Blume & Ince 49: Migräne & Mimesis – Menschen neurodivers

Ohne Berücksichtigung der menschlichen Neurobiologie und Neuropsychologie lassen sich menschliche Erfahrungen und menschliches Verhalten nicht verstehen. Für die erste Folge von “Blume & Ince” im neuen Jahr hatten sich Prof. Dr. Inan Ince und ich daher zwei Themen vorgenommen, die viele und auch fast alle Menschen betreffen: Die Migräne, die das Leben von Inan begleitet und die Mimesis, ohne die nach meiner Auffassung kein Verständnis menschlicher Religion, Kultur, Politik und Wirtschaft möglich ist.

Screenshot aus Folge 49 von Blume & Ince. Die beiden Hosts Michael Blume und Inan Ince diskutieren in den Podcast-T-Shirts im Studio, Inan Ince wendet aufmerksam beschauend einen Faustkeil.

Der BWL-Prof Inan Ince bestaunt die Nachbildung eines Acheuléen-Faustkeils. Deren Funde werden als frühe Belege für frühmenschliche Mimesis verstanden. Screenshot: Michael Blume

Zum Thema Migräne erschien in der neuen Ausgabe von Gehirn & Geist auch ein starker und tiefer Interview-Dialog zwischen Corinna Hartmann und Dagny Holle-Lee zum aktuellen Forschungsstand der Medizin, das wir sehr empfehlen können!

Gimmicks zur Folge 49 von “Blume & Ince”: Oben ein Blutspende-Schal des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), in der Mitte unten die “Gehirn & Geist”-Ausgabe 02/2026, links davon die Nachbildung eines steinzeitlichen Faustkeils und rechts ein Bruchstück aus der Berliner Mauer. Hier fehlt nur das Adenauer-2-Mark-Stück. Foto: Michael Blume

Einen HerrKorr-Artikel von mir zu “Medien & Mimesis” samt der Warnung vor Rechtsmimesis findet Ihr bei Interesse auch hier:

Ein Schaubild mit dem Titel: "Medien & Mimesis: Die Gefahr der Nachahmung". Es zeigt links, wie unreflektierte Medienberichte über Suizide und Gewalt emotionale Verrohungen und Polarisierungen auslösen können und plädiert rechts für einen medienethisch bewussten Medienkonsum.

Medienkonsum ist meist nicht neutrale Informationsaufnahme, sondern aktiviert unsere menschliche Tendenz zur Mimesis. Deswegen gehört eine entsprechend achtsame Berichterstattung etwa zu Suiziden, Gewalttaten & Polarisierungen zu den Klassikern der Medienethik. Schaubild: Michael Blume mit NotebookLM

Wie immer gibt es auch Folge 49 von “Blume & Ince” auf Podigee & allen gängigen Streamern kostenfrei zu hören. Und auf unserem YouTube-Kanal @BlumeundInce auch zu sehen

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

33 Kommentare

  1. Danke für die zwei “Ms’ und danke an Prof. Ince für die Offenheit, mit der Sie über Ihre Migräne berichtet haben. In der heutigen Zeit gehört Mut dazu. Die Diskussionen über die Zukunft von Kranken- und Pflegeversicherung zeigen eines ganz deutlich: Von manchen Politikern werden Kranke, Pflegebedürftige etc nur noch als Kostenfaktor betrachtet, die den gesunden, fleißigen und leistungsfähigen Menschen als finanzieller Ballast auf der Tasche liegen. Mit Parkinson gehöre ich wohl dazu.

    Man sieht einer Person nicht an, welche Staatsangehörigkeit sie oder er hat. In dem Spielfilm “Des Teufels General” wird in einer Szene mit Curd Jürgens und Harry Meyen der “Rheinische Stammbaum” erklärt. Der Clip findet sich auf Youtube. Die schauspielerische Persönlichkeit von Curd Jürgens entfaltet in dieser Szene eine enorme Wucht.

    Medienbildung und Mimesis. Ich schaue mir schon seit vielen Jahren keine Talkshows mehr an. Auf der Suche nach Auftritten der Kandidaten Hagel und Özdemir fand ich auf Youtube ein Gespräch zwischen Sandra Maischberger und Cem Özdemir.

    Wenn in solchen Interviews nachgehakt wird, ist das nichts Verwerfliches. Bei dem Versuch, Herrn Özdemir auf ein konkretes Datum festzunageln, lief das Ganze etwas aus dem Ruder. Denn die Aussage der Moderatorin, dass das Wahlprogramm der Grünen von 2017 also falsch war bezüglich des Datums, finde ich überzogen. Selbstverständlich kann sie das tun.

    Ich bin jedoch auch der Ansicht, dass die Moderatoren von Talkshows sich der Weiterverwertung des Gesagten in Form von entsprechend zusammengeschnittenen Clips (in passender Kürze) zur Veröffentlichung durch Dritte auf Social Media nicht bewusst sind.

    Durch zigfache Clicks, Re-Posts etc wird vor allem den Kandidaten der demokratischen Parteien Schaden zugefügt.

    Herr Özdemir hatte übrigens sachlich, und wie ich finde auch selbstkritisch, auf die Frage geantwortet. Kompromisse, Koalitionen – alles unwichtig. Mir ist klar, dass dies Teil des Talkshow-Entertainments ist. Die meisten Zuschauer wissen das auch. Bei Social Media bekommt diese Form der Unterhaltung eine andere Dimension.

    • Vielen herzlichen Dank, @Marie H. – und ja, sehr bewusst haben wir auch in dieser Folge über die Rechtsmimesis diskutiert und ich habe die Menschenwürde betont, die ich als gemeinsame Mitte aller aufgeklärten Religionen und demokratischen Zivilreligionen bezeichne.

      Entsprechend froh bin ich auch über diesen von Manuel Hagel unterzeichneten Beschluss “Bollwerk der Freiheit” der CDU Baden-Württemberg vom 9. November (!) 2025:

      https://www.cdu-bw.de/ueber-uns/beschluesse/91-PFEsaHTXLR/

      Die Verantwortlichen in demokratischen Parteien, aber auch – ja! – in Medienredaktionen wie etwa TalkShows sollten sich mit den Chancen und auch Gefahren von Mimesis intensiv auseinandersetzen. Deswegen habe ich ja bereits letztes Jahr den auch oben verlinkten Artikel “Medien & Mimesis” publiziert, darin durchaus auch Kritik an Akteuren von Medien, Union und FDP im Kontext der Bundestagswahl 2025:

      https://www.herder.de/hk/hefte/archiv/2025/10-2025/medien-und-mimesis-journalismus-in-zeiten-digitaler-aufmerksamkeitsoekonomie/

      Besonders eindrucksvoll ist mir aber auch ein Besuch in der Gedenkstätte Grafeneck, Baden-Württemberg in Erinnerung, zu dem ich mich danach mit Thomas Stöckle, dem Leiter der Gedenkstätte und Gohdar Alkaidy von der „Stelle für Jesidische Angelegenheiten“ unterhielt:

      https://verschwoerungsfragen.podigee.io/65-neue-episode

      Auf dem Blog habe ich ja auch bereits ein schreckliches NS-Euthanasie-Plakat gebloggt & kommentiert, das die von Ihnen angesprochene Rechtsmimesis gegenüber Menschen mit Erkrankungen und Behinderungen thematisiert.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/rechtsmimesis-widerstand-ein-foto-mem-zur-deutschen-geschichte/

      Herzlichen Dank auch für Ihren Zuspruch zur mutigen Thematisierung von Migräne!

      Dazu bekommen Prof. Ince und ich tatsächlich bereits sehr viele positive Reaktionen auf Mastodon, beispielsweise diese:

      @LyrischerPoet @steffensmile @PaTsch @Teh_Doc_Inan @BlumeEvolution

      Spannender Austausch von allem. Ich erlebe es bei meiner Tochter immer mit (16j) Sie hat mal probiert ne Haarklammer oben am Auge / Augenbraue zu nehmen, da sitzt wohl ein Nerv und Ihr hilft es.

      Ich hab Feuerwerk im Kopf vom ADHS , das tut zwar nicht weh, aber es hilft zu verstehen was Ihr alle durchmacht !!!

      https://sueden.social/@marlinz/115884085174790709

      Auch hier erweist sich das Fediversum als guter Ort, um Solidarität medial sichtbar zu machen.

      • Vielen Dank!

        Besonders gefreut habe ich mich über den verlinkten Beschluss der CDU zur AfD.

        Die gesamte Form und der gemäßigte Wortlaut erinnern mich an die CDU, deren Mitglied ich einmal war. Ich bin froh darüber, dass Herr Hagel von zusammenführen und integrieren schreibt.

        Auch die Erwähnung der historischen Tatsache, dass zu den Gründungsmitgliedern der CDU Persönlichkeiten gehörten, die in der NS-Zeit Widerstand leisteten sehe ich sehr positiv.

        Ich zolle allen, die an der Entstehung und Veröffentlichung des Beschlusses beteiligt waren, meinen Respekt.

        Leider ist meine Freude etwas getrübt worden. In einem Bericht der Tagesschau von gestern wird Frau Hoffmeister-Kraut wie folgt zitiert:

        “Wirtschaft first. Nicht als Schlagwort, sondern als Maßstab politischen Handelns.”

    • Vielen Dank für den Kommentar!
      Vielleicht zum ersten Part: Ich bin der Meinung, dass die Diskussion um Hilfe bzw. Pflege in Deutschland (egal, ob wenig, viel oder zunehmende), einfach zu sehr mit wirtschaftlichen Überlegungen durchsetzt ist. Es ist keine Frage, dass zu dem Thema auch ein Staatshaushalt gehört, aber man kann auch auf der gesellschaftlichen Ebene ansetzen und dann vielleicht überlegen, inwieweit “Care” nicht auch in die Leistungen einer Volkswirtschaft einbezogen werden sollte. Viele andere Zweige der Leistung einer Gesellschaft (Polizei z.B.) werden schließlich auch aus gutem Grund nicht daran gemessen, wie viel Gewinn sie bringen.

      In einer unserer zahlreichen Folgen sprach ich mal über die sog. feministische Ökonomie (Ich finde der Begriff “holistische Ökonomie” passt viel besser). Wenn wir unsere Leistung, gern neben dem BIP, dahingehend mit ausweisen würden bin ich sicher, dass das Thema “Hilfe” ganz allgemein auch wieder mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit bekäme. Schwierig, aber durchaus machbar, ist natürlich die Quantifizierung.

  2. Klasse Folge, wichtige Themen!! Über Migräne wird VIEL zu wenig geredet. Und von Mimesis hatte ich bis eben nix gehört!!

  3. In der Diktatur sind die Rebellen Demokraten, in der Demokratie Faschisten, wo die Führung Angst vor Kätzchen haben, miaut sie. Die Aufstände im Iran, die neue Rechte – es ist ein und dieselbe Rebellion. Und ich halte es für eine unglaubliche Verschwendung rebellischer Wut, sie an die AfD zu verschwenden, und kann es den Etablierten nicht verzeihen, dass sie versucht haben, allen Widerstand zu verunglimpfen, indem sie ihn in die rechte Ecke rückten, bis die rechte Ecke so verdammt voll wurde.

    [Wegen Überlänge und unangemessener Sprache gekürzt, M.B.]

    • Nein, @Paul S. – hier muss ich Ihnen einmal deutlich widersprechen.

      “Die Aufstände im Iran, die neue Rechte – es ist ein und dieselbe Rebellion.”

      Das ist relativistisch und damit faktisch falsch. Denn selbstverständlich macht es einen entscheidenden Unterschied, ob jemand gegen eine verbrecherische, auch antisemitische Diktatur oder gegen eine rechtsstaatliche Demokratie “rebelliert”. Daher habe ich mich auch bereits wiederholt dafür ausgesprochen, die fossilen Truppen der sog. Revolutionsgarde, die auch in diesen Tagen Massaker an iranischen Demonstrierenden begehen, endlich auch durch die EU als Terrororganisation einzustufen. Vgl.:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-fossil-finanzierten-revolutionsgarden-als-die-heimlichen-herrscher-des-iran/

      Auch diesen Satz von Ihnen halte ich für geschwurbelt und inhaltlich falsch:

      “Und ich halte es für eine unglaubliche Verschwendung rebellischer Wut, sie an die AfD zu verschwenden, und kann es den Etablierten nicht verzeihen, dass sie versucht haben, allen Widerstand zu verunglimpfen, indem sie ihn in die rechte Ecke rückten, bis die rechte Ecke so verdammt voll wurde.”

      Die AfD wurde bereits 2013 gegründet und zog seitdem mit immer mehr vom Volk gewählten und vom Steuerzahler bezahlten Abgeordneten sowie wachsenden Mitarbeiterstäben in deutsche Parlamente ein. So haben sie sich sowohl im Bundestag wie in Landtagen bereits selbst etabliert und nehmen – aus Steuermitteln bezahlt – über Legislaturperioden hinweg am politischen Spiel der Bundesrepublik Deutschland teil. Dagegen wird Kandidierenden der iranischen Opposition durch einen sog. Wächterrat das passive Wahlrecht massenhaft verwehrt.

      Indem Sie hier dennoch den falschen Dualismus von “Etablierten” gegen “Widerstand” inszenieren, erneuern Sie Ihre relativistische Gleichsetzung von Demokratie und Diktatur.

      Dummheit im Sinne Bonhoeffers ist in der freiheitlichen Demokratie unseres Grundgesetzes nicht verboten. Aber ich widerspreche ihr auch hier.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/ist-dummheit-gefaehrlicher-als-bosheit-dietrich-bonhoeffer-1906-1945-hatte-recht/

      Gerne möchte ich Sie daran erinnern, meine freundliche und dialogische Geduld nicht mit Schwäche zu verwechseln. Wer als erwachsener und formal gebildeter Mensch nicht einmal eine Demokratie von einer Diktatur unterscheiden kann, hat entweder ein intellektuelles oder ein charakterliches Problem. Und das wird mensch ja wohl noch sagen dürfen. 🙂

  4. Rebellionen „entwickeln“ sich dann, wenn aus einer (auch provozierten) Situation, eine Gruppe Vorteile (Geld) ziehen kann und die andere Gruppe Nachteile hat, also „zahlen“ muss…. Konflikte können auch Demokratien zerstören.

    Bei Religionen „brauchen“ die Gläubigen einen „Teufel“ den sie
    „bekämpfen“ müssen. Die Juden haben das Pech, dass sie bei den Persern als „Teufel“ herhalten müssen. Die Juden sind das lange schon „gewohnt“ und finden immer eine passende „schlagfertige Antwort“.

    In der Demokratie ist es schwieriger. Z.B. eine Gruppe (von finanziell) Interessierten, kommt auf die Idee, natürlich nur aus lauter „Mitgefühl“, möglichst viele arme Menschen aus der ganzen Welt „einzuladen“ und zu versorgen, was zunächst recht humanistisch zu sein scheint.

    Natürlich geht es im Hintergrund um die Befriedigung
    finanzieller Interessen.
    Z.B. darum die Immobilienpreise hoch zu treiben weil eine große Nachfrage nach Wohnungen angekurbelt wird.

    Bei abnehmender Bevölkerungszahl würden die Immobilienpreise verfallen…..

    Es müssen viele Sozialarbeiter beschäftigt werden um die Zuwanderer zu versorgen. Rechtsanwälte profitieren von den Beratungsleistungen und viele Zuwanderer steigen auch noch in den florierenden Drogenhandel ein …….

    Kurz: Manche profitieren, viele müssen immer mehr zahlen, bis sie nicht mehr können und obdachlos auf der Straße landen….

    Auch noch andere „Wohltaten“ für die ganze Welt, z.B. über die WHO und andere Hilfsorganisationen, werden von Amerika (und auch D) finanziert. Natürlich auch die Gender- und Queerforschungen nicht zu vergessen.
    Deswegen werden die Staatsschulden immer größer und die Wirtschaft geht zugrunde. Die Arbeitslosen und die Junkies werden immer mehr…

    Das alles scheint D. Trump (ein typischer „Macher“) aufgefallen zu sein und er versucht verzweifelt umzusteuern. Ohne großen „Weltkrieg“, der „normalerweise“ einen „Neuanfang“ ermöglichen würde…..

    Trumps “Werkzeuge”: Faire „ehrliche Arbeit“, faire „Deals“ und internationale Kooperationen um weltweit Synergieeffekte zu nutzen, wie er es offensichtlich anstrebt, scheinen zweckmäßig.

    Ordnung in den „Hinterhöfen“ der „Machtzentren“ scheinen im auch wichtig……

    • Klar, @Realo – der psychologische Glaube an in die Welt wirkende Superverschwörer bildet als feindseliger Dualismus auch die Grundlage des Antisemitismus. So weit kann ich Ihren Ausführungen noch folgen.

      Schräg wird es dann jedoch, wenn Sie uns auch hier wieder einen fossilen Tyrannen als Messias präsentieren wollen. Donald Trump selbst schlägt doch um sich, stellt die Rechtsordnungen national und international in Frage, beschuldigt die Demokraten der Verschwörungen mit seinem einstigen Freund Epstein, obwohl er selbst in den Akten auftaucht, konsultiert vor der „Festnahme“ von Maduro nicht den Kongress, aber Ölbosse usw.

      Lieben Dank, dass Sie uns so intensive Einblicke in die Rhetoriken von Täter-Opfer-Umkehr, feindseligem Dualismus und Tyrannophilie geben! 😌🙌

  5. Hallo, @Inan und @Michael,

    vielen Dank für diese wunderbare Folge!

    Zuerst einmal an @Inan für die sehr offene und detaillierte Schilderung der Migräne aus Betroffenen-Sicht. Ich denke, das ist sehr hilfreich für andere Betroffene.

    Zum Thema Mimesis: Die Sprechweise vom „mimetischen Schlaf“ erinnert mich sofort an das Dornröschen-Märchen der Brüder Grimm. Beide beschreiben einen kollektiven Zustand der Lähmung, der durch eine übergangene Kränkung ausgelöst wird. Doch wie weit lässt sich diese Parallele ziehen?

    Im Märchen liegt die Ursache dafür, dass Dornröschen und alle Menschen im Schloss in einen Schlaf fallen, darin, dass eine Fee beleidigt wurde – und aus dieser Kränkung heraus einen Fluch ausspricht: Die Königstochter soll beim Stich einer Spindel in einen 100-jährigen Schlaf verfallen. Dieser Mechanismus – dass eine übersehene Emotion (hier: die Demütigung der Fee) zu einer kollektiven Erstarrung führt – lässt sich auf gesellschaftliche Phänomene übertragen: So beschreiben Oliver Nachtwey und Carolin Amlinger in ihrem Buch zum libertären Autoritarismus „Gekränkte Freiheit“, wie Wut, Ohnmacht und das Gefühl, „abgehängt“ oder „nicht mehr gehört“ zu werden, bei Teilen der Bevölkerung zu einer politischen Radikalisierung führen können.

    Wer ist heute die „beleidigte Fee“?

    Nachtwey und Amlinger identifizieren sie in Teilen der Bevölkerung, die sich von politischen und ökonomischen Eliten ignoriert fühlen – deren Wut und Ohnmacht dann von rechtsextremen Akteuren instrumentalisiert wird. Der Fluch der Fee wirkt so wie eine Metapher für den Rückzug in autoritäre oder rechtsextreme Narrative: eine scheinbare „Erlösung“ aus der erlebten Kränkung. Doch genau wie im Märchen führt dieser „Schlaf“ nicht zur Lösung, sondern zur Erstarrung. Die Gesellschaft verfällt in eine unreflektierte Nachahmung („Rechtsmimesis“): Statt die Ursachen von Kränkung zu bearbeiten, werden einfache Feindbilder (Migranten und Migrantinnen, „die da oben“) und pseudomessianische Heilsversprechen („Starker Mann“, „Rückkehr zur alten Ordnung“) unkritisch übernommen.

    Zwar betreibt die Gesellschaft, die ja von der Gefahr einer solchen „autoritären“ Entwicklung weiß – weil sie den Fluch kennt – Vorsichtsmaßnahmen. Und diese Maßnahmen bestehen im Märchen darin, dass sie alle Spindeln verbrennt. Eine oberflächliche Maßnahme, die nicht die Ursachen (den Fluch selbst) angeht und die eher dem entspricht, wie Menschen und Gesellschaften mit „bösen Emotionen“ umgehen: Durch Verdrängung und Bekämpfung derselben, statt durch mutige Konfrontation mit ihnen.

    Trotz aller Vorsicht findet die herangewachsene Königstochter eine alte Frau beim Spinnen – und der unvermeidbare Stich folgt. Die gesamte Schlossgesellschaft verfällt in einen Zustand scheinbarer Harmonie (friedlicher Schlaf?), der in Wahrheit Passivität und Lähmung bedeutet.

    Nun frage ich mich – sollte diese Analogie nicht zu weit hergeholt sein: Wer könnte der Prinz sein, der die mimetisch eingeschlafene Gesellschaft wieder zum Leben erweckt – hin zu einer gesunden, solidarischen und freien Gemeinschaft?

    Der Prinz im Märchen ist eine ambivalente Figur: Einerseits steht er für die Hoffnung auf Erlösung, andererseits für die Gefahr eines falschen Messianismus (ich erinnere an Deinen Blog zum einem falschen, dualistischen Messianismus, @Michael).

    Sollte sich unsere Hoffnung auf einen Heilsbringer beschränken, bin ich eher skeptisch, denn wohin das wiederum führen kann, können wir in den USA ja nun in ganzer Breite besichtigen.

    In der Realität sind es keine einzelnen Retter, sondern kollektive Bewegungen – etwa zivilgesellschaftliche Initiativen, die Solidarität und demokratische Teilhabe einfordern – die den „mimetischen Schlaf“ durchbrechen können.

    Interessant ist, dass im Märchen der Fluch der Fee erst nach 100 Jahren gebrochen wird. Alle Rettungsversuche scheitern, weil die Prinzen, die es zu früh versuchen, in den Dornen umkommen. Sollten wir uns einer solchen deterministischen Sicht fügen? Sollten wir akzeptieren, dass gesellschaftliche Entwicklungen unvermeidlich „ihre Zeit“ brauchen – und wir dazu verdammt sind, „100 Jahre“ in mimetischer Starre zu verharren?

    Oder dürfen wir auf mutigere und stärkere Prinzen hoffen, die es mit den lebensbedrohlichen Dornen früher aufnehmen können? Vielleicht braucht es Menschen, die in diesen finsteren Zeiten mutig vorangehen und Solidarität und Gemeinwohl leben als Inspiration (das „Wachgeküsstwerden“).

    M.E. sollte die Analogie zum Dornröschen-Märchen nicht in Resignation enden. Zwar zeigt sie, dass oberflächliche Lösungen (Spindeln verbrennen) oder falsche Erlöser (der Prinz als Messias) scheitern. Doch sie erinnert auch daran, dass kollektive Reflexion und mutiges Handeln den Fluch brechen können – bevor die 100 Jahre vergehen.

    Historisch gab es solche „Erweckungen“: die Bürgerrechtsbewegung, die Friedliche Revolution 1989, bei der ja, wie Du, @Michael, bemerkst, die Mauer nicht „fiel“, sondern durch mutige Menschen gestürzt wurde – Momente, in denen Menschen gemeinsam den „mimetischen Schlaf“ durchbrachen. Das ist das, was am Ende Eures wunderbaren Podcasts so schön zum Ausdruck kommt und dann doch Hoffnung gibt.

    Zum Schluss hätte ich noch eine praktische Idee, die helfen könnte, unsere „mimetische Schläfrigkeit“ in Bezug auf das Grundgesetz zu therapieren: Wie wäre es, jeden Tag einen Artikel des Grundgesetzes – etwa auf Mastodon – vorzustellen und anhand eines konkreten Beispiels zu erläutern? Wäre es noch Anfang Dezember, böte sich das Format eines „Grundgesetz-Adventskalenders“ an. Vielleicht möchte ja jemand, der in Geschichte und Politikwissenschaft gut bewandert ist, diese Idee aufgreifen.

    • @Peter Gutsche

      Ihre Gedanken und Fragen finde ich spannend. Ich musste darüber nachdenken.

      Ich frage mich, wer oder was beeinflusst die Menschen? Gibt es möglicherweise “Verstärker” negativer Gefühle, z.B. sich nicht gehört oder gesehen zu fühlen?

      Hier finde ich eine m.E. maßgebliche Antwort: Teile der Medien.

      Seit vielen Jahren hat sich aus meiner Sicht vor allem die BILD als Verstärker des Negativen verhalten. Ich habe den Eindruck, dass deren Einfluss auf den öffentlichen Diskurs und die Rolle als eine Art “Rächer der Enterbten” immer noch unterschätzt wird. Im übrigen empfinde ich es als Gipfel der Unverschämtheit einen amtierenden Ministerpräsidenten zum Rücktritt aufzufordern, weil den Machern der Zeitung seine abweichende Meinung nicht gefällt. Wo sind wir denn?!?

      Natürlich ist es jeden Versuch wert, durch positive Mimesis den Menschen eine lebenswerte Zukuntsvorstellung zu vermitteln. Vor allem den jungen Leuten.

      Alte weiße Männer behaupten immer wieder, dass den jungen Leuten Leistungsbereitschaft und Fleiß völlig fehlten.

      Von den jungen Menschen wird aber trotz aller Schmähungen erwartet, dass sie doch gefälligst Rentengesetzen zustimmen sollen, die für sie vor allem mit unbeantworteten Fragen und finanziellen Belastungen verbunden sind.

      Der politische Nachwuchs in den Jugendorganisationen der Parteien redet manchmal nur noch übereinander und nicht mehr miteinander. Die einen fallen durch ihre Kleidung mit fragwürdigen aufgedruckten Buchstabenkombinationen auf; die anderen feiern auf einer ihrer Veranstaltungen einen Politiker, der seit Jahren die Meinung vertritt: Deutschland schafft sich ab.

      Wie pessimistisch und misstrauisch viele unter uns sind, zeigt sich auch an folgender Beobachtung: Politiker, die ein hoffnungsvolles Bild von der Zukunft zeichnen, sind nicht gefragt, selbst wenn sie auf die Kreativität und die Innovationskraft der Bevölkerung hinweisen.

      Politiker, die als Beispiel für den angeblichen Verbotsfetischismus in unserem Land von einem angeblichen Verbot sprechen, im Kinder- und Jugendfußball Tore zu schießen, erhalten für diese unwahre Behauptung kaum Kritik.

      Ministerien, die ihre zentrale Aufgabe in Wortklauberei sehen. Pestizide sind out. Das muss wieder Pflanzenschutzmittel heißen.

      Märchen und Fabeln sind tatsächlich nicht nur Unterhaltung. Sie halten uns einen Spiegel vor. “Star Wars”, die “Grimm’schen Märchen” oder “Das kalte Herz” von Wilhelm Hauff zeigen uns, wie wir uns selbst und die anderen nicht behandeln sollten. Und doch haben wir die Botschaften rasch wieder vergessen oder verdrängt.

      Ich wünschte, es wäre anders. Aber offenbar begeht jede Generation wieder ähnliche Fehler, die im schlimmsten Fall in Katastrophen enden.

      Was bleibt uns? Die Hoffnung und ein Weg aus der Passivität in aktives Engagement.

      • Guten Abend, @Marie H.,

        danke für Ihren Kommentar!

        „Ich wünschte, es wäre anders. Aber offenbar begeht jede Generation wieder ähnliche Fehler, die im schlimmsten Fall in Katastrophen enden.“

        Zwar bin ich kein Fatalist und glaube nicht, dass Geschichte deterministisch vorhersehbar ist. Dennoch beschleicht mich eine Sorge – dass wir aus der Vergangenheit zu wenig lernen. Besonders bedauerlich finde ich, dass immer weniger Menschen am Leben sind, die den Faschismus in unserem Land noch selbst erlebt haben. Zeitzeugen sind unverzichtbar – ihr Wissen und ihre Erzählungen halten die Erinnerung wach und warnen uns vor den Gefahren der Geschichte.

  6. @ Gutsche

    Grundgesetzadventskalender: manchmal ist es besser, eine Idee bei dem Ideengeber zu belassen. So ist das mit Urhebern und Unternehmen ( im philosophischen Sinne). Eine schöne Aufgabe für 12.2026.

    @ Realo/Elektroniker

    Sie sind nicht mehr erreichbar für andere Realitäten als Ihrer eigenen. Die immerselben abstrusen Ansichten.
    Realo soll Realismus suggerieren. Sie wollen ernst genommen werden. Ich trage es mit Humor.
    Sie erliegen tatsächlich der leiblichen Weltaneignung durch Nachahmung von Menschen verachtenden Tyrannen.

  7. @ Michael Blume 13.01.2026, 15:52 Uhr

    Ich glaube doch nicht an „Superverschwörer“, ich glaube an die menschliche Unzulänglichkeit, so dass es immer wieder zu Kriegen gekommen ist, die sich letztlich kaum verhindern lassen.

    Trump steht doch genau so für „Erneuerbare“ (z.B. seine Interessen für notwendige Rohstoffe aus Grönland), für künftige Kernfusion, ganz realistisch, für „jede Technik zu seiner Zeit“….

    Jetzt geht es doch darum, dass ein drohender WK3 (als Atomkrieg) verhindert wird. Das versucht D. Trump, für mich glaubhaft, zu verhindern. Das ist das absolut „Edelste“, was ein Politiker für alle Menschen auf der ganzen Welt tun kann.

    Mit seiner „besonderen, unkonventionellen Art“ sich durchzusetzen, könnte es ihm gelingen.
    Das „Saubermachen im Vorhof der USA“, die relativ unblutige „Maduroshow“ in Venezuela, ist ein Beispiel.

    Mir geht es doch nur darum, in diesen Zeiten für Frieden zu werben, für nichts anderes.

    Darum bedanke ich mich ausdrücklich dafür, dass Sie meine Beitrag freigeschaltet haben.

    • @Realo

      Gerne. Warum sollte ich dieses tyrannophile Geraune auch nicht freischalten?

      “Trump steht doch genau so für „Erneuerbare“ (z.B. seine Interessen für notwendige Rohstoffe aus Grönland), für künftige Kernfusion, ganz realistisch, für „jede Technik zu seiner Zeit“…“

      Bestimmt machen diese Sätze in Ihrer Wahrnehmung Sinn, @Realo. Für uns andere bieten sie wertvolle Einblicke in die Psychologie von antidemokratischem Dualismus, von Feigheit und von messianischer Tyrannophilie.

      Ihnen einen schönen Abend! 🌆

  8. @ Michael Blume 13.01.2026, 19:59 Uhr

    Zitat: „Bestimmt machen diese Sätze in Ihrer Wahrnehmung Sinn, @Realo. Für uns andere bieten sie wertvolle Einblicke in die Psychologie….“

    Trump ist auch offen für neue Technologien. Er will (und braucht) z.B. die seltenen Erden Grönlands für den Ausbau der erneuerbaren Energien.

    Bei langfristigen Energie‑ und Infrastrukturplanungen (die ich gemeint habe), geht es im Kern darum, eine bestimmte, technisch ausgereifte und verlässliche Technologie genau dann einzusetzen, wenn sie notwendig, wirtschaftlich sinnvoll und gesamtgesellschaftlich vorteilhaft ist.

    Maßgeblich ist dabei, dass der Barwert (auch der Betriebskosten) aller Investitionen einer Variante geringer ist als bei allen anderen möglichen Planungsoptionen.

    Ein typisches Beispiel:
    Ältere Kraftwerke fallen mit zunehmendem Alter häufiger aus, verursachen steigende Reparaturkosten und benötigen oft mehr Personal. Ab einem bestimmten Punkt wird der Weiterbetrieb wirtschaftlich unattraktiv, und ein Ersatz wird notwendig.

    Als Ersatz kommen moderne Gaskraftwerke infrage, aber auch erneuerbare Energien. Bei erneuerbaren Quellen wie Photovoltaik ist die Energie selbst zwar kostenlos, jedoch entstehen hohe Kosten für Netzausbau und Leitungsinfrastruktur, insbesondere wenn große Anlagen räumlich verstreut errichtet werden.

    Diese zusätzlichen Kosten werden erst dann kompensiert, wenn beispielsweise die Gaspreise stark steigen oder andere externe Faktoren – wie CO₂‑Kosten oder Klimaschäden – angemessen eingepreist werden.

    Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Frage, ob überhaupt genügend erneuerbare Erzeugungskapazitäten verfügbar sind, um den Bedarf zu decken.

    Falls dies nicht der Fall ist, rücken andere Technologien wieder in den Fokus, etwa neue Kernkraftwerke oder langfristig auch Fusionskraftwerke. Auch diese Optionen fördert D. Trump.

    Am Ende gilt: Jede Technologie hat ihre Zeit, abhängig von technischer Reife, Kostenentwicklung, Ressourcenverfügbarkeit und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.

    @ Mussi

    Zitat: „Wahnsinn?!“

    Sie sind recht kryptisch. Sehen Sie Kriegsrisiken (WK3) oder ist alles nur Hysterie und wir leben in glücklichen Zeiten, alles ist o.k????

    • @Realo schrieb…

      “ Trump ist auch offen für neue Technologien. Er will (und braucht) z.B. die seltenen Erden Grönlands für den Ausbau der erneuerbaren Energien.“

      Gerade erst musste ein US-Gericht den Weiterbau der Orsted-Windkraftanlage gegen die illegale Schließung durch Trump beschließen.

      https://www.tagesschau.de/wirtschaft/orsted-windpark-usa-verbot-gekippt-100.html

      Aber mir scheint, dass es Ihnen eigentlich kaum noch um ein echtes Verständnis der Realität geht, sondern dass Sie hier zunehmend nur noch um Aufmerksamkeit trollen. Doch dafür ist dieser Blog nicht da, sondern für echten Dialog. Weitere Troll-Drukos werde ich nicht mehr freischalten.

  9. @Realo 13.01. 10:48

    „Natürlich geht es im Hintergrund um die Befriedigung finanzieller Interessen. Z.B. darum die Immobilienpreise hoch zu treiben weil eine große Nachfrage nach Wohnungen angekurbelt wird. .. Bei abnehmender Bevölkerungszahl würden die Immobilienpreise verfallen…..

    Ist es schon Rechtsmimesis, überhaupt Zuwanderer zum Thema zu machen? Ich weiß es nicht.

    Jedenfalls wirkt Zuwanderung angesichts des Geburtenmangels ganz deutlich auch auf den Wohnungsmarkt. Das muss aber nicht immer schlecht sein. Zuviel Verfall kommt dann auch den Mietern nicht mehr zugute.

    Aber klar, Vermieter sehen das sicher anders als Mieter, und selbst wer in der eigenen Immobilie wohnt, der freut sich über Wertsteigerungen. Nur Mieter und Leute, die auf der Suche nach einer Immobilie sind, um sie zu kaufen, die werden das anders herum sehen.

    Ich vermute mal, dass gerade der Immobilienmarkt recht sensibel ist, und schnell in das eine oder andere Extrem kippen kann. Wenn man dem jetzt mit mehr oder weniger neuer Zuwanderung entgegenwirken will, muss man eigentlich in jeder Kommune ganz lokal gucken, wie jetzt auch der lokale Wohnungsmarkt gerade aussieht.

    „Kurz: Manche profitieren, viele müssen immer mehr zahlen, bis sie nicht mehr können und obdachlos auf der Straße landen….“

    So ist in NRW etwa Düsseldorf oder Münster völlig überlaufen und unbezahlbar, aber auch jede Menge Landkreise oder sogar Duisburg und Gelsenkirchen voll am Verfallen.

    Hier in Dortmund ist es derzeit recht ausgeglichen. Man bekommt vernünftige Mietangebote, und zugleich wird auch durchaus Renoviert und neu Gebaut.

    Ich würde es mal versuchen, die Kommunen mehr zu fragen, wie viele neue Mitbürger sie wirklich haben wollen?

    „Es müssen viele Sozialarbeiter beschäftigt werden um die Zuwanderer zu versorgen. Rechtsanwälte profitieren von den Beratungsleistungen und viele Zuwanderer steigen auch noch in den florierenden Drogenhandel ein …….“

    Aber dafür Arbeiten die meisten Einwanderer auch, und selbst deren Kinder beleben das Land und sind auch unsere Zukunft. Gerade diese Kinder besser zu fördern, würde sogar den Bedarf an weiteren neuen Einwanderern reduzieren. Und überhaupt mehr Kinder, bei Neudeutschen wie bei Altdeutschen.

    Demografie und Migration wechselwirken offenbar vielfältig. Das ist durchaus komplex.

  10. @ Mussi 13.01.2026, 17:42 Uhr

    Zitat: „Sie sind nicht mehr erreichbar für andere Realitäten als Ihrer eigenen. Die immerselben abstrusen Ansichten.“

    Ich bin sehr neugierig und offen für alle Sichtweisen. Bitte versuchen Sie, mir Ihre Ansichten und Wahrheiten zu vermitteln.

    Ist es z.B. so, dass in Wirklichkeit, anders als ich es sehe, die Juden von den Islamisten „wert geschätzt“ werden, ihnen auf der Straße „Blumen gestreut“ werden?

    In einer Demokratie (z.B. USA) es keine Konflikte zwischen den politischen Gruppierungen gibt? Die Demokraten und Republikaner in Wahrheit „ein Herz und eine Seele sind?

    In Amerika finanzielle Interessen keine Rolle spielen, jeder eine billige Wohnung bekommen kann. Auf der Straße nur glückliche Menschen herumlaufen, weder Obdachlose noch Junkies zu sehen sind? Ein Mangel an Arbeitskräften in der florierenden Autoindustrie herrscht?

    Die Steuereinnahmen sehr hoch sind, der Finanzminister nach Möglichkeiten sucht, die Gelder los zu werden, indem er z.B. Gesundheitsprojekte zum Vorteil fremder Länder finanziert? Oder exotische „Studienrichtungen“, Gender- bzw. Forschungen über „Queere“ finanziert?

    Kurz: Die Wirtschaft floriert, es geht ihr gut in Amerika. Die Schulden sind nicht der Rede wert. Alle Menschen leben „gut“ und im Überfluss in Amerika, sind überglücklich, alles paletti…..

    Reformen, wie sie Trump anstrebt, sind völlig unnötig und sinnlos…… Wir gehen einer traumhaften Zukunft im Frieden entgegen…..

    Gehen Sie womöglich aus den angeführten Gründen davon aus, dass ich mit meinen Sichtweisen und meinem Realismus „völlig daneben“ liege, geradezu `“queer“ bin?

  11. @ Realo

    Ich zähle Sie zu der Kategorie Mensch, die sich nicht hinterfragen.
    Und tun sie es doch mal, halten Sie Ihr Tun für das natürlichste der Welt.

  12. @ Tobias Jeckenburger 14.01.2026, 00:38 Uhr

    Zitat: „Ist es schon Rechtsmimesis, überhaupt Zuwanderer zum Thema zu machen? Ich weiß es nicht.“

    Am Beispiel der Zuwanderer können die Probleme am besten beschrieben werden. Mir persönlich tun z.B. die Ukrainerinnen besonders leid. Sie sind sehr angepasst, machen uns keine Vorschriften wie wir zu leben haben, hatten in ihrer Heimat gute (akademische) Berufe, haben sehr schnell bestens Deutsch gelernt und arbeiten jetzt z.B. in einer Reinigungsfirma.

    Habe praktisch durchwegs die gleichen Erfahrungen gemacht und sehe fast alles ganz genau so wie Sie in Ihrem Beitrag.

    Es gibt „Zuwanderer Kinder“ die sind sehr ehrgeizig und sehr erfolgreich, aber andere wollen sich nicht ausbeuten lassen wie die Eltern und werden zum Problem, weil sie gar nicht mehr arbeiten wollen.

    Demografie und Migration wechselwirken offenbar vielfältig. Das ist durchaus komplex.

    Trump sind aber auch andere Fehlentwicklungen in der Gesellschaft aufgefallen, z.B. Verlust der Werkbänke oder die drohende WK3 Gefahr…..

    Ich bin nicht, wegen „Darwins Auslesekonzept“ grundsätzlich gegen Kriege, darüber haben wir beide schon diskutiert und ich spielt die Rolle des „Kriegslüstling“, nur die A, B, C Waffen haben alles verändert, jetzt droht Ausrottung….

    Übrigens: Auch bei uns wird der Bau von Windkraftanlagen mitunter bekämpft, wenn z.B. Anrainer Trockenheit und Lärm befürchten….

  13. @Realo 14.01. 09:32

    „Ich bin nicht, wegen „Darwins Auslesekonzept“ grundsätzlich gegen Kriege, darüber haben wir beide schon diskutiert und ich spielt die Rolle des „Kriegslüstling“, nur die A, B, C Waffen haben alles verändert, jetzt droht Ausrottung….“

    Also ich habe auch keinen Bock auf konventionelle Kriege mit einem umfangreichen gegenseitigen Töten in mühseliger Handarbeit. Wie jetzt in der Ukraine.

    Besser als die globale Vernichtung dann schon, unbedingt.

    Krieg als Naturgesetz? Wenn, dann aus dem Bereich der Soziologie. Unserer Biologie macht Kriege m.E. nur möglich, nicht zwingend erforderlich. Entsprechend sind ehrliche und funktionierende Friedensbemühungen nicht sinnlos. Und können in der Tat Krieg verhindern.

    Immerhin führen funktionierende Demokratien gegeneinander keine Kriege. Zumindest seit es funktionierende Demokratien gibt. Das ist nun ein durchaus erfreuliches Faktum.

  14. @ Mussi 14.01.2026, 09:16 Uhr

    Zitat: „Ich zähle Sie zu der Kategorie Mensch, die sich nicht hinterfragen.
    Und tun sie es doch mal, halten Sie Ihr Tun für das natürlichste der Welt.“

    Da schätzen sie mich völlig falsch ein. Ich bin, auch aus Gründen der geistigen Fitness, sehr neugierig und hinterfrage alles, immer und immer wieder. Kann mich eher schwer für Alternativen entscheiden.

    In der „Kriegsfrage“ bin ich nur deswegen für einen „Friedenskurs“, weil bei konsequenter Anwendung der modernen Waffentechnik unsere eigene Ausrottung droht. Das war früher nicht der Fall.

  15. @ Tobias Jeckenburger 14.01.2026, 15:23 Uhr

    Zitat: „Krieg als Naturgesetz? Wenn, dann aus dem Bereich der Soziologie. Unserer Biologie macht Kriege m.E. nur möglich, nicht zwingend erforderlich.“

    Das Problem ist, in Gehirnen entwickeln sich „süße Gewinn bringende Gedanken“ die sich bis zum Wahn steigern können. Z.B. Menschen fangen an zu glauben, sie hätten das Recht, ein anderes Land vom Meer abzuschneiden und danach z.B. mit hohen Gewinne bringenden Transitgebühren fest abzuzocken….

    Die Menschen im anderen Land, dem droht seinen Meerzugang für die Flotte und den Handel zu verlieren, entwickeln sofort Gedanken, sich derartiges niemals gefallen zu lassen und sofort zuzuschlagen, mit allen Konsequenzen.

    Gedanken entwickeln sich auf beiden Seiten zum Wahn, der Wahn zum Massenwahn und der zum Krieg…..

    Krieg, Wahn und Massenwahn können aus psychologischer und auch literarischer Perspektive betrachtet werden.

    Krieg ist kein „normaler“ Zustand menschlicher Gesellschaften. Er entsteht häufig aus irrationalen Gedanken, die sich psychologisch, wie oben versucht, erklären lassen. Es kommt zur Feindbildkonstruktion, der Gegner (sein Anführer) wird entmenschlicht, dämonisiert, moralisch abgewertet. Beide Seiten kommen zur Überzeugung, eine „wichtige Mission“ zu erfüllen. Im Wahn entwickeln sich kollektive Emotionen, wie Angst, Hass, Euphorie – sie wirken stärker als rationale Überlegungen.

    Es kommt zum Massenwahn, zu Mechanismen der kollektiven Verblendung. Menschen passen sich der Mehrheit an – selbst gegen ihre Überzeugung. In der Masse verliert man persönliche Verantwortung. „Alle machen es – also mache ich es auch.“ Gefühle verbreiten sich wie ein Virus, Hass, Angst, Begeisterung, Panik.

    „Erzählungen“ erzeugen Wahn: „Wir sind bedroht“, „wir sind überlegen“, „der Feind ist böse“

    Krieg und Wahn gibt es auch in der Literatur (Schwerpunkt Schiller): „Der Taucher“ „Alles rennt, rettet, flüchtet“. Diese Gedanken stammen von einem früheren Deutschlehrer, den wir auch im Fach Geschichte hatten. Die grundlegenden Muster wurden von mir an die aktuelle Situation angepasst….

    Wahn ist also nicht ein Nebeneffekt des Krieges – Wahn ist oft seine Voraussetzung.

    Fazit: Krieg, Wahn und Massenpsychologie bilden ein enges Geflecht.

    Ist der Wahn fortgeschritten, sind ehrliche und funktionierende Friedensbemühungen wegen der eingeengten Sicht, sehr schwierig.

  16. @ Michael Blume 15.01.2026, 00:08 Uhr

    Zitat: „Und Sie glauben wirklich, es würde uns helfen, wenn wir uns vor jedem fossilen Tyrannen in den Staub werfen, @Realo?“

    Tyrannen sind offensichtlich Staatslenker die über, sagen wir einmal 5000 Atombomben, verfügen.

    Ob wir uns vor ihnen künftig in den Staub werfen müssen ist eine andere Frage. Aber wenn sich z.B. einer einfach Grönland schnappt, so können wir das beweinen, was anderes wird uns kaum übrig bleiben….

    Jedenfalls ist, (war) es keine gute Idee, zu versuchen, einen Tyrann samt seinem Flottenhafen vom Schwarzen Meer zu vertreiben….

    Wohin das führen wird?

    Vermutlich dahin, das wissenschaftlich gut entwickelte, auch Kleinstaaten, sich billige Biowaffen zulegen werden und jeweils die halbe Welt samt der Tyrannen ausrotten….

    • @Realo

      Was bin ich froh, dass der Regierungschef von Grönland selbst sowie Dänemark und Frankreich sowie weitere EU-Länder mehr tun, als die Gefahren des fossilen Imperialismus nur zu „beweinen“.

      Hatte übrigens seit 2015 und sehr konkret hier 2019 vor den Gefahren von „Ölfluch & Antisemitismus“ inklusive der Gewalt durch Wladimir Putin, Russlans und Ali Chemeni, Iran gewarnt:

      https://www.salonkolumnisten.com/oel_antisemitismus/

      Niemand kann alles, aber alle können etwas verändern. Etwas Mut auch zur Realität gehört dazu, ja.

  17. @ Realo / Elektroniker

    Es ist ein Unterschied, ‘sich’ oder ‘ es’ zu hinterfragen..
    Alleine die Verwendung der Synonyme jeweils in Kontexten ist zweifelhaft.
    Ihre persönliche Geschichte in Ehren, aber gelernt haben Sie nicht wirklich.

  18. @Realo 15.01. 01:03 / 01:25

    „Es kommt zur Feindbildkonstruktion, der Gegner (sein Anführer) wird entmenschlicht, dämonisiert, moralisch abgewertet. Beide Seiten kommen zur Überzeugung, eine „wichtige Mission“ zu erfüllen.“

    Die Ukraine ist aber doch bedroht, und wir befürchten, dass Putin mit Natostaaten weitermacht, wenn er mit der Ukraine fertig ist. Deswegen liefern wir Waffen und verhängen Sanktionen. Wir denken eben, dass wir da am Ende mit drin hängen, egal was wir jetzt machen. Da werden wir dann lieber proaktiv, und rüsten auch auf was geht.

    „Jedenfalls ist, (war) es keine gute Idee, zu versuchen, einen Tyrann samt seinem Flottenhafen vom Schwarzen Meer zu vertreiben….“

    Das war es wirklich nicht. Hier hat die Ukraine auch m.E. eine schwerwiegenden Fehler gemacht. Wegen Sewastopol, aber auch wegen der russischen Minderheit in der Ostukraine. Dem ersten Angriff von 2014 haben wir doch auch tatenlos zugesehen. Und man hat sich doch auch bald auf einen Waffenstillstand geeinigt.

    Warum hat Putin dennoch weiter gemacht? Das ist doch die eigentliche Frage.

    Weil genau das dann uns tatsächlich in Zugzwang bringt. Das ist kein Wahn unsererseits. Unsere Anstrengungen sind ziemlich realistische Vorsorge.

  19. Ergänzend zu Mimesis,

    Ob dieser Begriff Eingang in die Sprache findet ??
    Mein Vorschlag , der auch den Zusammenhang mit dem Internet betont,
    “Tradierung von Kultur”. Tradierung von kulturellen Werten.

    Und darauf kommt es an. Dafür haben wir die Schulen.

    • Ganz herzlichen Dank für das Interesse & die Nachfrage, @NI=natürliche Intelligenz

      Klar ist: Mimesis ist (noch) ein Fachbegriff der Philosophie und Kulturpsychologie, der mich vor allem im großen Werk “Religion in Human Evolution” (Harvard University Press 2011 / 2017) des Religionswissenschaftlers Robert Neelly Bellah (1927 – 2013) als Grundlage menschlicher Religiosität und Kultur überzeugte. Bellah wurde weltweit auch bekannt als Entdecker der Zivilreligion, wie sie jede politische Körperschaft unweigerlich ausprägt.

      “Tradierung von Kultur” gefällt mir als Übersetzung sehr gut, erreicht allerdings nicht die Bedeutungstiefe. So wendet sich ja etwa faschistische Rechtsmimesis wie auch intolerante Linksmimesis häufig genau “gegen” die überlieferte Kultur. Das gilt nicht nur für die Nazis damals.

      So meldet die KNA heute:

      Zur Landtagswahl am 1. September in Sachsen-Anhalt hat die AfD jetzt einen Entwurf für ihr Wahlprogramm vorgelegt. Es sieht für den Fall einer Regierungsübernahme vor, die Zahlung der Staatskirchenleistungen einzustellen, ebenso den staatlichen Kirchensteuereinzug. Zudem will der vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte Landesverband das Kirchenasyl unterbinden. In Wahlumfragen lag die AfD in Sachsen-Anhalt zuletzt bei 40 Prozent und hätte erstmals eine Chance, einen Ministerpräsidenten zu stellen.

      In dem Papier spricht die AfD von “Kirchensteuerkirchen”. Da diese sich von ihrer “Kernaufgabe”, der Pflege des christlichen Glaubens, entfernt hätten und eine “Regenbogenideologie” propagierten, wolle man “all ihre Privilegien abschaffen”.

      https://www.meine-kirchenzeitung.de/c-aktuell/frontangriff-gegen-die-kirchen_a74559

      Wir werden also immer wieder genau hinschauen müssen, welche kulturellen Traditionen mimetisch aufgegriffen und welche abgelehnt, ja bekämpft werden.

      Da ich ja nun doch seit einiger Zeit zum Thema Mimesis & Medien arbeite und einiges publiziert habe, vermag auch Felo.ai bereits zusammen zu fassen:

      Dr. Michael Blume betrachtet das Verständnis der Mimesis (der menschlichen Fähigkeit und Neigung zur Nachahmung, insbesondere von Wünschen und Zielen) als einen zentralen Schlüssel, um die Dynamiken in Religion, Politik und modernen Medien zu entschlüsseln. Für ihn ist Mimesis nicht nur ein biologisches Phänomen, sondern eine psychologische und kulturelle Kraft, die erklärt, wie Überzeugungen entstehen, wie sich politische Bewegungen radikalisieren und wie Algorithmen unsere Wahrnehmung formen.

      Nachfolgend sind die Hauptgründe aufgeführt, warum dieses Konzept in Blumes Analysen eine so hohe Priorität genießt.

      ## Mimesis als Grundlage menschlichen Begehrens
      Blume stützt sich unter anderem auf die mimetische Theorie (oft assoziiert mit René Girard), um zu erklären, dass menschliche Wünsche nicht autonom entstehen. Menschen begehren nicht isoliert, sondern lernen ihr Begehren an Vorbildern (“Modellen”).

      * **Übernahme von Zielen:** Blume verdeutlicht dies am Beispiel des “Trumpismus” (MAGA). Er argumentiert, dass Anhänger politische Ziele oft erst übernehmen, weil ihr Anführer diese vorgibt. Als konkretes Beispiel nennt er, dass niemand die NATO hasste oder Grönland kaufen wollte, bevor Donald Trump diese Themen setzte und emotional auflud[3][5].
      * **Identifikation und Loyalität:** Durch die Nachahmung des Anführers – seiner Sprache, seiner Feindbilder und seiner Emotionen – entsteht eine tiefe, fast kultische Loyalität. Anhänger fühlen sich zugehörig, indem sie so fühlen und hassen wie ihr Vorbild[5].

      ## Die Verstärkerwirkung digitaler Medien
      Blume sieht in der modernen Medienlandschaft, insbesondere in sozialen Netzwerken und durch KI gestützte Algorithmen, eine Art “mimetische Maschinerie”, die diese menschliche Neigung technologisch potenziert.

      * **Algorithmische Spiegelung:** Algorithmen funktionieren mimetisch, indem sie erkennen, was Nutzer mögen, und ihnen mehr davon anbieten (“Du magst X, hier ist mehr X”)[3]. Dies führt zu einer Homogenisierung der Wahrnehmung und bestätigt Nutzer in ihren bestehenden Weltbildern.
      * **Digitale Blasen und KI-Kokons:** Diese Rückkopplungsschleifen erzeugen “mimetische Medienblasen”. Blume warnt davor, dass dies zu einer “neuen Biedermeier-Kultur” führen kann – einem Rückzug ins Private und in konfliktfreie Komfortzonen, in denen man nur noch Bestätigung erfährt, während das Verständnis für demokratische Diskurse schwindet[3].
      * **Bifurkation:** Gleichzeitig ermöglichen diese Mechanismen eine radikale Aufsplitterung (Bifurkation) der Gesellschaft in unzählige kleine “Nischen-Wohnzimmer” und extremistische Subkulturen, die kaum noch eine gemeinsame Öffentlichkeit teilen[3].

      ## Politische Gefahren: “Rechtsmimesis” und Propaganda
      Ein besonders kritischer Aspekt in Blumes Arbeit ist die Analyse dessen, was er als “Rechtsmimesis” bezeichnet – die Nachahmung rechtsextremer und antidemokratischer Muster.

      * **Propaganda als Skalierung:** Propaganda dient dazu, rechte Deutungsmuster sichtbar und “kopierbar” zu machen. Durch ständige Wiederholung und Präsenz im öffentlichen Raum (analog und digital) wird die Hemmschwelle gesenkt, diese Parolen zu übernehmen[3].
      * **Angst als Treibstoff:** Angst ist ein starker Motor für mimetische Anpassung. Wenn Propaganda ein Klima der Unsicherheit schafft, neigen Menschen dazu, sich an vermeintlich starken Gruppen zu orientieren und deren Feindbilder (Sündenbockmechanismus) zu übernehmen, um Schutz und Zugehörigkeit zu finden[3][5].
      * **Autoritäre Allianzen:** Blume erklärt mithilfe der Mimesis auch das Phänomen, dass sich scheinbar widersprüchliche autoritäre Akteure (z. B. “fossile Faschisten”, religiöse Fundamentalisten verschiedener Lager) verbünden oder gegenseitig in ihren Methoden imitieren, da sie ähnliche Machtstrukturen anstreben[3].

      ## Medienbildung und demokratische Resilienz
      Das Verständnis der Mimesis ist für Blume nicht nur Diagnose, sondern Voraussetzung für eine Lösung (“Therapie”).

      * **Aufklärung statt “mimetischem Schlaf”:** Er vergleicht den Zustand unreflektierter Nachahmung mit einem “mimetischen Schlaf” (ähnlich dem Dornröschen-Märchen). Nur durch Bewusstwerdung dieser Mechanismen – also Medienbildung – können Menschen aus der passiven Übernahme von Fremdbildern aufwachen[5].
      * **Positive Mimesis:** Blume betont, dass Mimesis nicht per se schlecht ist. Sie kann auch positiv genutzt werden, etwa durch “BeGood”-Proteste oder Solidarität, die ebenfalls ansteckend wirken können. Ziel ist es, demokratische Werte und Menschenwürde so sichtbar zu machen, dass sie zur Nachahmung anregen, anstatt Hass und Spaltung das Feld zu überlassen[3][5].

      Zusammenfassend ist für Dr. Blume die Mimesis der operative Kern, der erklärt, warum rationale Argumente in politischen Debatten oft versagen und warum sich Gruppenidentitäten in der digitalen Ära so radikal verfestigen.

      [1] https://www.herder.de/autoren/b/michael-blume/
      [2] https://x.com/mkowa1/status/2015186161627525154
      [3] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/durch-mimesis-medien-verstehen-ki-zwischen-biedermeier-kreativitaet/
      [4] https://stm.baden-wuerttemberg.de/de/themen/beauftragter-gegen-antisemitismus
      [5] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-49-migraene-mimesis-menschen-neurodivers/
      [6] https://sueden.social/@BlumeEvolution
      [7] https://dokumen.pub/mimesis-and-alterity-a-particular-history-of-the-senses-routledge-classic-texts-in-anthropology-9781138282759-9781138242982-1138282758.html
      [8] https://www.boell-bw.de/de/2022/12/05/dr-michael-blume-gegenstrategien-von-seiten-der-politik-und-den-institutionen
      [9] https://firescholars.seu.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=1078&context=honors
      [10] https://www.facebook.com/groups/588048328669520/posts/1437884350352576/
      [11] https://www.mdpi.com/2077-1444/12/11/988
      [12] https://ecommons.cornell.edu/bitstream/handle/1813/67263/Stoltz_cornellgrad_0058F_11384.pdf?sequence=1&isAllowed=y
      [13] https://brill.com/downloadpdf/display/title/14733.pdf?srsltid=AfmBOopaLedwM3tuo-cHbD1Z5mQiPVIe1zjD8UHXGhMk6UNmKCZca4gJ
      [14] https://drum.lib.umd.edu/bitstreams/5ca60eff-9691-44be-a3bd-da433e4a1242/download
      [15] https://www.uni-muenster.de/Religion-und-Politik/en/personen/projekt/gruenbart.shtml
      [16] http://www.blume-religionswissenschaft.de/english/index_english.html
      [17] https://academicworks.cuny.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=2639&context=gc_etds
      [18] http://www.blume-religionswissenschaft.de/Netzkultur.html

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