Blume & Ince 59: Kian Hoss, die Faschismus-Definition von Eva von Redecker & Jens Spahn

Schon in meiner Mimesis-Antisemitismus-Rede beim Weltethos-Institut an der Universität Tübingen empfahl ich das Buch „Dieser Drang nach Härte. Über den neuen Faschismus“ von Eva von Redecker. Und als mich Inan auf unserer Dialog-Fahrt nach Heilbronn nach einer aktuellen Definition des Faschismus fragte, nahm ich mir vor, es bei nächster Gelegenheit ihm vorzustellen. Und diese Gelegenheit – war jetzt.
Das neue Buch „Dieser Drang nach Härte. Über den neuen Faschismus“ in Händen von Dr. Michael Blume zur Folge 59 von „Blume & Ince“. Foto: Prof. Dr. Inan Ince
Obgleich mich als Wossi mit sächsischem Hintergrund ein Aspekt an von Redeckers Buch sehr stört – welchen, erkläre ich im Podcast -, überzeugt mich das Werk. Und ich übernehme die nach meiner Einschätzung brillante Definition des alten und neuen Faschismus von Redeckers!
„Faschismus ist liquidierende Phantombesitzverteidigung.
Er hat ein Objekt – den Phantombesitz, der geschützt werden soll -, und ein Abjekt – das Phantasma, das ausgelöscht werden muss.
Das Phantasma kann eine separate Gruppe sein, wie die Jüdinnen und Juden im Falle des Antisemitismus.
Er kann aber auch der abgespaltene Teil des Objekts, des Phantombesitzes, sein: der Teil, der sich wehrt oder einfach als zu lebendig erweist.
‚Echte Frauen‘ können dann weiter als fügsam und fortpflanzungswillig imaginiert werden. Denn alle, die Widerstand leisten, sind keine Frauen mehr. Sie sind irgendwas anderes, etwas, das weg muss, Emanzen, Kampflesben, Gender-Ideologinnen.“ (S. 20)
Ich denke, hier wird bereits erkennbar, wie präzise diese Faschismus-Definition den psychologischen Dualismus, den Antisemitismus, Rassismus und auch Antifeminismus zu erfassen vermag. Mich hat von Redecker überzeugt und ich werde diese Definition zukünftig anwenden.
Gruppenfoto nach dem Vortrag gegen antisemitische & antifeministische Verschwörungsmythen von Dr. Michael Blume bei der akademischen Damenschaft ADV Olympea. Foto: ADV Olympea
Doch bevor wir zu diesem Thema kamen, hatten wir ein bizarres Verschwörungsvideo von Kian Hoss, die Kursabstürze von BitCoin, Gold und SpaceX sowie das Versagen der deutschen Autokonzerne im Hinblick auf Klimakrise und „Technogieoffenheit“ zu diskutieren. Am Ende sprachen wir zudem über den Rücktritt von Jens Spahn vom Vorstand der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.
Auf Mastodon hatte ich Forderungen nach Spahns Rücktritt auch aus der Christdemokratie geteilt und dazu formuliert:
„Im Liberalismus gelten Gesetze für alle, im Libertarismus nicht mehr für Reiche.
Ich nehme solche rechtslibertären Haltungen bei Männern wie Musk, Thiel, Trump, Infantino und leider auch bei Spahn wahr. Und ich meine, dass der Rechtslibertarismus mit dem biblischen und also auch christlich-demokratischen Menschenbild – das von der gleichen Menschenwürde aller ausgeht – nicht vereinbar ist.“
Wie immer gibt es auch Folge 59 von „Blume & Ince“ auch als Hör-Podcast auf Podigee und auf allen gängigen Streaming-Diensten. Und Inan und ich freuen uns auf viele gute Dialoge dazu!


Happy Birthday, echter Fünfziger. Sie werden nicht peinlicher ab dem Alter, Sie merken nur langsam, dass Sie es schon immer waren und gar nicht wissen, wie es anders geht, und der Versuch, so zu tun, als wären Sie es nicht, Sie Ihr Leben lang peinlich zum Quadrat machte.
[Wegen Überlänge und unangemessener Sprache gekürzt, M.B.]
Wenn ich Werte von Freunden und Familie, wie Loyalität und Vertrauen und Kooperation, auf die Ebene von Staatsgemeinschaften übertragen könnte, hätte ich eine verflucht harte Münze im Portfolio. So viel wissen auch die Faschisten. Aber mehr wissen sie nicht, deswegen setzen sie auf Gewalt, und deswegen knirschen und bersten ihre Münzen von Innen, zerrieben und paralysiert durch Konflikte. Und deswegen höre ich auf, Faschist zu sein in dem Moment, in dem es mich zu interessieren beginnt, wie Menschen, Dinge, Wirtschaft tatsächlich funktionieren.
Herzlichen Dank, @Paul S. 🙏😄
Ich finde ja, sowohl an Ihrem ersten wie letzten Absatz ist etwas dran.
Und da ich nun eben bereits fünfzig geworden bin, lasse ich beide Absätze auch mal einfach gelassen stehen. 🤓✅
4 von 5 Sternen von mir für diese Podcast-Folge, die manches miteinander verbunden hat. Ob das Absicht oder Zufall ist?
M.E. leben wir in einer Zeit, die mich an das goldene Kalb der Bibel erinnert. Ob Bitcoin, die deutsche Wirtschaft oder die Politik: Über allem steht die Gier nach mehr Geld etc.
Bitcoin und die aktuelle Bundespolitik sind zwei Seiten einer Medaille. Das hinter Bitcoin stehende Versprechen ist das des leistungslosen Reichtums. CDU/CSU und die SPD kritisieren uns alle wegen angeblich mangelnder Leistungsbereitschaft.
Mit dem Rücktritt von Jens Spahn als Fraktionsvorsitzender bleiben viele Fragen unbeantwortet. Wer in der CDU wusste über die mehrfache Teilnahme von Spahn an den Veranstaltungen von Peter Thiel? Warum fanden diejenigen, die davon wussten, es nicht verwerflich bzw unpassend für einen wichtigen christdemokratischen Politiker? Politische und wirtschaftliche Macht sowie persönlicher Reichtum finden wir auch in diesem Vorgang.
Als letzten Punkt zu diesem Thema gehe ich noch auf die Ziele der Reformpakete der Bundesregierung ein. Niemand aus der Regierungskoalition macht einen Hehl daraus, dass die Konsequenzen für den Normalbürger negativ sein werden.
Es soll damit in erster Linie den Unternehmen in Deutschland geholfen werden, die Nachteile mangelnder Wettbewerbsfähigkeit mit den Ländern Asiens auszugleichen.
Allerdings dient dies nicht der temporären Unterstützung der Wirtschaft, bis neue, innovative und für den Weltmarkt attraktive Produkte entwickelt werden.
Das Beispiel der Technologie-Offenheit beim Verbrenner ist hierfür das deutlichste. Die staatlichen „Subventionen“ für die Wirtschaft (die nur nicht offen so genannt werden), die durch die Streichungen von Sozialleistungen finanziert werden, helfen nur den Vorständen, Eigentümern und Aktionären von Unternehmen, in den nächsten Jahren für sich noch das finanzielle Maximum herauszuholen.
Die Wettbewerbsfähigkeit ist ein vorgeschobenes Argument, das von Politikern aufgegriffen wird, um uns allen klarzumachen, dass wir als Arbeitnehmer in erster Linie an der nicht ausreichenden Wettbewerbsfähigkeit schuld sind. Faulheit, Lifestyle-Teilzeit, Work-Life-Balance etc.
Die neue Definition von Faschismus – hier von Eva von Raedeker – bleibt mir fremd. Da fehlt mir die akademische Bildung. Sie haben erklärt, warum Sie es für eine brillante Definition halten. Mich würde interessieren, ob und wie über Frau von Raedekers Faschismus-Definition gedacht wird, welche Kritik es möglicherweise daran gibt, von wem Zustimmung oder Widerspruch kommt…
Für die wissenschaftliche Auseinandersetzung in Fachkreisen ist das mit Sicherheit interessant. Wie bringt diese Definition die Nicht-Akademiker weiter? Oder ist das keine relevante Frage für einen Wissenschaftsblog?
Vielen herzlichen Dank für „4 von 5 Sternen“ für eine doch recht ausführlich gewordene Folge, @Marie H. 🙏🙌
Gerne gehe ich daher auch dialogisch-ausführlicher auf Ihre Bemerkungen und Anfragen ein.
„4 von 5 Sternen von mir für diese Podcast-Folge, die manches miteinander verbunden hat. Ob das Absicht oder Zufall ist?“
Wir haben in der Tat selbst darüber gestaunt, wie viele Themen früherer Folgen wie Hoss & Hopf, BitCoin, Wasser, Musk und Mimesis derzeit aktuell werden. Geplant haben wir das nicht und hätten bei mehr Zeit auch gerne länger etwa über die Klima- als Wasserkrise gesprochen.
„M.E. leben wir in einer Zeit, die mich an das goldene Kalb der Bibel erinnert. Ob Bitcoin, die deutsche Wirtschaft oder die Politik: Über allem steht die Gier nach mehr Geld etc.“
Ja, die digital befeuerte Rechtsmimesis hat sehr viele Menschen thymotischer und auch gieriger gemacht. Es gibt inzwischen sogar eine beachtliche Debatte darüber, ob durch den Verfall des Lesens zugunsten von algorithmischen Kurzvideos ein Trend zur Verdummung, ja zur „Idiocracy“ (Herrschaft der Idiotie) eingesetzt habe.
Hier dazu das sehr medienpsychologische, kritische und bemerkenswerte DW-News-Video „The rise of post-literate society“:
https://youtu.be/-6t-BBQ8fUQ
An dieser Debatte möchte ich weiterhin (auch über den Begriff der Thymotisierung hinaus) mitwirken.
„Bitcoin und die aktuelle Bundespolitik sind zwei Seiten einer Medaille. Das hinter Bitcoin stehende Versprechen ist das des leistungslosen Reichtums. CDU/CSU und die SPD kritisieren uns alle wegen angeblich mangelnder Leistungsbereitschaft.“
Ganz genau: Wenn Gelderwerb zum einzigen Modus von „Leistungsfähigkeit“ wird, dann werden etwa Familien und Ehrenämter entwertet. Ich halte das für ganz grundlegend falsch, sogar für gefährlich. Und ich denke, dass der Rechtslibertäre Jens Spahn wirklich nicht mehr wahrgenommen hat, wie weit er sich mit Maskendeals, Villakauf & Co. von den allgemeinen Erwartungen bereits entfernt hatte.
„Mit dem Rücktritt von Jens Spahn als Fraktionsvorsitzender bleiben viele Fragen unbeantwortet. Wer in der CDU wusste über die mehrfache Teilnahme von Spahn an den Veranstaltungen von Peter Thiel? Warum fanden diejenigen, die davon wussten, es nicht verwerflich bzw unpassend für einen wichtigen christdemokratischen Politiker? Politische und wirtschaftliche Macht sowie persönlicher Reichtum finden wir auch in diesem Vorgang.“
Sie wollen mich jetzt aber nicht wieder zum Pressesprecher einer Partei machen? Ich leiste wirklich dialogisch gerne und viel, aber mich interessieren eher die politikwissenschaftlichen Mimetiken als die jeweiligen Tagesaufreger.
„Als letzten Punkt zu diesem Thema gehe ich noch auf die Ziele der Reformpakete der Bundesregierung ein. Niemand aus der Regierungskoalition macht einen Hehl daraus, dass die Konsequenzen für den Normalbürger negativ sein werden.
Es soll damit in erster Linie den Unternehmen in Deutschland geholfen werden, die Nachteile mangelnder Wettbewerbsfähigkeit mit den Ländern Asiens auszugleichen.“
Ja – und ich glaube nicht, dass das demografisch funktioniert. Die Binnen-Nachfrage und insbesondere der Immobiliensektor in China selbst stehen am Abgrund – deswegen (!) exportiert das Land ja verzweifelt in alle Welt.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/china-zwischen-demografischer-geburtenimplosion-und-ki-robotik-zukunft/
Ich kann nicht empfehlen, diesem Negativkurs (auch etwa zu sehen in Thailand) aus Europa heraus zu folgen.
„Allerdings dient dies nicht der temporären Unterstützung der Wirtschaft, bis neue, innovative und für den Weltmarkt attraktive Produkte entwickelt werden.
Das Beispiel der Technologie-Offenheit beim Verbrenner ist hierfür das deutlichste. Die staatlichen „Subventionen“ für die Wirtschaft (die nur nicht offen so genannt werden), die durch die Streichungen von Sozialleistungen finanziert werden, helfen nur den Vorständen, Eigentümern und Aktionären von Unternehmen, in den nächsten Jahren für sich noch das finanzielle Maximum herauszuholen.
Die Wettbewerbsfähigkeit ist ein vorgeschobenes Argument, das von Politikern aufgegriffen wird, um uns allen klarzumachen, dass wir als Arbeitnehmer in erster Linie an der nicht ausreichenden Wettbewerbsfähigkeit schuld sind. Faulheit, Lifestyle-Teilzeit, Work-Life-Balance etc.“
Ja, darüber haben Inan und ich ja in der o.g. Folge viel gesprochen, zum Arbeitsethos im Vergleich zu Deutschland und Japan bzw. Merz und Takaichi sogar eine eigene Folge gemacht!
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-51-arbeit-demografie-und-deindustrialisierung-am-beispiel-japan/
„Die neue Definition von Faschismus – hier von Eva von Raedeker – bleibt mir fremd. Da fehlt mir die akademische Bildung. Sie haben erklärt, warum Sie es für eine brillante Definition halten. Mich würde interessieren, ob und wie über Frau von Raedekers Faschismus-Definition gedacht wird, welche Kritik es möglicherweise daran gibt, von wem Zustimmung oder Widerspruch kommt…“
Ja, die Kritische Theorie der Frankfurter Schule hat ihre ganz eigenen, akademischen Sprachspiele. Dass ich mich darauf überhaupt einlasse, hat mit einem großen Vorbild von mir zu tun, mit dem liberalen Wirtschaftswissenschaftler und langjährigen CDU-Bundestagsabgeordneten Franz Böhm (1895 – 1977) – der mutmaßlich nur aufgrund einer Namensverwechslung der Verhaftung und Hinrichtung durch die Nazis entging!
https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_B%C3%B6hm_(Wirtschaftswissenschaftler)
Ich bringe mich nun konstruktiv und dialogisch in diese Begriffsdebatte ein und hoffe, immer mal wieder auch daraus berichten zu können. Den Videocast mit Prof. Dr. Inan Ince habe ich bewusst auch deswegen für diese Rezension ausgewählt, weil auch er Wirtschaftswissenschaftler ist.
„Für die wissenschaftliche Auseinandersetzung in Fachkreisen ist das mit Sicherheit interessant. Wie bringt diese Definition die Nicht-Akademiker weiter? Oder ist das keine relevante Frage für einen Wissenschaftsblog?“
Wenn ich es nicht für eine „relevante Frage“ halten würde, dann hätte ich ja nicht dazu gebloggt. Aber ich möchte Sie doch auch freundlich darum bitten, anzuerkennen, dass ich diesen Wissenschaftsblog wie auch meine Beteiligung an „Blume & Ince“ ehrenamtlich und in meiner knappen Freizeit leiste. Ich gehe nicht davon aus, alle Wünsche und Erwartungen überhaupt und sofort erfüllen zu können.
Ihnen Dank für Ihr dialogisches Interesse und Ihren überaus anregenden Kommentar!
Vielen Dank.
Nein, ich möchte Sie nicht zum „Pressesprecher“ machen. Ich hätte die Fragen nicht stellen sollen.
Ein weiteres Missverständnis muss ich aufklären. Meine Frage, ob dies kein Thema für einen Wissenschaftsblog ist, bezieht sich auf die im vorangegangenen Satz gestellte Frage.
Ich bedaure beide Missverständnisse.
Sie schildern Ihre Erfahrungen mit der DDR und betrachten die Art, wie Frau von Redeker über die Menschen im Osten schreibt, kritisch.
Ich habe letztes Jahr „Freiheitsschock“ von Ilko-Sascha Kowalczuk gelesen. Viele Erklärungen finde ich plausibel, hüte mich als Wessi aber vor einem Urteil. Ich fürchte, dass die Deutschen in Ost und West dachten, das Leben gehe weiter wie bisher. Leider muss ich zugeben, dass mir nur die wirtschaftlichen Herausforderungen der Wiedervereinigung bewusst waren, nicht aber die gesellschaftlichen.
Herzlichen Dank auch für die Klarstellungen, @Marie H. 🙏
Schriftliche Kommunikation halte ich für unersetzlich (und ergänze auch deswegen Pod- und Videocasts durch Blogposts), aber sie sind auch anfällig für Missverständnisse. Es ist dialogisch gut, das immer mal wieder in gegenseitigem Respekt zu klären.
Ja, so sehr ich Eva von Redeckers Buch auch schätze, ihre Weiterentwicklung der Kritischen Theorie auch bewundere – die brandenburgischen Menschen als Erklärfolie zu verwenden, ohne ihre oft bitteren und schmerzhaften Erfahrungen in der DDR zu reflektieren, empfand ich auch als „Wossi“ als unangemessen.
Ich verstehe, dass es vielen Linken aus dem Westen schwer fällt, das Scheitern des „real existierenden Sozialismus“ dialogisch zu bearbeiten. Aber wenn ich doch auch den inhaltlichen Brückenschlag zur Frankfurter Schule begehen konnte, dann können doch umgekehrt auch mehr Linksdenkende aus ihren Denk- und Medienblasen ausbrechen. Hoffe ich.
Guten Morgen @Michael und @Inan,
Vielen Dank für diese sehr lehrreiche Folge, die einen reisigen Erkenntnisgewinn gebracht hat!
Und ganz herzlichen Glückwunsch, @Michael, zum 32.! (Ab einem gewissen Alter habe ich begonnen, mein Alter nur noch hexadezimal anzugeben, weil ich mir Zahlen ab einer bestimmten Größe nicht mehr merken kann…)
Bei der Intro dachte ich kurz, ihr wolltet dezent euren neuen Merchandising-Shop einführen… 🙂
Zur Wasserkrise: Die Wasserkrise ist eine der Auswirkungen, die die Verschiebung der klimatischen Verhältnisse auf unsere heutige Gesellschaft haben wird. Der Geophysiker David Archer hat sehr treffend von einer plötzlichen Veränderung der Erdlandschaft gesprochen. In seinem Buch „The Long Thaw“ geht er (schon vor über 15 Jahren) von der Paläoklimatologie und unserem Wissen über vergangene Klimaveränderungen aus – die von Leugnern ja immer ins Feld geführt werden, um zu behaupten, die derzeitige Veränderung sei nichts Besonderes.
Ein wesentliches Problem liegt jedoch darin, dass das, was derzeit geschieht, eine hochkomplexe Zivilisation trifft, in der Migration als Antwort auf klimatische Veränderungen entweder unterbunden wird oder mit großen Konflikten einhergeht.
„When a complex, ordered society suddenly finds itself with more people than the landscape can support, because of prolongues drought for example, the society tends to fall apart catastrophically … The impact of a severe sudden rearrangement of the landscape of the Earth on our society today is frightening to imagine, all the more so if it happened within a few years, rather than over the course of e few centuries.“
Deutsch (übersetzt durch mich):
„Wenn eine komplexe, geordnete Gesellschaft sich plötzlich mit mehr Menschen konfrontiert sieht, als die Landschaft ernähren kann – beispielsweise aufgrund längerer Dürreperioden –, bricht diese Gesellschaft katastrophal zusammen. Die Auswirkungen einer schwerwiegenden, plötzlichen Neuanordnung der Erdlandschaft auf unsere heutige Gesellschaft sind beängstigend vorzustellen, umso mehr, als dies innerhalb weniger Jahre geschieht statt im Laufe von Jahrhunderten “
(Archer, David: The Long Thaw – How Humans are Changing the Next 100.000 Years of Earth’s Climate, Princeton University Press, 2009, S. 95)
Zur Faschismusdefinition von Eva von Redecker:
„Faschismus ist liquidierende Phantombesitzverteidigung“
Dabei ist mir der Gedanke gekommen, eine Analogie zum medizinischen Phänomen des „Phantomschmerzes“ zu ziehen – auch wenn das vielleicht etwas gewagt erscheinen mag. Um Phantomschmerzen zu behandeln, hat der Mediziner Vilayanur Subramanian Ramachandran die Spiegeltherapie vorgeschlagen: Dabei wird dem Gehirn durch das Spiegelbild des gesunden Körperteils die Illusion eines intakten, schmerzfreien Gliedes vorgegaukelt. Das Gehirn wird so „umtrainiert“ und die schmerzhafte Fehlwahrnehmung korrigiert.
(Buchtipp: Vilayanur Subramanian Ramachandran: Die blinde Frau, die sehen kann, Rowohlt Taschenbuch, 2002)
Wenn man sich diese Analogie nun – mit allen gebotenen Einschränkungen – erlaubt, könnte man die These aufstellen, dass es auch gegen Faschismus eine Behandlungsmethode oder gar Therapie geben könnte. Diese würde nicht in Konfrontation oder Verteidigung bestehen, sondern gewissermaßen „therapeutisch“ vorgehen: Indem eine positive Realität „vorgespiegelt“ (oder erzählt – wir sprechen hier von einem positiven Narrativ) wird, die das Gefühl von Verlust und Bedrohung überflüssig macht. Oder anders ausgedrückt: Eine Gesellschaft sollte daran arbeiten, eine gesellschaftliche Realität zu schaffen, in der das Gefühl von Bedrohung und Verlust gar nicht erst entsteht. Das wäre dann genau das Gegenteil der hier oft diskutierten Rechts-Mimesis. Und es wäre das Gegenteil einer Politik, die von den Ärmeren immer mehr Entbehrungen einfordert und einige wenige whlhabendere Zielgruppen reicher macht.
Ich habe das Buch von Eva von Redecker (noch) nicht gelesen, vielleicht finden sich darin ja Ansätze in dieser Richtung.
Deine Kritik an Eva von Redeckers Ansatz erinnert mich an die Diskussion in der neueren Folge 486 von „Lage der Nation“. Die Gästin, die Psychologin Eva-Lotta Brakemeier, hat dort genau das umgesetzt, was du einforderst: Mit den Menschen reden, nicht über sie. Ich glaube, du hattest das in einem Kommentar zu einem früheren SciLogs-Blogpost erwähnt.
Danke auch für die erneute Anregung, auch außerhalb der eigenen Blase zu lesen. Ich kann bestätigen, dass das – genauso wie Gespräche mit Menschen, die ein Thema aus einer ganz anderen Perspektive sehen – wirklich weiterbringt. Sich nur mit Leuten auszutauschen, die derselben Meinung sind, ist meines Erachtens das, was an den Stammtischen (auch den digitalen) zur Genüge passiert.
Vielen herzlichen Dank, lieber @Peter – und, ja: Inan und ich haben ja auch in der obigen Folge 59 darüber gestaunt, wie viele unsere früheren Themen gerade zusammenlaufen: Hoss & Hopf, BitCoin, Musk, Wasser, Rechtsmimesis…
Irgendwie spitzt sich im Sommer 2026 gerade sehr vieles zu!
Gerade auch beim Thema „Wasser“ denke ich dankbar daran, dass Du zu den wenigen gehört hast, die mich damals bereits darin unterstützt haben, die „Klima- als Wasserkrise“ zu thematisieren.
Denn dahinter liegt ja die psychologische These, dass sich die Elemente auf die Psyche der Menschen nicht gleichförmig auswirken, wie es Empedokles (495 – 435 v.Chr.) in seiner klassisch gewordenen Vier-Elemente-Lehre nahelegte. Stattdessen wird sichtbar, dass jedes Element andere alltägliche, wirtschaftliche, emotionale, spirituelle und damit eben auch politische Folgen hat, wie es auch schon die Bibel (mit dem Ur-Element des Wassers, dem Schabbat-Verbot des Feuers usw.) nahelegt.
Selbst in populären Fernsehserien wie „Avatar – Herr der Elemente“, die noch auf dem Vier-Elemente-Schema aufbauen, erscheint die „Feuernation“ inzwischen als fossilistisch und imperialistisch dargestellt, wogegen der rettende Avatar Aang aus der fast vergessenen Nation der Luftnomaden von Jugendlichen der Wassernation erkannt und beschützt wird.
Entsprechend spannend finde ich auch Deine Überlegungen zur Psychologie des Phantombesitzes – und denke auch, dass wir da zunehmend neurokognitive Entsprechungen finden werden. Schon jetzt verdichten sich ja auch etwa Erkenntnisse, die kognitive Dissonanz mit realen Schmerzen verbunden finden. Und ich hatte selber den Eindruck, dass mir nach dem mehrmaligen Einsatz des Faustkeils vor vielen Menschen der Gegenstand psychologisch „anwuchs“ – und dass ich durchaus etwas Schmerz empfand, als ich ihn bewusst an Inan weiterschenkte. Psychologische Forschungen zum Besitztumseffekt (Endowment Effect) kann ich also auch aus eigener, teilnehmender Beobachtung bestätigen!
https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-658-43600-1_17
Lieben Dank auch, dass Du meiner Empfehlung zur Psychologie-Folge 486 der „Lage der Nation“ mit Eva-Lotta Brakemeier gefolgt bist! Ich halte es für gar nicht zufällig, dass die endlich stärkere Beteiligung von Kolleginnen den interdisziplinären Dialog bereichert und auch dynamisiert. Das noch nicht völlig überwundene, patriarchal-fossilistische Wissenschaftsparadigma hatte nach meiner Einschätzung eine hemmende Wirkung auf den sozialpsychologischen Erkenntnisprozess.
@Michael Blume
Herzlichen willkommen im Klub der mittelalten weißen Männer, dem ich auch bereits angehöre. 😉
Was Jens Spahn angeht. Er hat wohl angekommen, dass sein Verhalten auch dieses Mal keinerlei Konsequenzen nach sich ziehen wird, nachdem er sich schon früher schadlos aus Skandalen und Skandälchen zurückziehen. Aber das Teflon war diesmal durchbrochen, was wohl insbesondere dem energischen Auftreten der Frauen-Union zu verdanken ist. Der Stern schreib dazu:
Vielen Dank, @RPGNo1 🙏
Danke auch für die freundliche Aufnahme in den Club der alten, weißen Männer! 😌
Heute Mittag besuchte ich mit MdB Prof. Matthias Hiller die Synagogengemeinde Stuttgart & bin jetzt auf dem Weg zur Präsentation eines von mir geförderten Films mit Landesrabbiner Moshe Flomenmann in Lörrach. Es wird also auch weiterhin nicht langweilig…
Es ist ja kein Geheimnis, dass ich von der rechtslibertären Engführung und angeknacksten Glaubwürdigkeit von Jens Spahn – Maskendeals, Villakauf, Thiel-Kontakte – nicht überzeugt war. Gleichzeitig freue ich mich für ihn und seinen Mann über das gemeinsame Kinderglück und finde auch, dass der Rücktritt überfällig war. Die Frauen-Union ist da eine wichtige Stimme.
Was mich persönlich noch bewegt hat, war der Umstand, dass die US-Regierung Trump einerseits konservativen Männern Adoptionen gestattete, andererseits ein Einreiseverbot gegen die völlig unbescholtenen Geschäftsführerinnen von HateAid, Josephine Ballon und Anna-Lena von Hodenberg, erlassen hatte. Hier erwarte ich von der Bundespolitik und gerade auch meiner Partei eine klare Haltung und habe das auch in einer „Verschwörungsfragen“-Folge mit Josephine deutlich gemacht:
https://verschwoerungsfragen.podigee.io/67-neue-episode
Dir Dank für Dein thematisches und politisches Interesse & die konstruktiven Drukos! 🙏🙌
Vielleicht ist das die Chance einer Erdung für Herrn Spahn. Windeln wechseln, vielleicht ist es ein Schreikind wie es meine Tochter war ein halbes Jahr. Aber vielleicht gibt es eine Kinderfrau und es geht bloß um Fläschchen geben und Morgen- und Abendkuss.
Ich habe über einen Freund, ExMdB erfahren, welcher Art sich Herr Spahn betätigt hat. Er konnte ja alles: Gesundheit und dann auch plötzlich Energie. Und das NICHT zum Nutzen des Landes, also einer schnellen Umstellung auf Friedens- und Freiheitsenergien. Genau wie die Herren Barreis (Aserbaidschan-Connektion), Fuchs und Pfeiffer, sowie Herr Nüsslein, CSU.
Er wird mit Sicherheit so weiter wühlen und sicher nicht ins Bodenlose fallen.
Herr erbarme Dich!
Und nochmal Herr erbarme Dich!
Dass er uns gebe Hoffnung und Zukunft…..
Hatte gestern und heute mehrere Gespräche mit christdemokratischen Mitgliedern des Bundestages (MdB), die mich vorsichtig optimistisch stimmen. Es gibt eine große Verärgerung über die Entmachtung, ja Demütigung des Bundestages und mein Blogpost zur Tendenz seit 1961 kursiert längst auch in Berlin!
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-bundes-koalitionsvertrag-von-1961-als-abweg-vom-grundgesetz/
Bin gespannt, ob auch mal Qualitätsmedien das Thema aufgreifen, oder ob sie weiterhin vom „Durchsetzen“ und von „Abweichlern“ raunen & damit letztlich die parlamentarische Demokratie unseres Grundgesetzes mimetisch abwürgen…
@Podcast nr 59
Ob von rechts oder von links, was zählt ist, wieviel Rechtsstaatlichkeit versus reiner Gewaltherrschaft praktiziert wird. Und in welchem Ausmaß man immer wieder mit buchstabengläubigen Beamten, denen es egal ist, wie es dem Bürger dabei wirklich konkret geht, zu tun hat. Oder auch das andere Extrem, korrupte Beamte, die ihre Macht nutzen, um Bestechungsgelder zu verdienen, das kann auch das Miteinander vergiften. Auf allen Ebenen, bis ganz nach oben.
Das sind dann wohl so die wesentlichen Faktoren, wie gut es sich in einem Land so lebt, oder eben auch gar nicht.
Wer jetzt wie viele Steuern zahlen muss ist auch noch mal ein Faktor, wie es sich für wen so lebt. Und ob ein brauchbares Soziales Netz existiert. Auch wie gut Innovationen in der Wirtschaft möglich sind, ist wichtig. Überregulierungen an ziemlich vielen Stellen finde ich auch keineswegs positiv.
Die Bürokraten können es anscheinend nicht lassen, bei jeder Gelegenheit alles wieder noch ein gutes Stück komplizierter zu machen. Da kann man bald nur hoffen, dass die Öffentliche Verwaltung so mit KI durchorganisiert wird, dass man die Komplexität dahinter gar nicht mehr kennen muss.
Wo jetzt genau China da jetzt steht, ist mir recht unklar. Und in ärmeren Ländern wie Nigeria oder Argentinien gibt es auch noch mal ganz andere Faktoren als in Europa?
Ja, @Tobias – bei zu viel Entscheidungsfreiheit droht Korruption, bei Buchstabengläubigkeit Bürokratie. Und gerade weil demokratische Republiken dennoch Rechtsstaatlichkeit und Wohlstand gewährleisten konnten, geraten sie jetzt durch KI-Digitalisierung, Klimakrise und vor allem Demografie in Turbulenzen.
Der Fossilismus hat Frieden und Familien zerstört, nun zerstört er sich selbst. Und ich denke schon, dass es sich lohnt, die demokratische und freiheitliche Rechtsstaatlichkeit nicht nur zu verteidigen, sondern aus ihr heraus neue Formen zu suchen.
@ Blume
Haben Sie die Rede von Navid Kermani zum Gelöbnis und zur Vereidigung zum 20.Juli im Bendlerblock wahrgenommen?
Er setzt das Gewissen in’s Verhältnis zum Grundgesetz. Sehr interessant. Das könnte auch für unsere Politik und Funktionsträger generell passen.
Vielen Dank für den Hinweis, @Mussi – das ist wirklich eine große und unbedingt lesenswerte Rede von Navid Kermani!
Dass unsere Eltern und Großeltern auf den Trümmern des Dritten Reichs einen funktionierenden Rechtsstaat aufgebaut haben, ist neben der europäischen Einigung das größte Geschenk, das uns als Bundesbürgern gegeben ist, mögen das auch jene bestreiten, die keine Ahnung haben, wie es sich tatsächlich in einem Unrechtsstaat lebt. Mich, der ich nicht nur Deutscher bin, bringt die Geringschätzung unseres Rechtsstaates vielleicht noch mehr auf als die meisten von Ihnen.
Denn als Kind iranischer Eltern bin ich zugleich Bürger eines Staates, der Anfang dieses Jahres mutmaßlich an die dreißigtausend Demonstranten innerhalb von zwei Tagen erschossen hat.
Ich könnte jenen, die die Bundesrepublik für einen Unrechtsstaat halten, viel über wirkliches Unrecht erzählen. Aber genauso könnten sie die eigene deutsche Geschichte studieren, um sich selbst der Lächerlichkeit zu überführen.
Dass jemand wie ich, der nach den Maßstäben der Partei, die die nächste Bundesregierung anführen könnte, nicht einmal ein echter, vollgültiger Deutscher ist, bei diesem hochoffiziellen Akt politische Repräsentanten des Staates scharf kritisieren kann, allein das zeigt, wie großartig unsere Bundesrepublik Deutschland ist.
https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/navid-kermanis-rede-zum-geloebnis-der-rekruten-im-bendlerblock-201048909.html
Herzlichen Dank für den wertvollen und konstruktiven Hinweis, @Mussi! 🙏
Guten Morgen, @Mussi,
vielen Dank für den Hinweis auf die Rede von Navid Kermani! Ich habe sie mir angesehen. Was für eine großartige, mutige Rede!
Ich hoffe, dass auch Leute sie anhören, die unseren heutigen Staat fahrlässig als „Unrechtsstaat“ bezeichnen.
Ich bin natürlich weit davon entfernt, die Erfahrung des Redners als Journalist in Kriegsgebieten zu teilen. Aber weil meine Familie in den 1980er Jahren Kontakte in die damalige DDR hatten, habe ich ein klein wenig mitbekommen, was ein Unrechtsstaat ist – in meiner Jugend. Wenn wir uns in Ost-Berlin von den Freunden meines Vaters verabschiedet haben und zurück „in den Westen“ fuhren, während sie durch eine todbringende Mauer am Reisen gehindert wurden. Oder als wir zu Gast bei Freunden in Mecklenburg-Vorpommern waren und mein Vater, der immer gerne diskutierte, auf ein politisches Thema zu sprechen kam, unsere Gastgeberin schnell das Fenster schloss, damit nur niemand zuhörte. Das hat mich als Jugendlichen tief beeindruckt und verstört.
Ich glaube, auch die Tatsache, dass allmählich viele der Zeitzeugen des NS-Unrechts versterben, verschärft das Problem der wachsenden Selbsttäuschung großer Teile der Gesellschaft im Sinne eine Privilegienignoranz.
Das Gewissen hat nach Kerami und Gödel zwischen Würde und dem Gegensatz Schande zu entscheiden.
Wer wie Höcke über die Schande argumentiert, verliert den Bezug zu den Ewigkeitsgrundsätzen der Verfassung!
Das ist das Positive der Würde und das negative der Schande.
Wer sich mit den Widersprüchen darüber hinaus mit Liebe und Hass beschäftigt, der wird auch die Verbindung zwischen Hass und Schande herstellen können und zu seinem Gewissen. Das entspricht in etwa Keramis Interpretation von Verteidigung der Offenen Gesellschaft über das dazugehörige Gewissen und dem Gegensatz der Willkürherrschaft.
Das bemisst in etwa den herrschenden Kulturkampf.
Das Positive zu verteidigen ist schwieriger, als über das Negative das Argument durchsetzen zu wollen.
Das Negative wird, wie wir medial feststellen, eher wahrgenommen, als das Positive.
Wird noch spannend zwischen gut und böse…
Jeder möchte geliebt und gemocht werden.
Es ist aber ein Unterschied, ob ich Würde positiv lebe oder über Schande und Hass geliebt oder gemocht werden will.
Ständig das Negative hervorheben und es kritisieren verschafft noch lange kein positives Menschen- und Weltbild. Es suggeriert es nur und Autosuggestion ist das vorherrschende Motiv des Populismus.
Es ist kein Geheimnis, dass ich den Dialogischen Monismus mit den Gegensätzen und Widersprüchen verbinde.
Macht und Ohnmacht und daraus resultierende Selbstermächtigung ist darin elementar. Es kategorisiert darin zwischen Selbstbestimmung und Willkür.
Eine sensible Grenze, die ausgefochten wird.
Um das auf den Punkt zu bringen:
Die Rechten argumentieren, was wir an Kultur verlieren, die Linken, was wir gewinnen.
Die einen wollen es erhalten, die anderen verändern.
Die Ökonomie lebt von Veränderung, für Gewohnheit ist Veränderung Gift.
Wo ist die Mitte?
@Michael Blume
21.07.2026, 21:14 Uhr
Wenn ich darüber nachdenke das ich zu meinen Schulzeiten als nicht nur links sondern richtiggehend linksradikal galt im Leererkollegium meines Gynasiums wenn ich sowas ausgesprochen habe…
Wahrlich wir leben in interessanten Zeiten wenn das schon aus der CDU kommt 😉 scnr 🙂
Es ist die Frage, was verteidige ich, was greife ich an? Wo habe ich recht und wo nicht? Wo setze ich mich durch und wo nicht?
Wir haben die Welt in meinen Augen auf ein Hexagon aus Angriff und Verteidigung, Angebot und Nachfrage (was synonym verwendet werden kann) und Gewinn und Verlust gestellt.
Dazwischen gibt es Diskussionen über Würde und Schande und was großartig ist. Was Bedeutung hat.
Wer bedeutend ist und wer nicht. Überlegenheit vs Unterlegenheit und Verantwortung zerlegt in Selbstbestimmung und Fremdbestimmung. Verbunden mit Selbstverantwortung und Fremdverantwortung.
Was rechtfertigt was und was soll vorherrschen?
Ideologie? Religion? Das ich- du-wir? Egoismus oder Altruismus? Wie baut man darauf Gesellschaften auf?
Was ist mit der Durchsetzung des eigenen Willen in Bezug zur Willensfreiheit und die Freiheit des einen ist die Freiheit des anderen?
Wer bestimmt wen warum und wofür?
Alles ist global im Umbruch und das Mass der Zeitenwende.
Wer hat Macht und wer nicht? Wer meint es warum gut oder nicht?
Welche Rolle spielen Ehre und Stolz in diesem Spiel mit Ernst?
Status, Erfolg und Misserfolg im Ansehen?
Wer ist Vorbild und wer ist Abjekt?
Was urteile ich über was? Welcher Schluss ist schlüssig zwischen Natur- und Geisteswissenschaften, zwischen Information und Energie?
Wie wollen wir nd wie können wir existieren und leben zwischen diesen Fragen?
Ich habe mich völlig aus diesen Dilemmata zurückgezogen und beobachte dieses Drama um das Leitbild Kultur. Ich kann es nicht mehr fassen.
Peter Thiel macht daraus den Antichristen. Was leitet ihn und was treibt ihn damit an?
Was ist real und Phantasie und wie bestimmt Phantasie die Wirklichkeit?
Absurd, absurd das Ganze…
Hallo Herr Dr. Blume,
wie wär’s mit: sogenannte „kritische Theorie“ ^^
Geburtstagsgrüße, wenngleich verspätet
mentalsports
Danke, @mentalsports – finde ich gut und habe über die Frankfurter Schule und deren Kritische Theorie auch jüngst einen ganzen Vortrag gehalten:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/mimesis-medien-macht-grundsatzrede-beim-weltethos-institut-tuebingen/
Danke für die Glückwünsche & in der Hoffnung auf ehrliches Interesse und konstruktiven Dialog. 🌞