Dialog statt Lautstärke, Vielfalt statt Blase – Gedanken zum Abschied von MP Winfried Kretschmann

Wenn Sie diese Zeilen lesen, werden die Wahlergebnisse aus Großbritannien wahrscheinlich bereits vorliegen – und auch nach meiner Erwartung ein weiteres Desaster sowohl für die einst konservative Tory-Partei wie auch für die einst progressive Labour anzeigen.

Die beiden Gründe für meine skeptische Erwartung kennen Lesende von „Natur des Glaubens“ längst: Rechtsmimesis und Parteiblasen.

Mimesis bedeutet, dass wir Menschen durch Medienwelten bis in unsere Gefühle hinein geprägt werden – „Wer wirbt, wirkt!“ heißt es daher auch in der Werbung. Der Versuch, den medialen Rechtsruck in Demokratien aufzuhalten, indem dieser kopiert wird – also die Rechtsmimesis – ist daher nach meiner Einschätzung immer und ausnahmslos zum Scheitern verurteilt. Ich gehe so weit zu behaupten, dass nur jene demokratischen Parteien quer durch ganz Europa die digitale KI-Umwälzung überleben werden, die zeitnah ihre inhaltliche und personelle Mitte wiederfinden.

Ein Schaubild zu "Medien & Mimesis: Die Macht der medialen Nachahmung" von Dr. Michael Blume. Es zeigt, dass Menschen nicht nur äußerliche Verhaltensweise, sondern auch Ziele nachahmen und also durch immer mehr Medien beeinflusst werden können. Als Lösung werden Menschenwürde, ein bewusst "wertschätzende Mimesis der Mitte" und medienethische Verantwortung vorgeschlagen.

In diesem Schaubild für ein KIT-Seminar in Medienethik versuchte ich darzustellen, dass jedes neue Medium von der Schrift über das Radio bis zur KI die Medialisierung und also Mimesis verstärkt: Wir Menschen verbringen durchschnittlich immer mehr Zeit in medialen Räumen und werden dadurch psychologisch und auch emotional geprägt. Grafik: Michael Blume mit NotebookLM

Parteiblasen beschreibt wiederum die politische Ausprägung der medialen Zerblasung: Umso stärker sich Menschen (wie auch ich es seit Jahrzehnten tue) in demokratischen Parteien engagieren, umso mehr bestärken sie sich medial und vor allem digital gegenseitig. Hinzu kommen gezielte, von Reichen finanzierte Medien und Spaltungskampagnen wie sie Oliver Kalkofe bei Fun Facts thematisierte.

Das Ergebnis ist eine oft verstärkte Blasenbildung, eine wachsende Distanz zu anderen Lebenswelten (auch der Wählerinnen und Wähler) und eine sinkende Kompromissbereitschaft zu Demokratinnen und Demokraten anderer Parteien. Erstmals warnte ich als Politikwissenschaftler davor 2017 und sehe inzwischen europa- und weltweit auf Ebene der Nationalstaaten immer weniger stabile Koalitionsregierungen.

Beide Effekte werden übrigens durch die Demografie verstärkt: In Gesellschaften mit immer weniger jungen Menschen werden sich die meisten Medien und Parteien immer stärker auf die Ängste und Sorgen der älteren Generationen (etwa gegenüber Migration oder Altersarmut) einlassen und dagegen die Themen der jüngeren Generationen (wie die Klimakrise oder die Überforderungen junger Familien) zurückstellen. Die demografische Traditionalismusfalle und Verfassungskrise in Südkorea und die Fremdenangst bei einem Ausländeranteil von etwa drei Prozent in Japan wurden hier bereits vorgestellt und auch mit Kommentierenden diskutiert.

Erfahrungen in und Hoffnungen für Baden-Württemberg

In dieser Woche hatte ich die große Ehre, mich beim vierten Ministerpräsidenten persönlich verabschieden zu dürfen, für den ich arbeiten durfte: Nach Erwin Teufel, Günther Oettinger und Stefan Mappus (alle CDU) war dies Winfried Kretschmann (Grüne), der fünfzehn Jahre lang in Koalitionen je mit der SPD und CDU regierte. Auch seine Ehefrau Gerlinde Kretschmann und viele seiner engen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter habe ich über die Jahre auch menschlich kennen und schätzen gelernt. Nach meiner Lebens- und Berufserfahrung gibt es engagierte und vertrauenswürdige Menschen quer durch alle Milieus und demokratischen Parteien – und wer alle Andersdenkenden für dumm und böse hält oder Parteipolitik über die Verfassungen von Bund und Ländern stellt, hat weder die Menschen noch die Demokratie verstanden.

Und wenn ich auch nicht zu denen gehörte, die ihre (CDU-)Parteimitgliedschaft oder ihre thematischen Einschätzungen der Karriere wegen verleugnen, so darf ich doch sagen, dass die Zusammenarbeit auch mit MP Kretschmann von gegenseitigem Vertrauen, Loyalität und Respekt geprägt war. Dazu trug auch das gute Verhältnis zum Vize-MP und Innenminister Thomas Strobl (CDU) bei, der ebenfalls großen Wert darauf legte, Landespolitik vor Parteipolitik zu stellen und dessen Abschiedsrede zugunsten des MP auch weithin gewürdigt wurde.

Die Vorstände der Israelitischen Religionsgemeinschaften Baden und Württemberg beim Abschiedstreffen mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann und dem Beauftragten Dr. Michael Blume im Staatsministerium Baden-Württemberg, Februar 2026

Durchaus wehmütiger Abschied nach fünfzehn Jahren mit Ministerpräsident Kretschmann und den Israelitischen Religionsgemeinschaften Baden und Württemberg, Februar 2026. Foto: Staatsministerium BW

Demokratisch wurde ich daher auch gebeten, für einen Sammelband zu Ehren des MP einen Rückblick auf den bisher anspruchsvollsten Auftrag meines Lebens zu verfassen: auf die Leitung des Sonderkontingentes für 1.100 besonders schutzbedürftige Frauen und Kinder aus Kurdistan-Irak.

Darin beschrieb ich auch die beiden einzigen Mittel, die ich gegen den Zerfall von Demokratien durch Rechtsmimesis und Parteiblasen sehe: Die Menschenwürde-Mimesis und den Dialog in echter Vielfalt.

Mit Menschenwürde-Mimesis ist gemeint, dass wir alle – und gerade auch unsere gewählten Spitzen – empathisch darauf achten, die Würde auch ärmerer, zugewanderter, weiblicher, queerer, anders- und nichtglaubender Menschen zu wahren. Worte und Gesten sind politische Taten und wer Menschengruppen durch unsensible oder gar feindselige Sprache ausgrenzt, beschimpft oder gar abwertet, befeuert nach meiner Einschätzung die demokratische Zerblasung.

Das Menschenbild bestimmt die Wahrnehmung vom Stadtbild.

Und wer heute vor Bankern spricht, spricht nicht mehr nur vor Bankern und was vor Schülerinnen und Schülern außenpolitisch gesagt wird, kann weltweite Auswirkungen haben. Auch werden ganze Interviews zunehmend auf einzelne, zur Empörung einladende Sätze reduziert.

(Wer hier Entsprechungen zur bundesdeutschen Gegenwart findet – ja, genau.)

Den Dialog in echter Vielfalt – an den ich sowohl demokratisch-zivilreligiös wie auch biblisch-religiös und philosophisch glaubebeschrieb ich als existentielle Erfahrung so:

„Es ist die zentrale Lehre, die sich mir aus diesen Monaten ergab: In Zeiten der Beschleunigung und Krise brauchst Du besonders vielfältige Teams, weil niemand mehr das ganze Bild sehen kann.

Du brauchst Leute, die ganz anders sind als Du selbst und Dir so vertrauen, dass sie Dir loyal und deutlich widersprechen. Nur so sind Entscheidungen möglich, die jeden Einzelnen überfordern würden.

Vielleicht erleben Sie es ja auch so: Die entscheidenden Gespräche in jedem Leben sind leise. Denn es kommt auf das gegenseitige Zuhören an.“

Hier sehe ich auch die Stärke vielfältiger Parlamente – zumindest in Zeiten von Zeitung und Radio. Schon die Fernsehdemokratie stärkte Parteivorsitzende gegenüber dem Grundgesetz und die Konzern-betriebene Digitalisierung stellt unser Demokratiemodell durch massive Desinformation grundsätzlich in Frage.

Und genau das ist auch der Grund, warum ich bereits vor Jahren Facebook, Instagram und X verlassen habe und mich stattdessen im Fediversum wohl fühle, hier dialogisch blogge, auf Mastodon das morgendliche „Tässle Kaffee“ reiche. Algorithmische Konzernmedien gefährden aufgrund der Mimesis nicht nur unsere Gesellschaften, sondern auch unsere je individuelle Psyche. Wer täglich Hass und Hetze in die Timelines gespült bekommt, wird dadurch mimetisch verändert. Wir sind dort keine Kundschaft, wir sind das Produkt!

Und so freue ich mich darüber, dass der durch Teams um Cem Özdemir (Grüne) und Manuel Hagel (CDU) erfolgreich verhandelte Koalitionsvertrag von 2026 mit den ebenso drastischen wie leider wahren Sätzen eröffnet:

„Unser Land steht vor der größten Herausforderung seit seiner Gründung. Die Welt herum verändert sich schneller und tiefgreifender, als viele es vor wenigen Jahren für möglich gehalten hätten.“

Ich meine, dass die Einschätzung stimmt. Deswegen habe ich mich bewusst dafür entschieden, die Einladungen sowohl zur Konstituierung des neuen Landtags am 12. Mai 2026 wie auch zur Wahl des neuen Ministerpräsidenten am 13. Mai 2026 in das Hohe Haus unseres Landes anzunehmen. Die parlamentarischen Demokratien sind weltweit unter Druck, die Verantwortung von gewählten Abgeordneten ist größer denn je. Wer sie annimmt, verdient unser aller ehrliche Unterstützung. Meine, glaube und hoffe ich.

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

22 Kommentare

  1. Ich bilde mir mal ein, dass heute Werbung keine Rolle mehr spielt, sondern Verwirrung – die nächste Stufe der wohlmeinende Kompromiss der Politiker längst durch Deals verdrängt worden ist, bei denen es nur darum geht, möglichst viel ideologischen und wirtschaftlichen Ramsch für möglichst viel Profit loszuwerden, ohne Rücksicht auf Konsequenzen.

    [Wegen Überlänge und unangemessener Sprache gekürzt, M.B.]

    • Danke, @Paul S. – doch ich bin mit Ihrer „Einbildung“ nur teilweise einverstanden. Es ist richtig, dass Menschen – auch in der Politik – heute viel mehr Werbung und auch Propaganda erleben als früher. Gerade erst hat Kollegah ein drastisch rechtsmimetisches „Killuminati“-Video veröffentlicht, das ich hier kommentiert habe:

      https://m.youtube.com/shorts/ZlsGyncsmUY?ra=m

      Mit der Diagnose „Verwirrung“ kann ich also weit mitgehen, nicht aber durch den pauschalen Vorwurf der Profit-orientierten Deals. So gab es in der deutschen Politik durchaus korrupte Russland- und Aserbaidschan-Netzwerke und auch heute noch ist der Fossilismus stark in der deutschen Bundespolitik und Berliner Konzernmedien.

      Doch die massive Korruption vergangener Jahrzehnte, die etwa zu den Smogtoten von London oder zum Untergang der italienischen Christdemokratie führte, sehe ich heute allenfalls in den USA, weniger in der EU.

      Ich erlebe im Land quer durch die demokratischen Parteien viele hoch engagierte Politikerinnen und Politiker, die sich wirklich bemühen, innerhalb der Parteiblasen zu bestehen und aus ihnen heraus zu wirken. Und wenn auch nicht alles gelingt und die alten Regeln kaum mehr gelten, so verdienen es diese vielen nicht, mit den Trumps, AfD-Netzwerken und Verschwörungsunternehmern zusammen gesteckt zu werden. Da bei aller Kritik fair zu unterscheiden bleibt mir wichtig.

      Vier Monate vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt geht die AfD als Favoritin ins Rennen. Im Sachsen-AnhaltTrend von infratest dimap gewinnt die AfD an Zustimmung. Mit 41 Prozent ist der Abstand zur CDU, die auf 26 Prozent kommt, deutlich.

      Im Vergleich zur letzten infratest-Umfrage im vergangenen September legte die AfD um zwei Prozentpunkte zu.

      Ministerpräsident Sven Schulze, der seit 100 Tagen im Amt ist, macht auch die Bundesregierung für die Werte verantwortlich. „Die Menschen hier sind unzufrieden mit dem, was sie aus Berlin bekommen und ich bin es ehrlich gesagt auch“, sagte der CDU-Politiker dem MDR.

      „Noch nie haben schlechte Werte der Bundesregierung so starke Auswirkungen auf eine Landtagswahlumfrage gehabt, wie wir es im Moment erleben.“ Es sei jetzt wichtig, den Menschen zu sagen, dass es bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt nicht um einen Denkzettel für die Bundesregierung gehe.

      https://www.tagesschau.de/inland/wahlen/afd-umfragehoch-sachsen-anhalt-100.html

      Ich sehe hier meine These – leider – deutlich bestätigt, wonach Rechtsmimesis nicht wirkt, sondern die Parteien der Mitte zerlegt. Wie auch in Großbritannien…

  2. Guten Morgen @Michael,

    Der Rückblick auf die Leitung des Sonderkontingentes ist sehr lesenswert!

    Beim Lesen wird mir umso schmerzhafter bewusst, wie weit wir (in Gesellschaft und Politik) uns mittlerweile von der dort beschriebenen solidarischen Haltung entfernt haben. Besonders deutlich wird mir das vor Augen geführt, wenn staatliche Stellen in Deutschland inzwischen auf höchster Ebene mit den Taliban zusammenarbeiten, um Abschiebungen effizienter organisieren zu können. Um Straftäter (und möglicherweise nicht nur straffällig Gewordene) abschieben zu können, arbeitet man mit Terroristen zusammen. Über das traurige Kapitel des nicht eingehaltenen Schutzversprechens gegenüber afghanischen Ortskräften haben wir hier im Blog ja bereits mehrfach gesprochen.

    Vielleicht trägt genau das wiederum zu der allgemeinen gesellschaftlichen Abwärtsentwicklung bei – diese vielerorts zu beobachtende Umkehr von Werten und moralischen Maßstäben: Terroristen werden plötzlich zu Ansprechpartnern. Familien, die einen wertvollen Beitrag zu unserem Gemeinwesen leisten, werden über Nacht abgeschoben. Die Friedensbewegung ist unterwandert von Querdenkern und Rechtsextremen. Die mächtigste Nation der Welt wird von Menschen geführt, die offen zentrale Werte der Aufklärung infrage stellen. Und so weiter.

    Vielleicht ist es gerade diese globale Vermischung von Rollen, diese moralische Verwirrung und die zunehmende Umkehrung von Gut und Böse, die bei vielen Menschen eine kaum noch auszuhaltende kognitive Dissonanz erzeugt – sodass am Ende nur noch die einfachsten Wir-gegen-die-Erzählungen als scheinbare Orientierung dienen.

    • Vielen Dank, lieber @Peter – und ich stimme Dir auch in den psychologischen Annahmen sehr zu!

      Wenn deutsche „Christ“- und „Sozial“-Demokraten sogar mit den Taliban verhandeln, um Abschiebezahlen zu erhöhen, dann glauben sie: Das wird viele verängstigte Menschen beruhigen und zurück in die politische Mitte führen.

      Doch ich nehme die gegenteilige Wirkung wahr: Menschenverachtung wird normalisiert. Und wenn selbst afghanische Frauen und sogar einst mit Deutschland arbeitende Ortskräfte politisch geopfert werden, steigt eben auch die Angst vieler Menschen, selbst etwa im Alter oder bei Krankheit geopfert zu werden. Es wundert mich daher überhaupt nicht, dass die Wortbrüche und abwertende Sprache unseren Bundeskanzler Friedrich Merz zum unbeliebtesten Bundeskanzler ever gemacht haben. Anstatt einer ohnehin verunsicherten Bevölkerung Sicherheit zu geben, fühlen sich immer mehr Menschen abgewertet und abgezockt. Was sollen etwa Mütter, Ehrenamtliche und auch Christinnen sagen, wenn der Kanzler nur reiche Leute als „Leistungsträger“ bezeichnet? Leisten Eltern, Kommunalpolitiker, Vereinsvorstände, Ordensleute und Wissenschaftlerinnen etwa nichts? Warum sollten Parteimitglieder als „Nicht-Leistungsträger“ für einen solchen Vorsitzenden jemals wieder plakatieren? Wir erleben stattdessen eine Mitglieder-Austrittswelle…

      https://www.tagesspiegel.de/politik/generalsekretar-alarmiert-linnemann-befuchtet-austritt-von-bis-zu-50000-mitgliedern-aus-der-cdu-15567118.html

      Überparteilich beliebte Demokratinnen und Demokraten wie Winfried Kretschmann, Angela Merkel, Daniel Günther zeichnen sich dadurch aus, dass auch Andersdenkende einen stabilen Menschenwürde-Kompass wahrnehmen. Ich war mit Winfried Kretschmann keineswegs immer einer Meinung – doch ich wusste, dass sich mein Team und ich auch im Irak unbedingt auf ihn verlassen konnten. Der Mann hat mehr christlich-demokratische Überzeugung als jeder Rechtslibertäre, der in der Betliner Blase fossilen Hass-und-Hetze-Medien nachdackelt.

      Ebenso galt das Wort von Bundeskanzlerin Angela Merkel auch international als verläßlich und die ostdeutsche Physikerin zeigte mehr Format als die Horde privilegierter Parteisoldaten, die allen Ernstes geglaubt haben, sie könnten Deutschland mit einem Blackrock-CEO wie einen Konzern „durchregieren“.

      Durch den historischen und vor allem auch internationalen Vergleich versuche ich jedoch auch, sowohl die politikwissenschaftlichen Thesen zu stärken wie auch nationale Überpersonalisierungen zu vermeiden. So imitierte der britische Labour-MP Keir Starmer die Rechtsmimesis der Tories – und zerlegt damit seine früher sozialdemokratische Partei ebenso wie die untergehenden Konservativen.

      Zeit ist ja unser gemeinsames Thema, lieber @Peter – und ich freue mich immer wieder sehr über Deine klugen, tiefen, dialogischen Kommentare! 🙏🙌💡

  3. Herzlichen Dank für Ihre Würdigung von Winfried Kretschmann und auch seiner Frau Gerlinde Kretschmann. Wir unterschätzen sehr häufig, dass die Arbeit eines Ministerpräsidenten mit großem persönlichem Verzicht im Privatleben einhergeht. Dies fordert enormes auch vom Partner/ der Partnerin.

    Die politische Gesamtsituation ist derzeit düster und gibt wenig Anlass zur Hoffnung.

    Dennoch habe ich in den letzten Tagen wieder etwas mehr Zuversicht. Nächste Woche kommt eine neue Landesregierung ins Amt. Grüne und CDU verfügen über eine 2/3 Mehrheit im Landtag. Damit verantwortungsbewusst und vorsichtig umzugehen, wird für Cem Özdemir und Manuel Hagel sowie die Regierungsfraktionen eine der Herausforderungen sein. Sie wissen beide darum.

    Die fünfzehn Jahre von MP Kretschmann haben in der baden-württembergischen Gesellschaft die Basis geschaffen, auf der nunmehr die künftige Regierung gut arbeiten kann.

    Dies ist im Moment um so wichtiger, weil das Vertrauen in und die Zufriedenheit mit der Bundesregierung Tiefstwerte erreicht.

    Wenn es aber der Regierung in BaWü gelingt, ruhig, sachlich und dem Gemeinwohl verpflichtet ihre Aufgaben anzugehen und zu lösen, dann kann das im besten Falle dazu führen, dass in der Bundesrepublik insgesamt wieder mehr Vertrauen in die demokratischen Parteien entsteht. Das ist dringend nötig.

    Seinen Anteil daran hätte auch Winfried Kretschmann.

    • Vielen Dank, @Marie H. – und ich empfinde es auch so, wie Sie es schreiben:

      Die politische Gesamtsituation ist derzeit düster und gibt wenig Anlass zur Hoffnung.

      Dennoch habe ich in den letzten Tagen wieder etwas mehr Zuversicht. Nächste Woche kommt eine neue Landesregierung ins Amt. Grüne und CDU verfügen über eine 2/3 Mehrheit im Landtag. Damit verantwortungsbewusst und vorsichtig umzugehen, wird für Cem Özdemir und Manuel Hagel sowie die Regierungsfraktionen eine der Herausforderungen sein. Sie wissen beide darum.

      Die medial-digital befeuerte Rechtsmimesis ist der Charaktertest heutiger Menschen und also auch Politikerinnen und Politiker – und ich habe aus guter Kenntnis beider die Hoffnung, dass sowohl Cem Özdemir wie auch Manuel Hagel diese Prüfung menschlich und politisch bestehen. Ich denke zudem auch, dass ein Teil der Probleme von Friedrich Merz darauf zurückgeht, dass er noch nie Regierungserfahrung etwa als Oberbürgermeister, Landesminister o.ä. gesammelt hat. Ein schneidender Rhetoriker als Fraktions- und Parteivorsitzender ist eben noch lange kein Verwaltungsprofi und Integrator. Ich empfehle wirklich allen jüngeren Talenten, die nach Rat und Tips fragen, immer die realen Regierungserfahrungen, die notwendig aus den reinen Parteiblasen hinausführen.

      Wenn es aber der Regierung in BaWü gelingt, ruhig, sachlich und dem Gemeinwohl verpflichtet ihre Aufgaben anzugehen und zu lösen, dann kann das im besten Falle dazu führen, dass in der Bundesrepublik insgesamt wieder mehr Vertrauen in die demokratischen Parteien entsteht. Das ist dringend nötig.

      Interessanterweise ist Ulrike Herrmann ganz unabhängig von uns in der Kritik der Bundespolitik zu ganz ähnlichen Beobachtungen und Schlussfolgerungen gekommen:

      https://bsky.brid.gy/r/https://bsky.app/profile/did:plc:x7vfp7rt4gbywara7ljm5e2s/post/3mldlos3dhs2h

      Klar ist, dass es inzwischen auch auf Landesebene Parteiblasen gibt und dass auch keine demokratische Partei davor gefeit ist. Umso wichtiger scheinen mir Orte des überparteilichen, interreligiösen und auch wissenschaftlich informierenden Dialoges. Ich denke und hoffe, „The Länd“ kann das schaffen!

      • Über Ihre Antwort freue ich mich sehr. Mit großem Interesse habe ich auch Ihren Kommentar zu den Ausführungen von @Peter Gutsche gelesen.

        Sie schreiben in Ihrer Antwort auf meinen Kommentar:

        „…dass ein Teil der Probleme von Friedrich Merz darauf zurückgeht, dass er noch nie Regierungserfahrung… gesammelt hat.“

        Das mag einer der Gründe sein. Mir scheint es beim Bundeskanzler darüber hinaus auch an Flexibilität zu fehlen. Damit ist keineswegs Beliebigkeit gemeint. Prinzipien zu haben, ist doch positiv.

        Aber man muss immer wieder bereit sein, sich selbst zu hinterfragen oder sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen. Was über die Geschehnisse in der Villa Borsig zwischen ihm und seinem Vizekanzler zu lesen war, zeigt mE diesen Mangel. Ob er Lars Klingbeil angeschrieen hat oder nicht, ist nicht so relevant wie der Anschein, dass der Bundeskanzler die Contenance verloren habe.

        Niemand kann aus seiner Haut. Auch der Kanzler nicht. Daraus mache ich ihm keinen Vorwurf.

        Dass der Bundesrat gestern gegen die Entlastungsprämie gestimmt hat, vermittelt den Eindruck mangelnder Kommunikation zwischen Kanzleramt, Finanzministerium und Bundesrat. Gerade beim Föderalismus sollte doch mit Vorsicht agiert werden.

        In diesen Tagen geistert der Begriff „Bootcamp“ durch die Medien. Unabhängig von der negativen Eigenschaft des Begriffs, sind Schulungs- und Informationsveranstaltungen für neue und/oder junge Abgeordnete an sich eine gute Sache. Was allerdings der Chef des Axel-Springer-Verlags dort – auf Einladung – zu suchen hatte, scheint mir Beleg für eine besondere Nähe Einzelner in der Union ausgerechnet zu dem Haus zu sein, das ständig der AfD den roten Teppich ausrollt.

        Der neuen Landesregierung kann man nur wünschen, dass sie BILD und WELT auf Abstand halten können.

        • Ganz herzlichen Dank für Ihre freundliche Antwort und die weiterführenden Beobachtungen, @Marie H. 🙏

          Dass ich in den vergangenen Jahrzehnten vom Jugendgemeinderat und Gemeinderat von Filderstadt über das Land, Berlin und Brüssel bis in den Irak und die UNO in New York vielfältigste Erfahrungen und Beobachtungen machen durfte, empfinde ich mit großem Dank, aber auch als politikwissenschaftliche Verantwortung.

          Entsprechend habe heute morgen in einer Diskussion über die Wirtschaftskompetenz in Bund, Ländern und Kommunen geschrieben:

          Ich erlebe tatsächlich, dass in der Berliner Blase auch „meiner“ #CDU „die Wirtschaft“ vor allem in Form von (meist fossilen) Konzern-Lobbyisten auftaucht. Dort wird noch immer allen Ernstes erzählt, Erneuerbare wären „Kostentreiber“ & würden also Arbeitsplätze vernichten.

          In Ländern und Kommunen sind dagegen mittelständische und kleine Unternehmen viel präsenter, die längst post-fossil unterwegs sind, mit Wärmepumpen, PV, Batteriespeichern, Elektromobilität & vereinzelt auch schon Elektrolyseuren vor Ort Werte & Arbeitsplätze schaffen.

          Leider scheint es auch hier dem einstigen Blackrock-Buddy, Privatflieger und Bundeskanzler #Merz bisher nicht zu gelingen, mal ernsthaft über die Blase fossiler Konzernbürokraten hinaus zu blicken. Mit echter Wirtschaftskompetenz hat der Fokus auf fossilen Lobbyismus längst nicht mehr zu tun – im Gegenteil!

          https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116543114898241823

          Über meine zahlreichen Warnungen vor digital noch befeuerten Parteiblasen, die also auch in Parlamentsfraktionen reichen, haben wir uns ja bereits ausgetauscht. Deswegen finde ich es wirklich wichtig, dass Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitiker bereits mehrjährige Regierungserfahrungen in Kommunen, Ländern oder Themenministerien wie etwa dem Familien- oder Umweltministerium gesammelt haben. Ansonsten droht ihre Wahrnehmung von Institutionen und, ja, auch Menschen verkürzt zu sein.

          Dies habe ich übrigens nach der Wahl auch Manuel Hagel so gesagt – und freue mich sehr, dass er ein starker Innenminister wird. Ich denke, darin steckt auch für ihn persönlich eine Chance, als Sachpolitiker und Führungskraft zu wachsen und auch in der Öffentlichkeit vertieft wahrgenommen zu werden. Günther Oettinger hatte dies ja auch öffentlich betont – und auch in dieser Frage stimmte ich ihm zu.

          Meine obigen Ausführungen zur Vielfalt auch im eigenen Team sind wirklich nicht nur so dahergetippt, sondern entsprechen auch beruflichen Erfahrungen in Jahrzehnten digital-medialer Beschleunigung.

          Der neuen Landesregierung kann man nur wünschen, dass sie BILD und WELT auf Abstand halten können.

          Durch die WELT habe ich ja bereits auch persönlich unfaire Kampagnen erlebt und überlebt – hier im Süddeutschen ist ihr Einfluss bereits geschrumpft und weiter abnehmend. Der Abdruck eines Wahlaufrufs von Elon Musk für die AfD hat auch vielen Christdemokratinnen und Christdemokraten außerhalb der Berliner Blase gezeigt, wo die Loyalitäten fossiler Konzernmedien im Zweifel zu finden sind.

          Bewusst hatte ich jedoch auch eine mutige Journalistin in einem bundesweit beachteten Artikel zur Medienethik und Mimesis gewürdigt:

          „Die Leiterin des Ressorts „Meinung“ der Zeitung, Eva Marie Kogel, hatte daraufhin – medienethisch völlig zu Recht – ihre Kündigung eingereicht.“

          https://www.herder.de/hk/hefte/archiv/2025/10-2025/medien-und-mimesis-journalismus-in-zeiten-digitaler-aufmerksamkeitsoekonomie/

          Wie viele Journalistinnen und Journalisten in Deutschland, aber auch etwa in Ungarn sogar beim dortigen ÖRR bereit waren und sind, sich für fossilen Lobbyismus und gar Faschismus bezahlen zu lassen, empfinde ich als sehr ernüchternd. Es unterstreicht, dass wir leider im Notfall auch auf diesen Berufsstand nicht zu große Erwartungen verallgemeinern dürfen.

  4. @Michael 08.05. 08:32

    Was sollen etwa Mütter, Ehrenamtliche und auch Christinnen sagen, wenn der Kanzler nur reiche Leute als „Leistungsträger“ bezeichnet?

    Dann sollten doch diese Leistungsträger mehr Beiträge zur Gemeinschaft leisten. Das wäre doch wirklich weiterführend.

    Sich nur selber bereichern hilft der Gemeinschaft wenig. Daran fehlt es wohl nicht.

    Das müsste doch ein Merz als ehemaliger Blackrockmanager eigentlich wissen?

    Klar bleibt, das gute Politik die Interessen aller Menschen im Auge haben müsste. Und Diskurse braucht, die hier wirklich vernünftige Horizonte einschließen.

    • Vielen Dank, @Tobias 🙏

      Du fragtest:

      Das müsste doch ein Merz als ehemaliger Blackrockmanager eigentlich wissen?

      Nach meiner Beobachtung und auch Erfahrung kommt es in der aktuellen Medienwelt immer weniger nur auf Wissen und immer mehr auf das Fühlen von Empathie an. Können wir uns noch in Menschen einfühlen, die anders leben als wir selbst? Oder halten wir die Menschen außerhalb unserer jeweiligen Blase für uninteressant, faul, ja dumm? Ich meine: Die meisten Menschen spüren das.

      Deswegen heißt mein anerkennender Text zu Ehren von Winfried Kretschmann bewusst: „Empathie – Die Sprache der Nächstenliebe ist leise“

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/files/Empathie-als-Sprache-der-Naechstenliebe-Michael-Blume2026.pdf

      Mir war es dabei auch wichtig, Engagierte anderer Parteien zu würdigen, die sich wie der damalige Finanzminister Nils Schmid (SPD) und der Landtagsabgeordnete und Arzt Bernhard Lasotta (CDU) (1969 – 2019) für das Sonderkontingent stark gemacht hatten. Mitmenschlichkeit oder auch den Mangel daran gibt es nach meiner Erfahrung quer durch die demokratischen Milieus.

      Hier sehe ich auch große Überschneidungen zur Dialogphilosophie und zur Ergänzung vom emotionaler, sozialer und kognitiver Intelligenz. Wer nur noch seine eigene Blase „spürt“ und auch nicht gezielt andere Stimmen an sich heranlässt, manövriert sich nach meiner Auffassung anhand von medialer Beschleunigung, Klima- und Demografiekrise erkenntnistheoretisch und politisch in Sackgassen. Wir können heute in einem Haus leben, aber nicht mehr in der gleichen Welt. An dieser Zerblasung der Wirklichkeit scheitern auch kognitiv sehr kluge und umfassend „wissende“ Menschen. Beobachte ich.

  5. @Michael 08.05. 17:02

    „An dieser Zerblasung der Wirklichkeit scheitern auch kognitiv sehr kluge und umfassend „wissende“ Menschen. Beobachte ich.“

    Das meine ich ja auch mit Horizonten. Wie es Anderen ergeht. Wovon andere Leben, und wie sie sich einrichten können und einrichten dürfen. Und wie sie sich dabei fühlen.

    Es gilt hier nebenbei auch einen ganzen Planeten zu erhalten. Zuviele Leute, denen das ziemlich egal sind, könnten auf die Dauer wirklich fatal werden. Insbesondere wenn es besonders viel Kapital, das ja immer von konkreten Leuten gehalten wird, betrifft.

    Die Investitionen in die richtige Technik machen doch den wirklichen Unterschied. Das können sinnlos subventionierte SMRs sein, aber auch einfach umfangreiche private Investitionen in wirklich Grüne Technik, die nur auf die richtigen Rahmenbedingungen warten.

    Siehe hier:

    https://www.spektrum.de/news/small-modular-reactors-grosses-hoffen-auf-die-kleinen-reaktoren/2319986

    Das sieht mir alles nach Milliardengräbern von öffentlichen Zuschüssen aus. Besser in Wasserstofftechnik investieren, wenn man schon öffentliche Gelder ausgeben will. Aber einfach die Genehmigungen für längst marktreife Grüne Technik fehlen derzeit doch, mit der Folge, dass private Investoren ausgebremst werden. Das sind zugleich auch wirtschaftlichen Möglichkeiten, die hier sinnlos blockiert werden.

    Und eben auch noch Friedensenergien.

    • Vielen Dank, lieber @Tobias – und da bin ich landespolitisch voller Hoffnung. Ich habe einmal direkt miterlebt, wie Manuel Hagel (CDU) gegenüber einem mächtigen Fossilisten die Wasserstofftechnologie verteidigt hat.

      Nun lese ich im neuen BW-Koalitionsvertrag auf S. 63:

      Baden-Württemberg soll Wasserstoffland werden. Dies gilt für die technische Entwicklung, die Erzeugung, die Speicherung und den Transport von Wasserstoff und seinen Derivaten und für die Nutzung in Industrie, Energiewirtschaft und Verkehr. […]

      Es ist unser erklärtes Ziel, bevorzugt bereits versiegelte Flächen wie Dachflächen und Parkplätze für den Ausbau von PV (Photovoltaik) nutzen. Wir wollen alle Potentiale für PV an Straßen und Schienenstrecken nutzen. Darüber hinaus werden wir die möglichen Flächen für Floating-PV erweitern und die Möglichkeiten zur Nutzung der verschiedenen Formen der Agri-PV verbessern.

      Auch zum Netzausbau findet sich Entscheidendes, so dass ich als Solarpunk viel Hoffnung für mein Land und für erneuerbare Friedensenergien haben kann.

      Hinzu kommt, dass der Bundesrat nach dem auch international umstrittenen Tankrabatt-Geschenk an die fossilen Konzerne gerade die widersinnige „Entlastungsprämie“ überparteilich gestoppt hat. Umso stärker sich die Berliner Blase fossil und rechtslibertär blockiert, umso größer wird die Rolle der Bundesländer und Ministerpräsident:innen. Selbst die Übernahme des Bundeskanzleramtes durch einen fähigen CDU-MP mit neuer, integrativer Teamschaft wird zunehmend diskutiert. International sorgen die wiederholten Öl-Insidergeschäfte im Umfeld von Trump zunehmend für Ärger.

      Krisen sind eben auch Chancen und der Fossilismus zerstört sich derzeit selbst.

  6. @Michael 08.05. 17:44

    „Es ist unser erklärtes Ziel, bevorzugt bereits versiegelte Flächen wie Dachflächen und Parkplätze für den Ausbau von PV (Photovoltaik) nutzen.“

    Gute Idee. Wichtiger wäre dabei, PV nah am Verbraucher zu installieren. Das entlastet die Stromnetze, die angesichts von Wärmepumpen und E-Fahrzeugen bald deutlich mehr Strom zu transportieren haben.

    „….und die Möglichkeiten zur Nutzung der verschiedenen Formen der Agri-PV verbessern.“

    Das Einfachste dabei wäre es, statt Äckern einfach Weideflächen zu nutzen. Die Halterungen für die PV-Module können dann niedrig ausgeführt werden, so niedrig, dass die Weidetiere gerade noch zwischen den PV-Halterungen alles abgrasen können. Praktischerweise mit Ziegen und Schafen. Insbesondere an eher trockenen Standorten wird hier die Wiese nur etwas überbaut, dass Regenwasser kommt trotzdem unten an und der Erdboden kann das Wasser dann aufnehmen und speichern.

    „Auch zum Netzausbau findet sich Entscheidendes, so dass ich als Solarpunk viel Hoffnung für mein Land und für erneuerbare Friedensenergien haben kann.

    Wenn man neben PV direkt beim Verbraucher auch noch die ohnehin nötigen Kurzfristspeicher geschickt verteilt, kann man auch die Stromnetze viel effizienter nutzen und braucht so kaum Netzausbau.

    Statt die alte Stromanschlüsse ehemaliger Großkraftwerke für Großspeicher zu nutzen kann man die eine Hälfte der Speicher direkt beim Produzenten und die andere Hälfte direkt beim Konsumenten installieren. So spart man dann auch die Durchleitungsgebühren für die reine Speicherfunktion ein.

    Beim Produzenten hält man den Strom nur zurück, um ihn später ins Netz einzuspeisen und beim Verbraucher läd man zu niedrigen Preisen die Speicher auf, um den Strom dann später selber zu nutzen. Der eigentliche Stromtransport kann dann auch früher oder später stattfinden, je nach momentaner Netzauslastung.

    „Baden-Württemberg soll Wasserstoffland werden“

    Genau das braucht jetzt zunächst mal öffentliche Förderung, und zwar reichlich. Der Rest wie hier beschrieben eigentlich keine, es dürften vollkommen entsprechende Installationsgenehmigungen genügen.

    „Umso stärker sich die Berliner Blase fossil und rechtslibertär blockiert, umso größer wird die Rolle der Bundesländer und Ministerpräsident:innen.“

    Hört sich auch gut an. Die Bundesländer sind vermutlich auch einfach weniger von fossilen Lobbyisten beeinflusst, und um so mehr an einer schnellen wie möglichst kostengünstigen Energiewende interessiert. Zumal günstiger Strom nicht nur den Privatverbraucher freut, sondern auch Gewerbe und Industrie.

    • Herzlichen Dank, @Tobias 🙏

      Noch bevor ich Deinen Druko las und hiermit beantwortete, hatte ich genau passend zu Deiner Annahme gepostet:

      Ich erlebe tatsächlich, dass in der Berliner Blase auch „meiner“ CDU „die Wirtschaft“ vor allem in Form von (meist fossilen) Konzern-Lobbyisten auftaucht. Dort wird noch immer allen Ernstes erzählt, Erneuerbare wären „Kostentreiber“ & würden also Arbeitsplätze vernichten.

      In Ländern und Kommunen sind dagegen mittelständische und kleine Unternehmen viel präsenter, die längst post-fossil unterwegs sind, mit Wärmepumpen, PV, Batteriespeichern, Elektromobilität & vereinzelt auch schon Elektrolyseuren vor Ort Werte & Arbeitsplätze schaffen.

      Leider scheint es auch hier dem einstigen Blackrock-Buddy, Privatflieger und Bundeskanzler Merz bisher nicht zu gelingen, mal ernsthaft über die Blase fossiler Konzernbürokraten hinaus zu blicken. Mit echter Wirtschaftskompetenz hat der Fokus auf fossilen Lobbyismus längst nicht mehr zu tun – im Gegenteil!

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116543114898241823

      Auch eine neue Formulierung zum Solarpunk fiel mir heute Morgen spontan zu:

      Mir kam gerade eine neue Definition von #Solarpunk , hier als Entwurf:

      Solarpunk ist der Ausbruch von Menschen aus der fossilen Falle abhängig machender Vorstellungen und Technologien.

      Solarpunks (m / w / d) lösen sich aus dem Wahn vermeintlich ewigen Wirtschaftswachstums & der Verbrennung der Mitwelt und entscheiden sich stattdessen bewusst für bewusstes Hinterfragen, Ernähren & Nachfragen, für Kreislaufwirtschaft, post-fossile Technologien und FOSS statt Konzernsilos. Statt imperialem Nationalismus, Hass & Hetze leben sie mit erneuerbaren Heimat- und Friedensenergien dezentrale Energiedemokratie, Menschenwürde und Respekt vor der Mitwelt.

      Solarpunks rebellieren gegen die nur scheinbare Alternativlosigkeit des #Fossilismus und verbreiten ihre Ideen nicht durch feindseligen #Dualismus , sondern durch #Dialog.

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116543055384794134

      Freue mich über die regen Dialoge, gerade auch mit Dir, lieber @Tobias! ☺️🙏🙌

  7. @Michael 09.05. 08:21

    „Solarpunks rebellieren gegen die nur scheinbare Alternativlosigkeit des #Fossilismus und verbreiten ihre Ideen nicht durch feindseligen #Dualismus , sondern durch #Dialog.“

    Wer sich auf dem Boden von Wahrhaftigkeit bewegt, der kann sich den Dialog leisten. Das macht den Unterschied?

    Und so kommt man dann auch weiter.

    Wer nur Propaganda verbreitet, muss asymmetrische Möglichkeiten haben. Dem Dialog muss man dann ausweichen können.

    • Vielen herzlichen Dank, lieber @Tobias 🙏

      Das ist schon ein bemerkenswerter Fünfsatz:

      Wer sich auf dem Boden von Wahrhaftigkeit bewegt, der kann sich den Dialog leisten.

      Das macht den Unterschied?

      Und so kommt man dann auch weiter.

      Wer nur Propaganda verbreitet, muss asymmetrische Möglichkeiten haben.

      Dem Dialog muss man dann ausweichen können.

      Ich glaube, dass jeder der fünf Sätze stimmt. Es erinnert vom Ansatz her auch stark an das zweibändige „Auch eine Geschichte der Philosophie.“, 2019 von Jürgen Habermas (1929 – 2026). Irgendwann würde ich auch dieses große Werk einmal gerne vertieft und dialogisch besprechen…

      Für den Moment möchte ich jedoch mit der starken Einleitung von Martin und Paula Buber zu „Ich und Du“ (1923) danken:

      „Grundworte werden mit dem Wesen gesprochen.

      Wenn Du gesprochen wird, ist das Ich des Wortpaars Ich – Du mitgesprochen.

      Wenn Es gesprochen wird, ist das Ich des Wortpaars Ich – Es mitgesprochen.

      Das Grundwort Ich – Du kann nur mit dem ganzen Wesen gesprochen werden.

      Das Grundwort Ich – Es kann nie mit dem ganzen Wesen gesprochen werden.“

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/dialog-oder-dualismus-die-wahrheitsfrage-als-charaktertest-und-schicksalsfrage/

      Ich danke Dir sehr und freue mich auf weitere, gute Dialoge mit Dir! 🙌

  8. Moin Michael,
    hast Du Dich hier oder mit Inan schon explizit mit Palantir befasst? Ich denke dabei auch an Dich, weil BW zu den Ländern gehört, die bereits mit dem System arbeiten. Totalüberwachung in Echtzeit mit Pre-crime Ambitionen ist Dystopie pur.

  9. @Michael Blume

    Ich bin ein wenig neugierig. Bleiben Sie in der neuen Grün-Schwarzen Regierung auch weiterhin Antisemitismusbeauftragter des Landes BW? Oder steht ein Tapetenwechsel an?

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