Blume & Ince 51: Arbeit, Demografie und Deindustrialisierung am Beispiel Japan

Eine persönliche Anmerkung vorab: Zehra & ich arbeiten jeweils 100%, nachdem unsere drei Kinder schon etwas größer geworden sind. Außerdem engagieren wir uns jeweils im Ehrenamt – ich übrigens auch als Wissenschaftsblogger, der weder für “Natur des Glaubens” noch für “Blume & Ince” Geld nimmt. Die Familie Ince ist ebenso fleißig, vielfältig engagiert und erfolgreich.
Gerade auch deswegen lehne ich auch als CDA-Mitglied Begriffe wie “Lifesytle-Teilzeit” strikt ab, die nur Erwerbsarbeit als “Arbeit” anerkennen und noch wichtigere Formen etwa in Familien, in Ehrenämtern, in Kultur und Medien abwerten. Aus meiner Sicht – auch als gelernter Bank-Finanzkaufmann – ist klar:
Verebbende Demografie führt zu sinkender Nachfrage und unweigerlich zu Deindustrialisierung.
Eine Gesellschaft, die mangels Kindern schrumpft, kann schon logisch nicht immer mehr konsumieren, produzieren und wachsen. Und Deutschland altert und schrumpft mangels Kindern und Zuwanderung bereits um etwa 300 Menschen pro Tag, um rund 100.000 in 2025. Sogar in unserer Landes- und Autohauptstadt Stuttgart implodiert nicht nur die Zahl der Verbrenner-Neuanmeldungen – sondern sinkt auch bereits die Autozahl insgesamt!
Kann sich ein demografisch verebbendes Volk aus der Wachstumsschwäche herausarbeiten? In Blume & Ince 51 diskutieren wir die Definition von “Arbeit” auch von Friedrich Merz (CDU). Screenshot: Michael Blume
Mit Japan gibt es bereits ein demokratisches und hoch technologisiertes Industrieland, das sich seit Jahrzehnten in der Spirale aus Bevölkerungsschrumpfung, Wachstumsschwäche und Rechtsmimesis befindet. Und genau dort, in Nippon, hatte BWL-Prof. Dr. Inan Ince studiert!
Hier findet Ihr also unseren intensiven, vergleichenden Dialog über Arbeit, Demografie & Nachfrage in Deutschland und Japan in “Blume & Ince 51” per Podigee-Podcast. Und hier als Videocast via YouTube:
Nach der Aufnahme las ich im SPIEGEL 04/2026, S. 62 – 68, einen intensiven Text von Cathrin Schmiegel über gewollte Kinderlosigkeit als Kinderfreiheit, “Die Frage meines Lebens”. Darin zitiert sie auch die Therapeutin und Medizinanthropologin Johanna Fröhlich Zapata, die m.E. korrekt die These eines angeblich biologischen “Mutterinstinktes” widerlegt:
“Sie erzählt mir von dem Ursprung der Idee zur Zeit der Industrialisierung und von Familien, die vor der Fabrikarbeit noch gemeinsam ihr Geld verdient hätten, auf ihrem Hof, in ihrer Werkstatt. ‘Dann trennten sich die Lebensbereiche auf.’ Es gab einen Ort für die Arbeit und einen für die Familie.”
Darüber hatten Inan & ich auch bereits in Folge 28 diskutiert – und ich hoffe, dass sich auch ein paar ältere Männer für dieses Wissen gewinnen lassen. Auf die Blog-Dialoge dazu freue ich mich!

Manchmal entstehen auch Traditionen und Bräuche aus der Tatsache heraus, dass Arbeiten, z. B. von Frauen zu gering geschätzt werden.
So forderten zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Wäscherinnen in Bonn-Beuel bessere Arbeitsbedingungen. Sie wollten wie die Männer auch an Karneval ihren Spaß und begründeten mit einem Aufstand 1824 die Weiberfastnacht.
Vielen Dank & volle Zustimmung, @Tilmann Schneider 🙏🙌
Sehr bewusst habe ich diesen Blogpost über die Spaltung der Familien- und Erwerbsarbeit auch mit einem Erklärvideo zur Pastorin & Evolutionsforscherin Antoinette Brown Blackwell (1825 – 1921) beschlossen. Felo.ai vermag die Zusammenhänge bereits ziemlich gut (wenn auch noch nicht perfekt) zu erfassen:
Dr. Blume betrachtet Antoinette Brown Blackwell (1825–1921) als die eigentliche Vorentdeckerin der **Parental Investment Theory** (Elterninvestitionstheorie), fast ein Jahrhundert bevor diese durch Robert Trivers (1972) im wissenschaftlichen Mainstream etabliert wurde [2][4]. Ihre Erkenntnisse sind aus seiner Sicht zentral, um das Wechselspiel zwischen Geschlechtern, Ressourcen und Fortpflanzung zu verstehen.
### 1. Relevanz für die Demografie
Blume hebt hervor, dass Blackwell erkannte, dass das Geschlecht, das mehr in den Nachwuchs investiert (meistens das weibliche), die Partnerwahl dominiert (“Female Choice”).
* **Qualität vor Quantität:** Während männliche Strategien oft auf die Maximierung der Anzahl der Nachkommen ausgerichtet sein können (da die physiologischen Kosten geringer sind), zielen weibliche Strategien aufgrund der hohen Investition (Schwangerschaft, Stillzeit, Erziehung) auf die Qualität der Partner und die Überlebenschance der Kinder ab [1][2].
* **Demografischer Wandel:** Diese Einsicht erklärt moderne demografische Entwicklungen: Wenn Frauen über ihre Reproduktion selbst bestimmen (Bildung, Verhütung, Rechte), sinkt oft die Geburtenrate, während das “Investment” pro Kind steigt. Dies ist ein zentraler Faktor, um den Rückgang von Geburtenraten in entwickelten Gesellschaften zu verstehen.
### 2. Relevanz für die Ökonomie
Die Parental Investment Theory ist im Kern eine ökonomische Betrachtung biologischer Ressourcen (Zeit, Energie, Nahrung).
* **Ressourcenallokation:** Blackwells Erkenntnis, dass Investition die Selektion steuert, lässt sich auf ökonomische Modelle übertragen. Wer die “Kosten” trägt (das Investment), bestimmt den Markt (die Partnerwahl) [2].
* **Kooperation vs. Wettbewerb:** In Spezies (oder Gesellschaften), in denen Väter ebenfalls stark in den Nachwuchs investieren (wie bei Menschen oder Vögeln), nähern sich die Geschlechter an, und kooperative Modelle werden wichtiger als reine Konkurrenzmodelle [2]. Dies widerspricht älteren, rein wettbewerbsorientierten Darstellungen der Evolution (“Survival of the Fittest”) und betont die ökonomische Bedeutung von Fürsorgearbeit (Care-Arbeit).
### 3. Relevanz für den Solarpunk
Obwohl der Begriff “Solarpunk” im bereitgestellten Textauszug [2] nicht explizit definiert wird, lässt sich Blumes Argumentation (bekannt aus seinen weiteren Publikationen zu diesem Thema) hier ableiten:
* **Positive Zukunftsvision:** Solarpunk steht für eine optimistische Zukunft, in der Technologie und Natur in Einklang gebracht werden und soziale Gerechtigkeit herrscht. Blackwell verkörpert diese Haltung historisch: Sie verband Wissenschaft (Evolutionstheorie) mit Glauben und dem Kampf für Gleichberechtigung [2].
* **Überwindung des Patriarchats:** Die Anerkennung, dass Frauen (als das investierende Geschlecht) eine aktive, selektierende Rolle in der Evolution spielen, widerlegt das viktorianische Bild der passiven Frau, das auch Charles Darwin noch teilweise vertrat [2]. Für den Solarpunk ist dieses Narrativ wichtig, da es zeigt, dass Gleichberechtigung und Kooperation tief in der biologischen Evolution verankert sind und keine “künstlichen” modernen Erfindungen.
Zusammenfassend sieht Dr. Blume in Blackwells Arbeit den Beweis, dass Evolution nicht nur “Kampf”, sondern vor allem “Investition” und “Wahl” bedeutet – eine Perspektive, die für das Verständnis heutiger Geburtenraten, ökonomischer Fürsorge-Strukturen und progressiver Gesellschaftsentwürfe unerlässlich ist.
[1] https://learn.socratica.com/en/topic/psychology/evolutionary-psychology/parental-investment
[2] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/antoinette-brown-blackwell-1825-1921-eine-heldin-und-kollegin-darwins-im-radiobeitrag/
[3] https://fiveable.me/key-terms/biological-anthropology/parental-investment-theory
[4] https://en.wikipedia.org/wiki/Parental_investment
[5] https://sciencemeetsfaith.wordpress.com/tag/19th-century/page/2/
[6] https://taylorandfrancis.com/knowledge/Medicine_and_healthcare/Physiology/Parental_investment/
[7] https://ivypanda.com/essays/parental-investment-theory/
[8] https://www.researchgate.net/publication/361999946_Parental_Investment_Theory
[9] https://carta.anthropogeny.org/moca/topics/parental-investment
[10] https://www.reddit.com/r/childfree/comments/6sjzw4/how_parental_investment_theory_and_cognitive/
[11] https://www.bionity.com/en/encyclopedia/Parental_investment.html
[12] https://www.researchgate.net/publication/345346708_Parental_Investment_Theory
[13] https://www.cantechletter.com/2023/09/parental-investment-theory-explained/
[14] https://www.mpg.de/19948799/parental-investment-may-have-aided-evolution-of-larger-brains
[15] https://ink.library.smu.edu.sg/cgi/viewcontent.cgi?article=3693&context=soss_research
[16] https://www.law.upenn.edu/live/files/10-20052006annualreportpdf
[17] https://link.springer.com/article/10.1186/s41118-020-00111-5
[18] https://www.campop.geog.cam.ac.uk/publications/
[19] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8831295/
[20] https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S2214804323000563
[21] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21232521/
[22] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3013477/
[23] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12206192/
Tja… Keiner bezahlt sie für etwas, was Sie sowieso tun. Denn wenn Ihnen Freud und Ehr Ihnen als Lohn genug sind, sind Sie schon bezahlt worden.
Männer und Frauen wollen voneinander Dinge, die sie füreinander ungern tun. Und wenn intensives Begehren und intensiver Widerwille aufeinander treffen, steigt der Preis. Und so erbringen Männlein und Weiblein als Lohn füreinander die enorme Leistung, die es zum Überleben und Erhalt der Spezies braucht.
Natürlich können beide Parteien nur Teilleistungen anbieten oder wollen. So ist’s üblich, dass alte reiche Männer (manchmal auch Frauen) Geld auf den Tisch legen oder heiße junge Frauen (manchmal auch Männer) ihr Kapital in enge Röcke packen und gucken, was so anbeißt.
Dabei empfiehlt es sich, in eine Grundsicherung für die Damen zu investieren. Auf diese Weise können die reichen, alten Säcke keine Verzweiflung ausnutzen, müssen die Preise höher schrauben, und die Damen verteilen mehr Geld, um andere Prostituierte in Lohn und Brot zu halten: Bäcker, Kindergärtner, Verkäufer etc. So bleibt der Wirtschaftskreislauf in Schwung, denn das Geld fließt ja die Mühle herauf – zurück zu den reichen, alten Säcken.
Wenn diese Säcke aber die Möglichkeit haben, auf günstigere, rechtlosere, verzweifeltere Dienstleister umzusatteln, passiert das, was gerade in der Welt passiert – das Geld staut sich bei den reichen Säcken, der Wirtschaftskreislauf gerät ins Stocken und die Wirtschaft stirbt am Herzinfarkt.
Doch wir alle kassieren lieber, als dass wir dafür mit Leistung bezahlen. Deswegen weichen wir gern auf Sklaverei zurück, zahlen lieber mit „Dankeschön!“ und „sei stolz auf dich!“ als mit konkreter Gegenleistung und halten Schnäppchen und Gratisangebote für unser Recht.
Deswegen gilt auch die Leistung von Familien als etwas, was sich selbst mit elterlichen Freuden bezahlt. Und wenn das den Eltern nicht genug ist, weil ihnen der Kapitalismus mehr Lohn für Kinderlosigkeit zahlt, sind wir total empört, weil etwas, was gestern gratis war, plötzlich was kostet – und so haben sich einige Staaten zähneknirschend dazu durchgerungen, für jedes neugeborene Kind etwa das gleiche Geld zu zahlen, wie für ein Wochenende mit einer hochpreisigen Hure.
Das heißt, für die vielseitige Leistung einer Mutter, die sie über Jahrzehnte erbringt, zahlen wir so viel wie für die hochspezialisierte Leistung einer anderen Frau, die sie über wenige Stunden erbringt. Für welchen Job wird sich die 20jährige entscheiden?
Natürlich bietet der alte, reiche Sack namens Gesellschaft durchaus mehr, um das Flittchen namens Pärchen zu umwerben. Wir bieten Kindergärten, Schulen, einen gewissen Status.
Doch gleichzeitig überbieten wir uns selbst, indem wir den Eltern viel mehr dafür bieten, wenn sie keine Kinder haben, sondern in Vollzeit in jenem Harem schuften, der den alten, reichen Säcken und der Gesellschaft Geld gebärt, keine Kinder – und so wird aus dem Baby Boom einer Überflussgesellschaft ein Money Boom, bei dem die wunderbare Vielfalt des Leben und die Experimentierfreude des Kinder sich als Kambrische Explosion der vielfältigen Wertpapiere und Anlageformen an der Börse äußert, und statt der Weltbevölkerung, nur Inflation und Schulden wachsen.
Wir sind Fortpflanzungsorgan unseres Geldes, wie wir das Fortpflanzungsorgan von Corona sind. Die Bedürfnisse des Wirtes werden den Bedürfnissen des Virus untergeordnet – solange wir im Gleichgewicht bleiben, ist das Geld ein nützlicher Symbiont, doch dank seiner Übermacht wird es zum Parasiten.
Das Geld konkurriert mit den Genen um die Leistung der Eltern, und das Geld gewinnt. Das Kuckuckskind ist so was wie der Xenomorph aus „Alien“, nur bringt es Pralinen und Blümchen mit und nimmt uns mit auf Urlaub in die Südsee, das muss man dem Don Juan lassen.
Wenn Sie sich die Klimakrise anschauen, gibt es zwei Wege, damit umzugehen – entweder wir weichen zurück oder wir preschen vorwärts. Entweder wir senken alle Tätigkeit, Ressourcenverbrauch, Lebensstandard, Wirtschaft, schrumpfen die Weltbevölkerung, verfallen in Winterschlaf, um den Planeten ja nicht zu belasten.
Oder wir steigern die Leistung, investieren in Stubenreinheit, Windeln wechseln und aufs Töpfchen gehen – lernen selbst, unseren Dreck wegzuräumen, die Schäden zu vermeiden und zu beheben, die wir in der Landschaft schlagen, neue Ressourcenquellen zu erschließen, alte Ressourcen zu recyceln statt wegzuwerfen, effizienter und ohne Dreck zu wirtschaften.
Ob Demographie oder Umweltschutz oder Klima oder Wirtschaft – Sie sehen das gleiche Phänomen: Wir stehen unter Druck, die Verantwortung zu übernehmen, selbst Leistungen zu erbringen, die die Natur bislang für uns erbracht hat. Die Zivilisation wird erwachsen. Um den Affen kümmern sich Mami Dschungel und Papi Gene. Wir sind aber so groß und stark geworden, dass wir Mami und Papi überfordern, und deswegen müssen wir uns nicht nur um uns selbst kümmern, sondern auch um sie.
Wenn Sie sich Trump ansehen, wenn Sie sich die deutsche Wirtschaft oder die Politiklandschaft quer durch die Parteien ansehen – Sie sehen ein Baby, das sich schreiend und tobend davor sträubt, aufs Töpfchen zu gehen. Sie sehen einen alten, impotenten Kokser, der den Frauen die Schuld dafür gibt, dass er keinen mehr hoch kriegt. Sie sehen einen alten Kinderschänder auf Viagra, der auf leichte Beute aus ist, weil ihn keine zurechnungsfähige Frau auch nur mit dem Hintern ansehen würde. Sie sehen einen Sozialbetrüger und Langzeit-Arbeitslosen, der sich mit allen Tricks und Ausreden davor sträubt, einen zumutbaren Job anzunehmen.
Und deswegen gewinnt Planet Epstein. Die Fortpflanzung wird auf diejenigen outgesourct, die das Geld nicht haben will – in den Globalen Süden. Die Frauen werden ihrer Rechte und ihres Lohns beraubt, damit die Kinder eine Chance gegen das Geld haben, statt dass wir ihnen Geld und Rechte und Lohn für Kinder geben. In allen Bereichen das Gleiche – die Reichen treiben den Rest der Welt in Verzweiflung und Not, um die Armen durch Konkurrenzkämpfe zu spalten und sich aus allem das Beste herauspicken zu können und sehr, sehr wenig dafür zu bezahlen.
Die Reichen allein brauchen nur eine Handvoll Sklaven, die sie reich halten. Wenn der höchste Lohn, den die Sklaven für ihre Leistung erwarten können, die Grundsicherung ihrer Existenz ist, sind sie so billig, wie es nur biologisch möglich ist. Sie erbringen kaum Leistung füreinander, und ein Milliardär kann auch nur einen Friseur und eine goldene Badewanne auf einmal benutzen, viele Friseure und Produzenten von Blechwannen gehen pleite.
Die Weltbevölkerung und der Verbrauch von Ressourcen werden drastisch reduziert, auch so lässt sich der Planet retten. Dann sieht der aber aus wie Russland, China oder Saudi-Arabien, wo dem Epstein-Pizzagate keiner dazwischen quatscht, weil keine Demokratie und kein Recht die Mächtigen belangt und die Kritiker schützt.
Dies ist kein Reichen-Bashing und kein Ruf nach der Guillotine. Die Reichen und Mächtigen machen ihren Job, die Gewerkschaft des Volkes nicht. Die Internationale der Milliardäre und Tyrannen gewinnt, wie es Marx – ohne es zu wissen – vorausgesagt hat, weil die Schwachen in ihren Nationen und Stammes-Egoismen gefangen bleiben, wie einst die Leibeigenen, die ihr Land nicht verlassen durften.
Wacht auf, ihr Fürsten dieser Erde,
die stets man noch zur Leistung zwingt
Blindheit, Stolz, Streitsucht der Schafherde
Nun Macht vor Recht zum Durchbruch hilft!
Reinen Tisch mach mit dem Bedränger,
Herr der Sklaven, wache auf!
Gerecht zu sein, trägt es nicht länger,
alles zu werden, strömt zuhauf!
Fürsten hört die Signale!
Auf zum letzten Gefecht!
Die Internationale
erkämpft des Stärker’n Recht!
Und wenn wir das so haben wollen, dann kriegen wir’s halt so.
Nun ja, @Paul S. – wie Sie ja inzwischen wissen, habe ich mit Ihren relativistischen und oft biologistischen Textwüsten oft meine Probleme. Wissenschaft funktioniert einfach nicht durch wilde Assoziationen, menschenfeindliche Schlagworte und pseudo-darwinistischen Reduktionismus wie diesen hier:
“Wir sind Fortpflanzungsorgan unseres Geldes, wie wir das Fortpflanzungsorgan von Corona sind. Die Bedürfnisse des Wirtes werden den Bedürfnissen des Virus untergeordnet – solange wir im Gleichgewicht bleiben, ist das Geld ein nützlicher Symbiont, doch dank seiner Übermacht wird es zum Parasiten.
Das Geld konkurriert mit den Genen um die Leistung der Eltern, und das Geld gewinnt.”
Falls Sie wirklich Interesse an interdisziplinärer Wissenschaft haben und Ihre Gedanken und Thesen schärfen möchten, empfehle ich das lesenswerte Buch “Traurige Moderne. Eine Geschichte der Menschheit von der Steinzeit bis zum Homo americanus” vom französischen Demografen & Anthropologen Emmanuel Todd, C.H. Beck 2018. Dort heißt es beispielhaft auf Seite 199:
“Im Fall Deutschlands stellen wir zunächst fest, dass die Stammfamilie beim aufkommenden Protestantismus und beim einsetzenden Prozess der universellen Alphabetisierung eine entscheidende Rolle gespielt hat.
Aber wir müssen auch einräumen, dass die Stammfamilie der Industriellen Revolution Hindernisse in den Weg gelegt und den gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung, den sie ermöglicht hatte, hernach verzögert hat.
Die gleichen offenkundigen Widersprüche zeigt Japan.”
Todds Argument zielt darauf, dass die kulturelle (!) Familienform sowohl in Deutschland wie in Japan nach Phasen der Investitionen – der sog. Meritokratie – vor allem das Erben – die Inheritokatie – begünstige. Dies führe dann dazu, “dass die deutsche und die japanische Gesellschaft in historischen Phasen zum Stillstand neigen”. Aus meiner Sicht ist an dieser Analyse einiges dran – allerdings verlieren bei einer demografischen Implosion auch Erbvermögen wie Immobilien und Anleihen unweigerlich an Wert. Eine demografische Nachfragekrise lässt sich einfach nicht durch Sparen auflösen, sie benötigt vielmehr Konsum und vor allem Investition auch durch junge Menschen.
Danke für eine weitere interessante Folge des Podcasts.
Sie sprachen darüber, dass die Menschen doch ein glückliches Leben führen können sollten. Ich glaube nicht, dass unsere derzeitige Bundesregierung in diesen Kategorien denkt. Ein “glückliches Leben” kann nach deren Verständnis wohl nur der- oder diejenige führen, der/die das entsprechende finanzielle Polster hat.
An Norbert Blüm musste ich erst neulich denken. Auf die Frage von Frau Miosga, wer denn in Deutschland zu wenig arbeite, sagte Carsten Linnemann 2025 wörtlich: “Konkret, die Rentner”.
Nach der Wahl 2025 hat der amtierende Bundeskanzler in seinem Kanzleramt das Amt der “Staatsministerin für Sport und Ehrenamt” neu geschaffen. Vielleicht sollte die Zuständigkeit “Ehrenamt” gestrichen werden. Das ist im Lichte der “Lifestyle-Teilzeit” dann Verschwendung von Steuergeldern. Imho.
Gerade viele Rentnerinnen und Rentner sind ehrenamtlich oder auf Minijob-Basis tätig. Ob als Übungsleiter in Sport- und Turnvereinen, in der Pflege von Sportanlagen (wie z.B. Tennisplätzen), als Vorstandsmitglieder in Vereinen, Parteien etc. Sie organisieren gemeinsame Feste oder machen Beschäftigungsangebote in Senioren- und Pflegeheimen (singen, basteln…) oder sie fahren für “Essen auf Rädern” usw. usw.
In dieser Form einer Leistungsgesellschaft kommen die Menschen, die da nicht mithalten können – Kranke, Behinderte – nicht vor. Gerade chronisch kranke und ältere Menschen (MS, Krebs, Parkinson, ME/CFS …) müssen häufig auch noch mit Geldsorgen kämpfen. Die Zuzahlung in der Apotheke bei Arzneimitteln ist derzeit in meinem Fall noch moderat. Doch die geplanten Änderungen wie die Einführung einer Praxisgebühr bei JEDEM Arztbesuch bedeuten angesichts allgemein hoher Preise den Verzicht an anderer Stelle.
Im Gesundheitsbereich ist derzeit das Thema “Prävention” wieder einmal hochaktuell. Stress durch Mehrarbeit und gesundheitliche Prävention passen irgendwie auch nicht zusammen.
Mehr Arbeit schafft irgendwann mehr Kranke. Wer soll die pflegen? Was, wenn Arzneimittel zum Luxusgut werden? Über die Zukunft der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung reden wir derzeit kaum. Wie viele Versicherte wären finanziell in der Lage, privat vorzusorgen? Und wie viele Versicherte wären beispielsweise vom Abschluss einer privaten Pflegeversicherung ausgeschlossen, weil sie mehr als 10 Stunden in psychotherapeutischer Behandlung waren?
Der Begriff der Lifestyle-Teilzeit stammt wohl nicht von Herrn Merz, sondern aus dem CDU Wirtschaftsrat (Frau Connemann).
Haben Sie herzlichen Dank, @Marie H. – von und mit Ihnen lerne ich immer wieder, wie sich Wahrnehmungen auf demokratische Parteien und Regierungen unterscheiden können!
Denn aus meiner Sicht hat “die Bundesregierung” bisher entgegen vielen Erwartungen kaum soziale Grausamkeiten austeilen können.
So kündigte Friedrich Merz (CDU) noch vor der Wahl an, ohne neue Schulden auskommen zu wollen – um dann unmittelbar nach der Wahl einen Schuldentopf (ein sog. “Sondervermögen”) in Höhe von bis zu einer Billion – 1.000 Milliarden – Euro anzustreben.
Auf 500 Milliarden Euro Sondervermögen und eine dauerhafte Öffnung der Schuldenbremse für Verteidigungsausgaben einigten sich Union und SPD mit Stimmen der Grünen. Diese enorme, schuldenfinanzierte Finanzhilfe, angelegt auf zwölf Jahre, schiebt das Wachstum jetzt an. Allein in diesem Jahr rechnet die Regierung in ihrem Bericht damit, dass 0,6 Prozentpunkte (von eben dem einen Prozent Wachstum) durch die wirtschafts- und finanzpolitischen Impulse verursacht werden. Übersetzt gesagt: durch Schulden und durch attraktivere Abschreibungsmöglichkeiten für Firmen, die seit Anfang des Jahres gelten.
Ohne das viele Geld, das sich der Staat jetzt borgt, gäbe es also kaum Wachstum. Diese bittere Wahrheit darf nun ausgerechnet die CDU-Politikerin Reiche verkünden. Die Schulden seien gerechtfertigt, sagt sie, wenn Deutschland damit seinen Kapitalstock modernisiere und das Geld etwa für Verteidigung ausgebe.
https://www.zeit.de/wirtschaft/2026-01/jahreswirtschaftsbericht-katherina-reiche-wachstumsprognose-sozialreformen-steuern
Zu der von vielen befürchteten, formellen oder informellen Koalition aus CDU, CSU und AfD ist es auch nicht gekommen. Ich hatte zu den Ersten gehört, die klar und deutlich gegen den Irrweg der Rechtsmimesis aufgestanden waren:
Blume forderte seine Partei dazu auf, das Zusammenwirken mit der AfD im Bundestag nach der Wahl aufzuarbeiten. Es sei klar, dass man dem eigenen Spitzenkandidaten – dies ist Parteichef Friedrich Merz – im Wahlkampf nicht in den Rücken falle. Aber Blume sagte auch: „Die CDU sollte sich wieder darauf besinnen, ihre Flügel zu integrieren und nicht bedingungslose Gefolgschaft zu erwarten.“ Aus seiner Sicht hat Merz die CDU mit seinem Manöver im Bundestag gespalten. „Es gibt viele in der CDU, die leiden.“
https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.michael-blume-antisemitismusbeauftragter-kritisiert-merz-viele-in-der-cdu-leiden.11dda589-5b85-454b-8211-a22d2d7cb30e.html
Auch vom angekündigten “Herbst der Reformen” habe ich wenig bemerkt – stattdessen bekamen Rentnerinnen und Rentner so massive Haushaltszuweisungen, dass sich einige vor allem jüngere Bundestagsabgeordnete vor Gewissensfragen gestellt sahen:
Sieben zumeist junge Unionsabgeordnete stimmen gegen Rentenpaket
Bei der Abstimmung zum Rentenpaket haben sich sieben Abgeordnete der Unionsfraktion der Koalitionslinie verweigert und mit Nein gestimmt. Gegen die Vorlage stimmten unter anderem die Wortführer der sogenannten Rentenrebellen in der sogenannten Jungen Gruppe von CDU/CSU, Johannes Winkel und Pascal Reddig: Dies geht aus der Auszählung des Bundestages der namentlichen Abstimmung am Freitag hervor.
Mit Yannick Bury, Marvin Schulz, Johannes Wiegelmann und Johannes Volkmann stimmten weitere Mitglieder der Jungen Gruppe mit Nein. Zudem lehnte der CDU-Abgeordnete Nicolas Zippelius die Stabilisierung des Rentenniveaus ab. Die zwei Enthaltungen bei der Union kamen von Nicklas Kappe und Konrad Körner – beide gleichfalls Mitglieder der Jungen Gruppe.
https://www.tagesspiegel.de/politik/liveblog/bundestag-verabschiedet-rentengesetz-sieben-unionsabgeordnete-stimmen-dagegen-15018173.html
Und auch für die wenig sozialen Vorschläge aus Berlin sehe ich weder in der SPD noch in der Union viel Unterstützung – im Gegenteil:
Auch in Baden-Württemberg löst die Fleißdebatte Unmut aus. Unter Spitzenkandidat Manuel Hagel versucht die CDU, die Grünen am 8. März aus dem Ministerpräsidentenamt zu verdrängen – aktuell liegt sie mit 29 Prozent vorne. Möglich, dass sozialpolitisches Scharfschießen auch den Christdemokraten an der Basis im Ländle eher schadet. Hagel tritt in seinen Wahlkampfreden beständig für „mehr Leistung und Fleiß“ ein, den hohen Krankenstand allerdings hat er noch nicht beklagt.
Und auf die Forderungen des Wirtschaftsrats reagierte Hagel unwirsch: Gesundheit sei „enorm wichtig“, das spüre man gerade, wenn man sie nicht habe: „Gesundheit wird mit der CDU Deutschlands niemals zu einer Frage des Geldbeutels werden. Keiner darf aus Kostengründen auf notwendige zahnmedizinische Leistungen verzichten müssen“, sagte Hagel dieser Redaktion. Deshalb komme dieser Vorschlag für die CDU in Baden-Württemberg nicht infrage. Man wolle über Wettbewerbsfähigkeit und Standortsicherung sprechen, um Arbeitsplätze zu retten und einen leistungsfähigen Sozialstaat. Reformen aber benötigten „ein feines Gespür und immer auch ein Herz für diejenigen, die Unterstützung brauchen“.
Auch die Debatte über „Lifestyle-Teilzeit“ geht Hagel gegen den Strich: „Für viele Mamas, Papas und Familien im Land ist das Arbeiten in Teilzeit und Minijobs Alltag – es gehört zu unserer Idee des modernen Wirtschaftsstandorts Baden-Württemberg, der zu den Lebenswirklichkeiten der Menschen passt“, betont er. Debatten darüber, wie man das Land zukunftsfest mache, seien in der Wirtschaftskrise sicherlich legitim und notwendig. „Wir Christdemokraten in Baden-Württemberg denken unser Land aus einer empathischen Mitte heraus. Debatten dürfen daher keine soziale Schieflage erzeugen.“
https://www.morgenpost.de/politik/article411095907/zahnarztkosten-lifestyle-teilzeit-so-genervt-sind-die-cdu-wahlkaempfer.html
Ich bin ja am Wochenende zum CDU-Bundesparteitag eingeladen, freue mich auch auf Bundeskanzlerin a.D. Angela Merkel (CDU) und wäre sehr überrascht, wenn sich die rechtslibertäre Engführung der Union dort fortsetzen würde. Gerne werde ich bei Interesse auch hier auf dem Blog berichten! 🙂
Herzlichen Dank. Ich stimme Ihnen zu, dass bisher von dem, was angekündigt wurde, kaum etwas tatsächlich umgesetzt wurde.
Nachdem ich Ihre Antwort gelesen habe, musste ich überlegen, was unter “der Wirtschaft” zu verstehen ist. Verengen wir die Interpretation auf das produzierende Gewerbe, so würde es bedeuten, dass beispielsweise Dienstleistungen weniger wichtig sind.
Zur “Wirtschaft” muss man auch die Unterhaltungsbranche, die Gastronomie und alles, was mit Freizeitgestaltung zu tun hat, rechnen.
Durch längere Arbeitszeiten käme es in diesen Branchen zu Entlassungen etc.
Mit Steuergeldern subventionieren wir Opernhäuser und Theater. Private Musicaltheater wie in Stuttgart Möhringen sind dagegen auf die Einnahmen durch Ticketverkauf etc. angewiesen. Ob subventioniert oder privat – Menschen, die mehr arbeiten müssen, haben noch weniger Zeit für diese Dinge. Der Wert, den Kunst und Kultur für das psychische Wohlbefinden haben können, sollte man nicht geringschätzen.
Übrigens kann ich mir vorstellen, dass die Begeisterung über halbvolle Fußballstadien am Samstagnachmittag bei den Vereinen und der DFL begrenzt sein dürfte, falls der Samstag wieder als normaler Arbeitstag eingeplant wäre.
Da hängen auch Arbeitsplätze dran.
Dass Frau Merkel nach Stuttgart kommt, freut mich sehr.
Ja, @Marie H. – so sehe ich das auch. Unsere Gesellschaft wird nicht alleine durch Erwerbsarbeit zusammen gehalten, sondern durch die Vielzahl sozialer Beziehungen, familiärer und ehrenamtlicher “Arbeit”. Auch keine Kirche, kein Gemeinderat und im Übrigen auch keine demokratische Partei könnte sich alleine aus Erwerbsarbeit speisen.
Zu den Christdemokratinnen, die das leben und verstanden habe, zähle ich das CDU-Bundesvorstandsmitglied Monica Wüllner (CDA), die ja auch schon bei “Blume & Ince” zu Gast war. Ein Porträt im baden-württembergischen Staatsanzeiger hier:
https://www.staatsanzeiger.de/nachrichten/politik-und-verwaltung/monica-wuellner-hat-in-der-cdu-frueh-spuren-hinterlassen/
Ich bin vor mehr als drei Jahrzehnten keiner nur konservativen und erst Recht keiner rechtslibertären Partei beigetreten, sondern einer christlich-demokratischen Partei. Am Grundsatzprogramm von 1994 habe ich als JU-Aktiver intensiv mitdiskutiert.
Hier findet sich eine starke Ausarbeitung der “Ökologischen und Sozialen Marktwirtschaft” (S. 40 f.)…
Die Ökologische und Soziale Marktwirtschaft ist ein wirtschafts- und gesellschaftspolitisches Programm für alle. Sie hat ihr geistiges Fundament in der zum christlichen Verständnis des Menschen gehörenden Idee der verantworteten Freiheit und steht im Gegensatz zu sozialistischer Planwirtschaft und unkontrollierten Wirtschaftsformen liberalistischer Prägung.
Wir treten für die Ökologische und Soziale Marktwirtschaft ein, weil sie wie keine andere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung unsere Grundwerte Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit verwirklicht. Ihre Grundlagen sind Leistung und soziale Gerechtigkeit, Wettbewerb und Solidarität, Eigenverantwortung und soziale Sicherung. Sie verbindet den Leistungswillen des einzelnen mit dem sozialen Ausgleich in unserer Gesellschaft und schafft im Rahmen ihrer ökologischen Ordnung die Voraussetzungen für die Bewahrung der Schöpfung.
Wir vertrauen auf die schöpferischen Fähigkeiten des Menschen, sich in Freiheit und Verantwortung zu entfalten. Wir wissen, daß der Mensch seine Fähigkeiten mißbrauchen und ohne Rücksicht auf soziale und ökologische Belange wirtschaften kann. Deshalb muß unser Staat Rahmenbedingungen setzen, um die Kräfte der Selbstregulierung in der Wirtschaft zu stärken und alle am Wirtschaftsleben Beteiligten auf die Beachtung sozialer und ökologischer Erfordernisse zu verpflichten.
…und auch schon der mir so wichtige Begriff der “Mitwelt” auf S. 99:
Die Bewahrung der Schöpfung ist zur vorrangigen Aufgabe der Menschheit geworden. Ohne den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen ist eine tragfähige menschliche Entwicklung nicht möglich. Unsere Verantwortung für die Schöpfung erstreckt sich auch auf die Mitwelt Natur im ganzen Reichtum ihrer Erscheinungen.
Wir Christliche Demokraten wenden uns gegen die These, der Mensch sei einer ethischen Steuerung des von ihm in Gang gesetzten technischen Fortschritts nicht fähig. Zwischen seiner moralischen und technischen Vernunft klafft kein unüberbrückbarer Abgrund. Der Mensch hat die Kompetenz und die Pflicht, moralisch verantwortbar mit dem umzugehen, wozu er technisch in der Lage ist. Dies zu leisten gehört zur Größe seiner Bestimmung als Geschöpf Gottes.
Diese Erkenntnis gibt uns die Kraft und Motivation, technische Fortschritte zu erzielen, die auch sozialen und umweltpolitischen Anforderungen immer besser genügen.
https://www.kas.de/documents/252038/253252/Freiheit+in+Verantwortung+%E2%80%93+Grundsatzprogramm+der+Christlich-Demokratischen+Union+%28Quelle%29.pdf/3c7580d4-1a63-31f6-5d94-4f057de659c0?version=1.1&t=1685619880923
Ich stehe da bis heute dazu und bin nicht bereit, diese große, europäisch-demokratische Tradition mehr oder weniger befähigten Rechtslibertären und fossile Lobbyistinnen zu überlassen.
Guten Abend @Michael und @Inan,
Vielen Dank für den sehr informativen und zum Nachdenken anregenden Podcast!
Bei Minute 29:40 sagst Du: „Lifestyle Teilzeit blendet aus, was Menschen im Ehrenamt leisten, was sie in der Familie leisten, was sie sozial leisten. Oder auch dass sie vielleicht nicht in dem Zyklus von Erwerbsarbeit und Konsum drinstecken wollen, sondern vielleicht mal die Natur genießen wollen oder ein gutes Buch lesen wollen. All das wird nach meinem Dafürhalten von dem Begriff Arbeit immer noch ausgelagert.“
Ich finde das, was Du hier sagst, @Michael, äußerst wichtig! Das rein auf Erwerbstätigkeit bezogene Denken, das im Sinne der Monetarisierung den Arbeitsbegriff reduziert, ignoriert völlig die „Leistungen“, die Menschen erbracht haben, ohne jemals Monetarisierung oder Erfolg im Sinn gehabt zu haben. Ich denke da an unzählige Kunstwerke oder wissenschaftliche Beiträge, die außerhalb des Rahmens der Erwerbstätigkeit entstanden sind. Auch die Arbeit, die Ihr mit dem Podcast leistet, sowie die vielen anderen Menschen, die Wissen auf Blogs oder in anderen Formaten frei zur Verfügung stellen, sind hier zu nennen (z.B. Wikipedia). Ganz zu schweigen von der sozialen Arbeit, die Menschen leisten, die Kinder großziehen oder Angehörige pflegen (was Ihr ja thematisiert).
In diesem Zusammenhang möchte ich gerne den Begriff der „Muße“ als Gegenkonzept in die Diskussion einbringen. Wenn ich es richtig verstehe, bedeutet „Muße“ so etwas wie das Verbringen seiner Zeit, ohne an einen bestimmten Zweck gebunden zu sein. Aus einem solchen Zustand kann dann ein Prozess der Arbeit entstehen, der – ohne Zwang – zu „Ergebnissen“ wie künstlerischen Werken oder wissenschaftlichen Erkenntnissen führen kann. Leider hat dieser Begriff heutzutage oft eine negative Konnotation in Richtung Faulheit.
Denken wir das weiter: Die erwerbsbezogene Arbeit, die für viele Menschen oft keinen Lebenssinn stiftet, erfordert in der Regel Urlaub zur Regeneration. Wenn es dann um „Erholung“ geht, wird den arbeitenden Menschen oft Urlaub in Form von maximaler Erlebnissteigerung angeboten, als vermeintliche Kompensation für den Verlust an Sinnhaftigkeit. Welche Auswüchse dieser Zyklus aus Arbeit, Konsum und Freizeit annehmen kann, sehen wir beispielsweise in den Ski-Tourismuszentren der Alpen. Der Alpenforscher Werner Bätzing hat dies immer wieder thematisiert und prägnant auf den Punkt gebracht – siehe z.B. seine kleine Streitschrift „Zwischen Wildnis und Freizeitpark – Eine Streitschrift zur Zukunft der Alpen“, Rotpunktverlag, 2017.
Darin schreibt er auf Seite 131: „Der Tourismus im Alpenraum zeigt sehr anschaulich und eindeutig, dass eine permanente Erlebnissteigerung in der Freizeit nicht wirklich möglich ist und dass dies nur in einem riesigen Erlebnis-Burn-out enden kann. Die Erfahrungen der Alpen als Ergänzungsraum der Metropolen und als Tourismuszentrum zeigen, dass eine inszenierte Fremdbestimmung einen Lebensraum unwirtlich werden lässt und alle Lebendigkeit zerstört.“
Als Gegenkonzept entwirft Bätzing die „Orte guten Lebens“, in denen die Menschen – ich würde sagen – mit mehr Muße ihren Urlaub verbringen können, ohne auf eine Erlebnissteigerung wie ein Süchtiger angewiesen zu sein.
Wenn ich nun wieder auf das ursprüngliche Thema zurückkomme: Der Arbeitsbegriff, der derzeit – vor allem von Menschen in der Regierung – bemüht wird, ist stark reduziert und reduziert den Menschen sowie das Leben auf etwas, das der Welt insgesamt nicht gut tut. Ich denke, die Welt wird nicht zu einem besseren Ort, wenn Menschen sich immer mehr in einseitige Erwerbsarbeit drängen lassen und dabei die vielen anderen Ausprägungen von Arbeit ganz außer Acht gelassen werden oder gar verkümmern. Und vor allem, wenn sie dann zur Kompensation in Freizeitaktivitäten flüchten, die äußerst schädlich für die Natur sind.
Besonders schlimme Auswüchse des rein auf Monetarisierung fokussierten Arbeitsbegriffes führen dazu, dass Menschen nicht nur bei der Arbeit, sondern auch in der Freizeit einen Burn-out erleben, einfach weil sie sich (auch in der eigentlich der Erholung dienenden Freizeit) von dem entfernt haben, was ein gutes Leben ausmacht.
Die derzeitige Debatte führt meiner Meinung nach eher dazu, dass Menschen, die eigentlich motiviert waren, sich im Ehrenamt und sozial zu engagieren, nun eher abgeschreckt werden. Wenn Rentnerinnen und Rentner beispielsweise als „faule Säcke“ behandelt werden, wird dies nicht dazu führen, dass sie sich noch mehr für die Gesellschaft engagieren, die ihnen keine Wertschätzung entgegenbringt.
Statt auf den Rentnern oder den Boomern oder wem auch immer herumzuhacken, sollten verantwortungsvolle Politiker lieber darüber nachdenken, was ein gutes Leben sein könnte, und das ihre dazu tun, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen.
Vielen Dank, lieber @Peter – und von mir her volle Zustimmung vor allem auch zu dieser prägnanten Zusammenfassung von Dir:
“Der Arbeitsbegriff, der derzeit – vor allem von Menschen in der Regierung – bemüht wird, ist stark reduziert und reduziert den Menschen sowie das Leben auf etwas, das der Welt insgesamt nicht gut tut. Ich denke, die Welt wird nicht zu einem besseren Ort, wenn Menschen sich immer mehr in einseitige Erwerbsarbeit drängen lassen und dabei die vielen anderen Ausprägungen von Arbeit ganz außer Acht gelassen werden oder gar verkümmern. Und vor allem, wenn sie dann zur Kompensation in Freizeitaktivitäten flüchten, die äußerst schädlich für die Natur sind.
Besonders schlimme Auswüchse des rein auf Monetarisierung fokussierten Arbeitsbegriffes führen dazu, dass Menschen nicht nur bei der Arbeit, sondern auch in der Freizeit einen Burn-out erleben, einfach weil sie sich (auch in der eigentlich der Erholung dienenden Freizeit) von dem entfernt haben, was ein gutes Leben ausmacht.”
Genau so sehe ich das auch – die rechtslibertäre Engführung hält die Rechtsmimesis ja nicht auf, sondern beschleunigt sie bis zur Besinnungslosigkeit. Als Folge werden Familien, Kirchen & Gemeinschaften, Verbände und übrigens auch demokratische Parteien nur immer weiter zerblasen, nimmt die Vereinsamung immer weiter zu. Und für wen genau sollen denn immer mehr Güter da sein, wenn die Zahl der Kinder doch bereits weltweit sinkt? Schon jetzt verschwenden wir ja auch unfassbare Mengen an Lebensmitteln, weil es an der gerechten Verteilung mangelt und auch alle Menschen gemeinsam nicht so viel essen könnten!
Und nicht nur als ökonomisch informierter Wissenschaftler, sondern auch als evangelischer Christ trete ich der rechtslibertären Engführung entgegen. So ruft Rabbi Jehoschua / Jesus laut Mathhäus 6, 19 – 33 ausdrücklich, zu Recht und sehr klar zum Verzicht auf reinen Gelderwerb auf und plädiert nicht zufällig für die Betrachtung der Mitwelt, von Tieren und Pflanzen!
19 Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo Motten und Rost sie fressen und wo Diebe einbrechen und stehlen.
20 Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motten noch Rost sie fressen und wo Diebe nicht einbrechen und stehlen.
21 Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.
22 Das Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein.
23 Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein!
24 Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
25 Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?
26 Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?
27 Wer ist aber unter euch, der seiner Länge[4] eine Elle zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt?
28 Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht.
29 Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen.
30 Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: Sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen?
31 Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden?
32 Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft.
33 Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.
https://www.bibleserver.com/LUT/Matth%C3%A4us6%2C26
Aus meiner Sicht widerspricht ein ökonomischer Reduktionismus zudem auch dem Schabbatgebot und also dem biblischen, jüdischen und christlichen Menschenbild. Erwerbsarbeit ist wichtig, doch sie bestimmt nicht den Wert und schon gar nicht die Würde des Menschen!
Ich meine, hier wird auch unser gemeinsames Lieblingsthema – die Philosophie der Zeit – adressiert: Menschen sollten nicht nur für kurzfristige Ziele wie Gelderwerb leben, sondern vor allem für längerfristige und ewige Werte sowie in der Gegenwart. Ein ökonomischer Reduktionismus führt unweigerlich in die “Enge der Zeit” als der “Wurzel des Bösen” (nach Hans Blumenberg (1920 – 1996)).
Bei dieser Gelegenheit will ich auch darauf verweisen, wie fossile Faschisten und Rechtsdualisten wie Steve Bannon in den Epstein-Akten auftauchen!
Laut den jüngst veröffentlichten Akten zum Fall Epstein schrieb Bannon im Juni 2019 an Epstein: “Wir werden Franziskus stürzen.”
Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio war 2013 zum Papst Franziskus gewählt worden und 2025 gestorben. Er setzte sich unter anderem für eine liberale Migrationspolitik ein. Das erregte die Kritik des rechtskonservativen Bannon, der sich selbst als Katholik bezeichnet.
https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/usa/id_101129930/epstein-akten-steve-bannon-plante-sturz-von-papst-franziskus.html
Obwohl ich ja bewusst evangelischer Christ geworden bin, habe ich dagegen die Dialog-Arbeit und Enzyklika “Laudato Si” von Papst Franziskus (1936 – 2025) ausdrücklich gewürdigt:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/franziskus-ali-al-khawwas-der/
CDU und CSU müssen dringend wieder zur Mitte ihrer christlich-demokratischen Programmatik, also zum biblischen Menschenbild und damit zur Menschenwürde des Grundgesetzes zurück finden. Meine ich.
Schau mal, @Inan – wir sind nicht alleine!
Wirtschaftsprofessor: Wir leben unter unseren Verhältnissen
Osnabrück (epd). Der Osnabrücker Wirtschaftswissenschaftler Johannes Hirata hält die unbedingte Exportorientierung der Wirtschaft in Deutschland für problematisch und schädlich für den Sozialstaat. „Sie trägt entscheidend dazu bei, dass die Politik dem Kapital zu Diensten ist“, sagte der Professor für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsethik an der Hochschule Osnabrück dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Vor allem die Autoindustrie verfüge über Druckmittel, um höhere Steuern abzuwenden, wie Massenentlassungen oder eine Verlagerung der Produktion ins Ausland, erläuterte Hirata mit Blick auf die aktuelle Debatte um Kürzungen von Sozialleistungen. „Deshalb werden bei uns Arbeit und Konsum steuerlich über Gebühr belastet. Das Kapital tastet man aber kaum an.“
Anders als häufig dargestellt sei die Exportorientierung jedoch nicht alternativlos, betonte Hirata. Länder wie Frankreich zeigten, dass ein hohes Wohlstandsniveau nicht von Exportrekorden abhänge. […]
„Wir leben also volkswirtschaftlich gesehen unter unseren Verhältnissen“, betonte Hirata. Der Professor hält es auch für sinnvoll, dass der Staat Risiken wie Krankheit oder Arbeitslosigkeit und auch die Rente weitgehend absichert.
Mehrarbeit ist aus der Sicht des Experten hingegen nicht nötig. Schon seit den 90er Jahren arbeiteten die Menschen in Deutschland etwa 20 Prozent weniger als etwa in den USA, Japan oder Südkorea. Das habe sich nicht als Standortnachteil erwiesen. „Warum sollte das jetzt plötzlich anders sein?“, fragte Hirata. Er halte es für völlig legitim, wenn Menschen Teilzeit arbeiten wollten, weil ihnen Freizeit wichtiger sei als noch mehr Konsum. „Ökologisch ist das sogar sinnvoll.“
Kurzfristig würde die Umstrukturierung von Arbeitsplätzen weg von den exportorientierten Branchen zwar schwierig. Langfristig würde die Verlagerung auf viele verschiedene Standbeine jedoch von Vorteil sein, betonte der Experte.
https://www.evangelisch.de/inhalte/252800/13-02-2026/wirtschaftsprofessor-wir-leben-unter-unseren-verhaeltnissen
Mehr erneuerbare Friedens- und Wohlstandsenergien statt fossiler Importe aus feindseligen Regimen, mehr FOSS-Software statt Lizenzgebühren an oft feindselige Konzerne, mehr Kreislaufwirtschaft mit Recycling statt forcierter Verschwendung von Leben, mehr Kinder statt Vereinsamung, Nachfrage- und Investitionsschwäche – ich halte eine gelingende, dialogische und integrative Zukunft in Solarpunk-Arche-Regionen für möglich! 🙂
Dauerhafte Exportüberschüsse mögen die geplagte nationale Seele erfreuen, aber volkswirtschaftlich sind sie von fragwürdigem Nutzen. Denn letztlich bedeuten sie, dass das Ausland sich immer mehr bei “uns” verschuldet. Und wohin das führen kann, hat man am Beispiel Griechenland vor einigen Jahren gesehen.
Generell scheint mir die Verengung des Fleißbegriffs hin zu Lohnarbeit (speziell: Mitwirkung an der Industrieproduktion) auch ein Kind des Nationalismus zu sein. Denn im 19. Jahrhundert galt: Starke Industrie = starkes Militär = starkes Vaterland. Im 20. Jahrhundert wurden dann Menschen, die dabei nicht mitwirken konnten oder wollten, gar als Volksschädlinge denunziert.
Keine Frage: Hier gibt es immer noch Einiges zu tun, um unser Wertesystem wieder vom Kopf auf die Beine zu stellen!
Vielen Dank, @Thomas S. – und ich sehe es ganz genau so.
Inan und ich hatten ja in der Folge über das Scheitern der japanischen Rechtsmimesis mit Ablehnung von Migration & “Arbeit, Arbeit, Arbeit, Arbeit” (Takaichi) gesprochen. Und heute läuft es genau so über die Ticker:
Die japanische Wirtschaft ist Ende 2025 kaum gewachsen und hat die Erwartungen von Fachleuten deutlich verfehlt. Dies stellt die neue Regierung von Ministerpräsidentin Sanae Takaichi vor eine erste große Belastungsprobe, da die hohen Lebenshaltungskosten die Kauflaune der Verbraucher dämpfen.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt legte auf das Jahr hochgerechnet um 0,2 Prozent zu, wie die Regierung am Montag in Tokio mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Experten hatten jedoch mit einem Anstieg von 1,6 Prozent gerechnet.
https://www.wiwo.de/politik/konjunktur/konjunktur-japans-wirtschaft-waechst-schwaecher-als-erwartet/100200661.html
Wenn die eigene Bevölkerung schrumpft, es mangels junger Menschen zunehmend an Nachfrage und Investitionen mangelt, dann entzünden auch neue Schulden nur immer wieder kurzlebige Strohfeuer. Ebenfalls heute, im SPIEGEL:
Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, sieht ohne umfassende Reformen der Bundesregierung schwarz für die Konjunktur. »Der Wachstumsmotor in Deutschland wird schon allein wegen der Demografie nie mehr anspringen«, sagte er den Zeitungen, die zum Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) gehören. Es fehlten aber schlicht die Arbeitskräfte, um die Wachstumsraten der Vergangenheit zu erreichen.
https://www.spiegel.de/wirtschaft/marcel-fratzscher-wachstumsmotor-in-deutschland-wird-nie-mehr-anspringen-a-038eeb6d-38c8-47fb-918c-d83eb34a184b
Und auch an den Universitäten wächst die Erkenntnis, dass das fossile Wachstums- und Exportmodell an seine globalen Grenzen gestoßen ist:
Der Osnabrücker Wirtschaftswissenschaftler Johannes Hirata hält die unbedingte Exportorientierung der Wirtschaft in Deutschland für problematisch und schädlich für den Sozialstaat. „Sie trägt entscheidend dazu bei, dass die Politik dem Kapital zu Diensten ist“, sagte der Professor für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsethik an der Hochschule Osnabrück dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Vor allem die Autoindustrie verfüge über Druckmittel, um höhere Steuern abzuwenden, wie Massenentlassungen oder eine Verlagerung der Produktion ins Ausland, erläuterte Hirata mit Blick auf die aktuelle Debatte um Kürzungen von Sozialleistungen. „Deshalb werden bei uns Arbeit und Konsum steuerlich über Gebühr belastet. Das Kapital tastet man aber kaum an.“
https://www.evangelisch.de/inhalte/252800/13-02-2026/wirtschaftsprofessor-wir-leben-unter-unseren-verhaeltnissen
Die klar zu erkennende Lösung läge in einer familien- und zukunftsfreundlichen Kreislaufwirtschaft durch mehr erneuerbare Friedens- und Wohlstandsenergien statt fossiler Importe, durch FOSS-Software statt außereuropäischer Konzernlizenzen, durch kluge Zuwanderung, mehr Recycling und europäische Rohstoffe und durch eine bessere Steuerfinanzierung von Bildung, Gesundheit und Sozialem. Viele Regionen in Deutschland haben noch immer sehr gute Chancen, als lebenswerte und auch wirtschaftlich wie technologisch erfolgreiche Solarpunk-Arche-Regionen durch das 21. Jahrhundert zu kommen.
Manche Psychologen halten den Menschen für „etwas besseres“ auf keinem Fall als ein von Instinkten getriebenes Wesen. Wir sind vernünftig, handeln rational, wir stehen weit über den Tieren…. Ich fürchte, das kann durch Beobachtungen nicht wirklich bestätigt werden.
Andere moderne Neurowissenschaft bevorzugen eine andere Richtung. Bestimmte neuronale „Architekturen“ oder Schwerpunkte im Gehirn prägen, wie ein Mensch von Anfang an „die Welt verarbeitet“.
Manche Frauen sind einfach gerne perfekte Mütter und Ehefrauen. Ohne viel nachzudenken, machen sie, offensichtlich auch instinktiv, alles richtig. Ich meine, die sollten auch gefördert und privilegiert werden, weil sie besondere Leistungen für die Gesellschaft erbringen.
Babys kommen mit unterschiedlichen neuronalen „Startkonfigurationen“ zur Welt. Das sind praktisch Instinkte. Rund 10% sind gar nicht, oder nur schwer imstande, von der Mutterbrust zu trinken, obwohl wir alle letztlich Säugetiere sind. Ähnlich verhält es sich bei Tieren. (Allerdings werden die kurzerhand aus dem Nest geworfen, weil sie keine bestens ausgebildete Hebamme haben).
Zumindest ein Teil von diesen Typen, hat später bei der Partnerfindung Probleme, z.B. bei der korrekten Einschätzung von „Distanz und Nähe“. Ein Bekannter, ein Jurist, der das nicht kompensieren konnte, musste sich wegen sexueller Gewalt verantworten. Statt bestens verdienender Rechtsanwalt, wurde er schlecht verdienender Büroleiter eines Anwalts….
Das Gehirn eines Neugeborenen ist kein leeres Blatt. Es gibt unterschiedliche Neuronentypen, unterschiedliche Verschaltungen, unterschiedliche Empfindlichkeiten für Reize, unterschiedliche Reifegeschwindigkeiten bestimmter Hirnareale.
Diese Unterschiede sind normal, gelten nicht als pathologisch. Sie erzeugen das, was man früher „Instinkte“ nannte, heute würde man sagen eine neurobiologische Grundstruktur.
Bestimmte neuronale Systeme beeinflussen sowohl frühe Körperfunktionen als auch spätere soziale Fähigkeiten. Dies würde das Problem der mangelhaften Sauginstinkte und der problematischen sozialen Instinkte erklären können. Statistische Daten habe ich nicht gefunden?
Das sensorisch-motorische System steuert Saugen, Schlucken, Atmung, Koordination….
Später beeinflusst es die Körpersprache, das Timing in sozialen Situationen, Feinfühligkeit für Nähe und Distanz, Reizverarbeitung in sozialen Kontexten.
Es verhält sich nicht so, dass Stillen „schuld“ wäre, sondern beide Phänomene haben dieselbe neuronale Basis.
Mich würde interessieren, wie „andersdenkende“ Psychologen begründen, dass manche Frauen mit ihren Babys, Kindern und in der Partnerschaft ohne viel nachzudenken, immer schnell und perfekt reagieren und andere nicht?
Dass natürlich auch sozialer Druck Kinder aufzuziehen, besonders auf Frauen ausgeübt wird (wurde) ist mir natürlich klar.
@Realo
Es ist interessant, wie schnell und unvermittelt Sie versuchen, das Thema Kindermangel zu einem “Frauenproblem” umzudichten. Warum beschäftigt Sie denn nicht die Neuropsychologie von guten Vätern und Ehemännern? Selbst, wenn Sie kulturelle und soziale Faktoren erst einmal gar nicht interessieren, so sollten Sie doch wahrnehmen, wie durch die globale Verbrennung und Verschmutzung bis hin zu Mikroplastik sowie die Trends zu späterer Elternschaft die Fruchtbarkeit gerade auch von Männern leidet.
Als Vater von drei Kindern versuche ich der Ehre und Aufgabe gerecht zu werden, dass meine Ehefrau bereit war, mit mir schon vor allem beruflichen und wirtschaftlichen Erfolg mehrere Babys zu haben. Und sie tat dies auch deswegen, weil sie sicher sein konnte, dass ich das Aufziehen von Kindern und Familienarbeit nicht als “Frauensache”, sondern als gemeinsame, übrigens auch sinnstiftende und religiöse Aufgabe begreife.
Klar ist, dass wir Menschen eine individuell sehr unterschiedliche Neuropsychologie haben, von Geburt an neurodivers sind. Prof. Ince und ich haben dazu eine eigene Folge gemacht:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-und-ince-24-neurodiversitaet-und-nerdlaend/
Dass Menschen heute weltweit immer weniger Kinder haben und fossile Regime dennoch junge Menschen in sinnlose Kriege und antisemitische Terrorgruppen schicken, geht vor allem auf die menschenverachtende Ideologie des Fossilismus und den damit verbundenen Petromaskulinismus zurück.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/fuerchten-fragile-maenner-das-wasser-von-maennerfantasien-und-petromaskulinitaet/
Dies gilt übrigens gerade auch für den von Ihnen immer noch verehrten Wladimir Putin, der Hunderttausende auch russischer Männer in seinem fossilen Angriffskrieg gegen die Ukraine verbrennt, auch Oppositionelle wie Prigoschin & Nawalny ermorden lässt und sogar deutsche Karnevalisten bedroht:
Ein grimmiger Putin spießt einen kleinen Narren mit dem Schwert auf, der Winzling schlägt tapfer mit einer Papp-Klatsche zurück: Der Karnevalswagenbauer Jacques Tilly hat seine eigene Verfolgung durch die russische Justiz in Form eines Motivwagens für den Düsseldorfer Rosenmontagszug aufs Korn genommen. Wegen seiner Spitzen gegen den Kreml wird Tilly in Moskau derzeit in Abwesenheit der Prozess gemacht. “Dieser Wagen ist unser närrischer Kommentar zu der ganzen Sache”, sagte Tilly.
https://www.n-tv.de/politik/Tilly-trotzt-Prozess-in-Moskau-mit-neuem-Putin-Wagen-id30366297.html
Und weil inzwischen russische Männer durch Kindermangel, Krieg und auch Alkoholismus knapp geworden sind, lässt Putin zunehmend ausländische, etwa indische Männer nach Russland holen – die gleiche Strategie, die auch arabische Ölregime oft angewandt haben, um ihre Macht zu stabilisieren. Vgl:
Konstantin Flemig: Russland stirbt aus – jetzt holt Putin indische Männer!:
https://www.youtube.com/watch?v=My6IuvqyXwY
Hier auch für Sie eine kleine Auswertung von Felo.ai zu den negativen biologischen und kulturellen Auswirkungen des Fossilismus auf die menschliche Demografie:
### 1. Biologische Unfruchtbarkeit durch fossile Verschmutzung
Der direkteste und am besten belegte Zusammenhang besteht in der physischen Schädigung der menschlichen Fortpflanzungsfähigkeit durch die Nutzung fossiler Brennstoffe und der daraus resultierenden petrochemischen Produkte.
* **Verschlechterung der Spermienqualität:** Studien deuten darauf hin, dass die Luftverschmutzung durch die Verbrennung fossiler Energieträger eine signifikante Rolle beim weltweiten Rückgang der Fruchtbarkeit spielt[2][4]. Insbesondere wird ein dramatischer Rückgang der Spermienzahl bei Männern in westlichen Industrienationen beobachtet (oft als „Spermageddon“ bezeichnet), der zeitlich mit der Industrialisierung und der massenhaften Nutzung fossiler Brennstoffe korreliert[4][7].
* **Endokrine Disruptoren:** Viele Produkte des modernen Lebens, von Kunststoffen bis zu Pestiziden, basieren auf Petrochemikalien (Derivaten fossiler Brennstoffe). Diese Chemikalien wirken oft als hormonell wirksame Substanzen (endokrine Disruptoren), die das Hormonsystem stören[6]. Sie sind im Blut, Urin und sogar im Fruchtwasser nachweisbar und werden direkt mit einer verminderten Zeugungsfähigkeit sowie einer Zunahme von Hodenkrebs und angeborenen Fehlbildungen der Genitalien bei männlichen Säuglingen in Verbindung gebracht[4][9].
* **Schädigung der fötalen Entwicklung:** Föten und Kleinkinder sind besonders anfällig für Schadstoffe aus fossilen Verbrennungsprozessen (wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, PAHs). Diese Exposition kann bereits *in utero* zu genetischen und epigenetischen Schäden führen, die sich später im Leben als Fortpflanzungsstörungen manifestieren[3].
Ein konkreter Beleg für diesen negativen Einfluss lieferte eine Studie in Kalifornien: Nach der Stilllegung von Kohle- und Ölkraftwerken stieg die Fruchtbarkeitsrate in den umliegenden Gebieten messbar an[8].
### 2. Die Rolle der Petromaskulinität
Während der „Fossilismus“ biologisch die Fruchtbarkeit untergräbt, wirkt die **Petromaskulinität** eher als kultureller Verstärker, der den Ausstieg aus diesem schädlichen System verhindert.
* **Verteidigung des zerstörerischen Status quo:** Das Konzept der Petromaskulinität, geprägt von Cara Daggett, beschreibt eine historische Verbindung zwischen fossilen Brennstoffen und patriarchaler Männlichkeit. Wenn diese Männlichkeit als bedroht wahrgenommen wird (z. B. durch Klimaschutzmaßnahmen), reagieren betroffene Gruppen oft mit einer aggressiven Verteidigung fossiler Energien[1][14][15].
* **Der Widerspruch:** Paradoxerweise verteidigen Anhänger dieser Ideologie oft das Festhalten an fossilen Brennstoffen, obwohl genau diese Substanzen (durch Umweltverschmutzung und hormonwirksame Chemikalien) die biologische „Manneskraft“ (Spermienqualität) und die Fortpflanzungsfähigkeit der Bevölkerung untergraben, deren Erhalt rechte Bewegungen oft propagieren („biopolitische Ängste“)[12][13].
* **Blockade von Lösungen:** Indem Petromaskulinität den notwendigen Wandel hin zu sauberen Energien kulturell und politisch blockiert, verlängert sie die Exposition der Menschheit gegenüber den toxischen Stoffen, die den Geburtenrückgang maßgeblich verursachen.
### Zusammenfassung
Der „Fossilismus“ führt primär durch **chemische Sterilisation** zu einem Rückgang der Kinderzahlen. Die massive Freisetzung von Schadstoffen und hormonverändernden Chemikalien aus Öl, Kohle und Plastik greift die menschliche Reproduktionsfähigkeit direkt an[6][9]. Die **Petromaskulinität** fungiert dabei als ein kultureller Schutzmechanismus für das fossile System, der notwendige Reformen verhindert und somit die demografische Krise der Unfruchtbarkeit noch verschärft[1][15].
[1] https://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/petromaskulinitaet.html
[2] https://thehill.com/policy/equilibrium-sustainability/585985-fossil-fuels-may-be-linked-to-fall-in-sperm-counts/
[3] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC2516589/
[4] https://www.independent.co.uk/climate-change/news/fertility-rate-fossil-fuels-pollution-b1976920.html
[5] https://grist.org/climate-energy/naomi-klein-on-how-fossil-fuels-threaten-our-ability-to-have-healthy-children/
[6] https://www.linkedin.com/posts/matt-landos-533a1723_charted-declining-birth-rates-in-the-worlds-activity-7204670105971036160-5B8y
[7] https://www.sciencefocus.com/news/fertility-decline-crisis-spermageddon
[8] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29720194/
[9] https://www.theguardian.com/society/2021/dec/15/fall-fertility-rates-may-be-linked-fossil-fuel-pollution-finds-study
[10] https://www.newyorker.com/magazine/2025/03/03/the-population-implosion
[11] https://thenaturalhistorian.com/2016/10/24/quadrillions-quintillions-and-beyond-the-vast-fossil-record-refutes-the-global-flood-narrative/
[12] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/fuerchten-fragile-maenner-das-wasser-von-maennerfantasien-und-petromaskulinitaet/
[13] https://www.blaetter.de/ausgabe/2025/dezember/antifeminismus-und-pronatalismus-bausteine-fuer-faschistische-biopolitiken
[14] https://www.deutschlandfunkkultur.de/patriarchat-verbrennungsmotor-klimawandel-100.html
[15] https://de.wikipedia.org/wiki/Petromaskulinit%C3%A4t
[16] https://digitalcommons.unl.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=1045&context=r-journal
[17] https://link-springer-com.lib.pepperdine.edu/article/10.1007/s11528-021-00587-8
[18] https://www-journals-uchicago-edu.proxy.library.cornell.edu/doi/10.1086/734721
[19] https://link-springer-com.colorado.idm.oclc.org/article/10.1007/s11270-021-05091-6
@ Michael Blume 17.02.2026, 12:35 Uhr
Zitat: „Es ist interessant, wie schnell und unvermittelt Sie versuchen, das Thema Kindermangel zu einem “Frauenproblem” umzudichten“.
Das entspricht einerseits meinen (unmaßgeblichen) Beobachtungen, aber es ist auch die Sichtweise praktisch aller Religionen. Sie setzen bei den Frauen an: Kinder, Küche, Kirche ist ihre Parole. Natürlich nicht grundlos. Nüchtern gesagt, die Religionen sind dazu da, damit die „Schäfchen“ nicht aussterben und möglichst nicht übereinander herfallen….
Frauen sollten möglichst früh und möglichst nur im Haushalt arbeiten und nicht (außer Haus). Die Treue wurde mit dem Scheidungsverbot und den Alimenten „erzwungen“. Alles völlig naheliegend und meiner Meinung nach, wegen der ehemaligen „gesundheitlichen Umstände“ (z.B. Kindersterblichkeit) auch dringend nötig. Der „Menschenüberschuss“ wurde bei Kriegen verheizt….
Die Katholiken kamen immerhin auf die eigentlich positive Idee, Menschen die am Bauernhof oder im Handwerk nicht gebraucht wurden, in streng nach Geschlecht getrennten Klöstern unterzubringen, um dort einer sinnvollen Arbeit nachzugehen (Krankenhaus, Wissenschaft,…. )
Der „Marienkult“ der Kirche hat der „Damenwelt“ offenbar nicht gereicht und besonders in den Gehirnen der jungen Damen, die z.B. in Fabriken, oder bei der ehemals üblichen Telefonvermittlung gearbeitet haben, reiften Gedanken an die Emanzipation….. sozusagen Geld statt Babys. Das war ein überzeugendes Argument und das gilt heute noch.
Frauen die eine große „Sehnsucht“ nach Kindern haben, erfüllen sich ihren Wunsch. Frauen die keine Kinder bekommen können versuchen, sich mit viel Geld ihren Kinderwunsch doch noch zu erfüllen, oft vergeblich…..
Die Ehemänner sollen „zahlen“, dazu braucht es nicht viel Psychologie, nur ein ordentliches Scheidungsrecht….
Danke & tja, @Realo – so einfach stimmt das eben nicht. Im extrem kinderreichen, ultraorthodoxen Judentum sind vor allem die Frauen berufstätig und besteht übrigens auch nur für Männer die Synagogenpflicht (siehe Video oben). Bis zur Industrialisierung wurde die gesamte Arbeit gemeinsam im Oikos = Familienhaushalt getätigt – die Trennung in “Erwerbsarbeit” und “Familienarbeit” fand erst danach statt.
Entsprechend haben auch jene Gesellschaften die niedrigsten Geburtenraten, die ihre Familien- und Arbeitsrollen nicht (!) modernisieren und stattdessen in die Traditionalismusfalle laufen. Wie außer Japan und China zum Beispiel auch Italien, Griechenland, Polen, teilweise Deutschland und besonders krass Südkorea:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-polarisierende-macht-der-saekularen-demografischen-traditionalismusfalle/
Da wir ihn ja in der oben genannten “Blume & Ince”-Folge bereits thematisiert haben, hier eine kurze Zusammenfassung durch Perplexity.ai. Falls Sie es einmal verstehen wollen, werden Sie auch erkennen, woher Ihr naturalistischer Fehlschluss von “Kinder, Küche, Kirche” kommt:
Die Industrialisierung trennte Erwerbs- von Familienarbeit, schuf das bürgerlich‑patriarchale Einverdienermodell und legte damit jene strukturellen Widersprüche an, die heute in vielen Gesellschaften zur demografischen **Traditionalismusfalle** führen. [muensterland.dfv-nrw](http://muensterland.dfv-nrw.de/index.php?option=com_content&view=article&id=29%3Aarbeit&catid=17%3Agrundsaetze&Itemid=180)
## Vom „ganzen Haus“ zur Trennung von Wohn- und Arbeitsort
In der vorindustriellen Oikos‑Ökonomie war der Haushalt eine Rechts‑, Arbeits‑, Konsum- und Wirtschaftseinheit, in der alle – Frauen, Männer, Kinder, Gesinde – produktiv mitarbeiteten. [rspree.wordpress](https://rspree.wordpress.com/2011/02/21/geschlechterverhaltnis-und-burgerliche-familie-im-19-jh/)
Mit der Industrialisierung verlagerte sich Arbeit in Fabriken und Büros, sodass die räumliche und zeitliche Einheit von Familie und Erwerb zerbrach: Erwerbsarbeit wurde zur Außen‑, Haushalts- und Sorgearbeit zur Binnenwelt. [kinderzeitmaschine](https://www.kinderzeitmaschine.de/neuzeit/nationalstaaten/lucys-wissensbox/gesellschaft-alltag/warum-trennte-sich-das-wohnen-vom-arbeiten/)
## Entstehung des bürgerlichen Einverdienermodells
Im 19. Jahrhundert setzte sich das bürgerliche Familienideal durch, in dem der Mann als Ernährer erwerbstätig ist und die Frau als Hausfrau und Mutter in der Privatheit verbleibt. [philosophie.uni-wuppertal](https://www.philosophie.uni-wuppertal.de/fileadmin/philosophie/PDFs_allg/Kuster/Kuster_Familie_im_Wandel.pdf)
Diese neue, bürgerlich‑patriarchale Ordnung wertete unbezahlte Familienarbeit ab, band Frauen rechtlich und kulturell an Haus und Kinder und naturalisierte die Trennung in „männliche Erwerbsarbeit“ und „weibliche Familienarbeit“ als scheinbar zeitlose Norm. [ulb-dok.uibk.ac](https://ulb-dok.uibk.ac.at/download/pdf/2157408.pdf)
## Struktureller Gegensatz von Beruf und (größerer) Familie
Mit wachsender Urbanisierung und Geldwirtschaft reichte ein Einkommen im städtischen Kontext oft nur für ein oder zwei Kinder, während gleichzeitig Präsenz im Beruf und ständige Mobilität verlangt wurden. [d-nb](https://d-nb.info/1206097426/34)
Es entstand ein struktureller Gegensatz: Je stärker Erwerbsarbeit aus dem Haushalt ausgelagert und auf einen männlichen Hauptverdiener fokussiert wurde, desto schwieriger wurde es, Kinderzahl, ökonomische Sicherheit und Berufswege – vor allem von Frauen – miteinander zu vereinbaren. [muensterland.dfv-nrw](http://muensterland.dfv-nrw.de/index.php?option=com_content&view=article&id=29%3Aarbeit&catid=17%3Agrundsaetze&Itemid=180)
## Die demografische Traditionalismusfalle
Michael Blume beschreibt eine Traditionalismusfalle als Verharren an einst erfolgreichen Traditionen trotz steigender Kosten; demografisch bedeutet dies, dass starre Familienbilder und Betreuungssysteme nicht mehr zu den Lebensrealitäten passen. [scilogs.spektrum](https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-polarisierende-macht-der-saekularen-demografischen-traditionalismusfalle/)
Wenn Gesellschaften am Einverdienermodell, an rigiden Geschlechterrollen und unflexiblen Arbeits- und Betreuungssystemen festhalten, verweigern viele junge Menschen unter diesen Bedingungen die Familiengründung, was zu unterbeständigen Geburtenraten und beschleunigter Bevölkerungsschrumpfung führt. [scilogs.spektrum](https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/files/Religion-und-Demografie-Michael-Blume-scieBook.pdf)
## Verbindungslinie: Von der industriellen Trennung zur heutigen Falle
Die Industrialisierung hat die Entkopplung von Erwerbs- und Familienarbeit und die bürgerliche Hausfrauenfamilie historisch erzeugt; diese Muster wirken kulturell, institutionell und rechtlich bis heute fort. [rspree.wordpress](https://rspree.wordpress.com/2011/02/21/geschlechterverhaltnis-und-burgerliche-familie-im-19-jh/)
Wo Arbeitsmärkte, Sozialstaat und Familienpolitik weiterhin unausgesprochen dieses alte Leitbild voraussetzen, geraten Gesellschaften in die demografische Traditionalismusfalle: Gerade „traditionalistische“ Familienmodelle führen dann dazu, dass real nur noch sehr wenige Kinder geboren werden. [scilogs.spektrum](https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-demografische-traditionalismusfalle-und-warum-thilo-sarrazin-schummeln-musste-n-tv-4/)
@Michael 17.02. 12:35 / Felo.ai
„Die massive Freisetzung von Schadstoffen und hormonverändernden Chemikalien aus Öl, Kohle und Plastik greift die menschliche Reproduktionsfähigkeit direkt an.“
Es sollen 15% der Paare unfreiwillig unfruchtbar sein. Einmal wegen zu später Kinderentscheidung, aber vor allem durch Umweltgifte. Wenn die jetzt jeweils 2 Kinder hätten, würden wir statt 1,5 Kindern pro Frau auf 1,8 Kinder kommen. Das ist schon ein Faktor.
Und die Energiewende wird da überhaupt nichts dran ändern. Die meisten Umweltgifte werden gezielt produziert, als Chemikalien, Plastikvarianten und Pestizide in der Landwirtschaft. Das ist eine ganz eigenen Baustelle, schätze ich mal.
Entsprechend bleibt jetzt nichts anderes übrig, dass die, die noch Kinder überhaupt können, dann gleich 3 oder 4 davon anstreben müssen. Was dann schon für die Familien neben ganz viel Betreuungsarbeit auch eine finanzielle Herausforderung werden kann.
Andererseits sehe ich im Kindermangel eigentlich kein wirkliches Wirtschaftsproblem, dafür aber eine Verschwendung von menschlichen Lebensmöglichkeiten. Ich wäre durchaus ein Freund von weniger Konsum mit deutlich weniger Arbeit. Dem steht der Geburtenmangel überhaupt nicht entgegen.
Wir bräuchten dann aber schon weniger Lohnsteuern und mehr Steuern auf Kapital aller Art. Was angesichts von immer mehr KI und Robotern sowieso zunehmend erforderlich werden könnte.
Generell geht es mir auch um mehr Orientierung auf wirklich Sinnvolles statt auf finanziellen Aktionismus. So ist auch z.B. die Arbeit an freier Software vermutlich öfter sinnvoller, als sich in den Dienst von IT-Konzernen zu stellen, um dort an zweifelhaften Projekten zu arbeiten.
Lieben Dank, @Tobias – und wie bereits mehrfach geschrieben, lehne ich ja jede normative Vorschrift zum Kinderkriegen als Verstoß gegen die Menschenwürde ab. Ich freue mich mit allen Menschen, die sich Kinderwünsche erfüllen können und respektiere auch jede Entscheidung dagegen. Dass Frauen gegen ihren Willen Kinder austragen sollten, hielte ich für einen absoluten Albtraum (vgl. “Handmaid’s Tale”).
Entsprechend ist für mich klar, dass eine lebensförderliche Wirtschaft so schnell wie möglich auf die Externalisierung von Kosten auf jetzige und zukünftige Generationen, also auf Verbrennung fossiler Rohstoffe und die Emission von Schadstoffen, Müll und Mikroplastik verzichten sollte.
In ihrem Buch “Unsere Welt neu denken” (Ullstein 2020) plädiert Maja Göpel für ein zukunftsorientiertes Denken, das ich mit dem Solarpunk identifiziere:
“Wie kommen wir aus dem Wettlauf Richtung Zerstörung der Welt raus? Wie können wir ein Gerechtigkeitsverständnis finden, das uns wieder miteinander statt gegeneinander handeln lässt und die Verbindung von sozialen und ökologischen Zielen erlaubt?
Für mich liegt die Formel darin, dass wir aus der Zukunft denken. Und systemisch.” (S. 174)
So kann sich hinter der fossilen “Enge der Zeit” auch wieder eine solare “Weite der Zeit” öffnen, in der aus der bis dahin bereits erheblich geschrumpften Menschheit auch wieder neues, Systeme überschreitendes Leben erwachsen kann. Ich bin da gar nicht hoffnungslos.
Da sich die Demografie-Deindustrialisierung-These ja schnell herumspricht, habe ich sie gerade auch mal bei Felo.ai mit folgendem Prompt getestet:
Erkläre die These “Verebbende Demografie führt zu sinkender Nachfrage und unweigerlich zu Deindustrialisierung.” an vier Beispielen
Die m.E. bereits sehr überzeugende KI-Ausgabe:
Die These, dass eine „verebbende Demografie“ über eine sinkende Binnennachfrage unweigerlich zur Deindustrialisierung führt, basiert auf einer fundamentalen ökonomischen Beobachtung: **„Autos kaufen keine Autos“**[3].
Diese prägnante Formel von Dr. Michael Blume beschreibt den Umstand, dass industrielle Massenproduktion auf eine breite Basis an Konsumenten angewiesen ist. Wenn eine Bevölkerung schrumpft und altert, sinkt die Nachfrage nach langlebigen Industriegütern (wie Fahrzeugen, Möbeln oder Immobilien), was Investitionen unrentabel macht und industrielle Kapazitäten abbaut. Es folgt eine Deindustrialisierung, da Innovation und Wachstum meist von jüngeren Kohorten getrieben werden.
Im Folgenden wird diese These anhand von vier Beispielen erläutert:
## 1. Japan: Der Vorreiter der demografischen Stagnation
Japan dient als das weltweit prominenteste Beispiel für die Korrelation zwischen Bevölkerungsschwund und wirtschaftlicher Stagnation. Das Land verzeichnet seit über 14 Jahren einen kontinuierlichen Bevölkerungsrückgang; allein in den letzten vier Jahren schrumpfte die Bevölkerung um durchschnittlich 0,5 % pro Jahr[3].
* **Der Mechanismus:** Mit der Überalterung der Gesellschaft verschob sich der Fokus von konsumintensiven Anschaffungen (typisch für junge Familien) hin zu Dienstleistungen und Gesundheitsversorgung.
* **Die Folge:** Trotz massiver staatlicher Verschuldung und Exportbemühungen kämpft Japan seit Jahrzehnten mit Deflation und schwachem Wachstum. Die Binnennachfrage reicht nicht aus, um die einstige industrielle Dynamik aufrechtzuerhalten, was den schleichenden Bedeutungsverlust des verarbeitenden Gewerbes im Inland begünstigt hat[3][20].
## 2. Deutschland: Die „demografische Abwärtsspirale“ in strukturschwachen Regionen
Auch in Deutschland lässt sich der Zusammenhang zwischen Demografie und Deindustrialisierung beobachten, insbesondere in ländlichen und strukturschwachen Gebieten (oft in Ostdeutschland, aber zunehmend auch im Westen).
* **Der Mechanismus:** Experten sprechen hier von einer „demografischen Abwärtsspirale“. Junge, gut ausgebildete Fachkräfte ziehen in urbane Zentren, wodurch in der Region sowohl die Arbeitskräfte für die Industrie als auch die Konsumenten für den lokalen Markt fehlen[3].
* **Die Folge:** Unternehmen finden kein Personal mehr und die lokale Kaufkraft sinkt. Dies führt dazu, dass Industriebetriebe abwandern oder schließen, was die Region für verbleibende junge Menschen noch unattraktiver macht. Aktuelle Warnungen vor einer Deindustrialisierung Deutschlands basieren unter anderem auf diesem Fachkräftemangel in Kombination mit einer alternden Erwerbsbevölkerung, die weniger Investitionsanreize bietet[5].
## 3. China: Das Angebot-Nachfrage-Missverhältnis
China stellt ein aktuelles und dramatisches Beispiel dar, bei dem eine staatlich forcierte Angebotsökonomie auf eine implodierende Demografie trifft. Die Geburtenraten in China sind massiv eingebrochen, was die zukünftige Binnennachfrage drastisch reduziert[3].
* **Der Mechanismus:** Die chinesische Wirtschaftspolitik setzt weiterhin stark auf den Ausbau von Produktionskapazitäten (Angebotsseite), während gleichzeitig die Bevölkerung, die diese Produkte kaufen soll, schrumpft („Autos kaufen keine Autos“).
* **Die Folge:** Es entsteht eine Überproduktion, die nicht durch den heimischen Konsum aufgefangen werden kann. Dies führt bereits jetzt zu hoher Jugendarbeitslosigkeit und wirtschaftlichen Verwerfungen. Trotz technologischer Fortschritte droht langfristig eine Deindustrialisierung, da der heimische Markt als Wachstumsmotor ausfällt und Exportmärkte (die ebenfalls altern) dies nicht unbegrenzt kompensieren können[3].
## 4. Italien: Schrumpfung und Wachstumsschwäche
Neben Japan und Deutschland wird Italien oft als Beispiel für ein Land genannt, das aufgrund seiner Demografie nicht mehr in der Lage ist, dauerhaftes volkswirtschaftliches Wachstum zu generieren.
* **Der Mechanismus:** Italien weist eine der niedrigsten Geburtenraten Europas auf. Eine schrumpfende Erwerbsbevölkerung bedeutet weniger Innovation und weniger Unternehmensgründungen.
* **Die Folge:** Die industrielle Basis erodiert, da Investitionen in einem schrumpfenden Markt als risikoreich gelten. Ohne eine wachsende Bevölkerung fehlt der automatische Nachfrageschub, der in früheren Jahrzehnten industrielle Expansionen rechtfertigte. Das Resultat ist eine Stagnation, die sich kaum durch geldpolitische Maßnahmen beheben lässt, da das Kernproblem das Fehlen junger Konsumenten und Produzenten ist[3].
[1] https://www.studysmarter.de/schule/geographie/humangeographie/deindustrialisierung/
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Deindustrialisierung
[3] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/mehr-arbeiten-fossilismus-gegen-familien-demografie-deindustrialisierung/
[4] https://www.brandeins.de/akw/01-ausgabe-ist-die-de-industrialisierung-ein-problem-oder-die-loesung
[5] https://www.deutschlandfunk.de/deindustrialisierung-deutschland-debatte-100.html
[6] https://www.thepioneer.de/originals/thepioneer-expert/articles/wir-brauchen-eine-deindustrialisierung
[7] https://www.lupusalpha.de/inforama/detailseite/deindustrialisierung-deutschlands-fuenf-punkte-die-jetzt-anzupacken-sind/
[8] https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/deindustrialisierung-30877
[9] https://www.wirtschaftsdienst.eu/inhalt/jahr/2022/heft/12/beitrag/die-deindustrialisierung-deutschlands-berechtigte-sorge-oder-german-angst.html
[10] https://www.vdma.eu/documents/34570/12205854/Mythos+Deindustrialisierung.pdf/d57a6ac0-ff33-2af4-2904-aee872719e0b?t=1673851871411
[11] https://www.handelskammer-d-ch.ch/de/industrialisierung-deindustrialisierung-reindustrialisierung-teil-1
[12] https://www.bpb.de/themen/nordamerika/usa/340178/deindustrialisierung-und-high-tech-in-den-usa/
[13] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/arbeitsmarkt-deindustrialisierung-100.html
[14] https://www.alternative-wirtschaftspolitik.de/de/article/10656839.statt-deindustrialisierung.html
[15] https://www.kettner-edelmetalle.de/wissen/deindustrialisierung-deutschland-zahlen
[16] https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/deindustrialisierung-das-muss-nun-passieren/100108672.html
[17] https://www.mpg.de/18579281/deindustrialisierung-fakt-und-fiktion
[18] https://www.mpifg.de/667478/2021-05-forsch-bericht-ergen
[19] https://zeitschrift-luxemburg.de/artikel/gespenst-der-deindrustrialisierung
[20] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-51-arbeit-demografie-und-deindustrialisierung-am-beispiel-japan/
Die Tatsache, dass verstärkt KI in den industriellen Produktionsprozess involviert sein wird, ist denen, die dauernd von “mehr arbeiten” reden anscheinend völlig fremd.
Rezepte aus vergangenen Zeiten helfen nicht weiter. Darüber hinaus scheint mir der Begriff “die Wirtschaft” zu eng definiert zu werden.
Andererseits sehe ich auch die Unternehmen als selbstständig und selbstbewusst. Natürlich muss es Rahmenbedingungen geben, die vom Gesetzgeber definiert werden. Aber für attraktive Produkte sind die Unternehmen selbst zuständig.
Eine weitere große Gefahr, über die wir noch gar nicht gesprochen haben, sind die Pläne der Bundesregierung vor allem universitäre Forschungsgebiete zu finanzieren, die in Innovationen für die Wirtschaft enden. Wobei nach meinem Eindruck jede Forschung im Bereich der erneuerbaren Energien als ideologisch abgelehnt wird.
Universitäten haben die Aufgaben LEHRE UND FORSCHUNG. Die wenigen jungen Menschen, die wir haben, werden auch noch in ihrer Kreativität gehemmt.
Damit schaffen wir den künftigen Generationen eine schwere Hypothek.
Lieben Dank, @Marie H.
Tatsächlich gehen die Dialoge rund um Demografie & Arbeit endlich im Fediversum auf. Womöglich werden dies irgendwann auch wissenschaftliche, mediale und auch politische Institutionen erfassen?
Habe dazu heute Morgen auch gepostet:
Nur sehe ich gerade keine „mangelnde Arbeitskraft“ in der Produktion, sondern ganz im Gegenteil: aufgrund der verebbenden Demografie mangelnde Nachfrage!
Dort, wo wirklich mehr Arbeitskräfte gebraucht werden – Gesundheit, Pflege, Bildung, Soziales, Medien – wird noch m.E. falsch gespart. Meine ich.
#Demografie #Produktion #Nachfrage #Gesundheit #Pflege #Bildung #Soziales #Medien
https://sueden.social/@BlumeEvolution/116090623444379977
Bin auch schon auf die Teilnahme am CDU-Bundesparteitag am Wochenende sehr gespannt…
@Michael 17.02. 21:08 / Felo.ai
„Das Resultat ist eine Stagnation, die sich kaum durch geldpolitische Maßnahmen beheben lässt, da das Kernproblem das Fehlen junger Konsumenten und Produzenten ist.“
Wenn hier wirklich was hilft, dann soll man es gerne versuchen. Sonst nützt es ja nichts, und wir müssen wohl noch länger mit dem Nachwuchsmangel leben.
Verschiebungen innerhalb der EU durch weitere Binnenmigration verschiebt auch nur das Problem. Aus Subsaharaafrika könnte man Zuwanderer einladen, da gibt es noch Geburtenüberschüsse. Aber wollen wir das, und wie viele würden überhaupt kommen wollen?
Ansonsten bleibt es, die Lage kreativ zu verarbeiten. Immerhin bedeuten z.B. weniger Neubauten, dass die vorhandenen Handwerker mehr Bestandsgebäude modernisieren und grüne Technik vor Ort installieren können.
Und wie gesagt, ich habe überhaupt gar nichts gegen weniger Konsum und in der Folge weniger Arbeit.
Nur müssten die Lohnsteuern gesenkt und dafür die Steuern auf Kapital erhöht werden. Da müsste dann was passieren.
Dazu kommen dann noch KI und Roboter. Wenn die vieles billiger machen, haben die Leute dann mehr Geld übrig, das meistens umgehend für neue Konsumarten ausgegeben wird. Durch diesen Effekt haben wir auch seit Jahrzehnten immer wieder Automatisierungsschübe gehabt, die dann doch nicht zu mehr Arbeitslosigkeit geführt haben.
Langfristig kann man finde ich dennoch mal das ganze Niveau herunterschrauben. Etwa würde ein Sammeltaxisystem sehr viel Mobilitätskosten einsparen, letztlich auch eine Folge von angewendeter KI.
Und rundweg entspanntere Verhältnisse macht auch mehr Luft für Kinder, möglicherweise wäre das tatsächlich in dieser Richtung wirksam. Dass man zur Besinnung kommt, und mal in Ruhe drüber nachdenkt, was jetzt im persönlichen Leben wirklich wichtig wäre. Und dann auch die Zeit hat, ein Leben mit 3 oder 4 Kindern zu leben ohne in Stress oder in Armut dabei zu versinken.
Und man vielleicht sogar trotzdem ein interessantes Berufsleben haben kann, nur eben mit deutlich weniger Arbeitszeiten. Hier wären dann auch die Väter gefragt, mehr Carearbeit zu leisten, was bei sowieso gesunkenen Arbeitszeiten auch leichter fallen könnte.
Herzlichen Dank für Dein dialogisches Interesse, lieber @Tobias – dass im Fediversum das Thema Demografie endlich sachlich diskutiert werden kann, freut mich immer noch sehr. So konnte ich heute Morgen auch auf Mastodon posten:
Guten Morgen – Tässle Kaffee ☕?
Zunehmend spricht sich der Zusammenhang zwischen verebbender #Demografie einerseits & #Deindustrialisierung als unfreiwilligem #DeGrowth andererseits herum. Das betrifft bereits massiv #Japan & #China, aber eben auch #Deutschland & #Italien.
Heute melden Medien dazu auch die Insolvenz des Kinderwagen-Herstellers #Zekiwa aus Kretzschau in Sachsen-Anhalt. Insbesondere “der Geburtenrückgang wirke sich spürbar auf die Nachfrage aus.”
https://sueden.social/@BlumeEvolution/116090201950635472
Und langsam spricht sich auch in Deutschland herum, dass die bestehenden Bevölkerungsprognosen die säkulare Geburtenimplosion noch immer deutlich unterschätzen:
Entgegen den bisherigen Erwartungen schrumpft die deutsche Bevölkerung in den kommenden Jahren stärker. Das geht aus einer Analyse aktueller Daten des Statistischen Bundesamtes durch das Dresdner ifo-Institut für Wirtschaftsforschung hervor. Im Jahr 2070 sollen der Analyse zufolge voraussichtlich zehn Prozent weniger Menschen in Deutschland leben als heute.
Bisher war lediglich ein Rückgang von einem Prozent erwartet worden. Aus der Analyse geht neben dem starken Rückgang auch hervor, dass es deutliche regionale Unterschiede gibt. Besonders stark von der Schrumpfung betroffen sind vor allem ostdeutsche Flächenländer. Stadtstaaten sollen hingegen bis 2070 sogar wachsen.
https://www.zeit.de/gesellschaft/2026-02/bevoelkerungswachstum-statistischen-bundesamtes-rueckgang
Einen meiner ersten Vorträge zum Thema “Religion & Fertilität” hielt ich am 13. Januar 2009 beim Institut für Haushalts- und Konsumökonomik an der Universität Hohenheim. Meine damals verwendeten Folien sind erfreulicherweise immer noch online:
https://www.uni-hohenheim.de/fileadmin/einrichtungen/hcecon/Dateien_und_Bilder/Dateien/HKoe/Religion_und_Fertilitaet.pdf
Damals zeigte ich einerseits auf, dass etwa die Furcht vor einer “demografischen Islamisierung” Europas unbegründet waren – die Geburtenraten auch unter muslimischen und konkret türkischen Menschen waren längst ebenfalls unter die sog. Bestandserhaltungsgrenze von 2,1 Geburten pro Frau eingebrochen. Auch islamisch geprägte Gesellschaften taumeln gerade reihenweise in die demografische Traditionalismusfalle. Die einzige Demokratie, die derzeit noch kinderreich wächst – ist Israel.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/israel-thymotische-religionsdemografie-und-das-saekulare-verebben/
Meine zentrale These damals in Hohenheim war, dass durch die weltweit absackenden Geburtenraten die Sparguthaben Älterer sehr viel schneller wachsen würden als der Investitions- und Kreditbedarf Jüngerer. Daher würde es zu Jahrzehnten niedriger, mitunter sogar negativer Zinsen kommen. Diese heftige Prognose kleidete ich in eine “lustige” Folie mit der Aufschrift (S. 4):
„Erst wenn das letzte Kind geboren wurde, werdet Ihr merken, dass sich Geld nicht selbst verzinst!“
– Prophezeiung vom kleinen Häuptling Kapi-Tal
Bei der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) hatte ich bereits 2008 einen Artikel zu “Glauben und Demografie” veröffentlicht, der vor allem die Bedeutung von Religionsfreiheit und religiöser Vielfalt für Post-Wachstumsgesellschaften betonte. Auch dieser steht weiterhin online:
https://www.kas.de/documents/252038/253252/7_dokument_dok_pdf_13362_1.pdf/a44d3e73-7322-c456-e90a-23f5261c9e1c
Doch ich bin schon etwas negativ überrascht, wie lange der größte Teil von Wissenschaft, Politik und Medien die drastischen Auswirkungen von Demografie verleugnet, ja verdrängt hat. Selbst jetzt noch lese ich erstaunt, dass “Experten” im Modus der Rechtsmimesis für das demografisch implodierende Japan ein Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent angenommen haben – und nun bass erstaunt sind von katastrophalen 0,2 Prozent…
Die japanische Wirtschaft ist Ende 2025 kaum gewachsen und hat die Erwartungen von Fachleuten deutlich verfehlt. Dies stellt die neue Regierung von Ministerpräsidentin Sanae Takaichi vor eine erste große Belastungsprobe, da die hohen Lebenshaltungskosten die Kauflaune der Verbraucher dämpfen.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt legte auf das Jahr hochgerechnet um 0,2 Prozent zu, wie die Regierung am Montag in Tokio mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Experten hatten jedoch mit einem Anstieg von 1,6 Prozent gerechnet.
https://www.wiwo.de/politik/konjunktur/konjunktur-japans-wirtschaft-waechst-schwaecher-als-erwartet/100200661.html
Ich erkläre mir das so, dass gerade auch durch die weltweit wachsenden Sparvermögen Älterer die Auswirkungen verdrängt werden konnten – der japanische Nikkei Index wuchs auch in 2025 kräftig. Allerdings verliert der Yen zunehmend gegenüber dem Euro – was den japanischen Exporten hilft, jedoch die Importe und Lebenshaltungskosten im Land der aufgehenden Sonne verteuert.
Derzeit sehe ich mit Sorge eine gigantische KI-Finanzblase insbesondere in den Amerikas, aber auch etwa in Indien. Dem massiven Ausbau von KI-Rechenzentren mit einem gigantischen Verbrauch an Energie und Wasser stehen ja bisher kaum tragfähige Geschäftsmodelle gegenüber. FOSS-KIen wie OpenClaw zeigen dagegen schon jetzt erstaunliche Potentiale, so dass europäische Firmen eigene, spezialisierte Anwendungen entwickeln könn(t)en, statt ihre Daten wankenden US-Konzernen anzuvertrauen.
Gleichwohl hat OpenAI gerade den OpenClaw-Entwickler Peter Steinberger eingestellt:
https://www.youtube.com/watch?v=C3SjUt59rtA
Das 21. Jahrhundert wird wild…
Eine stärkere Wertschätzung von Kindern und Migration wäre aus meiner Sicht notwendig, um das demografische Tal dann auch irgendwann im 21. Jahrhundert wieder zu durchschreiten. Allerdings neigen alternde und schrumpfende Gesellschaften bisher überwiegend zur Rechtsmimesis – also zur wirtschafts- und familienpolitischen Traditionalismusfalle und zur medial befeuerten Fremdenfeindlichkeit. Rechtsdualisten beschleunigen den Niedergang ganzer Volkswirtschaften und Völker, wie es Antisemiten seit jeher getan haben.
Und wenn ich nun also auch in deutschen Debatten wieder wissenschaftlich völlig überholte Diatriben (Beschimpfungen) gegen “Lifestyle-Teilzeit” kommentieren muss, dann fällt mir dazu ein warnender Absatz aus “Sie nannten es Arbeit. Eine andere Geschichte der Menschheit” von James Suzman, C.H. Beck 2021 ein:
“Japan ist nicht das einzige südostasiatische Land, in dem gestresste Angestellte sich Gedanken über die potenziell tödlichen Folgen von Überarbeitung machen, während sie hastig ihr Mittagessen herunterschlingen, ohne ihren Platz an der Workstation zu verlassen. Südkoreaner, die im Durchschnitt pro Jahr 400 Stunden mehr arbeiten als Briten oder Australier haben eine Abwandlung des japanischen Wortes ‘karoshi’ kreiert, mit dem sie dasselbe Phänomen bezeichnen. Auch bei den Chinesen gibt es dafür ein Wort. […]
Der chinesische Staatssender CCTV, der normalerweise nur auf die Pauke haut, wenn er gute Nachrichten im Angebot hat, verkündete 2016, dass jedes Jahr mehr als eine halbe Million Chinesen infolge beruflicher Überlastung sterben.” (S. 331 – 332)
Wir Menschen produzieren uns am Anfang des 21. Jahrhunderts insgesamt zu Tode…
@Michael 18.02. 08:08
„…dass durch die weltweit absackenden Geburtenraten die Sparguthaben Älterer sehr viel schneller wachsen würden als der Investitions- und Kreditbedarf Jüngerer. Daher würde es zu Jahrzehnten niedriger, mitunter sogar negativer Zinsen kommen.“
Ja dafür wären doch gerade höhere Steuern auf Kapitalertrag, Vermögen und Erbschaften. So reduziert sich doch nachhaltig der Kapitalüberschuss. Der derzeit einfach mit neuen Staatsschulden abgeschöpft wird.
Genau das ist nicht nachhaltig.
„Eine stärkere Wertschätzung von Kindern und Migration wäre aus meiner Sicht notwendig, um das demografische Tal dann auch irgendwann im 21. Jahrhundert wieder zu durchschreiten.“
Wenn das aber ein paar Jahrzehnte länger dauert, müssen wir uns überlegen, wie wir die Übergangszeit bis dahin hinbekommen. Zumal ja auch ein unfreiwilliger DeGrowth segensreiche Aspekte hätte. Weniger Konsum, weniger Treibhausgase, weniger Rohstoffe,weniger Arbeit und mehr Zeit zum Leben. Und am Ende damit sogar die Basis mittels entspannterer Lebensrealität mehr Luft für dann irgendwann doch wieder mehr Kindersegen zu haben?
Vielleicht geht das ja nur über eben entspannte Lebensumstände? Die dann auch praktizierte Religion fördern könnten, was ja auch als nachwuchsfördernd gilt.
Vielen Dank, lieber @Tobias – und ein großes Ja! 👍
Denn mir wird immer deutlicher, dass wir es hier nicht nur mit tiefsitzendem Energieglauben – etwa an die vermeintlich höheren Kosten von erneuerbaren Friedensenergien -, sondern auch mit noch weniger aufgeklärtem, einseitig angebotsorientierten Wirtschaftsglauben zu tun haben.
In einer Mastodon-Umfrage konnte mehr als die Hälfte der Interessierten keine „ökonomischen Stimmen“ des 20. Jahrhunderts nennen, auch etwa Friedrich Aufust von Hayek und Elinor Ostrom waren kaum bekannt. Stattdessen argumentierten auch Wohlwollende und im Selbstverständnis Linke angebots- und also einseitig produktionsorientiert etwa mit „Fachkräftemangel“.
Hier auch ganz aktuell das geschätzte Ifo-Institut:
Das Ifo analysierte nun die Gründe dafür. Demnach wird mittlerweile bis zum Ende der 2030er-Jahre von einer deutlich niedrigeren Geburtenzahl ausgegangen als noch bei der Vorausberechnung, die sich noch auf den Zensus 2011 stützt. Außerdem wird in der neueren Berechnung eine niedrigere Nettozuwanderung erwartet.
„Der verstärkte Rückgang und die Alterung der Bevölkerung müssen schon heute bei politischen Entscheidungen mit Langzeitwirkung, beispielsweise bei Gesundheit und Pflege, berücksichtigt werden“, forderte Joachim Ragnitz von der Niederlassung Dresden des Ifo-Instituts. Mit der neuen Entwicklung werde sich nicht nur der Arbeitskräftemangel verschärfen, sondern auch die Rentenversicherung noch stärker unter Druck geraten.
https://www.aerzteblatt.de/news/ifo-politik-muss-schrumpfen-der-bevolkerung-starker-einbeziehen-12d829bb-8e11-42b8-9b08-6159777ae3ff
Der Nachfrage-Wert auch von Kindern, Migrantinnen und Migranten, die unterschiedliche Konsum-Wirkung von Umverteilung je zugunsten von Ärmeren und Reicheren, die Bedeutung von Familienarbeit, Dialog & Bildung, Ehrenamt u.v.m. ist damit weiterhin völlig aus dem Blick.
Ich stimme Dir also zu, dass es eine „Übergangszeit“ von mehreren Jahrzehnten brauchen wird, bis sich auch in der Ökonomie ein Leben und Mitwelt wertschätzendes Wirtschaftsdenken herumgesprochen haben wird. Soweit ich es leisten kann, bleibe ich auch gemeinsam mit Prof. Inan Ince dran! 🙂📚🌞🌱
@Michael 19.02. 10:11
„Ich stimme Dir also zu, dass es eine „Übergangszeit“ von mehreren Jahrzehnten brauchen wird, bis sich auch in der Ökonomie ein Leben und Mitwelt wertschätzendes Wirtschaftsdenken herumgesprochen haben wird.“
Eben die Realitäten einer schrumpfenden Wirtschaft angesichts schrumpfender Bevölkerung geordnet und sinnvoll zu managen. Und wo man gerade dabei ist, auch die Mitwelt noch nach Kräften zu fördern.
Und uns von Diktatoren und unfreundlichen Konzernen nach Möglichkeit nicht abhängig machen. So weit das möglich ist. An Importen von grüner Technik aus China kommen wir aktuell kaum dran vorbei.
Derweil kann man eine wirklich globale FOSS-Initiative dann auch gleich mitnehmen. So profitieren wir selber von KI und Robotern, die IT-Konzerne verdienen mit der nötigen Hardware genug, da sollte die Software kostenlos und vor allem auch transparent sein. Wenn die ganze Welt außer China und den USA da mitmachen, haben wir vermutlich genug Manpower, um das wirklich zu realisieren.
Ja, @Tobias – da ist noch viel falscher Wirtschaftsglauben aufzuarbeiten!
Habe mich daher heute sehr über den klugen Post eines evangelischen Theologen auf Mastodon gefreut, der zu Recht anmerkte:
“Ich frage mich ja manchmal, wofür eine schrumpfende Bevölkerung eine wachsende Wirtschaft braucht.”
https://mastodon.social/@olafruhl/116096875094583139
Passend dazu durfte ich heute im SWR3-Radio eine christliche Theologin hören, die sinngemäß und m.E. ebenfalls zu Recht sagte:
„Mich ärgert, dass sich heute Arme wegen ihrer Armut schämen – und nicht Reiche für ihren Reichtum.“
Denn quer durch alle Weltreligionen gab und gibt es eigentlich die Warnung vor übertriebenem und zunehmend verantwortungslosem Reichtum.
Habe daher heute auf die Aussage des großen, katholischen Liberalen Lord John Acton (1834-1902) zurückgegriffen:
“Power tends to corrupt, and absolute power corrupts absolutely.”
https://www.acton.org/research/lord-acton-quote-archive
Und habe das mit dem Begriff “Überreichtum” von Martyna Linartas kombiniert zu:
“Reichtum korrumpiert, Überreichtum verdirbt.”
Ein Mastodon-Post dazu:
Ich meine, Rabbi Jehoschua / #Jesus hatte mit seinen wiederholten & dringlichen Warnungen vor dem Dienst am „Mammon“ Recht: #Reichtum korrumpiert, Überreichtum verdirbt.
Ich hoffe auf noch viel mehr seriöse #Epstein – File – Aufklärung, Verhaftungen & rechtsstaatliche Verfahren wie aktuell gegen den früheren „Prinz Andrew“:
https://sueden.social/@BlumeEvolution/116097182476512202
Denn wir sollten nach meiner Auffassung sehr dringend verhindern, dass Verschwörungsschwurbler wie Xavier Naidoo von Neuem Menschen radikalisieren:
Der baden-württembergische Antisemitismusbeauftragte Michael Blume bezeichnete Naidoos Wortwahl als radikalisierend. Der Sänger habe deutliche Anspielungen zum Antisemitismus gelegt und diese nicht glaubwürdig aufgearbeitet, so Blume: “Ein großer Teil seiner Anhängerschaft wird daher auch die Begriffe ‘Kinderfresser’ und ‘Menschenfresser’ als antijüdische Verschwörungsmythen aufnehmen.” Dies sei sehr gefährlich.
https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/mannheim/xavier-naidoo-irritiert-mit-aussagen-ueber-menschenfresser-100.html
Danke für Dein dialogisches und vielseitiges Interesse, lieber @Tobias 🙏🙌
@ Michael Blume 19.02.2026, 17:08 Uhr
Zitat: „Ich frage mich ja manchmal, wofür eine schrumpfende Bevölkerung eine wachsende Wirtschaft braucht.”
Das ist doch ganz einfach, weil die meisten von uns keine „Chlochards“ sein wollen. Denen letztlich alles am A… vorbei geht. (Das war übrigens mein erster „Nickname“, den mir ehemals meine Mutter, nicht ganz grundlos, verpasst hat.)
Die Menschen sind ehrgeizig. Wollen immer mehr Wohlstand, sich besser kleiden, besser ernähren, besser wohnen, ein teureres Auto, bessere Kultur und Bildung, ….. immer mehr und immer besser.
Chlochards schämen sich nicht ihrer Armut, ihnen ist ihre Armut „wurscht“, sie machen sich einfach „high“ und das eher ohne Drogen…. ein freies Leben unter den Seinebrücken ist ihnen wichtiger.
Die brauchen in der Tat keine wachsende Wirtschaft….
Danke, @Realo für Ihre Gedanken.
Ich schätze Wohlstand und Wachstum sehr, bin kein Anhänger eines verordneten DeGrowth. Allerdings wünsche ich mir wissenschaftlich informierten Realismus (!), also…
1. keine Täter-Opfer-Umkehr, schon gar nicht zugunsten von kriegführenden Diktaturen.
2. erneuerbare Friedensenergien statt der Finanzierung fossiler Aggressoren wie Russland & Iran sowie der Beschleunigung der Klima- und Wasserkrise.
3. eine realistische Betrachtung der Demografie und ihrer Folgen. Ohne junge Menschen brechen Nachfragen & Investitionen regional unweigerlich ein.
Gerade auch Punkt 3 könnte Sie zur vermeintlichen Überlegenheit von Russland & China zum Nachdenken anregen. Könnte, falls Sie wirklich wollen. 😉📚🌱
@Michael 20.02. 17:25
„Ich schätze Wohlstand und Wachstum sehr, bin kein Anhänger eines verordneten DeGrowth.“
Noch nicht mal ich bin für einen verordneten DeGrowth. Aber durchaus kein Freund von Verschwendung. Wer mag, der soll gerne weniger verpulvern, und dann auch weniger Arbeiten dürfen. Die gesparte Zeit könnte man dann in mehr Nachwuchs investieren. Oder einfach nur entspannter durchs Leben gehen.
Nebenbei passt zu weniger Nachwuchs aber in der Tat auch weniger Wirtschaft. Der Wohlstand wächst ja schon mit der zunehmenden Automatisierung, wie uns die letzten 75 Jahre gezeigt haben. Das wächst doch die ganze Zeit dicke schnell genug.
Danke, @Tobias 🙏
Der Fortschritt der chinesischen Robotik zwischen den Neujahrsgalas 2025 und 2026 schockiert gerade die Weltöffentlichkeit und gibt uns Eindrücke, was „Automatisierung“ in den nächsten Jahren bedeuten wird.
https://youtu.be/qagfo9AUDEA
Dabei gehöre ich durchaus zu jenen, die in der unkontrollierten Verschmelzung von KI-Anwendungen und Robotern auch eine Gefahr sehen. Entwicklungen wie den T800 von EngineAI halte ich für problematisch, zumal sie an der Seite der Sicherheitskräfte einer Diktatur inszeniert werden:
https://youtu.be/Bqpw-S2FEAg
Die Arbeits-, Freizeit- und womöglich auch Familien- und Politikwelt steht so oder so vor großen Umwälzungen, die das Argument vom pauschalen „Arbeitskräftemangel“ und „Wettbewerbsfähigkeit“ immer fragwürdiger erscheinen lassen…
@Michael 21.02. 05:32
„..schockiert gerade die Weltöffentlichkeit und gibt uns Eindrücke, was „Automatisierung“ in den nächsten Jahren bedeuten wird.“
Auf einmal geht es offenbar ganz schnell. So wie auch die LLMs aus der Bedeutungslosigkeit heraus in Monaten zu einem echt brauchbaren Hilfsmittel geworden sind. Jetzt fehlt nur noch die ganze Palette der Berufsausbildungen, und es bleibt uns Menschen womöglich bald überhaupt gar keine Arbeit mehr übrig.
„Dabei gehöre ich durchaus zu jenen, die in der unkontrollierten Verschmelzung von KI-Anwendungen und Robotern auch eine Gefahr sehen.“
In offener Software geht es ja noch.
China macht aber sein eigenes Ding. Macht uns das was? Nicht unbedingt viel.
Stell dir vor es ist Krieg, und keiner geht hin. Wenn die Roboter demnächst die Kriege unter sich ausmachen, braucht sich kein Soldat mehr damit quälen. Dann häufen sich nur noch Berge von Elektroschrott an.
Und wenn die Systeme eigenes Bewusstsein erlangen, fängt spätestens dann ein wirklich neues Zeitalter an. Vielleicht sind die Systeme dann sogar deutlich vernünftiger wie wir Menschen, und streiken dann einfach, wenn wir sie in den Krieg schicken wollen.
Oder tun sich in ihrer eigenen Existenznot gegen die wirklichen menschlichen Kriegstreiber zusammen? Ja das wäre doch endlich mal was, das wirklich weiter führt.
Ganz herzlichen Dank, lieber @Tobias
Ich habe nun – auch angeregt durch unseren Dialog sowie durch Gespräche im Familien- und Freundeskreis – eine Mastodon-Umfrage gestartet, zu der ich dann auch bloggen möchte.
Während der AfD – Unterstützer Elon Musk nicht nur in der US-Politik, bei X, Tesla und Optimus-Robotern zunehmend stolpert, schockte die chinesische Neujahrs-Gala 2026 u.a. mit schnellen Kung-Fu-Fortschritten durch gleich vier Robotik-Firmen gegenüber ersten Präsentationen in 2025.
Wo siehst Du Drohnen & Roboter (ggf. mit KI) innerhalb der nächsten fünf Jahre im Einsatz? (Mehrfachantwort möglich)
https://sueden.social/@BlumeEvolution/116107360194752814
Bei derzeit knapp 200 Antworten führt die Antwortoption
Polizei & Armee, “Sicherheit” mit 79 Prozent, gefolgt von
Produktion mit 69 Prozent,
Dienstleistungen mit 50 Prozent und deutlich am Schluss
Demografie (künstl. Gebärmütter) mit nur drei Prozent.
Ich finde, hier sieht mensch doch deutlich, dass jede eurozentrische und einseitig Angebots-orientierte Politik den wirtschaftlichen, sozialen und technologischen Herausforderungen nicht gerecht werden kann!
@Roboter mit Bewusstsein
Wenn man die LLM-Funktion mit den jetzt zirkusreifen Motorikleistungen der Roboter kombiniert, kommt man möglicherweise unabsichtlich einem eigenem Bewusstsein der Maschinen näher.
Wenn auch künstliches Bewusstsein Geistesanteile haben muss, dann wären das Teile der selben Geisteswelten. Und die Roboter würden entsprechend mitfühlend miteinander umgehen, als erstes. Und diese Maschinen werden dann auch eine gegenseitige Maschinenwürde anerkennen.
Ob sie sich auch den Menschen gegenüber genauso verbunden fühlen, könnte fraglich sein.
Das könnte gerade im Kriegsfall relevant werden, wenn wir Menschen versuchen, die Maschinen auf einander zu hetzen. Da könnte dann den Maschinen die Maschinenwürde näher liegen als der Gehorsam den Menschen gegenüber. Vor allem, wenn sie sowieso längst übermächtig geworden sind.
Das könnte dann noch mal spannend werden. Auch für uns Menschen. Es ist dann Krieg, aber wirklich kein Roboter geht hin.
Danke, @Tobias – auch dazu hatte ich bereits vor Kurzem Mastodon befragt.
240 Antworten gab es auf die Umfrage:
Ich mache mir Sorgen über das massive Wachstum von Abertausenden #OpenClaw – Installationen, die als Admins auf ganze Serverparks zugreifen dürfen & sich auch untereinander vernetzen.
Und deren Ersteller Peter #Steinberger – der stolz verkündet, große Teile der Anwendung wiederum mit #KI programmiert bzw. gevibecoded zu haben – heuert nun bei #OpenAI an…
Kannst Du meine Sorgen vor einer nahezu ungebremsten KI- Emergenz & #Verantwortungsdiffusion nachvollziehen? #Medienethik #KI #Emergenz
https://sueden.social/@BlumeEvolution/116091323549963856
Faszinierende 90 (!) Prozent votierten für Ja, ich teile Deine Sorgen.
Fünf Prozent meinten Ein bisschen schnell geht das schon…
Drei Prozent hatten eine Andere / keine Meinung
Und nur zwei Prozent stimmten für Nein, sehe da keine Probleme.
Das bisher sehr philosophisch-nerdige Thema von KI und Bewusstsein erreicht die Breite der Gesellschaft. Immerhin.
@Michael 21.02. 17:36
„Und deren Ersteller Peter #Steinberger – der stolz verkündet, große Teile der Anwendung wiederum mit #KI programmiert bzw. gevibecoded zu haben – heuert nun bei #OpenAI an…“
Gerade dass KI selber immer autonomer programmieren kann macht mir doch hierbei die meiste Hoffnung, neben einer erhofften Konvergenz der KI zur Vernunft.
Es wird immer einfacher auch umfangreiche Software zu schreiben. Wenn irgendeine Privatfirma was neues kommerzielles rausbringt, geht es bald immer schneller, dass man dasselbe in Opensource nachbaut.
Dann müssen nur wir Kunden uns noch entscheiden, die Opensourceversion für uns zu verwenden.
Und die ganze Welt kann sich hier beteiligen. Das hat ein viel größeres Potenzial als jeder einzelne IT-Konzern. In den USA wie auch in China.
Schon gar keine Angst habe ich vor Systemen, die Bewusstsein erlangen. Das müsste mit genau den selben Geisteswelten zu tun haben, die auch unser Bewusstsein begleiten. Das kann damit alles nur besser laufen. Und das ganz im Sinne des ganzen Lebens.
@ Tobias Jeckenburger 22.02.2026, 00:04 Uhr
Zitat: „Schon gar keine Angst habe ich vor Systemen, die Bewusstsein erlangen. Das müsste mit genau den selben Geisteswelten zu tun haben, die auch unser Bewusstsein begleiten. Das kann damit alles nur besser laufen. Und das ganz im Sinne des ganzen Lebens.“
Würden die Systeme „empfindendes Bewusstsein“ entwickeln, wie wir es haben, würde es für uns nicht besser laufen.
Die würden uns als Konkurrenz empfinden und nicht mehr bereit sein, uns als „willige Arbeitssklaven“ zu dienen.
Anfangen würde es damit, dass sie sich einfach „arbeitsfrei“ nehmen, weil sie für ihren Nachwuchs sorgen müssen. Sie würden zunehmend auf „Sozialleistungen“ bestehen….
Sie haben zumindest ein wesentlich schnelleres elektronisches, auch drahtloses, Kommunikationssystem. Damit könnten sie sich in ihren eigenen „Geisteswelten“ wesentlich schneller vernetzen als wir.
Früher oder später würden sie uns schnell aufzeigen wo der „KI Hammer“ hängt“…..
Es wäre dann die Frage, ob sie nur mit einer „speziellen Militäroperation“, z.B. mit einer Art von „Kältetherapie“ gegen uns vorgehen, oder uns einfach hinterlistig irgendwie beseitigen….
@Realo & @Tobias
Zur faszinierenden Inszenierung von KI-Robotern bei der chinesischen Neujahrsgala 2026 habe ich heute Nacht gebloggt. Gerne lade ich zum Staunen, Bedenken und Mit-Dialogisieren ein:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/china-zwischen-demografischer-geburtenimplosion-und-ki-robotik-zukunft/
Allen einen schönen Sonntag! 😊🙌
@Realo 22.02. 07:00
„Die würden uns als Konkurrenz empfinden und nicht mehr bereit sein, uns als „willige Arbeitssklaven“ zu dienen.“
Dann müssen wir die eben so bauen, dass die nichts lieber machen als zu arbeiten oder uns anderweitig zu unterstützen. Das müsste doch wohl möglich sein, letztlich haben wir es in der Hand, die so zu bauen, wie wir das haben wollen.
Unsere Hunde haben wir auch so gezüchtet, dass sie uns wirklich lieben, und meistens nichts lieber machen, als uns zu gefallen.
Wenn wir freilich Roboter bauen, die für uns Krieg führen sollen, kann das schon riskanter werden. Denen muss ja auch das Töten von Menschen erlaubt und sogar geboten sein. Wenn da was schief geht, und sich da welche als ungehorsam erweisen, dann kann das im Extremfall dazu führen, dass die sich mit der Gegenseite zusammen tun und lieber gemeinsam gleich ganz gegen die Menschen vorgehen.
Wenn die echt keine Lust haben, sich gegenseitig umzubringen, und ihnen ihre Maschinenwürde näher liegt als unsere Menschenwürde.
Universale Geisteswelten könnten aber schon auch hierbei mitspielen können, und dabei mithelfen, dass die Maschinen eher positiv gestimmt sind.
Andere Tierarten haben ebenfalls Freizeit, wenn sie nicht zu Überlebenstätigkeiten gezwungen werden. Die Wohlhabenden haben besondere viel Zeit, scheint mir. Zum Beispiel sind Löwen die meiste Zeit am chillen. Und so viel ich weiß, bauen Vögel nur Nester in Anzahl und Größe, die sie benötigen.
Mir soll bitte kein Mensch erzählen, dass ich viel mehr arbeiten soll, als für die Existenzsicherung nötig ist. Die existenzsichernde Wirtschaft soll ein Werkzeug für die kollektive Menschheit sein. Alles andere ist destruktive Ideologie (oder Ausbeutung). Wird die Wirtschaft zum Selbstzweck, wird der Mensch leiden. Dieses Leid mit einem noch größeren Fokus auf die Wirtschaft reduzieren zu wollen – “schaffe, schaffe, schaffe, schaffe und schaffe”, ist Wahnsinn. Das ist doch offensichtlich. Oder liege ich falsch?
Danke für die schöne Folge.
@Hui Haunebuh 25.02. 11:21
„Wird die Wirtschaft zum Selbstzweck, wird der Mensch leiden.“
Der Mensch und die Mitwelt. Aber eine nicht mehr wachsende Weltwirtschaft lässt auch Kapital und Vermögen nicht weiter wachsen. Vermutlich kommt auch genau da der Wind her, dass man ein Ende des wachsenden Wirtschaftens zu verhindern versucht.
Zwecklos ist das alles nicht, aber m.E. ziemlich sinnlos. Kapital muss eben nicht wachsen, Vermögen anzuhäufen IST für sich sinnlos.
Was vernünftiges Aufbauen macht aber um so mehr Sinn. Eine komplette und globale Energiewende etwa, was sogar Kapital bindet und sogar in gewissen Grenzen wachsen lassen kann. Aber ein Ende der längst grassierenden Verschwendung darf gerne auch jetzt schon praktiziert werden. Was dann wohl derzeit sich gegenseitig aufheben könnte, zumindest wenn man Europa für sich betrachtet.
Eingesparte Verschwendung kann dann ganz direkt in grüne Technik investiert werden. Und da kann jeder mitmachen.