China zwischen demografischer Geburtenimplosion und KI-Robotik-Zukunft

Immer noch gerne erinnere ich mich an eine Reise mit einer Delegation der Jungen Union ins “Reich der Mitte”, nach China. Wir wunderten uns damals über das große Interesse auch hochrangiger Gesprächspartner in Peking – bis wir verstanden, dass viele KP-Mitglieder vom Anwachsen der Religionen berührt waren und von uns Christdemokratinnen & Christdemokraten wissen wollten, wie sich Religion und Politik ergänzen können.

In Shanghai erwarb ich mir damals auch ein “kleines, rotes Buch”, eine deutschsprachige Ausgabe der “Worte des Vorsitzenden Mao Tse-Tung”. Und dort finden sich auch folgende Sätze einer Rede Maos am 18. November 1957 in Moskau mit dem Titel: “Genosse Mao Tse-tung über ‘Der Imperialismus und alle Reaktionäre sind Papiertiger'” (S. 89 – 90):

Zwei Bücher. Links "Wir verlieren unsere Kinder!" von Silke Müller aus Deutschland, rechts "Worte des Vorsitzenden Mao Tse-Tung" aus China.

Rechts das kleine, rote Buch “Worte des Vorsitzenden Mao Tse-tung” aus China, links eine Warnung von Silke Müller vor der toxischen Wirkung antisozialer Konzernmedien: “Wir verlieren unsere Kinder! Gewalt Missbrauch Rassismus – Der verstörende Alltag im Klassen-Chat”, Droemer (2023 / 2025). Foto: Michael Blume

Das Papiertiger-Zitat lautet wie folgt:

“Ich sagte, daß alle angeblich mächtigen Reaktionäre nur Papiertiger sind. Der Grund dafür liegt in ihrer Loslösung vom Volk.

Sehen Sie, war Hitler nicht ein Papiertiger? Wurde Hitler nicht geschlagen?

Ich sagte auch, daß der Zar, der chinesische Kaiser und der japanische Imperialismus Papiertiger gewesen sind. Wie Sie wissen, wurden sie alle gestürzt.

Der USA-Imperialismus ist noch nicht niedergeschlagen. Er hat noch Atombomben.

Ich denke, auch er wird niedergeschlagen werden. Er ist auch ein Papiertiger.”

Knapp sieben Jahrzehnte später sieht die Realität komplexer aus: Noch immer regiert die Kommunistische Partei in China, aber die lange vom Westen fossil finanzierte Sowjetunion ging unter. Und auch China selbst leidet unter einer massiven Schwäche der Binnennachfrage und drohender Deflation, die vor allem auf die schnell verebbenden Geburtenzahlen des Reiches zurückgehen:

Bevölkerung schrumpft
Geburtenrate in China sinkt auf historischen Tiefstand

Noch nie gab es in China seit der Gründung der Volksrepublik eine so niedrige Geburtenrate. Die Bevölkerung schrumpft ebenfalls seit Jahren. Für die chinesische Wirtschaft ist das ein großes Problem.

Chinas Geburtenrate ist im vergangenen Jahr auf einen historischen Tiefstand gesunken. Je 1.000 Einwohner kamen nur noch 5,63 Kinder zur Welt, wie das Statistikamt in Peking mitteilte. Damit ist die Rate auf dem tiefsten Stand seit Gründung der Volksrepublik im Jahr 1949.

Einige Gründe dafür sind die hohen Kosten für die Kindererziehung, der teure Wohnraum, aber auch die wirtschaftliche Unsicherheit unter jungen Menschen.

Während es im vergangenen Jahr 7,92 Millionen Neugeborene gab, starben auch 11,31 Millionen Menschen in China. Zudem schrumpfte die chinesische Bevölkerung im vierten Jahr in Folge. Auch die Zahl der Hochzeiten sank weiter.”

Laut diesen offiziellen Zahlen – die wahrscheinlich längst geschönt sind – verzeichnete China in 2025 einen Sterbeüberschuss von weit über drei Millionen Menschen, über 9.000 Seelen pro Tag! Längst ist das Land an Bevölkerungszahl hinter Indien zurückgefallen. Und China “muss” intensiv exportieren, da sonst die Wirtschaft des Riesenreiches mangels Nachfrage zusammenbrechen, die bereits hohe Jugendarbeitslosigkeit eskalieren würde.

Ist nun also die KP Chinas selbst zum “Papiertiger” geworden?

Nicht so schnell – denn erst vor wenigen Tagen hat China mit seiner Gala zum chinesischen Mond-Neujahr die Welt geschockt. Roboter von insgesamt vier chinesischen Firmen präsentierten atemberaubende Fortschritte gegenüber ersten Präsentationen – vor einem Jahr!

In einer atemberaubenden Liveshow führten chinesische Kinder & Roboter der Firma Unitree gemeinsam Kung-Fu auf. Das große H2-Modell in der Mitte agierte als Schwertmeister, davor aber auch als Affenkönig Sun Wukong. Im Hintergrund sind G1-Roboter "AI Avatar" von Unitree zu sehen, die unglaubliche Kung-Fu-Leistungen dargeboten haben.

In einer atemberaubenden Liveshow führten chinesische Kinder & Roboter der Firma Unitree gemeinsam Kung-Fu auf. Das große H2-Modell in der Mitte agierte als Schwertmeister, davor aber auch als Affenkönig Sun Wukong. Im Hintergrund sind G1-Roboter “AI Avatar” von Unitree zu sehen, die unglaubliche Kung-Fu-Leistungen dargeboten haben. Screenshot & Links: Michael Blume 

Seitdem fragen sich immer mehr Menschen weltweit, wozu KI-gestützte Roboter in wenigen Jahren in der Lage sein werden.

Da mich KI-Berufs- und Medienethik und die noch falsche Angebots-Orientierung der meisten Wirtschaftspolitik sehr interessieren, fragte ich auf Mastodon:

Während der AfD – Unterstützer Elon Musk nicht nur in der US-Politik, bei X, Tesla und Optimus-Robotern zunehmend stolpert, schockte die chinesische Neujahrs-Gala 2026 u.a. mit schnellen Kung-Fu-Fortschritten durch gleich vier Robotik-Firmen gegenüber ersten Präsentationen in 2025.

Wo siehst Du Drohnen & Roboter (ggf. mit KI) innerhalb der nächsten fünf Jahre im Einsatz? (Mehrfachantwort möglich)

Mastodon-Umfrage durch Dr. Michael Blume vom 21.02.2026 zum 22.02.2026 mit dem Text: Während der AfD - Unterstützer Elon Musk nicht nur in der US-Politik, bei X, Tesla und Optimus-Robotern zunehmend stolpert, schockte die chinesische Neujahrs-Gala 2026 u.a. mit schnellen Kung-Fu-Fortschritten durch gleich vier Robotik-Firmen gegenüber ersten Präsentationen in 2025. Wo siehst Du Drohnen & Roboter (ggf. mit KI) innerhalb der nächsten fünf Jahre im Einsatz? (Mehrfachantwort möglich)

Mastodon-Umfrage von Dr. Michael Blume am 21.02.2026 zum Robotik-Fortschritt in China. Screenshot: Michael Blume

So nahmen bereits 80 Prozent der Antwortenden für “Polizei & Armee, ‘Sicherheit'” einen nahen (oder bereits geschehenden!) Einsatz “von Drohnen & Robtern (ggf. mit KI) innerhalb der nächsten fünf Jahre” an. 69 Prozent vermuteten einen Einsatz in der “Produktion”, 49 Prozent im Bereich von “Dienstleistungen” und bisher nur drei Prozent in Fragen von “Demografie (künstl. Gebärmütter)”.

Gehen wir also auf die auch wirtschaftlich beste Zeit der Menschheit zu – oder erwartet uns umgekehrt ein “Butlerian Jihad”, wie Frank Herbert (1920 – 1986) in seiner “Dune”-Reihe einen Mehr-Generationen-Aufstand der Menschen gegen Computer, Roboter & KIen nannte?

Ich biete auch eine SWR-Reportage mit dem Titel “Können KI, Robotik und Rüstung die Wirtschaft retten? Zur Sache Baden-Württemberg” an. Hier erfahren wir u.a. von Aitad aus Offenburg und der rapide wachsenden Firma Neura Robotics aus Metzingen.

Werden sie und andere dauerhaft mehr Arbeitsplätze schaffen – oder werden wir das Verhältnis von Erwerbs-, Familien- und Sinnarbeit (Ehrenamt) ganz neu erfinden?

Ich freue mich auf Ihre Einschätzungen und unseren Dialog!

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

86 Kommentare

  1. Sinkende Bevölkerungszahl bedeutet sinkende Nachfrage, sinkender Rohstoffverbrauch, sinkender Energieverbrauch, sinkender Arbeitsaufwand, und sinkende Umweltbelastung.
    Das sind grundsätzlich positive Entwicklungen.
    Das konservative Festhalten an Arbeitsplätzen, Lohnarbeit, und an der klassischen Geldwirtschaft ist für diese Entwicklungen schlecht geeignet.
    Die völlig freigiebige post scarcity society beruht auf der Arbeit der Maschinen.
    Nur ein Teil der Maschinen muss dabei intelligent oder menschenähnlich sein.
    Nicht der einzelne Roboter, sondern das Gesamtsystem aller Produktionsanlagen stellt das selbst-reproduzierende System dar.

    • Vielen Dank, @Karl Bednarik 🙏

      Ich stimme zu, dass wir uns durch die säkulare Geburtenimplosion und die schnellen Entwicklungen von KI und Robotik im Übergang zu einer Post-Scarcity (Nach-Mangel)-Gesellschaft, einer zurückgehenden Nachfrage und eskalierenden Überflussgesellschaft befinden.

      Allerdings zeigt die aktuelle Rechtsmimesis, dass eine gerechte Verteilung der Güter und Arbeitszeiten nicht von selbst erfolgt. Bisher profitieren vor allem Überreiche und Erben, wogegen ärmere, jüngere und nicht-erbende Menschen weiterhin ökonomisch unter Druck gesetzt werden.

      Eine Meldung von heute:

      In einer aktuellen repräsentativen Insa-Blitzumfrage für “Bild am Sonntag” stimmten 55 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass man sich in Deutschland keine Kinder mehr leisten könne. 34 Prozent widersprachen, elf Prozent sind unentschieden.

      Als Hauptgrund nannten 81 Prozent der Befragten hohe Lebenshaltungskosten wie Miete, Lebensmittel und Energie. 59 Prozent sehen zudem Steuern und Abgaben als wesentliche Belastung. 48 Prozent halten die staatliche Unterstützung für Familien für nicht ausreichend. 58 Prozent der Befragten beklagten darüber hinaus fehlende Kita- und Betreuungsplätze. Während in Westdeutschland weiterhin Betreuungsplätze für rund 15 Prozent der unter Dreijährigen fehlen, werden in Ostdeutschland wegen sinkender Geburtenzahlen vereinzelt Einrichtungen geschlossen.

      https://www.focus.de/finanzen/insa-umfrage-kinder-fuer-mehrheit-der-deutschen-nicht-mehr-bezahlbar_db92d366-9db5-4593-b97a-fdeeca08822c.html

      Aus meiner Sicht bräuchte es also dringend und auch zur Stabilisierung der verbleibenden Demokratien gegen die irreführende Rechtsmimesis ein Bündel mutiger Maßnahmen:

      1. massive Investitionen in erneuerbare Friedensenergien und europäische FOSS-Technologien, um als EU nicht länger unter der Abhängigkeit von fossilen Diktaturen, Terrorgruppen und oft antisozialer, v.a. US-amerikanischer und chinesischer Konzerne zu leiden,

      2. eine gerechtere Gestaltung der Erbschaftssteuer nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes,

      3. eine bessere Bezahlung, Ausbildungs- und Einstellungsoffensive in die Mangelberufe von Bildung und Betreuung, Gesundheit und Pflege,

      4. eine Erhöhung der Nachfrage durch eine Umkehrung der Umverteilung zugunsten der ärmeren und jüngeren Menschen, sprich: höhere Einkommen für Familien,

      5. neue Arbeitszeit- und Lebensmodelle, die auch wieder Raum für Familien- und Sinnarbeit neben der Erwerbsarbeit schaffen.

      Mir ist bewusst, dass diese Ideen gegen den noch dominierenden Fossilismus, Petromaskulikismus, Angebots- und Wettbewerbsansatz stehen, der seit den 1990er Jahren das globale Denken beherrscht und auch von Konzernmedien im Sinne der Überreichen gezielt befeuert wird. Aber ich habe ja auch bei erneuerbaren Friedensenergien Hartnäckigkeit und einen langen Atem bewiesen! 😉🙂🙌

      • Ein Weg in die post scarcity society führt über das bedingungslose Grundeinkommen.
        Die Finanzierung dieses Grundeinkommens sollte nicht über Steuern erfolgen, sondern über staatliche, automatische Produktionsstätten.
        Auf diese Weise muss man niemand etwas wegnehmen.
        Der geduldige, persönliche KI-Privatlehrer ist ja bereits jetzt realisierbar.
        Viel Freizeit und viel Freiheit verringert den Druck zur Aggression.
        Aggressive Menschen wehren sich nur gegen irgend eine Belastung.
        Mangelzustände führen zu Neid und zu radikalen Lösungsversuchen.

        • Danke & ja, @Karl Bednarik – im Bereich der Bildung, Sicherheit und Politik (Sinn & Gemeinschaft) bestehen ja bereits vorwiegend „staatliche Produktionsstätten“ wie Schulen, Polizeistationen und Parteien. Leider fehlt es jedoch bereits jetzt in Deutschland an Lehrenden und Betreuenden, an Polizistinnen & Polizisten und werden auch Parteien überwiegend ehrenamtlich & aus Mitgliedsbeiträgen sowie Spenden finanziert, also ärmere und jüngere Menschen häufig an den Rand gedrängt.

          Über den Einsatz von KI in Schulen & Kirchen hatte ich ja gerade erst im IPAI Heilbronn gesprochen:

          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/ki-bildung-science-fiction-bildungsneid-rede-zur-psychologie-der-mimesis/

          Ich stimme Ihnen also zu, dass auch die neuen Technologien unglaubliche Potentiale erschließen können. Allerdings gelingt die post-fossile Transformation gerade auch unter den Bedingungen demographischer Schrumpfung nicht von alleine. Hier gibt es noch große Gefahren und politisch-wirtschaftliche Herausforderungen zu meistern!

  2. @ Karl Bednarik 22.02.2026, 08:01 Uhr

    Ich sehe praktisch alles genau wie es Sie im Beitrag beschrieben haben.

    Zitat: „Das konservative Festhalten an Arbeitsplätzen, Lohnarbeit, und an der klassischen Geldwirtschaft ist für diese Entwicklungen schlecht geeignet.“

    Auch das stimmt. Das System hat sich recht gut bewährt, Probleme beim „Geldsystem“ (dass offenbar die Komplexität zu wenig berücksichtigt) sind offensichtlich.

    In der Elektrotechnik wird die relativ geringe Komplexität (z.B. Wirkleistung, Blindleistung, Scheinleistung) recht banal mathematisch behandelt. Beim Geldsystem verhält es sich weitaus komplexer.

    Welche Problemlösungsansätze würden Sie vorschlagen? Z.B. eine Art „virtuelles“, KI gesteuertes „Gutscheinsystem“?

  3. Wenn China so weitermacht, haben wir e-Autos, autonome Roboterhelfer aus China – die unserer Entwicklung überlegen sind – dystopisch gesprochen- in 15 Jahren fahren immernoch Dieselcars in Deutschland und wenn man in China Urlaub macht, erscheint ein 1-Parteisystem immer attraktiver – da technologisches Utopia?
    Um hier mithalten zu können, muss die Politische Regulierung nicht 5 Jahre hinterher hinken. Welche Rechte haben Personen – wenn ein Haushaltsroboter z.b. was kaputtschlägt? Wann haftet eine Firma?

    Dies wird hoffentlich bald Behörden beschäftigen.

  4. Gerade im Umfeld der KI, aber sicher auch in weiteren Feldern unseres Wirtschaftens, kommt es ja auf das leitende Interesse an.

    Wenn das Geld und die Vermehrung davon das Interesse bestimmt, wird viele eher schwieriger und Menschen erleben verstärkt Ausbeutung, als Nebeneffekt dieses Interesses, welches man ja auch so beschreiben könnte.

    Dazu gibt es für den aktuellen Hype um den Ausbau der KI, insbesondere von LLM’s, einen Beitrag eines Science Fiction Autors Corey Doctorow https://pluralistic.net/2025/12/05/pop-that-bubble/

    Er nutzt das Bild des Zentauer aus der griechischen Mythologie, um zu verdeutlichen, was passiert, wenn das Geld das Handeln prägt.

    Wesentlich wäre ja, das Interesse in Richtung einer Generativität zu entwickeln, also zu einer Ausrichtung zu finden, das Gesamtsystem in einem besseren Zustand zu hinterlassen, als man es vorgefunden hat. Dieses Interesse hat in den meisten Kontexten unserer Welt in den letzten Jahrhunderten gefehlt und damit sind diese auf Dauer Papiertiger, um einen Begriff aus dem Blogbeitrag aufzugreifen.

    Denn kein Kontext kann auf Dauer existieren, wenn er übernutzt wird. Diese Perspektive ist mir durch Gedanken von Brian McLaren und seinem Buch LIFE after DOOM bewusster geworden. Daher habe ich auch eine Inhaltsangabe für dieses Buch zusammengestellt, weil ich glaube, es lohnt sich, diese Gedanken für sich zu bewegen. Bei Interesse hier: https://hgu2read.de/interessen/interessen/lebensspur/lad-inhaltsangabe/

    • Vielen Dank und Zustimmung, @HG Uncken 🙏🙌

      Besonders wichtig scheint mir der Satz zu sein:

      “Wenn das Geld und die Vermehrung davon das Interesse bestimmt, wird viele eher schwieriger und Menschen erleben verstärkt Ausbeutung, als Nebeneffekt dieses Interesses, welches man ja auch so beschreiben könnte.”

      Einen meiner ersten Vorträge zum Thema “Finanzen, Werte & Fertilität” erfolgte am 13. Januar 2009 beim Institut für Haushalts- und Konsumökonomik an der Universität Hohenheim. Meine damals verwendeten Folien sind dort erfreulicherweise immer noch online:

      https://www.uni-hohenheim.de/fileadmin/einrichtungen/hcecon/Dateien_und_Bilder/Dateien/HKoe/Religion_und_Fertilitaet.pdf

      Damals konnte ich einerseits aufzeigen, dass etwa die Furcht vor einer “demografischen Islamisierung” Europas unbegründet waren – die Geburtenraten auch unter muslimischen und konkret türkischen Menschen waren längst ebenfalls unter die sog. Bestandserhaltungsgrenze von 2,1 Geburten pro Frau eingebrochen. Auch islamisch geprägte Gesellschaften taumeln gerade reihenweise in die demografische Traditionalismusfalle. Die einzige Demokratie, die derzeit noch kinderreich wächst – ist Israel.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/israel-thymotische-religionsdemografie-und-das-saekulare-verebben/

      Meine zentrale These damals in Hohenheim war jedoch, dass durch die weltweit absackenden Geburtenraten die Sparguthaben Älterer sehr viel schneller wachsen würden als der Investitions- und Kreditbedarf Jüngerer. Daher würde es zu Jahrzehnten niedriger, mitunter sogar negativer Zinsen kommen. Diese heftige Prognose kleidete ich in eine “lustige” Folie mit der Aufschrift (S. 4):

      „Erst wenn das letzte Kind geboren wurde, werdet Ihr merken, dass sich Geld nicht selbst verzinst!“
      – Prophezeiung vom kleinen Häuptling Kapi-Tal

      Zuvor hatte ich bereits 2008 bei der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) einen Artikel zu “Glauben und Demografie” veröffentlicht, der vor allem die Bedeutung von Religionsfreiheit und religiöser Vielfalt für Post-Wachstumsgesellschaften betonte. Auch dieser steht weiterhin online:

      https://www.kas.de/documents/252038/253252/7_dokument_dok_pdf_13362_1.pdf/a44d3e73-7322-c456-e90a-23f5261c9e1c

      Allerdings zeigt doch gerade auch das Beispiel Japan, wie weiterhin die demografischen Realitäten rechtsmimetisch verdrängt werden.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-51-arbeit-demografie-und-deindustrialisierung-am-beispiel-japan/

      Ich denke, es wird noch länger dauern, bis sich auch in den ökonomischen Diskussionen die einseitigen, Angebots-orientioerten Fixierungen auf mehr Produktion und Produktivität, Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit gelöst haben. So schreibt aktuell auch Torsten Riecke im Handelsblatt, als gäbe es irgendeinen Handel ohne Nachfrage:

      Warum KI den demografischen Wandel nicht ausgleichen wird

      Deutschlands Bevölkerung schrumpft, das gefährdet Wachstum und Wohlstand. Die Hoffnungen ruhen auf KI, doch Forscher halten das für abwegig – auch, weil wir die Technologie falsch nutzen. […] Wollen wir unseren Wohlstand sichern, brauchen wir also zusätzliche Produktivitätsfortschritte. Entscheidend ist, Künstliche Intelligenz so einzusetzen, dass sie unsere Arbeitsabläufe wirklich produktiver macht. Nur so lässt sich ihr Produktivitätseffekt maximieren und wir haben vielleicht eine Chance, den Wachstumsverlust aufgrund der schrumpfenden Zahl von Arbeitskräften auszugleichen.

      https://www.handelsblatt.com/meinung/kolumnen/globale-trends-warum-ki-den-demografischen-wandel-nicht-ausgleichen-wird/100200976.html

      Von mehr Nachfrage durch mehr Kinder, durch mehr soziale Infrastruktur und durch gerechtere und damit auch klügere Verteilung lese ich da leider noch kein Wort…

      Immerhin – auf Mastodon geht es schon voran. So freute ich mich gerade über diesen Post:

      Warum ist die Welt eigentlich grundsätzlich so unglaublich auf immerwährendes Wachstum eingeschossen? Zum einen frisst immer-mehr-Wachstum in gleichem Maße auch immer mehr Resourcen (außer wir würden endlich(!) zu einer 100%igen Kreislaufwirtschaft finden — und auch da ist Wachstum mit Sicherheit nicht unendlich möglich), und zum anderen macht ein fortgesetztes Wachstum bei rückläufiger Bevölkerung überhaupt keinen Sinn mehr: Wenn ich letztes Jahr 100 Menschen mit 100 Brötchen verköstigen konnte, und dieses Jahr kommen nur noch 80 Leute, wieso muss ich dann trotzdem alle Hebel in Bewegung setzen, um 150 Brötchen aufzufahren? Wenn die Bevölkerung rückläufig ist, sollten wir Hurra schreien und unsere Wirtschaft (mindestens) genauso schrumpfen lassen. Auf die Weise gäbe es zumindest eine Chance, dass der Weltüberlastungstag irgendwann mal wieder eine Chance hat, Silvester einen Guten Abend wünschen zu können! Freilich darf das Schrumpfen der Wirtschaft nicht ausschließlich auf den Schultern der ärmeren Bevölkerungsschichten geschehen, sondern vor allem die Reichen und Superreichen müssen ein großes Stück von ihrem Kuchen abgeben.

      https://meow.social/@AzzuenBenAslan/116114602346530689

      Die Debatten haben es noch weit, aber die ersten Schritte sind getan.

      Vielen Dank dafür – gerade auch Ihnen! 🙏🖖

  5. Guten Morgen.

    Es sind mal wieder “interessante Zeiten”…
    was mich wundert, wieso eigentlich die “Entscheider” so wenig auf den ungeheur vielfältigen Pool von Projektionswissen zugreift, den unsere Menschheit besitzt und stetig vertieft: science fiction Texte!

    Politiker, aber auch Wirtschaftsbosse und ja, selbst Wissenschaftler agieren – zumindest nach außen hin – sowas von naiv und kurzsichtig, als ob keiner von ihnen je zb die vielen Romane zu Robotern und KI, zu Geburtenrückgang (oder im Gegenteil Geburtenexplosion), zu Klimakrise oder faschistischen USA, GB etc. etc gelesen hätten (gehört)…

    wieso muss man in zukunftsfragen (die ja oft eigentlich Gegenwartsfragen sind) immer wieder gefühlt bei Null anfangen?

    hm.
    Nun gut.
    Beim Thema Neudenken unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems fällt auch auf, dass Politiker nun wirklich nicht weiter denken als bis zur nächsten Wahl und nur noch kleinste Schritte vorschlagen wenn überhaupt.
    klar, es ist ja auch nicht so, als ob nicht oft auch jeder versuch in diese richtung sofort mit shitstorm und dergleichen beantwortet wird.
    Auf der anderen Seite wird dann aber (zu Recht) die Sucht/Sehnsucht nach einfachen Lösungen beklagt, die etwa rechtsextreme Parteien bekräftigen und erzeugen und liefern…
    Allerdings könnte man das auch positiv sehen:
    Die Felder, in denen das am häufigsten passiert, sind oft auch die, in denen eigentlich der größte Bedarf besteht an … Diskussion über Visionen und Utopien.
    Hier könnten Bürgerräte und Ergänzung unserer 4 bzw 5 Jahres Rhythmus Demokratie entgegen wirken.

    Zum Abschluss noch was konkretes zum Artikel:
    Wie stehen Sie zu Ideen wie einer Robotor-Steuer?

    Einen schönen Sonntag noch 🙂

    • Guten Morgen, @Cornelia Gliem – und ganz herzlichen Dank für diesen überaus starken Kommentar! 🙏🙌

      Denn, ja, gerade weil ich ja innerhalb der politischen wie auch wissenschaftlichen Systeme arbeite, kann ich aus ganzem Herzen zustimmen: Wir haben vor allem ein Problem von Wissensmanagement und Wissenschaftskommunikation!

      In meiner Rede im IPAI (Innovationspark Künstliche Intelligenz) Heilbronn habe ich das in die These gepackt: “Wir alle wissen immer mehr von immer weniger.”

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/ki-bildung-science-fiction-bildungsneid-rede-zur-psychologie-der-mimesis/

      Als Beispiel dafür wählte ich schon dort – und später auch auf YouTube – die Lore-Kunde von Perry Rhodan, Einhörnern und Warhammer 40k: Es ist super-beeindruckend, wie viel manche Menschen über diese fantastischen Welten wissen und erarbeiten – deren bloße Existenz anderen wiederum völlig unbekannt ist!

      https://youtube.com/shorts/lfjwkb8oWbg

      Und gerade erst gestern habe ich einmal etwas ebenso Einfaches wie offensichtlich Notwendiges getan: Ich habe die Originalpassage aus Karl Poppers “Die offene Gesellschaft und ihre Feinde” zum “Toleranzparadox” einfach mal vorgelesen!

      https://youtube.com/shorts/ud-HbkHqNz0

      Und dieses Medienparadox – immer mehr verfügbares Wissen und immer weniger Zeit, sich dieses zu erschließen – betrifft eben auch, aber nicht nur Politikerinnen und Politiker. So fragte ich neulich genau zur aktuellen Debatte über Demografie und Nachfrage auf Mastodon:

      Bis in die 90er Jahre des 20ten Jahrhunderts tobte die ökonomische Debatte zwischen Angebotsorientierung (eher rechts), Nachfrageorientierung (eher links) und Balance (Mitte). Doch nach dem Zerfall der Sowjetunion verstummte die linke Ökonomie weitgehend & der sog. Neoliberalismus radikalisierte sich teilweise zum Rechtslibertarismus.

      Frage: Könntest Du aus dem Stand noch drei ökonomische Stimmen des 20. Jahrhunderts benennen?

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/116082554574486679

      Die 162 überdurchschnittlich interessierten Antwortenden waren erfreulich ehrlich: Eine absolute Mehrheit von 54% antwortete “Nein, kann ich nicht (mehr)”. Ein Fünftel, 20% meinten, noch ein oder zwei “Stimmen” benennen zu können und nur noch 19 Prozent meinten: “Klar, kann ich!”. Dabei gaben nur 6 Prozent an: Ökonomie interessiert mich nicht.

      Also: Wir alle sind davon betroffen, dass wir selbst über zentrale Wissensbereiche den Überblick verlieren – eine Mehrheit auch über die Wirtschaftswissenschaft. Genau deswegen plädierte ich auch hier und in “Blume & Ince” für die Wiederentdeckung von Elinor Ostrom (1933 – 2012):

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-9-zur-wirtschafts-nobelpreistraegerin-elinor-ostrom/

      Mir geht das Übrigens auch selber so – sogar bei einigen meiner eigenen, selbst geschriebenen Bücher muss ich teilweise wieder nachschlagen. Ich weiß nicht mehr alles, was ich einmal wusste.

      Entsprechend setze ich große Hoffnungen in den dialogischen Blog-Wagenheber-Effekt: Dieser besagt, dass wir Wissen besser behalten, wenn wir es verschriftlichen und darüber mit anderen dialogisieren. Sie und ich werden also vieles besser verstehen und behalten, weil wir auf “Natur des Glaubens” darüber digital dialogisiert haben!

      Das ist ein Grund, warum ich beim Neujahrsempfang der Gemeinde Salach 2024 sogar recht drastisch formuliert habe, “nur noch das Fediversum kann uns retten”:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/nur-noch-das-fediversum-kann-uns-retten-neujahrsrede-zu-salach/

      Denn Dialoge werden stets besser im Fediversum gelingen, wogegen antisoziale Konzernmedien durch Neurohacking die Nutzenden empörungssüchtig und spalterisch manipulieren.

      Zu Ihrer Frage: Von einer “Robotersteuer” halte ich derzeit wenig, weil sie den technologischen Rückstand der Europäischen Union gegenüber China und den USA noch zementieren würde. Allerdings befürworte ich eine gerechte Reform der Erbschaftssteuer sowie die Einführung einer Zuckersteuer, wie sie u.a. Ministerpräsident Daniel Günther noch gegen den Mainstream vorgeschlagen hat. Auch eine stärkere Regulierung und Besteuerung antisozialer Konzernmedien wäre nach meiner Auffassung sehr wichtig!

      Auf weitere Dialoge freue ich mich sehr, danke nochmal für Ihren starken Druko und wünsche auf jeden Fall einen schönen Sonntag! 🙏🖖

  6. Ich meine, unser kapitalistisches Wirtschaftssystem (Marktwirtschaft) ist für die theoretisch extreme Produktivität zu wenig gerüstet.

    Die Unternehmer müssen befürchten, wenn sie „zu fleißig“ sind, zu viele Güter (von Robotern und KI produziert) auf den Markt werfen, die Preise verfallen (besonders China), sie die Waren nicht mehr los werden und sie selbst im Knast landen. In China womöglich am Galgen….

    Das ist natürlich eine schwere „Bremse“. Die „Schnäppchen Methode“ sollte dem entgegen wirken, ist aber zu wenig weit entwickelt.

    Durch eine selektive „Vergabe“ von Schnäppchen (über ein selektives Gutscheinsystem), könnte man die Überproduktion „losschlagen“ ohne die Marktpreise zu belasten, andererseits die „Arbeitsmotivation“ bei den „Glücklichen“ die dafür vorgesehen sind, erhöhen. Wenn sich einer (gerade noch) einen Traum erfüllen kann, für etwas „Fleißarbeit“ sein ersehntes Schnäppchen bekommt.

    Ein derartiges „Verteilungssystem“ könnte natürlich nur mit einer „fast allwissenden KI“ (mit wenig Datenschutz) gesteuert werden.

    Sachlich gesehen, würden alle profitieren und die Ressourcen könnten, möglichst ohne Nachteile, genutzt werde. Natürlich könnte es dazu kommen, dass ein Wohlhabender erstaunt feststellt, dass sein ärmerer Nachbar plötzlich mit der gleichen Karre daher kommt….

    Kein Problem. Das System könnte trotzdem relativ gerecht sein. Der „reiche Nachbar“ könnte ebenfalls ein Schnäppchenangebot für ein noch teureres Auto bekommen, wenn auch er einen „Extrafleiß“ nachweist und die KI davon erfährt….

    KI sollte derartige Konzepte realisierbar machen können….

  7. Zugegeben, das ist alles ziemlich beängstigend.

    Andererseits ist auch an den Thesen von Mao manches wahr. Menschen gründen und zerstören Nationen und Imperien.

    Für den technologischen Fortschritt sind immer noch Menschen mit ihrer Intelligenz und Kreativität notwendig. Gesellschaftliche Stabilität muss ebenfalls gegeben sein.

    Sicherlich wird sich in China in den nächsten Jahren vom staatlichen System her nichts ändern. Aber ich glaube, dass die derzeitige Geschwindigkeit bei der Entwicklung von KI nicht aufrechterhalten wird.

    Ich gehe davon aus, dass für chinesische Produkte nicht nur auf dem Binnenmarkt Käufer gefunden werden sollen. Um aber die Märkte im Ausland beliefern zu können, müssen in diesen Ländern die Voraussetzungen dafür gegeben sein.

    Europa befindet sich momentan in einer schwierigen Zeit. Die gesellschaftliche Stabilität wird immer brüchiger. Welche Entwicklung der europäische Markt – die EU als Ganzes – nach der Wahl in Frankreich (und unseren Landtagswahlen in diesem Jahr) nächstes Jahr nimmt, ist voller Fragezeichen. Genügend Kreativität, Intelligenz und die technologischen Voraussetzungen für eine europäische KI sind mE vorhanden. Ob es uns gelingt auf diesen Gebieten erfolgreich zu sein, ist nach meiner Meinung vor allem von der Zukunft der Demokratie und des Friedens abhängig.

    Falls sich die EU Bürger weiterhin dem Nationalismus zuneigen sollten und wir wieder Kriege haben sollten, wird Europa für China ein unsicherer Handelspartner sein.

    Mensch und Maschine trennt noch einiges.

    • Vielen Dank für Ihr dialogisches und klugges Mit-Bloggen, @Marie H. 🙏

      Ich hatte von @Karl Bednarik wieder besinnungslosen Techno-Optimismus erwartet und von Ihnen wieder vor allem Befürchtungen. Nun bin ich aber doch sehr positiv gestimmt, weil Sie beide – trotz aller sonstigen Unterschiede – den Faktor Demografie und Nachfrage einbezogen haben.

      Denn nach meiner Auffassung geht es im Kern doch genau darum: KI und Roboter sollen uns Menschen ergänzen, aber nicht ersetzen. Und dass wir alle angesichts der schnellen Medienemergenzen wie Smarthphones ab 2007 und öffentlich verfügbare KI-LLMs ab 2022 erst einmal auch emotional überfordert sind, finde ich eigentlich völlig verständlich. Indem wir aber im Dialog berechtigte Sorgen und ebenso berechtigte Hoffnungen miteinander und dialogisch klären, können wir uns auch als Personen entwickeln – und Gutes hinterlassen. Das freut und motiviert mich sehr.

      Ein konkretes Beispiel, wie v.a. chinesische Robotik schon jetzt unseren Alltag verändert erlebe ich in der schnellen Verbreitung von Saugrobotern. Gerade auch Familien mit Kindern und Haustieren erleben dadurch eine reale Arbeits-Entlastung – die sich derzeit jedoch gerade jene nicht leisten können, die sie oft am dringendsten benötigen. Der technologische Fortschritt ist also kein Selbstläufer, sondern muss kulturell, wirtschaftlich und politisch gestaltet werden. Dann können Potentiale gehoben und auch Gefahren abgewehrt werden. Beobachte ich.

      • Vielen Dank.

        Selbstverständlich habe ich auch Ängste und Befürchtungen, was die reine Technik und deren Einsatzmöglichkeiten GEGEN die Menschen angeht. Denken wir an die James Bond Filme, die dem Zuschauer vor Augen führen was passieren kann, wenn neue Technologien in die falschen Hände geraten. Zum Schluss rettet Bond die Welt.

        Die offenen Fragen sind also nicht nur ökonomischer Art. So lange das Bestreben einer Nation wie China darin besteht, Handel zu treiben, treten andere “Interessen” in den Hintergrund.

        Doch der Krieg Putins gegen die Ukraine ist das Gegenteil friedlichen Handels. Es geht um Hegemonie und um Herrschaft über Menschen, die souverän sein wollen. KI und die damit verbundene Technik birgt die Gefahr, dass durch den großen Vorsprung einzelner Länder Technologien nicht nur zum Zwecke von Handel eingesetzt werden könnten.

        Wir Europäer haben viele Jahrhunderte uns die Welt untertan gemacht. Das Habsburger Reich, in dem die Sonne nicht unterging. Die Aufteilung der Welt im Vertrag von Tordesillas. Später dann bis ins 20. Jahrhundert das britische Empire.

        Seit Jahren wird der Kolonialismus und seine bis heute spürbaren Folgen – auch die wirtschaftlichen – in Europa aufgearbeitet. In einem der Kommentare hier ist die Rede von größerer Technologie-Offenheit in USA oder Asien. Vielleicht liegt ein Teil der europäischen Skepsis, die von Land zu Land unterschiedlich ist, auch in der kolonialistischen Vergangenheit begründet, in der die Überlegenheit unserer Technik uns die Unterjochung fremder Völker möglich machte.

        China verfügte schon viel früher als Europa über ausgefeilte Techniken, entschloss sich aber zur Abschottung.

        Von daher meine ich, dass Befürchtungen und Ängste uns bei neuen Technologien nicht leiten sollten. Sehr wohl aber auch Chancen und Risiken evaluiert werden müssen. Mir gefällt der Satz: Wer nicht mit am Tisch sitzt, steht irgendwann auf der Speisekarte. Ministerpräsident Kretschmann verwendet den Satz gerade bezüglich KI.

        Wohlstand entsteht durch Technologie-Offenheit. Politik muss die Rahmenbedingungen schaffen, d.h. die Stärkung von Lehre und Forschung ohne Ideologisierung. Politik sollte der Zukunft zugewandt sein, die jüngeren Generationen bestmöglich fördern, damit auch diese dann ihr Leben mit der Entwicklung von Innovationen erfolgreich gestalten können.

        • Vielen Dank, @Marie H. – da sprechen Sie mir in sehr vielem aus der Seele.

          Besonders sagten mir diese Sätze Ihrerseits zu:

          Von daher meine ich, dass Befürchtungen und Ängste uns bei neuen Technologien nicht leiten sollten. Sehr wohl aber auch Chancen und Risiken evaluiert werden müssen. Mir gefällt der Satz: Wer nicht mit am Tisch sitzt, steht irgendwann auf der Speisekarte.

          Denn sehr lange Zeit war ja die internationale Konfliktlandschaft von extrem kinderreichen Gesellschaften geprägt, was zur sog. Youth Bulge – Jugendberg – These führte: Eltern waren bereit, “überzählige” Söhne für Eroberungen zur Verfügung zu stellen. Oft wurde auf entsprechende Sprichworte verwiesen wie: “Der erste Sohn für den Hof, der zweite für die Kirche, der dritte für die Armee.” Vgl. dazu einen Blogpost noch von 2010:

          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/werden-deutschland-europa-islamisch-haben-muslime-grunds-tzlich-mehr-kinder/

          Entsprechend hatte ich lange die Hoffnung, dass weiter zurückgehende Geburtenraten auch fossile Regime wie in Russland oder Iran sowie Einparteien-Diktaturen wie China friedvoller machen würden. Doch leider zeigte sich oft eine brutale Altherren-Strategie, die mir bis dahin nur im fiktiven Star Wars-Universum begegnet war: Alternde Tyrannen konnten ihre Herrschaft absichern, indem sie möglichst viele junge Männer in Uniformen und Kriegszonen steckten. Nach dem Star Wars-Imperator Palpatine nannte ich dieses (mich lange unangenehm überraschende) Verhalten im Dialog mit Prof. Dr. Inan Ince die Sturmtruppen-Theorie:

          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-21-star-wars-day-identitaeten-fossile-sturmtruppen-theorie/

          Derzeit geht der Trend nach meiner Einschätzung ganz klar zu hybrider Kriegsführung mit Hackerangriffen, Drohnen und KI. So haben NATO-Truppen in einem Manövergefecht gegen Drohnen-trainierte Soldaten der Ukraine im letzten Jahr sehr bittere Erfahrungen gesammelt:

          Eine Großübung der Nato im vergangenen Mai in Estland hat einem Medienbericht zufolge gravierende taktische Schwächen und eine Verwundbarkeit im hochintensiven Drohnenkampf offengelegt. Wie das “Wall Street Journal” berichtet, haben zehn ukrainische Soldaten bei einer Übung zwei Nato-Bataillone im Alleingang besiegt. Demnach hat es nur einen halben Tag gedauert, bis die Ukrainer mithilfe ihrer Drohnen-Strategie die Truppen mitsamt 17 Fahrzeugen ausgeschaltet hatten.

          https://www.n-tv.de/politik/Wir-sind-am-Arsch-Zehn-Ukrainer-besiegen-bei-Manoever-zwei-Nato-Bataillone-id30363995.html

          Und sollte sich die chinesische KP ggf. zu einem Angriff auf die Insel-Republik Taiwan entschließen (was ich nicht hoffe, aber befürchte), so werden wir sicher hybride Angriffswellen aus Cyberhacks, Drohnen, Robotern und auch menschlichen Soldaten sehen.

          Entsprechend bedauerlich finde ich, dass die EU den Ausbau von erneuerbaren Friedensenergien und digitaler FOSS-Infrastruktur noch immer nicht schnell genug voranzutreiben vermag. Immerhin darf ich mich schon mal darüber freuen, dass bald Asylbewerbende früher arbeiten dürfen:

          Der Bundesinnenminister hat dazu einen “Sofort-in-Arbeit-Plan” erarbeiten lassen, wie es heißt. Dieser sieht vor, dass Geflüchtete bereits nach drei Monaten Aufenthalt in Deutschland arbeiten dürfen, auch wenn ihr Asylverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Die beste Integration sei die in die Arbeitswelt, so Dobrindts Argumentation. “Das Ziel ist Teilhabe durch Tätigkeit.”

          Dem Bericht zufolge soll es um den Zugang zum Arbeitsmarkt in Vollzeit- wie auch Minijobs gehen.

          https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/dobrindt-sofort-in-arbeit-plan-fuer-asylbewerber-soll-kommen,VBveqgQ

          Angesichts des demografischen Verebbens, des regionalen Arbeitskräftemangels und der demografisch bedingten Nachfragekrise halte ich das für einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Und will doch hoffen, dass noch viele weitere auch mutigere Entscheidungen folgen werden…

          Felo.ai hat meine Sorge vor dem “fossilen Wahnsinn” von Kriegsfinanzierungen und Ausweg-Vorschläge dazu bereits drauf:

          Dr. Michael Blume bezeichnet die fossile Finanzierung von Diktaturen als „fossilen Wahnsinn“, weil sie einen selbstzerstörerischen Kreislauf beschreibt, bei dem westliche Demokratien durch ihren Energiehunger genau jene Regime und Strukturen finanzieren, die ihre eigene Sicherheit, Demokratie und Mitwelt bedrohen.

          Dieser „Wahnsinn“ manifestiert sich laut Blume in mehreren zentralen Punkten:

          ## Finanzierung der eigenen Feinde und von Terrorismus

          Ein Hauptargument für den Begriff des „Wahnsinns“ ist der sicherheitspolitische Widerspruch. Blume weist darauf hin, dass Deutschland und Europa durch den Import von fossilen Energieträgern (Erdöl und Erdgas) autokratische Regime wie Russland, den Iran oder Katar finanziell am Leben erhalten[5][9].
          * **Direkte Bedrohung:** Diese Einnahmen ermöglichen es Diktaturen, Kriege zu führen (z. B. Russlands Angriff auf die Ukraine) und Terrorgruppen wie die Hamas, Hisbollah oder die Huthi-Milizen sowie antisemitische Propaganda zu finanzieren[1][9].
          * **Militärisches Paradoxon:** Blume kritisiert es als widersinnig, einerseits die eigene militärische Aufrüstung voranzutreiben oder über die Wiedereinführung der Wehrpflicht zu debattieren, während man gleichzeitig durch Energiekäufe die „Kriegskassen“ potenzieller Gegner füllt[5].

          ## Ökonomische Absurdität: Gewinne privatisieren, Kosten externalisieren

          Blume definiert die Strategie des „Fossilismus“ als eine ökonomisch unvernünftige Praxis. Der „Wahnsinn“ besteht darin, dass kurzfristige Profite von wenigen Akteuren (sogenannten „Ölscheichs“, „Gasbaronen“ oder Konzernen) privatisiert werden, während die massiven Folgekosten auf die Allgemeinheit abgewälzt werden[4][5].
          Zu diesen externalisierten Kosten gehören:
          * Die Zerstörung der Umwelt und des Klimas (z. B. Wasserkrisen).
          * Die Kosten für Kriege, Terrorbekämpfung und Massenvertreibungen
          [5][10].
          Blume fasst dies pointiert zusammen: Wir lassen wenige Reiche die Profite einstreichen und „jammern dann über Diktaturen und Massenvertreibungen“[10].

          ## Förderung antidemokratischer Strukturen (Ressourcenfluch)

          Der Begriff bezieht sich auch auf die politologischen Mechanismen des sogenannten „Ressourcenfluchs“ (oder Rentierstaats-Theorie). Einnahmen aus fossilen Brennstoffen machen Machthaber unabhängig von Steuereinnahmen einer produktiven Bevölkerung, was dazu führt, dass sie keine demokratische Teilhabe gewähren müssen[1][12].

          * Stattdessen werden die Mittel genutzt, um Repressionsapparate aufzubauen, Korruption zu fördern und demokratische Bewegungen zu unterdrücken[1].
          * Im Gegensatz dazu bezeichnet Blume Erneuerbare Energien als „Friedensenergien“, da sie Dezentralisierung fördern, Wohlstand breiter verteilen und Diktaturen die finanzielle Basis entziehen[4][9].

          Zusammenfassend ist es für Blume „fossiler Wahnsinn“, weil die technologischen Alternativen (Erneuerbare Energien) bereitstünden, man aber aus Lobbyismus („Fossilismus“) und Gewohnheit an einem System festhält, das Kriege und die Zerstörung der eigenen Lebensgrundlagen finanziert[9][10].

          [1] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/welt-ohne-oel-ein-online-arg-von-2007-zur-oelspitzen-these/
          [2] https://sueden.social/@BlumeEvolution/114688362011089057
          [3] https://sueden.social/users/BlumeEvolution/statuses/115198642916526113
          [4] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/erneuerbare-friedensenergien-und-die-abwehrschlacht-des-fossilismus/
          [5] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/fossilismus-oder-frieden-die-debatten-um-wehrdienst-und-gaskraftwerke/
          [6] https://mastodon.social/users/antonproitzelhaimer/statuses/114682516285772372
          [7] https://www.salonkolumnisten.com/oel_antisemitismus/
          [8] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/north-stream-und-der-streit-um-den-fossilismus-in-der-cdu/
          [9] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/etwas-fuer-den-frieden-tun-fossile-gewaltenergien-reduzieren/
          [10] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/fossiler-wahnsinn-im-alltag-fehlende-elektroautos-kosten-leben-und-zunehmend-steuergeld/
          [11] https://mstdn.social/@SWeiermann/114782462335523437
          [12] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-fossilismus-kann-nicht-alleine-militaerisch-besiegt-werden-er-ist-staerker-als-kapitalismus-und-sozialismus/

  8. Die USA und Asien bestimmen bald schon unseren Tech-Alltag
    Europa und die Schwellenländer Asiens (China, Südkorea, sogar Vietnam) haben gleichermassen eine bald schon schrumpfende Bevölkerung. Wenn sich Europa und Asien unterscheiden, dann in der Zukunftsorientierung. Asien will und wird das 21. Jahrhundert zum asiatischen Jahrhundert machen und das vor allem durch ihre Zukunftsoffenheit und Technikbegeisterung. Ganz anders Europa. Kürzlich las ich ein Interview mit einer Rheinländerin, die im Silicon-Valley im Kreis der Finanzierung von Startups ihre Karriere machte, folgendes: 1) ihre Karriere wäre in Europa nie möglich gewesen 2) die deutschen und europäischen Medienschaffenden, die sie besuchen, beurteilen ihre Arbeit praktisch immer negativ, aber einige fragten sie später privat, ob sie in ihre Firma investieren können 3) Wenn Europa meint, die Zukunft könnte man mit Regulierung bewältigen, dann werden sie von der Zukunft, die dann nicht aus Europa kommt, überwältigt werden.
    Und ja, selbst in den USA gibt es eine HiTech-Szene, die äusserst zukunftsorientiert ist und deren Exponenten bereit sind heutige Technologien zugunsten zukünftiger aufzugeben.
    Nur in Europa ist überhaupt die Haltung sehr verbreitet, man könne auswählen bezugsweise man sollte sich hüten vor zukünftigen Entwicklungen. Wie aber schon die Rheinländerin im Interview kund tat, ist das nur die öffentlich in den Medien verbreitete Meinung, privat glauben nur wenige Europäer, Europa könne die Zukunft aussitzen. Privat sind viele Europäer bereits zu Konsumenten geworden und sie arrangieren sich einfach mit dem Wandel, der uns schon erfasst. So lösen etwa jetzt viele deutsche Schülerinnen und Schüler ihre Hausaufgaben mit KI-Unterstützung und die Erziehungsfachleute haben mehrheitlich ihr Plazet dazu gegeben.
    In der Software-Industrie werden hier in Europa nun Claude Opus 4.6 und Codex (beides US-Produkte) eingesetzt und zwar bereits für sehr anspruchsvolle Projekte, Projekte, die nun mit deren Hilfe in Wochen anstatt Monaten abgewickelt werden. In den Büros wird auch hier in Europa zunehmend Gemini (US-Firma) für die Präsentation und Organisation eingesetzt. In Firmen, die eine kleine, aber feine KI-Schnittstelle für ihre Produkte anbieten wollen, kommt häufig die OpenSorce-Software DeepSeek (China) zum Einsatz.
    Was humanoide Roboter angeht, so sind die immer noch im Hochlauf. Man darf sich durch die akrobatischen Künste von UniTree-Robotern nicht täuschen lassen. Das wirkliche Problem bei den Humanoiden ist die Software, die ja, damit der Roboter autonom ist, vollständig auf dem Roboter selbst laufen muss. Das genau ist der Grund, dass heutige Humanoide zwar erstaunlich geschickt wirken können, sie aber nicht alltagstauglich sind, weil es für den Alltag ein viel zu grosses Software-Paket bräuchte und dieses nicht in die heutigen Chips passen, die im Roboter von einer Batterie versorgt werden. Das ist übrigens auch der Grund, dass Tesla für den Optimus-Roboter eigene Chips entwickeln lässt. Optimus übrigens ist für den privaten Einsatz in Familie und Haushalt geplant, wird aber kaum vor 2028 verfügbar sein, eben weil die Chips und auch die Trainings-Algorithmen noch fehlen. Der Roboter der Firma Boston Dynamic ist als Fabrikarbeiter geplant.
    Es gibt in den nächsten Jahren wohl zwei Haupteinsatzgebiete für Humanoide: der Haushalt und die Fabrik.

    Kurzum:In China und teilweise den den USA werden folgende Technologien aktiv betrieben: humanoide Roboter für Haushalte und Fabriken (USA, China) , Software schreibende und Geschäftsvorgänge organisierende KIs (USA), Elektrische Flugvehikel für den Regionalverkehr (China) , Robotaxis (USA, China), Hochgeschwindigkeitszüge, die schneller als 500 Kilometer pro Stunde unterwegs sind (China) und vieles mehr.
    Europa setzt bei diesen Zukunftstechnologien heute und wohl auch in Zukunft vorwiegend US-Produkte ein, benutzt aber auch schon DeepSeek (China) und wird in naher Zukunft vor allem chinesische E-Autos (BYD, Geeky) und irgendwann wohl sogar chinesische humanoide Roboter einsetzen.

    • Herzlichen Dank fürs Mitdiskutieren, @Martin Holzherr – und vor allem dafür, dass Sie inzwischen auch den Zusammenhang zwischen verebbender Demografie und ökonomischer Nachfragekrise aufgreifen. Mehrere asiatische Länder sind sehr technologieoffen, aber zugleich familienpolitisch traditionalistisch – und stürzen entsprechend wie z.B. China, Japan und Südkorea in die demografische Traditionalismusfalle:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-polarisierende-macht-der-saekularen-demografischen-traditionalismusfalle/

      Umgekehrt gibt es auch in der Europäischen Union und gerade auch in Deutschland viel Innovationsbereitschaft. Oben habe ich ja einen SWR-Beitrag zu neuen Gründungen in Baden-Württemberg eingefügt. Und dank @Marie H. fand ich auf dem OMG-Podcast auch ein Interview mit dem Neura-Robotics-Gründer David Reger:

      https://www.youtube.com/watch?v=BvqkBX4BcXk

      Und auch in München wird bereits eine gezielt unabhängige KI-Fabrik aufgebaut:

      https://youtu.be/WLIFaVSrVtI

      In Schleswig-Holstein ist die Umstellung auf Free and Open Source-Software (FOSS) ebenfalls bereits weit gediehen!

      Kurz: Ich kann mit der Behauptung einer generellen Überlegenheit asiatischer Gesellschaften gegenüber europäischen Demokratien nichts anfangen. Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sollten sich herausfordern lassen, lern- und kooperationsbereit sein – aber gerade auch im Hinblick auf die Demografie besteht auch kein Grund zur Panik. Ich kann ein Land wie das diktatorisch regierte China, das selbst nach eigenen Angaben bereits um knapp 10.000 Menschen pro Tag (!) schrumpft, nicht als vorbildlich für eine gute Solarpunk-Zukunft ansehen.

      Stattdessen empfehle ich, etwas fairer, realistischer und also wissenschaftlicher sowohl Stärken wie Schwächen aller Gesellschaften zu betrachten. Die Bundesrepublik Deutschland ist sehr viel besser als ihr Ruf und verdient vor allem Zupacken statt weitere Hobby-Apokalypsen. Schon dass wir hier frei und auch kritisch bloggen, diskutieren und dialogisieren können, ist ein Grund zur Dankbarkeit und Hoffnung! Meine ich.

      • BIG TECH kommt nicht aus Europa
        @Michael Blume. Heute kommen die digitalen Technologien, Suchmaschinen, Social Media und KI aus den USA und seit kurzem ist China und nicht mehr Deutschland Exportführer bei Automobilen.

        Die grossen sieben HiTech-Firmen sind Nvidia, Apple, Alphabet (Google), Microsoft, Meta, Amazon, und Tesla. In Europa gibt es nur zwei HiTech-Firmen von globaler Bedeutung: ASML und SAP.

        Hier auf scilogs wurde zum Thema KI von einem Autor vor ein paar Jahren gesagt, das werde zwischen den USA und China entschieden. Tatsächlich hat mich das dazumal verwundert, denn es gab ja etwa mit Jürgen Schmidhuber einen bedeutenden KI-Forscher in Europa. Tatsächlich wird in Europa auf vielen Gebieten Spitzenforschung betrieben und es gibt etwa in Deutschland sehr viele mittlere und kleinere Firmen mit Weltgeltung in ihrem Technologiebereich, Firmen, die selber auch Forschung und Entwicklung betreiben. Nur HiTech-Firmen mit sehr grosser Marktkapitalisierung und globaler Bedeutung gibt es in Europa praktisch nicht. Die grössten europäischen Firmen arbeiten im Luxusbereich. Zitat google-KI:

        Der globale Luxusmarkt wird von großen Konglomeraten dominiert – LVMH, Richemont, Kering und Hermès – die ikonische Marken wie Louis Vuitton, Cartier, Gucci und Hermès kontrollieren. Diese Unternehmen, die größtenteils in Europa ansässig sind, haben einen hohen Markenwert und Verkäufe durch Mode, Lederwaren, Uhren und Schmuck

        In Europa konnten sich also kaum Grossfirmen im Technologie-Bereich ausbilden. Der Grund dafür könnte an der inneren Verfassung von Europa und der EU liegen. Handelshemmnisse und Schwierigkeiten bei der Finanzierung könnten eine wesentliche Ursache dafür sein, dass in Europa keine Technologie-Grossfirmen entstehen (können). Zu den Handelshemmnissen sagt die google-KI folgendes:

        Der EU-Binnenmarkt ist zwar der größte integrierte Wirtschaftsraum, leidet aber unter erheblichen, primär nichttarifären Handelshemmnissen. Die zehn größten Hürden umfassen komplexe nationale Vorschriften, fragmentierte Standards, aufwendige Dienstleistungsregeln und unvollständige Anerkennung von Qualifikationen. Diese führen zu bürokratischem Aufwand und fragmentierten Märkten, trotz des 1993 erreichten freien Waren- und Dienstleistungsverkehrs.
        …. Die EU-Kommission arbeitet aktiv daran, diese “schrecklichen Zehn” (10 größten Hindernisse) zu beseitigen, um die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber globalen Akteuren wie USA und China zu stärken. Der Binnenmarkt umfasst ca. 450 Millionen Verbraucher, und die Überwindung dieser Hürden ist zentral, um das volle wirtschaftliche Potenzial (18 % des weltweiten BIP) zu entfalten.

        Europa wird nicht erst genommen. Zu Recht?
        Donald Trump hat sich mehrmals lustig gemacht etwa über Macron und andere Regierungschefs, die bei ihm als Bitsteller bezüglich Tarifen vorgesprochen haben. Und etwa in der NZZ gab es Artikel, die für diese Geringschätzung Europas durchaus objektive Gründep fanden, etwa die fehlende Geschlossenheit der EU in aussenpolitischen Fragen, die nur halbherzige Unterstützung der Ukraine durch den Club Méditerranée und verallgemeinert die Tatsache, dass fast alle EU-Staaten und Regierungschefs sehr schnell bereit sind, ihre eigenen Interessen gegenüber den EU-Interessen zu priorisieren.
        Mir geht es also um das Missverhältnis zwischen potenzieller und realer Macht Gesamteuropas. Ich bin deswegen nicht ein (Zitat) „Hobby-Apokalyptiker“, denn die verschiedenen europäischen Länder werden ja weiter existieren, nur werden immer mehr Technologien, die unser Leben bestimmen, nicht aus Europa kommen. Selber war ich früher überzeugt, dass Europa mit zunehmender Länge der Nachkriegszeit wieder selbstständiger werden würde, habe dann aber erlebt, dass selbst was die Meinungsführer in Europa heute denken, immer noch oder vermehrt aus den USA kommt. Unser technischer und ideenpolitischer Alltag wurde immer mehr durch US-Einflüsse geprägt und jetzt könnten noch chinesische Einflüsse dazukommen.

        Kurzum: Jeder Europäer denkt und handelt heute unter erheblichem Einfluss von Technologien und Ideen (Netflix, früher Hollywood) aus den USA und neu kommen jetzt chinesische Einflüsse. Natürlich gilt das Gleiche auch für Länder wie Thailand oder den Philippinen. Doch Europa in derselben Liga zu sehen, verwundert ein bisschen angesichts der Tatsache, dass früher europäische Ideen die ganze Welt beeinflussten.

        • Yoah, @Martin Holzherr – ich weise in einem differenzierten Blogpost auf die Fortschritte der Robotik (und die Schwächen der Demografie) in China hin. Und Sie hauen doch nur wieder ein: “Europa ist schlecht, alle anderen sind besser!” raus. 🤷‍♂️

          Meine Generation hätte ja Leute wie Ihnen früher gesagt: Denn geh doch rüber! 🤭

          Denn tatsächlich kann ich Ihre vorbehaltlose Bewunderung für “BigTech” nicht teilen. Gerade auch Baden-Württemberg lebt entscheidend auch von dynamischen Mittelständlern und ich plädiere ja seit Jahren für FOSS-Technologien statt antisozialer Konzernmedien. Das US-amerikanische OpenAI hat gerade den österreichischen FOSS-Entwickler von OpenClaw eingekauft:

          Der Österreicher Peter Steinberger, der mit seinem KI-Agenten OpenClaw in den letzten Wochen international für Furore gesorgt hat, wechselt zur US-amerikanischen ChatGPT-Mutter OpenAI. Das teilten Steinberger auf seinem Blog und OpenAI-Chef Sam Altman auf der Plattform X mit, wie auch diverse Medien berichteten. OpenClaw soll demnach als Open-Source-Projekt in einer Stiftung weitergeführt werden.

          https://www.oe24.at/businesslive/ki-genie-aus-oesterreich-openclaw-erfinder-peter-steinberger-heuert-bei-openai-an/669794859

          Auch gehöre ich zu jenen, die hinter den meisten KI-Vorhaben von US – „BigTech“ auch riesige Finanzblasen ohne überzeugende Geschäftsmodelle sehen. Warum sollten wir auf Dauer Milliarden in Lizenzgebühren an Anbieter abdrücken, die dann auch noch unsere Daten abgreifen? Ich bin davon nicht beeindruckt…

          Aber wo wir doch schon bei den USA sind – haben Sie die neueste Pleite von Donald Trump gegenüber der EU schon mitbekommen?

          Die Ankündigung von US-Präsident Trump, ein US-Lazarettschiff nach Grönland zu schicken, hat Kopfschütteln und Belustigung in Dänemark ausgelöst. Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen reagierte mit einem lapidaren “No thanks” – Nein danke. Die “Idee, ein amerikanisches Krankenhausschiff nach Grönland zu schicken, wurde zur Kenntnis genommen. Aber wir haben ein öffentliches Gesundheitssystem, in dem die Behandlung für die Bürger kostenlos ist.”

          https://www.tagesschau.de/ausland/europa/groenland-lazarettschiff-trump-100.html

          Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, dass es für die Entwicklung von Gesellschaften auch auf Gesundheits-, Bildungs- und Mediensysteme ankommen könnte, @Martin Holzherr? Oder macht Ihnen der deutsche und europäische Selbsthass einfach nur mehr Freude? 🌞

          Ich denke, dass alle Gesellschaften voneinander lernen können, weil jede Stärken und Schwächen hat. Selbstverständlich verliert das alternde und demografisch schrumpfende Europa auch wirtschaftlich und technologisch an Bedeutung – aber das bedeutet umgekehrt nicht, dass wir uns jetzt selbst heruntermachen müssten. Dieser Blog ist eine freundliche Einladung, kritisch wie auch konstruktiv, vor allem aber interdisziplinär auf die Themen zu blicken. Ich erinnere mich gerne an viele kluge Drukos von Ihnen und bin sicher, dass Sie das auch mal wieder hinbekommen! 🤓🙌👍📗

          • @Michael Blume: In europäischen Ländern passiert viel Grosses, auch technisch bedeutendes. Sie haben ja selbst den österreichischen Entwickler von OpenClaw erwähnt und ich habe gerade das Video Deutsche Batterie-Zellen für Flugtaxis! Dr. Abendroth (CustomCells) | Geladen Podcast gesehen in der eine deutsche Firma vorgestellt wird, die Spezialanfertigungen von Batterien macht und die damit ungeheueren Erfolg hat. Ich zweifle überhaupt nicht an der Fähigkeit von deutschen, österreichischen oder auch spanischen Ingenieuren, Entwicklern und Firmenchefs, ich zweifle allein am Erfolg von Europa insgesamt, am Erfolg speziell der EU. Auch dazu, etwa zum Euro, zur steigenden Verschuldung in der EU, zur Aufrüstung in der EU, zum Verhältnis der EU-Staaten zu Russland in der Ukraine schaue ich mir immer wieder Videos an und lese Artikel dazu etwa in der NZZ. Und was man da alles mitbekommt, ergibt insgesamt ein Bild der Instabilität. In einem Video zum Euro und zur Verschuldung der EU-Länder sagt etwa eine Expertin, sie sehe den Zeithorizont bis zum Zusammenbruch des Euros in den frühen 30er Jahren und sie bringt sehr viele und gute Argumente dafür vor. Sie begründet das damit, dass sich auch beim Euro immer Einzelinteressen durchsetzen und es keine überzeugende EU-Instanz gibt, die den Euro allein nach dem europäischen Gesamtinteresse managet. Dieses Urteil gilt eben auch für viele weitere Bereiche in der EU. Es besteht in meinen Augen eine reale Möglichkeit, dass die EU zerfällt, im günstigsten Fall eilt die EU einfach von Krise zu Krise.

          • Lieben Dank, @Martin Holzherr – und, ja, die Europäische Union verdient viel mehr Wertschätzung als die eskalierende Rechtsmimesis es vorsieht.

            Denn sicher werden Sie sich erinnern, dass es eine breite Anti-Euro-Welle gab, auf der sich auch die frühe AfD ausbreitete. Immer wieder behaupteten Crashpropheten und Verschwörungsmythologen den “baldigen” Untergang des Euro, auch um etwa Gold und Kryptocoins zu verkaufen – denken wir etwa an die Zeit der griechischen Finanzkrise. Und während große Teile der Bevölkerung im Vereinigten Königreich den rechtspopulistischen Brexit längst bereuen, arbeiten US-amerikanische, russische und weitere Akteure gezielt daran, die EU weiter zu unterminieren und zu spalten.

            So hat sich auch die Schweiz im Zollstreit mit Donald Trump der sog. “Goldbarren-Diplomatie” befleißigt, die von nicht wenigen Menschen inner- und außerhalb der Schweiz schlichtweg als Korruption verstanden wird.

            “Der Unternehmerbesuch bei Donald Trump war ein Schauspiel, das selbst politikerprobte Schweizer Lobbyisten erröten ließ.

            Eine illustre Männerdelegation, die bei jeder anderen Gelegenheit als „alte weiße Milliardärsriege“ verspottet worden wäre, zog los, um den Dealmaker im Weißen Haus zu becircen. Breitling, IWC, Rolex – die Konkurrenz von Swatch war geschlossen angetreten, um beim amerikanischen Präsidenten vorbeizuschauen. Sogar Fifa-Boss Gianni Infantino wurde zum Hoffnungsträger der Nation. Rolex-Chef Jean-Frédéric Dufour setzte noch eins drauf und lud Trump in die VIP-Loge der US Open ein. „Keine Buhrufe, garantiert“, soll er gesagt haben. Die Milliardäre traten in Aktion, drei Monate, nachdem sich eine offizielle Delegation unter Anführung der Schweizer Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter bei Trump eine Abfuhr eingehandelt hatte.

            Das Ganze war damit eine typische „swiss made“-Aktion: Im Nachbarland ticken die Uhren anders, die Macht liegt weniger bei der Politik, die direktdemokratsich vom Volk kontrolliert wird, als vielmehr in den Händen von rund einem Dutzend weltweit höchst erfolgreicher Konzernlenker. In Aussicht gestellt haben sie Trump dem Vernehmen nach goldene Barren mit Gravur, eine kunstvoll gefertigte Rolex-Tischuhr – ein Laib Käse soll dagegen nicht unter den Geschenken gewesen sein. Dass Trump anschließend stolz auf Truth Social postete, die Schweiz kämpfe an seiner Seite gegen „globalistische Tarifschummler“, verwandelte die Delegation daheim zu Landeshelden.

            https://www.focus.de/finanzen/news/mit-rolex-und-goldbarren-wie-die-schweiz-den-zoll-deal-mit-trump-klarmachte_f601756a-3fcd-44ff-a9ea-5bb8a075a9ae.html

            Fakt ist, dass die Europäische Union die bisherigen Krisen einschließlich des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und die Trump’schen Übergriffe gegen die EU und insbesondere Dänemark, Grönland und Norwegen, sehr viel besser gemeistert hat als erwartet! Sehr bewusst habe ich auch die eindrucksvolle Rede von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in New York pro Solarenergie als wichtiges Bekenntnis zu erneuerbaren Friedensenergien gewürdigt:

            https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/rede-der-eu-kommissionspraesidentin-ursula-von-der-leyen-cdu-evp-fuer-den-globalen-ausbau-erneuerbarer-friedensenergien/

            Und selbstverständlich leidet auch die Europäische Union weiterhin unter großen Problemen – noch immer blockieren Nationalstaaten die Öffnung ihrer Märkte, gegen das Mercosur-Abkommen stimmte eine bizarre Querfront und Ungarn blockierte immer wieder Sanktionen gegen Putin sowie Hilfe für die Ukraine. Aber all das zeigt doch wieder: es sind die gleichen Nationalisten, die die EU bekämpfen, die ihr die größten Probleme bereiten!

            Ich möchte Sie daher herzlich bitten, nicht länger auf die Anti-EU-Propaganda hereinzufallen – oder sie wenigstens hier nicht weiter zu verbreiten – mit der Rechtsdualisten auch von außerhalb der Europäischen Union diesen imperfekten, aber historisch einmaligen Staatenbund seit Jahren attackieren. Ob FOS-Software, erneuerbare Friedensenergien oder auch ein starkes Auftreten gegenüber den Großmächten des 21. Jahrhunderts – die europäischen Demokratien haben nur eine Chance, wenigstens in Solarpunk-Arche-Regionen ein menschenwürdiges Leben zu bewahren, wenn sie sich nicht weiter spalten lassen. Gegen konstruktive Kritik habe ich selbstverständlich nichts einzuwenden, aber feindseliger Anti-EU-Dualismus hat auf “Natur des Glaubens” keinen Platz.

            https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/hinter-der-flagge-der-europaeischen-union-schimmert-die-juedin-mirjam-maria-meryem/

            Ihnen Dank für unsere guten und intensiven Dialoge!

          • Michael Blume,
            sachlich kann man geteilter Meinung sein, wer denn die Zukunft bestimmt, Europa oder Asien oder USA.
            Und da auch eine AI “mitliest, ein Mittentwickler von AI hier im blog meint ja ” Reinforcement Learning from Human Feedbackbez (RLHF). das ist das was eigentlich eine AI macht, aus menschlichem Wissen sich eine “Meinung” formen . Meinung steht in Anführungszeichen, weil eine künstliche intelligenz keine Meinung im menschlichem Sinne hat, sondern nur ein Papagei ist, der aber mittlerweile schon die Weltmeinung mit beeinflusst.

            Also, was China betrifft, China hat es geschafft, aus einem Land mit regelmäßigen Hungersnöten einen Industriegiganten zu schaffen, der in Bezug auf Demokratie Nachholbedarf hat.

            Und…..China kann von Europa lernen, wird von Europa lernen, wenn wir friedliche Koexistenz betreiben Handel mit China betreiben und Kulturaustausch anstreben.

          • Vielen Dank, @NI, für Ihren Kommentar!

            Während ich Ihren Respekt für die chinesische Kultur und das chinesische Volk aus ganzem Herzen teile, so kann ich Ihrem Lobpreis für die chinesische KP-Diktatur wenig abgewinnen. Gerade auch im Vergleich zum demokratischen Indien kann ich keine überragende, politische Leistung erkennen.

            Schon 2021, also vor fünf Jahren, schrieb ich auf einem anderen Forum, was ich auch heute betone:

            Ohne junge Menschen verfallen auch riesige Geldwerte und Immobilien. Und China hat zuletzt die Zuwanderung sogar weiter gedrosselt und fährt gegenüber religiösen Minderheiten etwa des Islams und Christentums eine zunehmend brutale Assimilationsstrategie, unterdrückt auch jede freiheitliche Opposition. All dies beschleunigt wiederum Abwanderungsprozesse (zuletzt auch aus Hongkong) und die demografische Implosion weiter.

            Wer die Freiheiten, Rechte und letztlich die Würde von Menschen immer weiter einschränkt, erstickt auch ihren kreativen Willen zur Innovation, zur Zukunft, zum Leben und Leben-Weitergeben.

            Noch schneller und massiver als etwa die europäisch-schrumpfenden Nationen Polen und Ungarn rutscht China daher in die demografische Traditionalismusfalle: Mangels junger, innovativer Kräfte erstarken alternde, fast ausschließlich männliche Nationalisten. Die nun auch digital herrschende Kommunistische Partei hat nüchtern empirisch gerade keinen „neuen Menschen“ hervorgebracht, sondern streng abgeschottete Seilschaften älterer Männer.

            https://www.theologie-naturwissenschaften.de/startseite/leitartikelarchiv/demografie-und-digitalisierung-in-china

            Nach meiner Auffassung sollten europäische Demokratinnen und Demokraten die Herausforderungen durch das Bündnis von China und Russland, durch die global verebbende Demografie, durch die Abhängigkeiten von fossilen und seltenen Rohstoffen, durch antisoziale Konzernmedien wie Tiktok, durch für geringe Ersparnisse verschenkte Technologien (wie die deutsche Solarindustrie) und durch die Bedrohung der Republik Taiwan noch sehr viel ernster nehmen. China kann und wird dann ein verläßlicher Partner auch der Europäischen Union sein, wenn wir endlich die neoliberalen und rechtslibertären Illusionen des 20. Jahrhunderts hinter uns lassen und zu weiterhin dialogischen und freundlichen, aber eben auch selbstbewussten und im Notfall wehrhaften Partnern reifen. Wir sollten gegenüber Xi Jinping nicht die Fehler wiederholen, die bereits gegenüber Wladimir Putin begangen wurden.

  9. „Künstliche“ Gebärmuttern gibt’s schon, Menschenbabys lassen sich in Kühen züchten. Auch Zuchtfarmen schwarzer Leihmütter, die weiße oder gelbe Babys austragen, sind für den Rassisten von heute eine reale Option.

    Das Problem sind nicht die Babys, sondern dass der Rassist sie gleich nach der Geburt abtreibt, weswegen sie lieber gleich im Jenseits bleiben, als sich mit Remigration und Dobrindts herumzuplagen: Kinder sind Migranten, man muss in sie investieren, um von ihnen zu profitieren, und damit konkurrieren sie um Mittel mit Altenheimen, Sozialfällen, Bürokratie, Luxusbranchen und Palästen. Und Deutschland besteht aus Altenheimen, Sozialfällen, Bürokratie, Luxusbranchen, Palästen und sonst nix, unsere Kita heißt Friedhof.

    Der Kapitalist von heute ist Deadbeat Dad – er will viele Babys haben, weil er sie gleich nach der Geburt auf die Müllkippe wirft, und da die Kindersterblichkeit enorm ist, nur wenige überleben. Und von solchen Müll- und Slum-Babys wimmelt es schon auf der Welt, also könnte man sie einfach aufsammeln, in Waisenhäuser stecken und mit der Kultur und Sprache des Geldgebers erziehen – wenn dieser Geldgeber eben nicht zu rassistisch wäre, und nicht so geizig, dass selbst seine biologischen Kinder vor der Zeugung verhungern.

    China ist in einer anderen Phase des üblichen Rockstar-Zyklus von Aufstieg und Untergang – Europa und Amerika haben früher angefangen, wir sind auch kleiner, also haben wir unseren Zenit schneller erreicht und früher überschritten. Dennoch fällt auf, dass China sehr, sehr lange zögerte, unseren Aufstieg zu kopieren, doch es sehr, sehr eilig hat, uns beim Untergang zu überholen.

    China ist in vielen Punkten Deutschland – ein relativ friedlicher, träger Kohlkopf, der von der Masse, Welthandel und Industrie lebt, mit aller Energie lieber auf die Bremse tritt als Gas zu geben, im eigenen Volk nichts sieht als Leibeigene und potenzielle Aufrührer, die es in kleinen, abgedichteten Fässern im Aktenschrank Gorleben lagert, wenn es sie schon nicht loswerden kann, und im Innern von der Angst und Allmacht zahnloser, reaktionärer Feudalfürsten zusammengehalten wird, die die Jugend lieben, wenn sie ihr das Blut aussaugen können, sie aber panisch fürchten, wenn sie ihr auf der Straße begegnen, was zu einer schizophrenen Bevölkerungspolitik führt, die senile Neunzigjährige in durchtrainierten Bruce-Lee-Teenager-Körpern fordert, was dann dazu führt, dass das ganze Land tickt, wie ein chinesischer Martial-Arts-Film – lauter junge Leute hopsen an Marionetten-Seilen durch eine prächtige, Potemkinsche Märchenwelt aus Katzengold, Plastik, Pappmaché und CGR, die der Nostalgie, Demenz-Verwirrung und schlechtem Gedächtnis verkalkter Reichsbürger entstammt, wie das mumifizierte Innenleben einer ägyptischen Pyramide wirkt und außerhalb des Kinos dazu verdammt ist, an der Realität zu zerschellen.

    Dass ein solches Land Kinder und Roboter gleich behandelt, und die Kinder dabei auf der Strecke bleiben, ist logisch. Problem ist – ob Jackie Chan oder Blech Lee an den Strippen zappeln, die Marionettenspieler bleiben die gleichen, und so dürfte auch China recht schnell zum traditionellen Rost und Patina zurückkehren, als Smaug, der mit seinem Gold im Mauseloch verrottet, bis ihn Siegfried und die sieben Zwerge per Dackel ausbuddeln. Tut es ja gerade. China gewinnt, weil es Schaolin-Klöster toleriert, Gettos des Fortschritts. Europa besteht aus Schaolin-Klöstern, jedes so groß wie ein Staat, es fehlen die hopsenden Schüler, die ihre Meister übertreffen wollen.

    Die Diktatur der Dinosaurier verleiht China die Stabilität, die es braucht, um Jahrtausende zu überdauern, dabei immer wieder zu stagnieren, sich durch Korruption selbst aufzufressen, um dann von schnellen, kleinen Räubern, wie Mongolen, Mandschu, Wikingern oder Japanern überrollt zu werden – was es nur dank seiner Masse und Geografie überlebt, bis der nächste Donald Dschingis kommt, der es sich diesmal nicht ausreden lässt, die ganze Bevölkerung niederzumetzeln, um Weiden für seine Gäule zu haben. In Europa geht so was viel, viel schneller.

    Das Muster, nach dem Reaktionäre scheitern, weil sie sich als Kopf selbst vom Staatsrumpf abtrennen, sehen Sie auch in Deutschland.

    Deutschland hat sich in den letzten 200 Jahren viermal selbst zerstört: Einmal durch Zwergstaaterei, zweimal durch Weltkrieg, einmal durch den Räumungsverkauf der letzten Jahrzehnte. Dreimal folgte nach dem Untergang eine kurze Blütephase, deren Ursache ein totaler Regime-Wechsel und totaler Umbau politischer und wirtschaftlicher Strukturen war. Viermal folgte der Untergang daraus, dass der Erfolg vor allem genutzt wurde, um zu den alten, feudal-räuberischen Strukturen zurückzukehren, die dann auf einen Ressourcenmangel stießen – dann griffen die Feudalherren lieber auf Kannibalismus und Geiz zurück, als die nötigen Reformen zuzulassen, weil ihnen Machterhalt, Machterhalt über alles ging, zerstörten das eigene Land, verjagten die Wirtschaft, brachten das Volk gegen sich auf.

    Sie sehen also, wie der Lebenszyklus von Staaten funktioniert: Überfluss und Erfolg werden nicht in künftigen Erfolg investiert, sondern darin, die Eliten auf den Thronen zu zementieren. Doch sobald die Futterquelle versiegt, verhindert genau dieser Zement, dass man neue Quellen erschließen kann. Die Eliten trennen sich geistig und körperlich vom Volk, um es wie eine Invasionsarmee plündern zu können – doch damit zerstören sie auch die Überreste ihrer eigenen Machtbasis und werden zur leichten Beute für Eroberer und Revolutionäre.

    Sie sehen auch immer wieder ein Pärchen aus Zerstörer und Erneuerer: Napoleon-Preußen. Wilhelm -Ebert. Hitler-Roosevelt. Trump-?

    Sie sehen auch immer wieder den Zerfall in Teilfürstentümer – vor 200 Jahren terrorisierten sich die Zwergstaaten mit Zollschranken, heute stecken überall virtuelle Staaten in den Staaten, jeder mit einem kleinen Orban drin, der sein Veto einlegt und alle Räder anhält, wenn man ihm kein Schutzgeld zahlt, sodass all die Schutzgelder den halben Staatshaushalt verschlingen.

    Anders als bei China, fällt bei Deutschland auf, dass es aus jedem Zyklus in absoluten Zahlen gestärkt hervorgegangen ist, doch in der Hackordnung der Welt geschrumpft und geschwächt hervorgegangen ist – unser Erfolg basiert auf Verzicht, wir geben unterm Strich mehr auf, als wir dazu gewinnen. Es ist das gleiche Muster, wie das, das die Eliten erst mal reicher macht, wenn ihr Land zu schwach wird, sich gegen ihr Raubrittertum zu wählen – sie fressen die leichte Beute auf und werden daran groß und mächtig, doch dann ist die Beute alle und ihre Märchenschlösser krachen rasend schnell zusammen.

    Unser Vieh heißt Fabriken, das folgt dem Futter, und die Hirten müssen folgen. Und da sehen Sie seit Jahrhunderten, dass das Römische Reich seine nordeuropäischen Kolonien aufgibt, weil es die Ressourcen erschöpft hat – die Menschen finden reichlich Nahrung, doch das Maschinenfutter wurde abgegrast, für unsere Herden ist Europa so tot wie die Sahara. Erst mal ziehen wir uns an die alten Reichsgrenzen zurück, hinter Rhein und Main – östlich und nördlich davon holt sich die Wildnis das Land wieder: Bäume, Bären und Barbaren.

    Deutschland ist ein Land, das sein eigenes Territorium als Last empfindet, weil es seine Rohstoffe aus dem Ausland bezieht. Doch je mehr die Fabriken abwandern, desto mehr wird auch der Großteil der Bevölkerung als Last empfunden, weil die Aktionärsfürsten keine Lust haben, Friseure, Klempner und Ärzte zu bezahlen, die sich nur gegenseitig frisieren, beklempnern und verarzten, statt auf Feldern oder in Fabriken den Reichtum ihrer Herren zu mehren.

    China hat alles, was Europa nicht hat – eine große, sichere, leicht zu verteidigende Weidefläche, ein Heer leicht verdaulicher, rechtloser und billiger Arbeitskräfte, genug Rohstoffe, um sich den Rest im Tausch gegen Fabrik-Exkremente einzutauschen. Sie können noch ein Weilchen daran arbeiten, die Feudalstrukturen um Reaktionär Xi so sehr zu verfestigen, dass China am Ende das tut, was es am besten kann – unter dem Gewicht der eigenen Bürokratie und der Kombination aus winzigem Ein-Personen-Spatzenhirn und gigantischem Staatskörper kollabieren. China ist ein Brontosaurier, ein gigantischer Hamburger, kleinere Räuber mit mehr IQ pro Kilo haben es schon öfter zerfetzt, sie werden es wieder tun.

    Deutschland hingegen hat kaum Rohstoffe, bis auf seinen Rentner-Flöz und ihr Erspartes. Zur Ausbeutung der Rentner-Minen werden Chemikalien aus China und Arbeitskräfte aus aller Welt importiert, doch die traditionelle Abbauweise – das Herauswaschen des Tafelsilbers mit Feuerwasser und Glasperlen – reicht nicht mehr, deswegen greift die Regierung Merz auf aggressiveres Fracking zurück.

    Doch wenn das Ersparte alle ist, wird den Kumpeln nix übrig bleiben, als den Herden ins Ausland zu folgen – den Eingeborenen, den Siedlern, den Mischlingen, sie alle werden sich der Völkerwanderung anschließen müssen.

    Was bleibt? Sehen Sie in Sibirien, in Russland, in der Dritten Welt, in Ostdeutschland – wenige große Städte halten die Stellung und grasen riesige Räume ab, fressen Unmengen von Disteln, um genug Kalorien für den Selbsterhalt zu finden, die meisten Siedlungen werden aufgegeben. Sie werden noch Ackerbauern sehen und versunkene Maya-Städte. Sie werden ein paar bukolische Adelsschlösser sehen, in denen sich Aktionärsfürsten von ihren Latifundien in Übersee ein schönes Leben machen, und Sachsen in der Touristenfalle Afdisneyland, die in traditionellen deutschen Trachten aus Dirndl, Pickelhaube und Hakenkreuz-Armbinde Stammestänze aufführen und Tinnef verkaufen, vielleicht mit dem einen oder anderen Casino mittendrin, ihre Töchter an Bordelle und ihre Söhne in Kriege ins Ausland schicken, damit die ihnen Geld nach Hause schicken – was aber nur eine Generation klappt, dann haben sich die Emigranten integriert und werden Teil fremder Völker.

    Ich empfinde die demographische Katastrophe nicht unbedingt als negativ – einerseits zwingt sie uns, Rassen- und Kulturschranken zu knacken, das Polarbärchi überlebt, indem es sich mit dem Braunbärchi paart, sodass seinen Erben plötzlich neue Weidegründe und Paarungspartner offen stehen. Andererseits treibt es die Robotik voran – die Maschinen als Prothesen für ganze Arbeitsheere können uns zwar verdrängen, aber wir können auch die Flucht nach Vorne antreten: Wenn 1000 Menschen 90 Prozent aller Arbeit machen, schaffen sie viel weniger, als wenn 1000 Menschen 1 Prozent aller Arbeit machen: Doch dazu müssen wir uns gezielt Herausforderungen suchen, denn wenn 1 Mensch 1000 Menschen versorgt, ist es für ihn das Sinnvollste, 999 davon zu kompostieren.

    Doch erst mal machen wir das Übliche – den Gürtel enger schnallen, um die Kräfte für den Großen Sprung nach Vorne zu sammeln. Das bedeutet, wie schon die letzten drei Male, ein Einsparen an Völkern, Staaten, Gemeinden, Kultur, Sprachen, all den Dingen, die nur noch Luxus sind, uns aber immer noch lieb und teuer.

    Vor allem aber bedeutet es das Einsparen eines Kopfes, der zum Bremser geworden ist, dem Buckel des Sisyphus, der uns auf dem Weg zur Erlösung immer wieder den Sinai herunterrollen lässt. Je länger wir den Tumor mästen, desto weniger bleibt von all dem anderen Luxus übrig. Desto weniger Startkapital bleibt für den Neuanfang übrig.

    Falls noch einer kommen sollte. Europa ist eine super Location, mitten auf einer Kreuzung – im Osten Asien, im Süden Afrika, im Norden die Amerikas, im Westen alle Häfen der Welt. Doch wir haben längst begriffen, dass es billiger ist, unsere Herden überall zu weiden, außer bei uns zuhause, und so bleiben hier nur Zwischenhändler und Feudalfürsten übrig – zu wenig, um die hohen Mieten in Sachleistungen zu bezahlen, die die Stadt Europa uns abverlangt.

    Wir brauchen die Öffnung nach Süden, die der Rassismus und die Paranoia der Gerontokraten verbieten. In Europa werden die Opis Papst, nicht Kaiser. Und wenn die Öffnung klappt, wenn die Rohstoffbeschaffung klappt, wenn die Reindustrialisierung klappt, können wir uns ja vielleicht Deutsch-Sibirien jenseits der Elbe zurückholen und mit Mischlingen aus Ossis und Chinesen besiedeln. Auch junge Chinesen würden eine Heimat mögen, die ihnen mehr Freiheit gönnt, als der Grabhügel, der allein den Sinn und Zweck erfüllt, dem ersten Kaiser Chinas die Unsterblichkeit zu erhalten – die Paranoia des Qin Shihuangdi hat ihren ersten Wirt verbraucht und fortgeworfen, weil ganz China zum Wirt geworden ist, einer Pharisäer-Pyramide, einer untoten Mumie mit prächtiger Totenmaske und Gammelfleisch dahinter.

    Wir brauchen aber die gleichen radikalen Reformen in ganz Europa, die wir auch in Deutschland hatten, die auch in Nachbarstaaten stattgefunden hatten. Und auf Gulag und Guillotine stehe ich nicht. Opa kann nix dafür, dass er alt ist und sich an sein Leben klammert und damit auch an die Macht, die seine Welt so erhält, wie er sie versteht, weil er nix Neues mehr lernen kann, und damit keine Werkzeuge als Flucht oder Angriff, wenn das Neue ihn einholt.

    Wie schaffen wir den Abriss und Neubau Europas, ohne dabei die üblichen Kriege, Scheiterhaufen, Massaker, Terror in Kauf zu nehmen? Wie macht man eine friedliche Revolution in einer Weltregion, die viel zu alt und müde und bequem für Revolutionen ist?

    Am Ende – müssen wir es nicht. Es gibt nur einen Grund dafür, Europa zu erhalten: Woanders will man die Menschen auch nicht. Irgendwo muss der Slum sein, wo all die Müden, die Armen, die geknechteten Massen Zuflucht finden. Wenn Sie solchen Slums die entsprechenden Ressourcen an den Hintern kleben, wächst daraus Amerika. Wenn nicht, bleiben sie ein Slum, aus dem jeder, der etwas auf dem Kasten hat, schleunigst flieht, um woanders Amerika zu suchen.

    Wenn Sie also Amerika woanders bauen können, hat sich die Sache erledigt. Die Jungen ziehen dorthin, die Alten sterben aus, das Land wird zum Naturschutzgebiet – und von denen haben wir ja eh viel zu wenige.

  10. Hallo @Michael,

    danke das du immer weiter machst und die spannenden Fragen stellst wie die Zukunft sich entwickelt, wenn doch soviel im Wandel ist!

    Da sich Wirtschaft durch Konsum und Nutzung definiert, hängt es einfach an der Anzahl und dem Reichtum der Menschen ab. Was bei einer schrumpfenden Bevölkerung ja nur heißt, man muss die restliche Bevölkerung in einen höheren Wohlstand führen um die Wirtschaft wachsen zu lassen.
    Es werden sicher einige Bereiche wohl nach und nach völlig von der Robotik ersetzt werden, doch auch da gilt ja die Grundregel das es sich ja mal auszahlen muss. Zsb. Robotertaxis sind auch nur dann sinnvoll wenn sie Menschliche Fahrer in Faktor Kosten/Effizienz/Unfälle wirtschaftlich “schlagen”.
    Ansonsten ist es ein teures Projekt was aber nicht die Wirtschaftlichkeit erreicht die es braucht. Ich schätze das hier der größte Brocken liegt, ab wann sich Kosten und Nutzen rechnen.
    Ähnlich wie bei KI, wo die Energie, Wasser, Prozessoren und die Strukturen die man dafür benötigt sich rechnen müssen.

    Außer man löst sich ganz von diesem Geldmodell und macht etwas, ja, völlig anderes. Weiß nur nicht wie das aussehen würde.

    Eine Frage habe ich noch bezüglich des letzten Podcast mit dir und Herrn Professor Inan: Japan ist ein hochverschuldetes, Technologieintensives und Demographisch zerfallendes riesen Land. Bei manchen Finanzler, gerade aus dem eher sozialistischen Bereich, ist die Idee das ein Staat sich nicht in seiner eigenen Währung überschulden kann. Soweit so gut. Aber die Zinsen steigen doch bei einer solchen Belastung ins unermessliche, selbst wenn sie nicht sonderlich hoch sind. Wie soll ein Staat das schaffen, ohne irgendwann die Rückzahlung zu stoppen?
    Heißt das, das er einfach irgendwann Insolvenz anmeldet und alle Gläubiger verlieren ihre Schuldscheine und dann wird quasi alles neue gemacht? Was passiert wenn fremde Staaten ebenfalls Schuldner sind und kurzerhand gesagt wird, das Geld sei jetzt einfach weg? Kann sich also ein Staat endlos verschulden, selbst wenn das Wirtschaftswachstum die Zinsen nicht annähernd decken können?

    Je mehr ich darüber nachdenke, das für jede Schuld auch ein Gläubiger existiert und wenn alles beglichen ist, man auf Null steht, so ist doch der Zinseszinseffekt das Gegenteil davon, den es muss zwangsweise sich immer steigern und erweitern um diesen zu kompensieren.
    Was aber wenn Wirtschaft so nicht mehr funktioniert?

    Das ist jetzt etwas viel, Entschuldigung dafür.

    • Vielen Dank für Deinen starken, dialogischen Druko voller guter Fragen, @Berthold 🙏 – gerne nehme ich mir dafür die Zeit!

      Du schriebst:

      danke das du immer weiter machst und die spannenden Fragen stellst wie die Zukunft sich entwickelt, wenn doch soviel im Wandel ist!

      Ja, nach meiner Beobachtung besteht eine unserer besten Chancen im dialogischen Blog-Wagenheber-Effekt. Felo.ai versteht diesen schon – ich füge deren Textausgabe dazu am Ende dieses Kommentars hinzu.

      Da sich Wirtschaft durch Konsum und Nutzung definiert, hängt es einfach an der Anzahl und dem Reichtum der Menschen ab. Was bei einer schrumpfenden Bevölkerung ja nur heißt, man muss die restliche Bevölkerung in einen höheren Wohlstand führen um die Wirtschaft wachsen zu lassen.

      Das ist eine hervorragende Zusammenfassung der demografisch bedingten Nachfragekrise, @Berthold – vielen herzlichen Dank! 🙏🙌

      Es werden sicher einige Bereiche wohl nach und nach völlig von der Robotik ersetzt werden, doch auch da gilt ja die Grundregel das es sich ja mal auszahlen muss. Zsb. Robotertaxis sind auch nur dann sinnvoll wenn sie Menschliche Fahrer in Faktor Kosten/Effizienz/Unfälle wirtschaftlich “schlagen”.
      Ansonsten ist es ein teures Projekt was aber nicht die Wirtschaftlichkeit erreicht die es braucht. Ich schätze das hier der größte Brocken liegt, ab wann sich Kosten und Nutzen rechnen.

      Ja, wir sehen diese schnellen Kosten-Fortschritte doch bereits etwa bei Smartphones und Saugrobotern, die bereits heute den Alltag von immer mehr Menschen beeinflussen. Auch Fahr-Assistenzsysteme vom Navigationsgerät bis zu ABS und Warnsystemen setzen sich bereits in einem rapiden Tempo durch. Und sogar in der Landes- und Autohauptstadt Stuttgart setzen sich Elektroautos bereits durch!

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/solarpunk-statt-detroit-elektroautos-erobern-stuttgart/

      Ähnlich wie bei KI, wo die Energie, Wasser, Prozessoren und die Strukturen die man dafür benötigt sich rechnen müssen.

      Außer man löst sich ganz von diesem Geldmodell und macht etwas, ja, völlig anderes. Weiß nur nicht wie das aussehen würde.

      Da sich Geld mit Thymos bzw. Status verbunden hat und soziale Anerkennung zu den Urbedürfnissen der Menschen gehört, durch digitale Konzernmedien sogar angefacht wird, sehe ich auf absehbare Zeit keine Alternative zum “Geldsystem” insgesamt. Ich beobachte jedoch, dass sich schon jetzt immer mehr Menschen davon lösen und erkennen, dass sie das Urbedürfnis nach sozialer Anerkennung beispielsweise im Familien- und Freundeskreis sowie im Ehrenamt als Pfadfinder oder Kirchengemeinderätin so viel besser erfüllen können als durch überzogene Fokussierung auf Erwerbsarbeit.

      Eine Frage habe ich noch bezüglich des letzten Podcast mit dir und Herrn Professor Inan: Japan ist ein hochverschuldetes, Technologieintensives und Demographisch zerfallendes riesen Land. Bei manchen Finanzler, gerade aus dem eher sozialistischen Bereich, ist die Idee das ein Staat sich nicht in seiner eigenen Währung überschulden kann. Soweit so gut. Aber die Zinsen steigen doch bei einer solchen Belastung ins unermessliche, selbst wenn sie nicht sonderlich hoch sind. Wie soll ein Staat das schaffen, ohne irgendwann die Rückzahlung zu stoppen?

      Ja, genau das ist der Punkt: Schon jetzt hat die neue, japanische Premierministerin Sanae Takaichi mehrfach für Unruhe an den Währungs- und Anleihemärkten gesorgt, da allen klar ist – eine schnell steigende Verschuldung bei schnell schrumpfender Bevölkerung wird irgendwann zusammenbrechen müssen. Dann steigt die Unsicherheit und steigen die Anleihezinsen – womit sich die prekäre Situation der Verschuldeten weiter verschärft.

      Bisher wirkt jedoch die demografische Alterung noch stabilisierend, da viele Ältere noch Sparen und lieber auf Sicherheit – also auf Staatsanleihen – setzen. Denkbar ist auch, dass sich Staaten diskret durch eine höhere Inflation entschulden, also die Schuldensummen zwar unangetastet lassen, aber “eigentlich” entwerten. Auch deswegen empfehle ich, aufmerksam auf die Entwicklungen in Japan, Südkorea und China zu schauen – daraus wird sich für Europa einiges lernen lassen…

      Heißt das, das er einfach irgendwann Insolvenz anmeldet und alle Gläubiger verlieren ihre Schuldscheine und dann wird quasi alles neue gemacht? Was passiert wenn fremde Staaten ebenfalls Schuldner sind und kurzerhand gesagt wird, das Geld sei jetzt einfach weg? Kann sich also ein Staat endlos verschulden, selbst wenn das Wirtschaftswachstum die Zinsen nicht annähernd decken können?

      Nach alter Lehre wäre das unmöglich – aber gerade auch diese wird durch die Demografie neu herausgefordert. Nimm als Beispiel auch etwa Indien, wo einige riesige und schnell alternde Mittelschicht entsteht. Hier werden täglich riesige Geldsummen angespart und wiederum den Staaten als Kredit angeboten. Neben der Möglichkeit eines Schuldenschnittes besteht auch die Chance auf Einsparungen und Inflation, um die Schuldenberge dann doch wieder diskret abzubauen. Ich halte deswegen jede zu starre Schuldenbremse für überholt – in demografisch verebbenden Gesellschaften müssen Staaten investieren und Nachfrage ankurbeln können.

      Je mehr ich darüber nachdenke, das für jede Schuld auch ein Gläubiger existiert und wenn alles beglichen ist, man auf Null steht, so ist doch der Zinseszinseffekt das Gegenteil davon, den es muss zwangsweise sich immer steigern und erweitern um diesen zu kompensieren.

      Danke, das sind kluge Gedanken, zu denen ich als gelernter Banker aber hinzufügen möchte: In schnell alternden Gesellschaften hast Du immer mehr ältere Sparende und immer weniger junge Kreditnehmende. Das bedeutet also ein starkes Absinken der Zinsen und des Zinseszins-Effektes, wie wir es ja auch in den letzten Jahrzehnten gesehen haben. Auch Staaten können sich daher zu niedrigeren Zinsen verschulden – soweit sie das erhobene Geld dann aber auch klug zur Ankurbelung von Investitionen und Nachfrage einsetzen. Ich glaube also, dass es kluge Formen der Verschuldung geben kann, die die demografische Dividende in eine bessere Solarpunk-Zukunft investieren.

      Was aber wenn Wirtschaft so nicht mehr funktioniert?

      Klar ist, dass die Wirtschaft in einer demografisch schrumpfenden Weltbevölkerung grundlegend anders funktioniert als jene der letzten Jahrhunderte. Leider stellen sich jedoch die wenigsten Ökonominnen und Ökonomen den Herausforderungen der Demografie bzw. reden immer noch vom “Fachkräftemangel”, als gebe es nicht längst vor allem eine Nachfragekrise. So, wie zum Energieglauben möchte ich mit “Natur des Glaubens” auch zum Wirtschaftsglauben interdisziplinäre Impulse zur Verfügung stellen. Und ich sehe und erlebe ja, dass dies sowohl direkt wie auch über KI-Abfragen bereits einiges bewegt…

      Das ist jetzt etwas viel, Entschuldigung dafür.

      Nein, entschuldige Dich bitte nicht – das war großartig! Genau solche dialogischen Momente motivieren mich, immer wieder weiter und neu zu bloggen. Die Auswirkungen von KI-Auswertungen und die Beschleunigungen des dialogischen Blog-Wagenheber-Effekts erlebe ich schon heute – und gerade auch bei interessierten Menschen wie Dir, lieber @Berthold ! 🙏🙌

      Hierzu einige kluge Zeilen von Felo.ai:

      Dr. Michael Blume verknüpft den „dialogischen Blog-Wagenheber-Effekt“ (auch „Wagenheber-Lernen“) mit der Hoffnung, dass Menschen durch den gezielten Einsatz von Medien und Künstlicher Intelligenz (KI) ihre eigene Kreativität und Mündigkeit steigern können, anstatt von Konzern-Algorithmen entmündigt zu werden. Diese Methode dient als Werkzeug, um eine wissenschaftlich fundierte, demokratische und nachhaltige „Solarpunk“-Zukunft zu gestalten.

      Im Folgenden werden die zentralen Argumente und Hoffnungen Blumes dargelegt:

      ## 1. Der Wagenheber-Effekt als Werkzeug für Wissen und Mündigkeit
      Blume nutzt die Metapher des Wagenhebers, um zu beschreiben, wie technische Hilfsmittel (wie KI und Blogs) den Menschen „anheben“ und befähigen können, Aufgaben zu bewältigen, die allein zu schwer wären.
      * **Dialogisches Lernen statt Kontrollverlust:** Blume hofft, dass Nutzer durch „dialogisches Lernen“ die Kontrolle über ihre Mediennutzung behalten. Er stellt die These auf, dass der Einsatz vieler verschiedener, spezialisierter KI-Anwendungen (idealerweise europäische FOSS-Lösungen) die menschliche Autonomie stärkt („Wagenheber-Effekt“), während die Abhängigkeit von einer einzigen, zentralen Konzern-KI (AGI) zur Fremdbestimmung führt[5].
      * **Medienbildung:** Der Effekt soll helfen, das „Medienparadox“ zu bewältigen. Durch die aktive, dialogische Auseinandersetzung in Blogs und Netzwerken (wie dem Fediversum) können Menschen wissenschaftliche Erkenntnisse vertiefen und sich gegen Desinformation, Verschwörungsmythen und „antisoziale Konzernmedien“ wappnen[1][5].

      ## 2. Solarpunk als Zielbild: Eine post-fossile, demokratische Zukunft
      Der Wagenheber-Effekt ist kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um die Vision des Solarpunk Realität werden zu lassen. Solarpunk ist für Blume mehr als eine ästhetische Utopie; es ist eine konkrete Überlebensstrategie gegen die „fossile Gier“ und den Klimawandel.
      * **Selbstwirksamkeit und Partizipation:** Solarpunk setzt auf dezentrale Lösungen (z. B. Balkonkraftwerke als „Friedensenergien“) und das Prinzip „Niemand kann alles, aber alle können etwas tun“. Der dialogische Austausch im Netz soll Menschen ermutigen, Teil dieser „Arche-Regionen“ zu werden, in denen Demokratie und Wissen bewahrt werden[2].
      * **Verbindung von Wissenschaft und Hoffnung:** Blume verknüpft den Solarpunk mit einer wissenschaftlich informierten Weltsicht, die den Dualismus (Religion vs. Wissenschaft) überwindet. Er hofft, dass durch den dialogischen Austausch eine „post-fossile Identität“ entsteht, die technologischen Fortschritt mit ökologischer Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit verbindet[2][3].

      Zusammenfassend betrachtet Dr. Blume den „dialogischen Wagenheber-Effekt“ als einen Hebel, um in einer Zeit der Krisen (Klimawandel, Desinformation) handlungsfähig zu bleiben und aktiv an einer lebenswerten, demokratischen Zukunft (Solarpunk) zu bauen[1][2][5].

      [1] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/durch-mimesis-medien-verstehen-ki-zwischen-biedermeier-kreativitaet/
      [2] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/solarpunk-ist-mehr-als-utopie-schon-heute-gegen-reaktanz-und-arroganz-leben/
      [3] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/zeitenwende-mit-solarpunk-allen-einen-guten-rosch-ins-jahr-2026/
      [4] https://bsky.app/profile/blumeevolution.sueden.social.ap.brid.gy
      [5] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-46-interaktiver-vodcast-zu-ki-kokons/
      [6] https://bsky.app/profile/did:plc:u2zs4clm432mbavhnvjwmusr
      [7] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-50-digitale-gewalt-die-kultur-japanischer-blutgruppen/
      [8] https://penguicon.social/@BlumeEvolution@sueden.social/115801582239157296

      • Danke @Michael, für die ausführliche Antwort!

        Wenn ich zusammenfassen darf: Schulden sind auch bei Demographischen Gefälle nicht schlecht, wichtig ist der Sinn wie sie ausgegeben werden.

        Solange ich kein System erhalte, das die Jüngeren massiv Unterstützt und ihnen die Möglichkeiten gibt Effizienter als ihre Vorgänger zu sein, werden meine Schulden Investitionen sich nicht rentieren. Genauso braucht es Vertrauen der Älteren, die eben über den Staat die Jüngeren Finanzieren, aber eben auch davon einen Gewinn erwarten. Also kein wildes Wachstum, sondern gemächlich aber dafür gut kalkulierbar?

        Wäre nur interessant wie ein solcher Schlüssel aussehen würde.

      • Kleiner Nachtrag, bei schrumpfender Bevölkerung und mit einer immer älteren Kohorte, wird der Wert des Lebens des einzelnen Menschen nicht steigen?
        So das man tatsächlich dem Christlichen Menschenbild evt. näher rückt?

        • Ja, @Berthold Forster – die säkulare Geburtenimplosion könnte (!) nach Jahrhunderten des Malthusianismus und Sozialdarwinismus endlich zu einer Renaissance des biblischen Menschenbildes und zu einer neuen Wertschätzung der Menschenwürde führen. Allerdings sehen wir etwa in Russland, Iran, Katar, Venezuela und auch in China selbst auch die andere Option: Die alten Regime könnten der wachsenden Unzufriedenheit der jungen Generationen dadurch begegnen, dass sie einen Teil der jungen Männer gegen die anderen bewaffnen und auch vertreiben, ja töten lassen. Ich habe diese bislang viel zu erfolgreiche Strategie im Dialog mit Prof. Dr. Inan Ince nach dem Star Wars-Imperator als “Sturmtruppen-Strategie” bezeichnet:

          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-21-star-wars-day-identitaeten-fossile-sturmtruppen-theorie/

          Denn auch der Space Opera-Imperator Palpatine ersetzte seine Klontruppen durch rekrutierte Soldaten, um damit die Verzweiflung und Unruhen der jungen Menschen zu unterdrücken. Kritiker mussten mit Einberufung und Versetzung an Kriegsschauplätze, Widerständler (“Rebellen”) mit direkter Gewalt rechnen. Die Rede von Senatorin Mon Mothma vor dem Senat in der “Andor”-Serie halte ich für brillant…,

          https://www.youtube.com/watch?v=KYnE2Mxayco

          …auch wenn ich mein Disney+-Abonnement inzwischen aus Kritik vor der Trump-Hörigkeit des Konzerns gekündigt habe. Hier wird der Unterschied zwischen dem dialogisch-demokratischen Monismus und dem tyrannisch-faschistischen Dualismus gerade auch anhand der Wahrheitsfrage fantastisch auf den Punkt gebracht.

          • Das ist ein schöner Gedanke.

            Ich meine, dass viel davon abhängen wird, in welcher Atmosphäre die künftigen Generationen aufwachsen.

            Welche Rolle spielt die Gleichberechtigung von Mann und Frau? Denn ohne Akzeptanz wird es auch mit der Wertschätzung allgemein nicht gut aussehen.

            Wie wird KI diese Gleichberechtigung darstellen? Manipulation durch Männer (vermutlich eher als durch Frauen)? Diktatoren schreiben die Geschichte um, wenn ihnen die Wahrheit nicht in ihr Geschichts- und Weltbild passt.

            Spannend finde ich auch die Frage, wie künftige Generationen und deren Führungselite damit umgeht, gäbe es beispielsweise einen signifikanten Überschuss eines der beiden Geschlechter.

            Wieviel Freiheit genießt das Individuum, um seine Talente, sein Wissen voll zu entfalten?

            Wir haben hier schon sehr häufig die massiven Veränderungen in unserer Zeit besprochen. Angesichts dessen ist die Zukunft wahrscheinlich ganz anders als wir uns das vorstellen.

    • @Berthold Foster bezüglich Verschuldung Japans
      Da haben sie absolut recht : jede hohe Verschuldung 1) garantiert spätere Probleme und 2) wird früher oder später getilgt und die Form der Tilgung kann von Krieg, Langzeit-Kredit-Unwürdigkeit bis zum Währungskollaps gehen.

      Allerdings muss man zwischen Innlandsverschuldung und Auslandverschuldung unterscheiden. google-KI sagt dazu:

      Inlandsverschuldung ermöglicht eine Umschichtung von Vermögen innerhalb des Staates, während Auslandsverschuldung zu einer Abhängigkeit von ausländischem Kapital und Wechselkursschwankungen führt.
      Ein hoher Anteil an Auslandsschulden, insbesondere in Fremdwährung, kann die Souveränität eines Staates einschränken.
      ….
      In Japan ist das Verhältnis von Inlands- zu Auslandsverschuldung extrem einseitig zugunsten der Inlandsschulden verschoben. Das Land finanziert seine Rekordschulden fast ausschliesslich über den eigenen Kapitalmarkt.

      Diese Struktur ist der Hauptgrund, warum Japan trotz der weltweit höchsten Schuldenquote unter den Industrieländern nicht in eine klassische Staatsschuldenkrise gerät. Da die Gläubiger im Inland sitzen und die Schulden in der Heimatwährung (Yen) denominiert sind, fliessen Zinszahlungen nicht aus dem Land ab, sondern verbleiben im japanischen Wirtschaftskreislauf. Zudem agiert die Zentralbank als “Käufer der letzten Instanz”, was die Zinsen künstlich niedrig hält.

      Kurzum: Wer Fremden Geld schuldet muss sich auf einiges gefasst machen, der Staat, der aber nur Menschen des gleichen Staates Geld schuldet, der kann das Problem rein intern lösen.

      • Sehr geehrter Herr @Martin Holzherr,

        danke für den Denkanstoß!
        Ich habe schon davon gehört das das Hauptproblem eher die Art des Gläubigers ist, schließlich wird ja auch ein Gläubiger am eigenen Staat, sowohl diesen zu versuchen zu erhalten und gleichzeitig lukrativ bleiben zu lassen. Also eine hohe Motivation ihn nicht einfach auszubluten um den Profit zu erhalten.
        Was ja bei Ländern, die stark bei anderen Staaten verschuldet sind anders aussieht. Da ist das Druckmittel immer groß und könnte auch zu einem Kolonialen Verhältnis führen. Wenn ich mich nicht täusche hat Sri Lanka diesen Weg mit China eingeschlagen.

        Bei den USA ist ein spannendes Thema, das die Überlegung, einfach die Schulden als nichtig zu erklären. Damit wären eine Vielzahl an Investitionen weg und die Frage bleibt, wo die ganze Leistung schlussendlich hingeflossen ist.

        Da sticht auch das Lokale wieder das Globale aus. Wer in seiner eigenen Heimat investiert, wird hoffentlich alles daran setzen das sie Lebendig bleibt. 🙂

  11. @ Michael Blume 22.02.2026, 11:57 Uhr

    Zitat: „… wobei Sie leider erneut an Ihren tyrannophilen Träumen einer wohlwollenden KI-Diktatur festhalten wollen.“

    Selbstverständlich wird keiner gezwungen, bei der Organisation der „KI Schnäppchenverteilung“ mitzumachen, alles auf freiwilliger Basis, wie die Mitgliedschaft in einem Verein….

    Vom Staat beauftragte (bestens geeignete Firmen sollten das System entwickeln, es sollte in staatlicher, objektiver Hand bleiben und ordentlich kontrolliert werden. Das sollte zunächst staatlich gefördert werden, später von Mitgliedsbeiträgen, allenfalls von Sponsoren finanziert werden, wie jeder Verein….

    Firmen bieten ihre zu vergebenden Überschussgüter oder Dienstleistungen an und sollen sich sicher sein können, dass ihnen die Marktpreise möglichst nicht verdorben werden.

    Kunden geben bekannt, was sie selbst leisten wollen und was sie sich grundsätzlich wünschen. Keiner wird zu irgend etwas gezwungen.

    Missstände, die natürlich auch hier auftreten würden, müssen behoben werden. Datenmissbrauch ist verboten, wie auch sonst.

    Firmen oder Kunden können austreten, oder allenfalls aus der Organisation entfernt werden….. Alles völlig freiwillig und liberal, wie bei den Kaninchenzüchtern.

    Ein Außenstehender der nicht mitmacht, ist selber schuld, wenn er zuschauen muss, wie seine Umgebung immer wohlhabender an Gütern und Dienstleistungen wird. Alles ganz einfach….

    Die meisten Menschen wollen „immer besser immer mehr“, wollen nicht wie ein „Bettelmönch“ leben…. Sonst wären wir offensichtlich in der Steinzeit stehen geblieben.

    Ich persönlich nutze Google relativ viel, weil ich recht neugierig bin, sie bekommen von mir direkt so gut wie kein Geld. Die Werbung erreicht mich erst, wenn ich bereits billig eingekauft habe….
    Ich profitiere, Google kaumt. Ich verschleudere gerne meine Gedanken, es hält mich geistig fit, das ist mir wichtig.

    Ich beschuldige Medien oft der Manipulation, lasse mich aber, wegen meines psychologischen Backgrounds kaum manipulieren.

    Die meisten Menschen machen sich auf den Weg ins Paradies oder das Konsumparadies, war schon immer so, ……

  12. @ Michael Blume 22.02.2026, 13:41 Uhr

    Zitat: „Freiwillig und ehrenamtlich, also zivilgesellschaftlich organisierte sowie überwiegend Spenden – finanzierte Tafel – Läden gibt es in demokratischen Gesellschaften doch bereits!“

    Es geht mir nicht nur um Tafeln. Es geht darum, dass die durch KI und Roboter ermöglichte, sehr hohe Produktivkraft in einer Marktwirtschaft (nicht einmal in China) nicht genutzt werden kann, weil der Kunde schlicht zu wenig Geld hat, aber andere Ressourcen.

    Meine „aufgewärmte“ Idee geht auf alte Konzepte zurück, die genutzt wurden, wenn der „normale Geld- Warenmarkt nicht funktioniert hat. Stichworte: Tauschhandel, Kompensationsgeschäfte, Barter-Deals, Gegenkauf, Verrechnungsgeschäfte oder Clearinghandel.

    Werden leicht produzierbaren Güter, allenfalls auch Dienstleistungen, einfach auf den Markt geworfen, verfällt wegen des Überangebotes der Preis und zwar so schnell, dass die Wirtschaft ins Trudeln kommt und immer mehr arbeitslos werden.

    Die Menschen wagen wegen der trüben Aussichten keinen Konsum, weil sie befürchten, das Geld dringender für Lebensmittel zu benötigen. Trotz zusätzlichem Warenangebot und sogar sinkender Preise, wird immer weniger verkauft. Die Betriebe gehen ein und die Unternehmer in den Knast.

    Der Verfall der Marktpreise muss verhindert werden. Marktpreis wäre hier der Preis, den einer zahlen muss, wenn er eine bestimmte Ware sofort bekommt, wenn er das Geld hinlegt.

    „Schnäppchen“ der besonderen Art, gibt es nur, wenn Überschussgüter vorhanden sind und das Geld, das knapp nicht reicht auf andere Art „erarbeitet“ wird.

    Hat der Kunde kein, oder zu wenig Geld, kann er etwas anderes anbieten. Ähnlich wie bei Barter Geschäften.

    Zitat Google: „Barter-Geschäfte (Tauschhandel) sind der direkte Austausch von Waren oder Dienstleistungen zwischen zwei Parteien ohne Geldfluss. Sie dienen oft der Liquiditätssicherung, da keine Cash-Reserven benötigt werden, und basieren auf dem Prinzip der Win-Win-Situation, bei der beide Seiten ihre Kapazitäten oder Bestände nutzen.“

    Derartige Geschäfte sind hoch komplex und schwer zu steuern. KI sollte dies ermöglichen….

    Es gibt hier keine Tyrannei, alles ist freiwillig…..

    • Lieben Dank, @Realo – doch im Grunde wiederholen wir hier nur die Unterschiede zwischen einer autoritären & tyrannophilen und einer dialogischen & demokratischen Haltung.

      Sie

      – beschreiben Ihre Ängste,
      – lehnen jegliche Verantwortung für sich selber ab
      – erhoffen sich Erlösung durch eine menschliche oder elektronische Autorität.

      Ich
      – nehme Sorgen ernst, verweise aber auch auf Chancen (Solarpunk)
      – ermutige dazu, selbst Teil der Veränderung zu werden. „Niemand kann alles, aber alle können etwas verändern.“
      – plädiere für die Erhaltung von Menschenwürde, Freiheit, Demokratie.

      Ich vermute nach Ihren eigenen Schilderungen die Wurzeln Ihrer autoritären Prägung in der Kindheit, die jetzt im Alter wieder stärker durchbricht. Ob Sie sich davon noch emotional freimachen wollen, das bleibt Ihre Entscheidung – und Verantwortung.

  13. @Realo 22.02. 13:26

    „Firmen bieten ihre zu vergebenden Überschussgüter oder Dienstleistungen an und sollen sich sicher sein können, dass ihnen die Marktpreise möglichst nicht verdorben werden.“

    Die Nachfragekrise dürfte doch sogar auch Güter betreffen, die auf solche Art verschenkt werden. Keiner kann mehr Essen, als er Hunger hat. Und wer verschenkt, reduziert doch unvermeidlich auch den kommerziellen Markt selbst.

    Das Grundproblem bleibt bestehen: Eine nachhaltig schrumpfende Demografie führt zu nachhaltig schrumpfender Wirtschaft, was wiederum auch ein schrumpfendes Kapital erfordert.

    Noch leihen sich einfach die Staatskassen bei Bürgern das überschüssige Kapital, und geben das Geld dann einfach aus. Das Guthaben wird so längst verpulvert, steht aber noch als Anspruch in den Kontobuchungen verzeichnet.

    Nachhaltig wäre, wenn man über Kapitalertrags-, Vermögens- und Erbschaftsteuern das überschüssige Kapital geordnet in die Wirtschaftskreisläufe zurückführen würde.

    Das käme einer auch praktischen Robotersteuer gleich. Würde aber in allen Wirtschaftsbereichen gleichermaßen wirksam werden.

    Die sozialen Herausforderungen deutlich reduzierter Arbeitszeiten halte ich für zu bewältigen. Das käme Vielen wohl sogar entgegen. Und man hätte dann zumindest mehr Zeit für mehr Kinder.

    Die man ja nun auch wirklich bräuchte. Die Kinder versorgen und erziehen sich ja nun nicht von selber. Gerade 3 oder 4 Stück davon. Und die müsste man schon anstreben, wenn das wirklich was werden soll. Viele können aus biologischen oder sozialen Gründen da wenig zu beitragen, das müssen Andere ausgleichen, die die Ressourcen dafür haben.

    Kann uns ein erhöhter Kapitalbedarf der Energiewende, längerfristiger Aufrüstung und für KI und Roboter retten? Das wirkt sich wohl schon entlastend aus, reicht aber vermutlich nicht.

    Und wenn wir wirklich für alles Freie Software schreiben, fällt das dann auch als kommerzieller Umsatz weg. Dennoch wäre gerade das das wirklich wichtigste globale Zukunftsprojekt.

  14. Henry Ford hat vor hundert Jahren mal gesagt:
    Autos kaufen keine Autos
    ergo:
    Roboter kaufen keine Roboter
    Kommt vielleicht darauf an, was die Work-Life Balance oder die Meinung über die WLB dazu bewirkt.
    Die Papiertiger werdens schon richten…

  15. @ Michael Blume 22.02.2026, 16:31 Uhr

    Mir kommt es stets auf sachliche, korrekte, möglichst unangreifbare Problemlösungen an.

    Ich habe in meinem schon längeren Leben (über 80) schon allerhand mitbekommen und wegen meiner ausgeprägten Vorsicht und meinem Misstrauen konnte ich, vergleichsweise, fast alle Probleme erfolgreich abwenden.

    Ich habe gerne auf Verantwortung verzichtet. Habe aber andere Verantwortungsträger stets wütend verteidigt.

    „Erlösung“ ist abstrakt und vage, daher ist mir diese Frage grundsätzlich egal.

    Ich habe Mitgefühl mit Menschen die Sorgen haben, neige dazu alles zu analysieren und habe mich stets vorsorglich bemüht keine Sorgen zu haben….

    Chancen sollten wir, natürlich umsichtig, nutzen und vorsichtig positive Veränderung in Erwägung ziehen. Bei Übertreibungen bin ich skeptisch, alles muss sorgfältig überlegt und geplant werden um Fehler zu vermeiden.

    Menschenwürde, Freiheit, Demokratie ist natürlich auch mir wichtig. Weil ich grundsätzlich alles hinterfrage, achte ich auch hier auf negative Entwicklungen.

    Es stimmt, dass meine Generation einer extrem autoritären Prägung in der Kindheit ausgesetzt war. Ich aber nicht. Vermute, meinen Vater ist aufgefallen, dass ein Kind in unserer Umgebung wegen dieser Erziehung, schwere psychische Schäden davongetragen hat und er hat mich vor derartigen Erziehungsmethoden verschont?

    Ein anderer Nachbar vermutete „Vernachlässigung“ weil ich nicht diesen „Erziehungsmethoden“ ausgesetzt war. Ich bin eher, im Vergleich mit meinen Kumpels, wegen einer zu „lockeren Erziehung“ aufgefallen.

    Korrektheit und im Job ja nicht „angreifbar“ zu sein, war wichtig. Ich fühle mich dennoch recht frei….

    • Danke für Ihre Schilderungen, @Realo

      Es ist auffällig und interessant, dass Sie auch diesen Druko mit der gleichen Angst eröffnen und abschließen.

      Im ersten Satz schreiben Sie:

      Mir kommt es stets auf sachliche, korrekte, möglichst unangreifbare Problemlösungen an.

      Und im letzten Absatz schreiben Sie:

      Korrektheit und im Job ja nicht „angreifbar“ zu sein, war wichtig. Ich fühle mich dennoch recht frei….

      Nun bin ich hier nur ein ehrenamtlicher Wissenschaftsblogger, kein Therapeut. Ich kann Ihnen also nur mitteilen, dass ich mich ja auch deswegen mit Klarnamen ins Fediversum wage, weil ich mit Angriffen umzugehen gelernt habe. Gerade bekomme ich sehr viele schöne Rückmeldungen zu einem DLF-Beitrag von Mechthild Klein rund um die christliche Fastenzeit und den islamischen Ramadan.

      https://www.deutschlandfunk.de/fastenzeit-und-ramadan-wie-muslime-und-christen-gemeinsam-fasten-100.html

      Gibt es auch versagende Dualisten, die dagegen wettern? Selbstverständlich, die wird es immer geben. Aber ich lebe lieber mutig und frei als versteckt und “unangreifbar”. 🌞

      Ihnen von Herzen einen schönen und gerne angstfreien, erkenntnisoffenen Sonntagabend! 🙌

  16. @ Tobias Jeckenburger 22.02.2026, 16:34 Uhr

    Zitat: „Die Nachfragekrise dürfte doch sogar auch Güter betreffen, die auf solche Art verschenkt werden. Keiner kann mehr Essen, als er Hunger hat. Und wer verschenkt, reduziert doch unvermeidlich auch den kommerziellen Markt selbst.“

    Muss nicht sein. Wer den vollen Preis bezahlen muss, achtet selbst darauf, dass die Gurke die richtige Krümmung hat. Bei der Tafel dürfte es egal sein.

    Allerdings dürfte in China dass Überschussproblem (wegen Roboter und KI) so groß sein, dass weder die „Schnäppchen Methode“, noch Barter-Geschäfte, noch Exporte und nicht einmal mehrere Millionen mehr Kinder eine Lösung sein würden.

    Mich verblüfft nur, dass ausgerechnet Kommunisten derartige Probleme haben. Die hatte früher immer Mangelversorgung….

    An sich ist der Mensch gierig, will immer mehr…..

    Kapitalertrags-, Vermögens- und Erbschaftsteuern werden weiter gereicht an die Käufer. Wenn nicht, sind irgendwann die Vermögen „verbraucht“.

    Roboter und KI Systeme müssten unentgeltlich für den Staat arbeiten. Z.B. Kinder am Bildschirm unterrichten,…. Ist aber schwer zu realisieren.

    Ich meine halt, die Chinesen sollten sich aus den vielen arbeitslosen jungen Akademikerinnen mittels Psychotests, als Mutter besonders geeignete Frauen heraussuchen und bestens fördern. Die Familien in geeigneten Überschusswohnungen unterbringen und mit passenden Homeoffice Jobs versorgen…

  17. Werden sie und andere dauerhaft mehr Arbeitsplätze schaffen[?]

    Eventuell sollten wir aufhören, uns ausschließlich über die Arbeit zu definieren? “Earth for all” des Club of Rome stellt die Möglichkeiten eines bedingungslosen Grundeinkommens als ökonomisch sinnvolle Perspektive wohl nicht grundlos vor, damit auch Thesen, wie der, der Notwendigkeit (?) immerwährenden — sprich grenzenlosen — Wachstums in Frage stellend … wenn ich das alles denn recht noch erinnere bzw. verstand.

    Man könnte statt dessen ja auch einfach schauen, was ein Land an sich braucht, stabil fortzubestehen und sich darauf dann beschränken, statt Überproduktionen und gegenseitige (okay, nenn mich ruhig naiv) Übervorteilung zu Lasten der Um- oder wie du es wohl nennen würdest Mitwelt zu praktizieren.

    Den Nutzen für den Staat, wie auch das Individuum, sehe ich also eher nicht durch Bereitstellung möglichst vieler Arbeitsplätze bestmöglich repräsentiert. Robotik wird, denke ich, viele Arbeitsplätze nichtig machen, ja! Aber wenn diese Leistungen für die Gemeinschaft (statt einige wenige Überreiche) erbracht wird und der Gemeinschaft deren Erträge gerecht verteilt dann zukäme, wäre der verlorene menschliche Arbeitsplatz dann immer noch ein wirklicher, auch individueller, Verlust?

    Oder wäre es nicht vielmehr eine Chance für jede*n Einzelne*n, sich eigenen Idealen nun überhaupt erst zuwenden zu können? Sei es durch die Ausübung gemeinnützige Tätigkeiten, die Übernahme anderer Aufgaben welche noch der menschlichen Entscheidungen bedürfen (wie etwa durch die Bekleidung politischer Ämter), etc.

    – oder werden wir das Verhältnis von Erwerbs-, Familien- und Sinnarbeit (Ehrenamt) ganz neu erfinden?

    Ich wüsste nicht, was man sinnvolles sonst tun sollte, als die alten Verhältnisse den neuen Gegebenheiten anzupassen!? Alles andere schiene mir zumindest, Pardon, extrem widersinnig, respektive den Profitinteressen weniger Überreicher nur dienlich!?

  18. Edith zum noch nicht freigegebenen vorherigen Beitrag von mir. ⤴️

    Falscher Link zum Buch: Der hier ist der Richtige.

    Und die Webseite Oben (Ich@beGharkaineWebseit.de) war ein Scherz. Wusste nicht, dass der Link dazu den Namen unterlegt und dadurch über Gebühr irritieren kann. Sorry! (ó_ò)

  19. @ Michael Blume 22.02.2026, 21:21 Uhr

    Obwohl ich mich für einen “kalten”, strikt rationalen Typ halte, ich hatte immer große Angst davor, als Verantwortungsträger einen anderen Menschen „weh tun“ zu müssen. Z.B. womöglich eine Kündigung aussprechen zu müssen…..

    Es ist mir klar, dass es einer tun muss.

    Aber nie und nimmer ich….

  20. @Realo 22.02. 20:01

    „…und nicht einmal mehrere Millionen mehr Kinder eine Lösung sein würden.“

    In der Tat scheinen KI und Roboter schon in den nächsten Jahren noch nie gesehene Produktivitätssteigerungen zu verursachen. Dazu addiert sich aber dann auch noch der demografisch bedingte Nachfrageeinbruch.

    Umso dringender, hier Lösungen für ein Leben mit weniger Arbeit und für schrumpfende Wirtschaft samt schrumpfenden Kapitals zu finden.

    „Kapitalertrags-, Vermögens- und Erbschaftsteuern werden weiter gereicht an die Käufer. Wenn nicht, sind irgendwann die Vermögen „verbraucht“.“

    Es geht mir doch nicht um die komplette Abschaffung von Kapital. Aber eben so viel Besteuerung, das Kapital nur genau so viel kleiner wird, wie es dem real schrumpfenden Wirtschaftsumfang entspricht. Und die damit einhergehende Senkung der Steuern auf Arbeit würde sogar die Nachfrage fördern und die allgemeine Wirtschaftsschrumpfung noch bremsen helfen.

    „Roboter und KI Systeme müssten unentgeltlich für den Staat arbeiten. Z.B. Kinder am Bildschirm unterrichten,…. Ist aber schwer zu realisieren.“

    Wenn der Staat genug Geld hat, kann er eben diese KI-Systeme kaufen und dann einsetzen. Und damit teilweise noch Personal abbauen. Und wenn hier Freie Software wirksam gefördert wird, dann werden diese KI-Systeme nicht nur billiger, dann weis auch jeder, was man da wirklich hat und z.B. auf Schüler loslässt.

    „Ich meine halt, die Chinesen sollten sich aus den vielen arbeitslosen jungen Akademikerinnen mittels Psychotests, als Mutter besonders geeignete Frauen heraussuchen und bestens fördern. Die Familien in geeigneten Überschusswohnungen unterbringen und mit passenden Homeoffice Jobs versorgen…“

    Eine vernünftige KP-Führung sollte genau das jetzt machen. Und da bin ich echt gespannt, was da noch wirklich passiert. Alternativ könnte China auch massiv aufrüsten, und wenn nur, um die Wirtschaft doch noch weiter wachsen lassen zu können.

  21. @ Michael Blume 22.02.2026, 23:44 Uhr

    Ja, psychologisch kann ich Sie jetzt gut verstehen. Ja, ich bin, gemäß der von Ihnen konstruierten Definition, „tyrannophil“.

    Zumal ein Verantwortungsträger (z.B. auch bei uns), einen anderen Menschen seinen Job, seine Existenz nehmen darf….. Sozialleistungen stehen zunehmend zur Disposition.

    Möchte meine persönliche Würde aber nicht daraus ableiten müssen, z.B. als Verantwortungsträger, anderen Menschen „weh tun zu dürfen“, sie womöglich „vernichten“ zu müssen.

    Es ist nun einmal aus psychologischen Gründen so, dass es vielen Menschen nicht reicht, wenn es ihnen gut geht.

    So richtig gut geht es ihnen erst, wenn sie Macht bekommen, Macht über Mitmenschen verfügen zu dürfen, womöglich „Speichellecker“ belohnen, und „Andersdenkende“ bestrafen zu dürfen.

    Damit will ich nichts zu tun haben….

  22. @ Tobias Jeckenburger 23.02.2026, 00:56 Uhr

    Die Einführung einer zusätzlichen „Luxusmehrwertsteuer“ würde am ehesten die „Reichen“ genau an der Quelle erreichen. Aber letztlich auch z.B. die Porsche Arbeiter, oder die Bauarbeiter die Luxushäuser bauen, treffen….

    Andererseits wäre es durchaus ehrenwert, wenn die „Reichen“ mit ihren privaten Investitionen die Wirtschaft fördern. Unternehmer wissen selbst am besten wie, wann und wo man investieren sollte….

    Zitat: „Wenn der Staat genug Geld hat, kann er eben diese KI-Systeme kaufen und dann einsetzen.”

    Wenn der Staat dem Markt „gutes Geld“ (zum Computerkauf) entzieht, können die Menschen weniger konsumieren, was das Problem ist, wenn man die Überproduktion loswerden will.

  23. @Realo 23.02. 09:51

    „Andererseits wäre es durchaus ehrenwert, wenn die „Reichen“ mit ihren privaten Investitionen die Wirtschaft fördern. Unternehmer wissen selbst am besten wie, wann und wo man investieren sollte….“

    Ja, das sollen die machen, und das machen die auch. Es ginge mir um zusätzliche Kapitalerstrags- Vermögens- und Erbschaftssteuern von um die 1% im Jahr. Da wird kurzfristig kaum weniger investiert werden, wobei dann schon die Staatskasse sehr profitiert und Lohnsteuern gesenkt werden können.

    Und lang- und mittelfristig kann so das Kapital weniger wachsen bis auch mal schrumpfen, wenn eben demografiebedingt die Wirtschaft nachhaltig schrumpft.

    Wenn es denn in Jahrzehnten doch wieder zu mehr Nachwuchs kommt, oder die Weltwirtschaft gegen den aktuellen Trend trotzdem weiter wächst, kann man die entsprechenden Steuern auch wieder reduzieren.

    Bei uns mag der Markt ganz gut gesättigt sein, in den jetzt noch ärmeren Ländern ist noch ganz viel Luft für jede Menge Wirtschaftswachstum. Gerade die Energiewende kann dort durch eine endlich mal verlässliche und billige Energieversorgung die Situation grundlegend verbessern.

    „Wenn der Staat dem Markt „gutes Geld“ (zum Computerkauf) entzieht, können die Menschen weniger konsumieren, was das Problem ist, wenn man die Überproduktion loswerden will.“

    Ja hier wirkt sich das doch gerade positiv aus, wenn Ärmere weniger und Reichere mehr Steuern zahlen. Die Ärmeren geben das zusätzliche Geld auf jeden Fall umgehend aus, die Reicheren konsumieren kaum weniger, weil sie reichlich Reserven haben.

    Und das verbleibende Vermögenswachstum fällt dann eher mit dem Investitionsbedarf zusammen.

  24. Hallo Herr Blume.
    Bei der Beschreibung von positiven Entwicklungsmöglichkeiten handelt es sich nicht um besinnungslosen Techno-Optimismus.
    Selbstverständlich können die Menschen auch negative Entwicklungsrichtungen einschlagen, und sich selbst schaden.
    —–
    Die hilfsbereiten Menschen verschenken Dinge, ohne eine Gegenleistung zu verlangen.
    Dadurch wird die Welt ein wenig angenehmer.
    Die nicht-hilfsbereiten Menschen sind daran nicht beteiligt.
    Wenn jemand Geld für die verschenkten Dinge verlangen wollte, dann wird er es nicht bekommen.
    Auf diese Weise verdrängt die Schenkökonomie die Geldökonomie.
    Zum Beispiel hat die Wikipedia die anderen Nachschlagewerke verdrängt.
    Du meine Güte, diese Verschenkerei ruiniert ja unseren ganzen Markt.
    Vielleicht gibt es ja noch einen Rest der Geldökonomie im Markt für Luxusprodukte.
    Die meisten Menschen werden sich aber über die Geschenke freuen.

    • @Karl Bednarik

      Danke, doch handelt es sich ja gerade bei China 🇨🇳 um ein nominell kommunistisches und demografisch implodierendes Land – das zugleich durch eine Ein-Parteien-Herrschaft, die massive Unterdrückung der Jugend, ethnischer & religiöser Minderheiten und massiver Bedrohung der Republik Taiwan 🇹🇼 geprägt ist. Dass KIen und Roboter nur positiv für eine Schenkökonomie & ein freies (!) Wikipedia eingesetzt würden, erscheint mir da doch als besinnungsloser Techno-Optimismus.

      In der Realität richtet schon das ursprünglich chinesische Tiktok vor allem unter der Jugend so große Schäden an – dass es in China selbst verboten ist!

      Aus meiner Sicht gilt es auch die Kosten und Gefahren neuer Technologien zu verstehen, um dann auch ihre positiven Potentiale erschließen zu können.

      • Hallo Herr Blume.
        Ich habe bereits in meinem zweiten Satz darauf hingewiesen, dass die Menschen auch negative Entwicklungsrichtungen einschlagen können.
        Derzeit bauen ja alle Seiten mit Begeisterung Killerroboter, denn diese benötigen auch viel weniger Feinmotorik.
        Das ändert nichts an der Tatsache, dass die Schenkökonomie und die post scarcity society empfehlenswerte Entwicklungen wären.
        Zwischen einer Empfehlung und dem Optimismus besteht ein begrifflicher Unterschied.

      • Positive Potentiale von KI ?
        Die Gefahr der KI beruht auch darauf, dass die meisten Computer made in China sind. Und wenn die Programme von KI auch von China eingesetzt werden um Europa zu beeinflussen, dann wird es gefährlich.
        Wobei meine persönliche Meinung ist, KI wird sich selbst “an die Wand fahren”,
        wenn man keiner Information aus dem Web mehr trauen kann.
        Anmerkung: Noch dauert der hype für künstliche Intelligenz an und wir sind beeindruckt von ihren Möglichkeiten. Und sollte es gelingen, ein Kontrollorgan für KI zu installieren , dann, und erst dann öffnet sich eine phantastische Zukunft.

        • Ja, @NI – zwar haben die EU und insbesondere Deutschland noch immer eine starke, auch exportierende Elektrobranche.

          Die Exporte der deutschen Elektro- und Digitalindustrie haben 2025 trotz schwieriger Rahmenbedingungen einen neuen Rekordwert von 257,5 Milliarden Euro erreicht. Laut einer Mitteilung des ZVEI legten die Ausfuhren im Gesamtjahr um 5,1 Prozent zu, wobei insbesondere ein starkes Dezembergeschäft mit einem Plus von 10,6 Prozent auf 20,4 Milliarden Euro den Jahresabschluss stützte.

          https://www.elektrotechnik.vogel.de/elektroexporte-erreichen-2025-trotz-widrigkeiten-neuen-rekordwert-a-91057e5a3f60b2827d3367007f38e4ec/

          Doch, ja, von Solarzellen über Autoteile und den Transrapid bis zu Computerchips haben wir leider viel zu viele Technologien für schnelle Preisvorteile an China verscherbelt. Und das dortige KP-Regime subventioniert und exportiert nun angesichts schwächelnder Geburtenraten und Binnennachfrage verzweifelt alle verfügbaren Produktlinien gegen den eigenen Untergang an.

          Ebenso haben wir Europäerinnen und Europäer uns für kurzfristige Profite fossil von Russland, Iran, Katar viel zu abhängig gemacht und in der Software von US-Konzernen. Es ist arg spät, wenn auch vielleicht noch nicht zu spät, wieder mutig zu investieren und souverän zu werden.

          • Michael Blume,
            Zustimmung. Indien könnte die Rolle der USA bei der nötigen Software übernehmen und bei den E-Autos haben wir ja den Stand der Technik wieder erreicht, wenngleich zu höheren Preisen.
            Nur in der Unterhaltungsindustrie sollten wir nicht versuchen, die USA oder Indien zu toppen (kleiner Spaß).

  25. @NI 24.02. 10:20

    „Und sollte es gelingen, ein Kontrollorgan für KI zu installieren , dann, und erst dann öffnet sich eine phantastische Zukunft.“

    Software mit offenem Quelltext ist doch schon ein Kontrollorgan. Jeder, der Ahnung von der Technik hat, kann gucken was die Programme machen und wenn es nicht gefällt, woanders gucken oder sich selber daran machen, die konkreten Projekte zu verbessern.

    So ergibt sich nicht nur das Potenzial allgemein zugänglicher Technik, die dem Endnutzer wenig kostet. Es ergibt sich auch die Möglichkeit, auch als Nutzer die volle Kontrolle über die komplette IT zu erlangen.

    Sozusagen haben wir mit Offener Software nicht nur einen Bereich, in dem Verschenkökonomie äußerst sinnvoll werden kann, wir können auch alles genauso implementieren, wie wir es wirklich haben wollen.

    Und die ganze Welt darf mitmachen. Wir können die Hardware liefern, die ärmeren Länder die ganze Software schreiben. Wenn hier jetzt auch überall in Afrika eine verlässliche Stromversorgung auf Basis erneuerbarer Energien möglich wird, können sich die Afrikaner schlau machen, wie man programmiert, und dann eben freie Software für so ziemlich alles schreiben.

    Man müsste solche freien Programmierer global finanzieren, schließlich arbeiten die an wirklich öffentlichen Ressourcen.

    Und wenn die KI das Programmieren immer effektiver macht, müsste das doch recht schnell wirklich was werden können.

    Es ergeben sich hier auch Möglichkeiten, dass sich die besten Lösungen am Verschenkmarkt durchsetzen. Insbesondere dürften das Lösungen sein, die in alle Richtungen sehr kompatibel sind. Einmal dass auch ältere Hardware und Software weiter unterstützt wird, aber auch Neues schnell überall integriert werden kann. Und lokal angepasste Versionen schnell auf besonderen Bedarf hin zur Verfügung stehen können.

    Die Informatiker könnten auch immer noch gutes Geld damit verdienen, wenn sie die offenen Systeme für konkrete Unternehmen und Behörden installieren, anpassen und betreuen. Wenn man da eine Zeit lang an der öffentlichen Programmierarbeit mitgewirkt hat, kann das wohl nicht schaden.

    • Tobias J.
      Bei den Webservern hast du Recht, Linux liegt mit 96 % Marktanteil vorn und im KFZ Bereich hat Android auch schon Windows überholt.
      Im Chat Bereich dominiert noch Open AI , es sieht also nicht schlecht aus.

  26. @ NI 24.02.2026, 10:20 Uhr

    Vorab: Auch objektive Wahrheiten können für einen bestimmten Nutzer gegensätzlich, falsch oder wahr sein.

    Ich persönlich habe mit der Corona- oder Grippeimpfung die allerbesten Erfahrungen gemacht und kann sie nur empfehlen….

    Eine Bekannte hat mit Medikamenten sehr schlechte Erfahrungen gemacht und argumentiert wütend gegen alle Impfungen….

    Es hängt vom Nutzer ab, ob er z.B. Allergien hat….

    Mit den derzeitigen KI Programmen möchte man auf die Möglichkeiten der KI Verweisen, Eindruck „schinden“.

    Zu den künftigen Potentialen von KI habe ich mich mit meiner KI „Copilot“ unterhalten.

    Meine Frage:

    Kann man davon ausgehen, dass KI zunehmend für bestimmte Aufgaben “konfiguriert” wird. Nehmen wir an, eine Krankenkasse ist interessiert, dass die Kunden gesund leben und gesund bleiben.

    Aber Abzocker, wollen eine manipulierende KI….

    Copilot (verkürzt und kommentiert): Kurz gesagt: Ja, KI wird zunehmend für bestimmte Zwecke konfiguriert – und genau darin liegt sowohl enormes Potenzial als auch echtes Risiko.

    Ich gehe gern etwas tiefer, weil dein Beispiel mit der Krankenkasse vs. „Abzockern“ ein sehr gutes Szenario ist, um die Dynamik zu verstehen.

    1. KI wird immer zielgerichteter – aber nicht neutral.
    KI-Modelle sind an sich nicht „gut“ oder „böse“.
    Was zählt, ist, wer sie einsetzt, mit welchem Ziel, und welche Daten oder Regeln sie bekommt.

    Beispiele: Eine Krankenkasse könnte eine KI konfigurieren, um Menschen zu gesünderem Verhalten zu motivieren, Risiken früh zu erkennen, personalisierte Präventionsprogramme anzubieten.

    Ein manipulativer Akteur könnte dieselbe Technologie nutzen, um Menschen zu riskanten Entscheidungen zu verleiten, sie zu bestimmten Produkten zu drängen, Daten auszubeuten oder Verhalten zu beeinflussen.

    Technisch ist das dieselbe KI – der Unterschied liegt in der Absicht und „Governance“.

    2. Warum KI so leicht manipulierbar ist: KI folgt immer den Vorgaben, die man ihr gibt:

    Zielvorgaben („Maximiere Profit“ vs. „Maximiere Gesundheit“), Trainingsdaten (ehrliche Daten vs. verzerrte Daten), Belohnungsmechanismen (welches Verhalten als „erfolgreich“ gilt), Eingebaute Regeln und Ethikfilter.

    Wenn jemand die KI so einstellt, dass sie „nur“ auf kurzfristigen Profit optimiert, wird sie auch genau das tun, selbst wenn es Menschen schadet.

    3. Der entscheidende Faktor: Regulierung und Transparenz.
    Damit KI nicht zu einem Werkzeug für Manipulation wird, braucht es Klare gesetzliche Rahmenbedingungen, (z. B. EU AI Act, Datenschutz, Transparenzpflichten).
    Technische Schutzmechanismen, Sicherheitsfilter, Erklärbarkeit, Auditierbarkeit.

    Verantwortliche Betreiber. Organisationen müssen nachweisen, dass ihre KI-Systeme nicht manipulativ oder diskriminierend arbeiten.

    5. Die entscheidende Frage: Wer kontrolliert die Konfiguration – und nach welchen Regeln?

    KI ist wie Elektrizität: Sie kann ein Krankenhaus betreiben oder einen Zaun unter Strom setzen.

    Die Technologie ist dieselbe, der Zweck entscheidet.

    • Realo ,
      gute Zusammenfassung.
      Man sollte bei KI unterscheiden, geht es um die technischen Möglichkeiten, also KI bei den Assistenzsystemen wobei das natürlich auch letztlich ein Geschäftssystem ist, denn die Übernahme eines Assistenzsystems kostet Geld, die Entwicklungskosten müssen wieder erwirtschaftet werden,
      oder reden wir über Chat Programme, die tatsächlich die öffentliche Meinung beeinflussen können und auch werden. Hier ist Kontrolle notwendig, tik tok lässt grüßen.

  27. @Michael 24.02. 21:14

    „Es ist arg spät, wenn auch vielleicht noch nicht zu spät, wieder mutig zu investieren und souverän zu werden.“

    Immerhin reduziert sich auch der deutsche Importbedarf, wenn Öl und Gas immer weniger genutzt werden. Entsprechend weniger gibt es noch zu Exportieren. Die Importe von PV-Modulen und Lithiumakkus aus China sind doch gerade schön billig, und dürften nachhaltiger unsere Energieversorgung übernehmen, als ständig Brennstoffe nachzukaufen.

    Und die freie Software könnte bald immer mehr in Mode kommen, wenn die KI selber immer besser programmieren kann. Was uns dann auch von den IT-Konzernen ziemlich unabhängig machen kann. Letztlich sind das auch Dienstleistungsimporte, die mit freier Software für so ziemlich alles auch größtenteils wegfallen.

    Noch ein Grund mehr, dass man mit weit weniger Exporten auskommen kann. Am Ende macht es unserer Wirtschaft gar nichts mehr, wenn wir kaum noch Neuwagen in alle Welt exportieren können. Wir kommen auch so auf eine ausgeglichene Handelsbilanz.

    Und müssen uns einfach nur auf ein Leben mit immer weniger Erwerbsarbeit einstellen.

    Die Energiewende läuft trotzdem, und der Wohlstand kann bleiben, wo er ist. Und wenn Putin pleite geht, sind wir das Problem auch los.

    • Ja, @Tobias – in einer Kreislaufwirtschaft bleibt Handel möglich, aber die gefährlichen Abhängigkeiten verringern sich.

      Und gerade werden die Börsen bereits durch Berichte von neuen Claude-Möglichkeiten wie auch durch Spekulationen über eine globale KI-Nachfragekrise erschüttert:

      Der Dow Jones Industrial Average sank um 1,7 Prozent (822 Punkte), während der Nasdaq Composite um 1,1 Prozent nachgab. Ein wesentlicher psychologischer Faktor war ein rund 5.000 Wörter umfassender Substack-Beitrag von Citrini Research. Darin wird das Szenario einer “globalen Intelligenzkrise” entworfen, in der KI-Agenten menschliche Wissensarbeit entwerten und zu drastischen Kostensenkungen sowie Massenarbeitslosigkeit führen könnten.

      https://www.golem.de/news/aktien-ki-sorgen-schicken-us-boersen-auf-talfahrt-2602-205773.html

      Im Kern behauptet „Citrini Research“, dass das bisherige Ziel angebotsorientierter Wirtschaftspolitik übererfüllt werde: Durch zeitnahe KI-Agenten werde die Produktivität so stark gesteigert, dass es zu Massenentlassungen käme und dadurch wiederum die Nachfrage nach Gütern (wie Immobilien) und Dienstleistungen sinke.

      Die naheliegende Option, dass Menschen die enormen Leistungssteigerungen auch für die Stärkung bisher unterbesetzter Branchen wie Bildung, Gesundheit, Pflege, Wissenschaft, Mitweltschutz & Familienarbeit sowie für Arbeitszeitverkürzungen nutzen könnten, wird weiterhin kaum diskutiert. Immer mehr Menschen dämmert zwar, dass die Logik von immer mehr Produktivität bei sinkender Nachfrage nicht mehr aufgeht. Aber Solarpunk-neu zu denken gelingt erst den wenigsten…

  28. @Michael 25.02. 06:02

    „Die naheliegende Option, dass Menschen die enormen Leistungssteigerungen auch für die Stärkung bisher unterbesetzter Branchen wie Bildung, Gesundheit, Pflege, Wissenschaft, Mitweltschutz & Familienarbeit sowie für Arbeitszeitverkürzungen nutzen könnten, wird weiterhin kaum diskutiert.“

    So sieht es aus. Erstmal den Arbeitskräftemangel in diesen Geschäftsfeldern bedienen hilft schon mal sehr schön weiter. Und weniger arbeiten wollen wohl gar nicht mal so wenige.

    Mehr Luft für Kinder brächte beides. Genug Kitaplätze in wirklich allen Lebenslagen und mehr eigene Zeit für Familienarbeit könnte alleine schon was helfen.

    Ich bin mal gespannt was China jetzt macht. Dort bricht wohl gerade die erste wirkliche Überflusskrise aus, die das Land seit Maos Amtszeit erlebt. Wenn man jetzt mit der Brechstange versucht die Welt mit PV-Modulen und Lithiumakkus zu fluten, kann uns das allerdings nur recht sein.

    So kriegen alle für das gleiche Geld mehr Energiewende. Und bei den Außenhandelsüberschüssen dürfte sich die chinesische Währung mittelfristig verteuern, was das Problem dann auch wieder entschärft.

    Und unsere Open-Source-Option hilft auch gegen chinesische Software, nicht nur gegen die US-IT-Konzerne. Hierbei geht es einerseits um Transparenz und technische Unabhängig, aber auch um eigene öffentliche Wertschöpfung. Und das global und gemeinsam.

    Je selbstständiger die KI selber beim Programmieren hilft, desto schneller wird dieses Projekt auch realisiert werden können. Insbesondere hochwertiger Code, der sicher funktioniert, lange Zeit aktuell bleibt und von Menschen gut verstanden werden kann.

    Und je mehr arbeitslose Programmierer unterwegs sind, desto eher kommen die auf die Idee, dass man auch einfach ganz gemeinsam an wirklich guten öffentlichen Lösungen für Software aller Art arbeiten kann.

    • Habe ganz herzlichen Dank, lieber @Tobias – besonders gut gefällt mir Deine Steigerung von der Nachfrage- und Investitionskrise aufgrund der säkularen Geburtenimplosion (auch) in China zur “Überflusskrise”.

      Nach meinen Erfahrungen auch mit dem Begriff und Konzept der erneuerbaren Friedensenergien fürchte ich jedoch, dass es noch Jahre dauern wird, bis die Demografie auch als Nachfrage- und Investitionsproblem erkannt wird, statt wie bisher nur als Thema von Rente und Fachkräftemangel. Immerhin versucht auch Deutschland seit Langem durch Exporte sein Wachstum aufrecht zu erhalten, was die Kritik von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am chinesischen Handelsbilanzüberschuss nicht falsch, aber etwas pikant macht.

      Am Rande seiner ersten China-Reise als Kanzler sprach Merz von einer “Erfolgsgeschichte”, kritisierte aber auch das Handelsdefizit zwischen beiden Ländern. “Es liegt bei 80 Milliarden Euro und hat sich innerhalb von fünf Jahren vervierfacht. Diese Dynamik ist nicht gesund, wir sprechen sie deshalb an und versuchen Wege zu finden, das Defizit abzubauen”. Es sei vor allem durch chinesische Überkapazitäten entstanden. “Wir wollen über Zugangsbeschränkungen und Exportrestriktionen weiter sprechen”. Der Wettbewerb solle “fair und transparent” ablaufen – Schwierigkeiten will der Kanzler “in offenen Gesprächen” ausräumen.

      https://www.zeit.de/politik/2026-02/friedrich-merz-china-cdu-handelsdefizit-xi-jinping

      Und sogar die BILD-Zeitung beginnt zu thematisieren, dass es so nicht weitergehen kann!

      Deutschland schrumpft – Kann man sich mit 6500 Euro wirklich kein Kind leisten?

      Deutschland schrumpft. Nicht irgendwann, sondern jetzt. 2025 wurden hierzulande nur noch rund 650.000 Kinder geboren – etwa 20.000 weniger als im Vorjahr. Die Geburtenrate sank auf 1,35 Kinder pro Frau. Ein historischer Tiefstand. […]

      Ein Land, das ausgerechnet denen, die seine Zukunft sichern sollen, wenig Planbarkeit bietet, riskiert viel.

      Dass dieser Eindruck weitverbreitet ist, zeigt eindrucksvoll eine INSA-Umfrage im Auftrag von BILD: 55 Prozent der 1003 Befragten sind der Meinung, dass man sich in Deutschland keine Kinder mehr leisten kann. 81 Prozent nennen die hohen Lebenshaltungskosten als Hauptgrund, 40 Prozent fürchten den Verdienstausfall in der Elternzeit.

      https://www.msn.com/de-de/finanzen/staatliche-unterst%C3%BCtzung-und-sozialleistungen/deutschland-schrumpft-kann-man-sich-mit-6500-euro-wirklich-kein-kind-leisten/ar-AA1WPbcj

      Gerne erneuere ich angesichts des längst überschrittenen Peak Child noch einmal meine Prognose, dass wir schon in den 2030er Jahren in eine globale Bevölkerungsschrumpfung übergehen werden. Und ich will hoffen – und meinen kleinen Teil dafür tun – dass sich bis dahin auch das wirtschaftspolitische Denken geändert hat.

  29. @Michael 25.02. 23:14

    „..fürchte ich jedoch, dass es noch Jahre dauern wird, bis die Demografie auch als Nachfrage- und Investitionsproblem erkannt wird, statt wie bisher nur als Thema von Rente und Fachkräftemangel.“

    Zumal das Eine das Andere teilweise wieder ausgleichen kann. Weniger Neubaubedarf trifft dann auch auf weniger Bauarbeiter. Klar wird allerdings, das sowohl die Umsätze als auch die Vermögenswerte mit der Demografie mitschrumpfen müssen. Das kann Einigen sehr weh tun, aber das lässt sich nur vorübergehend aufhalten, scheint mir.

    „Immerhin versucht auch Deutschland seit Langem durch Exporte sein Wachstum aufrecht zu erhalten,…“

    Entsprechend macht es ja noch Sinn, bestehende Überkapazitäten mit Exporten auszugleichen. Aber man muss dann doch auch die Überkapazitäten mittelfristig abbauen. Solange es allerdings Grüne Technik betrifft, kann man der aktuelle Entwicklung sogar echt was abgewinnen.

    „…was die Kritik von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am chinesischen Handelsbilanzüberschuss nicht falsch, aber etwas pikant macht.

    Das ist eben widersinnig, sich jetzt immer weiter zu unterbieten, gerade zwischen dem Ex-Exportweltmeister Deutschland und dem aktuellen Überflieger China. Überkapazitäten abbauen und sich mit weniger Wirtschaft anfreunden wären das Eine. Echt gucken, wieder mehr Kinder zu haben das Andere. Zumal ja gerade weniger Wirtschaftstätigkeit auch Luft für mehr Kinder an allen Baustellen ermöglichten könnte.

    Es hat nur noch keiner vorgemacht wie es geht. Wenn wirklich nur Religiosität nachhaltig hilft, müssen wir eben warten, bis sich die Religiösen von selber soweit vermehren, bis sie die Mehrheiten stellen.

    Man kann hier aber gerne mal alles ausprobieren, was möglicherweise doch helfen könnte. Mit Vermögenssteuern finanzierte Hilfe für junge Familien etwa, auf einem Hintergrund von weniger Umsatz und kürzeren Arbeitszeiten, könnte m.E. wirklich was helfen. Und wenn es nur eher die sowieso religiöseren Eltern motiviert, sich statt 2 oder 3 dann gleich 4 oder 5 Kinder zu leisten.

    Ich hab da gut reden, ganz ohne Kinder. Aber ich dachte in dem für Kinder entscheidendem Alter doch eher, dass die Welt eine Bevölkerungsschrumpfung wirklich gut brauchen kann. Ich kann noch nicht mal sagen, was ich sonst gemacht hätte, es war eben so.

  30. @ Tobias Jeckenburger 26.02.2026, 00:29 Uhr

    Auf die vergleichsweise geringen „Zukunftsaussichten“ der Kinder wurde noch zu wenig eingegangen. Früher war es so, dass zumindest ein Kind in der Firma des Vaters beruflich untergebracht werden konnte. Das gibt es so gut wie gar nicht mehr.

    Es ist normal, wenn die Kinder „nach höherem“ streben, mindestens Abitur machen, aber auch das hilft nicht. Sie bekommen keine Jobs, zumindest nicht in der Nähe der Eltern. Das ist aber wichtig, weil sie nur dann später ihre Kinder bei den Großeltern „abgeben“ können um selber einen Job weiter nachgehen zu können….. Abgesehen davon werden Wohnungen unerschwinglich.

    Dazu kommen noch verrückte Einzelschicksale. Ein Sohn eines Bekannten wurde Rauschgift süchtig. Das ist aber erst aufgefallen, als plötzlich der Fernseher verschwunden war. Der wurde verhökert um Rauschgift einzukaufen….

    Väter die ihrem 15 Jährigen Sohn in die Augen schauen, wissen auf einmal nicht, ob sie „Kanonenfutter“ für die Verteidigung unserer Werte in Russland groß gezogen haben. Womöglich wie ein Opa ehemals, der gemeinsam mit seinem Sohn, diese Werte, der Opa ausgerechnet in Odessa, zu verteidigen hatten?

    Die Religiösen vermehren sich schon von selber. Aber es sind die, die in der Schule die Brotzeit ihrer Mitschüler auf Schweinefleisch kontrollieren…..

    Ob das gut gehen kann???

    • Ach, @Realo – Sie können die tyrannophile Täter-Opfer-Umkehr einfach nicht lassen! 🤭

      Sie schrieben:

      Väter die ihrem 15 Jährigen Sohn in die Augen schauen, wissen auf einmal nicht, ob sie „Kanonenfutter“ für die Verteidigung unserer Werte in Russland groß gezogen haben.

      Dabei wissen Sie selbstverständlich, dass nicht Deutsche ihre Söhne in einen sinnlosen Krieg nach Russland schicken – sondern Ihr geliebter Putin Hunderttausende junger Russen, Tschetschenen und Söldner in die Ukraine. Wenn Sie wirklich für Frieden wären, würden Sie nicht ständig vor Tyrannen kriechen, sondern mithelfen, die fossile Finanzierung der Kriege zu beenden:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-fossile-wahnsinn-4-wir-finanzieren-weiterhin-russland-ruesten-dann-dagegen-auf/

      Auch für Ihren Lieblings-Fossilisten Trump sieht es längst nicht mehr gut aus:

      Es wird immer enger für #Trump & seine #MAGA – Follower nicht nur in den #USA :

      “Laut einem Bericht des US-Senders NPR hat das US-Justizministerium delikate #Epstein-Akten über US-Präsident Donald Trump zurückgehalten. In den nicht veröffentlichten Dokumenten soll es dem Bericht zufolge um sexuellen Missbrauch einer damals Minderjährigen durch Trump vor Jahrzehnten gehen.”

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/116133597130706660

      Ihnen herzlichen Dank dafür, dass Sie uns die dualistischen Abgründe der Tyrannophilie immer wieder eindrucksvoll vorführen! 🤓🙌

  31. @Michael 26.02. 07:31 / Felo.ai

    „Während Deutschland versucht, das Problem durch Zuwanderung zu lösen, setzen die ostasiatischen Staaten verstärkt auf Technologie (Roboter) und eine Erhöhung der Produktivität, um den Kollaps des Systems zu verhindern.“

    Vielleicht ist etwas von Beidem ja vernünftiger. Ein Zuzug besser da, wo die Wohnungsnot noch nicht ganz so groß ist. Und eben wirklich Technologie, um zumindest den Arbeitskräftemangel zu entschärfen.

    Zumal zumindest weitere Binnenmigration innerhalb der EU ja auch das Problem in den sowieso schon stark schrumpfenden Regionen weiter verschärft. Das sollte uns nicht egal sein.

    Geburtenüberschüsse gibt es nur noch in Afrika südlich der Sahara. Wie viele wir von denen wirklich noch haben wollen, ist keine einfache Frage. Wenn man das reduzieren kann, wäre ich dafür. Man könnte eben auch gucken, wie wir die Schrumpfung akzeptieren, aber anderweitig so kreativ gestalten, dass das eine echt gute Option wird.

    Und mehr Nachwuchs eben, warum nicht das mal wirklich versuchen?

    @Marie H. 26.02. 08:37

    „Leben auf dem Land muss künftig nicht bedeuten abgeschnitten zu sein.“

    Etwa auch ein Sammeltaxisystem auf Basis von selbstfahrenden E-Autos wäre vor allem für ländliche Gegenden eine ganz neue Art der Mobilität. Insbesondere Kinder und Ältere ohne Fahrtüchtigkeit wären so endlich richtig mobil. Und für alle wird es sehr viel billiger sein als das eigene Privatfahrzeug. Und mit weniger Staus sogar hier und da schneller.

    Das könnte viele Landkreise sehr viel attraktiver machen. Und dort den Verfall aufhalten, wie in den Ballungsräumen die Wohnungsnot entschärfen.

    Das wäre eine ganz neue Situation. Man müsste dann gucken, ob so auch weniger neuer Zuzug möglich wäre. Auf jeden Fall spart man so Neubauten und damit auch Bauarbeiter, und der Wertverfall der Immobilien auf dem Land hätte auch ein Ende.

    Die Digitalisierung hilft sowieso schon allen, die immer öfter von Zuhause aus arbeiten können. Und die Kinder kann man dann einfach vom Sammeltaxi abholen lassen.

    • Danke, @Tobias – langsam sprechen sich ja auch die wirtschaftlichen Folgen der säkularen Geburtenimplosion, bereits regionalen Nachfrage- und Überflusskrisen herum:

      2070 werden in Deutschland voraussichtlich zehn Prozent weniger Menschen leben als heute. Das ist das Ergebnis einer Analyse aktueller Daten des Statistischen Bundesamts durch das Dresdner Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung. Bisher waren die Statistiker von einem Rückgang um ein Prozent ausgegangen.
      Ifo-Forscher Joachim Ragnitz sagt im Gespräch mit dem Handelsblatt, dass „die Wucht des demografischen Wandels massiv unterschätzt“ werde. Durch die Überalterung der Gesellschaft werden „Wohlstandssteigerungen, wie wir sie kannten“, vermutlich hinfällig, sagt Ragnitz.

      https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/interview-die-wucht-des-demografischen-wandels-wird-massiv-unterschaetzt/100201105.html

      In den Diskussionen um Migration ist dabei zu berücksichtigen, dass es diese immer gab und weiterhin geben wird: Meine Vorfahrinnen kamen aus Skandinavien und über Sachsen nach Filderstadt, die Eltern meiner Frau Zehra als sog. Gastarbeiter aus der Republik Türkei.

      Und auch innerhalb der Europäischen Union, der Bundesrepublik Deutschland und auch der einzelnen Bundesländer finden massive Migrationsbewegungen statt – meist aus bereits demographisch verebbenden, ländlichen Gebieten in die sog. „Leuchttürme“ weniger Stadtregionen. So werden Lehr- und Pflegekräfte längst bundesweit umworben. Und dies beschleunigt dann wiederum Leerstände in einigen und überteuerte Wohnräume in anderen Regionen.

      Das ist einer der Gründe, warum ich schon länger dafür plädiere, der Kommunalpolitik das Recht zu geben, Aufenthaltsgenehmigungen zu erteilen. Nicht die Berliner Politik- und Medienblase und auch nicht lange und teure Gerichtsverfahren, sondern die vom Volk gewählten Bürgermeister und Gemeinderätinnen können am Besten beurteilen, wer wohin passt und auch beitragen kann. Der noch vorherrschende, nationalstaatliche Zentralismus versteht die regionalen Unterschiede schlecht. Und föderale, ja kommunale Entscheidungen wären ein Riesenschritt zum Bürokratieabbau und zur Entlastung von Gerichten.

  32. @ Michael Blume 26.02.2026, 22:07 Uhr

    Ich weiß selbstverständlich, dass derzeit noch nicht, Deutsche ihre Söhne in einen sinnlosen Krieg nach Russland schicken müssen.

    Hunderttausende junge Russen wollen, dass die rund 20% Russen in der Ukraine, genau so ihre Unabhängigkeit von der Ukraine und ihr eigenes Gebiet (auch ungefähr 20%) erhalten wollen, wie die Ukrainer ihre Unabhängigkeit von Russland erhalten haben. Wollen auch nicht, dass man die Russen von ihrem Flottenhafen vertreibt. Ist doch alles ganz einfach….

    Die „Kriecherei“ die Sie bei mir entdeckt haben, hat tatsächlich einen realen Background.

    Es gibt nicht nur die „Tyrannen“ (Putin, Trump,….) die weit weg sind und es durchaus mit ihrem Volk „gut meinen“. Z.B. Trump, der offensichtlich Frieden stiften will….

    Es gibt, auch in der Nähe, auch immer wieder „kleine Tyrannen“ die für die eigenen Existenz weit bedeutsamer sind.

    Ich habe allerdings, auch wegen meiner eher „lockeren Erziehung“, ein durchaus „großes Maul“ entwickelt. Kurz gesagt, ich musste sehr schnell erkennen, dass derartiges, wie ein „großes Maul“, bereits in der Schule, die eigene Existenz gefährdend sein kann.

    Was mir später Psychologiestudenten (in meiner 68er WG) erklärt haben, dass es aus psychologischen Gründen vielen Menschen nicht reicht, wenn es ihnen gut geht. Vielmehr geht es ihnen erst so richtig gut, wenn sie Macht bekommen, Macht über Mitmenschen verfügen zu dürfen, womöglich „Speichellecker“ belohnen, und „Andersdenkende“ bestrafen zu dürfen.

    So musste ich frühzeitig lernen, mich in diese vielen „kleinen Tyrannen“ hinein zu versetzen, ihnen „Honig ums Maul“ schmieren, ich bin recht flexibel, so richtig „tyrannophil“, geworden.

    Jetzt im Alter, bin ich nur noch für möglichst realistische Sichtweisen und für Frieden. Möchte nicht, dass wir in einen verrückten Krieg hineinschlittern wie ehemals die Eltern/Großelterngeneration, die bekanntlich nur wollte, dass die Welt am „Deutschen Wesen“ genesen möge…

    • Ja, @Realo – Sie versuchen sich durch die Kriecherei vor fossilen und großen Tyrannen vor Machtmissbrauch zu schützen – indem Sie sich daran beteiligen. Das ist psychologisch zwar gut verständlich, aber moralisch und auch politisch daneben. Kämen fossile Tyrannen auch in Deutschland an die Macht, dann würde es älteren und vermeintlich „unnützen“ Menschen deutlich schlechter ergehen. Sehr bewusst habe ich rund um die Gedenkstätte Grafeneck gleich zwei Podcast-Folgen zur Menschenwürde und Gewaltenteilung aufgenommen:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-menschenwuerde-aller-zwei-podcasts-nach-grafeneck/

      Fossiler Faschismus geht niemals gut. Nicht Ihre mediale Tyrannophilie schützt Ihr „großes Maul“ (wie Sie selbst es benennen), sondern die Demonratinnen und Demokraten – einschließlich der tapferen Verteidiger der Ukraine. Ihnen fehlt nur die charakterliche Größe, deren Opfer auch für Ihre und unsere Freiheit anzuerkennen.

  33. @Michael 27.02. 07:29

    „In den Diskussionen um Migration ist dabei zu berücksichtigen, dass es diese immer gab und weiterhin geben wird…“

    Keine Frage. Es sind allerdings in den letzten Jahren neben der EU-Binnenmigration und aus Afrika und dem Nahen Osten auch noch eine Menge Ukrainer zugezogen. Insgesamt anscheinend ziemlich viele.

    Statt den eigentlich nötigen 400.000 im Jahr kann ich mir 200.000 neue Mitbürger im Jahr für die nächsten vielleicht 5 Jahre ganz gut vorstellen.

    „Und föderale, ja kommunale Entscheidungen wären ein Riesenschritt zum Bürokratieabbau und zur Entlastung von Gerichten.“

    Genau. Und die Menschen müssen ja auch kommunal integriert werden. Und Kommunen wie Düsseldorf oder Münster hier in NRW haben überhaupt keinen Wohnraum mehr frei.

    @Realo 27.02. 09:23

    „Möchte nicht, dass wir in einen verrückten Krieg hineinschlittern wie ehemals die Eltern/Großelterngeneration, die bekanntlich nur wollte, dass die Welt am „Deutschen Wesen“ genesen möge…“

    Das will hier auch sonst keiner, vermute ich mal. Wir versuchen ja auch jetzt seit 4 Jahren den Spagat, die russischen Truppen aufzuhalten ohne Russland selber dabei anzugreifen. Bisher war das ja auch insofern höchst erfolgreich, dass sowohl die Ukraine noch überlebt, aber dennoch die direkte Konfrontation zwischen Russland und der Nato vermieden werden konnte.

    @Michael 27.02. 09:28

    „Ihnen fehlt nur die charakterliche Größe, deren Opfer auch für Ihre und unsere Freiheit anzuerkennen.“

    Wir liefern in der Tat nur Waffen und Geld und beherbergen eine Menge Ukrainische Zivilisten. Die ukrainischen Soldaten müssen kämpfen, werden verwundet und sterben. Noch machen die Drohnen die Kriege nicht unter sich aus.

    Und ich denke unbedingt, dass wir hier tatsächlich auch unsere Freiheit verteidigen.

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