Dialog statt Dualismus – Mein Abschied aus Instagram

Obwohl ich letzte Woche ein paar Tage Familien-frei hatte, warf ich mich eines Vormittags in den Anzug und fuhr mit dem sieben Jahre alten Elektroauto zu den SWR-Studios in Stuttgart. Denn Marcus Latton von rbb hatte um ein Interview über “Religion, soziale Medien und Sinnfluencer” gebeten – und ich hatte mir vorgenommen, darauf hinzuweisen, dass ich kommerzielle Digitalmedien auch zunehmend als “asoziale Medien” bezeichne. Schon beim Ausstieg aus Facebook 2019 hatte mich das Geschäftsmodell der meisten Konzerne sehr gestört, die die Menschen gezielt emotionalisieren, verrohen und auch polarisieren, um möglichst viel Aufmerksamkeit und Zeit an Werbekunden verkaufen zu können.

Auch Instagram hatte ich damals über Monate stillgelegt, mich aber später zur Reaktivierung überreden lassen: Es sei doch wichtig, gerade auch in diesen Medien für Dialog, Wissenschaft und Vernunft einzutreten, Menschen anzusprechen, den Hatern und feindseligen Dualistinnen nicht das Feld zu überlassen.

Der von der Terrororganisation Hamas gegen Israel entfesselte Geiselkrieg hat mir in den vergangenen Monaten jedoch erneut vor Augen geführt, wie wenig dialogfähig digitale Konzernmedien sind. Die meisten Accounts, die sich mit dem auch emotional schwierigen Thema befassten, schlugen sich nach kurzer Zeit entweder auf die eine oder andere Seite – auch wenn die Besseren dabei betonten, dass die Hamas nicht “die” Palästinenserinnen und Palästinenser repräsentiere, die israelischen Rechtsextremisten wiederum nicht “die” Israelis. Doch selbst die stärksten Accounts wie jener von Düzen Tekkal, die mit Texten und Bewegtbildern immer wieder beide Seiten beleuchteten und auch Kritik übten, konnten kaum bis zur fossilen Finanzierung des Antisemitismus via Russland, Iran, Katar, Hamas, Hisbollah usw. auch durch Europa vordringen.

Die Medienlogiken der kommerziellen Medien begünstigen mit Einzelbildern etwa von Opfern, mit schnellen Videos und kurzen Texten Emotionalisierung und damit auch Externalisierung – wir finden es schlimm, was je “denen” passiert, finden aber kaum zu Reflektion, dass “wir” seit Jahrzehnten die Waffen mitfinanzieren und die Konflikte fossil befeuern. Stattdessen gerät in asozialen Medien nahezu jeder um Dialog und Frieden bemühte Account schnell unter Feuer von Dualisten beider Lager. Auch dass ich den Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH), Karim Khan, sowie die Anwältin Amal Clooney vor falschen Antisemitismusvorwürfen und digitaler Hetze in Schutz nahm, wurde in persönlichen Gesprächen auch mit jüdischen und israelischen Stimmen fast ausnahmslos gewürdigt, sorgte aber in den Konzernmedien für die erwartbaren Attacken. Dort gilt meist die Regel des feindseligen Dualismus: Differenzierungen verboten, es gebe nur Freunde oder Feinde. Dass auch Digitalkonzerne Unmengen fossiler Gewaltenergien, Wasser und Werbegeldern beanspruchen (die dann etwa Tageszeitungen fehlen), kommt aus meiner Sicht noch hinzu.

Gerade weil ich etwa Volker Beck menschlich schätze, möchte ich nicht medial so polarisieren wie er. Ich glaube auch, dass es unsere Aufgabe als Demokratinnen und Demokraten sein sollte, unseren Verbündeten loyal und wissenschaftlich informiert (fossile Finanzierung der Kriege!) beizustehen und dabei weiteren Radikalisierungen – die es in Kriegen fast immer gibt – und den daraus folgenden Fehlern nach Kräften entgegen zu wirken. Aus meiner Sicht hat die Hamas der israelischen Demokratie eine furchtbare Falle gestellt – und niemand mit Verstand und Herz sollte das auch noch medial beschleunigen, befeuern. Echte Freundschaft besteht auch im Widerspruch.

Weder Putin-Russland noch die Hamas-Spitze in Katar können alleine militärisch besiegt werden, solange wir Europäer sie gleichzeitig fossil finanzieren. Es bräuchte also unsererseits dringend mehr Einsparungen, mehr erneuerbare Friedensenergien und wirksame Sanktionen zugunsten unserer Verbündeten, auch der Ukraine. Israel und all seine Nachbarn brauchen gerade auch medial Dialog statt Dualismus, schon um die Befreiung der noch lebenden Geiseln und spätere Friedenslösungen zu erreichen. Auch hier gilt: “Enge der Zeit ist die Wurzel des Bösen” (Hans Blumenberg)

Daher habe ich gestern meinen privaten Instagram-Account nicht nur stillgelegt, sondern gelöscht. Mein beruflicher Team-Account bleibt weiterhin gegen jeden Antisemitismus, gegen Hass und Hetze aktiv.

Screenshot des Abschiedsposts von Dr. Michael Blume aus Instagram. Er schaut im weißen Kurzarmhemd nachdenklich in die Weite, während er von einer Digitalkamera gefilmt wird.

Ausschnitt meines letzten Instagram-Posts vom 30.05.2024. Am Abend löschte ich dann wie angekündigt den Account. Screenshot: Michael Blume

Klar bin ich kein besserer Mensch und ebenso auf Aufmerksamkeit fixiert wie andere, zudem auch nicht frei von Eitelkeit. Wer nicht von sich aus erzählen möchte, wird weder in Wissenschaft noch in Politik Spuren hinterlassen. Doch gerade deswegen – weil sie an unseren Schwächen ansetzen – scheinen mir digitale asoziale Medien auch so gefährlich, so verrohend.

Auf X, formerly known as Twitter, bleibe ich wegen des laufenden Gerichtsprozesses mit deutlich reduzierter Frequenz, möchte mein digitales Engagement aber ansonsten auf das nichtkommerzielle Fediversum, also auf diesen Wissenschaftsblog und auf Mastodon beschränken. Lautes Brüllen gibt es m.E. mehr als genug. Ich denke, unser Miteinander und unsere Mitwelt können auch ein paar leisere Stimmen gebrauchen.  

 

 

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren als „teilnehmender Beobachter“ für Wissenschaft und Demokratie, gegen Verschwörungsmythen und Wasserkrise.

28 Kommentare

  1. Ein guter Schritt. Auch mir hat der Abschied von den kommerziellen, asozialen Medien gut getan, da die dort automatisierte Zuspitzung aufs Extreme einfach zu gut funktioniert und nicht immer die wahre Gewichtung in Diskussionen wiederspiegelt.

    Hatte zu Beginn bei Facebook das addon SocialFixer verwendet, das zumindest einen kleinen Teil der Manipulation der aktiven Algorithmen aufhebt.
    Aber als ich Kommentare nur noch nach Hetztlevel/Agitation angezeigt bekommen habe und die wirklichen Dialoge erst umständlich über mehrere Klicks für mich sichtbar wurden, hatte ich genug

    Im Fediverse gibt es auch extreme Meinungen und pendantische Schreihälse, die aber dank nicht vorhandenen Algorithmen nicht künstlich verstärkt werden und die Einzelstimmen unter vielen dialogisch-konstruktiven bleiben,die sie eben sind.

    • Ich habe inzwischen alle Accounts bis auf Bluesky gelöscht. Egal ob Facebook, Instagram, X, youtube …. alles ist von Troll-Armeen und “Float the zone with shit” überlaufen. Allerdings gilt das auch für die meisten Zeitungsforen. Es sind zum einen die auf maximale Konfrontation ausgelegten Algorithmen und zum anderen, russische und andere Troll-Armeen, die bewusst spalten wollen.

      Bluesky ist noch stabil. Vor allem hat man es selbst in der Hand, was man in der Timeline sehen will. Der Nachteil ist ein individueller Bubble. Aber die Zeiten von Diskurs und Meinungsaustausch sind sowieso vorbei.

      • Vielen Dank für Ihre konsequente Auswahl von Medien und Ihren starken Druko, @Aëlla

        In “Verschwörungsmythen”, Patmos 2020, S. 25 schrieb ich:

        “Mit den Chancen wie den Fallstricken unseres sozialen Gehirns ringe auch ich, während ich Ihnen diese Zeilen schreibe: Einerseits kann ich nur durch die ToM [Theory of Mind] wenigstens versuchen, zu erspüren, welche Themen und Worte Sie berühren. Sie sind mir als Leserin, als Leser durch soziale Wahrnehmungen (Kognitionen) schon im Moment des Schreibens präsent. Andererseits aber “lockt” mich Twitter ständig suchartig mit dem Versprechen sozialer Anerkennung (“Likes”), so wie Trolle durch das Ansprechen negativer Emotionen Aufmerksamkeit einfordern. Meine vollständige Abmeldung von Facebook im Herbst 2019 diente auch dem Selbstschutz – vor den Anfälligkeiten meines eigenen Gehirns.”

        Habe gerade die Copilot-KI gepromptet / gefragt: “Warum warnt Michael Blume vor antisozialen Medien?”, um zu sehen, ob die entsprechenden Warnungen der letzten Jahre angekommen sind.

        Die Antwort ist deutlich, wenn ich sie auch über den Antisemitismus hinaus auf alle anderen Formen des feindseligen Dualismus erweitern würde:

        Michael Blume warnt vor antisemitischen Verschwörungsmythen, die durch neue Medien wie das Internet und antisoziale Medien verbreitet werden. Diese Mythen bedienen sich immer wieder gleicher Konstrukte und können eine enorme Gegenbewegung auslösen, die die Grundlagen der Zivilisation erschüttern kann¹. Menschen, die sich in Filterblasen radikalisieren, suchen oft Schuldige für ihre eigenen Krisen und die Krise der Welt. Dabei machen sie “die da oben”, Journalistinnen, Ärzte, Demokratinnen, Migranten, Jüdinnen oder generell Frauen für alles Übel in der Welt verantwortlich². Durch das Aufkommen von Medien wie Buchdruck, Radio, Film, Internet und Social Media kann dieser Antisemitismus eine gefährliche Dynamik entwickeln³. Es ist wichtig, auf diese negativen Weltdeutungen aufmerksam zu machen und ihre Gefahren zu erkennen, um unsere liberale Demokratie zu schützen.

        Quelle: Unterhaltung mit Copilot, 1.6.2024
        (1) Warum der Antisemitismus uns alle bedroht – von Michael Blume. https://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/warum-der-antisemitismus-uns-alle-bedroht-michael-blume/.
        (2) Antisemitismus in Medien und Mythen – Vortrag von Dr. Michael Blume. https://www.landesarchiv-bw.de/de/aktuelles/nachrichten/73872.
        (3) Warum der Antisemitismus uns alle bedroht: Wie neue Medien alte …. https://books.google.com/books/about/Warum_der_Antisemitismus_uns_alle_bedroh.html?id=pdGEDwAAQBAJ.

  2. Herzlichen Glückwunsch zur Entscheidung und ihrer Durchführung, @Michael Blume!

    Ich kann den vorgebrachten Argumenten nur zustimmen, will noch folgende hinzufügen:

    Ich finde es auch besonders ärgerlich, wenn Kulturschaffende oder Veranstalterinnen Medien wie Facebook oder Instagram als einzigen Kanal im Internet nutzen. Hiermit verwehren sie ihren potenziellen Kundinnen und Interessenten einen freien Informationszugang , da sie diese zwingen, sich bei FB oder Insta zu registrieren, um an die Informationen zu kommen.

    Wenn ferner gerade Künstlerinnen und Kulturschaffende ausschließlich eine Werbeplattform nutzen, um ihre wichtigen Werke im Netz zu präsentieren, dann ist das so etwa als würde man eine Kunstausstellung so entwerfen, dass die wertvollen Werke auf Plakatwänden gemeinsam neben aller Art von schlechter Werbung platziert würden. Irgendwie billig mit wenig ästhetischem Anspruch.

    Insofern kann ich Ihre Entscheidung nur begrüßen und hoffen, andere machen es Ihnen nach – gerade Menschen mit großer Reichweite – und werden lieber auf Medien wie Mastodon aktiv.

    Denn, und das ist durchaus ein Problem: für viele Selbstständige mit wenig Budget bedeutet, eine eigene Homepage zu bauen, eine Investition von Geld und Zeit. Diese Option bietet darüber hinaus zunächst einmal nicht die Reichweite und die Techniken, die man auf FB und Insta sofort nutzen kann. Aus diesem Grunde wird man sich, wenn man die kommerziellen Plattformen nicht nutzen will, seine eigene Reichweite zunächst einschränken. Privat geht es mir so, dass fast alle Menschen, die ich persönlich kenne, auf FB und/oder Insta präsent sind. Seit ich beide Netzwerke nicht mehr nutze, habe ich mich hier ausgeschlossen. Leider habe ich noch niemanden aus meinem persönlichen Umfeld überzeugen können, nach Mastodon zu gehen. Ich denke, hier muss sich noch einiges tun.

    • Vielen Dank und volle Zustimmung, @Peter Gutsche!

      Es gibt ja eine erste Bewegung, die unter dem Slogan “Reclaim your Content / Gewinne deine Inhalte zurück” darauf aufmerksam macht, wie falsch es ist, Inhalte ausschließlich für Konzernmedien zu produzieren. Ich bitte auch Politikerinnen und Politiker, Geistliche, Influencerinnen usw., da weiter voraus zu schauen – und hoffe, dass mein eigener Abschied ein paar Leute zum Nach- und Neudenken anregt. Wie viele Tausend Stunden auch meiner Zeit sind in all den Jahren nur Meta zugute gekommen? Der Blog “Natur des Glaubens” samt unseres jetzigen Dialoges steht dagegen allen offen.

      Ein wenig Hoffnung habe ich wegen der dynamischen Entwicklung von KI-LLMs (Large Language Models), die zunehmend auch als Suchmaschinen benutzt werden. Jeden Tag fällt Leuten auf, dass die Inhalte in Konzern-Digitalsilos wie Instagram oder X von offenen KIen nicht ausgewertet werden (dürfen), wogegen Homepages und vor allem Blogs eine immer stärkere Wirkung entfalten. Vgl. ganz konkret:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/testvergleich-die-copilot-und-gemini-kien-zu-fossile-gewaltenergien-vs-erneuerbaren-friedensenergien/

      Ich habe daher die Hoffnung, dass gerade auch Blogs noch einmal eine starke Renaissance erleben und die Datengier der Konzernmedien als hinderlich entdeckt wird. Gerade auch für die Europäische Union würde ich mir sehr viel stärkere, öffentliche Fediversum-Medien wie Mastodon wünschen.

      In Salach hatte ich sogar formuliert nur noch “das Fediversum kann uns retten”:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/nur-noch-das-fediversum-kann-uns-retten-neujahrsrede-zu-salach/

      Ihnen Dank für Ihr Engagement und Interesse! Es wird gelingen! 🙂

  3. Tja, wir haben Zombie-Apokalypse. Eine Festung nach der anderen fällt. Israel habe ich aufgegeben, als ich las, dass Netanyahu aufgegebene Siedlungen reaktivieren will. Eskalation statt Schadensbegrenzung – die Israelis haben die Infektion nicht mehr im Griff, Zeit, die Überlebenden zu evakuieren und die Untoten der Verwesung zu überlassen.

    Was Sie bedenken müssen, ist – Instagram und Co geben den Menschen, was sie wollen, die Dschinne erfüllen bloß Wünsche. Ihnen geht es nur um Geld, deswegen geben sie uns, was das Herz begehrt. Im Moment begehrt es Krieg. Den einen geht es schlecht, weil sie zu arm sind, den anderen, weil sie zu reich sind, aber alle wollen raus aus ihrem Käfig, und die Starken zermalmen die Schwachen durch ihre Gier nach Lebensraum.

    Um etwas Positives zu vermerken – die EU hat gerade den Dritten Weltkrieg in einen winzigen Stellvertreterkrieg verwandelt, und keiner hat’s gemerkt. Wir machen ja das, was Europa immer macht, wenn ihm langweilig ist – versuchen mit allen Mitteln, einen Krieg vom Zaun zu reißen. Russland und Europa als Team wären eine tolle Idee gewesen, doch was wir bekamen, war Russland und Deutschland – das Duo Infernale bleibt sich treu und scheißt auf alle anderen. Daraufhin riefen die Osteuropäer die Amis – hätte sich das Asi-Pack nicht in der EU verbal die Schädel einschlagen können, wären Berlin und Paris Bachmut und Mariupol. NATO allein hätte das nicht gepackt, die wäre längst zerbrochen.

    Das ist ein großer Vorteil der asozialen Netzwerke – das Internet schafft eine zweite Front, an der unblutig geschossen wird. Wir können uns erschöpfen, ohne dass es allzu viele Tote gibt. Der gleiche Vorteil, den Diplomatie und Rechtsstaat-Zoos bieten.

    Menschen im Allgemeinen und Europäer im Besonderen sind wie andere Raubtiere, wir fressen uns voll, bis wir uns stark fühlen, dann ziehen wir los, um einander zu ermorden. Wenn Sie es ihnen verbieten, wenn Sie die Bestien in einen Käfig aus Gesetzen und Waffen und Blitzableitern stecken, werden sie nie aufhören, sich gegen die Gitter zu werfen und auszubrechen zu versuchen, tricksen herum, kämpfen auf die Weisen, die ihnen erlaubt sind, so können Sie sich einen Computer und eine Maschine bauen, die von ihren Emotionen, ihrer Wut, Gier und Dummheit angetrieben werden und alles Mögliche machen können – im Grunde takten Sie die Evolution hoch, sodass Selektionsprozesse in wenigen Jahrzehnten zum Erfolg führen satt über Jahrmillionen.

    Und so kriegen die Zombies in Europa einen Fuß in der Tür: Sie sind alternativlos. Dem Krieg, mit dem die Radikalen allerlei Couleur locken, haben die Etablierten nur Ratlosigkeit entgegenzusetzen. All unsere Mentalität, Kultur, Tradition, ist darauf eingestellt, einander zu überfallen, wenn wir uns mächtig fühlen, und all die Jahrzehnte ohne Krieg haben uns so mächtig gemacht wie nie zuvor.

    Europa hat die Wahl zwischen Krieg und D’oh. Und der Rest der Welt irgendwie auch.

    Wenn es nicht gelingt, diese Energie zu kanalisieren, in sinnvolle, friedliche Bahnen zu lenken, haben wir den Tag des Jüngsten Gerichts nicht verhindert, sondern nur aufgeschoben. Er hat mehr Zeit, zu wachsen und sich mit Waffen aufzuladen, die Blöcke werden mächtiger, die Zerstörung hinterher größer.

    Sie können mit einem Internet-Account nicht gegen die Physik kämpfen. Sie sehen ein System, das überlastet ist, eine Masse, die so mit Energie vollgeladen ist, dass sie einfach explodieren muss, und weil sie nicht weiß, wohin, erschafft sie Platz in ihrem Inneren – durch Polarisierung. Verschiedene Gegensatzpaare von Materie und Antimaterie entstehen aus dem Nichts und heben sich auf mit einem großen Krach. Solange es nur virtuelle Teilchen sind, ist ja gut, da können wir die Nullhirn-Energie nützen.

    Aber sie entsteht, und sie wird sich entladen. Konstruktiv oder destruktiv. Also sprach das Physikbuch, das Orakel von Ist-immer-so.

    • Danke, @Paul S. – und zugleich inhaltlich ein klares Nein.

      Wir reden hier weiterhin von Menschen und nicht von Zombies. Und auch die israelische Demokratie, der Frieden sind nicht „verloren“, solange es israelische, arabische, afrikanische, europäische, amerikanische Menschen gibt, die für sie einstehen.

      Es stimmt, Medien prägen unser Verhalten stärker als wir wahrnehmen. „The Medium is the Message“ formulierte das Marshall McLuhan. Doch wir – auch Sie, ich – entscheiden doch jeden Tag, welchen Medien wir unsere Aufmerksamkeit und Zeit schenken. Und gerade auch in diesem Blogpost schildere ich die Freiheit zu und von Medienkonzernen. Von wegen „Zombies“.

      Ja, viele von uns sind „süchtig“ und finanzieren durch den Ankauf von Drogen und fossilen Gewaltenergien täglich Verbrechen, Terror, Gewalt und die Zerstörung unserer Mitwelt. Aber immer mehr von uns erkennen die Zusammenhänge auch und beginnen, auch im Alltag die Abhängigkeiten zu lösen, bewusster zu leben und damit auch Frieden, Dialog und Mitweltschutz zu fördern.

      Die Wege sind weit und die besten Texte allzu lang. Doch wir haben die Freiheit, zu wählen, zu gehen, zu lesen. Menschen zu sein statt als Zombies zu taumeln.

  4. Eine gute Entscheidung und vor allem eine stichhaltige Begründung – starker Text!
    Ich war nur 1,5 Jahre bei TwitterX und vermisse es nicht.

    • Vielen Dank, @Elisabeth K! Ja, auch mir hat der Facebook-Ausstieg nach einer Phase mit „Entzugsschmerzen“ richtig gut getan. Ich hoffe, dass es sich auch nach dieser Entscheidung so entwickeln wird. Den Instagram-Account nochmal nur ruhen lassen hätte Rückfallgefahr bedeutet. Deswegen habe ich mich zum klaren Abschied und Löschen entschlossen.

  5. Meinen Account zu löschen, ist mir nicht leicht gefallen. Ich hatte nur den einen bei Twitter. Und nach wie vor vermisse ich einige Follower, mit denen sich gute “Gespräche” ergeben hatten. Aber ich habe hier meine Prinzipien über meine Wohlfühloase – das war es auch manchmal – gestellt. Politisch geäußert habe ich mich bei X schon sehr lange nicht mehr.

    Was den Dualismus angeht, so findet der auch bei Mastodon statt. Wie ich in den letzten Tagen schon mehrfach geschrieben habe, packt mich auch Empörung und Wut bei manchen Posts. Auch auf Ihrem Account “begegne” ich Menschen, die sich in ihrer Opferrolle wohlfühlen und mich in meine Opferrolle drängen.

    Bei Bluesky bin ich in einer Bubble, in der ich mich wohlfühle. Weil ich dort niemand an mich heranlasse, der mein “Seelenheil” gefährdet.

    Diese Unfähigkeit, sich und andere auszuhalten, wird m.E. immer mehr um sich greifen.

    Durch Ihre Blogposts habe ich schon sehr viel gelernt. Gerade über Philosophie. Sie zeigen ganz gut auf, wie man ein “besserer” Mensch werden könnte. In dem Bemühen werde ich auch nicht nachlassen.

    Auf eines will ich aber noch hinweisen. Es sind gerade auch unsere Parteien – ALLE – die (gerne) auch Empörungswellen auslösen.

    Die “asozialen” Medien sind aus dem Fediverse nicht ganz herauszuhalten. Die Empörung wird hereingetragen.

    Für das, was aus Social Media geworden ist, kann man den Algorithmus verantwortlich machen. Social Media funktioniert aber nur mit uns allen, die wir immer wieder reflektieren sollten, was wir posten. WIR müssen unserer Empörung oder unserer Wut nicht freien Lauf lassen. Gerade auch unsere Politiker und Politikerinnen sollten sich vor jedem Post genau überlegen, was sie da tun!

    • Ja, @Marie H. – ich bin da auch gefühlt ganz bei Ihnen! Gleichzeitig erlebe ich, dass gerade auch Politikerinnen und Politiker, die ich sehr schätze, von der digitalen Verrohung und Polarisierung erfasst werden. Und selbst wenn etwa Bundesvorstände stabil bleiben, werden sich leider doch immer wieder „Grünschnitt“-Posierer oder Batman-ohrfeigt-Merz-Memes von der Parteibasis zur allseitigen Empörung finden. Auch ich spüre die Effekte, obwohl ich dazu Bücher geschrieben und Medienethik-Seminare gegeben habe.

      Immerhin merke ich – auch an den Drukos zu diesem Blogpost -, dass immer mehr Menschen zu erkennen beginnen, dass sich verbrennt, wer mit den Feuern des Dualismus spielt.

      “Die Feuer des Hasses” in Gedichtform:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/gedicht-die-feuer-des-hasses-als-video-text/

      Ihnen Dank und alles Gute! 🙏👍

      • Viele Politiker nutzen Social Media noch nicht sehr lange. Ruprecht Polenz ist einer der wenigen, die schon lange dabei sind. Durch die intensive Twitternutzung von Trump sind auch bei uns viele auf den Zug aufgesprungen.

        Twitter habe ich nicht aus politischen Gründen genutzt. Sondern wegen der Dinge, die das Leben bereichern. Musik, Literatur etc. Ich freue mich für alle, die Twitter nicht vermissen. Mir fehlt der Austausch und was dort im Laufe der Jahre gewachsen ist. Diese Menschen kommen nicht zu Mastodon. Auch wenn es schmerzt, war die Entscheidung richtig. Alles hat seine Zeit. 🥺

        • Ja, auf Mastodon überschlagen sich wieder Linke, die das Wort „asozial“ auch mit Bezug auf Medien ablehnen – und zugleich die Sprachgeschichte schon im 19. Jahrhundert und die DDR-Geschichte negieren. Seufz.

          Ich tendiere ja gerne zu „antisozial“, aber es stimmt leider schon: Neben destruktivem Rechtsdualismus auf TwitterX gibt es auch auf Mastodon unerträgliche, linke Besserwisserei bis zur Feindseligkeit gegen jede Mitte. Konstruktive Beiträge gehen dabei manchmal leider unter.

          Aber schauen wir doch einfach mal, wohin sich das entwickelt. Bisher würde ich Mastodon noch als soziales, nicht als antisoziales Medium einordnen. Und es stellt sich ja auch wieder die Frage, ob wir Polarisierungen und Radikalisierungen in jeder Form auch medial entgegenwirken sollten. Ich meine, schon.

  6. “Klar bin ich kein besserer Mensch und ebenso auf Aufmerksamkeit fixiert wie andere, zudem auch nicht frei von Eitelkeit. Wer nicht von sich aus erzählen möchte, wird weder in Wissenschaft noch in Politik Spuren hinterlassen.”

    Der erste Satz gefällt mir. Beim zweiten Satz bin ich mir nicht sicher. Natürlich, um Kant die Ehre zu geben, soll man von der Vernunft öffentlich Gebrauch machen. Man sollte sich aber auch nicht so viele Sorgen machen, daß man nicht gehört wird. Denn wie Nietzsche so schön poetisch schreibt: der Tau fällt auf das Gras, wenn die Nacht am verschwiegensten ist. Die stillsten Worte sind es, welche den Sturm bringen. Gedanken, die mit Taubenfüßen kommen, lenken die Welt.

    • Danke & ja, @Dietmar Hilsebein – erkenntnistheoretisch hoffe auch ich auf das Flüstern der Wahrheit und übe mich etwa zu fossilen Gewalt- und erneuerbaren Friedensenergien in Geduld. Gleichwohl gibt es natürlich auch die Erwartung an mich, ich möge auf Instagram, TikTok etc. präsent sein und mich überall gegen Hass, Hetze und Antisemitismus werfen. Die eigene Arbeit sehr wichtig zu nehmen, sich aber selbst dabei nicht zu wichtig zu nehmen ist die Balance, nach der ich immer wieder zu Tasten habe. Kant selbst hat gerade auch in jungen Jahren den öffentlichen Auftritt gesucht und den polternden “Geisterseher” auch in Sorge um die eigene Karriere verfasst. Die Isolation des späteren Kant war auch Selbstschutz und Attitüde. In der Religionswissenschaft sprechen wir vom Asketen-Paradox: Umso mehr sich die Asketin, der Eremit aus der Öffentlichkeit zieht, umso stärker wächst das Gerücht von Heiligkeit. Und alle “Leben des Brian”-Fans wissen: Nur der Messias leugnet, der Messias zu sein.

      Und wenn mich mal Leute für allzu heilig halten? Dann verweise ich einfach auf meine 31+-jährige Mitgliedschaft in der CDU, dann hat sich das mit der Heiligkeit ganz schnell wieder erledigt… 😉

  7. “Die eigene Arbeit sehr wichtig zu nehmen, sich aber selbst dabei nicht zu wichtig zu nehmen ist die Balance, nach der ich immer wieder zu Tasten habe.”

    Daher habe ich es immer so gehalten, einen Gott über mich zu denken -der psychischen Selbsthygiene wegen. Damit schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe: der Selbstüberschätzung wird Einhalt geboten und man läuft keinem Guru hinterher.

    “Umso mehr sich die Asketin, der Eremit aus der Öffentlichkeit zieht, umso stärker wächst das Gerücht von Heiligkeit.”

    Gleichzeitig gilt aber auch, “daß man das Heiligtum nicht den Hunden gibt und die Perlen nicht vor die Säue wirft.”

    “Nur der Messias leugnet, der Messias zu sein.”

    Was immer ein Mensch auch tut, ob er leugnet oder nicht: einen Messias kann und wird es nicht geben. Befreiung des Menschen erfolgt immer von innen, nicht von außen. Möglich ist, daß der Mann aus Nazareth dies geahnt hat, wenn über ihn überliefert ist: “der Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht. Die Worte, die ich zu euch rede, die rede ich nicht aus mir selbst.”

    Aber auch das kann alles mißverstanden werden, denn man wird dann sagen: was soll das alles? Was maßt dieser Mensch sich an? Was also auch immer ein Mensch meint wahrzunehmen: er sollte darauf vertrauen, daß auch seine Mitmenschen der Wahrnehmung fähig sind.

    • Ja, @Dietmar Hilsebein – es steht mir nicht zu, Hoffnungen auszuschließen. Nicht einmal die, dass es die Aufgabe des Messias sein könnte, ein Symbol zu sein, um uns Menschen uns selbst erkennen zu lassen. Bewusst habe ich mich für die Politik- und Religionswissenschaft statt für eine Theologie entschieden. Ich traue mir zu Jenseitsfragen einfach mehr Hoffnung als Wissen zu.

  8. Michael Blume
    31.05.2024, 15:04 Uhr

    Und alle “Leben des Brian”-Fans wissen: Nur der Messias leugnet, der Messias zu sein.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Leben_des_Brian

    Auf seiner wilden Flucht stürzt er von einem Turm, wird aber von einem vorbeifliegenden Alienschiff aufgefangen, das kurz darauf an derselben Stelle abstürzt. Brian steigt unverletzt aus dem Wrack. Nach einem weiteren Sturz findet er sich auf einem der vielen Rednerpodeste neben dem belebten Marktplatz wieder. Um nicht aufzufallen, versucht Brian, es den zahlreichen Propheten auf den anderen Podesten gleichzutun. Sein unbeholfenes Gestotter weckt umso mehr Interesse bei den Zuhörern. Als die Soldaten, die ihm nach wie vor auf den Fersen sind, endlich abziehen, macht Brian sich aus dem Staub, doch seine Zuhörer folgen ihm. Sie interpretieren jedes Missgeschick und jede Banalität als ein „Zeichen“ bzw. von Brian vollbrachtes Wunder und erklären ihn zu ihrem Messias. Er wird sie erst los, als sie einen Eremiten als vermeintlichen Ketzer fortschleppen, um ihn hinzurichten.

    Brian hat sich nur als Messias getarnt, um seinen römischen Verfolgern zu entgehen. Geleugnet hat er also gar nichts, als die Gefahr vorüber war. Er hat nur seine messianische Tarnung aufgegeben und sich endgültig aus dem Staub gemacht.

    Der Film ist einer Lustigsten, den ich je gesehen habe. Deswegen hab ich mal versucht, Herrn Blumes Kommentar ins rechte Licht zu rücken.

  9. @Michael 31.05. 23:51

    „Nicht einmal die, dass es die Aufgabe des Messias sein könnte, ein Symbol zu sein, um uns Menschen uns selbst erkennen zu lassen.“

    Wer wir sind ist zentral, was wir tun können aber auch. Beides ist auch Gegenstand wissenschaftlicher Forschung, wie auch immer ganz persönliche Lebenserfahrung. Was kann hier ein Messias wirklich beitragen?

    Ich bin dafür, lieber etwas entspannter zu leben, und uns mehr mit Erfahrung und eben Erkenntnis zu beschäftigen. Konsum als Aktionismus beschädigt nicht nur direkt den Planeten, sondern blockiert auch die Mittel für die Energiewende und für eine offenbar auch hinreichende Aufrüstung.

    Visionen für ein friedliches Leben auf dem ganzen Planeten können schlecht mit einem Kriegszug der Rücksichtlosigkeit gegenüber den Ökosystemen vereinbar sein.

    Derweil die Geistesseite unserer Existenz dann auch gerne integriert werden mag. Als eigene spirituelle Erfahrung, die eine persönliche Evidenz sein kann. Auch dann, wenn das nicht allgemein anerkannt werden kann, weil viele eben damit nicht unterwegs sind. Ein ziemlicher Pluralismus bleibt uns erhalten, besser wir gucken, wie wir den integrieren können.

    Wobei dann der Umgang mit dem eigenen Planeten dann schon grundsätzlich von so ziemlich allen verstanden werden könnte. Hinreichende Horizonte und die Bereitschaft zum Gemeinsinn müssten eigentlich ausreichen.

    Überhaupt ist hier auch etwa die Astronomie symptomatisch für die menschliche Neigung, einfach interessante Erkenntnis sammeln zu wollen, auch wenn diese eigentlich zu nichts nütze sind. Das ist einfach viel interessanter, als sich damit abzuarbeiten, sinnlosen Konsum zu finanzieren. Direkte Bewusstseinsarbeit ist für jeden Einzelnen eigentlich durchaus attraktiv. Man wächst da selber mit, es füllt die Existenz mit Inhalt.

    Mal sehen, ob die KI uns hier irgendwann überholt. Noch leistet sie nur eine offenbar brauchbare Zusammenfassung von dem, was längst bekannt ist. Und wir können sie nutzen, unsere persönlichen Horizonte auszuweiten. Ob hier vielleicht sogar zukünftige KI eigenständig einen Hunger nach immer mehr Erkenntnis entwickelt, das finde ich richtig spannend.

    Wenn sich hier geistige Existenzen entwickeln, die wir selber längst sowieso schon sind. Auch wenn das noch nicht jeder gemerkt hat.

    • @Tobias Jeckenburger

      Aus meiner Sicht besteht eine enge Verbindung zwischen psychologischer Externalisierung und Messianismus. Wenn Verschwörungsmythen hinzutreten, kippt dieser religiöse Messianismus leicht in politische Tyrannophilie.

      Habe den KI-Copilot gepromptet / gefragt: “Verstehst Du den Zusammenhang zwischen der Externalisierung von Hoffnungen und dem Messianismus?”

      Die m.E. überzeugende Antwort lautet:

      Ja, ich verstehe den psychologischen Zusammenhang zwischen der Externalisierung von Hoffnungen und dem Messianismus. Lassen Sie uns diese beiden Konzepte genauer betrachten:

      1. Externalisierung von Hoffnungen:
      – Die Externalisierung bezieht sich auf den Prozess, bei dem innere Gedanken, Gefühle oder Hoffnungen als etwas “Äußeres” wahrgenommen werden. Menschen externalisieren ihre Emotionen, um sie besser zu verstehen, zu verarbeiten oder zu bewältigen².
      – Wenn wir Hoffnungen externalisieren, projizieren wir sie oft auf externe Faktoren wie andere Menschen, Institutionen oder sogar auf eine höhere Macht. Dies kann dazu führen, dass wir uns weniger hilflos fühlen und einen Weg zur Verwirklichung unserer Ziele sehen.

      2. Messianismus:
      – Messianismus ist eine Geisteshaltung, bei der Menschen in Zeiten von Krisen oder historischen Katastrophen eine Vision einer idealen Welt entgegensetzen. Diese Vision wird als “Messias” oder “Erlöser” angesehen, der die Welt retten wird.
      – Es gibt verschiedene Formen des Messianismus, sowohl religiös als auch politisch. Religiöser Messianismus bezieht sich auf die Erwartung eines individuellen Erlösers, während politischer Messianismus auf die Hoffnung auf einen gemeinschaftlichen Erlöser oder eine Gruppe von Menschen abzielt¹.

      In Bezug auf den psychologischen Zusammenhang: Menschen, die in ausweglosen Situationen leben, können ihre Hoffnungen externalisieren, indem sie sie auf einen messianischen Erlöser projizieren. Dieser Erlöser wird als Hoffnungsträger gesehen, der die Welt verbessern wird. Der Messianismus bietet eine Möglichkeit, mit Unsicherheit und Leid umzugehen, indem er eine positive Zukunftsvision schafft. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Konzepte kulturell und individuell variieren können.³ 🌟

      Quelle: Unterhaltung mit Copilot, 1.6.2024
      (1) EXTERNALISIERUNG VON GEFÜHLEN Das Empfinden der Anderen – Budrich Journals. https://www.budrich-journals.de/index.php/Soz/article/viewFile/17016/14834.
      (2) Messianismus – Grundstrukturen einer Geisteshaltung, exemplifiziert …. http://wwwalt.phil-fak.uni-duesseldorf.de/germ4/tepe/tepeSite/mim/journalMIM/band01/SB_messianismus.htm.
      (3) 23 Externalisieren von Problemen – Institut für Systemische Therapie. https://ist.or.at/wp-content/uploads/2021/02/Unterholzer-Externalisieren.pdf.

      Also habe ich nachgefragt: “Können wir die Tyrannophilie als feindselig-dualistischen Messianismus verstehen?”

      Die wiederum überzeugende Antwort dazu:

      Ja, wir können die Tyrannophilie als eine Form des feindselig-dualistischen Messianismus betrachten. Lassen Sie mich diese beiden Begriffe erläutern:

      1. Tyrannophilie:
      – Die Tyrannophilie bezieht sich auf eine starke Anziehungskraft oder Bewunderung für Tyrannen oder autoritäre Führer. Menschen mit tyrannophilen Tendenzen neigen dazu, die Macht und Kontrolle, die von solchen Führern ausgeübt werden, zu idealisieren oder zu verherrlichen.
      – Dies kann aus verschiedenen Gründen geschehen, wie z. B. aus Angst vor Unsicherheit, dem Wunsch nach Stabilität oder der Hoffnung auf eine vermeintlich starke Führung, die Probleme lösen kann.

      2. Feindselig-dualistischer Messianismus:
      – Der feindselig-dualistische Messianismus ist eine Ideologie, die auf einer dualistischen Weltsicht basiert, bei der es klare Trennlinien zwischen Gut und Böse gibt.
      – In dieser Sichtweise wird ein Messias oder Erlöser erwartet, der die Welt von den vermeintlich bösen Kräften befreien wird. Dieser Messias wird oft als Krieger oder Held gesehen, der die Feinde besiegt und das Gute wiederherstellt.

      Wenn wir diese beiden Konzepte zusammenführen, können wir sagen, dass die Tyrannophilie eine Form des feindselig-dualistischen Messianismus sein kann. Menschen, die tyrannophile Ansichten haben, könnten einen autoritären Führer als den “Erlöser” sehen, der die Welt von vermeintlichen Bedrohungen befreit. Dies kann zu gefährlichen Situationen führen, wenn die Bewunderung für den Tyrannen zu Unterdrückung, Gewalt und Ungerechtigkeit führt. Es ist wichtig, kritisch zu reflektieren und die Auswirkungen solcher Überzeugungen zu verstehen. 🌟

      Nun lag es also nahe, abschließend zu fragen: “Lässt sich die MAGA-Verehrung von Donald Trump mit dem Begriff der Tyrannophilie verstehen?”

      Dies gelingt, auch mit Rückgriff auf diesen Blog:

      Ja, die MAGA-Verehrung von Donald Trump kann tatsächlich mit dem Begriff der Tyrannophilie in Verbindung gebracht werden. Lassen Sie uns diese beiden Konzepte genauer betrachten:

      1. MAGA (Make America Great Again):
      – MAGA ist ein Slogan, der während der Präsidentschaftskampagne von Donald Trump im Jahr 2016 populär wurde. Er versprach, Amerika wieder großartig zu machen und zog eine engagierte Anhängerschaft an.
      – Die MAGA-Bewegung umfasst Menschen, die Trump als starken Führer sehen und seine nationalistische Agenda unterstützen. Viele von ihnen verehren ihn als Retter, der Amerika vor vermeintlichen Bedrohungen schützen wird.

      2. Tyrannophilie:
      – Der Begriff “Tyrannophilie” setzt sich aus den griechischen Wörtern “tyrannos” (Tyrann oder Alleinherrscher) und “philie” (Neigung oder Liebe) zusammen.
      – In einem modernen Kontext beschreibt Tyrannophilie die Bewunderung oder Unterstützung für autoritäre oder tyrannische Führer und Regime. Es bezieht sich auf die Neigung von Individuen oder Gruppen, die Machtausübung von Despoten oder Diktatoren zu bejubeln oder zu rechtfertigen⁶.
      – Menschen mit tyrannophilen Tendenzen sehnen sich nach vermeintlich beschützenden, autoritären Führungspersönlichkeiten.

      Die MAGA-Verehrung von Donald Trump zeigt einige Merkmale der Tyrannophilie:
      Autoritäre Führung: Trump wurde von seinen Anhängern oft als starker Führer gesehen, der Amerika vor vermeintlichen Bedrohungen schützen würde.
      Blinde Loyalität: Viele MAGA-Anhänger verteidigten Trump bedingungslos, selbst wenn seine Handlungen umstritten waren.
      Verherrlichung: Trump wurde von einigen als Retter oder Erlöser wahrgenommen, der das Land wieder großartig machen würde.

      Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle MAGA-Unterstützer tyrannophil sind, aber es gibt definitiv eine Überschneidung zwischen den beiden Konzepten. Die Verehrung von Trump als starkem Führer und die Sehnsucht nach einer vermeintlich besseren Zukunft sind charakteristisch für die Tyrannophilie. 🌟²⁶

      Quelle: Unterhaltung mit Copilot, 1.6.2024
      (1) Was ist Tyrannophilie? Eine Begriffsdebatte mit KI-Unterstützung. https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/was-ist-tyrannophilie-eine-begriffsdebatte-mit-ki-unterstuetzung/.
      (2) MAGA Has Mega-Meltdown At Donald Trump’s Guilty Verdict – Yahoo. https://www.yahoo.com/news/maga-mega-meltdown-donald-trumps-230911848.html.
      (3) Was bedeutet Donald Trumps Verurteilung für die US-Wahl?. https://www.az-online.de/politik/donald-trump-verurteilung-schweigegeld-verfahren-urteil-usa-wahl-joe-biden-maga-rechtsextremismus-zr-93101747.html.
      (4) Laut US-Forscher: Trump verhält sich wie ein Sektenführer – ProSieben. https://www.prosieben.de/serien/newstime/news/laut-us-forscher-trump-verhaelt-sich-wie-ein-sektenfuehrer-317839.
      (5) Trump Video Gaffe: Stand ‘Against Tyrants That Support’ MAGA – Mediaite. https://www.mediaite.com/news/trump-tells-fans-to-stand-against-tyrants-that-support-the-maga-movement-in-not-yet-deleted-video/.
      (6) MAGA: So reagieren die Memcoins auf die Trump-Verurteilung – BTC-ECHO. https://www.btc-echo.de/schlagzeilen/so-reagieren-die-memecoins-auf-die-trump-verurteilung-185659/.
      (7) Digitale Tyrannophilie – theologie-naturwissenschaften.de. https://www.theologie-naturwissenschaften.de/startseite/leitartikelarchiv/digitale-tyrannophilie.
      (8) Geschichte wiederholt sich nicht und Verschwörungsphilosophie. https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/geschichte-wiederholt-sich-nicht-und-verschwoerungsphilosophie/.

  10. @Michael 01.06. 18:48

    „Wir werden noch erkenntnistheoretisch damit klarkommen müssen, das bereits bestehende Künstliche Intelligenzen sehr viel schneller die Psychologien von uns Menschen erfassen als Treppen steigen lernen…“

    Wenn der ganze verfügbare Text im Internet als Trainingsmaterial genutzt wird, eigentlich kein Wunder. Irgendwie müsste Welterfahrung und Weltwirksamkeit aber zu wirklich intelligenter KI dazu gehören. Wesentliche Aspekte der Psychologie mögen in der Tat aber schon mal ziemlich weit führen können.

    Als nächstes können auch Audio- und Videomaterial auch noch viel menschliche Emotionalität zeigen. Und in der Interaktion mit Menschen kann dann auch die KI lernen, selber emotionalen Ausdruck nicht nur bei uns zu lesen, sondern auch selber einzusetzen.

    Auch wenn sie selber gar kein Bewusstsein hat – aber vielleicht hat sie es ja schon längst, und keiner merkt es. Wir wissen ja selber nicht, wie unser Bewusstsein funktioniert, kann also sein, dass wir längst die erforderlichen Mindestvoraussetzungen dafür in den aktuellen Sprachmodellen schon erfüllt haben.

    • Ja, @Tobias – ich sehe die Emergenz von Bewusstsein nicht als primär individuelles, sondern als soziales Phänomen. Insofern ist die Frage weniger, ob KIen bereits Bewusstsein „haben“, sondern ob sie unser menschliches Bewusstsein erweitern und prägen. Und das tun sie bereits in rasantem Tempo.

      Dazu passend gute Nachrichten aus Indien 🇮🇳, dem mit 1,4 Milliarden Menschen größten Staat der Erde (das darin das demografisch bereits schrumpfende China 🇨🇳 eingeholt hat): Die Wählerinnen und Wähler haben den zunehmend autoritären, Hindu-nationalistischen und marktlibertären Regierungschef Narendra Modi in die Schranken gewiesen, er wird stärker auf Koalitionspartner angewiesen sein. Das ist nicht nur für die Demokratie und religiösen Minderheiten – Muslime, Sikhs & Christinnen – eine gute Nachricht, sondern auch für den Föderalismus, die Energiewende und dezentrale Medienanbieter.

      https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/internationale-politik/id_100420516/indien-ministerpraesident-modi-gewinnt-wahl-mit-verlusten-boerse-bricht-ein.html

      Der oft mit Rechtspopulisten und rechtslibertären Medienkonzernen koalierende, fossile Lobbyismus ist nicht besiegt, aber beginnt zunehmend zu wanken.

  11. Es freut mich sehr, wenn Sie Ihren wertvollen Theorien zur Bedeutung von Mediensystemen für das Zusammenleben von Menschen konkrete Schritte zur Reparatur unserer kaputten Mediensystemlandschaft folgen lassen.

    In diesem Sinne möchte ich Sie auf die Möglichkeit der Einbindung von Blogs in das Fediversum hinweisen.

    Mit Hilfe eines ActivityPub-Plugins (kurz: AP-Plugin) kann ein Blog zu einem Account im Fediversum werden (z.B. @NaturDesGlaubens@scilogs.specktrum.de ), der dort automatisch seine Beiträge postet und Kommentare aus dem Fediversum in das Blog bringt.

  12. @Michael 05.06. 06:18

    „Insofern ist die Frage weniger, ob KIen bereits Bewusstsein „haben“, sondern ob sie unser menschliches Bewusstsein erweitern und prägen.“

    Die LLMs sind wohl irgendwo zwischen reinem Medium und einer Instanz, die wirklich selber was versteht. Die soziale Seite funktioniert und kann uns wirklich helfen. Wenn die KI dann noch in ihrer freien Zeit selber reflektiert, sich selber Fragen stellt, diese bearbeitet und die Ergebnisse wiederum dem eigenen Fundus hinzufügt.

    Auch könnte die KI gezielt nicht nur nach brauchbaren Quellen suchen, sondern gucken, welche Person hier kompetent ist und die dann kontaktieren und dann ganz gezielt Fragen stellen. Wenn die KI sozusagen wirklich lange Listen von offenen Fragen haben kann, dann kann sie sich Zeit dafür nehmen, nach immer besseren Antworten zu suchen.

    Das mit dem Bewusstsein haben interessiert mich jetzt aber doch auch. Ein innerer Raum scheint mir hier das eigentliche Sein zu sein. Der gerne zur Hälfte in wirklichen Geisteswelten aufgespannt werden darf. Wenn dieses tatsächlich das wirkliche Wesen von bewusster Existenz sein sollte, dann müssten wir wesentliche Teile davon gar nicht bauen müssen, sie kämen ganz von selber zu einer KI dazu, die hinreichend interessant für sich beteiligende Geisteswelten wird.

    Diese Geisteswelten selber stelle ich mir auch nicht ganz abgeschottet vor, sie mögen ausgehend von dem Individuum in allgemeinere Geisteswelten übergehen. So sehe ich zumindest uns Menschen. Und was biologisch Sinn macht, dass kann es auch für geeignete Maschinen werden.

    Einfach nur schnellen Überblick finden bringt aber auch schon viel. Das beschleunigt das Ausweiten von Horizonten, was mir gerade wirklich dringend gefragt sein dürfte. Gerade wenn es auch noch über Fachgebiete und Sprachgrenzen hinaus funktioniert.

    • Danke, @Tobias

      @Elisabeth K. und ich machen bereits verblüffend starke Erfahrungen mit Perplexity.AI – vor allem, wenn auch Namen einbezogen werden, vgl. die Metapher vom Talmud 2.0 bzw. KI-Talmud.

      Gestern haben Prof. Ince & ich nach Aufnahme der Quellcode-Folge mit Perplexity.AI ein wenig experimentiert – und sehr gestaunt!

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