Demokratieformen & Parteifamilien: Die Menschenwürde ist konsens- und christdemokratisch, aber nicht konservativ

In den letzten Tagen hatte ich auf Mastodon im Fediverse drei sehr schöne Erlebnisse:
- Nachdem die Schweizerinnen und Schweizer in einer Volksabstimmung mit über 70% die Putinknecht-„Neutralitätsinitiative“ des rechtslibertären Milliardärs Christoph Blocher (SVP) niedergeschlagen haben, wünschten sich fast 90% der dazu Befragten einen neuen Blogpost zur Konkordanzdemokratie.
- Mit ihrer kritisch-konstruktiven, zugleich herzlichen Laudatio zum Elisabeth-Preis der Caritas auf Angela Merkel (CDU) in Augsburg trieb mir die Satirikerin Sarah Bosetti Tränen in die Augen, als sie unter anderem „Werte“ beschwor, „nicht zuletzt christliche wie Nächstenliebe, Demut und vielleicht sogar so etwas Abgefahrenes wie Menschenwürde…“.
- Zum aktuellen jüdischen Laubhüttenfest Sukkot gab es mehrere, respektvolle Diskussionen auch über linken Antisemitismus, die IHRA-Definition und Stolpersteine im sächsischen Heidenau. Ich plane, am 7.10.2026 die Sukkat Salam in Fellbach zu besuchen, um gemeinsam mit allen Menschen guten Willens um die Opfer von Terror und Krieg zu trauern und für Frieden, Recht und Sicherheit für Israel & seine Nachbarn einzustehen. Sie kennen ja ggf. meine Meinung dazu schon: Wenn es nicht bald zu einer Zusammenarbeit der Völker und Staaten kommt, wird dort in wenigen Jahrzehnten gar kein menschliches Leben mehr gedeihen können. Wie ich es auch gegenüber Schülerinnen und Schülern immer wieder sage: Es gibt keine Menschenwürde erster und zweiter Klasse.
Also, gehen wir es doch inhaltlich an:
In der Geschichte haben sich zwei große & eine kleine, parlamentarische Traditionen entwickelt:
a) Der angelsächsisch-anglikanische Westminster-Parlamentarismus mit Mehrheitswahlrecht und also einer Parteien – Konkurrenzdemokratie mit je einer liberalen und einer konservativen Partei, wie „Labour“ und „Tory“ in Großbritannien, „Democrats“ und „Republicans“ in den USA, „Liberals“ und „Conservatives“ in Kanada.
Parteien-Koalitionen sind hier meistens unbekannt, weil unnötig. Gemeinsame – auch zivilreligiöse & christliche – Werte und die Vielfalt der Wahlkreise sollten dafür bürgen, dass überparteiliche („bipartisan“) Mehrheiten möglich bleiben und die Wahlen zur Mitte hin gewonnen werden. Warum das weltweit kaum noch funktioniert, schauen wir uns später an.
Darstellung der Parteien-Konkurrenzdemokratie auf Basis von Mehrheitswahlrecht in den Westminster-Parlamenten (UK, USA, Kanada, Australien usw.) Grafik: Michael Blume mit NotebookLM, 2025
b) Der kontinentaleuropäische & teilweise lateinamerikanische Parlamentarismus auf Basis von Verhältniswahlrecht und Föderalismus, also einer parlamentarischen Konsensdemokratie mit Koalitionsregierungen. Hier entwickelten sich also sozial- und christdemokratische Parteifamilien, die wiederum koalitionsfähig mit anderen demokratischen, etwa liberalen, sozialistischen, ökologischen Parteien sein sollten.
Deswegen versteht die Demokratie- und Parteiengeschichte nicht, wer – wie etwa der in der in der CDU-Grundsatzkommission zu Recht gescheiterte „Republik 21“-Frontmann Andreas Rödder – christdemokratische Parteien als „nur“ konservative Parteien nach Westminster-Vorbild einordnen möchte. Während nur konservative Parteien vor allem Reaktanz & Privilegien verteidigen, verteidigen christdemokratische Parteien den religiösen und philosophischen Mitte-Wert der Menschenwürde.
Die deutsche Christdemokratie einschließlich des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer (CDU) wurzelte daher im Weimarer „Zentrum“ und ausdrücklich NICHT in der preußisch-rechtskonservativen DNVP, die die Nazis an die Macht brachte.
In parlamentarischen Konsensdemokratien sind konservative Parteien allenfalls die säkulare Schwundstufe früherer Christdemokratien – wie wir sie ja derzeit leider auch an wiederholten Entgleisungen der Bundes-CDU besichtigen können.
Wer den Menschenwürde-Unterschied zwischen christdemokratischen und konservativen Parteifamilien nicht versteht, zerstört die Substanz der Christdemokratie. Foto: Michael Blume
c) Als einen Spezialfall der Konsensdemokratie gilt die alpine Gebirgsregionen-Konkordanzdemokratie der Schweiz, die ohne Verfassungsänderungen und ohne Bundesverfassungsgericht alleine durch föderale Mimesis im 20. Jahrhundert eine demokratische Allparteien-Regierung mit starkem Föderalismus und Volksabstimmungen verband.
Konkordanzregierungen werden dabei aus allen größeren Parteien gebildet und wirken kollegial, ihre Entscheidungen können aber auch jederzeit durch Volksabstimmungen herausgefordert und bisweilen korrigiert werden.
In einem früheren Blogpost schilderte und diskutierte ich die Schweizer Konkordanzdemokratie auch mithilfe eines Schweizer Erklärvideos. Screenshot: Michael Blume
Konkordanzdemokratische Elemente haben sich aus der süddeutschen Ratsverfassung in der bundesdeutschen Kommunalpolitik sowie in der EU im Zusammenspiel der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlamentes herausgebildet. Deswegen sind heute auch deutsche Mitglieder des Europäischen Parlamentes (MdEP) meist viel freier in ihrer Amtsausübung als die durch „Koalitionsdisziplin“ gezügelten Mitglieder des Bundestages (MdB).
Aufgrund der antisemitischen Hisbollah-Terrormiliz gilt jedoch die Konkordanzdemokratie im Libanon als stark geschwächt, wenn nicht gar als gescheitert.
Und selbstverständlich gibt es angesichts der Vielfalt der Welt zunehmend Mischformen und Verschiebungen:
In der Bundesrepublik Deutschland wurde mit Koalitionsverträgen und Parteivorsitzenden-Koalitionsausschüssen seit 1961 der Bundestag (als einziges, direkt gewähltes Bundesorgan) systematisch geschwächt.
In den Westminster-Demokratien Neuseeland und Israel setzte sich das Verhältniswahlrecht durch.
In Frankreich widersetzte sich die christdemokratische MRP erfolglos einer Präsidialdemokratie mit Mehrheitswahlrecht und löste sich 1967 auf. Doch gerade erst würdigte Papst Leo XIV. in Metz den bedeutenden MRP-Europapolitiker Robert Schuman (1886 – 1963), dem Papst Franziskus bereits 2021 den „heroischen Tugendgrad“ zuerkannte und für den sogar ein vatikanisches Verfahren zur Seligsprechung läuft.
In Italien ging die Democrazia Christiana (DC) 1993 an Korruptionsskandalen unter und wurde durch rechtspopulistische und post-faschistische Parteien ersetzt.
In Ungarn gewann der Christdemokrat Péter Magyar (TIDESZ / EVP) die parlamentarische Konsensdemokratie mit Gewaltenteilung vom rechtsdualistischen Vikor Orban (FIDESZ / PfE) zurück.
In den USA erneuert der texanische US-Demokrat James Talarico gerade die Allianz eines progressiven Christentums mit der US-Demokratie. Hier auf dem Blog war er bereits im März 2026 Thema, die Stuttgarter Zeitung nannte ihn heute (29.9.2026) auf Seite 3 den „Obama von Texas“. Der Mann unterscheidet und kann nicht nur biblische Religion, sondern auch politische Zivilreligion – so betonte er die Herleitung des Staatsnamens Texas aus der Bezeichnung „tejas“ der Caddo-Hasinai-Stämme für „Freunde, Verbündete“.
Der jüdisch-christliche Podcast-Dialog zwischen Ezra Klein und James Talarico von 2026 ging nicht nur in die Religions- und Medien-, sondern auch in die Politikgeschichte ein. Screenshot: Michael Blume
Wäre die (Schweizer) Konkordanzdemokratie auch für Deutschland geeignet?
Angesichts des kläglichen Zustandes der deutschen Konsensdemokratie und der weitgehenden Entmachtung des Bundestages durch Parteivorsitzende und Ministerien wird mir immer wieder die Frage gestellt, ob ich die Übernahme des „Schweizer Modells“ befürworten würde.
Meine Antwort – auch schon zur Bundestagswahl 2025 – ist:
Eine Konkordanzregierung nach Schweizer Vorbild wäre auf Basis des deutschen Grundgesetzes jederzeit möglich, aber könnte auch scheitern.
Eine „volle Konkordanz“ müsste auch die AfD einbeziehen, wie die SVP in der Schweiz. Allerdings hat sich die AfD längst so weit radikalisiert, dass ich schon 2024 ein Parteiverbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht befürwortete. Sie in die Bundesregierung aufzunehmen könnte das Ende unserer Republik einleiten.
Eine „demokratische Konkordanz“ aus allen Bundestagsfraktionen außer der AfD würde wahrscheinlich sowohl Teile der CDU / CSU wie auch der Linkspartei überfordern. Sie wäre zudem dem rechtsdualistischen Vorwurf ausgesetzt, eine „Kartellregierung“ zu sein.
Eine „Mitte-Konkordanz“ aus CDU, CSU, SPD und Grünen könnte Bundestag und Bundesregierung im Falle eines Zusammenbruchs der Regierung Merz – Klingbeil stabilisieren und ohne Parteien-Koalitionsverhandlungen sowohl eine Minderheitsregierung wie auch sofortige Neuwahlen verhindern.
Allerdings könnte dies als Konkordanz auf Dauer nur funktionieren, wenn auch Möglichkeiten der Bürgerforen und Volksabstimmungen ergänzt werden – und es ist noch demokratietheoretisch unklar, ob dies in größeren Republiken mit weit über 20 Millionen Menschen funktioniert.
Denn nach meiner Einschätzung besteht die aktuelle Herausforderung aller Demokratiemodelle vor allem aus 1. der digitalen Zerblasung, 2. dem Fossilismus und 3. der Demografie.
So löst sich durch digitale Medien die gemeinsame Öffentlichkeit in zahlreiche Blasen auf und in algorithmischen Konzernmedien werden Menschen negativ emotionalisiert („thymotisiert“). Dies geschieht auch in der Schweiz und wurde durch reiche Rechtspopulisten und Putin-Trolle auch dort befördert.
Der dringend notwendig Wechsel von der fossilen Industriegesellschaft zur post-fossilen Kreislaufwirtschaft wird in allen drei Demokratieformen durch fossile Konzernlobbys und Konzernmedien erbittert bekämpft. Die Publikative bleibt die Schwachstelle jeder größeren, demokratischen Republik. Derzeit boomen Batteriespeicher im EU-Mitgliedsstaat Bulgarien – weil sie dort nicht fossil blockiert werden! In Deutschland und der Schweiz sitzen dagegen noch immer fossile Lobbyistinnen und Lobbyisten auch in den Regierungen.
Und schließlich erlahmt durch rapide schrumpfende Nachwuchszahlen auch das wirtschaftliche Wachstum in allen Industriegesellschaften, während die Armen-, Sozial- und Gesundheitsausgaben zunehmen. Japan „beweist“ seit über 30 Jahren, dass noch so viel Arbeitsfleiß, Technologie und Verschuldung die demografische Stagnation nicht mehr überwinden kann.
Dennoch haben bisher weder Deutschland noch die Schweiz daraus sozialpolitische Lehren gezogen oder auch nur die Erbschaftssteuern erhöht. In unterjüngenden Gesellschaften haben es Zukunftsthemen schwer. Noch immer überwiegt in beiden Ländern daher fossile Konzern- über sozialer Familienpolitik.
In Folge 51 von „Blume & Ince“ diskutierten der BWL-Professor Dr. Inan Ince und ich die Frage, ob Japan durch Mehrarbeit, Technologie und Verschuldung gegen die demografische Implosion weiterwachsen konnte. Die klare Antwort ist: Nein, konnte und kann es nicht. Screenshot: Michael Blume
Fazit
Ich plädiere daher auch als Politikwissenschaftler dafür, dass möglichst jede Demokratin und jeder Demokrat die drei Demokratiemodelle der Konkurrenz-, Konsens- und Konkordanztheorie sowie die beiden großen Traditionen der Westminster- und Kontinentaleuropa-Parlamente kennt. Es ist immer hilfreich, zu unterscheiden und auch voneinander lernen zu können!
Die Bundesrepublik Deutschland könnte und sollte seine noch demokratisch gewählten Parlamente sowie Bürgerforen und Volksabstimmungen stärken.
Aber die Grundprobleme der Publikative, des Fossilismus und der Demografie sind bisher in keiner Demokratie vollumfänglich gelöst worden. Auch ein Wahlsystem-Wechsel alleine wird uns diese schwierigen Sachthemen nicht abnehmen. Beobachte ich.





Guten Abend, @Michael,
Mit großem Interesse lese ich Deinen Blogpost, der mal wieder zeitnah wertvolle Gedankenhilfe für die aktuelle Lage gibt. Ich möchte kurz hierzu einen Gedanken und eine Quelle beisteuern:
„Allerdings könnte dies als Konkordanz auf Dauer nur funktionieren, wenn auch Möglichkeiten der Bürgerforen und Volksabstimmungen ergänzt werden – und es ist noch demokratietheoretisch unklar, ob dies in größeren Republiken mit weit über 20 Millionen Menschen funktioniert.“
„So löst sich durch digitale Medien die gemeinsame Öffentlichkeit in zahlreiche Blasen auf und in algorithmischen Konzernmedien werden Menschen negativ emotionalisiert(„thymotisiert“). Dies geschieht auch in der Schweiz und wurde durch reiche Rechtspopulisten und Putin-Trolle auch dort befördert.“
Ich möchte hier gerne auf die Bedeutung des Föderalismus sowie, ganz allgemein, auf die Belebung von kommunalen Projekten eingehen – etwa Windenergie in Bürgerhand mit Beteiligung von Energie-Genossenschaften, wodurch Selbstwirksamkeit ermöglicht wird– sowie, im kleinsten Raum, auf die Rolle lebendiger Nachbarschaften. (Bei uns im Viertel bildet sich gerade eine Nachbarschaftsinitiative, und dieser Prozess trägt allein schon allein darin erste Früchte, dass man die Menschen nebenan besser kennenlernt, sich gegenseitig hilft und– auch über Themen, bei denen man ganz verschiedener Ansicht ist– ins Gespräch kommt. Von Mensch zu Mensch, nicht virtuell.)
Meine These: Kleinere „Räume“ sollten auch von demokratischen Kräften wieder zurückgewonnen oder neu geschaffen werden.
Denn einerseits geht der große öffentliche Raum (auf Ebene der Bundesrepublik) durch digitale Zerblasung langsam zugrunde, wie Du es ja hier und an anderen Stellen eindrucksvoll beschreibst. Wie erfolgreich die Rechten es verstehen, lokale, kleinere „Räume“ in Besitz zu nehmen und zu ihren Gunsten zu verändern, ist in diesem Text von Christoph Maier von der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt (auf Mastodon: https://bildung.social/@evakademie) eindrucksvoll dargelegt.
Hier wird von großen und kleinen „Öffentlichkeiten“ gesprochen:
„Eine Erklärung für das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt liegt für mich darin, dass der Kampf um die ‚kleinen Öffentlichkeiten‘ verloren ging. Dem langfristigen, strategischen und hochprofessionellen Agieren der AfD in diesen Räumen konnte kaum etwas entgegengesetzt werden. Kleine Öffentlichkeiten sind sozial überschaubare Kommunikationsräume zwischen dem Privaten und der massenmedial vermittelten Öffentlichkeit. Sie entstehen überall dort, wo Menschen in Vereinen, Kirchengemeinden, kommunalen Zusammenhängen, Nachbarschaften, Initiativen oder Freundeskreisen gesellschaftlich relevante Fragen verhandeln.“
Und weiter:
„Eine besondere Rolle spielen lokale Respekts- und Vertrauenspersonen, deren Glaubwürdigkeit sich aus persönlicher Bekanntheit, sozialer Reputation und bewährten Beziehungen speist.“
Im Text der Ev. Akademie wird argumentiert, dass „große Öffentlichkeiten“ hingegen „durch institutionelle Position, Expertise oder mediale Reichweite“ geleitet werden (was sie offenbar zu verlässlicheren Räumen des aufgeklärten Dialogs macht). Da stimme ich generell zu, möchte aber hinzufügen, dass selbst dies in Zeiten der digitalen Thymotisierung nicht mehr ganz zutrifft. Ich habe hingegen den Eindruck, dass die Teilnehmer der „großen Öffentlichkeiten“ mittlerweile wie besoffene Hühner durch die Gegend rennen und zu keiner, wie auch immer gerichteten, sinnvollen Aktion mehr in der Lage sind. Statt vernunftgeleitet über die wirklich drängenden Probleme zu reden, wird die Aufmerksamkeit auf Nebenschauplätze (ich denke aktuell Philipp Amthors Strandkorb etc) gelenkt und die „große Öffentlichkeit“ immer weiter ihres Verstandes beraubt. Mediale Formate wie die üblichen Talkshows, in denen es weniger um gemeinsamen Erkenntnisgewinn, sondern um Aufregungssteigerung zu gehen scheint, tragen zu einem guten Teil dazu bei.
Spannend finde ich, dass Christoph Maier weiter religionswissenschaftlich argumentiert, wenn er erklären will, warum nun gerade auch die „kleinen Öffentlichkeiten“, die zur Zeit der Wende ja einen großen Anteil an einer friedlichen Revolution hatten, offenbar derzeit eine Schwachstelle bilden, die den Erfolg der Rechtsextremen ermöglicht. Einerseits gilt nach seiner Argumentation:
„Kleine Öffentlichkeiten können gerade deshalb demokratisch bedeutsam sein, weil hier Wahrhaftigkeit und Wahrheit, Erfahrung und Evidenz, Person und Sache miteinander verbunden werden können, ohne sie zu verwechseln.“
„Allerdings droht genau diese Unterscheidungsfähigkeit verloren zu gehen. Populistische Kommunikation profitiert davon, unterschiedliche Geltungsmodi bewusst ineinanderzuschieben. Persönliche Erfahrung wird dann zur Tatsachenbehauptung, subjektive Gewissheit zum Beleg, Aufrichtigkeit zum Wahrheitskriterium und Zugehörigkeit zur Voraussetzung dafür, überhaupt erkennen zu können, ‚wie es wirklich ist‘.“
Er verwendet hierbei ein Bild von Martin Luther (vom „Ineinanderkochen“ zweier Reiche) und schließlich:
„Wo religiöse Kommunikation und bekenntnishaftes Sprechen fremd geworden sind, fehlt möglicherweise auch die Übung darin, verschiedene Formen des Wahrheitsanspruchs auseinanderzuhalten.“
Und daher weiter:
„In der Beobachtung des Wahlkampfes hatte ich manches Mal den Eindruck, weniger einer politischen Auseinandersetzung als einer ethnopluralistischen Glaubensgemeinschaft mit charismatischem Prediger zuzusehen. Wo politische Überzeugungen zu Bekenntnissen werden, Zugehörigkeit an die Stelle von Begründung tritt und Widerspruch den eigenen Glauben nur noch bestärkt, verändert sich der Charakter demokratischer Öffentlichkeit radikal.“
Daher haben „kleine Öffentlichkeiten“ das Potenzial, Aufklärung zunichte zu machen und populistische Akteure zu stärken.
Umso wichtiger ist es, dass wir uns unsere „kleinen Öffentlichkeiten“ bewahren bzw neue schaffen und gegen die Faschisten verteidigen. Es wäre spannend, herauszufinden, was „kleine Öffentlichkeiten“, die sich für Aufklärung und Demokratie einsetzen, von solchen unterscheidet, die in Populismus und menschenverachtende Richtung abbiegen. Ich denke, Du kannst das aus Deiner Erfahrung mit interreligiösen Dialogen hier bestimmt viel besser verstehen.
Vielen herzlichen Dank, lieber @Peter
Dein wunderbarer Kommentar erreichte mich in der Synagoge Stuttgart, wo wir – jüdische, christliche, muslimische, anders- und nichtglaubende Menschen aus Staat & Zivilgesellschaft – heute das jüdische Neujahrsfest Rosch HaSchana und das Laubhüttenfest Sukkot gemeinsam begingen.
Es war also genau eine solche interreligiöse, gleichzeitig große und „kleine Öffentlichkeit“ an einem konkreten Ort, in der wir Verschwörungsmythen und feindseligen Dualismus gemeinsam zurückwiesen.
Und, ja, ich kann die Beobachtungen von Christoph Meier bestätigen, dass die Sehnsucht nach (zivil-)religiöser Gemeinschaft und Sinngebung in Parteiblasen eher eskaliert, wenn gemeinsame, tatsächlich interreligiöse Begegnungen seltener werden. Dann fehlt wirklich „die Übung darin, verschiedene Formen des Wahrheitsanspruchs auseinanderzuhalten“, wie Du es so trefflich zitiert hast!
Ich habe wirklich die Hoffnung, dass aus der gemeinsamen Verantwortung für Menschenwürde, Rechtsstaatlichkeit und Dialog ein Frieden erwächst, die über die vielen kleinen Öffentlichkeiten hinausstrahlt und vielleicht schon das Aufscheinen für eine neue Zeit einleitet.
In diesem Kontext freut mich auch sehr, dass es am Blogpost-Thema aus 2025 wieder neues und frisches Interesse gibt. Mir scheint, dass es Sinn macht, bereits gebloggte Themen hin und wieder mal neu aufzugreifen und zu aktualisieren – sowohl für wiederkehrende wie auch für neue Interessierte. Auch mir als Blogger macht das große Freude.
Dir herzlichen Dank für den großartigen Druko, den ich mir morgen dann noch einmal durchlesen werde!
@ Gutsche
Seit Jahren wird auch medial veröffentlicht, dass die AFD in kleinräumigen Öffentlichkeiten vertreten ist, aber etablierte Parteien nicht.
Was unterschätzt wird ist meiner Meinung nach, dass es auch Menschen geben muss, die sich dafür engagieren. Die den Aufwand und die Energie dafür aufbringen.
Ist dieser Energieaufwand genuin? Ist dieser Aufwand egoistisch oder altruistisch?
Was treibt diesen Aufwand an? Was lässt andere abwesend sein?
Was politisiert diesen Energieaufwand?
Ist es nur Verteidigung der kleinräumigen Interessen mit dem großen Geld? Vermutlich.
Guten Abend, @Mussi,
vielen Dank! Ich stimme zu:
„Was unterschätzt wird ist meiner Meinung nach, dass es auch Menschen geben muss, die sich dafür engagieren. Die den Aufwand und die Energie dafür aufbringen.“
In den „kleinen Öffentlichkeiten“ kommt es, wie im verlinkten Text der Evangelischen Akademie beschrieben, auf Personen an, denen man vertraut. Diesem Vertrauen folgt dann auch das Vertrauen in die von ihnen vertretenen Standpunkte. Das fällt oft leichter, als sich streng rational mit einer komplexen Sache auseinanderzusetzen oder Experten zuzuhören.
In der Coronazeit konnte man immer wieder beobachten, wie Schauspieler und andere Prominente – die den meisten sympathisch waren und die man kannte– sich als Experten für Impfungen und Ähnliches aufspielten. Ein Wissenschaftler, der tatsächlich Experte auf diesem Gebiet war und seine Worte sorgfältig wählte, hatte dagegen medial kaum eine Chance.
Die AfD hat es perfektioniert, den Menschen durch vermeintlich sympathische oder dem „gemeinen Volk“ zugerechnete Vertreter das Vertrauen in Dinge zu erschleichen, die einer rational-kritischen Prüfung nicht standhalten würden. Und in der Rolle dürfen sich diese „Sympathos“ dann erstaunlich viel erlauben, ohne dass man es ihnen übel nimmt (Vetternwirtschaft etc).
Meine Folgefrage wäre dann: Wie schaffen es die Freunde der Aufklärung, den Populisten hier die „Show zu stehlen“?
@ Gutsche
Das GG verteidigt das Recht auf Leben in Folge der Menschenwürde.
Was ist aber, wenn die Dunkle Triade Macht erlangt und dieser Grundsatz deshalb missachtet wird? Das ist die Folge aus der Ungleichwertigkeit von Menschenwürde?
Das passiert in der kleinen Öffentlichkeit.
Elitäre gegen egalitäre Menschenwürde und Folge identitärer Ideen.
@Gutsche
Und das ist die Frage nach dem Universalismus der Menschenwürde und des Gewissens…
@Mussi & @Gutsche
Ja, hier freue ich mich über inhaltliche Übereinstimmungen und dialogische Ergänzungen!
So sahen wir ja erst neulich im Blogpost über die bewundernswerte Arbeit der Schweizer Philosophin Jeanne Hersch (1910 – 2000), dass es neben der biblischen auch eine Zeit-philosophische Herleitung von Menschenwürde gibt:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/menschenwuerde-freiheit-zeit-jeanne-herschs-begruendung-der-menschenwuerde/
Auch das englische Wort für Gewissen conscience aus dem lateinischen conscientia = Mit-Wissen verdeutlicht die Bedeutung der Gleich-Zeitigkeit für ein gewissenhaftes Erfühlen von Menschenwürde, die auch, aber keineswegs ausschließlich religiös begründet werden kann. Auch hier liegen also gute Gründe für ein dialogisch-komplementäres, ein duales und nicht-dualistisches Verständnis von Menschenwürde vor.
Mit herzlichem Dank und den besten Wünschen für eine gute Nacht!
@Hauptartikel
„Denn nach meiner Einschätzung besteht die aktuelle Herausforderung aller Demokratiemodelle vor allem aus 1. der digitalen Zerblasung, 2. dem Fossilismus und 3. der Demografie.“
1. Nun gut, die digitale Zerblasung könnte mit mehr Fediversum aber vielleicht auch mit KI entschärft werden. Wenn es eben der KI gelingt, dann doch was Verbindliches immer und immer wieder zu suchen, und so wieder eine gewisser öffentlicher Fundus von gesicherter Erkenntnis verbreitet Schule macht.
2. Den Fossilismus werden wir auf Dauer mit dem verbreiteten Einsatz der Grünen Technik dann auch endlich und nachhaltig wieder los. Wenn eben alle Umsätze mit den Fossilen Brennstoffen enden, endet eben auch die unselige Lobbykorruption, die noch damit verbunden ist.
3. Und die Demografie sollte vielleicht daran ansetzen, dass es nicht funktioniert, dauerhaft ständig neue Einwanderer anzuziehen. Das hat jetzt ein paar Jahrzehnte funktioniert, aber ein Ende davon scheint mir absehbar. Nicht nur dass die Ablehnung von immer mehr Menschen von außerhalb Europas immer mehr zunimmt, auch innerhalb der EU kann es sogar in die Gegenrichtung gehen, wenn viele Einwanderer aus Osteuropa wieder in ihre Heimat zurückkehren, weil da inzwischen das Leben auch wieder floriert.
Die Konsequenz wäre, wenn dies nun zutrifft, wirklich unbedingt wieder auf erhaltende Nachwuchsraten zu kommen. Ich denke das Hauptproblem hierbei war und ist, dass Jungen Familien das Geld fehlt, dass Ältere, die inzwischen geerbt haben, einkassieren und da praktisch keine Steuern drauf zahlen. Und für die ist die Sache abgelaufen, in dem Alter, in dem man meistens seine Erbschaft macht, sind die Kinder schon aus dem Haus.
Und der Zug ist dann definitiv biologisch abgefahren.
Zumal auch eine höhere Besteuerung von Kapital aller Art die Binnennachfrage auch dann ankurbelt, wenn es noch gar nicht zu mehr Nachwuchs kommt. Es läuft dann aber wenigstens alles schon mal besser.
Und ich vermute, dass die Entscheidung für mehr Kinder eine eher langfristige ist. Eine durchgreifende Förderung muss schon länger praktiziert werden, bis die Leute darauf wirklich vertrauen können. Und dass sie auch mit 3 oder 4 Kindern so gut gefördert werden, dass das nicht doch noch wieder in die persönliche Armut führt.
Einerseits muss das eben auch funktionieren, wenn die Beziehung scheitert. Und mit nur 2 Kindern als Ziel ist das Problem nicht gelöst. 15 % der Paare können sowieso schon biologisch keine Kinder bekommen, und vermutlich noch mal so viele wären aus psychischen Gründen mit der Elternrolle überfordert. Entsprechend müssen dann die verbliebenen 70 % auf 2,1 Kinder insgesamt kommen.
Man müsste also 4 oder sogar 5 Kinder anstreben, damit das dann am Ende passt. Entsprechend klar dürfte damit sein, dass hier insbesondere Alleinerziehende wirklich üppig gefördert werden müssen.
Auch hilfreich wären hier Väter, die sich fleißig an der Carearbeit beteiligen. Wenn die Mutter zwar reichlich finanziell versorgt ist, aber alles alleine machen muss, ist das so toll dann auch nicht mehr. Mit 4 Kindern ist man dann voll beschäftigt, und kommt kaum noch raus aus dem eigenem Haushalt, und sieht sonst nicht mehr viel von der Welt. Und so manche Frau ist ja auch von ihrem Beruf durchaus auch begeistert.
Wenn die ganze Familie gut versorgt ist, und auch die Männer die halbe Carearbeit machen, dann können beide mindestens eine Halbe Stelle weiterarbeiten gehen. Das wäre vermutlich auch sehr hilfreich.
Und wenn man schon zu Studienzeiten mit der Familiengründung anfangen kann, ohne dass dann eine berufliche Zukunft schwieriger wird, umso besser, dann kommen die Kinder früher, und es klappt dann am Ende auch eher mit 4 oder sogar 5 Kindern. Die Fruchtbarkeit hat schon seine Grenzen, auch vor den Wechseljahren nimmt die deutlich ab.
Lieben Dank für Deine konstruktiven Überlegungen, @Tobias 😌🙏✅
Aus meiner Sicht geht es bei den ersten beiden Punkten der digitalen Zerblasung / Thymotisierung und des Fossilismus vor allem um die Überwindung von Abhängigkeiten.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/mimetische-abhaengigkeiten-drogen-fossile-gewaltenergien-algorithmische-konzernmedien-verschwoerungsmythen/
Ich stimme Dir völlig zu, dass diese technisch gesehen kaum mehr bestehen – längst gibt es das Fediversum und immer günstigere, erneuerbare Friedens-, ja Wohlstandsenergien mit Batteriespeichern.
Gleichwohl sehen wir am Beispiel von Drogen wie Kokain, dass es leider auch immer Menschen gibt, die mutwillig sich selbst, anderen und der Mitwelt schaden, dazu auch Kriminalität finanzieren. Auch beim Fossilismus sehen wir doch, dass die Widerstände gegen erneuerbare Heimatenergien, Elektroautos, Wärmepumpen, Batteriespeicher usw. längst nur noch volkswirtschaftlich schaden, aber für die Profite weniger trotzdem aufrecht erhalten werden.
Bei der Demografie kommt noch hinzu, dass gerade auch kinderreiche Familien ein Transzendieren des je eigenen Egoismus erfordern. Dazu werden nach meiner Einschätzung säkulare Mehrheiten kaum bereit sein & jene religiösen Gemeimschaften, die bereits kinderreich sind, lehnen meist zentrale Konzepte der modernen Gesellschaften ab.
Aus meiner Sicht kommt es also darauf an, auch Kontroll-Illusionen abzugeben und selber mimetisch schrittweise Verbesserungen zu leben. Niemand kann alles, aber alle können etwas verändern. Und durch den Zeitenumbruch hindurch dialogisch Sinn, Gemeinschaft und Wissen zu erkunden, das macht doch auch einfach Freude! 😃
Interessieren würde mich Deine Einschätzung der drei Demokratieformen, lieber @Tobias. Hättest Du eine Präferenz, siehst Du Tendenzen?
Dir Dank für Deine dialogischen Drukos, die ich gerne lese! ✅🙌
Wie immer eine hervorragende Analyse der Probleme und der Risiken die mögliche Änderung hervorbringen können.
Für mich handelt es sich dabei jedoch ausschließlich um Optimierungen und Verfeinerung des bestehenden Systems. Mich erinnert es gerade an die Konstrukteure von Verbrennungsmotoren. Die leisten alle exzellente Verbesserungsarbeit und halten gleichzeitig an einem von der Zeit und von äußeren Bedingungen überholten System fest.
Was, wenn Wahlen der Verbrennungsmotor der Politik sind?
Mir ist schon klar, dass ich hier mit losdemokratischen Vorschlägen keinen Punkt machen kann. Wie wäre ein Ansatz geloste Bürgerräte mehr in die Entscheidungsfindung auf allen politischen Ebenen einzubinden. Was gewählte Parlamentarier dann daraus machen bleibt dann nicht unbeeinflusst aber immer noch unabhängig. Es gäbe Lösungsvorschläge, die wirklich aus der Mitte von Gesellschaft kommen und nicht nur von elitären Gruppen. Es muss auch niemand von Beteiligung ausgeschlossen werden.
Herzlichen Dank für Ihren dialogischen Kommentar, @Peter Madlener, auf den ich entsprechend gerne ausführlicher eingehe:
Sie schrieben:
„Wie immer eine hervorragende Analyse der Probleme und der Risiken die mögliche Änderung hervorbringen können.“
Vielen Dank, das freut mich. Ich finde es auch gut, dass Sie zeigen, dass wir auf Basis der gleichen Befunde doch auch weiterhin verschiedene Schlussfolgerungen ziehen können.
„Für mich handelt es sich dabei jedoch ausschließlich um Optimierungen und Verfeinerung des bestehenden Systems. Mich erinnert es gerade an die Konstrukteure von Verbrennungsmotoren. Die leisten alle exzellente Verbesserungsarbeit und halten gleichzeitig an einem von der Zeit und von äußeren Bedingungen überholten System fest.“
Das sehe ich in der Tat anders, da nach meiner Auffassung des System des Grundgesetzes nie veraltet ist, sondern durch die digitalen Medienrevolutionen, die Klimakrise und die Demografie herausgefordert wird. Deswegen habe ich bereits 2017 den Verbrennungsmotor für immer hinter mir gelassen, nie aber das Grundgesetz und die Menschenwürde. Sowohl als Soldat wie dann auch als Landesbediensteter habe ich mich zu diesen Werten bekannt. Wenn Sie Grundgesetz und Menschenwürde entsorgen wollen wie ein altes Auto, dann werden Sie mich niederringen und ggf. töten müssen. Und, ja, das meine ich so. Ich war und bin bereit, unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung auch unter Einsatz meines Lebens zu verteidigen.
„Was, wenn Wahlen der Verbrennungsmotor der Politik sind?“
Wahlen sind keine fossile Antriebstechnologie, sondern ein Aspekt der Menschenwürde. Menschen haben für das Wahlrecht gekämpft und gelitten und Frauen haben es erst im 20. Jahrhundert errungen. Meine Eltern sind in der DDR aufgewachsen, in der es keine freien Wahlen gab. Wenn Sie mir und meiner Familie das Wahlrecht nehmen wollen, dann muss ich Ihnen in aller Freundlichkeit sagen: Nur über meine Leiche. Ich werde mein Haupt niemals vor Tyrannen beugen – weder vor fossilen Diktatoren noch „Losdemokraten“ oder KI-Programmen.
Zum Film 48/49 zur badischen Revolution habe ich gesagt und jedes Wort so gemeint:
„Jede Generation muss die Freiheit neu erringen, und neu verteidigen.
Die Badischen Revolutionäre haben es versucht, sie haben es damals nicht geschafft, aber sie haben diese Idee der Freiheit ins Land getragen.
Und diese Idee, die ist heute noch genauso aktuell, wie sie es in der Vergangenheit war und sie wird in Zukunft aktuell sein.“
https://www.youtube.com/watch?v=Z9pOheVW9jI
„Mir ist schon klar, dass ich hier mit losdemokratischen Vorschlägen keinen Punkt machen kann.“
Immerhin erinnern Sie daran, wofür Demokratinnen und Demokraten gekämpft haben – und wenn nötig wieder kämpfen werden. Die Relativierung unseres Grundgesetzes und der Menschenwürde halte ich für ein sicheres Anzeichen intellektueller Dekadenz.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/das-wahlrecht-als-menschenwuerde-warum-ich-zensus-und-losdemokratien-ablehne/
„Wie wäre ein Ansatz geloste Bürgerräte mehr in die Entscheidungsfindung auf allen politischen Ebenen einzubinden. Was gewählte Parlamentarier dann daraus machen bleibt dann nicht unbeeinflusst aber immer noch unabhängig. Es gäbe Lösungsvorschläge, die wirklich aus der Mitte von Gesellschaft kommen und nicht nur von elitären Gruppen. Es muss auch niemand von Beteiligung ausgeschlossen werden.“
Dazu habe ich mich mehrfach positiv bekannt, zumal wir in Baden-Württemberg mit genau so einem gelosten Bürgerforum zu G8/G9 hervorragende Erfahrungen gemacht haben:
https://beteiligungsportal.baden-wuerttemberg.de/de/mitmachen/lp-17/buergerforum-g8-g9/buergergutachten
Es ist genau, wie Sie hier erkennen: Geloste Bürgerräte und -foren sind ein hervorragendes Mittel, um demokratische Wahlen zu ergänzen. Sie sind jedoch kein Weg, um sie zu ersetzen. Wer erwachsenen Menschen das Recht auf demokratische Wahlen ihrer Parlamente und Regierungen nehmen will, wird dazu viele Menschen mit Gewalt niederringen, ggf. töten müssen – auch mich.
„Vor der Freiheit sei kein Frieden.“ – Georg Herwegh (1817 – 1875)
Übrigens gab es bereits vor über hundert Jahren schon Elektroautos – hier auch in Tübingen:
https://blog.swtue.de/aus-dem-geschichtsbuch-der-e-mobilitaet/
Mit demokratischem Dank vom Solarpunk!
Vielen Dank für Ihre Antwort @Michael Blume auf meine Kritik.
Es freut mich, dass wir mit ergänzenden gelosten Bürgerräten einen gemeinsamen Punkt gefunden haben.
Was mich irritiert hat, ist die heftige Reaktion auf potenzielle Verfassungsänderungen. Ich kann Ihnen versichern, dass ich weder Menschenwürde noch das Grundgesetz entsorgen möchte. Auch lebensbedrohende Kämpfe, für wen auch immer, sind mir in diesem Zusammenhang fremd.
Ich denke, der kritische Punkt ist eine direkte Verbindung zwischen Wahlrecht und Menschenwürde. Weswegen meine Kritik an Wahlen, auch als Kritik an der Menschenwürde verstanden werden kann.
Damit verschiebt sich unsere unterschiedliche Auffassung von Demokratie darauf wie wir Menschenwürde referenzieren. Deswegen wird es mich freuen, wenn ich meine Referenz hier darlegen darf.
Für mich bedeutet Menschenwürde nicht beherrscht zu werden.
Wahlen halte ich deswegen nicht für ausreichend, weil zwar die jeweiligen Herrscher aus einer gegebenen Gruppe ausgewählt werden können, aber Herrschaft über andere dadurch nicht aufgehoben wird.
Zitat:
“es gilt als oligarchisch, zu wählen, und als demokratisch, zu losen” ~ Aristoteles (Politik, 1294b)
Vielleicht gelingt es, mit diesen Ergänzungen die Diskussion produktiv und ohne Kämpfe fortzusetzen.
Lieben Dank für unseren Dialog, @Peter Madlener
Aus meiner Sicht gehört es unbedingt zur Menschenwürde, dass etwachsene Menschen ihre Regierungen demokratisch wählen dürfen.
Für dieses Recht haben Tausende auch in Deutschland gekämpft und ihr Leben gegeben. Und ich stimme ihnen da unbedingt zu.
Dass Sie von Verfassungsänderungen fabulieren, die mir und anderen Deutschen das Wahlrecht nehmen würden, klingt für mich daher nicht intellektuell, sondern bedrohlich. Und da sage ich Ihnen in aller Freundlichkeit und Klarheit: Nur über meine Leiche. So habe ich es gelobt und gemeint.
Vielen Dank für die diesen wissenswerten Artikel.
In Frankreich gab es von 1978 bis 2007 die UDF (Union pour la démocratie française). Der französische Präsident Valéry Giscard d’Estaing wurde von der UDF unterstützt. In der französischen Wikipedia wird sie auch als „christdemokratisch“ bezeichnet. Ich hatte die Ehre, einen Abgeordneten der Nationalversammlung, der der UDF angehörte, persönlich zu kennen.
Unsere heute maßgeblichen demokratischen Parteien wurden nach dem 2. Weltkrieg gegründet. Davon ausgenommen ist die sehr viel ältere SPD. Die CDU entstand vor der Gründung der BRD und wurde im Westen zur staatstragenden Volkspartei. Die Grünen als Partei gibt es seit 1979.
CDU, SPD und Bündnis90/Die Grünen sind auch nach 1990 vom Westen dominierte Parteien gewesen. Im Falle der CDU ändert sich daran nichts durch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die in der DDR aufgewachsen ist und dort lebte.
Wichtig ist mir darauf hinzuweisen, dass Sachsens langjähriger Ministerpräsident Kurt Biedenkopf aus Westdeutschland kam.
Kann es sein, dass die Betonung des Konservativen in der CDU u.a. daran liegen könnte, dass dies ein Bindeglied zwischen West und Ost darstellt? Kirchen, Glaube, Religionen spielten in der DDR keine Rolle.
Grundlagen unserer Demokratie sind die Fähigkeit zum Kompromiss, die Akzeptanz, dass Macht nur auf Zeit vergeben wird (vom Wähler!), Partei- und Wahlprogramme, die den Bürgerinnen eine Auswahl erlauben und vor allem sind es Politiker, die mit ihrem Mandat verantwortungsvoll umgehen. Und sicherlich noch vieles mehr.
Leider gelingt das Obengenannte immer weniger. Politiker erliegen teilweise der Versuchung, Medien nicht mehr als Form sachbezogener Information für ihre Mitbürger zu nutzen, sondern dafür, demokratische Mitbewerber „loszuwerden“.
Das sind keine guten Aussichten. Freuen kann sich darüber nur eine Partei. Kein überzeugter Demokrat kann das wollen – ob konservativ, progressiv, christ- oder sozialdemokratisch etc. Imho.
Herzlichen Dank, liebe @Marie H. – gerne gehe ich auf Ihren tiefen Kommentar ein!
„Vielen Dank für die diesen wissenswerten Artikel.“
Sehr gerne! Ich freue mich über das rege und in Ihrem Fall auch dialogische Interesse.
„In Frankreich gab es von 1978 bis 2007 die UDF (Union pour la démocratie française). Der französische Präsident Valéry Giscard d’Estaing wurde von der UDF unterstützt. In der französischen Wikipedia wird sie auch als „christdemokratisch“ bezeichnet. Ich hatte die Ehre, einen Abgeordneten der Nationalversammlung, der der UDF angehörte, persönlich zu kennen.“
Ja – wo immer christdemokratische Parteien untergegangen sind, haben sie eine Lücke hinterlassen. Teilweise gab es Nachgründungen, so auch in Italien. Auf Dauer waren diese jedoch bislang nicht erfolgreich.
„Unsere heute maßgeblichen demokratischen Parteien wurden nach dem 2. Weltkrieg gegründet. Davon ausgenommen ist die sehr viel ältere SPD. Die CDU entstand vor der Gründung der BRD und wurde im Westen zur staatstragenden Volkspartei. Die Grünen als Partei gibt es seit 1979.“
Ganz genau so ist es. Und mir ist es wichtig, dass Menschen verstehen: Ohne Verhältniswahlrecht hätte es diese Parteienvielfalt so nicht gegeben. Und das wäre schade. Es bedeutet aber umgekehrt auch die Bereitschaft zu Dialog und Kompromiss. Wer etwa „CDU pur“ verkündet oder auch von links jede Form von Kompromissen ablehnt, hat das deutsche Wahlsystem nicht verstanden.
„CDU, SPD und Bündnis90/Die Grünen sind auch nach 1990 vom Westen dominierte Parteien gewesen. Im Falle der CDU ändert sich daran nichts durch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die in der DDR aufgewachsen ist und dort lebte.“
Angela Merkel war übrigens zunächst Mitglied im Demokratischen Aufbruch (DA), bevor sie mit diesem dann 1990 in die CDU übertrat.
„Wichtig ist mir darauf hinzuweisen, dass Sachsens langjähriger Ministerpräsident Kurt Biedenkopf aus Westdeutschland kam.“
Umso wichtiger, dass wir eine erfolgreiche Bundeskanzlerin aus der ehemaligen DDR hatten.
Inzwischen ist die Laudatio von Sarah Bosetti auf Angela Merkel (CDU) auch auf YouTube abrufbar:
https://www.youtube.com/watch?v=LIMvUn_EjCY
„Kann es sein, dass die Betonung des Konservativen in der CDU u.a. daran liegen könnte, dass dies ein Bindeglied zwischen West und Ost darstellt? Kirchen, Glaube, Religionen spielten in der DDR keine Rolle.“
Da meine Familie aus dem heutigen Sachsen-Anhalt stammt und meine Großeltern bis zuletzt den christlichen Glauben gepflegt haben, möchte ich Ihrer allzu abwertenden Behauptung gegenüber Christentum und Kirche in der DDR widersprechen. Auch die mutige DDR-Demokratiebewegung sammelte sich ja nicht zufällig in und um die Kirchen. Ich finde als „Wossi“ schon, dass dies auch von Westdeutschen langsam mal anerkannt werden könnte.
Klar ist, dass die Menschen in der DDR zu einem großen Teil zwangs-säkularisiert wurden. Die Säkularisierung gab es aber auch in Westdeutschland und ebenso z.B. in Frankreich. Und ich würde Ihnen zustimmen, dass dies zu einem Abrutschen vieler in der CDU von einem christdemokratischen zu einem nur noch konservativen Verhalten führte. Dass die Mischung aus Konservatismus, Karrierismus mit zunehmenden Graubereichen in die Korruption dann zu einem Vertrauensverlust der Menschen führt, braucht niemanden zu überraschen. Meine ich.
„Grundlagen unserer Demokratie sind die Fähigkeit zum Kompromiss, die Akzeptanz, dass Macht nur auf Zeit vergeben wird (vom Wähler!), Partei- und Wahlprogramme, die den Bürgerinnen eine Auswahl erlauben und vor allem sind es Politiker, die mit ihrem Mandat verantwortungsvoll umgehen. Und sicherlich noch vieles mehr.“
Wir sollten uns hier der bangen Frage stellen, ob das Präventions- und Friedensparadox auch auf die Politik selbst zutrifft? Wie glaubwürdig können Politikerinnen und Politiker Werte vorleben, die keine echten Krisen gemeistert und oft nicht einmal einen Beruf außerhalb der Politik ausgeübt haben? Woher soll eine glaubwürdige Haltung bei Leuten kommen, die ihre heftigsten Kämpfe innerhalb der eigenen Parteiblasen ausgetragen haben?
„Leider gelingt das Obengenannte immer weniger. Politiker erliegen teilweise der Versuchung, Medien nicht mehr als Form sachbezogener Information für ihre Mitbürger zu nutzen, sondern dafür, demokratische Mitbewerber „loszuwerden“.“
Und gleichzeitig verschleppen sie ein Verbotsverfahren gegen die faschistische AfD, wie ich es bereits 2024 forderte:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-rede-zu-stuttgart-haelt-zusammen-2024-dual-und-monistisch/
„Das sind keine guten Aussichten. Freuen kann sich darüber nur eine Partei. Kein überzeugter Demokrat kann das wollen – ob konservativ, progressiv, christ- oder sozialdemokratisch etc. Imho.“
Ganz genau so ist es. Das Präventions- und Friedensparadox, die Klimakrise, die digitale Medienrevolution und die massive Unterjüngung bilden eine Polykrise, die unsere Demokratie durchaus zerstören könnte. Hier gibt es nichts mehr zu Beschönigen und nichts zu Beschwichtigen.
Meine Einschätzung der Rolle, die die Kirchen in der DDR spielten, ist keineswegs abwertend zu verstehen. Mir ist klar, dass die Kirchen in gewisser Weise wichtige Aufgaben übernahmen, dass seitens der Staats- und Parteiführung Religion aber verdrängt werden sollte. Zumindest habe ich es bisher so verstanden.
Sie stellen eine wichtige Frage, die ich folgendermaßen beantworten will.
„Wie glaubwürdig können Politikerinnen und Politiker Werte vorleben, die keine echten Krisen gemeistert und oft nicht einmal einen Beruf außerhalb der Politik ausgeübt haben?“
Werte müssen meiner Ansicht nach bereits im Kindesalter vermittelt werden. Eltern, Familie, Erzieher, Lehrerinnen, gesellschaftliche Institutionen wie z.B. Vereine etc legen dafür die Basis.
Es prägt die Menschen, wie sie mit Werten aufwachsen. Zählen für ihre Bezugspersonen nur materielle Werte, wie soll eine Beziehung zu Menschenwürde etc entstehen?
Wenn sich Politiker um Ämter und Mandate bewerben, gibt es fast immer Mitbewerber und Mitbewerberinnen. Entscheidend ist, wie man sich selbst „verkauft“, aber auch die partei-interne Stimmung usw. Da passieren schnell einmal Fehler, die den anderen Kandidaten einen Vorteil verschaffen.
Es sind nicht nur die von Ihnen erwähnten Partei-Blasen, sondern auch, ob wir Politiker haben, die sich immer in den sog. „besseren Kreisen“ bewegt haben. Glaubwürdigkeit kommt aus der inneren Haltung eines Menschen. Wem nur materielle Werte wichtig sind, dem fehlt die Eignung zur Führung. Imho.
Lieben Dank, @Marie H. – da bin ich ganz Ihrer Meinung.
Auch heute früh hat mich eine Meldung negativ berührt, nach der der Überreiche Elon Musk die Beziehung zu einer Partnerin, die ihm vier Kinder geboren hat, abrupt abgebrochen habe:
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117375054349791427
Mir ist klar, wie viele gerade auch junge Menschen sich mimetisch an Überreichen orientieren. Damit aber werden egoistische Lebensentwürfe normalisiert, die ich als zynisch und unwürdig empfinde & meinen Kindern auch nicht empfehlen würde.
Auch unter deutschen Bürgerlichen sind Säkularisierung und Individualisierung in einem Ausmaß fortgeschritten, das besinnungsloser Karrierismus bis hin zu Drogenmissbrauch und Korruption um sich gegriffen haben. Nachhaltig und glaubwürdig ist das nicht.
Stichwort „Werte“
Wir haben heute meiner Ansicht nach den Punkt erreicht, wo ideelle Werte wie die Menschenwürde und materielle Werte (Haus, Aktien, Barvermögen etc) gegeneinander ausgespielt werden.
Was uns als Gesellschaft fehlt, sind Persönlichkeiten in den Parteien und außerhalb davon, die auch gegen Widerstände vor allem aus den Medien die unbedingte Notwendigkeit ideeller Werte erklären.
Gerade jetzt, wo bereits konkrete Vorbereitungen für eine künftige „Remigration“ laufen. Offenbar wurde erst kürzlich ein Institut zu diesem Zweck gegründet! Sitz in Magdeburg.
Wo sind die Persönlichkeiten, die nicht nur ihre materiellen Werte verteidigen wollen, sondern sich beispielsweise für den Inhalt des Grundgesetzes einsetzen?
VW kündigt alle Tarifverträge, bedient aber weiterhin seine Aktionäre. Die Bundesregierung plant mW den Abbau von Arbeitnehmerrechten zugunsten der Unternehmen. Warum weist eigentlich niemand darauf hin, dass Arbeitnehmerrechte offenbar deshalb wegfallen sollen, um maximale Unternehmensgewinne zu generieren? Und zwar demnach nicht mit der Absicht Arbeitsplätze auch künftig zu sichern, sondern den Aktionären hohe Dividenden auszuzahlen. Werden diese Mittel irgendwo reinvestiert? Entstehen dadurch neue Arbeitsplätze oder bleiben heutige bestehen?
Das nächste wichtige Gebiet, das die Bundesregierung reformieren will, ist die Pflegeversicherung. Gerade die Pflege ist ohne die Menschenwürde nicht denkbar!
Mal ganz direkt und brutal: Wenn die AfD alle „remigriert“ hat – welche Gruppen sind dann wohl als nächstes dran?
Nach dem Spiel der deutschen Nationalmannschaft in Augsburg wurde insbesondere bei X ein massiver Anstieg rassistischer Kommentare registriert. Jürgen Klopp hat sich deutlich positioniert. Aus den Parteien habe ich nichts gehört.
@Michael 30.09. 07:53
„Bei der Demografie kommt noch hinzu, dass gerade auch kinderreiche Familien ein Transzendieren des je eigenen Egoismus erfordern.“
Wie soll man das ändern? Mit finanzieller Unterstützung und konkreter Einrichtungen wie Kitas und Ganztagsschulen kann man aber arbeiten. Und das wäre auch überaus gerecht, meine ich zumindest. Kinder sind sehr viel mehr als ein Privatvergnügen, sie sind unserer aller Zukunft. Das ist wirklich ganz viel Unterstützung wert, und man kann das als Gemeinschaftsaufgabe aller sehen. Auch derer, die keine eigenen Kinder haben.
Im Gegenteil, so wie es jetzt noch läuft, ist das eine Zumutung, dass Eltern selber finanziell deutlich zurückstecken müssen, und am Ende noch weniger Rente haben. Und auch die Kinder werden manchmal noch bestraft, und müssen zuweilen für die Pflege der Eltern haften.
Wer hier wirklich noch kurzfristig profitiert sind die Arbeitgeber. Wer weniger Kinder hat, der kann mehr arbeiten.
„Interessieren würde mich Deine Einschätzung der drei Demokratieformen, lieber @Tobias. Hättest Du eine Präferenz, siehst Du Tendenzen?“
Das Westminstersystem finde ich auf jeden Fall weniger gut. Es gibt mehr als nur 2 Seiten von Politik. So ist damit z.B. eine neue Partei mit ganz neuen Themen wie die Grünen kaum realisierbar.
Und alle einbeziehen wie in der Schweiz, das muss finde ich auch nicht sein. Eine Koalition, die größer ist als nötig, die wäre allerdings auch mit unserer Verfassung auch möglich. Warum nicht zur aktuellen Schwarzroten Koalition die Grünen einfach mit einladen?
Überhaupt fände ich es gut, wenn die substanziellen Diskussionen, Kompromisse und Aushandlungen offen und öffentlich vom ganzen Bundestag geführt würden. Dann müssten die Lobbyelemente auf den Tisch gelegt werden, das hilft erst mal sofort gegen entsprechende Korruption.
Und da kann man gerne einen Fernsehsender für reservieren, der wirklich alle Diskussionen im Bundestag live überträgt. Das dürfte interessanter und zielführender sein als irgendwelche Talkshows, die mit Leuten geführt werden, die meistens gar nicht die entscheidenden sind. Und da nur mitreden, um manipulieren zu können.
Und ganz klar wäre ich für geloste Bürgerräte, die sich mit allen wichtigen Themen befassen, und deren Empfehlungen gehören ebenso in die aktuelle öffentliche Berichterfassung. Wenn die Tagen, kann man das auch komplett im Fernsehen live übertragen. Und die Parlamentarier, sollten verpflichtet werden, sich das auch anzuhören. Dann sind die Themen, die den Bürgern auf den Nägeln brennen, wirklich auf dem Tisch.
Volksabstimmungen können auch mal sinnvoll sein. Da bin ich mir jetzt aber unsicher, ob das nicht öfter nach hinten los geht.
Wenn man alle Livediskussionen jetzt noch online stellt, mit einem Suchsystem das gut funktioniert, und wo wir alle dann gucken können, was da konkret beraten wurde. Gut nach Themen oder auch Personen sortiert. Das macht dann Transparenz.
Koalitionsausschüsse oder Rentenkommissionen können ja gerne auch Tagen. Aber die sollten niemals das letzte Wort haben, sondern deren Ergebnisse als gute Vorschläge behandelt werden. Entscheiden sollte immer der ganze Bundestag, oder eben die Volksabstimmung. Notfalls auch mal mit wechselnden Mehrheiten.
@Michael 30.09. 07:53
„Bei der Demografie kommt noch hinzu, dass gerade auch kinderreiche Familien ein Transzendieren des je eigenen Egoismus erfordern.“
Es müssen ja nicht Leute, die jetzt kein Kind oder nur 1 Kind haben, mehr Kinder kriegen. Wir können auch die, die jetzt schon deutlich Kindern zugeneigt sind, motivieren und vor allem unterstützen, statt 1 oder 2 Kindern zu gucken, gleich 3, 4 oder 5 Kinder zu bekommen.
So viele Kinder sind ja auch derzeit recht schwierig durchzubringen. Da braucht es praktischerweise einen Vater, der wirklich gut verdient, und eben die Hausfrau, die ihre Freude mit vielen Kindern hat, und sich sicher sein kann, dass die Beziehung hält.
Wenn man da ansetzt, und jede Menge fördert und unterstützt, und zusätzlich noch die Väter motiviert, ihren Teil der Carearbeit zu leisten, dann könnte das ja schon reichen. Wenn genug finanzielle Unterstützung kommt, dann kann Mann drauf verzichten eine volle Stelle zu behalten und seinen guten Job nur noch in Teilzeit weiter zu führen. Und Frau kann auch in ihrer Teilzeit weniger lukrativer Arbeit nachgehen. Wenn eben die Unterstützung stimmt.
Immerhin ist der Weg von 1,4 zu 2,1 Kindern ja so weit nicht. Wenn wer, der jetzt 2 Kinder hat, dann 3 oder auch mal 4 Kinder bekommt, dann müsste das doch schon passen. Die anderen, die jetzt keins oder nur 1 Kind wollen, die brauchen wir dann dafür gar nicht. Die müssen dann aber entsprechend zahlen, bzw. auf üppige Unterstützung verzichten.
Lieben Dank, @Tobias – ich nehme Deine Anregung & die positiven Rückmeldungen des EAK auf, bald noch einmal extra zum Thema Demografie zu bloggen.
@Tobias Jeckenburger
30.09.2026, 17:49 Uhr
Nunja, das würde jedenfalls dem in meinen Augen völlig falschen „Entzauberung durch regieren lassen“ Gerede den Nährboden entziehen. Gerade wir finde ich sollten doch wissen wie kurz der Weg von Regierung zu totalitärer Machtergreifung in einem Konkurenzsystem ist. Die Ausschaltung von Opposition und Zivilgesellschaft kündigt uns die AfD ja schon ganz öffentlich an für den Fall.
Darum ist mir auch die Haltung der Stoiber-CSU absolut unverständlich und wäre auch so nicht einfach realisierbar: Bei der AfD politisch Macht zulassen zu wollen und dann öffentlich darüber zu reden Berlin den Geldhahn zuzudrehen, das ist in meinen Augen zutiefst undemokratisch. Kann man dann nicht mehr so einfach.
Und vieleicht hilft es dabei die ungesunde Macht des von uns verharmlosend Verfassungsschutz genannten Organs der Politik zu begrenzen, Das ist er nämlich de facto: Ein politischer Akteur und eine Säule im Machtgefüge.
Und eine Einrichtung an die der Bundestag, genau wie an die Regierung so wie sie jetzt bei uns ist Verantwortung deligiert. DER soll und kann entscheiden wer mitspielen darf, so bequem hätten es viele gerne. Nur ist der nun gar nicht vernünftig demokratisch legitimiert mit seiner eingeschränkten Kontrolle, bestimmt aber trotzdem Politik mit.
Mir fällt es eigentlich schwer gegenüber dem Verbot mit ihm zu argumentieren weil er kein transparentes Organ ist. Man sollte ihm nicht das Recht zukommen lassen zu entscheiden wer mitspielen darf und wer nicht. Aber was bleibt mir übrig wenn sich mein Bundestag vor der Verantwortung drückt?
Ein System wie in der Schweiz würde uns eher vor Undemokraten schützen als der in meinen Augen Zirkus den wir im Moment verantstalten.
Noch ist unsere Demokratie nicht völlig ruiniert, wir sollten da die Möglichkeiten nutzen die wir haben und diese noch verbessern…
Dein Einladungsgedanke ist zwar auf den ersten Blick nett. Aber nur ein „könnte man tun“ wird nicht kommen oder nicht viel ausrichten. Er enthält keine Verpflichtungen. Bei keinem der Beteiligten…
Noch zum Verfassungsschutz: Eigentlich waren die Aliierten nach dem Krieg bemüht solche Organe zu begrenzen bei uns. Wir sollten den Gedanken weiter mit tragen.
Uli Schoppe
„Noch ist unsere Demokratie nicht völlig ruiniert“
Unsere Demokratie ist nicht ruiniert, machen wir die Pferde nicht scheu,
Es grieselt in den neuen Bundesländern und die haben nur 12 Millionen Einwohner das sind nur etwa 15 % der 84 Millionen in Deutschland.
Wenn man unser Wahlsystem ändert, dann schießt man mit Kanonen auf Spatzen. Ich tat das auch in einem Nachbarblog, den Umstieg vom Verhältniswahlrecht auf Mehrheitswahlrecht.
Der elegantere Weg wäre die Wahlfreiheit der Abgeordneten des Bundestages wieder zu stärken , indem alleAbstimmungen geheim stattfinden müssen, diesesmal elektronisch per Knopfdruck am Platz der Abgeordneten im Bundestag. Das Ergebnis wird direkt auf einer großen Tafel angezeigt.
Damit wird der Lobbyismus geschwächt.
Was jetzt die neuen Bundesländer betrifft, die wurden salopp gesagt vernachlässigt, das Ergebnis ist die AfD.
Und wenn in den alten Bundesländern auch die AfD zunimmt, dann geht das auf das Konto der CDU, die den Kontakt zu den Bürgern vernachlässigt, der Meister darin ist Herr Merz.
@ Tobias Jeckenburger 30.09.2026, 23:21 Uhr
Als praktisch orientierter „Bastlertyp“ stimme ich nicht nur bei diesem Beitrag, sondern sehr oft perfekt mit Ihnen überein.
Allerdings, durch meine stets sehr neugierige Art, das Geschehen in der realen Arbeitswelt, möglichst auch aus Sicht der Psychologie genau zu betrachten, musste ich meine „Weltsicht“ verändern und anpassen…..
Am Anfang meines Berufslebens war es so, dass es tatsächlich noch Familien mit 5 Kindern gab und die Eltern zumindest nach außen hin, recht anerkannt und irgendwie „privilegiert“ waren.
Z.B. bei Postenvergaben oder bei Diensteinteilungen (Einsatzorte, Wochenenden, Feiertage, Urlaube,….) bevorzugt waren. Ich persönlich habe das aus Gründen der Gerechtigkeit gerne akzeptiert. Mir ist auch aufgefallen, dass die Ehefrauen der Kollegen bestens mit „Mutterinstinkten“ ausgestattet waren und ideal ihre Rolle als Hausfrau und Mutter erfüllt haben…..
Dann kam das „Zeitalter der Doppelverdiener“ und womöglich kinderlosen Ehepaare. Ein Fiasko bei 5 Kindern… Die „DINKs“ (….doppeltes Einkommen, keine Kinder….), waren für das Unternehmen wesentlich flexibler einsetzbar, letztlich auch billiger und das „zählte“ letztlich.
Selbst bei guter Ausbildung, bekamen die Kinder oft nur schwer Jobs. Womöglich weit weg vom Elternhaus. Wo es freie Jobs gab, waren und sind auch heute die Wohnungskosten sehr hoch.
Das hemmt die berufliche Mobilität und auch den Traum von einer „glücklichen Familie“. Manche werden lieber „Bürgergeldempfänger“ in einer billigen Wohnung, noch dazu wenn es womöglich Erkrankungen gibt oder drohen…..
Bauern und auch kleine Unternehmer brauchten andererseits dringend geeignete Nachfolger für ihre Betriebe. Aber heutzutage stehen die oft unter heftigem Konkurrenzdruck und die „Nachfolger“ verzichten lieber……
Selbst aufs „Erben“ wird mitunter gerne verzichtet. Durch die Pflege müsste auf Einkommen verzichtet werden. Irgendwann „landet der Pflegling“ heutzutage oft im teuren Pflegeheim und das Erbe (und das entgangenen Einkommen) sind „futsch“…..
Zitat: „Wenn man da ansetzt, und jede Menge fördert und unterstützt, und zusätzlich noch die Väter motiviert, ihren Teil der Carearbeit zu leisten, dann könnte das ja schon reichen. Wenn genug finanzielle Unterstützung kommt, dann kann Mann drauf verzichten eine volle Stelle zu behalten und seinen guten Job nur noch in Teilzeit weiter zu führen. Und Frau kann auch in ihrer Teilzeit weniger lukrativer Arbeit nachgehen.“
Es ist gegen die „Interessen“ der „Unternehmer“ und der „Steuer Eintreiber“, wenn es den Arbeitenden und den Kindern zwar gut geht, aber die Produktivität so weit sinkt dass sie am „Markt untergehen“…..
Jeder ist sich „selbst der Nächste“….
@Realo 01.10. 09:22
„Es ist gegen die „Interessen“ der „Unternehmer“ und der „Steuer Eintreiber“, wenn es den Arbeitenden und den Kindern zwar gut geht, aber die Produktivität so weit sinkt dass sie am „Markt untergehen“…..Jeder ist sich „selbst der Nächste“….“
Da muss man sich wohl entscheiden. Was nutzt denn Produktivität, wenn es an Nachfrage mangelt. Wir haben 200 Mrd Außenhandelsüberschuss, den keiner braucht, und der noch unsere europäischen Partner recht sinnlos unter Druck setzt.
Verfall führt sogar noch regelmäßig zu Massenarbeitslosigkeit, insbesondere auch noch unter jungen Menschen. Wenn wir nicht mehr genug Zuwanderer gewinnen können oder wollen, dann müssen wir einfach mehr Kinder ins Spiel bringen. Und auch jetzt schon könnten wir mehr Kinder gebrauchen.
Sonst stürzt die Wirtschaft aus Nachfragemangel ab, insbesondere ausgelöst durch eine zusammenbrechende Neubautätigkeit. Auch das Kapital bekommt dann arge Probleme, seine Gewinne irgendwo solide neu anzulegen.
Deswegen hilft es noch deutlich mehr, wenn ein guter Teil der Kinderförderung aus endlich mal mehr Kapitalertrags-, Vermögens- und Erbschaftssteuern kommt.
Vielen Dank, @Tobias – das verstehen leider bisher nur wenige.
Dauerhaft niedrige Kinderzahlen führen zu einem Nachlassen von Nachfrage & Investitionen. Daher können dauerhaft niedrige Geburtenraten sogar zu erhöhter Jugendarbeitslosigkeit führen!
Oder in einfachen Worten: Autos kaufen keine Autos und Roboter mieten keine Wohnungen.
Wer kauft noch Häuser oder gründet Betriebe dort, wo es so gut wie keine Kinder mehr gibt?
Stattdessen sammelt sich das junge Leben in einigen Städten, wo die Mieten überteuern, während andernorts Leerstände und Verfall eskalieren.
Wir sehen am Beispiel von Ländern wie Japan, dass sich gegen Kindermangel mit noch so viel Arbeitsfleiß, Technologien und Verschuldung kein nachhaltiges Wirtschaftswachstum mehr erzielen lässt.
Ich fürchte jedoch, es wird noch viele Jahre dauern, bis sich diese Erkenntnis auch in Europa herumgesprochen hat.
@NI
01.10.2026, 09:02 Uhr
Du berfälschst meine AUssage. Lies noch mal genauer.
Die Verharmlosung das wäre nur ein Problem der naiven Ossis finde ich eigentlich herabsetzend gegenüber den Deutschen in den hinzugekommenen Bundesländern.
Wir haben das schon mehrfach gemacht:
Die Fünf Prozent Hürde 49
https://www.bundestag.de/parlament/wahlen/wahlrecht_geschichte-251692
https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/27208/reformvorschlaege-zur-aenderung-des-wahlrechts/
Das Wahlsystem selbst ist nicht im Grundgesetz verankert und steht damit sehr wohl jederzeit für Veränderungen offen.
Was im Grunde möglich ist hat @Michael Blume schon mehrfach dargelegt.
Das ist ja schon mehrfach in diesem Block dargelegt worden und da sind wir ja auch klar einer Meinung. Was die Form der Durchführung die Du vorschlägst dazu beitragen soll erschliesst sich mir jetzt allersings nicht sofort. Okay, bis auf die Sache Abstimmungen grundsätzlich geheim durchzuführen. Das hat aber auch so seine Tücken: Auf der einen Seite stärkt das natürlich die Freiheit des Mandats. Darum tendiere ich eigentlich auch dazu. Wenn eine geheime Abstimmung erst beantragt werden muss stellt das natürlich den Beantragenden aus. Die Beantragende wird sich totsicher hinterher fragen lassen müssen „Was hast Du denn zu verbergen?“ Was das für die Freiheit so etwas zu beantragen bedeutet muss ich ja nicht erklären.
Ja? Wieso denn?
Nun in Niedersachsen macht sich die AfD gerade in der Fläche breit.
Und SIgmund steht eher für „Feel-Good-Rechtsextremismus“. Der mit der schlechten Laune ist der Herr Höcke. Er vermittelt Aufbruchstimmung; „Wir holen uns unser Land zurück“.
Und Du solltest nicht auch noch das Gerücht vom armen benachteiligten Ossis verbreiten. 2024 haben sie über die Hälfte des Länderfinanzausgleichs kassiert. JETZT kannst Du mal die Bevölkerungszahlen herausholen, das mal auf jeden umrechnen und dann noch mal von Benachteiligung fabulieren. Dieses Narrativ muss man nicht dauernd wiederholen. Nachher glaubt das noch einer ^^
Du solltest solche Allgemeinplätze die Du da mal eben so hinwirfst mal auf den Realtätsgehalt abklopfen. Und die Erzählung davon das die „Ossies“ ja nur ein totalitäres Regime kennen würden und deshalb so wählen lass bitte stecken.
Sowohl west- als auch ostdeutschen AfD Wählern gefallen die rassistischen, rechtsextremen, autoritären undemekratischen die Zivilgesellschaft einschränken wollenden Ziele der AfD.
Das sind alles erwachsene Menschen keine kleinen Kinder die man wieder auf den rechten Weg zurückführen muss. DIE Vorstellung würde ich als Ostdeutscher als beleidigend empfinden.
Weder west- noch ostdeutschen Wählern muss man einfach nur mal die Welt erklären.
Da hast Du ziemlich recht was Herrn Merz betrifft. Das die Strategie die Positionen der AfD aufzugreifen und zu spiegeln.
Mal zu der falschen Vorstellung AfD Wähler seien die Abgehängten:
https://www.boeckler.de/de/boeckler-impuls-abstiegsaengste-nuetzen-rechten-3796.htm
@Uli Schoeppe & @NI
Herzlichen Dank für Euer Interesse an Republik, Demokratie und Gewaltenteilung!
Habe zu einem weiteren Fehllauf in die mimetische Sackgasse heute gepostet:
Guten Morgen – Tässle Kaffee ☕️️?
Viele halten Gewaltenteilung noch immer für ein trockenes & langweiliges Thema. Ich meine dagegen, dass die Entmachtung des Bundestages (Legislative) seit dem ersten Koalitionsvertrag von 1961 durch die Parteivorsitzenden & Ministerien (Exekutive) die Bundespolitik angreifbar macht & ruiniert.
So meldet gerade wieder die BILD (AxelSpringer), dass sich das Kanzleramt unter Merz (CDU) & das Finanzministerium unter Klingbeil (SPD) nicht auf eine Fassung der geplanten Zuckersteuer einigen können. Ein früher Entwurf des Steuergesetzes war bereits an den gleichen Medienkonzern (Publikative) durchgestochen worden, wie damals das Heizungsgesetz von Robert Habeck (Grüne).
Stellt Euch dagegen vor, es wären stattdessen – näher am Grundgesetz – zwei vom Volk gewählte Abgeordnete des Bundestages (MdB) beauftragt worden, federführend mit ihren Fraktionen & im GG-offenen, republikanischen Verfahren das Gesetz zu entwickeln & zum Beschluss zu bringen. 🇩🇪🇪🇺🤔
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117369334758181132
Ob und wann die Bundespolitik mal sich selbst, Politik & Medien begreift?
Michael Blume
Zusstimmung.
Nur als Beispiel die Zuckersteuer.
Da geht es nicht um ja oder nein, sondern wer sie bekommt.
Die Bundespolitik? Im Augenblick fehlen Persönlichkeiten wie Frau Süßmuth, Herr Blüm , Herr Söder ist noch unentschlossen, vielleicht nach dem Oktoberfest ?
Uli Schoppe,
wir sind einer Meinung, ich habe mich missverständlich ausgedrückt.
Unterlasse solche Bemerkungen, ich solle besser lesen.
Nochmal zum Kern , die Länder der ehemaligen DDR wurden durch die „Treuhand“ enteignet und damit auch entmündigt.
Und….wäre der Länderfinanzausgleich so wirksam, wieso ist der Osten entlang der Oder fast entvölkert.
Meine Meinung, ich bin für ein Zurückfahren des Länderfinanzausgleiches.
Der führt dazu, dass Berlin z.B. eine Schuldenlast von 80 Mrd. Euro aufgehäuft hat, dass in manchen Bundesländern unsinnige Projekte durchgeführt wurden,
das hat mit verantwortsvoller Länderfinanzierung nichts mehr zu tun.
Was jetzt die AfD betrifft, die war anfangs noch gar nicht „rechtsradikal“, das war eine Protestpartei, erst als sich Höcke und Co. an die Spitze gearbeitet hatten , kommt sie von diesem Image nicht mehr weg. (Schließe jetzt nicht daraus, dass ich die AfD akazeptabel finde)
Du merkst, ich bediene andere Gemeinplätze.
Was jetzt die „Parteiendemokratie“ betrifft, da siehst es grauslich aus.
Probleme werde in die Ausschüsse verwiesen, anstatt im Bundestag mit Anwesenheitspflicht, dort sollen die Probleme diskutiert werden, Abgeordnete haben auch eine eigene Meinung. Und deswegen nur geheime Abstimmung danach.
Zurück zur Ex-DDR
„Das sind alles erwachsene Menschen keine kleinen Kinder die man wieder auf den rechten Weg zurückführen muss“
Erzähle mir nichts, ein Drittel unserer Verwandtschaft wohnt noch in Thüringen.
Das letzte und wahrscheinlich gefährlichste Problem, der Lobbyismus.
Der kann sich erst im kleinen Kreis in den Ausschüssen entfalten.
Wenn bei 31 Abgeordneten pro Ausschuß je zwei Lobbyisten sind, dann vervielfacht sich deren Einfluss auf , denn die sind darauf bedacht, ihre Meinung durchzusetzen.
Fazit: Die ständigen Ausschüsse reduzieren oder sogar abschaffen.
Vorläufig Schluss.
@ Tobias Jeckenburger 01.10.2026, 23:48 Uhr
Zitat: „Was nutzt denn Produktivität, wenn es an Nachfrage mangelt.“
Dieses Problem ist uralt. Mit vielen Kindern oder wenig. Es sind „Konjunkturschwankungen“ regelmäßige Auf- und Abbewegungen der wirtschaftlichen Aktivität einer Volkswirtschaft über die Zeit. Es hat irgendwie mit kollektiver „Sättigung“ und „Hunger“ zu tun.
In meiner Jugend hat man gemeint, eine Planwirtschaft, der Kommunismus, würde das Problem beseitigen. Karl Marx hat an die „Vernunft geglaubt“ und dass eine Steigerungen der Produktivität mittels „Elektrizität“ möglich wäre.
Aber das System ist, besonders in Russland, auch wegen der „natürlichen“ Spannungen zwischen den katholischen Polen und den kommunistischen Russen krachend gescheitert. Bei den Verhandlungen über Preisrelationen, z.B. Erdöl – Obst, sollen die verrücktesten Argumente die jemals von Menschen ausgeheckt wurden, diskutiert worden sein….
Als Ursache wird angenommen, dass es am fehlenden „Schiedsrichter“ den „freien Markt“ lag, der praktisch als „heilig“ gilt.
Zitat: „Wir haben 200 Mrd Außenhandelsüberschuss, den keiner braucht, und der noch unsere europäischen Partner recht sinnlos unter Druck setzt.“
Der „Außenhandelsüberschuss“ in Form von „Westdevisen“ (die am „freien Westmarkt“ erwirtschaftet wurden) hat letztlich den Unterschied zwischen der DDR und dem Westen ausgemacht. Sie erinnern sich, die Bananen….
Eine Frage ist, wie viele Menschen „erträgt“ die Welt? Wie „dicht“ darf die Welt besiedelt sein? Ab wann kommt es zu schweren Störungen im Zusammenleben? Zu sozialen Konflikten, Kriegen, Krankheiten (Pandemien, z.B. Spanische Grippe, Corona,….), womöglich sogar zu Reaktionen des Klimas?
Erst wenn der „Konsumterror“ die meisten Menschen nicht mehr „anwidert“ weil sie „übersatt“ sind, sondern „hungrig“ nach mehr Konsum, steigt auch die Konjunktur…… Menschen werden so „hungrig“, dass sie auch für wenig Geld arbeiten…..
Ich meine halt, es geht um die „uralten“, auch bei Tieren ähnlichen Mechanismen, um „Sättigung“ und „Hunger“….
Zitat: „Deswegen hilft es noch deutlich mehr, wenn ein guter Teil der Kinderförderung aus endlich mal mehr Kapitalertrags-, Vermögens- und Erbschaftssteuern kommt.“
Ich fürchte das wird nicht lange gutgehen….
Kapitalerträge werden allenfalls im Ausland realisiert, zumal die „wirklich Reichen“ schon längst im Ausland sitzen….. Ist ja irgendwie nahe liegend, dass sich irgendwann Leutchen für die „kein Bürgergeld mehr da ist“, auf der Straße zusammenrotten und ihnen an den „Kragen wollen“….
Vermögen werden zunehmend wertlos werden, weil keine Nachfrage mehr besteht, kein Mensch blöd genug ist, „Werte“ aufkauft um sie danach an die Steuer abgeben zu müssen…..
Hier muss ich klar für die Position von @Tobias Jeckenburger plädieren, @Realo: Der nahezu, weltweite Geburteneinbruch ist eben weit mehr als eine konjunkturelle Schwankung, seit 2012 kippt die Menschheit vom „Peak Child“:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/peak-child-zeitenumbruch-auch-durch-die-saekulare-geburtenimplosion/
Die Folgen betreffen schon jetzt die Alters- und Gesundheitsversorgung, die Zinsen, Nachfragen und Investitionen in immer größeren Teilen der Welt.
Persönlich bin ich dabei gar kein Gegner einer gemäßigten Schrumpfung – bei Geburtenraten um 1,8 würden Bevölkerungen immer noch um 10-15% pro Generation schrumpfen. Aber immer mehr Länder liegen weit darunter & verdrängen die wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen, politischen Folgen noch immer:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/religionen-wirken-demografisch-geburtenraten-aus-den-usa-turkiye-israel-thailand/
Klar – Sie haben ja nun schon zu mehreren Themen wie den fossilen Gewaltenergien und den auch von Ihnen fossil finanzierten Kriegen Putins deutlich gemacht, dass Sie Aufmerksamkeit haben, aber eher keine Verantwortung für die Zukunft Ihrer Mitwelt und Mitmenschen mehr übernehmen wollen. Okay.
Ich möchte jedoch Ihre wiederholten Verharmlosungen von Klimakrise und Demografie auch nicht einfach stehenlassen. Schließlich dient dieser Wissenschaftsblog der dialogischen Aufklärung.
@Michael 02.10. 00:18
Wir sehen am Beispiel von Ländern wie Japan, dass sich gegen Kindermangel mit noch so viel Arbeitsfleiß, Technologien und Verschuldung kein nachhaltiges Wirtschaftswachstum mehr erzielen lässt.
Man muss sich mal klar machen, wie maßgeblich der Umsatz mit Neubauten ist. Wir geben doch 20 bis 40% unseres Geldes für die Wohnung ohne Nebenkosten aus. Wenn da nix mehr gebaut wird, dann ist das so umfangreich, dass sich nicht genug anderes findet, um das auszugleichen.
Und dann mobilisieren Neubauten auch noch Riesenmengen an Kapital, welches dann in den Wirtschaftskreislauf zurückfließt.
Also eins von beidem: Entweder Nettozuwanderung oder genug Kinder.
„Stattdessen sammelt sich das junge Leben in einigen Städten, wo die Mieten überteuern, während andernorts Leerstände und Verfall eskalieren“
Das macht dann noch regionale Schwierigkeiten obendrauf. Vor allem wenn in den betroffenen Städten auch noch der Platz für Neubauten fehlt.
Mag aber sein, dass dieses Problem mit einem gut funktionierendem Sammeltaxisystem auf Basis von selbstfahrenden E-Fahrzeugen entschärft werden kann. Dann werden alle Mobiler zu deutlich sinkenden Kosten.
Vor allem Kinder und Ältere ohne Führerschein sind dann uneingeschränkt mobil. Wenn man derzeit mit mehren Kindern auf dem Land wohnt, muss man die ganz schön viel durch die Gegend kutschieren. Das ist nicht nur teuer, es frisst auch eine Menge Zeit.
So ein Sammeltaxisystem könnte viele Motivieren, in der Nähe von Städten wohnen zu bleiben, oder sogar aus einer überlaufenen Stadt wegzuziehen, und sich im Umfeld was zu suchen. Vor allem wenn da jetzt was leersteht und schön günstig zu haben ist.
Danke, @Tobias – ich sehe da jedoch kein Entweder-Oder: Eine bessere Familien- und Bildungspolitik auch in Deutschland würde zu mehr Kindern „und“ besserer Integration von Zugewanderten beitragen.
Solarpunk-Arche-Regionen werden ihre Dynamiken aus einheimischen wie auch zugewanderten Familien beziehen. Umgekehrt schotten sich mangels Kindern verebbende Regionen schon jetzt oft rechtsmimetisch gegen Zuwanderung ab.
@ Michael Blume 03.10.2026, 09:27 Uhr
Zitat: „@Realo: Der nahezu, weltweite Geburteneinbruch ist eben weit mehr als eine konjunkturelle Schwankung, seit 2012 kippt die Menschheit vom „Peak Child“:“
Dass die wirtschaftliche „Konjunktur“ zwischen „Vollbeschäftigung“ und „Arbeitslosigkeit“ (Sättigung und Hunger) schwankt, das habe ich gemeint.
Der Geburtenrückgang hat hauptsächlich religiös/ideologische Gründe. Früher, als ich noch jung war (1960) , durften Mädchen nur für kurze Zeit Jobs bekommen um ihre Eltern zu entlasten, aber doch nicht um sich selbst, womöglich fürs ganze Leben, „selbst zu verwirklichen“!
Ihr Leben sollte geprägt werden von Kirche, Kinder, Küche aber doch nicht von Emanzipation.
Auf Parolen wie: „Mein Bauch gehört mir“, fanden die Religiösen keine Antworten mehr….
Mit Unterstützung der Medien (Missbrauchsgeschichten) wurden die „Religiösen“ diskriminiert und „kalt gestellt“. Die Medien wollten die Rolle der Religionen einfach übernehmen und die „lenkende und alles manipulierende Macht“ an sich reißen…..
Dass ist den Medien praktisch nicht gelungen, keiner glaubt ihnen mehr, sie werden eher vom Volk „verhöhnt“….
Gegen ihre “Bevormundung“ haben die emanzipierten Frauen aufbegehrt. Auf einmal gab es die wohlhabenden „DINKS“, die sich tolle Urlaube leisten konnten und auch von den Unternehmern gerne eingestellt wurden, weil sie höchst flexibel und ohne Verpflichtungen gegenüber den Kindern waren. Sogar die „Homos“ erfüllen diese Aufgaben bestens. Auf die Existenz eines „Leihmutterproblems“ wäre man damals nicht gekommen.
Unser Problem der fehlenden Wohnungen, ist auch ohne den „Jungen“, wegen unserem hohen „Preisniveau“ groß genug.
Das Bildungsproblem wird bei uns in Familien, in denen z.B. die Frau dem Lehrerstand angehört, recht einfach gelöst, sie kontrolliert und steuert den Bildungsstand der Kinder. Normalos benötigen teure “Nachhilfe“….
Ich meine, unsere wirtschaftlichen Probleme beruhen darauf, dass wir in der Vergangenheit, durchaus auch aus Fleiß, zu einem „Hochlohnland“ (auch mit hohen Preisen) geworden sind. Das fällt uns auf den Kopf, weil fleißig und kreativ sind auch die Chinesen, sie sind aber vergleichsweise ein „Niederlohnland“….
Ich meine, die Japaner „leiden“ an der Bevölkerungsdichte, sie können einfach nicht noch mehr „zusammenrücken“….
Dass die Demografiefrage nicht harmlos ist, ist mir völlig klar. Ich verstehe die Anliegen der Religionen, die sind „dazu da“, vorzusorgen, dass „die Schäfchen“ nicht „aussterben“. Auch dass für Sie diese Frage wichtig ist, aber auch Herrn Jeckenburger, der es „gut meint“…..
Tobias Jeckenburger 02.10.2026, 23:30 Uhr
Zitat: „Wir sehen am Beispiel von Ländern wie Japan, dass sich gegen Kindermangel mit noch so viel Arbeitsfleiß, Technologien und Verschuldung kein nachhaltiges Wirtschaftswachstum mehr erzielen lässt.“
Ich meine, den Japanern wurde der natürliche (aber gefährliche) Wunsch nach Expansion wegen der „Bevölkerungsdichte“, ehemals einfach mit Atombomben „abgedreht“ (Hiroshima, Nagasaki).
Die Chinesen haben es mit der 1 Kind Politik versucht.
Ich meine halt, dass es nicht einfach ist, derartige Problemlagen zu meistern.
Vielleicht können wir mittels KI Simulationen unsere Chancen in einer derart komplexen Welt, auch noch möglichst friedlich, weiter existieren zu können, verbessern….
@Realo
Richtig ist aus meiner Sicht, dass die zunehmende Medialisierung, Individualisierung und Säkularisierung zum Geburtenrückgang des 20. Jahrhunderts erheblich beigetragen hat. Allerdings verrät auch Ihre abwertende Sprache gegenüber Frauen und queeren Menschen, dass die Lasten und Kosten der Kindererziehung sehr ungleich verteilt waren – bis hin zum Verbot der Abtreibung, während effektive Hilfe für werdende Mütter oft unterblieb.
Entsprechend betraf und betrifft der Geburtenrückgang auch und gerade jene Gesellschaften, in denen kirchlicher und staatlicher Traditionalismus in die demografische Traditionalismusfalle führte. Höhere Geburtenraten wurden dagegen in Gesellschaften wie Skandinavien und Frankreich erzielt, in denen es eine echte Familien- und auch Frauenförderung gab.
Aus meiner Sicht war und ist die Diskriminierung von Frauen und von queeren Menschen ein Verstoß gegen die Menschenwürde. Kinder sollten auf Basis von Freiwilligkeit und Liebe geboren werden, nicht auf Basis von Zwang und Alternativlosigkeit. Deswegen sind demokratische Staaten gut beraten, die Förderung von Familien und auch von friedlichen Religionsgemeinschaften zu gestalten – aber eben keinen Zwang gegen Kinder- und Konfessionslose.
Freundliche Grüße von einem dreifachen und bald drei Jahrzehnte glücklich verheirateten Familienvater.
@Michael 03.10. 09:32
„Eine bessere Familien- und Bildungspolitik auch in Deutschland würde zu mehr Kindern „und“ besserer Integration von Zugewanderten beitragen.“
Besser ist das, keine Frage.
„Solarpunk-Arche-Regionen werden ihre Dynamiken aus einheimischen wie auch zugewanderten Familien beziehen.“
Auch denkbar. Es sollen aber z.B. in BW die letzten beiden Jahre schon jeweils 50.000 EU-Einwanderer mehr wieder abgewandert als eingewandert sein. Weil insbesondere in Osteuropa die Wirtschaft zusehens auch in Gang kommt.
Wenn das weiter zunimmt, dann helfen nur noch Einwanderer von außerhalb. Und ob wir davon noch wirklich viele haben wollen, das scheint mir eine offene Frage zu sein. Ich meine ja, dass auf jeden Fall die Kommunen selber entscheiden sollen, wie viele Zuwanderer von außerhalb der EU sie haben wollen. Aber ich kann mir auch vorstellen, das es noch schwierig werden kann, überhaupt genug zu bekommen.
Immerhin betrifft der Geburtenmangel die ganze Welt, außer Afrika. Und alle brauchen Einwanderer, und auch die allermeisten Afrikaner haben gar keine Lust, den Kontinent zu wechseln.
„Umgekehrt schotten sich mangels Kindern verebbende Regionen schon jetzt oft rechtsmimetisch gegen Zuwanderung ab.“
Was dann aber auch wieder egal ist, weil es da sowieso keine Arbeit für potentielle Zuwanderer gibt. Die will da keiner haben, aber da will auch keiner hin.
Das mit der Konzentration in den Städten kann man anscheinend auch kaum aufhalten. Wenn dann noch kein Platz ist oder auch nur zuwenig Bauland ausgewiesen wird, dann hakt das noch mit Neubauten. Was die ganze Problemlage ja noch ziemlich verschärft.
Zumal ich mir auch eine leicht schrumpfende Gesamtbevölkerung auch wieder vorstellen kann. Insbesondere wenn junge Familien mehr gefördert werden. Das kurbelt ja schon die Binnennachfrage an, wenn es zunächst mal gar nicht zu mehr Geburten führt. Und soweit die Familienförderung auch mit Kapitalsteuern finanziert wird, dürfte auch das die Binnennachfrage noch deutlich mehr fördern können.
So geht es auch mit nur wenig mehr Geburten und mit nur wenig verbliebener Zuwanderung. Ich vermute, dass nur Kapitalsteuern wirklich das Problem lösen können.
@Realo 03.10. 12:27
„Vielleicht können wir mittels KI Simulationen unsere Chancen in einer derart komplexen Welt, auch noch möglichst friedlich, weiter existieren zu können, verbessern….“
Hört sich auch wirklich weiterführend an. Wirtschaftssimulationen, die nah genug an der Wirklichkeit sind, könnten die Konsequenzen z.B. von Kapitalsteuern abbilden. Klar ist das gar nicht einfach, man muss die persönlichen Entscheidungen von Millionen von Personen nah genug abbilden. Man sollte es wenigstens mal versuchen. Klimasimulationen funktionieren ja auch.
Letztlich haben wir ein eher simples Problem mit der Binnennachfrage, wenn die Zuwandererbilanz plus die Geburtenraten nicht reichen. Alles was die Binnennachfrage dennoch fördert, kann dann doch helfen. Neben einer üppigen Familienförderung, die mit Kapitalsteuern finanziert wird, können auch Investitionen in die Energiewende helfen. Und mittelfristig sogar Aufrüstung.
@Michael 03.10. 12:42
„Deswegen sind demokratische Staaten gut beraten, die Förderung von Familien und auch von friedlichen Religionsgemeinschaften zu gestalten – aber eben keinen Zwang gegen Kinder- und Konfessionslose.“
Die Förderung von friedlichen Religionsgemeinschaften sind jetzt mal eine ganz neue Idee.
Kinderlose müssten freilich auf jeden Fall auf eine üppige Familienunterstützung verzichten. Und mehr oder weniger mit Steuern diese finanzieren. Das dürfte allerdings alternativlos sein. Wie soll das sonst gehen?
@Tobias
Danke für Dein konstruktives Interesse an Demografie und Familienförderung.
In der Realität gibt es ja leider schon immer wieder Empörung darüber, dass Kinderlose etwas höhere Beitragssätze in der Pflegeversicherung bezahlen. Dabei werden wir Eltern für das ganze System ausgebeutet – das entsprechend zunehmend zusammenfällt. Dass es in demografisch schnell schrumpfenden Gesellschaften auch kein erhöhtes Wirtschaftswachstum mehr geben kann, wird ja bislang in Bundespolitik und Medien fast komplett ignoriert.
Etwas differenzierter sehe ich die Entwicklung beim Nachfragerückgang durch Unterjüngung: Dieser betrifft zunächst einmal Produktions- und Investitionsgüter, während die Nachfrage nach Dienstleistungen wie Gastronomie, Tourismus, Gesundheit und Pflege in alternden Gesellschaften eher steigt. Würde es beispielsweise in Sachsen-Anhalt zu rassistischen Remigration-Vertreibungen kommen, so würde dies die Wirtschaftsleistung und die ältere Generation sowie erkrankte und pflegebedürftige Menschen besonders hart treffen.
Ein erfolgreiches Gegenbeispiel ist Griechenland, das mit einem Kurs auf Tourismus, Dienstleistungen und Handel in die Gewinnzone zurückgekehrt ist und inzwischen sogar im Rekordtempo Schulden tilgt. Der auch demografische Niedergang der fossilen Industrien muss kein Schicksal sein, sondern kann durch erneuerbare Wohlstandsenergien, Wohnungsbau und kluge Dienstleistungen mehr als kompensiert werden.
Eine post-fossile Kreislaufwirtschaft kann gerade auch älteren Gesellschaften großen Wohlstand bringen.
@ Michael Blume 03.10.2026, 12:42 Uhr
Zitat: „Allerdings verrät auch Ihre abwertende Sprache gegenüber Frauen und queeren Menschen, dass die Lasten und Kosten der Kindererziehung sehr ungleich verteilt waren – bis hin zum Verbot der Abtreibung, während effektive Hilfe für werdende Mütter oft unterblieb.“
Ich bin und ich war immer dafür dass Eltern bestens vom Staat und der Allgemeinheit unterstützt werden.
Ich benutze die Sprache, genau so wie es damals formuliert worden ist, bzw wäre.
Mit der Entwicklung und den „Sprachregelungen“ wie sie heute gelten, kann ich mich nicht anfreunden. Das würde meiner Sicht von „Freiheit“ widersprechen. Bei mir beginnt die Demokratie immer bei der „Freiheit des Wortes“. Wird sogar die „Sprache geregelt“, bzw. derartiges auch nur versucht, ist die Demokratie wieder tot….. wie vor den 68er Jahren…. oder zur Nazi Zeit.
Ich bin von den 68ern geprägt. Das war eine Zeit, wo wir aufgestanden sind, aufgemuckt haben gegen die damals übliche Tyrannei. Die vielen kleinen „Tyrannen“, die uns „aufmuckende“ junge Leute vernichtet haben, wenn wir nicht auf „ihrem Strich“ den sie uns vorgezeichnet haben, „gegangen sind“.
Die haben wir niedergebrüllt, bis es ihnen die Sprache verschlagen hat. Viele von uns wurden zu „Desperados“, wirklich freie Leute, die nichts mehr zu verlieren hatten….
Qeere Menschen wurden einfach aus Neid diskriminiert. Sie hatten ein „lustiges Leben“, andere mussten ihre 5 Kinder versorgen. Diese Kinder wurden eher nicht immer nur auf Basis von Freiwilligkeit und Liebe geboren ….
Zitat: „Deswegen sind demokratische Staaten gut beraten, die Förderung von Familien und auch von friedlichen Religionsgemeinschaften zu gestalten – aber eben keinen Zwang gegen Kinder- und Konfessionslose.“
Da stimme ich Ihnen gerne voll zu.
Ich habe mich immer sehr gefreut, konnte ich „glückliche Familien mit glücklichen Kindern“ z.B. auch in der Nachbarschaft erkennen und bewundere Menschen die das schaffen sehr….
Ich wünsche grundsätzlich allen Menschen, dass sie rechtschaffen und möglichst gesund ihr Leben bewältigen können….
Nein, @Realo – erneut verharmlosen Sie den Nationalsozialismus, indem Sie allen Ernstes behaupten, „Wird sogar die „Sprache geregelt“, bzw. derartiges auch nur versucht, ist die Demokratie wieder tot….. wie vor den 68er Jahren…. oder zur Nazi Zeit.“
Das ist nicht nur widerlich, sondern auch sachlich falsch. Ich habe Ihre abwertende Sprache gegenüber Frauen und queeren Menschen nicht „geregelt“, sondern auf meinem Blog freigeschaltet und freundlich widersprochen. Sie nutzen die Freiheiten aus und inszenieren sich dann selbst als vermeintliches NS-Opfer. Die Würde des demokratischen Diskurses oder gar Dialoges haben Sie nie begriffen. Deswegen wollen Sie sich ja auch immer wieder fossil finanzierten Tyrannen unterwerfen.
Und da schließt sich dann auch wieder der Kreis zur Abwertung anderer Menschen. Wirklich starke und empathische Charaktere haben so etwas nicht nötig, @Realo…
@Michael 03.10. 16:36
„Eine post-fossile Kreislaufwirtschaft kann gerade auch älteren Gesellschaften großen Wohlstand bringen.“
Eine schrumpfende Gesamtbevölkerung kann in der Tat vielleicht tatsächlich auch mal vorübergehend funktionieren, trotz wegfallender Investitionen. Wenn die Neubautätigkeit arg zurückgeht, kann man mehr Umsatz mit Dienstleistungen machen. Zumal dann auch Mieten sinken können, und die Leute deshalb mehr Geld zum ausgeben haben.
Allerdings müssen dann eventuell erstmal Bauarbeiter umgeschult werden. Oder es können Langzeitarbeitslose aktiviert werden. Und vor allem die Schulen dafür sorgen, dass nur noch wenige Langzeitarbeitslose nachkommen.
Investitionen in die Energiewende können zusätzlich auch helfen, und im Prinzip sogar ein paar Jahre mit reichlich Aufrüstung.
Und wenn echt die Arbeit doch noch knapp wird, können wir als Erstes einfach die Arbeitszeiten verkürzen. Und dann haben wir gleich mehr Luft für mehr Kinder. Wenn da dann eben erst dann was passiert, und Familien endlich üppig gefördert werden. Und spätesten dann macht es ganz viel Sinn, die zusätzliche Binnennachfrage von Familienförderung und mehr Nachwuchs zu erzielen.
Wenn das dann auch funktioniert, dann läuft auch wieder die Investitionstätigkeit insbesondere durch Neubauten. Spätestens wenn wir mit der Energiewende fertig werden, und auch erstmal nicht mehr viel aufgerüstetet werden muss, macht Nachwuchsförderung dann noch mehr Sinn. In 10 oder 15 Jahren könnte es so weit sein.
Zeit, um zu begreifen, dass wir wieder mehr Kinder brauchen, und dass alle mithelfen müssen, damit das auch wirklich was wird.
Ja & lieben Dank, @Tobias – damit wird dann auch deutlich, dass jede Technologiestufe & demographische Phase ihre spezifische Wirtschaftspolitik bräuchte: in der fossilen Industrialisierung und schnell wachsenden Gesellschaften braucht es andere Antworten als in der post-fossilen Transformation und an Kindermangel schrumpfenden Bevölkerungen.
Dass sich etwa in Griechenland erst gar keine riesigen, fossilen Industrien mit verbundenen Lobbyisten und Konzernmedien entwickelten, kann dann bei der Entfaltung von Solarboom, Handel und Dienstleistungen sogar zum Vorteil werden!
Ob sich aus der Ökonomie heraus eine lebensförderliche Zeit- und Familienpolitik entwickeln lässt, halte ich noch für eine offene Frage. Bisher lässt sich die Anthropodizee-Frage nur emotional und religiös beantworten – und ich kenne keine Eltern, die wegen des Rentensystems viele Kinder haben wollen.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/mehr-oder-weniger-kinder-in-die-welt-setzen-anthropodizee-systemtheorie-religionsdemografie/
Die Motivation für verlässliche Beziehungen, Familien und Kinder kann durch kluge Familienpolitik gefördert, aber nicht hervorgerufen werden. Beobachte ich.
@NI
02.10.2026, 11:54 Uhr
Nein. Innerhalb der Union zB ist man sich nicht mal einig ob es überhaupt eine geben soll…
@Realo
03.10.2026, 12:27 Uhr
Es sind keine Geschichten also irgendwelche Erzählungen oder so.
Das fällt unter Verniedlichung und Verharmlosung in meinen Augen.
Und die Unterstützung der Medien, soll das einen perfiden Plan im Hintergrund andeuten?
Eine Verschwörung gab es doch eher vorher. Man hat sich bemüht das unter den Teppich zu kehren.
Würdest du das auch klandestine System von Jobveränderungen anderen Organisationen auch durchgehen lassen wollen?
@Michael Blume
04.10.2026, 05:12 Uhr
Heute haltet ihr mich aber auf Trapp 😉
Eine reine Veränderung der ökonomischen Rahmenbedingungen wird nicht irgendwie automatisch zu mehr Kindern führen. Ich glaube selbst die Errichtung eines totalitären Regimes mit Geburtszwang würde das Problem nicht dauerhaft abstellen.
Das sich das System Putin so verblüffend lange hält und das Phänomen Trump machen mir zwar was die Haltbarkeit und die Attraktivität autoritärer Systeme angeht zwar Angst, aber für mich persönlich gebe ich die Hoffnung nicht auf das Menschen das nicht dauerhaft wollen und deshalb so etwas irgendwann wieder verschwinden wird. An der Stelle ist Reaktanz vielleicht mal zu etwas gut: sie untergräbt ja systemstabilisierende Zustände und ist an der Stelle in meinen Augen tatsächlich mal nützlich. Den Menschen Reaktanz grundsätzlich abgewöhnen zu wollen ist in meinen Augen eher lebensfeindlich als nützlich. Ich bin ja auch für die Ehrenrettung der Wut: die sagt ja auch „Das darf nicht sein“. Bei Wut um der Wut willen und Reaktanz als Wert an sich kommt aber nichts Lebensförderliches heraus. Wut und Reaktanz sind aber ja nicht zwangsläufig an eine lebensfeindliche Einstellung gebunden. Beides gedeiht nur darunter leider sehr gut meine ich.
Wie war noch die Anekdote über die Einführung der Kartoffel bei den ollen Preußen? 🙂 Bitte jetzt nicht an dem Beispiel irgendwie festbeißen 😉
Ja. Aber muss sie für ein glückliches Leben überhaupt beantwortet werden?
Ich habe trotz meiner religiösen Haltung zwei Kinder. Religiös zu sein scheint keine Notwendigkeit zu sein dafür. Und das es nicht mehr sind hat Gründe die weder in meiner religiösen Einstellung liegen noch rein ökonomisch begründet sind. Die Ökonomie kommt nur noch oben drauf.
Die Beobachtung erscheint mir ziemlich richtig.
Mit einer ebenfalls vereinfachenden Lösung wie Förderung oder gar Erzwingen von Religiösität kommt man aber auch nicht hin. Jedenfalls nicht auf Dauer. Das wirkt auch aber eben nicht nur gerade offensichtlich in muslimisch dominierten Staaten und auch in vielen nicht gerade freiheitlichen christlichen Gemeinschaften (beide Religionen hier nur exemplarisch weil sie halt so schön sichtbar sind). Nur wie lange? Wenn man aber weder ein totalitäres religiöses noch ein antireligiöses System will muss man sich was einfallen lassen.
Eine Veränderung der ökonomischen Verhältnisse wirkt da in meinen Augen hilfreich.
Eine veränderte Rente die Kinder belohnt (und Kinderlosigkeit nicht einfach bestraft) halte ich für eine gute Idee. Man kann sich ja überall anschauen das kinderlose oder Einkindfamilien bessere Möglichkeiten haben zur Absicherung für das Alter. Das andere Menschen das auch wollen ist doch verständlich.
Vielen Dank für den inhaltlich spannenden Kommentar, @Uli Schoeppe – auf den ich daher auch besonders gerne eingehe!
Du schriebst:
„Eine reine Veränderung der ökonomischen Rahmenbedingungen wird nicht irgendwie automatisch zu mehr Kindern führen. Ich glaube selbst die Errichtung eines totalitären Regimes mit Geburtszwang würde das Problem nicht dauerhaft abstellen.“
Das sehe ich ganz ebenso – es gab ja beispielsweise bereits das Scheitern des pronatalen und sozialistischen Regimes in Rumänien:
Das Dekret 770 war ein Erlass, der im Oktober 1966 vom rumänischen Diktator Nicolae Ceaușescu verabschiedet wurde. Ziel war es, die Zahl der rumänischen Bevölkerung zu erhöhen und eine neue Generation im Sinne des Kommunismus heranwachsen zu lassen. Zu diesem Zweck wurden sämtliche Verhütungsmethoden sowie Schwangerschaftsabbruch verboten. Gebärfähige Frauen wurden systematisch überwacht, um potenzielle Schwangerschaften frühzeitig nachweisen zu können.
Frauen sollten im Schnitt vier Kinder zur Welt bringen und die rumänische Bevölkerung binnen 24 Jahren um zehn Millionen Menschen wachsen. Das Programm wurde begleitet von massiver finanzieller Förderung für Kindergärten und Schulen. Nur Frauen, die über 40 Jahre alt waren oder bereits vier Kinder hatten, wurden Abtreibungen gewährt. Später wurde die Einschränkung auf 45 Jahre oder fünf Kinder erhöht. Dennoch entstand bei vielen betroffenen Frauen eine Verweigerungshaltung, und es kam häufig zu illegalen Abtreibungen, wofür ein illegales Netzwerk entstand. Offizielle Statistiken sprechen von mehr als 11.000 Frauen, die ihr Leben durch von Kurpfuschern durchgeführte Abtreibungsversuche verloren. Abtreibende, einschließlich der Schwangeren selbst, erhielten lange Haftstrafen. Viele Frauen, die wegen Komplikationen ins Krankenhaus kamen, wurden noch auf dem OP-Tisch verhört, manchen wurde ärztlicher Beistand verweigert. Das Dekret führte zu einem künstlichen Bevölkerungswachstum von zwei Millionen Menschen, die ohne diese Anordnung nicht geboren worden wären. Sie wurden unter dem Begriff Decreței bekannt (deutsch Dekretkinder, Siebenbürgisch-Sächsisch Dekretzell).
Trotz der anfänglichen finanziellen Förderung des Programms erwiesen sich die einhergehenden sozialpolitischen Maßnahmen jedoch im Laufe der Jahre als unzureichend. In der Folge der illegal und unsachgemäß durchgeführten Abtreibungsversuche kam es auch häufig zu Geburten behinderter Kinder. Diese wurden daraufhin in Sozialwaisenhäuser wie zum Beispiel das Kinderheim Cighid nahe der Stadt Oradea abgeschoben, wo neben behinderten Kindern unter anderem auch ungewollte Kinder eingeliefert wurden. Hier wurden die Irecuperabili (rumänisch für „die Unwiederbringlichen“) unter unwürdigsten Bedingungen gehalten. Schon vor der Rumänischen Revolution 1989 bestand das Phänomen der Straßenkinder in Rumänien.
https://de.wikipedia.org/wiki/Dekret_770
Auch die Bücher- und Filmreihe „The Handmaid’s Tale“ von Margaret Atwood warnt ja bereits eindringlich vor einer solchen pronatalen Tyrannei. Nicht weniger erschreckend fand ich „Vox“ von Christina Dalcher.
„Das sich das System Putin so verblüffend lange hält und das Phänomen Trump machen mir zwar was die Haltbarkeit und die Attraktivität autoritärer Systeme angeht zwar Angst, aber für mich persönlich gebe ich die Hoffnung nicht auf das Menschen das nicht dauerhaft wollen und deshalb so etwas irgendwann wieder verschwinden wird.“
Ja, auch ich hatte lange in einer Umkehrung der Youth Bulge (Jugendberg)-These darauf gehofft, dass kinderarme Gesellschaften besonders friedlich sein und etwa Eltern nicht ihre einzigen Söhne opfern würden. Inzwischen sehe ich das deutlich skeptischer: Gerade „weil“ es an jungen und potentiell rebellischen Menschen fehlt, können sich Tyrannen länger an der Macht halten.
Es gibt hier sogar einen unangenehmen, aber leider empirisch immer stärkeren Bezug zur Star Wars-Mythologie: Der faschistische Imperator Palpatine habe seine Klonarmee durch menschliche Sturmtruppen ersetzt, um junge Leute von der Rebellion abzuhalten!
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/moege-die-macht-mit-uns-sein-putin-palpatine-und-die-fossile-sturmtruppen-strategie/
„Mit einer ebenfalls vereinfachenden Lösung wie Förderung oder gar Erzwingen von Religiösität kommt man aber auch nicht hin. Jedenfalls nicht auf Dauer. Das wirkt auch aber eben nicht nur gerade offensichtlich in muslimisch dominierten Staaten und auch in vielen nicht gerade freiheitlichen christlichen Gemeinschaften (beide Religionen hier nur exemplarisch weil sie halt so schön sichtbar sind). Nur wie lange? Wenn man aber weder ein totalitäres religiöses noch ein antireligiöses System will muss man sich was einfallen lassen.“
Auch hierzu volle Zustimmung!
Die gegenseitige Verstärkung von politischem und religiösem Zwang verschärft nur die Säkularisierung und die demografische Krise in der demografischen Traditionalismusfalle.
Eine positive Wirkung sehe ich nur dort, wo freiwillige (!) Angebote der Bildungs-, Jugend- und Sozialarbeit wie lebensbejahende Kindergärten, ein aufgeklärter Religionsunterricht und inklusive Pfadfindende gefördert werden. Und dies muss dann selbstverständlich für alle Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften möglich sein, so wie wir in Baden-Württemberg beispielsweise auch den humanistischen Landesverband und dessen Familienarbeit fördern.
@Michael 04.10. 05:12
„Bisher lässt sich die Anthropodizee-Frage nur emotional und religiös beantworten – und ich kenne keine Eltern, die wegen des Rentensystems viele Kinder haben wollen.“
Wer keine Kinder will, oder nur eine ungeplante Schwangerschaft versorgen muss, der wird mit mehr Geld auch nicht mehr Kinder wollen.
„Die Motivation für verlässliche Beziehungen, Familien und Kinder kann durch kluge Familienpolitik gefördert, aber nicht hervorgerufen werden.“
Wer aber durchaus Freude an Kindern hat, der mag mit reichlich Förderung dann doch noch ein oder zwei Kinder mehr mögen? Wir brauchen ja nur ein Drittel mehr, das reicht dann schon.
Eine ganz andere Frage ist dabei sowieso die Gerechtigkeit. Kinder verursachen reichlich Kosten, machen richtig viel Arbeit und provozieren Verdienstausfall. Wenn man das nicht als Privatvergnügen, sondern als Dienst an der ganzen Gemeinschaft einstuft, dann rechtfertigt allein das dann schon wirklich reichliche finanzielle Unterstützung.
Dass Eltern mehr Rente bekommen mag jetzt auch noch sinnvoll sein. Die brauchen aber vor allem, wenn die Kinder noch zu versorgen sind, jede Menge Unterstützung. Gerne auch durch verlässliche Kitaangebote und Ganztagsschulen.
Sind die Kinder erstmal aus dem Haus, können die Eltern wieder länger arbeiten, und öfter kommt dann noch eine Erbschaft dazu.
Und finanzielle Familienförderung erhöht schon dann die Nachfrage, wenn sie gar nicht zu mehr Kindern führt. Insbesondere, wenn sie überwiegend mit Kapitalsteuern finanziert wird.
Immerhin sind Kinder selbst auch überaus langfristige Investitionen, an denen es besser nicht mangeln sollte. Möglicherweise zu langfristig, mit der Folge, dass sie dann vernachlässigt werden.
Lieben Dank, @Tobias – wir nähern uns da auch beim Thema Demografie mit großen, inhaltlichen Schritten einem Konsens! Das freut mich wirklich sehr.
Wichtig ist mir dabei auch, dass humanitäre Sonderkontingente schon heute ein „Frauen und Kinder zuerst“ ermöglichen.
Zu diesem Thema sprach ich am 9. Mai 2017 bei der Frauen-Union im Kreis Heilsbronn, im Museum im Klosterhof in Lauffen.
Jens Dierolf hatte mich dazu für die Heilbronner Stimme interviewt. Und so wurde ich am gleichen Tag auf Seite 2 unter anderem mit der Ansage zitiert:
„Es wird oft übersehen, dass eine Aufnahme an den Grenzen schon ungerecht ist.
Bis nach Mitteleuropa schaffen es meist nur jüngere Männer und Leute, die Schlepper bezahlen können.
Schlimmstenfalls sind dann auch Kriminelle und Terroristen darunter.
Wer nur für offene EU-Außengrenzen plädiert, macht es sich zu einfach.
Wenn wir Flüchtlinge humanitär aufnehmen wollen, dann sollten diese legal und sicher vor Ort ausgewählt und Frauen und Kinder bevorzugt aufgenommen werden.“
Dahinter standen selbstverständlich nicht nur theoretische Überlegungen, sondern auch meine Erfahrungen als Leiter des Sonderkontingentes für besonders schutzbedürftige Frauen und Kinder aus Kurdistan-Irak in 2015/16:
https://www.movo.net/2023/07/18/michael-blume-jesiden-terrorismus-antisemitismus-verschwoerungsmythen/
Zu diesen Erfahrungen gehört auch ein Argument, dass Du, @Tobias, öfter anbringst: die freiwillige Bereitschaft von Kommunen. Nach meiner Erfahrung werden schutzbedürftige Frauen und Kinder viel öfter freiwillig aufgenommen und aktiv unterstützt. So können Kommunen humanitär Gutes tun, Unrecht und Leid mindern und gleichzeitig auch demografisch die gemeinsame Zukunft, Bildung, Integration, Kultur, sogar die Wirtschaft stärken.
@Michael 04.10. 14:39
„Zu diesen Erfahrungen gehört auch ein Argument, dass Du, @Tobias, öfter anbringst: die freiwillige Bereitschaft von Kommunen.“
Aber auch andersrum. Etwa hier in NRW gibt es auch Münster, Köln oder Düsseldorf, da ist die Wohungsnot so groß, dass man jetzt echt keine Einwanderer obendrauf mehr braucht. Bis auf weiteres zumindest. Und auch hier in Dortmund fehlt es derzeit nicht an neuen Mitbürgern. Was sich aber schon nach 5 Jahren Zuwandererstop schon wieder drehen kann.
Wenn die meisten Ukrainer und so manche Osteuropäer wieder abreisen, und sich die Geburtenraten nicht bessern, dann haben auch wir hier wieder akuten Bedarf auch von außerhalb Europas.
„Nach meiner Erfahrung werden schutzbedürftige Frauen und Kinder viel öfter freiwillig aufgenommen und aktiv unterstützt.“
In der Tat denke ich eher an junge Männer, wenn Zuwanderer gemeint sind. Frauen und Kinder sind besser zu gebrauchen und machen eher weniger Probleme.
Was hier allerdings dann nicht so gut läuft, dann ist das ein hausgemachtes Problem hier in Dortmund: Hier in der Dortmunder Nordstadt haben wir 78% Einwohner mit Migrationshintergrund. Ich wohne hier trotzdem, weil es hier billiger ist, und man hier recht innenstadtnah wohnt, und echt kein Auto braucht.
Aber in den Schulen sind hier die 2. Generation Einwanderer weitgehend unter sich. Einheimische mit schulpflichtigen Kindern wohnen hier entsprechend fast keine mehr, weil die Kinder sonst hier in die Grundschule müssten. Dass das die Integration gar nicht fördert, dürfte wohl klar sein. Zusätzlich ist auch noch der Bildungserfolg entsprechend mangelhaft.
Ja, @Tobias – gerade auch Dein Beispiel mit den Schulen ist mir – auch als Teil einer internationalen, interkulturellen und interreligiösen Familie – sehr wichtig: Höhere Geburtenraten im Inland können auch die Durchmischung und damit Integration junger Zugewanderter fördern. Deswegen sind Familien-, Bildungs- und Integrationsförderung streng genommen gar kein Widerspruch, sondern ergänzen einander.
Umgekehrt nehmen Rechtsmimesis und auch Rassismus dort zu, wo sich Menschen – auch mangels Kindern – gar nicht mehr kennenlernen, sondern jeweils in ihren Blasen verbleiben.
Diese medialen Blasen-Effekte beobachte ich sogar unter Progressiven auf Mastodon:
Mir ist ja klar, dass Linke & generell Progressive oft dazu neigen, sich auch gegenseitig „nicht gut genug“ zu finden. Veganys gegen Vegetarys – habe das hier auch schon erlebt. 🤭
Zwar manchmal schade, aber ich kann es wohl kaum ändern…
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117382801763793428
Kinder lehren (nicht immer, aber oft genug) Erwachsene Toleranz und drehen ihre Perspektiven in Richtung Zukunft.
@Michael 04.10. 16:05
„Deswegen sind Familien-, Bildungs- und Integrationsförderung streng genommen gar kein Widerspruch, sondern ergänzen einander.“
Entsprechend sinnvoll wäre es, wenn sich die Leute nicht so extrem in Stadtteilen sortieren würden. Man müsste den Einwanderern Mietzuschüsse zahlen, wenn sie nicht in den Brennpunkten wohnen wollen. Und die Schulkinder etwas über die Stadtteile verteilen, auch wenn dann die Schulwege länger werden.
Aber klar, auch einfach mehr Kinder verjüngen schon das ganze Leben.
@ Uli Schoppe 04.10.2026, 04:20 Uhr
Zitat: „Es sind keine Geschichten also irgendwelche Erzählungen oder so.
Das fällt unter Verniedlichung und Verharmlosung in meinen Augen.“
Missbrauch ist ein, zum Glück verhältnismäßig seltenes, schweres Verbrechen. Es kann überall vorkommen, bei Bäckergesellen, Metzgergesellen, beim Feuerwehrnachwuchs und in kirchlichen Jugend Einrichtungen….
Alle Einrichtungen bemühen sich, die Vorfälle unter den Teppich zu kehren.
Nur in kirchlichen Einrichtungen wird die Situation ausgenutzt um diese Organisation zu zerstören und auch daraus finanzielle Vorteile zu generieren…..
Die Aufgaben der Religionen sind im Prinzip, salopp gesagt, hauptsächlich dafür zu sorgen, dass die „Schäfchen nicht aussterben“, auch nicht übereinander herfallen und bestimmte Regeln verbindlich einhalten müssen….
Jetzt wundert man sich über den Bevölkerungsrückgang….
Zitat: „Würdest du das auch klandestine System von Jobveränderungen anderen Organisationen auch durchgehen lassen wollen?“
Auch das ist eine Realität, ganz egal ob es mir passt, oder auch nicht….
@Realo
04.10.2026, 16:37 Uhr.
Also bei Verschwörungsmythen zu dem Thema bin ich raus. Der große Plan um die christlichen Kirchen zu zerstören…
Mal Butter bei die Fische : Wer sind denn die finsteren Hintermänner die hinter deinem „man“ stecken?
@Uli Schoppe 04.10. 19:11
„Mal Butter bei die Fische : Wer sind denn die finsteren Hintermänner die hinter deinem „man“ stecken?“
Ich kenne persönlich mehrere Exkatholiken, die als Kinder in die Kirche geschleift wurden, und nichts lieber sehen würden, als wenn dieser Verein verschwände.
Ich selber wiederum bin weder Katholik noch überhaupt Christ. Und bin aber doch beeindruckt von der Enzyclika des aktuelle Papstes, die wir hier im Blog vor einigen Monaten zum Thema hatten.
@Tobias
Nicht das wir uns falsch verstehen :🙂
Ich wollte Gar nicht auf eine Diskussion über Mißbrauch in den Kirchen hinaus. Realo fabuliert im Grunde von irgendwelchen finsteren Gestalten die an der Zerstörung der christlichen Kirchen arbeiten.
Jetzt hätte ich gerne von ihm gewusst wer das denn sei.
Ich habe so meine Vorstellung davon wo er hin will, wollte das aber nicht einfach als Verdacht in die Kommentare kesseln.
Ich wollte nicht das das so dahin geraunt bleibt. Wenn man das Fass schon aufmacht sollte man auch konkret werden.
Deinen Standpunkt kann ich gut verstehen aber du machst es mir ja auch leicht : Du sagst was du denkst und das empfinde ich als sehr angenehm.
Damit kann ich leben. In einem anderen Feld bin ich ja auch davon beeindruckt davon das uns Frau Merkel auf eine nüchterne sachliche Art jahrelang vor Herrn Merz beschützt hat, dafür kann man ihr gar nicht genug danken und nur hoffen das sie die Forderung nach dem länger arbeiten vielleicht für sich umsetzt.
Das wäre ein Gewinn und dafür muss ich kein CDU Fan sein sondern nur ihre Lebensleistung anerkennen.
Nur damit klar ist das das keine Häme ist die ich über Frau Merkel ausschütten will 🙂
Das wäre das Gegenstück deiner Haltung zu Kirche und Papst wenn ich uns beide richtig verstanden habe.
Es ging mir wirklich nur um die Verschwörung die anscheinend hier angedeutet wird. So zur Zerstörung der christlichen Zivilisation und so.
Das Mißbrauchsthema aufzugreifen dafür ist das hier gerade nicht die geeignete Stelle. Denke ich zumindest 🙂
@ Uli Schoppe 04.10.2026, 19:11 Uhr
Zitat: „Also bei Verschwörungsmythen zu dem Thema bin ich raus. Der große Plan um die christlichen Kirchen zu zerstören…
Mal Butter bei die Fische : Wer sind denn die finsteren Hintermänner die hinter deinem „man“ stecken?“
Wäre ich ein geschäftstüchtiger, Geld gieriger „Medienmogul“, würde ich selbstverständlich die Situation maximal für mich ausnutzen. Ich würde mich gar nicht mit anderen „verschwören“, würde einfach dafür sorgen, aus der Situation für mich selbst, möglichst viel Geld herauszuschlagen.
Je mehr man auf die Kirche mit den „Missbrauchsgeschichten“ eindrischt, desto mehr fallen vom Glauben ab, desto mehr Gewinn könnte ich herausholen….. Ist doch ganz einfach…..
Die Kirche hatte nun einmal viel Einfluss auf die Menschen, der sich auch zu Macht und Geld machen lässt. Die Anhänger der Kirchen haben z.B. den Politiker gewählt, oder dort eingekauft, wie es die Pfarrer oder deren Anhänger wollten.
@ Tobias Jeckenburger 04.10.2026, 23:22 Uhr
@Uli Schoppe 04.10. 19:11
Ich persönlich wurde auch als Kind in die Kirche „geschleift“, sogar in ein katholisches Internat.
Allerdings in eines, in dem uns bereits in den 1950 ern Konzepte vermittelt wurden, die heutzutage zur Realisierung der KI wichtig sind. Nämlich Musteranalysen und Mustersynthesen (ganz ohne Computer) zu nutzen, um „wirkliche natürliche Intelligenz“ generieren zu können.
Ein Jesuit, bekanntlich die „Intelligenzbestien“ unter den Pfarrern, hat uns dieses neue Konzept eingetrichtert. Ein „Schulinsider“ hat meinen Vater überzeugt, mich dorthin zu „schleifen“….
Besseres hätte mir gar nicht passieren können. Diese Erkenntnisse konnte ich verinnerlichen und fast mühelos, einen höchst interessanten Berufsabschluss (Nachrichtentechnik) an einer Ingenieursschule, erreichen…. Der Beruf hat mich mein ganzes Leben lang sehr glücklich gemacht….
Jedenfalls halte ich das grundlegende Glaubenskonzept der Christen, die „Nächstenliebe“, samt ihrem „Werbegag des Jahrtausends“ („die andere Wange auch noch hinzuhalten“), für sehr zweckmäßig.
Die meisten Menschen sind sehr „ehrenhaft“, helfen tatsächlich anderen Menschen. Z.B. die Feuerwehrleute retten oft anderen Menschen das Leben, unter Einsatz ihres eigenen Lebens…..
@ Uli Schoppe
Zitat: „In einem anderen Feld bin ich ja auch davon beeindruckt davon das uns Frau Merkel auf eine nüchterne sachliche Art jahrelang vor Herrn Merz beschützt hat, dafür kann man ihr gar nicht genug danken und nur hoffen das sie die Forderung nach dem länger arbeiten vielleicht für sich umsetzt.
Das wäre ein Gewinn und dafür muss ich kein CDU Fan sein sondern nur ihre Lebensleistung anerkennen.“
Du wirst es kaum für möglich halten, genau so sehe ich es auch. Obwohl ich die Politiker Gysi, Lafontaine und Wagenknecht sehr schätze, gehört auch Frau Merkel, wegen ihrem Realitätssinn diesem Kreis an. Ich würde sie mir als nächste Bundespräsidentin wünschen…..
Es ging mir um den offensichtlichen Bedeutungsverlust der Christen, sie wurden „demontiert“, nicht um eine finstere Verschwörung…..
Das Missbrauchsthema hat stark dazu beigetragen…..
@Tobias Jeckenburger, @Realo & @Uli Schoppe
Guten Morgen & Danke für Euer Interesse an Religion(en)! 🙂🙏✅
Dazu gibt es ein neues, sehr erfreuliches Dokument samt Begriffsarbeit:
Die von Papst Leo XIV. approbierte („zur Veröffentlichung genehmigte“) Note „Ein Weg der Hoffnung“ vom 16. September 2026 ist interreligiös bemerkenswert, ja historisch.
Besonders freue ich mich, dass auch der Vatikan endlich den m.E. falschen Begriff „Altes Testament“ aufgibt und besser vom „Ersten Testament“ spricht!
„Jesu Doppelgebot der Liebe, nämlich Gott mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit ganzem Verstand und mit aller Kraft zu lieben und den Nächsten zu lieben wie sich selbst (vgl. Mk 12,30-31, Mt 22,37-39; Lk 10,27), entstammt dem *Ersten Testament*, auch wenn dort die beiden Gebote nicht ausdrücklich miteinander verbunden wurden (vgl. Dtn 6,5 und Lev 19,18). Deshalb betrachtete Papst Benedikt VI. die Juden als unsere „Väter im Glauben“[18] und betonte, dass der Dialog zwischen den beiden Glaubensrichtungen von der Dankbarkeit der Christen gegenüber den Juden ausgehen müsse, […]“
Lesenswert!
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117383618914107693
Die lesenswerte „Note“ zum dialogischen Monismus hier auf der Vatikan-Seite:
https://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_ddf_doc_20260916_nota-cammino-speranza_ge.html
Danke fürs Interesse & viel Freude beim Lesen!
@Michael 05.10. 07:36
„Die lesenswerte „Note“ zum dialogischen Monismus hier auf der Vatikan-Seite:“
Ich hab da schon mal reingelesen. Offenbar Teil der Lösung, nicht Teil des Problems.
@Michael Blume:
Ich stehe auf dem Schlauch … Ich habe die Note gelesen (nicht nur einmal 😉 ), ich denke ich habe so grundsätzlich verstanden was sie sagt.
Das war schon aus dem Grund interessant und hat auch Spaß gemacht weil das eine Quelle ist bei der ich von mir aus nicht suchen würde.
Jetzt habe ich ein Problem: Ich verstehe nicht wo das hinläuft, wie ich das einoednen und wie ich das mit dem Blockartikel in Verbindung bringen soll.
Kurz: Ich bin begriffstutzig. Dabei sollte das Begriffsarbeit sein…
Hilf mir bitte weiter, das Problem dabei ist das ich gerade nicht sehe wo mein Problem ist … Das macht mich nämlich irre weil ich meine ich verstehe im Regelfall wovon Du schreibst ^^ 🙂
Oder meine Herangehensweise an den Text ist völlig falsch.
Guten Morgen und Danke für das Interesse & die Nachfrage, @Uli Schoppe 🙏🙌
Im Kern geht es sowohl zwischen politischen Parteien und zwischen Religionen um die Frage nach der Erkennbarkeit von Wahrheit:
Im Relativismus gibt es keine verbindliche Wahrheit, nur Mehrheits- und Machtverhältnisse. Demnach gibt es auch keine Menschenwürde und wenn eine Tyrannei als gewinnbringender erscheint, kann auch sie gewählt werden.
Im Freund-Feind-Dualismus hat nur eine Partei bzw. Religionsgemeinschaft Recht – und andere sind also zu bekämpfen und bestenfalls zeitlich zu dulden. Diesem Ansatz entspricht die Konkurrenzdemokratie – meist mit Mehrheitswahlrecht – und die religiöse Disputation, in dem es nicht um das Verstehen, sondern um das „Besiegen“ und „Konvertieren“ der Andersglaubenden geht.
Erst im dialogischen Monismus wird eingeräumt, dass verschiedene, demokratische Parteien, verschiedene Religionen und auch nichtreligiöse Weltanschauungen Anteil an der gemeinsamen Wahrheit haben können. Die Anerkennung der Menschenwürde gilt nun unbedingt, also auch für Andersdenkende und Andersglaubende. So entwickeln sich Ansätze parlamentarischer Konsensdemokratien und des interreligiösen Dialoges, in dem das gegenseitige Zuhören und die gemeinsame Suche nach Erkenntnis im Vordergrund stehen.
Obwohl ich selbst evangelischer Christ („Protestant“) bin und etwa die Diskriminierung von Frauen und das Pflicht-Zölibat der römisch-katholischen Kirche ablehne, freue mich über das klare Bekenntnis des Vatikans und von Papst Leo XIV. zum dialogischen Monismus in „Ein Weg der Hoffnung“ vom 16. September 2026.
https://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_ddf_doc_20260916_nota-cammino-speranza_ge.html
Auch der Papst selbst sah und baute dazu übrigens eine Brücke zur parlamentarischen Konsensdemokratie und würdigte am 28. September 2026 in Metz den französischen Christdemokraten und Europapolitiker Robert Schuman (1886 – 1963), für den derzeit sogar ein Seligsprechungsverfahren läuft!
Ich zitiere ihn aus seiner interreligiösen Ansprache auch dort:
„Der Dialog nimmt uns nichts von unserer Identität, sondern bringt sie in Einfachheit und Wahrheit zum Ausdruck, wenn sie sich der Andersartigkeit des anderen öffnet.
Wie mein Vorgänger, Papst Franziskus, sagte: »Der Dialog zwischen Menschen verschiedener Religionen findet nicht nur aus Diplomatie, Freundlichkeit oder Toleranz statt. […] Das Ziel ist, Freundschaft, Frieden […] zu begründen« (Enzyklika Fratelli tutti, 271).
Vor ihm betrachtete der heilige Papst Johannes Paul II. den Dialog als ein dem Wesen des Menschen innewohnendes Erfordernis (vgl. Botschaft zum Weltfriedenstag, 1. Januar 2001, 10). Dieser ist nach Paul Ricœur der Weg, auf dem wir das Anderssein als eine Verheißung und nicht als eine Bedrohung erkennen; er ist eine Kunst der Begegnung, derer unsere Welt dringend bedarf und die das direkte Gegenteil von Aggressivität und Gewalt ist.
Sich auf den Namen Gottes zu berufen, um Gewalt oder Unterdrückung zu legitimieren, stellt in der Tat eine Entweihung dieses Namens dar.
Nichts, was die Menschenwürde entstellt, kann sich auf wahre göttliche Eingebung berufen.
Der religiöse Diskurs muss stets dazu aufrufen, die Herzen und die Worte zu entwaffnen. Dies bedeutet für uns, als Hüter unserer jeweiligen Traditionen, eine unmittelbare Verantwortung.“
https://www.vatican.va/content/leo-xiv/de/speeches/2026/september/documents/20260928-francia-incontro-interreligioso.html
Hier eine Zusammenfassung dazu durch Felo.ai:
Der Vatikan und die Päpste würdigen Robert Schuman, weil er als überzeugter Katholik seinen Glauben untrennbar mit seinem politischen Wirken für ein friedliches, geeintes Europa verband. Sein Leben gilt der Kirche als Beispiel für die gelebten christlichen Tugenden in der Politik, weshalb ein Seligsprechungsverfahren eingeleitet wurde[7][8].
## Glaubensfundament und politisches Wirken
Schuman, geboren 1886 im luxemburgischen Clausen, war ein überzeugter Katholik, dessen Engagement in der Politik nicht von seinem Glauben zu trennen ist[7][8]. Bereits 1904 trat er in Bonn der katholischen Studentenverbindung Unitas-Salia bei, deren Wahlspruch „In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas“ („Im Notwendigen Einheit, im Zweifel Freiheit, in allem aber Nächstenliebe“) lautete[8]. Diese Verbindung machte ihn mit der katholischen Soziallehre vertraut, die sein späteres politisches Handeln prägte[8].
Sein bekanntestes Werk ist der „Schuman-Plan“ von 1950, der die Montanunion zwischen Frankreich und Deutschland vorsah – eine gemeinsame Aufsicht über die Stahl- und Kohleproduktion beider Länder[7][9]. Für Schuman war dies im Kern Friedenspolitik, da die gemeinsame Bewirtschaftung der zentralen Stoffe der Rüstungsindustrie die einstigen Erbfeinde wirtschaftlich verband und so einen Krieg unmöglich machen sollte[7][9]. Dieser Plan gilt als Grundstein der Europäischen Union[9][10].
## Der Seligsprechungsprozess
Der Seligsprechungsprozess für Schuman wurde offiziell am 9. Juni 1990 in seinem Heimatbistum Metz eingeleitet[1][7]. Nach Anhörung von etwa 200 Zeugen wurde die Akte 2004 an Rom übergeben[1][6][7].
Ein entscheidender Schritt erfolgte am 19. Juni 2021, als Papst Franziskus Schuman den **heroischen Tugendgrad** zusprach[7][8][13]. Dieser Grad drückt aus, dass ein Mensch die christlichen Tugenden des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe in seinem Leben in vorbildlicher Weise gelebt hat[7]. Liegt kein Martyrium vor, ist er die Voraussetzung für eine Selig- oder Heiligsprechung[7]. Damit wurde Schuman zum „Ehrwürdigen Diener Gottes“ ernannt[13]. Was noch fehlt, ist die Anerkennung eines Wunders, das für die Seligsprechung erforderlich ist[3].
## Kirchliche Würdigung
Die Päpste haben Schuman bereits früh gewürdigt: Papst Johannes Paul II. nannte ihn 1988 vor dem EU-Parlament ein „ewiges Vorbild für alle Verantwortlichen am Aufbau Europas“[11]. Sein Wirken war nach Angaben des kirchlichen Medienportals Vatican News stark vom katholischen Glauben geprägt[9]. Die Kirche sieht in Schuman ein Beispiel dafür, wie christliche Überzeugungen in politischer Verantwortung für Frieden und Einheit wirksam werden können[7][8].
[1] https://www.kas.de/en/web/die-politische-meinung/artikel/detail/-/content/saint-schuman
[2] https://www.schoenstatt.org/de/franziskus/2021/06/robert-schumann-ein-pionier-der-voelkerfreundschaft-auf-dem-weg-zur-seligsprechung/
[3] https://www.ardsounds.de/episode/urn:ard:episode:ff1860d00d6122ab/
[4] https://www.katholisch.de/artikel/30274-deutscher-jesuit-und-eu-gruendervater-auf-dem-weg-zur-seligsprechung
[5] https://www.cathol.lu/de/news-de-1/europaeische-einigung-ist-das-wunder-schumans
[6] https://www.domradio.de/artikel/heroischer-tugendgrad-fuer-den-vater-der-eu-robert-schuman-koennte-bald-seliggesprochen
[7] https://www.kath.net/print/75516
[8] https://www.vaticannews.va/de/vatikan/news/2021-06/vatikan-seligsprechung-dekret-schuman-jeningen-europa-bio.html
[9] https://religion.orf.at/stories/3207244/
[10] https://en.wikipedia.org/wiki/Robert_Schuman
[11] https://www.konradsblatt.de/detail/nachricht/id/247949-der-papst-ehrt-robert-schuman/?cb-id=12279868
[12] https://www.herder.de/communio/gesellschaft/was-robert-schuman-und-leo-xiv-verbindet-diener-der-einheit/
[13] https://www.unitas-ruhrania.org/de/artikel/papst-leo-xiv-bei-robert-schuman.html
[14] https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/papst-franziskus-will-eu-vordenker-robert-schuman-selig-sprechen-a-6872f181-fb0b-4409-9f2d-12d4d008c030
[15] https://www.grenzecho.net/57647/artikel/2021-06-19/papst-will-eu-vordenker-robert-schuman-selig-sprechen
[16] https://www.robert-schuman.eu/de/la-lettre/1168
@Realo
05.10.2026, 07:09 Uhr
Ich versuche es mal anders 🙂 :
Du siehst ja für Dich eine Absicht hinter der Berichterstattung die über zB Informationsvermittlung hinaus geht.
Wie würdest Du das nennen?
Dein unterstelltes „immer wieder draufschlagen“ meint ja das absichtsvolle Wiederholung um dem Empfänger etwas im Sinne des Wortes einzubläuen.
Wie würdest Du das nennen?
Was sind für Dich „finstere Verschwörungen“? Gibt es nicht finstere davon? Wie sähe denn sowas aus?
Sind Nachrichten für Dich „reine“ Informationsvermittlung? Wie sähe die denn aus? Geht das so wie Du Dir das vorstellst überhaupt? Oder möchtest Du vieleicht einfach, das Information so verpackt wird das sie eine Vorstellung transportiert die Dir passt?
@ Uli Schoppe 05.10.2026, 23:54 Uhr
Du hast Fragen aufgeworfen, die mich besonders interessieren und mich sehr beschäftigen.
Zitat: „Du siehst ja für Dich eine Absicht hinter der Berichterstattung die über zB Informationsvermittlung hinaus geht.
Wie würdest Du das nennen?“
Das ist für mich eine eher weitgehende Realität. Menschen wollen (und müssen sich auch) Bedürfnisse erfüllen. Z.B. Geldeswerte-, Physiologische-, Psychologische Bedürfnisse…..
Ich selber habe nur mehr hauptsächlich 2 Motivationen. Einerseits das Training um geistig fit zu bleiben. Andererseits sind mir auch sehr verschiedene Sichtweisen wichtig, ob sie mit meinen eigenen, eher bevorzugten übereinstimmen, oder auch nicht, ist mir zweitrangig. Bin einfach neugierig….
In diesem Sinne antwortet mir meine oft gerne genutzte KI „Copilot“: Sie betont anfangs dass sie neutral sein möchte und bietet verschiedenen Sichtweisen an. Ich meine, dass ihr das ganz gut gelingt. Ich nutze auch gerne Wikipedia.
Ich versuche Sichtweisen objektiv zu beurteilen. Ich bemühe mich auch um eine objektive Zuordnung nach psychologischen Gesichtspunkten. Natürlich ist dann auch interessant, welche „psychische Motivation“ dahinter stecken könnte.
Ganz harmlos, warum ein Dortmunder Fußballfan, was eher selten vorkommen dürfte, ausgerechnet für Bayern München schwärmt, oder ein Münchner für den BVB….
Zitat: „Dein unterstelltes „immer wieder draufschlagen“ meint ja das absichtsvolle Wiederholung um dem Empfänger etwas im Sinne des Wortes einzubläuen.
Wie würdest Du das nennen?“
Wenn „wir 3“ (Du, Jeckenburger und ich) uns austauschen, sieht es tatsächlich so aus, als würde ich immerzu wiederholen…..
Aber „fremden“ Lesern, ich vermute die gibt es auch, (wie viele sind es übrigens ungefähr???) würde der nötige Zusammenhang fehlen, würde man auf die „Wiederholungen“ verzichten….
Zitat: „Was sind für Dich „finstere Verschwörungen“? Gibt es nicht finstere davon? Wie sähe denn sowas aus?“
Rational ist für mich eher „die Geldmacherei“. Weiteres können sich mehrere Menschen, mehr oder weniger „heimlich verschwören“, denen ein bestimmtes gemeinsames Anliegen, eine Ideologie/Religion, der Tierschutz, ein Hobby, oder der Veganismus,….. wichtig ist. Es kommt nicht nur auf das Geld an….
Zitat: „Oder möchtest Du vielleicht einfach, das Information so verpackt wird das sie eine Vorstellung transportiert die Dir passt?“
Meine eigene Vorstellung ist mir nicht so wichtig (außer als „Trainingsgründen“). Nichts schätze ich mehr, als wenn einer möglichst kreativ, eine von mir geäußerte Sichtweise „zerpflücken“ kann…..
Dann hätte ich, mit über 80, noch was neues gelernt…..
Nun ja, @Realo – würde ein ehrliches Interesse an Dialog und Wissenschaft nicht eher mehr Fragen und Offenheit voraussetzen, als wilde Behauptungen bis zu Verschwörungsmythen?
Auf jeden Fall hatte ich heute ein schönes Erlebnis, das ich auch mit Ihnen teilen wollte:
Beim einem neuen Nachbarn werden Solarpaneele installiert. Ich bedanke mich bei den Mitarbeitern der Solarfirma (Arbeitsplätze, für die sich Katherina Reiche (CDU) wohl leider nicht zuständig sieht):
„Vielen Dank für Ihre wichtige Arbeit! Wir Blumes haben ja auch eine Photovoltaik-Anlage und sind sehr zufrieden!“
Die Mitarbeiter strahlen, der neue Nachbar auch.
„Stimmt es, dass Sie Ihre beiden Elektroautos selbst laden?“
„Ja, wir laden unsere E-Autos mit dem eigenen Solarstrom & nutzen den ÖPNV sowie Fahrräder. Keine Abzocke mehr durch fossile Mineraölkonzerne! Ich kann es sehr empfehlen!“
„Danke, wir überlegen jetzt nämlich auch, eine Stromleitung zum Carport zu legen.“
„Unbedingt! Es sollten viel mehr Menschen von Solarstrom profitieren, es schützt ja auch die Mitwelt und den Frieden! Hoffentlich stoppt die Bundesregierung nicht gerade jetzt die Förderung!“
Ich finde, MP Daniel Günther (CDU) von Schleswig-Holstein hat auch für Baden-Württemberg Recht: Mehr Erneuerbare, jetzt!
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117393766047850284
Ihnen alles Gute, vor allem auch Interesse an erneuerbaren Friedensenergien und der Überwindung der „Geldmacherei“ im Putin-Trump-Iran-Katar-Venezuela-usw.-Fossilismus…
@Michael 06.10. 07:48 / Pabst
„Sich auf den Namen Gottes zu berufen, um Gewalt oder Unterdrückung zu legitimieren, stellt in der Tat eine Entweihung dieses Namens dar.“
Die Russisch-Orthodoxe Kirche scheint allerdings überhaupt kein Problem mit Putins Gewalt und Unterdrückung zu haben. Muss man da hoffen, dass auch der Vatikan sich nicht ganz schnell wieder umdreht, wenn der Wind auch im Westen wieder wechselt?
Das Christentum ist z.B. in Skandinavien auch übernommen worden, weil es die göttliche Legitimierung der Könige mit Angebot hatte.
Die Zeiten sind im Westen vorbei, entsprechend macht es auch für die Kirche keinen Sinn mehr, das noch zu fördern. Umso besser, wenn die Kirche nun Freiheit und Demokratie unterstützt.
Der interreligiöse Dialog geht aber hoffentlich auch noch viel tiefer: In eine Erkundung der tatsächlichen Geisteswelten, die ein wirklich geduldiger dialogischer Monismus durchaus auch liefern kann. Wenn man ihm Jahrzehnte oder besser sogar Jahrhunderte Zeit gibt.
@Michael Blume
06.10.2026, 07:48 Uhr
Danke für die ausführliche Antwort 🙂
Ich kann zwar mit der Vatikanquelle zB jetzt immer noch nicht so richtig viel anfangen aber die lege ich mal auf den Stapel „Noch nicht richtig verstanden, bei Gelegenheit weiterbearbeiten“ in meinem Kopf. Der ist leider ziemlich hoch zu meinem Leidwesen aber gut. Das der nie kleiner wird halte ich für ein gutes Zeichen: Ich bin noch nicht tot (und das meint nicht einfach die Einstellung biologischer Funktion).
Ich habe den Verdacht das das bei mir eine unbewußte Ablehnung der seltsamen Sprachverliebtheit ist die Theologen mit vielen Philosophen teilen. Wobei ich nicht der Simplifizierung von Sprache das Wort rede (die begrenzt das Verständnis) sondern der Vereinfachung (was nicht das Gleiche ist). Und wie mir beim zweiten Lesen aufgefallen ist: Ich begehe hier in dem Satz die selbe Sünde die ich anderen vorwerfe 😉
Sprache ist doch Dein Ding: Warum muss man wie in Deinem Zitat so reden (der Papst scheint Theologe zu sein ^^):
Wenn ich mit dem Satz durch unsere Werkstatt gehe fragt mich mindestends jeder dritte ob man das essen kann oder ob das eine Beleidigung wird 😉 Dabei ist der Fragesteller dann nicht einfach dumm!
Ich würde das gar nicht mit einem religiösen Begriff wie „Entweihung“ belegen. Sowas (die Berufung zur Legitimation ist hier gemeint mit sowas) beleidigt die Vernunft. Das ist unabhängig davon ob man die Vorstellung eines Gottes für zulässig hält oder nicht. Wer sich so beruft hat einfach nur einen Vektor für seine Meinung gesucht.
Wer einen Dialog führen will betritt automatisch eine entmilitarisierte Zone.
Darum bin ich auch nicht der Meinung das man mit AfD Wählern einfach nur besser reden muss. Die kommen nämlich immer mit der Knarre vorbei.
Die wünschen sich das das man ihnen klare Grenzen setzt was wir im letzten Jahrzehnt versäumt haben. Hoffentlich ist es noch nicht zu spät.
Eine Zusammenarbeit mit denen kann man sich nicht mit dem linken Antisemitismus schön reden, beide Standpunkte sind nicht tolerierbar. Wer Clankrimineller sagt muss auch Aiwanger sagen. Die CDU hat irgendwie vergessen wie man da abgewiegelt hat in der Schwesterpartei. Sonst würde sie vieleicht etwas mehr Demut zeigen bei ihren Angriffen auf die Linke.
Nein, das ist kein whatabout. Nur die Aufforderung mal darüber nachzudenken wo der Feind sonst noch so steht. Was ich der Linken übrigends auch wärmstens empfehle.
Ich würde jetzt (zugegeben etwas billig) formulieren er ist dafür eingetreten obwohl er Katholik war, ich kann nämlich mit dem Katholizismus so gar nichts anfangen.
Aber ist doch toll: Wenn auch Katholiken für solche Ziele eintreten können gibt mir das irgendwie den Glauben an die Menschen wieder. Das ist für mich ein Indiz dafür, das es ganz unabhängig von irgendwelchen zumindest für mich sehr seltsamen Glaubenssystemen ganz offenbar grundsätzlich Vorstellungen gibt auf die wir uns einigen können.
Da sollten wir dranbleiben.
Die Vorstellung von der Enge der Zeit kann man nämlich auch anders aufgreifen: Wenn sie schon so eng ist, womit wollen wir sie verbringen? Ich kann sie nihilistisch aufgreifen. Das ist aber nur eine Lösung. Das Leben und das Phänomen der Enge der Zeit ist einer Differenzialgleichung ähnlich 😉 Es kommt letztlich nur darauf an welche Anfangs- und/oder Randbedingungen man setzt. Das ist ein Vergleich der hinkt, das muss mir jetzt keiner auseinander setzen.
Meine Gedanken zur Tasse Kaffee am Morgen 🙂
Herzlichen Dank für den engagierten und tiefsinnigen Kommentar, @Uli Schoppe
Du schriebst:
„Ich habe den Verdacht das das bei mir eine unbewußte Ablehnung der seltsamen Sprachverliebtheit ist die Theologen mit vielen Philosophen teilen.“
Da gibt es auch große Überschneidungen, denn jede gute Theologie ist Philosophie plus Geschichte plus Psychologie plus Ethik.
Das ist dann noch immer keine Quantenphysik, aber doch schon ziemlich komplex – zumal Vatikan und Papst immer gleichzeitig zu ganz unterschiedlichen Gemeinden und Situationen auf der ganzen Welt kommunizieren! Der gleiche Text zum Dialog der Religionen soll in Nigeria ebenso funktionieren wie in Norwegen und Nordamerika!
Alleine schon über den Satz mit den „Interreligiöse Paare“ ließe sich viel schreiben! Doch ich habe, auch aufgrund unseres Dialoges, zum päpstlichen Hoffnungsweg schon extra gebloggt:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/ein-weg-der-hoffnung-mit-papst-leo-xiv-und-dem-christdemokraten-robert-schuman-1886-1963/
„Wenn auch Katholiken für solche Ziele eintreten können gibt mir das irgendwie den Glauben an die Menschen wieder. Das ist für mich ein Indiz dafür, das es ganz unabhängig von irgendwelchen zumindest für mich sehr seltsamen Glaubenssystemen ganz offenbar grundsätzlich Vorstellungen gibt auf die wir uns einigen können.
Da sollten wir dranbleiben.“
Genau das. Wenn wir uns klar machen, wie schnell sich die wirtschaftliche, mediale, politische, auch klimatische Welt gerade umwälzt, dann wird doch erkennbar, wie kostbar jedes dialogische Suchen nach Gemeinsamkeiten ist. Wir können einander einfach nicht mehr ignorieren! Und dann ist es doch gut, „das Leben und das Phänomen der Enge der Zeit“ gemeinsam zu erkunden! Gerne auch mit Bezug zu „Ein Weg der Hoffnung“. 😊🙌