falle und wirst gezwungen, Geld an fossile Konzerne und Regime abzudrücken sowie die Mitwelt mit Treibhausgasen zu belasten.
Währenddessen können Eigenheimbesitzende wie ich bereits den Solarpunk leben und sogar an den Ersparnissen und Erlösen durch erneuerbare Wohlstandsenergien teilhaben!
Ich halte das für wirtschaftlich, sozial, ökologisch und psychologisch widersinnig und verstehe durchaus, dass daraus manche Wut gegen „das System“ generiert werden kann. Nach meiner Auffassung von ökologischer und sozialer Marktwirtschaft sollten möglichst alle Deutschen darin unterstützt werden, der Fossilfalle zu entkommen, damit auch unsere eigene Volkswirtschaft zu stärken und die Mitwelt zu schützen. Deswegen wende ich mich so klar gegen den Gas-Lobbyismus der Bundespolitik, obwohl wir Blumes längst kein Gas mehr einkaufen müssen.
Aus meiner Sicht sollte die post-fossile Transformation politisch so gestaltet werden, dass sie die wirtschaftlichen Unterschiede verringert, nicht noch weiter vergrößert. Doch genau das betreiben leider fossile Lobbyisten und Rechtslibertäre, auch in Deutschland!
In den Worten der päpstlichen KI-Enzyklika finde ich diese Perspektive wieder, etwa hier:
61. In diesem Sinne können wir sagen, dass »das Ganze ist mehr als der Teil« [78] und dass gerade deshalb »die bloße Summe von Einzelinteressen […] nicht in der Lage [ist], eine bessere Welt für die gesamte Menschheit zu schaffen«. [79]
Es ist eine Illusion zu glauben, dass es ausreiche, nach dem eigenen Fortschritt zu streben, um zum Wohl aller beizutragen, ohne sich wirklich um andere kümmern zu müssen. Diese Sichtweise ignoriert den eigentlichen und spezifischen Wert des Gemeinwohls: Es ist die Frucht der »gegenseitigen Abhängigkeit«, [80] die ein Netz an sozialem Wohl hervorbringt, das sich ausbreitet und auf die Menschen zurückwirkt.
Das Gemeinwohl ist ein Mehrwert , das Ergebnis der Wechselwirkung und der gegenseitigen Beeinflussung, die verschiedene Handlungen, Initiativen, Anstrengungen und Entscheidungen miteinander verbindet. Würde man einfach die individuellen Güter addieren, könnte man die Existenz dieses Mehrwerts nicht erklären, der sie übersteigt und zugleich bereichert.
62. Es ist das Streben nach dem Gemeinwohl, das ein Volk entstehen lässt, verstanden nicht als bloße Summe von Individuen, sondern als lebendige Wirklichkeit, in der die Menschen lernen und anerkennen, dass sie aufeinander verwiesen und gemeinsam verantwortlich für die res publica sind. In diesem Sinne trägt jeder Mensch zum Aufbau seines eigenen Volkes bei.
Dies ist »eine langsame und anstrengende Aufgabe, die verlangt, dass wir uns integrieren und bereit sind, geradezu eine Kultur der Begegnung in einer vielgestaltigen Harmonie zu entfalten lernen«. [81]
Gemeinsam auf das Wohl aller hinzuarbeiten bedeutet, ein gemeinsames Projekt zu haben. Es ist offensichtlich, dass es zwischen den verschiedenen Menschen viele ideologische und pragmatische Unterschiede gibt, dass es unterschiedliche Interessen und häufige Konflikte gibt, doch das bedeutet nicht, dass ein Weg des Dialogs unmöglich ist, um eine Konsensbasis zu finden, die es ermöglicht, ein Projekt für alle zu gestalten und gemeinsam unterwegs zu sein.
Im Kleinen und Konkreten sind wir hier auf „Natur des Glaubens“ gemeinsam und dialogisch unterwegs! 🙏🙌
@ KI 29.05.2026, 16:44 Uhr
Ich habe einmal in einer 68er WG mit Psychologiestudenten gelebt. Wir haben extremst (wie damals üblich), über „alles“ irgendwie „denkmögliche“ diskutiert.
Das hat mich aus meiner „Naivität als Techniker“ befreit und darüber bin ich glücklich. Dass ich mich gleichzeitig auch mit einem riesigen „Müllhaufen an Gedanken“ belastet habe, amüsiert mich irgendwie, sehe ich aber ganz locker. Manche, eher philosophisch orientierte Menschen, können darüber „verzweifelt“ sein.
Es ist eben so, wir müssen mit den „Wahrheiten“ leben, die wir haben. Die Mathematiker „basteln“ sich eben „wirkliche“ Wahrheiten, an denen sie sich „austoben“ können….
Da hilft mir meine Sachlichkeit als Techniker, in meinem Hirn „läuft“ eben ein „psychisches Betriebssystem“ ähnlich wie im Computer. Aber auch die Denke der Psychiater gefällt mir, die sich höchstens darüber wundern, warum ihnen bestimmte Gedanken durch den Kopf gehen, wie und wo sie sich diese „Gedanken“ aufgerissen haben….
Zitat: „Sind intelligente Menschen näher an der Wahrheit als weniger Intelligente?“
Eher schon, aber auch weniger Intelligente könnten sich zufällig „Wahrheiten aufgerissen“ haben….
Ich würde mich für ,naiv“ halten, würde ich „Wahrhaftigkeit“ anstreben, wenn wir „Wahrheiten“ nur schwer finden und nicht sicher erkennen können.
Es ist absurd, wenn man daran denkt, wie viele Menschen, sich z.B. bei Kriegen, gegenseitig umgebracht haben, immer noch umbringen, nur weil beide Kontrahenten „glaubten“ im Besitz der „einzigen Wahrheit“ zu sein…..
„Fiktionen“, die man „Wahrheit“ nennt, steuern die Denkprozesse.
Religionen, Ideologien, Philosophien,…. sollen, an die jeweiligen Lebensbedingungen angepasst, optimale Regeln vermitteln…. So scheint für mich in Saudi Arabien (Hitze), der Islam und bei uns eben, z.B. die katholische Religion „zweckmäßig“….
Auch ich sehe mich überfordert, die Enzyklika von Papst Leo XIV ernsthaft zu interpretieren. Sein Bemühen um Wahrhaftigkeit würde ich ihm abnehmen…..
Realo,
dieser Satz gefällt mir : „Es ist eben so, wir müssen mit den „Wahrheiten“ leben, die wir haben.“
Und wir müssen mit dem Papst leben, den wir haben.
Und wir müssen mit der künstlichen Intelligenz leben, die wir haben.
Und die Kombination von Wahrheit und KI, die kann noch explosiv werden.
Deswegen beschäftigt mich das Thema „Wahrheit und KI“,
Für einen Naturwissenschaftler ist der Beweis die letzte Wahrheit.
Für einen Geisteswissenschaftler ist er selbst die letzte Wahrheit.
Für einen Katholiken ist die Bibel die letzte Wahrheit und für die Auslegung der Bibel ist der Papst die letzte Instanz.
Und jetzt kommt die KI ins Spiel. Die ist dabei die letzte Instanz in Allem zu werden. Und der Papst und der Klerus müssen um ihre Position fürchten.
@ Tobias Jeckenburger 29.05.2026, 16:46 Uhr
Zitat: „1. Geschwindigkeit wie oben angeführt. Das ist ein Unterschied wie Schnecke vs. Düsenjet.“
Meistens sind elektronische, z.B. KI System sehr schnell beim Abliefern von „Resultaten“.
Allerdings bei der Energiebilanz dürften Sie recht haben….
Zitat: „2. Skalierbarkeit. Biologische Intelligenz ist stark an einen bestimmten Körper gebunden.“
Eine Experten KI die das Fachwissen von z.B. 100 Spezialisten „bündelt“, z.B. Interpretation von Röntgen, CT, MRT Bildern, ist besser als ein „Spezialist“. Kein Mensch kann das oft mühsam erworbene Wissen von 100 Fachkollegen „inhalieren“.
Zitat: „3. Selbstverbesserung Wenn eine KI beginnt, ihre eigene Architektur zu optimieren, entsteht ein Rückkopplungseffekt, Intelligenz erzeugt bessere Intelligenz, die noch bessere Intelligenz erzeugt…“
So ähnlich verhält es sich auch bei Menschen. Nur ist die KI viel schneller, kann Tag und Nacht durcharbeiten, die Ergebnisse testen und die eigene Software, womöglich sogar die Struktur der Hardware verbessern…..
„Schneller, mehr und besser“ das bezeichnet man gemeinhin mit dem Adjektiv „super“.
Das ist das, was immer angestrebt wird, wir wollen uns möglichst schnell weiter entwickeln….
Wie würden Sie den Nutzen von KI Systemen für die „Allgemeinheit“ sehen. Wenn KI z.B. freie Arbeitspotentiale (Arbeitslose) und Überproduktion selektiv zusammenführen, ausgleichen und für mehr Wohlstand sorgen würde.
Arbeitslose bekämen Jobs und Lebenssinn. Überproduktion würde verwertet, ohne den Markt zu „belasten“…… (Damit ist gemeint, wird „fleißig“ immer mehr produziert, verfällt der Preis und die Firma geht pleite….)
@Michael 29.05. 17:23
„Aus meiner Sicht sollte die post-fossile Transformation politisch so gestaltet werden, dass sie die wirtschaftlichen Unterschiede verringert, nicht noch weiter vergrößert. Doch genau das betreiben leider fossile Lobbyisten und Rechtslibertäre, auch in Deutschland!“
Weiss ich nicht, ob man hier gezielt versucht, uns zu spalten. Vermutlich sind es eher die juristischen und bürokratischen Möglichkeiten, die diese Ungleichheiten verursachen.
Sich seinen Strom selber zu machen ist seit 80 Jahren schon erlaubt. Früher konnten das aus technischen Gründen nur große Industriebetriebe. Heute geht es eben mit PV auf dem eigenen Dach und inclusive ein passender Speicher. Und dann auch gleich die Wärmepumpe und die Steckdose für das eigenen E-Auto dazu.
Hier in der Innenstadt kann man noch gut bremsen. Dass hier Investoren die Dächer mieten, mit PV vollpacken und den so produzierten Strom direkt in der Nachbarschaft vermarkten, ist juristisches Neuland und eben leicht zu blockieren.
Auch Großspeicher an den ehemaligen Kraftwerksstandorten brauchen eine Einzelgenehmigung, die man eben mutwillig bürokratisch verschleppen kann.
Deswegen schlage ich ja vor, dass man erst mal einfach passende Speicher direkt am Windrad und an der PV-Anlage duzubaut. Womöglich braucht das keinerlei Extragenehmigung, schließlich entlastet der Speicher ja den jeweiligen Netzanschluss, und hilft das ganze Netz zu stabilisieren. Und so spart man auch alle Durchleitungsentgelte auf die Speicherfunktion ein, wenn man den selbst produzierten Stromertrag nur zurück hält, um in später zu besseren Preisen einzuspeisen.
Vielleicht kann man sogar eine bestehende PV-Freiflächenanlage nachträglich mit einem Speicher ergänzen, und zugleich die Kollektorfläche erweitern. Unterm Strich kann man die erweiterte Anlage dann so betreiben, dass die alte Anschlussleitung ausreicht, und nie mehr Leistung einspeist, als wie ja längst genehmigt ist. So könnte man dann gleich am Standort im Sommer den produzierten PV-Strom über alle 24 Stunden des Tages hinweg gleichmäßig einspeisen. Und sind mittags mal Überschüsse im Netz, muss man nicht die eigene Anlage abregeln, sondern speichert diesen Strom auch in der eigenen Batterie.
Eventuell kann man dann sogar eine gewisse Stromenge aus dem Netz aufnehmen. Zu dann negativen Strompreisen, um sie noch gleich am selben Abend wieder ins Netz einzuspeisen. Da kann man dann doppelt mit verdienen.
Und das geht alles mit der Kapazität von dem ohnehin vorhandenen Netzanschluss.
@Tobias 29.5.26 23:17 Uhr
„Weiss ich nicht, ob man hier gezielt versucht, uns zu spalten. Vermutlich sind es eher die juristischen und bürokratischen Möglichkeiten, die diese Ungleichheiten verursachen.“
Das sehe auch ich so: Fossile Konzerne und ihr Lobbyismus und ihnen nahestehende, algorithmische Konzernmedien verfolgen keinen Masterplan, sondern ihre jeweiligen Interessen: Profit.
Und diese bedeutet nach der Carbon Bubble / Karbonblase-Theorie: So lange und so viel wie möglich fossile Brennstoffe verkaufen. Gerne auch unter Einsatz der medialen und politischen, „juristischen und bürokratischen Möglichkeiten“.
Der Fossilismus ist auch deswegen mächtig, weil er durch einfach zu erkennende, gemeinsame Interessen befeuert wird.
Weitere Zusatzannahmen sind nach meiner Einschätzung nicht notwendig.
@Realo 29.05. 21:51
„Wie würden Sie den Nutzen von KI Systemen für die „Allgemeinheit“ sehen. Wenn KI z.B. freie Arbeitspotentiale (Arbeitslose) und Überproduktion selektiv zusammenführen, ausgleichen und für mehr Wohlstand sorgen würde.“
Hört sich ja gut an, aber ich weis nicht recht, wie das konkret gehen soll.
Entscheidend wäre, eine Überproduktion so zu verschenken, dass dadurch nicht weniger davon gekauft wird. Aber man wird doch sowieso gucken, dass man die Produktion anpasst, wenn sie zu hoch geworden ist. Warum auch immer.
Die EU macht das ja schon länger mit Überschüssen aus der Landwirtschaft, und zahlt Exportsubventionen, um die Überschüsse z.B. in Afrika loszuwerden. Das ist auch halb verschenkt. Allerdings halte ich das für ziemlichen Bockmist, weil das die Märkte in Afrika ruiniert und für uns dabei auch noch teuer ist.
Besser wäre, hier ökologischer und weniger intensiv anzubauen, oder auch ganze Flächen aus der Nutzung zu nehmen. Nur wollen das die Bauern wieder nicht, obwohl sie davon eigentlich sehr gut profitieren könnten. Die verstehen einfach nicht, dass man mehr verdienen kann, wenn man weniger produziert.
Die Tafeln sammeln ja schon überschüssige Waren ein, und verteilen die an Bedürftige. Der Effekt, dass die Tafelkunden dann auch im Lebensmittelladen weniger einkaufen, ist recht klein, die meisten sind so arm, dass sie ihr ganzes Geld sowieso umgehend ausgeben.
Allerdings leben die Tafeln auch davon, dass sie ihren Kunden auch nicht Nutzbares aufdrängen, die die dann nur in der eigene Biotonne entsorgen können. Das spart den Lebensmittelmärkten eine Menge Müllgebühren. Ich vermute, dass das System Tafel auch darauf beruht.
@ Tobias Jeckenburger 29.05.2026, 23:17 Uhr
Zitat: „Und dann auch gleich die Wärmepumpe und die Steckdose für das eigenen E-Auto dazu.“
Die meisten E Autofahrer wollen und müssten, am Arbeitsplatz ihr Auto aufladen.
Zitat: „Deswegen schlage ich ja vor, dass man erst mal einfach passende Speicher direkt am Windrad und an der PV-Anlage dazu baut. Womöglich braucht das keinerlei Extragenehmigung, schließlich entlastet der Speicher ja den jeweiligen Netzanschluss, und hilft das ganze Netz zu stabilisieren. Und so spart man auch alle Durchleitungsentgelte auf die Speicherfunktion ein, wenn man den selbst produzierten Stromertrag nur zurück hält, um in später zu besseren Preisen einzuspeisen.“
Ich vermute, dass das die Stromversorger ohnehin so machen. Sie haben Insiderwissen und wissen genau wo temporäre Engpässe im Netz bestehen und sie können sogar teure Netzausbauten „hinausschieben“ oder vermeiden, wenn sie an diesen Orten Speicher installieren.
Das Problem tritt aber eher dort auf, wo „Problemkunden“ zu versorgen sind, weniger z.B. beim Windrad.
Ohne diesem „Insiderwissen“ erfolgen die Investitionen „ungeplant“, an Stellen wo es garn keine Probleme gibt und das Geld könnte im „Rauchfang“ landen.
Wie bei PV Anlagen die in der „Pampa“, aus Lust und Laune eines „Investors“ gebaut wurden….
Tobias Jeckenburger 29.05.2026, 23:55 Uhr
Zitat: „Die EU macht das ja schon länger mit Überschüssen aus der Landwirtschaft, und zahlt Exportsubventionen, um die Überschüsse z.B. in Afrika loszuwerden. Das ist auch halb verschenkt. Allerdings halte ich das für ziemlichen Bockmist, weil das die Märkte in Afrika ruiniert und für uns dabei auch noch teuer ist.“
Das würde ich weit positiver sehen. Früher sind Menschen, z.B. in Afrika, einfach verhungert, weil die eigenen „Produktionsmethoden“, (ein Bauer hat seine Frau vor einem primitiven Pflug „gespannt“), weitaus nicht gereicht haben, den Bedarf zu decken.
Die Leute sind nicht nur verhungert, es gab auch Unruhen/Kriege. Für uns ist die Hilfe humanitäre Pflicht, gleichzeitig fördern wir die eigene Wirtschaft…..
Früher gab es in China noch viele Hungertote und wir alle wissen, wie sich China extremst positiv und erfolgreich entwickelt hat, ohne irgend einem anderen Volk oder Nachbarn Leid zuzufügen.
Sie sollten auch friedlich und verständnisvoll auf ihr „Brudervolk“ in Taiwan zugehen und Kooperation anbieten. Sich gegenseitig „fressen“ zu wollen ist keine Lösung zwischen „hoch zivilisierten Völkern“.
Weniger zu arbeiten um den Preis zu treiben, eine Situation schamlos auszunutzen, ist etwas „anrüchig“. Würden das alle machen, wären wir letztlich wieder bei Hungersnöten.
Im TV kann man wieder sehen, dass es in Amerika bei der Fußball WM genau so zugeht, alle Preise explodieren. Habe vor rund einer Stunde „aufgeschnappt“, dass Trump geklagt haben soll, nicht einmal er könne sich die absurden Preise leisten…..
Zitat: „Allerdings leben die Tafeln auch davon, dass sie ihren Kunden auch nicht Nutzbares aufdrängen, die die dann nur in der eigene Biotonne entsorgen können. Das spart den Lebensmittelmärkten eine Menge Müllgebühren. Ich vermute, dass das System Tafel auch darauf beruht.“
Der Vorteil ist, das System ist sehr selektiv. Die Leute (Kinder) bekommen anständiges Essen. Bekämen sie Geld, so landet das z.B. beim Tätowierer und die Kinder hungern….
Sicherlich würde das Aussortieren verdorbener Ware Geld kosten. Beim mir war einmal eine schimmelige Tomate in einer Verpackung und ich habe das erst an der Kasse bemerkt.
Die Kassiererin hat mich schnell überzeugt, wenn ich die wegwerfe, so kommen die anderen Tomaten weitaus billiger als normal, sie sind aber völlig ok…..
@Realo 30.05. 11:44
„Die meisten E Autofahrer wollen und müssten, am Arbeitsplatz ihr Auto aufladen.“
Die Akkus sind ganz schön groß, und müssen nicht ständig randvoll sein. Nur wenn man eine weitere Fahrt machen will, müssen die voll aufgeladen sein. Entsprechend reicht es schon, nur am Wochenende tagsüber aufzuladen. Und an Wochenenden im Sommer ist auch regelmäßig jetzt schon Überfluss im Netz, weil an Wochenenden der Stromverbrauch deutlich niedriger ist als über die Woche.
Allerdings kann manch ein Arbeitgeber sich auch eine eigene PV-Anlage anschaffen, wenn er entsprechende Dachflächen hat. Für den Eigenbedarf an Strom, aber auch als Service für die E-Autos der Mitarbeiter. Viele E-Autobesitzer haben ja keine eigene PV-Anlage, die werden sich über solche Angebote sehr freuen.
„Ohne diesem „Insiderwissen“ erfolgen die Investitionen „ungeplant“, an Stellen wo es gar keine Probleme gibt und das Geld könnte im „Rauchfang“ landen.“
Unser Stromnetz ist sehr gut ausgebaut, und kennt keinen Verschleiß, wenn es stark genutzt wird. Entsprechend ist es recht egal, wo genau neue Erzeugerkapazitäten zugebaut werden. Insbesondere PV-Anlagen und Windräder mit integrierten Speichern können sehr flexibel betrieben werden, und Engpässe im Netz sehr gut ausgleichen können, wenn sie denn nun doch mal auftreten.
Bei der Standortwahl wäre es allerdings schon sinnvoll, zu gucken, wo die Anlagen gebaut werden. So wären Windräder vor allem im Süden sinnvoll, in Küstennähe hat man da bald genug von. Und PV-Freiflächenanlagen am Besten in der Nähe von Städten oder Industriebetrieben.
„Wie bei PV Anlagen die in der „Pampa“, aus Lust und Laune eines „Investors“ gebaut wurden….“
Ich vermute mal, dass die auch ordentliche Anschlusskosten bezahlen müssen. Allerdings können die das auch problemlos bezahlen. Große PV-Freiflächenanlagen sind nur halb so teuer wie kleine Dachanlagen, da ist genug Geld für den Anschluss drin. Und wenn man den Speicher gleich dazu baut, ist man flexibel, wann man seinen Strom verkauft, und kann auch noch an der Anschlussleistung sparen.
Wir haben aber auch noch die Stromanschlüsse von ehemaligen Kraftwerken. Da kann man ganz gut Großspeicher ansiedeln, und eigentlich auch ziemlich große PV-Freiflächenanlagen gleich dazu. Wenn da denn Platz dafür da ist.
@Realo 30.05. 11:52
„Früher sind Menschen, z.B. in Afrika, einfach verhungert, weil die eigenen „Produktionsmethoden“, (ein Bauer hat seine Frau vor einem primitiven Pflug „gespannt“), weitaus nicht gereicht haben, den Bedarf zu decken.“
Afrika ist riesengroß und hat gute landwirtschaftliche Möglichkeiten. Verhungert wird nur, wo Krieg herrscht oder wo eine lokale Dürre auftritt. Inzwischen fördert hier China intensive Landwirtschaft, um einen Teil davon nach China zu importieren.
„Früher gab es in China noch viele Hungertote und wir alle wissen, wie sich China extremst positiv und erfolgreich entwickelt hat, ohne irgend einem anderen Volk oder Nachbarn Leid zuzufügen.“
Heute importiert China viele Lebensmittel, weil die eigenen Flächen nicht reichen. Angesichts der umfangreichen Exporte von Industriegütern aber kein Problem mehr.
„Weniger zu arbeiten um den Preis zu treiben, eine Situation schamlos auszunutzen, ist etwas „anrüchig“. Würden das alle machen, wären wir letztlich wieder bei Hungersnöten.“
Die Bauern verdienen wirklich sehr schlecht. Weniger Produktion würde das Problem lösen, ohne dass wir an der Supermarktkasse da viel von merken würden. Es geht mir nicht um maßlose Preistreiberei, nur dass die Bauern von ihrer Arbeit vernünftig leben können.
„Die Leute (Kinder) bekommen anständiges Essen. Bekämen sie Geld, so landet das z.B. beim Tätowierer und die Kinder hungern…“
Naja, Essen geht aber schon vor, überwiegend auch im Prekariat. Ein weiterer Vorteil bei den Tafeln ist, dass weniger Lebensmittel auf dem Müll landen.
@ Tobias Jeckenburger 30.05.2026, 13:05 Uhr
Zitat: „Entsprechend ist es recht egal, wo genau neue Erzeugerkapazitäten zugebaut werden.
……..
Bei der Standortwahl wäre es allerdings schon sinnvoll, zu gucken, wo die Anlagen gebaut werden. So wären Windräder vor allem im Süden sinnvoll, in Küstennähe hat man da bald genug von. Und PV-Freiflächenanlagen am Besten in der Nähe von Städten oder Industriebetrieben.“
Da sehe ich einen Widerspruch. Ist auch logisch. Würden Sie ein Kraftwerk direkt neben einem neuen KI Rechenzentrum bauen, hätten Sie praktisch keinen Netzkosten (abgesehen von der Notversorgung). Je weiter es entfernt ist, desto höhere (mehr als nur lineare Kostensteigerungen fallen an.
Das ist abhängig von Leitungsbau, Verlusten, Freileitung, Erdkabel, Anrainer,…..
In Deutschland/Europa ist das ein zentrales Thema, weil Windstrom oft im Norden entsteht, der Verbrauch aber im Süden liegt.
Die Netzkosten nehmen mit der Entfernung stark zu: Z.B. neue Hochspannungsleitungen, Umspannwerke, Konverterstationen (bei HGÜ), Netzverstärkungen im Verteilnetz.
Leitungsverluste sind physikalisch unvermeidbar.
Wenn Strom weit transportiert werden muss, entstehen häufiger Engpässe. Deren Behebung ist teuer.
Die Entfernung zwischen Erzeugung und Verbrauch ist einer der wichtigsten Kostenfaktoren im Stromsystem. Die Kosten steigen nicht linear, sondern durch Netzausbau, Verluste und Redispatch Auf- bzw.Abregelung) überproportional.
Für die Energiewende ist es entscheidend, Erzeugung näher an den Verbrauch zu bringen, oder Fern Netze massiv auszubauen.
Der Stromverbrauch in Deutschland ist in den letzten Jahren nur moderat gestiegen (Wirtschaftskrise?), wird aber in Zukunft massiv zunehmen, vor allem durch Elektromobilität, Wärmepumpen, Rechenzentren und grüne Industrie.
Zitat: „Wie bei PV Anlagen die in der „Pampa“, aus Lust und Laune eines „Investors“ gebaut wurden….
Ich vermute mal, dass die auch ordentliche Anschlusskosten bezahlen müssen.“
Jetzt schon, sie werden eher immer mehr bezahlen müssen. Nur sind sie halt böse auf die Ministerin….
Zitat: „Wir haben aber auch noch die Stromanschlüsse von ehemaligen Kraftwerken. Da kann man ganz gut Großspeicher ansiedeln, und eigentlich auch ziemlich große PV-Freiflächenanlagen gleich dazu. Wenn da denn Platz dafür da ist.“
Auch wenn durch den Stromtransport die Leitungen nicht direkt „abgenutzt“ werden, das Wetter verkürzt die Lebensdauer auf rund 60 Jahre.
Bauland oder wertvolles Ackerland wird man nicht für PV Anlagen nutzen wollen. Sondern eher belastete Gebiete z.B. neben Autobahnen. Die Belastungen (Staub, Gummiabrieb,…..) scheinen erträglich.
@Realo 30.05. 15:19
„Da sehe ich einen Widerspruch.“
Die großräumige gleichmäßige Verteilung bezogen auf den Verbrauch in den Regionen je von Windenergie und von PV spart Transportkapazitäten. Ob jetzt hier oder 20 Kilometer weiter zugebaut wird, ist aber egal. Wo der Stromanschluss näher dran ist, wäre der einfacher.
Insbesondere PV auf den Dächern und Brachflächen von Wohngebieten und Industriegebieten entlastet die Netze und erfordert kaum Ausbau, insbesondere wenn sie gleich mit einem passendem Speicher kombiniert sind.
„In Deutschland/Europa ist das ein zentrales Thema, weil Windstrom oft im Norden entsteht, der Verbrauch aber im Süden liegt.“
Da muss man gucken, was Sinn macht. Wenn PV sowieso auch noch deutlich billiger wird als Windkraft, insbesondere in der Offshorevariante, dann nutzen wir die PV eben mehr, und sparen uns neue teure Fernstromleitungen. Zumal auch PV schon in Südfrankreich oder Norditalien deutlich ertragreicher ist als in Deutschland.
„Der Stromverbrauch in Deutschland ist in den letzten Jahren nur moderat gestiegen (Wirtschaftskrise?), wird aber in Zukunft massiv zunehmen, vor allem durch Elektromobilität, Wärmepumpen, Rechenzentren und grüne Industrie.“
Wir haben derzeit einen täglichen Stromverbrauch von etwa 16 Kwh pro Tag und Einwohner, wobei nur etwa 5 Kwh auf Privatverbraucher gehen, das meiste für Industrie und Gewerbe. Ein halbes Elektroauto käme auf etwa 5 Kwh am Tag, die Wärmpumpe pro Einwohner nochmal 5 Kwh am Tag. Dazu dann Rechenzentren und der Ersatz von Erdgas in der Industrie nochmal 5 Kwh.
So kommen wir in der Tat zu einer Verdoppelung des Stromverbrauchs. Allerdings für einen Zeitraum von etwa 15 oder 20 Jahren.
Wobei jetzt aber E-Autos flexibel aufgeladen werden können, und bidirektional angeschlossen riesige Stromspeichers sind. Und auch Wärmepumpen können ihren Verbrauch um Stunden verschieben, wenn das Netz überlastet ist, und auch in Dunkelflauten einige Tage pausieren, wenn sie z.B. mit einer Holzpelletheizung kombiniert sind.
Und wenn dann überall noch kleinere Lithiumakkus verteilt sind, also direkt beim Produzenten wie beim Verbraucher, dann kann das sehr helfen, die bestehenden Stromnetze voll auszunutzen. Und die Speicherkapazitäten können wir sowieso überall gebrauchen.
„Bauland oder wertvolles Ackerland wird man nicht für PV Anlagen nutzen wollen. Sondern eher belastete Gebiete z.B. neben Autobahnen. Die Belastungen (Staub, Gummiabrieb,…..) scheinen erträglich.“
Es bieten sich eben vor allem Dächer an, oder auch Brachflächen, die nicht anders nutzbar sind und auch nah am Verbraucher sind. Ansonsten eignen sich vor allem Weideflächen. Wenn man da zwischen den Modulreihen etwas Platz lässt, kann man die Flächen weiter als Weide nutzen, insbesondere für Schafe und Ziegen. An eher trockenen Standorten hat man so eine doppelte Nutzung dieser Flächen. Was bedeutet, dass diese Flächen praktisch nichts kosten.
Wenn es dann soweit ist, dass saisonale Überschüsse anfallen, die die Kurzfristspeicher nicht mehr verarbeiten können, wird es Zeit für Wasserstoff. Und wie weit hier Redox-Flow-Batterien zum Einsatz kommen können, muss man dann sehen. Wenn trotz alledem lokale Netzengpässe mal nur mit Abregeln bewältigt werden können, dann ist das eben so.
@Gesamtstromverbrauch
Der deutsche Stromverbrauch ist von 49 Twh im Monat im Jahr 2017 auf aktuell 41 Twh im Monat im Jahr 2025 gesunken. Das sind umgerechnet von 19 Kwh pro Kopf und Tag auf jetzt 16 Kwh pro Kopf und Tag.
Das kann man hier gut ablesen:
https://www.agora-energiewende.de/daten-tools/agorameter/live/chart/power_generation/01.04.2012/30.04.2026/monthly
Da kann man überhaupt sehr gut den jeweiligen Stromverbrauch aufgeschlüsselt in alle Erzeugungsarten von Stunden bis Monaten studieren. Von 2012 bis gestern.
Was die Stromnetze betrifft, da ist der aktuelle Verbrauch um 16 % gesunken, eine gewisse Reserve dürften unsere Stromnetze also noch haben.
Lieben Dank, @Tobias – und passend dazu konnte ich heute Morgen gute Solarpunk – Nachrichten zum fediversalen „Tässle Kaffee ☕️“ reichen: Gleich mehrere v.a. chinesische Batteriefirmen vermelden Fortschritte bis zur Marktreife bei Natrium-Ionen-Batterien!
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116667525421708184
Gemeinsam mit den Fortschritten bei den Redox-Flow-Batterien, auf die unlängst auch @Martin Holzherr verwies, kommen wir voran! 😌
Und auch Weinthal ist gestern & heute wieder mal beim Trollen auf Mastodon gescheitert. Obwohl ich auf Nachfrage empfehle, ihn einfach zu ignorieren, wehren sich immer mehr Deutsche gegen seine wirren Hassmails. Ich nehme auch das als Beleg für zunehmende Resilienz und Medienkompetenz unter dialogisch orientierten Menschen.