Blume & Ince 50: Digitale Gewalt & die Kultur japanischer Blutgruppen

Über den Jahreswechsel hatte ich auf den Aufruf “Blutspenden statt Böllern” sehr viele erfreuliche Rückmeldungen erhalten – und eine Freundin erzählte mir, dass in Japan die Blutgruppen eine Bedeutung hätten wie in Europa die Sternzeichen!

Ein roter DRK-Schal mit der weißen Aufschrift "Team Blutspende. Schenke Leben". Ein kleiner Anstecker verweist auf den 1. BSV 1951, also den ersten Blutspende-Verein in Deutschland, der 1951 aktiv wurde.

Ein DRK-Schal mit Aufschrift: Team Blutspende, Schenke Leben. Foto: Michael Blume

Dazu wollte ich selbstverständlich mehr wissen und fragte Prof. Dr. Inan Ince, der in Japan studiert hatte. Und Inan hatte wiederum Fragen zu digitaler Gewalt, wie meine Familie & ich sie ja leider seit Jahrzehnten und in steigender Frequenz erleben.

Hier also Folge 50 von “Blume & Ince”, von Inan stilecht in Japanisch eröffnet.

Und aus den Aufzeichnungen vom Prof habe ich mir ein paar Zeilen zu den Vorstellungen über Blutgruppen in Japan herausgenommen – die selbstverständlich ebenso wenig eine wissenschaftliche Basis haben wie die Sternbilder in Europa!

Die Blutgruppe A gilt in Japan als ernsthaft, kreativ und verantwortungsbewusst, aber auch als perfektionistisch und verkrampft.

Die Blutgruppe B gilt als leidenschaftlich, aktiv und kreativ, aber leider auch als egoistisch, unverantwortlich und unberechenbar.

Die Blutgruppe AB gilt als kontrolliert, rational und anpassungsfähig, aber auch als distanziert, kritisch und “zwei-gesichtig”.

Und die Blutgruppe 0 gilt als selbstbewusst, willensstark und intuitiv, aber auch als rücksichtslos, arrogant und kalt.

Zunächst dachte ich, dass dieses Blutgruppen-Mythen doch einfach eine nette Gedächtnisstütze für uns alle sein könnten. So erfuhr ich, dass japanische Dating-Apps bisweilen Felder für die Blutgruppen haben und Frauenzeitschriften bisweilen Blutgruppen-Horoskope drucken. Leider gibt es jedoch, wie ich nun dank Inan weiß, auch das Phänomen des “Buru-hara” (japanisch für Blood Type Harassment, Blutgruppen-Abwertung).

Mastodon-Post vom 30. Januar 2026 bei @BlumeEvolution@sueden.social zu Blume & Ince 50 : "Der @Teh_Doc_Inan & ich haben heute eine neue Folge von #BlumeundInce aufgenommen. Gewünscht hatte ich mir als Blutspender Infos über die kulturelle Bedeutung der Blutgruppen in Japan. Inan fragte - wegen leider wieder aktueller Angriffe - nach digitaler Gewalt. Und dann haut der BWL-Prof mal einfach eine Eröffnung in Japanisch raus! 🌞🎌 Enjoy! Blogpost folgt. #Japan #Kultur #Blutgruppen #Deutschland #DigitaleGewalt"

Mastodon-Post zur Folge 50 von Blume & Ince. Post & Screenshot: Michael Blume

Und ich finde: all dies ist wissens- und bedenkenswert! Danke für die starke Folge, lieber Inan!

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

33 Kommentare

  1. @podcast Nr. 50

    „Wenn man von allen Seiten angegriffen wird, dann weiß man, dass man in der Mitte ist.“

    Das mag wohl auch einen guten Teil des Schicksals der Juden betreffen? Die fallen ja nun auch mit vernünftiger Mitte seit Jahrtausenden auf. Insbesondere mit gelebter Religionsfreiheit.

    Ansonsten heißt es auch: Viel Feind, viel Ehr. Das könnte ein Trost sein.

    Sich vernünftige Gedanken machen, macht eben immer Sinn.

    Wenn sich die KI immer mehr und immer gründlicher in der Mitte der verfügbaren Vernunft bewegt, könnte das ein neues Zeitalter begründen? Die KI kann man auch gar nicht mehr persönlich angreifen, die ist nicht zu fassen, als eigentlich abstraktes Element.

    Wenn es sich denn etabliert, dass man die Stellungnahme der KI allgemein als Faktum anerkennt, kann das dann die Diskurse auf allen Ebenen sehr positiv beeinflussen. Im privaten Rahmen ist das bei mir längst so. Bei inhaltlichen Differenzen im RL gucken wir, was felo.ai dazu sagt, und das wird dann von allen akzeptiert.

    Beispielweise meinte eine Bekannte, dass die Pumpe von Waschmaschinen kaputtgehen kann, wenn man das Wasser ganz abgelassen hat und dann auf Abpumpen geht. Man muss dann vorher unbedingt einen Liter Wasser ins Waschpulverfach gießen. Das wollte jemand nicht glauben, und da haben wir eben felo.ai gefragt, und die sagte, dass das stimmt. Und damit war das dann unter uns geklärt.

    • Herzlichen Dank für den tiefen und klugen Kommentar, @Tobias – auf den ich daher gerne etwas ausführlicher einsteigen möchte.

      „Wenn man von allen Seiten angegriffen wird, dann weiß man, dass man in der Mitte ist.“

      Ja, so ist es leider. Dass ich wegen guter, dialogischer Beziehungen zu muslimischen, jüdischen, ezidischen und nichtreligiösen Menschen sowie für meine Mitgliedschaft in einer demokratischen Partei gehatet werde, hatte ich ja bereits erwähnt. Derzeit eskaliert aber auch eine kleine Gruppe auf Mastodon gegen mich, weil ich auch im Dialog mit der baden-württembergischen Anthroposophie stehe. Es ist wirklich verrückt, wie viele feindselige Dualisten auf jene losgehen, die seit Jahren für ein faires, freiheitliches und kritisch-konstruktives Miteinander einstehen…

      Das mag wohl auch einen guten Teil des Schicksals der Juden betreffen? Die fallen ja nun auch mit vernünftiger Mitte seit Jahrtausenden auf. Insbesondere mit gelebter Religionsfreiheit.

      Ja, das Judentum bildete die erste Religionsgemeinschaft der Alphabetisierung und brachte entsprechend nicht nur den biblischen Begriff, sondern vor allem auch die Idee der allgemeinen Bildung und Menschenwürde hervor. Es führte jedoch umgekehrt eben auch zum Bildungsneid, der die Judenfeindschaft bis heute mit Verschwörungsmythen verbindet. Auffällig ist zudem, dass Menschen jüdischer Herkunft immer wieder dann besonders angegriffen wurden, wenn sie sich etwa hatten taufen lassen (so in Spanien nach der Vertreibung aller Ungetauften ab 1495) oder aber religiös-liberal bis säkular in die Mehrheitsgesellschaft integrierten (so etwa im deutschen Kaiserreich und der Weimarer Republik).

      Ansonsten heißt es auch: Viel Feind, viel Ehr. Das könnte ein Trost sein.

      Ja, das ist so. Und umso mehr Zeit die Trolle und Hater auf mich verschwenden, umso eher lassen sie andere Menschen in Ruhe. Das freut und tröstet mich sehr.

      Sich vernünftige Gedanken machen, macht eben immer Sinn.

      Danke – das gilt freilich für alle, die an “Natur des Glaubens” mitbloggen! 🙂

      Wenn sich die KI immer mehr und immer gründlicher in der Mitte der verfügbaren Vernunft bewegt, könnte das ein neues Zeitalter begründen? Die KI kann man auch gar nicht mehr persönlich angreifen, die ist nicht zu fassen, als eigentlich abstraktes Element.

      Ich denke, wie bei jedem Medium kommt es darauf an, wer es kontrolliert.

      Leider haben wir gerade wieder einen sehr drastischen Fall in Minneapolis, Minnesota, USA:

      “Es ist soweit: Die US-Regierung #Trump verbreitete ein mit #KI verfälschtes Bild. Es zeigte die Bürgerrechtsanwältin & Pastorin Nekima Levy #Armstrong aus #Minneapolis bei ihrer Verhaftung mit dunklerer Haut & weinend, um Stereotype des #Rassismus & #Sexismus zu bedienen. Schaut selbst!

      Dieser klare Fall einer KI-generierten Verfälschung wird in die Geschichte der #Medien & des fossilen #Faschismus eingehen. Ein Interview mit der mutigen Bürgerrechtlerin:”

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/115985867648716882

      Zum Interview bei t-online:

      https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/usa/id_101106668/ki-manipulation-und-einschuechterung-trump-opfer-ueber-us-faschismus-.html

      Wenn es sich denn etabliert, dass man die Stellungnahme der KI allgemein als Faktum anerkennt, kann das dann die Diskurse auf allen Ebenen sehr positiv beeinflussen. Im privaten Rahmen ist das bei mir längst so. Bei inhaltlichen Differenzen im RL gucken wir, was felo.ai dazu sagt, und das wird dann von allen akzeptiert.

      Ja, hier sehe auch ich ein großes Potential – wenn es uns gelingt, vertrauenswürdige und also dezentrale, europäische FOSS-KIen zu entwickeln. Dagegen hat es z.B. bei Grok ja bereits mehrere Manipulationsversuche gegeben, bis hin zum sog. Grokipedia.

      Beispielweise meinte eine Bekannte, dass die Pumpe von Waschmaschinen kaputtgehen kann, wenn man das Wasser ganz abgelassen hat und dann auf Abpumpen geht. Man muss dann vorher unbedingt einen Liter Wasser ins Waschpulverfach gießen. Das wollte jemand nicht glauben, und da haben wir eben felo.ai gefragt, und die sagte, dass das stimmt. Und damit war das dann unter uns geklärt.

      Danke & ja – ich hatte ja schon darauf hingewiesen, dass der Absatz an Ratgeber-Büchern bereits zurückgeht. Auch ich erlebe, dass KI-Anwendungen sehr schnell zu einem Teil unseres Alltags werden. Auch deswegen ist mir die Qualität von KI-Anwendungen so wichtig.

      Hierzu felo.ai korrekt! 🙂

      Dr. Michael Blume warnt vor der Entstehung von KI-AGI-Konzernmonopolen aus den USA und China und plädiert für ein europäisches Fediversum[1]. Seine Argumentation für dezentrale Free and Open Source Software (FOSS) basierte KI-Systeme lässt sich aus mehreren Perspektiven verstehen:

      ### Abhängigkeit und digitale Souveränität

      Aus den verfügbaren Informationen wird deutlich, dass Blume die **Abhängigkeit Europas von US-amerikanischer Konzernsoftware** als problematisch ansieht[5]. Diese Sorge teilen mittlerweile viele weitere Profis, denen längst klar ist, dass Europa sich nicht weiter von monopolistischen Tech-Konzernen abhängig machen sollte[5]. Dezentrale FOSS-KI-Systeme würden Europa ermöglichen, technologische Souveränität zurückzugewinnen und eigene Standards zu setzen.

      ### Demokratische Kontrolle und Transparenz

      Die Betonung des **Fediversums** – eines dezentralen, föderalen Netzwerks – deutet auf Blumes Präferenz für demokratisch kontrollierbare Strukturen hin[1]. Im Gegensatz zu proprietären KI-Systemen großer Konzerne, deren Algorithmen und Entscheidungsprozesse intransparent bleiben, ermöglichen FOSS-Systeme:

      – **Transparenz** durch offenen Quellcode
      – **Gemeinschaftliche Kontrolle** statt Konzerninteressen
      – **Anpassbarkeit** an lokale und kulturelle Bedürfnisse

      ### Schutz vor digitalen Blasen und KI-Kokons

      Blume thematisiert ausführlich die Gefahren von **digitalen Blasen** und **KI-Kokons**[5]. Diese mimetischen Wirkungen – bei denen Menschen in algorithmisch kuratierten Filterblasen gefangen werden – gehören für immer mehr junge Menschen zum Alltag[5]. Konzern-KI-Monopole verstärken diese Problematik, da sie:

      – Nutzer in personalisierten Echokammern isolieren
      – Durch **parasoziale Beziehungslügen** Bindungen vortäuschen[5]
      – Gemeinsame öffentliche Diskursräume fragmentieren

      Dezentrale FOSS-Systeme könnten diesem Trend entgegenwirken, indem sie Nutzern mehr Kontrolle über ihre Informationsumgebung geben und alternative Algorithmen ermöglichen.

      ### Medienbildung und kritische Reflexion

      Blume betont **Medienbildung** als Schlüsselfach[5]. Der **dialogische Wagenheber-Lerneffekt** – ein Konzept, das er in seiner Lehre einsetzt – ermöglicht kritische Auseinandersetzung mit KI-Technologien[5]. FOSS-KI-Systeme unterstützen diesen Bildungsansatz besser als proprietäre Systeme, da sie:

      – Einblick in Funktionsweisen ermöglichen
      – Experimentieren und Lernen fördern
      – Kritisches Hinterfragen statt passive Nutzung begünstigen

      ### Resilienz gegen autoritäre Strukturen

      Blumes Warnung vor KI-Monopolen aus den USA und China[1] reflektiert auch seine Sorge vor autoritären Entwicklungen. Zentralisierte KI-Macht kann:

      – Überwachung und Kontrolle erleichtern
      – Meinungsvielfalt einschränken
      – Demokratische Prozesse untergraben

      Ein dezentrales, europäisches Fediversum mit FOSS-KI würde dagegen **Resilienz** durch Diversität schaffen – ein Prinzip, das auch in der Governance komplexer adaptiver Systeme zentral ist[6].

      ### Fazit

      Dr. Michael Blumes Betonung dezentraler FOSS-KI gegenüber Konzern-KI-Monopolen wurzelt in seinem Verständnis von digitaler Souveränität, demokratischer Kontrolle und der Notwendigkeit, Europa vor den Gefahren algorithmischer Manipulation und technologischer Abhängigkeit zu schützen. Seine Position verbindet technologische, politische und bildungstheoretische Überlegungen zu einem kohärenten Plädoyer für ein offenes, dezentrales und gemeinwohlorientiertes digitales Ökosystem.

      [1] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/ki-atomkraft-wohin-wendet-sich-europa/
      [2] https://dspace.mit.edu/bitstream/handle/1721.1/69100/Gibbons%20ARE.pdf?sequence=1&isAllowed=y
      [3] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-verbotslust-gegen-neue-medien-die-ki-fussabdruck-falle/
      [4] https://muse.jhu.edu/book/60822/pdf?pvk=book-60822-c4fb8937252cca446a0d9204b39f6141
      [5] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/durch-mimesis-medien-verstehen-ki-zwischen-biedermeier-kreativitaet/
      [6] https://www.researchgate.net/publication/228159108_The_Resilience_Principles_A_Framework_for_New_ICT_Governance
      [7] https://academic.oup.com/book/32512/chapter/270144122
      [8] https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0921344923002306
      [9] https://www.science.gov/topicpages/m/maximum+entropy+principle
      [10] https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/bitstream/handle/10900/48073/pdf/wsi-98-8.pdf?sequence=1&isAllowed=y
      [11] https://www.researchgate.net/publication/366046324_Open_Public_Data_Medienkompetenz_und_die_Resilienz_der_Gemeinschaft_vor_Ort
      [12] https://library.oapen.org/bitstream/handle/20.500.12657/22512/1007644.pdf?sequence=1&isAllowed=y
      [13] https://www.journals.uchicago.edu/doi/abs/10.1086/261849
      [14] https://hv.hansevalley.de/p/hansemobility.html

  2. @Michael 31.01. 19:37

    „Ein dezentrales, europäisches Fediversum mit FOSS-KI würde dagegen **Resilienz** durch Diversität schaffen….“

    Und wieder will ich darauf hinweisen, das FOSS ein globales Projekt sein kann. Kostenlos kann man alles miteinander teilen, und natürlich auch den Einblick haben, wie es konkret funktioniert und was es am Ende macht.

    Wenn wir in Europa da echt vorwärts kommen, wird das vermutlich in der ganzen Welt aufgegriffen, genutzt und weiterentwickelt. Und kann dann sogar wesentlich verbessert zu uns zurückkommen. Auch Linux ist in Europa entstanden, und wurde dann als Ubuntu in Afrika weiterentwickelt. Mein Linux hier basiert auf Ubuntu und kommt mit einem Uralt-PC zurecht, auf dem schon seit etlichen Jahren kein Windows mehr laufen würde.

    Installation und Pflege sind schnell gemacht, und fast alles, was man so an Anwendungen braucht, gibt es auch als FOSS, und das kann man alles ruck zuck runterladen und installieren. Funktioniert aber nicht immer alles auf Anhieb, manchmal muss man basteln.

    Da habe ich nicht nur die Windowskosten gespart, sondern auch einen neuen Computer. Was natürlich arme Menschen ganz wesentlich gebrauchen können. Und mich freut es auch, wenn ich Kosten einsparen kann.

    Auch die meisten US-Bürger dürften FOSS begrüßen und nutzen. Nur die Chinesen und manche andere Autokratien wohl eher nicht. Es sei denn, da sieht man, dass es wirklich einfach viel besser funktioniert, und trotzdem noch hinreichend kontrolliert werden kann.

    Weiterentwicklung von KI und bald auch universell einsetzbare humanoide Roboter sind sehr universal, und alle Softwarelösungen in diesem Bereich entsprechend sehr vorteilhaft auf FOSS zu implementieren. Einmal für alle entwickelt, breit weiterzuentwickeln und anzupassen, und eben weis dann auch der Kunde, was er da wirklich hat.

    Letztlich ist die Offenheit des Quellcodes eine ganze Welt, die uns mit kommerzieller Software nie geboten werden kann.

  3. Inan & ich verdienen ja am Pod- und Videocast “Blume & Ince” keinen Cent, sondern tragen alle Zeit- und Geldkosten selbst.

    Umso mehr freue ich mich über Posts wie jenen von heute Morgen auf Mastodon:

    In der aktuellen Podcast-Folge “Blume & Ince” mit @BlumeEvolution geht es am Anfang um digitalen Hass. #digitalhate Ich musste echt schlucken, dass Michael Blume sogar hier im #fediverse mittlerweile so angegangen wurde, dass er sein Jahre langes “Tässle Kaffee” nicht mehr ausgibt. Genau wegen solcher Anfeindungen, die mir auch passiert sind, bin ich anonym unterwegs. Lasst uns doch hier bitte respektvoll miteinander umgehen. Das kann doch nicht so schwer sein.
    #hateaid #hatespeech #respekt

    https://social.anoxinon.de/@finnsend/115994755893910517

    Möchte einfach alle, die kostenfreien Content im Netz genießen, auch mal zu Rückmeldungen und Lob an die Erstellenden motivieren. Denn ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es sehr schmerzt, wenn sich nur die Lauten und Hater äußern…

  4. Japan ist’ne Sekte – wenn sie nicht die totale Herrschaft haben kann, zieht sie sich zurück und schottet sich ab, deswegen konnten auch diese Amish nur überleben und aufblühen, weil sie dem Amerikanischen Imperium dienen mussten.

    Solange sie genug Ressourcen und ein sicheres Grundstück hatte wie die Briten oder Schweizer, konnte sie in ihrem Waco ihre eigenen Macken pflegen und so eine faszinierende Kultur entwickeln, aber der zum Überleben notwendige Ressourcenbedarf eines Staates ist dann so hoch geworden, dass sie, frei nach Adolf Trump, shoppen gehen mussten. Sobald sie die Hiroshima-Pille temporär von ihrer radikalen „Der Kunde ist König“-Schnäppchenjagd kuriert hatte, hatten sie eine kurze Phase des Erfolges durch Verkauf von Hightech und Kultur, die heute aber daran scheitert, dass andere mehr Fabriken, mehr Labore und mehr Kohle haben, um Filme zu drehen und ihre Kultur zu verscherbeln.

    Mit anderen Worten, als Teil des Imperiums enden sie lokal wie das Imperium global. China ist eine Sekte, die von sich aus genug Ressourcen hat, die Welt aufzukaufen, die USA werden zur Sekte, die genug Waffen hat, sie zu erobern, Europäer zerfallen zu Sekten, die genug Macht und Ressourcen haben, sich in Mönchsklöstern einzumauern, zu hungern und zu ihren Nationalgöttern zu beten, und sich beim Eunuchen-Konzil in Brüssel kraft- und kinderlos um den Einzig Waren Glauben zu streiten. Unser Sekten-Guru ist immer noch ein zahnloser Opa, lebt im Zölibat und muss Kinder adoptieren, und die müssen dann aufpassen, dass sie ihre Kinderzimmertür nachts abschließen, wenn das Ganze funktionieren soll. Hat den Vorteil, dass das Ganze stirbt, wenn es sich nicht nach Außen öffnet, und dieses Spannungsfeld zwischen den Extremen von Toleranz und Abschottung ist es, was Europas Erfolg ausmacht, da unsere Identität und Religion stets in Fluss ist, und somit nie so erstarren kann, wie in China oder Japan, sodass es für uns keine Erlösung von der Suche gibt, kein Ziel der Reise außer dem nächsten Rastplatz hinterm Horizont.

    Eine Sekte wird im Innern dadurch bestimmt, dass gesellschaftliche Regeln in Stein gemeißelt sind und damit in der Wahrnehmung mit den Naturgesetzen und der Landschaft verschmelzen. Da sich Status in hohem Maße vererbt und hoher Status auch ohne Eigenleistung zu größeren Erfolgen führt, ist es selbstverständlich, dass sie die Ursachen dafür im Blut sehen und nicht in der Struktur der Gesellschaft und der Umwelt, in der sie leben. Die Ursachen auf die Biologie zu schieben, hilft ihnen, die bestehende Ordnung nicht zu hinterfragen – diese Ordnung versklavt sie zwar, aber sie sind so überspezialisiert, dass sie außerhalb gar nicht überleben können.

    Solche Systeme werden gern autoritär, weil sie sich selbst rein mechanisch regeln und die Sektenführer deswegen nicht viel denken und nicht viel tüfteln müssen. Sie sind Maschinen des Schicksals, die ihr Schicksal selbst aufrechterhalten, die Menschen machen von Kind auf die Erfahrung, dass sie einerseits versklavt, andererseits beschützt werden, sie suchen ihr Heil in totaler Unterwerfung unter das Schicksal. Weil aber das Schicksal nur in geringem Maße von menschengemachten Regeln und Sektenführern bestimmt wird, werden sie abergläubisch und versuchen ständig, den Willen der Götter zu beeinflussen, die über den Sektenführern stehen, kriechen vor ihnen und versuchen, deren Willen und deren Regeln zu erraten.

    Naturgesetze sind überall auf der Welt Gott, deswegen ist die Menschheit überall eine Sekte. Nur wollen die Regengötter, die uns mit Wolkenbrüchen plagen, nicht, dass wir Jungfrauen in Vulkane schmeißen, sie wollen, dass wir uns Regenschirme basteln. Jungfrauenopfer sind Drückebergerei und Ketzerei, und werden von den Göttern mit sofortiger Jungfrauenknappheit gestraft. Genauso ist es mit Drückebergern, die ihr Schicksal durch Gesundbeten lenken wollen, die es leugnen und sich selbst für Gott halten, die sich in blinde Schicksalsgläubigkeit flüchten oder es beschwören, wo keins ist, wie es die Rassisten tun, indem sie sich auf Gene berufen.

    Der japanische Glauben an Blutgruppen und der Hass, den Sie erfahren – es hängt zusammen. Die Sekten schotten sich ab, beschwören aus Angst falsche Götter und machen sich aus Größenwahn zu deren Zuhältern, und hetzen die Inquisition auf jeden, der gegen die Regeln verstößt. Den Japanern reicht gewöhnlicher Rassismus nicht, sie erfinden auch noch ein eigenes Kastensystem, und zwingen die Menschen, aus ihrem Blut ein Stigma zu machen, das sie in eine bestimmte Kaste einweist. Auch Europäern reicht es ja nicht, weiß zu sein, wir müssen auch noch die Nationen und sozialen Schichten und Geschlechter und Ethnien in Sekten unterteilen, die wir in Kasten und Gettos pferchen.

    Wenn Sie sich die Juden anschauen – sie haben viele kleine Jerusalems, Gettos, Sekten, Klöster überall auf der Welt, in denen sie ihre eigene Kultur in einer analo-autoritären Form pflegen, aber drum herum eine Schale mit Übergangsformen, Hybriden, in denen sie sich mit der Umgebung vermischen und somit einen Puffer zur lokalen Leitkultur haben – anders als es die zahnlosen Möchtegern-Jim-Jonese und -Uriellas Deutschlands haben wollen, ist das immer eine synkretistische Mischkultur, in der Multikulti-Einflüsse aller möglichen Sekten zusammenfließen. Solange das Machtgleichgewicht zwischen ihnen gewahrt bleibt, solange die Leitkultur verhindert, dass die Sekten einander auffressen, ist sie der Speck, der all die Maden nährt – aber auch von ihnen genährt wird.

    Katholiken, Muslime, Buddhisten – sie alle machen das so, und so können sie in fremden Ländern überleben. Japan kann die Welt mit Träumen von Ninjas, Samurai und Tempeln erobern, das ist die Macht des Kerns: Die Soft Power, die Licht und Wärme bringt, solange das Feuer im Ofen bleibt. Doch die Japaner bleiben entweder in ihrer Sekte gefangen, die nicht mehr die Macht hat, sich selbst zu erneuern, und werden so zu Amish, die heute vor den Amis, morgen vor den Chinesen den Kotau machen müssen, und nur auf den nächsten Fanatiker auf dem Thron warten, der sie mit Pogromen und Internierungslagern hetzen wird. Oder sie gehen hinaus und passen sich an – sie vermischen sich mit fremden Kulturen und erschaffen lokale Varianten, Japano-Italiener oder Japano-Papuas. Und diese lokalen Setzlinge haben dann die Wahl, ob und wie sehr sie sich mit dem Vatikan in Japan verbünden fühlen, oder ob sie sich eigene Päpste suchen und eigene Wege gehen.

    In Europa ist das Gleichgewicht gestört. Wir haben 30 Päpste ohne Kirchen, denn aus den Gläubigen sind entweder selbstgefällige Bischöfe geworden oder Inquisitoren, während andere resigniert die Baumwolle pflücken, ohne Glauben oder Hoffnung, in den Tag hinein leben und sich nach der Ketzerei sehnen, die sie erlöst. Wie bei allen Religionen, lebt Gott nicht von Versprechen allein – er muss abliefern. Wunder gegen Glauben, Brot gegen Seelen.

    Wenn Ihr Götze Sie mit seinen Versprechen aufzufressen beginnt, schlachten Sie ihn, holen sich die Ersatzteile heraus, die Sie noch gebrauchen können, und basteln Sie sich einen neuen. Wir sind Demiurgen, die Götzen bauen, die wir nicht anbeten dürfen, denn auch sie können den Willen Gottes nur so gut erfüllen, wie wir sie machen. Und dazu müssen sie den Einklang finden zwischen seinem Willen und unserem. Und unsere Gebete und Rituale sind nur dazu da, uns daran zu erinnern, kein Ersatz.

    Auch in China oder Japan muss der Kaiser den Kopf hinhalten, wenn die Götter ihr Missfallen zeigen, durch Stürme der andere Katastrophen. Der Boss ist für seine Abteilung verantwortlich, seine Macht kommt daher, dass er für alle anderen einsteht. In diesem Punkt sind sich demokratische und autoritäre Systeme gleich – Macht ohne Verantwortung, Verantwortung ohne Macht, beschwören den Zorn der Götter herauf.

    Und ich – suche die Religion, die uns erlöst. Blutgruppen der Japaner oder anderen Rassisten, die barbarischen Stammesgötter der Nationalisten, Börsen-Horoskope, der finstere Mittelalter-Feudalismus von Merz und Co, Gottkaiser Nero-Kaligula in Washington, Charlie Manson in Moskau, Schweinchen Babe Jesus ewig ungeboren in der Beijing-Krippe, all die Islamisten, Radikalen, Techno-Milliardärs-Sekten, all das funktioniert nach dem Prinzip Adolf: Kastriere alle, dann herrscht du als Windei. All das ist was für Menschen, die sich von ihrer Menschenwürde vergewaltigt fühlen und sie standrechtlich erschießen, um sich ungestört und stolz im eigenen Dreck suhlen zu können. Weltreligion Dschungelcamp mit all ihren Klöstern, Sekten, Hybriden und Varianten.

    Kenn ich alles. War schon alles da. Aber auch die Lösungen waren schon immer da.

    • Meine Güte, @Paul S. – merken Sie wirklich nicht, wie arrogant Sie gegenüber anderen Kulturen und generell Menschen herumschwurbeln? Weder Japan noch China sind “Sekten”, sondern es sind große und bedeutende Völker und Kulturen, von denen auch wir vieles lernen können! Klar ist aufgrund der schwerer zu lernenden Schriftsprachen meist weniger Integration erfolgt als etwa in den früh alphabetisierten Kulturen – doch dies sollte m.E. kein Grund für eine Abwertung und schon gar nicht für eurozentrischen Rassismus sein! Inan und ich werden auch in Zukunft kritisch, aber vor allem offen und ehrlich interessiert über die Staaten, Kulturen, Völker, Religionen dieser Welt sprechen.

      Dabei konnte ich doch erst heute Morgen gute Solarpunk-News auch aus Asien vermelden!

      Als #Solarpunk bedrückt mich immer wieder engstirniger #Nationalismus & gieriger #Fossilismus , die den längst globalen #Solarboom nicht wahrhaben wollen:

      „In Indien kamen 35 Gigawatt von Solarkraftwerken und 6 Gigawatt durch Windräder hinzu, in China mehr als 300 Gigawatt Solar- und 100 Gigawatt Windenergie. Zum Vergleich: In Deutschland wurden 2025 Solaranlagen mit insgesamt 17 Gigawatt und Windkraftanlagen mit 5 Gigawatt neu gebaut.“ #Indien #China #Deutschland

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/115994293356776197

      Und nicht nur Wissenschaft, auch Fantasie hilft gegen Arroganz, @Paul S. So konnte ich nach den heftigen Anwürfen anonymer Accounts auf Mastodon die schmerzhaften Erfahrungen der letzten Wochen mit Linksdualismus gestern auch als Spielleiter in einer Session von “Dungeons & Dragons” verarbeiten. Meine Spielergruppe begegnete einer elfischen “Heldengruppe” aus rechtschaffend guten Charakteren. Diese hatten durchaus edle Ziele, hielten sich selbst jedoch für so erhaben, dass sie sich etwa als “Onorair, das erste Licht” und “Tamiree, die Gerechte” vorstellten und voller Verachtung auf die ethnische und religiöse Vielfalt der Spielenden (u.a. mit einer Zwergin und einem Leonin und nur einem Elfen) herabsahen. Wir hatten riesig Spaß und danach war mir auch deutlich leichter ums Herz… 🤓🌞

  5. @Michael 01.02. 07:31

    „Im Hinblick auf die säkulare Geburtenimplosion und den bereits (spätestens) 2017 überschrittenen Peak Child-Gipfel sehe ich die großen, wirtschaftspolitischen Probleme des 21. Jahrhunderts ohnehin vor allem auf der Nachfrageseite.“

    Aber das ist doch nicht nur ein Problem, sondern auch eine riesengroße Chance.

    Zur einbrechenden Nachfrage kommt dann noch immer mehr beschleunigte Produktivität durch KI und Roboter dazu. Wir müssen dann weltweit weniger Arbeiten, und könnten gleichzeitig gucken, dass die Wirtschaft in den jetzt noch armen Ländern auch in Gang kommt.

    Und weniger Arbeiten könnte auch möglicherweise die einzige Möglichkeit sein, die Geburtenzahlen wirklich wieder auf ein vernünftiges Maß anzuheben. Immerhin sind Kinder die Zukunft, und nicht nur Nachfrage- und Produktiv-Masse.

    Gerade die FOSS-Initiative wirkt auf KI und Roboter so, dass hier weniger von den Konzernen Gewinn damit gemacht wird, und die dann steigende Produktivität der gesamten Menschheit zugute kommen kann.

    Eine KI-gestützte weltweite Bildungsoffensive wird weiterhelfen. Vielleicht nicht nur, dass das Leben auch in den jetzt noch armen Ländern besser florieren kann, sondern dass auch immer mehr Menschen sich mehr mit sich selbst und mit ihren Kindern beschäftigen können.

    So kommen wir dann auch mit weltweit sinkenden Arbeitszeiten immer besser zurecht.

    • Ja, @Tobias – so sehe ich das auch. Wenn die Geburtenexplosion im 21. Jahrhundert weiterginge, gäbe es noch weniger Chancen, als Menschheit die Klima- und Wasserkrise zu überleben. Stattdessen dürfen wir – nach meiner Einschätzung – wohl schon in den 2030er Jahren mit einem realen, globalen Bevölkerungsrückgang rechnen. Hans Rosling hatte Recht: Die UN-Daten sind ja leider auf Regierungsangaben angewiesen und also viel zu hoch. Peak Child findet längst und viel schneller als in allen Prognosen statt. Mittelfristig ist eine wirklich gute Solarpunk-Zukunft auch für unsere Kinder und Enkel denkbar.

      Und zum schnellen Wachstum der erneuerbaren Friedens- und Wohlstandsenergien in Asien, Afrika und Lateinamerika habe ich hier auch ein YouTube-Short eingestellt:

      https://www.youtube.com/shorts/jMbyqvYQf0U

      Selbstverständlich stammte gleich der erste, wütende Kommentar dazu wieder von einem verzweifelten Fossilisten! 🤓🙌🌞

  6. Das Thema “Digitale Gewalt” geht unter die Haut!

    Beim Zuhören erinnerte ich mich an die Zeit des RAF-Terrors in der BRD. Die Morde an Jürgen Ponto (1923-1977), Vorstandssprecher der Dresdner Bank, und Siegfried Buback (1920-1977), Generalbundesanwalt oder auch die Entführung von Peter Lorenz (1922-1987), CDU LV Berlin, führte dazu, dass eine große Zahl von Vorstandsvorsitzenden von Unternehmen, Geschäftsführer/Präsidenten von Verbänden etc. Polizeischutz benötigten. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kam 1990 der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, bei einem Attentat auf seine Limousine ums Leben.

    Dieser Schutz betraf auch die Familien. Es gab zwar damals keine digitale Gewalt, aber ich denke die Belastungen waren in etwa gleich.

    Ich möchte auch daran erinnern, dass eine – in den 70er Jahren als sog. Boulevardblatt bekannte Zeitung mit vier Großbuchstaben – damals schon durch eine sehr fragwürdige Art der Berichterstattung vielen Menschen massiv das Leben schwer gemacht hat. Es waren Prominente, aber auch ganz Unbekannte, über die irgendwelche Lügen täglich publiziert wurden.

    Besonders schwere Auswirkungen hatten die reißerischen Artikel im Fall des Schauspielers Raimund Harmstorf, der daraufhin den Suizid wählte. Im Wikipedia-Artikel über den Schauspieler finden sich die näheren Details.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Raimund_Harmstorf

    Warum haben wir hinsichtlich der digitalen Gewalt eigentlich nichts aus den Erfahrungen der 1970er und 80er im Umgang mit den Gefahren des RAF-Terrors gelernt? Das gilt in ähnlicher Form für die Folgen, die mit der “besonderen” Form von Journalismus der B… verbunden waren (und sind).

    2012 gab es eine Untersuchung der Machenschaften von Rupert Murdoch, die unter dem Titel “Leveson Inquiry” in die Geschichte des Journalismus eingegangen ist. Zu denen, die im Rahmen dieser Untersuchung befragt wurden, gehörte auch der ehemalige FIA (Fédération Internationale de l’Automobile) Präsident Max Mosley (1940-2021), über den die News of the World einen Artikel veröffentlichte, der auch für die Familie nur schwer erträglich gewesen sein muss. Ich erwähne gerade auch dieses Beispiel, weil Max Mosley in Deutschland den Axel-Springer-Verlag auf Schadenersatz wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte durch die Berichterstattung in BILD und BILD online verklagte. Beide Seiten verständigten sich auf eine außergerichtliche Einigung.

    Ich meine, es wurde also seit vielen Jahren eine Atmosphäre geschaffen, durch welche die von Ihnen, Herr Dr. Blume, geschilderten Auswüchse eine Basis erhielten, die sich seit Jahren in den sozialen Medien immer stärker ausprägt. Gerade auch die Berichterstattung über die Äußerungen von MP Daniel Günther in der Sendung “Lanz” sowie die Reaktionen auf Social Media – übrigens auch von Politikern in wichtigen Ämtern – sind doch ein weiteres Beispiel, dass Besonnenheit, eine eingehende Prüfung des wahren Sachverhalts gar nicht mehr stattfinden, bevor man sich auf Social Media kritisch über Andere äußert. Viele Mitmenschen können sich daher anscheinend nicht mehr vorstellen, dass es auch noch Leute in der Mitte gibt, die radikalen Positionen nicht geneigt sind.

    Ich missbillige jeden Angriff durch Extremisten auf Leute, die auf Ausgleich bedacht sind und zu denen ich Sie, Herr Dr. Blume, auf jeden Fall zähle.

    Wir erwarten von unseren Politikern Perfektion. Aber: Nobody is perfect.

    Wie sehen die Mitglieder einer Partei diese selbst? Welche Zukunftsvorstellungen haben sie? Mehr als früher sind auch die Ansichten innerhalb einer Partei vielfältiger. Interne Diskussionen und manchmal auch Auseinandersetzungen werden schnell mit dem negativ konnotierten Begriff “Streit” bezeichnet. Der Tenor ist dann: Wenn die sich nicht einmal in der eigenen Partei einig sind, wie wollen die dann Deutschland regieren? Das Ergebnis dieser jahrelangen medialen Dauerschleife besteht heute darin, dass vermeintlich Einigkeit hergestellt werden kann, wenn die Parteidisziplin durchgesetzt wird und man nach außen Einigkeit beweist oder vorgaukelt. Die Meinungsfreiheit kommt da leicht unter die Räder. Aber immer mehr Wähler stellen ihr Harmoniebedürfnis über die Freiheit aller.

    Wenn nun Angriffe von links und von rechts auf die in der Mitte stehenden Leute kommen, so ist dies m.E. auch ein Ausdruck dafür, dass sich sowohl die eine wie die andere Seite in irgendeiner Form als “Getriebene” empfinden. Die Inhalte, um die man sich angeblich streitet, rücken in den Hintergrund. Unsere demokratischen Parteien konnten sich bisher nicht einmal dazu aufraffen, unsere Demokratie gemeinsam gegen die zu verteidigen, die sie augenscheinlich zerstören wollen. Mit dem heutigen politischen Personal wird die Demontage unserer Demokratie weitergehen. Fürchte ich. Und damit wird auch überall dort, wo diskutiert wird – online oder im realen Leben – die Lage noch schlimmer werden. Vor allem für die Vertreter der Mitte.

    Danke für die interessanten Infos über Japan. Die Geschichte der Charakterisierung der Blutgruppen ist demnach noch gar nicht so alt, wurde von einem Wissenschaftler erarbeitet und ist halb ernst, halb unterhaltsam. So lange das Ganze nicht allzu ernst genommen wird und anderen schadet, soll jeder nach seiner Fasson selig werden.

  7. @Michael 01.02. 15:11

    „Und zum schnellen Wachstum der erneuerbaren Friedens- und Wohlstandsenergien in Asien, Afrika und Lateinamerika…“

    Je näher am Äquator, desto mehr Solarertrag bringen dieselben PV-Module. Und dann ist das auch noch gleichmäßig über das Jahr verteilt, und man hat keine winterliche Heizung zu bestreiten, und muss also dafür keinen teuren Wasserstoff produzieren und für die Dunkelflauten der nächsten Heizsaison speichern.

    Man kann dann aber schon Klimaanlagen gut gebrauchen, wenn man es sich denn leisten kann, und die laufen vor allem dann, wenn die Sonne am meisten knallt und der Solarertrag auch sein Maximum hat.

    Eigentlich braucht man nur Kurzfristspeicher für die Nacht, ansonsten fallen Ertrag und Bedarf recht überwiegend von selber zusammen. Sogar die Stromnetze wären trotz Vollversorgung deutlich weniger umfangreich als bei uns, weil die Produktions- und Verbrauchsorte sehr nah bei einander liegen.

    Das bedeutet, dass erneuerbare Energie in den südlicheren Ländern mindestens 3 mal billiger sein kann als bei uns in Mitteleuropa. Das dürfte den meisten jetzt noch armen Ländern helfen, wesentlich produktiver zu werden und wohlstandsmäßig aufzuholen.

    Und die KI kann den Menschen sagen, wie sie es konkret machen können.

    Und mit dem Ende von Öl und Gas wandeln sich vielleicht sogar einige der fossilen Diktaturen zu besseren Verhältnissen. Man hat dann eben eigenen sehr billigen Strom, den man vor allem selber nutzen kann, um alles Mögliche zu produzieren und davon dann sehr viel besser zu leben, als das jetzt möglich ist.

  8. @Marie H. 01.02. 18:12

    „Das “Basteln” können bei Software/Programmierung nicht alle. Ich zumindest kann es nicht.“

    Kommt drauf an was man braucht. Wenn man nur ins Internet geht und einfache Texte schreiben oder Bilder verwalten will, kann man Linuxmint einfach als Livesystem nutzen. Einfach die DVD einlegen und Neustarten, und schon kann man damit arbeiten. Das hat eine Freundin von mir sogar mit einem Rechner mit kaputter Festplatte hinbekommen. Die musste dann nur alles gleich auf USB-Stick speichern, was so angefallen ist.

    Vielleicht kennen sie ja jemanden, der Linux installieren kann und auch speziellere Anwendungen runterladen kann? So schwierig ist das alles nicht. Das müsste in ein oder zwei Stunden erledigt sein.

    Für Hardwareprobleme habe ich auch einen Kumpel, der mir für kleines Geld hilft. Da komme ich selber auch nicht mit klar.

  9. Hallo @Michael und @Inan,

    danke für diese sehr inhaltsreiche Folge!

    Was das Thema digitaler Hass – oder digitale Übergriffigkeit – betrifft, so habe ich vor wenigen Tagen erlebt, wie Du, @Michael, auf Mastodon angegangen wurdest (Du hast es ja dann mitbekommen). Von Hass kann man hier noch nicht sprechen, unschön fand ich es aber dennoch. Es ging um das Thema Anthroposophie. Ich fand den Ausgangs-Post zwar unakzeptabel verkürzt (worauf ich ja geantwortet und mich beschwert habe), aber das war nicht das, was mich so verstört hat. Vielmehr sprang eine Vielzahl von Usern auf den Zug auf und äußerte in der Folge (als hätte jemand eine Tür aufgestoßen) alles Mögliche über Dich, ohne Dich zu taggen oder Dir die Möglichkeit zu geben, selbst Stellung zu nehmen.

    Das hat mich sehr verstört. Und zwar weniger aus inhaltlichen Gründen (außer dass Deine Perspektive zur Anthroposophie total verkürzt und damit verfälscht wiedergegeben wurde), sondern aufgrund des Umgangs und Stils. Wenn es jemanden gibt, der sich auf die Komplexität unterschiedlicher Perspektiven einlässt, dann bist Du das, @Michael. Und dann ist es frustrierend zu sehen, wie sich viele auf Dich stürzen und Dich behandeln, als müsstest Du der Welt die Gedankengänge von Friedrich Merz erklären oder Dich von irgendetwas distanzieren, nur weil Du in der CDU, Christ, Wissenschaftler (…) bist. Ich verstehe es nicht. Du hast es selbst gesagt: Selbst während des Holocaust-Gedenktages kommen Leute auf keine bessere Idee, als Dir gegenüber übergriffig zu sein.

    Das ist genau das, was Ihr in der Folge so treffend formuliert habt: In der Mitte ist es mitunter am Ungemütlichsten. Ich kann total verstehen, dass es Dir irgendwann genug ist, auch wenn ich es schade finde, wenn Du erst einmal kein Tässle Kaffee mehr auf Mastodon ausgibst. Ich möchte denjenigen, die meinen, sich an Dir im Fediversum abarbeiten zu müssen, zurufen: „Danke für nichts.“

    Das finde ich umso trauriger, weil Du, @Michael, im Fediversum m.E. zu einer sehr kleinen Gruppe von Menschen gehörst, die folgende Kombination verkörpern: Eine Person der Öffentlichkeit zu sein und gleichzeitig wirklich im Sinne eines Dialogs zu kommunizieren. Diese Kombination ist äußerst selten. Ich bin seit etwa drei Jahren intensiv im Fediversum unterwegs und mir fallen maximal eine Handvoll Menschen ein, auf die das zutrifft. Die meisten Mastodon-User, die gleichzeitig Personen der Öffentlichkeit sind und viele Follower haben, nutzen das Fediversum, um Informationen in eine Richtung zu kommunizieren. Das ist an sich ok, und es sind dann durchaus gute Infos, von denen ich profitiere. Das ist auch ein Grund, warum ich das Fediversum schätze: Wenn man guten Informanten folgt, wird man schlauer. Aber es ist schade, dass die meisten Personen der Öffentlichkeit, die (lobenswerterweise!) auf Mastodon unterwegs sind, auch nicht mehr sind als das: Gute Informanten. Da geht dann nicht mehr im Sinne eines Dialoges. Man bekommt von ihnen praktisch nie eine Antwort. Für weniger „erfolgreiche“ User wie mich ist es frustrierend, dass man so nie in einen Dialog kommt. Auch ist es unendlich schwierig, mit eigenen Themen dort weiter zu kommen, wenn man von denen, die eine größere Reichweite haben, praktisch nicht gesehen wird. Wie gesagt, Du bist hier eine absolute Ausnahme. Und zu der mir bekannten winzigen Gruppe von öffentlichen Personen auf Mastodon, die dort aktiv den Dialog leben, gehört übrigens auch der Mensch, mit dem Du den jüngsten Verschwörungsfragen-Podcast aufgenommen hast – der Dank geht hiermit raus an @Jörg Müller! 🙂

    Wenn jetzt begonnen wird, sich gerade an denen abzuarbeiten, die sich nicht bequem in eine bestimmte Perspektive zurückziehen und die die Mühe auf sich nehmen, den Dialog zu suchen, finde ich das mehr als frustrierend. Das ist ein Grund für mich, weiterhin in mich zu gehen und zu überlegen, inwieweit Mastodon noch der Ort ist, an dem ich bleiben will. Ich weiß es noch nicht.

    • Herzlichen Dank, lieber @Peter – sowohl für Dein Interesse wie auch für Deine dialogischen Beiträge zu diesem Blog! 🙏

      Gerne nehme ich mir daher die Zeit, etwas ausführlicher auf Deine Beobachtungen und Fragen einzugehen.

      Du schriebst:

      Was das Thema digitaler Hass – oder digitale Übergriffigkeit – betrifft, so habe ich vor wenigen Tagen erlebt, wie Du, @Michael, auf Mastodon angegangen wurdest (Du hast es ja dann mitbekommen). Von Hass kann man hier noch nicht sprechen, unschön fand ich es aber dennoch. Es ging um das Thema Anthroposophie. Ich fand den Ausgangs-Post zwar unakzeptabel verkürzt (worauf ich ja geantwortet und mich beschwert habe), aber das war nicht das, was mich so verstört hat. Vielmehr sprang eine Vielzahl von Usern auf den Zug auf und äußerte in der Folge (als hätte jemand eine Tür aufgestoßen) alles Mögliche über Dich, ohne Dich zu taggen oder Dir die Möglichkeit zu geben, selbst Stellung zu nehmen.

      Vielen Dank – und, ja, das ist leider längst mein Alltag. Es begann als junger Ehemann einer Muslimin und CDU-Gemeinderat mit feindseligen Dualisten, die den Islam hass(t)en. Dann kamen Antitheisten (Dualismus gegen religiöse Menschen) und Kreationisten (Dualismus gegen die Evolutionstheorie), Antisemiten, Antidemokraten, Antideutsche, Ezidenfeinde, Ableisten und, ja, sogar Gegner der Anthroposophie hinzu. Manche “folgen” mir über Jahre und über verschiedene Medien wie X, Blogs, Mastodon und kommen in unterschiedlicher Frequenz (von täglich bis zu alle paar Wochen) wieder. Ich habe dieses Phänomen bereits als Empörungssucht beschrieben:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/empoerungssucht-nach-dem-x-odus-trolle-scheitern-an-den-mastodon-instanzen/

      Für diese Menschen bin ich ein Symbol für ihr jeweiliges Feindbild geworden – gerade weil ich mich um fairen Dialog und Brückenbau dort bemühe, wo sie dies nicht haben wollen. Und darauf können sie sich dann auch immer mal wieder in kleineren oder größeren Schwärmen überwiegend anonymer Accounts einigen. Angegriffen werden dabei wiederum auch Leute, die mit mir in Verbindung gesehen werden – weswegen ich Dein Eingreifen als sehr mutig empfinde.

      Bitte verstehe aber, dass es die Empörungssüchtigen und Hater gar nicht beruhigen würde, wenn ich mich ihnen gegenüber erklären würde. Es würde sie nur noch mehr triggern und zu weiteren, noch abstruseren Anwürfen führen. Viele dieser Menschen sind leider sozial und beruflich nicht sehr erfolgreich und haben sich in einer negativen Mimesis verlaufen: Umso mehr und öfter sie Personen des öffentlichen Lebens haten, umso mehr schaden sie sich auch selbst. Und umso schlechter es ihnen selbst geht, umso mehr haten sie.

      Das hat mich sehr verstört. Und zwar weniger aus inhaltlichen Gründen (außer dass Deine Perspektive zur Anthroposophie total verkürzt und damit verfälscht wiedergegeben wurde), sondern aufgrund des Umgangs und Stils. Wenn es jemanden gibt, der sich auf die Komplexität unterschiedlicher Perspektiven einlässt, dann bist Du das, @Michael. Und dann ist es frustrierend zu sehen, wie sich viele auf Dich stürzen und Dich behandeln, als müsstest Du der Welt die Gedankengänge von Friedrich Merz erklären oder Dich von irgendetwas distanzieren, nur weil Du in der CDU, Christ, Wissenschaftler (…) bist. Ich verstehe es nicht. Du hast es selbst gesagt: Selbst während des Holocaust-Gedenktages kommen Leute auf keine bessere Idee, als Dir gegenüber übergriffig zu sein.

      Danke – und nach meiner Erfahrung sind die Angriffe an Wochenenden, Gedenk- und Feiertagen sogar immer wieder besonders heftig. Einerseits geht es den Angreifenden wohl darum, ihre jeweiligen Ziele möglichst emotional und privat zu treffen. Und andererseits haben sie selbst auch vielleicht etwas mehr Zeit und sind emotionalisiert. Insofern enthielt mein vorerst letztes “Tässle Kaffee” ja auch bereits eine Warnung – wobei ich da noch nicht ahnte, wie krass es 2026 wirklich werden würde:

      Guten Morgen – Tässle Kaffee ☕️?

      So beginne ich seit Langem fast jeden Morgen auf #Mastodon. Und eigentlich mag ich es hier. Aber in letzter Zeit gab es auch in Threads gegen Antisemitismus & Ableismus immer wieder Anwürfe & Derailing durch gleichzeitig mehrere anonyme Accounts. Und nicht nur gegen mich. 👇

      Heute ist der 27. Januar, der Gedenktag zur Befreiung von #Auschwitz – und ich merke schon, dass ich auch dazu wieder weitere Attacken erwarte. Das macht mich traurig & nachdenklich.

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/115963923070603205

      Tja – und so kam es dann auch, bis hin zu Meldungen und Löschungen. Ich muss sogar damit rechnen, dass einige – diesmal v.a. linke Dualisten – weiterhin versuchen werden, mich komplett aus Mastodon zu verdrängen.

      Das ist genau das, was Ihr in der Folge so treffend formuliert habt: In der Mitte ist es mitunter am Ungemütlichsten. Ich kann total verstehen, dass es Dir irgendwann genug ist, auch wenn ich es schade finde, wenn Du erst einmal kein Tässle Kaffee mehr auf Mastodon ausgibst. Ich möchte denjenigen, die meinen, sich an Dir im Fediversum abarbeiten zu müssen, zurufen: „Danke für nichts.“

      Vielen Dank & vielleicht können ja drei Gedanken meinerseits dazu hilfreich sein:

      1. Feindselige Dualist:innen sind meist selbst sehr unglücklich und also auf der Suche nach Leuten, auf die sie ihre Empörungssucht externalisieren können.
      2. Umso mehr sie sich an mir abarbeiten, umso weniger Zeit bleibt ihnen, anderen Menschen nachzustellen.
      3. Mit jedem neuen Medium ging auch eine Zeit des Missbrauchs einher, bis Gesellschaften durch Kultur und Recht dagegen vorzugehen lernten.

      Ich kann also die digitalen Nachstellungen nicht beenden, nicht einmal durch einen Rückzug. Aber ich kann dem Ganzen einen Sinn geben und Mitmenschen sowie spätere Generationen damit in Schutz nehmen. Auch wenn es sich wie blanker Hass und Anomie anfühlen mag, so können wir daraus doch Gutes bilden.

      Das finde ich umso trauriger, weil Du, @Michael, im Fediversum m.E. zu einer sehr kleinen Gruppe von Menschen gehörst, die folgende Kombination verkörpern: Eine Person der Öffentlichkeit zu sein und gleichzeitig wirklich im Sinne eines Dialogs zu kommunizieren. Diese Kombination ist äußerst selten. Ich bin seit etwa drei Jahren intensiv im Fediversum unterwegs und mir fallen maximal eine Handvoll Menschen ein, auf die das zutrifft. Die meisten Mastodon-User, die gleichzeitig Personen der Öffentlichkeit sind und viele Follower haben, nutzen das Fediversum, um Informationen in eine Richtung zu kommunizieren. Das ist an sich ok, und es sind dann durchaus gute Infos, von denen ich profitiere. Das ist auch ein Grund, warum ich das Fediversum schätze: Wenn man guten Informanten folgt, wird man schlauer. Aber es ist schade, dass die meisten Personen der Öffentlichkeit, die (lobenswerterweise!) auf Mastodon unterwegs sind, auch nicht mehr sind als das: Gute Informanten. Da geht dann nicht mehr im Sinne eines Dialoges. Man bekommt von ihnen praktisch nie eine Antwort. Für weniger „erfolgreiche“ User wie mich ist es frustrierend, dass man so nie in einen Dialog kommt. Auch ist es unendlich schwierig, mit eigenen Themen dort weiter zu kommen, wenn man von denen, die eine größere Reichweite haben, praktisch nicht gesehen wird. Wie gesagt, Du bist hier eine absolute Ausnahme. Und zu der mir bekannten winzigen Gruppe von öffentlichen Personen auf Mastodon, die dort aktiv den Dialog leben, gehört übrigens auch der Mensch, mit dem Du den jüngsten Verschwörungsfragen-Podcast aufgenommen hast – der Dank geht hiermit raus an @Jörg Müller! 🙂

      Herzlichen Dank auch dafür, lieber @Peter – und umgekehrt gehörst Du zu der kleinen Gruppe von dialogischen Menschen, die ich durch das Netz und dann auch im RL kennen und lernen schätzen durfte! 🌞

      Aus meiner Sicht ist es nicht verwunderlich, dass der Anteil der dialogischen Monist:innen in jeder Gesellschaft klein ist. Die echte Suche nach Wahrheit im Dialog, das Hintanstellen auch der eigenen Ego-Ansprüche und Inszenierungen für Erkenntnisse, die Zeit, auch andere zu lesen, ihnen zu antworten, sie zu reposten – das wird, so fürchte ich, noch lange eine Angelegenheit sehr weniger sein. Aber es ist Bildung im besten, auch biblischen Sinne – und haben nicht alle großen Bewegungen mal als kleine Minderheiten begonnen? Menschen wie Du, Elisabeth K., Marie H., Tobias Jeckenburger, Jörg Müller u.v.m. sind zwar in der Kommunikation leiser, aber für mich sehr viel bedeutender als Hunderte anonymer Brüll-Accounts.

      So habe ich gestern an die verstorbene Rita Süssmuth erinnert, die ich auch persönlich kennenlernen durfte und die mir viel bedeutet:

      Rita #Süssmuth ist verstorben.😥

      Ich hatte die Ehre, diese große Frau, Christin & Demokratin auch persönlich kennen zu lernen. Sie ist eines meiner größten Vorbilder & war ein Grund, Mitglied in der #CDU zu werden. Denn sie lebte vor, dass die Christdemokratische Partei nie nur “konservativ” war und sein durfte. Wo es um Gleichberechtigung & Menschenwürde geht, hat keine Christin & hat kein Christ das Recht, still zu bleiben!

      RIP #RitaSüssmuth . Sie bleiben wirksam.🙏✝️

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/115995918172071140

      Schon über 150 Mastodon-Accounts haben diese Erinnerung geliked, knapp 80 gar repostet. Viele schreiben ihre eigenen, guten Gedanken dazu, die ich dann auch gerne reposte. Einigen gelingt es auch dabei nicht, auf Seitenhiebe an die heutige Bundes-CDU zu verzichten. Und sehr wenige werden gleich wieder feindselig, etwa so:

      warum sind sie immer noch in der CDU? Christlich sind sie längst nicht mehr.

      https://mastodon.social/@vomkinel/115996754495522393

      Bitte beachte die feine Ironie, dass hier gar nicht mehr erkennbar ist, was genau der Account mir vorwerfen möchte. War ihm Rita Süssmuth in Fragen der Abtreibung zu liberal – und lehnt er mein Gedenken an sie deshalb ab? Oder fordert er umgekehrt mehr Progressivität, als es die heutige CDU biete? Geht es vielleicht darum, dass sich nach seiner Auffassung Christen grundsätzlich nicht in der demokratischen Politik engagieren sollten? Oder hat er ein Problem damit, dass sowohl die erste Bundestagspräsidentin, die erste Bundeskanzlerin und auch die erste EU-Kommissionspräsidentin jeweils Christdemokratinnen waren? Oder handelt es sich gar nur um eine sog. Sockenpuppe – also einen pseudonymen Mehrfach-Account, der nur zu Zwecken des Angreifens und Derailings angelegt wurde?

      Ich weiß es nicht, antworte dann meistens einmal freundlich und lasse es aber bei weiterem Nachsetzen. Warum sollte ich meine knappe Zeit an feindselige Accounts vergeuden, diese damit doch nur weiter anstacheln und die Aufmerksamkeit nicht eher dialogischen Monisten wie Dir schenken? Ich möchte ja positives, dialogisches Verhalten befördern, nicht Empörungssucht und feindseligen Dualismus.

      Wenn jetzt begonnen wird, sich gerade an denen abzuarbeiten, die sich nicht bequem in eine bestimmte Perspektive zurückziehen und die die Mühe auf sich nehmen, den Dialog zu suchen, finde ich das mehr als frustrierend. Das ist ein Grund für mich, weiterhin in mich zu gehen und zu überlegen, inwieweit Mastodon noch der Ort ist, an dem ich bleiben will. Ich weiß es noch nicht.

      Das kann ich sehr gut verstehen und muss ja auch selbst Grenzen ziehen. Das “Tässle Kaffee” habe ich derzeit eingestellt und mich trotz Einladung erst einmal dagegen entschieden, auf Loops aktiv zu werden. Denn auch dort wäre ich mit Klarnamen aktiv und würde auch dort wieder weiteren, digitalen Anwürfen ausgesetzt. Und auch mein Tag hat nur 24 Stunden.

      Wisse, dass ich mich auf Mastodon, aber besonders auch hier auf dem Blog weiterhin sehr über Deine Beiträge freue. Sie sind dialogisch und also bedeutungsvoll. Und gleichzeitig respektiere ich, dass ich auch von Dir nicht mehr erwarten darf, als Dir zeitlich und emotional gerade ins echte, analoge Leben passen. Denn das Internet sollte uns dialogisch aufwärts helfen – und nicht emotional herunterziehen.

      Dir, lieber @Peter, von Herzen Dank für Dein großes Herz und Engagement und auch für diesen Kommentar! 🙏🙌

  10. Sie erinnern sich, dass ich seit geraumer Zeit nach “Anspruch und Aufwand’ analysiere. Zur Interpreation gehört die Relevanz.
    Scilog und gerade Ihr blog sind relevant!
    Sie sind relevant! Etwas Relativismus gegenüber Irrelevanten darf dann trotz dialogischem Monismus schon sein. 😉

    • Vielen herzlichen Dank, @Mussi 🙏

      Da ich in diesem Jahr – so Gott will – auf die 50 zugehe, mache ich mir über die eigene Relevanz keine allzu großen Illusionen. Jeder Mensch ist nur ein kleines und kurzlebiges Partikel im unfassbar großen, kosmischen Zeitstrahl.

      Aber wenn die Themen und Erkenntnisse, die wir auch hier dialogisch füreinander und miteinander erschließen, ein wenig weiterwirken – dann bin ich damit doch schon sehr glücklich und zufrieden. So habe ich die kleine Hoffnung, noch zu erleben, dass die noch angebotsorientierten Wirtschaftsdiskussionen in naher Zukunft die Bedeutung von Demografie und Nachfrage erkennen werden.

      Ihnen von Herzen Dank und ich freue mich auf weitere Dialoge! 🙌

  11. @Michael 02.02. 18:36

    „Jeder Mensch ist nur ein kleines und kurzlebiges Partikel im unfassbar großen, kosmischen Zeitstrahl.“

    Wir haben hier generell einen Mikrokulturprozess, an dem wirklich jeder beteiligt ist. Dem kann man sich nicht einmal entziehen, wenn man es denn wollte. Auch die Amish spielen mit, ob sie wollen oder nicht.

    Womit man sich aktiv mehr verbindet, ist aber auch ein wesentlicher Teil des eigenen persönlichen Lebens. Und hier und da mal produktiv zu sein, das kann man wagen.

    Den Spruch finde ich grundlegend: Ich will nicht länger Teil des Problems sein, sondern werde lieber ein Teil der Lösung.

    Und leben wir doch inmitten von höchst aktiven Geisteswelten, so könnte das auch die Aussichten in den irdischen Niederungen durchaus beeinflussen. Verbindung und die damit mögliche Zusammenarbeit wird so potentiell umso weitreichender.

    „…dass die noch angebotsorientierten Wirtschaftsdiskussionen in naher Zukunft die Bedeutung von Demografie und Nachfrage erkennen werden.“

    Wir müssen weniger arbeiten, wenn wir mehr Kinder haben wollen. Und wenn dann Steuereinnahmen fehlen, dann muss man eben Kapitalertrag, Vermögen und Erbschaften mehr besteuern. Bis wir wieder hinreichend Kinder haben. Und von mir aus auch darüber hinaus.

    Mit jeder bisherigen technischen Revolution dachte man erst, es wird uns die Arbeit knapp, aber immer hat man dann doch neue Märkte erschlossen. Was eigentlich wenig wundert: Wird der gewohnte Konsum billiger, haben die Leute Geld über, und die allermeisten geben das sogleich für was Neues aus.

    Ob das jetzt mit KI und universellen humanoiden Robotern auch passiert, bleibt dennoch abzuwarten. Insbesondere wenn das auch noch größtenteils in FOSS implementiert wird.

    Es könnte sich auch eine echte Sättigung im Konsumverhalten ergeben, und immer mehr Menschen wollen lieber weniger Arbeiten. Sollte das tatsächlich passieren, werden wir vermutlich gleich wieder mehr Kinder haben. Die anfängliche Schrumpfung durch Konsumstagnation wandelt sich dann sogleich in mehr Nachfrage aufgrund des Kinderzuwachses.

    Überhaupt ist FOSS und dessen Produktion weniger kommerziell, sondern eher Kulturarbeit. Die überaus Förderungswürdig wäre, aber dann eben auch kein normales Erwerbsmodell wäre. Und hier kann wirklich die ganze Welt fleißig dran mitarbeiten.

    • Vielen Dank, lieber @Tobias, für das dialogische Anknüpfen an meinen Partikel-Zeitstrahl-Satz! 🙏

      “Wir haben hier generell einen Mikrokulturprozess, an dem wirklich jeder beteiligt ist. Dem kann man sich nicht einmal entziehen, wenn man es denn wollte. Auch die Amish spielen mit, ob sie wollen oder nicht.“

      Ja, das ist so: Wenn der Zeitstrahl unseres Universums emergent und linear ist, dann ist jeder Moment und also auch jedes Lebewesen, jeder Mensch einzigartig und unwiederholbar. Unser Einfluss auf die Geschichte ist damit gleichzeitig unfassbar klein und unfassbar groß.

      Das ist eine Folge aus der Erkenntnis: Zeit emergiert, aber wiederholt sich nicht.

      “Wir müssen weniger arbeiten, wenn wir mehr Kinder haben wollen.“

      Als engagierter Vater von drei Kindern erlaube ich mir den Hinweis: Kinder machen enorm viel Arbeit. Doch diese wurde über Jahrhunderte hinweg entwertet und unsichtbar gemacht.

      Im Fossilismus – der den fossil befeuerten Kapitalismus wie auch den fossilen Kommunismus umfasst – wurde die überwiegend weibliche Sorgearbeit (Care – Arbeit) an Kindern und Angehörigen unsichtbar gemacht und zur persönlichen Freizeit umgedeutet. Bezahlte Erwerbsarbeit fand dagegen außerhalb des Hauses, etwa in Fabriken, Schulen, Pflegeheimen statt. Die dadurch sinkenden Geburtenraten wurden und werden angesichts malthusianischer Mythen über eine angebliche „Überbevölkerung“ immer noch begrüßt.

      Doch mit den beiden Medien(r)evolutionen der Digitalisierung und KI tritt ein mächtiger, dritter Zeitfresser in das menschliche Leben ein: das Smartphone. Es zertrümmert und saugt unsere Aufmerksamkeit, zerbläst unsere Zeitkontingente und Gemeinschaften und befeuert eine Hyperindividualisierung samt Auflösung von Familien und Religionsgemeinschaften.

      Die säkulare Geburtenimplosion beschleunigt sich damit bis zur Besinnungslosigkeit. Peak Child ist UN-offiziell schon seit 2017 (und real sicher früher) überschritten und ich erwarte schon in den 2030ern einen globalen Bevölkerungsrückgang.

      Auch ich halte es für denkbar, dass sich Familien und Gemeinschaften evolutionär neu finden und organisieren. Dies kann und wird aber nach meiner Auffassung nicht einfach durch „weniger Arbeit“, sondern durch eine Überwindung des fossilen Arbeitsbegriffes geschehen. Erwarte ich.

      Vielen Dank für diese Diskussion!

  12. Eine positive Nachricht aus Chemnitz!
    Gestern stand ich extra um 4 auf, um an der ersten Fahrt mit Publikum des neuen Akkuzuges nach Leipzig teilzunehmen. Ein Gespräch mit dem Lokführer nach den ca. 160 km hin und zurück ergab: statt 400 l Diesel für die gewohnte Siemens-Lok ER20 wurden 920 kWh Strom aus den Akkus auf dem Dach verbraucht (installierte Kapazität 1680). Das entspricht energetisch 92 l Diesel. Geladen wird vom Fahrdraht in Chemnitz und Leipzig. Die Akkus kommen von der Schweizer Firma Leclanche. Ihre Produktion befindet sich in Rheinfelden auf deutscher Seite. Die Lebensdauer wird bei insgesamt ca. 18.000 Aufladungen ca. 6 Jahre betragen. Damit werden dann 9000×160 km zurück gelegt werden. Das sind 1,44 Millionen km!
    Das gilt für die ab Sommer dann 11 eingesetzten Triebwagen. 2,77 Millionen Liter Diesel pro Triebwagen werden nicht verbrannt!

  13. @Michael 03.02. 06:25

    „Dies kann und wird aber nach meiner Auffassung nicht einfach durch „weniger Arbeit“, sondern durch eine Überwindung des fossilen Arbeitsbegriffes geschehen. Erwarte ich.“

    Das erinnert mich an das Buch „Neue Arbeit, neue Kultur“ von Fritjof Bergmann. Der beschreibt eine Vision, dass man endlich tun können sollte, was man wirklich, wirklich machen will.

    Was wir hier in diesem Blog machen ist wohl genau das auch.

    Auch die Arbeit an FOSS kann teils unentgeltlich geleistet werden. Solange wie der Lebensunterhalt der Programmierer gesichert ist.

    Aber eins ist klar, Care-Arbeit ist genauso unverzichtbar wie Erwerbsarbeit. Und wenn dann noch der Zeitfresser Smartphone dazu kommt, wird es kritisch.

    Und neben diesen Argumenten für weniger Erwerbsarbeit fällt das auch mit einem möglicherweise deutlich beschleunigten Produktivitätszuwachs durch KI und humanoide Roboter zusammen. Das passt dann ja ganz gut zusammen?

    Zusätzlich freut sich der ganze Planet, wenn immer mehr Menschen weniger Konsumieren und mehr Geld in Grüne Technik investieren. Wenn dann die übelsten Autokraten Pleite gehen kann man vermutlich auch wieder sehr viel weniger Geld für Rüstung ausgeben.

    Ein friedliches Leben mit wenig Militär ist ja durchaus greifbar. Außer Putin ist da jetzt keiner, der uns in Europa militärisch herausfordert.

    @Eckehard Erben 03.02. 07:38

    „Die Lebensdauer wird bei insgesamt ca. 18.000 Aufladungen ca. 6 Jahre betragen. Damit werden dann 9000×160 km zurück gelegt werden. Das sind 1,44 Millionen km!“

    Dieser Zug ist nun ständig im Einsatz, mit etwa 10 Aufladungen am Tag. Der selbe Akku in PKW verbaut würde bei 2 Aufladungen die Woche 35 mal solange halten. Selbst der Akku von Sammeltaxis mit 2 Aufladungen am Tag würde entsprechend 5 mal solange, also 30 Jahre halten. Sofern er nicht schon altert, wenn er nicht genutzt wird.

    • In Autos wird die Lebensdauer von Akkus in der Regel kalendarisch begrenzt. Die möglichen Zyklenzahlen werden dagegen oft nicht genutzt.
      Die kalendarische Lebensdauer wird durch das stete Wachsen der SEI genannten Schicht begrenzt (Solid Elektrolyt Interface).
      Dadurch gehen zum einen Li-Ionen dem Ladungstransport verloren und es sinkt andererseits die verfügbare Leistung.

      Beim Einsatz im Zug wird der mögliche gesamte Regiedurchsatz dagegen gut genutzt. Die dadurch realisierten Personenkilometer sind immens hoch.

      Der Einsatz ist also viel nützlicher und auch nachhaltiger.

  14. @Eckehard Erben 04.02. 20:24

    „Beim Einsatz im Zug wird der mögliche gesamte Regiedurchsatz dagegen gut genutzt. Die dadurch realisierten Personenkilometer sind immens hoch.“

    Klar sind Züge und Busse am sparsamsten, gerade in der E-Version, weil sie den ganzen Tag lang im Einsatz sind.

    Aber Sammeltaxis auf Basis von selbstfahrenden E-Autos wären auch schon sehr sparsam, wenn sie mit vielleicht 5 Fahrgästen im Schnitt den halben Tag unterwegs sind.

    Und selbst private E-Autos sind komplett mit grünem Strom zu betreiben. Immerhin das schon mal. Und freie Akkukapazitäten können bidirektional angeschlossene Fahrzeuge nutzen, indem sie helfen, das Stromnetz zu stabilisieren.

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