Buchtip: „Nicht im Himmel“ von Rabbiner Avraham Yitzchak Radbil, Konstanz & Bundeswehr

Seitdem ich im Studium das großartige „Die Weisheit des Talmud“ des Holocaust-Überlebenden und späteren Friedensnobelpreisträgers Elie Wiesel (1928 – 2016) gelesen habe, faszinieren mich die unterschiedlichen Denk- und Dialogweisen der Religionen und Weltanschauungen. Schon 2012 wurde ich als Religionswissenschaftler mit Schwerpunkt Evolution & Demografie von drei Rabbinern zu einem ersten Schabbaton nach Frankfurt eingeladen.
Beim „Drei-Rabbiner-Schabbaton“ in Frankfurt 2012 sprach ich über die Evolution von Religion, die Gehirnentwicklung und Demografie. Foto: Schabbaton
Inzwischen vergeht kaum eine Woche mehr, in dem ich nicht die Freude habe, rabbinische Gelehrte zu sprechen und mich mit ihnen auszutauschen. Mit einigen ist im Laufe der Jahre auch eine Freundschaft erwachsen.
Dass es wieder ein dynamisches und vielfältiges, deutschsprachiges Rabbinertum geben würde, hätte noch vor wenigen Jahrzehnten kaum jemand für möglich gehalten . Und jene Rabbinerinnen und Rabbiner, die sich mutig in die Öffentlichkeit begeben, müssen sich dazu auch einiges aus den verschiedenen Öffentlichkeiten anhören.
Es war mir eine Ehre, bei der Mitgliederversammlung der Orthodoxen Rabbinerkonferenz (ORD) am 31. Januar 2024 im jüdischen Gemeindezentrum Stuttgart zu sprechen & mit den Gelehrten zu dialogisieren. Foto: ORD
Längst war interreligiös & interdisziplinär klargeworden, dass die vokalarmen und also linksläufigen Alphabete des Semitismus (Judentum, Islam) und die vokalisierten und also rechtsläufigen Alphabete des Japhetismus (Christentum, Sikhtum) medienpsychologisch enorme, religiöse Auswirkungen haben. Von diesen seien hier mal nur genannt:
- Weil die rechte Gehirnhälfte fehlende Vokale assoziiert (Linkesche These): In den semitischen Alphabeten entsteht ein bilderarmer Monotheismus, in den japhetistischen Alphabeten ein bilderreicher Henotheismus.
- Weil die semitischen Alphabete mit je verschiedenen Vokalen ausgelesen können, entsteht ein Netz aus Bedeutungen, besonders gut geeignet für Mythologie, Poesie und Religion.
- Weil die japhetitischen Alphabete vollvokalisiert sind, entstehen sehr klare Definitionen, besonders gut geeignet für Philosophien und Wissenschaften.
Dazu hatte ich schon im Podcast Verschwörungsfragen Folge 70 ein kurzes Zitat von Oberrabbiner Jonathan Sacks (1948 – 2020) eingebaut, möchte jedoch heute auch ein ganz besonderes Buch in deutscher Sprache empfehlen:
Rabbinisches, modern-orthodoxes Denken wieder auf Deutsch: „Nicht im Himmel – Kommentare zu den Wochenabschnitten“ von Rabbiner Avraham Yitzchak Radbil, Amazon PoD 2026. Foto: Michael Blume
Auf Linkedin schrieb der Autor dazu:
Dieses Buch ist über viele Jahre hinweg entstanden – aus Gesprächen, Unterricht, Draschot, Begegnungen und den Fragen des täglichen Lebens. Es enthält Kommentare zu den Wochenabschnitten der Tora, die klassische jüdische Quellen mit den Herausforderungen unserer Zeit verbinden. Im Mittelpunkt steht eine einfache, aber tiefgehende Botschaft: Die Tora ist nicht fern – sie ist uns gegeben, hier und jetzt. Ich hoffe, dass die Gedanken in diesem Buch euch inspirieren, begleiten und vielleicht auch neue Perspektiven eröffnen. Ein besonderer Dank gilt Patrick Merk, der an der Entstehung des Buches maßgeblich mitgewirkt hat. Ich freue mich sehr über euer Feedback und wünsche euch eine anregende Lektüre!
Das Buch enthält rabbinische Diskussionen und Auslegungen zu Texten der fünf Mosesbücher, die jeweils im Synagogen-Gottesdienst in Hebräisch gelesen und in der Landessprache ausgelegt werden.
Der Titel ist dabei, wie es gute rabbinische Praxis ist, einer Formulierung der Tora (den ersten fünf Moses-Büchern der Bibel) enthalten, in denen es in Dewarim (griech. Deuteronomium, 5. Buch Mosche), Kapitel 30, Vers 12 heißt:
11. Denn dies Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht verborgen und ist nicht fern.
12. Es ist nicht im Himmel, dass du sagest: Wer steigt für uns in den Himmel hinauf und holt es uns, und macht es uns kund, dass wir es tun.
13. Und es ist nicht jenseits des Meeres, dass du sagest: Wer reist für uns jenseits des Meeres hin und holt es uns, und macht es uns kund, dass wir es tun.
14. Sondern sehr nahe ist dir die Sache, in deinem Mund und in deinem Herzen, es zu tun.
15. Siehe, ich lege dir heute vor das Leben und das Gute, auch den Tod und das Böse.
Im Hinblick auf den Talmud – die frühe und wegweisende, dialogische Auslegung der biblischen Texte – verweist das Zitat „Nicht im Himmel“ jedoch auch auf Baba Mezia 59b, die berühmte „Geschichte vom Schlangenofen“, hier geschildert durch den meinerseits sehr geschätzten Rabbiner Jehoschua Ahrens.
Demnach hätten frühe Rabbiner über die rituelle Reinheit eines transportablen Backofens aus Lehmziegeln diskutiert und der legendäre Rabbi Elieser habe zur Unterstützung seiner Meinung sogar auf Wunder zurückgegriffen:
Nachdem keines seiner Argumente die gewünschte Wirkung zeigt, versucht er es mit Wundern: »Wenn die Halacha meiner Meinung entspricht, so mag das dieser Johannisbrotbaum beweisen!« Da rückte der Baum 100 Ellen von seinem Ort fort.
Als seine Kollegen immer noch nicht überzeugt waren, versuchte es Rabbi Elieser mit einem Wasserarm, der seine Laufrichtung änderte. Doch die Kollegen blieben bei ihrer Meinung. Da veranlasste Rabbi Elieser die Wände des Lehrhauses, sich zu neigen. Doch jedes Mal sagen die Rabbiner, dies sei kein Beweis. Da erklingt plötzlich eine Stimme aus dem Himmel: »Was habt ihr gegen Rabbi Elieser? Die Halacha ist stets wie er.«
Da stand Rabbi Jehoschua auf und sprach: »Die Tora ist nicht im Himmel« (5. Buch Mose 30,12). Der Talmud fragt: »Was heißt: Sie ist nicht im Himmel?« Rabbi Jirmeja erwiderte: »Die Tora ist bereits vom Berg Sinai herabgegeben worden. Wir achten nicht auf die Hallstimme, denn bereits am Berg Sinai hast Du in die Tora geschrieben: ›Man muss sich nach der Mehrheit richten‹« (2. Buch Mose 23,2). Damit wurde nicht nur Rabbi Elieser, sondern auch G’tt von den anderen Rabbinern einfach überstimmt.
Das Ganze mag zunächst nur nach einer netten Fabel klingen, hat aber eine buchstäblich gewaltige Nachwirkung: G’tt selbst bekennt sich zur Gewaltenteilung und wird von einem absoluten zu einem konstitutionellen Herrscher!
Entsprechend bemerkte Rabbi Jehoschua Ahrens auch:
Es heißt im Talmud, dass Rabbi Nathan den Propheten Elijahu traf und ihn nach der Reaktion G’ttes fragte.
Jener erwiderte: »Er schmunzelte und sprach: ›Meine Kinder haben mich besiegt, meine Kinder haben mich besiegt.‹«
Offensichtlich freut sich G’tt darüber, dass die Menschen ihn mit den Mitteln geschlagen haben, die Er ihnen selbst gegeben hat. G’tt versteht, dass die Menschen nun die Verantwortung für die Tora übernommen haben und als selbstständige, intelligente, aber eben auch kritische, Partner G’ttes am Schöpfungswerk aktiv teilhaben. Der Mensch soll nicht einfältig und von G’tt abhängig sein. Die Tora ist nun nicht mehr im Himmel, sondern sie ist in der Hand der Menschen, und die müssen sie nun verstehen und interpretieren.
Dass es heute also wieder neue, jüdisch-rabbinische Bücher in deutscher Sprache wie „Nicht im Himmel“ von Rabbi Radbil gibt, ist daher aus meiner Sicht auch keine Kleinigkeit, sondern ein echter Grund zur Freude! Das aschkenasische Judentum befindet sich gerade auch in Süddeutschland wieder in einem lebendigen Dialog mit dem Leben der jüdischen Gemeinschaften und der Gesamt-Gesellschaft einschließlich der nicht- und nachjüdischen Religionen. Es ist mir eine Freude und Ehre, an diesem Gespräch teilzuhaben.
Zwischen dem Konstanzer Gemeinde- und Bundeswehr-Rabbiner Avraham Radbil (links) und Dr. Astrid Schilling (rechts) am 10. März 2026 vor Offizierinnen und Offizieren der Bundeswehr in München. Foto: Katholische Akademie in Bayern
Ich kann also nur allen am Judentum Interessierten empfehlen, mit „Nicht im Himmel“ einige Einblicke ins deutschsprachige Juden- und Rabbinertum des 21. Jahrhunderts zu gewinnen und sich auf den Dialog der großen Traditionen einzulassen.
Und hier hat mich der Ulmer Gemeinde- und Polizeirabbiner Shneur Trebnik einmal in 60 Sekunden zu Wortassoziationen schnell-interviewt. Viel Freude allen, die sich für Dialog bewegen lassen. 🙂




So ganz verstehe ich die Gedankenführung der Geschichte vom Schlangenofen nicht.
Wenn man die Tradition ernst nimmt, die sich ja bewusst kein Bild dieser Wirklichkeit machen will, die wir G-tt nennen, dann gelten ja schon auch Einsichten, wie sie im Buch des Propheten Jesaja (Kap 55) für sich formulieren, Martin Buber übersetzt z.B. Vers 9 Denn: »Hoch der Himmel über der Erde, so hoch meine Wege über euren Wegen, mein Planen über eurem Planen.«
Diese Distanz ist ja nicht durch Mehrheiten einer Gruppe aufhebbar. Mehrheiten und Konsens sind in diesem Zusammenhang ja schon sehr unterschiedliche Zugänge.
Bisher war mein Verständnis, dass gläubige Menschen in den unterschiedlichen Traditionen bewusst eine Beziehung und damit implizit auch eine Abhängigkeit von G-tt suchen – ähnlich wie es in Vers 3 dieses Kapitels in der Übersetzung von Martin Buber heißt Neigt eure Ohren, kommt her zu mir! hört, dass auflebe eure Seele!
Gleichzeitig ist mir auch bewusst, dass Fragen eine wesentliche Seite des jüdischen Denkens ist – was im IT Umfeld u.a. zu interessanten Lehrbüchern geführt hat https://dn720005.ca.archive.org/0/items/tlLISP/TheLittleLISPer_text.pdf
In diesem Sinn bin ich auf die Weiterführung in diesem Diskussionfaden gespannt. Meine Frage bezieht sich dann auf die Beziehungsdimension der Menschen, die sich mühen, den Worten der Tora für ihre Zeit etwas abzugewinnen. Welche Rolle spielt da der innere Bezug zu dieser ganz anderen Wirklichkeit, die uns Menschen ja nahe sein will?
Vielen Dank für die Nachfrage, @HG Unckell – die meines Erachtens sehr gut die Unterschiede zwischen japhetitisch und semitisch alphabetisierten Traditionen umschreibt.
So gehen Sie – christlich-theologisch – von Jesaja, Kapitel 55,9 aus, nach Martin Buber:
»Hoch der Himmel über der Erde, so hoch meine Wege über euren Wegen, mein Planen über eurem Planen.«
Nicht nur jüdische Dialogpartnerinnen und -partner könnten darauf nun freundlich antworten, wie denn dann christliche Theologien zu Spekulationen wie der Dreifaltigkeit und gewissermaßen Einblicken ins Innerste des Göttlichen kämen?
In der jüdisch-rabbinischen Tradition ist es G’tt selbst, der sich durch die Tora offenbart – weswegen Rabbinerinnen und Rabbiner auch keine Theologen im christlichen Sinne sind, sondern Auslegende der Tora.
So schreibt Rabbi Avraham Radbil gleich auf Seite 2 von „Nicht im Himmel“:
Oft entsteht jedoch der Eindruck, die Tora sei fern, schwer zugänglich oder ‚im Himmel‘.
Genau diesem Eindruck möchte dieses Buch entgegentreten.
‚Nicht im Himmel ist sie‘ (Dewarim 30,12)
Unsere Weisen erklären (Bawa Mezia), dass die Tora nach ihrer Übergabe am Sinai dem Menschen anvertraut wurde.
Sie ist nicht mehr fern oder unerreichbar, sondern es liegt in der Verantwortung des Menschen, sie zu erforschen, zu verstehen und zu leben.
Der Vers fährt fort: ‚Denn sehr nahe ist dir die Sache‘ (ebd. 30,14)
Die Tora gehört in das Leben des Menschen – in sein Denken, sein Sprechen und sein Handeln.
Der Ramban betont, dass die Gebote der Tora nicht außerhalb der menschlichen Möglichkeiten liegen.
Vielmehr sind sie so gegeben, dass der Mensch sie in seiner konkreten Realität erfüllen kann.
Die Tora richtet sich nicht an Engel, sondern an uns, an Menschen.“
Ich finde das sehr klar und nachvollziehbar formuliert.
Sie fahren mit Ihrer Nachfrage fort:
„Diese Distanz ist ja nicht durch Mehrheiten einer Gruppe aufhebbar. Mehrheiten und Konsens sind in diesem Zusammenhang ja schon sehr unterschiedliche Zugänge.“
Auch hier ließe sich dann wieder nachfragen, warum dann kirchliche Konzilien Kirchentrennungen, Verbannungen und sogar Todesurteile veranlasst haben – denken wir etwa an Jan Hus (1370 – 1415) in Konstanz?
Auch die „Geschichte vom Schlangenofen“ trennt sich vom Weg der G’ttesbeweise und spricht eine Verbannung, aber kein Todesurteil aus. Dazu noch einmal Jehoschua Ahrens:
Für Rabbi Elieser endete die Geschichte leider weniger fröhlich. Er wurde von den Kollegen mit einem Bann belegt, quasi exkommuniziert. Es ging nicht um eine Minderheitenmeinung, die inakzeptabel ist, sondern die Gemeinschaft der interpretierenden Rabbiner ist wichtig, hier hat sich Rabbi Elieser herausgenommen.
Mehr noch: Das jüdische Gesetz basiert auf rabbinischer Tradition und Dialektik, nicht auf Wundern und Prophezeiungen. Wenn wir zulassen, dass Wunder und Prophezeiung eine Rolle spielen, dann braucht nur jemand zu behaupten, er sei ein Prophet, der Wunder vollbringen könne, und schon könnten er und seine Anhänger damit rechtfertigen, sich gegen das gesamte etablierte Rabbinat zu stellen. Diese Art des Diskurses wäre das Ende des (rabbinischen) Judentums.
Trotzdem war diese Entscheidung tragisch für beide Seiten. Rabbi Akiva trauerte ehrlich, als er Rabbi Elieser den Bann mitteilte. Selbst G’ttes Schöpfung nahm Anteil: »Da ward die Welt geschlagen, ein Drittel an den Oliven, ein Drittel an Weizen und ein Drittel an der Gerste.«
Rabbi Gamliel, der als Vorsteher des Beit Din in Jawne letztlich für das Urteil verantwortlich war, geriet in Seenot. Da sprach er: »Herr der Welt, offenbar und bewusst ist es Dir, dass ich dies nicht wegen meiner Ehre, auch nicht wegen der Ehre meines väterlichen Hauses getan habe, sondern Deiner Ehre wegen, damit sich keine Streitigkeiten in Israel mehren.« Erst dann hörte das Toben des Meeres auf.
https://www.juedische-allgemeine.de/religion/der-streit-um-den-schlangenofen/
Ich erlebe also wirklich, dass das tiefere Verständnis der jüdischen Auslegungstraditionen auch Christinnen und Christen helfen kann, den eigenen Glauben besser zu verstehen. Eine gut lesbare Einführung dazu bietet Guido Baltes in „Jesus, der Jude“ und eine schon wissenschaftlich-historische Tiefe „Meet the Rabbis“ von Brad H. Young. Von christlich-theologischer Seite beschrieb Klaus Müller den Noahbund in „Tora für die Völker. Die noachidischen Gebote und Ansätze zu ihrer Rezeption im Christentum“, Institut Kirche und Judentum, Berlin 1998.
Eine inhaltliche Wegmarke ist „Das Neue Testament Jüdisch Erklärt“, Deutsche Bibelgesellschaft 2021.
Dieser dialogische Weg aus den mimetisch eingefahrenen Pfaden des christlich-theologischen Denkens zurück zu den gemeinsamen Wurzeln des Denkens und Glaubens ist anstrengend und voller Überraschungen, ja. Aber er lohnt sich, versprochen!
Und selbstverständlich können wir auch hier auf dem Blog den Dialog gerne fortsetzen – wobei ich mir als Religionswissenschaftler nicht anmaße, für irgendeine Religion zu sprechen. Ich kann allenfalls kleine Beiträge dazu leisten, die verschiedenen Sichtweisen besser zu verstehen – aber nicht die authentischen Stimmen der jeweiligen Religionen ersetzen.
Beim Lesen dieser Weiterführung kommt mir wieder die Erinnerung an ein Gespräch mit Muslimen in der Bahn (wäre ja die gleiche Sprachgrundlage wie das Judentum), die mich damals ansprachen, ob ich nicht Muslim werden wollte, das wäre die rational-zugängliche Religion.
Die Anfrage, wie es zu Spekulationen / Versuchen kommt, sich Erfahrung mit G-tt begrifflich zu nähern (also, wie Menschen dazu kommen) führt ja geradewegs in die negative Theologie – und in den Umgang glaubender Menschen, die ihre eigenen Erfahrungen mit anderen teilen wollen.
Eine dieser Erfahrungsdimensionen bezieht sich ja auch auf mystische (also verborgene) Beziehungsformen zu dieser ganz anderen transzendenten Wirklichkeit, die immer wieder größere Unterscheidungsprozesse nach sich ziehen. Beispiele sind ja der Anspruch prophetisch, also von G-tt her, etwas zu sagen oder die Perspektive auf Wunder.
Es gibt natürlich auch Fehlformen, eine davon wird im Buch Wunder oder Wundersucht von Herrn Hanauer gut beschrieben.
Gleichzeitig erleben viele Menschen Fügungen, lassen sich auf eine Suche ein, die Beziehung als Ziel hat. Dazu hat ja Augustinus, dessen Gedenktag ja in dieser Woche ist, notiert Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in Dir
Vielen Dank und große Zustimmung, @HG Unckell 🙏📚🖖
Was die medienpsychologischen und also erkenntnistheoretischen Grundlagen angeht, stehen sich die semitisch alphabetisierten Weltreligionen des Judentums & Islams sehr nahe, wogegen sich das jafetitisch alphabetisierte Christentum mit Bilderreichtum, Passions- und Trinitätstheologien sowie zahlreichen, oft ellenlangen Glaubensbekenntnissen deutlicher unterscheidet.
Ich finde das weder als Religionswissenschaftler noch als Christ „schlimm“, sondern wichtig zu verstehen:
Wenn wir in den ernsthaften Dialog eintreten, dann müssen wir auch die religiösen Erfahrungswelten der jeweiligen Gesprächspartnerinnen und -partner ernstnehmen. Und das bedeutet eben auch, anzuerkennen, dass im Judentum die Tora und im Islam der Koran als Brücke in die Transzendenz erlebt werden, wo im Christentum der Christus als Weg, Wahrheit und Leben gilt.
Und unabhängig von jeder persönlichen Religiosität und Spiritualität: Wenn sich die enorme, religionspsychologische Wirkung der verschiedenen Alphabete herumspricht, gerät damit endlich auch die enorme Wirkung weiterer Medien auf unseren kulturellen und sozialen Alltag in den Blick.
So haben erst und nur alphabetisierte Religionen lineare Kalender hervorgebracht, vgl. dazu auch säkulare Mythologien:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-alphabet-leuchtturm-des-aschkenasischen-japhetismus-podcast-interview-zu-und-fuer-perry-rhodan/
Aber ich möchte jetzt auch nicht zu viele Themen aufmachen und bin Ihnen für Ihre stark interessierten und dialogischen Drukos einfach dankbar! Hineni! 😌
Ich vermisse die Juden in Europa. Wäre nur schade, wenn sie als Flüchtlinge zurückkehrten und nicht freiwillig. Für Europa ist Partnerschaft mit der muslimischen Welt überlebenswichtig, wenn es also Konflikte zwischen ihr und den Israelis gibt, können wir uns entweder gar nicht entscheiden, oder für die Muslime. Und ich würde mir sehr wünschen, Israel würde uns die Wahl lassen, uns nicht zu entscheiden.
[…]
Wer Macht hat, muss Verantwortung übernehmen. Und wir geben sehr viel Macht ab, um es nicht zu müssen. Und wo wir die Macht haben, stellen wir uns trotzdem gern als Opfer dar, um die Verantwortung auf Sündenböcke abzuwälzen. Auch deswegen mag ich die Demokratie – es gibt kaum Unschuldige. Nur die Schwächsten haben das Recht, das Opfer von jemandem zu spielen. Menschen bauen Mist, das ist normal, doch wenn wir uns mal wieder stur in die Katastrophe gewählt haben, können wir in sehr vielen Fällen die Schuldzuweisungen überspringen und zur Schadensbegrenzung übergehen.
Tun wir nicht. Doch, solange wir das nicht drauf haben, sind wir auch nicht reif für die Demokratie.
[Wegen Überlänge und unangemessener Sprache gekürzt, M.B.]
@Paul S.
Sie schrieben zu Beginn Ihrer üblichen Textfluten:
„Ich vermisse die Juden in Europa.“
Warum denn? Sie sind vom Beginn der europäischen Nationen an Teil Europas und mancherorts wächst ihre Zahl. Auch das deutschsprachige Juden- und Rabbinertum lebt wieder auf. Sie haben den obigen Blogpost kaum überflogen und nicht wirklich gelesen, nicht wahr? 🤭
„Wäre nur schade, wenn sie als Flüchtlinge zurückkehrten und nicht freiwillig.“
Aus den Amerikas oder der islamischen Welt, aus Israel oder Russland?
Ich kann Ihnen so viel sagen: Die Zahl jüdischer Menschen, die sich um europäische und gerade auch deutsche Staatsangehörigkeiten bemüht, hat in den letzten Jahren sehr deutlich zugenommen. Denn die ganze Welt ist am Wanken.
„Für Europa ist Partnerschaft mit der muslimischen Welt überlebenswichtig, wenn es also Konflikte zwischen ihr und den Israelis gibt, können wir uns entweder gar nicht entscheiden, oder für die Muslime.“
Längst haben mehrere arabisch-muslimische Staaten Israel anerkannt und gerade auch beim Thema Wasser gibt es längst Zusammenarbeiten. Überlebenswichtig – für alle!
Meine Prognose ist angesichts eigener Kenntnisse der ganzen Region folgende: Es wird nur eine gemeinsame Zukunft in Frieden geben – oder in wenigen Jahren wird aufgrund der Klima- und Wasserkrise kaum noch jemand im eurasischen Gürtel leben können! Die Gewalttäter von heute zerstören auch die Zukunft ihrer eigenen Völker und Staaten.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/nachgefragt-podcast-zum-zunehmenden-kampf-ums-wasser-im-21-jahrhundert/
„Und ich würde mir sehr wünschen, Israel würde uns die Wahl lassen, uns nicht zu entscheiden.“
Antisemitische Islamisten und ihre rechten wie linken Mitläufer in Europa und den Amerikas träumen weiterhin von der Vernichtung Israels. Rechtsradikale Israelis wie Itamar Ben-Gvir und seine Helfershelfer hetzen gegen Muslime und träumen von der Vertreibung, ja Vernichtung palästinensischer Menschen. Aber weder stehen die Hamas und Hisbollah für die Gesamtheit der muslimischen Welt, noch die israelischen Rechtsdualisten für die Gesamtheit der Republik Israel.
Sie schrieben:
„Wer Macht hat, muss Verantwortung übernehmen. Und wir geben sehr viel Macht ab, um es nicht zu müssen.“
Wer ist denn „wir“, die „sehr viel Macht“ abgeben, um keine „Verantwortung übernehmen“ zu müssen? Ich zähle mich nicht zu diesem „Wir“ und ich hoffe, dass viele Leserinnen und Leser hier die Verantwortung im Sinne des „Hineni!“ Abrahams ebenfalls nicht fürchten.
„Und wo wir die Macht haben, stellen wir uns trotzdem gern als Opfer dar, um die Verantwortung auf Sündenböcke abzuwälzen. Auch deswegen mag ich die Demokratie – es gibt kaum Unschuldige. Nur die Schwächsten haben das Recht, das Opfer von jemandem zu spielen.“
Ja – da bin ich bei Ihnen. Feiglinge, Dualistinnen und Tyranophile werden immer wieder zur Externalisierung von Verantwortung bis hin zu bizarren Verschwörungsmythen tendieren. Demokratie – genauer gesagt: demokratische, parlamentarische Republiken – verlangen ihren Bürgerinnen und Bürgern mehr Verantwortung ab, als die meisten nach langen Gesundheits- und Friedensphasen noch tragen wollen. Dies nennt sich das Präventions- und das Friedensparadox.
Und dass Sie unter einem Blogpost zum deutschsprachigen Juden- und Rabbinertum doch wieder nur außenpolitische Fantasien zu äußern vermögen, zeigt vor allem eines – es bleibt viel zu tun, bis post-christliche Deutsche wieder zu einem verständigen Wissen über Religionen, Völker und Staaten gefunden haben. Und auf dieser Basis verständig Verantwortung für sich selbst, für unsere Mitmenschen und für unsere Mitwelt übernehmen.
Ich freue mich, dazu hier kleine, dialogische Beiträge leisten zu dürfen. 😊
@Hauptartikel
„G’tt versteht, dass die Menschen nun die Verantwortung für die Tora übernommen haben und als selbstständige, intelligente, aber eben auch kritische, Partner G’ttes am Schöpfungswerk aktiv teilhaben. Der Mensch soll nicht einfältig und von G’tt abhängig sein.“
Hört sich ja auch gut an. Und neben der Tora als Quelle dürfte dann jedes Buch und jeder Beitrag von allen möglichen Menschen ins Auge zu fassen sein. Gesammeltes Wissen wie auch erfahrenes Leben mögen auch Grundlage aller Diskurse sein dürfen.
„Die Tora ist nun nicht mehr im Himmel, sondern sie ist in der Hand der Menschen, und die müssen sie nun verstehen und interpretieren.“
Da steht eben nicht alles drin. Und ob die Tora wirklich 1:1 von Gott verfasst wurde, wage ich ernsthaft zu bezweifeln.
Ich vermute eher, dass da die Autoren der Tora von der damals neuen Alphabetisierung überaus begeistert waren. Und die Gelegenheit nutzten, einen konkreten Glauben einfach mal verbindlich festzuschreiben.
Ob das überhaupt eine gute Idee war, da bin ich mir nicht mal sicher. Auf jeden Fall entschärfen sich aber die möglichen Probleme damit offensichtlich deutlich, wenn man den Diskurs wirklich in die Hände der Menschen legt.
Von daher, ist „Nicht im Himmel“ eine echt gute Idee. Und die Resilienz, mit der die Juden offenbar durch immer wieder äußerst schwierige Zeiten gegangen sind, ist einfach nur bemerkenswert.
Danke für den dialogischen Druko, @Tobias
Klar: Für religiös gläubige Menschen im Judentum, aber auch in Christentum und Islam ist die Tora g‘ttlich offenbart oder mindestens inspiriert. Ich teile jedoch Deine Haltung, dass sich das rabbinische Judentum auch durch nicht-monotheistisch glaubende Menschen als Weisheitstradition verstehen lässt, die sich um die Tora als erste geheiligte Schrift in Alphabetzeichen fand und seitdem erstaunlich resilient evolviert.
So plädiert auch Rabbi Avraham Radbil auf Basis der Abraham-Geschichte für das respektvolle Miteinander, Seite 41:
Naxh ihrem größten Triumph kehren Avraham und Yitzchak zu den einfachen Menschen und an ihren alten Lebensmittelpunkt und Wirkungsstätte zurück, die sie zuvor verlassen hatten.
Sie gehen mit ihnen, nicht hochmütig, sondern in echter Zweisamkeit.
Jeder Mensch verdient Respekt, ohne Rücksicht auf seinen Rang oder Stand.
Hohe spirituelle Errungenschaften stellen nach Ansicht der Tora kein Hindernis dar, sich mit denen zu verbinden, die diese Errungenschaften nicht teilen.
Sie bringt keine spirituellen Meister hervor, die auf realen oder selbst geschaffenen virtuellen Gipfeln thronen.
Im Gegenteil, je größer die Person ist, desto weniger fühlt sie sich anderen überlegen und distanziert.“
Sowohl in der oben gezeigten, gemeinsamen Veranstaltung für die Bundeswehr wie auch in Konstanz – wo ich auch seine wunderbare Familie kennenlernen durfte – habe ich erlebt, dass der Autor diese Werte des dialogischen Monismus nicht nur predigt, sondern auch lebt.
Eine demokratische Gesellschaft, in der Menschen verschiedener Religionen und auch nichtreligiöser Weltanschauungen miteinander auf dem Weg sind und voneinander lernen, wird dadurch insgesamt besser, dialogischer und resilienter gegenüber Krisen.
Dir daher herzlichen Dank für Dein Interesse und Deinen konstruktiven Kommentar!
@Michael 24.08. 06:35
„Eine demokratische Gesellschaft, in der Menschen verschiedener Religionen und auch nichtreligiöser Weltanschauungen miteinander auf dem Weg sind und voneinander lernen, wird dadurch insgesamt besser, dialogischer und resilienter gegenüber Krisen.
Zunächst mal ist die Vielfalt einfach Fakt und Schicksal. Aber dann noch mehr draus machen, die Gelegenheit dazu ist günstig.
Wobei es nun doch aber Zeitgenossen gibt, die von Toleranz gar nichts wissen wollen. Und einige Wenige davon sogar Gewalttätig werden.
Aber all das muss unsere Dialoge nicht aufhalten. Da gibt es ein Reservoir an Vielfalt, das vielversprechend ist.
Vielen Dank, lieber @Tobias – ich habe den gleichen oder ähnlichen Dialog-Gedanken in meiner Rede im Landtag BW vom 9.11.2023 so gefasst:
„Eine Zukunft haben wir nur gemeinsam.“
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/im-landtag-bw-gegen-antisemitismus-meine-rede-zum-9-11-2023/
Entsprechend plädierte ich auch damals für den schnelleren Ausbau erneuerbarer Friedensenergien – denn Terror, Krieg und Extremwetter bedrohen schließlich alle Staaten und lösen auch zunehmend Fluchtbewegungen aus. Vgl. auch die entsprechende Furcht von @Paul S. hier im Thread.
Aufgrund der historischen Erkenntnisse bin ich mir leider sicher: Wenn eine Menschengruppe entrechtet und verfolgt wird, ist auch keine andere mehr sicher. Rechtsmimesis wird niemals satt.
Habe mich heute auch sehr über eine SWR-Sendung mit Polizeirabbiner Shneur Trebnik (Ulm) gefreut, der mich oben im Video interviewt hat.
Freue mich auch gerade sehr über diesen Bericht des SWR:
„Seit fünf Jahren arbeiten in Baden-Württemberg Polizeirabbiner.
Die Idee ging seinerzeit von Michael Blume aus, dem Antisemitismus-Beauftragten der baden-württembergischen Landesregierung. Ihm war wichtig, dass die Polizei mit Juden spricht – und nicht über sie.
Es geht um ein neues Verständnis für das Judentum, vermittelt quasi aus erster Hand.
Einer der beiden Polizeirabbiner des Landes ist der Ulmer Rabbiner Shneur Trebnik.“
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117149697628347220
Hier auch der Direktlink zum Radiobeitrag:
https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/ulm/polizeirabbiner-shneur-trebnik-fuenf-jahre-im-amt-100.html
Ich denke, das ist ein schönes Beispiel dafür, wie eine vielfältige Ausbildungs- und Seelsorge-Struktur auch unsere Blaulichtfamilien (Polizei-, Sicherheits-, Technik- und Rettungskräfte) sicherer macht. Auch die Militärrabbiner, die unsere Soldatinnen und Soldaten von der Ausbildung bis ins Ausland begleiten, halte ich daher für sehr wichtig. Die Aufgaben von guten Gelehrten (m/w/d) aller Religionen beginnen „nicht im Himmel“.
Postete heute Morgen mit zum traditionellen „Tässle Kaffee“ auf Mastodon:
Guten Morgen – Tässle Kaffee ☕️️?
Viele Menschen halten die demokratische & dialogische Mitte für inhaltlich leer, für einen Graubereich zwischen links und rechts.
Ich sehe das grundlegend anders, denn im Zentrum jeder demokratischen & gewaltenteiligen Republik – und in Artikel 1 unseres Grundgesetzes – steht die Menschenwürde & also die Vielfalt. 🌈
Rechtsmimesis zielt auf absolute Ungleichheit der Menschen, Linksmimesis auf absolute Gleichheit. Sie bilden kein Hufeisen, wurden jedoch beide immer wieder intolerant und dualistisch, sogar gewalttätig.
Die Menschenwürde balanciert Gleichwertigkeit mit Freiheit und erlaubt so demokratische Vielfalt.
Dafür stehe ich aus Überzeugung ein.
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117154372089314132
Im Post eingebunden war 1 aktueller SWR-Bericht, in dem es hieß:
Seit fünf Jahren arbeiten in Baden-Württemberg Polizeirabbiner. Die Idee ging seinerzeit von Michael Blume aus, dem Antisemitismus-Beauftragten der baden-württembergischen Landesregierung. Ihm war wichtig, dass die Polizei mit Juden spricht – und nicht über sie. Es geht um ein neues Verständnis für das Judentum, vermittelt quasi aus erster Hand. Einer der beiden Polizeirabbiner des Landes ist der Ulmer Rabbiner Shneur Trebnik.
https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/ulm/polizeirabbiner-shneur-trebnik-fuenf-jahre-im-amt-100.html
Dass Polizistinnen und Polizisten schon in ihrer Ausbildung auch religiöse Vielfalt und konkret das jüdische Leben kennenlernen, macht unsere Gesellschaft offener und gegenüber Krisen resilienter. Es stärkt, so hoffe ich, die Idee der Menschenwürde und damit auch Artikel 1 unseres Grundgesetzes.
@Michael 24.08. 06:35
„Hohe spirituelle Errungenschaften stellen nach Ansicht der Tora kein Hindernis dar, sich mit denen zu verbinden, die diese Errungenschaften nicht teilen.
Sie bringt keine spirituellen Meister hervor, die auf realen oder selbst geschaffenen virtuellen Gipfeln thronen.
Im Gegenteil, je größer die Person ist, desto weniger fühlt sie sich anderen überlegen und distanziert.“
Gibt es unter den Juden entsprechend auch keinen Papst oder irgendein Oberhaupt?
Spirituelle Errungenschaften im Sinne eines tieferen Menschenverständnisses dürften einen dann tatsächlich den real existierenden Menschen näher bringen?
Vielen herzlichen Dank für Deine interessierte Nachfrage, lieber @Tobias
Du fragtest:
Die Antwort ist: Sowohl im Juden- wie römisch-katholischen Christentum wird religiöse Oberhaupt als Priester verstanden, das im Judentum an den Jerusalemer Tempel, im Christentum an die Weihe (apostolische Sulzession) geknüpft ist.
So habe laut der Bibel / Tora 2. Mose 28, 3) der Prophet Moses seinen Bruder Aaron (hebr. als ersten Hohepriester (Kohen Gallo) geweiht. Die männliche Linie zweier seiner Söhne gelten bis heute als Kohanim, aus denen bis zur Zerstörung des Jerusalemer Tempels durch die Römer um 70 n.Chr. der Hohepriester, haKohen haGadol des Tempels als höchste, religiöse Autorität bestimmt wurde.
Bis heute gibt es religiöse Erwartungen an die Kohanim, wobei die Schreibweise des Namens in den verschiedenen Nationalsprachen variert: Etwa als Cohn, Cohen, Kahane, Kagan, Kaner, Kohn, Kohne, Kuhn, Cahn und Kahn, aber auch Katz oder Kohnstamm.
Bekannte Namensträger waren und sind unter anderem Ethan und Joel Coen, Albert Cohen, Hermann Cohen, Leonard Cohen, Meir Cohen, Sacha Baron Cohen, Arthur Cohn, Falk Cohn, Oskar Cohn, Steven A. Cohen, Herbert Constam, Daniel Cohn-Bendit, Elena Kagan, Oleg Kagan, Anetta Kahane, Meir Kahane, Herman Kahn, Otto Hermann Kahn, Leonid Kogan, Béla Kun, Fritz Kortner (eigentlich: Fritz Kohn), Dominique Strauss-Kahn, Oskar Kohnstamm.
Diese Auflistung und jede Menge weiterer, interessanter Infos zum jüdischen Priestertum der Kohanim und des Stammes Levi finden sich hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kohen
In der Dualität (nicht im Dualismus!) zur Priesterschaft entfalteten sich Rabbiner (& später auch Rabbinerinnen) als Schriftgelehrte und Lehrende.
Das Rabbinertum ist also „keine“ Priesterschaft und entspräche im Christlichen am ehesten den evangelischen Pastoren & Pfarrerinnen, die ebenfalls nach Prüfungen ordiniert und durch Gemeinden angestellt werden.
Entsprechend gibt es viele rabbinische Schulen & Zusammenschlüsse („Rabbiner-Konferenzen“), in Deutschland etwa die liberale (ARK) und orthodoxe Rabbinerkonferenz (ORD), aber auch weitere Zusammenschlüsse etwa von Chabbad-Rabbinern, europäisch und israelisch anerkannten Rabbinern.
Es gibt – in Israel, in europäischen Nationen und inzwischen auch wieder in Baden-Württemberg – Landes- und Oberrabiner.
Und es gibt wenige Gelehrte wie den großen Oberrabiner & Baron (im House of Lords) Jonathan Sachs (1948 – 2020), seligen Angedenkens, der weltweit von interessierten jüdischen und nichtjüdischen Menschen sehr geehrt wird.
Dass sich dieser große philosophische und rabbinische Gelehrte einst wegen Religion & Demografie an mich wandte und dann in seinem großen Werk “Not in God‘s Name. Confronting Religious Violence“ (2015) auch zitierte, gehört für mich zu den bedeutendsten Auszeichnungen meines Lebens. Eine große, jüdisch-rabbinische Autorität wandte sich auf der Suche nach Wissen einfach an einen damals jungen und unbekannten Wissenschaftler aus Deutschland – das hat mich zutiefst beeindruckt und geprägt!
Und zum Religionsvergleich:
Erst vor Kurzem hatte ich hier bewusst eine römisch-trajanische Münze aus La Souterraine, Frankreich gepostet, weil diese auch anzeigte, dass der römische Oberpriester-Titel des „Pontifex Maximus“ (lat. Oberster Brückenbauer) damals noch von den Adoptivkaisern („Cäsaren“) getragen und erst später auf den Bischof von Rom (heute: Papst) übertragen wurde:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/roemisches-geld-als-medium-ein-fundstueck-aus-la-souterraine-frankreich/
Eine weitere, von Rom und dessen derzeitigem, von mir sehr geschätzten Pontifex Leo XIV. unabhängige Papst-Tradition kennt übrigens die koptisch-orthodoxe Kirche in Ägypten mit dem derzeitigen Papst Tawadros II.:
https://de.wikipedia.org/wiki/Tawadros_II.
Die evangelisch-reformierten Kirchen kehrten sich wiederum vom römisch-katholischen Papst als Hohepriester ab, indem sie sich auf das “Priestertum aller Gläubigen“ im nach-pfingstlichen Christentum nach dem judenchristlichen Apostel Petrus beriefen (1. Petrus 2, 9-10).
“9 Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.
10 Einst wart ihr kein Volk, jetzt aber seid ihr Gottes Volk; einst gab es für euch kein Erbarmen, jetzt aber habt ihr Erbarmen gefunden.
https://www.bibleserver.com/EU/1.Petrus2%2C9-10
Die Hoffnung, dass einmal ganz Israel oder gar die ganze Menschheit priesterlich-direkt zu G’tt stehen würde, gibt es auch bereits in der prophetischen Tradition der hebräischen Bibel, die ja auch darauf verweisen kann, dass Mosche seinen Bruder ins Priesteramt einsetzte.
Du siehst also, dass eine enorme Chance besteht, dass sich Juden- und Christentum sowie auch der Islam und weitere Religionen durch den interreligiösen Dialog auch selbst viel besser verstehen lernen, ohne ihre jeweilige Identitäten und Traditionen aufzugeben.
Obwohl es dabei in den letzten Jahrzehnten enorme und historisch einzigartige Fortschritte gegeben hat, stockt auch dieser Austausch derzeit durch die mediale Blasenbildung und Thymotisierung: Die jeweiligen religiösen und säkularen Milieus grenzen sich digital wieder stärker voneinander ab und profilieren sich mimetisch wieder vor allem nach innen.
Das halte ich für schade und schädlich – und das ist ein Grund, warum ich mich sowohl als evangelischer Christ wie auch als Ehemann einer Muslimin und schließlich als Religionen vergleichender Religionswissenschaftler und Blogger so stark für den Dialog der Religionen und Weltanschauungen als Friedensarbeit einsetze.
Dir daher auch Dank für Dein ermutigendes Interesse und Deine Nachfragen dazu, lieber (übrigens ebenfalls biblisch benannter) @Tobias 🙏😌📚✅
Ich finde besonders den offenen Austausch zwischen unterschiedlichen religiösen und wissenschaftlichen Perspektiven spannend. Gerade wenn Menschen mit verschiedenen Erfahrungen miteinander ins Gespräch kommen, entstehen oft neue Gedanken, die man allein gar nicht entwickelt hätte. Auch die Entwicklung eines vielfältigen deutschsprachigen Rabbinertums ist ein interessantes Zeichen dafür, wie lebendig solche Dialoge sein können.
Ganz herzlichen Dank für das Interesse & die Ermutigung, @Claude B. 🙏😌
So schrieben Sie, nach meiner Einschätzung völlig zu Recht:
„Gerade wenn Menschen mit verschiedenen Erfahrungen miteinander ins Gespräch kommen, entstehen oft neue Gedanken, die man allein gar nicht entwickelt hätte.“
Ich meine, dass dies stimmt und würde es sogar mit den drei Grund-Weltanschauungen zusammen denken:
Im egozentrischen Relativismus gibt es kein wirkliches Interesse aneinander. Die Menschen Leben nebeneinander her und greifen einander nicht an, führen aber auch keine echten, tiefen Dialoge.
Im feindseligen Dualismus werden Anders- und Nichtgläubige als Bedrohung wahrgenommen, die entweder zu bekehren, zu vertreiben oder gar zu vernichten seien. Hier grenzen sich Religionen und Weltanschauungen nur gegeneinander ab.
Nur und erst im dialogischen Monismus kommt es zu echtem Dialog, zum besseren Verständnis des Anderen und damit auch Eigenen, zur Emergenz von Gelehrsamkeit, Wissen(schaft) und Frieden.
Dafür arbeite ich im Haupt- und Ehrenamt, auch hier.
The detail about the B.I.Z. publishing that defamatory bath image on the exact day of Ebert’s inauguration really stuck with me — the timing felt deliberately cruel. It’s sobering to see how long the pattern of weaponizing media against democracy has run.
Thanks a lot 🙏 for your interest in the importance of media history in the short-lived Weimar Republic, @Contra Conspiracy Myths
I did a blogpost and a podcast episode on this, although both are in German:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-70-das-badebild-gegen-reichspraesident-ebert-beschaedigte-die-weimarer-republik/
Best wishes!
Ein gelungener Einstieg zum Talmud, die Geschichte vom Schlangenofen und die daraus folgende Einsicht:
„Wenn wir zulassen, dass Wunder und Prophezeiung eine Rolle spielen, dann braucht nur jemand zu behaupten, er sei ein Prophet, der Wunder vollbringen könne, und schon könnten er und seine Anhänger damit rechtfertigen, sich gegen das gesamte etablierte Rabbinat zu stellen. Diese Art des Diskurses wäre das Ende des (rabbinischen) Judentums.“
Und jetzt ahnt man schon, warum Jesus als so gefährlich betrachtet wurde.
Michael Blume, HG Unckell
Den Papst in Rom kann man als (abtrünnigen) Oberrabbiner sehen , der sicher auch beim Konzil von Nicäa entschieden hat, dass Jesus wesensgleich zu Gott sei. Das ist eine pragmatische Form des Denkens, ganz in jüdischer Tradition, die auf Bewahrung ausgerichtet ist, nicht auf Weiterentwicklung ??
Vielen Dank für die tiefen Beobachtungen, auf die ich gerne dialogisch eingehe. 😌📚🌈
„Wenn wir zulassen, dass Wunder und Prophezeiung eine Rolle spielen, dann braucht nur jemand zu behaupten, er sei ein Prophet, der Wunder vollbringen könne, und schon könnten er und seine Anhänger damit rechtfertigen, sich gegen das gesamte etablierte Rabbinat zu stellen. Diese Art des Diskurses wäre das Ende des (rabbinischen) Judentums.“
Genau so, @NI. Dass Rabbinat hatte vor der Zerstörung des zweiten Tempels von Jerusalem keinen leichten Stand und musste sich gegen allerhand widerstreitende Strömungen behaupten, darunter auch zahlreiche Messias-Anwärter und Wundertäter.
Eine erkenntnistheoretische Abgrenzung des Offenbarungsverständnisses war also notwendig und richtete sich – wie die talmudische Überlieferung zum Schlangenofen belegt – auch keinesfalls exklusiv gegen Rabbi Jesus.
Zumal auch christliche Kirchen sehr schnell konkurrierende Flügel und – japhetitisch-ausschweifende – Glaubensbekenntnisse und Konzilstexte entwarfen, sehe ich da auch keinen Grund zu exklusiven Vorwürfen gegen das Judentum. Vielmehr rührt mich der Schmerz, der über der „notwendigen“ Bannung des Wundertäters geäußert wird.
Und jetzt ahnt man schon, warum Jesus als so gefährlich betrachtet wurde.
Die Quellen deuten darauf hin, dass der Herrenbruder Jakobus noch lange als frommer Jude geachtet wurde. Es war vielmehr die schnelle Verbreitung des Glaubens in den wiederauferstandenen „Iesos Chrestos“ (statt hebräisch „Moschiach Jehoschua“) unter den japhetitisch-griechisch Lesenden musste dann aber doch vielen als bedrohliche Hätesie erscheinen und führte ja auch zu Verfolgungen etwa durch den rabbinischen Schriftgelehrten und späteren Apostel Schaul / Paulus.
Die griechische Tora-Übersetzung der Septuaginta eröffnete nach heutigen Erkenntnissen der Medienpsychologie eben einen deutlich anders strukturierten, religiösen Erfahrungsraum als die klassische, hebräische und teilweise auch aramäische Schrift.
Vgl. auch dazu „Wunder und Bedrohung“ von Yonatan Amrani:
https://www.juedische-allgemeine.de/religion/wunder-und-bedrohung/
In der folgenden Einschätzungen kann ich Ihnen jedoch nicht folgen, sondern muss fachlich und freundlich widersprechen:
„Den Papst in Rom kann man als (abtrünnigen) Oberrabbiner sehen , der sicher auch beim Konzil von Nicäa entschieden hat, dass Jesus wesensgleich zu Gott sei.“
Nein, der Papst bekleidet ein Priesteramt (analog zum Hohe- und Tempelpriester in Jerusalem) und wird also religiös geweiht, nicht aufgrund von Schriftgelehrsamkeit ordiniert. Rabbiner bilden keinen Priesterstand, der im Judentum an die Stämme Levi und darin an die Nachkommen von Aaron (Kohen, Kohn etc.) gebunden sind.
Entsprechend ist ein Oberrabbiner ein völlig anderes Amt als ein Oberpriester.
Wenn Sie nach einer christlichen Entsprechung für einen Oberrabbiner suchen wollen, dann wäre dies ein evangelischer Dekan oder eine Prälatin als Vorgesetzte ordinierter Schriftgelehrter.
„Das ist eine pragmatische Form des Denkens, ganz in jüdischer Tradition, die auf Bewahrung ausgerichtet ist, nicht auf Weiterentwicklung ??“
Auch das stimmt so leider nicht: Das Konzil von Nizäa wurde nicht vom Papst, sondern vom Kaiser einberufen und es zielte nicht auf theologische, sondern reichskirchliche Fragen.
Auch ist die „mündliche Tora“ des rabbinischen Judentums vom Talmud bis zum oben rezensierten Buch „Nicht im Himmel“ fortlaufend und dialogisch, nicht etwa statisch oder gar reaktionär.
Zwar gibt es auch im Judentum solche Strömungen, doch die große Mehrheit der Rabbiner und Rabbinerinnen bezieht sich positiv auf die Wissenschaften und die Staatsform der republikanischen, parlamentarischen Demokratien.
Judentum, Christentum und Islam haben im Übrigen als alphabetisierte Religionen auch linear aufsteigende Kalender mit messianischen Zukunftsverheißungen gemeinsam.
Danke, dass ich hierzu dialogisch etwas aufklären durfte.
@Michael 25.08. 16:38
„Du siehst also, dass eine enorme Chance besteht, dass sich Juden- und Christentum sowie auch der Islam und weitere Religionen durch den interreligiösen Dialog auch selbst viel besser verstehen lernen, ohne ihre jeweilige Identitäten und Traditionen aufzugeben.“
Ja das ist ja auch praktikabel. Was soll man sich da streiten? Man muss natürlich davon runter, die einzig wahre Religion zu haben, bzw. damit leben, dass Andere was Anderes glauben, auch wenn die eigene Mythologie das eigentlich verbietet.
Inwieweit man jetzt noch in Konflikt zur Wissenschaft gerät, muss man auch gucken, wie man das macht. Wunder kennt die Physik nicht, und die Psychologie geht ihre eigenen Wege, das muss man aushalten. Oder besser noch irgendwie vereinbaren.
Vielleicht gibt es ja doch Wunder, allem voran das Wunder der Seele, nur die Physik ist eben diesbezüglich noch unvollständig. Und ein glaubender Mensch ist ja auch ein psychologisches Faktum, ob es den Psychologen jetzt passt oder nicht.
Ich denke, hier gibt es eine echte Basis für fruchtbaren Austausch, wenigstens aber für ein friedliches Nebeneinander.
@NI 26.08. 11:01
„Und jetzt ahnt man schon, warum Jesus als so gefährlich betrachtet wurde.“
Ich denk mal Jesus war nicht maßgeblich, weil er Wunder getan hat. Nur Wunder tun würde auch ich nicht als Anlass nehmen, zu glauben was er zu sagen hat.
Wenn aber einer wirklich was zu sagen hat, das mich wirklich überzeugt, dann nehme ich das auch gerne ohne Wunder an.
Wenn es um das Wunder des Lebens selber geht, dann ist das allerdings wiederum ein Faktum für sich. Und so weit man in echt schwierigen Zeiten wirklich Wunder braucht, da bin ich dann auch aufgeschlossen für.
Tobias Jeckenburger, Thema: Jesus und die Wunder
Wenn man einen kleinen Einblick hat in die hebräische Sprache, dann fällt auf, dass sie blumenhaft, wortreich ist und eher eine beschreibende Sprache ist als eine berichtende Sprache.
Es werden also Geschehnnisse „bildhaft“ benannt.
Wir tun das auch gelegentlich, wenn wir sagen: es regnet wie aus Kübeln, obwohl gar keine Kübel vorhanden sind.
Meine Meinung, auch vielleicht im Widerspruch zu Herrn Blume, Jesus von Nazareth hat den Schriftgelehrten „Wortgläubigkeit“ vorgeworfen, die lieber dem Gesetz gehorcht als einem Menschen in Not zu helfen.
Anmerkung: der Unterschied von Schriftgelehrter und Priester ist mir bis jetzt noch nicht logisch. aber das ist vielleicht der Kern der das Christentum vom Judentum unterscheidet. Glauben ist für Christen die praktizierte Gottes- und Nächstenliebe.
Glauben ist für Juden die paktizierte Gesetzestreue ??
Michael Blume,
natürlich hat der Kaiser das Konzil von Nicäa einberufen und der Papst hat ihm gehorcht. Das wollte ich ausdrücken. Und die Festlegung , dass Jesus Gottes Sohn sei wäre eher eine reichskirchliche Entscheidung gewesen.
Wenn man so denkt, dann schwingt der Gedanke mit, Jesus war auch nur Prophet.
Also, wir wissen nicht wie religiös Konstantin I war, ich nehme an, er war es, und ich selbst glaube auch, dass Jesus mehr ist als ein Prophet.
Anmerkung : Wenn ich allein in der Kirche sitze, dann spreche ich mit ihm, die Christen nennen das beten (ich selbst bin wahrscheinlich nicht getauft , also rein rechtlich gar kein Christ) aber das erlaubt es mir auch unerlaubte Dinge zu denken.
Zurück zur Kirche. Chiara Lubich sagte: „Kirchen sind schön, weil Gott in ihnen wohnt.“ Sollte dieser Ausspruch nicht auch sie beflügeln ?
Danke, @NI – ja, die Entwicklung von Sprach- und Schriftsystemen wie den je semitischen und jafetitischen Alphabeten kommen enorme, medienpsychologische Wirkungen zu.
Die letztlich dualistischen Konstruktionen eines vermeintlich im Gesetz erstarrten Judentums versus eines durch den Geist befreiten Christentums gelten jedoch als gründlich widerlegt. Auch der Rabbi (!) Jesus lebt und lehrt ja bereits eine die Welt verändernde Dynamik, die aus dem Judentum stammt. Wer das Christentum gegen seine Wurzeln richten will, kann es auch nicht verstehen.
Herzliche Grüße von einem Wissenschsftler, der sich als junger Erwachsener evangelisch-christlich taufen ließ und dessen Glauben bis heute ohne Freund – Feind – Dualismus auskommt. 😌⛪️🌈
Michael Blume,
„Wer das Christentum gegen seine Wurzeln richten will, kann es auch nicht verstehen. “
Wenn sich ein Jugendlicher gegen seine Eltern entscheidet, dann kann man das verstehen.
Das Bessere ist immer der Feind des Guten.
Schluss mit Polemik.
Es geht mir darum herauszufinden auf logischem Wege , ob Jesus Gottes Sohn ist oder nur ein Prophet.
Herzlichen Dank, @NI – gerne gehe ich auf Ihre Thesen ein!
„Wenn sich ein Jugendlicher gegen seine Eltern entscheidet, dann kann man das verstehen.“
Ja, das ist juveniler (jugendlicher) Dualismus, der insbesondere in der Pubertät auftritt und zu bisweilen extremen Peer-Groups führt. Das ist entwicklungspsychologisch eine wichtige Entwicklungsphase zwischen dem infantilen (kindlichen) Relativismus und dem adulten (erwachsenen) dialogischen Monismus.
Oder auf die Religionsgeschichte bezogen: Klar musste sich das frühe Christentum auch vom Judentum abgrenzen. Es wäre aber völlig falsch, daraus eine ewige Feindschaft abzuleiten. Auch junge Erwachsene finden ja idealerweise wieder zu einem liebevollen Verhältnis zu ihren Eltern.
„Das Bessere ist immer der Feind des Guten.“
Das gilt innerhalb jeder Religion und Weltanschauung. Keine davon enthält nur Besseres oder Schlechteres. Der Dialog fördert das Gute.
„Schluss mit Polemik.“
Ganz genau: Her mit wissenschaftlich informierenden Dialog. Für diesen blogge ich.
„Es geht mir darum herauszufinden auf logischem Wege , ob Jesus Gottes Sohn ist oder nur ein Prophet.“
Das ist – wie jede religiöse Lehre – nicht nur eine Sache der Logik, sondern auch des mythologischen und gemeinschaftlichen Glaubens.
Beim Lesen Ihres Blogposts und der Kommentare muss ich an Kunstwerk der religiösen Malerei denken, das m.E. Judentum und Christentum in einzigartiger Weise verbindet.
In der evangelischen Dreifaltigkeitskirche in Bad Teinach befindet sich ein als „Kabbalistische Lehrtafel“ bekanntes Triptychon. Wenige Jahre nach dem Ende des 30jährigen Krieges, der im Herzogtum Württemberg große Verwüstungen hinterlassen hatte, schuf der Maler Johann Friedrich Gruber dieses Bild.
Auftraggeberin und Stifterin war Prinzessin Antonia von Württemberg (1613-1679). Sie wurde in der Stuttgarter Stiftskirche bestattet. Ihr Herz fand seine letzte Ruhestätte hinter der Lehrtafel.
In der von religiösem Hass aufgeladenen Zeit des 30jährigen Krieges, wo selbst Christen einander bekämpften und töteten, interessierte sich diese Angehörige des Hauses Württemberg für die Kabbala und die hebräische Sprache.
Seit Jahrzehnten beschäftige ich mich mit der Dynastie der Württemberger, die meine Heimat jahrhundertelang geprägt hat. Prinzessin Antonia ist für mich eine herausragende Frau im Haus Württemberg.
Ganz herzlichen Dank, @Marie H. 🙏
Tatsächlich hatte ich hier auf „Natur des Glaubens“ bereits 2017 anhand eines Songs und Videos von Madonna sowie einer Doktorarbeit über die zeitgenössische Rezeption der Kabbala gebloggt:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/madonnas-die-another-day-musikvideo-zu-james-bond-und-die-dissertation-von-nicole-maria-bauer-zum-kabbalah-centre/
Allerdings war das Interesse am Thema sehr Verhalten, sonst hätte ich auch etwa die „christliche Kabbala“ von Reuchlin einmal gerne thematisiert. Das große Interesse gerade auch im süddeutschen und württembergischen Raum an den Lehren rund um Buchstaben bzw. Zahlen ist doch wirklich auffällig – und ich finde es klasse, damit hier nicht mehr völlig alleine zu sein. 😌📚🖖
Marie H.
Christliche Kabbala,
Wenn ich das richtig verstehe, ist die Wahrheit versteckt und öffnet sich nur dem, der glaubt.
Das ist eine Möglichkeit den Dualismus zwischen Christentum und Judentum zu umgehen.
Man könnte es auch anders vormulieren, die Kunst , hier als Gemälde, beinhaltet die Wahrheit, die Wesenheit des Glaubens.
Und…….die Wesenheit des Glaubens lässt sich nur unvollkommen in Sprache formen,
Man kann sie finden in der Musik, in Plastiken in der Malerei, immer wenn ein Künstler von einem religiösem Gefühl gesteuert war.
Sehr guter Gedanke !
@NI 28.08. 15:59
„Wenn ich das richtig verstehe, ist die Wahrheit versteckt und öffnet sich nur dem, der glaubt. Das ist eine Möglichkeit den Dualismus zwischen Christentum und Judentum zu umgehen.“
Was heißt hier Glauben? Ist es genau der Akt, die versteckte Wahrheit zu erkennen? Das passiert dann eben gleichzeitig: Wer glaubt, dem öffnet sich was, um wem sich was öffnet, der glaubt dann auch.
Spannend fände ich allerdings, dass es doch eine gemeinsame geistige Wirklichkeit geben muss, die alle Religionen und alle Philosophien umfasst. Wenn denn die Öffnung nun nicht auf einmal, sondern in Etappen kommt, und auch aus ganz anderen Vorbedingungen heraus stattfindet, dann ist man schon recht einzigartig dabei unterwegs.
Da gefällt mir jedenfalls was dran. Das soll ja nicht langweilig sein, und wenn jeder am Ende der Selbe ist, dann ist das langweilig.
Geisteswelten müssten dann auch entsprechend nicht nur universell sein, sondern auch in jedem Unterraum individuell. Wenn ich in meinem Park hier unterwegs bin, dann ist das genau dieser eine Wald, den es zu bestaunen gibt und der wahrzunehmen und mitzuerleben wäre. Jeder Wald dieses wunderbaren Planeten wäre entsprechend vielfältig.
Ziemlich individuell, und dennoch auch mit universalen Eigenschaften.
Genau so stelle ich mir auch die menschliche Vielfalt und zugleich die menschlichen Universalien vor.
Tobias Jeckenburger
„Was heißt hier Glauben? Ist es genau der Akt, die versteckte Wahrheit zu erkennen? Das passiert dann eben gleichzeitig: Wer glaubt, dem öffnet sich was, um wem sich was öffnet, der glaubt dann auch.“
Das stimmt, der Ausgangspunkt für Glauben kann dann sogar unterschiedlich sein.
In der Bibel werden die Wunder genannt, die Erblindung des Paulus, der dann zum großen Fürsprecher für Jesus von Nazareth geworden ist.
Es gibt auch den anderen Weg, Menschen für die Gott eine Selbstverständlichkeit ist, der letzte Puzzlestein des Weltverständnisses. Und die dann immer tiefer hineinrutschen und in jedem Geschehen ein kleines Wunder entdecken. (Wer Gott zu nahe kommt, wird von ihm gefangen)
Aktuell, heute Morgen in der ev. Kirche. Eine blonde Pfarrerin als Vertretung, Sie tritt ein wie ein Sommerwind. Und sie agiert auch so. Bei den Redepausen ist es still, dass man eine Nadel fallen hört.
Ich habe ihr am Ausgang gesagt, dass sie ein Sommerwind ist. sie hat sich gefreut, auch Pfarrerinnen brauchen Bestätigung.
@NI 28.08. 12:28
„Es geht mir darum herauszufinden auf logischem Wege, ob Jesus Gottes Sohn ist oder nur ein Prophet.“
Was Jesus uns hinterlassen hat, ist eben das, was am Ende zählt. Und wenn er darüber hinaus die Geistige Wirklichkeit sehr zum Guten verändert hat, dann ist auch das ein Faktum.
Aber Gottes Sohn? Seit wann bekommen Götter Kinder? Oder wie können Götter Mensch werden? Ich glaube das dann eben nicht, weil es mir keinen Sinn ergibt.
Gerade als Mensch ist doch Jesus in seiner Tiefe so interessant. Und einfach vielfach sehr überzeugend. Das ist es m.E. auch, was ihn ausmacht.
Tobias Jeckenburger
„Gerade als Mensch ist doch Jesus in seiner Tiefe so interessant.“
Richtig, er bezeichnete sich selbst einmal als Menschensohn.
wo klemmt’s ? Es klemmt an der Sprache. Wenn sich jemand vorstellt / den Namen nennt, dann beginnt das im Hebräischen mit „Ben“, das heißt Sohn.
Wir dürfen also das „Sohn“ nur als eine Sprachgewohnheit ansehen.
Wie kommt man zu weiteren Erkenntnissen ? Das geht gut über das Beten.
Wer zu Jesus betet und von ihm eine Antwort bekommt, der zweifelt nicht mehr an seiner „Göttlichkeit“.
TIpp: Die Gnadenkapelle in Altötting. Man braucht Mut um dort heinein zu gehen. Danach bist du nicht mehr der selbe.