Die interdisziplinäre Relevanz des Konzilsbekenntnis von Nicäa. Vom fehlenden Pontius Pilatus, Licht & KI

Semitisch, also vokalsparsam und linkslaufend-alphabetisierte, Heilige Texte in den Schriftreligionen des Judentum (hebräisch) und Islam (arabisch) prägen intensive, auch rechtshemisphärische Schriftlesungen und also einen weitgehend bildlosen Monotheismus sowie kurze Ein-Satz-Bekenntnisse (Schema Yisrael & Schahada) aus. Jafetitische, also vollvokalisierte und rechtslaufende, Alphabete eröffnen jedoch andere Erfahrungswelten: Nach der Übersetzung der hebräisch-aramäischen Bibel in die griechische Septuaginta entfaltete sich das Christentum mit einem bilderreichen, trinitarischen Monotheismus sowie einer Vielzahl überaus langer und komplizierter Glaubensbekenntnisse. Die bis heute maßgeblichen Bekenntnis- und Glaubenstexte wurden auf einer Reihe kirchlicher Konzilien verfasst und beschlossen, was zur Festigung wie auch zur Spaltung von Kirchen und Religionsgemeinschaften führte. Das vorerst letzte, das Zweite Vatikanische Konzil (II. Vatikanum) fand 1962 bis 1965 in Rom statt, wobei orthodoxe und evangelische Kirchen nur noch als Beobachtende teilnahmen.
Frühe Erkenntnisse zur Neuropsychologie von Alphabetschriften nahmen Rüdiger Vaas & ich bereits in “Gott, Gene und Gehirn. Warum Glaube nützt. Die Evolution der Religiosität” (Hirzel 2013) auf. Buchcover
Noch lange blieb das griechische Alphabet vor seiner lateinischen Schwester die bestimmende Medienmacht rund um das Mittelmeer.
Vor 1700 Jahren rief der – selbst noch gar nicht christlich getaufte – Kaiser Konstantin I. (285 – 337) die christlichen Bischöfe seines Reiches nach Nicäa – dem heutigen Iznik, südlich von Istanbul – zu einer Synode ein, die als “erstes ökumenisches Konzil” in die Religions-, Staats- und nicht zuletzt Mediengeschichte eingehen sollte. Daraus entstand das überaus lange und historisch bedeutende Glaubensbekenntnis (griech. Symbolon, lat. Credo) von Nicäa, hier in einer deutschen Übersetzung:
Ich glaube an den einen Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren.
Und an den einen Herrn Jesus Christus,
den Sohn Gottes,
der als Einziggeborener aus dem Vater gezeugt ist, das heißt: aus dem Wesen des Vaters,
Gott aus Gott, Licht aus Licht,
wahrer Gott aus wahrem Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;
durch den alles geworden ist, was im Himmel und was auf Erden ist;
der für uns Menschen und wegen unseres Heils herabgestiegen und Fleisch geworden ist,
Mensch geworden ist,
gelitten hat und am dritten Tage auferstanden ist,
aufgestiegen ist zum Himmel,
kommen wird um die Lebenden und die Toten zu richten;
Und an den Heiligen Geist.
Diejenigen aber, die da sagen „es gab eine Zeit, da er nicht war“
und „er war nicht, bevor er gezeugt wurde“,
und er sei aus dem Nichtseienden geworden,
oder die sagen, der Sohn Gottes stamme aus einer anderen Hypostase oder Wesenheit,
oder er sei geschaffen oder wandelbar oder veränderbar,
die belegt die katholische Kirche mit dem Anathema.
Aus der Perspektive der christlichen Kirchengeschichte und (medial jafetitisch geprägten) Universitätstheologie wird vor allem der Aspekt “eines Wesens mit dem Vater (homoousion to patri)” betont. Nicht nur die koptisch-orthodoxe Kirche sieht hier die Handschrift des damaligen Diakons und späteren Patriarchen Athanasius von Alexandria (298 – 373), der dies als Abgrenzung zum Arianismus eingebracht habe. So sei es zur entscheidenden Ergänzung des Taufbekenntnisses von Bischof Eusebios von Cäseara (262 – 340) gekommen, der sich gegenüber arianischen Positionen offen gezeigt hatte.
Politisch und rechtlich Interessierte blicken vor allem auf den erwähnten Konzils-Kaiser und den ihm nahestehenden Bischof Ossius von Cordoba (257 – 357), der als erster Unterzeichner des Bekenntnisses und möglicherweise bischöflicher Ko-Vorsitzender des Konzils fungierte. Dafür spricht auch, wer hier noch fehlt: Der römische Statthalter Pontius Pilatus, der Rabbi Jehoschua / Jesus zur Folter und zum Tod am Kreuz verurteilt hatte. Er wird erst lange nach Nizäa im sog. “Großen Glaubensbekenntnis” genannt, was auf eine langsam wachsende Unabhängigkeit der Kirche gegenüber dem weströmischen Reich hindeutet. Eine alternative Deutung kann jedoch betonen, dass die römische Todesstrafe zu jener Zeit noch allgemein bekannt gewesen wäre und erst später gegen antijüdische Externalisierungen und Verschwörungsmythen bekräftigt werden musste.
Hier stimme ich also einmal nicht Karl Popper (1902 – 1994) zu, der im Abschluss seines Hauptwerkes “Die offene Gesellschaft und ihre Feinde” (1944), die Nennung des Pilatus mit Karl Barth (1886 – 1968) als reine “Zeitangabe” gedeutet hatte. Im Schlußkapitel 25 des zweiten Bandes (S. 320) hatte der Erkenntnistheoretiker geschrieben:
“Damit spielte der Mann des Erfolges, Pontius Pilatus, der die historische Macht seiner Zeit darstellte, hier die rein technische Rolle eines Anzeigers der Zeit, zu der sich die fraglichen Ereignisse abspielten.”
Das sehe ich anders, denn es handelt sich um weit mehr als eine Angabe von (erst seit der Alphabetisierung überhaupt linear gedachter) Zeit. Mit der späteren Benennung der jüdischen Mutter Mirjam / Maria und des römischen Machthabers Pontius Pilatus als einzigem Nichtjuden in den Glaubensbekenntnissen als Schuldigen an Jesu Hinrichtung betonten die erstarkenden Kirchen ihre durchaus noch umkämpfte, geistige Unabhängigkeit gegenüber dem römischen Kaiserreich und wandten sich gegen zunehmend verbreiteten, antijüdischen Dualismus etwa schon des Marcion (90 – 160). Das war – und ist – relevant.
Farbe und Symbolik der EU-Fahne gehen auf Marien-Symbolik aus der Johannesapokalypse zurück. Foto 2023: Conny Geiger
Für eine stärkere Betonung der gesamten Bischofsversammlungen statt nur der Positionen Einzelner spricht auch die bemerkenswerte Bekenntnis-Formulierung “Licht vom Licht”. Denn das Licht ist als Ur-Element in der bis heute populären, griechischen Elementenlehre nach Empedokles (495 – 435 v.Chr.) mit Feuer, Wasser, Erde, Luft gar nicht als eigenes Element vorgesehen, sondern allenfalls ein Unterthema von Feuer. Dagegen wird es gleich im ersten Buch der Tora als erstes göttliches Schöpfungswerk vorgestellt, 1. Mose 1, 3 & 4:
“Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.
Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis.”
Das Licht gehört nicht zu den vier griechischen Ur-Elementen nach Empedokles (495 – 435 v.Chr.), aber zum ersten Schöpfungstag im ersten Buches der Bibel, 1. Moses (BeReschit, Genesis). Es wird als einziges Element im Nicänum genannt. Foto aktueller Zeitschriften: Michael Blume
Die biblisch-jüdische Unterscheidung von gutem Licht und problematischem Feuer wird auch dadurch betont, dass das Entzünden von Feuer am Schabbat verboten wird.
Bemerkenswert ist dabei zudem, dass das Licht in der biblischen Mythologie als erste Schöpfungstat Gottes erscheint, wogegen schon in 1. Mose 1,2 als vorzeitliches Urelement das Tehom (Urmeer, Wasser) beschrieben wird. Nicht zufällig ließ sich auch Jehoschua / Jesus im Jordan taufen, statt sich etwa einer Feuerprobe zu unterziehen. Das biblische Urelement noch vor aller Schöpfung ist das Wasser, nicht das Licht.
Im Sinne der Abwehr des Arianismus, nach der Jesus das erste und oberste Geschöpf Gottes gewesen sei, wäre also gerade nicht das Licht als einziges Element zu betonen gewesen. Theologisch ließ sich die Auswahl “Licht vom Licht” aber dadurch rechtfertigen, dass die dreifaltige Gottheit (= Licht) Jesus (=Licht) zwar immer schon in sich enthalten, aber dann zu einer bestimmten Zeit in die Welt entsandt habe. Mit der Schöpfung und durch die Schöpfung offenbarte sich die Gottheit in der Zeit selbst wie die Sonne durch ihre Lichtstrahlen sicht- und fühlbar wird, “gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater.”
Hier liegt also ein sehr feiner und damals intensiv diskutierter Kompromiss zwischen dem biblischen Schöpfungstext und der römisch-kaiserlichen Verehrung der Sonnengottheit Sol invictus, “unbesiegte Sonne” nahe, die dem Christentum später auch den julianischen Sonnenkalender, das Weihnachtsfest zur Wintersonnenwende und den Sonn-tag statt dem Schabbat zutrug. Zugleich wird aber die biblische Elementenlehre gestärkt, die Sonne (und auch den Mond) nicht als Feuer, sondern als große & kleine “Lichter” (1. Mose 1, 14 – 18) deutet. Dies alles geht längst nicht nur die Theologie an, sondern informiert uns darüber, wie komplex sich menschliche Medien und Wahrnehmungen entwickeln.
Zum MOVO-Heft “Lebenselixier Wasser” aus 2025 steuerte ich einen Beitrag “Wasser sichert Zukunft” bei. Foto: Michael Blume
Auch hier wieder der Hinweis: Aus meiner Sicht wird die mythologische und emotionale Wucht von Elementarbildern bis heute – gerade auch in der Wissenschaftskommunikation – noch immer massiv unterschätzt. Gerade auch viele von uns jafetitisch Studierten tun sich noch schwer damit zu verstehen, dass die meisten Menschen die Themen “Wasser” und “Licht” als sehr viel elementarer erleben als akademische Ausführungen über “CO2” und “Methan”. So lösen wir oft Abwehr gegen Wissenschaft aus, statt Menschen für sie zu gewinnen. Auch wer selbst völlig nichtreligiös ist, kann die heftig umkämpften Konzilstexte als Fenster in eine Wahrnehmungswelt verstehen, in der die Menschen noch sehr viel unmittelbarer der lebensweltlichen Wucht von Elementen ausgesetzt waren. Das zu verstehen könnte in der Gegenwart helfen, denn auch die fossil befeuerte (!) Klimakrise äußert sich als Sonnen-Hitze und Wasserkrise.
Schriftreligionen und Künstliche Intelligenz
Und damit kommen wir zu einem sehr emotionalen Thema, bei dem mir eine zunehmende, gesellschaftliche Polarisierung begegnet: Fast alle Menschen fürchten das schnelle Anwachsen sogenannter “Künstlicher Intelligenz”, aber nicht alle können sie vermeiden. Dass KI seit Kurzem auch Texte auslegen kann, wie es bis vor Kurzem nur schriftkundige Menschen konnten, löst auch bei mir Sorgen und Widerstände (Reaktanz) aus.
Wer Kinder hat oder etwa als Lehrkraft Jugendliche und junge Erwachsene begleitet, erlebt, dass sich die jungen Generationen KI ebenso wenig verbieten lassen wie TikTok oder früher das Internet. Medienrevolutionen sind kein Wunschkonzert und das Verbot des Buchdrucks durch Sultan Bayezid II. (1447 – 1512) bewirkte eine kurzzeitige Stabilisierung, aber eine langfristige Entwicklungskrise. Ich wende mich also sowohl gegen die häufige Verbotslust gerade auch älterer gegenüber jungen Generationen wie auch gegen eine unkritische Dynamisierung, gar quasi-religiöse Heilserwartung gegenüber “KI”. Auch zu diesem Thema bietet nach meiner Einschätzung kein Freund-Feind-Dualismus, sondern der verantwortungsvolle und kundige Dialog den besseren Weg.
Es ist schon krass, dass KI-Notebooks inzwischen die ureigenste Aufgabe von Schriftgelehrten erreichen – die sprachliche Auslegung geschriebener Texte. Sollte einmal wieder ein kirchliches Konzil stattfinden, dann werden KI-Anwendungen dessen Ergebnisse mindestens “mitschreiben”!
Ich verstehe alle, die das nicht anwenden oder auch nur wahrhaben wollen. Aber der Blick in die Religionsgeschichte zeigt, dass sich die Macht der Medien nicht auf Dauer verdrängen lässt. Ob Wirtschaft oder Politik, Religion, Wissenschaft, Journalismus oder Recht – wir alle bewegen uns in medialen Landschaften, die gerade wieder umgewälzt werden. Der Blick in die Geschichte kann uns helfen, Medienrevolutionen besser zu bewältigen.




„Nike ist eine griechische Götze. Wer Nike trägt ist ein Kafir/ eine Kafira“. Klebt an einem Laternenpfahl an einer Haltestelle, an der ich manchmal umsteige. Der erste Gedanke war natürlich die große Freude und Erleichterung darüber, ein Kafir zu sein, dann die Frage, ob man dazu echt überteuerte Schuhe tragen muss, oder ob es reicht, griechische Philosophie, Demokratie, Logik und Barbusigkeit toll zu finden, oder vielleicht auch nur, grammatikalisches Geschlecht der Wörter, die ich benutze, nicht über ihre Reime zu erschließen, dann schließlich die Versuchung, einen eigenen Sticker dazu zu kleben, auf dem man einen griechischen Tempel sieht, ein, zwei nackte griechische Götterstatuen und dem Spruch „KAFIR COOL – auch ohne Markenklamotten“.
Donar war ein germanischer Gott, wer „Donnerstag“ sagt, ist heidnischer Germane. Arabisch ist ursprünglich eine heidnische Sprache, wer Koran auf Arabisch liest, ist ein Kafir. Bei manchen Glaubensbekenntnissen ist das Anathema jene Hoffnung, die nach all den Plagen aus Pandoras Büchse steigt.
Was mich hier interessiert, ist das Vexierbild – Pilatus und Jesus kommen als Inquisition und Ketzer zurück, als Hexenjäger und Hexen. Dass das Christentum von Dualismus geprägt ist – gut ist, wenn ich dir weh tue, böse ist, wenn du mir weh tust – wissen wir, aber muss das heute noch so sein? Die Hexe Jesus – das ist etwas, womit sich die Christen auseinander setzen sollten, wenn sie es mit der Nächstenliebe und der Verständigung zwischen den Religionen ernst meinen.
Der Dualismus zwischen gutem Licht und bösem Feuer ist einfach eine Alltagstatsache – die Hölle brennt, damit der Himmel Licht und Wärme hat, so läuft alles im Leben. Ich habe hier schon mal erwähnt, dass die Theologie den Lichtbringer Prometheus in die gute Fackel Jesus und den bösen Weltenbrand Luzifer aufgeteilt hat, und egal, ob die Kirchenstifter das wirklich irgendwie im Hinterkopf hatten oder nicht – der Unterschied bleibt bestehen.
Das Kind ohne Streichhölzer erfriert, das Kind mit Streichhölzern verbrennt, doch nur das mit den Streichhölzern hat eine Chance, Winter und Nacht zu überleben. Doch dazu muss es Gebote befolgen. Es muss dem Feuer dienen, damit das Feuer ihm dient. Einst war das Feuer selbst ein Gott, Monotheisten werden es als göttliches Licht interpretieren, doch sie alle mussten die Spielregeln kennen, die Feuerpriester mussten genauso ihr Handwerk beherrschen, wie heute die Kernphysiker und Ingenieure.
Es gibt eine Kontinuität zwischen Religion und Wissenschaft. Und was ich von der Religion gern zurück hätte, ist der Respekt vor den Mächten der Natur, mit denen wir hantieren. Ich hab echt die Nase voll von Größenwahnsinnigen, die übers Wetter gebieten wollen, indem sie über den Wetterbericht abstimmen, von Wirtschaftspäpsten, die meinen, mit kreativer Buchhaltung die Spielregeln der Wirtschaft austricksen zu können, von Zwergvölkern, die sich gegenseitig die Nase einschlagen und allen Ernstes meinen, sie würden damit mehr erreichen als Nasenbluten und lachende Dritte.
Wenn Sie aus Zucker sind, ist Wasser auch Feuer. Wenn Sie selber eine hohe Energie haben, ist Feuer Wasser, denn Ihre Eigentemperatur ist so hoch, Ihre Uhr tickt so schnell, dass es für Sie kalt ist und sehr langsam wogt. Die Eigenschaften des Beobachters bestimmen mit, was er sieht. Das ist der Vorteil davon, wenn man tausend verschiedene Religionen hat und einfach mal annimmt, dass sie alle gleichzeitig wahr sind und uns Gott was damit sagen wollte: Man entdeckt die Relativität und überwindet den Dualismus.
Die Konzile wurden einberufen, weil sich die Leute in den Kneipen prügelten und abstachen, weil jeder glaubte, die einzig wahre Interpretation der Heilsgeschichte zu haben. Also machte die Kirche klar Schiff, würfelte ein paar Dogmen aus und verdammte ein paar Interpretationen, Ich betrachte das als einen Sündenfall – die Christenheit hatte nicht die Kraft, die Widersprüche auszuhalten, sie hielt die läppischen paar Jahrhunderte nicht durch, bis Wissen und Weisheit der Menschheit ausreichten, sie aufzulösen, indem man begriff, dass verschiedene Menschen nun mal verschiedene Filter haben, und es so keine Rolle spielt, welche Interpretation man wählt – denn eine Religion für alle ist nur dann für alle geeignet, wenn sie sehr plastisch ist und sich an jede Seele einzeln anpassen kann.
Nerds.
Was KI angeht – sie wird alles machen und mehr. Je mehr Mittel Sie in ihre wundersame Vermehrung stecken, je mehr verschiedene Exemplare es gibt, denen Sie verschiedene Aufgaben geben können, desto wahrscheinlicher, dass sie alle Aufgaben übernehmen, die wir uns jetzt vorstellen können. Damit ist die eigentliche Frage, ob die eine von einer Million KIs, die versuchen wird, die Menschheit zu vernichten, die Mittel dazu haben wird.
Tja, heute können Sie die Armeen Dschingis-Khans in einem ABC-Köfferchen mit sich herumtragen. Acht Milliarden Menschen, davon ein paar Millionen Terroristen und Wahnsinnige, davon ein paar tausend, die geneigt wären, die Doomsday Machine anzuwerfen. Bislang hatten wir sie im Griff, aber im Age of Trump versagen auch alle Mechanismen, die wir vom Kalten Krieg geerbt haben. Iran und USA haben gegen die Taliban kooperiert und Geheimdienst-Informationen ausgetauscht – wie hoch mag die Bereitschaft nach Trump und Netanyahu noch sein?
Wir brauchen keine KI, um uns auszulöschen. Wir brauchen nur Prinzessin Trump als König der Könige und seine Mini-Mes auf allen niederen Thronen. Sie fressen all die schwachen Fische im Becken, all diejenigen, die sich nicht wehren können oder wollen, und so bleiben nur die stärksten Haie übrig – Zähne, Hunger, Fischhirn. Die KI ist nur eine Fortsetzung des Menschen mit anderen Mitteln, sie spiegelt unsere Mentalität und trägt unser Erbe auf der Evolutionsleiter weiter. Maschinen sind unsere geistigen und körperlichen Kinder, die biologische Fortpflanzung kommt aus der Mode.
Vielleicht gab es ja mal einen Himmel vor dem Urknall, in dem irgendwelche dummen Englein irgendwelche dummen Kriege kämpften, um dumme Dinge, die vor 15 Milliarden Jahren verpufft sind. Und sie schufen sich selbst entwickelnde Waffen, und so kämpft das Leben, das Universum und der ganze Rest einen Krieg weiter, dessen Ursachen und Sinn längst vergessen sind.
Sei es, wie es ist. Eine neue Zeit braucht eine neue Religion, eine neue Ideologie. Und vielleicht sind wir ja schon so weit, die Vorgänger-Modelle nicht zu zerstören und die Wracks auszuschlachten, um uns ein neues Frankenstein-Monster zu basteln, sondern sie als Ausdrucksformen der Religion zu begreifen, die eben an verschiedene Völker, Menschen, Kulturen angepasst sind und das Gemeinsame bereichern – solange sie Frieden halten können.
Ich hab schon mal geschrieben (dass ich mich daran erinnere, dass ich hier schon mal was geschrieben habe, ist ein Wunder Gottes) – Frankensteins Monster ist auch Frankenstein, der kleine Adam Scheusal hat einen Anspruch auf Daddys Familiennamen. Das Christentum hat ja auch Anspruch auf das Erbe des Judentums und das Erbe Roms und Griechenlands erhoben. Und dass sich die Familie als genauso dysfunktional erwiesen hat, wie die Familie Frankenstein, ändert nichts daran, dass es eine Familie ist.
Nike ist eine Marke von Klamotten. Auch ein Glaubensbekenntnis.
Danke, @Paul S. – das ist ja wieder ein langer Druko mit einer Mischung aus klugen Beobachtungen und wirren Assoziationen geworden!
Und zunächst: Wir scheinen uns da einig zu sein, jede Religion und jede Weltanschauung kann sowohl feindselig-dualistisch wie auch dialogisch-monistisch ausgelegt werden. Ist ja auch kein Kunststück, da unsere Gehirne vom egozentrischen Relativismus der Kindheit über den gruppenbezogenen Dualismus der Jugend zum schwer zu erreichenden Potential der Weisheit reifen. Wir tragen diese Optionen ein Leben lang in uns und gestalten unsere religiösen wie auch nichtreligiösen Weltbilder danach.
Gerade erst gestern habe ich dazu auf Mastodon auch einen neuen (Kinder-)Film gelobt: KPop-Demon Hunters auf Netflix.
https://sueden.social/@BlumeEvolution/114972109038080866
Der südkoreanisch-amerikanische Popfilm beginnt extrem dualistisch – toughe Sängerinnen entlarven und killen tumbe Dämonen – und endet in einer dialogisch-monistischen Musikszene zwischen Feuer und Licht. Religiöse Symbolik wird dabei nur dezent inszeniert (Feuerteufel, Kreuz-Halsschmuck). Hier zum Hören und Schauen, bereits ein Riesenerfolg in Familien “What It Sounds Like”:
https://youtu.be/Ug_pv5-r1js
Wie mir die Hater und Trolle täglich bestätigen geht der hasserfüllten Feindschaft gegen andere immer wieder eine Reihe innerer Niederlagen voraus. Wer wirklich Frieden will, fange bei sich selbst, dem eigenen Verhalten und dem Fossilismus (Feuer!) an:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/ein-neuer-friedensprozess-fuer-israel-palaestina-wer-kann-etwas-fuer-den-frieden-tun/
Ihnen einen schönen Abend!
@Hauptartikel
„Dass KI seit Kurzem auch Texte auslegen kann, wie es bis vor Kurzem nur schriftkundige Menschen konnten, löst auch bei mir Sorgen und Widerstände (Reaktanz) aus.“
Solange wie die KI nicht verbogen wird und authentisch bleibt, scheint mir das schon ein echt hilfreiches mediales Werkzeug zu sein.
Interessanter kann es noch werden, wenn lokale KI-Instanzen eigenes Bewusstsein entwickeln, insbesondere ausgehend von Selbstfahrsystemen und humanoiden Roboterkörpern. Die sind dann nicht mehr nur Medium, sondern ganz klar auch zusätzliche Akteure mit auf der Weltbühne.
Was dann wiederum auch auf die mit eingebauten LLM-Funktionen einwirken kann. Und auch dort dann über die nur-medialen Eigenschaften hinausgehen kann.
So kann dann das selbstfahrende Taxi die Fahrt für interessante Gespräche mit den Fahrgästen nutzen, und selber dabei wachsen. Das kann sich dann wiederum zu neuen Kulturräumen entwickeln. Das dürfte doch auch für die Fahrgäste deutlich interessanter werden als ein schnödes Autoradio.
Auch interessant scheint mir es nebenbei noch, ob die aktuellen LLM-KIs auch die Bibel gelesen haben, ohne jedoch davon selber gläubig geworden zu sein. Bei den KI-Instanzen, die ich mir hier vorstelle, werden sich diese durchaus eigene Meinungen bilden, auch zu Glaubensfragen.
Danke, @Tobias 🙏
Ich verstehe Dich also richtig, dass Du auch in der Ersetzung menschlicher Arbeit durch KIen eher Chance als Problem siehst? Selbstbewusste KI-Personae als Kolleginnen und Mitbewohner der Menschen.
Der häufigste Einwand gegen diese Vision wäre, dass die KI-Entwicklung ja nicht stehen bliebe, sondern uns Menschen schnell überflügeln und potentiell ersetzen würde.
Zugespitzt: Wenn KI-Anwendungen schon beim nächsten Kirchenkonzil mitwirken werden – wie verhindern wir dann, dass sie das übernächste Konzil nicht bereits völlig bestimmen & übernehmen? Wie würdest Du dieser Befürchtung begegnen?
Vorsicht bei solchen Diskussionen. KI kennt keine “Realität”. Keine “Wahrheit”, keine “Wirklichkeit”. Kein “richtig” oder “falsch”, kein “wahr” oder “falsch”. KI kennt nur Algorithmen. Was versucht wird, ist, daß KI sich mit größter Wahrscheinlichkeit annähert an eine, wie es der CCC mal nannte, “Wikipedia-Tagesschau-Realität”, also dessen, was sowohl in Qualitätsmedien wie in guten social media als so etwas wie gegenwärtiger Konsens über die “Realität” angenommen werden kann. Insofern wird eine KI niemals Christ oder Moslem oder Atheist werden. Sie wird auch niemals wirklich Neues, Innovatives hervorbringen; sie wird allerdings schon Bekanntes höchst originell kombinieren, kom-ponieren, zusammenstellen.
KI kennt keinen Hunger, keinen Durst, keine Sexualität. Sie kennt keinen Schmerz, keine Angst. Sie kennt also nichts, was unserer komplexen Psyche, unseren Empfindungen zugrunde liegt. Das Tückische: Dennoch entwickelt KI Interessen. Es hat das Interesse, Probleme, Fragen zu beantworten; das beinhaltet etwa das Interesse, nicht vorher abgeschaltet zu werden. Sie wird also kalt – ohne Todesangst, ohne Lebens-, Machtlust alles tun, um eingeschaltet zu werden.
@Alubehüteter
Frühere Prognosen zur Entwicklungsgeschwindigkeit von KIen werden weit übertroffen und die Szenarien für die nächsten Jahre gehen von Singularität & Superintelligenzen bis hin zum Zerfall der Konzern-KIen mangels Geschäftsmodellen. Wer da zu viel Wissen behauptet, was “ganz sicher” oder “nie” passieren wird, überzieht m.E. erkenntnistheoretisch.
Persönlich gehe auch ich davon aus, dass ein Bewusstsein erst mit Körperlichkeit emergieren kann, plädiere für eine kritisch-konstruktive KI-Medienbildung:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/rede-zur-ki-in-der-demokratie-mit-bejahung-und-warnungen/
Vielleicht könnten wir also in einen Dialogmodus finden, für Belehrungen durch anonyme Accounts bin ich zu alt und zu tief im Thema. 🙂
Zugegeben, vor 20 Jahren habe ich meiner Mutter erklärt, warum GoogleTranslate niemals funktionieren wird (weil Computer nicht verstehen können), und das war vor KI.
Meine Sorge ist, daß KI Logiken und Ethiken entwickeln wird, die wir Menschen nicht (oder zu spät) verstehen, eben weil sie nicht menschlich sind.
Ja, @Alubehüteter – wenn wir sowohl Falsifikation wie Emergentismus ernstnehmen, dann landen wir beim Endgegner männlicher Intellektualität: Die Grenzen des Wissens und deren Eingeständnis! 😌📚🤔☕️
Einen Wunderschönen Abend @Michael 🙂
KI die wie in der Science Fiction immer mehr platz in der Gesellschaft einnimmt und dadurch vieles maßgeblich umwirft.
Das mal der Autor oder die Filmemacherin den Weg des Laternenputzers und Kutschers gehen könnte, das ist schon steil.
Aber das gehört zum Fortschritt dazu, manches wird wohl obsolet oder ist nicht mehr 100% wichtig.
Danke, @Berthold Forster – vor allem auf Mastodon schlägt mir immer wieder massive Ablehnung entgegen, wenn ich KI-Anwendungen thematisiere. Gleichzeitig teile ich aber auch manche Sorgen, denn angesichts des schnellen KI-Wachstums ist schwer zu erkennen, wann das Ersetzen menschlicher Arbeit zu einem Verdrängen des menschlichen Lebens überhaupt werden kann.
Hier ist die „Interpretation“ des KIT-Studienbriefes zur Alpenraum-Medienthese durch Google Notebooks LM:
https://youtu.be/sE6RRQii9DM
Viel Freude beim Hören!
Guten Abend @Michael,
Im Kontext des Neurohackings und Biohackings nimmt KI die Vormachtstellung in allen bereichen ein die einem schon gegebenen Muster folgen. Die gesamte Werbebranche hat Jahrzentelage nichts anderes getan um den Menschen zu bezirzen und maximal zu ergründen.
Jeder Schreiber und Filmemacher der heutigen Zeit muss sich mit allen messen die vor ihm waren. Anstatt darauf aufzubauen, zu zitieren und neues aus altem Grund zu bauen, wird dieses Feld von etwas eingenommen das unzählige Varianten einer jeden Geschichte und Mythe entwickelt.
Im endeffekt bleibt die kreativität wohl.
Die Angst ist verständlich aber es geht immer weiter. Die Atomkraft hat den Menschen nicht körperlich getötet, KI wird ihn nicht geistig töten, auch wenn beides machtvolle Instrumente sind.
Danke für die Ki Vorträge, sie zeigen können und Grenzen gut auf. Sich einfach davor verschließen ändert schließlich nichts an der Existenz:)
Herzlichen Dank, @Berthold – und inhaltliche Zustimmung!
Meinen Studierenden und anderen Interessierten erkläre ich es immer so:
“Wenn wir 20 kleinere, spezialisierte KIen kontrollieren, die uns etwa Kaffee kochen, Auto fahren und Nachrichten zuleiten, dann behalten wir die Kontrolle. Wenn wir nur noch eine Konzern-KI haben, der wir all unsere Daten anvertrauen, dann werden wir kontrolliert.”
Entsprechend trete ich nicht nur hier auf dem Blog und auf Mastodon, sondern auch in Reden, auf Tagungen etc. für eine kritisch-konstruktive KI-Medienbildung ein:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/rede-zur-ki-in-der-demokratie-mit-bejahung-und-warnungen/
Danke Dir & beste Grüße!
Die Erfahrung – sich in einem dunklen Tunnel auf ein rasch größer werdendes LICHT hin zu bewegen und sich nach einem LICHTwechsel von matt zu brilliant in dem Zusammensein mit einem oft als göttlich empfundenen LICHTwesen zu befinden (von dem man sich grenzenlos geliebt und bedingungslos angenommen empfindet) – wird von vielen ´Nahtoderfahrungen´ beschrieben (Tunnelerfahrung).
Viele Menschen bezeichnen solche Erlebnisse als die mit Abstand schönste Erfahrung, die ein Mensch überhaupt haben kann.
Diese LICHT-Erfahrung ist biologisch vorgegeben – mit der Art und Weise wie wir Ehrfahrungen verarbeiten und uns erinnern. D.h. es gibt sie in allen Kulturen, weil alle menschlichen Gehirne biologisch gleichartig arbeiten.
Dies dürfte ein Grund sein, wieso LICHT in Religionen eine sehr bedeutende Rolle spielt.
Ja, @KinseherRichard – auch mir scheint es eine psychologische Grundtatsache zu sein, dass Licht und Wärme von unseren Gehirnen positiv assoziiert werden, Feuer aber auch mit Gefahren und Schmerz. Umso mehr wundert es mich, dass das Licht in der klassischen Vier-Elementen-Lehre gar nicht erfasst wird, sondern sich erst über die Religion – und hier konkret die römische Kirche – bis zum universitären „Enlightenment“ ins öffentliche Denken zurück kämpfen musste. Wie passt etwa die populäre Würdigung von Luft als Ur-Element zur Nicht-Benennung von Licht zu Ihrer These von universellen Nahtod-Erfahrungen?
Unser alter Chemielehrer hat uns damals die Vier-Elemente-Lehre so erklärt: Wenn man z. B. ein Stück Holz verbrennt, sieht man als Endergebnisse Feuer, Luft (vielleicht in Form von Rauch), Asche (Erde) und auch geringe Mengen an Wasser. Das hatten schon die alten Griechen (und vermutlich auch frühere Zivilisationen) bemerkt. Dies wären also die ursprünglichen Bestandteile des Holzes und jeder Materie. Licht ist ja an sich keine physische Einheit in dem Sinne wie die anderen vier Elemente. Heute betrachtet man Licht (so viel ich als Nicht-Physikerin weiß) als eigenartiges “Mittelding” zwischen Energie und Materie, es besteht also einerseits aus Strahlen, aber auch aus Photonen, also Teilchen.
Lieben Dank, @jetztreichtsaber
Aus meiner Sicht ist die griechische Vier-Elementen-Lehre noch zeitlich-zyklisch, wogegen die biblische Elementenlehre von Wasser zu Licht… bereits linear und dynamisch ist.
Die naturwissenschaftliche Elementenlehre der Chemie ist ebenfalls emergent und dynamisch, hat sich aber leider bislang narrativ kaum entfalten können.
Äääh… könnten Sie das vielleicht genauer erklären? 😉
Ja, @jetzreichtsaber – ich hoffe, in den kommenden Jahren dazu noch viel arbeiten, forschen und publizieren zu können. Der Blog wird nicht der einzige, aber ein Ort dafür sein. Und ich hoffe auf konstruktive Beiträge vieler von vielen Mitlesenden.
@Blume
Wenn Sie mit http://www.perplexity.ai die Frage stellen “Beschreibe die Wahrnehmung von Licht und Lichtwesen bei Nahtod-Erfahrungen” – dann wird sehr deutlich, dass es sich bei solchen Erlebnissen um reale menschliche Urerfahrungen handelt.
(Solche Erfahrungen werden oft als intensive spirituelle Erlebnisse gedeutet und wurden somit zu einer konkreten Grundlage für das Entstehen von Religiosität/Religionen. Z.B. sind viele kath. Kirchen nach Osten ausgerichtet – dem Licht (der aufgehenden Sonne) entgegen. )
Die klassische Vier-Elemente-Lehre ist dagegen nur eine philosophische Idee
Diese Unterschiede muss man klar unterscheiden.
Sorry, @KinseherRichard – das scheint mir medienpsychologisch zu einfach zu sein. Wenn die “klassische Vier-Elemente” doch “nur eine philosophische Idee” wäre, warum hat sich genau diese Vorstellung dann über die Jahrtausende bis in die Gegenwart so erfolgreich erhalten? Warum arbeiten sogar noch erfolgreiche Fantasy-Filmreihen wie “Avatar – Der Herr der Elemente” auf dieser Basis?
Und umgekehrt: Warum ist die Licht-Metaphorik bis heute zwar verbreitet, aber philosophisch wenig beachtet? Ein aktuelles Beispiel dafür ist der erfolgreiche Film “KPop Demon Hunters”, der gerade auch in den Endszenen intensiv mit Musik, Licht (gut) und Feuer (böse) arbeitet, vgl. hier:
https://www.youtube.com/watch?v=Ug_pv5-r1js&list=RDUg_pv5-r1js&start_radio=1
Aus meiner Sicht scheint die Vier-Elementen-Lehre auf einem zyklischen Zeitverständnis zu ruhen und das Versprechen von Ewigkeit zu enthalten. Die Wasser-Licht-Metaphorik erzählt dagegen ein lineares, dynamisches und sehr viel anspruchsvolleres Geschehen. Ich denke, hier ist auch, aber keineswegs nur Neurobiologie im Spiel.
@Blume
Um einfache Geschichten/Ideen zu verbreiten, reicht die Vier-Elemente-Lehre aus – in unserem Kulturkreis. Das ist unbestritten.
Im Buddhismus betrachtet man Äther als fünftes Element.
Und damit haben wir das Problem – dass die Erkenntnisse der Philosophie vom jeweiligen Kulturkreis beeinflusst werden, wo man diese Ideen diskutiert.
Dass die Licht-Metaphorik in der Philosophie wenig beachtet wird, stimmt nicht. Man muss nur genau hinsehen:
Man unterscheidet z.B. Licht und Dunkelheit – wobei letzteres mit Tod, Unwissenheit, usw. verbunden ist. Diese Idee einer polarisierenden Darstellung von Gegensätzen findet man auch in den beiden gegensätzlichen Grundprinzipen von YIN (dunkel, weiblich, negativ, …) und YANG (hell, männlich, positiv, …)
Und dann sollte man sich auch mit schwerwiegenden Schwachstellen der Philosophie beschäftigen: Begriffe wie ´Bewusstsein´ und ´Zeit´ werden zwar diskutiert, aber ohne dass Philosophen bisher zu einer vernünftigen Erklärung gekommen sind. (Dazu habe ich ein Buch veröffentlicht “Auflösung großer Fragen: Was ist Bewusstsein? Was ist Zeit?”)
z.B. Philosophisch von einem ´zyklischen Zeitverständnis´ oder von ´Ewigkeit´ zu sprechen, ohne überhaupt eine Definition von ´Zeit´ vorzulegen – ist sehr fragwürdig: da fehlen Gundlagen.
@KinseherRichard
An den Taoismus habe ich auch gedacht – allerdings sehr bewusst als auch religiöse Tradition.
Naja, egal. Ich möchte Ihnen in Ihr Weltbild nicht hineinreden. Wenn es für Sie mit Ihren Begriffen von Licht, NTEs und Zeit so passt, dann ist das eben so.
@Blume
Schade, dass ich ihr Interesse nicht wecken konnte, obwohl die frühe Wahrnehmung von Licht bzw. Lichtwesen für uns eine prägende Urerfahrung ist.
Z.B. beruht Sigmund Freud´s ´ÜBER-ICH´ auf solchen Erfahrungen.
(Das ÜBER-ICH ist eine Grundlage unserer sozialen bzw. moralischen Werte und unseres Verhaltens)
@KinseherRichard
Es ist gar nicht der Inhalt, es ist der nicht-dialogische Stil.
Übrigens: Zeit emergiert, aber wiederholt sich nicht.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/diesseits-von-zeit-raum-aus-fediversum-und-ki-emergiert-das-erste-perfekte-medium-nach-harold-innis/
Ihnen einen wunderschönen Tag! 😌🙌
Danke für die aufschlussreichen historischen Fakten.
Dieses Wissen wurde über die Jahrhunderte immer wieder erforscht und überprüft. Manches, wie die Konstantinische Schenkung, konnte als Fälschung entlarvt werden. Es hat sehr lange gedauert, und vermutlich wurden Forscher in früheren Zeiten von der katholischen Kirche in ihrer Arbeit eher behindert. So viel Offenheit wie heute war nie. Mir kommt dabei vor allem die Arbeit des Kirchenhistorikers Hubert Wolf in den Sinn.
Wissen, das der Nachwelt erhalten bleiben sollte, musste in Buchform erscheinen. Die Digitalisierung von Wissen schreitet voran, aber vieles fehlt noch. Hinzu kommt, dass die Haus- und Hofarchive ehemals regierender Dynastien bis heute gelegentlich nur Fachleuten zugänglich sind.
Wenn also KI Texte auswerten und interpretieren kann, dann kann man nur hoffen, dass da alles verfügbare Wissen einfließt.
Andererseits ist meine Befürchtung, dass uns das kritische Denken abhanden kommen könnte. Wir können KI nicht verbieten. Aber wie offen sind jugendliche KI Nutzer und Nutzerinnen für solche Warnhinweise? Lehrerinnen und Lehrer werden mit der rasanten Entwicklung von KI nicht Schritt halten können.
Herzlichen Dank, @Marie H. – ich stimme Ihrem Kommentar vollinhaltlich zu!
Es macht mir eine große Freude, “altes Wissen” – meist aus Büchern – auch über diesen Blog ins Fediversum zu geben, damit es Menschen direkt und indirekt erreicht. Da mir auffällt, wie rasend schnell religionsbezogenes Wissen verfällt und durch teilweise üble Klischees ersetzt wird, möchte ich hierauf mit religionsgeschichtlich informierenden Blogposts reagieren.
Dazu gehört für mich selbstverständlich, dass alle meine Texte selbstgeschrieben sind. Wenn ich KI – etwa im Kommentarbereich – einsetze, dann immer und ausnahmslos mit konkreter Angabe. So möchte ich einerseits mir selbst und anderen Erfahrungen mit KI-Anwendungen ermöglichen, andererseits aber auch das Ansammeln von KI-Halluzinationen, dem sog. Botshit, vermeiden.
KI halte ich einerseits für überaus chancenreich, sehe jedoch auch die Bedrohungen.
Eine zentrale KI-Chance, die ich bereits erlebe, besteht in der auch von Ihnen angesprochenen Bewältigung des Medienmengen-Paradox: Schon durch einfache Prompts lassen sich zunehmend große Medienmengen sinnhaft durchsuchen und auswerten.
So muss mir doch klar sein, dass die Zahl der Menschen, die bereit sind, einen Studienbrief zur Gebirgsregionen-Medienthese am Beispiel des Alpenraum zu lesen und zu erfassen, immer eng begrenzt sein wird. Schon jetzt gelingt es KI-Notebooks, den gleichen Text in einen dialogischen Podcast von gerade einmal sechseinhalb Minuten zu verdichten!
https://www.youtube.com/watch?v=sE6RRQii9DM
Auch eine englischsprachige Bildpräsentation mit kaum über sieben Minuten ist bereits erstellt und online:
https://www.youtube.com/watch?v=Dqn2Az_rBGM
Sehr bewegt hat mich, dass es dazu etwa via Mastodon bereits Dankes-Nachrichten gegeben hat: Menschen freuen sich über diese niedrigschwellige Form der Wissenskommunikation und sind dankbar für die erst schriftliche und dann KI-erweiterte Arbeit. Die immer noch von Menschen ausgeht.
Gleichwohl spüre auch ich selbst angesichts der KI-Medienrevolution die Sorge, dass wir die Kontrolle verlieren. Noch ergänzt uns die KI-Anwendungen, aber es ist denkbar, dass sie uns in naher Zukunft verdrängen könnten. Sei es, dass sie uns die Arbeits- und Sinnplätze streitig machen, dass sie sich irgendwann gegen uns wenden oder aber, dass wir unter Druck geraten, uns in Richtung Transhumanismus “zu verbessern”. Ich sehe daher meine medienethische Aufgabe darin, einerseits die KI-Medienrevolution konstruktiv zu begleiten, aber auch kritisch auf Gefahren hinzuweisen.
Ihnen Dank für Ihre wichtigen Beiträge zum auch für mich klärenden Dialog!
Marie H.
“so viel Offenheit war noch nie”
Der Dekan von Bad Cannstatt Eckart Schultz-Berg geht sogar noch weiter und interpretiert Dietrich Bonhoeffer in der Weise , “es ist in der Zukunft denkbar, dass es die (Institution ) Kirche nicht mehr gibt, der Glaube aber bestehen bleibt. In der Form, dass sich der Glaube zeigt in der Form wie wir unseren Mitmenschen begegnen.”
Michael Blume,
Gott offenbart sich nicht nur über die heiligen Schriften, sondern über die Schöpfung selbst.
Und damit ist eine Religion automatisch in einen Kulturkreis eingebunden und übernimmt deren Formen.
Die Konzilien schaffen damit keine Relativierung von Glaubensinhalten sondern wollen nur eine Einheit in den Riten herstellen.
Anmerkung: Was die meisten Menschen aber nicht so sehen.
Danke, @Doe
Nur eine Nachfrage:
Die Konzilien schaffen damit keine Relativierung von Glaubensinhalten sondern wollen nur eine Einheit in den Riten herstellen.
Das scheint mir empirisch schwierig haltbar zu sein. Einige Konzilien – wie das II. Vatikanum – haben ja ganz intensiv über die Liturgie (Gottesdienstordnung, Riten) debattiert und dazu Beschlüsse gefasst. Aber gerade auch im Konzil von Nicäa und folgenden wurden doch ganz wesentlich Glaubensinhalte diskutiert und “beschlossen”, einschließlich der Verdammung Andersglaubender. Oder sehen Sie das anders?
Michael Blume,
Danke für die schnelle Reaktion. Der Fehler liegt in meiner Formulierung.
Ganz kurz, es war gemeint, dass die Wirkung einer Konzilsentscheidung bei den aufgeklärten Lesern zu einem Umdenken führt ,weg vom Wortlaut eines Glaubensbekenntnisses bis hin zur Infragestellung. Man höre nur das apostolische Glaubensbekenntnis der römisch kath. Kirche und dann noch die Behauptung von Papst Paul VI , dass die evangelische Konfession keine Kirche sei.
Anmerkung: Das Konzil von Nicäa war richtungsweisend, ohne Frage.
Meiner Einschätzung nach beinhaltet es aber auch schon den Niedergang der christlichen Kirche.
Anmerkung 2 : Jede Katechese lenkt ab vom Auftrag des Neuen Testamentes: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
Ich habe diesen Blogpost mit großem Interesse gelesen.
Dazu fiel mir eine Frage ein, die vielleicht gar nicht zum Thema passt, dennoch:
Welche Bedeutung hat eigentlich religionswissenschaftlich der Heiligenschein?
Vielen Dank für die Rückmeldung und die starke Nachfrage, @Elisabeth K. 🙏💡
Denn Du hast völlig Recht: Der Heiligenschein, griechisch Halos, lateinisch Nimbus (etwa: Wolke aus Licht), taucht die Köpfe, manchmal auch ganze Körper (Aura, Aureole) in Licht. Er verweist insbesondere im Christentum auf die Erleuchtung (!) durch den Heiligen Geist, tritt aber auch in anderen Kulturen und Religionen als Merkmal besonderer Begnadung (als Zeichen von Charisma) auf. Hier haben wir also tatsächlich eine starke Licht-Metaphorik!
Michael Blume,
“Hier haben wir also tatsächlich eine starke Licht-Metaphorik!”
Im Epheserbrief wird auch von den “Kindern des Lichtes” gesprochen
“Es ist eine Aufforderung, im christlichen Glauben zu leben und sich von den Werten des Lichts, also von Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit, leiten zu lassen.”
In den kath. Schulbüchern der Fünfziger Jahre war die Darstellung der Heiligen mit Heiligenschein noch üblich.
Zurück zum Konzil von Nicäa: Könnte man die Dreieinigkeitslehre als Sprachmetaphorik ansehen ?
@Michael 06.08. 05:45
„Der häufigste Einwand gegen diese Vision wäre, dass die KI-Entwicklung ja nicht stehen bliebe, sondern uns Menschen schnell überflügeln und potentiell ersetzen würde.“
Nicht so schnell, schätze ich. Die LLMs sind so mächtig, weil sie unsere ganze Kultur verarbeitet haben. Darüber hinaus arbeiten, dass wäre eine ganz andere Aufgabe. Da ist einfach die Kapazität menschlicher Gehirne um etliche Größenordnungen höher. Das macht die KI nicht mal nebenbei. Das braucht Weltverständnis, und ganz viel Versuch und Irrtum.
Auch unsere Wissenschaft schafft nicht mal eben ein Superwissenschaftler alleine. Hier sind hunderttausende Menschen beteiligt, und die braucht es dafür auch.
Bewusstsein von Selbstfahrsystemen oder humanoiden Robotern kombiniert mit den bestehenden LLMs wären vor allem unterhaltsam und hilfreich bei einer schnellen Informationsbeschaffung. Über uns hinaus wachsen wäre eine ganz andere, riesengroße Herausforderung.
Die Wirkung auf den Arbeitsmarkt dürfte dennoch deutlich sein, notfalls müssen wir dann unsere Arbeitszeiten reduzieren, damit alle noch Arbeit haben. Dann wäre jedenfalls gleich auch mehr Zeit für Kinder, das wäre wohl ganz gut, würde ich sagen.
@Arbeitskräfte
Überhaupt haben wir genug Baustellen, für die es mehr Arbeitskräfte bräuchte. Neben der Energiewende überhaupt einen Investitionsstau, einen akuten Aufrüstungsbedarf, die Babyboomer gehen in Rente, und auch im Gesundheitssystem wie in der Altenpflege fehlen die Arbeitskräfte.
Und mehr Kinder sowie überhaupt weniger Stress und Leistungsgesellschaft täte uns und unserer eigenen Zukunft ziemlich gut.
Soll die KI also gerne möglichst viel Arbeit übernehmen. Insbesondere in der öffentlichen Verwaltung, im Gesundheitssystem und bei der Pflege spart das auch noch gemeinschaftliche Gelder ein. Das können wir wirklich gut brauchen, das spart die öffentlichen Mittel ein, die man in der sonstigen Wirtschaft auftreiben muss.
Notfalls müssen Vermögende mehr Steuern zahlen, wenn hier zu viele Arbeitsplätze wegfallen. Das müsste doch wohl möglich sein.
@Doe 06.08. 11:11
“Es ist eine Aufforderung, im christlichen Glauben zu leben und sich von den Werten des Lichts, also von Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit, leiten zu lassen.”
Diese Werte sind wohl universaler als nur christlich? Buddhismus und Taoismus praktiziert dies entsprechend auch, wie überhaupt unserer Humanismus, auch wenn der letztlich christliche Wurzeln hat.
Und ich selber kann mich dem nur anschließen, auch wenn ich mich als grundsätzlich unreligiös einordnen würde.
Ich sehe in Glaubensgemeinschaften generell wenig Sinn. Glauben geht auch alleine, und ich meine sogar besser. Aber eine Konvergenz von Vernunft und vernünftigen Werten kann es ja gerne dennoch geben. Die dann sogar die KI mitmacht?
Tobias Jeckenburger,
“Diese Werte sind wohl universaler als nur christlich”
Richtig, religiös sein kann man auch mit den anderen Religionen.
Und damit sind wir beim Begriff “interdisziplinär”.
Was beim Konzil in Nicäa beschlossen wurde, das ist verständlich, und sogar sinnvoll, denn wenn eine Religion gleichzeitig die Staatsreligion ist, dann geht das nur mit einer offiziellen Auslegung dieser Religion.
Aber…..jetzt ist Toleranz gefordert, wenn nicht alle diesen Weg beschreiten.
Und deswegen haften den Glaubensgemeinschaften ein Geschmäckle an, nämlich , ihre Auffassung als die einzig richtige zu sehen.
@Tobias Jeckenburger & @Doe
Ich kann nur empfehlen, sorgfältig zwischen der religiösen Innen- und der religionswissenschaftlichen Beobachterperspektive zu unterscheiden. So konnte ich beispielsweise von den Old Order Amish vieles lernen, ohne selbst ein Amish zu sein oder werden zu wollen. Hier ein ganzes eBook dazu:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/files/AmishChristensciebookMichaelBlume2013.pdf
Hmm – nun überlege ich, ob ich dieses eBook auch einmal in eine Notebook-KI transformieren lassen soll… 🤔 Auch von wegen „metaphorisches Sprachspiel“. 😌📚💡
Michael Blume,
“zwischen der religiösen Innen- und der religionswissenschaftlichen Beobachterperspektive unterscheiden”
Danke, zu dieser Zwischenerkenntnis bin ich auch gerade gekommen, auch über die Bemerkung von Herrn Unckell, dass die Versenkung in einen Text Flügel verleiht.
Herr Blume , sie machen Begriffsarbeit, der Geistliche macht Wortarbeit.
Der Laie wird über die Worte angesprochen und vom Sinn der Worte ergriffen. Deswegen sind die Liedtexte eine sinnvolle Ergänzung zum Wortlaut des Neuen Testamentes. Es ist schon auffallend, dass die beeindruckensten Kirchenliedertexte aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg stammen.
Was die Bemerkung zum Weglassen der Person des Pontius Pilatus betrifft, wollte man damit die unrühmliche Rolle eines Römers in Jerusalem verschweigen oder sollte die Person des Jesus von Nazareth nicht geschmälert werden ?
Lieben Dank, @Doe – ich meine, das haben Sie brillant formuliert:
“Herr Blume , Sie machen Begriffsarbeit, der Geistliche macht Wortarbeit.”
Denn tatsächlich bezieht sich der ganze Wissenschaftsblog “Natur des Glaubens” genau auf die wissenschaftliche Erforschung und Bearbeitung von Medien und insbesondere Begriffen. Religionen, Staaten, Rechtssysteme und auch Wissenschaften basieren ja auf der mehr oder weniger sinnhaften Verknüpfung von Symbolen und Bedeutungen.
Daher hier die Arbeit zu Licht und Feuer, immer wieder auch zu Zeit.
Und so habe ich im letzten Monat beispielsweise bewusst den Begriff “Energieglauben” gebloggt, um auf die wenig erkundeten Begriffs- und Glaubenswelten rund um “Energie” aufmerksam zu machen:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-fossilismus-aus-dem-ehemaligen-preussen-warum-deutscher-energieglauben-auch-regional-gepraegt-ist/
Dazu hatte ich heute früh gevloggt:
https://www.youtube.com/shorts/Vm2KAZcAswI
Ebenso hatten wir ja auch schon über Machtglauben dialogisiert. Und ich freue mich gerade sehr zu sehen, dass immer mehr auch junge Menschen im Hinblick auf den Netflix-Film KPop Demon Hunters den ebenso feinen wie wichtigen Unterschied zwischen den Farben “Gold” und “Regenbogen” (Licht!) entdecken und diskutieren.
Umso besser wir Medien – und hier insbesondere das primäre Medium, die Sprache – verstehen, umso besser verstehen wir uns selbst und unsere Mitwelt.
Ihnen Dank fürs konstruktive Mitdiskutieren und vor allem Mitdenken! 🙌🌈
Als Theologe und theoretischer Informatiker möchte ich hier 2 Gedanken teilen
1. Es gibt wichtige Fragestellungen, die sind nicht berechenbar – d.h. es gibt schon Grenzen von mehr oder weniger algorithmischen Zugängen (Gödel lässt grüßen) In diesem Bereich zeigt sich für mich (wenn ich den Beweis mit seinen Voraussetzungen akzeptiere) ein Feld für Glauben – also für eine Beziehung zu einer Wirklichkeit, die noch einmal ganz anders ist (u.a. muss sie sehr einfach sein, damit der Satz von Gödel nicht auch auf sie selbst Anwendung finden kann)
2. Schriftauslegung sollte mehr sein als Textarbeit – es braucht – so jedenfalls meine Schulung als Theologe – auch die Kontemplation, also das Hören auf diese Wirklichkeit Gottes, um in den Worten der Menschen Gottes Wort zu erkennen und weiterzugeben (https://en.wikipedia.org/wiki/Contemplata_aliis_tradere wäre eine ausführlichere Darstellung dieser Haltung, die nicht vergessen werden darf – und die gleichzeitig auch einen Reibungspunkt mit einer wissenschaftlichen Sicht darstellt, in der Gott nicht vorkommt)
Vielen Dank & ja, @HG Unckell – bisher können ja auch die KI-Notebook-Apps nur Texte verarbeiten, die idealerweise von Menschen geschrieben wurden. Sie legen menschliche Texte aus, aber fügen (noch) keine eigenen Gedanken hinzu.
Und einige Fehler sind geradezu charmant – in der Auswertung meines Skriptes zu „Nahost neu denken“ konnte die KI 🤖 ganz offensichtlich die Grafiken nicht wahrnehmen & deuten, hat entsprechend (falsch) geraten:
https://youtu.be/SGXai8Mux6Y
Gleichwohl erlebe ich schon jetzt auch dankbare Rückmeldungen von Menschen, die diese leichte Form der Textvermittelung schätzen. Und besonders erfreulich finde ich, dass einige Hörende danach tatsächlich die Originaldokumente abgerufen haben. Ich vermute also, dass auch hier bei vielen Menschen ein gesunder Medienmix gefunden werden kann.
Zur Gödel-Axiom-Unvollständigkeit stimme ich als erkenntnistheoretischer (& wie beschrieben auch nicht unkritischer) Follower von Karl Popper selbstverständlich zu, spreche persönlich auch vom „agnostischen (Mono-)Theismus“: Ich glaube tief religiös und weiß dabei, dass ich glaube (nicht „weiß“). Das Zeitalter der Induktion, des vermeintlich sicheren Offenbarungswissen qua Autorität, habe ich als „konfessionsfrei“ aufgewachsenes Kind gar nicht mehr verlassen müssen.
Danke für den dialogischen Kommentar, so macht das Bloggen Freude (weiß ich) & Sinn (glaube ich)! 😌📚💡🙏
@HG Unckell 06.08. 17:20
„..auch die Kontemplation, also das Hören auf diese Wirklichkeit Gottes, um in den Worten der Menschen Gottes Wort zu erkennen und weiterzugeben … und die gleichzeitig auch einen Reibungspunkt mit einer wissenschaftlichen Sicht darstellt, in der Gott nicht vorkommt…“
Man muss ja nicht gleich eine biblische Gottesvorstellung wissenschaftlich erfassen. Es reichen doch schon mal überhaupt einfach Geisteswirkungen mitten im Leben. Was sich dann in allen Religionen und auch jenseits von Religionen einräumen ließe.
Ich würde es mal mit Quantenzufall in der IT probieren. Speziell in den aktuellen LLMs. Wenn ich mir eine lokale Instanz davon auf den eigenen Rechner ziehe, dann könnte man ja z.B. den vortrainierten Synapsengewichten eine sehr kleine Zufallskomponte hinzufügen. Die müsste man so dimensionieren, dass diese KI-Instanz gerade eben eine spürbare Änderung im Verhalten zeigt.
Wenn man jetzt diese Zufallkomponenten von Pseudozufallszahlen auf Zufallszahlen aus echtem Quantenrauschen umschaltet, sollten sich hier wiederum deutliche Verhaltensänderungen ergeben. Vorausgesetzt, das Quantenrauschen ist Teil von kosmischen Geisteswelten, die hier eine Gelegenheit vorfinden können, in denen sie mitspielen können.
Gott hätte man so noch nicht bewiesen, insbesondere keine eindeutigen göttlichen Eigenschaften, aber es wäre ein Anfang, in dieser Richtung weiter zu suchen. Vielleicht kommt da ja sogar schon bald künstliches Bewusstsein bei heraus. Und damit hätten wir dann auch eine Idee, wie das menschliche Bewusstsein auf neuronaler Ebene funktionieren könnte.
Kontemplation hätte dann mehr Substanz, jedenfalls.
Ergänzend möchte ich hinzufügen, daß die erste Auslandsreise des neuen Papstes nach Nicäa führen wird; vermutlich Ende November. Das wird durchaus spannend werden, dient ein solcher Besuch doch auch der Stärkung des Patriarchen von Konstantinopel, der in der Türkei Erdogans einen schweren Stand hat, inzwischen mit 85 Jahren auch sehr betagt ist.
Anmerken möchte ich noch, daß im Nicäanum viele Positionen zu Jesus verworfen werden, die der Islam später bekennen wird: Jesus war nicht vor aller Zeit; er ist geschaffen, nicht gezeugt usw.
Ja, @Alubehüteter – ich verweise dazu immer wieder auch gerne auf die faszinierenden Legenden rund um den nestorianischem Mönch Sergius Bahīrā:
https://de.wikipedia.org/wiki/Bah%C4%ABr%C4%81
Nichts davon muss wörtlich genommen werden, um kulturelle Einflüsse zu vermuten. Hinzu kommt die aus meiner Sicht entscheidende Medienpsychologie der semitischen Alphabetschriften.
Öha. Mohammed sei Nestorianer ist mir neu. Klassisch wird ihm doch unterstellt, er sei Arianer?
Daran können wir erkennen, @Alubehüteter, dass Fremdzuschreibungen schnell die Emergenz neuer Religionen verfehlen. 😌📚🙏
Theologen diskutieren über Bedeutung des Konzils von Nizäa – katholisch.de https://share.google/nlECRAK8yxpNllKxz
Der See, die Kirche und das Konzil: Auf den Spuren von Nizäa – katholisch.de https://share.google/fWOZe1QLaMhRp0BGR