Demografie-Diskurse in den USA 2026. Rechte Panik über sinkende Geburtenrate und -zahl

Interessierte wissen es dank „Natur des Glaubens“ längst – die Weltbevölkerung hat bereits um 2012 den Peak Child-Kindergipfel überschritten, seitdem sinkt die Zahl der Neugeborenen weltweit. Und da die säkulare Geburtenimplosion bereits die globale Zahl der Unter 30-Jährigen drückt, beschleunigt sich der Abwärtssog ebenso, wie früher hohe Geburtenraten das Bevölkerungswachstum beschleunigt haben.

Eine Datengrafik von OurWorldinData.org nach Zahlen der Vereinten Nationen 2024. Gezeigt wird das Überschreiten der Zahl von Unter-5-Jährigen in den 2010er Jahren und ein entsprechend absehbares Absinken der Zahl auch der jungen Menschen unter 15 und unter 25 Jahren.

Sogar die regierungsamtlichen – und global gesehen also wahrscheinlich übertriebenen – Daten der Vereinten Nationen gehen derzeit vom Überschreiten des globalen Peak Child, der Anzahl der in einem Jahr Neugeborenen, etwa um 2012 aus. Grafik: Our World in Data 2025, CC BY  

Doch in den USA haben nicht etwa die weltweiten Zahlen, sondern jene einer nationalen Demografie-Auswertung des CDC vom April 2026 zu einer heftig polarisierten Rechts-Links-Debatte geführt. Während ein Dr. Marc Siegel auf FoxNews die schnell sinkende Zahl von Teenager-Schwangerschaften als „Problem“ bezeichnete, traf die „Rekord-niedrige Geburtenrate in den USA“ in der Late Night Show von Stephen Colbert auf spontanen Applaus.

Die CDC-Daten vom April 2026, Seite 2, verweisen auf einen deutlichen Rückgang der Geburtenrate pro 1000 Frauen (15 - 44 J.) seit 2007, auf nur noch 53,1 in 2025. Die Gesamtzahl der Geburten in den USA sei demnach 2025 auf 3,6 Millionen Neugeborene gesunken.

Die CDC-Daten vom April 2026 verweisen auf einen deutlichen Rückgang der Geburtenrate pro 1000 Frauen (15 – 44 J.) seit 2007, auf nur noch 53,1 in 2025. Die Gesamtzahl der Geburten in den USA sei demnach 2025 auf 3,6 Millionen Neugeborene gefallen. Die Gesamtgeburtenrate (Total Fertility Rate, TFR) in den USA sei auf 1,6 gesunken. Grafik: Births – Provisional Data for 2025, CDC April 2026 

Einen noch anhaltenden Shitstorm erntete auch Katie Miller, Ehefrau des stellvertretenden Trump-Stabschefs Stephen Miller. Sie hatte zu Daten des General Social Survey (GSS), nach denen 60% der „extrem liberalen Männer zwischen 35 und 45 Jahren“ in den USA „kinderlos“ seien, kommentiert: „Liberal men aren’t attractive. – Linke Männer sind nicht attraktiv.“

(Hinweis: Das angelsächsische „liberal“ entspricht im Deutschen eher dem Begriff „links“, sozialdemokratisch. Denn in den USA & Großbritannien entwickelten sich keine christdemokratischen, sondern nur konservative Parteien, was zu einer Rechts-Links-Polarisierung entlang der Begriffe Conservative – Liberal führte.)

Was daraufhin im Netz passierte, können sich wohl alle denken.

Was also gerade in den USA passiert, haben wir in Europa schon immer und immer wieder durchgespielt: Viele Rechtsdrehende beklagen den Geburtenrückgang, weil damit Eroberungen und ewiges Wachstum unmöglich würden. Und viele Linksdrehende bejubeln das Ende der vermeintlichen „Überbevölkerung“ wie auch das Schrumpfen der eigenen Ethnie. Einige wenige stoßen auch bis zu philosophischen Dialogen rund um die Anthropodizee vor.

In Debatten rund um Religionsdemografie erlebe ich diese Rechts-Links-Polarisierungen nun seit Jahren. Denn religiöse Praxis ist ein Faktor, aber selbstverständlich nicht der einzige Faktor im komplexen Gefüge menschlicher Familienbildung. Viele Menschen reagieren auf mehrdimensionale Daten aber mit spontaner Vereinfachung („dualistische Komplexitätsreduktion“), zumal sie ihre je eigenen Biografien damit auch deuten und verteidigen.

Dabei ist die wissenschaftliche Demografie sehr interdisziplinär und aus meiner Sicht auch deswegen unglaublich interessant!

Die Datengrafik zum Zusammenhang von Gottesdienstbesuchen und durchschnittlicher Kinderzahl in Deutschland und weltweit ist betitelt mit: "Seid fruchtbar und mehret euch! Je aktiver Menschen ihre Religion ausüben, desto mehr Kinder haben sie." Sie zeigt, dass Menschen im Durchschnitt umso mehr Kinder haben, umso öfter sie Gottesdienste besuchen. So steigt die Zahl der Kinder pro Haushalt in Deutschland von 1,39 und weltweit von 1,67 bei Nie-Gottesdienstbesuchenden bis auf 1,98 in Deutschland und 2,5 weltweit bei jenen, die öfter als einmal die Woche einen Gottesdienst besuchen.

Datengrafik zum Zusammenhang von Gottesdienstbesuchen und durchschnittlicher Kinderzahl in Deutschland und weltweit aus: Gehirn & Geist 04/2009, „Homo religiosus“, Michael Blume

Demografische Gelassenheit statt thymotischer Empörungslust

Über die Jahre habe ich mir eine dialogische Gelassenheit erwerben dürfen, die ich hier in wenigen Sätzen umreißen möchte.

Ich verstehe mich als demokratischer Solarpunk-Pronatalist, der sich aus menschenrechtlichen, emotionalen, erkenntnistheoretischen und religiösen Gründen für freiwillige Elternschaft ausspricht.

Dies bedeutet, dass ich jeden Zwang zum Kinderkriegen als Verstoß gegen die Menschenwürde insbesondere von Frauen und Kindern verstehe: Keine Frau darf zur Schwangerschaft gezwungen werden, kein Kind soll alleine für die Zwecke anderer (wie etwa Ehre, Organersatz oder Krieg) gezeugt werden.  

Entsprechend befürworte auch ich – wie das Gros der jüdischen Bibelgelehrten – eine nicht-kriminalisierende Fristenregelung für Abtreibungen.

Wer – wie ich – menschliches Leben und besonders Kinder fördern möchte, hat Frauen nicht ihrer Würde und Rechte zu berauben, sondern werdende Mütter und Familien finanziell und lebenspraktisch (etwa durch qualitativ hochwertige Betreuungs- und Bildungsangebote, Erziehungsgehälter, Rentenansprüche) zu unterstützen.

Dies gilt auch für Religionsgemeinschaften, die im freiheitlichen Staat sowohl pro- wie antinatale Lehren vertreten, aber nicht die Menschenwürde und Freiheit ihrer Mitglieder oder anderer Menschen angreifen dürfen.

Jede Abwertung oder gar Bestrafung von Kinderlosigkeit lehne ich strikt ab, zumal alle Menschen zum biokulturellen Evolutionsprozess lebensförderlich beitragen können, beispielsweise durch soziale, medizinische, technologische, kulturelle und politische Beiträge.

Wenn ich es mir wünschen könnte, fände ich derzeit eine gesellschaftliche Gesamtgeburtenrate (TFR) von 1,8 optimal – die Bevölkerungszahl würde auch dann sinken, aber nicht implodieren. Denn bei deutlich höheren Geburtenraten zeigte sich in der Vergangenheit die Problematik expansiver Youth Bulge-Jugendberg-Gewalt. Bei deutlich niedrigeren Geburtenraten zeigt sich eine wirtschaftliche Nachfrage- und Investitionskrise mit steigender Jugendarbeitslosigkeit sowie die Gefahr von jugendfeindlichen Altherren-Regimen wie jenes von Wladimir Putin, die junge Menschen politisch stummschalten und in widersinnige Kriege schicken („Sturmtruppen-Strategie„).

Angesichts der KI-Digitalisierung erwarte ich eine weitere Kokonisierung, Säkularisierung und Individualisierung von Menschen. In der Akademie für politische Bildung Tutzing warnte ich daher auch vor dem Demografie-Vereinsamungs-Szenario, wonach menschenfeindliche KI-Anwendungen uns Menschen auch einfach zur Einstellung von Fortpflanzung manipulieren könnten.

Dagegen wählte ich für ein Solarpunk-Friedensenergien-Meme eine bunte Zwei-Kind-Familie, um die Hoffnung auf eine freiwillige, liebevolle und vielfältige Lebensbejahung zu bebildern.

Die Mem-Kachel zeigt eine vierköpfige, bunte Familie inmitten einer Solarpunk-Landschaft mit Pflanzen, Tieren, Solarpaneelen, Windkraft, Zeppelin und einem freundlichen Droiden, darüber die Aufschrift: "Solarpunk - Sieben Kriterien für erneuerbare Friedensenergien".

Die Mem-Kachel zeigt eine vierköpfige, bunte Familie inmitten einer Solarpunk-Landschaft, darüber die Aufschrift: „Solarpunk – Sieben Kriterien für erneuerbare Friedensenergien“. Grafik: Michael Blume mit ChatGPT

Selbstverständlich freue ich mich aber auch wieder auf Ihre Fragen und Meinungen rund um das faszinierende Thema „Demografie“. Die dualistische Rechts-Links-Polarisierung, wie sie derzeit auch in den USA noch tobt, darf dabei gerne dialogisch überwunden werden.

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

59 Kommentare

  1. @Hauptartikel

    Offenbar wären die 1,8 Kinder pro Frau wohl anzustreben. Fragt sich, wie schnell kommt man dahin?

    Bis dahin, könnte man allerdings auch den Nachfrageausfall mit umfangreichen öffentlichen und zugleich mit umfangreichen privaten Investitionen ausgleichen, solange das eben nötig ist.

    Der öffentliche Bereich wird auch gerade durch das Sondervermögen insbesondere für Aufrüstung tatsächlich realisiert. Und die privaten Investitionen könnten doch umfangreiche Investitionen in die europäische Energiewende sein.

    Wenn denn man sich endlich mal entschließt, vernünftige Rahmenbedingungen zu schaffen, und praktischerweise so, dass sich die Energiewendeinvestoren auch darauf hinreichend verlassen können.

    Die Aufrüstung dürfte kaum länger als 10 Jahre nötig sein, und eine beherzte und erfolgreiche Energiewende könnte dann in 15 Jahren fast fertig sein. Das wäre dann auch etwa eine Zielmarke, auf die 1,8 Kinder pro Frau zu kommen.

    Durch vernünftige Familienförderung, klar.

  2. Herzlichen Dank für Ihre unmissverständlichen Aussagen gegen jefen Zwang und Druck auf Frauen Kinder zu bekommen.

    Man kann fast jedes Thema mit den politischen Kategorien „Rechts“ und „Links“ betrachten. Ich meine, dass wir durch den fast zwangsläufig damit verbundenen Dualismus eine sachliche Betrachtung und Diskussion fast unmöglich machen.

    Angesichts der Gefahr für Leib und Leben, die von der AfD ausgeht, sollten wir unsere Kraft nicht in Auseinandersetzungen unter Demokraten über die Demografie vergeuden, sondern gemeinsam an Lösungen arbeiten.

    Niemand kann die Zukunft vorhersagen. Im 19. Jahrhundert war die Pille zur Empfängnisverhütung noch weit weg. Frauen waren dem Mann untertan. Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen – also brauchen wir Lösungen für die Zukunft.

    Ich habe manchmal den Eindruck, dass der politische Forderungskatalog an die Frauen weit mehr umfasst als das, was von Männern erwartet wird.

    Paare werden auch weiterhin Kinder bekommen, weil sie sich bewusst dafür entscheiden. Aber die Herausforderungen werden mehr.

    1. Die gesellschaftliche Forderung nach „funktionierenden“ Menschen.

    2. Möglichst wenig Intervention staatlicher Stellen zur Unterstützung bei der Erziehung, vor allem, weil dies den Staat Geld kostet

    3. Der Wegfall der Familienversicherung für den Ehepartner erhöht den finanziellen Druck auf Familien

    4. Einsparungen im Gesundheitswesen im Bereich der Psychotherapie. Ausnahmesituationen, die enorme Auswirkungen auf die Psyche Heranwachsender haben können, werden zur weiteren Herausforderung

    5. Die völlig unzureichende Versorgung mit Betreuungsplätzen, die die öffentliche Hand schaffen müsste.

    Und so weiter.

    Familien benötigen Unterstützung. Nicht nur Forderungen und Ansprüche. Das perfekte Kind gibt es nicht. Und das ist auch gut so. Trotz Prävention und Prophylaxe werden Menschen unheilbar krank und dadurch oft pflegebedürftig. Zu Recht wird über den begleiteten Suizid diskutiert und über die Gründe, warum Menschen sich für diesen Weg entscheiden.

    Wir brauchen auch ethische Diskussionen. Nicht nur finanzielle.

    • Ganz herzlichen Dank für Ihren starken Kommentar, @Marie H. – der mir viel bedeutet.

      Denn, ja, genau darum geht es – einerseits sind wir Menschen soziale Wesen und unser Leben gelingt am Besten in Beziehungen und Gemeinschaften. Andererseits aber sind wir Individuen und es ist ein zentraler Verstoß gegen die Menschenwürde, etwa Frauen die Verfügung über den eigenen Körper zu entziehen.

      Deshalb kann es aus meiner Sicht niemals richtig sein, eine der beiden Seiten unseres Menschseins der anderen Seite zu opfern. Frauen sind ja gerade im 20. Jahrhundert einerseits millionenfach dazu gezwungen worden, mehr Kinder zu bekommen, als sie selbst es wollten. Andererseits aber wurden sie auch zu Sterilisationen und Abtreibungen gezwungen – in Ländern wie China und Indien wurden gerade auch die Geburten von Mädchen unterdrückt oder „bestraft“.

      Die fossile Industrialisierung hat die Oikos-Familienhöfe aufgespalten in eine (meist männlich dominierte) Erwerbsarbeit einerseits und eine meist unbezahlte und meist weibliche Familienarbeit andererseits. Kinder werden einerseits wie ein Privatvergnügen behandelt, andererseits aber massiver Druck auf Eltern und vor allem Alleinerziehende gemacht, „alles richtig“ zu machen. Immer mehr Gesellschaften stürzen daher in die demografische Traditionalismusfalle – umso stärker sie den Druck auf Eltern und vor allem Mütter erhöhen, umso mehr junge Menschen entziehen sich der systematischen Gewalt schließlich ganz.

      Habe dazu mit Bezug zu einem schon älteren Blogpost auf Mastodon gepostet:

      Mit Rekord-niedrigen Geburtenraten befindet sich auch Südkorea in der demografischen Traditionalismusfalle. Aus Protest gegen frauenfeindlichen Traditionalismus & sexistische Gewalt haben sich Abertausende Südkoreanerinnen zur 4B-Bewegung bekannt:

      Die vier B’s bedeuten: Bihon (Nein zur heterosexuellen Ehe), Bichulsan (Nein zum Kinderkriegen), Biyeonae (Nein zum Dating von Männern) und Bisekseu (Nein zu Sex mit Männern).

      #Demografie #Traditionalismusfalle #Südkorea #4B #Bihon #Bichulsan #Biyeonae #Bisekseu

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116439401225295210

      Mir ist dabei völlig bewusst, dass die wenigsten Frauen, Männer und auch die Jugendlichen eine solche Polarisierung anstreben. Aber wer etwa von jungen Leuten erwartet, sie sollten immer mehr arbeiten, um immer höhere Wohnungs- und Lebenshaltungspreise zu stemmen und ihnen dann auch nicht einmal eine verlässliche Kinderbetreuung zu bieten hat, überfordert die Menschen. Die digitale Thymotisierung mit weltweiten Kriegen und Klimakrise, fossiler Propaganda („Werbung“) und ständigem Vergleichs-Wettbewerb tut dann ein Übriges.

      Aus meiner Sicht wird es noch Jahre, schlimmstenfalls Jahrzehnte dauern, bis die meisten Menschen begreifen, dass Autos keine Autos kaufen und KI-Algorithmen keine sozialen Beziehungen ersetzen können. Unser Gehirn mag auf jedes „Like“ mit einem Dopamin-Stoß reagieren, doch 1.000 Online-Follower ersetzen keine einzige Freundschaft, Beziehung, Gemeinschaft, Familie. Und interessanterweise erfahre ich für die Beobachtungen nirgendwo so große Unterstützung wie bei den jungen Menschen an Schulen und Hochschulen, die schon längst begriffen haben, dass die Logiken des 19. und 20. Jahrhunderts nicht mehr funktionieren.

      Wer kann und will in einer Lebenswelt bestehen, in der nur Reiche zählen und dadurch wiederum Frauen und Kinder zum Luxus-„Besitz“ werden? Und so schwanken viele zwischen Wut über den Verlust des Erreichten und immer wieder aufflackernder Hoffnung auf Neues – wie den Solarpunk.

      Für die Kommenden, für ihre Würde, Freiheit und lebenswerte Zukunft, also für Glauben, Liebe und Hoffnung gilt es inmitten des zerfallenden Fossilismus einzustehen. Damit aus den verglühenden Trümmern der fossilen Jahrhunderte neues, gemeinschaftliches und menschenwürdiges Leben erwachsen kann.

      • Sehr stark und überzeugend kommt Ihre Darstellung bei mir an. Ich bin weiter intensiv an der Vernetzung von Unternehmern zur gemeinsamen Energieversorgung mittels EE dran.
        Ein neuer Game-Changer: der Hochtemperatur-Sandspeicher aus Waltershausen/Thüringen.
        Wer das Video im Kanal von E3/DC gesehen hat, hat auch persönlichen Gewinn, wegen der ausgeprägten Menschlichkeit des Entwicklers.

        • Ganz herzlichen Dank auch Ihnen, @Eckehard Erben 🙏

          Und, ja, uns verbindet gerade keine abgehobene Ideenwelt, sondern der Blick auf die Früchte der offenen Gesellschaft. Noch dominieren jene, die alles planen, kontrollieren und auf Effizienz trimmen wollen – wobei Kinder nur stören.

          Doch aus Freiheit und Vielfalt evolvieren Entdeckungen, Lebenswege und auch post-fossile Technologien, die aus der „Enge der Zeit“ der vergangenen Jahrhunderte führen. Deswegen kann ich weder jenen zustimmen, die in eine irreale Vergangenheit flüchten – noch jenen, die in die Vereinsamung flüchten.

          Die Menschenwürde hat mit föderaler Energiedemokratie, sozialer und ökologischer Marktwirtschaft ihre besten Solarpunk-Zeiten noch vor sich. Erlebe ich. 🙌✅🌱

      • „Wer kann und will in einer Lebenswelt bestehen, in der nur Reiche zählen…“

        „Für die Kommenden, für ihre Würde, Freiheit und lebenswerte Zukunft, also für Glaube, Liebe und Hoffnung gilt es inmitten des zerfallenden Fossilismus einzustehen. Damit aus den verglühenden Trümmern der fossilen Jahrhunderte neues, gemeinschaftliches und menschenwürdiges Leben erwachsen kann.“

        Die Worte, die Sie gewählt haben, wiegen schwer. Außerdem erinnern Ihre Sätze an den Denkspruch meiner Konfirmation. 2029 werden 50 Jahre seit damals vergangen sein, und der 1. Kor. 13, 13 begleitet mich seit damals durch Höhen und Tiefen.

        Was und wie Sie schreiben, führt mir die Endlichkeit meines Lebens wieder einmal vor Augen. Denn ich werde nicht zu denen gehören, die die „verglühenden Trümmer“ erleben werden. Ich habe mich damit abgefunden.

        Wie viel Gutes und Schönes wird den Zusammenbruch überstehen? Für die nachfolgenden Generation hoffe ich, dass möglichst viel Literatur, Musik, Kunst etc erhalten bleibt. Ich versuche, möglichst viel davon noch zu genießen.

        Eingedenk der Äußerungen von Herrn Sänze über Herrn Söder bin ich dankbar für jeden Tag, den die AfD nicht an der Macht. Das bedeutet aber auch, dass ich darauf vorbereitet bin.

        Loszulassen fällt schwer, besonders wenn man Kinder hat. Aber ich hoffe, dass beide am Aufbau einer nicht-fossilen Gesellschaft mitwirken können, wenn die Trümmer weggeräumt sind.

        • Vielen herzlichen Dank für Ihre Rückmeldung & Gedanken, @Marie H. 🙏

          Auch wenn unsere Lebenszeiten im Hinblick auf die menschliche oder gar planetarische Geschichte winzig erscheinen, erleben wir – so beobachte ich – doch bereits beides: Den – leider auch gewaltvollen – Zusammenbruch des Fossilismus einerseits und das Aufblühen des Solarpunk andererseits.

          So steigt, um ein ganz konkretes Beispiel zu nennen, die Nachfrage nach neuen Solaranlagen und Batteriespeichern angesichts der aktuellen Ölpreiskrise massiv an!

          „Das Interesse nach Solaranlagen in Europa ist infolge des Iran-Kriegs sprunghaft gestiegen. So habe sich etwa in Deutschland und den Niederlanden die Nachfrage von Hausbesitzern wegen der hohen Öl-, Gas- und Strompreise seit Ende Februar mehr als verdoppelt, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Gespräche mit Energieversorgern und Großhändlern.“

          https://www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/solaranlagen-balkonkraftwerke-nachfrage-100.html

          Klar kann all dies die Folgen des Fossilismus und der globalen Erhitzung nur noch abbremsen, aber es geschieht eben doch. Meine verbleibende Sorge dabei ist, dass ärmere und mietende Menschen noch lange vom post-fossilen Fortschritt ausgeschlossen blieben, weiter fossil abgezockt würden. Aber die Richtung stimmt, auch bei der Nachfrage nach Elektroautos! 🙏🙌

          Und wo immer dann Menschen positive Erfahrungen mit solarer Technologie machen, wird es für die Fossilisten und Putinknechte auch in blau schwerer…

    • Vielen Dank, @Mussi – aber leider kann ich hier nicht mitgehen. Die Gleichsetzung von Menschen mit Schimmelpilzen schon in den ersten Sekunden des Films und die falschen Warnungen vor einer angeblichen „Überbevölkerung“ stehen aus meiner Sicht in der schrecklichen Tradition des Malthusianismus, der seit dem 19. Jahrhundert so viel Leid über die Menschen gebracht hat. Denn letztlich lief er immer wieder auf Sozialdarwinismus heraus – wohlhabende und kinderarme Milieus grenzten sich gegen ärmere und junge Gesellschaften ab. Armut? Selber Schuld, wenn Ihr weiterhin so viele Kinder habt!

      Übrigens richtet sich dieser Rassismus dann logisch und überhaupt nicht zufällig nicht nur etwa gegen Menschen in Afrika, sondern auch gegen die kinderreiche Republik Israel!

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/israel-thymotische-religionsdemografie-und-das-saekulare-verebben/

      Der im Arte-Film propagierte Malthusianismus ist jedoch nachweislich falsch. Das Problem sind nicht die kinderreichen, sondern die fossil-reichen Menschen. Menschliche Gesellschaften sind dynamisch, wie Meldungen gerade auch heute zeigen:

      Gute Solarpunk – Nachrichten! 🌞🙌

      „Der Solarboom führt zu sinkenden Emissionen

      2025 stieg der weltweite Stromverbrauch. Weil die Solarenergie in vielen Ländern aber noch schneller ausgebaut wurde, sanken die Stromemissionen.

      […] „Die Solarenergie war der maßgebliche Motor des Wandels im globalen Stromsystem“, so Lolla. Die Stromerzeugung aus Solaranlagen stieg 2025 von 2.100 Terawattstunden auf fast 2.800, also um fast ein Drittel. Gemeinsam mit Batteriespeichern zeige sich so der Weg zu sauberer Energie, die rund um die Uhr verfügbar sei, sagte Lolla. Vorreiter wie Australien und Chile bauten bereits jetzt genug Batteriespeicher, um erhebliche Mengen Solarstrom in den Nachtstunden verfügbar zu machen.“

      Wie schade, dass sich Teile der deutschen Bundesregierung noch immer an den #Fossilismus klammern. Dabei sind Erneuerbare längst #Friedensenergien , #Heimatenergien & #Wohlstandsenergien !

      #Solarpunk #Solarboom #China #Indien #Pakistan #Afrika #Batteriespeicher #Chile #Australien

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116441224251270789

      Sie behaupteten, wir müssten aufgrund vom „westlichen Lebensstil“ auf „grob 3 Milliarden“ Menschen herunterkommen und fragten: „Wir kommen wir dahin?“

      Meine Antwort ist: Indem wir Europäerinnen und Europäer aufhören, das Leben anderer abzuwerten, sondern gerade auch Frauen und Kinder darin unterstützen, ihre eigenen Pläne zu verwirklichen. So unterstützen wir Blumes mehrere Patenkinder in ärmeren Ländern, damit sie Schulen besuchen, gesund bleiben und später ihre eigenen Entscheidungen treffen können. Dies wird nach aller Erfahrung dazu führen, dass ganz ohne Zwang weniger Kinder geboren werden, diese aber freier, selbstbestimmter, glücklicher leben können. Das, immerhin, erkennt der Arte-Film ab Minute 14 unter dem Begriff des „demografischen Übergangs“ auch an. Die Fragestellung ist noch malthusianisch, die Antwort aber bereits humanistisch und fast dialogisch.

      Kein Mensch ist zuviel und kein Volk weniger wert, wenn wir die Würde jedes Menschen durch Bildung und Freiheit leuchten lassen.

  3. @Mussi 21.04. 13:09

    „Bei westlichem Lebensstil sind es grob 3 mrd.“

    Dabei die Energiewende aber Fortschritte macht. Und auch die Landwirtschaft vor allem in Afrika noch Riesenpotentiale hat. Da kann ich 3 Mrd als Grenze nicht erkennen.

    Und der globale Süden hat teils mehr als doppelt soviel PV-Ertrag wie wir in Mitteleuropa. Und da braucht man auch keine teure Wasserstofftechnik, weil Solarenergie ganzjährig ertragreich ist und auch eine winterliche Heizung nicht benötigt wird.

    Selbst wenn man sich flächendeckend Klimaanlagen anschafft, kann man die ganz direkt mit PV betreiben, es braucht nicht mal eine Zwischenspeicherung mit Lithiumakkus. Da kommt man auf wenige Cent pro Kwh.

    Den westlichen Lebensstil braucht man dort zu großen Teilen gar nicht.

    Auch den kompletten Individualverkehr kann man sich wohl bald sparen, wenn man ein Sammeltaxisystem auf Basis von selbstfahrenden E-Autos etablieren kann. Im Global Süden wird man da direkt einsteigen können, und man kann dann auch die riesigen urbanen Flächen für die vor allem stehenden Blechlawinen von vorn herein einsparen, ohne überhaupt in den Individualverkehr eingestiegen zu sein.

    „Wie kommen wir dahin?“

    Einfach mal hier alles nutzen, was schon praktikabel ist. Und gerne auch überlegen, was Überfluss ist und weggelassen werden kann. Und die eingesparten Ressourcen umgehend in die konkrete Energiewende investieren.

    So klappt es auch mit 9 oder 10 Milliarden Erdenbewohnern. In 15 Jahren schon.

  4. @Mussi
    Putin unternimmt alle Anstrengungen um dahin zu kommen,
    Trump ist da bisher vergleichsweise eher ein Versager.
    Insgesamt sorgen die ganzen Gierlappen (Techbros), die den Hals nicht voll kriegen, allerdings schon wohl für eine gewisse Senkung der Geburtenrate.

    Hat aber keine Auswirkung auf z.B. Brasilien oder Indonesien, wo die Geburtenrate eher nicht sinkt, aber die meisten Wälder abgeholzt werden, obwohl der Lebensstil dort dadurch nicht unbedingt „westlicher“ wird.

    Ich schätze, bei gutem, aber nicht ausufernden Lebensstil und Erhalt der Natur wären etwa 4 mrd., allenfalls 5 mrd. möglich.
    Heißt natürlich, im Moment viel zu viele Menschen… (insbesondere Gierlappen)

  5. Ja Hallöchen Michael 🙂

    Immer wieder schön über das Phänomen der Weitergabe von Leben zu schreiben 🙂

    Wie bei allen anderen Themen ist das Hauptproblem wohl, das man ein zu engen Rahmen baut. Mit der Linse von „Kinder sind der Baustoff einer starken Nation“ oder „Jeder Mensch muss sich sinnlosem Leiden unterwerfen“ kann kein ordentliches untersuchen stattfinden. Da wird nur auf die eigene Position onaniert und das hilft wiederum gar keinen.

    Dreht sich doch alles ein wenig im Kreis.

    Bei den USA ist ja gerade die Zurechnung der Ethnie noch sehr spannend und eben die Idee, gewisse Gruppen seien fixe Politische Soldaten. (Ich wähle das Wort mal sehr bewusst). Als würde ein Latino Geborener in den USA automatisch Demokratisch sein und eine weiße, Evangelikal Geborene automatisch Republikanisch. Ist doch irre wie sehr versucht wird Menschen in Gedanklichen Zäunen zu umfassen, aufgrund von Parametern die mehr auf Vorurteile und Glaubenssätze aufbauen als wirklichen Daten.

    Ein kleiner Nebenaspekt: In Russland gibt es einen Demografen der unabhängig die Bevölkerung in Russland einschätzt und kommt auf 140 Millionen in ganz Russland. Sollte er richtig liegen, würde die Bevölkerungszahl eines der größten Länder um knapp 5 Millionen weiter drunten liegen. Zusammen mit den Vermutungen über China und den starken Geschlechtergefällen in Indien, kann das ein Hinweis sein das wir wohl schneller in Stagnationsphase kommen als viele glauben.

    Was jetzt kein Weltuntergang per se ist, aber die Frage der Verteilung noch einmal stark aufwirft.

    Soweit meine Gedanken 🙂

    • Vielen Dank, lieber @Berthold Forster 🙏 – ganz aktuell eskaliert ja auch in Deutschland wieder die lange verschleppte Debatte um Demografie & Rente. Und wenn die jetzt jungen Menschen aber weiter verstärkte Ängste vor künftiger Armut empfinden, werden sie sich eher weitere „Kinder sparen“. Seufz.

      Ausdrücklich stimme ich Deinen Zweifeln an den offiziellen Bevölkerungszahlen in China, Russland & Co. zu. Es würde mich doch sehr wundern, wenn Regionalregierungen ehrliche Zahlen an die Zentralen liefern – und diese wiederum ehrliche Zahlen an die UN.

      Mir scheint, dass wir zwar in Europa schon ehrlicher über Demografie diskutieren als in den USA, aber das wahre Ausmaß der säkularen Geburtenimplosion samt Auswirkungen auf Politik und Wirtschaft noch gar nicht erkennen. Dieser Blogpost will einen Schritt in Richtung demografischer Realismus anbieten – und ich freue mich wirklich, wie rege er genutzt wird! 🙌👍🖖

  6. Ich gehöre zu einem Jahrgang, der den „Boomern“ zugeordnet wird (ich mag diesen Begriff nicht). In meiner Jugend hatte ich einen psychisch-mentalen Zusammenbruch, als ich den alarmierenden Zustand der Erde erkannte: Die absolute egoistische Ellenbogenmentalität und grenzenlose Dummheit der Menschheit, die kurzfristigen Profit höher stellen als einem nachhaltigen Wirken. Schon damals habe ich den Glauben an die Menschheit verloren, die sich die Erde untertan machen, koste es was es wolle.
    Damals traf ich den Entschluss, im diese trostlose Welt auf keinen Fall eigene Kinder setzen zu wollen. Was für ein Leben, was für eine Zukunft sollten sie auch erwarten?

    Nun, einige Jahrzehnte später, hat sich mein Urteil eher bekräftigt: Ich sehe immer noch ziemlich schwarz für das (Über-)Leben der Menschen auf diesem blauen Planeten. Die Politik macht es mir auch nicht einfach, an einen Umschwung zu glauben — egal, ob lokal- oder geopolitisch. Wie soll das auch Funktionieren mit dem Weltfrieden, wenn man bspw. nicht mal entspannt im Strassenverkehr unterwegs sein kann…

    Ich bin meinem Vorsatz untreu geworden: Wir haben einen wundervollen Sohn im Teenageralter, der viel mitgebracht hat, und dem wir auch viel mitgeben konnten, um diesen beschränkten Planeten wert zu schätzen. Eine Reise zwischen bangen und hoffen. Und: Richtig entspannt bin ich nicht, ob die Entscheidung richtig gewesen ist. Jedenfalls haben wir in unserer Familie die Geburtenrate auf 1.0 gebracht. Zu wenig für die Statistik, aber immerhin.

    • Vielen Dank für den starken und tiefen Druko, @HeinzG 🙏 – und herzliche Glückwünsche zum K1, der die Welt ein wenig besser macht! 😌🙌

      Denn ich glaube, dass die “absolute egoistische Ellenbogenmentalität und grenzenlose Dummheit der Menschheit, die kurzfristigen Profit höher stellen als einem nachhaltigen Wirken“ im Wesentlichen ein Problem der Erkenntnis ist: Unsere Evolutionspsychologie hat uns auf das Leben in kleinen Gruppen mit einem Zeithorizont weniger Jahre vorbereitet. Was darüber hinaus geht, wurde und wird abgespalten, externalisiert.

      Vermeintlich billiger Strom jetzt gegenüber Jahrtausenden Strahlenmüll und Treibhausgasen, ja fossil finanzierter Gewalt erklären sich damit schlüssig.

      Und wären wir wirklich nur „egoistisch“, so würden Menschen nicht rauchen, keine Drogen und Alkohol konsumieren. Doch die Kurzfris(s)t überwältigt uns oft sogar selbst!

      Umfassende Nächsten- und sogar Feindesliebe sowie Verantwortung für Jahrzehnte und Jahrhunderte sind für uns zwar denkbar, aber nur in seltenen Momenten erreichbar.

      Insofern finde ich Ihren einstigen “psychisch-mentalen Zusammenbruch“, als Sie den “alarmierenden Zustand der Erde erkannten“, ebenso eindrucksvoll wie nachvollziehbar. Sie hatten weiter gesehen, wie es gerade auch junge Menschen oft vermögen – und wie es nun auch durch Ihren Sohn geschieht.

      Welche Hoffnung dürfen wir also mit Bezug auf die Zukunft haben?

      Ich meine und erlebe: Dialog. Wenn wir uns eingestehen, dass unsere menschliche Persoektive jeweils eng und begrenzt ist, so können wir sie doch miteinander und füreinander erweitern – früher zu Religion(en) und Philosophie(n), heute zusätzlich auch zu Wissenschaft!

      Ihr Kommentar war nicht ins Nichts getippt, sondern erweist sich als ein Schritt, den wir Lesenden mitgehen und von innen beantworten können. Und so entdecken wir gemeinsam: Niemand kann alles, aber alle können etwas verändern. Denn eine Zukunft haben wir nur gemeinsam.

      Mit herzlichem Solarpunk – Dank und dialogisch-monistischen Grüßen! 😌🙏📚

  7. @H.P.Du 21.04. 16:51

    „Ich schätze, bei gutem, aber nicht ausufernden Lebensstil und Erhalt der Natur wären etwa 4 mrd., allenfalls 5 mrd. Möglich. Heißt natürlich, im Moment viel zu viele Menschen…“

    Das kann ich so nicht nachvollziehen. Mobilität, Wohnen und Industrie müsste mit gewisser Genügsamkeit und Einsatz wirklich moderner Techniken auch für 9 oder 10 Mrd Menschen hinkommen.

    Die Landwirtschaftlichen Erträge kann ich aber langfristig nicht gut einschätzen.

    Das kann angesichts der Klima- und Wasserkrise deutlich zu wenig werden. Oder aber doch nicht, immerhin gibt es neue Ideen auch in den Tropen nachhaltig hohe Erträge pro Hektar zu erzielen, und vor allem in Afrika wird noch sehr ineffektiv gewirtschaftet. Da ist sehr viel mehr Ertrag drin.

    Dann gibt es auch noch Ideen, wie das Solein. Da füttert man Bakterien mit Grünem Wasserstoff, und muss überhaupt keine Fotosynthese betreiben. Und braucht entsprechend weder Flächen noch Wasser für Pflanzen. Einfach ein paar PV-Module mehr und diese Bakterientanks, und schon hat man beliebig viele Grundnahrungs- und Futtermittel.

    Und kommt womöglich auch noch größtenteils ohne Tierhaltung aus, wenn man so gleich tierische Eiweiße und Fette herstellen kann. Das muss natürlich noch bezahlbar sein, gesund sein und auch lecker sein.

    Wir werden sehen, was die nächsten Jahre bringen werden. Da scheint mir zur Zeit vieles offen zu sein. Da bin ich derzeit echt gespannt.

    @Michael 21.04. 20:08

    „Kein Mensch ist zuviel und kein Volk weniger wert, wenn wir die Würde jedes Menschen durch Bildung und Freiheit leuchten lassen.“

    In vernünftigem Miteinander liegt dann wohl auch die meiste Kraft? Die Technik mag dann folgen. Erst wird es erfunden und entwickelt, und dann global umgesetzt.

    Und Naturräume können dann eher ungenutzt auch noch koexistieren dürfen. Wo man als Mensch ja auch was von hat, als Erholender oder als Tourist.

    • Lieben Dank, @Tobias 🙏

      Du schriebst und fragtest:

      “In vernünftigem Miteinander liegt dann wohl auch die meiste Kraft? Die Technik mag dann folgen. Erst wird es erfunden und entwickelt, und dann global umgesetzt.“

      Und ja, ich mag die Begriffe Er-Finden (engl. to Dis-Cover) und Ent-Wickeln (engl. to Evolve, eigentlich das Ausrollen einer Buchrolle). Denn in beiden wird unser beschränktes, menschliches Tun mit der Hoffnung auf ein vor aller Zeit Zu-Findendes und ebendort Ge-Schriebenes verknüpft. Wir wirken nicht ins kalte Nichts und jenseits des feurigen Thymos ent-schließt sich uns ein sehnender Logos.

      Im Anfang war das Wort – und jedes Wort ist ein Er-Zeugnis der Hoffnung. 😌🙏🖖

  8. Gottesdienstbesuche und Kinderzahl:

    Bei uns im Dorf hatte die Kirche eine Drehtür. Mit nur sechs Kindern gehörten wir zu einer der geburtenarmen Familien im Dorf, 8, 12 und mehr Kinder waren keine Seltenheit.

    • Vielen Dank, @schorsch 🙏

      Ich antworte gerade aus einer wunderschönen Kirche, in der unser Jüngster die Orgel spielen darf. ⛪️🎶🙏

      Denn, ja, die Geschichte von Religionen, Künsten und Familien ist eng und komplex verbunden.

      Als ich meine Doktorarbeit über die damals so genannte „Neurotheologie“ (über die damals entstandene Hirnforschung zur Religiosität) geschrieben hatte, war klar: Religiosität hat eine neuropsychologische und sogar genetische Grundlage wie Musikalität, Emotionalität, Spiritualität usw. auch. Aber wieso hatte das menschliche Gehirn 🧠 eine so komplexe und auch kostspielige Veranlagung entwickelt? Wenn Religion nur schaden und kosten würde, wieso hatte sie sich in der Evolution des Menschen entwickelt und sogar ausgebreitet?

      Charles Darwin selbst – der seinen einzigen Studienabschluss in anglikanischer Theologie erworben hatte und nach einem abgebrochenen Medizinstudium eigentlich Pfarrer werden wollte – hatte sich diese Frage bereits gestellt und vermutet, dass Religiöse untereinander besser kooperieren und also stärkere Gruppen bilden würden.

      Doch die sog. „Gruppenselektion“ war in der damaligen Evolutionsforschung umstritten und überzeugte mich auch wenig: Warum sollten nicht jene Menschen einen evolutionären Vorteil haben, die sich aus Gruppenkonflikten heraus hielten?

      Eine lockere Bemerkung des damaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel (CDU) über den Kinderreichtum religiöser US-Amerikanerinnen brachte mich dann auf die richtige Spur.

      Denn in der Tat gab – und gibt – es sehr kinderreiche Religionsgemeinschaften wie die christlichen Old Order Amish oder die jüdischen Haredim (Ultraorthodoxe), die sich mit sechs bis acht Kindern pro Frau sehr erfolgreich vermehrten und dabei jeden Waffendienst ablehnten!

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/juedische-charedim-christliche-amish-zwei-sciebooks-kostenfrei-als-pdf/

      Und der Reproduktionsvorteil über mehrere Generationen hinweg ist nicht weniger als der Goldstandard der Evolutionsforschung! Klar würde sich eine biokulturelle Veranlagung dann am schnellsten durchsetzen, wenn sie zu mehr Kindern und Enkeln führt.

      Viele Jahre lang – bis etwa 2012 – erforschte ich die Religionsdemografie und besuchte auch zahlreiche, kinderreiche Religionsgemeinschaften sowie wissenschaftliche Konferenzen. Der o.g. „Homo religiosus“-Artikel mit der Datengrafik nach Dominik Enste stammt aus dieser – für mich erkenntnisteichen und sehr glücklichen – Zeit. 😌🙏📚👍

      Klar schrieb ich mehrere Bücher rund um das Thema, aber besonders freute ich mich über eine Folge von Quarks & Co.!

      https://youtu.be/Iy9J9ddelVw

      Und seitdem ist es wie bei den Erneuerbaren Friedensenergien auch: Ich freue mich, wenn sich das Wissen langsam verbreitet. Zumal uns ja gerade auch die menschliche Demografie lehrt: Die biokulturelle Evolution geht weiter… 😁🤔🖖

  9. @HeinzG. 21.04. 22:51

    „Ich sehe immer noch ziemlich schwarz für das (Über-)Leben der Menschen auf diesem blauen Planeten.“

    Die Ansprüche die man hat, könnten allerdings überzogen sein? Die Realität der Menschen ist nun mal recht mau. Was nicht heißt, dass es am Ende nicht doch noch funktioniert. Die Grüne Technik etwa ist gegen alle Widerstände dennoch ziemlich weit fortgeschritten.

    Und wird stellenweise immer lukrativer, auch wenn z.B. die USA unter Trump ganz schön bremsen. Risiko, klar, das werden wir nicht los. Ist dann aber auch wieder spannend?

    „Die Politik macht es mir auch nicht einfach, an einen Umschwung zu glauben — egal, ob lokal- oder geopolitisch.“

    Die Möglichkeiten, die sich dennoch bieten, kann man aber gerne konsequent nutzen. Was einerseits die selbst angeschaffte Grüne Technik betrifft, aber eben auch den Verzicht auf so Manches, was dann meistens auch selber eine Menge Geld sparen kann. Das man in noch mehr eigene Grüne Technik umleiten kann.

    Das gesparte Geld kann man dann auch in weniger Arbeit und/oder mehr eigenen Nachwuchs investieren. Risiko, klar, bleibt. Man kann den eigenen Kindern kein gutes Leben garantieren. Aber gab es jemals Zeiten, in denen unsere Kinder ohne Risiko leben konnten?

    Ich bin auch mitten im Kalten Krieg aufgewachsen. Und wir haben richtig viel Glück gehabt, dass der nicht heiß geworden ist. Risiko, eben. Was solls, frage ich mich schon länger. Unverantwortlich, ja, war das. Wahnsinn, ja, war das. Ich habe es auch selber nicht unterstützt, wo ich nur konnte.

    Aber wir leben noch, das ist ein Faktum.

    @Michael 22.04. 04:29

    „Wir wirken nicht ins kalte Nichts und jenseits des feurigen Thymos ent-schließt sich uns ein sehnender Logos.“

    Horizonte sind hilfreich und maßgeblich? Und eben mit Sehen intensiv verbunden. Und eben auch hilfreich, mit Risiko umzugehen, und damit auch die Chancen zu nutzen. Immerhin dürfen wir damit auf Rückenwind des ganzen Universums hoffen. Wenn es denn wirklich der Weg ist.

    • Vielen Dank, @Tobias – hier habe ich gerade in Deinem Druko einen Aspekt gefunden, der mir neu war und mich fasziniert:

      „Horizonte sind hilfreich und maßgeblich? Und eben mit Sehen intensiv verbunden.“

      Du hast da m.E. Recht – während wir die Gegenwart und Erzählungen der Vergangenheit vor allem mit dem Hören verbinden, bauen Zukunftsszenarien vor allem auf dem Sehen, auf Bildern auf. Dies erklärt m.E. auch, warum Solarpunk wie auch Demografie-Diskurse vor allem bildhaft und ästhetisch wahrgenommen werden.

      Vielen herzlichen Dank, diese Beobachtung war mir neu und sie bringt mich weiter! 🙏🙌

  10. Jeckenburger – Horizonte
    Ich kann Ihre Begeisterung für viele Menschen nicht nachvollziehen.
    https://www.spektrum.de/news/anthropozaen-mehr-beton-als-biomasse/1806368

    https://www.spektrum.de/kolumne/freistetters-formelwelt-wann-das-wachstum-endet/1917541

    Die Erde ist endlich. Wir werden 9-10 mrd Menschen nicht verhindern können.
    Aber wir können darüber nachdenken und etwas dafür tun bzw. unterlassen, wie wir Ökonomie mit Ökologie vereinbaren. Und darüber nachdenken, wie wir eine Erde mit weniger Müll leben.

    Blume: Es wird sich zeigen, wer überlebt. Das gehört zur Evolutionspsychologie.

    • Danke, @Mussi – doch hier muss ich Ihnen leider fachlich und respektvoll widersprechen.

      Sie schrieben:

      Blume: Es wird sich zeigen, wer überlebt. Das gehört zur Evolutionspsychologie.

      Das ist der Kern des malthusianischen Irrtums: Vermehren würden sich die Menschen exponentiell und dann beginne der „Kampf ums Überleben“.

      Doch die empirische Tatsache ist: Wir alle werden sterben. In der Evolution und damit auch der Evolutionspsychologie setzen sich jene Merkmale durch, die öfter an Kinder und Enkel weitergegeben werden.

      Evolution organisiert sich nicht über den Sozialdarwinismus, sondern über die mehr oder weniger erfolgreiche Reproduktion.

      Streng genommen ist jeder evolutionäre Prozess sogar ein Dreischritt: Variation – Selektion – Reproduktion.

      Wer beim zweiten Schritt („Überleben“) hängenbleibt, versteht die Entfaltung des Lebens einschließlich der menschlichen Demografie leider noch nicht (ganz).

      Bitte verzeihen Sie die klare Ansage. Sie ist gut & dialogisch gemeint.

  11. @ Jeckenburger

    In der Regel benötigt ein Erdenbürger 2.500 kcal/Tag , ca.60 qm Wohnung, 20 kwh/Jahr Energie, 350.ooo Liter Wasser und 1.500 Liter fossile Mobilität .
    Multipliziert mit begrenzter Erde sind die Grenzen eine Milchmädchenrechnung.
    Der Westen, der Osten und Süden hat sich angeglichen, werden durchschnittlich 2.500 Euro/ Monat konsumiert.
    Es kann nicht gut gehen.
    Mitlerweile haben wir 7 von 9 Kippunkten erreicht.
    Es ist noch nicht mal egoistisch, was wir ökologisch anstellen, obwohl es egoistisch ökonomisch Sinn macht.
    Das passt nicht mehr zusammen.

  12. @ Blume

    Im Grunde haben wir das Leben in kWh- Stunden pro Euro/Dollar umgeformt.
    Nur um das System zu erhalten.
    Was ist nur das System?
    Und was ist Leben?

  13. @Michael 24.04. 05:10

    „….bauen Zukunftsszenarien vor allem auf dem Sehen, auf Bildern auf.“

    Ganz direkt lässt sich ja die Astronomie auch zu Aussichten auf die Zukunft nutzen. Da werden die Teleskope immer besser, und teils mit hervorragenden Ergebnissen im Weltraum platziert.

    Ich selber gucke immer wieder hier vorbei:

    https://www.agora-energiewende.de/daten-tools/agorameter

    Und guck mir diese interaktiven Grafiken an, wie es mit der Energiewende weitergehen kann. Und was in den letzten 14 Jahren schon erreicht worden ist.

    Da sieht man z.B., dass die Erneuerbaren über diese 14 Jahre immer mehr Anteile erreichen, aber auch, dass der Gesamtstromverbrauch in den letzten 7 Jahren um etwa 15 % zurückgegangen ist.

  14. @Mussi 24.04. 13:10 / 13:36

    „Aber wir können darüber nachdenken und etwas dafür tun bzw. unterlassen, wie wir Ökonomie mit Ökologie vereinbaren.“

    Da gehe ich doch längst von aus, dass wir genau das auch machen werden. Deshalb meine Begeisterung gegenüber der real existierenden Menschheit.

    „Der Westen, der Osten und Süden hat sich angeglichen, werden durchschnittlich 2.500 Euro/ Monat konsumiert. Es kann nicht gut gehen.“

    Was die Technik nicht macht, dass kann doch mit Genügsamkeit gelöst werden. Ich meine das ernst, dass der Mensch das kann. Praktisch alle Naturvölker haben das hinbekommen. Im Prinzip können wir sowas. Rein biologisch.

    @Michael 24.04. 16:13

    „Streng genommen ist jeder evolutionäre Prozess sogar ein Dreischritt: Variation – Selektion – Reproduktion.“

    Das ist der Gang des Biologischen. Was unsere Herausforderung angesichts der Grenzen des Planeten und unserer Lebensweise betrifft, ist das eine kulturelle Herausforderung. Selbst wenn im Zuge eines allgemeinen Versagens und ein Versinken in Mitweltproblemen viele Menschen den Tod finden, bleibt das ein kulturelles Phänomen.

    Insbesondere werden nicht die sterben, die unökologisch leben, sondern die, die am wenigsten Geld haben. Das löst überhaupt nichts. Wir brauchen den kulturellen Wandel. Es gibt keine Alternative.

    Und die Weltbevölkerung geht ja tatsächlich auf eine Schrumpfung zu. Wir werden sehen, wann wir so entspannt leben können, dass wir echt ökologisch und gemeinsam zurecht kommen. Und dann auch wieder Bestandserhaltend fruchtbar werden. Bis dahin kann man die 1,8 Kinder pro Frau gerne anstreben.

    Eine Implosion durch unter 1,4 Kinder ist es eher nicht, so wie das aussieht? Was aber auch erst mal überhaupt hinzubekommen wäre. Wie das gehen soll, hat noch keiner hinbekommen. Religiösere Leute bekommen mehr Kinder, klar, aber wie kommen wir zu religiöseren Leuten?

    Das könnte womöglich noch ein sehr langer Weg werden.

    • Vielen Dank, @Tobias – doch der evolutionäre Dreischritt trifft auch auf die kulturelle Evolution und also den Gesamtprozess der biokulturellen Evolution zu.

      So wird beispielsweise auch eine Sprache, ein Handwerk, ein Vereinssport oder eine Religionsgemeinschaft nur dann kulturell bestehen, wenn die Traditionen durch nachfolgende Generationen aufgegriffen und, ja, reproduziert werden. Meist geht das Aussterben etwa einer Sprache viel schneller als das demografische oder gar biologische Erlöschen einer Population.

      Sozialdarwinisten präsentieren die Welt gerne als eine Arena, 🏟️ in der Populationen „ums Überleben kämpfen“. Doch in Wirklichkeit ist es eher eine Liga, in der auch Spitzenklubs mangels Nachwuchs absteigen oder gar erlöschen können.

      Entsprechend werden Solarpunk-Arche-Regionen internen Kinderreichtum mit der Bereitschaft zur kulturellen Integration von Vielfalt verbinden (müssen). Menschliche Natur und Kultur durchdringen sich gegenseitig, solange sie sich lebendig reproduzieren.

        • @Tobias

          Da bin ich mal näher bei @Mussi: Wenn wir kulturelle Evolution nur als horizontale Ausbreitung vermeintlich fortschrittlicher Innovationen verstünden, dann würden alle – auch indigenen – Kulturen schnell unter einer einheitlichen Globalisierung und der englischen Sprache verschwinden.

          Betrachten wir jedoch kulturelle Evolution als Verbindung horizontaler und vertikaler (v.a. familiärer) Prozesse, dann wird sofort sichtbar, dass Traditionen und Innovationen kein Widerspruch sind, sondern zueinander gehören: Sprachen nehmen ständig neue Begriffe auf, Religionen vertiefen sich durch Dialog, Wissenschaften wie auch die Demografie gewinnen ihre Erkenntnisse an der Vielfalt.

          Auf „Natur des Glaubens“ gab es schon 2009 (!) einen Blogpost zur Biokulturellen Evolution – auch mit Schaubild:

          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/biokulturelle-evolution/

          Freue mich sehr, dass wir dies hier einmal wieder diskutieren!

  15. @Michael 24.04. 16:13

    „…doch der evolutionäre Dreischritt trifft auch auf die kulturelle Evolution und also den Gesamtprozess der biokulturellen Evolution zu.“

    Der entscheidende Unterschied ist doch, dass Biologie nur direkt vertikal vererbt werden kann, Kultur aber einfach durch Überzeugung sich sozusagen horizontal verbreiten kann.

    So sind günstige PV-Module und Lithiumakkus ein Faktum, das sich in Windeseile weltweit durchsetzten kann. Wir müssen nicht warten, bis sich die Erfinder dieser Technik biologisch erfolgreich durch eigenen Kinderreichtum durchsetzen. Das ist doch der Kern aller Kultur. Wenn dann alle sich das einfach kaufen.

    Oder sogar einfach nachmachen, wenn man den konkreten Kulturfortschritt nicht einkaufen muss, weil man ihn einfach kopieren kann.

    „So wird beispielsweise auch eine Sprache, ein Handwerk, ein Vereinssport oder eine Religionsgemeinschaft nur dann kulturell bestehen, wenn die Traditionen durch nachfolgende Generationen aufgegriffen und, ja, reproduziert werden.“

    Ja muss doch auch überhaupt nicht. Teile von Kultur vergehen immer, insbesondere wenn man was Besseres gefunden hat.

    „Entsprechend werden Solarpunk-Arche-Regionen internen Kinderreichtum mit der Bereitschaft zur kulturellen Integration von Vielfalt verbinden (müssen).“

    So klappt das konkrete Gemeindeleben besser und die Immobilienwerte können weiter steigen. Aber Lösungen für ein paar Jahrzehnte mit schrumpfender Bevölkerung sind zwar weniger gut, müssen aber kein Untergang werden. Das kann sogar zwischendurch schneller gehen, wenn es gelingt, bei geringerer Neubautätigkeit die frei werdenden Ressourcen wirklich konsequent für mehr Energiewende einzusetzen. Das wäre freilich nur was für maximal 20 Jahre, bis dahin sollte man die Energiewende wohl komplett fertig haben.

    Und das mag dann auch beflügeln, wieder genug Kinder zu haben. Immerhin kann man dann den Kindern auch was wirkliches Solides hinterlassen.

    „Menschliche Natur und Kultur durchdringen sich gegenseitig, solange sie sich lebendig reproduzieren.“

    Erst ein wirkliches Aussterben der Menschheit wäre auch ein wirkliches Ende aller Kultur. Derweil innerhalb gegebener Kulturkreise sich die konkret gelebte Kultur doch sogar öfter mal wandeln muss, wenn sie biologisch überleben will.

    Wenn wir aus starrem Festhalten am Fossilismus jede grüne Technik verschmähen würden, weil wir uns nicht kulturell entsprechend bewegen wollen, dann würde das doch sogar ein eventuelles Massensterben zur Folge haben.

    Und seit es Atomwaffen gibt, musste man auch die alte Gewohnheit ablegen, missliebige Kontrahenten einfach militärisch zu traktieren, wenn sich die Gelegenheit, das erfolgreich zu realisieren, ergibt. Alles Andere hätte dann eben auch ein Massensterben zur Folge.

    Und Massensterben wäre in beiden Fällen durchaus global, und auch nicht nur auf den Menschen beschränkt.

    Auch Wissenschaft zerstört systematisch Teile der gelebten Kultur. Indem sie alte Erkenntnisse mit was Besserem ersetzt. Nebenbei sucht sich auch jede neue Generation was ganz Eigenes, hier und da zumindest. Das gehört möglicherweise zur menschlichen Biologie dazu, weil so auch anfangs umstrittene Innovationen eine Chance bekommen. Und damit neue Wege erkundet und ausprobiert werden können.

    Hier kann sogar jeder Einzelne seinen Beitrag zu leisten. Und was Neues ausprobieren, selbst im Rentenalter noch.

    • Lieben Dank fürs spannende Nachbohren zu Gemeinsamkeiten und Unterschieden biologischer und kultureller Evolution, @Tobias 😌🙏

      Gerne gehe ich anhand eines Absatzes von Dir darauf ein:

      Auch Wissenschaft zerstört systematisch Teile der gelebten Kultur. Indem sie alte Erkenntnisse mit was Besserem ersetzt.

      Auch in der biologischen Evolution werden alte Körper durch neue ersetzt. Es ist ja gerade der entscheidende Vorteil der sexuellen Reproduktion, dass die Kinder nicht einfach Kopien, sondern Rekombinationen der elterlichen Gene plus Mutationen sind.

      Ebenso zerstört Wissenschaft weder bestehende, kulturelle Traditionen wie Sprachen oder Religionen noch sich selbst, sondern sie baut neue Innovationen auf Grundlage (!) der älteren („Eltern“) auf.

      Einstein hat Newton nicht aus der Wissenschaftsgeschichte getilgt, sondern unser menschliches Verständnis von Physik durch die Relativitätstheorien vertieft. Heute bestreiten das nur noch Antisemiten.

      Nebenbei sucht sich auch jede neue Generation was ganz Eigenes, hier und da zumindest. Das gehört möglicherweise zur menschlichen Biologie dazu, weil so auch anfangs umstrittene Innovationen eine Chance bekommen.

      Jede „neue Generation“ IST „was ganz Eigenes“, weil sie ja die Gene der Eltern rekombiniert und durch Mutationen auch erweitert. In diesem Sinne ist jeder Mensch – generell jedes Säugetier – individuell einzigartig: Auch Dich gibt es nur ein einziges Mal.

      Zeit emergiert, aber wiederholt sich nicht.

      Und so entfaltet sich ja der Dreischritt aus Vielfalt (Variation), Wettbewerb (Selektion) und Tradition (Reproduktion), der immer wieder Neues (Innovation) hervorbringt.

      Und damit neue Wege erkundet und ausprobiert werden können.

      Ganz genau: Jede biologische Generation enthält völlig Neues, wie sich auch jede kulturelle Tradition immer wieder anreichert und erneuert. Demografie ist dabei biokulturell außerordentlich wirkungsvoll.

  16. @Michael 25.04. 07:36 / 08:26

    „Betrachten wir jedoch kulturelle Evolution als Verbindung horizontaler und vertikaler (v.a. familiärer) Prozesse, dann wird sofort sichtbar, dass Traditionen und Innovationen kein Widerspruch sind, sondern zueinander gehören…“

    Entsprechend wandeln sich aber dann doch die Meinungsbilder durch die Zeiten ganz erheblich.

    „…Sprachen nehmen ständig neue Begriffe auf, Religionen vertiefen sich durch Dialog, Wissenschaften wie auch die Demografie gewinnen ihre Erkenntnisse an der Vielfalt.“

    Da passiert richtig viel, das meine ich doch gerade. Und das liegt nicht an biologischer Vererbung, die zwar die Voraussetzungen für Kultur bereitstellt, aber eben nicht die konkreten kulturellen Inhalte alleine bestimmt.

    Wir sind dazu fähig, die Gedankenwelten der Eltern fortzuführen, genau so gut aber in der Lage, was ganz anderes zu denken und dann umzusetzen. Im Prinzip passiert immer Beides. Einen Teil führt man fort, der Rest kann ziemlich neu sein.

    „Ganz genau: Jede biologische Generation enthält völlig Neues, wie sich auch jede kulturelle Tradition immer wieder anreichert und erneuert. Demografie ist dabei biokulturell außerordentlich wirkungsvoll.“

    Aber der wirkliche genetische Unterschied ist doch viel kleiner als die öfter regelrechten Umbrüche in der gelebten Kultur. Letztlich ist doch gerade der aktuelle Kindermangel ein ziemlich kultureller Effekt, insgesamt gesehen. Aber klar, wer dennoch genug Kinder bekommt, bei dem kann das auch mit an den eigenen Genen liegen.

    Die Höhe der Weltbevölkerung ist auch genetisch gesehen unwichtig, nur mehr Kopien machen nicht mehr Vielfalt. Die Häufigkeiten bestimmter Genome machen da um so mehr relevante Unterschiede.

    Was wir gerade erleben, kann aber auch nur eine Momentaufnahme der biologischen demografischen Entwicklung sein. Die meiste Zeit ist die biologische Evolution ja auch damit beschäftigt, schädliche Mutationen und ungünstige Kombinationen immer wieder aufs Neue auszusortieren. Die Biologie ist dazu verurteilt, immer wieder dieselben Fehler zu machen. Die mühselige Kleinarbeit macht dann jeder Einzelne.

    „Einstein hat Newton nicht aus der Wissenschaftsgeschichte getilgt, sondern unser menschliches Verständnis von Physik durch die Relativitätstheorien vertieft. Heute bestreiten das nur noch Antisemiten.“

    Das ist ja ein sehr prominentes Beispiel. Erweiterungen gibt es, aber es werden durchaus auch wissenschaftliche Erkenntnisse wieder verworfen. Und komplett falsifiziert, und verschwinden dann damit auch wieder, und werden zu Wissenschaftsgeschichte.

    • Vielen Dank, lieber @Tobias – und hier sehe ich auch jetzt keine grundlegenden Widersprüche mehr. So stimme ich Dir ausdrücklich zu, dass die kulturelle Evolution inzwischen (!) um Dimensionen schneller läuft als die biologische Evolution. Genau darum ging es ja im Dialog mit @Mussi auch – aufzuzeigen, dass das malthusianische und sozialdarwinistische Geraune vom „Überleben“ demografisch gesehen überhaupt keinen Sinn mehr macht.

      Auch die deutsche Bevölkerung schrumpft wegen Unterjüngung durch zu wenige Geburten und zu wenig Zuwanderung.

      Das habe ich auch in der neuen Folge von Blume & Ince mit Nathalie Wollmann beim Paritätischen Baden-Württemberg so angesprochen:

      https://www.youtube.com/watch?v=gwmBnPHylMo

      Aktuell erleben übrigens gerade die USA und die Europäische Union eine weitere, fossile Niederlage und knicken vor den mörderischen Revolutionsgarden des Regimes im Iran ein – die ja hier auf dem Wissenschaftsblog ebenfalls bereits vielfach Thema waren.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-fossil-finanzierten-revolutionsgarden-als-die-heimlichen-herrscher-des-iran/

      Habe dazu auch ein Kurzvideo aufgenommen und (u.a.) auf Mastodon eingestellt:

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116465472246630578

      Solche Videos sind ja gute Beispiele für die von Dir genannte horizontale Verbreitung von Wissen, weit über die je eigene Familie und Heimatregion hinaus.

  17. @Michael 25.04. 15:18

    „…dass das malthusianische und sozialdarwinistische Geraune vom „Überleben“ demografisch gesehen überhaupt keinen Sinn mehr macht.“

    In der Tat bieten sich Lebensmöglichkeiten für mehr Nachwuchs, die nicht vollständig genutzt werden. Und die Biologische Evolution folgt denen, die gegen den Trend dennoch ihre Kinder bekommen.

    „Auch die deutsche Bevölkerung schrumpft wegen Unterjüngung durch zu wenige Geburten und zu wenig Zuwanderung.“

    Mit der Lage in Dortmund bin ich aber recht zufrieden. Die Mieten sind noch bezahlbar, und neu gebaut wird dennoch. Ob aber Bauarbeiter knapp sind, weiß ich gar nicht. Wir könnten aber sehr viel mehr PV mit integrierten Speichern auf allen Dächern gebrauchen. Das wären auch Aufträge für einschlägige Handwerksbetriebe. Wenn zugleich weniger neu gebaut werden würde, könnten die das umsetzen.

    Da müsste man es nur noch erlauben, dass man PV-Strom mit reduzierten Durchleitungsgebühren in der näheren Nachbarschaft direkt verkaufen kann. Den Rest machen dann private Investoren, und alle Bürger freuen sich über sinkende Strompreise und mehr Ladepunkte für E-Autos. Der fossile Backupstrom wird dann umso teurer, und das sollte der auch.

    Noch mehr neue Zuwanderer braucht das vielleicht gar nicht. Vorerst, für die nächsten 5 oder 10 Jahre zumindest. Ich finde, dass das die einzelnen Kommunen selber entscheiden sollten. Wenn man Leute hat, die in Not sind und auch noch sehr gut zu gebrauchen wären, dann sind das Argumente, die als Neubürger aufzunehmen. Wenn man dann noch Wohnraum frei hat, umso mehr.

    • Lieben Dank, @Tobias – dazu passt ja dann auch

      Blume & Ince – Folge 54: Soziales und Migration nach den Wahlen – Mit Nathalie Wollmann vom Paritätischen BW

      frisch gebloggt hier:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-54-mit-dem-elektroauto-feueralarm-zu-nathalie-wollmann-beim-paritaetischen/

      Freue mich auf weitere, gute Dialoge gerade auch zur Entwicklung von Solarpunk-Arche-Regionen!

      Denn neben der demografischen und wirtschaftlichen Implosion findet ja auch die globale Erhitzung weiterhin statt und wird auch in diesem Sommer 2026 wieder enorme Schäden und auch Todesfälle verursachen:

      Im Pazifik steigen die Temperaturen rapide. Experten sehen darin klare Anzeichen für ein baldiges, starkes Wetterereignis. Dürren und schwere Regenfälle könnten die Folge eines starken El Niño sein.

      Die Anzeichen für ein baldiges starkes Wetterphänomen El Niño werden immer stärker. Darauf deuteten die rapide steigende Temperaturen der Meeresoberfläche im äquatorialen Pazifik hin, berichtete die Weltwetterorganisation (WMO) in Genf. Laut den Vorhersagen könnten fast weltweit die Temperaturen an Land in den nächsten drei Monaten höher als gewöhnlich sein. Die Auswirkungen könnten bereits ab Mai spürbar werden.

      https://www.n-tv.de/wissen/Starker-El-Nino-kuendigt-sich-an-neuer-Hitzerekord-id30753528.html

      Auch in unseren Breiten werden viele und vor allem ältere Menschen an der steigenden Hitze leiden. Gleichzeitig gab es schon heute (!) wieder regionale Ökostrom-Überschüsse, die mangels Batteriespeicher und Wasserstoff-Elektrolyseure noch zu selten sinnvoll gespeichert werden können. Immerhin steigt die Zahl der Elektroautos und also fahrenden Batteriespeicher schnell – auch wir laden selbstverständlich besonders oft an sonnenreichen Wochenenden.

  18. „Wenn Religion nur schaden und kosten würde, wieso hatte sie sich in der Evolution des Menschen entwickelt und sogar ausgebreitet?“

    Das ist eine sehr naheliegende Frage, und ich wundere mich, warum ich sie mir selbst noch nie gestellt habe.

    Diese Fragestellung könnte ein sehr guter Ansatz sein, die Unterschiede zwischen Religion und Aberglaube nachvollziehbar auch für Atheisten zu erklären oder plausibel zu machen.

    • Herzlichen Dank, @schorsch 🙏🙌

      Eine sehr beeindruckende Erfahrung dazu machte ich bereits 2010 auf einer Evolution-Religion-Fachtagung in Bristol, Großbritannien.

      Damals vernetzten wir evolutionär Forschenden uns nicht nur sehr stark, sondern die bekannte Psychologin und „Memetikerin“ Susan Blackmore akzeptierte auch die empirischen Fakten, ließ die Falsifikation ihrer bisherigen Überzeugungen zu!

      Hier Sues Bericht dazu im „Guardian“, der damals erheblichen Wirbel auslöste und ihr einen Shitstorm von antireligiösen Dualisten um Richard Dawkins eintrug.

      https://www.theguardian.com/commentisfree/belief/2010/sep/16/why-no-longer-believe-religion-virus-mind

      Unter anderem schrieb sie dort (in Englisch, ich füge aber deutsche Übersetzungen hinzu):

      Are religions viruses of the mind? I would have replied with an unequivocal „yes“ until a few days ago when some shocking data suggested I am wrong.

      This happened at a conference in Bristol on „Explaining religion“. About a dozen speakers presented research and philosophical arguments, mostly falling into two camps: one arguing that religions are biologically adaptive, the other that they are by-products of cognitive mechanisms that evolved for other reasons. I spoke first, presenting the view from memetics that religions begin as by-products but then evolve and spread, like viruses, using humans to propagate themselves for their own benefit and to the detriment of the people they infect.

      Deutsch:

      Sind Religionen Viren des Geistes? Bis vor ein paar Tagen hätte ich mit einem eindeutigen „Ja“ geantwortet, als einige schockierende Daten darauf hindeuteten, dass ich mich irre.

      Dies geschah auf einer Konferenz in Bristol zum Thema „Religion erklären“. Etwa ein Dutzend Referenten präsentierten Forschungsergebnisse und philosophische Argumente, die sich größtenteils in zwei Lager einordneten: eines, das argumentierte, dass Religionen biologisch adaptiv seien, und das andere, dass sie Nebenprodukte kognitiver Mechanismen seien, die sich aus anderen Gründen entwickelt haben. Ich sprach zuerst und präsentierte die Sichtweise der Memetik, dass Religionen als Nebenprodukte beginnen, sich dann aber wie Viren entwickeln und verbreiten, indem sie Menschen zu ihrem eigenen Nutzen und zum Nachteil der Menschen, die sie infizieren, einsetzen.

      Dann aber hätte sie sich von den Daten und Zusammenhängen erreichen lassen:

      The idea is that religions, like viruses, are costly to those infected with them. They demand large amounts of money and time, impose health risks and make people believe things that are demonstrably false or contradictory. Like viruses, they contain instructions to „copy me“, and they succeed by using threats, promises and nasty meme tricks that not only make people accept them but also want to pass them on.

      This was all in my mind when Michael Blume got up to speak on „The reproductive advantage of religion“. With graph after convincing graph he showed that all over the world and in many different ages, religious people have had far more children than nonreligious people.

      Auf Deutsch:

      Die Idee ist, dass Religionen, wie Viren, für die Infizierten kostspielig sind. Sie verlangen große Mengen an Geld und Zeit, bringen Gesundheitsrisiken mit sich und lassen Menschen Dinge glauben, die nachweislich falsch oder widersprüchlich sind. Wie Viren enthalten sie Anweisungen zu „kopiere mich“, und sie haben Erfolg, indem sie Drohungen, Versprechen und fiese Meme-Tricks verwenden, die nicht nur dazu führen, dass Menschen sie akzeptieren, sondern sie auch weitergeben wollen.

      All das war in meinem Kopf, als Michael Blume aufstand, um über „Den reproduktiven Vorteil der Religion“ zu sprechen. Mit Graph um Graph überzeugender Darstellungen zeigte er, dass religiöse Menschen auf der ganzen Welt und in vielen verschiedenen Epochen weit mehr Kinder hatten als nichtreligiöse Menschen.

      In einer unglaublich beeindruckenden und sehr seltenen Weise war Sue Blackmore bereit, ihre bisherigen, wissenschaftlichen Überzeugungen der popperschen Falsifikation zu unterziehen:

      So it seems I was wrong and the idea of religions as „viruses of the mind“ may have had its day. Religions still provide a superb example of memeplexes at work, with different religions using their horrible threats, promises and tricks to out-compete other religions, and popular versions of religions outperforming the more subtle teachings of the mystical traditions. But unless we twist the concept of a „virus“ to include something helpful and adaptive to its host as well as something harmful, it simply does not apply. Bacteria can be helpful as well as harmful; they can be symbiotic as well as parasitic, but somehow the phrase „bacterium of the mind“ or „symbiont of the mind“ doesn’t have quite the same ring.

      This is how science (unlike religion) works: in the end it’s the data that counts. Being shown you are wrong is horrid, but this has happened to me often enough before (yes, you may make jokes if you like) and one gets used to it.

      Auf Deutsch:

      Es scheint also, dass ich mich geirrt habe und die Vorstellung von Religionen als „Viren des Geistes“ vielleicht ihre Zeit gehabt hat. Religionen bieten immer noch ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Memeplexe funktionieren, wobei verschiedene Religionen ihre schrecklichen Drohungen, Versprechungen und Tricks einsetzen, um andere Religionen zu übertrumpfen, und populäre Versionen von Religionen die subtileren Lehren der mystischen Traditionen übertreffen. Aber es sei denn, wir verdrehen das Konzept eines „Virus“, um etwas Nutzbringendes und Anpassungsfähiges für seinen Wirt einzuschließen sowie etwas Schädliches, dann trifft es einfach nicht zu. Bakterien können ebenso nützlich wie schädlich sein; sie können symbiotisch ebenso wie parasitär sein, aber irgendwie klingt der Ausdruck „Bakterium des Geistes“ oder „Symbiont des Geistes“ nicht ganz gleich.

      So funktioniert Wissenschaft (im Gegensatz zur Religion): Am Ende zählen die Daten. Gezeigt zu bekommen, dass man sich irrt, ist schrecklich, aber mir ist das schon oft genug passiert (ja, Sie dürfen gern Witze machen), und man gewöhnt sich daran.

      So etwas habe ich sehr selten erlebt und verstehe ja auch (auch an mir selbst!), dass jede Falsifikation mit dem Schmerz kognitiver Dissonanz und Reaktanz verbunden ist. Der große Humanist und Erkenntnistheoretiker Karl Popper selbst griff daher sogar zur Metapher des Kreuzes!

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/wisskon21-karl-popper-und-das-kreuz-der-falsifikation-religion-wissenschaft/

      Auch deswegen gehe ich davon aus, dass die interdisziplinäre Evolutionsforschung zu Religiosität und Religionen noch Jahrzehnte braucht, um sich jenseits der überholten Dualismen in Wissenschaften und Öffentlichkeit durchzusetzen. Es war mir eine Ehre, einen kleinen Teil dazu beizutragen und ich freue mich über alle, denen es gelingt, über ihre eigenen Vor-Annahmen hinaus zu wachsen.

      Daher mein Dank und die ausführliche Antwort, @schorsch ! 🤓🙏💡

  19. @Michael 25.04. 07:36

    „Wenn wir kulturelle Evolution nur als horizontale Ausbreitung vermeintlich fortschrittlicher Innovationen verstünden, dann würden alle – auch indigenen – Kulturen schnell unter einer einheitlichen Globalisierung und der englischen Sprache verschwinden.“

    Blasenbildung und Individualität spielen ja auch noch mit. Die persönlich verinnerlichte Kultur ist entsprechend vielfältig. Und was man als Kind in der Familie lernt, ist ja im Prinzip Mikrokultur, die sich mit ganz kleiner Reichweite horizontal verwirklicht. Aber durchaus mitprägend ist.

    Das sieht aus wie eine biologische Vererbung, ist aber nur nahe dran. So werden adoptierte Kinder eben von den Pflegeeltern mikrokulturell vorgeprägt.

    Was am Ende zählt, ist das resultierende System, das der individuelle Mensch sich mit der Zeit so aufsammelt und sich zusammendenkt. Und sich in umfangreichen Dialogen ausarbeitet.

    Horizontal gelebte Vereine wie etwa Kirchen müssen entsprechend immer wieder um ihre Mitglieder werben? Und ihre Traditionen aktiv tradieren.

    Was ich z.B. auch sehr bedaure, dass ist das Skat und Doppelkopf unter jüngeren Leuten kaum noch einer kann. Die sind mit Computerspielen sozialisiert, und haben das nie gelernt. Viele älteren Kumpels, mit denen wir früher regelmäßgig gezockt haben, sind inzwischen verstorben oder nicht mehr so recht mobil. Und es kommen keine jungen Leute nach.

    • Vielen Dank, @Tobias – es macht Freude, sich miteinander ins komplexe Thema der biokulturellen Evolution zu vertiefen! 🙌

      Gerade auch im Hinblick auf die stärker horizontale, kulturelle Evolution möchte ich daher erneut auf die Psychologie von Medien und Mimesis verweisen, wie sie zerstörerisch in der Rechtsmimesis, lebensförderlich im Solarpunk sichtbar werden: Wir übernehmen nicht nur Verhalten, sondern auch Ziele durch mediale Sendungen – sonst würde ja u.a. Werbung überhaupt keinen Sinn machen.

      Entsprechend strukturieren Mediensysteme unsere biokulturelle Evolution in den Dimensionen von Raum und Zeit massiv vor, vgl.:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/pessach-ostern-und-die-macht-der-zeit-medien/

      Im Fediversum-Dialog mit der Bundestagsabgeordneten Awet Tesfaiesus (Grüne) griff ich dabei auch einen medialen Zusammenhang auf, der mir durch einen Kommentar von Dir deutlich geworden war:

      Volle Zustimmung, @AwetTesfaiesus 👍 – und ich finde den Begriff der „Augenhöhe“ auch hervorragend!

      Denn die Zukunft stellen wir Menschen uns meist in Bildern vor, die Gegenwart und Vergangenheit stärker in Tönen.

      Jetzt hören wir 👂, dann werden wir sehen 👀.

      Es ist aus meiner Sicht (!) daher so wichtig, dass wir Demokratinnen & Demokraten über Milieus und Parteien hinweg #Solarpunk – Zukunftsbilder entwerfen & präsentieren, um (auch jüngeren) Menschen eine Aus-Sicht über den aktuellen Zusammenbruch des #Fossilismus hinaus zu geben.

      An den Schulen erlebe ich daran riesiges Interesse, denn die Verzweiflung vieler Lernender & Lehrender ist groß!

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116466750387086186

      Gleichwohl können wir gerade auch anhand des Solarpunk die Wechselwirkung zwischen Medien und Eigentumsverhältnissen erfassen: Wer selbst bereits über Wohneigentum und Investitionskapital verfügt, ggf. auch noch jünger ist, kann sich leichter in post-fossile Wohlstandsenergien hineinsehen als jene Menschen, die zur Miete wohnen, über weniger Kapital verfügen und ggf. auch noch älter sind – also weniger leicht Erfahrungen der Solarpunk-Selbstwirksamkeit machen können. Sie werden entsprechend häufiger mit (begründetem!) Mißtrauen, Reaktanz und mitunter auch Rechtsmimesis reagieren, sich entsprechende Medienwelten suchen. Und so erleben wir die verrückte Situation, dass fossile Konzerne die Menschen einerseits abzocken und andererseits gegen die Energiewende aufhetzen.

      Daher halte ich verlässliche Fördermaßnahmen, Bürger-, Energie- und Mietergenossenschaften, Balkonsolar und Pflanzenkost für so wichtig, um möglichst vielen Menschen zu ermöglichen, an Solarpunk-Selbstwirksamkeitserfahrungen und erneuerbaren Friedens-, Heimat- und Wohlstandsenergien teilzuhaben. Dies fördert damit die Verbreitung und kulturelle Evolution zu technologisch, wirtschaftlich, medial, ökologisch und psychologisch besseren Lösungen.

      Felo.ai beschreibt es mit einer Vielzahl wichtiger Begriffe bereits so:

      Die beobachtete stärkere *Solarpunk‑Mimesis* (also: das „Anstecken“ durch eine optimistische Zukunftserzählung rund um Photovoltaik, E‑Autos, Wärmepumpe, Selbstwirksamkeit, Dezentralität) bei Menschen mit Eigentumswohnungen lässt sich vor allem über **strukturelle Machbarkeit, direkte individuelle Renditen und soziale Diffusion** erklären. Die verfügbaren Befunde aus Umfragen und Marktanalysen zeigen, dass Wohneigentum in Deutschland eng mit der tatsächlichen Nutzung und der Anschaffungsabsicht dieser Technologien zusammenhängt.[1][11]

      ## Strukturelle Machbarkeit: Eigentum senkt praktische Hürden

      **Photovoltaik und Ladeinfrastruktur sind „gebäudenahe“ Technologien.** Wer Eigentum (Haus oder Wohnung) hat, kann eher über bauliche Maßnahmen, Verträge und Investitionen entscheiden—und damit die Solarpunk‑typische Idee „Ich mache es einfach selbst“ tatsächlich umsetzen.

      – Beim **E‑Auto** ist der Zusammenhang besonders klar: Immobilieneigentümer haben deutlich häufiger ein E‑Auto als Menschen ohne Wohneigentum (z.B. 4,8% vs. 1,6% in einer Auswertung der HUK).[3][5][11] Ein zentraler Mechanismus ist dabei der **eigene Stellplatz bzw. die Möglichkeit, eine Wallbox zu installieren**—das vereinfacht Laden und reduziert Alltagssorgen.[9][11]
      – Bei **PV** gilt ähnlich: Eigentümer können eine Anlage eher beauftragen bzw. finanzieren und profitieren dann direkt vom erzeugten Strom. Entsprechend planen Eigenheimbewohner in sehr hohem Umfang PV (bis 2029: zwei Drittel) und in der Folge auch E‑Auto/Wärmepumpe.[1]

      **Warum das die Mimesis verstärkt:** Wenn eine Vision als *praktisch erreichbar* erlebt wird, wirkt sie imitierbarer und sozial ansteckender. Bei Mietenden bleibt die gleiche Erzählung oft abstrakter, weil Zustimmung allein die Umsetzung (Dachnutzung, Netzanschluss, Wallbox, Hausgemeinschaft) nicht garantiert.

      ## Direkte, private Rendite: Kostenersparnis wird zur „Türöffner“-Story

      Solarpunk‑Narrative funktionieren besonders gut, wenn sie nicht nur moralisch, sondern auch **ökonomisch plausibel** sind („sauber, unabhängig, langfristig günstiger“). Eigentümer erleben diese Logik häufiger als persönliche Rechnung:

      – In der Allensbach‑Umfrage werden **finanzielle Erwägungen** als zentral genannt; zugleich wird PV als **„Türöffner“** beschrieben: Wer bereits PV hat oder plant, zeigt ein *viermal* so hohes Interesse, zusätzlich in Wärmepumpe und E‑Auto zu investieren.[1]
      – Außerdem nennen viele, die Technologien schon nutzen oder planen, explizit die **Ersparnis bei Energiekosten** als Motivation.[1]

      **Warum das die Mimesis verstärkt:** PV + ggf. dynamischer Stromtarif + Eigenverbrauch + perspektivisch E‑Auto/Wärmepumpe ergibt eine *kohärente Kette* von Vorteilen. Diese Kettenlogik ist für Eigentümer leichter erfahrbar (und erzählbar) als für Mietende, die zwar Stromkosten haben, aber häufig nicht über die Hebel verfügen, um in Erzeugung/Laden/Heizung zu investieren.

      ## Soziale Diffusion: Eigentümermilieus als Multiplikatoren

      Mimesis ist auch ein **Netzwerkphänomen**: Man übernimmt Verhalten, wenn es im eigenen Umfeld sichtbar wird und Erfolgsgeschichten zirkulieren.

      – Weil PV und E‑Autos in Deutschland **überdurchschnittlich bei Immobilieneigentümern** vorkommen bzw. geplant werden,[1][11] entstehen dort mehr sichtbare Beispiele („Nachbar hat PV“, „Hausgemeinschaft diskutiert Batteriespeicher“, „Wallbox in der Tiefgarage“). Das verstärkt Nachahmung und Normalisierung.

      ## Eigentumswohnungen spezifisch: kollektive Projekte als Signal

      Bei Eigentumswohnungen kommt ein zusätzlicher Punkt hinzu: In Wohnungseigentümergemeinschaften sind Maßnahmen zwar oft komplex, aber wenn sie gelingen (PV auf dem Gemeinschaftsdach, Ladepunkte in der Tiefgarage), haben sie einen **starken Vorbildcharakter** innerhalb der Gemeinschaft. Gerade eine Solarpunk‑Erzählung („Wir organisieren uns, machen das Haus zukunftsfähig“) kann dort als Identitäts- und Kooperationssignal wirken—und dadurch pro PV/E‑Auto stärker „ziehen“ als in Situationen, in denen man nur individuell entscheiden kann, aber keine Umsetzungsrechte hat.

      ## Fazit

      Solarpunk‑Mimesis wirkt bei Menschen mit Eigentumswohnungen im Schnitt stärker pro Photovoltaik und Elektroautos, weil **Eigentum die Umsetzungshürden senkt**, **private Kosten-/Nutzenvorteile direkter erfahrbar macht** (PV als „Türöffner“ für weitere Investitionen)[1] und weil **E‑Auto- sowie PV‑Verbreitung unter Eigentümern höher ist**, wodurch soziale Nachahmung leichter entsteht.[3][11]

      Wenn du willst, kann ich das noch sauber als Hypothesenmodell (z.B. *Machbarkeit → erwarteter Nutzen → soziale Sichtbarkeit → mimesische Verstärkung*) skizzieren und dazu messbare Indikatoren nennen, wie man es empirisch prüfen würde.

      [1] https://www.bayern-innovativ.de/emagazin/detail/so-viele-hauseigner-planen-pv-und-waermepumpen
      [2] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-49-migraene-mimesis-menschen-neurodivers/
      [3] https://background.tagesspiegel.de/verkehr-und-smart-mobility/briefing/vor-allem-immobilienbesitzer-kaufen-e-autos
      [4] https://www.handelsblatt.com/finanzen/immobilien/energiewende-pv-anlage-als-energetische-massnahme-besonders-beliebt-bei-eigentuemern/100149454.html
      [5] https://www.mannheimer-morgen.de/wirtschaft_artikel,-wirtschaft-e-autos-werden-hauptsaechlich-von-immobilienbesitzern-gekauft-_arid,2357116.html
      [6] https://anchor.fm/s/426e9e88/podcast/rss
      [7] https://www.elektroauto-news.net/news/solar-und-e-auto-boom-hausbesitzer
      [8] https://www.msn.com/de-de/finanzen/top-stories/elektromobilit%C3%A4t-e-autos-werden-haupts%C3%A4chlich-von-immobilienbesitzern-gekauft/ar-AA1W1Akn
      [9] https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/e-autos-werden-vor-allem-von-immobilienbesitzern-gekauft,VAnXIoK
      [10] https://www.adiva-hoffmann.de/blog/fuer-eigentuemer/eigenheimbesitzer-treiben-die-energiewende-voran/
      [11] https://www.mobiflip.de/elektroautos-im-privatmarkt-eigentuemer-fahren-vor-mieter-bleiben-zurueck/
      [12] https://www.erneuerbare-energie.wien/photovoltaik-fuer-wohngebaeude/pv-informationen-fuer-eigentuemerinnen-von-mehrfamilienhaeusern/
      [13] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/mehr-arbeiten-fossilismus-gegen-familien-demografie-deindustrialisierung/
      [14] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/konkurrenz-konkordanz-oder-konsensdemokratie-meine-heutige-duale-rede-bei-der-stiftung-weltethos-uni-tuebingen/

  20. Hallo schorsch.
    Die biologische und kulturelle Evolution orientiert
    sich ausschließlich an der Überlebenswahrscheinlichkeit
    der Spezies und der Individuen.
    Verhaltensmuster, die die Überlebenswahrscheinlichkeit
    erhöhen, werden häufiger weitervererbt.
    Die biologische und kulturelle Evolution orientiert
    sich nicht am Wohlbefinden der Individuen.
    Deshalb gibt es Leid und Konflikte.
    Um das Leid zu verringern gibt es die Ideen des
    negativen Utilitarismus, und den Vorschlag des
    paradise engineering von David Pearce.

    • Nein, @Karl Bednarik – das ist leider faktisch falsch. Biologische und kulturelle Evolutionsprozesse orientieren sich nicht primär am „Überleben“ (Selektion), sondern an der Fortpflanzung (Reproduktion).

      Sie und ich werden das 21. Jahrhundert nicht „überleben“. Womöglich werden aber einige unserer genetischen und kulturellen Traditionen fortgeführt, re-produziert.

      Ich verstehe, dass der Sozialdarwinismus lange gelehrt wurde. Aber es ist möglich, ihn durch Wissenschaft und Dialog zu überwinden.

        • Hallo, @Karl Bednarik

          Nun sind Sie von der plötzlich zur These der sog. Gruppenselektion („Überlebenswahrscheinlichkeit der Spezies“) gewechselt. Aber auch zwischen Homo sapiens und Homo neanderthalensis gab es nicht einfach nur einen Überlebenskampf, sondern auch Kooperation und Reproduktion. Gerade auch in europäischen Populationen findet sich ein geringer Anteil von Neandertaler-Genen.

          Abstrakte „Spezies“ pflanzen sich nicht fort, sondern Menschen tun das. Oder sie tun es eben nicht.

          • Hallo Herr Blume.
            Ich bin nicht „plötzlich“ zur These der sog.
            Gruppenselektion („Überlebenswahrscheinlichkeit
            der Spezies“) gewechselt.
            Die „Überlebenswahrscheinlichkeit der Spezies“
            habe ich schon in meinem ersten Satz
            ausdrücklich geschrieben.
            Von einem „Überlebenskampf“ steht hingegen
            dort nichts.
            (Hier ist es zu finden: 26.04.2026, 10:52 Uhr.)
            Zusätzlich dazu, ist es natürlich erforderlich,
            dass die Individuen zumindest so lange überleben,
            bis sie sich erfolgreich fortgepflanzt haben.
            Der Begriff „Spezies“ wird in der Biologie öfter
            verwendet, und aussterben können diese auch.

          • Ja, @Karl Bednarik – und wie leider öfter beharren Sie einfach auf wissenschaftlich längst überholten Konzepten, statt sich dem Dialog mit neueren Erkenntnissen zu stellen.

            So ist der Debattenstand der 1970er-Jahre längst falsifiziert: Die Art („Spezies“) ist nicht die Grundeinheut des biokulturellen Evolutionsprozesses.

            Aber es ist okay, auch eine Prise Reaktanz belebt diesen Blog. Und verweist auf ganz eigene Weise auf die Probleme durch Unterjüngung sogar für die Wissenschaftskommunikation. 😊

            Ihnen von Herzen eine gute Woche! 😌📚🌱

  21. @Michael 26.04. 11:07

    „Biologische und kulturelle Evolutionsprozesse orientieren sich nicht primär am „Überleben“ (Selektion), sondern an der Fortpflanzung (Reproduktion)“

    Wer nicht richtig fit ist, bekommt dann eben schnell kaum Kinder. Auch wenn er selber alt damit wird. Etwa wenn man mit einer chronischen Psychischen Krankheit zu kämpfen hat.

    Vorzeitig sterben tun heutzutage wirklich nur sehr, sehr wenige, um nicht alt genug zu werden, für eigenen Nachwuchs zu sorgen.

    Paradoxerweise haben aber auch recht fitte Leute heutzutage öfter so sehr ihre berufliche Karriere im Sinn, dass sie nie zum Kinderkriegen kommen. Das kann man aber auch als eine Art psychischer Störung einstufen. Rein biologisch gesehen.

    Man hat mal in den USA untersucht, was aus wirklich außerordentlich intelligenten Frauen beruflich so wird. Man dachte natürlich, dass die es beruflich weit bringen würden. Und musste dann aber feststellen, dass sich die meisten einfach einen gutverdienenden Mann geangelt haben, um dann im Schnitt 4 Kinder großzuziehen.

    Nur mittelmäßig intelligente Frauen suchen eine eigene Karriere. Wer wirklich intelligent ist, guckt zielstrebig auf die eigene Reproduktion. Statt sich einen unsinnig übermäßigen Lebensstil zu organisieren, konzentriert man sich auf Nachwuchs, wenn man wirklich intelligent ist.

    Ganz nebenbei können inzwischen 15 % der Paare ungewollt keine Kinder mehr bekommen. Was wohl in den letzten Jahrzehnten u.a. durch Umweltgifte zugenommen hat. Auch die werden alt, und werden 70 oder 80. Aber reproduzieren sich einfach nicht.

  22. @Karl Bednarik 26.04. 10:52

    „Die biologische und kulturelle Evolution orientiert sich nicht am Wohlbefinden der Individuen.“

    Ich würde allerdings darauf wetten, dass wohlbefindende Individuen so übermütig werden, eher eigenen Nachwuchs zu haben.

    Wer sich sowieso schon ewig herumquält entsprechend dann gerade nicht.

    Auch dürften Wohlbefindliche als Partner attraktiver sein.

    Ein guter Zugang zu Geisteswelten am Ende dann auch noch. Was durchaus auch einen Teil der nachwuchsfördernden Effekten von Religionsgemeinschaften verursachen könnte.

    • Hallo Herr Jeckenburger.
      Wenn ein Verhaltensmuster angenehme Empfindungen
      auslöst, dann werden die Individuen dieses
      Verhaltensmuster öfter praktizieren.
      Wenn dieses Verhaltensmuster die
      Überlebenswahrscheinlichkeit der Spezies erhöht,
      dann wird diese Kombination aus Empfindungen
      und Verhalten häufiger weitervererbt.
      Auf diese Weise werden die Individuen durch
      ihre Gefühle gesteuert.
      Dass, zum Beispiel, auf die angenehme Paarung
      eine unangenehme Geburt folgen kann, das
      zeigt, dass das Wohlbefinden der Individuen
      nicht das Ziel der Evolutionsmechanismen ist.
      Das einzige Ziel der Evolutionsmechanismen ist
      die Erhöhung der Überlebenswahrscheinlichkeit
      der Spezies.
      Auch ein Mechanismus ohne Bewußtsein kann
      konkrete Ziele verfolgen.
      Die angenehmen oder unangenehmen Empfindungen
      dienen zur Steuerung der Marionetten der Evolution.

  23. @ Michael Blume 26.04.2026, 11:07 Uhr

    Zitat: „Nein, @Karl Bednarik – das ist leider faktisch falsch. Biologische und kulturelle Evolutionsprozesse orientieren sich nicht primär am „Überleben“ (Selektion), sondern an der Fortpflanzung (Reproduktion).“

    Dass die „Fortpflanzung“ wichtiger ist, scheint klar.

    Das „Überleben“ kann danach auch durch „Waisenvorsorge“ („Witwen und Waisenpension“) gesichert werden, oder z.B. bei Elefanten, „kümmern“ sich „Tanten“ um die Jungtiere….

    Darwinismus bedeutet laut KI:

    1. Überleben ist wichtig

    2. Fortpflanzung ist entscheidend

    3. Soziales Verhalten kann evolutionär sinnvoll sein

    Waisenversorgung kann Teil einer erfolgreichen Strategie sein, wenn sie der Gruppe (und damit den Genen) nützt.

  24. @Karl Bednarik 27.04. 07:01

    „Dass, zum Beispiel, auf die angenehme Paarung eine unangenehme Geburt folgen kann, das zeigt, dass das Wohlbefinden der Individuen nicht das Ziel der Evolutionsmechanismen ist.

    Wohlbefinden ist doch meistens ein Zeichen, dass alle persönlichen Systeme gut funktionieren. Das ist weit mehr als eine „Steuerfunktion“. Das ist die Substanz erfolgreicher Bemühungen um eben ein gutes Funktionieren dieser persönlichen Systeme.

    Wer sein eigenes Wohlbefinden hinbekommt, der lebt gut. Und wenn man so fit ist, dann hat man auch die persönlichen Ressourcen in Kinder zu investieren.

    „Auch ein Mechanismus ohne Bewußtsein kann konkrete Ziele verfolgen.“

    Ein einfaches Beispiel wäre die Steuerung meiner Gastherme. Rein praktisch regelt die den Sollwert ein.

    Es steckt da aber die Absicht der Konstrukteure dieser Geräte dahinter. Und doch bin ich es, der diese Steuerung bedient. Und ohne Gas läuft hier nichts, selbst Strom muss vorhanden sein. Meine Heizung setzt also Systeme voraus, die teils globale Ausdehnung haben.

    „Die angenehmen oder unangenehmen Empfindungen dienen zur Steuerung der Marionetten der Evolution.“

    So einfach ist das nicht. Die Systeme müssen funktionieren, und sind beim modernen Menschen Teil globaler Kultur. Angenehm ist, wenn alles klappt, unangenehm, wenn nicht.

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