Blume & Ince 54: Mit dem Elektroauto & Feueralarm zu Nathalie Wollmann beim Paritätischen

Es fühlt sich schon seltsam an: Während ich diese Zeilen hier blogge, werfen sich die frühere Supermacht der USA und die Europäische Union (EU) vor den mörderischen Revolutionsgarden des Iran in den Staub. Wenn das diktatorische und antisemitische Regime, das sowohl die israelische wie auch die eigene Zivilbevölkerung immer wieder angreift, doch nur wieder bereit wäre, billiges Erdöl und Erdgas durch die Straße von Hormus zu lassen, dann würden die Sanktionen „gelockert“, also aufgehoben. Für billigen Sprit sind viele Konzerne und nationalstaatliche Politiker längst wieder bereit, über die iranische Folter-Diktatur, über Massaker, Atomprogramm und Raketenangriffe auf Israel und die arabischen Golfstaaten hinweg zu sehen.
Schon am 3. März 2026 sagte ich der Stuttgarter Zeitung u.a.: „Das iranische Regime hat erst im Januar Abertausende Protestierende ermordet und sollte gestürzt werden. Gleichwohl kennt die Politikwissenschaft keinen Fall, in dem ein antisemitisch beherrschter Fossilstaat ohne Bodentruppen zur Demokratie gebombt werden konnte.“ Foto & Bearbeitung: Michael Blume
Doch es gibt auch in diesen Tagen Zeichen der Hoffnung: Die Zahl der Solaranlagen, Batteriespeicher und Elektroautos wächst weltweit – und sogar in Deutschland – mit Rekord-Sprüngen. Und so haben sich auch Prof. Dr. Inan Ince und ich darauf verständigt, alle Fahrten für Blume & Ince mit meinem 100% solar geladenen Elektroauto zu unternehmen. Und weil Inan eine neue Kamera erstanden hat, gibt es nun erstmals auch Aufnahmen aus einer Fahrt!
Unterwegs im Renault Scenic für Wissenschaft & Dialog. Links Inan Ince, rechts Michael Blume. Kamera: Prof. Dr. Inan Ince
Wir waren auf der Fahrt zu Nathalie Wollmann vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg, mit der wir in Folge 34 bereits über „soziale Infrastruktur“ gesprochen hatten. Diesmal hatte sie uns zu sich ins Büro eingeladen, um das Gespräch fort zu setzen:
„Ich bin hier im Landesverband die zuständige Referentin für Migration, Vielfalt und Demokratie.
Das heißt Demokratie und Migration gehören zu meinen Schwerpunktthemen und folglich beschäftige ich mich natürlich auch mit den demokratischen Entwicklungen, aber auch natürlich mit dem Bereich der Migration hier in Baden-Württemberg.“
Den ersten Feueralarm in einer Folge von „Blume & Ince“ gibt es dazu auch zu sehen – und zu hören!
Nathalie Wollmann (links) und Kameramann Prof. Dr. Inan Ince (rechts) während unseres ersten Videocast-Feueralarms. Screenshot: Michael Blume
Mir war wichtig, unter anderem auch die Folgen unterfinanzierter, sozialer Infrastruktur wiederum auf die Demografie und auch die Wirtschaft zu thematisieren:
„So und jetzt hast du also die Anforderung, die Leute sollen bitte arbeiten, die sollen mehr arbeiten.
Ja, Frauenerwerbstätigkeit soll steigen, ja, wir brauchen mehr Leute, die einzahlen.
Inan Ince thematisierte dazu, dass Bedürftige gegeneinander ausgespielt werden:
„Ich meine, dank Homeoffice kombiniert sich das oft ohnehin und dann wird halt auch gerne – und das ist mein Eindruck – natürlich sehr viele Neid auch geschürt.
Weil das ist immer dieses ganz große Bild, dass man sagt, na ja, wir können euch, liebe bedürftige Menschen, die sogenannte untere Klasse oder wie man es immer bezeichnen will, kein weiteres Bürgergeld, Harz 4 oder was sonst als nächstes Modell kommt mehr geben, weil da sind ja jetzt die Ausländer, denen wir helfen wollen.
Beschwert Euch bei denen, die sind das Problem, auch wenn nachweislich natürlich nicht den Leuten besser ging, bevor die Flüchtlinge kamen.
Aber es geht ja letzten Endes um die Kommunikation.



Völker, hört die Signale, die Ohrstöpsel sind alle…
Die soziale Infrastruktur in Deutschland heißt Deutschland. Ein Staat ist ein Rollstuhl, ein Selbsthilfeverein für behinderte Schimpansen, die ohne Prothesen nicht überlebensfähig wären.
Nur durch Cyborg-Implantate wie Werkzeuge, künstliche Programme wie Gesetze, ein Gehirn, das wie ein Borg-Implantat wirkt und das Tier in uns in einer Augmented Reality hält, können wir überhaupt so komplexe Systeme wie Staaten betreiben und mit der ungeheuren Macht fertig werden, die unsere Behinderung uns verliehen hat.
Ein Staat ist ein künstlicher Dschungel, ein Borg-Hive, eine Maschine. Ein riesiger Rollstuhl eben.
Behinderungen und Soziales erfüllen eine Schlüsselrolle in der Evolution der Zivilisation: Als Affe wollen wir uns vollfressen, ausschlafen und dann, frisch und ausgeruht, andere Affen ermorden. Wenn wir nicht Krieg führen können, fühlen wir uns wie Sklaven. Doch wenn wir andere Herausforderungen haben – Probleme lösen – wird dieser Trieb sublimiert, wir wetteifern um Lösungen. Die gleiche Kraft, die uns zu Mördern macht, macht uns zu Ingenieuren, Ärzten und Pflegern.
Wenn sie entsprechend kanalisiert wird. Alles, was wir tun, ist eine Kampfkunst, ob Kung-Fußball oder Karatechnologie-Entwicklung ode Han Del. All das Geld, all der Reichtum, all der Luxus – das sind bloß Trophäen.
Der harte Wettbewerb perfektioniert alles und passt uns perfekt an. Man sehe den Karmischen Kurzschluss: Sowohl die Demokratie wie der unterwürfig-herrschsüchtige Kapitalismus machen uns zu Herren und Sklaven zugleich. Wir können nur uns selbst peitschen und gegen uns selbst aufbegehren.
Und – wir haben’s geschafft. Wir schalten einfach die Nebelwand „Gesellschaft“ zwischen Ich und Ich. Und schon können wir den Sklaven zu Tode schinden, Aufstände anzetteln, uns durch Arbeit und Kinderlosigkeit und künstlichen, aus dem Körper in gefräßige Simulationen verlegten Hunger namens Geld selbst vernichten, in Luxus schwelgen – alles gleichzeitig. Ist das nicht wunderschön? Wie eine Missgeburt in einer Retorte im Grusel-Labor eines wahnsinnigen Genetikers.
Aber – es lebt. Es funktioniert perfekt. Es ist die ideale Selbst-Euthanasie-Maschine, die all unsere Wünsche erfüllt und Triebe befriedigt. Sehr vieles in diesem Ungetüm tickt verdammt richtig. Es müsste nur zerlegt und neu montiert werden, damit es was Sinnvolleres macht.
Menschen tun das, wofür sie belohnt werden. Und wenn der Kapitalismus Sie weitaus großzügiger dafür entlohnt, ihm Vampirkinder zu zeugen, die fremden Kindern die Arbeitskraft aussaugen, als die Biologie dafür, selbst Kinder zu zeugen, wird die Biologie zur Strafe. Kinder sind was für Loser und Traumtänzer und Sklaven, die sich keine Rentenversicherung leisten können.
Und auch der Sozialstaat versorgt Sie viel besser als eine Ehe. Das heißt, der Paritätische ist ein Ehe-Ersatz, der keine Kinder gebärt und trotzdem allem die Windel wechselt und das Fläschchen gibt, was ihm vor die Flinte kommt. Für die Alten und Armen ist er Kinder-Ersatz. Er bestärkt ein Problem, das ihm zum Verhängnis wird.
Das lassen wir mal so, denn alle möglichen Pflegefälle müssen ja versorgt werden, inklusive Waisenkindern. Wenn ich eine Institution habe, die sich als Adoptiv-Mami bewährt, baue ich sie aus, damit ich mir Adoptivkinder leisten kann, neben all den Senioren und Pflegefällen und Armen, die denen Konkurrenz machen.
Wenn ich allerdings an einer Ecke den Zwang wegnehme, muss ich an einer anderen die Belohnung aufstocken.
Und jetzt schauen wir uns an, wie ein normaler Staat funktioniert: Er wird aus Kriegen vieler Fürsten geboren, irgendein besiegt alle anderen, erklärt sich zum Kaiser, nimmt allen anderen die Waffen weg. Aus all den Fürsten werden Beamte und Geschäftsleute, die ihre Kriege unblutig führen, mit Gift und Intrigen und allen möglichen Tricks. Die Korruption wächst und zerstört das Land, doch die Fürsten sind beschäftigt. Die Bauern müssen das Ganze durchführen, sie werden bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit ausgepresst, sie haben keine Kraft zum Rebellieren.
Und so erhält ein Staat wie China seinen Frieden: Indem er die Menschen unter einem gigantischen Stein aus Staat und Korruption begräbt, der ihnen alle Kräfte raubt, um sich mit sich selbst zu beschäftigen. Die Folge ist Schwäche und Stagnation – für die Mammutjäger Europas war China nur ein riesiger Kohlkopf, keine Herausforderung.
Aber. Wenn man die Bauern schützt, versorgt, füttert, mit Belohnungen motiviert, haben sie mehr Kraft zum Arbeiten, kümmern sich aus Eigennutz um Dinge, die sie sonst nicht tun würden ohne Aufseher und Peitsche, das spart Verwaltungskosten, sie lernen und passen sich selbständig an. Und wenn man den Wettbewerb der Korruptionsfürsten in sinnvolle, produktive Bahnen lenkt – dann werden all die Mittel, die die Korruption verschlingt, von den gleichen Ambitionen dafür genutzt, im Lösen von Problemen zu wetteifern.
China hatte Jahrtausende, um verschiedene Tricks und Kniffe zu entwickeln, seine Schwäche zu kompensieren, der Wettbewerb ist hart, doch am Ende hat bislang die Korruption immer gesiegt, das Land geschwächt und so sehr zur leichten Beute gemacht, wie es der heutige Westen ist. Europa kommt von der anderen Ecke – bei uns kann nichts den Wettbewerb zügeln, aus der Korruption wird Handel, Technologie, Städtebau, aber der Preis ist ewiger Krieg, weil wir immer wieder die Affenfreiheit suchen und die Cyborg-Upgrades abstoßen.
Im Moment haben wir überall China. Aus der Demokratie ist eine Adelsdemokratie geworden, wie im alten Polen – die Magnaten kaufen sich Stimmen, wählen einen Popanz als König und legen das Land in Schutt und Asche, die Bauern leiden. Eine ähnliche Entwicklung nahm damals auch Deutschland, deswegen der Zerfall in viele Fürstentümer. Ist nicht leicht zu sagen, was davon an zu viel Reichtum und was an zu viel Niedergang lag, aber es lag ganz bestimmt daran, dass das System mit dem Management von beidem überfordert war.
Menschenrechte und Soziales haben was von Sport. Durch Regeln eingezwängt, durch Schwierigkeiten herausgefordert, werden wir mächtig.
Ethik ist Macht. Da sind sich der Humanist und das Raubtier in meinem Kopf einig. Ich bin Darwinist, und deswegen halte ich nicht viel von Sozialdarwinisten, Faschisten, Rassisten. Wer unter Überlebenskampf Töten, Sterben und Sterben lassen versteht, der macht auch das Licht aus, damit es heller wird. Der Trieb, der uns die Kraft gibt, kommt vom Kampf, er wurde für das Töten geschaffen. Aber die Kampfkunst der Chirurgen und Ingenieure und vieler, vieler anderer ist so weit entwickelt, dass sie nicht tötet, auch nicht bloß Töten vermeidet, sondern Leben erhält und Leben schafft.
Warum posaune ich hier so rum, als hätte ich Radetzky in der Bong geraucht? Erstens war’s nicht Radetzky, sondern Metallica. Zweitens, ich habe es satt, dass die Bösen die ganze Action machen und die Guten ins Koma gefallen zu sein scheinen.^Ich brauche einen Pep Talk für all die Leute, denen die momentane Weltlage die Stimmung vermiest, wodurch sie Aggro werden, was die Weltlage dann erst recht vermiest. Irgendwie muss die ganze Kraft, die in Krieg und Sinnloses geleitet wird, in Arbeit und Soziales umgeleitet werden.
Im Islam heißt „Dschihad“ ja auch eher Anstrengung als Krieg. Und dass es gerade recht anstrengend wird, nicht noch mehr Krieg, Fehden, Korruption und Gewalt zu bekommen, merken wir ja alle.
@Paul S.
Aus Ihrer langen Textflut greife ich einen Satz heraus, der mir besonders aufstößt:
„Und so erhält ein Staat wie China seinen Frieden: Indem er die Menschen unter einem gigantischen Stein aus Staat und Korruption begräbt, der ihnen alle Kräfte raubt, um sich mit sich selbst zu beschäftigen. Die Folge ist Schwäche und Stagnation – für die Mammutjäger Europas war China nur ein riesiger Kohlkopf, keine Herausforderung.“
Das halte ich für überheblich und sachlich falsch. Die Entwicklung der benachbarten Republik Taiwan zeigt doch, dass auch für China insgesamt eine andere Entwicklung möglich gewesen wäre. Ohne den Maoismus, die kommunistische Misswirtschaft, die zerstörerische Kulturrevolution und dann auch noch die verheerende Ein-Kind-Politik hätte sich das riesige Land auch anders entwickeln können.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/buerde-oder-wuerde-warum-kaempften-menschen-um-ihr-wahlrecht/
Im aktuellen SPIEGEL 18, 2026 vom 24.04.206 findet sich auf den Seiten 58 – 60 der lesenswerte Artikel „Zu alt für die Zukunft“ von Maria Stöhr über das chinesische Rudong nahe Shanghai.
Dort heißt es unter anderem:
Noch nie zuvor wurden in China so wenige Babys geboren wie in den vergangenen Jahren. Auf elf Millionen Todesfälle kamen 2025 nur knapp acht Millionen Geburten.
Südkorea, Japan, Deutschland, Italien – viele Länder haben mit überalterten Gesellschaften zu kämpfen. Doch in China liegen die Statistiken von heute auch an einem riesigen Planungsfehler. Der maximalen Geburtenkontrolle, allen Warnungen von Expertinnen und Experten zum Trotz. […]
Es war die Zeit, als Mao Zedong regierte. Die großen Hungersnöte waren überstanden. Aber die Leute waren auch in den Jahren danach bettelarm. […]
Bald stand in Rot an den Brücken und Häusern entlang der Rudonger Landstraßen: „Eine glückliche Familie hat nur ein Kind.“
Es gab Chinesinnen, erinnern sich Augenzeugen, im sechsten oder siebten Monat schwanger, die ins Krankenhaus gebracht wurden und mit leerem Bauch zurückkamen.
„Du konntest nicht fliehen“, sagt Zhang. Während sie im Stillen darüber nachgedacht habe, dass zwei Kinder schöner wären als eins, setzte sich draußen ein Sprichwort durch.
„Habt weniger Kinder und züchtet mehr Schweine!“
Insgesamt ein hervorragender, informativer und unbedingt lesenswerter Artikel. Gleichwohl bedauere ich, dass auch der SPIEGEL noch an der sachlich falschen Begrifflichkeit der Überalterung festhält.
Im obigen Pod- und Videocast hatte ich dazu gesagt:
Wie soll das gehen mit Demografie, wenn wir immer weniger junge Menschen haben, wenn wir immer weniger werden.
Wir haben ja eine Folge über Japan gemacht, wenn du dich erinnerst, ja, wo wir die Unterjüngung – die ich als Begriff besser finde als Überalterung, weil es ja kein Problem ist, dass es ältere Menschen gibt – einfach an jungen Menschen fehlt, da sozusagen ja auch ganze Regionen buchstäblich herunterreißen. Und da ist dann halt weder eine technologische noch wirtschaftliche und eben auch keine soziale Infrastruktur mehr.
Die genannte Japan-Folge gerne hier:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-51-arbeit-demografie-und-deindustrialisierung-am-beispiel-japan/
Auch in Deutschland diskutieren wir ja derzeit wieder die Rente – und tun dabei alle so, als habe die Bedrohung der Rentenhöhe nichts mit Kindermangel und fehlender Zuwanderung zu tun…
Danke für dieses wunderbare Gespräch über diese gesellschaftlich wichtigen Themen.
Ergänzend hierzu noch ein paar Gedanken.
Sozialstaat, Solidargemeinschaft sind Begriffe, Worte, die wir alle im positiven wie im negativen immer wieder einmal gebrauchen. Es klingt meist so einfach, dass man Hilfe bekommt, wenn man Hilfe benötigt. Das ist grundsätzlich richtig.
Doch es ist eben auch eine Belastungs- und Stresssituaton für den Antragsteller/die Antragstellerin. Hilfe muss beantragt werden, häufig werden Anträge abschlägig beschieden, dass besteht die Möglichkeit dem zu widersprechen, dann wieder auf eine hoffentlich positiven Bescheid zu warten. Schlussendlich bleibt bei Ablehnung nur der Klageweg. Lang, im Zweifel teuer etc.
Alles kostet Kraft und Nerven und schadet letztlich der Gesundheit. Bei Einstufungen in Pflegegrade sucht der medizinische Dienst der Kassen die betroffene Person auf. Sie schwanken zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Antwortbriefe zu öffnen und ggfls (wieder) einen ablehnenden Bescheid zu bekommen, kann einen in schwere Depressionen stürzen. Ein Teiufelskreis!
Ich schreibe da deshalb so ausführlich, weil dies von vielen Entscheidern in den Parlamenten nicht gesehen wird. Da wird der Eindruck erweckt, man müsse nur wollen. Der Staat werfe einem das Geld schon hnterher. Eine totale Verzerrung der Wirklichkeit.
Noch ein Hinweis zum Thema Kinderbetreuung. Diese ist ebenfalls mit Kosten verbunden. Ich habe folgendes Fall-Beispiel auf Basis der von der Stadt veröffentlichten Gebührenordnung erstellt:
Familie mit 3 Kindern (2, 5 und 9 Jahre)
U3 7.00 – 17.00 Uhr an 5 Tagen/Woche (Mo-Fr) 517,00
3-6 7.00 – 17.00 Uhr an 5 Tagen/Woche (Mo-Fr) 296,00
9 J Ganztagsbetreuung an 5 Tagen/Woche (Mo-Fr) 65,00
zzgl. Mittagessen 59,00
Gesamt 937,00
Getränkebeitrag etc. sind hier noch nicht berücksichtigt. Selbst wenn die Eltern beide Vollzeit arbeiten, müssen diese knapp 1.000 Euro erst einmal erwirtschaftet werden!
Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages entscheiden über die Zukunft der Renten und die Kosten im Gesundheitssystem – ohne selbst davon betroffen zu sein. Für viele gilt dies auch, wenn sie keine MdBs wären. Es handelt sich sehr häufig um Selbständige und Beamte.
Ich bin mir nicht sicher, ob wir dieses „Zusammenrücken“ in der Gesellschaft wirklich schaffen. Der teilweise kompromiss- und respektlose Umgang der Nachwuchspolitiker (ab Jahrgang 1990) miteinander ist besorgniserregend.
Sehr gefreut hat mich die Stellungnahme des CDU KV Groß-Gerau. Dort kam es zur Zusammenarbeit von CDU und AfD im Gemeinderat von Biebesheim. Unsere Demokratie braucht Zukunft.
Haben Sie herzlichen Dank, @Marie H. – Sie sprechen mir da wirklich aus der (eben auch sozialen & ökologischen) Seele!
Über den CDU-KV Groß-Gerau habe auch ich mich sehr gefreut, ebenso über das kritisch-konstruktive Verhalten „meiner“ CDA gegenüber Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU):
Es solle ein „Gesamtversorgungsniveau“ auf drei Säulen geben, erläuterte Merz nun. Neben der gesetzlichen Rente sollen Betriebsrenten und private Vorsorge einen Beitrag leisten. Eine Hinterbliebenen- oder Erwerbsminderungsrente gebe es aber nur in der gesetzlichen Rente. Insofern sei das die „Basis“, erklärte Merz und versuchte seine Formulierung vom Montag einen ganz anderen Dreh zu geben.
Auch Radtke hatte Merz für seine Rentenäußerung kritisiert. „Wir müssen aufhören, den Menschen Angst zu machen“, hatte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) gesagt. „Ja zu Veränderungen, aber Nein zu pauschalen Aussagen, die kein Problem lösen, aber gleich mehrere neue schaffen“, fuhr er fort.
https://www.n-tv.de/politik/Beim-Sozialfluegel-der-CDU-wird-Merz-nur-gesiezt-id30755544.html
Aus meiner Sicht hatte Merz nach der katastrophalen Abstimmung mit der AfD und dem falschen Schuldenbremse-Versprechen einen dritten, kapitalen Fehler begangen, als er die christlich-soziale CDA nicht im Kabinett einband. Von Konrad Adenauer bis Angela Merkel hatte noch jede/r Bundeskanzler/in eine starke, christlich-soziale Stimme in der Regierung, die auch als vertrauenswürdige Vertretung der Alten, Erkrankten und Hilfsbedürftigen fungierte, Sicherheit und Solidarität verkörperte.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-37-monica-wuellner-von-cda-cdu-und-die-konkordanzregierung/
Dass Merz jedes Gespür für die Millionen auch treuester Wähletinnen und Wähler der Union abging, zeigte sich auch daran, dass er die Rentenangst ausgerechnet bei einer Bankenversammlung schürte – also vor Reichen, die selbst kaum auf die gesetzliche Rentenversicherung angewiesen sind.
Merz war mit dem Versprechen angetreten, „die AfD zu halbieren“. Auch dieses Versprechen hat er gebrochen und ihr durch seine empathieferne Rechtsmimesis weitere wütende und verängstigte Menschen zugetrieben.
Es ist eben genau, wie Sie sagen: Nur wenige erleben den heutigen Staat als wärmende „Solidargemeinschaft“ – den meisten erscheint er als zugleich gierige, menschlich kalte, verwirrende und schlecht funktionierende Bürokratie.
Während sich Reiche im Lobby-Bündnis mit fossilen Konzernen zunehmend aus dem Sozialstaat herausstehlen, erfahren sich Ärmere, Erkrankte, Ältere, Pflegebedürftige und auch Eltern als zunehmend überfordert, alleingelassen, wütend.
Und hinter der deutschen Rentendebatte grollt die zu lange verdrängte Demografie der Unterjüngung: Wir haben nicht zu viele alte, sondern zu wenig junge Menschen in Deutschland.
Das fossile System zerbröselt auch hier.
Wir haben zu wenig junge Menschen.
Diese jungen Leute sind alle nach der Wiedervereinigung zur Welt gekommen. Aufwachsen konnten sie in einer Zeit, die nicht mehr von der Sorge vor einer Eskalation des Kalten Krieges geprägt war. Die Ereignisse in Fukushima 2011 führten zum Ausstieg aus der Atomkraft. Die Toleranz nahm zu, zB durch die „Ehe für alle“. Der jahrzehntelange Missbrauch von Kindern und Jugendliche durch Geistliche wurde nicht mehr verdrängt oder geleugnet. Ein radikaler Um- und Abbau unserer Streitkräfte ließ uns in der Illusion ewigen Friedens. Junge Menschen gingen in Scharen für den Mitweltschutz auf die Straße.
Dann kam Corona und die Erkenntnis, dass uns die Resilienz fehlt. Das ist sehr bedauerlich. Denn dadurch drifteten auch viele junge Menschen in die Extreme ab.
Hinzu kommt noch erschwerend, dass Politiker, Prominente und die Medien den jungen Menschen Faulheit und Leistungsunwilligkeit vorwerfen.
Junge Männer wählen eher rechts, junge Frauen eher links. Vielleicht ist ein Teil dieser Generation für die Demokratie verloren.
Um so wichtiger ist es, den heute 10-12jährigen die Demokratie „schmackhaft“ zu machen. Wie und wo schaffen wir die Räume dafür?
Herzlichen Dank, @Marie H. 🙏
Wir sind uns ja zugleich einig, dass der Geburtenrückgang auch positive Folgen hat und auch bei deutlich mehr Kindern noch ausreichend stattfinden würde. Analog zur Klimakrise sehe ich auch bei der Demografie jedoch Tendenzen zur Verdrängung – die einander sogar verstärken. So diskutiert unser Land gerade wieder aufgeregt die Alters- und Gesundheitsversorgung, nimmt den Absturz der Geburtenzahlen auch in 2025 jedoch eher nur zur Kenntnis.
„Kurzgesagt“ hat gestern ein Video zur demografischen Situation in Deutschland veröffentlicht, das zwar sehr drastisch ist, aber auch mit großem Anklang die Herausforderungen benennt:
https://youtu.be/jdBlpyCom3U
Habe heute auch das „Tässle Kaffee“ ☕️ auf Mastodon dazu gestaltet und hoffe auf gute Dialoge für eine post-fossile und lebensbejahende Zukunft.
Ihnen von Herzen Dank für unsere guten Dialoge, die auch nie in Hoffnungslosigkeit münden! 😌🙏🖖
Danke für deinen Solarpunk-Einsatz, @BlumeEvolution ! Dein aktuelles YouTube-Reel zu „Punk und Solarpunk“ sprach mich sehr an!
Herzlichen Dank für die schöne und ermutigende Rückmeldung, @Solarpunk-Fannin 🙏🌞🖖
Und derzeit überschlagen sich die guten Nachrichten zur weltweiten Energiewende geradezu, wogegen der Fossilismus in Trümmer fällt. So wurden just gestern viele Elektroauto-Fahrende durch überschüssigen Solarstrom sogar direkt bereichert. Habe dazu heute auf Mastodon u.a. gepostet:
Gute Solarpunk – Nachrichten!
Elektroautos sind fahrende Energiespeicher, die selbst eine Gaslobbyistin im Ministeramt nicht mehr stoppen kann!
„Die Photovoltaik in Deutschland flutete am Sonntag die Stromnetze. Am Mittag war so viel überschüssiger Strom vorhanden, dass Haushaltskunden mit dynamischen Tarifen mit jeder verbrauchten Kilowattstunde Geld verdienen konnten – was Besitzer von E-Autos umgehend in den sozialen Medien feierten.
Am Vortag hatte der Spotmarkt der Strombörse die Entwicklung angekündigt, dass am Sonntag zwischen 9.15 Uhr und 17.30 Uhr die Großhandelspreise durchgehend negativ sein würden. In der Spitze um 14 Uhr gab es sogar 48 Cent Bonus für jede abgenommene Kilowattstunde; das war der tiefste Wert seit Juli 2023.“
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116477963016467095
Und dieser bisher individuelle Wirtschafts- und Gerechtigkeitsvorteil wirkt sich längst auch ökologisch und kommunal aus:
Mit den negativen Strompreisen durch immer mehr Solarstrom entfällt im Übrigen auch das Hauptargument gegen grünen Wasserstoff. Denn schon heute können Elektrolyseure wie in Wunsiedel, Bayern GELD BEKOMMEN, wenn sie ÜBERSCHÜSSIGEN (!) ÖKOSTROM in Wasserstoff für den Winter, für Dunkelflauten, als Erdgas-Ersatz produzieren!
Das ist nicht nur ökonomisch (volkswirtschaftlich), sondern auch ökologisch (Mitweltschutz) und politisch (reduzierte Abhängigkeit) gewinnbringend!
Und längst auch in Deutschland kommunale Realität!
Bei entsprechendem Willen bräuchten wir bald kein einziges Gaskraftwerk mehr, dessen Kosten auf den Stromverbrauch umgelegt werden & damit Haushalte & Industrie unnötig belasten.
Erneuerbare sind #Wohlstandsenergien #Heimatenergien #Friedensenergien
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116478002283783097
Es ist mir eine Freude und Ehre, an diesem technologischen und wirtschaftlichen, aber eben auch sozialen, ökologischen und schließlich gerechten Fortschritt mitwirken zu dürfen! 😁
@Podcast nr 54
Eine leichte Schrumpfung von Deutschlands Gesamtbevölkerung hat nicht die AfD reduziert. Das ist Fakt. Allerdings könnte etwa eine Schrumpfung um 1 Millionen in den nächsten 5 Jahren doch auch die AfD reduzieren. Das kann man m.E. jetzt kaum wissen.
Die Frage ist aber, wollen wir das?
Ob jetzt neue Zuwanderer eher Arbeitskraft liefern oder Nachfrage erzeugen, ist nicht ganz klar. Klar ist aber, das sich weitere Zuwanderung sofort auf dem Wohnungsmarkt bemerkbar macht. Und verstärkt dort durchaus die Kluft zwischen arm und reich. Die Mieten steigen, was der Eine zahlt, ist der Gewinn des Anderen. Neubautätigkeit kann das wiederum mittelfristig entschärfen.
Angesichts von KI und Robotern steigt aber sowieso die Produktivität, das erfordert dann neue Nachfrage. Kurz und Mittelfristig hilft hier Aufrüstung als staatliche Investition und private Investitionen in die Energiewende. Das kann uns für 5 Jahre genügen. Und wir können vielleicht in dieser Zeit durchaus weniger neue Zuwanderer einladen.
Was in 5 bis 10 Jahren ist, weis man wohl noch nicht wirklich. Das können wir uns dann aber in 4 Jahren überlegen.
Wichtig wäre dabei auch, dass Mieter möglichst kurzfristig in den Genuss von PV mit integrierten Speichern auf allen Dächern kommen. Das reduziert deutlich die Wohnungsnebenkosten und die Abhängigkeit von Öl und Gas.
@Michael 25.04. 22:41
„Auch in Deutschland diskutieren wir ja derzeit wieder die Rente – und tun dabei alle so, als habe die Bedrohung der Rentenhöhe nichts mit Kindermangel und fehlender Zuwanderung zu tun…“
Eine Kombination von Vermögenssteuern und weitreichendem Einsatz von KI und Robotern könnte aber auch dieses Problem lösen. Letztlich ist diese Technik Kapital, das eben immer mehr Ertrag abwirft.
Da kann man sich doch dran bedienen. Zumal Erbschaften meistens erst kommen, wenn die eigenen Kinder aus dem Haus sind. Und die Leute sitzen einfach auf dem ererbten Kapital, um es dann wiederum an die eigenen Kinder zu vererben. Auch wieder viel zu spät, wenn die das gar nicht mehr brauchen.
Junge Familien bräuchten das Geld, und die Rentenkassen könnten damit auch deutlich besser dastehen.
Danke für die interessierte Rückmeldung, lieber @Tobias
Nun haben wir ja bereits schnell unterjüngende und demografisch implodierende Gesellschaften wie China, Japan & Südkorea. Und können also empirisch gesichert sagen:
1. Durch Unterjüngung wird die politische Rechtsmimesis (derzeit) nicht gestoppt, in fossilen Altherren-Diktaturen sogar bis zur Sturmtruppen-Strategie gesteigert.
2. Die Unterjüngung führt regional zu einer Nachfrage- und Investitionskrise und also zu hoher Jugendarbeitslosigkeit und Abwanderung.
3. Die Unterjüngung verschärft die demografische Traditionalismusfalle, weil viele jüngere Männer auf eine pseudo-traditionellen Eheform drängen, der sich wiederum viele junge Frauen verweigern (auch schon in Deutschland: junge Männer rechts, junge Frauen links), vgl.:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/analyse-zur-hamburg-wahl-der-fediversum-linksruck-kontert-den-fossilen-rechtsruck/
4. Demografische Unterjüngung führt schließlich auch zu nachlassender Bautätigkeit, da einerseits in demografisch schrumpfenden Regionen die Leerstände wachsen und andererseits in den wenigen Wachstumsgebieten die Grundstücks- und Baupreise steigen.
5. Demografische Unterjüngung erschwert auch die Integration von Zugewanderten, weil Kontakte zu jungen Einheimischen im Sinne einer kulturellen Diffusion, Integration und Evolution seltener werden.
Aus meiner Sicht wäre es daher wirklich entscheidend, die soziale Infrastruktur wieder so zu stärken, dass sich wieder mehr junge Menschen für mehr Kinder und Familien entscheiden können. Bei einer TFR (Gesamtgeburtenrate pro Frau) von etwa 1,8 würden die Populationen immer noch schrumpfen, aber die oben genannten Verwerfungen vermieden.
Doch leider entfernt sich auch Deutschland wie andere Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) von diesem Wert – nach unten.
An einer schwachen, sozialen Infrastruktur leidet also die gesamte Gesellschaft – kulturell, demografisch & wirtschaftlich. Beobachte ich.
@Michael 26.04. 19:23
„2. Die Unterjüngung führt regional zu einer Nachfrage- und Investitionskrise und also zu hoher Jugendarbeitslosigkeit und Abwanderung.“
Da würde ich ja mit öffentlichen Investitionen in Aufrüstung und mit privaten Investitionen in eine schnelle Energiewende reagieren. Zumindest für ein paar Jahre könnte das doch helfen. Idealerweise solange, bis es mit mehr Nachwuchs klappt.
5. Demografische Unterjüngung erschwert auch die Integration von Zugewanderten, weil Kontakte zu jungen Einheimischen im Sinne einer kulturellen Diffusion, Integration und Evolution seltener werden.
Dazu kommt noch, dass wie hier im Sozialem Brennpunk Dortmunder Nordstadt öfter die Zuwandererkinder in den Schulen weitgehend unter sich sind. Einheimische, die kleine Kinder haben, die sind hier längst weggezogen, damit ihre Kinder hier nicht in die Grundschule müssen. Was neben den Einwanderern an Einheimischen hier wohnt sind die örtliche Unterschicht und eine Menge ziemlich alte Leute, die noch aus Zeiten, in denen das hier ein besserer Stadtteil war, übrig geblieben sich.
Immerhin wohnen hier aber auch jede Menge Künstler, weil hier die Mieten recht günstig sind und wir dennoch ziemlich in Innenstadtnähe angesiedelt sind.
„Bei einer TFR (Gesamtgeburtenrate pro Frau) von etwa 1,8 würden die Populationen immer noch schrumpfen, aber die oben genannten Verwerfungen vermieden.“
Ja das wäre es. Aber es hat noch keiner vorgemacht, wie das wirklich gehen kann. Die Amisch oder die orthodoxen Juden haben ihre Lösung. Das kann aber für uns nicht die Lösung sein. Und schießt dann womöglich auch noch über das Ziel weit hinaus?
Man könnte es mit einer flächendeckenden und verlässlichen Kinderbetreuung kombiniert mit mehr Geld für Familien probieren. Finanziert durch Vermögenssteuern. Und Rechtsansprüche auf Teilzeit für Mütter und Väter gleichermaßen.
Wenn das alles nichts wird, bin ich dann auch nicht komplett gegen weitere Zuwanderung. Aber noch scheinen wir eine gewisse Reserve zu haben, in fast allen Städten hat man mehr oder weniger Wohnungsnot. Das ist vor allem ein Problem für junge Menschen und für Geringverdiener.
Gegen den Schwund in den ländlicheren Gebieten könnte nur Homeoffice oder ein richtig billiges Sammeltaxisystem auf Basis von Selbstfahrenden E-Autos helfen. Zuwanderer, die hier arbeiten wollen, werden da freiwillig nicht so schnell hinziehen. Auch junge Familien lassen sich vermutlich lieber in Städten nieder.
Herzlichen Dank, lieber @Tobias
Ja, ich stimme Dir zu, dass eine post-fossile und lebensförderliche Solarpunk-Zukunft mit einer freiheitlichen, aber eben auch sozialen und ökologischen Marktwirtschaft noch Jahrzehnte entfernt scheint. Und wie sollte sie auch in unterjüngenden Gesellschaften eine Mehrheit finden, in der immer noch zu viele meinten, der Zusammenbruch des Fossilismus, die demografische Implosion und die Klima- als Wasserkrise betreffe sie selbst kaum noch? Oft höre ich den Satz: „Für mich langt es noch!“
Die gute Nachricht ist: Eine große Mehrheit der Deutschen erkennt die wachsende Zerspaltung in Deutschland, plädiert für höhere Erbschafts- und Vermögenssteuern statt der weiteren Belastung von Arbeit.
Die schlechte Nachricht: Im medialen Alltag lassen sich die gleichen Mehrheiten durch Rechtsmimesis gegeneinander und gegen ihre eigenen Interessen hetzen.
Mehrheit hält Wohlstand für ungerecht verteilt
Vier von fünf Deutschen finden es ungerecht, wie der Wohlstand im Land verteilt ist. Das zeigt eine aktuelle ARD-Umfrage. Viele befürworten eine Vermögens- und höhere Erbschaftssteuer.
https://www.tagesschau.de/inland/deine-meinung-zaehlt-wohlstand-100.html
Das Gefühl der Ungerechtigkeit zieht sich durch alle Alters- und Einkommensgruppen.
„Ich kenne viele Leute, die Probleme haben, sich eine Wohnung finanzieren zu können“, berichtet Yves Brisch aus Dresden. „Trotz Job.“ Der 34-Jährige ist einer von mehr als 70.000 Menschen, die sich an einer Online-Mitmachaktion beteiligt haben. Sie ergänzt die repräsentative Umfrage für die Aktion um konkrete Stimmen und Perspektiven.
„Im Osten mussten und müssen private Werte erst geschaffen werden“
Dabei kritisieren viele Teilnehmer, dass Abgaben unfair verteilt seien: „Mittelstand und Geringverdiener schultern die ganze Last“, findet Reena Kusche aus dem Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg.
Viele Teilnehmende betonen auch die ungleiche Verteilung des Wohlstands zwischen Ost und West. Yvonne Lichnok aus dem Landkreis Görlitz in Sachsen sieht darin ein strukturelles Problem: „Es spielt eine Rolle, ob man auf Vermögenswerte zurückgreifen kann. Im Osten mussten und müssen private Werte erst einmal geschaffen werden.“
So sehr ich diesen Beitrag zur Umfrage auch schätze, so muss ich doch darüber schmunzeln, wie auch hier um die Herausforderungen der Demografie herumgeschlichen wird.
Ein besonders dickes Brett ist die Rentenreform, die Kanzler Friedrich Merz (CDU) noch in diesem Jahr anstoßen will. Die Herausforderung: Statistisch gesehen gibt es pro Rentnerin und Rentner immer weniger Beitragszahler. Bis Ende Juni soll eine Kommission ihre Reformvorschläge vorlegen.
Auch wir Deutschen unterjüngen so schnell, dass wir es kaum mehr wagen, darüber zu sprechen. Stattdessen lassen wir uns wieder und wieder gegeneinander ausspielen, wie es Inan Ince in der obigen Folge so gut auf den Punkt brachte.
Guten Tag, @Nathalie Wollmann, @Michael Blume und @Inan Ince,
ein sehr lehrreiches und engagiertes Gespräch, danke dafür! Großes Kino wieder ein Einlage mit dem Feueralarm. 🙂
Weil ihr das Thema Pflegeroboter für ältere Menschen ansprecht, möchte ich einen Gedanken ergänzen: Gute Pflege – idealerweise zuhause – ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dass ältere Menschen nicht aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwierig es in Deutschland bereits heute ist, eine verlässliche Pflege zuhause zu organisieren.
Umso besorgniserregender finde ich die Überlegungen der aktuellen Regierung, in diesem Bereich weitere Hürden aufzubauen – etwa indem es schwieriger werden könnte, einen Pflegegrad zu erhalten. Das würde die Situation für viele Betroffene erheblich verschärfen.
Wenn ich mir die vielen Vorschläge aus der letzten Zeit ansehe, so gibt das mir den Eindruck: Die Bundesregierung scheint unser Land zunehmend (top down) wie ein Unternehmen und weniger wie ein Gemeinwesen zu führen (dies würde Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger mit einschließen). Das ist, wie gesagt, mein subjektiver Eindruck. Aber wenn man sich anschaut, in welchen Bereichen Kürzungen geplant sind, wirkt es so, als gerate der soziale Aspekt ins Hintertreffen. Auch rhetorisch wird von einzelnen Vertretern der Regierung bisweilen ein Gegensatz aufgebaut zwischen „der Regierung“ und „der Bevölkerung“, von der erwartet wird, mehr zu leisten und zusätzliche Belastungen zu tragen. Ich denke, wenn die Regierung diesen Weg weiter geht, verliert sie noch mehr Menschen – an die Extremisten. Ein weiteres Beispiel ist für mich, dass Julia Klöckner die Stabsstelle für Bürgerräte im Bundestag aufgelöst hat. Meines Erachtens ein ganz fatales Signal.
Dabei gehört es eigentlich auch zu verantwortungsvollem unternehmerischem Handeln, den Faktor Mensch mitzudenken – gerade in Veränderungsprozessen, wie hier bereits angesprochen wurde. Das hat ja @Inan unter dem Stichwort Change Management angesprochen. Ein Beispiel dafür sind die geplanten Einschnitte bei der Förderung von Solaranlagen: Viele Menschen beginnen gerade erst, den Gedanken an erneuerbare Energien zu akzeptieren, und erleben durch die eigene Photovoltaikanlage auf dem Dach ein Gefühl von Selbstwirksamkeit. Wenn diese Entwicklung nun gebremst wird, kann dies das zarte Pflänzlein der Akzeptanz Erneuerbarer Energien ersticken. Ein gutes Change Management würde diese Entwicklung aufgreifen und weiter unterstützen.
Auch wenn es valide wirtschaftliche Gründe dafür geben mag, die Subvention von kleineren Anlagen zu überdenken, so wird hier der Faktor Mensch völlig außer Acht gelassen.
Change Management ist hier entweder aus Gründen der unternehmerischen Inkompetenz übersehen oder bewusst nicht gewollt (weil die Interessen der Fossil-Lobby gegenüber den Interessen der Gemeinschaft bevorzugt werden). Ich bin mir nicht sicher, welchen Grund ich schlimmer finde.
Vielen Dank, lieber @Peter – und ich denke, da sprichst Du mir und uns aus dem Herzen!
Wir sprachen dies ja auch unter dem Aspekt von Beratung an: Beratung erscheint im Sozialstaat erst einmal als „ineffektiv“ und riefe geradezu nach einer Ersetzung etwa durch KI-LLMs. Aber dies würde a) die zwischenmenschliche Komponente (die „Zuwendung“) ausschalten und b) die Hürden gerade auch für diejenigen erhöhen, die sprachliche und bzw. oder medial-technologische Hilfe benötigen.
Daher sehe ich auch hier eine Ergänzung, aber nicht eine Ersetzung von Beratungsarbeit durch KI-Anwendungen.
Was die Sehnsucht nach funktionierender, sozialer Infrastruktur betrifft, stehen wir wohl bei der großen Mehrheit der Bevölkerung:
Am 5. Mai 2025 setzten die Spitzen von CDU, CSU und SPD ihre Unterschriften unter einen gemeinsamen Koalitionsvertrag. „Deutschland steht vor historischen Herausforderungen“, heißt es darin gleich zu Beginn. Die Politik der kommenden Jahre werde „darüber entscheiden, ob wir auch in Zukunft in einem freien, sicheren, gerechten und wohlhabenden Deutschland leben“.
Ein Jahr später sehen die Menschen im Land bei diesem Vorhaben noch einigen Handlungsbedarf. 81 Prozent, also vier von fünf Bürgerinnen und Bürgern, sind der Meinung, der wirtschaftliche Wohlstand im Land sei ungerecht verteilt. Nur 15 Prozent halten den Status quo für gerecht. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap für die ARD-Aktion „Deine Meinung zählt!“, bei der im April bundesweit 2.084 Menschen aus der deutschsprachigen Bevölkerung ab 16 Jahren befragt wurden.
https://www.tagesschau.de/inland/deine-meinung-zaehlt-wohlstand-100.html
Aber warum wählen dann die Menschen – auch in anderen Ländern – weiter nach rechts?
Habe auf diese Frage auf Mastodon so geantwortet:
Evolutionspsychologisch reagieren wir Menschen stärker auf mediale Mimesis sowie auf Gefahrensignale, neigen daher gerade auch in beschleunigten Medien zur Überpersonalisierung, zum Freund-Feind-Dualismus & zur Rechtsmimesis.
Deswegen ist es für fossile Konzerne, Konzernmedien & Lobbyist:innen in Parteien auch immer wieder leicht, die Aufmerksamkeit von Millionen gegen ihre eigenen Interessen gegen Migranten, Hilfsbedürftige, Feministinnen, Minderheiten zu richten. Nicht nur in Deutschland…
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116475940856387107
Ein Account hat darauf m.E. sehr treffend geantwortet:
Das britische Fallbeispiel ist brutal: Tories imitieren Rechtspopulisten, verlieren halb ihre Wähler. Danach Labor das Gleiche. Du kannst nicht mit Rechtspopulisten konkurrieren indem du wie sie wirst. Du wirst nur zur schwächeren Kopie.
https://mastodon.social/@denkstrom/116475973449759830
Genau so sehe und erlebe (!) ich das auch…
Der Dialog ist oft mühsam und Zeit-aufwändig, doch er wirkt der fossil befeuerten Rechtsmimesis, Zerblasung und Zerspaltung entgegen. Alles wirkliche Leben ist Begegnung.
@Michael Blume
27.04.2026, 12:04 Uhr
„Das britische Fallbeispiel ist brutal: Tories imitieren Rechtspopulisten, verlieren halb ihre Wähler. Danach Labor das Gleiche. Du kannst nicht mit Rechtspopulisten konkurrieren indem du wie sie wirst. Du wirst nur zur schwächeren Kopie.“
Das ist ja so gesehen aus Sicht der Bürger, die diese wählen, nicht mal unvernünftig.
Aus Ihrer Sicht haben die Rechtspopulisten ja in dem SInne sogar Durchsetzungsfähigkeit im Gegnsatz zu anderen Parteien bewiesen (das ist jetzt keine Äusserung von mir in dem SInne „Finde ich persönlich irgendwie gut“!).
Wie man bei den demokratischen Parteien (und ich meine sie alle. Ganz egal ob mir ihre Ziele gefallen oder nicht) so blind sein kann ist mir vollkommen unverständlich. Da arbeiten schließlich intelligente Menschen mit. Ich kann mir das nur aus einer Art Panikmodus heraus erklären. Dann tun Menschen Dummes.
Vielen herzlichen Dank für den klugen Take, @Uli Schoppe 🙏👍
Und, ja, inzwischen steigen in Großbritannien 🇬🇧 auch die Grünen, regional eine walisische Partei auf. Fatale Jahre der Rechtsmimesis haben auch nach dem Brexit das Vertrauen in die früheren Volksparteien zerstört.
Und sehen wir in Deutschland 🇩🇪🇪🇺 oder Österreich 🇦🇹🇪🇺 denn grundsätzlich Anderes?
Habe heute Morgen zum Tässle Kaffee ☕️ gepostet:
Warum lassen sich Menschen immer wieder gegeneinander hetzen, wählen 🗳️ sogar gegen ihre eigenen Interessen?
81 Prozent der Deutschen finden den Wohlstand in Deutschland „ungerecht verteilt“, doch der Protest dagegen geht überwiegend nach rechts.
Aus meiner Sicht lässt sich dies inzwischen einfach durch das Zusammenspiel von Evolutionspsychologie & algorithmischen Medien erklären. Wir alle stehen vor der fundamentalen Grundfrage: #Dialog oder #Dualismus ?
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116480773111346772
Mit Dank und den besten Wünschen für die Woche! 🙏🙌