Blume & Ince 61: Die CDU / CSU am rechtsmimetischen Abgrund, die FDP schon einen Schritt weiter

Am gestrigen Abend den Absturz der CDU insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern, das schon kaum noch diskutierte Verlöschen der FDP und die massiven Stimmengewinne für die AfD zu erleben, war schlimm genug. Die auch gegenüber den Mitgliedern der eigenen Partei eiskalt-rechtslibertäre Konzernchef-Rede von Friedrich Merz (CDU) machte es für mich noch schlimmer.
Doch erfreulicherweise bestand die Chance, mit meinem lieben und dialogischen Freund, dem BWL-Professor Dr. Inan Ince zu sprechen, der aus Berlin stammt und seit ein paar Monaten auch wieder Mitglied der Linkspartei ist. In „Blume & Ince 61“ sprechen wir als Podigee-Podcast und Videocast über den Wahlabend der Senats- und Landtagswahlen im Nordosten der Bundesrepublik.
Und ich will es vorab sagen: Dass ich meine politikwissenschaftliche Mimesis-Medientheorie wesentlich bestätigt gefunden habe, fühlte sich nicht gut, sondern für mich als Anhänger unseres Grundgesetzes einer parlamentarischen Republik emotional eher bedrückend an.
Menschenwürde oder Rechtsmimesis? Die Christdemokratie entstand aus dem deutschen Zentrum, wogegen sich konservative versus (sozial-)liberale Parteien in den angelsächsischen Westminster-Parlamenten von Großbritannien, Kanada, den USA, Australien usw. entfalteten. Die deutsch-rechtskonservative DNVP ließ sich mit den Nazis ein und ging verdient unter. Foto: Michael Blume
Denn diese Theorie – wer sie bereits kennt, kann den Abschnitt überspringen – besagt: Menschen orientieren sich evolutionspsychologisch vor allem an anderen Menschen, übernehmen voneinander Ziele (Mimesis). So funktioniert ja beispielsweise auch Werbung. Durch digitale und algorithmische Medien wird dieser Effekt gegenüber der Zeitungsdemokratie massiv verstärkt, was wir ja auch über die Politik hinaus am sog. Influencing beobachten können.
Die auch öffentlich schon länger bekannte These „Landtagswahlen werden zunehmend zu Oberbürgermeisterwahlen.“ bestätigt sich damit in doppelter Hinsicht: Einmal wird die persönliche Glaubwürdigkeit von Spitzenkandidierenden gegenüber Parteien und Parlamenten immer wichtiger (Überpersonalisierung) und zum anderen werden die Regionen immer prägender, in denen politische, ja zivilreligiöse Traditionen mimetisch tradiert werden.
Dass sich die AfD etwa in die Tradition des preußischen Kaiserreiches stellt, ist nicht alleine meine Beobachtung, sondern auch die Selbstaussage ihrer Jugend(!)organisation:
Florian Ruß, Bundesvorstandsmitglied der Generation Deutschland, begrüßte die Delegierten in seiner Eröffnungsansprache mit den Worten: »Willkommen im Osten, willkommen in Preußen.« Es sei »kein Zufall«, dass der Bundeskongress in Magdeburg stattfinde, sagte Ruß. »In einer Woche wird hier Geschichte geschrieben.«
Hier also Folge 61 von „Blume & Ince“ mit dem Titel „Die Landtagswahlen in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern – und Preußen?“ als Videocast, als Podigee-Podcast und bei allen gängigen Streaming-Diensten.
Und wie immer auch hier auf „Natur des Glaubens“ mit der herzlichen Einladung zum konstruktiven und interdisziplinären Dialog.

Danke für euer Gespräch, Micha und Inan. Hat mir nach gestern geholfen.
Zu viele Wissenschaftlys denken noch in Parteien, dabei fühlen Menschen Menschen. Auch über den Bildschirm: „Touch the Screen!“ Darüber hat Genesis schon in den 90ern in „Jesus he knows me“ besungen. Das meinst du mit Mimesis-Medien, nicht wahr?
Herzlichen Dank für den dialogischen Druko, @JenH, auf den ich gerne dialogisch eingehe.
Du schriebst:
„Danke für euer Gespräch, Micha und Inan. Hat mir nach gestern geholfen.“
Das ging mir auch so. Von Menschen in der Wissenschaft wird ja gerne erwartet, dass sie gleichzeitig analytisch (distanziert) und empathisch (mitfühlend) sein sollen. Das geht gerade in den Kultur- und Sozialwissenschaften nur sehr schwer. Der Dialog mit wirklich interessierten Menschen wie Inan hilft mir, gerade auch nach schlimmen Stunden wie gestern das Eine mit dem Anderen zu verbinden.
„Zu viele Wissenschaftlys denken noch in Parteien, dabei fühlen Menschen Menschen.“
Ja, das stimmt – und geht ja auch noch auf weiter. Unsere sozialen Kognitionen erstrecken sich ja nicht nur auf Menschen, sondern auch auf überempirische Akteure (Geister, Gottheiten, Bodhisatvas usw.), auf imaginäre Figuren wie Superhelden und zunehmend auch auf KI-Agenten.
Wir unterscheiden daher inzwischen zwischen sozialen und para-sozialen Beziehungen. So bin ich gerade auf dem Weg nach Lörrach zu einer Folge des „Struve Talk“.
Am 21. September 1848 hatte dort Gustav Struve die Republik ausgerufen und ich hatte dazu dort am 21. September 2015 eine Revolutionsrede gehalten:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/revolutionsrede-zum-struwwelputsch-am-21-8-1848-in-loerrach-die-revolution-traegt-deinen-namen/
Klar könnte ich mich auch einfach digital nach Lörrach schalten lassen. Aber die Menschen empfinden doch zu Recht noch einen Unterschied zwischen einer echten, sozialen Begegnung und einer medial vermittelten und nur parasozialen Begegnung. Deswegen nehme ich mir die Zeit.
„Auch über den Bildschirm: „Touch the Screen!““
Ja, ich kenne diesen Ausdruck als früheren Spott über Fernseh-Esoteriker, die Menschen Heilung versprachen, wenn die Hilfsbedürftigen Geld überwiesen und den Bildschirm dann für die „gekaufte Energie“ berührten. Mit den Touch-Screens auf den Smartphones machen das ja inzwischen täglich Milliarden. Und aus meiner Sicht ist es daher kein Zufall, dass wir seit der Einführung von Smartphones und algorithmischen Konzernmedien („Sozial Media“) sowohl in den PISA-Ergebnissen wie in der Antisemitismusforschung ab 2012 massive Abstürze sehen. Ich nenne das Neurohacking, weil jetzt immer mehr von uns Menschen digital thymotisiert (aufgeregt und verdummt) werden.
„Darüber hat Genesis schon in den 90ern in „Jesus he knows me“ besungen.“
Genau das. Das Genesis-Album „We Can’t Dance“ mit der eindringlichen Stimme von Phil Collins hat meine Jugendjahre geprägt. Und das Phänomen, dass schon damals immer mehr Menschen von echten, sozialen Gottesdiensten auf parasoziale TV-Gottesdienste umschwenkten und den Fernsehpredigern Millionen „spendeten“, hat sicher zu meinem späteren Interesse an Religionswissenschaft, insbesondere Religions- und Medienpsychologie beigetragen.
„Das meinst du mit Mimesis-Medien, nicht wahr?“
Ja, ganz genau das meine ich: Umso näher uns Medien rücken, umso stärker wird der mimetische Effekt. Ich habe ja selbst noch als Jugendgemeinderat und CDU-Gemeinderat eine Zeitungsdemokratie erleben dürfen und bekam u.a. den Rat: „Was nicht in der Zeitung steht, ist nicht passiert.“
Inzwischen aber laufen die großen Nachrichten- und Videoströme (Main-Streams) fast komplett über das Internet – und dort sind wiederum die verzerrenden („thymotisierenden“) Algorithmen von Konzernmedien viel stärker als das dialogische Fediversum. Deswegen beobachte ich einerseits die politische Überpersonalisierung, hinter der ganze Parlamente und Parteien verschwinden. Und andererseits die Wiederkehr von regionalen Prägungen, in denen die „News“ ausgewählt und geteilt werden.
Dass sich einmal Jugendorganisationen von großen Parteien wieder auf das preußisch-fossile Kaiserreich berufen würden, wird damit zwar erklärbar, aber nicht weniger schrecklich.
Zur Information, das Kontrollratsgesetz von 1947 verlangte die politische Auflösung des Landes Preußen und aller Institutionen mit diesem Namen.
Der Name „Preußen“ durfte auf keiner Landkarte mehr zu sehen sein.
Das Haus Hohenzollern hat diese Bestimmung geschickt unterwandert mit der Stiftung preußischer Kulturbesitz. Dieses Politikum weiß heute fast niemand mehr.
…und was ist in der Bildunterschrift Vorpommern – und Preußen bei ihnen gemeint ?
Danke für die Nachfrage, @NI
Passenderweise befinde ich mich gerade auf dem Weg nach Lörrach, wo ich heute im „Struve Talk“ an die Ausrufung der Republik durch Gustav Struve („Struveputsch“) vom 21. September 1848 erinnere – auch damals gegen das fossil-autoritäre Preußen!
Ich hatte dazu die Ehre, die Lörracher Revolutionsrede am 21. September 2021 halten zu dürfen:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/revolutionsrede-zum-struwwelputsch-am-21-8-1848-in-loerrach-die-revolution-traegt-deinen-namen/
Bewusst habe ich auch im Podcast dazu das „Badische Wiegenlied, 1849 von Ludwig Pfau zitiert, das bis heute erinnert wird und die Folgen der Tyrannei erinnert:
1. Schlaf, mein Kind, schlaf leis,
dort draußen geht der Preuß!
Deinen Vater hat er umgebracht,
deine Mutter hat er arm gemacht,
und wer nicht schläft in guter Ruh,
dem drückt der Preuß die Augen zu.
Schlaf, mein Kind, schlaf leis,
dort draußen geht der Preuß!
2. Schlaf, mein Kind, schlaf leis,
dort draußen geht der Preuß!
Der Preuß hat eine blutige Hand,
die streckt er übers badische Land,
und alle müssen wir stille sein,
so wie dein Vater unterm Stein.
Schlaf, mein Kind…
3. Schlaf, mein Kind, schlaf leis,
dort draußen geht der Preuß!
Zu Rastatt auf der Schanz,
da spielt er auf zum Tanz,
da spielt er auf mit Pulver und Blei,
so macht er alle Badener frei.
Schlaf, mein Kind…
4. Schlaf, mein Kind, schlaf leis,
dort draußen geht der Preuß!
Gott aber weiß, wie lang er geht,
bis dass die Freiheit aufersteht,
und wo dein Vater liegt, mein Schatz,
da hat noch mancher Preuße Platz!
Schrei’s, mein Kindlein, schrei’s:
Dort draußen liegt der Preuß!
Dass sich die fossile Bundes-Energiepolitik schon länger wieder am preußischen Fossilismus und Zentralismus ausrichtete, hatte ich ja schon länger beobachtet & auch gebloggt:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-fossilismus-aus-dem-ehemaligen-preussen-warum-deutscher-energieglauben-auch-regional-gepraegt-ist/
Dass sich jedoch, wie oben gebloggt und verlinkt, sogar die AfD-Jugendorganisation in Magdeburg (!) vor der Wahl in Sachsen-Anhalt ausdrücklich zum Preußentum bekannte, sollte auch die Letzten Geschichtsbewussten nachdenklich stimmen:
„Florian Ruß, Bundesvorstandsmitglied der Generation Deutschland, begrüßte die Delegierten in seiner Eröffnungsansprache mit den Worten: »Willkommen im Osten, willkommen in Preußen.« Es sei »kein Zufall«, dass der Bundeskongress in Magdeburg stattfinde, sagte Ruß. »In einer Woche wird hier Geschichte geschrieben.«
Wie Sie richtig schrieben, wurde Preußen nach der NS-Niederlage zwar als Staat aufgelöst, aber darüber in der BRD zu wenig und in der DDR noch weniger aufgeklärt.
Und nun sehen wir die mimetische Wiederkehr des fossilen Faschismus genau in jenen Regionen, in denen auch damals das Bündnis aus DNVP und NSDAP erfolgreich war. Und dann ganz Deutschland, auch Ihre Vorfahren in den Abgrund riss…
Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.
Besten Dank für eine sehr informative Podcast-Folge von Blume und Ince.
Die UDF und die RPR waren bis in die 1980er Jahre zwei Mitte-Rechts Parteien in Frankreich.
Friedrich Merz gewann eine Mitgliederbefragung, an der m.W. mehr als die Hälfte der Mitglieder teilgenommen hat. 60% entschieden sich für Merz, der z.B. der Favorit der Werte-Union war. Auf Twitter wurden langjährige Mitglieder, die Herrn Merz nicht wollten, massiv angegriffen, teilweise übel beleidigt.
In Berlin wurde 2021 „The Republic“ als konservatives Internet-Medium gegründet. Gerade auf Social Media erhielt Friedrich Merz Unterstützung.
Wolfgang Schäuble sprach sich öffentlich für Herrn Merz als Parteivorsitzenden aus. Sein Wort hatte großes Gewicht in der CDU. Manches Mitglied wird sich auch daran orientiert haben.
Ihre Ausführungen über die Verbindung von Preußen und Russland während der Zeit Napoleons habe ich nicht verstanden. Die Beziehungen der europäischen Monarchien zu Russland intensivierte zunächst Peter der Große (1672-1725). Dessen Orientierung nach Westen dokumentiert sich auch in der Gründung der Stadt Sankt Petersburg.
Die Zarin, die wir als Katharina die Große kennen, war von Geburt eine deutsche Prinzessin. Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst.
„1743 beschloss Kaiserin Elisabeth Petrowna auf Anraten Friedrichs II., den russländischen Thronfolger Großfürst Peter Fjodorowitsch mit Sophie zu vermählen.“ (Wikipedia)
„Als Katharina die Große 1772 für ihren Sohn…eine Braut suchen ließ, setzte sie auf eine eheliche Verbindung mit einer Prinzessin aus einem deutschen Fürstenhaus.“ (Wikipedia)
„“…kam es aber auf Wunsch Friedrichs des Großen und Katharinas der Großen zur Verlobung von Sophie Dorothee* mit dem soeben verwitweten Thronfolger Paul.“ (Wikipedia)
*Sophie Dorothee Auguste Prinzessin von Württemberg, 1759-1828
Am Siebenjährigen Krieg (1756-1763) war Russland ebenfalls beteiligt.
Eine ausschließliche oder besondere Hinwendung Preußens an Russland in der Ära Napoleons kann ich nicht erkennen.
Gerade das im Südwesten Deutschlands liegende Königreich Württemberg hatte zwischen 1806 und 1918 zwei Königinnen, die russische Zarentöchter waren. Katharina (1788-1819) und Olga (1822-1892).
Die zwischen den europäischen Dynastien üblichen Verwandtenhochzeiten hatten zur Folge, dass mehr als einmal Ehen zwischen Cousin und Cousine geschlossen wurden.
Mit der „Badischen Revolution“ habe ich mich noch kaum beschäftigt. Daher wage ich keine Einschätzung, ob diese tatsächlich aus der Revolutionszeit herausragt. Möglicherweise hängt meine Skepsis mit meinen Vorbehalten gegen Baden zusammen.
Die CDU steht mE vor der vermutlich unausweichlichen Richtungsentscheidung. Das macht mir große Sorgen.
In seiner Stellungnahme am gestrigen Wahlabend war der Bundeskanzler überzeugt davon, die geplanten Reformen konsequent umzusetzen. Vielleicht ist ihm bewusst geworden, dass es keine besseren Erklärungen für die Pläne der Bundesregierung gibt, die die Menschen überzeugen würden. Also wäre es – aus seiner Sicht – verlorene Zeit, wollte man es versuchen. Dann doch jede Minute nützen, um die Pläne in die Tat umzusetzen. Meine Interpretation.
Vielen Dank für Ihr lebendiges und vielseitiges Interesse, @Marie H.
Über Ihre „Vorbehalte gegen Baden“ würde ich gerne mehr erfahren – denn ich habe diese nicht. Sehr bewusst übe ich seit 2017 ununterbrochen einen Lehrauftrag für Berufs- und Medienethik am KIT in Karlsruhe aus.
Und klar fanden die badisch-liberalen Aufstände wie der Heckerzug oder der Struveputsch – zu dessen Erinnerung ich heute in Lörrach bin – im Kontext der gesamtdeutschen Revolutionen statt.
Konkret hat mich hier in Lörrach neben der jüdischen Gemeinde und christlichen Kirchen auch der Landtagsabgeordnete Jonas Hoffmann (SPD) beeindruckt, der auch dem neuen Landtag gutgetan hätte.
Eine langjährige Freundschaft verbindet mich auch mit dem badischen Landes- & Polizeirabbiner sowie Lörracher Gemeinderabbiner Moshe Flomenmann, der heute jedoch wegen Jom Kippur nicht zum „Struve Talk“ kommen kann.
Wie können wir in Zeiten zunehmender Spaltung Freiheit und Menschenwürde verteidigen? Im Rahmen der Reihe „STRUVE TALKS“ diskutiert LARS FRICK mit dem Antisemitismusbeauftragten der baden-württembergischen Landesregierung,
DR. MICHAEL BLUME, über die drängendsten Fragen unserer Gegenwart. Inspiriert vom Erbe der 1848er-Revolutionäre Amalie und Gustav Struve schlägt das Gespräch den Bogen von historischen Idealen zu aktuellen Lösungsansätzen für unsere Demokratie. Wie gelingt ein gutes Miteinander? Wie können Menschlichkeit und Menschenrechte wieder zum Mittelpunkt unseres gesellschaftlichen Handelns werden?
https://www.loerrach.de/de/Loerrach-Erleben/Kultur/Veranstaltungskalender/Veranstaltung?view=publish&item=eventDate&id=9379
Über die Geschichte von Preußen zwischen Frankreich und Russland, samt dem Überlaufen der preußischen Armee zum russischen Zaren am 30. Dezember 1812 mit der Konvention von Tauroggen gegen den zerfallenden Feldzug Napoleons, hatte ich ja bereits ein eBooklet veröffentlicht:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/b-wie-berlin-babylon-preussen-und-der-fossile-faschismus/
Bei der Völkerschlacht von Leipzig im Oktober 1813 lä kämpften und siegten dann bereits Preußen mit Russland und Österreich, u.a. gegen Frankreich, Sachsen, Baden & Württemberg.
https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkerschlacht_bei_Leipzig
Ich sehe klare, mimetische Nachwirkungen dieses innerdeutschen Traumas, das während der Sowjetbesatzung der einstigen DDR noch verstärkt wurde. Ich habe noch selbst als Kind im heutigen Sachsen-Anhalt einiges davon erfahren – wobei „die Russen“ als Bezeichnung für die Sowjets verallgemeinert und die Existenz anderer Völker wie der Ukrainer oder Balten negiert wurde.
Und diese mimetischen Prägungen wirken mit tyrannophilen Unterwerfungsfantasien unter Putin besonders stark auch in der einstigen DDR, im ehemaligen Preußen und in Sachsen weiter.
Die Angst, „schon wieder“ in einen Krieg mit Russland verwickelt zu werden, wird ja auch von der russischen Digital-Propaganda mit einigem Erfolg geschürt. Entsprechend unterwürfige Putin-Tyrannophilie verbreiten ja auch @Realo und @NI immer wieder hier auf dem Blog.
Das eben meine ich damit, wenn ich darauf hinweise, dass Freiheit, Würde und Demokratie in jeder Generation und jeder Region neu gelebt und verteidigt werden müssen.
Das Präventions- und Friedensparadox lässt die wissenschaftlichen und demokratischen Motivationen leider immer mal wieder erlahmen.
Und die Publikative ist leider die Schwachstelle jeder größeren, demokratischen Republik:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/journalismus-mit-brandstiftung-die-publikative-ist-die-schwachstelle-jeder-groesseren-demokratischen-republik/
Fossile Faschisten nutzen derzeit massiv digitale Konzernmedien, um auch in Deutschland Menschen zu thymotisieren und zu manipulieren.
Und wie wir sehen, erzielen sie damit derzeit – auch aufgrund der empathiearmen, rechtsmimetischen Politik und Kommunikation des Bundeskanzlers – leider doch viel zu viel Resonanz.
Herzliche Grüße aus dem wunderschönen Baden in Baden-Württemberg! 🙌
Besten Dank.
https://d-nb.info/1252383363/34
Die historischen Gründe für die Hochrisikospiele zwischen badischen Fußballmannschaften und insbesondere dem VfB Stuttgart interessieren mich schon sehr lange.
Da ich normalerweise keinerlei Vorbehalte gegen Menschen habe, ganz gleich wo sie herkommen, empfand und empfinde ich die Abneigung der Badener gegenüber den Bewohnern im württembergischen Landesteil als verletzend.
Obwohl ich die Glorifizierung des württembergischen Herzogs Eberhard im Bart durch Justinus Kerners Gedicht „Der reichste Fürst“ nicht gut finde, ist mir „Preisend mit viel schönen Reden“ emotional näher. Das „Hohenzollern-Lied“ kann ich ohne Vorbehalte anerkennen. Das „Badnerlied“ nicht.
Letzteres wird bis heute in voller Lautstärke bei Heimspielen des SC Freiburg und der TSG Hoffenheim gespielt. Mit besonderer „Freude“ bei Partien gegen den VfB aus Stuttgart.
Die Dissertation des Autors des verlinkten Artikels ist als PDF ebenfalls online zu finden. Er stellt darin fest, dass es gerade die „Badische Revolution“ ist, die die Badner sich den Württembergern überlegen fühlen lässt.
Natürlich ist mir bekannt, dass die Dynastien Baden und Württemberg verwandtschaftlich verbunden sind.
Sie weisen darauf hin, dass regionale Traditionen auch unbewusst weitergegeben werden. Die Bevölkerung ist über die Jahrzehnte hinweg nicht unverändert geblieben. So kamen als unmittelbare Folge des 2. Weltkriegs Vertriebene und Flüchtlinge aus dem Sudetenland, Ostpreußen, Schlesien etc. zu uns. Auch meine Mutter, Großmutter und Urgroßmutter waren Vertriebene.
Die Prägung dieser Menschen ist über Jahrhunderte hinweg eine andere gewesen als die der Menschen hier. Müssten sich durch Integration nicht auch veränderte Traditionen im Denken und Handeln ergeben haben?
Vielen lieben Dank, @Marie H. – nun verstehe ich Sie besser und kann – auf der Rückfahrt aus Lörrach – auch erläutern, warum ich diese Vorbehalte gegen badische Menschen nicht teile.
Aus meiner Sicht gehört de Phase der dualistischen „Wir-Die-Abgrenzung“ zur Idenitätsbildung von Menschen, die wir nicht unterdrücken, sondern dialogisch und humorvoll transzendieren sollten.
So gibt es das Derby-Phänomen zwischen Sportteams weltweit: Vereine aus benachbarten Städten wetteifern oft besonders intensiv gegeneinander und sind auch regionalkundig genug, um einander zu piesacken und zu schmähen.
Diese Beispiele gibt es aus Baden & Württemberg, aber ebenso aus Bayern und aus Berlin, sehr heftig auch in Nordrhein-Westfalen und auch international, etwa in Großbritannien und den USA.
Der Sport lässt sich auch als Versuch verstehen, den menschlichen Tribalismus (die Neigung zu gegeneinander abgeschotteten Herkunftsgruppen) rituell einzuhegen.
Politisch habe ich die gleichen Effekte auch schon sehr früh in der Kommunalpolitik meiner württembergischen Heimatstadt Filderstadt gemacht, die aus fünf früher eigenständigen Gemeinden besteht. Zwischen Bernhausen und Sielmimgen, Plattenhardt, Bonlanden und Harthausen gibt es eine Vielzahl an identitären Abgrenzungen, die von freundlichem Spott bis zu Rivalitäten im Sport reichen.
Und sogar in meinem Heimatdorf Sielmingen erlebte ich als jugendlicher Zeitungsausträger noch Nickeligkeiten zwischen Ober- und Untersielmingern, hörte Geschichten von früheren Prügeleien mit dem katholischen Nachbardorf Neuhausen (mit riesiger Kirche & Karneval)!
Auch in meiner täglichen Arbeit gegen Antisemitismus bin ich immer wieder damit konfrontiert, dass unser Nachbarland Schweiz zu Recht eine eigene Identität & Erinnerungskultur pflegt – und keineswegs auf Belehrungen vom „großen Kanton“ im Norden wartet.
Entsprechend bemühe ich mich wo immer möglich um ein Verstehen, dialogisches und humorvolles Bearbeiten von Tribalismus und Vorurteilen.
Und postete beispielsweise bewusst diplomatisch nach meiner Rückreise von Lörrach über Basel nach Stuttgart zu einer aktuellen SWR-Meldung:
Ich liebe die Alpenrepublik sehr, sprach in Davos über das jüdisch-christlich-republikanische Miteinander & rief zum gemeinsamen Kampf gegen Antisemitismus auf.
Denn leider beschützt die Schweiz bis heute Leute wie den Schweizer Ivo Sasek oder die aus Deutschland stammenden Tilman Knechtel & Markus Krall, die gefährliche, antisemitische Verschwörungsmythen im deutschsprachigen Raum verbreiten.
Umso dankbarer bin ich jenen Schweizerinnen & Schweizern, die mutig und kritisch auch die eigene Geschichte aufarbeiten & derzeit etwa die Nicht-Verfolgung des NS-Massenmörders Josef Mengele thematisieren.
Die Schweiz braucht sicher keine deutschen Oberlehrer – für diese Rolle stehe ich nicht zur Verfügung. Doch als Dialogpartner & Freund (& auch als Bewunderer der Schweizer Philosophin Jeanne Hersch) stehe ich an der Seite jener, die Verantwortung für die Geschichte & damit auch Zukunft übernehmen.
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117313597235548449
Dass unserem Heimatland Baden-Württemberg als bisher einzigem Bundesland in der Bundesrepublik Deutschland eine friedliche und demokratische Einigung gelungen ist, empfinde ich als persönliche Verpflichtung, die badische Regional- und Revolutionsgeschichte im europäischen Kontext besonders zu ehren und sichtbar zu machen.
Wo nötig dann sogar gegenüber Preußen! 😉🇩🇪🇪🇺🙌
Sich mit den Fehlern der Vergangenheit im eigenen Land zu beschäftigen, ist aller Ehren wert. Das gilt hier auch für die Schweiz.
Wir Deutschen wurden schon kurz nach dem 2. Weltkrieg über die im deutschen Namen und von Deutschen begangenen Verbrechen aufgeklärt.
Jedoch hatten der Aufbau des Landes, der beginnende kalte Krieg etc. für die Menschen Priorität. Neue Narrative über das eigene Verhalten im 3. Reich entstanden, die – verständlicherweise – die individuelle Verstrickung in vielen Fällen verleugneten oder verharmlosten.
Angesichts der Ereignisse in diesen Tagen werde ich das Gefühl nicht los, dass eine intensive Auseinandersetzung mit der Zeit zwischen 1945 und 1955 bis heute unterblieb. Es scheint eine Form von „Schlussstrich“ zu sein, wenn das Kriegsende als „Stunde Null“ dargestellt wird.
Anfang der 1950er Jahre wählten viele die SRP, die schließlich vom Bundesverfassungsgericht verboten wurde. Nach allem, was von 1933-1945 geschah, hatten manche offensichtlich keine Hemmungen einer Partei ihre Stimme zu geben, die sich durchaus in der Nachfolge der NSDAP sah!
Viele von uns erinnern – auch auf Social Media – an Menschen, die ab 1933 ausgegrenzt, misshandelt, verfolgt, eingesperrt oder ermordet wurden. Wenigen gelang die Flucht in ein „sicheres“ Exil.
Von denen, die in Großbritannien oder USA den Krieg überlebt hatten, kamen nur wenige dauerhaft nach Deutschland zurück.
Lilli Palmer lebte mit ihrem zweiten Ehemann ab 1960 in der Schweiz. Adolf Wohlbrück wohnte weiterhin in London und kam immer nur für eine begrenzte Zeit nach Deutschland, um vor der Kamera oder auf der Bühne zu stehen. 1948 wurde er britischer Staatsbürger.
Carl Zuckmayer und Hermann Hesse zogen es ebenfalls vor, ihren ständigen Wohnsitz in der Schweiz zu wählen bzw zu behalten.
Ja, es bleibt wichtig an alle Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern. Sie bei ihrem Namen zu nennen und ihnen ihre Identität ein Stück weit wiederzugeben.
Bei den Geschichtsvergessenen in unserem Land bringt das Erinnern nichts mehr. Das ist bitter!
Vielen herzlichen Dank und viel Zustimmung, @Marie H. 🙏
Was mich dabei wirklich umtreibt, ist der Umstand, dass sich etwa die oben zitierte AfD-Jugendorganisation ausdrücklich selbst auf das 1947 aufgelöste „Preußen“ bezieht und also nicht zu „den Geschichtsvergessenen in unserem Land“ zu zählen ist.
Diese Leute wissen, was sie tun, sie beziehen sich sehr bewusst auf regionale, autoritäre und demokratiefeindliche Traditionen!
Auch von der „Preußische Allgemeine“ wurde ich ja schon der „Erfindung des ‚fossilen Faschismus'“ geziehen:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-fossilismus-aus-dem-ehemaligen-preussen-warum-deutscher-energieglauben-auch-regional-gepraegt-ist/
Dagegen möchte ich klarstellen: Ich habe den fossilen Faschismus nicht ‚erfunden‘, sondern bestenfalls entdeckt!
Auch angesichts eines heutigen Medienkonzern-Termins in Berlin dürfen wir nicht von fehlender Geschichtskenntnis ausgehen:
Heute bekommt der Rechtsdualist Peter Thiel vom Medienmogul Mathias Döpfner in Berlin den „Axel Springer Award“.
Den auch schon z.B. Elon Musk erhalten hat, der zur Bundestagswahl 2025 (!) im Springer-Medium WamS zur Wahl der AfD (!!) aufrufen durfte.
Hugenberg lässt grüßen – diese Leute wissen, was sie tun.
Habe mir die Katechon- und Mimesis-Lehren von Thiel religionswissenschaftlich angeschaut & dazu deutliche Worte gefunden:
„Ich beobachte die Arbeiten, Aussagen und Texte von Peter Thiel bereits seit Längerem und halte ihn für einen gefährlichen, verschwörungsgläubigen Apokalyptiker“, sagt der Antisemitismusbeauftragte der Landesregierung in Baden-Württemberg, Michael Blume, auf katholisch.de-Anfrage. […]
„Wer europäische Daten und europäisches Geld an verschwörungsgläubige Techbros wie Thiel oder Musk verausgabt, untergräbt die Sicherheit der Europäischen Union samt ihren Kirchen und Religionen sowie ihrer noch demokratischen Parlamente“, so Blume.
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117325065607983557
Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.
Auch deswegen sind mir Ihre historischen Kommentare immer wieder so wichtig, @Marie H.! 🙏📖👍
Guten Tag@Inan und @Michael,
danke für Eure Einordnung der Wahlen! Ich weiß Euren parteiübergreifenden Dialog sehr zu schätzen!
Besonders spannend finde ich den Hinweis, @Michael, auf die Rolle alter, regionaler Traditionen, die weiter in die Vergangenheit zurückreichen als die Spaltung in Ost- und Westdeutschland. Das war mir so nicht bewusst.
Ohne interdisziplinäre Vergleiche zu sehr strapazieren zu wollen, finde ich ein sehr schönes Analogon dazu in der Geologie: Aus der Erdgeschichte wissen wir, dass alte Bruchlinien und Störungszonen nicht einfach verschwinden. Sie bleiben als Zonen verminderter Kohäsion im Gestein erhalten und werden oft erst durch spätere, großräumige Spannungen reaktiviert. Diese alten Strukturen wirken dann als Schwächelinien, entlang derer sich neue Verwerfungen konzentrieren und ausbilden – ein Phänomen, für das in der Literatur bisweilen der wunderschöne Begriff „tectonic memory“ verwendet wird.
Überträgt man dieses Modell auf die Geschichts- und Politikwissenschaft, ließe sich von einem „tektonischen Gedächtnis“ von Gesellschaften sprechen. Damit ließen sich quasi mit der Zeit „sedimentierte“ regionale Konfliktmuster beschreiben – etwa die von Dir angesprochene Dominanz autoritärer Muster und die Vorherrschaft der DNVP in den preußischen Gebieten. Diese Muster sind nicht für immer verschwunden, sondern können reaktiviert werden, wenn neue („tektonische“) Spannungen die Gesellschaft unter Stress setzen. Übertragen auf die Gegenwart: In einer Zeit der Multi-Krisen bringen Abstiegsängste und Unsicherheiten Stress auf unsere Gesellschaften – und genau dann können solche alten Spannungslinien wieder aufbrechen bzw wirksam werden.
Was derzeit aus diesen Krisen resultiert, wäre dann nicht bloß eine Reaktion auf die aktuelle Stresssituation, sondern Ausdruck tief verankerter „Spannungslinien“, die in der preußischen Ära geprägt wurden. Aber was daraus entsteht, ist keine Wiederholung des damaligen Geschehens, sondern etwas Neues, in dem das Alte hindurchscheint. In dem Sinne, dass Geschichte sich nicht wiederholt, sondern reimt.
Ich lasse diese Analogie mal so stehen – vielleicht passt es ja, dass Du heute Abend in einer Gegend vorträgst, die sehr stark durch solche geologischen Verwerfungszonen geprägt ist: Lörrach liegt schließlich im Rheingraben. 🙂
Ganz herzlichen Dank, lieber @Peter – und ich stimme Dir sogar in mehrfacher Hinsicht zu!
Wie Du vielleicht weißt, habe ich in der Vergangenheit auch über die Medienkulturen je in Gebirgsregionen & Flussebenen / Küsten gearbeitet – und gefunden, dass Geografie weiterhin eine nachweisbare Rolle spielt, indem sie mimetische Traditionen begünstigt oder hemmt.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-flussebenen-medienthese-als-ergaenzung-zu-den-gebirgsregionen/
Entsprechend stimme ich Dir sogar doppelt zu: Mimetische Traditionen sedimentieren und wirken über Generationen hinweg, wenn sie nicht bewusst bearbeitet werden.
Und es ist kein Zufall, dass sich der preußische Zentralismus in den Flussebenen des Nordostens entfaltete, der süddeutsche Föderalismus einschließlich der badischen Revolution und der Republik-Ausrufung im EUSALP – Alpenraum.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-alpenraum-medienthese-kit-vortrag-und-studienbrief/
Wir leben weder landschaftlich noch geistig auf einer flachen Erde, sondern sind eingebettet in gewachsene Schichtungen, die uns prägen – und derer wir uns bewusst werden können.
Ich finde das sehr schön und grüße Dich herzlich nach einer intensiven Veranstaltung aus dem wunderbaren Lörrach. 😌🇩🇪🇪🇺🙌
Von der badischen Revolution habe ich erstmals ca. 1998 gehört, als ich von Bayern nach Baden an die Uni Konstanz ging. Der AStA dort hatte schon in großer Zahl Tassen und anderes Merchandise mit der Aufschrift „Friedrich-Hecker-Universität Konstanz“ verteilt, aber die Professoren waren leider gegen die Umbenennung. (;
https://taz.de/Ein-Demokrat-als-Namensgeber-Nein/!1340106/
Vielen Dank, @Hans
Ja, die Geschichte ist so unglaublich interessant und vielseitig!
Allerdings habe ich leider auch schon erlebt, dass aus einer scherzhaften Nebenbemerkung zur ewigen Umbenennungs-Debatte der Uni Tübingen in einem Vortrag eine schnelle Schlagzeile gezimmert wird.
Heute, am 21. September 2026, konnte ich zum Revolutionstag in Lörrach und zu Jom Kippur gegen Antisemitismus und für die Würde aller Menschen sprechen. Es ist die Botschaft, die ich aus ganzem Herzen glaube und gegen alle Hater und Hetzer immer wieder bekräftigen werde: Alle Menschen sind im Bilde G‘ttes geschaffen und es gibt keine Menschenwürde zweiter Klasse.
https://www.bietigheimerzeitung.de/inhalt.bietigheim-bissingen-es-gibt-keine-menschenwuerde-erster-und-zweiter-klasse.db535c4d-a022-48ec-983f-d0175b15a027.html
Dir Dank für Dein Interesse auch an der badischen Revolution, die für das Verständnis auch des heutigen Deutschland so wichtig ist. 🙏🇩🇪🇪🇺🙌
Die Tragik und das Drama des Friederich Merz ist, dass er ökonomisch mit der Ökonomie der Welt gerade recht hat.
Will D mithalten mit den Anderen, hat es keine andere Chance.
Aber niemand wirft die Frage auf, ob die Weltökonomie der richtige Weg für die Erde ist?
Niemand wirft die Frage auf, ob der aktuelle Weg des Wirtschaftens die Grenzen des Erdsystems sprengt?
Niemand wirft die Frage auf, ob Ökologie, trotz Verfassungsrang, also der Lebensgrundlagen, eine Rolle spielt?
Alles auf das Geldsystem und den Geldkreislauf.
Wer und was bestimmt das?
Die Stimmung dazu kommt momentan aus den USA.
Wer schluckt dieses Kröte oder wer hält dagegen?
Welcher Gedanke und welche Idee bestimmt bestimmt die nächsten Dekaden? Der Glaube an den Antichristen, während Christen an das Geld glauben?
Wie schizophren ist Die Welt?
Herzlichen Dank, @Mussi – inhaltlich stimme ich Ihrer Ablehnung des auf exponentiellen Wachstums geeichten Fossilismus durchaus zu.
Allerdings stimmt es einfach nicht, dass „niemand“ die post-fossilen Alternativen dazu diskutiert. Auch hier auf „Natur des Glaubens“ diskutieren viele über Demografie & Wirtschaft, erneuerbare Heimat- und Wohlstandsenergien, post-fossile Mobilität, Recycling und Kreislaufwirtschaft, ökologische und soziale Marktwirtschaft, Elinor Ostrom usw.
Der Blogpost über zerstörerische Abhängigkeiten wird noch immer stark frequentiert:
Und erst heute Morgen konnte ich über wichtige Schritte der Staatskanzlei in Kiel zu Linux posten:
Freiheit nimmt zu, wo immer wir Abhängigkeiten reduzieren.
Von Drogen. Von fossilen Gewaltenergien. Von algorithmischen Konzernmedien wie Facebook, Instagram oder X. Und, ja, auch von nichteuropäischen Konzernen wie Amazon oder Microsoft.
Schleswig-Holstein macht es derzeit vor, Schritt für Schritt. 👇️🇩🇪🇪🇺✅️
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117312955338803581
Gerade auch der BWL-Prof. Dr. Inan Ince ist Experte für nachhaltige Wirtschaftssysteme.
Oder in Ihrer Sprache: Dualität ermöglicht Komplementarität, Dualismus verhindert diese. 🙂📚✅
Mussi : „Die Tragik und das Drama des Friederich Merz ist, dass er ökonomisch mit der Ökonomie der Welt gerade recht hat.“
Die Tragik der CDU besteht darin, dass Friedrich Merz mit seinen Vorstellungen vom Sozialstaat nicht Recht hat.
Das Wirtschaftswunder, der Wiederaufstieg Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg hat mehrere Grundlagen.
1. Eine noch funktionierende Deutsche Bahn
2. Eine noch funktionierende Deutsche Post.
3. Ein noch funktionierender Beamtenapparat
4. Ein noch funktionierendes Rentensystem nach dem Solidarsystem
5. Ein ausgezeichnetes Schulsystem
6. Funktionierende Universitäten
7. Eine fleißige Bevölkerung die anfangs noch 6 Tage in der Woche gearbeitet hat
8. Verantwortungsbewusste Poltiker
9. Innerer Frieden
10. Eine christliche CDU + eine soziale SPD
Herr Merz hat mit dem Angriff auf unser Rentensystem gezeigt, dass er eindimensional denkt, er meint, wenn ein System schwarze Zahlen schreibt, dann ist die Zukunft sicherer. Er will aus dem Sozialstaat einen Kapitalstaat machen.
@ Michael Blume 21.09.2026, 18:24 Uhr
Zitat: „Die Angst, „schon wieder“ in einen Krieg mit Russland verwickelt zu werden, wird ja auch von der russischen Digital-Propaganda mit einigem Erfolg geschürt. Entsprechend unterwürfige Putin-Tyrannophilie verbreiten ja auch @Realo und @NI immer wieder hier auf dem Blog.“
Die Angst, „schon wieder“ in einen Krieg mit Russland verwickelt zu werden“ habe ich wirklich, das haben Sie bestens erkannt. Allerdings habe ich diese Angst von meinen „Nazi Eltern geerbt“, die diese Angst immer wieder geäußert haben, nicht von der angeblichen Russenpropaganda.
Meine Eltern hatten zwar halbwegs sicher Jobs, aber sie haben mit denen mitgefühlt, die damals überglücklich waren in Hitlers Straßen/Autobahnbau als Schwerstarbeiter arbeiten zu dürfen. Vorher mussten die Arbeitslosen um Almosen betteln gehen.
Mir hat ein „fix“ bei einem Telefon Bautrupp arbeitender, übrigens der Hausherr in meiner damaligen 68er WG erzählt, dass einmal über 30 Bettler an einem Tag um Almosen gebettelt haben. Irgendwann war das letzte Stück Brot, der letzte Apfel aus……
Trump und Putin fühlen sich besonders ihrer eigenen Heimat verpflichtet. Das ist ihre Gemeinsamkeit. Auch ich fühle mich besonders meiner Heimat verpflichtet, aber bei „Raubzügen“ würde ich, nach den Erfahrungen die meine Eltern gemacht haben, nicht mitmachen…..
Die Russen der Ostukraine wollen, genau so ihre Unabhängigkeit von der Ukraine, wie die Ukrainer ihre Unabhängigkeit von Russland gewünscht und auch bekommen haben…. Es wäre besser gewesen, wenn die Ukrainer dies freiwillig den Russen gewährt hätten, wie auch umgekehrt….
Beide Länder könnten sich wunderbar „ergänzen“ und kooperieren um wohlhabende moderne Industrieländer zu werden, die mit der ganzen Welt erfolgreich fairen Handel treiben…..
Das würde ich, als Nachkomme eines Volkes dass beiden Ländern großes Leid zugefügt hat, beiden ausdrücklich wünschen.
Ihre „Tyrannophilie“ Vorwürfe sind völlig daneben. Ich habe in den 68er Jahren wütend (mit meinem „großen Maul“) gegen die vielen kleinen, aber in ihrem Bereich sehr „mächtigen Tyrannen“ gekämpft. Gegen die, z.B. im universitären Bereich, konnte keiner der abhängigen Studenten „aufmucken“. Sie wären sofort „vernichtet“ worden…. So haben wir kurzerhand, wechselseitig die „Tyrannen“, die keine Macht über uns hatten niedergebrüllt, mit Argumenten die sie nicht widerlegen konnten….
Zitat: „Das eben meine ich damit, wenn ich darauf hinweise, dass Freiheit, Würde und Demokratie in jeder Generation und jeder Region neu gelebt und verteidigt werden müssen.“
In Zeiten der modernen Vernichtungswaffen A, B, C – Waffen, haben sich die Bewertungsmaßstäbe geändert. Der Wille zum Frieden ist wichtiger.
Religionen/Ideologien die früher wichtig waren, werden „lockerer“ gesehen. Es gibt nun einmal auch sehr widersprüchliche Sichtweisen, dennoch sehen viele Menschen ihre eigene Religion als den „einzig wahren Glauben“ an. Das hat zu vielen Glaubenskriegen und Toten geführt…..
Jetzt hätten wir auch noch das Potential uns (aus Glaubensgründen) gegenseitig auszurotten.
Das sollte berücksichtigt werden.
Ach, @Realo – leider haben Sie aus der Geschichte auch Ihrer Familie nicht etwa demokratische Würde & republikanischen Anstand, sondern nur weitere Unterwerfungsfantasien gegenüber Faschisten gelernt.
Wäre es anders, so würden Sie anerkennen, welches Leid Stalin und Hitler über das ukrainische Volk gebracht haben. Das sich auch heute heldenhaft gegen einen fossil-faschistischen Aggressor, gegen Putin wehrt.
Wäre es anders, so würden Sie begreifen, was es bedeutet, dass der gewalttätige Putinknecht Ramsan Kadyrow bei der „Wahl“ in Tschetschenien gerade „99,85 Prozent der Stimmen“ erhalten habe. Es ist aber selbstverständlich leichter, als über die brutale Unterdrückung auch von Muslimen in Russland zu sprechen, lieber wie Sie wiederholt rassistisch darüber zu schwadronieren, warum muslimische und jüdische Menschen nicht nach Deutschland passen, @Realo…
Aber für Argumente sind Sie längst zu tyrannophil, zu feige und zu verbohrt. Immerhin aber demonstrieren Sie ganz gut, wie Putin-Propaganda auf Deutsche einwirkt. 🙌✅👍
Immerhin kann ich Sie trösten, dass Sie mit Ihrer Geschichts-Schwäche nicht alleine sind & dass auch manche Jüngere keine Ahnung mehr davon haben. Habe vorhin gepostet:
Habe mich selbst nie als Konservativen verstanden, will aber auch da fair differenzieren: Echte Christlich-Konservative hatten bis in die Amtszeit Merkel hinein noch meist genaue Kenntnisse von Geschichte & grenzten sich schon deswegen vom fossilen Faschismus ab.
So wussten sie das katholisch-demokratische Zentrum mit dem Kölner OB & späteren Bundeskanzler Adenauer (CDU) von der rechts-preußischen DNVP um den Konzern- & Medienmogul Hugenberg zu unterscheiden. Ohne Letztere wäre Hitler nicht Kanzler geworden.
Wer dagegen heute auch unter jüngeren „Christdemokrat:innen“ oft als „konservativ“ firmiert, hat oft keinerlei Ahnung mehr von Religion(en), Menschenwürde und deutscher (Parteien-)Geschichte. Das ist dann halt auch keine Christdemokratie mehr, sondern flaches MAGA – Gequatsche. Und gewinnt kein Vertrauen mehr, sondern zerstört es nur.
Beobachte ich, auch als einstiger JU-Kreisvorsitzender.
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117314412401460131
Ich wünsche Ihnen also von Herzen Mut, Anstand und die Fähigkeit, uns anderen nicht mehr länger mit fossiler Putin-Propaganda zu langweilen. Das schaffen Sie doch noch, oder?
@ Blume
Niemand ist natürlich rhetorisch gemeint. Ob Dualität oder Komplementarität, wenn die komplette Welt auf Umsatz und Gewinn gepolt ist, dann ist der Verlust an Natur evident.
Wer schert aus?
Ich meine, auch das spielt eine Rolle bei den Wahlen.
Klar, @Mussi – ich kann Ihren Frust nachvollziehen, zumal auch ökologische Parteien bei Wahlen sehr viel schlechter abschneiden, als es die Klima- und Ressourcenkrise nahelegen sollte.
Mein Hinweis an Sie ist jedoch, dass Sie Reaktanz und Dualismus bei anderen Menschen nicht überwinden werden, wenn Sie diese hassen. Auch wenn wir z.B. davon ausgehen müssen, dass ein @Realo nicht mehr aus seiner fossilen Putin-Sackgasse herausfinden dürfte, so lassen wir ihn hier dennoch – in Maßen – zu Wort kommen und geben ihm eine Chance. Immer wieder.
Habe heute, auch zu dieser Podcast-Folge, gepostet:
Monika Grütters & Angela Merkel haben Recht.
Als nur „konservative“, rechtsmimetische Parteien verlieren CDU & CSU massiv an Vertrauen & Bindekraft. Auch ich als Christ & Demokrat fühle mich unwohl in einer Partei, deren Bundesspitzen wie Merz & Dobrindt Menschen beschimpfen, spalten & ausgrenzen.
Die Union muss sich entscheiden: Wenn sie das C als Bekenntnis zur Menschenwürde für eine rechtslibertäre Engführung aufgibt, dann wird sie mich, viele weitere Christinnen und Christen & das Vertrauen von weiteren Millionen verlieren.
Ich trat schon als (damals noch konfessionsfreier!) Jugendlicher der Christlich-Demokratischen Union bei, keiner nur konservativen und rechten Konzernlobby-Partei!
Und wenn die Union überhaupt noch eine Zukunft als Volkspartei haben will, dann muss sie endlich auch wieder ihre sozialen, liberalen & ökologischen Stimmen hören.
Meine ich.
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117314217224145808
Und wenn ich mich weiter dialogisch und hoffnungsvoll für Wissenschaft, Menschenwürde und Mitweltschutz engagieren kann – dann können Sie das doch sicher auch! Oder?
@ Blume
Wie kommen Sie darauf, dass ich hasse?
Ich finde Leben nur absurd.
Ich für mich habe mich sozial ökologisch eingerichtet und kann es nur jedem empfehlen.
Mir war sehr früh bewusst, dass ich gegen gewisse Macht nicht ankomme. Der ständige Kampf gegen Bornierte und Uneinsichtige ist mühsam, letztendlich aber stetig. So lange wir da nicht über Verantwortung und persönlichen Schadenersatz reden, ist es sinnlos.
Ich verstehe Ihren Frust und Ihre Sinnkrise ja, @Mussi. Und ich nehme mir auch gerne immer wieder Zeit für Sie.
Es wäre jedoch nett, wenn Sie umgekehrt auch die Zeit wertschätzen würden, die wir anderen hier für den Dialog aufbringen.
Als positives Beispiel möchte ich die Seniorin Elisabeth Krüger vorstellen, die nicht nur ihrem eigenen Leben weiterhin einen aktiven Sinn auch „Gegen Einsamkeit im Alter“ verleiht:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/gegen-einsamkeit-im-alter-ein-gastblogpost-von-elisabeth-krueger/
Gerade erst heute hatte ich Gelegenheit, ihr noch einmal für ihr buchstäblich vorbildliches Engagement zu danken:
Und Du engagierst Dich für FOSS, Medienbildung, für demokratische und historische Bildung gerade auch für Seniorinnen und Senioren.
Für erneuerbare Friedensenergien, Elektromobilität, die post-fossile Transformation.
Für mich bist Du ein Vorbild, liebe Elisabeth! 🙌 Du machst unser Welt besser und beweist, dass niemand alles, aber alle etwas bewirken können. Für die Freiheit, Menschenwürde, Mitwelt!
Dir tiefen Dank vom #SolarPunk !
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117313229845246828
Ich finde es wirklich sympathisch, dass Sie gegen die egoistische Ausbeutung von Mitwelt und Mitmenschen argumentieren, @Mussi. Noch stärker würde Ihr Argument, wenn Sie auch selbst die Zeit und Aufmerksamkeit anderer Menschen etwas stärker respektieren würden.
Ihnen Dank für Ihre Beiträge und einen hoffentlich schönen Abend!
Ich sehe den Gedanken hinter Mimesis als Konzept, frage mich aber ob das nicht ein sehr paternalistisches Konzept ist, das Menschen in Originale und mimetische Nachahmer einteilt. (Vorzugsweise machen sich natürlich diejenigen, deren Meinungen man nicht mag, der Mimesis schuldig.) Das klingt für mich sehr nah daran, wie Rechtslibertäre andere Menschen als NPCs abwerten.
Herzlichen Dank für Ihr Interesse, @Bernd – wobei Sie mir auch die Gelegenheit geben, hierbei ein Missverständnis auszuräumen.
Die Psychologie der Mimesis ist kein „paternalistisches Konzept“ – nicht einmal bei Adorno & Horkheimer (die ja sonst durchaus und auch Zeit-bedingt zum patriarchalen Paternalismus neigten). Aber auch schon sie erkannten, dass die Mimesis allen (!) Menschen angeboren und auch ganz natürlich ist. Ihre Kritik an der „Kulturindustrie“ – der kapitalistisch verformten Publikative – zielte ja gerade darauf ab, dass sie ganze Gesellschaften durchdringt und nicht beispielsweise Ältere oder Rechte.
Und ich gehe da ja als Religions- und Politikwissenschaftler sogar noch einen Schritt weiter und betone, dass es ohne menschliche Mimesis weder Religionen noch Politiken geben würde. Auch ich selbst bin selbstverständlich Teil des mimetischen Spiels – der Video- und Podcast „Blume & Ince“ arbeitet ja bewusst auch im dialogischen Modus. Es geht also hier gerade nicht darum, die Phänomene der Mimesis auf andere zu externalisieren, sondern sie als Bestandteil des Menschen (buchstäblich als „Natur des Glaubens“) zu verstehen.
Hierzu auch gerne noch einige Ergänzungen durch Felo.ai:
Die Psychologie der Mimesis ist für das Verständnis von Medienwirkungen zentral, weil Medien nicht nur Informationen vermitteln: Sie stellen auch Modelle für Wahrnehmung, Gefühle, Bewertungen und Handlungen bereit, an denen Menschen sich orientieren können. **Mimesis** meint dabei das Nachahmen und Aneignen von Verhalten, Ausdrucksweisen oder Deutungsmustern anderer – nicht als bloßes Kopieren, sondern als sozial und emotional geprägter Prozess.
## Medienfiguren als Verhaltensmodelle
In Filmen, Serien, sozialen Netzwerken, Werbung oder Computerspielen beobachten Rezipientinnen und Rezipienten fortlaufend Figuren, Influencer oder Gleichaltrige. Deren Handlungsweisen können als Vorbilder, Abschreckungsbeispiele oder Vergleichsmaßstäbe wirken. Besonders wahrscheinlich ist eine Orientierung, wenn die dargestellte Person als attraktiv, erfolgreich, glaubwürdig oder der eigenen Lebenswelt ähnlich wahrgenommen wird.
So kann etwa ein Influencer nicht nur ein Produkt sichtbar machen, sondern auch bestimmte Körperideale, Konsumgewohnheiten, Sprachstile oder Vorstellungen von Erfolg vorleben. Die mögliche Medienwirkung liegt dann nicht allein in einer ausdrücklich formulierten Botschaft, sondern im imitierbaren Verhalten selbst.
## Emotionale Beteiligung verstärkt Wirkung
Mimetische Prozesse werden durch Identifikation, Empathie und wiederholte Beobachtung verstärkt. Wer sich einer Medienfigur nahe fühlt oder ihre Perspektive emotional übernimmt, verarbeitet deren Verhalten oft intensiver. Das gilt beispielsweise für:
– den Umgang mit Konflikten, Gewalt oder Beziehungen in Serien,
– Schönheits- und Lifestyle-Inszenierungen auf sozialen Plattformen,
– politische Einstellungen und Feindbilder in zugespitzten Online-Inhalten,
– riskante Trends, die durch sichtbare soziale Anerkennung nachahmungswürdig erscheinen.
Medienwirkungen sind deshalb nicht automatisch und bei allen Menschen gleich. Sie hängen unter anderem von Alter, Erfahrungen, sozialem Umfeld, Motiven der Nutzung und der Fähigkeit zur kritischen Einordnung ab.
## Soziale Normen und Wirklichkeitsbilder
Mimesis erklärt zudem, wie Medien soziale Normen vermitteln. Wenn bestimmte Rollenbilder, Körperformen, Lebensstile oder Verhaltensweisen häufig und positiv dargestellt werden, können sie als „normal“, erstrebenswert oder gesellschaftlich erwartet erscheinen. Umgekehrt können Gruppen durch stereotype Darstellungen abgewertet oder ausgeschlossen werden.
Dabei geht es nicht nur um einzelne Nachahmungshandlungen. Medien können langfristig beeinflussen, welche Ausdrucksformen Menschen für angemessen halten, wie sie sich selbst bewerten und welche Erwartungen sie an andere richten. Gerade soziale Medien erhöhen diese Dynamik, weil Beobachtung, Selbstinszenierung, Bewertung und Nachahmung eng miteinander verbunden sind.
## Bedeutung für Medienpädagogik
Die mimetische Perspektive macht deutlich, warum Medienkompetenz mehr umfasst als das Prüfen von Fakten. Wichtig ist auch, zu erkennen:
– Welche Vorbilder und Lebensentwürfe ein Inhalt nahelegt,
– wie Inszenierung und Bearbeitung den Eindruck von Authentizität erzeugen,
– welche Gefühle und Vergleichsdruck dadurch entstehen können,
– und warum Reichweite oder Likes kein Beleg für Nachahmungswürdigkeit sind.
**Fazit:**
Die Psychologie der Mimesis hilft zu verstehen, dass Medien auf Menschen wirken können, weil sie beobachtbare und emotional aufgeladene Modelle bereitstellen. Sie erklärt damit, wie Medien Verhalten, Einstellungen, Identitätsbildung und soziale Normen beeinflussen können – ohne dass Rezipierende jede Darstellung unmittelbar oder bewusst kopieren müssen.
[1] https://brill.com/display/title/39052?language=en&srsltid=AU7gw4WjarjvLM_TRadVedzfdG5719iLi1SfCmyBet5E9UbyNwvryiiI
[2] https://mimesis.inria.fr/
[3] https://www.mimesisinternational.com/
[4] http://www.bouquetaromate.com/?l=30606446061910
[5] https://dictionary.cambridge.org/dictionary/english/media
[6] https://www.cityu.edu.hk/com/
[7] https://www.pm.gov.au/media/ai-australias-interests-0
[8] https://x.com/JomboyMedia?lang=en
[9] https://cmpf.eui.eu/projects-cmpf/media-pluralism-monitor/
[10] https://www.suhrkamp.de/buch/michael-zichy-anderen-wichtig-sein-t-9783518588352
[11] https://wmo.int/news/media-centre/press-releases
[12] https://www.ardmediathek.de/video/ringlstetter/volker-heissmann-und-hannes-ringlstetter-was-wichtig-ist/br/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdC9GMjAyNFdPMDA5NDI5QTAvc2VjdGlvbi9lYWVhMWVjOS00YzQ0LTRhNjktYTEzYi02MTE0ZGZjMTE2YjY
[13] https://mediafreedomcoalition.org/
[14] https://www.media-outreach.com/
[15] https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/revision-avmsd
[16] https://www.thunderbird-mail.de/forum/thread/87547-eingehende-nachrichten-werden-automatisch-mit-schlagwort-wichtig-versetzt-und-ro/
[17] https://db.jobs/de-de/wasistdirwichtig
[18] https://www.suhrkamp.de/buch/sharon-wismer-tierisch-wichtig-t-9783458645528
[19] https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/leipzig/leipzig-leipzig-land/flughafen-dhl-100.html
Ich habe schon den Eindruck, dass das Konzept eine Unterscheidung zwischen Original und mimetischem Nachahmer macht und es sich dabei nicht um eine gleichberechtigte Beziehung handelt. Der KI-Text gibt ja auch Vorbilder und Influencer als Beispiele an. Dieser Unterscheidung zwischen den Opfern (inzwischen eine taugliche Schulhofbeleidigung) der Kulturindustrie und dem erleuchteten Philosoph, der das Spiel durchschaut, gibt es ja auch bei Adorno und Horkheimer.
Insofern sehe ich meinen Einwand, dass Mimesis ein paternalistisches Konzept beschreibt, noch nicht ausgeräumt.
Nun ja, @Bernd – dann wäre auch meine Kritik an der UK-Privatisierung der Wasserversorgung „paternalistisch“. Denn auch diese geht ja davon aus, dass alle Menschen Wasser trinken und dass deswegen eine Privatisierung von Wasser nur in engen Grenzen und gegen Entgelt erlaubt sein sollte.
Die psychologische Mimesis und das Bedürfnis nach Wasser sind jeweils allgemein menschlich. Das macht sie für Missbrauch anfällig. Und das aufzuzeigen ist nicht paternalistisch – nicht einmal dann, wenn es von Adorno und Horkheimer kommt… 😉
Da es Felo.ai bereits erfasst hat, gelingt Ihnen das ganz sicher auch!
Dr. Michael Blume hält eine Voll-Privatisierung von Wasser für problematisch, weil Wasser nach Elinor Ostrom kein gewöhnliches Marktgut ist, sondern ein lebensnotwendiges **Gemeingut**. Für solche Ressourcen zeigt Ostroms Forschung, dass weder ein unregulierter Markt noch eine ausschließlich zentralstaatliche Steuerung verlässlich zu nachhaltiger, gerechter Nutzung führen müssen. Blume stellt Ostroms Ansatz ausdrücklich unter dem Titel „Jenseits von Markt und Staat“ vor.[1]
## Wasser ist lebensnotwendig und begrenzt
Wasser wird von allen Menschen benötigt, ist lokal begrenzt verfügbar und seine Nutzung betrifft andere unmittelbar: Übernutzung, Verschmutzung oder steigende Preise können den Zugang Dritter gefährden. Wird die Versorgung vollständig gewinnorientierten Unternehmen überlassen, entsteht ein Konflikt zwischen dem öffentlichen Bedürfnis nach sicherem, bezahlbarem Wasser und dem Unternehmensinteresse an Rendite.
Blumes Verweis auf die Debatte über die britische Wasserprivatisierung deutet auf diesen Einwand: Er behandelt sie ausdrücklich als „Scheitern der Privatisierung in Großbritannien“ und plädiert dafür, Wasser auch innerhalb der Ökonomie stärker als besonderes Gut zu diskutieren.[5]
## Ostroms Alternative: gemeinsam getragene Regeln
Ostrom widerlegte die Vorstellung, Gemeingüter würden zwangsläufig entweder durch private Eigentumsrechte oder staatliche Kontrolle geschützt. Ihre Forschung untersuchte vielmehr Bedingungen, unter denen Gemeinschaften gemeinsame Ressourcen dauerhaft selbst organisieren und erhalten können.[3][8]
Für Wasser bedeutet das: Betroffene Nutzerinnen und Nutzer, Kommunen, öffentliche Einrichtungen und gegebenenfalls Unternehmen sollten in transparente, demokratisch kontrollierte Regeln eingebunden sein. Dazu gehören insbesondere:
– klare und sozial gerechte Zugangs- und Nutzungsregeln;
– Mitsprache der Betroffenen bei Entscheidungen;
– Kontrolle von Entnahme, Qualität, Preisen und Infrastruktur;
– abgestufte Sanktionen bei Übernutzung oder Verschmutzung;
– Verfahren zur Konfliktlösung;
– eine an lokale Bedingungen angepasste, mehrstufige Organisation.
Eine Voll-Privatisierung kann solche gemeinschaftlichen und öffentlichen Steuerungsmöglichkeiten schwächen, wenn Verfügungsrechte, Preissetzung und Infrastrukturkontrolle primär bei einem gewinnorientierten Betreiber liegen.
## Schlussfolgerung
Aus dieser ostromschen Perspektive ist nicht jede private Beteiligung an Wasserdienstleistungen automatisch abzulehnen. Problematisch ist vielmehr die **vollständige Unterordnung der Ressource Wasser unter private Gewinnlogik**. Blumes Kritik zielt daher auf die Annahme, Privatisierung schaffe bei einem Gemeingut wie Wasser von selbst Effizienz und gerechte Versorgung. Ostroms Lehre lautet dagegen: Nachhaltiger Schutz gelingt eher durch robuste, lokal passende und demokratisch legitimierte Regeln jenseits der einfachen Alternative „Markt oder Staat“.[1][4]
[1] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/monistische-wege-aus-polizei-und-wasserkrise-die-bloomington-school-nach-elinor-ostrom/
[2] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/tag/elinor-ostrom/
[3] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/elinor-ostrom-und-diskussionen-mit-marxismus-glaeubigen/
[4] https://blumeundince.podigee.io/10-elinor-ostrom
[5] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/wasser-und-wirtschaftswissenschaft-das-scheitern-der-privatisierung-in-grossbritannien/
[6] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-9-zur-wirtschafts-nobelpreistraegerin-elinor-ostrom/
[7] https://klima-kollaps-kommunikation.de/beitraege/post-kollaps-und-gutes-leben-fur-alle
[8] https://dokumen.pub/menschen-am-brunnen-ethnologische-perspektiven-zum-umgang-mit-wasser-1-aufl-9783839429020.html
[9] https://nach-haltig-gedacht.de/2022/05/03/bluehstreifen-am-wegesrand-ueber-oekosystemleistungen-den-begriff-des-gemeingutes-und-verschiedene-perspektiven-auf-das-blumenpfluecken/
[10] https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117250859932517961
[11] https://sueden.social/@BlumeEvolution/116082554574486679
Ich verstehe nicht, was die Privatisierung der Wasserbetriebe damit zu tun hat. Es hat, soweit ich erkennen kann, nie einer Mehrheit der Bevölkerung gegeben, die das befürwortet hat. Das spricht also eher gegen die These, dass die Menschen lediglich mimetisch dem nächsten Bauernfänger hinterherrennen sondern durchaus in der Lage sind, für sich vernünftige Entscheidungen zu treffen.
Meinen zentralen Einwand, dass die Unterscheidung zwischen Originalen und mimetischen Nachahmern nur schwer mit einer gleichberechtigten Gesellschaft vereinbar ist, haben Sie bisher leider beharrlich ignoriert.
Oh, ich hatte angenommen, diesen Punkt der Mimesis hätten Sie längst verstanden, @Bernd: In der Evolutionspsychologie der Mimesis gibt es keine Unterscheidung zwischen „Originalen und mimetischen Nachahmern“. Wir alle sind immer beides. Wir beeinflussen uns immer mimetisch gegenseitig – und jede erfolgreiche Influencerin wird sich einerseits ihrerseits an Vorbildern mimetisch orientieren und andererseits sehr genau auf die Feedbacks aus ihrer „Community“ achten. Was Sie also als „Originale“ wahrnehmen, sind aus der Perspektive anderer auch wiederum Opfer kapitalistischer Ausbeutung…
Schon im Blogpost zur Evolutionspsychologie der Mimesis hatte ich sorgfältig erläutert:
Mimesis heißt also: Wir Menschen lernten, nicht nur das äußerliche Verhalten, sondern auch die Ziele voneinander zu übernehmen. Ein Spielzeug kann wochenlang in der Ecke liegen – wenn ein anderes Kind es will, erscheint es plötzlich überaus begehrenswert.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/vom-faustkeil-zur-menschenwuerde-die-evolutionspsychologie-der-mimesis-erklaert/
Mimesis bedeutet, dass wir Menschen von klein auf die Ziele „voneinander“ übernehmen, uns aufeinander einschwingen. Niemand ist als Mensch nur „Original“ und auch niemand nur „Nachahmer“. Wir sind immer beides. Darin liegt ein großer Teil unserer Verantwortung, wie alle engagierten Eltern wissen.
Und genau wie alle Menschen von der Psychologie des Durstes betroffen sind, so sind auch alle Menschen von Mimesis betroffen. Deswegen lohnt der Blick jeweils auf die Strukturen, in denen Wasser und Medien dargeboten werden.
Wir könnten sogar formulieren, dass alle Menschen nach Wasser und nach Mimesis dürsten.
Kann ich Ihnen noch irgendwie weiterhelfen, oder haben Sie sich mal wieder auf eine bestimmte Position so versteift, dass ein Dialog erstmal keinen Sinn mehr macht? 🌞🙌
Ich sehe bei Influencern (interessant übrigens, dass Sie das automatisch als weiblich auffassen) gerade nicht, dass sie ihre Follower mimetisch nachahmen. Andere Influencer oder allgemein Menschen, die ethisch flexibel möglichst viel Aufmerksamkeit und Geld erhaschen wollen schon eher. Aber das Verhältnis von Influencern und Followern ist kein gleichberechtigtes.
Auch wenn wir zu einem gewissen Teil immer Nachahmer und Nachgeahmte sind, ist das Netzwerk der Nachahmungen extrem ungleich verteilt. Mimesis als philosophisches Konzept verleiht dieser Ungleichheit eine normative Wirkung, was ich extrem problematisch finde.
Ja, @Bernd – und genau diese strukturellen Ungleichgewichte (sowohl bei Wasser wie bei Medien) sprechen wir kritisch an, ohne die Menschheit dabei dualistisch in Bewirkende und Nichtbewirkende aufzuspalten. Dass Sie sich an der gleichberechtigten Erwähnung auch von Frauen stoßen könnten, hatte ich vermutet.
Ich verstehe Ihren Widerwillen gegen die Befunde, die ja unser etabliertes Menschenbild in Frage stellen: Wir wollten doch vernünftig sein – und jetzt seien wir vor allem mimetisch! 🤷♂️🤔🔥
Das war ja genau schon die inhaltliche Pointe der „Dialektik der Aufklärung“ von 1944 (!) durch Adorno und Horkheimer. Ich verstehe das emotional, aber wissenschaftliche Erkenntnis erschüttert eben leider auch bisweilen biografische, emotionale und zivilreligiöse Gewissheiten. Das kann und will ich nicht bestreiten oder ändern. Ja, @Bernd – und genau diese strukturellen Ungleichgewichte (sowohl bei Wasser wie bei Medien) sprechen wir kritisch an, ohne die Menschheit dabei dualistisch in Bewirkende und Nichtbewirkende aufzuspalten. Dass Sie sich an der gleichberechtigten Erwähnung auch von Frauen stoßen könnten, hatte ich vermutet. Und es Ihnen dennoch zugetraut.
Ich verstehe Ihren Widerwillen gegen die Befunde gut, die ja unser etabliertes Menschenbild in Frage stellen: Wir wollten doch vernünftig sein – und jetzt seien wir vor allem mimetisch & medial beeinflussbar! 🤷♂️🤔🔥
Das war ja genau schon die inhaltliche Pointe der „Dialektik der Aufklärung“ von 1944 (!) durch Adorno und Horkheimer. Ich verstehe das emotional, aber wissenschaftliche Erkenntnis erschüttert eben leider auch manche biografischen, emotionalen und zivilreligiösen Gewissheiten.
Das kann und will ich nicht bestreiten oder ändern. Wissenschaft & Wissenschaftsblogs sind ja freiwillig.
Ich verstehe das aufklärerische Ideal der Vernunft nicht als zwingend inkompatibel zu mimetischem Handeln. Auch Vernunft lässt sich durch gelebte Praxis und Nachahmung mimetisch reproduzieren und verbreiten. Aber ich denke, dass unsere Gesellschaft ohnehin die größeren Konfliktpunkte darin hat, was vernünftig ist und was nicht. Einem AfD-Anhänger wird es vermutlich vernünftig vorkommen, schlecht integrierte Personen aus dem Land zu werfen, und wird das mit entsprechenden Kriminalitätsstatistiken auch belegen können.
Ja, @Bernd – da bin ich durchaus dabei! Aus meiner Sicht verändert sich durch Mimesis ja unbewusst der Habitus (die alltäglichen Gewohnheiten) – und die Art, wie überwiegend gelebt wird, erscheint dann als „vernünftig“!
Und genau darin liegt eben auch die Gefahr, wenn sich etwa menschenfeindliche Einstellungen wieder einschleichen – das „wird man ja wohl sagen dürfen!“
Lehrerinnen berichten mir beispielsweise über heftige Auseinandersetzungen um Tiktok-Rapper & „TradWives“, die den Kindern und Jugendlichen Rollenvorbilder mimetisch vorleben, die mit der Realität wenig zu tun haben. Das „Killuminati“-Video von Kollegah ist ein Beispiel für ein kaputtes Menschen- und Männerbild.
Genau deswegen spreche ich immer und immer wieder für die inhaltliche Mitte der Menschenwürde und warne vor dem Absturz durch die Rechtsmimesis.
Hierzu die m.E. zutreffende Erläuterung durch Felo.ai:
Dr. Michael Blume warnt, weil eine menschenabwertende **Rechtsmimesis** – also die Übernahme rechtsextremer oder rechtspopulistischer Sprache, Feindbilder und Deutungsmuster durch Parteien der demokratischen Mitte – die politische Lage nicht beruhigt, sondern die Grenzen des Sag- und Machbaren verschiebt. Die extreme Rechte gewinnt dadurch eher an Einfluss, statt an Zustimmung zu verlieren.[12]
## Der Mechanismus der Eskalation
Wenn Parteien der Mitte etwa pauschalisierend über Migrantinnen und Migranten, religiöse Minderheiten oder andere gesellschaftliche Gruppen sprechen, wird die zugrunde liegende Abwertung gesellschaftlich und politisch normalisiert. Rechtsextreme Akteure können dann behaupten, ihre Diagnose sei offenbar richtig gewesen; sie treten zugleich als die vermeintlich „konsequentere“ Variante auf. Die Mitte übernimmt damit oft deren Themenrahmen, während die Rechte die Forderungen weiter radikalisiert.
Die einschlägige Forschung warnt ebenfalls davor, dass Parteien der Mitte der extremen Rechten Auftrieb geben können, wenn sie deren Agenda zunehmend bestimmen lassen.[6] Der Versuch, der extremen Rechten durch Kopieren „den Wind aus den Segeln zu nehmen“, gilt daher gerade als demokratiegefährdend.[12]
## Folgen für Betroffene und Demokratie
Menschenabwertende Rhetorik trifft nicht nur abstrakte Gruppen, sondern kann Ausgrenzung, Diskriminierung und reale Bedrohungen verstärken. Zugleich verschiebt sie das demokratische Koordinatensystem: Nicht mehr die Frage, *ob* Menschenwürde und gleiche Rechte gelten, steht im Zentrum, sondern nur noch, wie weit Einschränkungen reichen sollen.
Blumes Warnung zielt somit auf eine Eskalationsspirale: Die Mitte legitimiert durch Nachahmung rechte Narrative, die extreme Rechte fordert daraufhin noch schärfere Maßnahmen, und demokratische Parteien geraten unter Druck, erneut nachzuziehen. Statt Rechtsextremismus einzudämmen, kann diese Strategie dessen sprachliche und politische Voraussetzungen verbreiten. Die zentrale Alternative wäre, Probleme wie Migration, Sicherheit oder soziale Verteilung konkret und sachlich zu bearbeiten, ohne Personengruppen herabzusetzen oder ihnen gleiche Würde abzusprechen.
[1] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/meine-wahlanalyse-sachsen-anhalt-demografie-publikative-rechtsmimesis/
[2] http://parivahan.gov.in/en/content/vehicle-related-services
[3] https://verfassungsblog.de/aus-dem-abseits-in-die-mitte-der-demokratie/
[4] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/mimesis-medien-macht-grundsatzrede-beim-weltethos-institut-tuebingen/
[5] https://www.mardep.gov.hk/e_files/en/pub_services/vlarrive.html
[6] https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/studie-warnt-die-politische-mitte-normalisiert-rechtsextremismus-unbeabsichtigt
[7] https://www.law.hku.hk/academic_staff/professor-michael-tsimplis/
[8] https://www.oecd.org/en/publications/2026/02/oecd-due-diligence-guidance-for-responsible-ai_7831bb49.html
[9] https://www.philomag.de/artikel/die-mitte-als-problem
[10] https://www.ln.edu.hk/ceal/staff/staff-directory/mr-groves-michael-dominic
[11] https://www.oecd.org/en/publications/2018/02/oecd-due-diligence-guidance-for-responsible-business-conduct_c669bd57.html
[12] https://perspective-daily.de/article/5070-die-groesste-gefahr-fuer-die-demokratie-geht-derzeit-von-der-mitte-aus/probiere
[13] https://sph.hku.hk/en/Biography/Ni-Michael
[14] https://de.wikipedia.org/wiki/Politische_Mitte
[15] https://www.law.cuhk.edu.hk/app/people/prof-michael-lower/
[16] https://www.derstandard.at/story/3000000314417/europas-politische-mitte-zerbroeselt-unter-dem-druck-der-rechten
[17] https://www.vhw.de/publikation/die-milieus-der-mitte-im-kontext-von-krisen-und-rechtspopulismus/
Bernd Betreff: paternalistisches (Konzept)
Auf jeden Fall gibt es auch ein maternalistisches( Konzept), Wobei ich bei dem Wort Konzept an einen festgelegten Plan seitens der Eltern und der Gesellschaft der Gesellschaft/Partei denke. Deshalb eine Klammer um Konzept. Paternalismus meint eher das Beziehungsverhältnis zwischen Eltern und Kindern,
Der Unterschied zur Mimesis sehe ich darin, dass Mimesis aktiv und auch unbewusst von dem Menschen ausgeht, der heranwächst.
Ein pater/maternalistisches Konzept geht von der Elterngeneration aus . Z.B. religiöse Erziehung.
Früher hat man den Vorgang als Sozialisation beschrieben, während das Konzept eher eine Erziehung beschreibt.
Einwände sind ausdrücklich erwünscht.
Lieben Dank, @NI – wenn ich Sie richtig verstehe, dann habe ich keine Einwände.
Im (späteren, rabbinischen) Judentum wird ja sogar die Religionszugehörigkeit über die mütterliche Linie tradiert – übrigens auch genau mit der Berufung auf die pädagogische Mimesis.
Und heute ist Israel die einzige demokratische Republik außerhalb Israels mit einer Geburtenrate weit über der Bestandserhaltunsgrenze von 2,1 Kindern pro Frau:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/religionen-wirken-demografisch-geburtenraten-aus-den-usa-turkiye-israel-thailand/
Wären wir alle wirklich so offen gegenüber Religionen und Kulturen, wie es die meisten von sich behaupten, dann wäre das längst ein Grund zu ernsthaften, familien- und sozialpolitischen Reflektionen.
Stattdessen hat auch die derzeitige Bundesregierung nur sog. „Reformen“ im Angebot, die die Überforderung deutscher Familien weiter verschärfen. Eine Lösung der demografischen Unterjüngung, die ja erst zur Kassenschwäche in Alterssicherungs-, Gesundheits- und Sozialsystemen führt, ist damit noch nicht einmal in Sicht.
Und das finde ich sehr bedauerlich, zumal doch etwa Japan bereits seit drei Jahrzehnten trotz allen Fleißes, aller Technologien und aller Verschuldung auch wirtschaftlich stagniert.
Vielleicht ist paternalistisch der falsche Begriff hierfür, aber ich sehe in der Asymmetrie aus Nachahmer und Nachgeahmten auch eine inhärente Ungleichheit. Diese wird eben nicht dadurch geheilt, das alle menschliche Interaktion Nachahmung ist (wobei dann auch die Frage wäre, wo Neues und Fortschritt herkommt), weil eine Summe von Ungleichheiten nicht zu Gleichheit sondern nur noch mehr Ungleichheit führt.
Jetzt kann man sich natürlich hinstellen und sagen, das ist dann eben so, weil die Menschen so sind wie sie sind. Wenn du zu schwach bist, dass dich genügend Leute nachahmen, dann bist du selbst schuld. Und da sehe ich dann deutliche Überschneidungen zur Diffamierung als NPC von Rechtsaußen.
Insofern sehe ich Mimesis als Instrument, auf Ungleichheit aufbauende Herrschaftsverhältnisse zu rechtfertigen anstatt sie zu hinterfragen und zu überwinden.
@Bernd
Nun arbeite ich ja seit Jahrzehnten auch im Kontext von Politik und Religionen – und habe unzählige Male erlebt, wie sich die ganze soziale – eben: mimetische – Dynamik eines vollen Saales verändert, wenn mächtige Personen diesen betreten.
Wenn wir die Psychologie der Mimesis verstehen, verstehen wir uns auch selber besser – und also kann Aufklärung wieder wirken.
Ein Strohmann-Argument bringen Sie aber leider hier: „Diese wird eben nicht dadurch geheilt, das alle menschliche Interaktion Nachahmung ist (wobei dann auch die Frage wäre, wo Neues und Fortschritt herkommt), weil eine Summe von Ungleichheiten nicht zu Gleichheit sondern nur noch mehr Ungleichheit führt.“
Diese Position hat hier niemand vertreten – im Gegenteil. Schon mein wissenschaftliches Bloggen und Reden, mein Eintreten für Dialog und Forschung verdeutlicht ja, dass „nicht“ alle menschliche Interaktion Nachahmung wäre.
Ich nehme mir wirklich gerne Zeit für das Beantworten auch kritischer Nachfragen. Aber ein wenig Fairness Ihrerseits wäre da auch hilfreich. Danke.
@ NI
Sie bestätigen doch meinen Kontext.
@NI & @Mussi
Ich finde es klasse, dass wir drei in vielem eine Art Konsens zu erreichen scheinen.
Allerdings fehlt mir in der zehn-teiligen Aufzählung von @NI der größte Faktor: Die Demografie.
Die deutschen Gesundheits-, Alters- und Sozialkassen sowie das Wirtschaftswachstum stehen unter Stress, weil in Deutschland seit Jahrzehnten viel zu wenige Kinder großgezogen werden.
Wir sehen ja an den Beispielen Japan und Südkorea, dass noch so viel Arbeitsfleiß, Technologisierung und Verschuldung die Folgen des demografischen Verebbens nicht auf Dauer aufhalten kann.
Heute erschien in der Stuttgarter Zeitung auf Seite 3 genau dazu ein lesenswerter Artikel von Fabian Kretschmer unter dem Titel:
Senioren in Südkorea machen sich fit für Künstliche Intelligenz
In digitalen Lernzentren übt Südkoreas alternde Bevölkerung den Umgang mit KI. Doch der Technologiewandel hinterlässt nicht nur positive Spuren. […]
Was spaßig anmutet, hat einen ernsten Hintergrund. Südkorea ist die am schnellsten alternde Gesellschaft der Welt. Mittlerweile ist ein Fünftel der Bevölkerung über 65 Jahre alt – Tendenz steigend. Gleichzeitig zählt das Land mit seiner global führenden Chip-Industrie zur digitalen Avantgarde. […]
Der digitale Wandel hat aber auch negative Spuren in Südkorea hinterlassen. Wo noch vor 15 Jahren lebhafte Marktgassen standen, herrscht nun Leerstand: Eingekauft wird nur mehr online.
Auch spontane Gespräche in der Nachbarschaft, beim Warten auf den Bus oder in den Bürofahrstühlen sind selten geworden.
Die allermeisten Koreaner gehen stets mit gehobenem Smartphone-Display durch ihren Alltag.
Inwieweit die Digitalisierung auch die Einsamkeitskrise verschärft, lässt sich empirisch schwer belegen. Doch Fakt ist: Südkorea leidet unter einer der höchsten Suizidraten der Welt, und die Zahlen steigen mit gehobenem Alter überproportional an.
Am stärksten betroffen sind Männer über 80 Jahre, wie eine 2025 erschiene[ne] Studie im ‚Journal of the Korean Medical Association[„] zeigt.
Als Vater von drei Kindern nehme ich mir gerne Zeit auch für digitale Dialoge mit Älteren, die wenige oder gar keine Kinder hinterlassen haben. Aber ich würde mir dann schon mehr „demografische Ehrlichkeit“ wünschen, wie sie etwa @Tobias Jeckenburger ja vorlebt. Wer selbst – aus welchen Gründen auch immer – keine oder wenige Kinder großgezogen hat, sollte sich mit Vorwürfen an die jüngeren und arbeitenden Generationen und insbesondere an Eltern zurückhalten. Wir heutigen Eltern leisten gegen den säkularen Hyperindividualismus vierfach: familiär, wirtschaftlich, sozial und kulturell.
Micheal Blume Betreff: Demografie
Klar, das war eine ad hoc Aufzählung.
Tipp: halten sie sich kurz, ich und Mussi wir könnten aus Athen stammen, sie wissen schon, dort wo es die vielen Eulen gibt.
Yo, @NI – und mein Job als Religions- und Politikwissenschaftler ist es eben, aufzuzeigen, was die Eulen-Münzen mit der Göttin Pallas Athene in der Poleis zu tun hatten. 🙂📚🇬🇷🇩🇪🇪🇺
Ich würde mich übrigens sehr über eine ehrliche Antwort Ihrerseits zur Österreich-A.-Frage freuen. Danke.
Mussi
Eugène Ionesco und auch Brecht hätten ihre Freude an dir. Wer so scharfsinnig ist und dennoch ,oder vielleicht auch gerade darum, das Absurde liebt, die Hl. Johanna der Schlachthöfe ist vielleicht deine Lieblingslektüre.
Herr Blume weiß nicht, wer die Welt als absurd betrachtet, der kann nicht hassen , auch nicht lieben ?-
Samuel Beckett der könnte dich toppen.
Herr Blume schreibt von einem rechtsmimetischen Abgrund. Ja, das ist das Schicksal der Deutschen. Zuerst die Kreuzzüge, dann die Bauernkriege, dann der seelisch kranke Preußenkönig, sein Vater ließ seinen Freund vor seinen Augen erschießen. Der Siebenjährige Krieg. Der Krieg gegen Österreich,
Und als Höhepunkt, A. der ein ganzes Volk ausrotten lassen wollte,
mich wundert’s dass ich als Deutscher noch lachen kann.
Zum Glück kommt ein Teil unserer Vorfahren aus Österreich.
Mich wundert’s dass es immer noch Deutsche gibt, die A. bewundern.
Auch im Ausland gibt es die, einer sagte zu mir“ H. was a mighty man.“
Nachtrag: Ist Mussi der Anfang von Mussi denn, mussi denn zum Städtele hinaus.?
@NI – ich hätte da mal ne Frage.
Sie schrieben:
„Und als Höhepunkt, A. der ein ganzes Volk ausrotten lassen wollte,
mich wundert’s dass ich als Deutscher noch lachen kann.
Zum Glück kommt ein Teil unserer Vorfahren aus Österreich.“
Sie wissen schon, dass auch Adolf Hitler Österreicher war und erst am 25. Februar 1932 – nach mindestens sieben (!) gescheiterten Versuchen – von NS-Politikern und „Konservativen“ nach Deutschland eingebürgert wurde?
https://de.wikipedia.org/wiki/Einb%C3%BCrgerung_Adolf_Hitlers
Ich frage das, weil ich erst heute das mangelnde Geschichtswissen vieler Deutscher aller Generationen beklagt hatte:
Habe mich selbst nie als Konservativen verstanden, will aber auch da fair differenzieren: Echte Christlich-Konservative hatten bis in die Amtszeit Merkel hinein noch meist genaue Kenntnisse von Geschichte & grenzten sich schon deswegen vom fossilen Faschismus ab.
So wussten sie das katholisch-demokratische Zentrum mit dem Kölner OB & späteren Bundeskanzler Adenauer (CDU) von der rechts-preußischen DNVP um den Konzern- & Medienmogul Hugenberg zu unterscheiden. Ohne Letztere wäre Hitler nicht Kanzler geworden.
Wer dagegen heute auch unter jüngeren „Christdemokrat:innen“ oft als „konservativ“ firmiert, hat oft keinerlei Ahnung mehr von Religion(en), Menschenwürde und deutscher (Parteien-)Geschichte. Das ist dann halt auch keine Christdemokratie mehr, sondern flaches MAGA – Gequatsche. Und gewinnt kein Vertrauen mehr, sondern zerstört es nur.
Beobachte ich, auch als einstiger JU-Kreisvorsitzender.
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117314412401460131
Wussten Sie wirklich nicht, @NI, dass Hitler von seiner Geburt 1889 bis 1925 (als ihn Österreich ausbürgerte (!)) Österreicher und danach sieben Jahre staatenlos war?
Micheal Blume Betreff: Demografie
Klar, das war eine ad hoc Aufzählung.
Tipp: halten sie sich kurz, ich und Mussi wir könnten aus Athen stammen, sie wissen schon, dort wo es die vielen Eulen gibt.
Betreff : Österreicher,
„Sie wissen, dass die Allierten Österreich als das erste Opfer von Hitlers Kriegsverbrechen betrachtet haben.“
Daran merken sie, dass man sich klar werden muss, ob man jusistisch argumentiert oder ethnisch, wobei ethnisch zwischen beiden Ländern kein Unterschied besteht.
Und das wiederum sollte dem Leser klar machen, dass meine Formulierung einfach nur eine bildhafte Formulierung war. (dass man nicht mehr lachen kann war auch eine bildhafte Formulierung um wiederum nur den Ernst des Themas hinzuweisen.
Und….dieser Abschnitt war für Mussi gedacht, für sie hätte ich das nicht geschrieben……auch wenn das Thema ernst ist.
Anmerkung: In der Bibel werden auch Formulierungen gebraucht, die nicht wörtlich zu nehmen sind.
Damit verabschiede ich mich, (auch nur bildhaft) , es gibt noch eine andere Welt als den blog.
@Realo 22.09. 11:27
„Trump und Putin fühlen sich besonders ihrer eigenen Heimat verpflichtet. Das ist ihre Gemeinsamkeit. Auch ich fühle mich besonders meiner Heimat verpflichtet, aber bei „Raubzügen“ würde ich, nach den Erfahrungen die meine Eltern gemacht haben, nicht mitmachen….. „
Wie bitte? Beide ruinieren auch ihre eigenen Länder. Wo sind denn wir oder die Ukraine am Räubern? Trump ignoriert die Klimakrise, anstatt sich der echten Herausforderung auch der US-Amerikanischen Energiewende zu stellen. Und Putin sowieso.
Aber Putin verheizt auch noch völlig sinnlos seine eigenen Soldaten. Wofür eigentlich? Außer Sonnenblumen, Weizen und anderen Landwirtschaftlichen Produkten ist in der Ukraine nicht viel zu holen. Wovon Russland selber weit mehr als genug von hat.
„Die Russen der Ostukraine wollen, genau so ihre Unabhängigkeit von der Ukraine, wie die Ukrainer ihre Unabhängigkeit von Russland gewünscht und auch bekommen haben…. Es wäre besser gewesen, wenn die Ukrainer dies freiwillig den Russen gewährt hätten, wie auch umgekehrt…. „
Welche Verwaltung gibt schon freiwillig seine Zuständigkeiten ab? Da ist die Ukraine nicht alleine mit. Immerhin hatte doch Putins Intervention 2014 den gewünschten Erfolg. Und wir im Westen haben doch gesehen, dass das in dem Ausmaß für uns noch akzeptabel ist.
Offenbar hat das Putin als Schwäche angesehen, und dachte, dann kann er ja machen was er will. Und sich auch noch den ganzen ehemaligen Warschauerpakt wiederholen.
Das machen wir eben nicht mehr mit. Wir stehen zu unserem Bündnispartnern. Und entsprechend umfangreiche defensive Drohnenstreitkräfte könnten das Problem möglicherweise lösen.
Derweil dabei die globale Energiewende hinter ihren technischen Möglichkeiten weit zurückbleibt. Überhaupt dürften alle fossilen Konzerne es durchaus begrüßen, wie hier mit dem Geld Krieg geführt wird, das eigentlich für die Förderung von Grüner Technik zur Verfügung stände. Nun gut, dann muss es eben billiger gehen. Was nicht schneller geht, aber eben auch funktionieren kann.
Die Grüne Technik wird zusehends sowieso immer billiger, und muss schon auf manchen Gebieten mit bürokratischen Hindernissen verschleppt werden, aktuell insbesondere bei Netzspeichern.
Hallo Herr Blume.
Zu dem Thema Feigheit vor Faschisten.
Wenn man im dritten Reich offen seine Meinung gesagt
hat, dann hat das die eigene Lebensdauer verringert.
Nicht jeder ist zum Märtyrer geeignet.
Zu dem Thema Demokratie.
Halten Sie die direkte Demokratie der
Schweiz für ein nachahmenswertes System?
Vermutlich gibt es in der Schweiz weniger
unzufriedene Protestwähler, weil das Volk
über alle Gesetze selbst entscheidet.
Vielen Dank für die Nachdragen, @Karl Bednarik
Das mit den „Märtyrern“ sehe ich ganz genau so und kämpfe daher dafür, dass es in Deutschland nie wieder eine faschistische Regierung gibt. Denn dann wird es auch die Feiglinge in der einen oder anderen Weise erwischen – vgl. die Abertausenden Toten auch in Russland!
Die Schweizer Konkordanzdemokratie mit Volksabstimmungen schätze ich – als Anhänger der parlamentarischen Konsensdemokratie – sehr und habe daher auch extra dazu gebloggt:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-konkordanzdemokratie-der-schweiz-in-einem-sympathischen-video-erklaert/
Und gerade auch gestern ging es auf Mastodon um unser Thema:
„Gute Gespräche in der Schweiz 🇨🇭.
Ich liebe die Alpenrepublik sehr, sprach in Davos über das jüdisch-christlich-republikanische Miteinander & rief zum gemeinsamen Kampf gegen Antisemitismus auf.
Denn leider beschützt die Schweiz bis heute Leute wie den Schweizer Ivo Sasek oder die aus Deutschland stammenden Tilman Knechtel & Markus Krall, die gefährliche, antisemitische Verschwörungsmythen im deutschsprachigen Raum verbreiten.
Umso dankbarer bin ich jenen Schweizerinnen & Schweizern, die mutig und kritisch auch die eigene Geschichte aufarbeiten & derzeit etwa die Nicht-Verfolgung des NS-Massenmörders Josef Mengele thematisieren.
Die Schweiz braucht sicher keine deutschen Oberlehrer – für diese Rolle stehe ich nicht zur Verfügung. Doch als Dialogpartner & Freund (& auch als Bewunderer der Schweizer Philosophin Jeanne Hersch) stehe ich an der Seite jener, die Verantwortung für die Geschichte & damit auch Zukunft übernehmen.“
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117313597235548449
Herzliche Grüße! 🖖
Hallo Herr Blume.
Die Schweiz hat eine schrumpfende Bevölkerung,
aber in der Schweiz herrscht Wohlstand.
Die Schweiz ist friedlich, aber für jeden
Menschen gibt es einem Platz in einem Bunker.
—–
Hier ist noch ein interessantes Video.
How to Live on Earth mit Benedict Cumberbatch:
https://www.youtube.com/watch?v=h3mRsvFmWi0
Vielen Dank auch für den Link zum wunderbaren Film mit Benedict Cumberbatch, @Karl Bednarik
Er sagt mir sehr zu! Und wie Sie ja wissen, kämpfe ich als Wissenschaftler und Solarpunk sehr für den Schutz unserer Mitwelt, für die post-fossile Transformation zu erneuerbaren Friedensenergien und für eine ökologische und soziale Marktwirtschaft als Kreislaufwirtschaft. Entsprechend habe ich auch bereits vor vielen Jahren den Verzehr von Fleisch eingestellt und freue mich, wie im Film durch den beeindruckenden Sam Kass gezeigt, gemeinsam mit meiner Familie an leckerer und vielseitiger Pflanzenkost.
Auch das Solarpunk – Motto finde ich im Film wieder: „Niemand kann alles, aber alle können etwas verändern.“
Doch was der Film eben leider nicht adressiert, ist die eskalierende Gier und Macht der Fossilisten. Auch in Deutschland beharren Millionen Menschen reaktant auf der Verbrennung fossiler Rohstoffe und den Produkten industrieller Massentierhaltung.
Sogar hier auf dem Blog gibt es Stimmen wie @Realo, die für die rücksichtslose Ausbeutung der Natur durch Donald Trump („Drill, Baby, Drill!“) plädieren und gegen ökologisch-demokratische Parteien hetzen. Dabei hat sich Trump gerade auch mit der Rentierstaats-Diktatur in Venezuela verbündet, um die Ölausbeute zu erhöhen. Er treibt damit die Zerstörung Südamerikas einschließlich der Vertreivung von Millionen voran.
Ein Teil der menschlichen Natur ist dualistisch, gierig und zerstörerisch – und diese thymotischen Aspekte unserer Psychologie werden durch algorithmische Konzernmedien derzeit gezielt befeuert. Die so verstärkte, säkulare Zerspaltung der Menschen trägt immerhin zu einem noch schnelleren Rückgang der Geburtenzahlen bei – gierige Thymoten haben selten größere und glückliche Familien. Auch das ist eben Evolution.
Ich kämpfe, auch hier auf „Natur (!) des Glaubens“, aufklärend gegen die Gier und für das Miteinander von Menschheit und Mitwelt. Und ich hoffe deswegen auch, dass viele Menschen Ihrem Link folgen, die „How to live on Earth“-Doku sehen und sich bewegen.
Mit Interesse und Neugier verfolge ich die Dialoge hier.
Vielen Dank für den Link zu dem wunderbaren Film „How to Live on Earth“, @Karl Bednarik!
Made my day!
Vielen Dank für die Ermutigungen, @Peter Gutsche & @Karl Bednarik
Diese aktuellen Nachrichten aus dem EU-Mitgliedsstaat Bulgarien dürften Euch (& auch z.B. @Tobias Jeckenburger) freuen:
Auf Dächern und an Balkonen in Bulgarien sieht man nur selten Solarmodule. Dafür wird Solarenergie auf Feldern, Wiesen und Industriebrachen gewonnen. Seit den 2020er-Jahren entstehen immer mehr Solarparks. Um den Strom nicht abregeln zu müssen, wenn die Sonne intensiv scheint, wurden ab 2024 verstärkt Batteriespeicher installiert. 2025 war Bulgarien laut dem Branchenverband Solar Power Europe schon unter den europäischen Top fünf, wenn es um Batteriespeicherkapazität geht – hinter Deutschland, Großbritannien, Italien und der Ukraine.
Bulgarien verfüge über gut 14,7 GWh (Gigawattstunden) Batteriekapazität, so eine Recherche der bulgarischen Wirtschaftszeitung Capital. Damit sind die Jahresprognosen von Solar Power Europe für Batteriespeicher in diesem Sommer bereits übertroffen. Bis Ende des Jahres erwartet Nikola Gazdov, Vorsitzender der bulgarischen Energiehersteller- und Händlervereinigung APSTE, den Ausbau auf bis zu 20 GWh.
https://amp.dw.com/de/batteriespeicher-boom-in-bulgarien/a-79203544
Ich habe mir erlaubt, dazu heute zu posten:
Liebe Berliner Hauptstadtblase,
liebe Wirtschaftskompetente in Bundestag & Bundesregierung,
Bulgarien 🇧🇬🇪🇺 zeigt gerade, wie schnell der Ausbau von Batteriespeichern gelingen kann, wenn Fossilkonzerne, deren Lobbyisten & die Bürokratie nicht im Wege stehen.
So werden Treibhausgase schnell verringert und erneuerbare Energien zu Wohlstandsenergien, weil die Wertschöpfung im Lande & in der EU bleibt.
Darüber hinaus sind Erneuerbare Friedensenergien, weil wir damit keine Diktaturen & Terrorgruppen finanzieren. Und Sicherheitsenergien, weil eine dezentrale Stromerzeugung nicht so einfach angegriffen werden kann.
Bitte schaut Euch in Europa & konkret Bulgarien um, was möglich wird, wenn fossile Bürokratie endlich abgebaut und Technologieoffenheit ernsthaft gefördert wird.
Herzliche Grüße,
Dr. Michael Blume (CDU / EVP)
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117326125519325036
Die post-fossile Transformation ist längst rentabel, wird aber von fossilem Lobbyismus und zentralistischer Bürokratie in Deutschland noch weiter blockiert. Dabei sehe ich auch eine zentralistisch-preußische Komponente:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-fossilismus-aus-dem-ehemaligen-preussen-warum-deutscher-energieglauben-auch-regional-gepraegt-ist/
Dies erklärt auch, warum inzwischen alle (!) 16 Energieministerinnen und -minister der deutschen Länder der noch fossilen Bundespolitik widersprechen.
@ Tobias Jeckenburger 22.09.2026, 17:22 Uhr
Ich bin stets bereit, auf eigentlich fanatische Art, meinen ehemaligen, mich stark prägenden „Super Geschichtslehrer“ auf mimetische Art intensiv „nachzuahmen“.
Kann und möchte aber Herrn Blume nicht unnötig provozieren. Kann Ihnen deswegen nicht antworten.
Vielleicht auf einem anderen Forum irgendwann…..
Aber diese Foren sind „ausgestorben“ in Zeiten wie diesen….
Tut mir leid…..
@Michael 23.09. 12:14
„Ich verstehe Ihren Widerwillen gegen die Befunde gut, die ja unser etabliertes Menschenbild in Frage stellen: Wir wollten doch vernünftig sein – und jetzt seien wir vor allem mimetisch & medial beeinflussbar!“
Entsprechend vernünftig ist es, sich die Medien auszusuchen, die man konsumiert. Und sich auch gut überlegen, was man produziert.
Die Erkenntnis mag recht neu sein, der Effekt aber ist offenbar uralt.
Etwa das Christentum, dass die Bibel hochhält, als gemeinsame Basis für Glaubensfragen. Das funktioniert umso besser, wenn die Staatsgewalt das auch noch unterstützt. Im Gegenzug dazu haben die Kirchen dann die Feudalherren legitimiert.
Wir wollen doch immer noch vernünftig sein. Aber es ist gar nicht so leicht, das auch umzusetzen. Desinformation ist hierbei ein wesentliches Hindernis. Deshalb habe ich ja auch viel Hoffnung auf die KI, wenn sie vernünftig bleibt, und weiter jede Desinformation automatisiert aufklären kann.
Bei persönlichen Differenzen zur Faktenlage nutzen wir hier in meinem Bekanntenkreis längst felo.ai, und da das dann nicht nur ganz gut stimmt, sondern das auch noch nachvollziehbar überzeugend ist, bringt uns das hier echt immer öfter weiter.
Ganz herzlichen Dank für den dialogischen Druko, lieber @Tobias 🙏
Du schriebst:
„Entsprechend vernünftig ist es, sich die Medien auszusuchen, die man konsumiert. Und sich auch gut überlegen, was man produziert.“
Ganz genau so ist es. Die Psychologie der Mimesis zeigt eben auf, dass wir auch dann Medienwirkungen ausgesetzt sind, wenn wir dies nicht wollen oder wahrhaben. Also entscheidet unser jeweiliger Medienmix sehr stark über unser Wohlbefinden und auch künftiges Empfinden und Verhalten. Medienbildung wird wichtiger denn je.
„Die Erkenntnis mag recht neu sein, der Effekt aber ist offenbar uralt.“
Ja, die Diskussion über die Mimesis geht ja schon bis in die Antike zurück. In der Neuzeit wurde sie vor allem in der „Dialektik der Aufklärung“ von 1944 von Adorno und Horkheimer thematisiert, die ja selbst vor Antisemitismus und Faschismus hatten fliehen müssen.
Der geschätzte Florian Lancker hat heute auch ein Erlebnis gepostet, das die Abgründe der negativen Tiktok-Mimesis auf den Punkt bringt:
Bushaltestelle. Drei Jugendliche. Einer sagt freundlich: „Geradeaus ist frei.“
Ich geh los. Direkt gegen das Haltestellenschild. Nase blutet.
Gelächter. Dann hör ich’s: Die filmen. Für TikTok?. „Blinder vs. Schild, Runde zwei!“
Runde zwei. Die haben das vorher schon mal gemacht.
Ich stand da, Blut auf dem Hemd, und hab nicht mal gesehen, in welche Richtung sie abgehauen sind.
Irgendwo läuft jetzt ein Video von mir. Mit Lach-Emojis.
Vielleicht hast du’s ja gesehen. Vielleicht hast du sogar geliked.
https://metalhead.club/@Lancker/117319477494851527
Diesen Post habe ich zitiert und wiederum wertschätzend kommentiert, um eine positive, solidarische Mimesis zu bewirken:
Digitale Thymotisierung, Verrohung, Menschenverachtung werden durch algorithmische Konzernmedien gezielt befeuert. Kein Wunder, dass insbesondere auch viele junge Männer wieder faschistisch fühlen & wählen.
@Lancker – Danke, dass Du das mit uns teilst & damit aufrüttelst. Du hast meine volle Soli! 🙏🖖
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117319807868006708
Doch was durch die damalige „Kulturindustrie“ und die heutigen, algorithmischen Konzernmedien aus vielen von uns wird, ist einfach furchtbar.
Daher verstehe ich auch den Widerwillen von @Bernd, weil die Anerkennung von Mimesis ja auch erstmal wirklich unangenehm ist – gerade WEIL wir alle daran beteiligt sind. Meine Frau und ich haben beispielsweise erlebt, dass der beste Weg für die Leseförderung von Kindern darin besteht, ihnen in jungen Jahren vorzulesen – und selbst zu lesen. Wenn Kinder die eigenen Eltern beim Lesen wahrnehmen, dann bewirkt das mimetisch meist mehr als laute Appelle, während mensch selbst etwa am Smartphone zockt.
„Taten sprechen lauter als Worte. Actions speak louder than words.“ verweist auf Mimesis und trifft von der Kindererziehung bis zum Solarpunk zu.
„Etwa das Christentum, dass die Bibel hochhält, als gemeinsame Basis für Glaubensfragen. Das funktioniert umso besser, wenn die Staatsgewalt das auch noch unterstützt. Im Gegenzug dazu haben die Kirchen dann die Feudalherren legitimiert.“
Die Frage ist halt, für wen es „umso besser funktioniert“: Wo Religion nicht mehr auch kritisch gegenüber der Macht sein darf, wird sie bald als Heuchelei empfunden.
Darauf weist übrigens mit großer Resonanz der sehr christliche US-Demokrat James Talerico, Senatskandidat für Texas hin, der gerade auch als aktiver Christ auf der Trennung von Kirche und Staat besteht. Und ich stimme ihm da zu! Eine Religion, die sich nur noch auf staatliche Macht stützen kann, ist doch bereits innerlich tot.
Habe schon hier zu Talarico gebloggt, aber inzwischen ist er ein YouTube-Star mit Millionen-Abrufen:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-us-christdemokrat-james-talarico-texas-im-dialog-mit-nyt-blogger-ezra-klein/
„Wir wollen doch immer noch vernünftig sein. Aber es ist gar nicht so leicht, das auch umzusetzen. Desinformation ist hierbei ein wesentliches Hindernis. Deshalb habe ich ja auch viel Hoffnung auf die KI, wenn sie vernünftig bleibt, und weiter jede Desinformation automatisiert aufklären kann.“
Danke & ja – ein Grund, warum ich so gerne und so viel blogge, liegt im großen „Interesse“ der KI-Crawler. Wer heute beispielsweise zur Psychologie der Mimesis promptet, bekommt schon sehr viel bessere Ergebnisse als noch vor wenigen Monaten…
„Bei persönlichen Differenzen zur Faktenlage nutzen wir hier in meinem Bekanntenkreis längst felo.ai, und da das dann nicht nur ganz gut stimmt, sondern das auch noch nachvollziehbar überzeugend ist, bringt uns das hier echt immer öfter weiter.“
Das freut mich, denn auch ich mag Felo.ai wegen der zugleich sachlichen und freundlichen – offensichtlich japanischen – Formulierungen sehr. So entsteht eine gute Dialog-Atmosphäre. Und daran wird für die Zukunft der Menschen viel liegen – sogar sehr viel.
Genau deswegen teile ich auch immer wieder gerne gute Nachrichten, z.B. hier zu FOSS (Free & Open Source Software):
Freiheit nimmt zu, wo immer wir Abhängigkeiten reduzieren.
Von Drogen. Von fossilen Gewaltenergien. Von algorithmischen Konzernmedien wie Facebook, Instagram oder X. Und, ja, auch von nichteuropäischen Konzernen wie Amazon oder Microsoft.
Schleswig-Holstein macht es derzeit vor, Schritt für Schritt.
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117312955338803581
Dir Dank für Dein Engagement! 🙏🙌
@Michael 23.09. 18:33
„Eine Religion, die sich nur noch auf staatliche Macht stützen kann, ist doch bereits innerlich tot.“
Es hat dem Feudalsystem doch offenbar gereicht, wenn die Leute keine andere Religion praktizieren konnten. Das mag auch mit ein Grund gewesen sein, wieso die Juden immer wieder verfolgt wurden.
Luther wollte das wahre Evangelium für die Menschen, aber ohne Unterstützung des Feudalsystems konnte auch er nichts Wirkliches erreichen.
„„Taten sprechen lauter als Worte. Actions speak louder than words.“ verweist auf Mimesis und trifft von der Kindererziehung bis zum Solarpunk zu.“
Taten zeugen entsprechend auch von wirklicher Überzeugung, und die guckt man sich dann schon genau an. Aber neben Worten und Taten geht es aber auch um Verständnis, um Theorien, und wirkliche eigenen Erfahrungen, die zu bestimmten konkreten Theorien besser passen.
So wirkt dann Wissenschaft schon in der Breite auf die Menschen. Allerdings nur, soweit sie da medial einsteigen können, und das eben studieren. Ob nun nebenbei informell, oder sogar im Rahmen eines institutionellen Studiengangs.
Fundierte Kenntnisse sind dann in der Praxis ja auch überall von Vorteil. Ich denke schon, dass wir genau das auch suchen, und auch positiv reagieren, wenn wir da was Profundes eben finden. Das kann ein wirklich zufriedener Elektroautobesitzer sein, wer aber genug von Technik versteht, der weiß das schon vorher, und kauft sich als Erster ein praxistaugliches Elektrofahrzeug.
Und wer sowieso schon eine PV-Anlage hat, der kann dann auch seinen eigenen ganz billigen Solarstrom zum Aufladen nutzen. Und andersrum auch, wer ein Elektroauto und ein passendes eigenes Dach hat, der wird sich dann auch eher die PV-Anlage dazu bauen.
Soweit kann man wohl tatsächlich auch selber denken. Geht das denn jetzt mit den neuen Medien nur den Bach runter? Ich kann das gar nicht nachvollziehen, meine Zeit mit irgendwelchen Videoclips zu verschwenden. Dieser Blog hier, aber auch Felo.ai, da kommt dagegen wirklich was bei rum.
Desinformation bleibt aber immer ziemlich destruktiv. Wenn ich völlig falsche Angaben habe, wie viele Ladezyklen mein E-Auto durchhält, oder dass die Produktion der Batterien Riesenmengen an Energie verbraucht, dann merke ich das erst sehr viel später.
Top-Podcast, Danke!! Video ist nicht so für mich, ich konzentriere mich lieber beim Hören. Aber Ihr bietet ja beides an.
Der Titel „Blume & Ince 61“ verweist auf eine politische Analyse, die sich kritisch mit der Entwicklung von CDU/CSU und FDP auseinandersetzt. Die zugespitzte Formulierung vom „rechtsmimetischen Abgrund“ verweist dabei auf die Frage, in welchem Maß etablierte Parteien Positionen und rhetorische Muster übernehmen, die weiter rechts im politischen Spektrum verortet werden.
CDU und CSU verstehen sich traditionell als christdemokratische und konservative (?) Parteien der politischen Mitte. Dennoch gibt es innerhalb der Union immer wieder Debatten über den Umgang mit Migration, innerer Sicherheit, gesellschaftlichem Wandel und dem Verhältnis zu rechtspopulistischen Kräften. Solche Auseinandersetzungen betreffen sowohl die politische Ausrichtung als auch die strategische Frage, wie demokratische Parteien auf den Aufstieg der AfD reagieren sollen.
Lieben Dank für das vertiefte, auch politikwissenschaftliche Interesse, @IPaul 🙏🙌
Besonders begrüße ich auch das „(?)“ im Satz: „CDU und CSU verstehen sich traditionell als christdemokratische und konservative (?) Parteien der politischen Mitte.“
Denn historisch und politikwissenschaftlich sind die christdemokratischen Parteifamilien in Kontinentaleuropa und Lateinamerika klar von den konservativen Parteien in den Westminster-Parlamenten zu unterscheiden. Während die stärkere Gewaltenteilung und das Verhältniswahlrecht erfolgreiche, christdemokratische Parteien der Mitte (!) wie das deutsche Zentrum (!) hervorbrachten, so das überwiegende Mehrheitswahlrecht im Westminster-Parlamentarismus die „liberalen“ versus „konservativen“ Parteien wie etwa in Kanada.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/warum-kanada-mitglied-der-europaeischen-union-eu-werden-sollte/
Wer diese entscheidenden Unterschiede nicht erfasst, kann m.E. die Parteienlandschaften und der Politik in beiden Gesellschaften nicht wirklich verstehen.
Auch als CDU & CDA-Mitglied betone ich die folgenden Aussagen:
In der CDU wächst nach schweren Niederlagen bei den Landtagswahlen die Kritik an der starken Stellung des Wirtschaftsflügels. Das langjährige CDU-Bundesvorstandsmitglied Elmar Brok und der Vorsitzende des Arbeitnehmerflügels, Dennis Radtke, fordern eine stärkere soziale Ausrichtung der Partei.
Brok warnt vor einseitigem Wirtschaftskurs
Brok sagte der „Süddeutschen Zeitung“: „Wenn wir in das rein wirtschaftsliberale Lager gehen, zerstört das die CDU.“ Der Wirtschaftsflügel spiele in der Bundestagsfraktion eine zu starke Rolle; die Partei müsse sich wieder stärker um Arbeitnehmer, Facharbeiter und den kleinen Mittelstand kümmern.
Ordnungspolitik werde aus Sicht Broks zu häufig danach bewertet, was oberen Wirtschaftskreisen nutze. Viele Menschen hätten den Eindruck, dass sie die Kosten dafür tragen müssten. Der frühere Europaabgeordnete warnte zugleich davor, die schlechte Lage der CDU allein Friedrich Merz anzulasten.
Arbeitnehmerflügel verlangt neues soziales Profil
Radtke forderte, die niederschmetternden Wahlergebnisse des Septembers zu nutzen, um die politischen „Antennen neu auszurichten“. Die Defizite beim sozialen Profil seien nicht länger zu leugnen. Die CDU müsse wieder vermitteln, dass sie die Alltagsbelastungen der Bürger verstehe und ihrem Anspruch als Volkspartei gerecht werde.
Brok kritisierte außerdem die Beschreibung der CDU als konservative Partei im neuen Grundsatzprogramm. Sie sei zugleich christlich-sozial, liberal und konservativ. Der Parteiführung müsse es gelingen, jene Wähler der gesellschaftlichen Mitte zurückzugewinnen, die sich inzwischen der AfD zuwendeten.
https://www.ad-hoc-news.de/politik/cdu-krise-brok-warnt-vor-dominanz-des-wirtschaftsfluegels/70169197
Genau so sehe ich das auch – als Christ, als Demokrat, als Politik- und Religionswissenschaftler.
Zu Friedrich Merz habe ich folgende These:
Bevor er erst Parteichef, dann Kanzlerkandidat und schließlich Kanzler wurde, hatte er nie ein Regierungsamt inne. Er war kein Minister, er war kein Landeschef, sondern ausschließlich Parteisoldat in verschiedenen Positionen bzw. nach seiner Entmachtung durch Angela Merkel Lobbyist. Daher hat er nie gelernt, auf die Bedürfnisse eines (Bundes)landes und aller seiner Bürger einzugehen und ein Gespür dazu entwickeln, was die Menschen umtreibt, sondern er hat über Jahrzehnte immer nur Partikularinteressen vertreten.
Es gibt andere Politiker, die einen Lebensweg in der Politik aufweisen, wie z.B. Sahra Wagenknecht oder Annalena Baerbock.
Erstere war auch immer für die Parteien unterwegs, bzw. nachdem ihr Flirt mit Rechtsextremisten immer deutlichere Züge annimmt, für das eigene Ego. Sie ist aber intelligent genug zu begreifen, dass ein Job als Landesministerin, der in der Vergangenheit durchaus mal im Raum schwebte, sie in eine Realität gezwungen hätte, in welcher sie ihre Ideologie hätte hinterfragen müssen. Deswegen hat sie diese Verantwortung immer gescheut.
Annalena Baerbock war vor Kanzlerkandidatur und Außenministeramt auch nur in der Partei unterwegs. Sie hat aber nach ihrem Eintritt ins Kabinett Scholz schnell begriffen, dass sie mit parteipolitischen Phrasen und ideologischen Schlagworten („feministische Außenpolitik“) keinen Blumentopf gewinnen, sondern eine politische Bruchlandung hinlegen wird. Sie hat Lernbereitschaft gezeigt und ihr Verhalten angepasst. Ich persönlich rechne ihr das ihr wohlwollend an und hatte beim Ende der Ampelkoalition eine bessere Meinung über sie als zu Beginn.
Merz war anders als Wagenknecht nicht klug genug zu erkennen, dass er als Bundeskanzler seine „Ideologie“ nicht wird durchziehen können. Und anders als Baerbock ist er auch nicht fähig, einen Kurswechsel einzuleiten und sein Verhalten zu anzupassen. Vielleicht ist das auch eine Form von Altersstarrsinn. 😉
@Michael 24.09. 16:33 / Brok
„Ordnungspolitik werde aus Sicht Broks zu häufig danach bewertet, was oberen Wirtschaftskreisen nutze. Viele Menschen hätten den Eindruck, dass sie die Kosten dafür tragen müssten.“
Die direkten Wählerstimmen der oberen Wirtschaftskreise sind natürlich völlig zu vernachlässigen. Entsprechend müssen diese Kreise andere Weg finden, sich Einfluss zu verschaffen. Also durch gezielten Lobbyismus bei den Bundespolitikern und mit Einfluss auf die Publikative, zuweilen auch die Scientikative.
Oder noch einfache Leute, die sich davon überzeugen lassen, dass es ihnen auch besser geht, wenn es dem Kapital besser geht. Aber auch wer nur mäßig eigenes Vermögen hat, mag hier mit profitieren können, wenn eben Kapital weiterhin fast nicht besteuert wird.
„Der frühere Europaabgeordnete warnte zugleich davor, die schlechte Lage der CDU allein Friedrich Merz anzulasten.“
Merz war ja nun bei Blackrock, entsprechend die Möglichkeit nicht ganz so fern, dass er die Interessen der Vermögenden immer noch ganz gut vertritt.
Und womöglich auch keine Rücksicht darauf nimmt, was nach ihm aus der CDU noch wird. So wie Schröder mit seinem Harz4 und der SPD.
Bleibt zu hoffen, dass sich Merz aber doch noch um den Erhalt der CDU kümmert, und sowieso auch Kanzler aller Deutschen sein will. Entsprechend fände ich eine bessere Politik von Merz besser, als einen Rücktritt von Merz.
Die geschundene CDU kann ja mal den Versuch wagen, ihre eigenen Abgeordneten mehr einzusetzen, dass die hier ihren Kanzler mal inhaltlich bearbeiten und auch im Parlament ihre verfassungsmäßigen Rechte wahrnehmen. Und nicht mehr alles durchwinken, was der Koalitionsausschuss mal wieder ausgekungelt hat.
Dasselbe stände auch den Abgeordneten der SPD ganz gut, immerhin ja auch Regierungspartei. Wenn dann die Diskussionen mal länger werden, ist das aber besser, als wenn das alles gar nicht mehr ausdiskutiert wird. Mit dem Hinweis, dass man keine Zeit hätte, die errungenen Pakete doch noch wieder aufzuschnüren.
Immerhin würde so auch der zuschauende Bürger mehr über die Hintergründe erfahren. Und vielleicht sogar verstehen, dass da auch was echt Sinn hat. Nur die Lobbyisten, die haben kein Bundestagsmandat. Und bleiben wohl sowieso eher lieber im Hintergrund. Die würden es dann offensichtlich schwerer haben. Genau das täte dem Land gut, schätze ich mal.
Lieben Dank & ja, @Tobias – für Deine These des Reichen-Lobbyismus auf Kosten von Demokratien und Parteien spricht, dass auch in Westminster-Parlamenten wie jenen von Wahington, USA und London, UK immer lauter über die politische Macht von reichen Geldgebern debattiert wird.
So ist beispielsweise Nigel Farage von „Reform UK“ in Krypto-Spendenskandale verwickelt, wogegen der US-Demokrat James Talarico in seiner mutigen Wahlkampagne gegen den korrupten Republikaner Ken Paxton in Texas ausdrücklich betont, „Not a Dime – keine zehn Cent“ von Konzernen („Corporate Money“) zu nehmen.
Zu diesem bereits enormen Einfluss durch reiche Spendende auf die Politik kommt ja nach meiner Einschätzung auch noch die enorme Bedeutung finanzieller Einflüsse auf die Publikative hinzu.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/journalismus-mit-brandstiftung-die-publikative-ist-die-schwachstelle-jeder-groesseren-demokratischen-republik/
Nehmen wir den politischen und medialen Einfluss von reichen Geldgebenden zusammen, dann wird schon deutlich, wie gefährlich diese Macht für das Vertrauen der Menschen in Parteien, Parlamente und Regierungen sein und werden kann.
Zitat:
Der sächsische Innenminister Schuster geht den gleichen Schritt, indem er das individuelle Grundrecht auf Asyl (Art 16a) streichen lassen will.
https://www.spiegel.de/politik/deutschland/sachsen-cdu-innenminister-armin-schuster-will-grundrecht-auf-asyl-streichen-a-70fa62a7-9f06-4d42-9f35-b62bc7ef027a
@RPGNo1
Rechtsmimesis halte ich für falsch, eine Verharmlosung des Nationaldsozialismus aber auch. Über die Frage, wie künftig Zuwanderung europaweit organisiert werden soll, darf und soll auch politisch diskutiert werden.
Das bisherige System ist dysunktional. Eine Kombination aus gesicherten EU-Außengrenzen, Fachkräftezuwanderung und humanitären Aufnahmen könnte entstehen.
Dass sich in demografisch schnell schrumpfenden Regionen mit der säkularen Unterjüngung auch Verbitterung und Rassismus ausbreiten, erkennen wir jedoch beide als Problem, ja:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/bedrohen-demografie-rechtsmimesis-inzwischen-die-republik-auch-ueber-sachsen-anhalt-aus/
Gestern Abend habe ich beim Evangelischen Arbeitskreis (EAK) der CDU daher auch das Thema Demografie und (fehlende) Familienpolitik angesprochen – und bekam viel Applaus dafür.
@Michael Blume
Da bin ich ganz Ihrer Meinung. Allerdings tut das der sächsische Innenminister Schuster nicht. Er verknüpft eine dringend notwendige Diskussion mit einer rechtspopulistischen Forderung. Nützen tut er der CDU somit nicht, sondern er schadet ihr damit. Denn jeder Anhänger der AfD wird sich zurecht sagen: „Warum soll ich die billige politische Kopie (CDU) wählen, wenn mir doch das Original (AfD) dasselbe und noch mehr verspricht?“
Danke & ja, @RPGNo1 – ich warne ja seit Langem & leider zu Recht vor der Dynamik der Rechtsmimesis. Dabei hilft es nun aber gar nichts, den sächsischen Innenminister argumentativ in eine Reihe mit DNVP und NSDAP zu stellen. Und angesichts der Qualität Ihrer sonstigen Kommentare gehe ich auch davon aus, dass ich Ihnen zu parteipolitischem Dualismus nichts erklären muss.
Setze mich, wo immer ich kann, für eine Versachlichung der Debatten ein:
Was ich gar nicht mag, ist die Verzweckung des Themas Antisemitismus für Parteipolitik. Habe daher in alle medialen Aufgeregtheiten wieder einen Sachpunkt gesetzt & zum inhaltlichen (!) Dialog aufgerufen:
„Der Beauftragte gegen Antisemitismus in Baden-Württemberg, Michael Blume, empfiehlt, sich an der Definition der IHRA (International Holocaust Remembrance Alliance) zu orientieren. Der Allianz gehören 35 Staaten an, darunter Deutschland.
Diese sei inhaltlich klar, verteidige das Existenzrecht jüdischen Lebens und des Staates Israel und erlaube selbstverständlich faire und angemessene Kritik.“
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117330683460394611
Das Zitat war von Tagesschau.de:
https://www.tagesschau.de/inland/regional/badenwuerttemberg/swr-linke-widerspricht-antisemitismusvorwuerfen-stuttgarter-ex-linken-chef-sieht-kampagne-gegen-die-partei-100.html
Lass uns hier auf „Natur des Glaubens“ auf der dialogischen Ebene bleiben – gerade auch, wenn die Emotionen hochgehen.
@Michael 25.09. 09:21
„Eine Kombination aus gesicherten EU-Außengrenzen, Fachkräftezuwanderung und humanitären Aufnahmen könnte entstehen.“
Ich würde auch eher keiner Kommune Zuwanderer aufdrücken, die sie nicht haben wollen.
Vermutlich sind wir aktuell mit Zuwanderern ganz gut versorgt. Allein schon mit 1,3 Millionen Ukrainern. Da muss jetzt nicht so viel Neues kommen.
Aber ich fände es langfristig deutlich besser, wieder mehr Nachwuchs zu haben. Wenn es gelänge, z.B. in 10 bis 15 Jahren von jetzt 1,4 über 1,8 auf die 2,1 Kinder pro Frau zu kommen, dann brauchen wir jedenfalls von daher keine neuen Einwanderer mehr.
Zumal es sich auch noch abzeichnet, dass viele EU-Einwanderer aus Osteuropa wieder ausreisen. Ebenso viele Ukrainer, wenn der Krieg denn da enden würde. Da muss man dann gucken, ob wir wieder welche von außerhalb einladen wollen. Die werden wir dann eventuell gut brauchen können.
Wie schon öfter gesagt, ich bin kein Freund von Wohnungsnot, aber von Verfall auch nicht.
Im Prinzip haben wir auch die Wahl, ob wir wachsende Regionen wollen, oder mit Stagnation oder gar leichter Schrumpfung leben wollen. Funktionieren kann das m.E. alles. Familienförderung macht jedenfalls immer Sinn. Selbst wenn das zunächst mal gar nicht zu mehr Kindern führt, führt es auf jeden Fall gleich zu mehr Binnennachfrage.
Und eine Entscheidung für mehr Kinder braucht vielleicht auch wirklich viele Jahre, das braucht dann auch entsprechend viel Geduld mit der Förderung.
Herzlichen Dank, lieber @Tobias – und auch hier sind wir ja auf einer gemeinsamen Spur: Die Beschränkung von Politik auf Nationalstaatlichkeit springt viel zu kurz. Föderale Länder, Regionen und Kommunen werden für die Lebensqualität und Zukunft der Menschen immer wichtiger! Warum sollte in alle Zukunft eine Bundesbehörde in Nürnberg über Aufnahmen in Lübeck oder Rostock entscheiden?
Dass die AfD-Jugendorganisation (!) die Gestalt der heutigen Bundesrepublik bereits mit Berufung auf den angeblich besseren Osten und auf Preußen massiv in Frage stellt, haben wir ja – auch hier im Blog – bereits wahrnehmen können.
Habe dazu zum neuen Blogpost gepostet:
Gibt es denn wirklich so wenig Interesse an Geschichte?
Demokratinnen und Demokraten sollten verstehen, dass es kein Zufall war, dass sich die AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ im September in Magdeburg ausdrücklich auf Preußen berief – das 1947 aus sehr guten Gründen aufgelöst worden war.
Ich meine: „Inhaltlich stellen“ beginnt hier! Wollen wir wirklich in die autoritären & antisemitischen Strukturen des preußischen Reiches zurück?
Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.
Also überlassen wir sie nicht den Falschen, stellen wir diese inhaltlich!
Meine These ist: Wer die Gefahren für die parlamentarische Bundesrepublik Deutschland im 21. Jahrhundert erkennen will, muss das preußische Niederwerfen der deutschen Revolution von 1848/49 mit dem ersten Paulskirchen-Parlament in Frankfurt verstehen.
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117331772738824595
Habe gestern beim EAK Landesverband in Esslingen-Sirnau auch aktiv über Demografie und Familienpolitik gesprochen und möchte das fortsetzen. Für meine Ansage, dass das Beispiel Japan doch beweise, dass es bei schrumpfenden Kinderzahlen kein dauerhaftes Wirtschaftswachstum geben könne, gab es viel Applaus und Zustimmung. Daran möchte ich anknüpfen.
Und gerade las ich in der aktuellen ZEIT auf Seite 3 von Franka Lehfeldt:
„Kinder sind das wichtigste politische Thema, das wir haben.“
Ich meine, damit hat sie recht und werde ihr neues Buch dazu auch lesen.
@Michael 25.09. 15:17
„Dass die AfD-Jugendorganisation (!) die Gestalt der heutigen Bundesrepublik bereits mit Berufung auf den angeblich besseren Osten und auf Preußen massiv in Frage stellt…“
Wo die da im Osten hinwollen, das scheint mir echt merkwürdig zu sein.
Remigration und dann hauen denen noch die jungen Frauen ab. Der ohnehin grassierende Verfall eskaliert nur noch mehr. Und vernünftige junge Männer, die hauen vermutlich auch ab, insbesondere eher Qualifizierte. Immerhin kann man in Deutschland das Bundesland noch problemlos wechseln.
In Asien werden jetzt auch noch Mädchen gezielt abgetrieben, die sind weniger wert, meint man. Bis zu 20 % der jungen Männer können schon längst keine Frau mehr finden, es gibt keine.
Das erinnert mich an die Struktur des Universums. In den Galaxien und Galaxienhaufen konzentriert sich immer mehr Materie, während sich die „Voids“ dazwischen mit zunehmender Leere immer mehr ausdehnen.
Lieben Dank, @Tobias
Auch Gita Connemann, MdB (CDU), Chefin des Unions-Wirtschaftsflügels, sprach einen Teil der wirtschaftlichen Bedeutung der Demografie gerade in der ZEIT vom 24.09.2026 auf Seite 9 an:
„Zu den Fakten: Pro Jahr gehen laut Institut der deutschen Wirtschaft 1,3 Millionen Menschen in Rente, auf dem Arbeitsmarkt kommen aber nur 800.000 nach.
Das sind die Zahlen des Statistischen Bundesamtes, also nicht von der CDU.
Darauf brauchen wir eine Antwort.“
Da der regional konkrete Zusammenhang zwischen Demografie und Rechtsmimesis ja leider noch weitgehend verdrängt wird, promptete ich Felo.ai gerade mal dazu:
Wie hängen der säkulare Geburtenrückgang, Abwanderung und politische Rechtsmimesis zum Beispiel in Sachsen-Anhalt zusammen?
Das Ergebnis ist bereits erstaunlich präzise, auch in seinen Differenzierungen auf Nicht-Zwangsläufigkeit, die ich ausdrücklich teile.
Der Zusammenhang ist weniger eine einfache Ursache-Wirkungs-Kette als ein sich verstärkender Kreislauf: Niedrige Geburtenzahlen und Abwanderung lassen Regionen altern und ausdünnen; der Verlust junger, insbesondere weiblicher und gut qualifizierter Menschen schwächt lokale Zukunftserwartungen. In diesem Klima können rechtspopulistische Deutungen, die gesellschaftliche Veränderungen nachahmen oder in Feindbilder übersetzen, besonders anschlussfähig werden.
## Demografische Ausdünnung: Geburtenrückgang und Alterung
Sachsen-Anhalt verliert Bevölkerung zugleich durch ein dauerhaftes Geburtendefizit und durch Wanderungsverluste. Wenn weniger Kinder geboren werden als Menschen sterben, nimmt nicht nur die Einwohnerzahl ab: Die Altersstruktur verschiebt sich, die Zahl potenzieller Elternjahrgänge sinkt und der künftige Geburtenrückgang wird demografisch mit angelegt. Für 2021 werden etwa 16.000 Geburten genannt; zugleich ist das Land von einem erheblichen natürlichen Bevölkerungsrückgang betroffen.[4]
Seit 1990 hat Sachsen-Anhalt rund 750.000 Einwohner verloren und zählt heute etwa 2,1 Millionen Menschen.[5] Das macht die Folgen im Alltag sichtbar: weniger Schülerinnen und Schüler, Fachkräfte und kommunale Einnahmen, aber weiter bestehende Kosten für Infrastruktur und Daseinsvorsorge.
## Abwanderung als Verstärker
Abwanderung verschärft diesen Prozess, weil sie selektiv verläuft: Häufig ziehen jüngere und besser ausgebildete Personen in prosperierendere Städte oder westdeutsche Regionen. Besonders bedeutsam ist, dass überdurchschnittlich viele Frauen zwischen 18 und 25 Jahren abwandern.[3] Das verändert die Geschlechterrelation in manchen ländlichen Räumen und verringert zugleich die Zahl der Menschen in den Altersgruppen, in denen Familien gegründet werden.
| Prozess | Unmittelbare Folge | Langfristige gesellschaftliche Folge |
| — | — | — |
| Niedrige Geburtenzahlen | Mehr Sterbefälle als Geburten | Alterung und kleiner werdende nachwachsende Generationen[12] |
| Wegzug junger Menschen | Verlust von Arbeitskräften, Ausbildungs- und Familiengründungspotenzial | Weniger wirtschaftliche Dynamik und schwächere lokale Bindungen[2] |
| Wegzug junger Frauen | Teilweise Männerüberschuss in bestimmten Regionen | Veränderte Partnerschafts- und Familienbildungschancen[3][5] |
| Schrumpfung peripherer Orte | Leerstand sowie erschwerte Versorgung und Mobilität | Wahrnehmung von Vernachlässigung und sinkende Zukunftserwartungen[7][11] |
Die demografische Lage ist dabei nicht allein ein Ergebnis individueller Entscheidungen. Sie hängt mit Arbeitsmarktchancen, Löhnen, Bildungs- und Kulturangeboten, Verkehr, medizinischer Versorgung und der Erwartung zusammen, ob sich ein dauerhaftes Leben vor Ort planen lässt. Gerade wenn junge Menschen ihre Zukunft unsicher sehen, wird Wegzug zu einer rationalen individuellen Entscheidung, die kollektiv jedoch die Region weiter schwächt.[6]
## Politische Rechtsmimesis
Mit **Rechtsmimesis** ist hier eine politische Nachahmungsdynamik gemeint: Parteien, Medien oder gesellschaftliche Akteure übernehmen zunehmend Sprache, Problemrahmungen und Konfliktbilder der radikalen Rechten, um deren Wählerinnen und Wähler zu erreichen oder als „realistisch“ zu gelten. Dadurch können rechte Positionen normalisiert werden, auch ohne dass alle Beteiligten selbst rechtsextrem sind.
In demografisch geschwächten Regionen trifft dies auf besondere Resonanz. Der Verlust vertrauter Institutionen, leer stehende Häuser, ausgedünnte Busverbindungen oder das Wegziehen von Angehörigen können als Erfahrung des sozialen Abstiegs und des Kontrollverlusts verarbeitet werden. Rechte Akteure bieten dafür oft eine vereinfachende Erklärung: Nicht langjährige Strukturprobleme, Abwanderung oder geringe Geburtenzahlen stünden im Zentrum, sondern Migration, „Eliten“ oder kulturelle Bedrohung.
Das ist analytisch wichtig, weil Zuwanderung in Sachsen-Anhalt demografisch nicht zwingend das Problem darstellt. Es kommen aktuell mehr Ausländerinnen und Ausländer ins Land, als es wieder verlassen; zugleich berichten manche von mangelnder Willkommenskultur.[8] Eine rechtsmimetische Politik kann diesen potenziellen Ausgleich jedoch politisch entwerten, wenn sie Migration als Hauptbedrohung darstellt. Das kann die Ansiedlung und Bindung dringend benötigter Arbeitskräfte und Familien zusätzlich erschweren.
## Warum rechte Mobilisierung nicht automatisch folgt
Demografie erklärt keinen Wahlerfolg zwangsläufig. Nicht jede schrumpfende, alte oder strukturschwache Gemeinde wird politisch nach rechts tendieren. Forschungshinweise zum AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt deuten jedoch darauf hin, dass demografische Faktoren relevanter sein können als Einkommen und Erwerbslosigkeit allein.[14] Plausibel ist deshalb eine Verbindung über soziale Erfahrung und politische Deutung:
1. Schrumpfung und Abwanderung erzeugen reale Belastungen und Zukunftsunsicherheit.
2. Eine ausgedünnte Infrastruktur kann das Gefühl verstärken, von Politik und Öffentlichkeit übersehen zu werden.
3. Rechte Akteure bündeln diese Erfahrungen in einfache Gegensätze und verlagern Verantwortung auf Minderheiten oder Zuwanderung.
4. Wenn andere Parteien solche Frames übernehmen, verstärkt die Rechtsmimesis ihre gesellschaftliche Legitimität.
5. Ein fremdenfeindliches oder unwillkommenes Klima kann wiederum Zuzug und Bleibewillen beeinträchtigen – und damit die demografische Krise verlängern.
## Fazit
In Sachsen-Anhalt bilden säkularer Geburtenrückgang und selektive Abwanderung eine materielle Grundlage für Schrumpfung, Alterung und regionale Zukunftsunsicherheit. Politische Rechtsmimesis ist nicht deren automatische Folge, kann diese Erfahrungen aber in ausgrenzende Erzählungen übersetzen und die Suche nach tatsächlichen Lösungen – gute Arbeit, verlässliche Infrastruktur, Familienförderung, Bindung junger Menschen und gelingende Zuwanderung – verdrängen. So kann ein selbstverstärkender Kreislauf entstehen: Demografische Schwächung begünstigt autoritäre und migrationsfeindliche Deutungen; diese erschweren wiederum Offenheit, Zuzug und langfristige regionale Erneuerung.
[1] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/bedrohen-demografie-rechtsmimesis-inzwischen-die-republik-auch-ueber-sachsen-anhalt-aus/
[2] https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/landtagswahl/ueberalterung-afd-maenner-frauen-bildung-geburten-rueckgang-alte-demografie,newsletter-entscheidung-104.html
[3] https://idw-online.de/-CJKKBA
[4] https://www.demografie-portal.de/DE/Bund-Laender/Sachsen-Anhalt/demografische-entwicklung.html
[5] https://www.deutschlandfunk.de/demografischer-wandel-sachsen-anhalt-gegenmassnahmen-100.html
[6] https://www.tagesschau.de/akkurat-quellen-142.html
[7] https://www.facebook.com/sterntv/videos/gut-zwei-millionen-menschen-leben-in-sachsen-anhalt-viele-regionen-k%C3%A4mpfen-mit-a/1585952056524606/
[8] https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/landespolitik/landtagswahl-einwanderung-abwanderung-wirtschaft,migration-akt-100.html
[9] https://www.deutschlandfunk.de/abwanderung-ostdeutschland-afd-migration-100.html
[10] https://www.reddit.com/r/SachsenAnhalt/comments/1uvdnx6/sachsenanhalt_schrumpft_wie_die/
[11] https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/landespolitik/landtagswahl-herausforderungen-altmark-wahllokal-102.html
[12] https://www.zeit.de/news/2026-05/29/geburtenrueckgang-in-sachsen-anhalt-erreicht-neuen-tiefstand
[13] https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/sachsen-anhalt-wahl-demografie-wirtschaft-106.html
[14] https://www.rnd.de/politik/afd-erfolg-in-sachsen-anhalt-diw-sieht-demografie-als-entscheidenden-faktor-HADX7O5YEFCFLIQYD2HC45KC54.html
AfD und CDU arbeiten zusammen. In Heidenau, Sachsen. Der Stadtrat hat beschlossen, keine Stolpersteine mehr zu genehmigen.
https://taz.de/Gedenken-an-NS-Opfer-in-Sachsen/!6216336/
Der Künstler Gunter Demnig, der das Projekt „Stoplersteine“ vor 30 Jahren initiiert hat, meint dazu:
Er habe mit einem solchen Schritt gerechnet, sagte der Initiator des Stolperstein-Projekts. „Nach den Wahlerfolgen der AfD war es ja durchaus zu erwarten, dass so etwas passieren wird“, erklärte der 78-Jährige aus dem mittelhessischen Alsfeld. Der CDU warf er vor, sich von christlichen Werten entfernt zu haben. Die Partei „sollte ihr C vielleicht streichen. Denn das Christliche haben sie ja wohl hinter sich gelassen.“
https://www.welt.de/politik/deutschland/article6ab67c71a8b3f6fdb1edb456/stadtratsbeschluss-in-heidenau-nach-den-wahlerfolgen-der-afd-war-das-ja-durchaus-zu-erwarten-viel-kritik-am-stolpersteine-stopp.html
Lieben Dank, @RPGNo1 – das ist wichtig & entsprechend hatte ich mich auch dazu bereits geäußert:
[@teichralle]
Ja, ich bin sehr dankbar für die klare Stellungnahme auch von Charlotte Knobloch dazu. Denn auch sie hatte in der Vergangenheit das Stolpersteine – Konzept (aus nachvollziehbaren Gründen) kritisiert. Ich förder(t)e es.
Wichtig ist zudem, dass keine Partei so tut, als gäbe es Antisemitismus nur bei anderen.
Habe deswegen auch in den letzten Tagen für die IHRA-Definition plädiert, auch hier auf Mastodon.
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117336443066644555
Meine Befürchtung ist, dass sich der politische Dualismus samt Antisemitismus regional mimetisch verfestigen und ausbreiten.