Das neue “Realitätsschock” von Sascha Lobo

BLOG: Natur des Glaubens

Evolutionsgeschichte der Religion(en)
Natur des Glaubens

Seitdem wir bei der Schwäbischen Zeitung in Ravensburg gemeinsam gegen Antisemitismus auftreten und aufklären konnten, freue ich mich auf das neue Buch von Sascha Lobo und erwarb bei meinem örtlichen Buchhändler ein Exemplar der Erstauflage. Denn bei Lobo sah (und sehe) ich den so dringend benötigten Dreiklang im Umgang mit der Digitalisierung: 1. Neugierige Begeisterung für die neuen Möglichkeiten und Chancen. 2. Echte, hart erworbene Kompetenz. Und 3. trotz allem einen Blick auch auf die Untiefen und Gefahren der neuen Technologien, auf die uns die Evolution selbstverständlich kaum vorbereiten konnte.

Und tatsächlich: In “Realitätsschock. Zehn Lehren aus der Gegenwart” arbeitet sich der Internetexperte durch die Umwälzungen von Lebens-, Erlebens- und Umwelten vom Klima über Migration und Integration über den “sozial”-medialen Rechtsruck und die zunehmend digitalisierte Diktatur Chinas bis zu Fragen der Künstlichen Intelligenz, Medizin und Wirtschaft.

Kapitel für Kapitel schildert Lobo Chancen, Handlungsdruck und auch Gefahren – die jeweils in der Verweigerung vor Veränderung wie auch in kritikloser Technikbegeisterung stecken können. Das Ganze ist flüssig geschrieben, wechselt gekonnt zwischen statistischen Daten und erhellenden Beispielen (man möchte sie nicht Anekdoten nennen, z.B. das sog. “Drachengame”, ein deutschsprachiges Cybermobbing).

Sehr gut: Sascha Lobo behauptet an keiner Stelle, die absolute Objektivität oder das Ende allen Wissens zu verkörpern – sondern macht seine eigene Position und seine Argumente jeweils sichtbar. Dieser angenehme Ton macht dieses Buch auch zu einem Gewinn für Andersdenkende, die nicht belehrt, sondern anregend informiert werden wollen.

Lobo reflektiert dabei nicht nur die neuen Medien, sondern auch die älteren – nicht zuletzt die Sprache. Ihm gelingen starke Wortprägungen wie “Gegenwartshadern”, die sicher Eingang in die Digitaldebatten finden werden.

Dabei verlässt ihn nur an einer, leider wichtigen, Stelle sein Sprachmut: Obwohl Lobo völlig zu Recht bemerkt, dass gerade auch antisemitische Verschwörungsmythen “quasireligiöse” Funktionen erfüllen, digital befeuert werden, nicht überprüft und kaum rational diskutiert werden können, bleibt er beim überholten und verharmlosenden Terminus der “Verschwörungstheorie”.

Dennoch bleibt ein sehr positiver Gesamteindruck und ich kann mir kaum jemanden vorstellen, der nicht an so manchen Stellen von “Realitätsschock” einen Aha-Moment erleben wird. Wer in den kommenden Jahren auf der Höhe über Digitalisierung und ihre komplexen Folgen mitdiskutieren möchte, sollte dieses Buch gelesen haben.

Michael Blume

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Zuletzt erschienen "Islam in der Krise" (2017) und "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019). Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt... Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

26 Kommentare

    • @Joseph Kuhn 😆🤷🏽‍♂️

      Sehr cool, stimmt! Gemeint ist das ungesagte „Buch“ bzw. „Werk“. Aber trotz Deutsch-LK und Scheffelpreis weiß ich nicht mehr, wie diese buchbezogene Auslassung grammatisch richtig bezeichnet wird. 😆🤷🏽‍♂️📚 #Grammatik #Spezialfall

  1. Was Sascha Lobo „Realitätsschock“ nennt ist eine Phase in der Evolution durch Disruption und gesamtgesellschaftlicher Konsens durch Gruppenkonsens abgelöst wird. Die Nachkriegszeit in der alles von Jahr zu Jahr besser wurde und Evolution und Weiterentwicklung von kaum jemanden in Frage gestellt wurde, endete ein paar Jahre nachdem Helmut Kohl von den bevorstehenden blühenden Landschaften im Osten sprach. Anders als erwartet, bedeutete das Ende des Kalten Kriegs nicht den Sieg von Liberalität, Rationalität und Empirie, sondern vielmehr den Anfang einer Phase von schwindendem gesamtgesellschaftlichen Konsens, einer Phase zunehmender Aufspaltung mit Ausbildung je eigener Wahrheiten für die so entstehenden Gruppierungen.

    Die neue Phase ist gekennzeichnet durch das Aufkommen sehr starker Ideen und Überzeugungen, die sich behaupten, obwohl sie oder gerade weil sie nicht den Tatsachen, nicht der Realität entsprechen. Dafür gibt es unzählige Beispiele: Der typische Brexit-Anhänger beispielsweise glaubt, Grossbritannien stehe ohne die EU besser da und Grossbritannien könne wieder an seine stolze Vergangenheit (das Empire) anknüpfen. Während man nicht sagen kann ob das erste stimmt, kann man mit Bestimmtheit sagen, dass Grossbritanniens glorreiche Zeit als Weltmacht schon lange vorbei ist und nie mehr kommen wird. Sogar die Brexit-Anhänger wissen das insgeheim, wollen sich das aber häufig nicht eingestehen. Bei ihnen gewinnt also das Gefühl, der Wunsch über die Realität, über die Fakten (Fake-News und Fake-Facts obsiegen über die ungewünschte Realität). Ein Phänomen, dass sich nicht nur beim Brexit feststellen lässt, sondern auch bei vielen Bewegungen , Parteien und neuen politischen Führern, die etwa zu Renationalisierung und Protektionismus (Front national) aufrufen oder wie Trump sogar einen veritablen Handelskrieg aufziehen.

    Das ist ein Teil des Realitätsschocks, der Teil nämlich in der sich immer mehr Menschen, Parteien, Führer und Bewegungen der Realität verweigern und Dinge tun, die im Endeffekt und auf lange Sicht ihnen selber schaden und wo der Realitätsschock darin besteht, dass sich Menschen der Realität entziehen.

    Man kann auch Bewegungen wie den Islamismus dazu zählen, denn auch hier steckt letztlich eine Realitätsverweigerung dahinter (denn ein Zurück in eine urislamische, antimoderne Lebensform gibt es nicht). Auch hier obsiegen starke Ideen und Idealvorstellungen über das Mögliche und Sinnvolle.

    Daneben gibt es noch eine weitere Form des Realitätsschocks. Der nämlich, dass die Gesellschaft, ja die ganze Menschheit vor Problemen steht, die sie selber verursacht, aber scheinbar nicht mehr lösen kann. Dazu gehört etwa der Klimawandel, der durch die wirtschaftlichen Aktivitäten des Menschen verursacht wird, den die Menschheit aber nur noch prinzipiell, nicht mehr aber wirklich lösen kann, denn es fehlt der Menschheit die Fähigkeit kollektiv im gemeinsamer Interesse aller zu handeln. Dieser Schock ist also der Schock über die Unfähigkeit aktuell zu handeln obwohl prinzipiell ein Handeln möglich wäre.

    Insgesamt sind wir also in einer Phase in der Irrationalität über Rationalität zu obsiegen scheint. Nun, ein Optimist wird sagen: das geht vorüber und nach der Wirrnis kommt neue Klarheit, die Wolken verziehen sich und ein neuer sonniger Tag beginnt.

  2. Joseph Kuhn
    06.10.2019, 17:33 Uhr

    Nicht erschrecken 😀 – „Der neue ‚Realitätsschock‘“ hätte geheißen, daß Lobo zuvor schon mindestens ein Buch mit dem Titel/Thema veröffentlicht hätte. Vgl. „Der neue ‚Rambo‘ von Silvester Stallone“.

  3. @ Michael Blume:

    Bei Auslassung muss es “Der “Realitätsschock” von Sascha Lobo” heißen.

    Man sagt ja auch: der “Faust” von Goethe, das “Rheingold” von Wagner, die “Meistersinger” von Wagner.

    • @Paul Stefan

      Tatsächlich würde ich annehmen, dass das Aneignen eines eigenen Geschlechts nur für bereits klassische Werke gälte, diese also als Eigennamen zählen. 🤔

      Gefühlt bin ich da bei @Alubehüteter. Hat jemand eine Ahnung, von welchem Spezialfall deutscher Grammatik wir hier schreiben? Ist doch spannend, dass wir hier Regeln spüren, ohne sie benennen zu können! 🤷🏽‍♂️📚✊

  4. @Gesamtgesellschaftlicher Konsens

    Wir haben nach dem Ende des Kalten Krieges auch die Auswirkungen von Zeiten kennengelernt, in denen die Systemkonkurrenz weggefallen ist. Der Kapitalismus legte mit dem sich ausbreitendem Neoliberalismus reichlich zu, und mit Harz4 und dem immer mehr umsichgreifendem Niedriglohnsektor ging das Leben für sehr viele Leute nicht mehr vorwärts, sondern rückwärts weiter. Die vielen EU-Arbeitsmigranten und Asylbewerber haben einiges zum Verfall der Löhne im Niedriglohnbereich beigetragen. Wenn der unqualifizierte Ostdeutsche sagt, integriert doch erstmal mich, hat das eine Berechtigung, finde ich.

    Die hier angelegte Unzufriedenheit spielt sicherlich neben den neuen Medien bei der Auflösung des gesamtgesellschaftlichen Konsens eine Rolle. Ich vermute, dass hier die neuen Medien nicht direkt rechtes Gedankengut fördern, sondern die Entwicklung insgesamt vor allem stark beschleunigen. Und das dann in alle möglichen Richtungen. So meine Hoffnung.

    Wie man das auf die Dauer wieder zusammenbekommt, und funktionierende Regierungen bilden kann, ist eine Herausforderung für die Politiker. Wenn die sich mal weniger mit den Lobbyisten beschäftigen würden, müssten die doch die Zeit dafür haben, auch in schneller veränderlichen Konstellationen noch brauchbare Politik zu machen.

    Von wegen Medienkompetenz hoffe ich, dass die Menschen zügig lernen, Fakenews zu erkennen, auch wenn sie ihnen entgegenkommen. Einfach aus Erfahrung, dass sie mit jedem weiteren Bären, den man ihnen aufgebunden hat, dann doch was lernen.

    Die dänischen Sozialdemokraten hatten vor kurzem eine Wahl gewonnen, indem sie eine Kombination aus weniger Zuwanderung und guter Sozialpolitik angeboten haben. Vielleicht hilft es ja, wenn man erst mal die eigenen Bürger integriert, bevor man Millionen von Menschen in Not ins Land holt. Kann sein, das sich damit sogar die Zustimmung zu Klimaschutzmaßnahmen verbessert.

    • @Tobias Jeckenburger

      Tatsächlich hatten Medien schon in der Vergangenheit enorme Auswirkungen – die moderne Republik wurde zum Beispiel erst mit dem Zeitungsdruck denkbar. Und ich stimme völlig zu, dass Politik(er), aber auch Bürgerinnen und Bürger, Medienschaffende, Juristinnen usw. neue Regeln entdecken müssen, damit die digitalisierte Demokratie wieder und besser funktioniert. Denn eine funktionierende, sich auch nicht überdehnende Regierung scheint mir in einer hochtechnisierten Gesellschaft eher wichtiger denn je zu sein… 🤔

  5. Das neue “Realitätsschock” von Sascha Lobo als Verkürzung zu Das neue Buch “Realitätsschock” von Sascha Lobo würde ich ebenfalls als korrekte elliptische Form auffassen – wobei die Auslassung des Wortes Buch ungewöhnlich ist, würde sie doch kaum ein Sprecher in der direkten Rede benutzen. Sie ist aber hier sinnvoll, wenn das Ziel ein möglichst kurzer Titel ist.

    Im Wikipedia-Eintrag “Ellipse (Linguistik)” liest man hiezu:

    Elliptische Auslassungen lassen sich mit Hilfe des sprachlichen oder situativen Kontextes rekonstruieren.[3] In der linguistischen Analyse der Ellipse werden ausgelassene Satzteile oft mit eckigen Klammern gekennzeichnet. Im Beispiel „Karl fährt nach Italien, Wilhelm [fährt] an die Nordsee“[2] lautet der elliptische Satz: Karl fährt nach Italien, Wilhelm an die Nordsee. Das Wort fährt wurde weggelassen, es kann aber kein anderes Wort weggelassen werden.

    Eine strenge Definition[4] verlangt für die Ellipse, dass sie wortgetreu aus dem sprachlichen Kontext rekonstruiert werden kann.

    Ellipsen sind in gesprochener Sprache häufig zu finden.[3] Sie können sich nach und nach konventionalisieren oder zu fest gefügten Phrasen werden.

    • Vielen Dank, @Martin Holzherr – es war also eine Ellipse! 🤗👍📚

      Tatsächlich sollen Blogtitel möglichst kurz sein, Buchtitel und Autorenname wollte ich aber keinesfalls kürzen. Daher habe ich – eher gefühlt als kognitiv reflektiert – „ellipsiert“. 😆

      Habe ich schon erwähnt, wie sehr ich viele Kommentierende auf „Natur des Glaubens“ schätze? 🥰✊🌈

  6. Ich weiß nicht, ob es eine festgesetzte Regle gibt, aber Grammatik ist letztendlich auch nur eine Konvention und dass wir sie nach Gespür anwenden, ist der Normalfall. Ich habe die Beispiele aus einem Grammatikbuch genommen, wo es aber um die Frage ging, ob ein bestimmter Artikel steht oder nicht. Es ging nicht um das Genus.

    Im Kapitel über das Genus werden Titel von Literatur oder Kunstwerke nicht eigens aufgeführt. Man kann allenfalls eine Analogie anführen: die Namen der “Sternbilder haben dasselbe Genus wie das betreffende Wesen oder Ding, nach dem sie bezeichnet sind.”
    Nach meiner Erfahrung als Geisteswissenschaftler, wo viele Werke der Kunst und Literatur zitiert werden, orientiert man sich am Genus des im Titel verwendeten Begriffs.

    Die Nachtwache, die Metamorphosen Ovids, der “Ring” von Wagner.

    Bei Schiffen ist es anders, die sind in der Regel weiblich.

  7. Wenn man den Buchtitel mit dem Adjektiv “neu” verbinden will, kommt man wohl nicht herum, es anders zu formulieren und das Wort Buch, worauf sich “neu” bezieht, zu erwähnen:

    “Realitätsschock”, das neue Buch von Sascha Lobo

    oder

    Das neue Buch “Realitätsschock” von Sascha Lobo.

    Aber die Variante “Das neue “Realitätsschock” von Sascha Lobo” ist meines Erachtens falsch, d.h. gegen die übliche Konvention. Ich nehme mal an, dass Sascha Lobo nicht mehrere Bücher mit demselben Titel geschrieben hat.

  8. Herr Sascha Lobo überrascht den Schreiber dieser Zeilen immer wieder mit seiner Webkompetenz (das Fachwort an dieser Stelle), die eigentlich qua Ausbildung womöglich gar nicht zu erwarten wäre: Herr Lobo konnte sein Studium mittlerweile abschließen.
    Er ist aus diesseitiger Sicht einer der Besseren der nicht ganz so-o Guten, wiederum nur im Zusammenhang mit der sog. Webkompetenz, in anderem Zusammenhang, gar im politischen, wird Dr. Webbaer nicht einschätzen, jedenfalls an dieser Stelle nicht.

    Das Web ist halt da, ist nicht zu stoppen, und insofern ist es wohl korrekt von ‘Gefahren’ des Webs bzw. seiner Anwendungen zu schreiben und zu sprechen, im Sinne Luhmanns kann in diesem Zusammenhang nicht allgemein von ‘Risiko’ geschrieben und gesprochen werden, denn Risiko ist von direkter Handlung (Einzelner oder von Gruppen) abhängig, das Web dagegen reitet nicht aufhaltbar ein.

    ‘Hass’ war immer in der Gesellschaft da und nun wird er auch im Web kommuniziert, nicht schön, aber solange alles im rechtlich Vertretbaren bleibt, Strafbarkeit nicht entsteht, wird er auszuhalten sein.
    ‘Hass’ im Web zu verbieten zu suchen wäre der falsche Weg, sich ihm entgegenstellen ist der richtige.
    Herr Lobo sieht’s wohl ähnlich.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer (der später vielleicht noch etwas spezifischer wird)

    • @Webbaer

      Die Angst vor „Hass“-Verboten finde ich immer wieder interessant. Tatsächlich bin ich für eine härtere Strafverfolgung gegenüber auch radikaler Digitalisierung und begrüße das aktuelle EUGH-Urteil, nach dem sich Holocaust-Leugner nicht auf Meinungsfreiheit berufen können.

      Aber dennoch wird ein Großteil des Hasses nicht durch Verbote zurückgedrängt werden können, sondern durch kluge Online-Designs, strengere Moderationen und vor allem Kultur und Bildung. Schon jetzt gilt „Trolling“ als zunehmend peinliche Tätigkeiten v.a. älterer Herren und Damen, werden Entgleisungen wie „Gamergate“, das deutschsprachige „Drachengame“ etc. zunehmend kritisch aufgeklärt (auch im o.g. Buch von Sascha Lobo), lernen Kinder den Umgang mit Cybermobbing, fliegen Hassprediger wie Alex Jones und der sog. „Volkslehrer“ von privaten Plattformen.

      Ja, Hass wird es geben, solange es Menschen gibt. Aber genau auch um diesen zu zügeln hat die Menschheit Kultur(ein) und Recht entwickelt. Und diese braucht es nun auch digital. ✊

  9. Gibt es eigentlich noch irgend ein Buch oder eine sonstige Veröffentlichung, wo Skeptikern oder Kritikern an irgendwelchen Gegebenheiten -gleich in welchem Bereich- gerade (und ausgerechnet) von Nicht-Juden bzw. Nicht-Semiten, (was ja nicht das Gleiche ist,) nicht “Antisemitismus” untergejubelt wird?
    Inzwischen hat dieser Vorwurf die Qualität von “Konterrevolutionär” im offiziellen Sprachgebrauch der DDR eingenommen.

    • @Muller

      Den wohl witzig gemeinten Vergleich streitiger Debatten mit der DDR-Diskussion finde ich nicht wirklich überzeugend. Mein Vater saß in Stasi-Haft, weil er die Freiheit wollte, über die Sie herziehen…
      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/meinem-vater-falko-blume-1950-2012/

      Nun weiß ich ja nicht, welche Bücher oder Veröffentlichungen Sie nachfragen – gegenüber den Tausenden, die ich lese, wurde nur selten der Antisemitismus-Vorwurf erhoben. Auch als Autor mehrerer Sachbücher und zahlreicher Artikel habe ich noch nie entsprechende Vorwürfe „untergejubelt“ bekommen. Auch in den aktuellen Bestsellerlisten werde ich da seltenst fündig. Zum hier besprochenen „Realitätsschock“ sind mir überhaupt keine entsprechenden Vorwürfe bekannt – sie wären auch absurd.

      Ein ggf. für Sie interessanter Blogpost und Podcast befasst sich übrigens mit der von Ihnen angefragten Definition von „Semiten“ / Semitismus:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/warum-semiten-keine-rasse-sind/

      Aber gerne nachgefragt: Wen verdächtigen Sie denn des „Unterjubelns“ von Antisemitismusvorwürfen – und warum? 🤔

    • Oh, Abertausende Leserinnen und Leser sehen das mit mir anders, @little Louis: „Realitätsschock“ hat es m.E. zu Recht in die Bestsellerlisten geschafft.

      Und ich bin doch sehr froh, in einem Land zu leben, in dem keine Einstein-Verschwörungsmythen-Gruppen darüber entscheiden, wer und was geschrieben und gelesen werden darf… 😉🤗📚👍

  10. Hallo Herr Blume,
    man kann, so glaube ich, nur von der Realität geschockt sein, wenn man der Ansicht ist, dass Ereignisse wie ein Gewitter über uns kommen. Um im Bild zu bleiben: Ein Gewitter ist die Ursache von starken atmosphärischen Spannungen. Wer also diese “atmosphärischen “Spannungen in der Gesellschaft präventiv analysiert, wird über das sich dann entladende Gewitter nicht geschockt sein. “Realitätsschock” klingt so, als ob man nicht darauf vorbereitet wäre. In dem Sinne bin ich nach meinen Erkenntnissen und Erfahrungen nicht geschockt.

  11. @ Herr Dr. Michael Blume (und zu Ihrer Nachricht “08.10.2019, 07:34 Uhr”)

    Hass ist eine Emotion, die genau wie die Liebe, gerne zu Hause bleiben kann, wenn Sachdiskussionen geführt werden.
    Hass juristisch anzugehen würde einen schweren Angriff und wohl auch das Ende der Liberalen Demokratie bedeuten, wenn dieses Angehen erfolgreich wäre.

    Zudem gibt es Anlässe legitim zu hassen, bspw. wenn Hass gegen andere gepflegt wird, die selbst hassen, gar den Anlass-Habenden adressierend.
    Dr. W hält sich selbstverständlich auch dann mit der Ausgabe von Emotion zurück, aber andere tun dies dann nicht und gehören auch dann nicht “geteert und gefedert”.

    Im Web ist man ja nicht im Kindergarten, wo einer berechtigt aufjaulen kann, nur weil er von anderen gehasst wird und dies auch verlautbaren.
    Dr. W wird insofern nicht gerne gehasst, hält dies aber aus, Sie, lieber Herr Dr. Blume wohl ebenfalls.

    Wem in der Sachdiskussion wenig einfällt, fällt oft doch ein seinen eigenen Hass zu benachrichtigen, was Dr. W als entlarvend ganz OK findet und ganz sicher nicht verboten werden sehen will.

    Am Rande notiert, Herr Dr. Michael Blume, Sie werden anscheinend teils gehasst, wie Dr. W findet ganz unbegründet, denn Sie sehen ja in alle Richtungen und auch bei gelegentlich tapsiger Ausdrucksweise leisten Sie i.p. Sacharbeit für viele annehmbar, auch Dr. W wurde gehasst, es gab da drei Personen, die seinen kleinen Kommentaren nachspürten und dann immer “einen draufsetzten”, Dr. W sei x-phob und x-istisch, ein Schwein, kein Bär, et cetera.
    Also Dr. W ließ dies abperlen, hat ein gewisses Interesse entwickelt an den Hassenden und an ihren Beweggründen dafür, abär kein so-o großes, auch weil sich diesbezüglich kaum sinnhaft theoretisieren ließ, gesellschaftspsychologisch zum Beispiel.
    Mittlerweile wird er auch nicht mehr im Web “gestalkt”.
    Webbaer gewonnen haben, Sie ebenfalls gewonnen haben werden tun, wenn diesbezüglich (weitgehend) indolent.

    MFG + weiterhin viel Erfolg!
    Dr. Webbaer (dem nicht entgangen ist, dass Sie auf der sog. Achse des Guten kürzlich gelobt worden sind – womöglich hat sein Einstehen für Sie und Ihre Person hier auch ein ganz, ganz wenig gewirkt, im Kleinen)

    • Vielen Dank, @Dr. Webbaer. Allerdings halte ich Menschen für zutiefst emotionale Wesen – wer behauptet, diese “zu Hause lassen” zu können, der versteckt und verdrängt diese m.E. nur, vielleicht gar vor sich selbst. So habe ich beispielsweise noch nie ernsthafte Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler erlebt, die zu ihrem oft anstrengenden Tun nicht auch durch Liebe zur Erkenntnis motiviert worden wären.

      Und wenn also schon Emotion(en), so scheint mir Liebe deutlich wertvoller als Hass zu sein. Selbst einem Hater, Antisemiten und Mörder wie dem Terroristen von Halle steht z.B. das Recht auf Menschenwürde und ein faires, rechtsstaatliches Verfahren dennoch zu. Der Rechtsstaat hat Hass entgegen zu wirken und diesen zu zügeln – und zwar im Bezug auf jeden einzelnen Menschen.

  12. @ M.B und zum Folgendenvon ihm:

    “…Selbst einem Hater, Antisemiten und Mörder wie dem Terroristen von Halle steht z.B. das Recht auf Menschenwürde und ein faires, rechtsstaatliches Verfahren dennoch zu. Der Rechtsstaat hat Hass entgegen zu wirken und diesen zu zügeln – und zwar im Bezug auf jeden einzelnen Menschen….” (Zitatende)

    So weit so gut. Dann würde mich aber auch Ihre Meinung zu den zahlreichen “Eliminierungen” von Terroristen im Verlauf ihrer “Habhaftwerdung” interessieren.

    • @little louis

      Wie Sie ggf. wissen, war ich auch selbst Soldat und lernte strikt: Der Feind ist solange ein Feind, solange von ihm tödliche Gefahr ausgeht. Ergibt er sich, so ist sein Leben als Kriegsgefangener unbedingt zu schützen, Wunden sind zu versorgen, Unterkunft und Verpflegung sind zu gewährleisten.

      Selbstverständlich verliert ein Ideal nicht dadurch an Bedeutung, dass es auch verletzt wird. Gerade aber der mutmaßliche Terrorist von Halle ist ja durch die Polizei lebendig gefasst worden, was den einschlägig Verschwörungsverkündern derzeit das Geschäft noch erschwert… (Sie werden selbstverständlich dennoch behaupten, das alles sei von Crisis Actors gefaked worden, das geht im Netz ja schon los. Wer sogar die Einsteinsche Physik für eine jüdisch mitbestimmte Weltverschwörung hält, lässt sich durch Fakten kaum mehr erreichen.)

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