Dürfen Politiker Helden sein? Das Kino weiß die Antwort!

BLOG: Natur des Glaubens

Evolutionsgeschichte der Religion(en)
Natur des Glaubens

Eine meiner schönsten Studienerinnerungen dreht sich um ein Seminar für Politikwissenschaft, in dem wir die Außenpolitik verschiedener Staaten vergleichen sollten. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, die politisch-kulturellen Unterschiede Deutschlands und der USA aufzuarbeiten, die – so die These – Politiker mit auch außen- und sicherheitspolitisch unterschiedlichen Erwartungen ihrer Wähler konfrontierten.

Um diese empirisch greifbar zu machen, verfiel ich auf – das Kino. Aus der Internet Movie Database extrahierte ich die Titel der jeweils 30 erfolgreichsten deutschen und US-amerikanischen Filme. Dann verglich ich, wie oft Politiker in den 60 Filmen vorkamen – und wie diese dargestellt wurden – als Opfer oder Akteure, gut oder böse, komisch oder heldenhaft. Die Tage des Auswertens, Kodierens und auch Anschauens der noch unbekannten Streifen habe ich in begeisterter Erinnerung…

Und dann waren auch noch die Befunde über-eindeutig: In deutschen Erfolgsfilmen (wie Otto oder Sonnenallee) kamen Politiker sehr selten vor – und wenn, dann in komischen und/oder bösen Rollen. Sie können selbst testen, wie stark Sie die Rollenerwartungen internalisiert haben – versuchen Sie sich dazu einfach einen Kinofilm vorzustellen, in dem sich ein deutscher Bundespräsident in einen Kampfjet schwingt, um an der Spitze einer internationalen Armada Aliens vom Himmel zu pusten oder in dem ein Bundeskanzler eigenhändig Terroristen aus dem Flugzeug prügelt… Das geht einfach nicht mit deutschen Politikern bzw. wird automatisch zur Komödie.

In den USA (und weltweit!) waren dagegen "Independence Day" und "Air Force One" mit genau diesen Handlungen Kassenschlager – und auch darüber hinaus mangelte es nicht an Erfolgsfilmen, in denen Politiker als Helden agierten. Und so lassen sich auch zeitgenössische Politikerbiografien wie der Aufstieg des neuen US-Präsidenten Barack Obama in größere Kontexte einbetten und als Heldengeschichte eindrucksvoll erzählen:

Politische Selbsterzählung

Für Deutsche (insbesondere der älteren Generationen) mag solcher Jubel um Politiker schwer verständlich oder gar erträglich erscheinen – zu gebrochen sind die Erinnerungen an braune und rote Diktatoren, die die deutschen Massen verführten oder zu Jubel zwangen. Auch die USA hatten ihre beklemmenden Zustände, aber die Demokratie hielt insgesamt stand und an der Überwindung von Sklaverei, Bürger- und Weltkriegen, Diskriminierung und Wirtschaftskrisen waren jeweils empathische Berufungen auf die Verfassung und Grundwerte und schließlich Präsidenten federführend beteiligt.

 So haben sich völlig unterschiedliche Selbsterzählungen und Rollenerwartungen im Bezug auf Politiker entwickelt: In den deutschen, zivilreligiösen Feiern, die nach wie vor vorwiegend um Erinnerungen an die Diktaturen und deren Verbrechen kreisen, geloben zerknirschte Bürger, fortan immer kritisch zu sein und sich nie wieder von Demagogen verführen zu lassen. Helden sind hier allenfalls im Widerstand "gegen" die jeweils Herrschenden zu finden, weil sie sich den Mächtigen und der Masse gleichermaßen entziehen – die Rolle des Politikers ist die des Mahners gegenüber aller Macht und Verführbarkeit. In den US-amerikanischen, zivilreligiösen Ereignissen spiegelt und feiert sich die Nation dagegen in ihren großen Politikern und Vordenkern selbst – nicht als schon perfekte Nation, aber als eine, die immer weiter strebt.

Was ist besser?

Mir scheint, dass beide Ansätze ihre Vor- und Nachteile haben. Sicherlich kann sich niemand ein Deutschland wünschen, das den unschuldigen Opfern seiner gebrochenen Geschichte nicht gedenken würde – und andere Nationen (wie z.B. die Türkei oder Japan), die dunkle Phasen ihrer Geschichte lange eher verdräng(t)en, zahlten und zahlen dafür einen hohen Preis nach innen und außen. Auch die USA haben lange gebraucht, um sich konstruktiv etwa mit dem Schicksal der Sklaven und deren Nachfahren, der amerikanischen Ureinwohner und anderer auseinander zu setzen. Aber auf der andere Seite braucht es positive Selbsterzählungen gerade auch, um die in allen freiheitlichen Gesellschaften wachsende ethnische, kulturelle und religiöse Vielfalt zu integrieren – und gerade auch deutsche Neubürger formulieren längst das Problem, sich emotional zu einer Gesellschaft bekennen zu sollen, die sich eigentlich oft noch ihrer selbst schämt.

Womöglich sollten wir Deutschen uns selbst wie auch anderen Nationen wieder zugestehen, eine positivere (d.h. erwartungsvollere und also gerade nicht unkritischere) Haltung zu demokratisch gewählten Politikern, Erzählungen und Ritualen zu pflegen. Ob es eine ideale Balance des zivilreligiösen Erinnerns zwischen Stolz und Scham in einer Demokratie gibt und wie diese aussehen würde – vielleicht werden sich Seminare der Zukunft ja einmal mit diesen Fragen auseinander setzen. Wenn auch Analysen von Filmmaterial dabei einfließen dürfen, wäre ich gerne wieder dabei! 🙂

Michael Blume

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Zuletzt erschienen "Islam in der Krise" (2017) und "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019). Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt... Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

18 Kommentare

  1. toller artikel

    hallo zusammen!
    ich wollte mich einmal schnell für den artikel bedanken!fand ihn sehr interessant!
    LG

  2. Da ist was wahres dran. Allerdings würde ich noch einen Unterschied zwischen den ehmaligen West- und Oststaaten machen. Im Osten gab es noch Heldenepen, Geschichte großer Männer usw.

    Die meisten Deutschen haben ein kühles Verhältnis zu ihren Politikern. Allerdings ist auch einer sehr beliebt. Helmut Schmidt. In einem Kampfjet will den sicher keiner sehen, aber er scheint doch viele Eigenschaften zu haben, die wir uns von einem Spitzenpolitiker, einem Führer des Volkes wünschen (Hilfe, ich habe das Wort Führer benutzt). Und wenn wir diesen mit den aktuellen Politikern vergleichen, dann … ich höre jetzt besser mal auf.

  3. Vatermörderkultur

    Hallo!

    Die Unterschiede zwischen dem Bild der Politiker in den USA und in Deutschland basieren m. E. auf handfesten Unterschieden im politischen System:
    – Wer eine Kanzlerin/einen Kanzler und/oder Präsidenten nicht selbst wählen darf, spuckt im gerne und mit recht – bildlich gesprochen – häufiger ins Gesicht.
    – Wer de facto nur Listen abnicken darf, aber gleichzeitig immer noch auf die substanzielle Einlösung des großen demokratischen Versprechens warten muss, der findet nicht nur die Köpfe ganz oben, sondern auch die Politiker insgesamt, nicht glaubwürdig.

    Die folgen sind das, was ich die Vatermörderkultur in Deutschland nennen möchte: eine eingebaute Einübung der Respektlosigkeit oder gar Verachtung gegenüber den eigenen Führungsleuten.

    Eigentlich ganz normal.

  4. @ primus: Vielen Dank!

    Solche Ermutigungen sind wirklich wichtig, weil sie einem Blogger zeigen, dass es den Einsatz wert ist und außerdem Hinweise geben, was die Menschen wie interessiert.

    Herzlichen Dank also für die Rückmeldung!

  5. @ Martin: Helmut Schmidt

    Lieber Martin,

    so sehr ich Dir in der Einschätzung von H. Schmidt zustimme – zu seiner Zeit war er furchtbar unbeliebt, wurde aus seiner eigenen Partei heraus attackiert – man denke nur an Oskar Lafontaine (damals noch SPD), der ihm öffentlich vorwarf, mit seinen “Sekundärtugenden” könne man “auch ein KZ betreiben.” Breitere Anerkennung hat auch H. Schmidt erst bekommen, “nachdem” er an der Macht war.

  6. @ schulterzucken: Wahlsystem

    M.E. ist das deutsche Wahlsystem ja gerade ein Ausdruck des massiven Mißtrauens gegenüber Politikern: Es zwingt sie in endlose Gremien- und Funktionärssitzungen, Koalitions- und Vermittlungsausschußverhandlungen und läßt zentrale Führungsämter fast immer indirekt vergeben. Gleichzeitig gibt es aber auch keine Amtszeitbegrenzungen. Die Folge ist ein sehr stabiles, aber damit meist auch wenig dynamisches Agieren.

    Aber auch hier ist Wandel möglich. So haben sich Elemente der süddeutschen Ratsverfassungen wie die Direktwahl von (Ober-)Bürgermeistern und die Persönlichkeitswahl von Kommunalparlamenten durchaus bewährt und in vielen nord- und ostdeutschen Ländern durchgesetzt und es gibt Versuche, Kompetenzverflechtungen etwa zwischen Bund und Ländern zu lösen und damit klarere Verantwortlichkeiten zu schaffen. Auch können wir noch nicht einmal erahnen, wie das Internet die politische Kommunikation und Kultur der Zukunft beeinflussen wird. Völlig statisch ist unser demokratisches System m.E. sicher nicht – und nach Verbesserungen können und sollten wir Bürgerinnen und Bürger selbst suchen, statt sie in obrigkeitsstaatlicher Tradition nur “von oben her” zu ersehnen.

  7. Ich fand deinen Ansatz sehr originell und nicht nur das, auch sehr zutreffend.
    Helmut Schmidt – das hat sich gewandelt. Wer einmal versucht hat, mit ihm mitzuhalten, wenn er während einer dreiviertel Stunde Beckmann zwei Schachteln oder so verqualmt hat, der hat einen ganz neuen Respekt vor ihm. Nicht wegen des Qualmens, wegen des Alters 🙂
    Nein, jetzt im Ernst, ich finde schon, dass eine Umbewertung von Schmidt stattgefunden hat. Wie du auch selbst sagst, das kam aber erst wohl eher im Ruhestand Schmidts, aber das ist vielleicht normal, dass man Politiker erst im Nachhinein richtig würdigen kann.
    Im Nachhinein war Kohl ja auch nicht so schlecht*hüstel* (hm, naja), wahrscheinlich aber, weil man sich besser damit abfindet, dass sie halt grad zu der Zeit Politiker WAREN.

  8. @ Elsa

    Ja, (auch) da sind wir einer Meinung. Wir Deutschen haben aus unserer Geschichte ein grundsätzliches Mißtrauen gegen “die Politiker” abgeleitet, denen wir erst dann (manchmal) Respekt zollen, wenn sie nicht mehr aktiv sind – und halten das für eine demokratische Errungenschaft.

    Zunehmend frage ich mich aber, ob dies die einzige und richtige Lehre aus unserer Geschichte ist. Immerhin ging doch die Weimarer Republik genau daran zugrunde, dass es eben an breiter Unterstützung von Demokraten wie Ebert, Bolz, Heuss etc. und an Begeisterung für die freiheitliche Verfassung mangelte! Anstatt z.B. den Dolchstoßlegenden der extrem Rechten oder den Klassenkampfparolen der extrem Linken auf den Leim zu gehen, hätte es doch mehr Menschen gebraucht, die für die tapferen Streiter der Mitte auch Begeisterung aufgebracht hätten. Heute auch gestandene Demokraten immer wieder implizit in Bezug zu roten und braunen Diktatoren zu stellen (wie es Lafontaine mit Bezug auf Schmidt tat), erscheint mir zunehmend zweifelhaft.

  9. @ Blume

    In seiner Partei war Schmidt nur teilweise beliebt, das stimmt. Aber das ist doch in der SPD nichts ungewöhnliches. Das war doch schon immer so. Die SPD besteht immer schon aus zwei großen Flügel und sie geht mit ihren führenden Köpfen nicht pfleglich um. Müntefering hat seinen Generalsekretär nicht bekommen, da haben Nahles und Heil für gesorgt – und sie wurden mit neuen Posten belohnt, einfach unfaßbar – und auf Beck gehe ich nicht weiter ein, sondern schmeiß einfach nur seinen Namen in die Runde.
    Innerhalb der Bevölkerung war Schmidt doch recht beliebt, zumindest in meinem Umfeld.

    Zu Schmidt bleibt nur zu sagen – paßt ja bei den Chronologs etwas in der Geschichte zu wühlen – daß er nicht so richtig demokratisch abgelöst wurde, sondern Wendehals Genscher dafür gesorgt hat. Kam in der FDP (damals noch F.D.P.) nicht überall gut an, Verheugen und Matthäus-Meier beispielsweise haben sich gleich von der FDP verabschiedet und der SPD angeschlossen.

    Und dann kam der Dicke, die Wende, ich kann mich noch an die ganzen Plakate erinnern und an die vielen Leute, die so sehr gehofft haben und wie enttäuscht sie dann waren.

  10. @ Elsa

    Ja, der Kohl, wie war das noch ganz zu Anfang mit seinem Black Out, als es um die Flick Gelder ging? Und wie war das noch ganz zum Schluß, als er die Aussage verweigerte, weil er sein Ehrenwort gegeben hat. Sein Wort gilt also mehr als die Verfassung, sehr interessant.

    Worauf sollen wir das Volk nochmal stolz sein?

    Kohl beherrschte zwei Dinge meisterlich. Wenn jemand neben ihm hochkam, war er bald von der Bildfläche verschwunden. Mit diesem Machtvakuum hat die CDU heute noch zu kämpfen. In Punkto Machterhalt machte ihm keiner was vor.
    Und dann traf er bei der sich anbahnenden Wiedervereinigung meistens die richtigen Entscheidungen und überraschte damit die Vertreter der alten Siegermächte. So kannte ich ihn ehrlich gesagt auch nicht. Von welchem guten Geist mag er da nur beseelt worden sein.

    Aber ansonsten bin ich froh, daß er weg ist. Leider ahmt seine Nachfolgerin ihm zu sehr nach. Viele Dinge werden einfach ausgesessen. Wenn man mal sieht, was rot-grün unter Schröder alles für Entscheidungen verabschiedet hat, von denen Merkel später profitierte, dann ist die jetzige Regierung im Vergleich doch sehr blaß. Die haben fast gar nichts gemacht. Außer bei der Gesundheitsreform (ich bin übrigens dafür dem Wort “Reform” in Zusammenhang mit der Politik eine neue Bedeutung zuzuteilen. Die dumme Masse muß mehr Geld für weniger Leistung bezahlen, das ist eine “Reform”) ist nicht viel passiert. Und wegen der Finanzkrise neue Schulden aufzunehmen, das ist keine herausragende Leistung, das kann ja wohl jeder.

  11. @martin.

    Ja, na klar wegen Kohl. Das war echt nur ironisch von mir gemeint. Kein Wort mehr dazu.
    Ich mag Schmidt, ich mag Genscher, ich mag sogar Joschka. Ich habe neulich gerade ein Interview mit Joschka in der Zeit gelesen zum Israel-Gaza-Konflikt, da kann ich nur sagen, so dezidiert, so klar und so (jedenfalls in meinen Augen, kann man sich wohl streiten) neutral und luzide, wo sind diese Außenminister heute.
    Mit der Großen Koalition bin ich nicht so unzufrieden wie du, da ich meistenteils in Italien wohne und von daher derb anderes gewohnt bin *gg

  12. @ Martin & Elsa

    Elsa schrieb: “Mit der Großen Koalition bin ich nicht so unzufrieden wie du, da ich meistenteils in Italien wohne und von daher derb anderes gewohnt bin *gg”

    Und genau DAS erlebe ich (gerade auch wieder im Austausch mit den Kollegen z.B. aus Afrika oder den arabischen Ländern) eben auch so: Wir jammern auf hohem Niveau!

    Natürlich kann und muss Politik immer noch besser sein. Aber wir Deutschen schaffen es, nach einem halben Jahrhundert Aufstieg, Frieden, Wohlstand immer noch laut zu klagen, wie schlecht wir, unser System und unsere Politiker doch wären… Und wundern uns dann, warum es unserem Land oft an Schwung fehlt. Wer sich selbst nicht mag, wie will der sich oder gar andere begeistern?

  13. Ich tippe, dass heldenhafte Politiker häufig auch über großes Charisma verfügen und damit agieren. Sie sind auch empfindlich für das feedback des Publikums und Populismus. Es würde mich nicht überraschen, wenn charismatische Politiker mehr Fehlentscheidungen vertreten als graue Mäuse.

  14. @ adenosine: Ja! 🙂

    Liebe adenosine,

    ja, das US-amerikanische Präsidialsystem hat ja sowohl sehr erfolgreiche wie auch scheiternde Amtszeiten hervor gebracht. Und auch die deutsche Direktwahl von OBs hat eine Menge hervorragender Amtschefs, aber eben in einigen Fällen auch jahrelange Einzelgänge und Zerwürfnisse produziert. Die Ausschläge noch oben und unten können umso stärker ausfallen, umso mehr Spielraum den handelnden Personen eingeräumt wird. In Deutschland haben wir jedoch die paradoxe Situation, dass wir die Handelnden in Gremien- und Koalitionszwängen einkasteln – und uns dann darüber beklagen, dass sie zu wenig bewegen würden… 😉

  15. @ Elsa

    “Ja, na klar wegen Kohl. Das war echt nur ironisch von mir gemeint. Kein Wort mehr dazu.”

    Ich weiß, aber ich wollte unbedingt mal was über Kohl schreiben.

  16. @ Blume

    Natürlich gibt es Länder, wo es mit der Politik schlechter aussieht. Ich habe die DDR erlebt und ich weiß auch, was ich da rede. Ich sehe es nur nicht ein, warum das Schlechte der Fixpunkt sein soll. Diese Argumentation begegnet mir in letzter oft und ich kann es nicht mehr hören. Es könnte ja alles viel schlimmer sein.

    Desweiteren habe ich nicht unsere Politiker mit Politikern anderer Länder verglichen, sondern unsere verschiedenen Politiker untereinander und da stelle ich fest, die einen bewegen viel und andere sind überwiegend bemüht ihre Macht zu erhalten und sich darzustellen, bewegen also nicht so viel. Da kann man sich nicht mit der Systemfrage herausreden, gell. 🙂

  17. @ Martin: Nicht auseinander 🙂

    Lieber Martin,

    Du schriebst: “Ich sehe es nur nicht ein, warum das Schlechte der Fixpunkt sein soll.”

    Genau darum geht es ja! Anstatt nur zu jammern und “das Schlechte zum Fixpunkt” zu machen, könnten wir doch auch einmal das Gute bzw. Geleistete in den Blick nehmen und einen gesunden Optimismus entwickeln.

    “Diese Argumentation begegnet mir in letzter oft und ich kann es nicht mehr hören. Es könnte ja alles viel schlimmer sein.”

    Schön zu hören. Denn wenn ich oft uns Deutsche jammern höre, scheinen wir das manchmal zu vergessen. Unsere Probleme würden sich andere Nationen wünschen!

    “Desweiteren habe ich nicht unsere Politiker mit Politikern anderer Länder verglichen, sondern unsere verschiedenen Politiker untereinander und da stelle ich fest, die einen bewegen viel und andere sind überwiegend bemüht ihre Macht zu erhalten und sich darzustellen, bewegen also nicht so viel.”

    Ja, genau so sehe ich es auch. Und will gute Politik(er) ebenso anerkennen wie schlechte kritisieren dürfen, statt sie nur pauschal abzuwerten (“die Politiker” usw.). Es gibt sehr gute darunter, und zwar auf allen Ebenen!

    “Da kann man sich nicht mit der Systemfrage herausreden, gell. :-)”

    Yo, sehe ich auch so. Es kommt ja immer darauf an, was eine(r) aus den gegebenen Umständen macht. Und mancher läuft auch erst bei den richtigen Herausforderungen zur Form auf – siehe Kohl und die Wiedervereinigung. Aber Teil unseres “Systems” ist eben auch, wie wir miteinander und mit Politikern umgehen und welches Bild wir z.B. unseren Kindern vermitteln. Wenn wir über die Menschen, die sich zu Wahlen stellen und davor meist Abertausende Stunden ehrenamtlich Politik gestaltet haben, mit einer Haltung von Verachtung und Mißtrauen begegnen, werden wir m.E. kaum die Besten der Besten gewinnen, die sich das antun. Schon heute verdient ein Sparkassendirektor mehr als ein Bundeskanzler – nur hat der erstere zusätzlich freie Wochenenden, geregelten Jahresurlaub und Anerkennung, während der letztere fast jedes Privatleben aufgeben muss, kaum freie Zeit behalten kann und oft unsachliche und persönliche Polemiken einstecken muss.

    In einer Demokratie sind “wir” die Politiker, Martin – und letztlich fallen also die Maßstäbe, die wir an anderen anlegen, auch immer auf uns zurück. Und ich finde, wir Deutsche sollten zu uns und den von uns Gewählten wieder ein Stück mehr Vertrauen fassen! 🙂

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