Bundestagswahl 2025 – Ein Versagen auch der Öffentlich-Rechtlichen Medien?

Am Montag hatte ich bei der Analyse der Bundestagswahl 2025 auf die nach meiner Einschätzung schädliche, politische Polarisierung und Überpersonalisierung durch Parteien hingewiesen. Heute möchte ich mit Ihnen – auch als Lehrbeauftragter für Berufs- und Medienethik am KIT Karlsruhe – auf die Rolle der Medien schauen.

Erlauben Sie mir, vorab zu erklären: Jeder Staat “hat” nicht nur ein Mediensystem, sondern “ist” ein Mediensystem, das sich mit einer Zivilreligion aus Texten, Reden, Bildern, Gebäuden, Karten, Symbolen wie Fahnen und Wappen, Feiertagen und Ritualen in Gerichten, Parlamenten usw. immer wieder neu erzeugen muss. Wenn das Mediensystems eines Staates zusammenbricht, hört der Staat auf zu existieren. Genau deswegen gehöre ich zu denjenigen, die die Medien als “Publikative” neben die anderen Staatsorgane der Regierung (Exekutive), Gerichtsbarkeit (Judikative) und Parlamente (Legislative) stellen. Und genau deswegen erleben wir gerade auch die Umwandlung der USA von einer gewaltenteiligen Demokratie zu einer durch Internet-Oligarchen beherrschten Thymokratie.

Allerdings gibt es ein Phänomen, das auch uns alle betrifft und über das ich bereits 2020 am KIT lehrte: Die Hostile-Media-Verschwörungsmythen, im Deutschen auch Lügenpresse-Verschwörungsvorwurf genannt. Es bedeutet, dass sich Personen mit starken Meinungen gerade auch von ausgewogenen Journalistinnen und Journalisten verfolgt wähnen: Rechte verdächtigen “die Medien”, nur “linksgrünversifft” zu berichten und Linke verdächtigen die gleichen Medien, “dem Kapitalismus zu dienen”. Religiöse sehen häufiger eine atheistische Agenda und Antitheisten empören sich über “Kirchenfernsehen”. Israel-Freunde beschimpfen die Sendungen als antisemitisch – und Israel-Feinde die gleichen Sendungen als “zionistisch und araberfeindlich”. Jeder feindselige Dualismus tendiert dazu, “die Medien” zu beschuldigen, im Dienst der jeweiligen Feinde zu stehen.

Ein antisemitisches Meme aus 2022 mit einem Mainzelmännchen diffamiert das ZDF als "Zionistisches Desinformations Fernsehen" und behauptet: "Ohne das Zweite denkt man besser".

Auf diesem Meme von 2022 wurde das ZDF antisemitisch als “Zionistisches Desinformations Fernsehen” verunglimpft. Ich sprach auf einer Demo in meiner Heimatstadt Filderstadt dagegen. Screenshot: Michael Blume

Entsprechend weiß ich von Journalistinnen und Journalisten, dass sie bei nahezu jeder Sendung mit Politik-Bezug inzwischen mit Lügenpresse-Beschimpfungen aus allen Richtungen zu rechnen haben. Es ist einfach unmöglich, dieser Polarisierung zu entkommen. Also würden Privatkonzern-Medien eben den Vorgaben der Besitzer folgen und die ÖRR-Medien das zu senden versuchen, was Quote bringt. False Balancing – einfach alle gleichermaßen zu Wort kommen zu lassen – funktioniere am Besten. Auch im DLF-Format “in medias res” erschallt es: “Wir können es ja eh nicht mehr allen Recht machen.”

Diese Argumente und Beobachtungen verstehe ich, halte sie jedoch im Ergebnis für fatal. So fiel mir bei dieser Bundestagswahl eine deutliche Diskursverschiebung zu kurzfristig bespielbaren Themen wie Migration, Terror und Ukraine auf, wogegen langfristige Themen wie Klimakrise, Demografie und Wirtschaft in den Hintergrund gerieten.

Dabei wurde auch der Contagion-(“Nachahmer”)-Effekt wieder weitgehend ignoriert, den wir doch in vergangenen Jahren bei Suiziden, Fußball-Flitzern und Schul-Amokläufern bereits intensiv diskutiert hatten – wer solche Taten mit überzogen personalisierter Berichterstattung bespielt, löst Nachahmungswellen aus. In Blume & Ince 33 (siehe auch unten) hatte ich daher fast gefleht: “Don’t make stupid and evil people famous!Macht dumme und böse Menschen nicht berühmt!” Falsche Berichterstattung befeuert Gewalt und kostet Menschenleben.

Ein hasserfüllter Thymot radikalisiert sich an einem Smartphone inmitten von Feuer und Schatten.Der mediale Nachahmungs-Effekt: Ein digitaler Thymot radikalisiert sich. Michael Blume mit Leonardo.ai

Und als Autor u.a. von “Islam in der Krise” und Gerichts-Sachverständiger zum IS darf ich Ihnen auch versichern, dass Abschiebungen kaum mehr abschreckend wirken, wenn Terroristen damit rechnen dürfen, etwa in Afghanistan oder arabischen Ländern als “Helden” empfangen werden!

Schließlich fiel nicht nur mir die starke, mediale Präsenz von Sarah Wagenknecht (BSW) und Alice Weidel (AfD) auf, sondern auch dem weit rechts stehenden Hubert Aiwanger (Freie Wähler). Schon im Januar 2025 zürnte er laut t-online.de :

“Wissen Sie, wann ich zum letzten Mal beim (Markus) Lanz war? Das war im Juli und November 23. Vor mehr wie einem Jahr”, sagte er beim Dreikönigstreffen seiner Partei im niederbayerischen Abensberg. “Dafür ist aber eine Frau Wagenknecht Dauergast in diesen Talkshows – vielleicht deshalb, weil sie schönere Beine hat als ich, meine Damen und Herren, ich weiß es nicht.”

Es sei “bezeichnend”, dass das Treffen seiner Partei am Dreikönigstag in der Vorab-Berichterstattung keine Rolle gespielt habe. “Man will uns nicht hören”, sagte er. “Was ist denn das für eine neutrale Presse, wenn wir hier ständig ignoriert werden?”

Wenn Redaktionen ihre Gäste tatsächlich nach Optik und Aufreger-Potential auswählen, dann wird es mehr als nur problematisch. Denn auch der Gewöhnungseffekt gilt medienpsychologisch als gesichert: Wenn extreme Personen oder extreme Positionen wie zum Beispiel “Remigration” oder “Putin-will-Frieden” immer wieder mit starken Bildern gezeigt werden, werden sie schließlich normalisiert, mitunter sogar akzeptiert. Unsere Gehirne nehmen mit guten, evolutionspsychologischen Gründen an, dass eine häufig präsente Person nicht mehr gefährlich wäre, sondern dazu gehört.

Und dennoch wollte ich meinen subjektiven Eindruck auch noch durch eine Mastodon-Umfrage überprüfen, da die dortige Fediversum-Blase ja bekanntermaßen stärker akademisch und links bis linksdualistisch dreht. Also fragte ich auf deutliche Weise nach, um womöglich auch Widerstand zu erfahren:

“Bin ja wirklich ein politisch interessierter Mensch, aber die mediale Dauer-Präsenz von Sarah Wagenknecht (BSW) und Alice Weidel (AfD) im ÖRR und sogar Zeitungen hat mich diesmal abgestoßen. Ständig Polarisierung, Sachthemen wie Demografie, Klimakrise, Wirtschaft kamen m.E. zu kurz. Ging es anderen auch so?

Doch bei bereits über 700 Antwortenden liegt die Zustimmung “Ja, viele Medien haben versagt.” stabil bei kaum fassbaren 96 Prozent!

Mastodon-Umfrage von Dr. Michael Blume am 25.02.2025 zur Frage, ob viele Medien in der Berichterstattung zur Bundestagswahl 2025 versagt haben.

Die Mastodon-Umfrage von heute morgen erbrachte eine starke Beteiligung und ein eindeutiges Bild! Screenshot: Michael Blume

Fazit: Letzte Hoffnung Fediversum-Prosumierende

Im Ergebnis komme ich also zur Analyse, dass die digitale Aufmerksamkeitsökonomie zur Bundestagswahl 2025 mit dem Neurohacking antisozialer Medien, mit dem oft fossilen Lobbyismus von Konzern-Medien und der Aufreger-Quotenjagd des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks zu einer umfassenden, politischen Polarisierung und Vertrauenskrise in die Publikative geführt hat.

Aber: Immer mehr Menschen merken das auch. Und es gibt durchaus einen Weg, medienkritisch zu sein, ohne in Lügenpresse-Dualismus abzustürzen. Dieser Weg besteht im Selbermachen: Wer selbst Medien nicht nur konsumiert, sondern auch produziert – also: prosumiert – macht entsprechende Erfahrungen selbst und lernt auch durch eigene Fehler, gute von schlechter Medienarbeit zu unterscheiden. Demokratien haben dort eine Zukunft, wo sich genügend Prosumentinnen und Prosumenten idealerweise im konzernfreien Fediversum engagieren, etwa durch Blogs, Pod- und Videocasts und (ergänzend) Mastodon. Vor einem Jahr hatte ich das Fediversum daher sogar in Salach als “letzte Hoffnung” für die kommunale Demokratie bezeichnet.

Die klassische Massenmedien-Publikative des 20. Jahrhunderts ist wohl für immer verloren. Das haben die Präsidentschaftswahlen in den USA, aber auch die vorgezogenen Bundestagswahlen in Deutschland doch klar gezeigt. Aber warum sollten wir nicht an einer neuen, digital-demokratischen Publikative des 21. Jahrhunderts bauen?

Ohne Sie wäre doch auch “Natur des Glaubens” nicht so weit gekommen! Und auch “Blume & Ince” wächst vor allem als Podcast.

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

34 Kommentare

  1. Lob der Zeitung

    Schlagen wir sie auf
    entziffern wir sofort
    diesen Wunderort
    im Denkverlauf

    Lesen macht die Türen auf
    Es ist besser als Fernsehsport
    Katastrophen sind auch dort
    und Meldungen zuhauf

    Doch hier gibt’s noch mehr
    und hier sortiert man sie sich
    Nur als Text, nichts anderes mehr

    Stell dir vor es gäbe sie nicht
    dann gäbe es keinen Grund mehr
    für dieses Gedicht

    • Lieben Dank, 👾😊🙏 – diese Kreativität steckt an!

      Die Zeitungen meiner Jugend

      Mein Vater und ich, wir trugen sie aus,
      die Zeitung aus Text und Papier.
      Es war unser Job und wir taten ihn gern,
      denn der Druck machte aus vielen ein Wir.

      Das Lesen daheim, die Vielfalt der Blätter,
      so lernte ich Arbeiterkind Demokratie.
      In antisozialen Medien, die unsere Egos abfüllen,
      da lernen wir dialogisches Denken doch nie!

      Texte sind langsam und kognitiv,
      zum Logos-Denken regen sie an,
      doch Bilder und Streams sind die Enge der Zeit
      widerstehe dem Thymos, wer kann!

      (Gedicht ganz ohne KI geschrieben, klar.)

  2. Hallo @Michael Blume,

    Danke, dass du dieses Thema noch einmal aufgreifst! Das Ergebnis deiner Umfrage beeindruckt – und erschreckt – mich zugleich. Auch ich habe für „Viele Medien haben versagt“ gestimmt.

    Ich stehe ich dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR) grundsätzlich wohlwollend gegenüber. Ich erinnere mich an eine Erfahrung vor einigen Jahren, als ich dem Südwestrundfunk eine kritische Frage zu einer Sendung stellte. Die ausführliche und engagierte Antwort hat mir viel über den Rundfunk beigebracht – ein positives Beispiel für konstruktiven Dialog.
    Gleichzeitig frage ich mich, was an Privatsendern besser sein soll, die ihre Zuschauer mit Werbung überfluten. Der Vorwurf der „Lügenpresse“ erscheint mir daher nicht nachvollziehbar.

    Kritik am ÖRR: Normalisierung rechter Narrative

    Trotzdem sehe ich kritische Entwicklungen: Auch öffentlich-rechtliche Medien haben in den letzten Jahren dazu beigetragen, rechte Narrative zu normalisieren. Du hast den Gewöhnungseffekt treffend beschrieben. Aus falsch verstandener „Ausgewogenheit“ lädt man regelmäßig Gäste mit extremistischen Positionen ein, die bekannte Standpunkte wiederholen und Falschinformationen verbreiten.

    In diesem Zusammenhang fand ich den Vorschlag vom Volksverpetzer sinnvoll: Politische Debatten wie Kanzlerduelle oder Wahlarenen sollten zeitversetzt ausgestrahlt werden – mit eingeblendeten Faktenchecks und Kommentaren. So könnte man Desinformation direkt kontextualisieren, ähnlich wie es bei gefährlichen Inhalten bereits Praxis ist. Und Falschinformationen sind nachweislich gefährlich, weil sie einen sinnvollen demokratischen – auf Evidenz und Fakten basierenden – Diskurs erschweren oder gar verhindern.

    „Wenn man es unbedingt machen muss, warum zeichnet man nicht die Sendung auf, und sendet sie einige Stunden später, damit man die gecheckten Fakten in Ruhe einblenden und alles in den Kontext setzen kann? Das ist doch keine so absurde Idee!“

    Versäumnisse in der Themensetzung

    Neben der Art der Berichterstattung sehe ich auch das Setzen von Themen (Kernkompetenz von Medien) als zentrales Problem. Während unsere Welt an mehreren Fronten auseinanderbricht, konzentrieren sich die Medien auf Nebensächlichkeiten – wie das sprichwörtliche Tische-Rücken auf der Titanic.

    Ein Beispiel: Die westliche Wertegemeinschaft zerfällt in atemberaubendem Tempo, Europa steht vor der Herausforderung, sich möglicherweise ohne US-Unterstützung gegen Russland verteidigen zu müssen. Dennoch diskutieren wir vor allem darüber, wer schneller Migranten abschieben kann.

    Oder die Klimakrise: Mit einem möglichen Präsidenten Trump beschleunigt sich ihr Fortschreiten dramatisch – doch in der Debatte des Kanzlerduells war die zentrale Frage zur Umweltpolitik die Ästhetik von Windrädern. Das war für mich ein Kipppunkt des Vertrauens in den ÖRR.

    Medien und die Verantwortung für gesellschaftlichen Diskurs

    Müssen wir uns als Gesellschaft nicht gegen die mediale Praxis wehren, primär polarisierende und empörungsheischende Inhalte zu promoten? Warum wird nicht stärker auf sachliche Debatten gesetzt?

    Ein Vergleich: Wenn ich in einem Projektteam etwas erreichen will, kann ich mir Populismus und Empörung nicht leisten. Ich brauche konstruktive Zusammenarbeit, verschiedene Perspektiven und einen Moderator, der diese ausbalanciert. Ein guter Projektmanager versteht es, unterschiedliche Meinungen in Einklang zu bringen, ohne einer lauten Minderheit die gesamte Sichtbarkeit zu geben oder ihr die Entscheidungsmacht zu überlassen.

    Ein historisches Beispiel dafür ist die Expedition des Polarforschers Ernest Shackleton. Als sein Schiff Endurance im Eis zerbrach, gelang es ihm durch geschickte Führung, die Moral aufrechtzuerhalten und seine Crew am Leben zu halten. Er teilte die Zelte strategisch ein, um eine gesunde Mischung aus Skeptikern und Optimisten zu schaffen und verhinderte so, dass Schwarzmaler oder Aufrührer die Gruppe destabilisierten.

    (Das wird im Buch „635 Tage im Eis: Die Shackleton-Expedition“ von Alfred Lansing im Detail beschrieben. Der Polarforscher gilt mittlerweile als Inspiration für Personalführung.)

    Genau das fehlt mir derzeit. Unsere offene Gesellschaft steht unter einem enormen Stresstestdoch statt Ausgewogenheit zu fördern, geben die Medien oft jenen die größte Bühne, die am lautesten polarisieren.

    Je länger ich über diesen Vergleich nachdenke, desto mehr habe ich das Gefühl, dass wir an dieser Herausforderung gerade scheitern.

    • Vielen Dank für den starken Druko, @Peter Gutsche 🙏

      Bewusst habe ich den Lügenpresse-Vorwurf geprüft, sehe ihn hier aber nicht greifen. Die Kritik an der Überpersonalisierung, Polarisierung und Kurzfrist-Emotionalisierung der politischen Debatten geht diesmal von rechts bis links und umfasst auch ÖRR-Unterstützer wie Dich und mich. 96% sind eine massive Nummer und dass etwa beim Duell zwischen Olaf Scholz und Friedrich Merz Megathemen wie Demografie und Klimakrise keine Rolle spielten, ist ja objektiv überprüfbar und wurde auch vielerorts thematisiert.

      Mir gefällt Dein Bild der Polar-Expedition von Shackleton, die beinahe in einer Katastrophe geendet wäre, aber bis heute als Triumph des gemeinsamen Überlebenswillens gerühmt wird.

      Denn auch ich sehe weitere, harte Jahre und bereits das Umkippen der US-Demokratie in eine Thymokratie. Gleichwohl sehe ich auch ein schnell wachsendes, bürgerschaftliches und auch mediales Engagement, mit dem sich immer mehr Menschen als Prosumentinnen und Prosumenten einbringen.

      Eines von vielen Beispielen: Als ich auf der großen Demo jüdischer Studierender zu „Stuttgart hält zusammen“ sprach, zeichnete ein Ehepaar meine Rede auf und stellte sie auf YouTube:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-rede-zu-stuttgart-haelt-zusammen-2024-dual-und-monistisch/

      Ich halte es also für durchaus möglich, dass sich die deutsche Publikative gerade auch via Fediversum stärker demokratisiert und versachlicht. Mit Deinen Gastblogposts zur Quantenphysik der Zeit hast Du dazu Großes und Beispielhaftes geleistet!

      Unser Schiff steckt in der Enge der Zeit fest, aber tapfere und vielfältige Teams errichten bereits Zelte… ⛺️

    • @Gutsche
      Die Berichterstattung in den Medien hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert. Noch in den 1970ern hat man Wert auf gut recherchierte Berichterstattung gelegt. Von dieser Arbeitsweise ist man leider abgekommen – weil man dazu übergegangen ist, die Medien-Kunden emotional mitzunehmen.
      D.h. der Schwerpunkt liegt nicht mehr bei einer guten Informationsweitergabe, sondern darauf, ob man starke Emotionen mit den Berichten erzeugen kann.

      Man kann dies sehr gut in den Beiträgen erkennen: Sachinformationen mit Hintergrundberichten sind selten – aber wenn die Herren/Damen sich gegenseitig beschimpfen, wird darüber berichtet

  3. Einfach zusammengefasst: Noch nie war die Summe alles Publizierten und Wahrgenommen so emotional ausgerichtet, so meinungsorientiert und so ideologisch angehaucht wie heute.

    Sachliche Auseinandersetzungen sind zum Exotikum geworden, die Absonderung von Meinungen und moralischen Statements dagegen sind das heutige Normal. Die neuen Orientierungspunkte sind Hashtags wie “#Remigration” oder “#Putin-will-Frieden”.
    Dabei könnte man selbst über solche Dinge wie #Remigration sachlich informieren. Doch weil es eben bereits so stark emotional aufgeladen ist, wird das schwierig bis unmöglich und zudem dürfte der sachliche Hintergrund sehr dünn sein.

  4. Ich meine ja, auch der ÖRR trägt eine Mitverantwortung.

    Doch sind ARD und ZDF nicht auch ein Spiegelbild der Gesellschaft? Das Problem ist doch, dass seit Jahren der ÖRR seinem Auftrag zur Bildung der Gesellschaft beizutragen, nur noch in geringem Maße nachkommt. Auch beim ÖRR geht es um die sog. Quote, und da hinkt man schon lange hinter den Privat-TV-Sendern hinterher.

    Die Diskussion um die Rundfunkbeiträge endet nicht. Von seiten der Politik wird am ÖRR herumgezerrt. Also wird das Geld der Beitragszahler in Programme gesteckt, die weitgehend unumstritten sind. Zum Beispiel beim Sport. Hohe Summen werden für Fußballrechte ausgegeben, die dann anderswo fehlen. Die Verflachung des Unterhaltungsprogramms orientiert sich am Niveau der Privaten. Es erinnert ein bisschen an Brot und Spiele. Um Serien wie “Rote Rosen” oder “Sturm der Liebe” entbrennt kein Streit.

    Rundfunk- und Verwaltungsräte sind eigentlich auch dazu aufgerufen, sich für ein ausgewogenes Programm stark zu machen. Dennoch höre ich von diesen Gremien nie etwas zu den zweifelhaften Produktionsbedingungen der sog. Talkshows, die ja nicht von den Sendern selbst produziert, sondern extern eingekauft werden. Wer sich anschaut, welche gesellschaftlichen Gruppen im Rundfunkrat vertreten sind, muss man sich fragen, ob diese ihrer Verantwortung gerecht werden.

    Wir sind alle Konsumenten des ÖRR etc. Wenn wir also den Sendungen unsere Aufmerksamkeit schenken, die polarisieren, Hass und Hetze fördern und zur Spaltung beitragen, tragen wir eine Mitverantwortung.

    Fragwürdig ist für mich auch die politische Nähe der ARD Programmdirektorin. Da bleibt ein ungutes Gefühl. Denn auch die Tatsache, dass der SWR bereits jetzt den Wahlkampf in BW eröffnet – noch bevor die Spitzenkandidaten überhaupt feststehen – und dies über die Homepage der Tagesschau überregional weiterverbreitet, hinterlässt bei mir einen bitteren Nachgeschmack.

    Die Strukturen des ÖRR sind erstarrt, die Verwendung des Rundfunkbeitrags ist intransparent usw. Alles das bedürfte der Überprüfung. Durch das Erstarken der AfD und deren Ziele sehe ich allerdings keine Chance auf eine Einigung der maßgeblichen Player.

    • Vielen Dank, @Marie H.

      Leider erlebe ich es immer wieder, dass Ehefrauen die Mitgliedschaft in einer demokratischen Partei oder der Beruf ihres Mannes zum Vorwurf gemacht wird. Meine Frau gehört nicht nur einer anderen Religion und politischen Partei an als ich, sondern arbeitet auch in einem anderen Bereich. Sie muss sich meine Arbeit und Beauftragung nicht „vorwerfen“ lassen.

      Von Sippenhaft und Verschwörungsdenken halte ich gar nichts, sondern wünsche mir mehr demokratisches Engagement und Vielfalt auch im ÖRR. Und dass dort die meisten Journalistinnen und Journalisten politisch nach links tendieren, ist ja auch bekannt.

      Sorgen mache auch ich mir aber wegen der nachlassenden Qualität der oft fremdproduzierten TalkShows. Ich hatte auch schon einmal speziell dazu gebloggt:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/sind-konfrontative-politik-talkshows-gefaehrlich-in-erinnerung-an-lutz-hachmeister/

      Zudem habe ich mich gegenüber dem SWR dafür ausgesprochen, dass der bedeutende Dokumentarfilmer Joachim Lang (u.a. „Führer und Verführer“ über Goebbels Missbrauch der Medien) endlich seinen Film über das KZ Theresienstadt drehen kann. Stattdessen gibt es so etwas zu lesen!

      https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.swr-versus-regisseur-joachim-lang-heftiger-streit-um-eine-geplante-reise-nach-auschwitz.d61dda66-1433-4640-97ea-71f7e09dc2bf.html

      Gerade auch als treuen Unterstützer des ÖRR, der immer wieder auch dem SWR als Gast zur Verfügung steht, verstören mich diese Entscheidungen unseres Südwest-Senders doch sehr.

      • Da haben Sie mich missverstanden. Ich werfe Frau S. weder ihre Berufstätigkeit noch ihre familiären Verbindungen vor.

        Normalerweise bin ich die Erste, die sich über eine erfolgreiche Frau freut.

        Mit der Position einer Programmdirektorin ist eine große Verantwortung verbunden. Ich spreche Frau S. die Qualifikation dafür auch nicht ab. Ich vertraue ihr aber nicht.

        Im übrigen bin ich als Mutter von zwei Töchtern auch glücklich, wenn beide in ihren künftigen Jobs Zufriedenheit und Erfolg hätten. Bei der einen im Lehramt, bei der anderen in der Politik. Die derzeitige (politische) Situation lässt derzeit wenig Raum für die entsprechende Hoffnung. Beide werden sich ihren Platz selbst erringen müssen. Nicht jeder verfügt über Beziehungen.

        • @Marie H.

          Als nicht nur Robert Habeck, sondern auch dessen Ehefrau in einer weiteren NIUS-Aktion angegangen wurden, habe ich mich auch öffentlich klar dagegen gewandt. Umso interessanter ist es, was Sie hier so zu Christine und Thomas Strobl von sich geben, die ich kenne, schätze und die sich hier im Land großes und überparteiliches Vertrauen erarbeitet haben.

          Andererseits freut es mich, dass Sie die Thesen zu den psychologischen Stärken und Schwächen verschiedener, politischer Milieus offensichtlich bestätigen wollen – es gibt halt immer und überall verschiedene Haltungen gegenüber demokratisch Andersdenkenden.

          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/was-ich-vom-politischen-koordinatensystem-links-mitte-rechts-halte/

          Zumal ich ja bereits ausdrücklich geschrieben habe, dass ich kein Interesse an parteipolitischem Dualismus und Lügenpresse-Verschwörungsmythen habe, würde ich es nun auch hierzu gerne belassen. Mir schwant, dass in den nächsten Jahren ohnehin genug Sticheleien auch von links zu erwarten sind.

          Und übrigens: Meine Frau und ich hatten auch keinerlei “Beziehungen”, sondern einen Arbeiter- und Migrationshintergrund. Unser Land ist nicht so schlecht, wie es manchmal gemacht wird. Finden wir.

          • Was Sie mir hier vorwerfen, macht mich sprachlos.

            Ich muss das so stehen lassen.

          • Nein, @Marie H.

            Sie könnten auch einfach abrüsten und auf parteipolitische Sticheleien verzichten. Der Wahlkampf ist vorbei und es wird voraussichtlich auch auf Bundesebene eine Koalitionsregierung demokratischer Parteien geben. Ich würde mich freuen, wenn wir hier wieder über Sachthemen statt über Parteien und Personen dialogisieren könnten. Etwas anderes würde ich auch nicht mehr freischalten.

            Ihnen Dank für Ihr Engagement und eine gute Nacht.

      • Herr Blume, gerne betrachte ich Ihre Äußerungen als eine Art moralischen Anker in diesen stürmischen Zeiten. Zum Ergebnis der aktuellen Bundestagswahl treibt mich folgender Gedanke um:

        Hat ein gewisser Anteil des Wahlvolks nur / auch deshalb die AFD gewählt um den anderen Parteien deutlich zu machen dass u.a. durch die CDU geäußerte Wahlversprechen auch dringendst umgesetzt und eingehalten werden sollen? Also als eine Art letzte Warnung, Leitplanke oder Richtungsvorgabe? Oder auch weil man sonst nicht weiß wie man seine (un)berechtigte Unzufriedenheit zum Ausdruck bringen kann? Wohlwissend oder auch unwissend was durch die Entscheidung dieser Partei seine Stimme auszusprechen auf dem Spiel steht.

        Falls dies der Fall sein könnte, wie kann man diese Art der unglücklichsten Form von „Meinungsäußerung“ beispielsweise von einer Bundestagswahl entkoppeln? Wäre hier eine wiederkehrende (bspw. jährliche) Abfrage ausgewählter Themen (unabhängig davon was Medien als wichtig/unwichtig einstufen) unter allen Wahlberechtigten eine geeignete Möglichkeit ein gemäßigteres Wahlergebnis zu gewährleisten? Vorausgesetzt die an der Regierung beteiligten Parteien begreifen die Ergebnisse aus diesen Abfragen als ernstzunehmende Erwartungen der breiten Bevölkerung und können (wenn auch nur geringfügig) darauf reagieren oder dazu plausibel und ganz wichtig auch für das breite Wahlvolk nachvollziehbar Stellung beziehen.

        Dass solchen Abfragen gewisse Bedingungen zugrunde liegen müssen unter anderem eine ausreichend hohe Beteiligung der Bevölkerung, sowie eine wohlüberlegte Fragestellung steht außer Frage. Aber ein beiderseits anerkannter und respektierter Kanal zur Meinungsäußerung wäre vielleicht hilfreich?

        Wunsch und Hoffnung meinerseits ist, dass die AFD zukünftig wieder rückläufige Prozentzahlen verzeichnet.

        • Danke, @Sebastian S.

          Ich fürchte, wir können rechtsdualistische Parteien weniger mit dem Logos (Vernunft) als mit dem Thymos (Statuswillen, Empörungssucht) verstehen. Weder der Brexit noch eine verschärfte Migrationspolitik haben die britischen Konservativen vor dem Anwachsen von „Reform UK“ bewahrt, die sie nun beerben will. Die österreichische ÖVP hat in letzter Minute gemerkt, dass die „Volkskanzler“-FPÖ nicht regierungs- und koalitionsfähig sein würde. Die französischen Republikaner wurden durch den Rechtskurs nicht wieder gestärkt – im Gegenteil. Und wie sich das zunehmend auch wirtschaftliche Desaster der Republikaner-Radikalisierung in den USA 🇺🇸 auswirkt, werden wir auch sehen.

          Nach meiner Auffassung sollten also Demokratinnen und Demokraten gerade nicht den Rechtsdualisten nachlaufen, sondern konsequent die gewaltenteilige Demokratie verteidigen, die fossile Transformation und digitale Medienrevolution samt Neurohacking-Konzernmedien bewältigen. Unter den Erstwählenden, vor allem unter Frauen, hat die AfD ihren Zenit bereits überschritten.

          Der Weg aus dem linear-fossilen in ein dialogisch-regeneratives Zeitverständnis ist noch weit – aber ich möchte so gut ich kann daran mitarbeiten! ☺️🇩🇪🇪🇺🇺🇦🇮🇱🙌

  5. Wie erkennt unser Hirn, was wahr ist und was nicht?

    Die Leute, die heute „Lügenpresse!“ brüllen, sind die gleichen Leute, die gestern jedes Wort des ZDF blind geglaubt haben, wie der göttlichen Offenbarung. Glauben Sie, die Lutheraner haben sich so oft durchgesetzt, weil die katholischen Pfarrer das Falsche von der Kanzel gepredigt hatten?

    Wahrnehmung folgt Nutzen: Das Ergebnis von 2+2 geht an den Meistbietenden. Dass es meistens 4 ist, liegt daran, dass in den meisten Fällen, wo wir es zusammenrechnen, die Wirklichkeit alle anderen Interessenten überbietet. So lernen wir, Realität und Fantasie zu unterscheiden: Die Realität hat ungleich mehr Zuckerbrot und Peitsche zur Verfügung.

    Jede Weltanschauung, jede Gesellschaftsordnung, basiert darauf, dass 2+2 ein anderes, dem Konsens dienliches Ergebnis hat, jeden Tag spontan neu ausgerechnet wird, darauf, dass wir einfach verzichten, es auszurechnen, denn wenn mich das Leben für =3 bezahlt und Sie für =5, würden wir einander Lügner nennen und bekämpfen. Toleranz schafft Distanz, die wir brauchen, damit jeder in einem Privatuniversum mit eigener Mathe überleben kann, eine flexible, anpassungsfähige Gesellschaft, die in immer neuen Konfigurationen hier Kompromisse schließt, da Widersprüche ignoriert, dort sich dem Gebot der Wirklichkeit fügt.

    Ist nur so, dass unsere Gesellschaften im Grunde Gebärmuttern sind – die Wirklichkeiten der Wirtschaft, der Politik, der Instinkte und des kollektiven Glaubens überlagern die Physik, filtern und verfälschen die Ergebnisse – jede Ebene teilt Zuckerbrot und Peitsche aus, und was uns bewegt, ist die Mischung ihrer Impulse. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing – wer die Wirtschaft bestimmt, hat große Macht über den Glauben, indem er die Triebe befriedigt, Karotten verteilt, vor Peitschen schützt oder Peitschen schwingt. Solange der Wahn funktioniert, überschreibt er die universelle Logik von 2+2=4.

    Und so müssen Sie alle fünf Ebenen im Auge behalten. Im Falle der Populisten funken der Logik die Wirtschaft, Politik und Instinkte dazwischen – seit Jahrzehnten fallen wir aus den Wolken, ein Reality Check nach dem anderen zeigt uns, dass wir aus Amerikas Streichelzoo der Imperialisten A.D. raus fliegen und in eine politisch-wirtschaftliche Realität geschleudert werden, in denen wir ein Häuflein bettelarmer Kopfjäger-Stämme am Rande der Welt sind. Wie üblich, ignorierten Adel und Klerus den fortschreitenden Niedergang, trieben ihn emsig voran, zehrten umso mehr vom Eigenfleisch, je schwächer es wurde, und so sahen sie nur tolle Wirtschaftsdaten, während um sie herum der Staat zerfiel und die Leute reihenweise vom Glauben abfielen.

    Andererseits sind wir typische Barbarenstämme, die nur unter der Vormundschaft des Amerikanischen Imperiums Frieden halten konnten. Dessen Niedergang, die Lockerung des Washingtoner Griffs, die Unfähigkeit der Zivilisation, die Raubtiere durch Überfütterung ruhig zu halten, gibt uns endlich die Freiheit, das zu tun, was Europas tumbe Wilde schon immer am liebsten getan haben – Krieg.

    [Ab hier eskalieren die Formulierungen ins Thymotische. Gekürzt. M.B.]

  6. ich bin leidenschaftlicher Zeitungsleser und bin auch nicht auf sozialen Netzwerken. Seit ca 30 Jahren beobachte ich daß in sehr vielen traditionellen Medien immer wieder eine Partei am rechten Rand “salonfähig” gemacht wurde und sich extremistische Themen und Gedanken sich bis in die Mitte der Gesellschaft, platziert haben und den Anschein wecken, dass diese normaler Konsens sind. Wie erwähnt, dass alles geschah, vor den sozialen Medien besonders hier in Österreich…

  7. “So fiel mir bei dieser Bundestagswahl eine deutliche Diskursverschiebung zu kurzfristig bespielbaren Themen wie Migration, Terror und Ukraine auf, wogegen langfristige Themen wie Klimakrise, Demografie und Wirtschaft in den Hintergrund gerieten.”

    Grundsätzlich stimme ich Ihnen zu, aber bei zwei Unterpunkten nicht. Die Ukraine ist kein kurzfristiges Thema, sondern mittelfristiges und stand m.E. im Wahlkampf auch nicht im Vordergrund. Und die Wirtschaft hat durchaus eine Rolle gespielt, das war doch der Hauptvorwurf gegen Robert Habeck, dass er als Wirtschaftsminister versagt habe, Stichworte hohe Energiepreise und “Deindustrialisierung”. Gegen Habeck und die Grünen gab es eine massive Kampagne von WELT, Focus und NZZ und wahrscheinlich auch von Bild, deren Nachrichten ich aber nicht lese und auch nicht sehe. Christian Stöcker hat sich dazu mal in einer Diskussionssendung geäußert.

    Beim Thema Migration haben sich die Medien von der vermeintlichen Stimmung im Volk treiben lassen, das fiel mir beim DLF auf. Manche Reporter machten zum Thema ungewöhnlich Druck in den Interviews, wie es sonst nicht passiert.

    Die Klimakrise wurde völlig verdrängt. Das ist das größte Versagen der Medien. Drohender AMOC-Kollaps? Kein Thema. Eskalierende Klimakrise? Kein Thema. Es herrscht ein zwanghaftes Wegschauen, was einfacher fällt, zur Zeit im Winter das Wetter bei uns in Deutschland weniger auffällig ist.

    Zur Demographie mich zu äußern, nehme mir jetzt zu viel Zeit.

  8. “Aber warum sollten wir nicht an einer neuen, digital-demokratischen Publikative des 21. Jahrhunderts bauen?”

    Wir müssen es sogar !
    Die meisten Medien sind werbefinanziert.
    Das Internet, die Fachzeitschriften, die Tageszeitungen
    Das öffentlich rechtliche Fernsehen soll es ja nicht sein, deswegen zahlen wir ja die Rundfunkgebühren-

    Also, die Medienpräsenz bringt Quoten und damit Werbeeinnahmen.
    Und das ist auf den Punkt gebracht die Ursache, warum man der Berichterstattung nicht mehr ungeprüft trauen sollte.

    Um es mal anschaulich werden zu lassen. Da gibt es Testzeitschriften, die testen Automobile und bei einem genaueren Lesen merkt man, da werden bestimmte Automarken beworben und andere Automarken geschickt falsch dargestellt.

    Und bei den Tageszeitungen werden auch bestimmte Parteien positiv dargestellt und andere weniger positiv.

    Das ist ja nichts Neues. Nur, wenn sich eine Zeitung “überparteilich” nennt und es nicht ist, dann wird eben das Vertrauen in die Publikative als Ganzes beschädigt.

  9. @Blume off topic – aber trotzdem zum aktuellen Thema passend

    in der ZDF-Sendung TERRA X vom 16.2.2025: Wie wir leben – Wie wir sterben werden ´Nahtod-Erfahrungen´(NTEs) ausschließlich in einem Zusammenhang mit Lebensbedrohung/Sterben dargestellt
    OBWOHL – ich seit 2006 (!) ein komplettes Erklärungsmodell für NTEs erstellt und veröffentlicht habe: Wo NTEs als Ergebnis eines einfachen Erinnerungsvorgangs beschrieben werden, der eindeutig nichts mit Lebensbedrohung zu tun hat.
    UND OBWOHL – sogar bei Wikipedia [Nahtoderfahrung] deutlich zu lesen ist “… dass derartige Erlebnisse auch von Umständen, die nicht lebensbedrohend sind, ausgelöst werden können … ”

    D.h. für diese Sendung wurde entweder keine sorgfältige Recherche gemacht oder es wird mit betrügerischem Vorsatz absichtlich falsch berichtet.
    Beide Varianten sind ein Verstoß gegen journalistische Qualitätsstandards – und deswegen haben ich auch beim Fernsehrat eine Beschwerde eingereicht.

    Dieses Beispiel zeigt, dass es nicht nur bei der politischen Berichterstattung Qualitätsprobleme gibt

  10. @N 25.02. 12:40

    “Aber warum sollten wir nicht an einer neuen, digital-demokratischen Publikative des 21. Jahrhunderts bauen? … Wir müssen es sogar! Die meisten Medien sind werbefinanziert.“

    Nur zu. Webseiten sind eigentlich sehr billig, wenn der Kontent von den Nutzern frei eingestellt wird. Man kann hier Extraprofite machen, muss man aber eben nicht.

    Also nach Möglichkeit eben alle Plattformen meiden, die mit den eingestellten Inhalten Werbungsprofite erzielen. Dann fällt auch die Motivation gleich mit weg, emotional Fesselndes zu fördern.

    Im Prinzip ist auch die KI als LLM ein Medium, eben ein Zusammenfassungsprozess. Der sollte unbedingt frei bleiben, und soweit hier die IT-Infrastruktur teuer ist, sollte hier vielleicht öffentlich-rechtliche Gelder der EU mitfinanzieren. Das es hier eben KI-Inhalte gibt, die ohne Verbiegungen im Sinne kommerzieller Interessen frei bleiben.

    Wenn hier nichts verdient werden muss, kann auch die nötige Softwarearbeit allgemeinfrei sein, und als Opensource dann von allen weiteren Nutzern öffentlich weiterentwickelt werden. Das dürfte auf die Dauer von höchster Qualität werden können. Auch das kann die EU doch mitfinanzieren, das kostet eher wenig. Und jeder kann hier alles weiterentwickeln, wenn er eine Idee dafür hat.

    Die unseligen Digitalkonzerne dürfen dann draußen bleiben, und ihren Mist für sich behalten.

  11. Nochmal zu dem Thema “Die Medien sind eher links”.
    Bist Du Dir sicher das man die Studie so interpretieren darf das es sowas wie eine linke Meinungsführerschaft in den zB Printmedien gibt (die ja nicht zwanghaft auf Papier gelesen werden müssen. Was ich schade finde aber das ist halt mein Ding)?
    Oder interpretiere ich da jetzt etwas rein was Du gar nicht gemeint hast? Kann ja sein 🙂
    Ich habe das Gefühl da wird was in eine Studie hinein gelegt was sie nicht hergibt.
    Wenn man sich auf die politische Ausrichtung der Journalisten konzentriert findet man ja tatsächlich das die eher links orientiert sind. Über Tatsachen kann man schlecht streiten. Alternative Fakten sind für andere…
    Jetzt arbeiten die aber doch nicht im luftleeren Raum. DIe Chefredakteure sind doch oft konservativer als ihre Journalisten. Ich denke das das einen entscheidendenderen Einfluß auf das Ergebnis hat als die Einstellung der Mitarbeiter. Wobei ich mich jetzt nicht darin versteigen will, dass über die Führungskräfte der rechte / konservative Einfluß in Medien zu groß ist. Das ist ja nur die Argumentation umdrehen und eigentlich gar nichts sagen.
    Wenn es da einen ach so verhehrenden linken EInfluß gäbe (was ich Dir jetzt nicht einfach so als Deine Meinung unterschieben will): Warum ist dann ausgerechnet die Reichweite der Tagesschau (der ja dauernd unterstellt wird sie sei einseitig links orientiert) bei Menschen die sich eher rechts oder auch eher weiter rechts der Mitte ansiedeln größer als die von RTL aktuell?
    Wenn ich mir so die Reichweitenstarken angucke so hier und in Europa um uns herum:
    Bei uns BILD, in Polen FAKT, in England SUN. Also doch eher konservativ. Frankreich, Schweden, Norwegen, Italien: Liberal oder liberal konservativ (QUEST FRANCE, CORRIERE DELLA SERA, DAGENS NYHETER etc. …).
    Spanien tendiert dann mit EL PAIS tatsächlich mal nach mitte-links. Auch Irland ist mit dem IRISH INDEPENDENT konservativ aufgestellt.
    Da wird in meinen Augen gerade von Seiten der AfD Klientel ein Popanz aufgeblasen. Die tun sich nämlich sehr schwer mit Wiederspruch. Da muss man schon vorsichtig sein, dass man da nicht aus Versehen den Falschen das Wort redet. Das ist schnell passiert. Dann wird man auf einmal von denen zitiert, mit denen man wirklich nicht einer Meinung sein will. Selber konservativ oder auch nicht…
    Nur meine 2 Pfennig ohne absoluten Wahrheitsanspruch.
    Ich habe mir redlich Mühe gegeben das nicht irgendwie persönlich werden zu lassen. Ich hoffe man merkt das 😉

    • Ja, @Uli Schoppe – da liest Du Aussagen rein, die ich nicht vertrete. „Die Medien sind links.“ habe ich sehr bewusst nicht geschrieben und glaube ich auch nicht. Der Journalismus wurde und wird vor allem von säkularen Akademikerinnen und Akademikern ausgeübt, die häufiger politisch nach links tendieren. Doch schon in den Konzernmedien geben oft Libertäre bis Rechte den Ton an. Und ich war ernüchtert, dass es auch rechtsdrehenden und fossilen Portalen gelang, immer wieder Personal einzukaufen. Hinzu kommt, dass Journalismus ja keine geschützte Berufsbezeichnung ist und also auch von Einsteigenden ausgeübt werden kann.

      Also: Bei Medien immer genau hinschauen, auch über die eigene Blase hinausschauen und die Hostile Media-Verzerrung auch bei sich selbst erkennen. Behauptungen über „Die Medien“ sind fast immer falsch, weil diese unglaublich vielfältig sind – und sich mit Projekten wie z.B. NIUS und dem Volksverpetzer auch weiter ausdifferenzieren. Selbst in der o.g. Umfrage schrieb ich daher bewusst von „vielen Medien“.

  12. @N 26.02. 17:55

    „web.de verlangt nur eine Jahresgebühr von 48 Euro für die Domain.
    Und das notwendige Programm wird kostenfrei (bislang) mitgeliefert.“

    Hat man mehrere Domains wird es noch billiger.

    Auch aus Lust am Programmieren mit HTML und PHP habe ich meine Webseiten ganz selber aufgebaut.

    Text gibt es hier:

    https://introspektiva.de/

    Und etwas ältere Bilder und Tonprodukte hier:

    https://geier-wg.de/jeckenburger/

    Bei größeren Projekten wird das Content-Management immer interessanter. Gerade mit PHP kann man es soweit einrichten, dass man neue Texte oder neue Bilder nur noch in Ordner kopieren muss, und der Seitenquelltext bindet das dann selbsttätig ein.

    Man kann dann später die Seite noch umbauen, und den alten Content einfach übernehmen. Auch kann man etwa Blogs programmieren, dass die Nutzer nur ihren Text ins Browserfenster einkopieren müssen, und die Webseite selber dass dann sofort integriert. Moderieren kann man dann immer noch, auch einfach per Backend im eigenen Browser.

    Wird die Sache wirklich groß mit viel Inhalt und viel Datenverkehr, dann steigen dann aber auch wieder die Kosten für den Webspace, insbesondere wenn viele Bilder, Audios oder gar Videos hochgeladen werden.

    Im wesentlichen macht das alles einfach nur viel Arbeit, und kostet fast nichts. Im Vergleich zu Gedrucktem also klar im Vorteil. Und das Gedruckte macht auch nicht weniger Arbeit.

    Gedrucktes kann man dann aber auch verkaufen. Nur darum geht es mir nun mal nicht. Mir geht es erst mal ums Mitmachen.

    • Tobias Jeckenburger,
      gerade sehe ich, dass du auch mit Bildbearbeitung arbeitest.
      Dazu später mehr.
      Mein Hauptmotiv was das Objekt Kirchenkunst selbst, und man kommt dabei nicht nur in Europa herum , sondern bekommt auch Kontakt zu Personen, denen man sonst nie begegnet wäre. Einem Bischof, einem Fürsten, einer Irin auf der Suche nach ihren Vorfahren, ein Amerikaner, dessen Vorfahren in Stuttgart Pfarrer war ……………
      @all
      wake up, dear reader, it`s so easy to fall in love with your internet !

  13. Sehr geehrter @Michael,

    wünsche einmal einen schönen Morgen, bin gestern auf ein Informationsvideo von Alexis de Tocqueville gestoßen, genauer gesagt über seine Bücher “Die Demokratie in Amerika”. Es hat mich ein wenig überrascht wie die Erkenntnisse vor knapp 200 Jahren doch sehr ähnlich sind zu dem sind, was sich gerade abspielt. So eben auch die Erkenntnis das die Demokratie sich selbst nicht erhalten kann sondern von außen gestützt werden muss, wie eben von Religionen und anderen Gemeinschaften.

    Gerade die Warnung, das es zu einem sanften Autoritarismus kommen kann, indem der Bürger politisch immer mehr zurückzieht und die Macht der Mehrheit eben eine Diktatur daraus erschafft, ähnlich wie wohl Marx die Proletarier Diktatur gesehen hätte. Die Masse gibt den Ton an. Was ja bei einer Republik durch Gesetze in Zaum gehalten wird die nicht einfach so geändert werden können und die reine politische Macht der Demokratie in Zaum hält.

    Anbei der Link zum Video, für interessierte: https://www.youtube.com/watch?v=3pzSx8DzN80

    Zum Thema des Blogbeitrags, ich kann nur von der Nationalratswahl in meinem Land sprechen, wo es eine Art Dauerfeuer aus den Boulevard Blättern gab, mittels dem Internet sogar jederzeit verfügbar und permanent am Emotionalisieren, mit vielen angriffen unter der Gürtellinie was aber wohl ein Haufen Menschen ganz in Ordnung finden und mich eher verzweifeln lässt.

    Gerade hat es bei uns in Villach einen Feigen Mord durch einen Anschlag an einen Vierzehnjährigen gegeben und es wird Politisch ausgeschlachtet als gebe es keinen Morgen mehr. Gleichzeitig haben die Kärntner per Abstimmung Windräder verboten weil die ja das Landschaftsbild so schädigen. Bin ich mal gespannt was sie sagen, wenn die ersten Mediterranen großen Waldbrände unsere Berge kahlrasieren…

  14. @N 27.02. 08:30

    „Eine Cousine von uns fabriziert Puppen nach alten Vorlagen und verkauft die zwischen 1000 – 2000 €. Na, Appetit bekommen ??“

    Ich habe auch noch Tonpfeifen und Tonzwerge im Angebot, allerdings ist das sehr aufwändig, das im Netz anzubieten. Das sind alles Einzelstücke, die müsste ich alle einzeln Fotografieren, online stellen, verwalten und dann sehr gut verpacken, um sie per Post zu verschicken. Mehr als 10 bis 50 Euro pro Stück kommt dabei nicht heraus, das lohnt den ganzen Aufwand nicht.

    Entweder hochpreisige Einzelstücke oder ganzen Serien von gleichen Kleinteilen sind da online sehr viel einfacher zu verkaufen.

    Entsprechend ist meine Webseite nur eine Ausstellung.

  15. Jeder kann sich ja einmal selbst (z.B. in Wikipedia) anschauen, wer die Talkshows produziert und an die Öffentlich-Rechtlichen Medien verkauft. Dann wird klar, dass großen Wert auf Empörung gelegt wird um die Reichweite zu erhöhen. Das geschieht durch die Auswahl des Themas, der Gäste und die Diskussionsführung.
    Es ist ein Trugschluss, dass das nette Diskussionsrunden sind, bei denen man als Konsument irgendeine Erkenntnis gewinnen kann.

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