Budder bei die Fische, Gemüsekiste, Moscheegebäck und eine leckere Sachbuch-Nominierung

“Wem es in der Küche zu heißt ist, sollte kein Koch werden.” An diesen Spruch erinnere ich mich in den letzten Wochen immer wieder, wenn mich die Anfragen und Termine zu “Islam in der Krise” zu verschlingen drohen. Und tatsächlich freue ich mich ja nicht nur über das Interesse, sondern zum Beispiel auch über den originellen Gemüsekorb, den mir das Männerbistro Filderstadt nach einer Buchvorstellung überreichte – und der meine ganze Familie samt den Hasen des Sohnes erfreute.

 Eine originelle Gabe von den Fildern für eine Buchvorstellung. Foto: Michael Blume

“Budder bei die Fische” gab es auch in der gleichnamigen Talkshow von Anneke Ter Veen in Bremen, die nach Ausstrahlung in mehreren norddeutschen Sendern nun auch auf YouTube zu sehen ist.

Neben einer gut besuchten Lesung im Augustinum Meersburg stand zudem auch ein Interview mit der muslimischen Modebloggerin Mahdiya Tatjana Rogalski an, der es gelang, mir recht persönliche Antworten abzuluchsen.

Ein persönliches Web-Interview gelang Madhiya Tatjana. Foto: impulsive.arts, mit freundlicher Genehmigung

Entgegen den Unkenrufen mancher Leute erlebe ich auch generell viel Interesse von Musliminnen und Muslimen an “Islam in der Krise”. Ein Vortrag vor einem Moscheeverband soll noch online gehen, ihn werde ich dann extra einstellen. Hier aber ein Bild aus der Moschee der Islamischen Gemeinde Zuffenhausen, in der ich ebenfalls um eine Vorstellung des Buches gebeten wurde – und anschließend um jede Menge Fotos und Buchsignierungen. Man beachte auch die Tüte in der Fotomitte – sie enthält wiederum Lokum, eine türkische Süßspeise…

Man könne mit MuslimInnen nicht kritisch über religionsbezogene Fragen diskutieren? Ich erlebe das anders! Bild nach einer Lesung von “Islam in der Krise” im Gebetsraum einer Moschee. Foto: Emina Corbo-Mesic, mit freundlicher Genehmigung

Meine bisherige Erfahrung ist: Gerade auch jene Musliminnen und Muslime, die sich selbst in Moscheevereinen engagieren, erleben die doppelte Herausforderung von Säkularisierung einerseits und verschwörungsgläubiger Radikalisierung andererseits oft sehr direkt mit und sind geradezu dankbar, darüber wissenschaftlich informiert zu werden und diskutieren zu können (vgl. die erste Rezension einer Muslimin, Serife Nur-Turan, bei HuffingtonPost).

Auf der Longlist des NDR-Sachbuchpreises 2017

Und dann erreichte mich auch noch die Nachricht, dass “Islam in der Krise” als eines von 263 neuen Sachbüchern für den NDR-Sachbuchpreis 2017 nominiert worden war – und es prompt in die 16teilige Longlist geschafft hat! Anfang November soll dann die “Shortlist” mit nur noch sechs Titeln bekanntgegeben werden.

Die Longlist in der Übersicht:

  • „Gestrandet. Warum unsere Flüchtlingspolitik allen schadet – und was jetzt zu tun ist“ (Siedler) von Alexander Betts und Paul Collier
  • „Die Welt aus den Angeln. Eine Geschichte der Kleinen Eiszeit von 1570 bis 1700“ (Hanser) von Philipp Blom
  • Islam in der Krise. Eine Weltreligion zwischen Radikalisierung und stillem Rückzug (Patmos) von Michael Blume
  • „Albert Speer. Eine deutsche Karriere“ (Siedler) von Magnus Brechtken
  • „Fisch-Mafia. Die Jagd nach den skrupellosen Geschäftemachern auf unseren Weltmeeren“ (Campus) von Eskil Engdal und Kjetil Sæter
  • „Lob der schlechten Laune“ (Kein & Aber) von Andrea Gerk
  • „Die Deutschen und ihre Kolonien. Ein Überblick“ (be.bra) von Horst Gründer und Hermann Hiery
  • „Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen“ (Kunstmann) von Axel Hacke
  • „Fremd in ihrem Land. Eine Reise ins Herz der amerikanischen Rechten“ (Campus) von Arlie Russell Hochschild
  • „Das Europa der Könige. Macht und Spiel an den Höfen des 17. und 18. Jahrhunderts“ (Rowohlt) von Leonhard Horowski
  • „Lemberg. Die vergessene Mitte Europas“ (Aufbau) von Lutz C. Kleveman
  • „Europa zuerst! Eine Unabhängigkeitserklärung“ (Ullstein) von Claus Leggewie
  • „Geschichte der Zukunft. Prognosen, Visionen, Irrungen in Deutschland von 1945 bis heute“ (Hanser) von Joachim Radkau
  • „Afrika: genauer betrachtet. Perspektiven aus einem Kontinent im Umbruch“ (Edition Konturen) von Kirsten Rüther
  • „Viel zu langsam viel erreicht. Über den Prozess der Emanzipation“ (zu Klampen) von Barbara Sichtermann
  • „Herrschaft der Dinge. Die Geschichte des Konsums vom 15. Jahrhundert bis heute“ (DVA) von Frank Trentmann

Nächste Woche Dienstag, am 10.10.2017, steht dann auch die Lesung in der Stadtbibliothek meiner Heimatstadt Filderstadt an, gefolgt von der Frankfurter Buchmesse, für die ich mir angesichts zahlreicher Terminanfragen Urlaub genommen habe. Gerne möchte ich die Möglichkeit noch einmal nutzen, mich bei allen Interessierten und vor allem Leserinnen und Lesern zu bedanken – noch immer kann ich gar nicht so Recht fassen, was hier gerade alles passiert…

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und spezialisierte sich auf die Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Hat auch manches erlebt und überlebt...

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich habe eine kurze Anmerkung zur Statistik der Religionszugehörigkeit und fowid:
    Erstens erscheint mir die Auflistung “Weder fowid noch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) oder gar das Bundesinnenministerium haben zu definieren, wer „wirklich“ Christ, Muslim oder nichtreligiös ist” merkwürdig. Da hier neben staatlichen Stellen die fowid aufgelistet wird, da Sie gleichzeitig sagen, dass der Glauben durchaus wissenschaftlich erforscht werden sollte und die fowid zumindest sich selbst als Forschungsgruppe versteht. Für diese wissenschaftliche Untersuchung auch der Zahl der gläubigen Muslime, muss man am besten klare Definitionen vornehmen.
    Zum Anderen geht das fowid durchaus auf die von Ihnen angesprochene Problematik, wenn auch mit anderem Ergebnis. Zum Beispiel wird dort geschrieben: “In diesem Kontext muss auch berücksichtigt werden, dass viele Menschen, die sich als Muslime bezeichnen, damit nur die Zugehörigkeit zum muslimischen Kulturkreis ausdrücken, nicht jedoch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten muslimischen Konfession.” Mir ist allerdings auch unklar, wie sie auf die dann angegebenen 80% der derjenigen kommen, die sich als Muslime bezeichnen.
    Siehe hier: https://fowid.de/meldung/religionszugehoerigkeiten-deutschland-2015

    • Da besteht kein Dissens, @libertador. Tatsächlich zitiere und lobe ich die fowid-Erklärung gleich einleitend in Kapitel 1 von “Islam in der Krise”. Hier war aber neben den staatlichen Stellen bewusst auch fowid genannt, weil eine wissenschaftliche Beschreibung natürlich noch etwas anderes als eine religiöse Definition ist! Wer “wirklich” Christ, Juden, Muslim usw. sei kann nur von den Betreffenden und den Religionsgemeinschaften definiert werden (ggf. auch strittig). Staatliche Stellen sollten sich m.E. auf das Feststellen von Mitgliedschaften beschränken, wissenschaftliche Institutionen auf das Erforschen und Beschreiben verschiedener Lebens- und Frömmigkeitsstile. Definitionen des religiösen Selbstverständnisses stehen m.E. nur den Glaubenden und den von ihnen gebildeten Religionsgemeinschaften zu. So könnte eine wissenschaftliche Studie von fowid o.ä. ein Gebet pro Woche zum Mindeststandard für “praktizierten Glauben” nehmen, aber damit Religionszugehörigkeit nicht normativ definieren.

  2. Der Islam ist nicht ‘in der Krise’, sondern ist Die Krise für eine aufklärerische Zivilisation, der es partiell zu gut zu gehen scheint.
    Die Krise hier im Sinne von ‘κρίσις’ gemeint, im etymologisch herleitbaren Sinne.

    Die erfahrene Begrüßung im dankenswerterweise zur Verfügung gestellten Vid kam hier übrigens nicht so-o gut an, so dass gezweifelt wird am Publikum.
    Was abär nicht weiter stören soll.

    Dass der von Gutenberg um ca. 1450 erfundene Buchdruck ein paar Dekaden später von einem osmanischen Sultan zeitweise verboten worden ist, macht den Braten nicht fett. – Sie heben an dieser Stelle, wie auch die Problematik mit den fossilen Ressourcen meinend, wenig günstig ab.

    Sie bleiben eingeladen, Herr Dr. Blume, Generalkritik am Islam zu versuchen, Herumstochern der Art “I in K” trifft den Punkt nicht, Sie sind ja ein Netter, aber aus radikal islamischer Sicht auch ein Harbi, kein Dhimmi, Sie werden in der BRD Personenschutz benötigen oder verfügen bereits über diesen.

    Was gar nicht geht, wie Dr. Webbaer findet, ist in diesem Sinnzusammenhang und auch Ihre persönliche Gefährdungslage meinend, strenge, strengere Kritiker des Islam, als Sie es sind, irgendwie herabzusetzen, nur weil sie strenge, strengere Kritik üben.

    MFG
    Dr. Webbaer

    • Lieber @Webbaer,

      kürzer ließe sich wohl formulieren: Sie wünschen ewige Feindschaft zwischen „dem Westen“ und „dem Islam“ und lehnen daher alle wissenschaftlichen Beobachtungen ab, die differenzieren.

      Und, ja, damit befinden Sie sich im Einklang auch mit islamischen Extremisten, die das ebenso wünschen. Doch gerade auch von nicht-extremen Muslimen erlebe ich großes Interesse, Einladungen zu Lesungen auch in Moscheen usw. Und gerade ist die 3. Auflage von „Islam in der Krise“ erschienen, die vierte in Vorbereitung. 🙂

      Ihnen alles Gute, herzliche Grüße von der Frankfurter Buchmesse!

      • Der strenge Kritiker eines Kollektivismus geht halt konform mit den so beigebrachten Ideenmengen desselben, was ihn durchaus auch extrem in seiner Kritik erscheinen lassen mag – wenn er die zugrunde liegende Veranstaltung ernst nimmt.

        Dr. W kennt derartiges Retournieren und spricht ihm die dbzgl. mögliche Kritik nicht ab.

        Opi W kennt derart rekursive Kritik davon, als er sich stets gegen den real existierenden Ostblock ausgesprochen hat, auch dort ist ihm “Antikommunismus” vorgehalten worden, was seinerzeit in etwa so herabsetzend gewirkt hat wie heutzutage “Islamophobie”.

        Es kann halt niemand letztlich aus seiner Haut.

        MFG + GL (“Good Luck”),
        Dr, Webbaer

  3. Dr. webbaer,
    “Der Islam ist die Krise”
    Diese Aussage erinnert mich an ein Schwarzer Peter Spiel und wird der Wirklichkeit nicht gerecht.
    Damit werden Menschen mit Mitgrationshintergrund, gläubige Moslems, Kulturmoslems und Fundamentalisten in einen Topf geworfen.
    Wenn wir auf Inneren Sicherheit bedacht bleiben wollen, müssen wir genau differenzieren. In unseren Innenstädten leben bereits 30 % der Bewohner mit Migrationshintergrund. Und, ein Teil will sich integrieren, nicht alle, das bleibt eine offene Wunde, und wir müssen gerecht bleiben. Für Defaitismus besteht kein Grund, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen.

Schreibe einen Kommentar




Bitte ausrechnen und die Zahl (Ziffern) eingeben