Die Evolution bringt auch Religion hervor, das wusste auch Charles Darwin. Audioblog Folge 8

BLOG: Natur des Glaubens

Evolutionsgeschichte der Religion(en)
Natur des Glaubens

Leider kommt es in der Geschichte der Wissenschaften immer wieder vor, dass bereits erarbeitetes Wissen wieder vergessen oder verdrängt wird. So glauben auch heute noch leider viele Menschen, dass Charles Darwin die Unvereinbarkeit von Evolution und Gottesglauben gelehrt hätte. Dafür war Darwin freilich viel zu kundig – immerhin hatte er seinen lebenslang einzigen Studienabschluss in Theologie erworben!

Hier die Audioblog-Folge 8 von Natur des Glaubens zum Thema “Evolution und Religion. Charles Darwin als Theologe”. Zum reinen Hören oder mp3-Download gibt es das Darwin-Stück auch hier bei Soundcloud.

DarwinBuchBild

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) & "Verschwörungsmythen". Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

14 Kommentare

  1. Ich würde mir gerne einen Artikel dazu durchlesen, aber kein Audio hören, bei dem ich nicht die Geschwindigkeit selbst bestimmen kann. Schade dass immer mehr Audio/Video Blogs Text verdrängen 🙁

  2. Naturwissenschaften konnten bis heute die Existenz von Geistern, Gott oder Göttern weder beweisen noch widerlegen. Und in den Geisteswissenschaften gibt es zu metaphysischen Fragen wirklich greifbar nur Ausdeutungen, hoch umstritten bis absolut konträr. Es ist und bleibt eben GLAUBENssache!

    • Dem stimme ich zu, @ORTZ – ergänzt um die Beobachtungen, dass auch Felder wie die Mathematik oder die Rechtswissenschaften zu den Geisteswissenschaften gehören. Und auch die Zivilisationen und Motive, die für Naturwissenschaften notwendig sind, bleiben auf diese vielfachen Formen des Glaubens angewiesen.

        • @ORTZ

          Weil schon die blosse “Existenz” ihrer Gegenstände (Zahlen, Rechte etc.) ebensowenig bewiesen werden kann wie jene höherer Wesen. “Gibt” es Zahlen, erschließen Formeln höheres Wissen, worin gründen Menschenrechte? Werden hier ewige Wahrheiten enthüllt oder handelt es sich doch nur um konstruierte “Hirngespinste” mit bestenfalls zeitweisem Nutzwert?

          • Zahlen und die Beziehungen zwischen ihnen sind als definierte Funktionen graphisch darstellbar, also keine potenziellen Hirngespinste. Die antiken griechischen Mathematiker kannten beispielsweise nur ganze rationale Zahlen, aber aus dem Verhältnis der Quadratseiten zur Diagonale schlossen sie zutreffend, daß es Zahlen geben müsse, welche sie (noch) nicht kennen. Mathematische Hirngespinste?

          • Lieber @ORTZ,

            da sind wir einer Meinung: Auch ich halte die Erkenntnisse der Mathematik für valide und nicht für Hirngespinste. Die gleiche Haltung vertrete ich auch in Bezug zu Erkenntnissen anderer Geisteswissenschaften, z.B. der Rechtswissenschaft und teilweise der Philosophien und Theologien. Ein plumper Reduktionismus wird m.E. auch der erkenntnistheoretischen Realität des Menschen nicht gerecht, vgl.
            https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-empirische-beweislast-der-antitheisten/

            Ihnen alles Gute, danke für die konstruktive Diskussion!

  3. Meiner Meinung nach kann man auch eine evolutionäre moralische Entwicklung in der Bibel beobachten:
    – Vom Alten Testament – dem patriarchalischen Zeitalter (Ex 21,23–25 EU: […] so sollst du geben Leben für Leben, Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand, Fuß für Fuß, Brandmal für Brandmal, Wunde für Wunde, Strieme für Strieme …)

    – zum mosaischen Zeitalter (den 10 Geboten – insbesondere Du sollst nicht töten)

    – zum christlichen Zeitalter / neuen Testament – (Wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin. – Matthäus 5,39).

    Diese Hypothese rundet meiner Meinung nach auch die Offenbarung des Johannes ab, die u. a. als Trost- und Hoffnungsschrift für die im Römischen Reich unterdrückten Christen gedeutet wird, womit sich der Kreis zu den unterdrückten Israeliten des mosaischen Zeitalters schließt.

    Mit herzliche Grüßen,
    M. Schaarschmidt

  4. Ja, netter Vortrag, Herr Dr. Blume, weiterhin viel Erfolg!

    Zu dieser Aussage noch, Artikelüberschrift, kurz:

    Die Evolution bringt auch Religion hervor, das wusste auch Charles Darwin.

    Die Evolution / Entwicklung hat Religion hervorgebracht, sie musste dies nicht tun.

    Ansonsten gibt es natürlich viele Argumente für das Entstehen von Religion, die Träume bspw. sind welche, auch Herrschaftsfragen, die sich in sozial komplexen Strukturen ergeben haben, als der hier gemeinte Primat sesshaft geworden ist, leiten zur Religionsbildung an, es ist halt zu verlockend für Herrschende sich direkt auf einen Gott zu berufen oder gar einer zu sein und last but not least ist die Frage nach Erkenntnis hier anleitend, denn der hier gemeinte Primat ist Weltteilnehmer und nicht Weltbetreiber und insofern nicht für letztliche Erkenntnis erreichbar bzw. andersherum, letztliche Erkenntnis ist nicht für ihn erreichbar. Der Stellvertreter, der Joker sozusagen, muss hier sozusagen Gott sein, bspw. Einstein sah dies ähnlich mit seinen pantheistischen Ansätzen, Spinoza und so folgend.
    Die Naturlehre verifiziert insofern auch nicht (mehr), sondern versucht im skeptizistischen Sinne Provisorien der Erkenntnis zu falsifizieren oder bei Ausbleiben dieser Falsifikation Evidenz sozusagen zu häufen.

    Sehr nett, Herr Dr. Blume, vielen Dank,
    MFG
    Dr. Webbaer

    • PS zu:

      Religionen stifteten den generation-übergreifenden Willen zum Leben.

      Religionen bündeln, das Bündeln an sich ist ein hoher zivilisatorischer Wert, nur so sind Kulturen denkbar und erhaltungsfähig, allein geübte Kultur ist zwar beachtenswert, aber nicht erhaltungsfähig.
      Zynisch oder besser ursisch formuliert ging es natürlich auch darum, “das Weibsstück” unter Kontrolle und der Geburt gegenüber freudig gestimmt zu halten, sog. Feministen liegen insofern mit ihrer Kritik (an Religionen, am “Patriarchat”) schon richtig, wobei es aber blöde bleibt, wenn “am Schluss” kein Personal mehr da ist.
      Der sog. naturalistische Fehlschluss also in dieser Hinsicht kein Fehlschluss ist.

      Wobei es für Maßnahmen dieser Art und der Maßgabe der ‘Bestandserhaltung’ dienend keiner Religion bedarf, korrekt, sie aber hilfreich ist.
      Cooler wäre es womöglich die Religion, gerade diesen Hintergrund meinend, zu ersetzen.

      • @Webbaer, abgesehen von der arg respektlosen Sprache: Gerade auch in den wohlhabenden Ländern verweigern sich mehr Männer als Frauen verantwortlicher und ggf. kinderreicher Elternschaft. Auch in Religionsgemeinschaften bringen sich Frauen durchschnittlich häufiger und stärker als Männer ein.

        Entsprechend ist es einfach nicht richtig, Frauen die primäre “Schuld” für Geburtenmangel zuzuschieben. Vgl. z.B. hier: http://m.faz.net/aktuell/politik/kinderwunsch-maenner-schrecken-vor-familiengruendung-zurueck-1330475.html

        • Lieber Herr Dr. Blume,
          ‘Schuldzuweisungen’ erfolgten weiter oben nicht.
          Stattdessen ist Ihr (dankenswerterweise beigebrachte) Vortrag ergänzt worden, denn Religionen, die auch gesamtgesellschaftlich umfassend sein dürfen, dann deutlich eher als Herrschaftssysteme zu bearbeiten wären, hier beißen sich womöglich Religionswissenschaft und Politologie ein wenig, meinen das Soziale und auch die Fortpflanzung.
          Dies ist ja womöglich eine Ihrer Hauptaussagen, der Grund, warum Sie hier sind (und etwas zu sagen haben),

          Hmm, also “das Weibstück”, besonders despektierlich klingt diese Formulierung hier nicht, will womöglich schon angeleitet werden, unter uns Familienvätern darf dies womöglich so geschrieben bleiben.

          Jedenfalls, was die Arbeit der Fortplanztung meint, die leider leider notwendig ist.

          Semi-religiöse Nachricht, bspw. aus dem Hause Schwarzer, Sybille Berg, Judith Butler, Françoise Sagan & Simone de Beauvoir leistet hier nicht oder zumindest unzureichend – wenn keine Nachkommen feststellbar sind.

          Insofern schlägt Ihr Kommentatorenfreund die Sicht vor, dass etwas gut oder “gut” ist, wenn es funktioniert.
          ‘Respekt’, also wörtlich das besondere Zurückblicken auf den oft Älteren, nach der Verabschiedung, damit dieser seinen Weg findet oder dies zumindest nahe liegt, darf in dieser kleinen Erörterung gerne draußen bleiben.

          MFG + schönen Mittwoch noch,
          Dr. Webbaer (der gerade an Zahnschmerzen leidet, vielleicht auch deshalb womöglich ein wenig unvorteilhaft war, weiter oben)

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