Blume & Ince im Elektroauto-Dialog über parteipolitischen Dualismus auf dem Weg nach Heilbronn

Es klingt wie der Anfang eines sehr deutschen Witzes: „Sitzen ein christdemokratischer Doktor und ein linker Professor gemeinsam im Auto…“

War aber so, erst am Freitag. Und der BWL-Prof Inan Ince und ich waren auf dem Weg zur Kollegin Prof. Monika Gonser vom ISOGBW, der Intersectoral School of Governance Baden-Württemberg. In dieser Einrichtung der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) auf dem wachsenden Bildungscampus Heilbronn wird daran gearbeitet, verschiedene Sektoren der Gesellschaft wie Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft wieder miteinander ins Gespräch zu bringen. Das interessierte uns und deswegen gibt es die Trialog-Folge 58 von „Blume & Ince“ mit Monika Gonser bereits wieder auf Podigee und auf YouTube.https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/freund-feind-dualismus-statt-rinks-lechts-hufeisen-theorie-eine-wuerdigung-von-rabbi-sacks-sel-ang/

Schon auf der Solarpunk-Mimesis-Fahrt im Renault Scenic (Elektroauto) tauschten sich Inan und ich aber auch über die CDU-Faschismus-Gleichsetzung des neuen Linken-Vorsitzenden Luigi Pantisano aus. Und so entstand die spontane Idee zu einer „Bonusfolge“ – einfach aus dem fahrenden Auto, mit Kamera und kleinen Mikros.

Mastodon-Post von Prof. Dr. Inan Ince am 28.06.2026 zur Bonusfolge von "Blume & Ince": CDU und Linkspartei zwischen Dialog & Dualismus.

Prof. Dr. Inan Ince steht ebenso wie ich auch auf Mastodon für fairen Dialog zur Verfügung. Screenshot zur „Blume & Ince“-Bonusfolge zwischen Dialog und Dualismus: Michael Blume

Für mich war es wichtig, zentrale politikpsychologische Begriffe wie parteipolitischen Dualismus (nach Rabbi Jonathan Sacks) und Historizismus (nach Karl Popper) und selbstverständlich Antisemitismus vorzustellen, wobei ich den Faschismus-Begriff nach Eva von Redecker sogar mal in einer eigenen Folge vertiefen möchte.

Hier ist das Ergebnis unseres dialogischen Bonusfolge-Experimentes, ebenfalls auf Podigee und hier auf YouTube: 

Selbstverständlich sind Inan und ich sehr interessiert nach Euren Rückmeldungen, Interessen, Anregungen – schließlich ist „Blume & Ince“ ein sich entwickelndes, medial-dialogisches Experiment gegen die Zerblasung unserer Demokratie(n).

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

10 Kommentare

  1. Wirtschaft und Religion waren noch nie voneinander zu trennen. Liegt daran, dass die Religion so was wie die Ur-Wissenschaft ist, ein Allzweck-Faustkeil, aus dem sich erst später der wissenschaftliche Fachwerkzeugkasten herausgebildet hat. Gerade bei Ökonomie fällt auf, wie viel wir seit Mittelalter und Antike verlernt haben, seitdem uns die Maschinen von hart ackernden Bauern, Handwerkern und Räubern zu Maden im Speck gemacht haben. Der Speck geht zu Neige, also würde ich bei den ollen Kirchen mehr klauen, als bloß den Namen für Messen und die Neigung, Kathedralen als Beschäftigungstherapie zu errichten, damit die Leute sich nicht aus Langeweile die Köpfe einschlagen (der neue Kölner Dom heißt Stuttgart-21, da sind die meisten Steine virtuell, und der Großteil des Werkes entsteht sowieso dort, wo die größten Kathedralen des Kapitalismus entstehen – auf den Börsen und Bankkonten).

    Ein Staat ist im Wesentlichen eine Kolchose – eine Aktiengesellschaft, bei der die Aktionäre identisch mit den Angestellten sind. Für maximale Effizienz poolen sie Mittel und Kräfte zusammen, sodass eine öffentliche Verwaltung zentral bestimmt, wie sie am Sinnvollsten einzusetzen sind. Die Abhängigkeit der Mitarbeiter von der Kolchose ist so groß, dass zumindest Stadtbewohner nahezu als besitzlose Leibeigene gelten müssen, sodass Rechte und Pflichten der Verwaltung und der Mitarbeiter ähnlich geregelt werden müssen, wie im Mittelalter. Vergleichbar wäre auch die klassische Ehe, in der die Ehefrau völlig vom Ehemann abhängig war.

    Wie bei der Ehe wird ständig gekämpft. Liebe ohne Hass gibt es nicht, denn wir haben’s mit einem Monopolverhältnis zu tun – ein Monopolist ist in der Lage, viel zu fordern und wenig zu geben, doch im Idealfall fordern beide viel und geben beide viel, weil sie sich gegenseitig erpressen. Und weil wir es hassen, Leistung zu bringen und lieben, Leistung zu kassieren – wie soll eine reine Liebe nicht erlöschen? Denn offensichtlich nehmen beide, ohne dass der Partner gibt, was dann ökonomisch auf Dauer nicht aufgeht, denn irgendwo her müssen sie einen Überschuss haben, den sie unter sich verteilen, und um den zu plündern, brauchen sie einander nicht.

    Und weil der Wettbewerb den Fortschritt fordert, stellen sich beide möglichst dumm an, damit der Andere nicht schlauer wird. Eine intelligente Regierung überfordert das Volk, ein intelligentes Volk überfordert die Regierung, und die haben beide Besseres zu tun, wobei sie intelligenter werden müssen. Deswegen reden Ehepartner auch miteinander in Babysprache.

    Die Wirtschaft ist immer ein Großbauernhof, auch wenn sie zum Staat anwächst. Für wen sie profitabel ist, hängt davon ab, ob eine Gewerkschaft vorhanden ist und wie das Zusammenspiel zwischen Mitarbeitern, Gewerkschaft und Verwaltung klappt. Wenn die Subunternehmer eigene Aktiengesellschaften aufmachen, über die nur ihre Aktionäre demokratische Kontrolle haben, bekommen wir zum Beispiel Probleme bei der Umverteilung der Ernte, ein großer Teil von ihr kann in den oberen Etagen hängen bleiben oder den Großbauernhof verlassen, sodass er ausgelutscht wird wie eine Fliege von der Spinne. Und wenn sich alle nur um Umverteilung scheren aber nicht um die Felder und Ernten, verrecken sie halt, ganz egal, wie gut der Bauernhof, der Staat, die Firma ansonsten umverteilt oder regiert wird.

    Ob Karl Marx für den effizienten Erhalt und Mehrung des Staus Quo, ob Ayn Rand für schnelle doch kostspielige Weiterentwicklung durch freien Wettbewerb – man muss die Welt schon mit den Augen eines Außerirdischen betrachten, um zu merken, wie kosmisch ineffizient unsere Wirtschaft ist.

    Wir schuften uns zu Tode, doch es ist so, als würde jeder von uns mit einem Eimer zum Brunnen laufen und doch nur einen Tropfen Wasser mitnehmen dürfen, sodass es ewig dauert, ein Glas zu füllen. Oder so, als würde man einen Hektar Ackerland brauchen, um eine einzige Karotte zu züchten, denn um jeden Bauern stehen hundert Finanz- und Konsummönche, die sich beim Rosenkranz und Gebetsmühle genauso kaputt schuften wie er beim Ackern, und deswegen meinen, sie hätten genauso einen Anteil am Ertrag wie er.

    So ein System braucht vor allem sehr, sehr gute Bauern, um sehr, sehr große Karotten zu züchten, aber auch sehr viel Ackerland und sehr viele Beeren und Wurzeln, die gratis im Walde wachsen. Ja, es wächst, ja, die Welt wird reicher, ja, die Krise des Westens ist nicht die Krise der Welt, sondern eine Folge dessen, dass wir jetzt den Reichtum unter mehr Ländern verteilen müssen. Aber damit wir langsam, langsam reicher werden können, müssen rasend schnell Wälder gerodet und geplündert werden und immer mehr Mönche beten bis zum Umfallen, wodurch uns dann doch die Karotten schneller ausgehen, als wir Mönche dazu schalten können.

    Egal wie toll Sie das Beten managen und das Umverteilen von Karotten – von Gebeten kann die Firma nicht leben und die Karotten und Äcker gehen uns aus.

    Die Wirtschaft macht alles super und wird immer besser darin. Nur macht sie das Falsche.

    Mit den Augen eines Aliens kann ich Ihnen auch sagen – Sie sind ein Klümpchen Zeugs mit Ärmchen und Beinchen, und nur über diese wirken Sie auf die reale Welt. Sie haben Sinne, um die Welt in einem winzigen Umkreis um Sie herum wahrzunehmen, und Sie haben Sprache und Hirn, um mit anderen Klümpchen Kontakt aufzunehmen und so einen größeren Teil der Realität zu sehen und koordiniert zu beeinflussen.

    Doch solange Leute nur an ihren Computern sitzen und hitzige und äußerst interessante Debatten im Internet führen, sieht man von der Fliegenden Untertasse aus nur, dass der Einzelne heute weitaus weniger tut, als jeder seiner Vorfahren in den tausend Jahren zuvor: Die Gesellschaft scheint zu erstarren.

    Erst wenn sich die Ärmchen und Beinchen in Bewegung setzen, haben Sie mehr geleistet als ein Toter auf dem Friedhof. Erst dann können Sie zeigen, wie viel Ihr Wirtschaftswissen und Ihre Demokratie und Ihre Debatten gebracht haben. Und dann kann über Nacht erstaunlich viel erstaunlich Großes passieren, im Guten wie im Schlechten. Kann. Und erst dann.

    Zwei Klümpchen sind mit einem dritten verschmolzen und haben sich zu einem vierten hin bewegt und wieder getrennt, ein viertes Klümpchen ist in seinen täglichen Bahnen geblieben. Dass ein interessanter Podcast und ein überlanger Kommentar dabei herausgesprungen sind, wird ein außenstehender Beobachter nie erfahren.

    Übrigens sind „Faschisten“ eine Kaste, die nützlich ist, sofern sie nicht herrscht. Sie werden sie nie los, denn jeder Ameisenhaufen produziert einen Prozentsatz davon. Das Problem ist also nicht deren Existenz, sondern die Zweckentfremdung. Sie wollen dienen und sie sind bereit, sich aufzuopfern, doch ihre Maßlosigkeit wird in führenden Positionen zu maßloser Gier und Korruption, denn eine Gesellschaft, die so dysfunktional ist, dass sie sie in führende Positionen lässt, muss zerstört werden, um sich zu erneuern oder an eine andere verfüttert zu werden. In der richtigen Position, als Diener, können sie Helden sein und sich Respekt und Achtung verdienen. Und wenn die Demokratie keinen Platz für diese Art Mensch findet, in dem er seine Würde wahren kann, ist sie es, die ihm diese Würde raubt. Dass ein Mensch, der so behandelt wird, nervtötend wird, ist sein gutes Menschenrecht. Dass er sich dabei außerordentlich eklig anstellt, zeigt, dass er ein Diener sein muss.

    • Diesmal erlaubt mir die Zeit (!), auf Ihre langen Absätze einzugehen, @Paul S.

      Wenn ich auch nicht davon ausgehen kann, dass Sie Antworten auf Ihre Assoziationsketten überhaupt dialogisch lesen. Aber auch das ist inzwischen für mich ok. 🙂

      Sie schrieben:

      „Wirtschaft und Religion waren noch nie voneinander zu trennen. Liegt daran, dass die Religion so was wie die Ur-Wissenschaft ist, ein Allzweck-Faustkeil, aus dem sich erst später der wissenschaftliche Fachwerkzeugkasten herausgebildet hat. Gerade bei Ökonomie fällt auf, wie viel wir seit Mittelalter und Antike verlernt haben, seitdem uns die Maschinen von hart ackernden Bauern, Handwerkern und Räubern zu Maden im Speck gemacht haben. Der Speck geht zu Neige, also würde ich bei den ollen Kirchen mehr klauen, als bloß den Namen für Messen und die Neigung, Kathedralen als Beschäftigungstherapie zu errichten, damit die Leute sich nicht aus Langeweile die Köpfe einschlagen (der neue Kölner Dom heißt Stuttgart-21, da sind die meisten Steine virtuell, und der Großteil des Werkes entsteht sowieso dort, wo die größten Kathedralen des Kapitalismus entstehen – auf den Börsen und Bankkonten).“

      Das halte ich für gut beobachtet: Schon Steinzeitmenschen ordneten die Komplexitäten ihrer Mitwelt mimetisch durch Mythen, Symbole und Rituale. Und wenn wir uns heute über Politik, Gesundheit, Energiewirtschaft, Klimakrise, KI-Digitalisierung usw. austauschen, dann bewegen wir uns in mimetisch, mythologisch, symbolisch und rituell aufgeladenen („zivilreligiösen“) Zeit-Räumen. Das wissenschaftlich und dialogisch zu erkunden ist ja letztlich auch ein Hauptzweck dieses Wissenschaftsblogs.

      „Ein Staat ist im Wesentlichen eine Kolchose – eine Aktiengesellschaft, bei der die Aktionäre identisch mit den Angestellten sind. Für maximale Effizienz poolen sie Mittel und Kräfte zusammen, sodass eine öffentliche Verwaltung zentral bestimmt, wie sie am Sinnvollsten einzusetzen sind. Die Abhängigkeit der Mitarbeiter von der Kolchose ist so groß, dass zumindest Stadtbewohner nahezu als besitzlose Leibeigene gelten müssen, sodass Rechte und Pflichten der Verwaltung und der Mitarbeiter ähnlich geregelt werden müssen, wie im Mittelalter. Vergleichbar wäre auch die klassische Ehe, in der die Ehefrau völlig vom Ehemann abhängig war.“

      Es ist nicht leicht, Ihren Gedankensprüngen zu folgen, da Sie verschiedenste Zeit- und Entwicklungsbegriffe immer wieder ineinander vermischen: Hier Staat, Kolchose, Aktiengesellschaft, Familie.

      Warum nicht einfach mit Kooperation, aber auch Zwangsmitteln arbeitende „Gemeinschaft“ im Unterschied zu einer offenen und freiheitlichen „Gesellschaft“? Diese Unterscheidung schlug schon der Soziologe Ferdinand Tönnies (1855 – 1936) in, genau, „Gemeinschaft und Gesellschaft“ von 1887.

      https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinschaft_und_Gesellschaft

      „Wie bei der Ehe wird ständig gekämpft. Liebe ohne Hass gibt es nicht, denn wir haben’s mit einem Monopolverhältnis zu tun – ein Monopolist ist in der Lage, viel zu fordern und wenig zu geben, doch im Idealfall fordern beide viel und geben beide viel, weil sie sich gegenseitig erpressen. Und weil wir es hassen, Leistung zu bringen und lieben, Leistung zu kassieren – wie soll eine reine Liebe nicht erlöschen? Denn offensichtlich nehmen beide, ohne dass der Partner gibt, was dann ökonomisch auf Dauer nicht aufgeht, denn irgendwo her müssen sie einen Überschuss haben, den sie unter sich verteilen, und um den zu plündern, brauchen sie einander nicht.“

      Nein, hier kann ich auch als Autor einer Biografie von Charles Darwin (1809 – 1882) nicht mitgehen: Der Evolutionsprozess lässt weder alleine durch Konkurrenz noch alleine durch Kooperation, sondern nur durch Mischungen davon spieltheoretisch nachvollziehen. Das hatte schon damals Antoinette Brown Blackwell (1825 – 1921) richtig gesehen:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/antoinette-brown-blackwell-als-starke-frau-entdeckt/

      „Und weil der Wettbewerb den Fortschritt fordert, stellen sich beide möglichst dumm an, damit der Andere nicht schlauer wird. Eine intelligente Regierung überfordert das Volk, ein intelligentes Volk überfordert die Regierung, und die haben beide Besseres zu tun, wobei sie intelligenter werden müssen. Deswegen reden Ehepartner auch miteinander in Babysprache.“

      Und wieder überspringen Sie hier Zeit und Raum: Familien mit sozialen Beziehungen gibt es evolutionär Jahrmillionen früher als Völker auf Basis parasozialer Beziehungen in Medien. Die Ethnogenese als „Volkswerdung“ ist immer auch eine jüngere Geschichte der Medien. Wer das überspringt, verirrt sich in den eigenen Assoziationen. Meine ich. Übrigens auch als Ehemann in einer Familie aus verschiedenen Völkern, Kulturen und Religionen.

      „Die Wirtschaft ist immer ein Großbauernhof, auch wenn sie zum Staat anwächst. Für wen sie profitabel ist, hängt davon ab, ob eine Gewerkschaft vorhanden ist und wie das Zusammenspiel zwischen Mitarbeitern, Gewerkschaft und Verwaltung klappt. Wenn die Subunternehmer eigene Aktiengesellschaften aufmachen, über die nur ihre Aktionäre demokratische Kontrolle haben, bekommen wir zum Beispiel Probleme bei der Umverteilung der Ernte, ein großer Teil von ihr kann in den oberen Etagen hängen bleiben oder den Großbauernhof verlassen, sodass er ausgelutscht wird wie eine Fliege von der Spinne. Und wenn sich alle nur um Umverteilung scheren aber nicht um die Felder und Ernten, verrecken sie halt, ganz egal, wie gut der Bauernhof, der Staat, die Firma ansonsten umverteilt oder regiert wird.“

      Hier umkreisen Sie erneut das Spannungsfeld aus Konkurrenz und Kooperation, wie es sich in jeder Gesellschaft und Gemeinschaft ausprägt. Und, ja, beide Extreme – nur Konkurrenz oder nur Kooperation – sind regelmäßig gescheitert. Am Erfolgreichsten ist eine immer wieder neu auszubalancierende Mischung – in meinen Worten auch in der obigen Folge eine ökologische und soziale Marktwirtschaft.

      „Ob Karl Marx für den effizienten Erhalt und Mehrung des Staus Quo, ob Ayn Rand für schnelle doch kostspielige Weiterentwicklung durch freien Wettbewerb – man muss die Welt schon mit den Augen eines Außerirdischen betrachten, um zu merken, wie kosmisch ineffizient unsere Wirtschaft ist.

      Wir schuften uns zu Tode, doch es ist so, als würde jeder von uns mit einem Eimer zum Brunnen laufen und doch nur einen Tropfen Wasser mitnehmen dürfen, sodass es ewig dauert, ein Glas zu füllen. Oder so, als würde man einen Hektar Ackerland brauchen, um eine einzige Karotte zu züchten, denn um jeden Bauern stehen hundert Finanz- und Konsummönche, die sich beim Rosenkranz und Gebetsmühle genauso kaputt schuften wie er beim Ackern, und deswegen meinen, sie hätten genauso einen Anteil am Ertrag wie er.“

      Ist das so? Aus meiner Sicht hat das reale Wirtschaftswachstum das angebliche, malthusiansche „Bevölkerungsgesetz“ glatt gesprengt – die Gütermengen wachsen weiter, wogegen die Bevölkerungen längst zu schrumpfen beginnen. Sowohl in der industriellen Massentierhaltung wie auch in der aktuellen KI-Blase werden Unmengen an Geld, Energie, Wasser und Arbeitskraft verschwendet!. Habe dazu erst heute auf Mastodon gepostet:

      Bis vor einigen Jahren hätte ich als gelernter Bank-Finanzassistent auch noch Aktien-ETFs als sicher empfohlen. Aber die KI-Blase weniger Unternehmen hat inzwischen so enorme Ausmaße angenommen, dass nicht nur US-amerikanische, sondern auch internationale Indices aufgebläht erscheinen.

      Und längst nicht mehr nur im Hinblick auf China sehe ich auch einen direkten Zusammenhang von Nachfrageschwäche & #Demografie – unterjüngende Gesellschaften können schon logisch nicht ewig weiterwachsen. Stattdessen bringen sie zunehmend bedrohliche Produktions-, Export- & Investitionsblasen hervor. Wir befinden uns seit etwa 2012 in der Post – #PeakChild – Zeit. Und damit nach meiner Einschätzung auf dem Weg in eine auch demografische Umwälzung der Weltwirtschaft.

      Um mich bei diesen Themen auf dem Stand zu halten, höre ich immer wieder gerne den wunderbaren @pallenberg aus Taipeh, #Taiwan. Wenn Euch die #KIBlase interessiert, kann (auch) ich die aktuelle Folge von #MeTacheles unbedingt empfehlen!

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116826973347312988

      Und dabei würde ich es jetzt auch einmal belassen. Bin mir unsicher, ob soviel Text überhaupt noch von Menschen gelesen wird…

  2. Besten Dank für beide Folgen.

    Staat, Wirtschaft und Gesellschaft an einen Tisch zu bringen und Vertretern dieser drei Gruppen Wege für ein konstruktives Miteinander zu zeigen, begrüße ich sehr. Politik des Gehörtwerdens an der Stelle, wo mE die Entwicklung von Projekten und deren Für und Wider sachlich besprochen werden sollte, halte ich für eine sehr gute Idee.

    Die Podcast-Folge passte ganz gut zu dem Bürgerentscheid über den Fortgang des Planfeststellungsverfahrens beim Frankenschnellweg in Nürnberg am gestrigen Sonntag. Ich hatte vor einiger Zeit gelesen, dass die Gegner der Pläne der Stadtverwaltung beispielsweise den Beschluss eines Gerichts brauchten, damit die Stadt nicht nur die eigenen Pläne publik macht. Den Bürgerinnen und Bürgern müssen die Alternativvorschläge den Planungen der Stadt gegenüber gestellt werden.

    Gerichte bemühen zu müssen, könnte in vielen Fällen durch die Praxis, die in Heilbronn vermittelt wird, vermieden werden.

    Sie sprechen in dieser Folge über den Begriff des Leistungsträgers und dessen aktuelle politische Definition. Leistung = Erfolg = Wohlstand ist ein Trugschluss. Wissenschaftlerinnen, Produktentwickler etc erbringen Höchstleistungen, die jedoch nicht immer zum Erfolg führen. Mehr Konzepte landen im Mülleimer als in der Produktion. Neben dem finanziellen Erfolg kann der Erfolg der geistigen Arbeit nicht hoch genug eingeschätzt werden. Der Bundeskanzler, der uns häufig als faul bezeichnet und uns mangelnde Leistungsbereitschaft unterstellt, ist Jurist. Die meisten Juristen gewinnen nicht für alle ihre Mandanten, obwohl sie sich enorm ins Zeug legen. Sie stellen trotzdem Rechnungen, deren Bezahlung ihnen Geld einbringt. Geld als einzigen Maßstab für Erfolg zu sehen, trifft, meine ich, auf die meisten nicht zu. Denn welcher Anwalt beispielsweise gewinnt nicht gerne vor Gericht?

    Die Bonus-Folge zeigt, wie gefestigt die Freundschaft zwischen Ihren Familien ist. Über Politik zu sprechen, ist bei verschiedenen Parteizugehörigkeiten innerhalb einer Familie oft nicht leicht. Als Mitglied der CDU und als Mitglied der Linken so miteinander diskutieren zu können – Chapeau!

    „Faschist“ und „Faschismus“ werden in der heutigen Zeit geradezu inflationär verwendet. Eine gute Definition findet sich übrigens bei der Bundeszentrale für politische Bildung. Wenn demokratische Politiker solche Begriffe verwenden, wird jedes sachliche Gespräch erst einmal unmöglich. Eine Entschuldigung ist erfolgt.

    Demokratische (Spitzen)-Politiker, besonders diejenigen, die uns als Parlamentarier vertreten, sollten jedoch auch jeden Anschein eines Zweifels vermeiden, sich in Netzwerken von Leuten einbinden zu lassen, die kein Geheimnis daraus machen, dass sie Demokratie und Freiheit für nicht kompatibel halten.

    Ganz gleich für welche demokratische Partei wir uns engagieren, ist es unsere vornehmste Pflicht, die Demokratie in unserem Land mit Vorsicht zu behandeln und respektvoll miteinander umzugehen. So wie Sie das tun, Herr Professor und Herr Doktor.

    • Vielen herzlichen Dank, @Marie H. 🙏 – Ihre dialogische Rückmeldung, die mich (& sicher auch Inan Ince und Monika Gonser) sehr freut!

      Denn genau darum geht es uns: In einer Zeit der digitalen Beschleunigung und algorithmisch gesteuerten Aufmerksamkeitsökonomie auszubrechen und vernünftige Stimmen zu stärken. Luigi Pantisano hat mit seiner dualistischen Äußerung seiner Partei und unserer Demokratie einen Bärendienst erwiesen – zumal er selbst auch schon wegen einer Lappalie den Rücktritt des CDU-Landesvorsitzenden Manuel Hagel gefordert hatte. Diese Entgleisung darf jedoch nicht bedeuten, den Sialog mit den Abertausenden Vernünftigen in der Linkspartei einzustellen!

      Und ebenso äußere ich mich ja auch konstruktiv-kritisch, wenn der CDU-Parteivorsitzende und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) Rechtsmimesis betreibt und einen absurden „Leistungsträger“-Begriff formuliert, der mit dem christlichen Menschenbild nicht in Einklang zu bringen ist. Wir alle kommen nur gemeinsam weiter, wenn wir uns den algorithmisch verstärkten Empörungsschleifen (der Thymotisierung) und damit dem feindselig-dualistischen Fühlen entziehen.

      So sprach ich heute Morgen die kognitive Dissonanz sowohl im Fossilismus, wie aber auch in progressiven Medienblasen an:

      Guten Morgen – Tässle Kaffee ☕️?

      41,5 Grad hatte es am 27. Juni 2026 in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt. Ein neuer Allzeit-Temperaturrekord für Deutschland, nachdem schon einen Tag vorher 41,3 Grad in Saarbrücken gemessen worden waren, was ebenfalls neuer Rekord in Deutschland war – zumindest für rund 24 Stunden. […]

      Und in den Kommentarspalten? „Das gab‘s früher auch.“ „Früher war‘s im Sommer auch heiß.“ „Alles Hysterie.“ Wer jetzt denkt, das sei einfach Dummheit oder böser Wille, liegt allerdings falsch – zumindest in den meisten Fällen.

      Der US-amerikanische Psychologe *Leon Festinger* beschrieb in den 1950er Jahren ein Phänomen, das er *kognitive Dissonanz* nannte: Dabei handelt es sich um den inneren Schmerz, der entsteht, wenn neue Informationen mit bestehenden Überzeugungen kollidieren. Das Gehirn empfindet diesen Widerspruch als echte Bedrohung und tut deswegen alles, um ihn aufzulösen. […]

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116831571313402083

      Und aber auch:

      Kognitive Dissonanz & Reaktanz betreffen am Heftigsten – aber eben nicht ausschließlich – Rechte.

      So weiß ich jetzt schon, dass auch viele hier auf Mastodon die Nachrichtenlage zur via Iran fossil finanzierten Hisbollah abwehren werden:

      Die Regierungen von Israel 🇮🇱 und des Libanon 🇱🇧 haben sich auf einen Frieden & Rückzug der IDF geeinigt – wenn die Terrorgruppe entwaffnet ist. Doch diese weigert sich, lehnt den Frieden ab.

      Da viele Progressive sich auf eine Lesart festgelegt haben, wonach die israelische Armee IDF der Aggressor sei, werden auch sie diese kognitive Dissonanz als schmerzhaft empfinden und (am Besten durch mimetische Schein-Bestätigung in der eigenen Medienblase) abzuwehren versuchen. Leider. (2/2)

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116832017922770933

      Die menschliche Psychologie betrifft uns eben alle – einschließlich unserer Tendenz, sie reflexartig auf andere Gruppen zu externalisieren…

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-23-externalisierung-in-oekonomie-und-psychologie/

      Die Faschismus-Definition von Eva von Redecker finde ich so stark, dass ich darüber mit Inan eine eigene Folge bei Blume & Ince machen möchte. Auf die Dialoge dazu, mit ihm, mit Ihnen, mit weiteren, freue ich mich schon jetzt! ☺️📚✅

  3. Guten Tag, @Michael, @Inan, @Monika Gonser,

    spannende Institution!

    Mich erinnert das hier besprochene inter-sektorale Konzept an das der Wasserextreme-Tagung der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart letztes Jahr in Hohenheim, die Du, @Michael, ja initiiert hast

    Es kamen Menschen aus ganz unterschiedlichen Disziplinen zusammen und haben sich in den einzelnen Workshops über ein bestimmtes Thema ausgetauscht. Und beim Kaffee traf dann z.B. der Wissenschaftskommunikator mit der Frau zusammen, die konkret an kommunalen Projekten des Wassermanagements arbeitet – und interessierte Laien wie ich waren auch willkommen.

    Ok, jene Tagung war ein (vermutlich leider) einmaliges Ereignis, während ISOGBW längerfristige Projekte antreibt. Aber die interdisziplinäre Perspektive ist auf jeden Fall interessant, um Zukunftsfragen zu begegnen.

    Auch aus der Zeit meiner Diplomarbeit und Promotion am Max-Planck-Institut kann ich von einer schönen Team-Tradition berichten. Ein Mal im Jahr trafen wir uns für ein paar Tage mit den drei oder vier anderen Teams, die an denselben Themen forschten, und zwar immer an einem anderen Ort. Dann wurde selbstverständlich über den Stand unserer Forschung berichtet. Es gab aber auch dezidiert einen Programmteil, in dem wir uns gegenseitig Vorträge über Themen aus gesellschaftlich relevanten anderen Disziplinen hielten. Das waren dann immer sehr inspirierende Tage, die auf das ganze Jahr und die Arbeit positiv ausstrahlten.

  4. @podcast Bonusfolge

    Ich denke mal, das die Klima- und Wasserkrise alleine den Nahen Osten nicht unbewohnbar macht. Hitze und Wassermangel stehen dort auch sehr hohe PV-Erträge gegenüber, die auch noch sehr regelmäßig über das ganze Jahre verteilt sind.

    Man kommt mit Kurzfristspeichern von nicht mal der halben Tagesleistung aus, und braucht nur intelligent gesteuerte Wechselrichter und ein Minimum an Stromkabeln für eine umfassende und sehr billige Stromversorgung.

    Diesen billigen Strom kann man dann auch für Entsalzungsanlagen wie auch für Kaltwassernetze zur Kühlung von ganzen Siedlungen nutzen. Wenn man sich eher in der Nähe von Küsten niederlässt, klappt das umso besser.

    Man braucht nicht soviel Wasser, dass man Grundnahrungs- und Futtermittel produzieren kann. Das kann man alles für recht kleines Geld auf dem Weltmarkt einkaufen.

    Es genügt vollkommen, Haushaltswasser und Wasser für Obst- und Gemüseanbau wie auch für eigene Tierhaltung zu haben.

    Man muss aber eben auch zusammenarbeiten und die Grüne Technik konsequent nutzen. Der in Zukunft vermutlich dort sehr billig werdende Strom kann auch die Grundlage für jede Menge eigener Produktivität werden.

  5. @Michael 02.07. 23:48 / Felo.ai

    „Ohne tiefgreifende regionale Kooperationen, friedliche Absprachen zur Mindestversorgung und eine nachhaltige Bewirtschaftung der verbleibenden Ressourcen droht der Nahe und Mittlere Osten tatsächlich in weiten Teilen unbewohnbar zu werden.“

    Sehe ich genauso. Aber wenn man friedlich miteinander umgeht und zusammenarbeitet, wie wir es etwa in der EU so machen, dann hat man da m.E. Perspektiven. Mittelfristig wie langfristig.

    Israel macht schon Einiges vor, wie man in diesem Klima leben kann.

    Rein technisch gesehen gibt es einfach auch in dieser Gegend Perspektiven. Insbesondere die Perspektive auf den weltweit billigsten Grünen Strom. Das Wasser muss eben nicht für Landwirtschaft reichen, unsere Städte kommen auch ohne Landwirtschaft aus. Mit schön viel Grün dazwischen, und ein wenig Obst und Gemüseanbau, kann man da prima leben.

    • Ja, @Tobias – Schalom / Frieden bedeutet ja mehr als die Abwesenheit von Krieg, es bedeutet im Einklang zu leben mit Mitmenschen und Mitwelt.

      Hier auch ein aktuelles Interview in der Jüdischen Allgemeinen zum Umgang mit der zunehmenden Hitze in Israel:

      https://www.juedische-allgemeine.de/israel/klimaanlagen-sind-pflicht/

      Der Fossilismus, die fossilen Gewaltenergien bedrohen alle Menschen und ihre Heiligen Stätten in der Region. Auch daher Dank allen, die endlich auf erneuerbare Friedensenergien umsteigen! 🙏🙌

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