Blume & Ince: Dialog zu Karl Popper, dem kritischen Rationalismus & Liberalismus

Dass der US-Thymokrat Donald Trump einmal mehr Einsicht als unsere europäischen Hobby-Militärstrategen in Politik und Medien haben würden, hatte ich nicht erwartet. Doch auch Reuters meldete vor wenigen Tagen:
“If energy goes down enough, Putin is going to stop killing people,” Trump said in an interview on CNBC. “If you get energy down, another $10 a barrel, he’s going to have no choice because his economy stinks.”
Auf Deutsch:
“Wenn die Energiepreise tief genug sinken, wird Putin aufhören, Menschen zu töten”, sagte Trump in einem Interview mit CNBC. “Wenn Sie die Energiepreise um weitere 10 Dollar pro Barrel senken, hat er keine Wahl, denn seine Wirtschaft ist schrecklich.”
Selbstverständlich möchte Donald Trump aber keine erneuerbaren Friedensenergien, sondern dass Marktwirtschaften wie die Europäische Union oder Indien US-amerikanisches Erdöl und Erdgas einkaufen. Auch China reduziert ja längst strategisch seine Abhängigkeit von fossilen Gewaltenergien Erdöl und Erdgas. Und, nein, ich hätte noch vor wenigen Jahren nicht erwartet, dass russische, US-amerikanische und chinesische Strategen ihre europäischen “Kollegen” so weit hinter sich lassen würden. Aber genau das ist die Leistung des kritischen Rationalismus nach Karl Popper (1902 – 1994): Annahmen auch dann immer wieder wissenschaftlich zu hinterfragen, selbst wenn es schmerzt.
Das fällt niemandem leicht – auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nicht, Lehrenden schon gar nicht. Popper selbst wählte dafür sogar das krasse Bild vom Kreuz-Tragen!
Sehr viele – auch ich – sehen in ihm den bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts.
Während meines Besuches im Bundeskanzleramt, bei der Jüdischen Gemeinde und dem seriösen Wiesenthal-Institut in Wien besuchte ich auch die Karl-Popper-Straße in der Hauptstadt der Bundesrepublik Österreich. Foto: Michael Blume
Und so auch gleich eine Korrektur von mir: Sir Karl Popper starb zwar in Großbritannien, die Urne mit seiner Asche wurde jedoch zum Grab seiner Frau Lady “Henny” Popper (1906 – 1985) nach Wien gebracht!
Nach der immer noch außerordentlich erfolgreichen Diskussionsfolge 40 von “Blume & Ince” zu den Rheinpreußen Karl Marx (1818 – 1883) und Friedrich Engels (1820 – 1895) warfen wir nun in Folge 41 einen ebenso anerkennenden wie auch kritischen Blick auf das Leben und vor allem Lebenswerk des großen Philosophen, Erkenntnistheoretikers und Liberalen Karl Popper!
Ganz sicher keine Falle ist das neue Studio, das der BWL-Prof für den Pod- und Videocast “Blume & Ince” gezimmert hat! Foto: Inan Ince
Alle Folgen gibt es weiterhin auf Podigee & allen gängigen Streamingdiensten. Und hier auch wieder der Link zur Bild-Videofolge “Karl Popper und die Feinde der offenen Gesellschaft”.


Die Beziehung Trump-Putin wird von einem Klischee bestimmt, einem archetypischen Beziehungsmuster: Die Prinzessin und ihr Zuhälter. [Wegen unangemessener Sprache gekürzt, M.B.]
@Paul S.
Ich finde es immer wieder interessant zu sehen, zu welchen intellektuellen und auch sprachlichen Abgründen gerade auch Deutsche greifen, statt sich der einfachen und bitteren Wahrheit zu stellen: Wir Europäerinnen und Europäer finanzieren fossile Ressourcenfluch-Regime, die uns und die Staatsform der liberalen Demokratie dafür zunehmend verachten. Den Versuch für einen Friedensnobelpreis hatte der massgeblich von Fossilisten finanzierte Donald Trump ja auch schon mit Nordkorea gemacht – auch dort ohne Ergebnis. Stattdessen dienen jetzt nordkoreanische Söldner in Putins fossilen Sturmtruppen.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-21-star-wars-day-identitaeten-fossile-sturmtruppen-theorie/
Und währenddessen scheiterte auch ein Plastik-Abkommen in Genf am Widerstand der Erdöl – produzierenden Länder von Saudi-Arabien 🇸🇦 bis USA 🇺🇸, weil diese sich sicher sein können, dass wir uns selbst belügen und das Zeug selber kaufen:
https://m.youtube.com/shorts/hhClMhDNbgw
Ich finde es bedauerlich, dass weite Teile der deutschen Politik, Medien und Wirtschaft die einfachen Zusammenhänge zwischen Fossilismus & unserer (!) Zerstörung von Mitwelt und Mitmenschen kaum wahrhaben (wollen). Und stattdessen wieder und wieder den peinlichen Inszenierungen der fossilen Oligarchen auf den Leim gehen. Also genau wie Sie…
Einerseits Zustimmung. Andererseits ist genau gar nichts gewonnen, wenn wir Erpressung mit dem Zudrehen des Ölhahns gegen Erpressung mit dem Abschalten der Wechselrichter von Solaranlagen tauschen.
Wir müssen in der EU endlich aufwachen und maximale Autarkie in allen sicherheitskritischen Bereichen anstreben. Egal ob es sich um Energieversorgung, Cloud-Computing, Chipfertigung oder Betriebssysteme handelt.
Milliarden für Rüstungsgüter sind völlig sinnlos, wenn ein Gegner die einfach ausknipsen kann.
Oh ja, @Bernd – es ist und bleibt ein strategischer Riesenfehler, dass wir Deutschen unsere Solarindustrie für kurzfristige, fossile Profite an China verschenkt haben. Und derzeit machen wir Vergleichbares mit unserer Autoindustrie, Batterietechnologie und grünem Wasserstoff! Daher sage ich sehr klar: Wer für Deutschland, unsere Kinder und Enkel eine gute Zukunft wünscht, engagiert sich klar gegen jeden Fossilismus und für erneuerbare Friedens- und Wohlstandsenergien! Fossiler Lobbyismus hat bereits mehr als genug Schaden angerichtet: Ökologisch, wirtschaftlich, sicherheitspolitisch, sogar militärisch.
Habe heute morgen einen Vlogpost zu Balkonsolar-Anlagen und Energiedemokratie eingestellt:
https://www.youtube.com/shorts/x1Ua4612jpU
Am KIT in Karlsruhe werden übrigens bereits neue Solarzellen entwickelt, die eine kluge Standortpolitik in Europa produzieren würde!
Checken Sie es doch auch gerne selbst etwa per Felo.ai:
Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) werden derzeit mehrere innovative Solarzellenkonzepte entwickelt, die auf modernsten Materialien und Technologien basieren. Hier sind die wichtigsten Projekte und Entwicklungen:
### **1. Perowskit-CIS-Tandemsolarzellen**
– Das KIT hat Perowskit-CIS-Tandemsolarzellen mit einer Effizienz von 24,9 % produziert. Diese Solarzellen kombinieren Perowskit mit Kupfer-Indium-Diselenid (CIS), was sie besonders leicht und vielseitig macht. Sie eignen sich für Anwendungen auf Fahrzeugen, tragbaren Geräten sowie faltbaren oder rollbaren Oberflächen[1].
– Tandemsolarzellen aus Perowskit und Silizium haben sogar Effizienzen von über 29 % erreicht, was die Vorteile von gestapelten Solarzellen unterstreicht[1].
### **2. Flüssig aufgebrachte keramische Solarzellen (KeraSolar)**
– Im Rahmen des Projekts “KeraSolar” entwickelt KIT ein neues Konzept für Solarzellen, bei dem keramische Funktionsmaterialien verwendet werden. Diese Materialien bieten hohe Robustheit, Langzeitstabilität und die Möglichkeit, Solarzellen in beliebigen Formen und auf verschiedenen Oberflächen zu integrieren[2].
– Ziel ist es, umweltfreundliche Herstellungsverfahren zu nutzen, die wenig Energie verbrauchen und keine toxischen Substanzen einsetzen[2].
### **3. Farbige Perowskit-Solarzellen**
– Das KIT hat farbige Solarzellen aus kostengünstigem Perowskit-Halbleitermaterial entwickelt. Diese Module können in Fassaden und Dächer integriert werden und imitieren das Aussehen von Baumaterialien wie Marmor. Sie erreichen Effizienzen von bis zu 14 % und bieten eine ästhetische Lösung für Gebäudeintegrierte Photovoltaik (BIPV)[4].
### **4. KI-gestützte Materialforschung**
– Das KIT nutzt künstliche Intelligenz (KI), um neue Materialien für Solarzellen effizienter zu entwickeln. Dies umfasst die Optimierung von Perowskit-Halbleitern, die hohe Wirkungsgrade und Kosteneffizienz versprechen. Die Forschung konzentriert sich auf die Verbesserung der Langzeitstabilität und Skalierbarkeit der Produktionsverfahren[8][20].
### **5. All-Perowskit-Tandemsolarzellen**
– KIT beteiligt sich an der Entwicklung von All-Perowskit-Tandemsolarzellen, die besonders vielversprechend für die Zukunft der Photovoltaik sind. Diese Dünnschichtsolarzellen bieten hohe Effizienzen und könnten den Markt revolutionieren[19].
### **Zusammenfassung**
Die Forschung am KIT konzentriert sich auf die Entwicklung von Solarzellen mit hoher Effizienz, Nachhaltigkeit und vielseitigen Einsatzmöglichkeiten. Besonders hervorzuheben sind die Fortschritte bei Perowskit-basierten Technologien, keramischen Solarzellen und der Integration von KI in die Materialentwicklung. Diese Innovationen könnten die Energiewende erheblich vorantreiben.
[1] https://www.bayern-innovativ.de/en/emagazine/detail/en/page/kit-reports-success-with-perovskite-solar-cells
[2] https://link.springer.com/article/10.1007/s42411-019-0069-9
[3] https://www.kit.edu/kit/english/pi_2022_010_perovskite-solar-modules-with-a-marble-look.php
[4] https://optics.org/news/13/2/33
[5] https://www.bauenplus.de/aktuelles/Die-besten-Eigenschaften-buendeln-neues-Materialkonzept-fuer-Solarzellen/
[6] https://www.kit.edu/kit/english/pi_2023_030_photovoltaics-energy-supply-with-a-view.php
[7] https://www.electrive.com/2024/10/09/kit-opens-worlds-first-agile-battery-cell-production-facility/
[8] https://www.kit.edu/kit/energiewende-mit-detektivarbeit-solarzellen-revolutionieren.php
[9] https://www.facebook.com/story.php?story_fbid=986254316883172&id=100064958373602
[10] https://www.linkedin.com/posts/ulrich-w-paetzold-88046b3_ki-f%C3%BCr-perowskit-solarzellen-schl%C3%BCssel-zur-activity-7135384448367288320-010X
[11] https://www.pv-magazine.de/2025/03/19/kit-baut-neues-labor-fuer-forschung-an-smarten-netzen-fuer-dezentrale-energieversorgung/
[12] https://optics.org/news/15/12/29
[13] https://www.facebook.com/KIT.Karlsruhe.Official/photos/perowskit-solarzellen-gelten-als-flexible-und-nachhaltige-alternative-zu-herk%C3%B6mm/986254273549843/
[14] https://www.ipv.uni-stuttgart.de/institut/aktuelles/news/Solarzellen-mit-Perowskiten-Neue-Chance-fuer-die-Solarindustrie-in-Deutschland/
[15] https://www.technologynetworks.com/applied-sciences/news/ai-could-hold-key-to-better-solar-cell-manufacturing-381334
[16] https://techxplore.com/news/2024-03-perovskite-solar-cells-vacuum-short.html
[17] https://www.pv-magazine.com/2019/11/18/a-whole-new-kit-of-solar-cell-materials/
[18] https://www.ksop.kit.edu/solar_energy.php
[19] https://www.kit.edu/kit/202507-all-perowskit-tandemsolarzellen-neue-perspektiven-fur-die-photovoltaik.php
[20] https://smartgrids-bw.net/news/kit-nutzt-ki-zur-entwicklung-effizienterer-perowskit-solarzellen/
[21] https://www.kit-technology.de/de/technologieangebote/details/704
[22] https://idw-online.de/de/news844755
[23] https://www.facebook.com/KIT.Karlsruhe.Official/posts/swr-aktuell-hat-%C3%BCber-die-perowskit-forschung-am-kit-und-%C3%BCber-die-k%C3%BCrzlich-dort-e/2423527114374711/
Die Materialien sind das geringste Problem. Ein Solarpanel ist simpel genug, um die Existenz einer chinesischen Hintertür falsifizieren zu können (um den Bogen zum Thema des Blogbeitrags zu spannen). Bei allem, was einen Computerchip enthält, geht das nicht mehr, da Halteproblem.
Diese Punkte zu verstehen ist in meinen Augen essentiell dafür, um kluge strategische Entscheidungen treffen zu können. Leider interessiert sich niemand dafür. Auch Solarpunks zeigen lieber stolz auf ihren chinesischen Apps, wieviel Strom sie erzeugen.
Falsch, @Bernd – es waren und sind wir Solarpunks, die immer wieder darauf hinweisen, was Fossilisten an strategischen Fehlentscheidungen verbockt haben. Hier eine Meldung vom 11. September (!) 2012:
Bundesumweltminister Peter Altmaier sieht erste Erfolge bei dem Versuch, Zusatzkosten durch einen zu schnellen Ausbau erneuerbarer Energien zu vermeiden. Der Bau neuer Solaranlagen sei im Juli auf eine Leistung von 540 Megawatt und im August auf 320 Megawatt zurückgegangen, sagte der CDU-Politiker bei der Beratung über den Etat seines Ministeriums im Bundestag.
Im Juni waren es noch rund 1800 und im gesamten ersten Halbjahr fast 4400 Megawatt. Der Boom im ersten Halbjahr war allerdings auch durch die Ankündigung der Kürzungen ausgelöst worden.
Die in den Strompreis der Bürger eingepreisten Förderzahlungen waren vor der Sommerpause gekürzt worden, um die Kosten etwas einzudämmen. “Das zeigt, dass unser gemeinsames Gesetz anfängt zu wirken”, so Altmaier.
https://www.n-tv.de/politik/Einbruch-bei-der-Photovoltaik-article7193576.html
Auch Sie, @Bernd, haben ja immer wieder und teilweise sogar mit erfundenen Zahlen gegen die Energiewende gewettert. Ich hätte mich gefreut, wenn Sie stattdessen glaubwürdig für eine deutsche bzw. europäische Solarindustrie samt Hard- und Software-Kompetenzen eingetreten wären. Jetzt im Nachhinein die Abhängigkeiten von China zu “beklagen” ist doch arg durchsichtig… 🙂
(Irgendwie ist hier meine Antwort bisher nicht erschienen.)
Wer Solaranlagen mit chinesischer IT betreibt, ist genauso ein abhängiger Junkie wie derjenige, der von billigem Öl und Gas träumt.
Solarpunk ist schön und gut. Aber das kann nur der Anfang sein, um das Kreuz des Ausgangs aus der technologischen Unmündigkeit zu tragen. Nach dem Eindruck in meinem Umfeld, sehen viele aber ihre Arbeit mit der Installation einer Solaranlage als getan an. Wenn Sie das anders handhaben würde mich das sehr freuen, aber aufgrund der Art Ihrer Antwort habe ich doch leise Zweifel daran.
@Bernd
Tja, mit fossilistischen Zeitvampirismus werden Sie hier nicht glücklich! 🙂 🔥 ☕️
So ist diese Behauptung von Ihnen schlichtweg sachlich falsch:
Wer Solaranlagen mit chinesischer IT betreibt, ist genauso ein abhängiger Junkie wie derjenige, der von billigem Öl und Gas träumt.
1. Die IT-Abhängigkeiten von China entstanden vor allem durch den fossilen Lobbyismus selbst, der zum Verschenken der bis dahin erfolgreichen, deutschen Solarindustrie ab 2012 führte.
2. Die IT-Abhängigkeiten von der fossilen Thymokratie der USA 🇺🇸 sind noch sehr viel größer. Vgl. die IT-Enthüllungen durch Edward Snowden.
3. Die internationalen Verflechtungen bei erneuerbaren Friedensenergien lassen sich durch Entwicklungen in Technologie und IT sowie durch Recycling ♻️ sehr viel leichter beheben als bei fossilen Gewaltenergien.
Ihnen, @Bernd, gilt mein herzlicher Dank dafür, dass Sie mir und uns immer wieder neue Gelegenheiten eröffnen, die Pseudo-Argumente des Fossilismus aufzuklären. Ich gebe zu, das macht manchmal sogar richtig Freude. 😌☕️🙌
Das sind doch genau dieselben Ausreden, wie wir sie von den Befürwortern billiger fossiler Rohstoffe aus Diktaturen kennen. Die Regierung ist schuld, es ist eh hoffnungslos und mit dem Angriff zukünftiger Technologien wird das wieder in Ordnung kommen.
1. Es ist möglich, Solaranlagen zu betreiben, ohne von chinesischen IT-Lösungen abhängig zu sein: https://www.kuketz-blog.de/growatt-shinewifi-x-wechselrichter-aus-chinesischer-cloud-befreien/ Man muss es aber wollen.
2. Es ist möglich, ein digitales Leben zu führen, ohne von amerikanischen Tech-Konzerne abhängig zu sein: https://european-alternatives.eu/ Man muss es aber wollen.
Genau, @Bernd – trotz der schlimmen Verzögerungstaktik von Fossilisten, die auch die deutsche Solarindustrie nach China verschenkt haben, ist immer noch sehr viel möglich.
So sind wir Blumes bereits vor acht Jahren von veralteten VW-Verbrennern auf französische Elektroautos umgestiegen – weil wir uns von fossilen Batterielügen nicht entmutigen ließen.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/batterien-fuer-elektroautos-laenger-haltbar-immer-mehr-fossile-luegen-werden-entlarvt/
Wenn auch Sie nun endlich die Abhängigkeiten von chinesischen „und“ US-amerikanischen Anbietern konstruktiv verringern wollen – sehr gerne! Wenn es Ihnen aber nur darum geht, Solarpunks für Ihre eigenen Blockaden verantwortlich zu machen und zu entmutigen – dann werden Sie damit auch weiterhin scheitern! Your choice! 😌🔋🌞💡🖖
Mir ist noch ein anderer möglicher Grund
dafür eingefallen, warum den Leuten, die jetzt in Rente gehen, eben nur diese Renten wichtig sind und alles andere egal: Fetischisierung der Arbeit. Nach dem Motto: Ich habe meinen Beitrag geleistet, jetzt lasst mich in Ruhe.
Herzlichen Dank, @87Barner – wirklich! Denn es freut mich sehr, dass immer mehr Interessierte die Bedeutung von Zeit und Zeitverstehen zu erfassen beginnen!
Noch bis zum Alphabet-Buchdruck dominiert ja ein zyklisches Zeitverständnis samt Reaktanz, nach dem die vermeintlich paradiesischen, goldenen Zeiten immer in der Vergangenheit gelegen haben. Noch die Bauern des süddeutschen Bauernkrieges von 1525 beriefen sich daher auf die Bibel und vermeintlich altes Recht. Erst mit der Säkularisierung (von lateinisch saeculus, Jahrhundert) beginnt sich ein innerweltlicher Fortschrittsglauben zu entwickeln.
Im Marxismus als Historizismus ist das noch ganz evident: Nicht mehr die Wiederkehr des Messias, sondern das vermeintlich erlösende Weltrevolution ist nahe.
Aber auch im kritischen Rationalismus nach Karl Popper bleibt die Hoffnung, dass der Vielfalt und Wahrheit alle Zeit bleibt: “Alles Leben ist Problemlösen.”
Doch in jeder mangels Kinder alternden und schrumpfenden Gesellschaft gerät diese liberale Langzeit-Hoffnung erkennbar unter Druck: Immer mehr Menschen wollen einfach nur noch konsumieren, ohne selbst zu investieren oder sich “ein schlechtes Gewissen” machen zu lassen.
Heute Vormittag postete ich in einer konstruktiven Diskussion zum Machtgewinn von China dem Account mit dem bezeichnenden Namen @Thorsten4Future (!):
Exakt so, @thorsten4future 🤔👍
Was mich hier im Kontext von #Politikwissenschaft bewegt ist der Faktor #Zeit.
Demokratisch Gewählte müssen sich immer wieder #Wahlen mit #Wahlkämpfen stellen – dadurch wird die #Politik sehr kurzfristig, mehr auf #Konsum als auf #Investition orientiert, auch wegen der demografischen #Alterung. „Für mich langt es noch!“, höre ich zu #Fossilismus, #Klimakrise & #Wasserkrise immer öfter. Die KP – Diktatur in #China geht dagegen strategisch & längerfristig vor.
https://sueden.social/@BlumeEvolution/115038337233462647
Über dieses Thema haben wir auch hier auf dem Blog bereits öfter unter dem Begriff säkularer Zeitenumbruch diskutiert, etwa hier:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/zeitenumbruch-wie-trumps-anti-ukraine-politik-auch-die-eu-und-taiwan-bedroht/
Ich verstehe jedoch, dass die meisten Menschen – gerade auch Demokratinnen und Demokraten wie wir – Angst haben, sich dieser offenen Flanke der digitalen Demokratien gedanklich zu stellen.
@Podcast 41
Wir haben offenbar nicht mehr diese Eine öffentliche Welt. Zeitungen und Fernsehen haben diese in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts konstruiert. Das geht offenbar gerade vorbei. Mag aber sein, dass die LLMs hier helfen können, dass doch wieder deutlich mehr einweltliche Sichtweisen mehr Platz und Einfluss bekommen.
Vor allem wenn diese dezentral bleiben und nicht von Konzernen oder Regierungen umgebogen werden. Hier haben wir auf Basis der gesamten verfügbaren Weltkultur genau die Informationen, die die vielfältigen medialen Welten, in denen die Menschen unterwegs sind, sehr sinnvoll ergänzen können.
Wir haben hier einen Faktenfundus, der die vielen separierten Kreise wieder zusammenbringen kann?
Was bleibt ist natürlich resistenter Egoismus gerade bei Älteren. Dagegen helfen wirklich nur demokratische Mehrheiten.
Ansonsten scheint mir, dass wir die Diversifizierung der gelebten Horizonte dennoch begrüßen dürfen. Neben dem Internet wirkt hier auch noch das Wachstum der wissenschaftlichen Erkenntnisse in dieselbe Richtung. Selbst innerhalb von Fachgebieten wird es schlichtweg deswegen schon immer unübersichtlicher, weil immer mehr Wissenschaftler mit immer mehr Computerunterstützung immer mehr Wissen akkumulieren.
Eine persönliche Diversifizierung bei gleichzeitig KI-gestütztem persönlichem Faktencheck kann doch sogar weiterführen. Weiter als eine vorgefertigte öffentliche Weltsicht, an der man früher nicht so leicht vorbei kam.
Vielen lieben Dank, @Tobias – was für ein starker Kommentar! 🙌
Gerne möchte ich auf diesen Schlüsselsatz eingehen:
“Was bleibt ist natürlich resistenter Egoismus gerade bei Älteren. Dagegen helfen wirklich nur demokratische Mehrheiten.”
Denn, ja, wenn wir Demokratinnen und Demokraten bleiben wollen, dann bleibt uns nur die (schmale?) Hoffnung, dass sich immer mehr Menschen auf die Philosophie als “Liebe zur Weisheit” auch über das eigene Ego hinaus einlassen.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/sollten-alle-dialog-philosophie-betreiben-ein-pro-mit-sokrates-jakob-boehme-und-abb/
Was ich jedoch bisher in fast allen demografisch schrumpfenden Nationalstaaten beobachte ist Entsolidarisierung:
a) Reiche grenzen sich gegenüber Ärmeren ab – aufgrund angeblicher “Wettbewerbsfähigkeit” werden Sozialausgaben immer weiter gekürzt und zugleich die Steuern für Reiche und Konzerne immer weiter gesenkt.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/langzeitismus-der-kommende-faschismus-feiert-die-klimakrise-fossiler-wahnsinn-3/
b) Ältere grenzen sich gegenüber Jüngeren ab – der Fossilismus finanziert die Zerstörung von Mitwelt sowie Kriege, hinterlässt eine zunehmend brennende Welt mit Schuldenbergen und fordert Jüngere dann auch noch auf, gefälligst wieder Wehrdienst zu leisten!
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/fossilismus-oder-frieden-die-debatten-um-wehrdienst-und-gaskraftwerke/
c) Rechte Reaktante attackieren Wissenschaftlerinnen & Wissenschaftler – Letztere werden des Historizismus beschuldigt, während gleichzeitig säkulare “Konservative” die Brandmauer-Lehren aus Faschismus & Nationalsozialismus verleugnen.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/mit-den-kirchen-glaubwuerdig-gegen-geschichtsvergessenheit-und-verschwoerungsmythen/
d) Feindseliger Dualismus in Form von Antisemitismus, Rassismus, Antifeminismus, Ableismus, Queerfeindlichkeit, Populismus wird gegen immer neue “Out-Groups” aktiviert, um die Menschen gegeneinander auszuspielen und dialogische und demokratische Solidarisierungen möglichst zu unterbinden.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-hand-des-feindseligen-dualismus-was-antisemitismus-rassismus-und-sexismus-verbindet/
Sind dies etwa mythologisch die “vier Reiter der Apokalypse” unserer Jahrzehnte? 😉
Hallo @Inan Ince und @Michael Blume,
eine wunderbare Folge, die ich mit jeder Minute sehr genossen habe!
Ich finde, dass der kritische Rationalismus sehr schön auf den Punkt gebracht wurde.
Dazu fällt mir ein Witz ein (nicht von mir):
Ein Physiker, ein Mathematiker und ein Ingenieur reisen durch Schottland.
Durch das Busfenster sieht der Ingenieur ein schwarzes Schaf und ruft:
„Schaut mal, in Schottland sind alle Schafe schwarz!“
Der Physiker widerspricht: „Moment – so kann man das nicht sagen. Man kann höchstens feststellen: In Schottland gibt es mindestens ein schwarzes Schaf.“
Daraufhin der Mathematiker: „Auch das ist zu viel. Man kann nur sagen, dass es in Schottland mindestens ein Schaf gibt, das auf mindestens einer Seite schwarz ist.“
Wenn ich den Podcast richtig verstanden habe, dann würde der kritische Rationalist – oder zumindest einer der drei, sofern er sich auf diese Haltung besinnen würde – ergänzen:
„Wir haben soeben die Theorie widerlegt, dass in Schottland alle Schafe weiß sind.“
😊
Nun zu meiner Frage, die etwas weiter ausholt – es geht um den Historizismus.
Ich versuche mich in einer Analogie: Der Historizismus geht (wenn ich es richtig verstehe) davon aus, dass die gesellschaftliche Entwicklung prinzipiell vorausberechenbar ist – ähnlich wie es die klassische Physik lange Zeit vom Weltgeschehen annahm. In der Newtonschen Mechanik galt: Wenn man den aktuellen Zustand aller Teilchen (also ihre Positionen und Geschwindigkeiten) exakt kennt, dann lässt sich ihr zukünftiger Zustand exakt berechnen. Dieses deterministische Weltbild kulminierte im Gedankenexperiment des Laplaceschen Dämons: einem allwissenden Wesen, das Vergangenheit und Zukunft vollständig berechnen könnte – sofern es alle physikalischen Parameter kennt.
Mit der Physik des 20. Jahrhunderts – insbesondere durch die Quantenmechanik und ihren inhärenten Zufall – wurde diese Vorstellung erschüttert. Der Laplacesche Dämon gilt spätestens seit seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts als widerlegt.
Meine These: Der Historizismus in der Geschichts- und Politikwissenschaft entspricht der Annahme eines laplaceschen Dämons der Geschichte – also der Idee, dass sich der Lauf der Geschichte zwangsläufig aus bestimmten Bedingungen ergibt, wenn diese nur genau genug bekannt sind. Auch hier liegt ein deterministisches Weltbild zugrunde.
Wenn ihr mir bis hierhin nicht widersprecht, würde ich gern einen Schritt weitergehen:
Ist es nicht bemerkenswert, dass die Erkenntnisse der modernen Physik sich recht schnell in der Kunst und Literatur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts niedergeschlagen haben – nicht jedoch in der Geschichtsphilosophie?
Viele Künstler haben sich damals mit veränderten Vorstellungen von Raum und Zeit beschäftigt, die durch die Relativitätstheorie und andere neue Denkmodelle aufgeworfen wurden. Ich denke da etwa an den Kubismus, der den Raum neu interpretiert, oder an das literarische Werk von Robert Musil oder Hermann Broch, die komplexe, fragmentierte Weltbilder entwerfen. Auch experimentieren die Romane mit „Bewussetseinsströmen“ und einer ganz individuellen Zeitwahrnehmung.
Meine Frage:
Warum konnte der Historizismus – dieser geschichtsphilosophische Laplacesche Dämon – trotz alledem noch so lange im 20. Jahrhundert überleben? Obwohl sein zugrundeliegendes Weltbild (eine geschlossene, vollständig berechenbare Welt) in den Naturwissenschaften längst ad acta gelegt wurde?
Denn: Der Historizismus hat den radikalen Umbruch im Denken Anfang des 20. Jahrhunderts überlebt. Er lebt sogar in totalitären Ideologien des 20. Jahrhunderts fort – etwa im Kommunismus, der oft implizit von einer berechenbaren Geschichtsentwicklung ausging. Und, ich würde noch weiter gehen:
Auch im sogenannten Langzeitismus, über den du, @Michael, geschrieben hast, sehe ich eine Neuauflage historizistischen Denkens.
Bitte korrigiert mich, wenn ich hier auf dem Holzweg bin – aber ich finde diese Frage ausgesprochen spannend.
Ach so, noch etwas: Einen herzlichen Gruß an den Studiohund! Er hat super performt und darf beim nächsten Mal gerne wieder dabei sein!
😊
Lieber Peter,
herzlichen Dank für den wunderbaren Beitrag – sowohl der Witz als auch deine Gedanken zum Historizismus zeigen, dass man den kritischen Rationalismus recht leicht selbst ‘entdecken’ oder zumindest verstehen kann! 😊 Die Ergänzung zur Falsifikation zeigt, wie Popper gedacht hat und damit versucht hat dem etablierten Empirismus einen kleinen Riegel vorzuschieben: Es geht eben nicht um den “Beweis” (den es nach Popper ohnehin nie geben kann), sondern über die Widerlegbarkeit bzw. Standfestigkeit einer grundsätzlich widerlegbaren Aussage.
Die Analogie zwischen dem Historizismus und dem Laplaceschen Dämon trifft einen zentralen Punkt in Poppers Kritik: Die Vorstellung, dass Geschichte einem berechenbaren Plan folgt, ist für Popper (grob zusammengefasst) nicht nur wissenschaftlich fragwürdig, sondern auch politisch gefährlich – gerade weil sie totalitäre Systeme legitimieren kann. Beide Punkte erinnern mich an ein KI-Gedankenexperiment, genannt “Roko’s Basilisk”. Wer das nicht kennt: Eine zukünftige superintelligente KI könnte jeden bestrafen (auch längst verstorbene, deren Bewusstsein irgendwann in einer Art Singularität ist), der heute nicht aktiv zu ihrer Entstehung beiträgt – weil sie argumentieren könnte, dass Nicht-Unterstützer ihre Existenz verzögert oder verhindert haben. Und das wiederum erinnert mich an eines der tiefgründigsten Technohorror-Bücher und -Abenteuerspiele “I have no mouth and I must scream” (Buch: 1967, Spiel: 1995). Ich lasse einfach mal diese Empfehlung hier liegen 😊
Dass die Naturwissenschaften sich früh vom Determinismus verabschiedet haben, während die Geschichtsphilosophie (und manche Ideologien) noch lange daran festhielten, liegt vielleicht daran, dass gesellschaftliche Entwicklungen komplexer und weniger experimentell zugänglich sind als physikalische Prozesse. Als Prof der regelmäßig im Marketing forscht und lehrt, kenne ich einfach zu viele Beispiele für überraschende, oft widersprüchlicher Ergebnisse, trotz gründlicher und umfassender Marktforschung (In der Folge nannte ich ja das Beispiel mit der Vermarktungsfähigkeit von Handys für den Endkonsumentenmarkt).
Der zweite Grund ist in meinen Augen, dass Menschen ein tiefes Bedürfnis nach Sinn und Richtung haben, das deterministische Modelle scheinbar befriedigen. Man könnte es also ein Stück weit als Wunschdenken abhaken. Der Zyniker könnte hiermit allein schon Religionen begründen: “Mach x, dann Hölle/Himmel” – Als Dogma natürlich nicht überprüfbar. (Für’s Protokoll: Religion ist für die meisten, v.a. Gläubigen Menschen, natürlich weit mehr als das).
Du sprichst auch einen wichtigen Punkt zur Kunst an: Ich würde vermuten, dass die Geschichtsphilosophie oft konservativer ist. Vielleicht, weil Kunst auch stärker intuitiv und subjektiv arbeitet, während Geschichtsphilosophie oft systematisch und normativ denkt?
Was den Langzeitismus betrifft (Ich kenne das nur als “Longtermismus”): Das ist eine sehr interessante Beobachtung. Auch hier lohnt sich die kritische Frage, ob langfristige Prognosen nicht in die Falle des Historizismus tappen – oder ob sie sich, wie Popper es forderte, offen für Falsifikation und Revision halten.
Der Kommentar lädt definitiv zu einer Fortsetzung der Diskussion ein – vielleicht sogar zu einer eigenen Podcast-Folge über „Determinismus im Marketing und warum es selten läuft wie geplant“? Ich bin offen für Kommentare von allen die am Podcast beteiligt und nicht beteiligt sind 😊
Zuletzt: Mayla ist die Hausprinzessin und liebt ihre Menschen sehr. Sie hat sogar das Herz meiner Frau erweicht, indem sie sich zum Abend vor dem Fernseher auf ihrem Schoß eingerollt hat. Schleimerin 😉
Lieber @Peter, lieber @Inan,
vielen Dank für Euren Dialog – ich habe mich wirklich zurück gehalten, weil ich erst die Antwort von Inan lesen wollte! 🙂
Und, ja, auch ich halte den Langzeitismus für eine sozialdarwinistische und hoch gefährliche Variante des Historizismus!
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/langzeitismus-der-kommende-faschismus-feiert-die-klimakrise-fossiler-wahnsinn-3/
Aus meiner Sicht – wir hatten darüber ja in der Podcast-Folge kurz gesprochen – befinden wir uns noch immer im psychologisch anspruchsvollen Übergang von Jahrtausenden der autoritären Induktion ins Zeitalter der dialogischen Falsifikation nach Karl Popper:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/karl-popper-2021-fuehrt-die-digitalisierung-in-ein-zeitalter-der-falsifikation/
Aus Bücher und Texten von sowie Gesprächen mit Carsten Könneker lernte ich viel über die erbitterten Widerstände, die der Physiker Albert Einstein auch als Jude für seine bahnbrechenden, physikalischen Entdeckungen erlitt. Und gerade auch im aktuellen Spektrum der Wissenschaft 9.25 findet sich ein brillanter Artikel von Mike Zeitz zu “Heisenbergs ‘Umdeutung’: Meilenstein der Quantenrevolution”:
https://www.spektrum.de/news/die-entscheidenden-ideen-hinter-heisenbergs-quantenrevolution/2257085
Obwohl selbst deutsch-rechtsnational wurde übrigens auch Werner Heisenberg (1901 – 1976) wegen seiner Akzeptanz der Einsteinschen Physik antisemitisch als “weißer Jude” diffamiert – ein Beispiel, das ich immer wieder im Hinblick auf die Gefahren antisemitischer Verschwörungsmythen betone.
Der wissenschaftlich-erkenntnistheoretische Fortschritt über die intuitive Induktion und oftmals geschürte Reaktanz hinaus ist daher nach meiner Einschätzung immer wieder in Gefahr, verloren zu werden – sei es durch rechtslibertären Dualismus in den Naturwissenschaften oder links-historizistischen Dualismus in den Kultur- und Geisteswissenschaften.
So hatte ich es neulich erst “gewagt”, die m.E. völlig definierte Definition von “Macht” nach Max Weber (1864 – 1920) als falsifiziert zu beschreiben. Das Ergebnis war zwar viel Interesse und auch positive Rückmeldungen, aber auch heftiger, emotionaler Widerstand.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/begriffsarbeit-zur-macht-nach-max-weber-mit-eigener-arbeitsdefinition/
Gerne möchte ich hierzu schließen mit den großen, letzten Absätzen von Karl Popper am Ende seines ersten Bandes von “Die offene Gesellschaft und ihre Feinde” (Paul Siebeck 1945 / 2003, S. 238 – 239). Weil mir diese Schlusssätze so bedeutend sind, werde ich sie Satz für Satz abtippen:
“Das Aufhalten aller sozialen Entwicklung ist kein Heilmittel, es kann uns nicht das Glück bringen. Wir können niemals zur angeblichen Unschuld und Schönheit der geschlossenen Gesellschaft zurückkehren.
Unser Traum vom Himmel läßt sich auf Erden nicht verwirklichen.
Wenn wir beginnen, auf unsere Vernunft zu hören und wenn wir anfangen, Kritik zu üben, d.h. uns verantwortlich zu fühlen für unser Tun und damit auch verantwortlich für unser Wissen und unseren Erkenntnisfortschritt – wenn wir soweit gegangen sind, dann können wir nicht mehr zu einem Zustand der Unterwerfung unter die Stammesmagie zurückkehren.
Für die, welche vom Baum der Erkenntnis gekostet haben, ist das Paradies verloren.
Je mehr wir versuchen, zum heroischen Zeitalter der Stammesgemeinschaft zurückzukehren, desto sicherer landen wir bei Inquisition, Geheimpolizei und einem romantisierten Gangstertum.
Wenn wir mit der Unterdrückung von Vernunft und Wahrheit beginnen, dann müssen wir mit der brutalsten und gewaltsamsten Zerstörung alles dessen enden, was menschlich ist.
Es gibt keine Rückkehr in einen harmonischen Naturzustand.
Wenn wir uns zurückwenden, dann müssen wir den ganzen Weg gehen – wir müssen wieder zu Raubtieren werden.
Wir stehen hier vor einer Frage, die wir klar beantworten müssen, so schwer dies für uns auch sein mag.
Wenn wir von einer Rückkehr in unsere Kindheit träumen, wenn wir versucht sind, uns auf andere zu verlassen und auf diese Weise glücklich zu sein, wenn wir davor zurückschrecken, unser Kreuz zu tragen, das Kreuz der Menschlichkeit, der Vernunft und unserer Verantwortung, wenn wir den Mut verlieren und der Last des Kreuzes müde werden, dann müssen wir uns zu stärken versuchen, mit dem klaren Verstehen der einfachen Entscheidung, die vor uns liegt.
Wir können zu den Raubtieren zurückkehren.
Aber wenn wir Menschen bleiben wollen, dann gibt es nur einen Weg, den Weg in die offene Gesellschaft.
Wir müssen ins Unbekannte, ins Ungewisse und ins Unsichere weiterschreiten, wir müssen die Vernunft benutzen, die uns gegeben ist, um, so gut wir es eben können, für beides zu planen – für Sicherheit und Freiheit.”
Ich kenne keinen Text des 20. Jahrhunderts, der meine innerste Haltung zu Menschenwürde, Wissenschaft, Freiheit und Religion so gut beschriebe wie genau dieser. Deswegen war mir diese Folge von “Blume & Ince” so besonders wichtig.
“Der wissenschaftlich-erkenntnistheoretische Fortschritt über die intuitive Induktion und oftmals geschürte Reaktanz hinaus ist daher nach meiner Einschätzung immer wieder in Gefahr, verloren zu werden – sei es durch rechtslibertären Dualismus in den Naturwissenschaften oder links-historizistischen Dualismus in den Kultur- und Geisteswissenschaften.”
Danke, @Michael, für diese anschließenden Überlegungen!
Und mir geht es auch so, dass mir jedes Mal, wenn ich diese Sätze am Ende von Karl Poppers erstem Band der “Offenen Gesellschaft” lese, erschaudert. Einerseits wegen der Schönheit des Gedankens und der Sprache, andererseits wegen der Ernsthaftigkeit und aktuellen Relevanz. Wenn ich daran denke, wie viele derzeit sich zurück wenden, statt mutig “ins Unbekannte, ins Ungewisse und ins Unsichere” weiter zu schreiten und die Vernunft zu benutzen.
Danke & ganz genau so, lieber @Peter 🙏
Aus meiner Sicht stehen demokratische Konservative, Moderate und Progressive vor spezifischen Herausforderungen der Psychologie der Zeit. In einem früheren Blogpost habe ich dies einmal so zu fassen versucht:
“Rechte drohen über psychologische Reaktanz, Liberale über Gier und Linke über selbstgerechten Historizismus in den feindseligen Dualismus abzustürzen.”
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/was-ich-vom-politischen-koordinatensystem-links-mitte-rechts-halte/
Gemeinsam führt dies unter den Bedingungen digitaler Beschleunigung zu spezifischen Formen der Entsolidarisierung, meine ich:
– Rechtsdualisten werden wieder zu “Raubtieren” im Sinne von Karl Popper: Sie erfinden sich idealisierte Vergangenheiten und versuchen auch am Beginn des 21. Jahrhunderts wieder “zum heroischen Zeitalter der Stammesgemeinschaft zurückzukehren”, mit dem Ergebnis von “Inquisition, Geheimpolizei und einem romantisierten Gangstertum.”
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/dune-von-frank-herbert-ist-eine-warnung-vor-politischem-dualistischem-messianismus/
– Libertäre wie Elon Musk und Peter Thiel beschreiben den Sozialstaat und schließlich die Demokratien als Feindbilder und leisten damit als sozialdarwinistische Rechtslibertäre dem Rechtsruck fatalen Vorschub – wie es schon der Medienunternehmer Alfred Hugenberg für Adolf Hitler tat.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-26-von-elon-musk-und-alfred-hugenberg/
– Linksdualisten tappen immer wieder in die Fallen des dogmatischen und selbstgerechten Historizismus, stellen damit erzwungene Gleichheit über die Freiheit (zur Vielfalt) und “versekten” damit in sich bekämpfende Parteien, Bewegungen und Grüppchen. Damit tragen sie – meist ungewollt – zur Destabilisierung der liberalen Demokratien bei.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-widerspruch-zwischen-freiheit-und-gleichheit-und-der-lebensbaum-des-foederalismus/
Wichtig bleibt mir jedoch, die verschiedenen Formen des politischen und religiösen Dualismus nicht einfach gleichzustellen. So habe ich heute genau dazu in zwei Posts mit Links gepostet:
#Christdemokrat der Mitte zu sein heißt m.E. gerade nicht, rechten & linken #Dualismus gleichzusetzen. Ich halte das #Hufeisen für politikwissenschaftlich falsifiziert.
Die Lehre der #Geschichte schon in der #Republik von #Weimar formulierte Kanzler #JosephWirth vom kath. #Zentrum am 25. Juni 1922 im #Reichstag so:
„Da steht der Feind, der sein Gift in die Wunden eines Volkes träufelt. – Da steht der Feind – & darüber ist kein Zweifel: dieser Feind steht rechts!“(1/2)
Vor gezielten Kampagnen der #Gleichsetzung durch Rechtslibertäre wie Roland #Baader warnte ich bereits 2021 im #Podcast “Verschwörungsfragen”.
So wird der #Nationalsozialismus als vermeintlicher #Sozialismus als “links” umgedeutet, schließlich der #Linksdualismus zur “eigentlichen Gefahr” erklärt, die nur durch ein “Bündnis” von Konservativen & Faschisten gestoppt werden könne.
Wer so die #Brandmauer untergräbt, will auch unsere #Demokratie zerstören. Meine ich. (2/2)
https://sueden.social/@BlumeEvolution/115039033462152695
Wenn ich auch die Säkularisierung als insgesamt positiv und buchstäblich notwendig anerkenne, so geht sie eben doch auch mit Individualisierung, Entsolidarisierung und demografischer Alterung einher, deren Auswirkungen wir erst zu verstehen beginnen. Meine ich.
Hallo @Inan,
vielen Dank für die Gedanken und auch die Empfehlungen (u.a. Roko’s Basilisk), die mir unbekannt waren!
Eine Folge zum (In)Determinismus im Marketing fände ich (als wirtschaftswissenschaftlicher Laie) super spannend. Das in der Folge erwähnte Beispiel mit den mobilen Telefonen ist schon sehr bemerkenswert.
Nachtrag zum Kommentar 16.08.2025, 17:07 Uhr:
Noch etwas wichtiges: Wie heißt der Hund?
Unsere Familienhündin heißt Mayla und ist ein Maltipoo. 🙂
Und wie fast immer versprachen die Kinder, dass sie sich 100% kümmern würden – und jetzt bin doch immer öfter ich zuständig.
Und darüber sehr glücklich. Von Mayla lerne ich viel, u.a. bewusstes Erleben der Mitwelt und Gelassenheit. 🙂
Auf Deine Super-Frage zum Historizismus würde ich supergerne antworten, aber möchte sogar noch lieber lesen, was Inan Ince dazu meint! 🙂
Spannende Folge, die ich mit großem Interesse gehört habe.
Ich kann in vielen Dingen zustimmen.
Mir ist – neben dem Thema “Ältere Menschen, Rentner etc..” – noch ein Punkt eingefallen, der fast nie eine Rolle spielt, und ich würde gerne wissen, ob dem tatsächlich so ist. Es geht um die Lebensbereiche “Stadt” und “Land”. Gibt es diesen Gegensatz wirklich? Also die Frage, ob die Städter progressiver und die Landbevölkerung konservativer sind.
Insbesondere in Baden–Württemberg werden die Grünen gerne als die Partei der Städter gesehen (die Wahlergebnisse lassen diesen Schluss zu) und die CDU sieht sich andererseits als Vertreterin der “benachteiligten” Menschen, die im ländlichen Raum zuhause sind.
Die heutige Gesellschaft ist teilweise geradezu erpicht darauf, zu trennen und zu spalten. Alt gegen Jung, Deutsche gegen Zuwanderer, Reiche gegen Arme etc.
Inwiefern prägte die Herkunft von Sir Karl Popper aus der Großstadt Wien seine Philosophie?
Vielen Dank, @Marie H. – gerne gehe ich auf Ihren starken Kommentar und die Nachfragen ein.
“Mir ist – neben dem Thema “Ältere Menschen, Rentner etc..” – noch ein Punkt eingefallen, der fast nie eine Rolle spielt, und ich würde gerne wissen, ob dem tatsächlich so ist. Es geht um die Lebensbereiche “Stadt” und “Land”. Gibt es diesen Gegensatz wirklich? Also die Frage, ob die Städter progressiver und die Landbevölkerung konservativer sind.”
Diese Diskussion tobt bereits seit Theodor Adorno (1903 – 1969), der ein wesentliches Merkmal des Rechtsextremismus im Gegeneinander von “Zentrale” und “Peripherie” vermutete. Auch neuere Forschungen sehen dafür Belege – wobei ich dazu wiederum auf die Demografie verweisen möchte: In ländlichen Regionen mit Abwanderung (!) vor allem junger Frauen und Gebildeter verstärkt sich m.E. auch die politische Reaktanz.
Die Leipziger Forscherinnen sehen zumindest Anhaltspunkte dafür. Antifeminismus und Provinzialität verbinde die „Idealisierung einer Vergangenheit, die es so nie gegeben hat, und die autoritäre Sehnsucht nach Eindeutigkeit“. Die dazu passenden Einstellungen und Verhaltensweisen sind klare Hierarchien, rigide Konventionen und der Verweis auf Sündenböcke. Zentraler Bezugspunkt sei „die Rückkehr zu einer vormodernen Ländlichkeit, mit tradierten patriarchalen Familienstrukturen und einer überschaubaren Gemeinschaft“. Die in diesem Umfeld praktizierten Herrschaftspraktiken lassen zugunsten von Zusammenhalt und Stabilität keine Differenzierung zu, abweichendes Verhalten wird streng geahndet.
https://taz.de/Die-Verbindung-zwischen-laendlicher-Idylle-und-Anti-Feminismus/!6102813/
Eine m.E. überzeugende Verknüpfung von Regionalpopulismus und Zeitlichkeit las ich zuletzt bei Philipp Rhein in: “Rechte Zeitverhältnisse. Eine soziologische Analyse von Endzeitvorstellungen im Rechtspopulismus”, campus 2023.
Eine Verknüpfung dieser Erkenntnisse versuchte ich u.a. im Begriff der fossilen Altherren-Regime, in denen – wie aktuell etwa im Iran, in Russland und China – Frauen und generell junge Menschen nur noch in dienenden Rollen vorkommen und Lebenschancen wie auch die Demografie gerade auch der jungen Generationen für kurzfristige Profite und Machtgewinne geopfert werden.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/russland-china-iran-et-al-nationalistische-altherren-wasser-regime/
Ob und wo es dagegen gelingen kann, auch weiterhin dynamische Solarpunk-Arche-Regionen zu etablieren, halte ich für eine noch offene Frage. So ist es bislang leider nur streng und patriarchal-religiösen Gruppen wie den Old Order Amish gelungen, auf demografischem Wachstumskurs zu bleiben:
https://www.youtube.com/watch?v=XU0XxwkFTLQ
Auch eine Stabilisierung säkularer Geburtenraten etwa um die 1,8 Kinder pro Frau kann ich auch international derzeit nicht erkennen. Und immer größere Siedlungsgebiete der Menschheit fallen derzeit nach meiner Beobachtung in die (meist auch noch fossilistische) Altherren-Reaktanz. Die Gesamtlage ist also nicht hofffnungslos, aber ernst. Fürchte ich.
Vielen Dank für Ihre Antwort.
Es hat in der Geschichte immer wieder Zeiten gegeben, in denen der Gegensatz zwischen Stadt und Land stärker zutage trat als in anderen. Wirtschaftliche Gründe dürften hier m.E. mitbestimmend gewesen sein.
Was mich besonders betroffen macht, ist die Diskussion um die Boomer und die Art und Weise wie sie geführt wird. Manche sind offenbar auch hier nicht bereit zu einer Differenzierung! Ja, meine Generation hat viele Fehler gemacht. Aber dies allen sog. Boomern zu unterstellen, ist dann doch sehr gewagt. Nicht alle, die jetzt in Rente gehen, wollen “nur” ihre Rente genießen. Genuß = Konsum. Haben sich nicht auch Boomer für die Grünen engagiert?
Ich meine, wir schaffen wieder dieses “wir” gegen “die”, wenn wir alle Boomer/Rentner/ältere Menschen über einen Kamm scheren!!! Von den Rentnern und Rentnerinnen, die gerade so über die Runden kommen oder gar auf staatliche Aufstockung angewiesen sind, ist leider nur selten die Rede.
Seit Jahren wähle ich eher gegen meine – meiner Generation – unterstellten Interessen. Lebensleistung darf nicht nur nach dem Anhäufen von Reichtum bemessen werden – meine ich. Kinder zu erziehen, Angehörige zu pflegen – auch das ist Teil einer Lebensleistung. Damit bleibt aber letztlich weniger, was es im Rentenalter zu verbrauchen gibt.
Manchmal zeigt sich das Trennende auch hier in den Drukos. Aber ich unterstelle der jüngeren Generation beispielsweise NICHT, dass sie faul sei oder nichts leisten wolle – ganz im Gegenteil.
Wer vor allem von jungen Frauen fordert, dass sie mehr arbeiten sollten, müsste dann auch adäquate Kinderbetreuung anbieten. Davon sind wir jedoch weit entfernt.
Es war im Podcast auch die Rede davon, dass junge Leute in den Parteien nur dann eine Chance hätten, wenn sie sich der Meinung der älteren Mitglieder anschließen würden. Heute sind wir doch an einem Punkt, wo wir uns bei manchen Parteien fragen müssen, ob Frauen noch eine Chance haben. Nur weil es eben Frauen sind.
Fazit: Schluss mit dem Gegeneinander! Denn die Konsequenz daraus zeigt sich in dem Wunsch vieler Menschen nach mehr “Führung”. Bis hin zur Ablehnung der Demokratie.
Herzlichen Dank, @Marie H. – und auch inhaltlich volle Zustimmung!
Wenn wir es nicht schaffen, auch die Entsolidarisierung von Alt und Jung durch dialogischen Monismus zu stoppen, dann verstärken wir auch an dieser Stelle die Parteien-Konkurrenzdemokratie und den zerspaltenden, feindseligen Dualismus!
In Ihren – nach meiner Einschätzung sehr treffenden – Worten: “Schluss mit dem Gegeneinander! Denn die Konsequenz daraus zeigt sich in dem Wunsch vieler Menschen nach mehr “Führung”. Bis hin zur Ablehnung der Demokratie.”
Genau so sehe ich das auch, @Marie H.! 🙌👍
Dass eben nicht nur Rechte die Klimakrise verleugnen, sondern auch Linke die Demografie, musste gerade auch die Co-Vorsitzende der Linkspartei, Ines Schwerdtner erfahren:
Die Linken-Co-Vorsitzende Ines Schwerdtner korrigiert ihre Aussage zum Renteneintrittsalter. Nachdem sie im ZDF unlängst eine moderate Erhöhung des Renteneintrittsalters unter bestimmten Bedingungen für diskutabel gehalten hatte, sagte sie nun der “Rheinischen Post”: “Das war ein Fehler, sehr früh morgens, in einem Halbsatz. Um es deutlich zu sagen: Alle Attacken auf das Rentenalter sind vollkommen falsch.”
https://www.n-tv.de/politik/Linken-Chefin-Ines-Schwerdtner-nimmt-Aussage-zum-Renteneintrittsalter-zurueck-Fehler-sehr-frueh-morgens-in-einem-Halbsatz-article25968832.html
Und es sind ja nicht “nur” die schnell steigenden Steuerzahlungen für Renten, Pensionen, Gesundheit und Pflege. Dringend notwendige Investitionen werden mit einer massiven Schuldenaufnahme finanziert – deren Folgen vor allem die heute jungen Generationen zu tragen haben.
Gleichzeitig bemerkt die Co-Vorsitzende der Grünen, Franziska Brantner im Gespräch mit der ZEIT vom 14. August 2025 auf S. 9 zu Recht:
“Wir haben beim Thema Vermögen ein Problem, auch in Deutschland. Die großen Milliardenvermögen werden überwiegend vererbt, das hat mit Leistungsgerechtigkeit in vielen Fällen nichts mehr zu tun, wir befinden uns auf dem Weg in eine Erbengesellschaft.”
Und schließlich wissen Sie ja, dass ich meinen Wehrdienst bei der Bundeswehr freiwillig verlängert und zuletzt auch einer meiner Söhne ein freiwilliges Dienstjahr für unsere Parlamentsarmee geleistet hat. Wir stehen zu unserer Bundeswehr! Gleichwohl finde ich es fatal, dass große Teile der älteren Generation (nicht alle!) einerseits an fossilen Gewaltenergien Erdöl und Erdgas festhalten, andererseits aber unsere junge Generation in die Wehrpflicht gegen unsere fossil finanzierten Feinde wie Russland zwingen wollen!
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/fossilismus-oder-frieden-die-debatten-um-wehrdienst-und-gaskraftwerke/
In der Summe kann ich also – gerade auch als Familienvater von drei Kindern – nur davor warnen, dass wir von der Klimakrise über Steuern und Schulden bis zur Wehrpflicht immer mehr Lasten auf immer weniger junge Menschen externalisieren. Das kann und wird auf Dauer nicht gut gehen.
So sehen wir ja auch am Beispiel Japan, dass hier Inan Ince angesprochen hatte: Demografisch implodierende Gesellschaften tendieren zum Rechtsdualismus, Rassismus und Antifeminismus. Hier auf dem Blog waren die demografische Traditionalismusfalle und der frauenfeindliche Rechtspopulismus am Beispiel Südkorea Thema:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-deep-state-verschwoerungsmythos-fossilismus-und-verfassungskrise-in-suedkorea/
Es gilt m.E., den gemeinsamen (!) Gefahren wissenschaftlich und damit auch mutig ins Auge zu sehen…
Zum Historizismus musste ich noch einmal nachlesen.
Mir kam dabei der Gedanke an Golo Mann, der die Frage nach dem Wollen gestellt hat. Ihm war nicht entscheidend, ob “es” wieder passieren KANN, sondern ob wir WOLLEN, dass “es” wieder passiert. Unter “es” ist nach meinem Verständnis die Zerstörung der Demokratie und als Folge davon, der Weg in eine Diktatur gemeint.
Betrachtet man die heutige Situation, dann wollen nach meiner Einschätzung nur sehr wenige Menschen, dass “es” erneut geschieht.
Für die meisten von uns steht die AfD als Synonym für Diktatur. Dennoch sind die Umfragewerte für diese Partei erschreckend hoch.
Ich stimme Popper zu, dass sich Geschichte nicht vorausberechnen lässt; bin aber auch bei Golo Mann und seiner Frage nach dem Wollen.
Imho wird darüber zu wenig philosophiert. Denn wo liegt der Kipppunkt? Die Demokratie zu wollen, aber für die Diktatur zu wählen. Anders gesagt: Ab wann wird die Diktatur bewusst in Kauf genommen, also “es” wieder gewollt?
Herzlichen Dank, @Marie H. – Ihre Kommentare bringen “Natur des Glaubens” buchstäblich mitbloggend weiter!
“Zum Historizismus musste ich noch einmal nachlesen.”
Danke, das ist wirklich ein wichtiger Hinweis: Philosophische Fachbegriffe sind kaum im Alltag präsent und entwickeln ja zudem auch neue Bedeutungen. Habe daher gerade Felo.ai um eine Erläuterung des Historizismus – Begriffes gebeten.
### **Karl Popper**
Karl Popper kritisierte den Historizismus in seinem Werk *Das Elend des Historizismus* (1944, überarbeitet 1957). Seine Hauptkritikpunkte waren:
– **Determinismus historischer Entwicklungen**: Popper lehnte die Idee ab, dass es universelle Gesetze oder Gesetzmäßigkeiten gibt, die die Entwicklung der Geschichte vorhersagen können. Er bezeichnete diese Annahme als „historizistisch“ und sah darin eine Gefahr, da sie zu totalitären Ideologien führen könne, die versuchen, diese vermeintlichen Gesetze umzusetzen[3][4][12].
– **Vernachlässigung individueller Handlungsfreiheit**: Der Historizismus neigt dazu, die Rolle des Individuums in der Geschichte zu unterschätzen und stattdessen kollektive oder strukturelle Entwicklungen zu betonen. Dies widerspricht Poppers Konzept der offenen Gesellschaft, die auf individueller Freiheit und kritischem Rationalismus basiert[6][14].
– **Gefahr für die Demokratie**: Popper warnte, dass der Historizismus politische Systeme in Richtung Totalitarismus lenken könnte, da er oft mit der Vorstellung einhergeht, dass eine Elite die „Gesetze der Geschichte“ versteht und daher das Recht hat, diese umzusetzen[4][9].
### **Michael Blume**
Auch Michael Blume, ein Religions- und Politikwissenschaftler, betrachtet den Historizismus ebenfalls kritisch, insbesondere in Bezug auf moderne Medien und gesellschaftliche Entwicklungen:
– **Gefahr durch mediale Umbrüche**: Blume hebt hervor, dass der Historizismus durch technologische und mediale Veränderungen (z. B. Buchdruck, Digitalisierung) verstärkt werden kann. Diese Umbrüche könnten dualistische oder deterministische Weltbilder fördern, die die Komplexität der Realität vereinfachen und so zu ideologischen Verengungen führen[19].
– **Vereinfachung komplexer Zusammenhänge**: Blume warnt davor, dass der Historizismus dazu neigt, komplexe historische und gesellschaftliche Prozesse zu stark zu vereinfachen, was zu Fehlinterpretationen und potenziell gefährlichen politischen Entscheidungen führen kann[7][19].
– **Neue Medien und Ideologien**: In seinen Analysen betont Blume, dass der Historizismus in Verbindung mit neuen Medien eine Plattform für ideologische Bewegungen bieten kann, die einfache Lösungen für komplexe Probleme propagieren[2][8].
### **Gemeinsame Gefahren**
Sowohl Popper als auch Blume sehen im Historizismus eine Gefahr für die Freiheit und die Vielfalt menschlicher Gesellschaften. Während Popper den Fokus auf die philosophischen und politischen Implikationen legt, betont Blume die Rolle moderner Medien und deren Einfluss auf die Verbreitung historizistischer Ideen. Beide warnen vor der Reduktion der menschlichen Geschichte auf vermeintliche Gesetzmäßigkeiten, die die individuelle Freiheit und die demokratische Ordnung gefährden könnten.
[1] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-35-humankapital-oder-bildung/
[2] https://open.spotify.com/track/6HyMrLX7sUMmgY1JpVPZ4N
[3] https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/archiv/536009/historizismus-geschichtswissenschaft-und-totalitaere-ideologie/
[4] https://www.zvab.com/buch-suchen/titel/das-elend-des-historizismus/autor/popper/
[5] https://en.wikipedia.org/wiki/The_Poverty_of_Historicism
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Popper
[7] https://verschwoerungsfragen.podigee.io/42-die-jerusalem-apokalypsen-wie-historizismus-leiden-schafft
[8] https://guestpectacular.com/artists/michael-blume/songs-never-played-live
[9] https://www.researchgate.net/publication/332981187_Karl_Poppers_Kritik_an_Platons_totalitarer_Staatstheorie
[10] https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1524/9783486717747.257/html?lang=en&srsltid=AfmBOop0gJ-kMG-yopIDl5zuwQKt2Aejc-R8F26WhldfktWAR992aikg
[11] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-dialog-zu-karl-popper-dem-kritischen-rationalismus-liberalismus/
[12] https://www.ebay.com/itm/388574860296
[13] https://plato.stanford.edu/entries/social-ontology/
[14] https://de.wikipedia.org/wiki/Die_offene_Gesellschaft_und_ihre_Feinde
[15] https://open.spotify.com/album/7gs2bLVFHbrenTC3vhZgvd
[16] https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Blume
[17] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/zerfaellt-die-fossile-achse-hoffnung-nicht-nur-fuer-syrien/
[18] https://share.snipd.com/chapter/99e0426a-1e6c-4be4-b20a-56c17e7dcadb
[19] https://www.eulenfisch.de/literatur/blog/rezension/michael-blume-rueckzug-oder-kreuzzug/
[20] https://historyandtheory.org/volumes2630/volume28
[21] https://www.amazon.de/R%C3%BCckzug-oder-Kreuzzug-Christentums-Fundamentalismus/dp/384361332X
[22] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-39-gebirge-demokratie-und-die-gefahr-des-faschismus/
[23] https://www.researchgate.net/publication/311406663_Die_offene_Gesellschaft_und_ihre_Feinde_-_Eine_gerechte_Platonkritik_-
[24] https://www.thewashingtonoutsider.com/scoop-interview-with-michael-blume/
[25] https://www.reddit.com/r/suggestmeabook/comments/m1ly07/what_nonfiction_book_seems_like_it_would_be/
[26] https://philarchive.org/archive/KEUBAHv1
[27] https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/00905917241288497
[28] https://plato.stanford.edu/entries/economics/
[29] https://link.springer.com/article/10.1007/s11127-011-9858-z
Lange dachte ich über Ihre m.E. zutreffende Beschreibung der Gefahr nach:
“Mir kam dabei der Gedanke an Golo Mann, der die Frage nach dem Wollen gestellt hat. Ihm war nicht entscheidend, ob “es” wieder passieren KANN, sondern ob wir WOLLEN, dass “es” wieder passiert. Unter “es” ist nach meinem Verständnis die Zerstörung der Demokratie und als Folge davon, der Weg in eine Diktatur gemeint.”
Ja, wenn wir mit starken Argumenten annehmen, dass Menschen auch Grade an Willensfreiheit haben, dann geht damit keine Sicherheit, sondern eine Verantwortung einher. Weltweit WOLLEN immer mehr Menschen die liberalen Demokratien zerstören und durch rechtsdualistische Thymokratien ersetzen. So hatte ich ja auch gegenüber @Mussi betont, dass in der alten US-Republik Donald Trump nicht nur gewählt, sondern – nach einer Wahlniederlage und einem blutigen Putschversuch – sogar wiedergewählt wurde! Derzeit droht er die völkerrechtlichen Grenzen der Ukraine dem fossilen Bündnis mit Wladimir Putin zu opfern. Was im “Erfolgsfall” auch die Situation für Gaza und Taiwan drastisch verschlechtern dürfte. Nicht nur liberale Demokratien, sondern auch das nach dem 2. Weltkrieg entworfene Völkerrecht stehen am Rande des Zusammenbruchs.
Als Kern von Poppers evolutionärer Erkenntnistheorie gilt der Satz und Buchtitel “Alles Leben ist Problemlösen.”
Und hier komme ich immer stärker zur Betrachtung der Grundfrage: Wessen Probleme werden gelöst, welche nicht? Die gesellschaftliche Entsolidarisierung, aber auch etwa das Scheitern des internationalen Plastik-Abkommens in Genf machen doch deutlich, dass wir Menschen auch durch die digitalen Medien nicht einmal mehr grundlegende Probleme gemeinsam erfassen – geschweige denn lösen.
https://www.youtube.com/shorts/hhClMhDNbgw
Gleichwohl sehe ich aber auch ermutigende Entwicklungen wie den internationalen und interkulturellen Erfolg des Filmes KPop Demon Hunters um drei südkoreanisch-amerikanische Heldinnen:
https://www.youtube.com/shorts/VsMCHvjqdno
Mir scheint, es entsteht auch kulturell etwas Neues, das nicht zufällig mit Licht versus Feuer und mit einem Regenbogen-Honmoon statt “nur” eines goldenen verbunden ist.
In Ihrem vorletzten Kommentar gaben Sie mir zu Denken mit:
“Seit Jahren wähle ich eher gegen meine – meiner Generation – unterstellten Interessen. Lebensleistung darf nicht nur nach dem Anhäufen von Reichtum bemessen werden – meine ich. Kinder zu erziehen, Angehörige zu pflegen – auch das ist Teil einer Lebensleistung. Damit bleibt aber letztlich weniger, was es im Rentenalter zu verbrauchen gibt.”
Und genau hier, im Begriff der Interessen meine ich den Schlüssel zu einer evolutionären Erkenntnistheorie nach (!) Popper zu sehen.
Während im Deutschen der Begriff “Interesse” in Richtung “Neigung” wie auch “Gewinnabsicht” geht, bezeichnen die englischen “interest rates” und französischen “Intérêts” darüber hinaus den Zinssatz, die Rendite.
Darüber denke ich gerade viel nach und möchte es gerne auch interdisziplinär mit Inan Ince erkunden…
@Falsifikation
Geht es in der Geschichtsphilosophie letztlich nicht um ungenaue Erkenntnisse, die nicht tragen, um Zukunft zu beschreiben und sie wirklich zuverlässig zu verändern?
Generell können Erkenntnisse ungenau und schwer einschätzbar sein. In der Psychologie sieht es nicht besser aus. Was wird da denn wirklich versucht zu falsifizieren, man schafft es ja in der Regel nicht leicht, Studien überhaupt zu replizieren.
Das bleibt dann eben alles ungenau, es bleibt nichts anderes übrig als ganz bewusst zu improvisieren. Wie im Alltag und im persönlichem Sozialleben sowieso.
Nichts gegen wissenschaftliche Erkenntnisse, aber die gibt es eben in der von Popper geforderten Qualität in vielen Bereichen einfach nicht so viele. Was sich wissenschaftlich nennen will freilich, das sollte die Falsifizierbarkeit einschließen.
Aber wir können nicht das Handeln einstellen, wenn uns keine wissenschaftliche Evidenz wirklich weiterhelfen kann. Wir müssen uns oft irgendwie verhalten, und wissen echt nicht wirklich, wo wir da hinein geraten sind. Man muss dann erstmal lernen, was überhaupt funktioniert.
Natürlich gibt es aber Grundfragen, die dann doch einschätzbar sind. Den Sinn und Zweck der Energiewende wie auch eine Außenpolitik, die den Frieden nach Kräften sucht etwa. Aber eine sichere Prognose, was jetzt wirklich passiert, wie die Dinge von einem zum Anderen sich wirklich entwickeln, das ist schwierig einzuschätzen und was wirklich passiert überrascht öfter so ziemlich alle.
Wer hätte 1988 gedacht, dass sich der Sozialismus einfach selber abschafft, und Deutschland völlig friedlich wiedervereinigt wird?
Arbeiten wir also dann auch an und mit den neuen Medien, das wird vermutlich eine relevante Baustelle bleiben. Und gucken wir, was wir dennoch an brauchbarer Erkenntnis finden können. Auch wenn wir nicht zum Herrscher der Zukunft aufsteigen können, sondern froh sein können, wenn es irgendwie vernünftig für uns weiter geht.
Die Dialoge bewegen dann doch. Und die Vernunft darf gerne konvergieren, auch wenn es noch ein paar Anläufe mehr dafür braucht.
Danke für die Nachfragen, @Tobias 🙏
“Geht es in der Geschichtsphilosophie letztlich nicht um ungenaue Erkenntnisse, die nicht tragen, um Zukunft zu beschreiben und sie wirklich zuverlässig zu verändern?”
Nein, im Gegenteil: Indem etwa die Demokratie in Norwegen die Gefahren von Ressourcenfluch und Rentierstaatlichkeit wissenschaftlich erfasste, konnte es diese vermeiden!
https://de.wikipedia.org/wiki/Staatlicher_Pensionsfonds_(Norwegen)
Ebenso konnte ich mit Bezug auf die internationale Politikwissenschaft davor warnen, dass ein politischer Rechtsruck nirgendwo (!) jemals konservative, bürgerliche oder gar christdemokratische Parteien stabilisiert hat. Heute die Frankfurter Rundschau dazu so:
Merz erklärte 2018, er traue sich zu, die Wählerstimmen der AfD zu halbieren. Heute zeigt sich, dass dies zumindest laut aktuellem Stand nicht zu gelingen scheint. Auch mit einer zunehmend restriktiven Migrationspolitik, in deren Zuge Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) die deutschen Außengrenzen für Geflüchtete weitgehend schließen ließ, zeigt wenig Wirkung. Gleiches Bild beim gekippten Familiennachzug für subsidiär Schutzbedürftige oder der Abschaffung der Turbo-Einbürgerung der abgelösten Ampel-Regierung.
Nimmt man Söders Plan, mit „guter Politik“ die Bürgerinnen und Bürger von der Wahl der AfD abzubringen, muss man feststellen, dass trotz strengerer Migrationsregeln die Bewertung der neuen Koalition ernüchternd ausfällt. Auch, dass Merz im ARD-Sommerinterview betonte, dass die Regierung alle geplanten Vorhaben umgesetzt habe, scheint nicht zu überzeugen. Denn laut einer Umfrage des ZDF geben nur 32 Prozent der Befragten an, mit der aktuellen Regierung zufrieden zu sein.
https://www.fr.de/politik/die-afd-holt-in-umfragen-auf-scheitert-merz-im-kampf-gegen-rechts-zr-93886352.html
“Generell können Erkenntnisse ungenau und schwer einschätzbar sein. In der Psychologie sieht es nicht besser aus. Was wird da denn wirklich versucht zu falsifizieren, man schafft es ja in der Regel nicht leicht, Studien überhaupt zu replizieren.”
Aus meiner Sicht ist diese von Dir beobachtete “Ungenauigkeit” eine Funktion von Emergenz: Wir können problemlos eine Kometenbahn auf Jahrtausende berechnen, weil wir dafür nur physikalische Faktoren berechnen müssen. Eine demokratische Parlamentswahl ist dagegen von Hunderten sich ständig verändernden Faktoren – von der Wirtschaft bis zum Wetter – abhängig und entsprechend schwer zu prognostizieren.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/harte-vs-weiche-wissenschaften-warum-die-blogosph-re-emergenz-verstehen-sollte/
Gleichwohl ist diese Emergenz ja nicht nur Ärgernis, sondern ermöglicht auch Eingreifen, Freiheit. Erkenntnistheoretisch gilt nach dem kritischen Rationalismus: Wir können niemals alles, aber durch Wissenschaft doch immer mehr wissen. Und kluge KI-Anwendungen können uns schon jetzt helfen, das Medienmengen-Paradox zu bewältigen.
@Michael 17.08. 12:54
„…das hat mit Leistungsgerechtigkeit in vielen Fällen nichts mehr zu tun, wir befinden uns auf dem Weg in eine Erbengesellschaft.“
Da sind dann nun auch Potentiale Einnahmen zu generieren wie auch bereits gemachte Schulden abzubezahlen. Die Staatsschulden sind doch sowieso Buchungsgeld, dass derzeit den Vermögenden gehört. Das kann man mit entsprechenden Steuern abbauen, ohne dass das die Realwirtschaft wirklich beeinträchtigt.
Das wäre doch ein Lichtblick?
„…dass wir von der Klimakrise über Steuern und Schulden bis zur Wehrpflicht immer mehr Lasten auf immer weniger junge Menschen externalisieren. Das kann und wird auf Dauer nicht gut gehen.“
Die weitere KI-Revolution dürfte die jungen Menschen spürbar entlasten. Insbesondere Arbeitsplatzeinsparungen in den öffentlichen Verwaltungen, im Gesundheitsbereich, der Altenpflege sowie in Kitas und Schulen entlastet doch deutlich. Das spart erhebliche gemeinschaftliche Mittel ein, und entlastet Menschen von Arbeit und Einzahlungen in die entsprechenden Systeme.
Wir können das sogar noch fördern, wenn wir ganz bewusst Einsparungen durch KI nicht mit erweitertem Aufwand wieder ausgleichen.
Das wäre noch ein Lichtblick?
Mit entspannteren Verhältnissen bei den öffentlichen Kassen und auf dem Arbeitsmarkt dürfte auch mehr Kindersegen einfacher werden. Zumal die meisten noch vor 10 Jahren den globalen Kindermangel eher begrüßt haben, angesichts von begrenzten globalen Ressourcen. Da bewegt sich inzwischen was. Da müssen nun noch Taten folgen, und Kinder Erziehen sollte auch als Leistung für die Gemeinschaft anerkannt werden, und entsprechend honoriert und unterstützt werden.
Ob das wirklich hilft, weiß ich jetzt aber auch wieder nicht. Das müsste mal ein Land ausprobieren, ob das denn überhaupt möglich ist. Die Frauen entscheiden selber, und wenn die sich weiterhin mehrheitlich mehr um ihr Berufsleben kümmern wollen, wird das schwieriger. Mehr Kitas und andere Maßnahmen werden helfen, aber vielleicht nicht reichen.
Religiosität ist freilich ein klarer Faktor für Kinderreichtum. Das lässt sich aber nicht verordnen, vermutlich noch nicht mal fördern. Und ich würde es auch nicht wollen. Das muss einfach anders gehen.
Wenn es dann aber klappt, dann haben wir noch eine Lichtblick.
Zusammen haben wir dann das Geld, die Arbeitskräfte und den Nachwuchs. Für ein lebenswertes Leben inmitten von florierenden ökologischen Systemen.
Vielen Dank, lieber @Tobias 🙌
Die freundliche Zuversicht ist auch deswegen sehr willkommen, weil u.a. @Bernd gerade wieder versucht, das strategische Versagen des Fossilismus heutigen Solarpunks anzulasten. Externalisierung von Verantwortung liegt bei vielen einfach zu nahe. 🙂
Auch ich gebe die Hoffnung selbstverständlich nicht auf, wobei Inan Ince ja auch auf bislang leider ernüchternde Erfahrungen im säkularen und hochtechnisierten Japan u.a. mit der rechtspopulistischen Sanseito-Partei hingewiesen hat. Diese griff bereits 2022 – in einem Land praktisch ohne jüdische Gemeinden! – auf antisemitische Verschwörungsmythen zurück!
https://www.dw.com/en/what-is-behind-the-rise-of-the-japanese-first-far-right/a-73367700
Ich habe die japanische KI Felo.ai mal gebeten, uns den Zusammenhang zwischen demografischer Alterung und politischem Rechtsruck am Beispiel Japan zu erläutern:
## Zusammenhang zwischen demografischer Alterung und politischem Rechtsruck am Beispiel Japan
Die demografische Alterung in Japan und der politische Rechtsruck sind eng miteinander verknüpft. Japan ist weltweit führend in der Überalterung der Bevölkerung: Bereits 29,3 % der Bevölkerung sind über 65 Jahre alt, und dieser Anteil wird bis 2050 voraussichtlich auf 36 % steigen[32][43]. Diese demografische Entwicklung hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Politik des Landes.
### **Demografische Alterung und ihre Auswirkungen**
1. **”Silver Democracy”**: Die ältere Bevölkerung hat einen überproportionalen Einfluss auf die Politik, da sie nicht nur zahlenmäßig überlegen ist, sondern auch eine höhere Wahlbeteiligung aufweist. Bei der Wahl 2021 lag die Wahlbeteiligung der über 60-Jährigen bei 71,5 %, während sie bei den unter 30-Jährigen nur 36,5 % betrug[2]. Dies führt dazu, dass politische Entscheidungen zunehmend die Interessen der älteren Generation widerspiegeln.
2. **Wirtschaftliche Herausforderungen**: Die Alterung der Bevölkerung belastet die öffentlichen Finanzen durch steigende Ausgaben für Renten und Gesundheitsversorgung, während die Steuerbasis schrumpft[6][42]. Dies hat soziale Spannungen verstärkt, insbesondere zwischen den Generationen und sozialen Klassen.
3. **Arbeitskräftemangel**: Der Rückgang der jungen Bevölkerung und die geringe Geburtenrate haben zu einem Arbeitskräftemangel geführt, der die wirtschaftliche Dynamik des Landes beeinträchtigt[22][37].
### **Politischer Rechtsruck**
1. **Populismus und Nationalismus**: Parteien wie die rechtspopulistische Sanseito nutzen die sozialen und wirtschaftlichen Spannungen, die durch die demografische Alterung verstärkt werden, um ihre Agenda voranzutreiben. Mit Slogans wie „Japan First“ und einer Anti-Ausländer-Politik sprechen sie gezielt ältere Wähler an, die oft konservativere Werte vertreten und Veränderungen skeptisch gegenüberstehen[3][27].
2. **Angst vor dem Verlust kultureller Identität**: Die Überalterung und der Rückgang der jungen Bevölkerung haben bei vielen Japanern die Sorge ausgelöst, dass die nationale Identität durch Globalisierung und Migration bedroht wird. Rechtspopulistische Parteien greifen diese Ängste auf und propagieren eine Rückkehr zu traditionellen Werten[19][27].
3. **Wahlverhalten der Jugend**: Obwohl die jüngere Generation politisch weniger aktiv ist, zeigt sich bei denjenigen, die wählen, eine zunehmende Unterstützung für rechtspopulistische Parteien. Dies könnte auf eine Frustration über die stagnierende Wirtschaft und die mangelnde politische Repräsentation ihrer Interessen zurückzuführen sein[9][25].
### **Zusammenfassende Analyse**
Die demografische Alterung hat die politische Landschaft Japans erheblich verändert. Ältere Wähler dominieren die Wahlen und bevorzugen oft konservative oder rechtspopulistische Parteien, die ihre Werte und Interessen vertreten. Gleichzeitig nutzen diese Parteien die sozialen und wirtschaftlichen Spannungen, die durch die Alterung und den Arbeitskräftemangel entstehen, um ihre Position zu stärken. Der Rechtsruck in Japan ist somit sowohl eine Folge der demografischen Entwicklung als auch ein Ausdruck der gesellschaftlichen Unsicherheiten, die diese mit sich bringt.
[1] https://www.japandigest.de/aktuelles/politik/rechtsruck-in-japan-konservatismus-nationalismus/
[2] https://www.nippon.com/en/in-depth/a09903/
[3] https://www.bbc.com/news/articles/cx2k29233jeo
[4] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7731274/
[5] https://www.kettner-edelmetalle.de/news/japans-rechtsruck-wenn-japan-first-plotzlich-mehrheitsfahig-wird-20-07-2025
[6] https://www.imf.org/en/News/Articles/2020/02/10/na021020-japan-demographic-shift-opens-door-to-reforms
[7] https://www.eurotopics.net/de/342322/oberhauswahlen-in-japan-rechtsruck-mit-kreml-hilfe
[8] https://www.sueddeutsche.de/politik/japan-wahl-ishiba-regierungskrise-rechtsextremismus-li.3277712
[9] https://www.nytimes.com/2025/07/21/world/asia/japan-election-analysis.html
[10] https://www.dw.com/de/tokio-vor-wahl-oberhaus-japan-komeito-ldj-problem-rechtspopulismus-rechte-parteien-sanseito-ldp-cpj/a-73322927
[11] https://apjjf.org/2025/7/schafer
[12] https://www.dijtokyo.org/de/project/herausforderungen-des-demographischen-wandels/
[13] https://www.reddit.com/r/Tokyo/comments/1aub60y/why_does_japan_get_a_pass_for_being_extremely/
[14] https://www.nzz.ch/international/japaner-zuerst-die-rechtsnationale-sanseito-partei-bringt-die-regierung-in-die-bredouille-ld.1894441
[15] https://digitalcommons.memphis.edu/cgi/viewcontent.cgi?params=/context/honors_theses/article/1052/type/native/&path_info=
[16] https://www.auswaertiges-amt.de/de/service/laender/japan-node/politisches-portraet-213120
[17] https://nippon-info.de/landeskunde/gesellschaft/ueberalterung-japans/
[18] https://www.gmfus.org/news/japan-also-turns-right
[19] https://taz.de/Wachsender-Rechtspopulismus-in-Japan/!6098674/
[20] https://www.dw.com/de/oberhauswahl-japan-erfolg-rechtspopulistische-parteien-minderheitsregierung-premier-shigeru-ishiba/a-73345972
[21] https://en.wikipedia.org/wiki/Aging_of_Japan
[22] https://sumikai.com/nachrichten-aus-japan/japans-arbeitskraeftemangel-demografie-reformen-und-alltag-im-wandel-358247/
[23] https://www.derstandard.at/story/3000000280267/gegen-auslaender-feminismus-und-globalisten-auch-in-japan-steigen-die-rechtspopulisten-auf
[24] https://www.spektrum.de/news/demografie-japan-schrumpft-und-erfindet-sich-neu/2204188
[25] https://theconversation.com/young-japanese-voters-embrace-right-wing-populist-parties-leaving-the-prime-minister-on-the-brink-261673
[26] https://www.researchgate.net/publication/242521526_Arbeitsmigration_nach_Japan_Rechtliche_Rahmenbedingungen_politischer_Diskurs
[27] https://www.bbc.com/news/articles/cly80nnjnv5o
[28] https://www.apb-tutzing.de/news/2024-12-27/japan-demokratie-zivilgesellschaft-demographischer-wandel
[29] https://www.aarpinternational.org/initiatives/aging-readiness-competitiveness-arc/japan
[30] https://en.wikipedia.org/wiki/Liberal_Democratic_Party_(Japan)
[31] https://carnegieendowment.org/research/2024/10/japans-aging-society-as-a-technological-opportunity?lang=en
[32] https://www.aljazeera.com/economy/2024/9/16/japans-elderly-population-rises-to-record-36-25-million
[33] https://www.atlanticcouncil.org/in-depth-research-reports/books/demography-and-geopolitics-put-japans-strength-to-the-test/
[34] https://pacforum.org/publications/yl-blog-148-japan-first-the-recent-rise-of-the-far-right-in-japan-and-the-future-of-japanese-politics/
[35] https://www.asianstudies.org/publications/eaa/archives/japanese-millennials-and-politics-an-introduction/
[36] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/165976/umfrage/altersstruktur-in-japan/
[37] https://de.wikipedia.org/wiki/Demografie_Japans
[38] https://www.gtai.de/de/trade/japan/wirtschaftsumfeld/demografie-ist-bewaehrungsprobe-fuer-die-japanische-wirtschaft-955210
[39] https://www.flossbachvonstorch-researchinstitute.com/de/studien/detail/japan-lehren-aus-einer-schrumpfenden-und-alternden-gesellschaft
[40] https://www.swr.de/swrkultur/wissen/arbeit-bis-ins-hohe-alter-wie-japan-auf-die-demografische-wende-reagiert-104.html
[41] https://geohilfe.de/wie-japan-den-demographischen-wandel-meistert/
[42] https://www.weforum.org/stories/2023/09/elderly-oldest-population-world-japan/
[43] https://www.cnbc.com/2024/09/18/japan-faces-demographic-crisis-as-elderly-count-hits-record-high-.html
[44] https://www.visualcapitalist.com/japans-aging-problem-in-one-chart/
[45] https://www.asahi.com/ajw/articles/15428637
[46] https://www.zjapanr.de/index.php/zjapanr/article/view/749/775
@Michael 17.08. 14:46
„Denn laut einer Umfrage des ZDF geben nur 32 Prozent der Befragten an, mit der aktuellen Regierung zufrieden zu sein.“
Der Ukrainekrieg geht weiter, und eine Entlastung auf dem Wohnungsmarkt in den meisten großen Städten durch deutlich weniger Einwanderer ist nicht erreicht. Das sind nun mal Fakten, die weiter unzufrieden machen können. Und eine vernünftige Integration insbesondere der 2. Generation muslimischer Einwanderer bleibt weiterhin schwierig, solange die in den Schulen in den Brennpunktstadtteilen so ziemlich unter sich sind.
„Eine demokratische Parlamentswahl ist dagegen von Hunderten sich ständig verändernden Faktoren – von der Wirtschaft bis zum Wetter – abhängig und entsprechend schwer zu prognostizieren.“
Klar sind das die Schwierigkeiten, die uns zwingen, zu improvisieren.
„Gleichwohl ist diese Emergenz ja nicht nur Ärgernis, sondern ermöglicht auch Eingreifen, Freiheit.“
Natürlich, da habe ich ja auch meine Hoffnungen. Ein entschiedener Wille, der weiß, wo er wirklich hin will, der kann dennoch wirksam sein. Und es gibt natürlich Fakten wie die Ressourcenfluchtheorie, mit denen man auch wirklich arbeiten kann. Aber eben auch genug Unsicherheiten, wie etwa einen Trump, der meint mit Zöllen alle Probleme lösen zu können.
Wenn man nur einen Hammer hat, sieht jedes Problem wie ein Nagel aus?
Lieben Dank, @Tobias
“Wenn man nur einen Hammer hat, sieht jedes Problem wie ein Nagel aus?”
Genau deswegen plädiere ich nie für nur einen Hammer, sondern stets für einen interdisziplinären Werkzeugkasten! 🙂
Denken wir doch nur an die beklagenswerten X-er, die immer noch auf der kaputten Plattform des antisemitischen Iran-Sympathisanten Elon Musk herumhängen! Viele von denen glauben wirklich, dass sie die Grok-KI aka “MechaHitler” weiter füttern “müssten”, weil sie “nur so Reichweite” erzielen würden. Erbärmlich.
https://www.golem.de/news/ki-chatbot-grok-mechahitler-kostet-musk-millionenauftrag-2508-199205.html
Habe mich ja schon vor Monaten von dieser toxischen Plattform zurückgezogen und vor einiger Zeit auch meinen X-Account gelöscht.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/raus-aus-der-thymotischen-empoerungssucht-erfahrungsberichte-nach-dem-x-odus-asm-abschieden/
Die Leute, die da noch rumhängen, brauchen mir von “Zivilcourage gegen Antisemitismus” und “klarer Haltung gegenüber dem iranischen Regime” nix mehr zu erzählen…
Was halten Sie von Ilko-Sahsas Kowalzcuk These, dass der Osten nie freiheitliche Verantwortung gelernt hat? Vom Kaiserreich über das Dritte Reich bis zur SED-Diktaur nur abhängig war?
Ich kann dem viel abgewinnen!
Lieben Dank, @Mussi, für Ihre interessante Frage
Auch als “Wossi” betrachte ich gerne mit Ihnen die “These, dass der Osten nie freiheitliche Verantwortung gelernt hat? Vom Kaiserreich über das Dritte Reich bis zur SED-Diktaur nur abhängig war?”
Und erkenntnistheoretisch passt es ja zunächst auch: Sowohl der Marxismus wie der Faschismus und auch noch das preußisch dominierte Kaiserreich waren von autoritärem Induktionismus geprägt, also dem Vorgänger des kritischen Rationalismus. Es erscheint mir also psychologisch schlüssig, dass diese Prägungen den Übergang ins “Zeitalter der Falsifikation” nach Karl Popper erschweren und bisweilen auch verhindern. Hier ein KIT-Digitalvortrag von mir dazu:
https://www.youtube.com/watch?v=pk7ih1sgUCw
Einschränkend möchte ich jedoch darauf hinweisen, dass mir die Rede von “der Osten” zu pauschal und fast dualistisch erscheint. Denn so, wie es ja auch Ältere wie @Marie H. gibt, die sich für eine gute Zukunft der Jüngeren engagieren, so gab und gibt es selbstverständlich auch Ostdeutsche, die Freiheit und Wissenschaft geliebt haben und lieben. Mein Vater Falko Blume nahm für sein Streben nach Freiheit sogar Stasi-Haft und Folter auf sich:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/meinem-vater-falko-blume-1950-2012/
Bei einer regionalen Betrachtung wäre also auch hier die Demografie zu beachten: Wer ging, wer blieb, wer kam dazu?
Ein westdeutscher Geschichtslehrer namens Björn Höcke zog ja umgekehrt nach Thüringen und macht auf mich nicht den Eindruck “freiheitlicher Verantwortung”.
Am Ende ist die Frage nach kritischem Rationalismus und dialogischem Monismus also nach meiner Einschätzung keine Frage der Himmelsrichtung, sondern eine Charakterfrage. Selbstverständlich kann eine positive Bildungsgeschichte mit ermutigenden Rückmeldungen die freiheitliche Verantwortung fördern – aber es kann eben auch anders laufen: Wir alle kennen doch jene wohlstandsverwöhnten Erben, die sich auf Kosten von Frauen und Migranten zu inszenieren versuchen, wogegen es auch in den neuen Bundesländern tapfere Demokratinnen und Demokraten gibt, die sich mutig für Demokratie und Solarpunk, gegen Rechtsdualismus und Fossilismus engagieren.
Falls Sie mir eine Rückfrage gestatten: Werden Letztere ihrer freiheitlichen Verantwortung nicht sogar sehr viel mehr gerecht als Erstere?
@Michael 17.08. 14:56
„Die demografische Alterung in Japan und der politische Rechtsruck sind eng miteinander verknüpft.“
Das ist eine Erklärung, hilft aber wenig. Selbst wenn man sofort wieder genug Kinder hätte, müsste man dennoch die nächsten 20 Jahre überstehen, bis die ersten davon auf dem Arbeitsmarkt und in den Wahllokalen auftauchen. Bis dahin müssen die Probleme wohl anders gelöst werden oder es geht eben unvermeidlich immer weiter den Bach runter.
Man könnte drüber reden, immerhin. Und den Leuten auch damit klar machen, dass wir ein Nachwuchsproblem haben, und keine jüdische Weltverschwörung oder irgendwelche Umvolkungen.
Anderseits ist der Kindermangel inzwischen global. Wie sollen denn erst mal die Regionen klarkommen, wo die verbleibenden Leute auch noch wegziehen? Ich meine nicht, dass Migration die Lösung des Problems ist. Das hilft den Immobilienpreisen ganz sicher gewaltig, aber da haben Mieter jetzt überhaupt nichts von. Im Gegenteil, es wird denen teurer.
Ein vernünftiges Maß wäre m.E. nur soviele Zuwanderer, dass eben keine Wohnungsnot in den Städten auch noch auf die Leute zukommt. Man kann ja auch probieren, die aktuellen über 2 Millionen Arbeitslosen zu aktivieren, indem man die Zuverdienstregeln so anpasst, dass sich Arbeit immer lohnt.
@Tobias 17.08. 16:26
Schon jetzt haben die meisten Bauleute in Deutschland einen Migrationshintergrund.
Und: Dort, wo die Bevölkerung zu schrumpfen beginnt, gehen logischerweise die Investitionen in Wohnungs- und insbesondere Neubauten zurück.
Es ist also ein Trugschluss zu glauben, durch eine Reduzierung von Zuwanderung ließe sich das Problem von fehlendem Wohnraum lösen. Es ist vielmehr genau umgekehrt: In demografisch implodierenden Altherren – Regionen erlahmen auch die Investitionen, während in dynamischen Solarpunk-Arche-Regionen Einheimische und Zugewanderte gemeinsam investieren und bauen.
Meine Frau ist übrigens Muslimin türkischer Herkunft, wir haben drei Kinder, arbeiten beide erfolgreich und haben gemeinsam Wohnraum finanziert. Es wäre wirklich nett, wenn Du Deine wiederholten, islamfeindlichen Ausfälle mal etwas reduzieren könntest. Wir gemischten Familien nehmen niemandem etwas weg. Und hier in Baden-Württemberg klappt die Integration auch der muslimischen Menschen in Arbeit und Gemeinden ganz überwiegend gut bis sehr gut.
Vielleicht wäre es eine Möglichkeit, nicht nur den angespannten Wohnungsmarkt in den Städten zu sehen, sondern auch den Leerstand auf dem Land.
Ein funktionierender ÖPNV wäre wichtig, damit auch Menschen ohne Auto im ländlichen Raum mobiler sein könnten.
Bessere Kinderbetreuung ist hier zu nennen und sicherlich noch anderes mehr.
Danke, @Marie H. – genau so ist es.
Welche Schande ist es für ein Land und ein Parlament, wenn es jesidische und längst deutsch sprechende Kinder aus Brandenburg in den Irak abschiebt?
Uns fehlt es nicht an Platz. Uns fehlt es an Mut und Haltung.
Und deswegen sehen die Umfragen so aus, wie sie aussehen. Deswegen.
Die Charakterfrage ist eben zu hinterfragen, wenn der komplette Osten blau gewählt hat.
@Mussi
In der alten Republik der USA, weit im Westen und lange eine Fackel der Freiheit, ja die entscheidende Siegermacht gegen den massenmörderischen Tyrannen Adolf Hitler wurde Donald Trump gewählt. Und nach einem Putschversuch zuletzt auch noch wiedergewählt.
Wenn Sie ernsthaft glauben wollen, wir könnten all dies auf einige leider bereits demografisch schrumpfende Bundesländer externalisieren, dann haben Sie die Größe der Herausforderung noch nicht einmal im Ansatz begriffen.
Wenn Sie den Mut anderer sehen wollen, dann leben Sie ihn vor. Und jeder echte Mut beginnt mit der Betrachtung von Wahrheit und der Internalisierung von Verantwortung. Meine ich.
Ist es eine strukturelle systemische Frage?
Ist es eine Frage, wie Psychogramme funktionieren?
Genau, @Mussi
Jede Politik basiert auf menschlicher Psychologie. Und die ist längst kein Mysterium mehr.
Bei ernsthaftem Interesse empfehle ich eine kritisch-konstruktive Auseinandersetzung mit dem Begriff der Macht:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/begriffsarbeit-zur-macht-nach-max-weber-mit-eigener-arbeitsdefinition/
Ihnen Dank für das Interesse & einen guten Wochenstart! 🙌
Der nächste Begriff zum Kritischen Rationalismus ist: Bewältigung.
Was lasse ich walten?
Gegenüber Gefahren und Sorge,
Haltung, als Stamm von Gewalt.
Was wende ich zur Versorgung an?
Was ist Wagnis und Walten?
Jenseits aller Erkenntnistheorien steht doch wohl eines im Zentrum jedes Seins: versorgt sein und sich versorgen.
Es ist die Versorgtheit, mit dem Stamm der Sorge nach dem Lebem, die immer mitschwiengt.
Es ist der Schritt vom Selbstversorger zur Arbeitsteilung und wer dafür Verantwortung übernimmt.
Freiheitliche individuelle Versorgungsmöglichkeiten prallt auf hoheitliches Versorgungswerk.
Das ist in meinen Augen der ständige Wechsel individueller und kollektivistischer Ideologien, der über Dekaden gehen kann.
Bin ich als Kind in einer Familie versorgt, dann mach ich mir wenig Gedanken um die Mühen der Eltern, diese Sorge mitzutragen.
Und so funktioniert Libertarismus gegenüber Liberalismus.
Sklave vs Herr.
Alles dreht sich nur um Versorgung: Nahrung, Energie, Emotionen, Bequemlichkeit usw. .
In der Ökonomie geht es um die Versorgung von Bedürfnissen, in der Politik um die Versorgung der Interessen.
Wir können jetzt um Begriffe wie Bedürfnis und Interesse, deren trennende Definition oder gemeinsame Werte streiten.
Aber im Kern geht es immer um die ideologische Ausgestaltung, wie Versorgung ‘geregelt’ wird.
Darüber, um den Kern Sorge, benötigt Ökonomie und Ökologie einen Kritischen Rationalismus.
Soweit zu Dimension und Ausmass…
Im Kern geht es Popper doch um eines: Versorgung mit Erkenntnis.
Und da haben Sie und Jeckenburger recht.
Wissen ist Macht.
Aber wer verschweigt sie?
Wow, @Mussi – da hat das Thema aber bei und mit Ihnen weiter gearbeitet…
Gerne aber zurück zu Karl Popper, den zu lesen ich wirklich sehr empfehlen kann. Der Begriff “Versorgung” spielt in seiner Erkenntnistheorie keine Rolle, wohl aber das Problemlösen. Eines seiner Bücher heißt sogar: “Alles Leben ist Problemlösen.”
In der Antwort auf die dialogisch Kommentierende @Marie H. werde ich darauf noch etwas genauer eingehen.
Es scheint, ihn hat es umgetrieben: wie versorge ich mich!
@Mussi
Reichtum war ganz sicher nicht sein Ziel (deswegen auch “sozialliberal” statt “wirtschaftsliberal”), Sicherheit für sich und die Mitmenschen aber schon. Auch deswegen habe ich mich über die linksdualistische Beschimpfung als “Solarpopper” so gefreut! 🙂
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/solarpunk-und-solarpopper-wasserstoff-hoffnung-wunsiedel-bayern/
So entschieden sich Karl Popper und seine Frau Josefine Anna “Hennie” Henninger gemeinsam und bewusst dazu, keine Kinder zu haben. Der Hauptgrund dafür waren nach ihren eigenen Angaben die schwierigen Umstände während der NS- und dann Kriegsjahre. Ich hatte die Entbehrungen auf der Flucht in Neuseeland beim letztlich gemeinsamen Schreiben von “Die offene Gesellschaft und ihre Feinde” ja in der o.g. Podcast-Folge angedeutet.
@Michael 17.08. 16:40
„Wir gemischten Familien nehmen niemandem etwas weg.“
Auf jeden Fall, und mehr Integration geht auch nicht.
„Es ist also ein Trugschluss zu glauben, durch eine Reduzierung von Zuwanderung ließe sich das Problem von fehlendem Wohnraum lösen. „
Langfristig fördert Zuwanderung Neubauten, aber kurzfristig brauchen die Zuwanderer sofort Wohnraum?
„Und hier in Baden-Württemberg klappt die Integration auch der muslimischen Menschen in Arbeit und Gemeinden ganz überwiegend gut bis sehr gut.“
Ich habe gar nichts gegen Muslime. Ich kenne welche, die ich gerne hier sehe. Ich kenne aber auch welche, die von Religionsfreiheit, Gleichberechtigung und Demokratie nichts halten. Da freue ich mich nicht drüber. Wie viele das sind, weiß ich nicht wirklich.
@Marie H. 17.08. 18:15
„Vielleicht wäre es eine Möglichkeit, nicht nur den angespannten Wohnungsmarkt in den Städten zu sehen, sondern auch den Leerstand auf dem Land.“
Das ist ja sogar ein Stück Verschwendung, wenn da Einiges leersteht. Das ist nun mal deutlich suboptimal. Und ich sehe dieses Problem auch EU-weit. Die Abwanderung in den Randbereichen bremsen würde auch die Zuwanderung in die Städte mit angespanntem Wohnungsmarkt reduzieren.
Soweit das denn nun möglich wäre. Es würde sich doch lohnen, da mehr Arbeitsplätze zu schaffen, wo reichlich Wohnraum frei ist. Dann entspannt sich auch der Wohnungsmarkt in den Städten.
Auf Dauer helfen nur mehr Kinder, aber moderate Schrumpfungen können doch funktionieren? Und es hilft ja auch nichts, wo der Nachwuchs ausbleibt, muss es irgendwo schrumpfen, man kann das nur lokal aufhalten.
@Michael 17.08. 20:22
Uns fehlt es nicht an Platz. Uns fehlt es an Mut und Haltung. Und deswegen sehen die Umfragen so aus, wie sie aussehen. Deswegen.
Genau so sieht es ja auch aus. Aber solange wie die Kinder fehlen, kann das doch nur lokal funktionieren. Besser als nichts, ja.
Lieben Dank, @Tobias
Du schriebst:
“Langfristig fördert Zuwanderung Neubauten, aber kurzfristig brauchen die Zuwanderer sofort Wohnraum?”
Und genau so sehe ich das auch! Es erscheint mir völlig logisch, dass in einer schnell alternden Gesellschaft wie Japan oder eben Deutschland der Bedarf an Konsum statt an Investition steigt, das Kurzfrist-Denken zunimmt.
Genau darüber diskutieren wir gerade auch auf Mastodon, ich hatte mit Link zu einem Blogpost von 2024 dazu gepostet:
“Guten Morgen – Tässle Kaffee ☕️?
Heute melden die Zeitungen Panik bei #Mercedes. Denn wie bei #Boeing auch haben die Vorstände über Jahrzehnte technologische #Investitionen vernachlässigt, stattdessen #ShareholderValue (also hohe Aktienkurse, Dividenden & Boni) maximiert. Bei Mercedes hieß das sogar „Luxusstrategie“! Obwohl #Tesla durch #Musk schwer geschädigt wurde, implodieren jetzt Gewinne & Arbeitsplätze. Schon #Blumenberg warnte vor der „Enge der Zeit“…
https://sueden.social/@BlumeEvolution/115048475517144573
Feindseliger Dualismus opfert die Zukunft für kurzfristige, emotionale und auf Dauer gefährliche Externalisierungen.
@Michael Blume
17.08.2025, 16:40 Uhr
Ist jetzt hier eigentlich OT, ich wüsste aber auf Anhieb nicht zu welchem Blogbeitrag das passen würde.
Das ist in meinen Augen gerade das Problem: Die Einwohner unseres Landes lassen sich tatsächlich vormachen es wäre irgendwie nicht genug da. Das ist ziemlicher Unsinn. Kennst Du diese Karikatur mit den 10 Keksen und den 3 am Tisch, der eine am Tisch nimmt sich 9 und erklärt dem Biodeutschen: “Paß auf der Asylant will Deinen Keks!” ?
Das trifft das schräge Denken hier im Land ziemlich gut finde ich. Und das entsetzt mich wirklich das das funktioniert. Und das das funktioniert obwohl die Menschen ja nicht wirklich ungebildet sind. Bildung allein schützt nicht vor unsinnigem Denken ^^
Genauso musste ich mir das Vorurteil abschminken bestimmte inhumane Denkweisen hingen irgendwie direkt an der Religiösitat.
Biodeutsche Menschenschänder sind oft gar nicht religiös. Die schlimmsten muslimischen Antisemiten und Menschenverächter mit islamischem Glauben kommen zumindest in meiner Umgebung aus der Großstadt in einem Land bei dem man eher eine starke Westbindung vermuten würde.
Und ausgerechnet der Muslim, der aus einem von Krieg und Bürgerkrieg geschüttelten muslimischen Land irgendwo vom Dorf weiter südlich kommt, viel Wert auf seine Religiosität mit beten und allem drum und dran legt ist dann so, Entschuldigung, scheissliberal da kann ich mir manchmal ein Beispiel dran nehmen. Den würde ich mir als Nachbarn wünschen ^^
Guckt man sich dann die Lebenswirklichkeiten an aus der die Menschen kommen, kommt man fast unweigerlich zu dem Schluß das “Das Sein bestimmt das Bewußtsein” viel Wahrheit hat. Wenn man das Sein nicht einfach auf die Religion / die religiöse Haltung herunterbricht …
Atheisten geben genau so gute Menschenschänder ab wie religiöse Menschen. Christ zu sein macht einen nicht zu einem guten Menschen. Und muslimisch sein nicht zu einem schlechten Menschen.
Vielen Dank, @Uli Schoppe 🙏
Und, ja, wie Du ja weißt, unterscheide ich gerade auch als Religionswissenschaftler keineswegs zwischen religiös = moralisch gut und säkular = moralisch schlecht. Vielmehr finden wir egozentrischen Relativismus (neutral), feindseligen Dualismus (böse) und dialogischen Monismus (gut) quer durch alle Weltreligionen und Weltanschauungen, Herkünfte, Bildungsschichten. Deswegen führt kein Weg daran vorbei, immer die Person zu beurteilen und jede gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) zu vermeiden. Sonst wird man(n) schnell selbst zu dem, was man(n) zu bekämpfen vorgibt.
Leider verdichten sich die empirischen Hinweise darauf, dass die Kombination aus demografischer Alterung und Medienrevolutionen weltweit den Rechtsdualismus begünstigen. In Regionen, in denen säkularer Kindermangel und Abwanderung um sich greifen, erstarken fast immer rechtspopulistische Bewegungen. Inan nannte für Japan die antisemitische und rassistische Sanseito – Partei – in einem Land mit sehr geringer Zuwanderung und keiner Handvoll von Chabad – Häusern. Wenn Gesellschaften implodieren, dann ist das wohl leider fast immer mit Hass verbunden.
@Michael 19.08. 05:55
„Wenn Gesellschaften implodieren, dann ist das wohl leider fast immer mit Hass verbunden.“
Frust und Rücksichtslosigkeit mögen auch eine Folge von keinen eigenen Kindern sein? Bei Älteren jetzt, die sich dann echt nur noch für ihren eigenen Wohlstand interessieren. Weder eine gewisse Zufriedenheit mit dem eigenem Erziehungserfolg, noch eine Sorge um die Zukunft der eigenen Kinder wird man da finden.
Es haben jetzt aber bei den letzten Wahlen auffällig viele junge Männer die AfD gewählt, vor allem auch in den sozialen Brennpunkten hier im Ruhrgebiet. Wenn die denn nur Denken, dass Zuwanderer ihnen Konkurrenz auf Wohnungsmarkt, Arbeitsmarkt und bei der Partnersuche machen, wäre das ein Grund, sich so zu orientieren. Insbesondere bei jungen Männern mit weniger Bildungserfolg und weniger Chancen auf richtig gute Jobs.
Die neuen antisozialen Medien mögen dann eben auch genau diese Entwicklungen fördern.
Und Kurzfristdenken ist jetzt auf jeden Fall auch dabei. Die Lage auf dem Wohnungsmarkt ist m.E. kurzfristig ja tatsächlich auch von Zuwanderung abhängig. Nicht nur durch Asylanten und Ukrainer, auch durch EU-Arbeitsmigranten und Leute vom Land. Langfristig führt das dann aber eher zu weiterhin florierenden Verhältnissen, nur so weit denken viele offenbar nicht.
Was machen wir jetzt damit? Mehr Kinder, das könnte eine Lösung sein. Vor allem für Regionen, aus denen die Leute auch noch abwandern, da sehe ich wirklich keine andere Möglichkeit.
Vielen Dank, lieber @Tobias – gerne gehe ich auf Deine Ausführungen zur demografischen Alterung ein.
Du schriebst:
“Frust und Rücksichtslosigkeit mögen auch eine Folge von keinen eigenen Kindern sein? Bei Älteren jetzt, die sich dann echt nur noch für ihren eigenen Wohlstand interessieren. Weder eine gewisse Zufriedenheit mit dem eigenem Erziehungserfolg, noch eine Sorge um die Zukunft der eigenen Kinder wird man da finden.”
Und, ja, es stimmt selbstverständlich, dass sich mit eigenen Kindern (und Enkeln) die Perspektiven auf die Zeit und Zukunft verändern können. Selbstverständlich geht ein Teil meiner Motivation als Solarpunk auch darauf zurück, dass ich mir als Vater von drei Kindern eine lebenswerte Zukunft für die Nachkommenden wünsche.
Gleichwohl möchte ich auch hier vor einem Dualismus warnen: Es gibt selbstverständlich auch zukunftsorientierte, altruistische Kinderlose und egoistische Eltern. Ein drastisches Beispiel dafür ist ja Elon Musk, der Kinder mit mehreren Frauen gezeugt, sexistische Sprüche etwa gegen die Musikerin Taylor Swift (“Werde Dir ein Kind machen”) gepostet und ein Transkind verstoßen hat. Musk vertritt die sozialdarwinistische Lehre des Longtermism / Langzeitismus, nach der ohnehin nicht mehr alle Menschen überleben werden und es also angezeigt sei, die verbleibenden Ressourcen auf die Überlebensfähigen zu beschränken, bis hin zu aberwitzigen Mars-Plänen.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/langzeitismus-der-kommende-faschismus-feiert-die-klimakrise-fossiler-wahnsinn-3/
Kinder sind also keine Garantie für eine Solarpunk – Weltsicht, wie auch umgekehrt Menschen aus altruistischen Motiven auf Kinder verzichten können. Das Ehepaar Popper, dem dieser Blogpost & die “Blume & Ince”-Folge gewidmet sind, verzichteten in Zeiten von Krieg und antisemitischer Verfolgung bewusst auf eigene Kinder, sondern engagierten sich als Lehrende.
Aus all diesen Gründen empfinde ich es als Heuchelei, wenn Menschen mit vermeintlicher Berufung auf das Christentum einerseits gegen Abtreibungen wettern, andererseits aber die Menschenwürde und Perspektiven bereits in Europa lebender Kinder verachten. Wer etwa die Abschiebung jesidischer Kinder in den Irak gutheißt, braucht mir von der Bibel nix mehr zu erzählen:
https://www.youtube.com/shorts/wl56p3o2044
“Und Kurzfristdenken ist jetzt auf jeden Fall auch dabei. Die Lage auf dem Wohnungsmarkt ist m.E. kurzfristig ja tatsächlich auch von Zuwanderung abhängig. Nicht nur durch Asylanten und Ukrainer, auch durch EU-Arbeitsmigranten und Leute vom Land. Langfristig führt das dann aber eher zu weiterhin florierenden Verhältnissen, nur so weit denken viele offenbar nicht.”
Ganz genau so ist es. Im Irak sah ich mit eigenen Augen, wie rund um Flüchtlingslager dynamische Wirtschaften um neue Arbeitskräfte und findige Unternehmende entstanden. Eines der besten Wege, nachhaltige Entwicklung zu fördern, bestand in der Förderung dieser Eigeninitiative. So haben wir als Land Baden-Württemberg auch eine Müllsortieranlage gefördert, die nicht nur wertvolle Rohstoffe recycelt und Arbeitsplätze schafft, sondern auch wertvolle Kompost-Erde für die regionale Landwirtschaft produzierte.
https://en.964media.com/5683/
Niemand kann alles, aber alle können etwas tun.
@Michael 19.08. 05:55
„In Regionen, in denen säkularer Kindermangel und Abwanderung um sich greifen, erstarken fast immer rechtspopulistische Bewegungen.“
Unterm Strich haben wir ja nur Kindermangel, aber keine Abwanderung aus Deutschland. Wir haben auf dem Land im Osten Abwanderung, und in vielen Städten Zuwanderung, auch aus dem Ausland.
Ich weiß es nicht, ob deutlich weniger Zuwanderer gegen den Rechtsruck helfen würden. Klar dürfte aber sein, von weniger Zuwanderern nur zu reden, aber keine tatsächliche Reduktion zu erzielen, das könnte die Rechten weiter fördern.
Ich kann mir durchaus vorstellen, dass wenn 2 Millionen Ukrainer und Syrer wieder nach hause gehen könnten, dass sich das sofort auch auf den Wohnungsmarkt hier auswirkt. Kurzfristig natürlich nur, aber immerhin das.
Und ich kann mir ein Leben mit weniger Konsum und Verschwendung vorstellen. Dann braucht es eher keine weiteren Zuwanderer als Arbeitskräfte. Das kann man aber gerne auch anders sehen. Eine maximal florierende Wirtschaft hätten wir dann nicht mehr.
Trotzdem würde ich mehr Kinder begrüßen. Sowieso, damit das Leben weitergeht. Auch wenn die KI so viele Arbeitsplätze einspart, dass wir die Kinder nicht unbedingt bräuchten.
Zum Thema Jung gegen Alt.
Da wurde in diesen Tagen der Vorschlag gemacht – konkret vom Präsidenten des DIW – ein verbindliches soziales Jahr für Rentnerinnen und Rentner einzuführen.
Sicherlich kommt es dabei auch auf die Ausgestaltung an.
Wenn ich mir anschaue, wo ein “VSJ” geleistet werden könnte, frage ich mich, wieviele 67jährige wohl ein Jahr lang im Pflegeheim o.ä. tätig sein könnten. So etwas setzt ja voraus, dass der Rentner/die Rentnerin im Vollbesitz körperlicher und geistiger Kräfte ist.
Viele, die mit 67 in Rente gehen, haben selbst mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.
Die Begründung, dass die Boomer (also auch ich) zuwenig Kinder in die Welt gesetzt haben, stimmt zwar.
Dennoch bin ich mir nicht sicher, ob ein VSJ eine gute Idee ist. Wir brauchen finanzielle Entlastung der jungen Menschen. Imho.
Lieben Dank, @Marie H. 🙌
In diesem Fall ist meine Einschätzung des Vorschlages für ein verpflichtendes “soziales Jahr” für alle Rentnerinnen und Rentner durch DIW-Präsident Marcel Fratzscher sogar noch etwas schärfer als bei Ihnen: Ich halte es für gehobenen Schwachsinn und allenfalls für nützlich, um die Absurdität unserer Diskurs-Zerblasungen aufzuzeigen.
Fakt ist, dass es funktionierende Freiwilligendienste für Alt und Jung bereits gab, die dann aber weitgehend kaputtgespart wurden. Jeder Zwangsdienst – ob gegen junge oder alte Menschen – würde enorme Verwaltungs- und Rechtskosten verursachen, die in keinem Verhältnis zum erzwungenen Ertrag stünden. Eine hyper-individualisierte Gesellschaft ist zu kollektiven Anstrengungen doch gar nicht mehr in der Lage – die Bundespolitik scheitert doch bislang sogar daran, Freiwilligenprogramme verlässlich und kompetent auszustatten sowie inhaltlich zu begleiten.
Und, ja, das gilt leider auch weiterhin für die Bundeswehr. Einer meiner Söhne hat dort ja gerade ein freiwilliges Dienstjahr absolviert. Wer ernsthaft davon träumt, wieder Zigtausende Zwangsverpflichtete einrücken zu lassen und “nebenher” auch noch einen Zivildienst für junge Leute wiederaufzubauen, hat von der Realität einfach keine Ahnung. Schon die Verlegung weniger tausend Berufssoldaten nach Litauen bringt die real existierende Bundeswehr an ihre Belastungsgrenzen.
Angesichts der Spannungen mit Russland hat der für die Verlegung an die Nato-Ostflanke zuständige Bundeswehrgeneral André Bodemann vor großen bürokratischen und logistischen Hürden gewarnt. Besonders die Bürokratie sei ein Problem, sagte Bodemann der “Süddeutschen Zeitung”. “Das sind Dinge, die treiben mich in den Wahnsinn”, fügte der General hinzu. Bodemann ist Planer des Logistik-Großprojekts “Drehscheibe Deutschland”.
Der General nannte in dem Interview konkrete Beispiele für bürokratische Hürden: “Konvois müssen beispielsweise in Deutschland anders beflaggt werden als in den Niederlanden oder in Polen. Mal soll das erste Fahrzeug eine Flagge haben, mal das letzte Fahrzeug, mal jedes Fahrzeug.”
https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/aussenpolitik/id_100871916/bundeswehr-buerokratie-bremst-nato-logistik-general-warnt-vor-chaos.html
Wir sind ja nicht einmal in der Lage, die fossile Finanzierung von Russland ernsthaft zu reduzieren – und sollen aber gleichzeitig zu umfassender Aufrüstung fähig sein?
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/fossilismus-oder-frieden-die-debatten-um-wehrdienst-und-gaskraftwerke/
In der heutigen Stuttgarter Zeitung kommentiert Christian Gottschalk auf Seite 2 m.E. sehr treffend:
“Wer Rentner vertritt, der schimpft über die Idee, den wohlverdienten Ruhestand zu beschneiden. Wer für die jüngere Generation spricht, der verweist auf die immensen Lasten, die diese Jahrgänge zu tragen haben. Das sind gute Argumente von beiden Seiten.
In einer Gesellschaft, die immer mehr zersplittert, wird der Kampf der Generationen eher noch an Fahrt aufnehmen. Umso wichtiger ist es, Vorschläge auszudifferenzieren und nicht mit dem Holzhammer auf den anderen zu schlagen.”
Genau so. Dialogisch, monistisch, unaufgeregt und also klug. Meine ich.
Nach der Definition von Platon in dessen Politeia ist Trump kein Thymokrat sondern ein lupenreiner Oligarch. Seine Regierungstätigkeit trägt viele Züge der Tyrannis nach Platon. Der Vorgang seines Herrschaftsantritts folgt erschreckend genau dem Übergang von Demokratie zur Tyrannis.
Danke, @Golgafrincham – da besteht jedoch aus meiner Sicht überhaupt kein Widerspruch. Denn auch Platon kannte die Gefahren des Thymos schon, konnte aber selbstverständlich die medialen Wirkungen etwa von Kabelfernsehen oder antisozialen Internetmedien noch nicht absehen. Entsprechend sind wir gut beraten, die klassischen Thesen und Begriffe immer wieder zu überprüfen und zu aktualisieren.
Die Zerstörung konkret der Weimarer Republik durch die damals neuen Medien haben Inan Ince & ich auch mal am Beispiel des Medienunternehmers und DNVP-Vorsitzenden Alfred Hugenberg sowie heute Elon Musk diskutiert:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-26-von-elon-musk-und-alfred-hugenberg/
Ihnen Dank für Ihr konstruktives Interesse, bleiben Sie doch gerne dran! 🙌
@Michael 23.08. 10:49
„Wir sind ja nicht einmal in der Lage, die fossile Finanzierung von Russland ernsthaft zu reduzieren – und sollen aber gleichzeitig zu umfassender Aufrüstung fähig sein?“
Es reicht doch erst mal, wenn wir nur Trump bei Laune halten. Dazu dürfte reichen, wenn wir Rüstungsgüter in den USA einkaufen, mehr will Trump wohl gar nicht.
Wie wir alleine ohne die USA gegen Russland klarkommen würden, da sehe ich dann auch eher schwarz. Strategisch wäre allerdings, neben Geld ausgeben auch tatsächliche militärische Fähigkeiten zu erwerben.
Die Idee, jetzt vor allem Erdgas aus den USA einzukaufen, ist nun mal gar nicht so schlecht. Wenn es den USA besser geht, hilft uns das auch. Freilich lässt sich die fossile Finanzierung Putins letztlich nur mit nachhaltig niedrigeren Weltmarktpreisen für Öl und Gas reduzieren. Dieses erzielt man vor allem, wenn man den Verbrauch davon reduziert.
Aber das dauert natürlich. Immerhin müssen hierfür umfangreiche Investitionen auf Jahrzehnte geleistet werden. Am Besten gleich da investieren, wo aktuell die meiste Einsparung mit dem wenigstem Aufwand realisierbar ist. Neue Gaskraftwerke dürften das nicht sein.
Kurzfristig weniger Konsum wäre auch hilfreich. Hier kann sich jeder komplett unbürokratisch dran beteiligen, und noch eigenes Geld und auch eigenen Arbeitsaufwand dabei einsparen. Was einem eine florierende Mitwelt und die eigene Sicherheit wert ist, das kann sich eigentlich auch jeder selber überlegen. Und seine eigenen Konsequenzen ziehen.
Wer sich eine Solaranlage und ein dazu passendes E-Auto anschaffen kann, der sollte das jetzt tun. Das wäre inzwischen sogar eine Investition, die sich auch finanziell lohnt. Und wer gar kein Auto mehr braucht, der spart auch jede Menge eigenes Geld.
@Michael 23.08. 10:49 / Christian Gottschalk
„Wer Rentner vertritt, der schimpft über die Idee, den wohlverdienten Ruhestand zu beschneiden. Wer für die jüngere Generation spricht, der verweist auf die immensen Lasten, die diese Jahrgänge zu tragen haben. Das sind gute Argumente von beiden Seiten.“
Weniger Verschwendung von jedem, der es in der Hand hat, hilft auch auf dieser Baustelle, schätze ich mal. Und mehr Nachwuchs macht auch mehr Arbeit, das müsste dann auch irgendwo herkommen.
Die KI kann helfen, vor allem wenn ihr Einsparungseffekt nicht sofort wieder mit Mehrkonsum ausgeglichen wird. Es würde also schon mittelfristig sehr helfen, einfach nur den eigenen Konsum nicht immer weiter zu steigern.
@Weltmarktpreise
Wenn die USA mehr Erdgas fördert, und wir dieses zu moderat höheren Preisen einkaufen, aber dann auch noch weniger davon brauchen, dann senkt das tatsächlich auch die eigentlichen Weltmarktpreise. Und hilft also gegen Russland und den Iran.
Und wenn unserer Verbündeter dabei noch gut verdient, kann uns das nur recht sein. Immerhin lebt seit dem Ukrainekrieg unsere Sicherheit von den immensen Rüstungsaufgaben der Amerikaner in den letzten 20 Jahren.
Ja, @Tobias – Europas Strategen werden für den Rest der Geschichte mit dem Spott leben müssen, dass Donald Trump den strategischen Wert von Erdöl und Erdgas erkannt hat, während sich etwa die deutsche Bundesregierung noch immer an fossile Importe klammert.
So können wir jetzt schon sehen, welche Wirkungen die Strafzölle der USA gegen Indien wegen dessen Importen von russischem Erdöl entfalten:
Doch plötzlich importieren die Chinesen auch größere Mengen aus dem Westen Russlands – also von dort, wo normalerweise die Lieferungen nach Indien verladen werden. 75.000 Barrels der Sorte Urals werden von dort aktuell pro Tag nach China exportiert, vorher waren es 40.000. Indien bezieht zwar weiterhin 400.000 Barrels pro Tag aus dem russischen Westen – zuvor lag der Durchschnitt hier allerdings bei fast 1,2 Millionen Barrels täglich. Ein Barrel entspricht 159 Litern Rohöl.
Experten sehen in dem auffälligen Kaufverhalten allerdings keinen Freundschaftsdienst Xi Jinpings an Wladimir Putin, sondern pragmatische Kalkulation der Chinesen: Durch den Ausfall der Inder als Großkunden sehen sich die Urals-Verkäufer gezwungen, ihr Öl zu reduzierten Preisen anzubieten. Die Schlussfolgerung der Analysten: China sieht in der Not Indiens und Russlands die Gelegenheit, günstiges Rohöl abzugreifen.
https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/internationale-politik/id_100875048/trumps-zollhammer-gegen-indien-china-nutzt-putins-oel-dilemma.html
Die Europäische Union und gerade auch Deutschland könnten durch den schnelleren Ausbau erneuerbarer Friedensenergien ihre Abhängigkeiten von Russland reduzieren, Trump die geforderten, fossilen Tribute bezahlen und dabei die Wertschöpfung samt moderner Arbeitsplätze im Inland halten – wie es sogar schon Uruguay vorgemacht hat:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-solarpunk-prompt-uruguay-fuer-erneuerbare-wohlstandsenergien/
Doch statt in zukünftige, post-fossile Technologien zu investieren, vergeudet die derzeitige Bundesregierung lieber Steuergelder für die Subventionierung fossiler und längst absterbender Konzerne.
Fast lustig:
Wer schon einmal am Steuer eines Elektroautos saß, zeigt sich davon fast immer angetan. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen bundesweiten Umfrage der ADAC Autoversicherung. Demnach sagen 81 Prozent der Autofahrer, die bereits ein Elektroauto gefahren sind, dass es ihnen gut oder sehr gut gefallen habe.
Aktuell sind elektrisch angetriebene Fahrzeuge wieder im Kommen. Im ersten Halbjahr 2025 waren laut Kraftfahrt-Bundesamt 17,7 Prozent aller in Deutschland neu zugelassenen Pkw Elektroautos. Europaweit überschritten die E-Autos nach einer Analyse der Unternehmensberatung PwC erstmals die Millionenmarke bei den Neuzulassungen – ein Plus von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
https://ecomento.de/2025/08/21/elektroautos-ueberzeugen-beim-fahren-adac-umfrage/
Geht doch.
@Michael 23.08. 17:50
„Europaweit überschritten die E-Autos nach einer Analyse der Unternehmensberatung PwC erstmals die Millionenmarke bei den Neuzulassungen – ein Plus von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum….Geht doch.“
Offenbar bewegen sich auch die Kosten von E-Autos durchaus in Richtung gar nicht mehr teurer. Insbesondere wenn man gute Lademöglichkeiten hat, dann kann man nebenbei noch die Stromnetze stabilisieren helfen, und damit die Kosten weiter reduzieren.
Aber noch besser ist freilich gar kein eigener PKW. Im Saarland hat man die meisten eigenen Autos, mit ca. 60 Fahrzeugen auf 100 Einwohner, in Berlin am wenigsten mit gut 30 Autos auf 100 Einwohner. In der Großstadt klappts offenbar besser mit Fahrrad und Bus und Bahn.
Ein Sammeltaxisystem auf Basis von selbstfahrenden Batteriefahrzeugen würde überall, auch auf dem Land, sehr attraktiv werden können. Das wäre nicht nur günstig und mitweltfreundlich, es gäbe auch kaum noch Staus und es würden riesige Parkplatzflächen frei, und damit auch noch Platz für richtig gute Radwege.
So viel Spaß macht hier in Dortmund das Fahrradfahren nicht, man ist doch immer noch ziemlich vom Autoverkehr an den Rand gedrängt. Die fahrende und vor allem die parkende Blechlawine braucht einfach immens viel Platz. Das geht doch besser, meine ich. Holland und Dänemark machen es vor, wie das gehen kann. Und haben zufälligerweise keine eigene Autoindustrie.
Lieben Dank, @Tobias 🙏
Habe gerade eben einen Blogpost zur solaren Revolution in China gepostet, die Dich ja auch immer wieder interessiert. Empfehlenswert und ggf. überraschend ist auch die volkswirtschaftlich angetriebene Solarpunk-Revolution in Pakistan, die vor allem ärmeren Menschen zugute kommt – Stichwort: erneuerbare Wohlstandsenergien.
Und eine vergleichende Karte zum Ausbau der Solarenergie in den verschiedenen Bundesländern habe ich auch eingefügt!
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/energieglauben-und-solarpunk-solarboom-in-china-pakistan/
Danke für Dein ermutigendes und konstruktives Interesse an den Solarpunk-Themen! 🙏🌞✊
Ich möchte diesen spannenden Artikel gerne mit einem Gedanken schliessen: ich habe bei der Aufzählung bei der Versorgung um Nahrun, Energie und Emotionen das Geld ausgelassen.
Wie versorge und werde ich mit Geld.
Die Basis des Seins und Grundage der offenen oder geschlossenen Gesellschaft.
Das wird leider auch wissenschaftlich, trotz der Überschrift und der momentan akuten, Verteilungskämpfe ausgelassen.
@ Ince spricht es kurz an.
Es ist fundamental.
Herzlichen Dank, @Mussi 🙏🙌
Inan & ich hatten das Thema „Geld“ ja bereits vor zwei Jahren (vor unserer Video-Zeit) angesprochen und danach immer wieder:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-3-was-ist-eigentlich-geld/
Wenn ich Sie richtig verstehe, empfehlen Sie uns, auch zukünftig den Geldglauben und seine schnellen Änderungen zu erkunden?
ja
“Warum konnte der Historizismus – dieser geschichtsphilosophische Laplacesche Dämon – trotz alledem noch so lange im 20. Jahrhundert überleben? Obwohl sein zugrundeliegendes Weltbild (eine geschlossene, vollständig berechenbare Welt) in den Naturwissenschaften längst ad acta gelegt wurde?…” (zitatende)
Aber , aber, Herr Gutsche (Sorry , habs erst jetzt gelesen)…………………
……….. bei Marxs/Engels Geschichtsphilosophie geht es nicht um subatomare Quantenphysik und auch nicht um halbtheologische theoretische Physik und Kosmologie, sondern …….
…… um das sozialpsychologische Langzeitverrhalten von MENSCHEN in gegebenen (wirtschaftlich- politischen) Organisationssystemen.
Und da kann man ja zunächst annehmen, dass diese nicht “quantenunbestimmt” chaotisch -unvorhersehbar ablaufen, sondern ihre (mittlere) Realitätsebene immer noch nach dem Prinzip “Keine Wirkung ohne identifizierbare Ursache” funktioniert.
Da gilt, wie in unserer normalen Umwelt, also immer noch zu mind.99% “Newton” .
Deshalb auch der Marx´sche “Dialektische MATERIALISMUS”.
Anders sähe es für Sie allerdings (nur) aus, wenn Sie “Esoteriker” wären. (-:
Seine “hart naturalistischen” bzw. rein empiristischen Gegner” haben ja auch (dem späteren ) Popper vorgeworfen, mit seiner “Welt 3” Hypothese in die irrationale Metaphysik abgedriftet zu sein. (Mal sehr verkürzt dargestellt)
Ah, @little louis taucht mal wieder auf! Sie wollten sich doch ganz bestimmt informiert und heldenhaft gegen die antisemitischen Verschwörungsmythen von Donald Trump gegen den Holocaust-Überlebenden, Popper-Schüler und Autor von „Die offene Gesellschaft. Für eine Reform des globalen Kapitalismus“, George Soros, äußern?
https://www.n-tv.de/politik/Trump-nimmt-US-Milliardaer-George-Soros-ins-Visier-article25992814.html
Oder etwa nicht?
“….Ah, @little louis taucht mal wieder auf! …” (Zitatende)
Reiner Zufall !?
Oder auch nicht. Denn wer kann sich schon dauerhaft bzw. jahrelang gegen zwei Philosophenkönige wie Professor Ince und Dr Blume stemmen? Zumal sie mit einigen Teil- Ansichten als (angebliche ?) brave heimatlose Linksliberale, die es jetzt in der FDP kaum mehr gibt, dafür aber in der Diffusen Mitte der SPD (oder eher als Herz-Jesu- “Sozialisten” ?) ………….
…..ja manchmal auch mal recht haben könnten.
Sorry, euer Ehren , die Erhebung auf den Platonschen Thron der Weisen ” isch bloß e gloins Spässsle, gell”.
Aber vielleicht ist sie nützlich, damit es Ihnen nicht geht wie dem volksdidaktisch erfolglosen Sokrates. D.h. für den Fall dass die zornigen AFD – Republikaner ihnen mal an die Gurgel wollen . Denn bei den AFDlern weiß man , genau wie bei Platon doch auch nicht genau, ob sie jetzt Demokraten genannt werden dürfen , oder nicht.
Danke, @little louis
Ich finde ja, dass Sie Ihren Bildungsneid, Ihre “little“ Minderwertigkeitsgefühle und Ihre Sehnsucht nach „Abrechnung“ mit Doktoren und Professoren sprachlich noch etwas besser ausdrücken könnten. Für den feindseligen Dualismus, der in Ihrem Herzen & Hirn tobt, haben Sie mein verbindliches Mitgefühl. 😌🙏🖖
Nur zum Spaß – und weil wir alle ja von Popper gerne (selektiv) das zitieren, was zu unserer eigenen aktuellen Agenda passt – noch das Folgende:
“Und was Moral anbelangt, so ist es äußerst unmoralisch, seine politischen Gegner als moralisch schlecht oder böse anzusehen (und seine eigene Partei als gut. Es führt zu Hass und der ist immer schlecht. Und es führt zu einer Einstellung, die die Macht der Regierenden betont, statt daran zu arbeiten, wie die Macht eingeschränkt werden kann.” (Zitatende)
Zitiert aus: K.R. Popper: “Alles Leben ist Problemlösen”, Seite 222, Piper, München 1994
Natürlich bezieht das jetzt jeder wieder auf seine jeweiligen “bösen oder schlechten” politischen Gegner. Und alles bleibt (propagandistisch) beim Alten.
Aber wie das Spiegel- Interview im gleichen Band überdeutlich macht, hatte er zumindest in diesem Interview von 1992 ein eideutig (naiv oder straregisch) vorurteilsbehaftete und ziemlich realitätswidrige Einstellung zum Imperialismus der der westlichen Weltmacht :
Was bei der SU totalitär imperialistisches Weltmachtsreben war, stellt er bei den USA als globale humanistisches Weltrettungsbestreben dar.
Und genauso verkünden es seine neoliberalen Jünger noch bis heute.
So realitätsblind konnte eigentlich ein K.R. Popper nicht sein.
Wie dem auch sei – Er meinte halt, (oder es war seine Rechtfertigungstheorie für sein Kleinreden des darwinistischen US- (Wirtschafts-Liberalismus) , man müsse trotz aller “Schlechtigkeiten ” Daueroptimist sein , damit die Menscheit ihre Probleme einigermaßen lösen kann.
Das Interview des damals nochk kritischen “Spiegel” zeigt fast schon peinlich, wie er sich um einige kritische Rückfragen der Interviewer “herumschwurbelt”.
Und dass dem (oft zu recht) weltweit hochgelobten Erkenntnistheoretiker dann von namhaften Wissenschaftlern vorgeworfen wurde, dass seine Kritik des Historizismus dann auch kritisch im Hinblick auf die Evolutionstheorie angewendet werden kann, hat ihm (obwohl er diesen Gedanken zunächst selbst angeregt, später aber diesbezüglich “Buße” getan hatte) zeitlebens wohl schwer zu schaffen gemacht
Danke, @little louis
Gegen sachliche Kritik auch an Popper habe ich nichts auszusetzen – diese habe ich ja im o.g. Podcast auch geübt und sie entspricht auch seinem eigenen Kriterium der Falsifikation. Popper verkündete auch nach seinem eigenen Verständnis ja keine überzeitlichen Wahrheiten, sondern hart erarbeitete, aber wiederum falsifizierbare Thesen.
Nur aus einem Satz von Ihnen bin ich beim besten Willen nicht schlau geworden:
Und genauso verkünden es seine neoliberalen Jünger noch bis heute.
Wen genau meinen Sie mit “neoliberale Jünger noch bis heute”? Der Holocaust-Überlebende und spätere Milliardär George Soros kann es ja nicht sein, der ja gerade auch den US-Kapitalismus kritisch hinterfragte und deswegen immer wieder mit antisemitischen Verschwörungsmythen überzogen wird, auch durch Elon Musk.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-42-antisemitismus-gegen-george-soros-die-ambivalenz-von-ki-kokons/
Oder meinen Sie die MAGA-Crowd um Donald Trump, der ja aber gerade keinen liberalen Freihandel, sondern einen brutalen Merkantilismus vertritt?
Uns beide von “Blume & Ince” können Sie ja auch nicht meinen, da sich keiner von uns beiden als “neoliberal” oder “Jünger” Poppers versteht und wir beide auch Kritik an ihm geübt haben.
Also – wen genau meinen Sie mit heutigen “neoliberalen Jüngern” Poppers, @little louis? Oder konstruieren Sie sich da – wie es ja auch Marxisten tun – einen Dualismus aus der Vergangenheit?
Peter Gutsche schrieb (16.08.2025, 17:07 Uhr):
> […] ein Witz […] (nicht von mir):
Als (
ersterletzter selbständiger) Autor dieses Witzes (in seinen bekannten Varianten) gilt übrigens der englische Mathematiker Ian Stewart.> […] kritische Rationalist[en würden …] ergänzen:
Dieser zitierten kritisch-rationalistischen Ergänzung
wäreist jedenfalls entgegenzusetzen:Der Satz “Alle Schafe in Schottland sind weiß.” ist doch gar kein Begriffs-System, das Definitionen der darin gebrauchten Begriffe “Schaf”, “Schottland” “weiß” bereitstellt; und insbesondere weder die gebräuchliche Definition eines dieser Begriffe unter Verwendung der schon vorher definierten beiden anderen, noch ein Theorem, das aus (separat gegebenen) Definitionen aller drei Begriffe logisch zwingend zu folgern wäre.
Sondern dieser Satz ist (lediglich) eine Formulierung, die die drei Begriffe verwendet;
– entweder als (wahrer) Ausdruck eines (tatsächlichen) empirischen Befundes — was sicherlicher nicht zutrifft,
– oder als Ausdruck einer (abstrakt ursprünglich denkbaren und anschließend empirisch prüfbaren) Behauptung/Annahme/Vermutung/Prognose — die sicherlich schon längst widerlegt ist.
Dieser Satz ist also keine Theorie, und nicht Bestandteil einer Theorie, sondern Bestandteil eines (sicherlich falschen, längst widerlegten) Modells.
(Und “das gegenwärtige Standard-Modell der geographischen Zoologie” umfasst diesen genannten Satz bestimmt nicht.)
Man beachte, dass die Begriffe “Schaf”, “Schottland” “weiß” jedenfalls (trotz der sicherlich längst erfolgten Widerlegung des genannten Satzes) unverändert mitteilbar und zur Formulierung anderer Sätze verwendbar geblieben sind.
(Und zwar von anderen, ebenfalls empirisch prüfbaren Sätzen/Behauptungn/Annahmen/Vermutungen/Prognosen, die jedoch noch nicht für widerlegt befunden wurden und die daher und bis auf Weiteres Bestandteil des gegenwärtige Standard-Modell der geographischen Zoologie sind.)
p.s.
Die (epistemische ?) Pointen-Variante …
… erinnert (auf witzige Weise) an die Notwendigkeit und Möglichkeit, an Begriffs-Definitionen festzuhalten
(und zwar insbesondere auch über Widerlegungen von gewissen damit formulierten
Sätzen/Behauptungn/Annahmen/Vermutungen/Prognosen/Wett-Aussagen hinaus):
ein “Schaf” soll im in Betracht gestellten Zusammenhang eben kein
“(behaartes) Chamäleon” sein (das seine Fellfarbe willkürlich und sogar Wett-taktisch setzen könnte) und z.B. auch keine “Werbe-Tafel” (deren Geschäfts-Seite gelegentlich frisch beklebt oder bemalt würde).
p.p.s. — Sozio-philosophische Pointen-Variante:
Hallo little Louis, hallo Michael Blume.
Meiner Meinung nach verwenden Naturwissenschaftler und Philosophen
häufig Begriffe, die für Laien schwer verständlich sind.
Das verursacht bei vielen Laien Unverständnis, Unbehagen und Ablehnung.
Gute Naturwissenschaftler und Philosophen können ihr Fachgebiet auch
mit leicht verständlichen Worten erklären.
Ja, @Karl Bednarik – gerade auch Karl Popper wurde und wird für seine einfache Sprache oft gerühmt. Gleichwohl musste auch er aber Fachbegriffe wie Historizismus definieren. Denn die Realität außerhalb unseres Mesokosmos ist leider komplex und verlangt uns Menschen – bei Interesse – auch Anstrengungen ab.
Ihnen einen guten Start in die Woche! ☺️🙌☕️